Kosten- & Leistungsrechnung · Prof. Rohleder, TH Bingen · Prof. Rohleder · 80 P / 80 min / 7 Aufgaben · Open Book.
Themen-sortiert: Theorie → jede Rechenmethode direkt mit ihrer Transfer-Übung → Übungspool → 154 Original-Aufgaben → Altmeisterklausur komplett gelöst. Zum Mitnehmen: Strg/Cmd+P → „Als PDF speichern", Kopf-/Fußzeilen anlassen für Seitenzahlen. 223 Stichwörter im Register.
🟦 blau umrandet = Original-Aufgabe von Rohleder 🟩 grün umrandet = von der KI erfundene Übungsaufgabe (kein Rohleder-Material) (zum Extra-Üben)
Kap. 1 · 📐 Formelsammlung — alle Formeln nach Thema, zum Nachschlagen · Referenz
📐 Formelsammlung — alles auf einen Blick
Zum schnellen Nachschlagen in der Klausur. Alle Formeln nach Thema geordnet, jede mit durchgerechnetem Mini-Beispiel. Den ausführlichen Rechenweg Schritt für Schritt gibt es im Kapitel 🍳 Kochrezepte (direkt nach diesem Kapitel). Rohleders mündliche Fallen stehen jeweils direkt beim betroffenen Thema (🎤 „Rohleders Hinweise zu diesem Thema").
🎒 Klausurtag-Checkliste (die 5,0 im Erstversuch kam vom Handy im Rucksack — nicht vom Stoff)
Handy: ausschalten UND nach vorn / zur Tasche am Pult — NIE am Platz oder im Rucksack neben dir. Gleiches gilt für Smartwatch und Kopfhörer.
Vor Abgabe der Tasche: Ausweis, Taschenrechner (kein programmierbarer, falls verlangt), Stifte, dieser Ordner raus.
Bei jeder Theorie-Aufgabe: Rückseite/Teil B checken (hat im Erstversuch Punkte gekostet).
Neue PO beachten: je nach Gruppe zusätzliche Aufgabe (BAB) + 10 Minuten — Deckblatt genau lesen.
Symbole definieren + Rechenweg zeigen — Pflicht laut Deckblatt. Reine Formel ohne Erklärung des betriebswirtschaftlichen Inhalts zählt nicht: „Werfen Sie mir keine Formeln vor die Füße."
Runden: durchgängig auf 2 Nachkommastellen (kaufmännisch, mit Tausenderpunkt) — auch bei Prozentwerten und in jedem Zwischenschritt. NICHT mit voller Taschenrechner-/Excel-Genauigkeit durchrechnen: das erzeugt in mehrstufigen Rechnungen Abweichungen (Bsp. 16.537,50 € voll vs. 16.525 € gerundet). 2–4 Cent Folgeabweichung sind ok, 10–20 Cent nicht mehr.
Punkte = Minuten (1:1). Zeit ist üppig geplant — jede Aufgabe zweimal lesen, die Frage genau verstehen (falsches Verstehen ist der Flaschenhals, nicht die Zeit).
Fehlende Angaben durch die naheliegendste Annahme ergänzen und explizit hinschreiben („ich nehme an …") — keine Haarspaltereien.
Nur die tatsächlich gefragten Zwischensummen ausrechnen (spart Zeit) — z. B. VwGK+VtGK zu einem Satz zusammenfassen, wenn beide auf Herstellkosten beruhen.
Begründung = ganzer Satz (Subjekt-Prädikat-Objekt). Faustregel 1 Punkt ≈ 1 Aussage/Satz; Antwortlänge am Punktwert orientieren.
Zusätzliche Zwischenzeilen erlaubt — „wer heilt, hat recht": mehr Rechenschritte sind kein Fehler, solange das Ergebnis stimmt.
Nullpunkte gelten nur für die betroffene Teilaufgabe (kein Durchreißen). Dieselbe richtige Aussage zählt nur einmal, nicht doppelt für Teil A und B.
⚡ Die Formeln, die fast immer gebraucht werden
Erlös E = p · x · Gesamtkosten K = Kf + kv · x · DeckungsbeitragDB = (p − kv) · x · Gewinn G = DB − Kf = E − K
Break-Even-Menge x = Kf / db (durch den Stück-DB teilen, nicht durch den Preis!)
Zuschlagskalkulation:MEK → MK → HK → SK → Barverkaufspreis → (÷ 0,xx) Ziel- → (÷ 0,xx) Listenpreis. Skonto/Rabatt im Hundert: ÷ (1 − Satz), NIE × (1 + Satz).
Kontrolle Erfolgsgrößen: W = 1 + R (gilt immer).
Symbol-Legende
Kürzel
Bedeutung
Einheit
p
Stückpreis / Erlös je Stück
€/Stk
x
Menge (Herstell-/Absatzmenge)
Stk
kv
variable Stückkosten
€/Stk
Kf
Fixkosten der Periode
€
E
Erlös / Umsatz
€
K
Gesamtkosten
€
DB / db
Deckungsbeitrag gesamt / je Stück (= Deckungsspanne ds)
Merke: W = Verhältniszahl (z. B. 1,07), NICHT in %. R = G/K (Gewinn ÷ Kosten), NICHT Umsatzrendite G/E. Synonyme (Rohleders b)-Fragen): db = Deckungsspanne · W = Effizienz · Z = Effektivität.
Preisuntergrenzen (Merksatz — Preise selbst sind nicht kalkulierbar, nur Untergrenzen):
Kurzfristige Preisuntergrenze = variable Kosten/Grenzkosten je Stück (Betriebsminimum) — solange gedeckt, ist DB ≥ 0 und ein Zusatzauftrag lohnt sich noch. 🔢 Beispiel: kurzfr. PUG = kv = 9 €/Stück (darunter ist der Stück-DB negativ) Langfristige Preisuntergrenze = Vollkosten/Selbstkosten je Stück inkl. angemessenem (kalkulatorischem) Normalgewinn — dieser Normalgewinn steckt bereits in den kalkulatorischen Kosten (kalk. Unternehmerlohn + kalk. Zinsen = Normalverzinsung), deshalb Rohleders Wortlaut „Vollkosten + angemessener Gewinn". Ein darüber hinausgehender Gewinnaufschlag gehört zum Angebotspreis, nicht zur Untergrenze; wird dauerhaft unterhalb der Vollkosten verkauft, geht das Unternehmen langfristig unter. 🔢 Beispiel: langfr. PUG = ks = 20,25 €/Stück (Vollkosten je Stück, Normalgewinn steckt schon in den kalk. Kosten)
3. Divisionskalkulation
Addierend (Einheit bleibt gleich, z. B. Liter → Liter):
🔢 Beispiel: k = 30.000 €/10.000 l + 20.000 €/10.000 l + 5.000 €/10.000 l = 3 + 2 + 0,50 = 5,50 €/l
Durchwälzend / mehrstufig (Einheit wechselt, z. B. 15 Teile → 1 Endprodukt):
Maschinenabhängig: kalk. Abschreibung + kalk. Zinsen + Raum + Energie + Instandhaltung. Fertigungslohn und Rest-FGK laufen separat über den Restgemeinkosten-Zuschlag.
Basis: MGK auf MEK · FGK auf FEK · VwGK und VtGK auf HK. Verteilungsschlüssel: alle Beträge durch ihren größten gemeinsamen Teiler → Verhältnis A : B : C (glatte ganze Zahlen). Summenprobe: verteilte Beträge zusammen = Ausgangssumme.
Innerbetriebliche Leistungsverrechnung (Hilfskostenstellen tauschen Leistungen in physischen Einheiten, z. B. kWh, Std):
🔢 Beispiel: q = 10.000 € ÷ 5.000 kWh = 2 €/kWh
Stufenleiterverfahren (einseitig, wie beim BAB): Hilfsstelle ohne Empfang zuerst vollständig verteilen (q = eigene primäre Kosten ÷ abgegebene Menge); die nächste Hilfsstelle rechnet ihre Summe = eigene primäre Kosten + empfangener Anteil der ersten, geteilt durch ihre eigene abgegebene Menge. Nie zurück an eine schon verrechnete Stelle.
Gleichungsverfahren (exakt, wechselseitig): je Hilfsstelle eine Unbekannte q einführen. Je Hilfsstelle eine Gleichung: Mengegesamt · q = eigene primäre GK + Wert der von der anderen Hilfsstelle bezogenen Menge. Gleichungssystem lösen (Einsetzverfahren), danach nur die an Hauptstellen gelieferten Mengen mit q bewerten.
Genauigkeits-Rangfolge: Anbauverfahren (ignoriert Austausch) < Stufenleiterverfahren (einseitig) < Gleichungsverfahren (wechselseitig exakt) — Kostensumme bleibt bei allen drei gleich, nur die Verteilung weicht ab.
z = 0 → rein fix · z = 1 → rein proportional · 0 < z < 1 → unterproportional (Mischkosten, überwiegend fix). Der gesamte €-Kostenzuwachs stammt allein aus dem variablen Anteil: , danach und .
Gibt es kein inneres Maximum (z. B. E(x) linear mit konstant positivem db, kein Höckerpunkt), liegt das Gewinnmaximum an der Kapazitätsgrenze (Rand des Definitionsbereichs) — dort wird nicht abgeleitet, sondern die Grenzmenge eingesetzt.
Merke: (Tangente/Momentanwert) und (echter diskreter Zuwachs) sind bei linearen Funktionen identisch, bei gekrümmten (nichtlinearen) Funktionen unterschiedlich — bei „Grenzkosten für das n-te Stück“ ist der Differenzenquotient der exakte Wert, nur die stetige Näherung.
Starre Plankostenrechnung (Gegenbegriff zur flexiblen): rechnet mit einem Verrechnungssatz Kp/Bp ohne Fix/Variabel-Trennung — Fixkosten werden wie variable Kosten behandelt. Dadurch lässt sich keine Beschäftigungsabweichung von einer Verbrauchsabweichung trennen, also keine wirtschaftliche Aussage über Ursachen treffen. Nur die flexible Plankostenrechnung (diese Formeln) trennt beide Effekte.
Beide liefern dasselbe BE. HK/Stück = HK-Produktion ÷ Produktionsmenge — damit werden Bestand UND Umsatz bewertet. Bestandsveränderung = Produktion − Absatz.
Summe der Verluste ÷ Summe der Bezugsgrößen (umsatzgewichtet) — NICHT das einfache Mittel der Einzeljahres-Quoten.
intern = Wiederbeschaffungswert (nur bei der AfA-Basis; die Zins-Basis oben bleibt der Anschaffungswert). kalk. Zinsen = Opportunität des Eigenkapitals (nicht Fremdkapitalzins).
12. Kuppelkalkulation (nur Konzept — laut Rohleder NICHT gerechnet)
Erkennungszeichen: „Kuppelprodukte“ — aus einem einzigen, technisch untrennbaren Prozess entstehen zwangsläufig mehrere Produkte gleichzeitig (z. B. Kokerei: Koks + Gas + Teer).
Restwert-/Subtraktionsmethode: ein Hauptprodukt trägt alle gemeinsamen Kuppelkosten, abzüglich der Nettoerlöse (Marktpreis − Weiterverarbeitungskosten) der Nebenprodukte. Passt, wenn ein Produkt klar dominiert.
Verteilungs-/Marktwertmethode: kein Produkt dominiert; die Kuppelkosten werden nach dem Verhältnis der Marktwerte (Menge × Preis) auf alle Produkte verteilt.
🔢 Beispiel: Marktwerte A 60.000 € : B 40.000 € = 60 : 40 → von 100.000 € Kuppelkosten: A 60.000 €, B 40.000 €
Rohleder ausdrücklich: „Ich habe das noch nie abgeprüft. Ich werde das auch in Zukunft nicht abprüfen." Nur Konzeptwissen (dass es diese Verfahren gibt + der grobe Unterschied), keine eigene Rechnung in der Klausur nötig — keine Zeit investieren.
Kap. 2 · 📋 Die letzte Klausur (SS 2026) komplett gelöst — alle Aufgaben aus dem Gedächtnisprotokoll, inkl. der Stellen, wo Punkte liegen blieben · ★ SS26
Die Nachholklausur wird neu gestellt — aber diese sieben Aufgaben zeigen Rohleders aktuelle Handschrift: bekannte Themen, geprüft auf der Begriffs- und Abgrenzungsebene, Rechnung mit Konzeptfrage huckepack. Jede Aufgabe hier ist vollständig gelöst, inklusive der Stellen, an denen im Erstversuch Punkte liegen blieben. Der Lückentext (Klausur-Aufgabe 1) hat sein eigenes Kapitel: die Lückentext-Zentrale direkt hinter diesem Kapitel.
Aufgabe #001 · SEK-Hebelkalkulation — 100 € werden 229 € · Nachholklausur-Vorbereitung · Klausur SS 2026 (Gedächtnisprotokoll)In einer bestehenden Zuschlagskalkulation werden die Sondereinzelkosten der Fertigung von 0 € auf **100 €** erhöht. a) Berechnen Sie den neuen Listenverkaufspreis. b) Erläutern Sie die Hebelwirkung. c) Begründen Sie, ob es wirtschaftlich ist, die Erhöhung so umzulegen.
### a) Rechenweg — warum aus 100 € am Ende ~229 € werden
SEK der Fertigung sind Einzelkosten: Sie gehen ohne Gemeinkostenzuschlag 1:1 in die Herstellkosten. Aber ALLES, was danach kommt, rechnet prozentual weiter (Beispielsätze):
Schritt
Rechnung
Effekt der +100 €
Sondereinzelkosten Fertigung
+100,00
+100,00
= Herstellkosten
+100 (kein GK-Zuschlag auf SEK)
+100,00
+ VwGK 15 % auf HK
100 · 0,15
+15,00
+ VtGK 10 % auf HK
100 · 0,10
+10,00
= Selbstkosten
+125,00
+ Gewinn 20 %
125 · 0,20
+25,00
= Barverkaufspreis
+150,00
+ Skonto 3 % im Hundert
150 ÷ 0,97
+154,64
+ Rabatt 33 % im Hundert
154,64 ÷ 0,675
≈ +229
Hebelfaktor ≈ 2,29 — jeder zusätzliche Einzelkosten-Euro wird auf dem Weg zum Listenpreis mit ~2,3 multipliziert. (Die konkreten Sätze der Klausur können abweichen; der Mechanismus — Prozent auf Prozent, Skonto/Rabatt „im Hundert" — ist der Punkt.)
b) Hebelwirkung erläutern
Die 100 € durchlaufen eine multiplikative Kette: erst prozentuale Gemeinkostenzuschläge auf die erhöhte Basis, dann Gewinnzuschlag auf die erhöhten Selbstkosten, dann Skonto und Rabatt im Hundert (Division durch <1 wirkt stärker als Aufschlag). Kein einziger dieser Folge-Euros ist durch die SEK tatsächlich verursacht — nach den 100 € (z. B. eine Spezialvorrichtung) entsteht in Verwaltung und Vertrieb kein Cent Mehraufwand.
c) Bewertung: Ist das wirtschaftlich? (die gefragte Antwort)
Kernantwort: Nein — so pauschal ist die Umlage nicht verursachungsgerecht.
Proportionalisierungsfehler: Die Zuschlagskalkulation unterstellt, Gemeinkosten wüchsen proportional zu den Einzelkosten. VwGK/VtGK sind aber überwiegend fix — die +25 € GK sind geschlüsselt, nicht verursacht.
Prozent-auf-Prozent-Hebel: Gewinn, Skonto und Rabatt hebeln zusätzlich — reine Rechenmechanik ohne Kostenhintergrund. Von den ~129 € „Aufschlag" auf die 100 € ist kein Euro echter Ressourcenverbrauch.
Marktfolge: Aufträge mit hohen (Sonder-)Einzelkosten werden systematisch zu teuer angeboten (Auftragsverlustgefahr trotz auskömmlichem Deckungsbeitrag), einzelkostenarme zu billig (Quersubventionierung) — klassische Fehlsteuerung der Vollkostenrechnung.
Verursachungsgerechte Alternative:SEK als durchlaufenden Posten ohne GK-Hebel einrechnen (allenfalls mit Gewinnaufschlag); Preisuntergrenze über Deckungsbeitrag/ Grenzkosten prüfen; für fertigungsnahe GK differenzierte Basen (Maschinenstundensatz, Prozesskostenrechnung).
Pro-Seite (fürs „Begründen" nötig): Kommen die Zuschlagssätze aus echten Ist-Zahlen und trägt der Markt den Preis, sichert das Schema langfristig Vollkostendeckung und ist einfach und einheitlich. Der Fehler liegt nicht im Schema, sondern darin, es unreflektiert auf jeden zusätzlichen Einzelkosten-Euro anzuwenden.
Merksatz: Die Kalkulation ist rechnerisch konsistent, aber entscheidungsorientiert falsch — für die Frage „Auftrag annehmen? Preis senken?" zählt der Deckungsbeitrag, nicht der gehebelte Vollkostenpreis.
Direkt verbunden mit Klausur-Aufgabe 8 (Kritik an der Kostenrechnung): Dieser Hebel IST Kritikpunkt Nr. 1 (Fixkosten-Proportionalisierung / Schlüsselung). In der Überarbeitung beide Aufgaben verlinken.
Schlagworte: mehrstufige Division, Kostenwälzung, Bestandsbewertung zu HK
Aufgabe #002 · Halb-/Fertigfabrikate + bewertete Lagerbewegung · Nachholklausur-Vorbereitung · Klausur SS 2026 (Gedächtnisprotokoll)Ein Produkt durchläuft zwei Fertigungsstufen. Stufe 1 stellt Halbfabrikate her, Stufe 2 verarbeitet einen Teil davon zu Fertigfabrikaten, ein Teil der Fertigfabrikate wird verkauft. a) Herstellkosten je Halbfabrikat und je Fertigfabrikat. b) Lagerbestandsbewegungen bewerten.
### a) Rechenweg (mehrstufige Divisionskalkulation)
Stufe 1 — Halbfabrikat:
HK Halbfabrikat je Stück = variable Stückkosten + Fixblock ÷ hergestellte Menge
Lesart A (900 hergestellt): 32 + 13.000/900 = 32 + 14,44 = 46,44 €/Stk
Lesart B (750 hergestellt): 32 + 13.000/750 = 32 + 17,33 = 49,33 €/Stk
Die Falle: Der Fixblock wird durch die hergestellte Menge der Stufe geteilt — nicht durch die weiterverarbeitete und erst recht nicht durch die verkaufte.
Bestände werden zu Herstellkosten bewertet — NIE zu Selbstkosten: Verwaltungs-/ Vertriebskosten dürfen nicht in den Bestand „aktiviert" werden, sie gehören der Periode.
Halbfabrikate zu HKihrer Stufe, Fertigfabrikate zu den gewälzten Gesamt-HK.
In der Erfolgsrechnung tragen nur die 540 verkauften Stück Umsatzkosten (540 · HK Fertigfabrikat); die Bestandsmehrungen (+300 HF, +60 FF) neutralisieren die Kosten der auf Lager gegangenen Stücke (GKV: „Bestandserhöhung" als Ertragsposition; UKV: gar nicht erst als Aufwand erfasst).
⟨Begriffs-Huckepack, Rohleder-Dreh⟩ Warum überhaupt bewerten? Ohne bewertete Bestandsveränderung würde eine Periode, die auf Lager produziert, künstlich schlecht aussehen (alle Kosten, wenig Umsatz) — die Bewertung zu HK periodisiert den Aufwand verursachungsgerecht. Das ist derselbe Gedanke wie „Doppik zeigt Ressourcenverbrauch".
Aufgabe #003 · Kalkulatorische Abschreibung & Restwert · Nachholklausur-Vorbereitung · Klausur SS 2026 (Gedächtnisprotokoll)Zwei Standard-Rechenaufgaben der Klausur: Stückkosten per Divisionskalkulation ermitteln; klassische Zuschlagskalkulation vom Material bis zum Listenverkaufspreis durchrechnen.
*Rekonstruiert: „Wie kalkuliert man Abschreibung/Restwert, welche Schwierigkeiten bereitet das?"
— Begriffs-/Problemebene, kaum Rechnung. Exakt Rohleders Dreh.*
Wie kalkuliert man?
kalkulatorische Abschreibung pro Jahr = (Wiederbeschaffungswert − Restwert) ÷ Nutzungsdauer
Die drei bewussten Abweichungen von der bilanziellen AfA:
Basis Wiederbeschaffungswert statt Anschaffungskosten — die KLR will die Substanzerhaltung sichern: Verdient werden muss, was die ERSATZ-Maschine kosten wird, nicht was die alte gekostet hat.
Betriebliche (tatsächliche) Nutzungsdauer statt steuerlicher AfA-Tabelle — kalkuliert wird über die real erwartete Nutzung; die AfA-Tabelle ist eine steuerpolitische Setzung.
Restwert wird abgezogen — nur der tatsächliche Werteverzehr (Anschaffung minus das, was am Ende noch erlösbar ist) ist Kosten. Wird über die Nutzungsdauer hinaus genutzt, wird kalkulatorisch trotzdem weiter abgeschrieben? Nein — voll abgeschriebene, weiter genutzte Anlagen verursachen keine kalk. Abschreibung mehr (wohl aber kalk. Zinsen auf den Restbuchwert, solange Kapital gebunden ist).
Die gefragten Schwierigkeiten (der Punktekatalog)
Wiederbeschaffungswert ist eine Prognose: Preisentwicklung, Technologiesprünge (die Ersatzmaschine ist oft ein ANDERES, besseres Modell — was ist dann „Wiederbeschaffung"?), Inflation. Jede Schätzung verschiebt die Stückkosten.
Nutzungsdauer ist unsicher: technische Lebensdauer ≠ wirtschaftliche Nutzungsdauer (optimaler Ersatzzeitpunkt!) ≠ steuerliche AfA-Dauer — drei Konzepte, drei Zahlen. Zu kurz geschätzt → Stückkosten zu hoch → Preise zu hoch; zu lang → Substanzverzehr.
Restwert ist doppelt unsicher: Er hängt vom Gebrauchtmarkt am ENDE der Nutzungsdauer ab (Marktlage in ferner Zukunft) und von der Streitfrage, ob Schrottwert, Verkaufserlös oder null anzusetzen ist. Hoher Restwert senkt die Abschreibung — Gestaltungsspielraum.
Scheingenauigkeit und Zirkularität: Die „exakte" Jahresabschreibung beruht auf drei geschätzten Größen; zugleich beeinflusst die Abschreibungshöhe Preise und damit Absatz und damit die tatsächliche Nutzungsdauer.
Abweichung zur Bilanz erzeugt Erklärungsbedarf: kalkulatorischer ≠ bilanzieller Wertansatz (Anderskosten) — zwei „Wahrheiten" über dieselbe Maschine, die man auseinanderhalten und überleiten können muss.
⟨Gegenrichtungs-Frage, vorbereiten⟩ „Warum nicht einfach die bilanzielle AfA in der KLR verwenden?" → Weil sie Substanzerhaltung verfehlt (historische AK), steuerpolitisch verzerrt ist (Sonder-AfA, degressive Wahlrechte) und mit dem Restwert-/Nutzungsdauer-Ermessen der Steuer nichts über den echten betrieblichen Werteverzehr sagt.
Aufgabe #004 · Mehrstufige DBR mit gruppenfixen Kosten · Nachholklausur-Vorbereitung · Klausur SS 2026 (Gedächtnisprotokoll)Drei Produkte. DB II ist bei P1 und P2 **negativ**, bei P3 **positiv**. P2 und P3 teilen sich zusätzlich **gruppenfixe Kosten**, darüber liegen **unternehmensfixe Kosten**. a) Betriebsergebnis berechnen. b) Vier Überlegungen zur Optimierung des Betriebsergebnisses.
### a) Rechenschema (mehrstufige Fixkostendeckungsrechnung)
je Produkt: Umsatz
− variable Kosten
= DB I (Beitrag zur Fixkostendeckung)
− erzeugnisfixe Kosten
= DB II (P1 neg. · P2 neg. · P3 pos.)
Gruppe P2+P3: DB II(P2) + DB II(P3)
− gruppenfixe Kosten
= DB III (Gruppe)
Betrieb: DB II(P1) + DB III(Gruppe)
− unternehmensfixe Kosten
= Betriebsergebnis
Klassische Rechenfalle: Die gruppenfixen Kosten dürfen NUR einmal auf Gruppenebene abgezogen werden — nicht anteilig auf P2/P3 geschlüsselt (dann wäre es keine Deckungsbeitragsrechnung mehr, sondern verdeckte Vollkostenrechnung).
b) Die vier Überlegungen (der gefragte Katalog — „streichen" allein ist Überlegung 1 von 4, und selbst die nur mit Prüfkette)
1. Eliminierung — aber nur mit Prüfkette, nicht per Blick auf DB II: Ein negativer DB II rechtfertigt die Streichung nur, wenn
die erzeugnisfixen Kosten tatsächlich abbaubar sind (Kostenremanenz! Miete, Abschreibungen, Personal fallen kurzfristig nicht weg). Sind sie NICHT abbaubar, ist der Streichungseffekt = −DB I. Bei positivem DB I verschlechtert die Streichung dann das Betriebsergebnis — das Produkt deckte ja noch Fixkosten mit.
der Gruppeneffekt gerechnet wurde: Fällt P2 weg, trägt P3 die gruppenfixen Kosten allein weiter — sie verschwinden nicht. Prüfen: Ist DB III der Gruppe nach der Streichung noch positiv? (Genau hier lag der Fehler der Schnellantwort „P1 und P2 weg".)
2. Deckungsbeiträge verbessern statt Produkte streichen: Preis erhöhen (wenn Preiselastizität es zulässt), Absatzmenge steigern (Auslastung), variable Stückkosten senken (Einkaufspreise, Ausschuss, Prozesszeiten) — jede dieser Stellschrauben hebt DB I aller betroffenen Produkte, ohne Kapazität zu vernichten.
3. Fixkostenblöcke direkt angreifen — auf jeder Ebene: erzeugnisfixe Kosten (produktspezifische Werbung, Werkzeuge, Lizenzen) abbauen, gruppenfixe Kosten (gemeinsame Anlage/Linie) besser auslasten oder verschlanken, unternehmensfixe Kosten (Verwaltung) senken. Die DBR zeigt genau, WELCHER Block auf WELCHER Ebene entscheidungsrelevant ist.
4. Sortiments- und Verbundperspektive: Verbundkäufe prüfen (zieht P1 Kunden, die auch P3 kaufen? Komplementärgüter, Sortimentsvollständigkeit), Ersatz-/Nachfolgeprodukt statt ersatzloser Streichung, freiwerdende Kapazität für DB-stärkere Produkte nutzen — bei Engpass zählt der relative DB (DB je Engpasseinheit), nicht der absolute.
⟨+ Bonus-Überlegung 5⟩ Kurzfristig vs. langfristig trennen: Kurzfristig gilt „jeder positive DB I hilft" (Fixkosten sind da), langfristig müssen ALLE Kosten verdient werden — dann ist ein dauerhaft negativer DB II sehr wohl ein Streichungsgrund, sobald die Fixkosten mit Vorlauf abbaubar sind.
Warum „P1 und P2 streichen" zu wenig war
Die Antwort übersprang: (1) Abbaubarkeits-Prüfung der erzeugnisfixen Kosten, (2) den Gruppeneffekt (gruppenfixe Kosten wandern komplett zu P3), (3) jede Alternative zur Streichung (Preis/Menge/Kosten), (4) die Verbund-/Kapazitätsperspektive. Rohleders Muster auch hier: die Rechenaufgabe trägt eine Begriffs-/Konzeptfrage huckepack — er will sehen, dass man weiß, WARUM die DBR gestuft ist, nicht nur dass man subtrahieren kann.
Schlagworte: Mengenbasen, Schema, im Hundert, Zuschlagsbasen
Aufgabe #005 · Divisionskalkulation & klassische Zuschlagskalkulation · Nachholklausur-Vorbereitung · Klausur SS 2026 (Gedächtnisprotokoll)Zwei Standard-Rechenaufgaben der Klausur: Stückkosten per Divisionskalkulation ermitteln; klassische Zuschlagskalkulation vom Material bis zum Listenverkaufspreis durchrechnen.
*Beide kamen als Standard-Rechenaufgaben — der Bestand (kochrezepte.md, zuschlagskalkulation.md,
division-db-bab.md) deckt sie ab. Hier der Klausur-Zuschnitt + die Fallen, die Punkte kosten.*
Divisionskalkulation
Klausur-Zuschnitt: einstufig oder mehrstufig, Stückkosten ermitteln.
einstufig: k = Gesamtkosten ÷ produzierte Menge
zweistufig: k = Herstellkosten ÷ produzierte Menge + VwVt-Kosten ÷ abgesetzte Menge
mehrstufig: je Stufe Stufenkosten ÷ Stufenmenge, dann Kostenwälzung (siehe Halbfabrikate-Nachbau)
Punktefallen:
Produzierte vs. abgesetzte Menge:Herstellkosten auf die PRODUZIERTE Menge, Verwaltungs-/Vertriebskosten auf die ABGESETZTE — wer alles durch eine Menge teilt, verliert die Struktur-Punkte (und genau dafür gibt es die zweistufige Form).
Anwendungsvoraussetzung nennen können (Begriffs-Huckepack): Divisionskalkulation nur bei Ein-Produkt-Fertigung / homogener Massenfertigung zulässig. Bei artverwandten Produkten → Äquivalenzziffern; bei heterogener Serien-/Einzelfertigung → Zuschlags- kalkulation. Diese Abgrenzung ist eine typische Zusatzfrage.
Bestandsveränderungen (auf Lager produziert) → sofort das Halbfabrikate-Schema denken.
Das Schema, vollständig — in der Klausur kam die verkürzte Fertigungs-Strecke:
Materialeinzelkosten (MEK)
+ Materialgemeinkosten (MGK, % auf MEK)
+ Fertigungseinzelkosten (FEK)
+ Fertigungsgemeinkosten (FGK, % auf FEK)
+ Sondereinzelkosten der Fertigung (SEK, ohne Zuschlag)
= HERSTELLKOSTEN (HK)
+ Verwaltungsgemeinkosten (% auf HK)
+ Vertriebsgemeinkosten (% auf HK)
+ Sondereinzelkosten des Vertriebs
= SELBSTKOSTEN (SK)
+ Gewinnzuschlag (% auf SK)
= Barverkaufspreis
+ Skonto (IM HUNDERT: ÷ (1 − Skontosatz))
= Zielverkaufspreis
+ Rabatt (IM HUNDERT: ÷ (1 − Rabattsatz))
= Listenverkaufspreis
Punktefallen:
Skonto und Rabatt „im Hundert" rechnen (dividieren, nicht aufschlagen) — der Klassiker; wer aufschlägt, landet beim falschen Listenpreis.
Reihenfolge: erst Skonto, dann Rabatt (Rabatt auf den Zielverkaufspreis).
SEK ohne Gemeinkostenzuschlag — aber Vorsicht: alles NACH den HK hebelt trotzdem prozentual weiter (→ Hebelkalkulations-Nachbau; dieselbe Klausur hat das als eigene Aufgabe geprüft — die beiden Aufgaben sind zwei Seiten derselben Medaille).
Zuschlagsbasis benennen:MGK auf MEK, FGK auf FEK, VwGK/VtGK auf HK — falsche Basis ist der häufigste Flüchtigkeitsfehler unter Zeitdruck.
6. Kritik an der Kostenrechnung + Teil B
Schlagworte: 6-Punkte-Katalog, Teil-B-Varianten
Aufgabe #006 · Kritik an der Kostenrechnung + Teil B · Nachholklausur-Vorbereitung · Klausur SS 2026 (Gedächtnisprotokoll)Zwei Standard-Rechenaufgaben der Klausur: Stückkosten per Divisionskalkulation ermitteln; klassische Zuschlagskalkulation vom Material bis zum Listenverkaufspreis durchrechnen.
*In der Klausur waren 4 Punkte gefragt, die Unterlagen hatten 3 — hier 6, damit Auswahl da
ist. Teil B wurde übersehen und ist inhaltlich unbekannt; unten die wahrscheinlichste
Rohleder-Variante als Vorbereitung.*
a) Kritikpunkte an der (traditionellen Vollkosten-)Kostenrechnung
Fixkosten-Proportionalisierung / Schlüsselung:Gemeinkosten werden über prozentuale Zuschläge so verteilt, als wüchsen sie proportional zu den Einzelkosten. Real sind sie überwiegend fix — die Verteilung ist Willkür mit Rechenschein. (Live-Beweis in derselben Klausur: die SEK-Hebelaufgabe, 100 € → 229 €.)
Entscheidungsirrelevanz der Vollkosten: Für kurzfristige Entscheidungen (Zusatzauftrag, Preisuntergrenze, Eigenfertigung/Fremdbezug, Sortiment) sind nur variable Kosten bzw. Deckungsbeiträge relevant. Wer mit Vollkosten entscheidet, lehnt profitable Aufträge ab und subventioniert quer.
Subjektive kalkulatorische Ansätze: Kalkulatorische Abschreibung (Wiederbeschaffungs- wert? Nutzungsdauer? Restwert?), kalkulatorische Zinsen (welcher Zinssatz?), Unternehmerlohn, Wagnisse — jeder Ansatz enthält Ermessen; das Ergebnis wirkt exakt, ist aber gestaltbar. (Anschluss an die Abschreibungs-/Restwert-Aufgabe derselben Klausur.)
Vergangenheitsorientierung: Ist-Kostenrechnung dokumentiert, was war — sie steuert nicht, was kommt. Ohne Plan-/Sollgrößen keine Abweichungsanalyse, keine Vorschau.
Veraltete Zuschlagsbasen bei wachsendem Gemeinkostenblock: Automatisierung verschiebt Kosten von Fertigungslohn (klassische Basis) zu Gemeinkosten (Planung, Rüsten, Qualität, IT). Zuschlagssätze von mehreren hundert Prozent machen die Kalkulation instabil — Antwort: Maschinenstundensätze, Prozesskostenrechnung.
Aufwand und Scheingenauigkeit / Verhaltenswirkung: Hoher Erfassungs- und Pflegeaufwand, zweistellige Nachkommastellen suggerieren Präzision, die die Schlüsselung längst zerstört hat; Budget-Logik erzeugt taktisches Verhalten („Dezemberfieber": Budget ausgeben, damit es nicht gekürzt wird).
b) Teil B — wahrscheinlichste Varianten (vorbereiten!)
Rohleders Muster: Auf die Kritik folgt die Konsequenz-Frage. Kandidaten:
„Wie begegnet man diesen Schwächen?" → Teilkostenrechnung/DBR (entscheidungs- orientiert), Plankostenrechnung (zukunftsorientiert, Abweichungsanalyse), Prozesskostenrechnung (verursachungsgerechte GK), Maschinenstundensätze (differenzierte Basen).
„Warum betreibt man sie trotzdem?" → Vollkostendeckung langfristig nötig, Bestandsbewertung braucht HK, Preisrechtfertigung (öffentliche Aufträge), Einfachheit und Einheitlichkeit, Kontrollfunktion.
„Beispiel für eine Fehlsteuerung" → Zusatzauftrag über variablen Kosten aber unter Vollkosten abgelehnt; Produkt mit positivem DB I gestrichen.
Lehre aus der Klausur: Bei jeder Theorie-Aufgabe SOFORT prüfen, ob ein Teil B auf der Seite/Rückseite steht — der übersehene Teil B hat hier Punkte gekostet, nicht das Wissen.
Kap. 3 · 🔤 Lückentext-Zentrale — kompletter Item-Pool aller Original-Lückentexte, Fallen-Katalog, drei Übungssätze · Fachsprache
In den fünf Original-Lückentexten (11.08.2016 · 21.09.2016 · 13.02.2018 · 22.02.2019 · 29.07.2022) stecken 44 Lücken, aber nur rund 25 verschiedene Begriffe. Rohleder recycelt denselben Pool. Wer die Tabelle in Teil A beherrscht, hat jede bisher gestellte Lückentext-Aufgabe vollständig.
Teil A · Der komplette Item-Pool
Spalte 2 enthält alle Formulierungen, mit denen Rohleder denselben Begriff schon abgefragt hat. Er variiert den Satzbau, nicht den Begriff.
A1 · Strömungsgrößen und Fonds
Lösung
Rohleders Formulierungen
Falle
Auszahlung
„unmittelbare Abnahme des Zahlungsmittelbestands"
Verwechslung mit Ausgabe — Auszahlung = Kasse/Bank, Ausgabe = Geldvermögen
Ausgabe
„negative Veränderung des Fonds ‚Geldvermögen'" · „Wert der in einer Periode beschafften Güter und Dienstleistungen" · „Wert der in einer Periode zugegangenen Güter"
„positive Veränderung des Fonds ‚Geldvermögen'" · „Wert der in einer Periode abgesetzten Güter und Dienstleistungen"
Plural/Singular egal, Begriff zählt
Einzahlung
„unmittelbare Zunahme des Zahlungsmittelbestands"
Spiegelbild zur Auszahlung
Überschuss
„Differenz aus Einnahmen und Ausgaben"
„Gewinn" — Gewinn ist die Differenz aus Ertrag und Aufwand, nicht aus Einnahmen/Ausgaben
Aufwand
„Wert aller in einer Periode verbrauchten Güter und Dienstleistungen" · „negative Veränderung des Fonds ‚Reinvermögen/Gesamtvermögen'"
„Kosten" — Kosten sind nur der betriebsbedingte Teil
Kosten
„bewerteter, betriebsbedingter Verzehr von Gütern und Dienstleistungen" · „Die negative Veränderung des Fonds ‚___' heißt Kosten" → betriebsnotwendiges Vermögen
Bei der Fonds-Frage nicht „Reinvermögen" — das gehört zum Aufwand
Leistung
„positive Veränderung des Fonds ‚betriebsnotwendiges Vermögen'"
„Ertrag" — Ertrag gehört zum Gesamtvermögen (externes RW)
Ertrag
„positive Veränderung des Fonds ‚Reinvermögen'"
Spiegelbild zum Aufwand
Merksatz für den ganzen Block: Vier Fonds, vier Begriffspaare. Zahlungsmittelbestand → Ein-/Auszahlung · Geldvermögen → Einnahme/Ausgabe · Reinvermögen → Ertrag/Aufwand · betriebsnotwendiges Vermögen → Leistung/Kosten.
A2 · Kostenbegriffe
Lösung
Rohleders Formulierungen
Falle
Grenzkosten
„Kosten, die durch die Produktion einer zusätzlichen Mengeneinheit eines Produktes entstehen" (3× gestellt)
„variable Kosten" — die variablen Kosten sind der Block, die Grenzkosten die letzte Einheit
variable Kosten
„ändern sich bei Veränderung der Herstellungsmengen" · „Nur die ___ sind für die kurzfristige Produktionsprogrammplanung entscheidungsrelevant" (4× gestellt)
„relevante Kosten" — zirkulär, benennt keine Kostenart
Fixkosten
„ändern sich bei Variation der Herstellungsmenge nicht" (2× gestellt)
„Trotz rückläufigem Beschäftigungsgrad verharren die Kosten auf einem bestimmten Niveau"
„Skaleneffekt" — das ist das Gegenteil: sinkende Stückkosten bei steigender Menge
Opportunitätskosten
„Gewinn der nächstgünstigen Verwendungsalternative" · „der entgangene Nutzen" (3× gestellt)
—
Zusatzkosten
„anzusetzen bei betrieblicher Nutzung unentgeltlich zur Verfügung gestellter Vermögensgegenstände"
„Anderskosten" — Anderskosten haben einen Aufwand in anderer Höhe, Zusatzkosten gar keinen
Anderskosten
„Kosten, denen ein Aufwand in anderer Höhe gegenübersteht"
siehe oben
Grundkosten
„Kosten, denen ein Aufwand in gleicher Höhe gegenübersteht"
—
Kostenart
„Menge von Kosten, die hinsichtlich eines zugrunde gelegten Kriteriums die gleichen Merkmalsausprägungen besitzen"
„Kostenstelle" — die Kostenstelle ist ein Ort, die Kostenart eine Kategorie
A3 · Rechensysteme
Lösung
Rohleders Formulierungen
Falle
Normalkostenrechnung
„Kosten, die in der Vergangenheit durchschnittlich angefallen sind, bestimmen den Verrechnungssatz" · „Kosten, die in der Vergangenheit angefallen sind, werden verteilt" (2× gestellt)
„Kostenrechnung" — Oberbegriff, zu unspezifisch. Achte auf durchschnittlich/Vergangenheit
Istkostenrechnung
„es werden die tatsächlich angefallenen Kosten der Periode verrechnet"
Abgrenzung zur Normalkostenrechnung: tatsächlich ≠ durchschnittlich
Plankostenrechnung
„die Kosten werden für die künftige Periode im Voraus geplant und vorgegeben"
—
Teilkostenrechnung
„In der ___ wird nur ein Teil der erfassten Kosten einer Periode den Kostenträgern zugeordnet" (3× gestellt)
„Kostenträgerrechnung" — Signalwort ist „nur ein Teil"
Vollkostenrechnung
„alle angefallenen Kosten werden den Kostenträgern zugeordnet"
—
Kostenartenrechnung
„dient der Erfassung und Gliederung aller im Laufe der Abrechnungsperiode anfallenden Kostenarten"
„Kostenrechnung" — gefragt ist die erste Stufe
Kostenstellenrechnung
„verteilt die Gemeinkosten auf die Orte ihrer Entstehung"
—
Kostenträgerrechnung
„In der ___ werden alle Kosten direkt oder über die Kostenstellen auf die einzelnen Produkte verteilt"
„Kostenstellenrechnung" — Signalwort ist „auf die einzelnen Produkte"
Der Dreischritt, den Rohleder abfragt: Kostenartenrechnung (welche Kosten?) → Kostenstellenrechnung (wo entstanden?) → Kostenträgerrechnung (wofür?).
A4 · Kalkulatorische Kosten und Abschreibung
Lösung
Rohleders Formulierungen
Falle
externen
„Im ___ Rechnungswesen müssen Abschreibungen auf Basis der Anschaffungsauszahlungen vorgenommen werden"
„internen" — genau umgekehrt
Wiederbeschaffungswert(s)
„Im internen Rechnungswesen werden Abschreibungen häufig auf Basis des ___ vorgenommen"
„Anschaffungspreis" — das ist die Basis im externen RW
Nutzungsdauer
„Für die Kostenrechnung werden die Abschreibungen meist über die tatsächliche ___ berechnet"
„betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer" wäre die AfA-Tabelle, also extern
Abschreibungsbasis
„Die ___ definiert den Betrag, von dem abgeschrieben wird"
auch „Bemessungsgrundlage" wird akzeptiert
kalkulatorische(r) Unternehmerlohn
„derjenige Teil der kalkulatorischen Kosten, die dem Unternehmer für seine Tätigkeit als Geschäftsführer fiktiv zugrunde gelegt werden"
—
kalkulatorische Zinsen
„Verzinsung des betriebsnotwendigen Kapitals, unabhängig von der tatsächlichen Finanzierung"
—
kalkulatorische Wagnisse
„Ansatz für Einzelwagnisse, die durch Versicherungen nicht abgedeckt sind"
Das allgemeine Unternehmerwagnis ist gerade nicht ansatzfähig
A5 · Kennzahlen und Ziele
Lösung
Rohleders Formulierungen
Falle
Produktivität
„Das Mengenverhältnis von Output zu Input" (4× gestellt)
„Verhältnis einer Erfolgsgröße zum eingesetzten Kapital"
—
Erfolgspotenziale
„Das Ziel der Investitionsrechnung ist die Sicherung der ___ des Unternehmens"
„monetäre Ziele" — zu unspezifisch
Betrieb
„eine Organisationseinheit im Unternehmen, die sachzielorientierte Handlungen ausführt" (2× gestellt)
„Unternehmen" — das Unternehmen ist formalzielorientiert
Betriebszweck
„Das Sachziel des Betriebs wird auch ___ genannt"
—
Teil B · Neue Items im selben Stil
Alles, was Rohleder lehrt, aber im Lückentext-Pool noch nicht vorkam. Formuliert nach seinem Satzmuster — falls er den Pool erweitert, kommt es mit hoher Wahrscheinlichkeit so.
#
Lückensatz
Lösung
B1
„___ lassen sich einem Kostenträger direkt und verursachungsgerecht zurechnen."
Einzelkosten
B2
„___ lassen sich einem Kostenträger nur mittelbar über Schlüssel zurechnen."
Gemeinkosten
B3
„Ein ___ ist das Produkt oder die Leistung, für die Kosten angefallen sind."
Kostenträger
B4
„Eine ___ ist der Ort im Unternehmen, an dem Kosten entstehen."
Kostenstelle
B5
„Die Differenz aus Erlös und variablen Kosten eines Produktes nennt man ___."
Deckungsbeitrag
B6
„Der Deckungsbeitragje Stück heißt ___."
Deckungsspanne
B7
„Die Menge, bei der Erlöse und Gesamtkosten gerade gleich hoch sind, heißt ___."
„Das Verhältnis von Ist-Beschäftigung zu Plan-Beschäftigung bezeichnet man als ___."
Beschäftigungsgrad
B9
„Der ___ setzt die Gemeinkosten einer Kostenstelle ins Verhältnis zu ihrer Zuschlagsbasis."
Gemeinkostenzuschlagssatz
B10
„___ machen ungleichartige Produkte über einen Verhältnisfaktor rechnerisch gleichartig."
Äquivalenzziffern
B11
„Entstehen bei einem Produktionsprozess zwangsläufig mehrere Produkte, spricht man von ___."
Kuppelproduktion
B12
„___ Gemeinkosten sind einer Kostenstelle direkt zugeordnet, ___ Gemeinkosten stammen aus der innerbetrieblichen Leistungsverrechnung."
primäre / sekundäre
B13
„Die ___ Preisuntergrenze entspricht den variablen Stückkosten."
kurzfristige
B14
„Die ___ Preisuntergrenze entspricht den vollen Selbstkosten."
langfristige
B15
„Bei einem Engpass ist die Rangfolge nach der ___ zu bilden."
relativen Deckungsspanne(Deckungsbeitrag je Engpasseinheit)
B16
„Die Summe aus Material- und Fertigungsbereich ergibt die ___."
Herstellkosten
B17
„Herstellkosten zuzüglich Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten ergeben die ___."
Selbstkosten
B18
„Die Differenz aus Leistungen und Kosten einer Periode heißt ___."
Betriebsergebnis
B19
„Kosten, die nur einer Produktgruppe, nicht aber einem einzelnen Produkt zurechenbar sind, heißen ___."
gruppenfixe Kosten
B20
„Die ___ ordnet die Gemeinkosten der Vorkostenstellen stufenweise den Endkostenstellen zu."
Stufenleiterverfahren(Treppenverfahren)
B21
„Der ___ verteilt die Kosten einer Maschine über ihre Laufzeit auf die Kostenträger."
Maschinenstundensatz
B22
„Wird der Verrechnungssatz auf Basis erwarteter künftiger Werte gebildet, spricht man von ___."
Plankosten
Teil C · Drei neue Lückentexte zum Üben
Zusammengesetzt aus Teil A und B, im Umfang und Punkteschema der Originale. Lösungen jeweils direkt darunter — beim Üben abdecken.
Lückentext, 10 Fachbegriffe
Aufgabe #007 · 5 P. · Übungsaufgabe |Ergänzen Sie die fehlenden Fachtermini!
1. Die unmittelbare Abnahme des Zahlungsmittelbestands nennt man ___.
2. ___ sind die Kosten, die durch die Produktion einer zusätzlichen Mengeneinheit entstehen.
3. Das Wertverhältnis von Output zu Input bezeichnet man als ___.
4. In der ___ wird nur ein Teil der erfassten Kosten den Kostenträgern zugeordnet.
5. ___ lassen sich einem Kostenträger direkt und verursachungsgerecht zurechnen.
6. Die Differenz aus Erlös und variablen Kosten eines Produktes nennt man ___.
7. Trotz rückläufigem Beschäftigungsgrad verharren die Kosten auf einem Niveau: ___.
8. Die ___ definiert den Betrag, von dem abgeschrieben wird.
9. Das Sachziel des Betriebs wird auch ___ genannt.
10. Kosten, denen ein Aufwand in anderer Höhe gegenübersteht, heißen ___.
Aufgabe #008 · 6 P. · Übungsaufgabe |Ergänzen Sie die fehlenden Fachtermini!
1. Die positive Veränderung des Fonds „betriebsnotwendiges Vermögen" ist eine ___.
2. Im ___ Rechnungswesen müssen Abschreibungen auf Basis der Anschaffungsauszahlungen vorgenommen werden.
3. Der Gewinn der nächstgünstigen Verwendungsalternative definiert die ___.
4. Die ___ dient der Erfassung und Gliederung aller anfallenden Kostenarten.
5. Eine ___ ist der Ort im Unternehmen, an dem Kosten entstehen.
6. ___ machen ungleichartige Produkte über einen Verhältnisfaktor rechnerisch gleichartig.
7. Die kurzfristige Preisuntergrenze entspricht den ___.
8. ___ sind anzusetzen bei betrieblicher Nutzung unentgeltlich überlassener Vermögensgegenstände.
9. Herstellkosten zuzüglich Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten ergeben die ___.
10. Das Verhältnis von Ist- zu Plan-Beschäftigung heißt ___.
11. In der ___ bestimmen die durchschnittlich angefallenen Vergangenheitskosten den Verrechnungssatz.
12. Kosten, die nur einer Produktgruppe zurechenbar sind, heißen ___.
Aufgabe #009 · 5 P. · Übungsaufgabe |Ergänzen Sie die fehlenden Fachtermini!
1. Das Mengenverhältnis von Output zu Input heißt ___.
2. ___ ändern sich bei Variation der Herstellungsmenge nicht.
3. Nur die ___ sind für die kurzfristige Produktionsprogrammplanung entscheidungsrelevant.
4. Den Wert der in einer Periode beschafften Güter und Dienstleistungen bezeichnet man als ___.
5. Den Wert der in einer Periode verbrauchten Güter und Dienstleistungen bezeichnet man als ___.
6. In der ___ werden alle Kosten direkt oder über die Kostenstellen auf die einzelnen Produkte verteilt.
7. Ein ___ ist eine Organisationseinheit, die sachzielorientierte Handlungen ausführt.
8. Im internen Rechnungswesen wird häufig auf Basis des ___ abgeschrieben.
9. Bei einem Engpass ist die Rangfolge nach der ___ zu bilden.
10. Die Differenz aus Einnahmen und Ausgaben wird als ___ bezeichnet.
🍳 Kochrezepte — Schritt für Schritt durch jede Rechenaufgabe
Für die Open-Book-Klausur: das richtige Verfahren erkennen, Rezept aufschlagen, Schritt für Schritt abarbeiten. Jedes Rezept: WANN erkenne ich diesen Aufgabentyp · SCHRITTE in Reihenfolge · FALLE, an der die meisten scheitern · Mini-Zahlenbeispiel.
🔍 Verfahren erkennen — welches Rezept brauche ich?
Im Aufgabentext steht …
→ Rezept
Zuschlagssätze in % (MGK, FGK, VwGK, VtGK), Angebotspreis/Selbstkosten/Skonto/Rabatt gesucht
💡 Zwei Fehler, die laut Rohleder am meisten Punkte kosten
„Im Hundert“ vs. „vom Hundert“ bei Skonto/Rabatt-Rückrechnung — die mit Abstand größte Einzel-Fehlerquelle, 40–50 % der Klausuren scheitern daran. Rückrechnung (Ziel- oder Listenverkaufspreis aus einem kleineren Betrag) ist IMMER „im Hundert“: Basis ÷ (1 − Satz), nie × (1 + Satz). Siehe Rezept 1.
Produktelimination auf Vollkostenbasis rechnen. Fällt ein Produkt weg, verschwinden nur seine variablen Kosten — die geschlüsselten Fixkosten bleiben und belasten die übrigen Produkte weiter. Formel: neues Betriebsergebnis = altes Betriebsergebnis − wegfallender Deckungsbeitrag (NIE minus wegfallende Selbstkosten). Siehe Rezept 6/7.
1. Zuschlagskalkulation
⚡ Wann?
Erkennungszeichen: Zuschlagssätze in % (MGK auf MEK, FGK auf FEK, VwGK/VtGK auf Herstellkosten), gesucht ist ein Angebotspreis, die Selbstkosten oder ein Gewinn/Verlust aus einem bereits gezahlten Rechnungsbetrag.
Drei Varianten: Vorkalkulation (Kosten bekannt, Preis gesucht), Nachkalkulation (Preis/Erlös bekannt, Gewinn/Verlust gesucht), Rückwärtskalkulation (fertiges Blatt, ein Zuschlagssatz fehlt).
📖 Die Grundidee in einem Satz: Ein Produkt verursacht direkt zurechenbare Kosten (Material, Löhne = Einzelkosten) und nicht direkt zurechenbare Kosten (Miete, Strom, Verwaltung = Gemeinkosten). Weil man Gemeinkosten nicht pro Stück messen kann, schlägt man sie als Prozentsatz auf die Einzelkosten drauf — Stufe für Stufe, bis am Ende der Verkaufspreis steht. Du baust also von unten (reine Herstellkosten) nach oben (Preis mit Gewinn, Skonto, Rabatt, Steuer) einen Turm.
🧱 Die Bausteine (jede Abkürzung einmal im Klartext):
Kürzel
Bedeutung
Woher
MEK
Materialeinzelkosten — das Material, das direkt ins Produkt geht
Selbstkosten — was das Produkt das Unternehmen insgesamt kostet
= HK + VwGK + VtGK (+ SEK-V)
Schritte (Vorkalkulation — von den Kosten zum Bruttoangebotspreis). Beispielzahlen laufen durch alle Schritte durch:
Materialeinzelkosten (MEK) hinschreiben — steht in der Aufgabe. Beispiel: MEK = 200,00 €.
Materialgemeinkosten (MGK) = MEK × MGK-Satz. Warum mal Prozent? Weil man den Lager-/Einkaufsaufwand nicht pro Schraube messen kann — Erfahrung sagt „auf 1 € Material kommen X Cent Materialgemeinkosten“. Bei 20 %: MGK = 200 × 0,20 = 40,00 €. → Materialkosten (MK) = MEK + MGK = 240,00 €.
Fertigungsgemeinkosten (FGK) = FEK × FGK-Satz.Bei 150 %: FGK = 300 × 1,50 = 450,00 € (Zuschlagssätze über 100 % sind normal — Maschinen/Halle kosten oft mehr als der reine Lohn). Sondereinzelkosten der Fertigung (SEK-F)(z. B. 50,00 €) nur addieren, nie mit % belegen. → Fertigungskosten (FK) = FEK + FGK + SEK-F = 300 + 450 + 50 = 800,00 €.
Herstellkosten (HK) = MK + FK = 240 + 800 = 1.040,00 €. Das ist der „das Produkt liegt fertig im Lager“-Wert — noch ohne Verwaltung, Vertrieb, Gewinn.
Verwaltungsgemeinkosten (VwGK) = HK × Satz und Vertriebsgemeinkosten (VtGK) = HK × Satz — beide auf die Herstellkosten, nicht nacheinander aufeinander. Bei VwGK 10 % und VtGK 5 %: VwGK = 1.040 × 0,10 = 104,00 €, VtGK = 1.040 × 0,05 = 52,00 €.SEK-V(z. B. 20,00 €) addieren, falls gegeben.
Selbstkosten (SK) = HK + VwGK + VtGK + SEK-V = 1.040 + 104 + 52 + 20 = 1.216,00 €. Jetzt hat das Produkt alle Kosten gesammelt.
Gewinnzuschlag = SK × Gewinn-%, dann Barverkaufspreis (BVP) = SK + Gewinn. Das ist „auf Hundert“ rechnen: die SK sind die 100 %, der Gewinn kommt oben drauf. Bei 15 %: Gewinn = 1.216 × 0,15 = 182,40 € → BVP = 1.216 + 182,40 = 1.398,40 €.
Skonto rückwärts: Zielverkaufspreis (ZVP) = BVP ÷ (1 − Skontosatz).Bei 2 %: ZVP = 1.398,40 ÷ 0,98 = 1.426,94 €. Skontobetrag = ZVP − BVP = 28,54 €. (Warum ÷ und nicht ×? → siehe Fehler-Kasten unten, das ist DIE Klausurfalle.)
Umsatzsteuer = Nettoangebotspreis × USt-Satz (auf Hundert, kommt oben drauf). Bei 19 %: USt = 1.600,49 × 0,19 = 304,09 € →Bruttoangebotspreis = Netto + USt = 1.904,58 €. Privatkunde → bis Brutto rechnen; Gewerbekunde → oft nur bis Netto gefragt.
🔢 Das ganze Schema als Block (so sieht die saubere Klausur-Darstellung aus):
Zeile
Rechnung
Betrag
MEK
gegeben
200,00 €
+ MGK
200 × 20 %
40,00 €
= MK
240,00 €
FEK
gegeben
300,00 €
+ FGK
300 × 150 %
450,00 €
+ SEK-F
gegeben
50,00 €
= FK
800,00 €
= HK
MK + FK
1.040,00 €
+ VwGK
1.040 × 10 %
104,00 €
+ VtGK
1.040 × 5 %
52,00 €
+ SEK-V
gegeben
20,00 €
= SK
1.216,00 €
+ Gewinn
1.216 × 15 %
182,40 €
= Barverkaufspreis
1.398,40 €
= Zielverkaufspreis
÷ 0,98 (2 % Skonto)
1.426,94 €
= Listenverkaufspreis
÷ 0,90 (10 % Rabatt)
1.585,49 €
+ Verpackung/Versand
gegeben
15,00 €
= Nettoangebotspreis
1.600,49 €
+ USt
1.600,49 × 19 %
304,09 €
= Bruttoangebotspreis
1.904,58 €
🔄 Nachkalkulation (Preis bekannt, Gewinn/Verlust gesucht):Selbstkosten wie in Schritt 1–7 hochrechnen. Der Rechnungsbetrag ist bei Privatkunden brutto → Netto-Erlös = Rechnungsbetrag ÷ (1 + USt-Satz) (die Steuer rausrechnen). Gewinn/Verlust = Netto-Erlös − Selbstkosten.Umsatzrendite = Gewinn ÷ Netto-Erlös.
🔙 Rückwärtskalkulation (Blatt fertig, ein Zuschlagssatz fehlt): fehlender Satz = Zuschlagsbetrag ÷ zugehörige Basis. Beispiele: FGK-Satz = FGK-Betrag ÷ FEK; Skonto-Satz = Skontobetrag ÷ ZVP; Rabatt-Satz = Rabattbetrag ÷ LVP; USt-Satz = USt-Betrag ÷ Nettoangebotspreis. (Immer durch die Größe teilen, auf die der Satz sich bezieht.)
⚠️ Rohleders teuerster Fehler an dieser Stelle: „im Hundert“ vs. „vom Hundert“
Das Problem (40–50 % der Durchfaller): Skonto und Rabatt zieht der Kunde vom größeren Betrag ab — der Zielverkaufspreis bzw. Listenverkaufspreis ist seine 100 %, der Barverkaufspreis ist das, was nach Abzug übrig bleibt.
Warum ÷ (1 − Satz) und nicht × (1 + Satz)? Es gilt: BVP = ZVP × (1 − Skontosatz), denn der Skonto sind 2 % von ZVP. Du kennst BVP und suchst ZVP → nach ZVP umstellen: ZVP = BVP ÷ (1 − Satz). Rechnest du stattdessen BVP × 1,02, nimmst du 2 % vom kleineren BVP — falsche Basis, Ergebnis zu niedrig.
Merksatz: „auf Hundert“ = Aufschlag kommt oben drauf, Basis ist das Kleinere (Gewinn, USt) → × (1 + Satz). „im Hundert“ = Abschlag ist schon im Großen drin, Basis ist das Größere (Skonto, Rabatt) → ÷ (1 − Satz).
Weitere Fallen: VwGKundVtGK beide auf die Herstellkosten (VtGK nicht auf „HK + VwGK“). SEK-F/SEK-V bekommen nie einen %-Zuschlag, nur addieren. Regelmäßiger Schwund gehört in die Kalkulation, einmaliger (geplatzter Schlauch) läuft über den Gewinn.
2. Divisionskalkulation
⚡ Wann?
Erkennungszeichen: EIN homogenes Produkt (Einprodukt-/Massenfertigung — Wein, Zement, Strom), Kosten sollen durch die Menge geteilt werden. Es gibt keine Zuschlagssätze in % — das unterscheidet dieses Rezept von der Zuschlagskalkulation.
Läuft die Herstellung über mehrere Stufen mit unterschiedlicher Durchlaufmenge je Stufe (Schwund, Bestandsaufbau), wird es mehrstufig: addierend (gleiche Einheit auf jeder Stufe, z. B. überall Liter) oder durchwälzend (Einheit wechselt, z. B. mehrere Einzelteile → 1 Endprodukt).
📖 Die Grundidee in einem Satz: Wenn ein Betrieb nur ein einziges, immer gleiches Produkt herstellt, trägt jedes Stück genau denselben Kostenanteil — also kannst du einfach die gesamten Kosten durch die gesamte Menge teilen, ohne mühsam nach Material, Löhnen und Gemeinkosten zu trennen. Genau das macht die Divisionskalkulation: eine einzige Division. Alles darüber hinaus (mehrere Stufen, Schwund, Einheitenwechsel) ist nur eine Wiederholung derselben Division pro Fertigungsstufe — plus etwas Buchhaltung, welche Menge zu welcher Stufe gehört.
🧱 Die Bausteine (jede Abkürzung einmal im Klartext):
Kürzel
Bedeutung in Alltagsdeutsch
Woher
K
Gesamtkosten der Periode — alle Kosten zusammen
gegeben
x
Menge — wie viele Stück/Liter in der Periode durchgelaufen sind
gegeben
k
Stückkosten — was ein einzelnes Stück/Liter kostet
= K ÷ x
Ki
Stufenkosten — die Kosten nur der Fertigungsstufe i (z. B. nur das Keltern)
gegeben
xi
Bezugsmenge der Stufe i — die Menge, die durch diese Stufe geflossen ist
gegeben
ki
Stückkosten der Stufe i — was diese eine Stufe pro Einheit gekostet hat
= Ki ÷ xi
f
Umrechnungsfaktor — wie viele Vorprodukte in 1 Endprodukt stecken (nur durchwälzend)
= Vorprodukt-Menge ÷ Endprodukt-Menge
HK
Herstellkosten — bestandsfähiger Wert „fertig im Lager" (nur beim zweistufigen Sonderfall Produktion ≠ Absatz)
gegeben/errechnet
Schritte — einstufig (der einfachste Fall):
Gesamtkosten der Periode notieren. Das ist die Zahl, die oben in der Aufgabe steht — alle Kosten zusammen. Illustration mit den Keltern-Zahlen: K = 17.500,00 €.
Durch die Menge teilen — weil bei nur einem Produkt jedes Stück gleich viel kostet, ist der Durchschnitt zugleich der exakte Stückwert: Bei x = 15.000 L: k = 17.500 ÷ 15.000 = 1,17 €/L. Das ist die ganze Rechnung — mehr passiert bei einstufig nicht.
Sonderfall Produktionsmenge ≠ Absatzmenge (zweistufig): Manche Kosten hängen an der Produktion (alles, was zum Herstellen anfällt und bestandsfähig ist), andere an dem, was du verkaufst (Verwaltung/Vertrieb). Deshalb: Herstellkosten ÷ Produktionsmenge, restliche Kosten ÷ Absatzmenge — getrennt rechnen, dann die beiden Stückwerte addieren. Warum getrennt? Weil Verwaltungs-/Vertriebskosten nicht am Lagerbestand hängen, sondern nur an den tatsächlich verkauften Stücken.
Schritte — mehrstufig addierend (gleiche Einheit auf allen Stufen, z. B. überall Liter):
Für jede Stufe: Stufenkosten Ki ÷ Bezugsmenge dieser Stufe xi. Ganz wichtig: die eigene Durchlaufmenge der Stufe, nicht die Endmenge. Warum? Weil durch Stufe 1 vielleicht 15.000 L liefen, durch Stufe 3 aber nur noch 8.000 L (Rest ist Schwund/verkauft/gelagert) — jede Stufe hat ihre eigene „Portionsgröße", auf die sich ihre Kosten verteilen. Keltern: 17.500 ÷ 15.000 = 1,17 €/L · Lagern: 5.000 ÷ 13.800 = 0,36 €/L · Abfüllen: 12.500 ÷ 8.000 = 1,56 €/L · Verkauf: 1.200 ÷ 6.000 = 0,20 €/L.
Alle Stufenwerte aufaddieren — weil derselbe Liter nacheinander durch alle Stufen läuft und in jeder Stufe zusätzlich Kosten aufgeladen bekommt: 1,17 + 0,36 + 1,56 + 0,20 = 3,29 €/L.
Zwischenbewertung (z. B. „was ist der gelagerte Bestand wert, der noch nicht abgefüllt wurde?"): nur die bis dahin durchlaufenen Stufen aufsummieren. Ein Liter im Lager hat Keltern + Lagern durchlaufen, aber noch nicht Abfüllen → sein Wert ist 1,17 + 0,36 = 1,53 €/L, nicht 3,29.
Rechenprobe: mit ungerundeten Werten rechnen, erst am Ende auf 2 Nachkommastellen runden (siehe Fehler-Kasten unten).
Schritte — mehrstufig durchwälzend (Einheitenwechsel, z. B. 15 Einzelteile → 1 Endprodukt):
Stufe 1: k₁ = K₁ ÷ x₁ — Kosten der ersten Stufe geteilt durch ihre Menge, noch in der alten Einheit (z. B. €/Teil). Stufe I: 42.000 ÷ 22.500 = 1,87 €/Teil.
Umrechnungsfaktor f bestimmen = wie viele Vorprodukte stecken in 1 Endprodukt. 22.500 Teile ÷ 1.500 fertige Krokodile → f = 15, also 15 Teile pro Krokodil.
Für jede weitere Stufe i: erst den Stückwert der Vorstufe mit f auf die neue Einheit hochrechnen, dann die eigenen Stufenkosten dazuaddieren: Die knifflige Stelle ist das × f: k₁ ist „pro Teil", aber in ein Krokodil gehen 15 Teile — also kostet allein das Material-aus-Stufe-1 pro Krokodil das 15-Fache. Stufe II: 1,8667 × 15 + 10.000 ÷ 1.500 = 28,00 + 6,67 = 34,67 €/Krok.
Letzte Stufe liefert die vollen Stückkosten des Endprodukts — ab hier bleibt die Einheit gleich (Krok), deshalb kein × f mehr, nur noch addieren. Stufe III: 34,67 + 5.000 ÷ 1.500 = 34,67 + 3,33 = 38,00 €/Krok.
🔢 Vollbeispiel als Block (addierend — sauber durchgerechnet):
Stufe
Rechnung
Ergebnis
Keltern
17.500 ÷ 15.000 L
1,17 €/L
Lagern
5.000 ÷ 13.800 L
0,36 €/L
Abfüllen
12.500 ÷ 8.000 L
1,56 €/L
Verkauf
1.200 ÷ 6.000 L
0,20 €/L
= Stückkosten gesamt
1,17 + 0,36 + 1,56 + 0,20
3,29 €/L
🔢 Vollbeispiel als Block (durchwälzend — sauber durchgerechnet):
Stufe
Rechnung
Ergebnis
Umrechnungsfaktor f
22.500 Teile ÷ 1.500 Krok
f = 15
Stufe I (k₁)
42.000 ÷ 22.500
1,87 €/Teil
Stufe II (k₂)
1,8667 × 15 + 10.000 ÷ 1.500 = 28,00 + 6,67
34,67 €/Krok
Stufe III (k₃)
34,67 + 5.000 ÷ 1.500 = 34,67 + 3,33
38,00 €/Krok
⚠️ Rohleders teuerster Fehler an dieser Stelle: durch die falsche Menge teilen (und zu früh runden)
Der gefährlichste Fehler — jede Stufe durch die Endmenge statt durch ihre eigene Durchlaufmenge teilen. Warum ist das falsch? Durch Stufe „Abfüllen" liefen nur noch 8.000 L, nicht die 15.000 L vom Keltern. Teilst du die Abfüll-Kosten trotzdem durch 15.000, verteilst du sie auf Liter, die dort gar nicht mehr waren → der Stückwert wird künstlich zu niedrig. Gegenprobe: Rechne 12.500 ÷ 8.000 = 1,56 (richtig) gegen 12.500 ÷ 15.000 = 0,83 (falsch) — der Unterschied schleppt sich in die Endsumme. Merksatz: „Jede Stufe teilt durch das, was durch SIE hindurchgeflossen ist."
Einheitenwechsel übersehen (durchwälzend): Ohne das × f multiplizierst du „pro Teil" mit „pro Krokodil" durcheinander. Rechnest du bei Stufe II nur 1,87 + 6,67 = 8,54 statt 28,00 + 6,67 = 34,67, fehlen dir 14 von 15 Portionen Material. Merksatz: „Beim Einheitenwechsel erst hochrechnen (× f), dann addieren."
Schwund richtig verstehen: Schwund ist keine eigene Kostenposition. Er senkt nur die Bezugsmenge einer Stufe → dadurch STEIGEN die Stückkosten dieser Stufe automatisch (dieselben Kosten verteilen sich auf weniger überlebende Einheiten). Nicht extra „Schwundkosten" ansetzen.
Nicht zu früh runden: Bei mehrstufigen Rechnungen entstehen sonst Cent- bis Euro-Abweichungen — mit ungerundeten Werten weiterrechnen, erst am Ende auf 2 Nachkommastellen. Einheit IMMER mit Stufenbezeichnung angeben (z. B. „1,17 €/Liter Stufe 1"), weil derselbe Liter je nach Stufe unterschiedlich viel gekostet hat.
3. Äquivalenzziffernkalkulation (Sortenfertigung)
⚡ Wann?
Erkennungszeichen: mehrere artgleiche Sorten/Varianten aus demselben Prozess (Biersorten, Ziegelgrößen, Papierqualitäten), jede mit einer „Äquivalenzziffer" (Kostenverhältnis zur Standardsorte). Das Wort „Äquivalenzziffer" im Aufgabentext ist das sichere Signal.
Ist ein Sonderfall der Divisionskalkulation: Du kannst nicht einfach „Kosten ÷ Menge" rechnen, weil die Sorten unterschiedlich teuer pro Stück sind — die Äquivalenzziffer macht sie erst vergleichbar.
📖 Die Grundidee in einem Satz: Wenn ein Betrieb mehrere Sorten desselben Grundprodukts herstellt (z. B. Leichtbier, Vollbier, Bockbier), verbraucht die „teurere" Sorte pro Stück mehr Ressourcen als die „billigere" — mit der Äquivalenzziffer rechnest du alle Sorten in eine gemeinsame Kunstwährung („Recheneinheiten") um, teilst die Kosten fair auf diese Recheneinheiten auf und rechnest anschließend wieder in echte Stückkosten je Sorte zurück. Die Äquivalenzziffer 1,0 ist der „Wechselkurs-Anker": alle anderen Sorten werden relativ dazu ausgedrückt (0,8 = 80 % so teuer, 1,6 = 60 % teurer).
🧱 Die Bausteine (jede Abkürzung einmal im Klartext):
Kürzel
Bedeutung in Alltagsdeutsch
Woher
ÄZ
Äquivalenzziffer — Kostenverhältnis einer Sorte zur Standardsorte (die hat ÄZ = 1,0)
gegeben
Menge
Stückzahl/Menge dieser Sorte (z. B. hl Bier)
gegeben
RE
Recheneinheiten — die gemeinsame „Kunstwährung", in der alle Sorten vergleichbar werden
= Menge × ÄZ
Summe RE
alle RE-Werte zusammengezählt — die Gesamtzahl der Kunstwährungs-Einheiten
= Σ (Menge × ÄZ)
kRE
Kosten je Recheneinheit — was eine einzige Kunstwährungs-Einheit kostet
= Gesamtkosten ÷ Summe RE
k(Sorte)
Stückkosten einer Sorte — was ein echtes Stück dieser Sorte kostet
= kRE × ÄZ
K(Sorte)
Gesamtkosten einer Sorte — was die ganze Sorte zusammen kostet
= k(Sorte) × Menge
Schritte (die Zahlen laufen durch alle Schritte durch):
Bezugssorte festlegen (ÄZ = 1,0), die anderen ÄZ ablesen. Die Bezugssorte ist der „Normalfall", an dem sich alles misst — meist schon in der Aufgabe markiert, alle ÄZ sind gegeben. Beispiel: Leichtbier 0,8 · Vollbier 1,0 (Bezugssorte) · Export 1,2 · Bock 1,6.
Recheneinheiten je Sorte: RE = Menge × ÄZ. Hier übersetzt du echte Mengen in die Kunstwährung — eine „teure" Sorte zählt pro Stück mehr RE. Leichtbier: 12.500 × 0,8 = 10.000 RE · Vollbier: 20.000 × 1,0 = 20.000 RE · Export: 10.000 × 1,2 = 12.000 RE · Bock: 5.000 × 1,6 = 8.000 RE.
Summe RE bilden. Alle RE-Werte addieren — das ist die Gesamtzahl der Kunstwährungs-Einheiten, auf die gleich die Kosten verteilt werden. Ausdrücklich nicht die reale Mengensumme (47.500 hl) nehmen! 10.000 + 20.000 + 12.000 + 8.000 = 50.000 RE.
Kosten je Recheneinheit — jetzt die simple Division: Gesamtkosten fair auf die Kunstwährung verteilen: kRE = 2.250.000 ÷ 50.000 = 45,00 €/RE.
Stückkosten je Sorte: k(Sorte) = kRE × ÄZ. Rückübersetzung aus der Kunstwährung in echte €/Stück — die „teure" Sorte bekommt mehr aufgeladen. Leichtbier: 45,00 × 0,8 = 36,00 €/hl · Vollbier: 45,00 × 1,0 = 45,00 €/hl · Export: 45,00 × 1,2 = 54,00 €/hl · Bock: 45,00 × 1,6 = 72,00 €/hl.
Rechenprobe: Summe aller K(Sorte) muss die vorgegebenen Gesamtkosten ergeben — sonst steckt ein Fehler drin. 450.000 + 900.000 + 540.000 + 360.000 = 2.250.000 € ✓ = vorgegebene Gesamtkosten.
🔢 Vollbeispiel als Block (sauber durchgerechnet):
Zeile
Rechnung
Ergebnis
Leichtbier RE
12.500 × 0,8
10.000 RE
Vollbier RE
20.000 × 1,0
20.000 RE
Export RE
10.000 × 1,2
12.000 RE
Bock RE
5.000 × 1,6
8.000 RE
= Summe RE
10.000 + 20.000 + 12.000 + 8.000
50.000 RE
kRE
2.250.000 ÷ 50.000
45,00 €/RE
Leichtbier k
45,00 × 0,8
36,00 €/hl
Vollbier k
45,00 × 1,0
45,00 €/hl
Export k
45,00 × 1,2
54,00 €/hl
Bock k
45,00 × 1,6
72,00 €/hl
K Leichtbier
36,00 × 12.500
450.000 €
K Vollbier
45,00 × 20.000
900.000 €
K Export
54,00 × 10.000
540.000 €
K Bock
72,00 × 5.000
360.000 €
Rechenprobe Σ K
450.000 + 900.000 + 540.000 + 360.000
2.250.000 € ✓
⚠️ Rohleders teuerster Fehler an dieser Stelle: durch die reale Mengensumme statt durch die Summe RE teilen
Der gefährlichste Fehler — in Schritt 4 durch die reale Mengensumme (47.500 hl) teilen statt durch die Summe der Recheneinheiten (50.000 RE). Warum ist das falsch? Die realen Mengen sind gerade NICHT vergleichbar — ein hl Bockbier verbraucht mehr Ressourcen als ein hl Leichtbier. Genau deshalb hast du sie ja erst in RE umgerechnet. Teilst du wieder durch die rohe Menge, wirfst du die ganze Umrechnung weg und alle Sorten bekämen fälschlich denselben Stückwert. Gegenprobe: Rechne die K(Sorte) aus Schritt 6 zusammen — kommt nicht exakt die vorgegebene Gesamtkostensumme (2.250.000 €) raus, hast du durch die falsche Zahl geteilt. Merksatz: „Verteilt wird auf die Kunstwährung (RE), nicht auf die echten Stücke."
kRE ist noch nicht der Stückpreis einer Sorte. kRE (45,00 €) ist der Preis je Recheneinheit — die echten Stückkosten je Sorte gibt es erst NACH Multiplikation mit der ÄZ dieser Sorte (Schritt 5). Wer kRE direkt als Stückkosten hinschreibt, gibt jeder Sorte denselben Preis — Sinn der Rechnung verfehlt.
Modellannahme hinterfragen: Äquivalenzziffern unterstellen, dass sich die Sorten NUR in der einen gewählten Bezugsgröße unterscheiden (z. B. Stammwürze/Gewicht). Andere Kostentreiber — etwa Vertriebskosten, die eher an der Stückzahl als am Gewicht hängen — werden ignoriert. In einer Argumentationsfrage ist das der Kritikpunkt.
4. Maschinenstundensatzrechnung
⚡ Wann?
Erkennungszeichen: eine einzelne Maschine mit Wiederbeschaffungswert, Nutzungsdauer, Energie-/Instandhaltungs-/Raumkosten; gesucht ist ein „Maschinenstundensatz" (€/h) und/oder die Herstellkosten eines konkreten Auftrags.
Hintergrund: In der klassischen Zuschlagskalkulation stecken die Maschinenkosten pauschal in den Fertigungsgemeinkosten. Sobald eine teure Maschine den Löwenanteil verursacht, ist das zu ungenau — deshalb rechnet man ihre Kosten separat pro Stunde ab und lässt nur den Rest über einen kleinen FGK-Zuschlag laufen.
📖 Die Grundidee in einem Satz: Statt die Maschinenkosten grob als Prozent-Zuschlag auf den Lohn zu schätzen, sammelst du alle Kosten, die diese eine Maschine pro Jahr verursacht (Abschreibung, Zinsen, Strom, Wartung, Stellplatz), und teilst sie durch die Jahres-Laufstunden — so bekommst du einen ehrlichen Preis pro Maschinenstunde, den du jedem Auftrag exakt nach seiner Bearbeitungszeit in Rechnung stellen kannst. Der Rest der Fertigungskosten (Handarbeit + kleiner Restzuschlag) und das Material kommen normal obendrauf, bis die Herstellkosten des Auftrags stehen.
🧱 Die Bausteine (jede Abkürzung einmal im Klartext):
Kürzel
Bedeutung in Alltagsdeutsch
Woher
WBW
Wiederbeschaffungswert — was die Maschine heute neu kosten würde (Basis der kalk. Abschreibung)
gegeben
ND
Nutzungsdauer — wie viele Jahre die Maschine läuft
durchschnittlich gebundenes Kapital — im Mittel steckt über die Laufzeit nur der halbe Wert in der Maschine
Rechnung
P
Anschlussleistung der Maschine in kW (Stromhunger)
gegeben
tM
Maschinenlaufzeit pro Jahr in Stunden
gegeben
MStS
Maschinenstundensatz — Preis für eine Stunde Maschinenlaufzeit
= maschinenabh. Kosten/Jahr ÷ tM
MEK
Materialeinzelkosten — Material, das direkt in den Auftrag geht
gegeben
MGK
Materialgemeinkosten — Lager/Einkauf, als Zuschlag auf MEK
= MEK × Zuschlagssatz
Rest-FGK
Rest-Fertigungsgemeinkosten — der Teil der Fertigungs-GK, der NICHT über die Maschine läuft, als Zuschlag auf den Restlohn
= Restfertigungslohn × Rest-FGK-Satz
HK
Herstellkosten des Auftrags — Material + Fertigung zusammen
= Materialkosten + Fertigungskosten
Schritte (die Zahlen laufen durch alle Schritte durch):
Kalkulatorische Abschreibung/Jahr = WBW ÷ ND. Der jährliche Wertverzehr — die Maschine „verbraucht sich" gleichmäßig über ihre Nutzungsdauer. 300.000 ÷ 10 = 30.000 €.
Kalkulatorische Zinsen/Jahr = (WBW ÷ 2) × i. In der Maschine steckt gebundenes Kapital, das anderswo Zinsen brächte — diese entgangene Rendite ist ein echter Kostenfaktor. Warum halber Wert? Weil die Maschine über die Jahre von vollem Wert auf ~null abschmilzt, ist im Durchschnitt nur die Hälfte gebunden. (300.000 ÷ 2) × 0,08 = 150.000 × 0,08 = 12.000 €.
Energiekosten/Jahr = Anschlussleistung P × Maschinenlaufzeit tM × Strompreis. So viele Stunden zieht die Maschine so viele kW zu diesem Preis. 20 kW × 2.000 h × 0,30 €/kWh = 12.000 €.
Instandhaltungskosten/Jahr — Wartung, Reparaturen, meist direkt in der Aufgabe gegeben, nur übernehmen. 6.000 €.
Raumkosten/Jahr = belegte Fläche × Miete je m² und Monat × 12. Die Maschine belegt Hallenfläche, die Geld kostet. Die × 12 nicht vergessen — die Miete ist fast immer pro Monat angegeben. 40 m² × 12,50 €/Monat × 12 = 6.000 €.
Alle fünf Positionen addieren = maschinenabhängige Kosten pro Jahr.30.000 + 12.000 + 12.000 + 6.000 + 6.000 = 66.000 €.
Maschinenstundensatz = maschinenabhängige Jahreskosten ÷ Maschinenlaufzeit pro Jahr. Jetzt die Kernzahl: Jahreskosten auf die Jahresstunden verteilen. Im Nenner steht die Jahres-Laufzeit (viele Stunden), nicht die kleine Auftrags-Bearbeitungszeit. MStS = 66.000 ÷ 2.000 h = 33,00 €/h.
Für einen konkreten Auftrag: Maschinenkosten = MStS × Bearbeitungszeit des Auftrags. Erst hier kommt die kleine Auftragszeit ins Spiel — z. B. läuft die Maschine für diesen Auftrag nur wenige Stunden.
Rest-Fertigungsgemeinkosten = Restfertigungslohn × Rest-FGK-Zuschlagssatz. Dieser Zuschlag läuft NUR auf den Restlohn (die Handarbeit), NIE auf die Maschinenkosten — die sind ja über den MStS schon vollständig erfasst.
Fertigungskosten des Auftrags = Restfertigungslohn + Rest-FGK + Maschinenkosten. Alle drei Fertigungsbausteine zusammen.
Materialkosten des Auftrags = MEK + MGK (MGK = MEK × Zuschlagssatz) — genau wie in der Zuschlagskalkulation.
Herstellkosten des Auftrags = Materialkosten + Fertigungskosten. Der Endwert „fertig im Lager".
🔢 Vollbeispiel als Block (Maschinenstundensatz sauber durchgerechnet):
Position
Rechnung
Ergebnis
Kalk. Abschreibung/Jahr
300.000 ÷ 10
30.000 €
Kalk. Zinsen/Jahr
(300.000 ÷ 2) × 0,08 = 150.000 × 0,08
12.000 €
Energiekosten/Jahr
20 kW × 2.000 h × 0,30
12.000 €
Instandhaltung/Jahr
gegeben
6.000 €
Raumkosten/Jahr
40 m² × 12,50 € × 12
6.000 €
= maschinenabh. Kosten/Jahr
30.000 + 12.000 + 12.000 + 6.000 + 6.000
66.000 €
= Maschinenstundensatz
66.000 ÷ 2.000 h
33,00 €/h
⚠️ Rohleders teuerster Fehler an dieser Stelle: den Rest-FGK-Zuschlag zusätzlich auf die Maschinenkosten legen (Doppelerfassung)
Der gefährlichste Fehler — den Rest-FGK-Zuschlag auch auf die Maschinenkosten rechnen. Warum ist das falsch? Die Maschinenkosten sind über den Maschinenstundensatz bereits vollständig erfasst (Abschreibung, Zinsen, Strom, Wartung, Raum stecken schon drin). Der Rest-FGK-Zuschlag deckt nur den übrigenFertigungsgemeinkosten-Teil ab, der NICHT an der Maschine hängt — er darf ausschließlich auf den Restfertigungslohn laufen. Legst du ihn auch auf die Maschinenkosten, zählst du dieselben Maschinenkosten ein zweites Mal → Herstellkosten künstlich zu hoch. Gegenprobe: Frag dich bei jedem Euro „ist der über den MStS schon abgerechnet?" — wenn ja, kein Zuschlag mehr drauf. Merksatz: „Zuschlag nur auf den Lohn, nie auf die Maschine."
Kalkulatorische Zinsen auf den halben Wert: Immer (WBW ÷ 2) × i (durchschnittlich gebundenes Kapital), nicht den vollen WBW verzinsen — sonst sind die Zinsen doppelt so hoch wie richtig.
Raumkosten × 12 nicht vergessen: Die Miete ist meist pro Monat angegeben. Ohne × 12 rechnest du nur einen Monat Stellplatz statt eines ganzen Jahres.
Jahres-Laufzeit vs. Auftragszeit nicht verwechseln: Im Nenner von Schritt 7 steht die große Jahres-Maschinenlaufzeit (hier 2.000 h), im Auftrag später die viel kleinere Bearbeitungszeit des Einzelauftrags. Die eine bildet den Stundensatz, die andere multipliziert ihn.
5. BAB — Stufenleiterverfahren (+ Anbau-/Gleichungsverfahren kurz)
⚡ Wann?
Erkennungszeichen: Betriebsabrechnungsbogen (BAB) mit primären Gemeinkosten je Kostenstelle, Vorkostenstellen (Hilfsstellen) sollen auf Endkostenstellen (Hauptstellen) umgelegt werden. Meist als Lückentext, oft schon teilweise vorausgefüllt.
Am Ende sind fast immer die vier Zuschlagssätze (MGK, FGK, VwGK, VtGK) gesucht — die Umlage ist nur das Mittel dahin.
📖 Die Grundidee in einem Satz:Gemeinkosten kann man keinem Stück direkt zuordnen, deshalb sammelt man sie erst in Kostenstellen — aber manche Stellen (Fuhrpark, Strom, „Allgemeine", Fertigungshilfe) arbeiten nicht am Produkt, sondern versorgen andere Stellen; ihre Kosten müssen also Stufe für Stufe „die Treppe hinunter" auf die Endkostenstellen (Material, Fertigung, Verwaltung, Vertrieb) weitergereicht werden, bis nur noch dort Kosten stehen — denn nur von den Endkostenstellen kommt man später über Zuschlagssätze ans einzelne Produkt.
🧱 Die Bausteine (jede Abkürzung im Klartext):
Kürzel
Bedeutung Alltagsdeutsch
Woher
BAB
Betriebsabrechnungsbogen — die große Tabelle: Zeilen = Kostenarten/Umlagen, Spalten = Kostenstellen
Aufgabenblatt
Primäre GK
„von außen" direkt in eine Stelle gebuchte Gemeinkosten (Miete, Strom, Hilfslöhne)
gegeben
Sekundäre GK
Gemeinkosten, die eine Stelle von einer anderen Kostenstelle als Umlage erhält
= erhaltene Umlage
Vorkostenstelle (Hilfsstelle)
Stelle, die nicht am Produkt arbeitet, sondern andere Stellen versorgt (z. B. „Allgemeine", Fertigungshilfe FHK)
gegeben
Endkostenstelle (Hauptstelle)
Stelle, die am Produkt arbeitet: Material, Fertigung A/B, Verwaltung, Vertrieb
gegeben
Umlage
der Geldbetrag, den eine Vorkostenstelle komplett auf ihre Empfänger verteilt
= berechnet
Verteilungsschlüssel
Verhältniszahlen (z. B. 3:7), nach denen die Umlage aufgeteilt wird
gegeben, ganzzahlig gekürzt
MEK
Materialeinzelkosten — Basis (Nenner) für den MGK-Satz
gegeben
Fertigungslöhne (FEK)
direkte Löhne — Basis (Nenner) für den FGK-Satz
gegeben
HK
Herstellkosten — Basis (Nenner) für VwGK- und VtGK-Satz
berechnet
MGK / FGK / VwGK / VtGK
die vier Gemeinkosten-Zuschlagssätze in %, die am Schluss rauskommen sollen
Ergebnis
q
Verrechnungspreis je Leistungseinheit (z. B. €/kWh) — nur im Gleichungsverfahren
berechnet
Schritte (Stufenleiterverfahren). Die Zahlen des Mini-Beispiels laufen durch alle Schritte:
Reihenfolge der Vorkostenstellen festlegen. WAS: entscheiden, welche Hilfsstelle zuerst abgerechnet wird. WARUM: die Stufenleiter läuft nur einmal von oben nach unten durch — die Reihenfolge legt fest, wer an wen abgeben darf. Faustregel: die Stelle, die am meisten an andere Hilfsstellen abgibt (und selbst am wenigsten empfängt), kommt nach oben. Beispiel: erst „Allgemeine", dann „Fertigungshilfe (FHK)".
Spaltensumme der ersten Vorkostenstelle bilden = primäre GK + evtl. schon erhaltene Umlagen. Beispiel: Allgemeine = 31.672,50 € (sie steht ganz oben, bekommt von niemandem etwas, also nur primär).
Verteilungsschlüssel dieser Zeile bestimmen — alle Empfängeranteile durch ihren kleinsten gemeinsamen Teiler kürzen, bis ganzzahlig und teilerfremd. Beispiel-Schlüssel FHK : Material : Fertigung A : Fertigung B : Verwaltung : Vertrieb = 6 : 15 : 10 : 8 : 6 : 5. Anteilssumme = 6+15+10+8+6+5 = 50 Teile.
Die Summe nur nach unten/rechts verteilen (an alle noch nicht abgerechneten Stellen), nie zurück nach oben. WIE: Wert je Teil = Spaltensumme ÷ Teilesumme, dann × Anteil je Empfänger. 31.672,50 ÷ 50 = 633,45 € je Teil. Damit:
Empfänger
Anteil
Umlage
FHK
6
6 × 633,45 = 3.800,70 €
Material
15
15 × 633,45 = 9.501,75 €
Fertigung A
10
10 × 633,45 = 6.334,50 €
Fertigung B
8
8 × 633,45 = 5.067,60 €
Verwaltung
6
6 × 633,45 = 3.800,70 €
Vertrieb
5
5 × 633,45 = 3.167,25 €
Summe
50
31.672,50 € ✓
Der FHK-Wert 3.800,70 € deckt sich mit der Vorgabe. Warum nur nach unten und nie zurück? Sobald „Allgemeine" komplett verteilt ist, steht sie auf 0 und wird in diesem einen Durchlauf nicht mehr angefasst. Würde eine spätere Stelle (FHK) etwas an „Allgemeine" zurückgeben, läge dort wieder ein Betrag, der nie weiterverteilt wird → dieses Geld ginge in der Rechnung verloren und die Rechenprobe (Schritt 8) würde platzen. Der Preis dafür: die Leistung, die FHK tatsächlich für „Allgemeine" erbringt, wird ignoriert — eine bewusst hingenommene kleine Ungenauigkeit, damit die Rechnung in einem Durchgang aufgeht. 5. Nächste Vorkostenstelle: neue Spaltensumme = eigene primäre GK + erhaltene Umlage.FHK: primär 82.940,00 € + 3.800,70 € (aus Schritt 4) = 86.740,70 € (deckt sich mit der Vorgabe). Neuen Schlüssel bilden — jetzt nur noch die echten Endkostenstellen als Empfänger, „Allgemeine" ist raus. Schlüssel Fertigung A : Fertigung B = 3 : 7 (10 Teile). Wert je Teil = 86.740,70 ÷ 10 = 8.674,07 €:
Empfänger
Anteil
Umlage
Fertigung A
3
3 × 8.674,07 = 26.022,21 €
Fertigung B
7
7 × 8.674,07 = 60.718,49 €
Summe
10
86.740,70 € ✓
Nach der letzten Vorkostenstelle stehen auf allen Endkostenstellen die vollständigen Gemeinkosten (primär + sekundär). Fertigung A hat jetzt: eigene primäre GK + 6.334,50 € (von Allgemeine) + 26.022,21 € (von FHK); Fertigung B analog + 5.067,60 € + 60.718,49 €.
Zuschlagssätze bilden — jeder Satz = Gemeinkosten der Endstelle ÷ ihre Bezugsbasis:
MGK-Satz = Material-GK ÷ MEK
FGK-Satz = Fertigungs-GK ÷ Fertigungslöhne (je Fertigungsstelle einzeln, falls A und B getrennt gefragt)
VwGK-Satz = Verwaltungs-GK ÷ Herstellkosten
VtGK-Satz = Vertriebs-GK ÷ Herstellkosten
(Zahlen-Illustration zur Formel: stünden auf Material am Ende 120.000 € GK bei MEK 480.000 €, wäre MGK-Satz = 120.000 ÷ 480.000 = 25 %.) 8. Rechenprobe: Summe aller Gemeinkosten auf den Endkostenstellen muss der Summe aller primärenGemeinkosten entsprechen — durch die Umlage wird nichts erzeugt oder vernichtet, nur verschoben.
Anbauverfahren (kurz, einfachste Variante): Jede Hilfsstelle wird nur auf die Hauptstellen umgelegt, der gegenseitige Austausch der Hilfsstellen wird komplett ignoriert (weder Zähler noch Nenner). Umlagesatz = primäre GK der Hilfsstelle ÷ Leistungseinheiten nur an Hauptstellen. Einfachste, aber ungenaueste Methode.
Gleichungsverfahren (kurz, exakteste Variante): Für jede Hilfsstelle eine Unbekannte (Verrechnungspreis q, z. B. €/kWh) einführen. Je Hilfsstelle eine Gleichung: Mengegesamt × q = eigene primäre GK + Wert der von der anderen Hilfsstelle bezogenen Menge. Gleichungssystem lösen (Einsetzverfahren), dann nur die an Hauptstellen gelieferten Mengen mit q bewerten. Erfasst den wechselseitigen Austausch exakt.
🔢 Vollbeispiel als Block (nur die Umlage-Treppe, komplett durchgerechnet):
Kostenstelle →
Allgemeine
FHK
Material
Fert. A
Fert. B
Verwaltung
Vertrieb
Spaltensumme Allgemeine
31.672,50
Umlage Allgemeine (6:15:10:8:6:5)
−31.672,50
+3.800,70
+9.501,75
+6.334,50
+5.067,60
+3.800,70
+3.167,25
Spaltensumme FHK (82.940,00 primär + Umlage)
0
86.740,70
Umlage FHK (3:7 auf A und B)
−86.740,70
+26.022,21
+60.718,49
Sekundär erhalten (Σ)
0
0
9.501,75
32.356,71
65.786,09
3.800,70
3.167,25
Verteilte Summen: Allgemeine 31.672,50 € und FHK 86.740,70 € sind beide restlos (auf 0) verteilt — die Treppe ist sauber durchgelaufen.
⚠️ Rohleders teuerster Fehler an dieser Stelle: die Rückumlage
Der gefährlichste Fehler mechanisch: Man legt die Kosten einer Vorkostenstelle *auch auf eine bereits abgerechnete* Stelle zurück (z. B. FHK gibt etwas an „Allgemeine"). Das ist falsch, weil eine abgerechnete Stelle in diesem Durchlauf nicht mehr besucht wird — der zurückgelegte Betrag bleibt dort liegen und taucht auf keiner Endkostenstelle mehr auf. Ergebnis: die Zuschlagssätze werden zu niedrig, Geld „verschwindet".
Gegenprobe (immer machen): Summe der Gemeinkosten auf allen Endkostenstellen = Summe aller primären Gemeinkosten? Wenn nein, wurde meist zurück umgelegt oder eine Umlage nicht restlos verteilt. Im Beispiel müssen 31.672,50 € + 86.740,70 € (+ übrige Primärkosten) exakt wieder auf den Endstellen ankommen.
Merksatz: „Die Treppe geht nur runter." Wer oben abgerechnet ist, bekommt nichts mehr — auch keinen Cent zurück.
Schlüssel falsch gekürzt: immer durch den kleinsten gemeinsamen Betrag teilen, die Glieder müssen ganzzahlig sein. Format folgt der Spaltenreihenfolge des BAB.
0-Einträge in einer Zeile gehören mit einer 0 in den Schlüssel, wenn danach gefragt ist.
Genauigkeits-Rangfolge merken: Anbauverfahren (ignoriert Austausch, ungenauest) < Stufenleiterverfahren (einseitig, feste Reihenfolge) < Gleichungsverfahren (wechselseitig exakt, aufwendigst). Die Kostensumme bleibt bei allen drei gleich, nur die Verteilung/Zuschlagssätze weichen ab.
VwGK und VtGK werden beide auf die Herstellkosten bezogen, nicht auf Material-Einzelkosten.
Erkennungszeichen: „Deckungsbeitrag" genannt, Preis minus variable Stückkosten, Produktionsprogramm/Rangfolge mehrerer Produkte gesucht.
Sobald eine knappe Ressource (Maschinenstunden, Material, kg) genannt ist, die nicht für alle Produkte reicht → Engpassfall, und das Rangfolge-Kriterium wechselt (siehe unten).
📖 Die Grundidee in einem Satz: Statt jedem Produkt anteilig Fixkosten aufzubürden (das wäre Vollkostenrechnung), fragt die Deckungsbeitragsrechnung nur: Was bleibt von einem verkauften Stück übrig, nachdem seine eigenen variablen Kosten bezahlt sind? — dieser Rest (der Deckungsbeitrag) „deckt" zuerst die gemeinsamen Fixkosten, alles darüber ist Gewinn; für Entscheidungen zählt allein der Deckungsbeitrag, weil die Fixkosten kurzfristig ohnehin anfallen, egal was man produziert.
🧱 Die Bausteine (jede Abkürzung im Klartext):
Kürzel
Bedeutung Alltagsdeutsch
Woher
p
Preis je Stück (Verkaufspreis)
gegeben
kv
variable Stückkosten — Kosten, die nur durch dieses eine Stück entstehen (Material, Akkordlohn)
gegeben
db
Stück-Deckungsbeitrag — was ein Stück zur Fixkostendeckung beiträgt
= p − kv
DB
Gesamt-Deckungsbeitrag eines Produkts
= db × Menge
Kv
variable Gesamtkosten eines Produkts
= kv × Menge
Kf
Fixkosten — fallen mengenunabhängig an (Miete, Gehälter)
gegeben
Engpassressource
die knappe Größe, die nicht für alle Produkte reicht (z. B. kg Material, Maschinenminuten)
gegeben
relativer DB
Deckungsbeitragje Einheit der Engpassressource — das Rangkriterium im Engpass
= db ÷ Verbrauch je Stück
Betriebsergebnis
Gewinn/Verlust der Periode
= Σ DB − Kf
Schritte (ohne Engpass):
Stück-Deckungsbeitrag je Produkt: db = p − kv. WARUM nur variable Kosten abziehen: alles, was fix ist, fällt sowieso an — es hilft bei der Produktauswahl nicht, es mitzuschleppen.
Gesamt-DB je Produkt = db × Menge (oder direkt Erlös − variable Gesamtkosten).
Rangfolge nach dem absoluten Gesamt-DB — und dazuschreiben, worauf sich die Rangfolge bezieht, weil Stück-DB und Gesamt-DB verschiedene Reihenfolgen liefern können.
Betriebsergebnis = Σ Gesamt-DB − Fixkosten.
Schritte (mit Engpass — knappe Ressource reicht nicht für alle Produkte). Zahlen des Mini-Beispiels laufen durch:
Verbrauch der Engpassressource je Stück ermitteln.Produkt A: 7 kg/Stück · Produkt B: 5 kg/Stück. Die Stück-Deckungsbeiträge sind gegeben: db(A) = 25 €/Stück, db(B) = 29 €/Stück.
Relativer DB = Stück-DB ÷ Verbrauch je Stück. WARUM durch den Verbrauch teilen: knapp ist nicht das Produkt, sondern das kg. Also muss man fragen, welches Produkt aus 1 kg den meisten Deckungsbeitrag herausholt. relativer DB(A) = 25 ÷ 7 = 3,57 €/kg · relativer DB(B) = 29 ÷ 5 = 5,80 €/kg.
Nach höchstem relativem DB ordnen und zuerst beliefern. B (5,80 €/kg) schlägt A (3,57 €/kg) → B zuerst, obwohl A einen absolut gar nicht so weit entfernten Stück-DB hat.
Grenzprodukt (bei dem der Engpass genau ausgeht) nur anteilig einplanen.
Betriebsergebnis = Σ Produktdeckungsbeiträge des so bestimmten Programms − Fixkosten.
Warum RELATIVER und nicht absoluter DB? Mechanischer Beweis: Nimm eine feste, knappe Menge — illustrativ 350 kg (glatt durch 7 und 5 teilbar):
Alles in A: 350 ÷ 7 = 50 Stück × db 25 € = 1.250 € DB
Alles in B: 350 ÷ 5 = 70 Stück × db 29 € = 2.030 € DB
Aus denselben 350 kg holt B 780 € mehr heraus — genau weil B je kg mehr beiträgt (5,80 statt 3,57). Der höhere absolute Stück-DB von… hier hat B ihn ohnehin; entscheidend ist: sobald ein Produkt zwar den höheren Stück-DB, aber den niedrigeren DB je kg hätte, würde die Wahl nach dem Stück-DB aus der knappen Ressource weniger Gesamt-DB pressen. Der Engpass zwingt die Betrachtung „pro knapper Einheit" auf.
🔢 Vollbeispiel als Block (Engpassentscheidung, illustrative Kapazität 350 kg):
Größe
Produkt A
Produkt B
Stück-DB (db)
25,00 €/Stück
29,00 €/Stück
Verbrauch Engpass
7 kg/Stück
5 kg/Stück
relativer DB = db ÷ Verbrauch
25/7 = 3,57 €/kg
29/5 = 5,80 €/kg
Rang
2.
1.
DB aus 350 kg, wenn alles hierher
50 × 25 = 1.250 €
70 × 29 = 2.030 €
Programm-Entscheidung
Rest / gar nicht
zuerst voll beliefern
Betriebsergebnis = Deckungsbeitrag des gewählten Programms − Kf.
⚠️ Rohleders teuerster Fehler an dieser Stelle: im Engpass nach dem absoluten Stück-DB ordnen
Der gefährlichste Fehler mechanisch: Man sieht db(B) = 29 > db(A) = 25 und sortiert nach diesem absoluten Wert — bei ähnlichen Stück-DB und sehr unterschiedlichem Ressourcenverbrauch führt das prompt zur falschen Reihenfolge. Falsch ist es, weil der Stück-DB die knappe Ressource ignoriert: ein Produkt kann pro Stück viel bringen, aber pro knappem kg wenig, wenn es viel Ressource frisst.
Gegenprobe (immer machen): Rechne das ganze Programm *einmal* mit dem relativen DB und *einmal* mit dem falschen Kriterium durch und vergleiche die Gesamt-DB — das falsche Kriterium liefert nachweisbar weniger (in Rohleders Beispielrechnung 7.328 € statt korrekt 10.800 €). Wer das nicht rechnet, merkt den Fehler nie.
Merksatz: „Knapp ist das kg, nicht das Stück — also DB je kg." Absoluter DB entscheidet nur, wenn nichts knapp ist.
Vorher immer prüfen, ob überhaupt ein Engpass vorliegt: ohne Engpass zählt der (Gesamt-)DB fürs Produktionsprogramm, mit Engpass wechselt das Kriterium auf den DB je Engpasseinheit.
Selbstkosten statt variable Kosten abziehen ist falsch: der DB enthält nur variable Kosten, keine (geschlüsselten) Fixkosten.
Erkennungszeichen: mehrere Produkte, Fixkosten sind in Ebenen aufgeteilt (erzeugnisfix / erzeugnisgruppenfix / unternehmensfix), DB I/II/III genannt, oder Frage nach Produktelimination.
📖 Die Grundidee in einem Satz:Fixkosten sind nicht alle „gleich fix" — manche gehören klar zu einem Produkt (Spezialmaschine nur für P1), manche zu einer Produktgruppe (Hallenmiete einer Sparte), manche zum ganzen Unternehmen (Geschäftsführung); die mehrstufige DBR zieht sie genau in dieser Reihenfolge schichtweise vom Deckungsbeitrag ab, damit man sieht, welches Produkt und welche Gruppe sich nach jeder Schicht noch selbst trägt.
🧱 Die Bausteine (jede Abkürzung im Klartext):
Kürzel
Bedeutung Alltagsdeutsch
Woher
Erlöse
Umsatz eines Produkts (Preis × Menge)
gegeben
variable Kosten
mengenabhängige Kosten des Produkts
gegeben
DB I
Deckungsbeitrag Stufe I — was nach Abzug der variablen Kosten bleibt
= Erlöse − variable Kosten
Erzeugnisfixkosten
Fixkosten, die nur diesem einen Produkt zurechenbar sind (fielen mit ihm weg)
gegeben
DB II
Deckungsbeitrag Stufe II — Beitrag des Produkts nach seinen eigenenFixkosten
= DB I − Erzeugnisfixkosten
Erzeugnisgruppenfixkosten
Fixkosten einer ganzen Produktgruppe (nicht einem Einzelprodukt zurechenbar)
gegeben
DB III
Deckungsbeitrag Stufe III — Beitrag der Gruppe nach ihren Gruppenfixkosten
= Σ DB II der Gruppe − Gruppenfix
Unternehmensfixkosten
Fixkosten des Gesamtbetriebs (Geschäftsführung, Zentrale)
gegeben
Betriebsergebnis
Gewinn/Verlust der Periode
= Σ DB III − Unternehmensfix
Schritte. Die Zahlen des Mini-Beispiels (P1, P2) laufen durch:
DB I = Erlöse − variable Kosten je Produkt. P1: DB I = 250.000 € · P2: DB I = 224.000 €.
DB II = DB I − Erzeugnisfixkosten (nur diesem Produkt zurechenbar). P1: 250.000 − 150.000 = 100.000 € · P2: 224.000 − 75.000 = 149.000 €. Beachte die Umkehrung: P1 hatte den höherenDB I, aber nach Abzug seiner eigenen (hohen) Erzeugnisfixkosten den niedrigerenDB II.
DB II der Produkte einer Gruppe aufsummieren, dann DB III = Σ DB II − Erzeugnisgruppenfixkosten.Nimm P1 und P2 als eine Gruppe: Σ DB II = 100.000 + 149.000 = 249.000 €. Gruppenfix (illustrativ ergänzt) 60.000 € → DB III = 189.000 €.
Betriebsergebnis = Σ DB III aller Gruppen − Unternehmensfixkosten.Unternehmensfix (illustrativ ergänzt) 90.000 € → Betriebsergebnis = 189.000 − 90.000 = 99.000 €.
Kontrolle: Summe aller Teil-Fixkosten (Erzeugnisfix + Gruppenfix + Unternehmensfix) muss der insgesamt angegebenen Fixkostensumme entsprechen; zusätzlich Σ DB I − Σ Fixkosten = Erlöse − Selbstkosten. Hier: 150.000 + 75.000 + 60.000 + 90.000 = 375.000 € Fixkosten; Σ DB I 474.000 − 375.000 = 99.000 € = Betriebsergebnis ✓.
Entscheidungskriterium fürs Produktionsprogramm ohne Engpass ist DB II (nicht DB I, nicht die volle Staffel). Mit Engpass wechselt das Kriterium auf den Stück-DB II (DB II ÷ Stückzahl).
Ist ein Produkt als einziges in seiner Gruppe, ist die Erzeugnisgruppenfix-Schicht für dieses Produkt 0 (diese Kosten sind dann schon Erzeugnisfixkosten).
Produktelimination: neues Betriebsergebnis = altes Betriebsergebnis − wegfallender Deckungsbeitrag der maßgeblichen Stufe. NIE die vollen (Voll-)Selbstkosten des wegfallenden Produkts abziehen.
Warum bei Elimination NIE die vollen Selbstkosten abziehen? Mechanischer Beweis mit den Beispielzahlen: Angenommen, P1 (DB II = 100.000 €, positiv) soll wegfallen und seine Erzeugnisfixkosten sind abbaubar → maßgebliche Stufe ist DB II. Regel: neues Betriebsergebnis = 99.000 − 100.000 = −1.000 € — es wird also schlechter. Gegenprobe von unten: bleibt nur P2, dann DB II(P2) 149.000 − Gruppenfix 60.000 − Unternehmensfix 90.000 = −1.000 € ✓. Die 60.000 € Gruppenfix und 90.000 € Unternehmensfix verschwinden nicht — sie lasten jetzt allein auf P2. Genau das ist die Falle: Wer P1 auf Vollkostenbasis „unrentabel" rechnet und meint, durch Streichen falle die ganze geschlüsselte Kostenlast weg, übersieht, dass P1 mit seinem positiven DB II noch 100.000 € zur Deckung eben dieser bleibenden Fixkosten beigetragen hat.
🔢 Vollbeispiel als Block (Stufen-Schema, illustrative Gruppen-/Unternehmensfixkosten):
Stufe
P1
P2
Gruppe / Gesamt
DB I
250.000 €
224.000 €
Σ 474.000 €
− Erzeugnisfixkosten
150.000 €
75.000 €
= DB II
100.000 €
149.000 €
Σ 249.000 €
− Erzeugnisgruppenfixkosten (illustrativ)
60.000 €
= DB III
189.000 €
− Unternehmensfixkosten (illustrativ)
90.000 €
= Betriebsergebnis
99.000 €
Rangfolge nach DB II: P2 (149.000) vor P1 (100.000) — obwohl P1 den höheren DB I hatte.
⚠️ Rohleders teuerster Fehler an dieser Stelle: Produktelimination auf Vollkostenbasis
Der gefährlichste Fehler mechanisch: Man zieht bei einer Elimination die vollen (Voll-)Selbstkosten des Produkts ab — inkl. der ihm nur *geschlüsselten* Gruppen- und Unternehmensfixkosten. Es sieht dann so aus, als stiege das Betriebsergebnis. Tatsächlich fallen nur die variablen Kosten (und bei Abbaubarkeit die Erzeugnisfixkosten) weg; die geschlüsselten höheren Fixkostenschichten bleiben und drücken jetzt auf die übrigen Produkte. Rohleder nennt das ausdrücklich „brandgefährlich".
Gegenprobe (immer machen): das Programm nach der Elimination von Grund auf neu durchrechnen (DB II der Bleiber − alle noch bestehenden Fixkostenschichten). Kommt weniger heraus als „alt − wegfallender DB II", wurde zu viel abgezogen. Im Beispiel: 99.000 − 100.000 = −1.000 €, und die Neurechnung mit nur P2 bestätigt −1.000 €.
Merksatz: „Beim Streichen fällt der Deckungsbeitrag weg, nicht die ganze Kostenlast." Ein Produkt mit positivem DB II zu streichen macht das Ergebnis schlechter, nicht besser.
Fixkostenschichten nicht vermischen: erst Erzeugnisfix, dann Gruppenfix, dann Unternehmensfix — nicht in einem Schritt abziehen.
Rangfolge nach Gesamt-DB, Stück-DB und mehrstufiger DBR (DB II) kann jeweils unterschiedlich ausfallen — immer angeben, welches Kriterium gemeint ist.
Bei der Fixkosten-Abbaubarkeits-Frage kritisch einschränken: die Aussage „Betriebsergebnis sinkt nur um X" gilt nur, wenn die Erzeugnisfixkosten tatsächlich vollständig und kurzfristig abbaubar sind (in der Praxis meist unrealistisch).
8. Kostenauflösung (Kostenspaltung) + Prognose
⚡ Wann?
Erkennungszeichen: Tabelle mit Menge und Gesamtkosten über mehrere Perioden, „Mischkosten“ genannt, gesucht sind variable Stückkostenkv und FixkostenKf bzw. eine Kostenprognose für eine neue Menge.
Zwei Wege: mathematisch (Zwei-Punkte-/Hoch-Tief-Verfahren, mit Taschenrechner) und statistisch (lineare Regression, nur über Excel). Steht eine Formel/„zwei Perioden“ dabei → mathematisch. Steht „alle Datenpunkte“/„Regression“/„R²“ dabei → Excel.
📖 Die Grundidee in einem Satz: Die Gesamtkosten sind eine Mischung aus einem festen Sockel, der auch bei Menge 0 anfällt (Fixkosten — Miete, Meistergehalt), und einem mengenabhängigen Teil, der mit jedem produzierten Stück mitwächst (variable Kosten — Material, Akkordlohn). Kostenauflösung heißt: aus beobachteten (Menge, Kosten)-Paaren die zwei Bausteine wieder auseinanderrechnen, also die Gerade durch die Punkte legen — dann kannst du für jede Menge die Kosten vorhersagen.
🧱 Die Bausteine (jede Abkürzung im Klartext):
Kürzel
Bedeutung Alltagsdeutsch
Woher
x
Beschäftigung / Ausbringungsmenge einer Periode (Stück)
gegeben (Tabelle)
K
Gesamtkosten (Mischkosten) einer Periode — Fix + variabel zusammen
gegeben (Tabelle)
kv
variable Stückkosten — was ein zusätzliches Stück extra kostet; das ist die Steigung der Kostengeraden
= (K₂ − K₁) ÷ (x₂ − x₁)
Kf
Fixkosten — der Kostensockel bei Menge 0; das ist der Achsenabschnitt der Geraden
= K₁ − kv · x₁
x₁, K₁
Menge/Kosten der ersten gewählten Periode (bei Hoch-Tief: der Tiefpunkt)
gegeben
x₂, K₂
Menge/Kosten der zweiten gewählten Periode (bei Hoch-Tief: der Hochpunkt)
gegeben
R²
Bestimmtheitsmaß — misst 0…1, wie gut die Gerade zu allen Punkten passt (1 = perfekt)
Excel =BESTIMMTHEITSMASS(...)
Schritte (mathematische Methode = Zwei-Punkte-/Hoch-Tief-Verfahren). Beispielzahlen laufen durch alle Schritte durch:
Ausgangsdaten des Beispiels: Periode 1 → 14.300 Stück / 7.902,00 € · Periode 4 → 16.250 Stück / 8.750,50 €.
Die zwei Perioden auswählen.WAS: zwei (Menge, Kosten)-Paare aus der Tabelle herausgreifen. WARUM: zwei Punkte legen eine Gerade eindeutig fest — mehr brauchst du für die Handrechnung nicht. WIE: Steht in der Aufgabe „nutzen Sie Periode 1 und 4“, nimmst du genau die (die Punktwahl verändert das Ergebnis, siehe Fehler-Kasten). Bei freier Wahl: die Periode mit der kleinsten und der größten Menge (daher „Hoch-Tief“). Beispiel: P1 (x₁ = 14.300; K₁ = 7.902,00 €) und P4 (x₂ = 16.250; K₂ = 8.750,50 €).
Variable Stückkosten kv = Steigung berechnen:WARUM: Von P1 nach P4 sind die Kosten um 848,50 € gestiegen, weil 1.950 Stück mehr produziert wurden — der reine Fixsockel hat sich nicht verändert. Also stammt der ganze Zuwachs von den variablen Kosten. Kostenzuwachs ÷ Mengenzuwachs = Kosten pro zusätzlichem Stück. WIE/Beispiel: kv = (8.750,50 − 7.902,00) ÷ (16.250 − 14.300) = 848,50 ÷ 1.950 = 0,4351 €/Stück (ungerundet 0,435128…).
FixkostenKf = Achsenabschnitt berechnen:WARUM: In K₁ steckt Fix und variabel. Der variable Anteil bei 14.300 Stück ist kv · x₁. Ziehst du den ab, bleibt der Sockel übrig, der auch bei 0 Stück da wäre. WIE/Beispiel: Kf = 7.902,00 − 0,435128… × 14.300 = 7.902,00 − 6.222,33 = 1.679,67 €. (Hier bewusst mit dem ungerundetenkv rechnen — sonst kippt Kf, siehe Fehler-Kasten.)
Kontrolle mit der anderen Periode.WAS:Kf ein zweites Mal aus P4 berechnen. WARUM: Beide Perioden liegen auf derselben Geraden → derselbe Sockel muss herauskommen; sonst hast du dich verrechnet. WIE/Beispiel: Kf = 8.750,50 − 0,435128… × 16.250 = 8.750,50 − 7.070,83 = 1.679,67 € — identisch. ✓
Kostenfunktion aufstellen: K = Kf + kv · x. Beispiel: K = 1.679,67 + 0,4351 · x. Das ist dein „Kostenrechner“ für beliebige Mengen.
Prognose: geplante Menge einsetzen.WAS: die gefragte Zukunftsmenge x in die Funktion einsetzen. WARUM: Du liest die erwarteten Kosten für diese Menge von der Geraden ab. WIE: Liegt die Menge innerhalb des beobachteten Bereichs (hier 14.300…16.250) → Interpolation, verlässlich. Liegt sie außerhalb → Extrapolation, riskant (die Gerade gilt vielleicht dort nicht mehr). Beispiel: geplante 15.000 Stück → K = 1.679,67 + 0,435128 × 15.000 = 1.679,67 + 6.526,92 = 8.206,59 € (Interpolation, weil 15.000 zwischen 14.300 und 16.250 liegt).
Statistische Methode (lineare Regression, nur über Excel):
=STEIGUNG(Y-Werte; X-Werte) liefert kv (nutzt alle Datenpunkte, nicht nur zwei — Y = Kosten, X = Mengen).
=ACHSENABSCHNITT(Y-Werte; X-Werte) liefert Kf.
Bestimmtheitsmaß =BESTIMMTHEITSMASS(...) prüfen: unter ca. 66–67 % (R² < 2/3) ist die lineare Kostenspaltung nicht verlässlich — dann stattdessen einen Mittelwert der letzten Perioden ansetzen.
Für reine Kostenprognosen (ohne Kostenspaltung) direkt =PROGNOSE.LINEAR(...) verwenden.
🔢 Das ganze Schema als Block (mathematische Methode, komplett durchgerechnet):
Schritt
Rechnung
Ergebnis
gewählte Perioden
P1 und P4 (laut Aufgabe)
(14.300; 7.902,00 €) / (16.250; 8.750,50 €)
Kostenzuwachs ΔK
8.750,50 − 7.902,00
848,50 €
Mengenzuwachs Δx
16.250 − 14.300
1.950 Stück
kv (Steigung)
848,50 ÷ 1.950
0,4351 €/Stück
variabler Anteil in P1
0,435128… × 14.300
6.222,33 €
Kf (Achsenabschnitt)
7.902,00 − 6.222,33
1.679,67 €
Kontrolle über P4
8.750,50 − 0,435128… × 16.250
1.679,67 € ✓
Kostenfunktion
K = 1.679,67 + 0,4351 · x
Prognose 15.000 Stück
1.679,67 + 0,435128 × 15.000
8.206,59 €
⚠️ Rohleders teuerster Fehler an dieser Stelle: kv zu früh runden — die Fixkosten kippen mit
Das Problem:kv wird in Schritt 3 mit einer **großen** Menge multipliziert (× 14.300). Ein winziger Rundungsfehler in kv wird dadurch vertausendfacht und schlägt voll auf Kf durch.
Mechanisch, warum es weh tut: Rundest du kv grob auf 0,44, ergibt Schritt 3: Kf = 7.902,00 − 0,44 × 14.300 = 7.902,00 − 6.292,00 = 1.610,00 € — statt korrekt 1.679,67 €, also ~70 € daneben. Selbst 0,4351 statt des vollen 0,435128… bringt Kf auf 1.680,07 € (0,40 € Drift). Der Fehler wandert von da in jede Prognose weiter.
Gegenprobe (immer machen):Kf aus beiden Perioden berechnen. Kommt zweimal exakt 1.679,67 € heraus → du hast ungerundet gerechnet. Weichen die zwei Kf-Werte ab → du hast zu früh gerundet. So enttarnst du den Fehler noch in der Klausur.
Merksatz:kv im Rechner stehen lassen, erst das Endergebnis (Kf, Prognose) auf 2 Nachkommastellen runden.
Weitere Fallen: Punktwahl ist nicht neutral — Zwei-Punkte mit P1&P4 ≠ mit P1&P3 ≠ Regression über alle Punkte; immer die in der Aufgabe genannten Perioden nehmen. STEIGUNG = variable Stückkosten, ACHSENABSCHNITT = Fixkosten — die zwei Excel-Funktionen nicht vertauschen. Kein Regressionsrechnen von Hand — nur über die Excel-Funktionen. Zwei Gründe für Fehlprognosen im Kopf behalten: Strukturbrüche (Energiepreisschock, Technologiewechsel machen die Vergangenheit ungültig) und die Linearitätsannahme (reale Kosten sind oft nicht-linear — Mengenrabatte, Sprungfixkosten).
Erkennungszeichen: Planbeschäftigung (Bp), Istbeschäftigung (Bi), fixe und variable Plankosten gegeben, Istkosten gegeben — gesucht sind Verrechnungssätze, Sollkosten und die Abweichungen.
Kernfrage der ganzen Rechnung: „Die Kostenstelle hat mehr gekostet als geplant — liegt das daran, dass sie unwirtschaftlich war (ihr Fehler), oder nur daran, dass sich die Menge verschoben hat (nicht ihr Fehler)?“ Genau das trennt die flexible Plankostenrechnung sauber auf.
📖 Die Grundidee in einem Satz: Man plant Kosten für eine erwartete Menge (Bp), am Ende ist eine andere Menge herausgekommen (Bi) und es sind andere Kosten angefallen (Ki) — die flexible Plankostenrechnung baut zwischen Plan und Ist eine faire Vergleichslatte ein (die Sollkosten: „was hätte die Ist-Menge kosten dürfen?“) und spaltet die Gesamtabweichung damit in zwei saubere Teile: den Teil, den die Kostenstelle selbst verantwortet (Verbrauch) und den reinen Mengeneffekt (Beschäftigung), für den sie nichts kann.
🧱 Die Bausteine (jede Abkürzung im Klartext — hier besonders wichtig, weil sich vieles ähnlich sieht):
Kürzel
Bedeutung Alltagsdeutsch
Woher
Bp
Planbeschäftigung — die Menge, mit der geplant wurde
gegeben
Bi
Istbeschäftigung — die Menge, die tatsächlich produziert wurde
gegeben
Kpv
variable Plankosten (Gesamtbetrag) bei Bp — Kosten, die mit der Menge mitwachsen
gegeben
Kpf
fixe Plankosten (Gesamtbetrag) — Sockel, ändert sich mengenmäßig nicht
gegeben
Kp
Plankosten gesamt bei Bp = Kpv + Kpf
berechnet
Ki
Istkosten — was am Ende wirklich angefallen ist
gegeben
kpv
variabler Verrechnungssatz = Kpv ÷ Bp (€ je Stück)
berechnet
kpf
fixer Verrechnungssatz = Kpf ÷ Bp (€ je Stück)
berechnet
kp
gesamter Verrechnungssatz = kpv + kpf
berechnet
Kverr
verrechnete Plankosten = kp · Bi — Fixkosten werden hier so getan, als wären sie variabel (auf Bi hochgerechnet)
berechnet
Ksoll
Sollkosten = Kpf + kpv · Bi — Fixkosten bleiben voll fix, nur der variable Teil wird an Bi angepasst
berechnet
Verbrauchsabw.
(= Budgetabweichung) = Ki − Ksoll — die selbst verantwortete (Un-)Wirtschaftlichkeit
berechnet
Beschäftigungsabw.
= Ksoll − Kverr — reiner Mengen-/Fixkosteneffekt, NICHT beeinflussbar
berechnet
Gesamtabw.
= Ki − Kverr — die volle Differenz, teilt sich in die zwei oberen auf
berechnet
Schritte. Beispielzahlen laufen durch alle Schritte durch:
Ausgangsdaten des Beispiels: Bp = 30.000 Stück, Bi = 35.000 Stück, Kpv = 45.000 €, Kpf = 120.000 €, Ki = 200.000 €. (Hier ist Bi > Bp, also Überbeschäftigung — mehr produziert als geplant.)
Variabler Verrechnungssatz:WARUM: die geplanten variablen Gesamtkosten auf ein einzelnes Stück herunterbrechen. Beispiel: kpv = 45.000 ÷ 30.000 = 1,50 €/Stück.
Fixer Verrechnungssatz:WARUM: rein rechnerisch die Fixkosten auf ein Stück verteilen — das ist ein künstlicher Wert (Fixkosten fallen ja nicht pro Stück an), man braucht ihn nur für die „verrechneten“ Plankosten. Beispiel: kpf = 120.000 ÷ 30.000 = 4,00 €/Stück.
Plankosten bei Planbeschäftigung:WARUM: der ursprüngliche Kostenplan für die geplante Menge Bp — Referenzpunkt. Beispiel: Kp = 45.000 + 120.000 = 165.000 € (gilt für 30.000 Stück).
Verrechnete Plankosten (Fixkosten werden hier so behandelt, als wären sie variabel): WARUM: Das ist der „Vollkosten“-Blick der Kostenträgerrechnung — jedes Ist-Stück bekommt den vollen Satz kp aufgedrückt, inklusive Fixanteil. Beispiel: Kverr = 5,50 × 35.000 = 192.500 €.
Sollkosten (Fixkosten bleiben komplett fix, nur der variable Teil wird an Bi angepasst): WARUM: Das ist die faire Vergleichslatte: „Wenn wir wirklich 35.000 Stück machen, dürfen die variablen Kosten mitwachsen (1,50 × 35.000), aber die Fixkosten bleiben die geplanten 120.000 € — nicht mehr, nicht weniger.“ Beispiel: Ksoll = 120.000 + 1,50 × 35.000 = 120.000 + 52.500 = 172.500 €.
Verbrauchsabweichung (= Budgetabweichung) = Ki − Ksoll.WARUM: Ist gegen die faire Latte. Alles, was über den Sollkosten liegt, hat die Kostenstelle wirklich zu viel verbraucht — das ist ihre Verantwortung. Beispiel: 200.000 − 172.500 = +27.500 € → ungünstig.
Beschäftigungsabweichung = Ksoll − Kverr.WARUM: reiner Rechen-/Mengeneffekt aus der Fixkosten-„Proportionalisierung“ — die Kostenstelle kann nichts dafür. Beispiel: 172.500 − 192.500 = −20.000 € → günstig.
Vorzeichen deuten: positiv = Kostenüberschreitung = ungünstig; negativ = günstig. Immer die Richtung dazuschreiben.
Das kniffligste Stück mechanisch — WARUM Sollkosten ≠ verrechnete Plankosten: Beide werden auf die gleiche Ist-Menge Bi bezogen, der einzige Unterschied ist die Behandlung der Fixkosten. Kverr rechnet den Fix-Satz kpf pro Stück auf Bi hoch (tut also so, als würden die Fixkosten mit der Menge mitwachsen). Ksoll lässt Kpf in voller, konstanter Höhe stehen. Ihre Differenz ist deshalb nur ein Fixkosten-Effekt: Ksoll − Kverr = (Kpf + kpv·Bi) − (kpv+kpf)·Bi = Kpf − kpf·Bi = kpf·(Bp − Bi). Beispiel: 4,00 × (30.000 − 35.000) = 4,00 × (−5.000) = −20.000 € — exakt die Beschäftigungsabweichung. Bei Überbeschäftigung (Bi > Bp) ist die Klammer negativ → negativ → günstig: die vielen Ist-Stücke tragen mehr Fixkosten, als geplant war → die Fixkosten sind überdeckt. Bei Unterbeschäftigung (Bi < Bp) wäre sie positiv → ungünstig → Leerkosten (nicht ausgelastete Fixkosten).
Und WARUM ein Minus hier „günstig“ heißt: Es geht um Kosten, nicht um einen Kontostand. Der Referenzwert (Sollkosten bzw. verrechnete Plankosten) ist die Latte; das Ist bzw. der Vergleichswert liegt darunter → weniger Kosten als erlaubt/erwartet → gut. Ein positives Vorzeichen bedeutet „mehr Kosten als die Latte“ = schlecht. Merke: bei Kostenabweichungen ist Minus (weniger Kosten) immer die gute Nachricht.
🔢 Das ganze Schema als Block (komplett durchgerechnet):
Zeile
Rechnung
Betrag
kpv
45.000 ÷ 30.000
1,50 €/Stück
kpf
120.000 ÷ 30.000
4,00 €/Stück
kp
1,50 + 4,00
5,50 €/Stück
Kp (Plankosten bei Bp)
45.000 + 120.000
165.000 €
Kverr (verrechnet, Bi)
5,50 × 35.000
192.500 €
Ksoll (Sollkosten, Bi)
120.000 + 1,50 × 35.000
172.500 €
Ki (Istkosten)
gegeben
200.000 €
Verbrauchsabweichung
200.000 − 172.500
+27.500 € ungünstig
Beschäftigungsabweichung
172.500 − 192.500
−20.000 € günstig
Gesamtabweichung
200.000 − 192.500
+7.500 €
Kontrolle
27.500 + (−20.000)
+7.500 € ✓
⚠️ Rohleders teuerster Fehler an dieser Stelle: Sollkosten mit verrechneten Plankosten verwechseln
Das Problem: Beide Werte gehören zur Ist-Menge Bi und sehen fast gleich aus — wer sie vertauscht, spaltet die Abweichung falsch auf und verliert den ganzen Sinn der Übung.
Mechanisch, warum es kippt: Nimmst du versehentlich Kverr, wo Ksoll hingehört, rechnest du Verbrauchsabweichung = Ki − Kverr = 200.000 − 192.500 = 7.500 € — das ist aber die Gesamtabweichung, nicht die Verbrauchsabweichung. Die Beschäftigungsabweichung fällt dann auf 0, und der Kern-Nachweis „was ist Eigenverschulden, was ist Mengeneffekt“ ist zerstört. Der einzige Unterschied der beiden Größen ist die Fixkostenbehandlung: Ksoll = Kpf voll fix, Kverr = kpf pro Stück auf Bi hochgerechnet.
Gegenprobe (immer machen): Verbrauchs- + Beschäftigungsabweichung muss die Gesamtabweichung (Ki − Kverr) ergeben. 27.500 + (−20.000) = 7.500 ✓. Kommt das nicht auf, hast du Soll- und verrechnete Kosten vertauscht.
Merksatz: „Soll = Fix bleibt stehen. Verrechnet = Fix wird verteilt.“ Sollkosten liegen bei Überbeschäftigung deshalb unter den verrechneten, bei Unterbeschäftigung darüber.
Weitere Fallen: Sollkosten ≠ Plankosten ≠ verrechnete Plankosten — drei verschiedene Größen (Plankosten gelten bei Bp, Sollkosten bei Bi mit Fix konstant, verrechnete bei Bi mit Fix proportionalisiert); nur wenn Bi = Bp sind alle drei gleich. Ein Minus ist hier gut, nicht schlecht — immer „günstig/ungünstig“ dazuschreiben. Unterbeschäftigung (Bi < Bp) → Beschäftigungsabweichung positiv = Leerkosten = ungünstig; Überbeschäftigung (Bi > Bp) → negativ = Fixkostenüberdeckung = günstig. Die starre Plankostenrechnung (keine Fix/Variabel-Trennung) lässt GAR KEINE wirtschaftliche Aussage zu — nur die flexible Rechnung trennt Verbrauchs- von Beschäftigungseffekt.
10. UKV vs. GKV (kurzfristige Erfolgsrechnung)
⚡ Wann?
Erkennungszeichen: Produktionsmenge ≠ Absatzmenge (Bestandsveränderung), Betriebsergebnis soll auf beiden Wegen nachgewiesen werden. Rohleder verlangt laut eigener Aussage KEIN eigenständiges Vorrechnen von Hand in der Klausur — nur das Konzept muss sitzen. Trotzdem zur Sicherheit hier das volle Rezept.
📖 Die Grundidee in einem Satz: Wenn du mehr produzierst als du verkaufst, wandert ein Teil der Produktionskosten ins Lager statt in die Gewinn-und-Verlust-Rechnung — GKV und UKV sind zwei verschiedene Wege, dieses „Kosten-im-Lager“-Problem sauber zu behandeln, und müssen zwangsläufig dasselbe Betriebsergebnis liefern (weil nur die Darstellung, nicht die Realität, sich unterscheidet).
🧱 Die Bausteine (jede Abkürzung im Klartext):
Kürzel
Bedeutung Alltagsdeutsch
Woher
AB
Anfangsbestand — was zu Periodenbeginn schon im Lager lag (Stück)
Bestandsveränderung ermitteln.WAS: EB = AB + Produktion − Absatz, dann Bestandsveränderung = EB − AB. WARUM: Du musst wissen, wie viele Stück ins Lager gewandert sind — genau die verursachen die ganze Verfahrens-Diskussion. Beispiel: EB = 0 + 10.000 − 8.000 = 2.000 Stück; Bestandsveränderung = 2.000 − 0 = +2.000 Stück (Bestandserhöhung).
Herstellkosten je Stück (hk) berechnen.WAS:HK der Produktion ÷ Produktionsmenge. WARUM: nur bestandsfähige Kosten (Material, Löhne, FGK) dürfen aufs Lager — dieser Stückwert bewertet die eingelagerten Teile. Beispiel: hk = 700.000 ÷ 10.000 = 70,00 €/Stück.
Umsatzerlöse berechnen.WAS: Absatzmenge × Verkaufspreis — in beiden Verfahren zählt nur die tatsächlich verkaufte Menge. WARUM: Verkauft sind 8.000 Stück, nicht 10.000; die 2.000 im Lager haben noch keinen Erlös gebracht. Beispiel: Umsatz = 8.000 × 120,00 = 960.000 €.
Wert der Bestandsveränderung.WAS: Bestandsveränderung (Stück) × hk. WARUM: Das ist der Geldwert der eingelagerten Kosten — die Zahl, die das GKV gleich als Korrektur braucht. Beispiel: 2.000 × 70,00 = 140.000 €.
GKV-Weg: Betriebsergebnis = Umsatzerlöse + Bestandserhöhung (bzw. − Bestandsminderung) − Gesamtkosten der Periode (alle Kostenarten in voller Höhe). WARUM: Das GKV zieht sämtliche angefallenen Kosten ab — auch die für die 2.000 Lager-Stücke. Weil diese Stücke aber noch nicht verkauft sind, wäre das zu viel Kostenabzug → die Bestandserhöhung rechnet den Lager-Wert wieder hinzu und gleicht das aus. Beispiel: Gesamtkosten = 700.000 + 90.000 + 70.000 = 860.000 €. BE = 960.000 + 140.000 − 860.000 = 240.000 €.
UKV-Weg:Herstellkosten des Umsatzes = Absatzmenge × hk. Betriebsergebnis = Umsatzerlöse − HK des Umsatzes − Verwaltungskosten − Vertriebskosten. WARUM: Das UKV stellt den Erlösen von vornherein nur die Kosten der verkauften Stücke gegenüber — die Lager-Stücke tauchen gar nicht erst auf, deshalb braucht es keine Bestandskorrektur. Beispiel: HK des Umsatzes = 8.000 × 70,00 = 560.000 €. BE = 960.000 − 560.000 − 90.000 − 70.000 = 240.000 €.
Kontrolle: beide Betriebsergebnisse müssen identisch sein. Beispiel: 240.000 € = 240.000 € ✓.
Warum beide Wege zwangsläufig gleich herauskommen (mechanisch): Der einzige Unterschied ist die Behandlung der Lager-Kosten. Das GKV zieht die HK der Produktion (700.000 €) ab und legt die Bestandserhöhung (+140.000 €) obendrauf → netto belastet es 700.000 − 140.000 = 560.000 €. Das UKV zieht direkt die HK des Umsatzes (560.000 €) ab. Beide belasten also exakt dieselben 560.000 € — die Differenz zwischen HK der Produktion und HK des Umsatzes (700.000 − 560.000 = 140.000 €) ist genau der Bestandswert, den das GKV wieder hinzurechnet. Verwaltung (90.000 €) und Vertrieb (70.000 €) sind in beiden Verfahren identische volle Periodenkosten. Gleiche Erlöse − gleiche Kostenbelastung = gleiches Ergebnis.
🔢 Das ganze Schema als Block (beide Verfahren nebeneinander, komplett durchgerechnet):
GKV (Gesamtkostenverfahren)
Betrag
UKV (Umsatzkostenverfahren)
Betrag
Umsatzerlöse (8.000 × 120)
960.000 €
Umsatzerlöse (8.000 × 120)
960.000 €
+ Bestandserhöhung (2.000 × 70)
140.000 €
− HK des Umsatzes (8.000 × 70)
− 560.000 €
− Herstellkosten der Produktion
− 700.000 €
− Verwaltungskosten
− 90.000 €
− Verwaltungskosten
− 90.000 €
− Vertriebskosten
− 70.000 €
− Vertriebskosten
− 70.000 €
= Betriebsergebnis
240.000 €
= Betriebsergebnis
240.000 €
⚠️ Rohleders teuerster Fehler an dieser Stelle: Verwaltung/Vertrieb ins Lager „aktivieren“ oder HK der Produktion mit HK des Umsatzes verwechseln
Das Problem: Zwei verwandte Verwechslungen killen das Ergebnis — (a) Verwaltungs-/Vertriebskosten teilweise aufs Lager legen, und (b) im UKV die Produktionsmenge statt der Absatzmenge mit hk multiplizieren.
Mechanisch, warum es falsch ist: Nur bestandsfähige Kosten (Material, Löhne, FGK) dürfen ins Lager — Verwaltung und Vertrieb sind immer volle Periodenkosten. Bewertetest du die 2.000 Lager-Stücke mit einem höheren Satz (inkl. Vw/Vt), stünde im GKV eine zu hohe Bestandserhöhung → Betriebsergebnis zu hoch, und der Gleichlauf mit dem UKV bricht. Und im UKV: nimmst du 10.000 × 70 = 700.000 € statt 8.000 × 70 = 560.000 €, ziehst du die Kosten der noch gar nicht verkauften 2.000 Stücke ab → BE = 960.000 − 700.000 − 90.000 − 70.000 = 100.000 € statt 240.000 €, also 140.000 € zu niedrig.
Gegenprobe (immer machen): GKV und UKV nebeneinander rechnen — kommt nicht zweimal dasselbe heraus, steckt einer dieser Fehler drin. Zusätzlich prüfen: HK Produktion − HK Umsatz muss exakt der Bestandserhöhung entsprechen (700.000 − 560.000 = 140.000 ✓).
Merksatz: „Ins Lager kommt nur, was in der Werkstatt entsteht.“ Verwaltung und Vertrieb bleiben draußen. Und: HK der Produktion bewertet das Lager, HK des Umsatzes bewertet den Verkauf.
Weitere Fallen: Bei Bestandserhöhung wird im GKV addiert, bei Bestandsminderung subtrahiert — Vorzeichen nicht drehen. Die Differenz zwischen HK der Produktion und HK des Umsatzes ist genau der Bestandswert, den das GKV oben als Bestandserhöhung wieder hinzurechnet — deshalb sind beide Verfahren immer identisch.
11. Kalkulatorische Zinsen
⚡ Wann?
Erkennungszeichen: Anschaffungswert (AW), Nutzungsdauer (ND), Restwert (RW) und ein Zinssatz (i) einer Anlage sind gegeben, gesucht sind die „kalkulatorischen Zinsen" — entweder als konstanter Jahresbetrag (Durchschnittsverzinsung) oder Jahr für Jahr fallend (Restwertverzinsung).
Zwei Varianten: Durchschnittsverzinsung (Standard, ein glatter Betrag für jedes Jahr) und Restwertverzinsung (feiner, Zinsen sinken jedes Jahr mit dem Buchwert).
📖 Die Grundidee in einem Satz: Wenn du 240.000 € in eine Maschine steckst, ist dieses Geld gebunden — du könntest es sonst anlegen und Zinsen kassieren; diese entgangene Rendite verrechnest du als Kostenposition, damit deine Preise das gebundene Kapital mitverdienen. Weil sich das Kapital über die Nutzungsdauer nach und nach „abnutzt" (von AW herunter bis zum RW), verzinst du nicht den vollen Wert, sondern das im Schnitt gebundene Kapital.
🧱 Die Bausteine (jede Abkürzung im Klartext):
Kürzel
Bedeutung in Alltagsdeutsch
Woher
AW
Anschaffungswert — was die Anlage neu gekostet hat
gegeben
RW
Restwert — was die Anlage am Ende der Nutzung noch wert ist (Schrott-/Verkaufswert)
gegeben
ND
Nutzungsdauer — wie viele Jahre die Anlage läuft
gegeben
i
Zinssatz — die kalkulatorische Verzinsung in % (die Rendite, die du woanders bekämst)
gegeben
Ø-Kapital
durchschnittlich gebundenes Kapital — der „mittlere" Wert, der über die Jahre in der Anlage steckt
= (AW + RW) ÷ 2
kalk. Zinsen/Jahr
die Zins-Kostenposition eines Jahres
= Ø-Kapital × i
Buchwert
(nur Restwertmethode) der aktuelle Wert der Anlage zu Jahresbeginn, sinkt jedes Jahr
AW − bisherige Abschreibungen
Abschreibung/Jahr
(nur Restwertmethode) der jährliche Wertverlust
= (AW − RW) ÷ ND
Schritte (Durchschnittsverzinsung — die Standardmethode). Beispielzahlen laufen durch: AW = 240.000 €, RW = 40.000 €, ND = 5 Jahre, i = 8 %.
Durchschnittlich gebundenes Kapital = (AW + RW) ÷ 2.Warum genau (AW + RW)/2 und nicht einfach AW? Am ersten Tag stecken volle 240.000 € in der Maschine, am letzten Tag nur noch 40.000 € (der Restwert). Über die Jahre sinkt das gebundene Kapital gleichmäßig von 240.000 auf 40.000 — der Durchschnitt einer geraden Rutsche vom Anfangs- zum Endpunkt ist genau der Mittelwert der beiden Enden: (240.000 + 40.000) ÷ 2 = 140.000 €. Du verzinst also den mittleren Kapitalstand, nicht den Höchststand.
Kalkulatorische Zinsen pro Jahr = Ø-Kapital × i.140.000 × 0,08 = 11.200,00 €/Jahr. Dieser Betrag ist in jedem der 5 Jahre identisch — das ist der ganze Reiz der Methode: eine glatte, konstante Kostenbelastung.
Zinsen über die gesamte Nutzungsdauer = Zinsen/Jahr × ND.11.200 × 5 = 56.000,00 € gesamt. Der Jahresbetrag bleibt über alle Jahre konstant.
Schritte (Restwertverzinsung — die Alternative, Zinsen fallen jährlich). Gleiche Beispielzahlen:
Jährliche Abschreibung = (AW − RW) ÷ ND.(240.000 − 40.000) ÷ 5 = 40.000 €/Jahr. So viel Wert verliert die Anlage jedes Jahr.
Buchwert zu jedem Jahresbeginn aufstellen — startet bei AW, sinkt jedes Jahr um die Abschreibung.
Zinsen je Jahr = Buchwert zu Jahresbeginn × i — weil zu Beginn viel Kapital gebunden ist und immer weniger, fallen die Zinsen von Jahr zu Jahr.
Alle Jahreszinsen aufaddieren = Zinsen gesamt.
Rechenprobe: Buchwert am Ende des letzten Jahres muss dem vorgegebenen RW entsprechen (hier 40.000 € ✓).
🔢 Vollbeispiel Durchschnittsmethode (so sauber in die Klausur):
Zeile
Rechnung
Betrag
Ø gebundenes Kapital
(240.000 + 40.000) ÷ 2
140.000,00 €
Zinsen pro Jahr
140.000 × 8 %
11.200,00 €
Zinsen gesamt (5 Jahre)
11.200 × 5
56.000,00 €
🔢 Vollbeispiel Restwertmethode (Buchwert-Tabelle, zum Vergleich):
Jahr
Buchwert zu Jahresbeginn
Zinsen = Buchwert × 8 %
1
240.000,00 €
19.200,00 €
2
200.000,00 €
16.000,00 €
3
160.000,00 €
12.800,00 €
4
120.000,00 €
9.600,00 €
5
80.000,00 €
6.400,00 €
Summe
64.000,00 €
Rechenprobe: Buchwert Ende Jahr 5 = 80.000 − 40.000 (Abschreibung) = 40.000 € = RW ✓. Beachte: Die Restwertmethode kommt hier auf 64.000 €, die Durchschnittsmethode auf 56.000 € — das ist kein Fehler, sondern genau der Unterschied der beiden Verfahren (die Restwertmethode belastet die frühen Jahre stärker). Welches Verfahren gefragt ist, steht in der Aufgabe.
⚠️ Rohleders teuerster Fehler an dieser Stelle: Zinsen auf den vollen AW statt auf das halbe Kapital
Der gefährlichste Fehler: die Zinsen auf den vollen Anschaffungswert rechnen (240.000 × 0,08 = 19.200) statt auf das durchschnittlich gebundene Kapital. Warum ist das falsch? Das volle Kapital steckt nur am allerersten Tag in der Anlage — schon im Jahr 2 ist ein Teil abgeschrieben, das Geld ist „frei". Über die gesamte Laufzeit war im Schnitt nur die Hälfte des abschreibbaren Betrags gebunden. Wer den vollen AW verzinst, tut so, als läge das ganze Geld die vollen 5 Jahre unberührt in der Maschine — das überzeichnet die Kosten fast ums Doppelte.
Gegenprobe: Durchschnittsmethode 11.200 €/Jahr vs. falsche Vollwert-Rechnung 19.200 €/Jahr — die 19.200 sind exakt der Zins des allerersten Jahres der *Restwertmethode*, also der teuerste Einzelwert, nie der Durchschnitt. Wenn dein Jahresbetrag so hoch ist wie das erste Jahr der Buchwert-Tabelle, hast du den vollen AW verzinst.
Merksatz: „Kapital nutzt sich ab → verzinse den Mittelwert (AW + RW)/2, nicht den Neupreis."
Nur wenn RW = 0,00 € ist, vereinfacht sich Ø-Kapital zu AW ÷ 2. Mit RW > 0 immer die volle Formel (AW + RW)/2 nehmen.
Restwertmethode nimmt den Buchwert zu Jahres-BEGINN, nicht zu Jahresende.
Kalkulatorische Zinsen sind Opportunitätskosten des Eigenkapitals (entgangene risikoäquivalente Anlagerendite), NICHT der Fremdkapitalzins/Sparbuchzins — diese Verwechslung kostet den vollen Punkt.
Praxis nutzt meist die Durchschnittsmethode (konstante, „glatte" Kostenbelastung); die Restwertmethode ist theoretisch präziser, aber verzerrt gleiche Produkte über die Jahre.
12. Kalkulatorische Wagnisse
⚡ Wann?
Erkennungszeichen: mehrjährige, schwankende Ist-Verlustwerte (Gewährleistung, Ausschuss, Forderungsausfälle) sind gegeben, gesucht ist ein Wagniskostensatz (WKS) und/oder ein geglätteter Planwert für die Zukunft.
📖 Die Grundidee in einem Satz: Schäden wie Ausschuss oder geplatzte Forderungen treffen dich in echten Jahren völlig ungleich — mal 20.000 €, mal 90.000 € — aber deine Preise sollen jedes Jahr gleich kalkuliert sein; also mittelst du die Verluste über mehrere Jahre zu einem stabilen Prozentsatz vom Umsatz und legst diesen geglätteten Satz jedes Jahr auf den Preis um. Du tauschst die zackige Realität gegen eine ruhige Durchschnittsbelastung.
🧱 Die Bausteine (jede Abkürzung im Klartext):
Kürzel
Bedeutung in Alltagsdeutsch
Woher
Ist-Verlust
der tatsächlich eingetretene Schaden eines Jahres (Ausschuss, Ausfall …)
gegeben je Jahr
Bezugsgröße
die Größe, auf die du den Verlust beziehst — fast immer der Umsatz des Jahres
gegeben je Jahr
Σ Verluste
Summe aller Ist-Verluste über alle Jahre
selbst aufaddieren
Σ Bezugsgröße
Summe aller Umsätze über alle Jahre
selbst aufaddieren
WKS
Wagniskostensatz — der geglättete Verlust-Prozentsatz vom Umsatz
= (Σ Verluste ÷ Σ Bezugsgröße) × 100
kalk. Wagniskosten
der Planbetrag fürs kommende Jahr, den du in die Kalkulation einbaust
Rechenprobe: Monatsbetrag × 12 muss wieder den Jahresbetrag ergeben (6.500 × 12 = 78.000 ✓).
🔢 Vollbeispiel als Schema:
Zeile
Rechnung
Betrag
Σ Ist-Verluste (5 Jahre)
gegeben/aufaddiert
300.000,00 €
Σ Umsätze (5 Jahre)
gegeben/aufaddiert
25.000.000,00 €
Wagniskostensatz WKS
300.000 ÷ 25.000.000 × 100
1,20 %
kalk. Wagniskosten/Jahr
6.500.000 × 1,20 %
78.000,00 €
kalk. Wagniskosten/Monat
78.000 ÷ 12
6.500,00 €
⚠️ Rohleders teuerster Fehler an dieser Stelle: WKS als Mittel der Einzelquoten statt Summe/Summe
Der gefährlichste Fehler: pro Jahr die Quote „Verlust ÷ Umsatz" ausrechnen und dann diese fünf Prozentzahlen einfach mitteln. Warum ist das falsch? Ein ungewichteter Mittelwert behandelt ein umsatzschwaches Jahr genauso stark wie ein umsatzstarkes. Ein einziger Ausreißer in einem kleinen Jahr (viel Ausschuss bei wenig Umsatz) reißt den Schnitt hoch, obwohl er am Gesamtgeschäft kaum Gewicht hat. Der korrekte umsatzgewichtete Satz (Σ Verluste ÷ Σ Umsätze) gibt jedem Euro Umsatz dasselbe Gewicht — er sagt: „Von jedem umgesetzten Euro gingen im Schnitt 1,2 Cent durch Schäden verloren."
Gegenprobe: Multipliziere deinen WKS mit dem Σ-Umsatz zurück — es müssen die Σ-Verluste herauskommen: 25.000.000 × 1,20 % = 300.000 € = Σ Verluste ✓. Beim ungewichteten Mittel scheitert diese Rückrechnung, sobald die Jahresumsätze unterschiedlich groß sind.
Merksatz: „Erst summieren, dann teilen — nie erst teilen, dann mitteln."
Drei Wagnis-Arten sauber trennen: Einzelwagnis (kalkulierbar, genau diese Rechnung) · versichertes Wagnis (NICHT zusätzlich kalkulieren, stattdessen die Versicherungsprämie als Grundkosten ansetzen — sonst Doppelerfassung) · allgemeines Unternehmerwagnis (NICHT kalkulierbar, wird über den kalkulatorischen Gewinn abgegolten).
Kalkulatorische Wagnisse sind Zusatzkosten — ihnen steht in der Periode kein gleich hoher Aufwand gegenüber; die echten Verluste laufen als neutraler/außerordentlicher Aufwand.
Erkennungszeichen: Stückpreis p, variable Stückkostenkv, FixkostenKf, Menge x und ein Gewinnziel Gziel sind gegeben — gesucht sind ca. 8 Kennzahlen plus eine kurze Beurteilung.
Symbole variieren je Klausur: db = ds, gs = g, ks = k, W = EZ, Z = EF — immer die in der Aufgabe verwendeten Buchstaben nehmen.
📖 Die Grundidee in einem Satz: Aus fünf simplen Angaben (Preis, variable Stückkosten, Fixkosten, Menge, Gewinnziel) baust du eine ganze Kennzahlen-Familie auf, die drei Fragen beantwortet: Wie viel bleibt übrig? (Deckungsbeitrag, Gewinn), Wie effizient arbeite ich? (Wirtschaftlichkeit, Rentabilität) und Ab welcher Menge lohnt es sich / erreiche ich mein Ziel? (Break-Even, Zielmenge). Der Trick: fast alles baut auf einer einzigen Größe auf — dem Stück-Deckungsbeitragdb = p − kv.
🧱 Die Bausteine (jede Abkürzung im Klartext):
Kürzel
Bedeutung in Alltagsdeutsch
Woher
p
Preis pro Stück
gegeben
kv
variable Stückkosten — Kosten, die pro zusätzlich produziertem Stück anfallen (Material, Akkordlohn)
gegeben
Kf
Fixkosten — Kosten, die unabhängig von der Menge anfallen (Miete, Gehälter)
gegeben
x
(Plan-)Menge — wie viele Stück produziert/verkauft werden
gegeben
Gziel
Gewinnziel — der angestrebte Gewinn
gegeben
E
Erlös (Umsatz) — alles, was reinkommt
= p × x
K
Gesamtkosten — Fixkosten plus alle variablen Kosten
= Kf + kv × x
db
Stück-Deckungsbeitrag (= Deckungsspanne) — was ein Stück nach Abzug seiner variablen Kosten zur Fixkostendeckung beiträgt
= p − kv
DB
Deckungsbeitrag gesamt — alle Stück-db zusammen
= db × x (= E − Kv)
G
Gewinn — was nach ALLEN Kosten übrig bleibt
= DB − Kf (= E − K)
gs
Stückgewinn — Gewinn pro Stück
= G ÷ x
ks
Stückkosten — Gesamtkosten pro Stück
= K ÷ x
W
Wirtschaftlichkeit (Effizienz) — wie viel Erlös je Euro Kosten
= E ÷ K (Verhältniszahl!)
R
Rentabilität — Gewinn je Euro Kosten
= G ÷ K (in %)
Z
Zielerreichungsgrad (Effektivität) — wie weit das Gewinnziel erreicht ist
= G ÷ Gziel (in %)
xBE
Break-Even-Menge — Stückzahl, ab der die Fixkosten gedeckt sind (Gewinn = 0)
= Kf ÷ db
xZiel
Erfolgsziel-Menge — Stückzahl, die das Gewinnziel bringt
Stück-Deckungsbeitragdb = p − kv.38 − 22 = 16,00 €/Stk. Das ist der Hebel für fast alles Folgende: jedes verkaufte Stück wirft 16 € ab, um die Fixkosten zu stemmen.
Deckungsbeitrag gesamt DB = db × x (= E − Kv). 16 × 3.300 = 52.800,00 €. Gegenprobe über E − Kv: 125.400 − 72.600 = 52.800 ✓.
Gewinn G = DB − Kf (= E − K). 52.800 − 45.000 = 7.800,00 €. Gegenprobe über E − K: 125.400 − 117.600 = 7.800 ✓.
Stückgewinn gs = G ÷ x und Stückkosten ks = K ÷ x.gs = 7.800 ÷ 3.300 = 2,36 €/Stk; ks = 117.600 ÷ 3.300 = 35,64 €/Stk.
Wirtschaftlichkeit W = E ÷ K — als Verhältniszahl angeben, NICHT in Prozent. 125.400 ÷ 117.600 = 1,07. Lesart: je 1 € Kosten kommen 1,07 € Erlös rein.
Rentabilität R = G ÷ K (Gewinn ÷ Kosten, NICHT ÷ Erlös!) — in Prozent. 7.800 ÷ 117.600 = 0,0663 = 6,63 %.
Zielerreichungsgrad Z = G ÷ Gziel (tatsächlicher Gewinn ÷ Gewinnziel, NICHT DB ÷ Ziel) — in Prozent. 7.800 ÷ 12.500 = 0,624 = 62,40 %. Also: nur 62 % des Ziels erreicht.
Kontrolle W = 1 + R (in Dezimalform). 1 + 0,0663 = 1,0663 ≈ 1,07 = W ✓.Warum gilt das? W = E ÷ K und R = G ÷ K = (E − K) ÷ K = E/K − 1 = W − 1. Stellt man um, ist W = 1 + R — eine zwingende Identität. Kommt sie nicht raus, steckt ein Rechenfehler in E, K oder G. Achtung: R muss dafür in Dezimalform (0,0663), nicht in Prozent (6,63) eingesetzt werden.
Erfolgsziel-Menge xZiel = (Kf + Gziel) ÷ db.(45.000 + 12.500) ÷ 16 = 57.500 ÷ 16 = 3.593,75 → 3.594 Stk. Diese Menge liegt über der Planmenge 3.300 → das Gewinnziel ist mit der Planmenge nicht erreichbar (passt zu Z = 62,40 % < 100 %).
Sicherheitsstrecke = x − xBE.3.300 − 2.812,5 = 487,5 Stk.Sicherheitskoeffizient = Sicherheitsstrecke ÷ x = 487,5 ÷ 3.300 = 14,77 % — so weit darf die Menge fallen, bevor Verlust entsteht.
🔢 Vollbeispiel als Kennzahlen-Block:
Kennzahl
Rechnung
Ergebnis
Erlös E
38 × 3.300
125.400,00 €
Gesamtkosten K
45.000 + 22 × 3.300
117.600,00 €
Stück-DBdb
38 − 22
16,00 €/Stk
DB gesamt
16 × 3.300
52.800,00 €
Gewinn G
52.800 − 45.000
7.800,00 €
Stückgewinn gs
7.800 ÷ 3.300
2,36 €/Stk
Stückkosten ks
117.600 ÷ 3.300
35,64 €/Stk
Wirtschaftlichkeit W
125.400 ÷ 117.600
1,07
Rentabilität R
7.800 ÷ 117.600
6,63 %
Zielerreichung Z
7.800 ÷ 12.500
62,40 %
Kontrolle W = 1 + R
1 + 0,0663
1,07 ✓
Break-Even xBE
45.000 ÷ 16
2.812,5 → 2.813 Stk
Zielmenge xZiel
57.500 ÷ 16
3.593,75 → 3.594 Stk
Sicherheitsstrecke
3.300 − 2.812,5
487,5 Stk
Sicherheitskoeffizient
487,5 ÷ 3.300
14,77 %
⚠️ Rohleders teuerster Fehler an dieser Stelle: Rentabilität durch den Erlös statt durch die Kosten teilen
Der gefährlichste Fehler: R = Gewinn ÷ Erlös rechnen statt Gewinn ÷ Kosten. Warum ist das falsch? Gewinn ÷ Erlös ist die Umsatzrendite (wie viel vom Umsatz als Gewinn hängen bleibt) — eine völlig andere Kennzahl. Die hier gemeinte Rentabilität misst, wie viel Gewinn du je eingesetztem Euro Kosten herausholst, also G ÷ K. Beide Werte sehen ähnlich aus, sind aber unterschiedlich: 7.800 ÷ 117.600 = 6,63 % (richtig) gegenüber 7.800 ÷ 125.400 = 6,22 % (falsch, das wäre die Umsatzrendite).
Gegenprobe (unschlagbar): die Kontrolle W = 1 + R muss aufgehen. Mit richtigem R: 1 + 0,0663 = 1,0663 = W ✓. Mit falschem R (÷ Erlös): 1 + 0,0622 = 1,0622 ≠ 1,0663 → die Kontrolle scheitert und verrät den Fehler sofort. Deshalb IMMER W = 1 + R rechnen.
Merksatz: „Rentabilität fragt: was bringt mir mein Kosten-Einsatz? → durch die Kosten teilen, nicht durch den Umsatz."
W nicht in Prozent angeben — reine Verhältniszahl (1,07), Rohleder streicht die %-Schreibweise ausdrücklich an.
Z = tatsächlicher Gewinn ÷ Gewinnziel — erst G = DB − Kf bilden, dann durch Gziel teilen, nicht DB direkt verwenden.
Effizienz (Wirtschaftlichkeit W = E/K) ≠ Effektivität (Zielerreichung Z = G/Gziel): Effizienz = „die Dinge richtig tun", Effektivität = „die richtigen Dinge tun" — Duden-Definitionen sind laut Rohleder hier falsch.
Break-Even = Kf ÷ db, nicht ÷ Stückpreis p. (Nur der db deckt Fixkosten, nicht der ganze Preis — ein Teil des Preises geht ja für die variablen Kosten drauf.)
Profitabilität (Gewinn > 0) ≠ Rentabilität (Gewinn ausreichend im Verhältnis zum Einsatz) — beide nicht gleichsetzen.
14. Kuppelkalkulation (nur Konzept — laut Rohleder NICHT gerechnet)
⚡ Wann?
Erkennungszeichen: „Kuppelprodukte" — aus einem einzigen, technisch untrennbaren Prozess entstehen zwangsläufig mehrere Produkte gleichzeitig (z. B. Kokerei: Koks + Gas + Teer; Erdölraffinerie: Benzin + Diesel + Bitumen).
Wichtig: Rohleder hat ausdrücklich gesagt, dass Kuppelkalkulation NIE als Rechenaufgabe drankommt („Ich habe das noch nie abgeprüft. Ich werde das auch in Zukunft nicht abprüfen."). Nur das Konzeptwissen — dass es diese Verfahren gibt und warum — kann gefragt sein, keine eigene Rechnung nötig.
📖 Die Grundidee in einem Satz: Wenn ein Prozess zwangsläufig mehrere Produkte auf einmal ausspuckt, kannst du die gemeinsamen Kosten nicht sauber „diesem" oder „jenem" Produkt zuordnen — du musst sie nach einer gewählten Regel aufteilen, und weil es keine technisch richtige Aufteilung gibt, ist jede Methode nur eine Bewertungs-Konvention, keine „Wahrheit".
🧱 Die Bausteine (jede Abkürzung im Klartext):
Kürzel
Bedeutung in Alltagsdeutsch
Woher
Kuppelkosten
die gemeinsamen Kosten des untrennbaren Prozesses, die auf alle Produkte zusammen anfallen
gegeben
Hauptprodukt
das wirtschaftlich dominierende Produkt (z. B. Koks)
aus Aufgabe erkennbar
Nebenprodukt(e)
die „nebenbei" anfallenden Produkte (z. B. Gas, Teer)
aus Aufgabe erkennbar
Nettoerlös
Marktpreis eines Nebenprodukts minus seine Weiterverarbeitungskosten
Marktpreis − Weiterverarbeitung
Marktwert
Menge × Marktpreis eines Produkts — Maßstab für die Verteilung
Menge × Preis
Konzept in Kürze (zum Verstehen, nicht zum Nachrechnen):
Restwert-/Subtraktionsmethode: Ein Hauptprodukt trägt alle gemeinsamen Kuppelkosten, abzüglich der Nettoerlöse (Marktpreis − Weiterverarbeitungskosten) der Nebenprodukte. Denkbild: „Die Nebenprodukte bringen ja auch etwas ein — das ziehe ich von den Kosten des Hauptprodukts ab." Passt, wenn ein Produkt klar dominiert und die anderen bloß Beiwerk sind.
Verteilungs-/Marktwertmethode: Kein Produkt dominiert; die Kuppelkosten werden nach dem Verhältnis der Marktwerte (Menge × Preis) auf alle Produkte verteilt. Denkbild: „Wer am Markt mehr wert ist, trägt mehr von den gemeinsamen Kosten."
Beide Verfahren sind reine Bewertungsentscheidungen, keine „richtige" Lösung — sie verschieben nur, welches Produkt wie viel Kostenlast trägt. Am gesamten Kostenblock ändert sich nichts, nur an der Aufteilung.
⚠️ Rohleders teuerster Fehler an dieser Stelle: Zeit in eine Kuppel-Rechnung investieren
Der teuerste „Fehler" ist hier Zeitverschwendung, kein Rechenfehler: Investiere in der Klausur KEINE Minute in eine Kuppelkalkulations-Rechnung — sie kommt laut Rohleder nachweislich nicht dran. Wer hier anfängt zu rechnen, verliert Zeit, die bei den echten Rechenrezepten (1–13) fehlt.
Was du stattdessen können musst: nur wissen, dass es die zwei Verfahren gibt und der grobe Unterschied — Restwertmethode = ein Hauptprodukt trägt die Last (Nebenerlöse abgezogen); Marktwertmethode = alle Produkte gleichrangig nach Marktwert. Und: es ist eine Bewertungswahl, keine objektiv „richtige" Zuordnung.
Kap. 5 · Theorie & Fachsprache · U02 · U03
Prof. Rohleder · TH Bingen · 5 Altklausuren ausgewertet (2022–2025)
Diese Sammlung enthält präzise Musterantworten auf dem Niveau, das Rohleder erwartet: exakte Fachsprache, sauber definierte Begriffe, bei Begriffskritik die Kern-Argumentation.
Legende:
Quellenangaben verweisen auf die Klausur-Datumsköpfe der Aufgabenbilder. Formulierung/Liste nicht sicher aus den Bildern ableitbar. Der Inhalt ist fachlich korrekt, die konkrete Ausprägung solltest du mit Skript/Mitschrift abgleichen.
Wo eine Aufgabe handschriftlich (teils rot korrigiert) beantwortet war, ist die abgeleitete Rohleder-Erwartung eingearbeitet.
THEMA A — Teilkosten / Kostenrelevanz (kommt 3× vor)
„Entscheidungsrelevant für die kurzfristige Produktionsprogrammplanung sind nur die variablen Kosten.“ Begründen Sie ausführlich (!), warum das so ist.
Kern-Musterantwort (eine gute Antwort, für alle drei Klausuren gültig)
Die Aussage ist korrekt. Die Begründung folgt aus dem Prinzip der Entscheidungsrelevanz: In eine Entscheidung dürfen nur solche Kosten einbezogen werden, die durch die Entscheidung selbst beeinflussbar sind, d. h. sich in dem betrachteten Zeitraum tatsächlich verändern.
Fixkosten sind kurzfristig nicht abbaubar (gebundene Kosten). Die Fixkosten – z. B. kalkulatorische Abschreibungen auf Maschinen, Mieten, Gehälter der Verwaltung – sind für längere Zeiträume vertraglich bzw. technisch gebunden und stehen bereits fest. Sie fallen in gleicher Höhe an, unabhängig davon, welche Produktmengen im kurzfristigen Programm geplant werden. Sie sind damit für die kurzfristige Entscheidung irrelevant (im Entscheidungszeitraum nicht disponierbar, „sunk“ bzw. gebunden).
Nur die variablen Kosten verändern sich mengenabhängig. Nur die variablen Kosten (z. B. Fertigungsmaterial, mengenabhängige Fertigungslöhne, Energie) reagieren auf eine Änderung des Produktionsprogramms. Nur sie sind daher beeinflussbar und damit entscheidungsrelevant.
Verfälschungsgefahr durch Vollkostenrechnung. Würde man die (proportionalisierten) Fixkosten in die kurzfristige Entscheidung einbeziehen, würde das Ergebnis verzerrt: Ein Produkt kann auf Vollkostenbasis „unrentabel“ erscheinen, obwohl es einen positiven Deckungsbeitrag liefert (Preis > variable Kosten) und damit zur Deckung der ohnehin anfallenden Fixkosten und zum Erfolg beiträgt. Das Einbeziehen der Fixkosten führt so zu Fehlentscheidungen (z. B. fälschlichem Streichen eines deckungsbeitragspositiven Produkts).
Fazit / Fachbegriff: Für die kurzfristige Produktionsprogrammplanung ist deshalb die Teilkostenrechnung (Deckungsbeitragsrechnung auf Basis variabler Kosten) das richtige Kalkül, nicht die Vollkostenrechnung. Man darf nur die Kosten einbeziehen, auf die man im betreffenden Zeitraum Einfluss nehmen kann.
Rohleder-Beleg: In der handschriftlich beantworteten Fassung hat der Bearbeiter genau so argumentiert – „nur Kosten einbeziehen, auf die man im betreffenden Zeitraum Einfluss nehmen kann“ – und Rohleder hat als Stichwort in Rot „→ Teilkostenrechnung“ ergänzt. Das Schlüsselwort Teilkostenrechnung/Deckungsbeitrag sollte in der Antwort fallen.
Varianten-Hinweis: Die Frage ist in allen drei Klausuren identisch; nur der Aufgabentitel wechselt („Kostenrelevanz“ / „Teilkostenrechnung“). Bei 10 Punkten sollten alle drei Argumente (Fixkosten gebunden · variable Kosten allein disponierbar · Fehlentscheidung/Deckungsbeitrag) ausformuliert werden – Rohleder fordert ausdrücklich „ausführlich (!)“.
THEMA B — Fachsprache / Begriffskritik (mehrere Ausprägungen)
Rohleder legt großen Wert auf saubere Fachtermini und auf die Fähigkeit, unscharfe bzw. falsche Alltags-/Buchhaltungsbegriffe zu entlarven und richtig zu ersetzen. Grundmuster jeder Antwort: (1) Aussage bewerten → (2) begründen, warum der Begriff falsch/überflüssig ist → (3) richtigen Fachterminus nennen und definieren.
„Betriebskosten“
Frage: Nehmen Sie zu folgender Aussage Stellung: „Der Begriff der Betriebskosten hat in der Kostenrechnung nichts verloren.“
Musterantwort: Die Aussage ist zutreffend. Der Begriff „Betriebskosten“ ist in der Kostenrechnung überflüssig, weil er eine Tautologie (Pleonasmus) enthält: Kosten sind per Definition der bewertete, betriebsbedingte (betriebszweckbezogene) Güterverzehr. Der Bezug zum Betrieb – die Betriebsbezogenheit – steckt also bereits im Kostenbegriff selbst. Neutraler Aufwand, der nicht betriebsbedingt ist (betriebsfremd, periodenfremd, außerordentlich), ist gerade keine Kostengröße. Das Attribut „Betriebs-„ liefert damit keine zusätzliche Information; es genügt (und ist korrekt), schlicht von „Kosten“ zu sprechen.
Rohleder-Beleg: Handschrift = „Die Aussage ist korrekt, da der Begriff Betriebskosten unnötig ist … der Betriebsbezug ist bereits impliziert.“ Rohleders Rot-Stichwort: „Tautologie“. Genau dieses Wort will er sehen.
„Anschaffungskosten“ bei Investitionsgütern
Frage: Erläutern Sie ausführlich, warum der Begriff „Anschaffungskosten“ im Zusammenhang mit Investitionsgütern Unfug ist (6 P.) und warum es so wichtig ist, in diesem Zusammenhang die richtigen Fachtermini zu verwenden (4 P.).
Musterantwort (Teil 1 – warum Unfug, 6 P.): Der Begriff ist falsch, weil die Anschaffung eines Investitionsguts erfolgsneutral ist und damit keine Kosten auslöst:
Beim Kauf findet nur ein Aktivtausch statt: Zahlungsmittel (Geld) werden gegen einen Vermögensgegenstand (Maschine) getauscht. Das Reinvermögen ändert sich dadurch nicht – es entsteht kein Werteverzehr, also kein Aufwand und keine Kosten.
Kosten entstehen erst später und zeitlich verteilt durch die Nutzung/Abnutzung des Guts über die Nutzungsdauer – abgebildet als (kalkulatorische) Abschreibung. Kosten = bewerteter Güterverzehr; verzehrt wird das Investitionsgut erst im Zeitablauf.
„Anschaffungskosten„ verwechselt also (im Kostenrechnungs-/Investitionskontext) den Zahlungsvorgang mit dem Kostenvorgang. Zutreffend ist hier der Begriff Anschaffungsauszahlung (der reine Mittelabfluss). ⚠️ Aber Vorsicht (Korrektur): Handelsrechtlich heißt der Bewertungsmaßstab nach § 255 Abs. 1 HGB tatsächlich „Anschaffungskosten“ — der Begriff ist also nicht generell falsch. Rohleders Kritik zielt darauf, dass er in der Kostenrechnung irreführend ist (er suggeriert einen sofortigen Kostenanfall in Kaufpreishöhe). Sag also nicht „den Begriff gibt es nicht“, sondern „in der KLR ist die Anschaffungsauszahlung der korrekte Terminus“.
Musterantwort (Teil 2 – warum die richtigen Termini wichtig sind, 4 P.): Weil die vier Strömungsgrößen Auszahlung → Ausgabe → Aufwand → Kosten unterschiedliche Sachverhalte, unterschiedliche Zeitpunkte und unterschiedliche Rechenkreise (Finanz- vs. Erfolgs- vs. Kostenrechnung) bezeichnen. Wer „Anschaffungskosten“ sagt, suggeriert einen sofortigen Kostenanfall in Höhe des Kaufpreises – das führt zu falscher Periodenzuordnung, falscher Kalkulation (Angebotspreis, Preisuntergrenze) und Fehlsteuerung. Präzise Fachsprache sichert, dass Zahlungswirkung (Liquidität) und Erfolgswirkung (Kosten/Werteverzehr) korrekt getrennt und den richtigen Perioden zugeordnet werden.
Rohleder-Beleg: Handschrift nennt exakt „Aktivtausch“, „erfolgsneutral“, „Kosten entstehen erst bei Beginn der Abschreibung, zeitlich versetzt“, „richtiger Begriff wäre Anschaffungsauszahlung“. Diese vier Punkte sind die volle Punktzahl.
„Unkosten“ + die 4 Fachbegriffe
Frage: a) (2 P.) Der Begriff „Unkosten“ hat einen festen Platz in der Alltagssprache (Duden, Wikipedia, sogar § 581 HGB). Nehmen Sie kurz und prägnant zur Sinnhaftigkeit dieses Begriffs Stellung. b) (8 P.) Nennen und definieren Sie die vier Fachbegriffe der BWL im Zusammenhang mit dem Zahlungsmittelabfluss aus Unternehmen bzw. negativer Erfolgswirkung auf Unternehmen.
Musterantwort a): Der Begriff „Unkosten“ ist fachlich unsinnig/abzulehnen. Die Vorsilbe „Un-„ unterstellt etwas Unnötiges, Vermeidbares oder Negatives. Kosten sind aber ein wertneutraler Begriff: der zur Leistungserstellung notwendige bewertete Güterverzehr – weder „gut“ noch „schlecht“, sondern zwangsläufige Voraussetzung jeder betrieblichen Leistung. Die Vorsilbe „Un-„ ist damit sachlich falsch (und obendrein überflüssig); korrekt heißt es schlicht „Kosten“.
Musterantwort b) — die vier Fachbegriffe (Grundgrößen des Rechnungswesens):
Minderung des Geldvermögens (= Zahlungsmittel + Forderungen − Verbindlichkeiten). Entsteht z. B. bei Kauf auf Ziel schon vor der Auszahlung.
Finanz-/Geldvermögensrechnung
Aufwand
Wertmäßiger, erfolgswirksamer Verzehr von Gütern/Leistungen einer Periode = Minderung des Reinvermögens; Größe der externen GuV (handelsrechtlich).
Erfolgsrechnung (extern)
Kosten
Bewerteter, betriebszweckbezogener (sachzielorientierter) Güterverzehr einer Periode; Größe des internen Rechnungswesens. Umfasst zusätzlich kalkulatorische Kosten (Zusatzkosten), lässt neutralen Aufwand außen vor.
Kostenrechnung (intern)
Merksatz zur Abgrenzung: Auszahlung → Ausgabe → Aufwand → Kosten – vier Stufen von der reinen Liquiditätsebene (Auszahlung) bis zur betrieblichen Erfolgsebene (Kosten).
Ergänzung (Primärquelle) — die vollständigen acht Wertkategorien der BWL: Die Aufgabe verlangte nur die vier "Abfluss"-Größen. Rohleders Primärtext führt sie zu acht Wertkategorien fort, indem er jeder Abfluss-Größe ihr "Zufluss"-Gegenstück an die Seite stellt:
Begriff
Definition
Rechenkreis
Einzahlung
Geldzufluss einer Rechnungsperiode – Zunahme des Zahlungsmittelbestands (Gegenstück zur Auszahlung).
Finanzrechnung / Liquidität
Einnahme
Absatzwert der in einer Periode verkauften Güter oder Dienstleistungen – Mehrung des Geldvermögens (Gegenstück zur Ausgabe).
Finanz-/Geldvermögensrechnung
Ertrag
Wert der in einer Periode erzeugten Güter oder Dienstleistungen – Mehrung des Reinvermögens; Größe der externen GuV (Gegenstück zum Aufwand).
Erfolgsrechnung (extern)
Leistung
Wert der in einer Periode betriebsbedingt (= im Kerngeschäft) erzeugten Güter oder Dienstleistungen (Gegenstück zu den Kosten).
Kostenrechnung (intern)
Dazu liefert die Quelle die Drei-Brillen-Systematik, mit der sich die acht Begriffe auf drei Adressaten-/Zweck-Perspektiven verteilen lassen:
Erträge und Aufwendungen = externe „öffentliche" Brille — Adressaten insbesondere Staat (Finanzamt!), Eigentümer*innen (Dividende!) und Gläubiger (z. B. Zinsen & Tilgung).
Einzahlungen und Auszahlungen = interne Brille, Blick auf den Cashflow — liquide bleiben: nicht insolvent werden, Kerngeschäft und Investitionen bezahlen können.
Quelle (Primärtext): Rohleder-Blog, "Fachbegriffe und ihre betriebswirtschaftliche Bedeutung" V1.9.
„Preiskalkulation“
Frage: Der Begriff „Preiskalkulation“ hat ~1,7 Mio. Interneteinträge (z. B. „Preiskalkulation: So berechnest du den Verkaufspreis“). Stellen Sie ausführlich klar, was konkret kalkuliert wird und wie Verkaufspreise zustande kommen.
Musterantwort: Ein Verkaufspreis lässt sich nicht „berechnen“. Was die Kostenrechnung tatsächlich kalkuliert, sind zwei Größen:
Angebotspreis (Wunsch-/Listenpreis): die Selbstkosten plus Gewinnzuschlag – der Preis, mit dem man in die Verhandlung/den Markt geht. Es ist ein Vorschlag, kein realisierter Preis.
Preisuntergrenze: der Preis, der die relevanten Kosten (noch) deckt. Langfristig = Selbstkosten/Vollkosten (plus angemessener Gewinn zur Substanzerhaltung); kurzfristig = variable Kosten/Grenzkosten (Deckungsbeitrag ≥ 0).
Der tatsächliche Verkaufspreis entsteht dagegen am Markt durch Angebot und Nachfrage (bzw. Verhandlung, Wettbewerb, Zahlungsbereitschaft) und kann nicht per Kalkulation festgelegt werden. Die Kostenrechnung liefert also nur Kalkulationsgrundlagen (Angebotspreis, Preisuntergrenze), nicht den Marktpreis selbst.
Rohleder-Beleg: Handschrift = „Man kann lediglich einen Angebotspreis oder eine Preisuntergrenze berechnen … der tatsächliche Verkaufspreis entsteht anhand von Angebot und Nachfrage am Markt und kann nicht per Preiskalkulation berechnet werden.“ Die Pointe „Preis macht der Markt, kalkulierbar sind nur Angebotspreis und Preisuntergrenze“ ist der Kern.
Lückentext, 10 Fachbegriffe
Frage: Ergänzen Sie die fehlenden Fachbegriffe.
Die 10 korrekten Lösungen (rote Korrekturen des Prüfers eingearbeitet):
Nr.
Lückensatz (gekürzt)
Korrekte Lösung
1
„… ist das Wertverhältnis von Output zu Input.“
Wirtschaftlichkeit(nicht „Produktivität“ – das ist das Mengenverhältnis; rot korrigiert)
2
„… ändern sich bei Variation der Herstellungsmenge nicht.“
Fixkosten
3
„Das Sachziel des Betriebs wird auch … genannt.“
Betriebszweck(rot korrigiert von „Betriebsziel“)
4
„Das Ziel der Investitionsrechnung ist die Sicherung der … des Unternehmens.“
Erfolgspotenziale(rot korrigiert – „Erfolg…“; nicht bloß „Zukunft“)
5
„Das Ziel der Kostenrechnung ist die Sicherung der … des Unternehmens.“
Wirtschaftlichkeit
6
„Der … ist derjenige Teil der kalkulatorischen Kosten, die dem Unternehmer für seine Tätigkeit als Geschäftsführer fiktiv zugrunde gelegt werden.“
kalkulatorische Unternehmerlohn
7
„Die … dient der Erfassung und Gliederung aller … anfallenden Kostenarten.“
Kostenartenrechnung
8
„Im … Rechnungswesen müssen Abschreibungen auf Basis der Anschaffungsauszahlungen / des Beschaffungswerts vorgenommen werden.“
externen(rot korrigiert von „internen“ – die AK-Bindung gilt extern/HGB)
9
„In der … wird nur ein Teil der erfassten Kosten einer Periode den Kostenträgern zugeordnet.“
Teilkostenrechnung(rot korrigiert von „Kostenträgerrechnung“)
10
„Nur die … sind für die kurzfristige Produktionsprogrammplanung entscheidungsrelevant.“
variablen Kosten
Merke die drei „Zielebenen“ (Nr. 4/5, taucht bei Rohleder wiederholt auf): Investitionsrechnung → sichert Erfolgspotenzial; Kostenrechnung → sichert Wirtschaftlichkeit; Finanz-/Liquiditätsrechnung → sichert Liquidität.
Wirtschaftliche Kalküle in der Alltagssprache (Primärquellen-Ergänzung)
Nicht an eine einzelne Altklausur gebunden, sondern Grundlagenglossar aus Rohleders Primärtext — ergänzt hier, weil exakt diese Begriffsschärfe (Alltagssprache vs. Fachbegriff) das Muster jeder B-Aufgabe ist, und weil profitabel/rentabel/liquide in den Altklausur-Antworten bisher nur beiläufig vorkamen, nie als eigene Definition.
Begriff
Betriebswirtschaftliche Definition
frei
Güter sind frei, wenn sie begrenzt, aber nicht knapp sind. Sie stehen daher unentgeltlich zur Verfügung, was nicht selten zu ihrer Verschwendung führt.
wertlos
Nicht geeignet, einen individuellen Nutzen bzw. eine Leistung zu erzeugen; nutzlos; nicht wertschöpfend. Für Wertloses besteht in der Regel keine Zahlungsbereitschaft. Bewertungen sind subjektiv.
umsonst
Ohne den gewünschten oder erwarteten Effekt; ineffektiv; vergebens.
kostenlos
Ohne Kosten im Sinne eines Wertverzehrs oder Nutzenentgangs, insbesondere ohne Opportunitätskosten. In der Praxis sehr, sehr selten — fast alles kostet mindestens Zeit, und die ist ein sehr knappes Gut.
unentgeltlich
Ohne Gegenleistung; im engeren Sinne: nicht zahlungswirksam.
produktiv
Ergiebig; viel hervorbringend.
effektiv
Wirksam; geeignet, ein gewünschtes Ziel zu erreichen.
effizient (= wirtschaftlich)
Ohne Verschwendung. Dem ökonomischen Prinzip entsprechend: Das gewünschte Ziel ist mit geringerem Mitteleinsatz nicht zu erreichen // Mit den gegebenen Mitteln ist keine höhere Ausprägung eines gewünschten Ziels möglich.
profitabel
Einen Gewinn bringend. Sagt jedoch nichts über die Höhe des Gewinns ("ein Euro"), den zu seiner Erzielung notwendigen Kapitaleinsatz und die dazu eingegangenen Risiken aus — auch nichts darüber, ob künftig wieder Gewinne zu erwarten sind. Auf Dauer unprofitable Unternehmen zehren ihr Eigenkapital auf, sind dann irgendwann wegen Überschuldung insolvent (§ 19 InsO) und scheiden aus dem Wirtschaftsgeschehen aus.
rentabel
Genug Gewinn bringend; einen Gewinn bringend, dessen Höhe als dem zur Erzielung dieses Gewinns erforderlichen Kapitaleinsatz angemessen gesehen wird. Ist bei gleichem Kapitaleinsatz (und Risiko) in einem anderen Unternehmen ein höherer Gewinn möglich, kauft der/die Anlegerin nur die Aktie des rentableren Unternehmens — Rentabilität ist damit Voraussetzung für den dauerhaften Fortbestand der Unternehmung: unrentable Unternehmen erhalten kein Kapital und verschwinden vom Markt. Der höhere Gewinn des anderen Unternehmens heißt Opportunitätsgewinn (Opportunität); verzichtet der/die Anlegerin auf die höchstmögliche Rendite, entstehen Opportunitätskosten in Höhe der Differenz zwischen tatsächlich erzielter und theoretisch bestmöglicher Rendite (bei gleichem Risiko).
liquide
Zahlungsfähig; solvent. Zahlungsunfähigkeit (§ 17 InsO) bzw. drohende Zahlungsunfähigkeit (§ 18 InsO) führen zur Insolvenz und damit häufig zum Ausscheiden des Unternehmens aus dem Wirtschaftsgeschehen.
Klausur-Kernunterschied profitabel vs. rentabel:Profitabel heißt nur „Gewinn > 0", ohne Aussage über die Höhe im Verhältnis zum Kapitaleinsatz. Rentabel heißt „Gewinn ausreichend hoch im Verhältnis zum eingesetzten Kapital" — das ist die eigentliche Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit am Kapitalmarkt. Beide sind streng von liquide (= zahlungsfähig) zu unterscheiden: ein Unternehmen kann profitabel/rentabel und trotzdem illiquide sein (vgl. Thema G1: „Profit is an opinion, cash is a fact").
Quelle (Primärtext): Rohleder-Blog, "Fachbegriffe und ihre betriebswirtschaftliche Bedeutung" V1.9.
Zehn ausgewählte Perspektiven der BWL (Primärquellen-Ergänzung)
Kurzglossar von Begriffspaaren, die Rohleder in Klausur-Formulierungen als selbstverständlich voraussetzt:
Nr.
Perspektive
Kernaussage (Primärquelle)
1
Betrieb und Unternehmen
Ähnlich gelagerte Begriffspaare: Geschäftsfeld und Konzern.
2
Vor Steuern und nach Steuern
Gemeint ist immer: vor/nach Steuern vom Einkommen und Ertrag.
3
Brutto und netto
Grundsätzlich „vor Abzug und nach Abzug" (vgl. Brutto-/Nettogehalt). Ohne abweichende Angabe gilt: netto = ohne Umsatzsteuer, brutto = inklusive Umsatzsteuer.
4
Vorsteuer und Umsatzsteuer
Vorsteuer ist die vom Unternehmen beim Einkauf bezahlte Umsatzsteuer; sie wird vom Finanzamt rückerstattet. Umsatzsteuer wird vom Unternehmen beim Verkauf erhoben und ans Finanzamt weitergeleitet.
5
Zahlungswirksam und erfolgswirksam
(Primärquelle nennt hier nur die Überschrift, keine weitere Ausführung — Abgrenzung entspricht der Strömungsgrößen-Systematik Auszahlung/Ausgabe vs. Aufwand/Kosten, s. Thema B3.)
6
Strategisch und operativ
(Primärquelle nennt hier nur die Überschrift, keine weitere Ausführung.)
7
Betriebsausgabe oder Investition
OPEX = Betriebsausgabenbudget (operational expenditure); CAPEX = Investitionsbudget (capital expenditure). Ohne nähere Angaben meist Jahresbudgets.
8
Einkommen, Vermögen und Kapital
(Primärquelle nennt hier nur die Überschrift, keine weitere Ausführung.)
9
„Gewinn" und Liquidität
Profit und Cash:„Profit is an opinion, cash is a fact."
10
Opportunitätskosten
Der entgangene Gewinn der zweitbesten Alternative. Entscheidet man sich z. B. für eine Handlung, unterlässt man oft eine alternativ mögliche — nur dann eine gute Idee, wenn der Gewinn der ausgeführten Handlung größer ist als der der alternativen.
Quelle (Primärtext): Rohleder-Blog, "Fachbegriffe und ihre betriebswirtschaftliche Bedeutung" V1.9.
Betriebswirtschaftlicher Unfug: weitere Alltagssprache-Fehler (Primärquellen-Ergänzung)
Rohleders Primärtext listet acht Alltagsbegriffe, die er als „betriebswirtschaftlichen Unfug" einstuft. Unkosten und Anschaffungskosten sind bereits oben ausführlich behandelt (B3a bzw. B2). Die restlichen sechs ergänzen das Bild:
Begriff
Begründung
Kostenaufwand
Entweder. Oder. Was jetzt: betriebliche Sicht (Kosten) oder Unternehmenserfolg (Aufwand)? Die Vermischung zweier unterschiedlicher Rechenkreise in einem Wort ist unzulässig.
Gelder
Geld ist ein Singularetantum, es existiert nur in der Einzahl (vgl. „Totale Finanzierung"). Im Regelfall sind Fonds gemeint.
Devisen
Wer von Fremdwährungsbeträgen in bar spricht, meint Sorten, nicht Devisen.
Fond
Das wäre ausgekochter Fleischsaft. Gemeint ist wahrscheinlich ein Fonds als definierter Bestand an Geld.
Akquise
Kein Unfug, aber Slang. Der Fachbegriff lautet Akquisition.
Gewinnmarge
Tautologie („weißer Schimmel"). Falls als Prozentwert angegeben, muss die Bezugsgröße klar sein — häufig, aber nicht zwingend, ist das der Nettoumsatz.
Quelle (Primärtext): Rohleder-Blog, "Fachbegriffe und ihre betriebswirtschaftliche Bedeutung" V1.9.
Die Führungsrolle im Welthandel hat die amerikanische Wirtschaft — daher werden viele Fachbegriffe aus dem Englischen übernommen. Wortgleiche Übertragungen führen dabei zu Fehlern; man muss fremdsprachliche Ausdrücke sinngemäß übersetzen (KI beherrscht das laut Primärquelle „bis auf Weiteres" nicht — automatisierte Falsch-„Übersetzungen" fallen als Inkompetenz auf die Verfasser*in zurück).
Englisch/Deutsch
Falsche (wörtliche) Übersetzung
Korrekte Übersetzung / Bedeutung
to control
kontrollieren
steuern. Gute Controller sind keine Kontrollettis/Erbsenzähler*innen, sondern Steuerleute, die dafür verantwortlich sind, dass Maßnahmen des Unternehmens erfolgswirksam werden.
kontrollieren (deutsch)
—
heißt auf Englisch to check. Eine Checkliste ist ein Kontrollinstrument.
to net
—
aufrechnen / saldieren. Net present value ist damit die Summe der Barwerte der Einzahlungs-/Auszahlungsüberschüsse einer Investition — die korrekte Definition des Kapitalwerts. „To net" wird jedoch häufig mit dem deutschen netto/brutto-Konzept verwechselt.
net present value
„Nettobarwert" / Excel-Funktion NBW
Kapitalwert. „Nettobarwert" ist eine Nichtübersetzung des Begriffs. Die deutlich jüngere Tabellenblattfunktion XKAPITALERT(so im Primärtext; vermutlich Transkriptions-/OCR-Artefakt für XKAPITALWERT, das reguläre deutsche Pendant zu Excels XNPV) wurde in der deutschen Excel-Version korrekt benannt.
chef
Chef/Vorgesetzte*r
Koch. Eine Vorgesetzter heißt manager bzw. umgangssprachlich boss. Das englische chief bedeutet in erster Linie Häuptling (Sprachgebrauch gelegentlich erweitert, z. B. „Joint Chiefs of Staff").
social
sozial
gesellschaftlich. Corporate Social Responsibility ist die gesellschaftliche Unternehmensverantwortung, im Sinne der triple bottom line (soziale, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit).
smartphone
—
deutscher Alltagsbegriff dafür: Handy (selbst ein Scheinanglizismus).
(digital) projector
—
deutscher Alltagsbegriff dafür: Beamer.
Jour fixe
—
hat im Französischen keine Entsprechung (= Regeltermin).
Quelle (Primärtext): Rohleder-Blog, "Fachbegriffe und ihre betriebswirtschaftliche Bedeutung" V1.9.
THEMA F — Health-Check / Checkliste internes Rechnungswesen
Betrifft: (Klausur 24.07.2024, Aufgabe 6, 10 P.) und (04.08.2023, Aufgabe 1, 10 P.). Beide Aufgabenblätter sind unausgefüllt (leere Checklisten-Tabelle).
Frage — Health-Check internes Rechnungswesen
Sie treten eine neue Stelle im internen Rechnungswesen eines mittelständischen Maschinenbauunternehmens an. Erster Auftrag: Bestandsaufnahme, um Verbesserungspotenziale der Kostenrechnung zu identifizieren – Abgleich des Ist-Zustands mit dem State of the Art. Erstellen Sie eine Checkliste mit den wichtigsten Kontrollfragen in der Spalte „Prüfkriterium“, analog dem Beispiel. Vorgegebenes Beispiel (Zeile 1): „Ist der Kontenplan aktuell und ausreichend differenziert?“ → insgesamt 11 Prüfkriterien gefordert.
Musterantwort — Vorschlag für 11 Prüfkriterien
Kontrollfragen (jede mit Ja/Nein-Feld „erfüllt?“, analog Beispiel), entlang der Struktur der KLR:
(Beispiel, vorgegeben) Ist der Kontenplan aktuell und ausreichend differenziert?
Kostenartenrechnung: Werden alle Kostenarten vollständig erfasst und sauber in Einzel-/ Gemeinkosten sowie fixe/variable Kosten getrennt?
Kalkulatorische Kosten: Werden die kalkulatorischen Kosten (kalk. Abschreibung, Zinsen, Unternehmerlohn, Wagnisse, Miete) vollständig und korrekt angesetzt?
Abschreibungsbasis: Erfolgen die kalkulatorischen Abschreibungen auf Basis des Wiederbeschaffungswerts und der tatsächlichen Nutzungsdauer (nicht der Steuer-AfA)?
Kostenstellenrechnung: Ist die Kostenstellengliederung sachgerecht (eindeutige Verantwortung, verursachungsgerechte Umlage über sinnvolle Bezugsgrößen)?
Betriebsabrechnungsbogen (BAB): Werden Gemeinkosten über einen aktuellen BAB verursachungsgerecht verteilt (Verrechnungssätze regelmäßig aktualisiert)?
Kostenträgerrechnung / Kalkulation: Ist das Kalkulationsverfahren zum Leistungsprogramm passend (Zuschlags-, Divisions-, Prozesskostenkalkulation) und aktuell?
Teilkostenrechnung/Deckungsbeitrag: Existiert eine Deckungsbeitragsrechnung für kurzfristige Entscheidungen (Programm, Preisuntergrenze, Make-or-Buy)?
Plan-/Soll-Ist-Vergleich: Gibt es eine Plankostenrechnung mit regelmäßiger Abweichungsanalyse (Soll-Ist-Vergleich)?
Kosten-Leistungs-/Ergebnisrechnung: Wird eine kurzfristige Erfolgsrechnung (Betriebsergebnis) zeitnah erstellt und mit dem externen Ergebnis abgestimmt?
Wirtschaftlichkeit & Aktualität des Systems: Sind Datenqualität, IT-Unterstützung und Berichtswesen (Adressatengerechtigkeit, Zeitnähe) auf dem Stand der Technik?
Antwortstil-Tipp: Rohleder gibt das Beispiel als geschlossene Ja/Nein-Prüffrage vor („Ist … ?“). Formuliere alle 11 Zeilen als solche knappen Kontrollfragen (nicht als Fließtext), analog Zeile 1.
THEMA G — Weitere Einzelaufgaben
Liquiditäts- vs. Erfolgswirkung von Investitionen
Frage: Die Unterscheidung zwischen Liquiditäts- und Erfolgswirkung unternehmerischer Transaktionen ist für die Unternehmenssteuerung zentral. Erläutern Sie am Beispiel von Investitionen ausführlich, ob und wie das interne Rechnungswesen Liquiditäts- und Erfolgswirkungen abbildet.
Musterantwort: Eine Investition trennt Zahlungswirkung und Erfolgswirkung zeitlich – und beide werden in unterschiedlichen Rechenkreisen abgebildet:
Liquiditätswirkung (Zeitpunkt der Zahlung): Der Kauf löst eine Anschaffungsauszahlung in voller Höhe aus – ein Liquiditätsabfluss. Erfasst wird das in der Finanz-/Liquiditätsrechnung (Zahlungsebene). Erfolgswirksam ist dieser Vorgang nicht (Aktivtausch Geld gegen Anlage, erfolgsneutral).
Erfolgswirkung (verteilt über die Nutzungsdauer): Der Werteverzehr der Anlage wird als (kalkulatorische) Abschreibung über die Nutzungsdauer verteilt und belastet Periode für Periode den Erfolg. Erfasst wird das in der Kosten-/Erfolgsrechnung (Erfolgsebene).
Konsequenz für die Steuerung: Das interne Rechnungswesen bildet beide Wirkungen ab, aber getrennt: Liquidität (Auszahlung jetzt, in voller Höhe) und Erfolg (Kosten später, verteilt). Ein Unternehmen kann erfolgreich (rentabel) und trotzdem illiquide sein (oder umgekehrt) – deshalb müssen Liquiditätssicht (Finanzrechnung) und Erfolgssicht (Kostenrechnung) nebeneinander geführt und dürfen nicht verwechselt werden. Die Investition ist das Paradebeispiel: großer Liquiditätsabfluss auf einmal, kleine Erfolgswirkung (Abschreibung) über viele Perioden.
Frage: Studierende fassen Voll- und Teilkostenrechnung anfangs oft als Gegensätze auf; in der Praxis kommen beide gleichwertig zum Einsatz. a) (4 P.) Für welche Aufgabenstellungen sind Vollkostenrechnung bzw. Teilkostenrechnung grundsätzlich vorgesehen? b) (4 P.) Nennen Sie je eine konkrete Praxisaufgabe, für die Voll- bzw. Teilkostenrechnung das richtige Kalkül ist.
Musterantwort a):
Vollkostenrechnung ist für langfristige Fragestellungen und die Wirtschaftlichkeits-/ Preisprüfung vorgesehen: Es wird geprüft, ob alle anfallenden Kosten (fix + variabel = Selbstkosten) langfristig gedeckt sind. Grundlage für langfristige Preisuntergrenze, Angebotskalkulation und Erfolgsnachweis je Produkt.
Teilkostenrechnung ist für kurzfristige Entscheidungen vorgesehen: Betrachtet werden nur die variablen Kosten / Deckungsbeiträge, weil die Fixkosten kurzfristig nicht abbaubar sind und ihr Einbezug zu Fehlentscheidungen führen würde (vgl. Thema A).
Musterantwort b) — je eine konkrete Aufgabe (Rohleders Korrekturregel 2: bei „je eine“ NIE mehr als eine liefern — nur die erste zählt):
Vollkostenrechnung (VKR):Angebotskalkulation / langfristige Preisfindung – prüfen, ob ein Auftrag/Produkt für die Firma langfristig insgesamt wirtschaftlich ist (alle Kosten gedeckt + angemessener Gewinn).
Teilkostenrechnung (TKR):kurzfristige Produktionsprogrammplanung – Entscheidung, welche Produkte bei Engpass produziert werden sollen und in welcher Reihenfolge (Rangfolge nach (spezifischem) Deckungsbeitrag).
(Gleichwertig als TKR-Beispiel, falls das obige nicht sitzt: Zusatzauftrag zu Grenzpreisen oder Make-or-Buy — aber in der Klausur nur EINES nennen, nicht mehrere aneinanderreihen.)
Rohleder-Beleg (Handschrift): a) „Vollkostenrechnung ist dafür da, um die Wirtschaftlichkeit zu prüfen, ob alle auftretenden Kosten gedeckt werden. Teilkostenrechnung für kurzfristige Produktionsänderungen – nur variable Kosten, weil Fixkosten kurzfristig nicht abbaubar sind.“ b) „VKR: prüfen, ob der Verkauf für die Firma insgesamt wirtschaftlich gelohnt hat. TKR: kurzfristige Entscheidung, welche Produkte produziert werden sollten und welche Reihenfolge.“
„Zuschlagskalkulation ist tot“
Frage: Nehmen Sie Stellung: „Die Zuschlagskalkulation als Vollkostenkalkulation ist tot, weil die Einzelkostenanteile an den Gesamtkosten heute keine Rolle mehr spielen und damit nicht mehr als Zuschlagsbasis für die Kalkulation geeignet sind.“
Musterantwort: Die Aussage ist nicht falsch, aber ungenau/überspitzt – nur teilweise korrekt.
Berechtigter Kern: Der Einzelkostenanteil (v. a. Fertigungslohn) ist heute stark gesunken, der Gemeinkostenanteil dagegen hoch. Dadurch werden die Zuschlagssätze auf die kleine Einzelkostenbasis immer größer. Das macht die Kalkulation ungenau und fehleranfällig: Kleine Änderungen/Fehler in der Bezugsbasis (Einzelkosten) werden mit einem hohen Zuschlagssatz hebelartig vergrößert und schlagen voll auf die kalkulierten Gemeinkosten durch (Proportionalisierung von Gemeinkosten, die real gar nicht proportional zur Einzelkostenbasis anfallen). Die Verursachungsgerechtigkeit leidet.
Warum „tot“ trotzdem falsch ist: In der Praxis wird die Zuschlagskalkulation weiterhin breit eingesetzt, weil sie einfach ist und es (für viele Betriebe) keine bessere, praktikablere Alternative gibt. Präzisere Verfahren wie die Prozesskostenrechnung adressieren zwar das Gemeinkostenproblem, sind aber aufwendiger. Die Zuschlagskalkulation ist also nicht tot, sondern nur in ihrer Aussagekraft eingeschränkt – man muss ihre Ungenauigkeit kennen und bewusst mit ihr umgehen.
Fazit: Der kritisierte Schwachpunkt stimmt (wachsende Zuschlagssätze → Ungenauigkeit), die Schlussfolgerung „tot“ ist überzogen (mangels praktikabler Alternative weiter im Einsatz).
Rohleder-Beleg (Handschrift): „Die Aussage ist nicht falsch, sondern ungenau/widersprüchlich. … Einzelkosten so gering, dass Zuschlagssätze für die Gemeinkosten immer höher werden … kleiner Fehler in den Einzelkosten führt zu ungenauer Kalkulation … Trotzdem gibt es keine bessere Alternative, weshalb die allermeisten Firmen sie in der Praxis auch mit dem Wissen der Ungenauigkeit weiter nutzen.“ Rohleders Rot-Randnotiz: „teilweise“ (korrekt).
Kritik an der Kostenrechnung: 3 Ansatzpunkte + Instrumente
Frage: „Kosten gestalten geht vor Kosten verwalten!“ Die traditionelle Kostenrechnung steht in der Kritik (Unterstützung der Unternehmenssteuerung). a) (6 P.) Nennen und erläutern Sie drei Ansatzpunkte für berechtigte Kritik an der Kostenrechnung. b) (2 P.) Mit welchen Instrumenten lassen sich diese Schwachpunkte möglicherweise beheben?
Musterantwort a) — drei Ansatzpunkte (aus Rohleders roten Stichworten):
Vergangenheitsorientierung. Die traditionelle Kostenrechnung ist rückwärtsgewandt (erfasst und verwaltet bereits angefallene Ist-Kosten). Für zukunfts-/gestaltungsorientierte Steuerung („Kosten gestalten“) liefert sie zu wenig – sie sagt, was war, nicht wie Kosten künftig zu gestalten sind.
Willkürliche (Gemeinkosten-)Schlüsselung. Die Verteilung der Gemeinkosten über Zuschlags-/Umlageschlüssel ist nicht verursachungsgerecht, sondern teils willkürlich – das verzerrt die Produktkosten und damit Entscheidungen (vgl. G3).
Ausblendung nicht-monetärer / qualitativer Faktoren. Die Kostenrechnung berücksichtigt keine strategisch/ethisch relevanten Größen: Image, Kundenbeziehung, Wettbewerb/ Konkurrenz, Umweltauflagen, ethische und moralische Aspekte von Entscheidungen bleiben außen vor. Reine Kostenoptimierung kann daher zu Entscheidungen führen, die betriebswirtschaftlich „billig“, aber strategisch/ethisch schädlich sind.
Musterantwort b) — Instrumente zur Behebung:
Prozesskostenrechnung – gegen willkürliche Gemeinkostenschlüsselung (verursachungsgerechtere Zuordnung über Prozesse/Cost Driver).
Target Costing (Zielkostenrechnung) und Lebenszykluskostenrechnung – gegen Vergangenheitsorientierung (markt-/zukunftsorientiertes Kostengestalten).
Balanced Scorecard – gegen die Ausblendung nicht-monetärer Faktoren (ergänzt finanzielle um Kunden-, Prozess- und Potenzialperspektive).
„Erlöse müssen Gesamtkosten K abdecken“
Frage: In einem namhaften Lehrbuch steht: „Zur langfristigen Existenzsicherung muss ein Betrieb Erlöse erzielen, die seine Gesamtkosten K abdecken.“ Ist diese Aussage zutreffend? Begründen Sie ausführlich.
Musterantwort: Die Aussage ist unvollständig / nicht ausreichend (nur die halbe Wahrheit).
Was stimmt: Die Erlöse müssen mindestens die Gesamt-/Selbstkosten decken – und weil in den Kosten K der Kostenrechnung bereits die kalkulatorischen Kosten (kalk. Unternehmerlohn, kalk. Zinsen, kalk. Wagnisse) enthalten sind, ist bei genauer Deckung von K bereits ein kalkulatorischer „Normalgewinn“ (angemessene Unternehmerentlohnung/Kapitalverzinsung) abgegolten.
Was fehlt (der Kern): Für die langfristige Existenzsicherung reicht die reine Kostendeckung nicht aus. Der Betrieb muss darüber hinaus einen echten Gewinn (Gewinnaufschlag) erwirtschaften, um
Reserven / Eigenkapital zu bilden und Preis- und Marktschwankungen (Absatz-, Preis-, Kostenrisiken) abzufedern,
Investitionen / Wachstum / Innovation zu finanzieren und die Substanz (zu Wiederbeschaffungswerten) zu erhalten.
Ohne diesen Gewinnpuffer würde das Unternehmen bei der ersten stärkeren negativen Schwankung langfristig nicht überleben. Korrekt müsste es also heißen: Erlöse ≥ Selbstkosten + angemessener Gewinn(zuschlag).
Die zwei Ziele wirtschaftlichen Handelns & das Zielsystem der Unternehmung
Quelle: Coenenberg/Fischer/Günther, Kostenrechnung und Kostenanalyse, 9. Aufl., S. 4–5. Ergänzt U02 „Zweckorientierung der Rechnungssysteme".
Lernziel 1 — Die zwei Ziele wirtschaftlichen Handelns (ökonomisches Prinzip)
Jedes wirtschaftliche Handeln verfolgt zwei grundsätzlich verschiedene Ziele, die stets zusammen auftreten:
(a) Das Sachziel (leistungswirtschaftliches Ziel). Das Sachziel beschreibt, welche Güter und Leistungen erstellt werden sollen — nach Art, Menge, Qualität und Zeitpunkt. Es ist auf die Bedarfsdeckung gerichtet (der Betrieb existiert, um einen konkreten Bedarf am Markt zu befriedigen). Das Sachziel beantwortet die Frage: Was wird produziert?Alltagsbeispiel: Eine Möbeltischlerei stellt Esstische aus Massivholz her — die Herstellung dieser Tische ist ihr Sachziel.
(b) Das Formalziel (wertmäßiges Ziel / Erfolgsziel). Das Formalziel beschreibt, wie wirtschaftlich (mit welchem Erfolg) das Handeln erfolgen soll. Es ist auf Wirtschaftlichkeit und Gewinn gerichtet und beantwortet die Frage: Wie erfolgreich wird produziert?Alltagsbeispiel: Dieselbe Tischlerei will die Tische so herstellen, dass ein möglichst hoher Gewinn bleibt und Material/Arbeit nicht verschwendet werden.
Merke: Das Sachziel sagt, was getan wird; das Formalziel sagt, wie erfolgreich/wirtschaftlich es getan wird. Beide Ziele sind untrennbar — ein Betrieb, der zwar produziert (Sachziel), dabei aber dauerhaft Verlust macht (Formalziel verfehlt), scheitert.
Das ökonomische Prinzip (Wirtschaftlichkeits- bzw. Rationalprinzip). Das Formalziel wird durch das ökonomische Prinzip konkretisiert: Es fordert ein möglichst günstiges Verhältnis von Mitteleinsatz (Input) und Ergebnis (Output). Kern ist die Wirtschaftlichkeit:
Das ökonomische Prinzip hat zwei Ausprägungen — bei beiden ist immer eine Größe fest vorgegeben:
Ausprägung
fest vorgegeben
zu optimieren
Formel
Maximalprinzip
Input (Mitteleinsatz) = konstant
Output → maximal
Minimalprinzip (Sparprinzip)
Output (Ergebnis) = konstant
Input → minimal
Maximalprinzip — Alltagsbeispiel: Du hast 50 kg Mehl (fester Input) und willst daraus so viele Brötchen wie möglich backen. Minimalprinzip — Alltagsbeispiel: Du hast eine feste Bestellung über 1.000 Brötchen (fester Output) und willst sie mit so wenig Mehl/Energie/Arbeit wie möglich erfüllen.
Klausur-Falle (Rohleder): Es gibt kein Prinzip „mit minimalem Input maximalen Output". Das wäre logisch unsinnig, weil dann keine Größe fixiert ist. Immer gilt: eine Seite fest, die andere optimieren.
Abgrenzung Wirtschaftlichkeit vs. Produktivität: Die Wirtschaftlichkeit ist ein Wertverhältnis (in Euro: Leistung/Kosten bzw. Ertrag/Aufwand). Die Produktivität ist ein Mengenverhältnis (in Stück: Ausbringungsmenge/Einsatzmenge, z. B. Stück pro Stunde). . Rohleder testet diese Unterscheidung im Lückentext — Wert = Wirtschaftlichkeit, Menge = Produktivität.
Lernziel 2 — Das Zielsystem der Unternehmung & die Brücke zu den Rechnungssystemen
Die Ziele einer Unternehmung bilden ein Zielsystem, das sich in zwei Kategorien gliedert — analog zu den zwei Zielen wirtschaftlichen Handelns:
(a) Sachziele (leistungswirtschaftliche Ziele) — Art, Menge, Qualität und Zeitpunkt der zu erstellenden Leistungen (das eigentliche Leistungsprogramm des Betriebs, Bedarfsdeckung).
(b) Formalziele (Erfolgsziele) — sie bewerten das Sachziel-Handeln wertmäßig und drücken den wertmäßigen Erfolg des Wirtschaftens aus (in der Regel dem Sachziel übergeordnet: das Leistungsprogramm dient ihrer Erfüllung). Die drei Kern-Formalziele:
Formalziel
Definition
Messgröße
Erfolg
Überschuss des Ertrags/der Leistung über Aufwand/Kosten — Gewinnerzielung und angemessene Rentabilität (Verzinsung des eingesetzten Kapitals)
Gewinn; Rentabilität
Liquidität
Fähigkeit, fällige Zahlungsverpflichtungen jederzeit erfüllen zu können (Zahlungsfähigkeit)
Zahlungsströme (Ein-/Auszahlungen)
Sicherheit
Begrenzung von Risiken, Erhaltung des Bestands / der Substanz des Betriebs auf Dauer
Risikoposition, Kapitalstruktur
Kern-Kennzahlen zum Erfolgsziel (ausgeschriebene Größen):
(Die Fremdkapitalzinsen werden im Zähler hinzugerechnet, weil die Gesamtkapitalrentabilität die Verzinsung des gesamten eingesetzten Kapitals misst — also auch des mit Zinsen vergüteten Fremdkapitals.)
Die Brücke: Welches Ziel steuert welches Rechnungssystem?
Das entscheidende Prüfungswissen aus U02: Jedes Formalziel wird durch ein eigenes Rechnungssystem überwacht. Ziel und Rechnungssystem gehören zusammen:
Ziel
zugehöriges Rechnungssystem
Rechengrößen
Erfolgsziel (Gewinn, Rentabilität)
Erfolgsrechnung: extern die GuV (Gewinn- und Verlustrechnung), intern die Kosten- und Leistungsrechnung (KLR)
Aufwand/Ertrag (extern) bzw. Kosten/Leistung (intern)
Liquiditätsziel (Zahlungsfähigkeit)
Finanzrechnung und Investitionsrechnung
Ein-/Auszahlungen (Zahlungsströme)
Sicherheitsziel
flankierend (Bilanz-/Kapitalstrukturanalyse) — kein eigenes laufendes Kalkül im engeren Sinn
Vermögens-/Kapitalstruktur
Kernaussage zum Auswendiglernen:Erfolgsziel → Erfolgsrechnung (extern GuV / intern KLR), gemessen in Kosten und Leistung.Liquiditätsziel → Finanz- und Investitionsrechnung, gemessen in Ein- und Auszahlungen.
Warum diese Trennung wichtig ist (Zusammenhang zu U03): Erfolg und Liquidität sind verschiedene Dinge und werden mit verschiedenen Rechengrößen gemessen. Erfolg misst man mit Aufwand/Ertrag bzw. intern Kosten/Leistung (erfolgswirksamer Werteverzehr/Wertezuwachs). Liquidität misst man mit Ein-/Auszahlungen (reine Geldbewegungen). Genau darauf zielt die Strömungsgrößen-Systematik der nächsten Einheit: Auszahlung → Ausgabe → Aufwand → Kosten trennt die Liquiditätswirkung (Zahlungsebene) sauber von der Erfolgswirkung (Kosten-/Leistungsebene). Ein Vorgang kann liquiditätswirksam, aber nicht erfolgswirksam sein (z. B. Maschinenkauf = Auszahlung, aber zunächst kein Aufwand/keine Kosten — nur Aktivtausch) und umgekehrt (kalkulatorische Abschreibung = Kosten, aber keine Auszahlung).
Systematik der Kosten- und Leistungsrechnung (KLR)
Das interne Rechnungswesen ordnet sich entlang zweier Achsen: dem dreistufigen Aufbau (wo im Rechengang stehe ich?) und den Kostenrechnungssystemen (mit welchen Werten rechne ich?). Beide sind unabhaengig voneinander kombinierbar.
⚡ Kurzform Aufbau (3 Stufen): Kostenarten (welche Kosten?) → Kostenstellen (wo entstehen sie?) → Kostentraeger (wofuer? = Kalkulation). Systeme nach Zeitbezug: Ist (Vergangenheit, tatsaechlich) · Normal (Durchschnitt) · Plan (Zukunft, Soll). Merksatz: Der Aufbau sagt wohin die Kosten wandern, das System sagt welche Zahlen man einsetzt.
1) Aufbau der KLR — die dreistufige Rechnung
Die KLR verrechnet Kosten in einer festen Reihenfolge von der Gesamtsumme bis zum einzelnen Produkt. Jede Stufe liefert der naechsten ihren Input.
Stufe
Leitfrage
Zweck (1 Satz)
1. Kostenartenrechnung
Welche Kosten?
Erfasst und gliedert saemtliche im Zeitraum angefallenen Kosten nach Arten (z. B. Material-, Personal-, Abschreibungskosten) und trennt sie in Einzel- und Gemeinkosten.
2. Kostenstellenrechnung
Wo entstehen sie?
Verteilt die Gemeinkosten verursachungsgerecht auf die betrieblichen Bereiche (Kostenstellen) — meist ueber den Betriebsabrechnungsbogen (BAB) — und bildet daraus die Zuschlagssaetze.
3. Kostentraegerrechnung
Wofuer / wovon?
Rechnet die Kosten auf die Kostentraeger (Produkte, Auftraege) — als Kostentraegerstueckrechnung (Kalkulation, Preisfindung) und Kostentraegerzeitrechnung (kurzfristige Erfolgsrechnung / Betriebsergebnis).
Wie sie ineinandergreifen:
Einzelkosten (EK = Einzelkosten, direkt zurechenbar, z. B. Fertigungsmaterial) laufen aus der Kostenartenrechnung direkt auf den Kostentraeger — sie ueberspringen die Kostenstellenrechnung.
Gemeinkosten (GK = Gemeinkosten, nicht direkt zurechenbar, z. B. Miete, Meistergehalt) muessen erst ueber die Kostenstellenrechnung geschluesselt werden, bevor sie den Kostentraeger erreichen. Genau das ist der Grund, warum es die mittlere Stufe ueberhaupt gibt.
2) Kostenrechnungssysteme nach zeitlichem Bezug
Quer zum Aufbau steht die Frage, welche Wertansaetze in die Rechnung eingehen. Das unterscheidet drei Systeme nach ihrem Zeitbezug.
Nachkalkulation, Dokumentation des real Geschehenen. Nachteil: Zufallsschwankungen (Preisspitzen, Ausschuss) verzerren; keine Kontrolle, weil Vergleichsmassstab fehlt.
Normalkostenrechnung
Durchschnittswerte vergangener Perioden (geglaettete Ist-Werte)
Vergangenheit, geglaettet
Glaettung zufaelliger Schwankungen; einfache, schnelle Kalkulation im Tagesgeschaeft. Der Vergleich Ist vs. Normal zeigt eine erste Ueber-/Unterdeckung.
Plankostenrechnung
im Voraus geplante Sollwerte (Plan-Menge × Plan-Preis)
zukunftsbezogen
Planung, Wirtschaftlichkeitskontrolle und Steuerung. Der Soll-Ist-Vergleich liefert Abweichungsanalysen (Preis-, Verbrauchs-, Beschaeftigungsabweichung) — das leistungsstaerkste System.
Systematischer Kern: Ist = was war, Normal = was ueblich ist, Plan = was sein soll. Erst der Plan ermoeglicht echte Kontrolle, weil er einen Soll-Massstab vorgibt, gegen den das Ist gemessen wird.
⚠️ Nicht verwechseln:Plankosten sind die geplanten Kosten bei Plan-Beschaeftigung; Sollkosten sind die an die tatsaechliche Beschaeftigung angepassten Plankosten. Der Soll-Ist-Vergleich misst das Ist gegen die Sollkosten — Plan- und Sollkosten sind nur bei Planbeschaeftigung identisch. (Die Aufspaltung in die einzelnen Abweichungen ist an anderer Stelle erklaert.)
Kombinierbarkeit (Pruefungsfalle): Aufbau und System sind zwei getrennte Dimensionen. Jede Stufe (Arten/Stellen/Traeger) kann mit Ist-, Normal- oder Plankosten gerechnet werden. „Aufbau" beantwortet wohin verrechnet wird, „System" mit welchen Werten.
3) Aufgaben der KLR
Erfolgsermittlung / Betriebsergebnis — kurzfristige Betriebserfolgsrechnung: Wie profitabel ist die eigentliche betriebliche Leistung (Kosten und Leistungen), abgegrenzt vom neutralen Ergebnis der Finanzbuchhaltung?
Kalkulation / Preisfindung — Ermittlung der Selbstkosten je Kostentraeger als Basis fuer Angebotspreise und Preisuntergrenzen.
Wirtschaftlichkeitskontrolle — Ueberwachung von Kostenstellen und -traegern, Soll-Ist-Vergleiche, Abweichungsanalysen.
Planung und Steuerung — Bereitstellung von Entscheidungsgrundlagen (z. B. Eigenfertigung vs. Fremdbezug, Programmentscheidungen, Budgetierung).
⚡ Ein-Satz-Anker fuer die Klausur
Die KLR verrechnet Kosten in drei Stufen (Arten → Stellen → Traeger) und kann dabei mit drei Wertansaetzen arbeiten (Ist / Normal / Plan) — um vier Dinge zu leisten: Betriebsergebnis, Kalkulation, Kontrolle, Steuerung.
THEMA H — Neue Verständnisfragen (Ergänzung, im Rohleder-Aufgabenstil)
Kostenremanenz
Frage: Erläutern Sie ausführlich den Begriff der Kostenremanenz und seine Bedeutung für die Kostenplanung bei rückläufiger Beschäftigung.
📝 Ausformulierte Lösung
Begriff. Kostenremanenz bezeichnet das Verharren (lat. remanere = zurückbleiben) von Fixkosten auf einem höheren Niveau, obwohl die Beschäftigung bereits gesunken ist. Das in der Kostentheorie unterstellte Modell „Fixkosten bleiben beschäftigungsunabhängig exakt konstant" ist damit eine Idealisierung: real reagieren Fixkosten bei sinkender Beschäftigung träge und zeitverzögert — sie sinken nicht proportional oder gar nicht in der betrachteten Periode.
Ursachen:
Vertragliche Bindungen — Mietverträge, Leasingraten, langfristige Lieferverträge mit Kündigungsfristen.
Arbeitsrechtliche Bindungen — Kündigungsfristen, Sozialpläne, Fachkräftebindung (Wiedereinstellung wäre teuer, deshalb hält man Personal auch bei kurzfristigem Auftragsrückgang).
Bereits getätigte Investitionen — Abschreibungen laufen planmäßig weiter, unabhängig von der aktuellen Auslastung der Anlage.
Bedeutung für die Kostenplanung:
Fehlplanungsgefahr. Wer bei einem Beschäftigungsrückgang naiv eine sofortige, volleFixkostenersparnis einplant, überschätzt systematisch die kurzfristige Kostenersparnis — die tatsächliche Einsparung tritt erst verzögert und graduell ein.
Abbaubare vs. gebundene Fixkosten unterscheiden. Management muss differenzieren, welcher Teil der Fixkostenkurzfristig disponibel ist (z. B. befristete Verträge, die auslaufen) und welcher langfristig gebunden bleibt.
Konsequenz für Entscheidungen. Kostenremanenz ist ein zusätzliches Argument dafür, bei kurzfristigen Programmentscheidungen (Zusatzauftrag, Sortimentswahl) auf Basis der Teilkostenrechnung/Deckungsbeitrag zu planen und nicht auf Basis unrealistisch schnell sinkender Vollkosten.
Merke: Kostenremanenz ist die Praxis-Kritik am Modell "Fixkosten = konstant" — sie erklärt, warum Sparprogramme oft langsamer wirken als kalkulatorisch erwartet.
H1b — Aktueller Praxisfall: R+V-Versicherung und das „schadenarme Jahr"
Frage (angelehnt an eine reale Wirtschaftsmeldung 2026): Ein Versicherungsunternehmen erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen außergewöhnlich hohen Vorsteuergewinn, weil in diesem Jahr kaum nennenswerte Naturkatastrophenschäden auftraten. Für das Folgejahr rechnet das Unternehmen mit einem deutlichen Gewinnrückgang und warnt intern davor, das schadenarme Jahr als neuen Normalzustand misszuverstehen.
a) (5 P.) Erläutern Sie anhand dieses Falls, welches Risiko entsteht, wenn ein Unternehmen seine künftige Kalkulation (hier: Versicherungsprämien) allein auf den Ist-Kosten einer einzelnen, untypischen Periode aufbaut. b) (3 P.) Welches Kostenrechnungssystem wäre für eine verlässliche mehrjährige Prämienkalkulation besser geeignet, und warum?
📝 Ausformulierte Lösung
a) Risiko der Ist-Kosten-Fortschreibung. Die Istkostenrechnung bildet ausschließlich die tatsächlich angefallenen Kosten/Schäden einer einzelnen Periode ab — ohne Rücksicht darauf, ob diese Periode typisch oder ein statistischer Ausreißer war. Ein schadenarmes Jahr wie 2025 ist ein positiver Zufallseffekt (günstige Wetterlage), keine strukturelle Verbesserung der Risikolage. Würde die künftige Prämienkalkulation direkt auf diesem Ist-Wert aufsetzen, würden die Prämien systematisch zu niedrig angesetzt: Sobald die Schadenslast in einem Folgejahr auf ein „normales" oder überdurchschnittliches Niveau zurückkehrt (was aus Sicht der Schadensstatistik über mehrere Jahre der Erwartungswert ist, nicht die Ausnahme), reichen die eingesammelten Prämien nicht mehr aus, um die Schäden zu decken — das Unternehmen gerät in eine Unterdeckung, die es unter Umständen erst mit Verzögerung bemerkt.
b) Geeignetes System. Für eine verlässliche mehrjährige Kalkulation ist weder die reine Ist- noch unbedingt eine simple Normalkostenrechnung ausreichend — am besten geeignet ist eine Plankostenrechnung mit einem über mehrere Jahre ermittelten, risikoadjustierten Schadenserwartungswert (im Kern aber bereits eine Normalkostenrechnung deutlich besser als die pure Ist-Fortschreibung): Durch die Durchschnittsbildung über mehrere Beobachtungsjahre (inklusive schadenreicher UND schadenarmer Jahre) werden Zufallsschwankungen geglättet, sodass die Kalkulationsbasis nicht von einem einzelnen Ausreißer verzerrt wird. Eine echte Plankostenrechnung geht noch einen Schritt weiter: Sie legt vor der Periode einen Sollwert fest (z. B. auf Basis versicherungsmathematischer Schadensmodelle, die auch Extremereignisse mit Wahrscheinlichkeit einpreisen) und erlaubt damit zusätzlich eine echte Abweichungsanalyse zwischen geplanter und tatsächlicher Schadenslast.
Merke: Der O-Ton „ein schadenarmes Jahr ist kein neuer Normalzustand" ist die Kurzfassung genau dieses Kostenrechnungs-Prinzips: Ist-Werte einer Einzelperiode taugen nicht als alleinige Planungsgrundlage, wenn sie stark streuen können.
(Hinweis: Diese Aufgabe ist eine für die Klausurvorbereitung selbst formulierte Anwendungsaufgabe auf Basis einer realen Wirtschaftsmeldung aus der Versicherungsbranche 2026 — keine echte Altklausur-Frage, aber genau der Aufgabentyp „Auszug aus aktueller Wirtschaftspresse + Methodik anwenden", den Rohleder laut FAQ regelmäßig einsetzt.)
H1c — R+V-Versicherung: Rechen-Varianten zum Praxisfall
Derselbe Sachverhalt wie H1b, jetzt als Rechenaufgabe — genau die Verbindung „aktuelle Wirtschaftsmeldung + KLR-Methodik anwenden", die Rohleder mag. Alle Zahlen sind plausibel gewählt (keine echten R+V-Bilanzzahlen); jede Rechnung ist mit Gegenprobe verifiziert.
⚡ Kurzform — die drei Rechenschritte
a) Normalschaden = Durchschnitt der Schäden mehrerer Jahre. Das schadenarme Ist-Jahr allein fortzuschreiben erzeugt eine planbare Unterdeckung, sobald ein Normaljahr zurückkehrt.
b) Prämie rechnet sich wie eine Zuschlagskalkulation: Schadenbedarf → +Verwaltung → +Sicherheits-/Gewinnzuschlag (auf Hundert) → Provision im Hundert (÷ (1−Satz)).
c) Abweichung Ist−Plan: ein Minus ist hier günstig (weniger Schaden als geplant) — aber Zufall, kein neuer Sollwert.
Gegeben: Für ein Schadenportfolio liegen die jährlichen Schadenssummen und die (konstanten) Prämieneinnahmen vor:
Jahr
Schadenssumme
Prämieneinnahmen
2021
820 Mio €
1.000 Mio €
2022
910 Mio €
1.000 Mio €
2023
1.050 Mio €
1.000 Mio €
2024
880 Mio €
1.000 Mio €
2025
340 Mio € (schadenarmes Ausreißerjahr)
1.000 Mio €
Gefragt: a) (6 P.) Ermitteln Sie den mehrjährigen Normalschaden und die Unterdeckung, die entsteht, wenn die Prämien für 2026 allein auf dem Ist-Wert 2025 basieren, ein Folgejahr aber wieder normal verläuft. · b) (8 P.) Kalkulieren Sie die Jahresprämie je Vertrag: Schadenbedarf 400 €, Verwaltungskostenzuschlag 15 %, Sicherheits-/Gewinnzuschlag 8 %, Außendienst-Provision 10 %. · c) (4 P.) Berechnen Sie für 2025 die Abweichung zwischen Planschaden (Normalwert) und Ist-Schaden und beurteilen Sie sie.
📝 Ausformulierte Lösung
a) Normalschaden und Unterdeckung.
Schadenquote im Ausreißerjahr 2025 = 340 ÷ 1.000 = 34 %; die normale (mehrjährige) Schadenquote = 800 ÷ 1.000 = 80 %. Würde man die Prämien 2026 so kalkulieren, dass sie nur die 34 % des Glücksjahres decken, dann fehlt bei Rückkehr zu einem Normaljahr:
Der Ist-Wert 2025 unterschätzt den echten Schadenbedarf also um 460 Mio € pro Jahr — genau der Betrag, um den die Prämien zu niedrig angesetzt wären.
b) Prämienkalkulation je Vertrag (Aufbau wie eine Zuschlagskalkulation):
Position
Rechnung
Betrag
Schadenbedarf (erwarteter Normalschaden je Vertrag)
Das negative Vorzeichen ist bei einer Kosten-/Schadensgröße günstig (es wurde weniger Schaden verursacht als geplant) — analog zur Verbrauchsabweichung in der Plankostenrechnung. Aber: diese günstige Abweichung ist ein reiner Zufallseffekt eines schadenarmen Jahres, keine dauerhafte Verbesserung. Sie darf deshalb nicht als neuer Sollwert fortgeschrieben werden — sonst kehrt sie sich im nächsten Normaljahr in eine Unterdeckung von rund 460 Mio € um (siehe Teil a). Genau das meint die Meldung mit „ein schadenarmes Jahr ist kein neuer Normalzustand".
Merke — die drei Fallen dieser Aufgabe: (1) Normalschaden = Mehrjahresdurchschnitt, nie das eine Ausreißerjahr. (2) Provision „im Hundert": ÷ (1−Satz), nicht × (1+Satz). (3) Vorzeichen: bei Kosten/Schaden ist ein Minus günstig — immer „günstig/ungünstig" dazuschreiben.
(Hinweis: Selbst formulierte Anwendungsaufgabe auf Basis der realen R+V-Wirtschaftsmeldung 2025/26; die Zahlen sind zur Übung plausibel gewählt, keine echten Bilanzwerte. Genau Rohleders Aufgabentyp „Wirtschaftspresse + Methodik anwenden".)
Plankosten, Sollkosten, verrechnete Plankosten: „nur drei Namen für dieselbe Zahl"?
Frage: In einer Diskussion behauptet ein Kollege: „Plankosten, Sollkosten und verrechnete Plankosten sind im Grunde dasselbe — nur andere Namen für dieselbe Zahl." Nehmen Sie ausführlich Stellung.
📝 Ausformulierte Lösung
Die Aussage ist nicht zutreffend. Es handelt sich um drei unterschiedliche Bezugsgrößen, die bei abweichender Ist-Beschäftigung auseinanderfallen und unterschiedliche Zwecke erfüllen:
Größe
Definition
Zweck
Plankosten (Kp)
Kosten bei der ursprünglich geplanten Planbeschäftigung Bp — Ausgangspunkt der Planung
Grundlage für Verrechnungssätze
Sollkosten (Ksoll)
An die tatsächliche Beschäftigung Bi angepasste Plankosten: Ksoll = Kpf + kpv · Bi — die Fixkosten bleiben unverändert fix, nur der variable Teil wird auf Bi skaliert
Realistischer Vergleichsmaßstab für den Soll-Ist-Vergleich
Verrechnete Plankosten (Kverr)
Kverr = kp · Bi — behandelt auch die Fixkosten so, als wären sie variabel (der Verrechnungssatz kp enthält den fixen Anteil kpf)
Kalkulationsgröße, um Fixkosten auf Kostenträger zu verteilen
Wann sind sie gleich? Nur wenn Bi = Bp (Ist- = Planbeschäftigung) sind alle drei Größen identisch — dann gibt es keine Beschäftigungsabweichung. In jedem anderen Fall gilt Ksoll ≠ Kverr, und genau diese Differenz ist die Beschäftigungsabweichung (Ksoll − Kverr): ein rein rechnerischer Auslastungseffekt (Fixkostenüber- oder -unterdeckung), keine Aussage über Verschwendung oder Sparsamkeit.
Warum die Unterscheidung entscheidend ist: Erst durch die Trennung Ist − Soll (= Verbrauchsabweichung, echte, beeinflussbare Mehr-/Minderkosten) und Soll − Verrechnet (= Beschäftigungsabweichung, nicht beeinflussbarer Auslastungseffekt) lässt sich beurteilen, wer für eine Kostenabweichung verantwortlich ist — die Kostenstellenleitung (Verbrauch) oder die übergeordnete Programmplanung (Beschäftigungsgrad). Würde man wie im Zitat unterstellt alle drei Größen gleichsetzen, ginge diese zentrale Trennung verloren.
Gesamtkostenverfahren vs. Umsatzkostenverfahren: der methodische Unterschied ohne Rechnung
Frage: Erläutern Sie den methodischen Unterschied zwischen Gesamtkostenverfahren (GKV) und Umsatzkostenverfahren (UKV) in der kurzfristigen Erfolgsrechnung — ohne zu rechnen.
📝 Ausformulierte Lösung
Beide Verfahren ermitteln das kurzfristige Betriebsergebnis derselben Periode, unterscheiden sich aber in der Ausgangsbasis und Gliederung:
Gesamtkostenverfahren (GKV) — kostenartenorientiert: Das GKV setzt bei allen in der Periode angefallenen Kosten an, gegliedert nach Kostenarten (Materialkosten, Personalkosten, Abschreibungen usw.) — unabhängig davon, ob die damit hergestellten Erzeugnisse auch verkauft wurden. Da produzierte und abgesetzte Menge auseinanderfallen können (Lageraufbau/-abbau), muss das GKV die Erlöse um die Bestandsveränderungen an fertigen und unfertigen Erzeugnissen ergänzen (Bestandserhöhung wird als zusätzliche Leistung hinzugerechnet, Bestandsminderung abgezogen), damit Kosten und Leistungen einer Periode korrekt gegenübergestellt werden.
Umsatzkostenverfahren (UKV) — funktions-/umsatzorientiert: Das UKV setzt von vornherein nur bei den Selbstkosten der tatsächlich abgesetzten Menge an (gegliedert nach Funktionsbereichen: Herstellkosten des Umsatzes, Verwaltungs-, Vertriebskosten). Eine separate Korrektur um Bestandsveränderungen entfällt, weil unverkaufte Bestände von vornherein nicht in die Rechnung eingehen — sie werden implizit über die Bestandsbewertung in der Bilanz erfasst, nicht in der Erfolgsrechnung der laufenden Periode.
Gemeinsamkeit: Bei korrekter, vollständiger Rechnung liefern beide Verfahren dasselbe Betriebsergebnis — sie sind rechnerisch äquivalent, unterscheiden sich nur in der Gliederungslogik (Kostenart vs. Funktion) und darin, wo die Bestandsveränderung sichtbar wird (explizit im GKV, implizit im UKV).
Merke: GKV fragt „was haben wir in der Periode an Kosten verursacht?", UKV fragt „was hat uns das verkaufte Geschäft gekostet?" — zwei Blickwinkel auf denselben Erfolg.
H3b — Aktueller Praxisfall: Festpreisverträge und steigende Istkosten
Frage (angelehnt an eine reale Wirtschaftsmeldung 2026): Ein Bahntechnikkonzern meldet trotz eines Rekord-Auftragsbestands eine gesenkte Gewinnprognose für das laufende Jahr. Grund: Bei bestehenden, langfristigen Rahmenverträgen mit festen Preisen sind die tatsächlichen Beschaffungs- und Logistikkosten stärker gestiegen als bei Vertragsabschluss kalkuliert; die Mehrkosten lassen sich wegen der Preisbindung nicht an die Kunden weitergeben. Zusätzlich fallen Aufwendungen für Kapazitätsanpassungen an. Das Management bezeichnet diese Belastungen als „vorübergehend" und erwartet im Folgejahr wieder deutliches Wachstum.
a) (6 P.) Erläutern Sie anhand dieses Falls den Unterschied zwischen Vor- und Nachkalkulation und benennen Sie das Risiko, das sich bei langlaufenden Festpreisverträgen daraus ergibt. b) (6 P.) Nehmen Sie kritisch Stellung: Sind die genannten Zusatzkosten für Kapazitätsanpassungen zwingend als „einmalig/außerordentlich" zu werten, oder könnten es reguläre (Grund-)Kosten sein? Begründen Sie unter Rückgriff auf den Kostenbegriff.
📝 Ausformulierte Lösung
a) Vor- vs. Nachkalkulation und das Festpreis-Risiko. Die Vorkalkulation legt den Angebotspreis bzw. die Konditionen eines (Rahmen-)Vertrags vor dessen Abschluss fest — auf Basis der zu diesem Zeitpunkt geschätzten (Plan-)Kosten für Material, Beschaffung und Logistik. Die Nachkalkulation stellt im Nachhinein fest, was der Auftrag tatsächlich gekostet hat, und vergleicht dies mit der ursprünglichen Kalkulation.
Bei langlaufenden Festpreisverträgen liegt zwischen Vor- und Nachkalkulation oft ein Zeitraum von mehreren Jahren. Das Risiko: Die vorkalkulierten Kosten basieren auf den zum Vertragsschluss geltenden (oder erwarteten) Preisen. Steigen die tatsächlichen Beschaffungs- und Logistikkosten während der Vertragslaufzeit stärker als angenommen, kann der Auftragnehmer diese Mehrkosten nicht über eine Preisanpassung an den Kunden weitergeben, weil der Preis vertraglich fixiert ist. Die Differenz zwischen (höheren) Ist-Kosten und (niedriger kalkulierten) Plankosten geht vollständig zulasten der eigenen Marge — ein hoher, sogar rekordverdächtiger Auftragsbestand schützt davor nicht, weil er das Problem eher vergrößert (mehr Aufträge zu den ungünstig gewordenen alten Konditionen).
b) Kritische Würdigung „einmalig" vs. regulär. Kosten sind dann als neutraler/außerordentlicher Aufwand einzustufen, wenn sie betriebsfremd, periodenfremd oder außergewöhnlich sind — also nicht zum gewöhnlichen, wiederkehrenden Betriebszweck gehören. Ob die genannten Kapazitätsanpassungskosten diese Kriterien erfüllen, hängt vom Grund der Anpassung ab:
Sind es echte Einmaleffekte (z. B. eine einmalige Restrukturierung wegen eines singulären Ereignisses), spricht das für eine Einordnung als außerordentlich.
Ist die Kapazitätsanpassung dagegen Folge eines dauerhaft höheren oder veränderten Geschäftsvolumens (z. B. struktureller Ausbau des Digitalgeschäfts, wie im Fall zusätzlich genannt), handelt es sich eher um normale, wiederkehrende Betriebskosten, die lediglich in der Buchhaltung als einmaliger Posten in einer Periode gebündelt erfasst werden — fachlich aber Grundkosten des laufenden, sich wandelnden Geschäfts sind.
Die Selbsteinschätzung des Managements als „vorübergehend" sollte daher kritisch hinterfragt werden: Managementkommunikation hat einen Anreiz, negative Sondereffekte als einmalig darzustellen, um die mittelfristige Ergebnisprognose optisch zu verbessern. Ökonomisch korrekt ist die Einordnung als außerordentlich nur, wenn sich der auslösende Grund tatsächlich nicht wiederholt — bei einer strukturellen Geschäftsausweitung (Digitalgeschäft) ist das gerade nicht zwingend der Fall.
Merke: Bei Festpreisverträgen trägt der Auftragnehmer das volle Kostensteigerungsrisiko der Vertragslaufzeit — deshalb enthalten viele moderne Rahmenverträge Preisgleitklauseln. Der Fall zeigt, warum „Rekord-Auftragsbestand" und "gesenkte Gewinnprognose" gleichzeitig auftreten können: Menge und Marge sind zwei getrennte Dimensionen.
(Hinweis: Diese Aufgabe ist eine für die Klausurvorbereitung selbst formulierte Anwendungsaufgabe auf Basis einer realen Wirtschaftsmeldung aus der Bahntechnik-Branche 2026 — keine echte Altklausur-Frage, aber genau der Aufgabentyp „Auszug aus aktueller Wirtschaftspresse + Methodik anwenden", den Rohleder laut FAQ regelmäßig einsetzt.)
Warum eine Normalkostenrechnung mehr leistet als eine Istkostenrechnung, aber weniger als eine Plankostenrechnung
Frage: Erläutern Sie ausführlich, warum eine Normalkostenrechnung mehr leistet als eine reine Istkostenrechnung, aber weniger als eine Plankostenrechnung.
📝 Ausformulierte Lösung
Die drei Systeme unterscheiden sich in ihrem Zeitbezug und damit in ihrer Kontrollfähigkeit:
Istkostenrechnung — rein vergangenheitsbezogen, keine Kontrolle möglich. Sie erfasst die tatsächlich angefallenen Kosten (Ist-Menge × Ist-Preis) einer Periode. Problem: Zufällige Schwankungen (Preisspitzen bei Rohstoffen, ungewöhnlich hoher Ausschuss, Einmaleffekte) gehen ungefiltert in die Zahlen ein. Da kein Vergleichsmaßstab existiert, kann man nicht beurteilen, ob ein bestimmter Kostenwert „normal", „gut" oder „schlecht" ist — es fehlt der Soll-Maßstab für eine Wirtschaftlichkeitskontrolle.
Normalkostenrechnung — glättet, bleibt aber vergangenheitsorientiert. Sie verwendet Durchschnittswerte vergangener Perioden, um zufällige Ausreißer zu glätten. Das ist ein Fortschritt gegenüber der Istkostenrechnung: Ein Vergleich „Ist gegen Normal" zeigt erste Über-/Unterdeckungen und filtert grobe Zufallsschwankungen heraus. Der entscheidende Nachteil bleibt aber: Die Normalwerte sind immer noch aus der Vergangenheit abgeleitet — sie sagen nichts darüber, was die Kosten unter wirtschaftlich richtigem Verhalten hätten kosten SOLLEN, sondern nur, was sie im Schnitt bisher gekostet haben. Ineffizienzen, die sich über mehrere Perioden eingeschlichen haben, werden in den Durchschnitt „eingebacken" und dadurch nicht aufgedeckt.
Plankostenrechnung — echter Sollmaßstab, ermöglicht Wirtschaftlichkeitskontrolle. Hier wird vor der Periode ein Sollwert (Planwert) auf Basis dessen festgelegt, was die Kosten bei wirtschaftlichem Verhalten kosten sollten — unabhängig von der Kostenhistorie. Erst dieser echte Vorab-Maßstab erlaubt einen Soll-Ist-Vergleich mit Abweichungsanalyse (Aufspaltung in Verbrauchsabweichung = echte Mehr-/Minderkosten, und Beschäftigungsabweichung = reiner Auslastungseffekt). Damit liefert nur die Plankostenrechnung ein Instrument zur aktiven Steuerung und Kontrolle, nicht nur zur nachträglichen Dokumentation.
Fazit / Rangfolge: Ist (reine Dokumentation, keine Kontrolle) < Normal (geglättete Vergangenheit, grobe Vergleichsbasis) < Plan (zukunftsorientierter Sollmaßstab, einzige Basis für eine echte Wirtschaftlichkeitskontrolle mit Abweichungsanalyse).
Doppik — doppelte Buchführung und die zwei Wege der Gewinnermittlung
Aufgabe #020 · 🟩 Doppik erklären · Übung im Rohleder-Stil · von Rohleder REAL geprüft (FINA-Klausur 06.08.2026 — Nachbarfach-Griff!)a) Was bedeutet „Doppik" und was ist daran doppelt? b) Erläutern Sie die zwei Wege der Gewinnermittlung. c) Grenzen Sie Doppik und Kameralistik ab — warum stellen Kommunen um?
a) Das Kunstwort: Doppik = Doppelte Buchführung in Konten. „Doppelt" steckt zweimal drin: Jeder Geschäftsvorfall wird auf zwei Konten gebucht („Soll an Haben" — das System kontrolliert sich selbst, die Summen müssen aufgehen), und der Erfolg wird auf zwei unabhängigen Wegen ermittelt.
b) Die zwei Wege der Gewinnermittlung — müssen zwingend zum selben Ergebnis führen:
Weg
Rechnung
Was er zeigt
Betriebsvermögensvergleich (Bilanz)
EK Ende − EK Anfang + Entnahmen − Einlagen
dass und wie viel Gewinn entstand
GuV (Erfolgsrechnung)
Erträge − Aufwendungen
warum — welche Vorgänge den Erfolg erklärten
Die eingebaute Gegenprobe ist der Kern: Die Bilanz misst die Vermögensänderung an zwei Stichtagen, die GuV erklärt sie aus den Strömungsgrößen — Abweichung heißt Buchungsfehler.
c) Doppik vs. Kameralistik (öffentlicher Sektor): Die Kameralistik ist eine reine Einzahlungs-/Auszahlungsrechnung (Haushaltsbuch) — kein Vermögen, keine Abschreibungen, keine Rückstellungen. Eine verrottende Brücke taucht kameralistisch nirgends auf; doppisch erzeugt sie jährlich Abschreibungsaufwand. Die Umstellung der Kommunen auf Doppik zwingt zur Abbildung des echten Ressourcenverbrauchs (inkl. Pensionsrückstellungen) und gilt deshalb als generationengerechter.
⟨Gegenrichtung, vorbereiten⟩ „Welche Nachteile hat die Doppik-Umstellung?" → hoher Umstellungsaufwand (Vermögenserfassung/Eröffnungsbilanz), Bewertungsspielräume beim kommunalen Vermögen (was ist ein Rathaus „wert"?), Schulungsbedarf, und die Steuerungswirkung bleibt aus, wenn die doppischen Zahlen politisch nicht genutzt werden.
🎥 Video-Musterlösungen (Rohleders Bewertungsschemas aus den Screencasts)
Was das ist: Rohleder geht in seinen Screencasts (OLAT-Blog / Panopto) Musterlösungen punktgenau durch — jede blaue Phrase = 1 Punkt, rot = Kern-Argument. Diese Vorlagen zeigen dir exakt, wofür es Punkte gibt. Direkt aus den Video-Folien übernommen.
Digitalisierung / „Kostenrechnung 4.0“ — Excel-Dilemma (zentrale IT vs. dezentrales Excel)
Aufgabe (Kern): „…das grundsätzliche Dilemma, in dem viele Verwaltungen (Unternehmen wie öffentliche Hand) bzgl. der digitalen Datenverarbeitung im Rahmen ihres Tagesgeschäfts stecken. Gehen Sie auch auf Chancen und Risiken der Arbeit mit Excel ein.“
Inhaltliche Erwartung — Rohleders Musterlösung
⚠️ Hinweis zur Zählweise (Konsistenz-Fix): Die Klammer-Punkte hinter den einzelnen Phrasen unten sind Stichwort-Marker aus der Musterlösungs-Folie — sie zeigen, welche Formulierungen bepunktbar sind, summieren sich aber bewusst auf mehr als 10 (~25 P. gezählt). Das ist kein Rechenfehler in der Aufgabe selbst, sondern eine Eigenheit der Folie: sie listet mehr mögliche Stichworte auf, als am Ende zählen. Real vergeben wird ausschließlich nach dem D/T/R/C-Raster weiter unten — 10 P. gesamt, gedeckelt pro Buchstabe (Strichlisten-Mechanik: ist ein Buchstabe voll, bringen weitere Phrasen dazu nichts mehr). Die Klammer-Punkte hier also als „das gehört inhaltlich rein" lesen, nicht als „das gibt es alles einzeln oben drauf".
Grundsätzlich effektiv wäre eine zentrale(1 P.) und vollintegrierte Datenverarbeitung(1 P.), quasi eine große relationale Datenbank(1 P.), die redundanzfrei, vollständig und aktuell(1 P.)alle Bestands- und Bewegungsdaten(1 P.) sowie die Prozesse(1 P.) zu ihrer Veränderung enthält.
Diese zentrale Datenhaltung hat aber auch handfeste Nachteile(1 P.): sehr teuer(1 P.), schwerfällig in der Anpassung(1 P.) und damit der VUCA-Welt nicht gewachsen(1 P.), große Angriffsfläche für Hacker(1 P.), gravierende Probleme bei Downzeiten(1 P.). → Die Ineffizienz der Anpassung führt zur Ineffektivität der Lösungsbeiträge(2 P., Kern-Argument).
Dementsprechend wird sehr häufig eine „Parallelwelt“ mit Excel(1 P.) aufgebaut, um tagesgeschäftliche Aufgaben überhaupt bewältigen zu können(1 P.). Diese schafft zwar ein hohes Maß an Flexibilität(1 P.), weil jede/r Mitarbeitende(1 P.) dezentral, also unabhängig von einer zentralen IT(1 P.)ihre Probleme lösen(1 P.) kann — dafür entstehen aber Qualitäts- und Sicherheitsprobleme(1 P.), z. B.:
beim Datenschutz(1 P.),
der Datensicherheit(1 P.),
der Datenentropie(1 P. = Datenaktualität und -vollständigkeit) etc.
Selbst eigenständige Programmierung(1 P.) ist möglich (VBA, JS, Python).
Aus dem Video-Screencast („Virtuelle Einsichtnahme“ / QUBA-Klausur SoSe 23, Backstage-Führung): Rohleder zeigt hier, wie er genau diese Aufgabe korrigiert. Wörtlich: „An den Rand der Klausur schreibe ich dann für mich diese Buchstaben D, T, R und C dran und mache da eine Strichliste, wie viele Punkte ich darauf vergebe.“ → Damit sind die im alten Raster offenen Buchstaben aufgelöst: R = Risiken, C = Chancen (jeweils der Arbeit mit Excel).
Buchstabe
Kriterium
max. P.
D
Dilemma: das grundsätzliche Dilemma der digitalen Datenverarbeitung erkennen (Abhängigkeit von IT vs. Ausfall/Angriff; zentraler Monolith/Legacy-IT vs. dezentrales Excel)
2
T
Tagesgeschäft: was das operative Tagesgeschäft von Verwaltungen kennzeichnet (privatwirtschaftlich wie öffentlich-rechtlich) — NICHT Projekte/Sonderfälle; Dynamik, VUCA
2 (Rekonstruktion)
R
Risiken der Arbeit mit Excel (Sicherheit, Datenintegrität, Skalierbarkeit, fehlende Governance/Datenschutz)
3 (Rekonstruktion, s. u.)
C
Chancen der Arbeit mit Excel (Verfügbarkeit/Unabhängigkeit, niedrige Einstiegshürde, Flexibilität)
3 (Rekonstruktion, s. u.)
Summe
10
Aufgaben-Kontext (aus dem Screencast, wörtlich): „Der Landkreis im Südwesten wurde Opfer einer Ransomware-Attacke. Die Serveranwendungen standen über einen längeren Zeitraum nicht zur Verfügung. Erläutern Sie das grundsätzliche Dilemma, in dem viele Verwaltungen, egal ob in Unternehmen oder der öffentlichen Hand, in Bezug auf die digitale Datenverarbeitung im Rahmen ihres Tagesgeschäfts stecken. Gehen Sie dazu auch auf die Chancen und Risiken der Arbeit mit Excel ein.“ (Der Ransomware-Satz ist reines „Setting the Stage“ — die eigentliche Aufgabe beginnt erst beim Dilemma.)
Merke (typisch Rohleder, aus dem Screencast bestätigt):
Er bewertet phrasengenau — schreib die Fachbegriffe hin (redundanzfrei, VUCA, Datenentropie, relationale Datenbank). „Die Fachbegriffe sind natürlich gern genommen, sind relativ leichte Punkte.“
Einlesezeit ist mitbepunktet — Rohpunkte = vorgesehene Minuten (10 P = 10 Min); jede Aufgabe darf man zweimal lesen. Beim zweiten Mal die Substantive/Normen unterstreichen.
Haken-System am Rand: Haken = Punkt · Haken in Klammern = Ermessens-/Geschenkpunkt · Dreieck nach unten = nicht bepunktet.
Lösungen eindeutig dem Aufgabenteil zuordnen; Fortsetzungen an anderer Stelle kenntlich machen — sonst wird es übersehen. Bei „zu A und B gleichzeitig“ wird B gestrichen, nur A gewertet.
⚠️ Ehrlichkeits-Hinweis zur „inhaltlichen Erwartung“ oben: Die detaillierte Musterlösung mit relationale Datenbank / redundanzfrei-vollständig-aktuell / VUCA / Datenentropie / „Parallelwelt Excel“ / „Ineffizienz der Anpassung → Ineffektivität der Lösungsbeiträge“ wird im Screencast nicht vorgelesen — Rohleder blendet die inhaltliche Erwartung bewusst aus („Das ist Payload. Da möchte ich jetzt gar nicht näher drauf eingehen … ich schreibe da fachlich auf anderem Niveau rein, als Sie das müssten, um die Punkte zu kriegen“). Diese Fachbegriffe stammen also aus der Musterlösungs-Folie/Payload, nicht aus dem gesprochenen Screencast. Der Screencast liefert das Bewertungs-Raster (D/T/R/C + Mechanik), nicht die Inhalts-Payload.
Nicht verwechseln — „das dreifache Silo“: In Rohleders Screencast „Das dreifache Silo“ meint dieser Begriff etwas anderes als die IT-Monolith-vs-Excel-Frage. Dort ist das „dreifache Silo“ die organisatorische Zusammenarbeits-Blockade aus (1) funktionalem Silo (Einkauf/Produktion/Verkauf reden nicht miteinander — Folge der Arbeitsteilung, Taylor), (2) hierarchischem Silo (Stufe 3 spricht nur mit Stufe 3 oder höher, nicht quer/tiefer) und (3) zeitlichem Silo (Time-Lag: Ursache und Wirkung fallen auseinander, Kurzfristorientierung, „der Nachfolger trägt den Schaden“). Rohleders Lösungsansatz dort: konsequentes Geschäftsprozessmanagement / Kunde-zu-Kunde-Prozesse statt Funktionsorientierung — „der Beton ist in den Köpfen“. Das gehört thematisch NICHT ins Excel-Dilemma-Raster, sondern ist ein eigenständiges Rohleder-Konzept (relevant eher für Organisations-/Prozessfragen).
Fach: Internes Rechnungswesen / Kosten- und Leistungsrechnung (KOLE) — Prof. Rohleder, TH Bingen Themen: (A) Mehrstufige Divisionskalkulation · (B) Mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung & Produktionsprogramm · (C) BAB im Stufenleiterverfahren
Fach: Internes Rechnungswesen / Kosten- und Leistungsrechnung (KOLE/INRE) — Prof. Rohleder, TH Bingen
Zwischenwerte ungerundet weiterrechnen, erst am Ende auf 2 Nachkommastellen runden.
Fach: Internes Rechnungswesen / Kosten- und Leistungsrechnung (KOLE) — Prof. Rohleder, TH Bingen Zweck: Die examinierbaren Verfahren aus Rohleders Einheiten, die in den Altklausuren (noch) nicht vorkamen — hier neu gestellt und Schritt für Schritt durchgerechnet. Jede Aufgabe im Dual-Format: ⚡ Kurzform (Kochrezept zum Selbst-Formulieren) + 📝 volle Lösung.
Status: Prüfungsrealistische Werte mit glatten Endergebnissen als Rechenprobe. Rundung 2 NKS, Formelzeichen als Text.
Ergänzt die vorhandenen durchgerechneten Verfahren (Zuschlags-, Divisions-, DBR, BAB-Stufenleiter, Kostenauflösung, flexible Plankostenrechnung) um die selteneren Klausur-Kandidaten.
🎤 Rohleders Hinweise zu diesem Thema
Zweckorientierung der Rechnungssysteme (Vorlesung)
Klausurhinweise
„Ich werde Ihnen Fachbegriffe abnötigen in der Klausur. Die müssen Sie einfach drauf haben." — exakte Fachterminologie wird aktiv/gezielt abgefragt, nicht nur passiv im Fließtext erwartet.
Weitere „falsche Freunde", die er explizit als Klausur-Fallen nennt (neben Controlling → siehe ⚠️ Teuerste Fehler #5): „Chef" (US-Koch, nicht Vorgesetzter), „Handy"/„Beamer" (gibt es im Englischen nicht), „Jour Fixe" (kein französisches Original).
Strategisch/operativ ≠ langfristig/kurzfristig — „sehr weit verbreitetes Missverständnis, das nicht totzukriegen ist." Richtig: strategisch = Potenziale schaffen, operativ = Potenziale nutzen.
Fachliche Klarstellungen
Fünf Rechnungen des betriebswirtschaftlichen Rechnungswesens im Überblick, explizit gegeneinander abgegrenzt: Investitionsrechnung (Potenziale schaffen), KLR (Kerngeschäft/heute verdienen), Bilanz+GuV (externes RW/Unternehmensebene), Finanzrechnung (Kapitalbedarf), Finanzierungsrechnung (Kapitalherkunft).
Betrieb-Definition wortwörtlich verlangt: „Organisationseinheit im Unternehmen, die sachzielorientierte Handlungen ausführt"; Leistung = dadurch erzielter Wertzuwachs; Betriebszweck = Sachziel = Kerngeschäft, steht im Handelsregister als „Gegenstand des Unternehmens".
Wirtschaftlichkeit/Effizienz soll man notfalls ganz einfach erklären können: „nichts verschwenden" (Bosch-Büroklammer-Anekdote) — auch laienhaft runterbrechen können, nicht nur formal als „Verhältnis Leistung/Kosten".
Minimum-Prinzip und Maximum-Prinzip sind die zwei Ausprägungen des ökonomischen Prinzips — nie gleichzeitig verfolgbar, eine Variable ist immer fix.
Abschreibung/kalkulatorische Abschreibung mit Wiederbeschaffungswerten statt historischer Anschaffungsausgabe — Kernthema, mehrfach wiederholt. Grund: Rücklage für künftige teurere Ersatzbeschaffung bilden.
Merksätze
„Billig einkaufen, teuer verkaufen." (Kern der BWL)
„Heute verdienen und morgen verdienen" — die einzigen zwei Ziele wirtschaftlichen Handelns.
Wirtschaftlichkeit = „nichts verschwenden — kein Geld, keine Zeit, kein Material".
Übung
Klausurhinweise
70 %-Durchfallquote durch KI-Vorbereitung → siehe ⚠️ Teuerste Fehler #2.
„Einer der Gründe, warum die ChatGPT-Lösungen so dramatisch gefloppt sind, ist, dass ChatGPT es nicht nötig hat, auf die eigentliche Aufgabenstellung einzugehen." — bewertet wird, ob genau das Gefragte beantwortet wurde, nicht generisches Wissen.
Zu einer sehr ausführlichen Musterantwort: „Das ist jetzt eher eine neun Punkte Antwort auf eine sechs Punkte Aufgabe." — Antwortlänge soll sich am Punktwert orientieren.
Bewertungserwartung
Definitionen müssen nicht wortgleich mit seiner Formulierung sein, aber „Substanz" haben — die fachlich erforderlichen Details müssen inhaltlich vorkommen.
Bei Aufgaben mit vorgegebener Struktur (z. B. „nennen Sie X Rechengrößen") zählt exakt das Gefragte.
Aufgabentyp „Nennen Sie vier periodisierte Rechengrößen des Rechnungswesens" ist eine Falle: Einzahlungen/Auszahlungen zählen NICHT, weil sie gerade nicht periodisiert sind. Richtige vier: Aufwand, Ertrag, Kosten, Leistung.
Effektivität vs. Effizienz wird ständig verwechselt: Effektivität = Zielerreichungsgrad/Wirksamkeit einer Maßnahme (Investitionsrechnung zielt darauf ab); Effizienz = Wirtschaftlichkeit/nichts verschwenden (KLR zielt darauf ab).
Sprachfalle „Preise kalkulieren": man kann keine Preise kalkulieren, nur Preisuntergrenzen/-vorstellungen — Preise entstehen durch Angebot und Nachfrage am Markt.
Periodisierung (wortwörtliche Definition): „Zuordnung von Erfolgsgrößen auf Teilperioden" — notwendig aus zwei Gründen: gesetzlich (§240 HGB, Finanzamt will max. 1 Jahr warten) und unternehmerisches Interesse an kurzfristigen Steuerungsinfos/Periodenvergleichen.
Kontierung = „Festlegen eines Buchungssatzes zur Vorbereitung der Buchung von Geschäftsfällen" — bereits hier wird die Weiche Einzelkosten/Gemeinkosten gestellt, abhängig vom Kontenplan/der Kontierungsrichtlinie.
Durchgerechnetes Beispiel (Stuhl): Kunststoffgranulat = Einzelkosten (geht 1:1 ins Produkt); Strom = klassisches Gemeinkosten-Beispiel.
Kostenstellenrechnung als „Verrechnungsbahnhof" für alles, was nicht direkt zurechenbar ist — Beispiel Heizkosten-Verteilschlüssel (Fläche vs. Kubikmeter): „Ende vom Lied ist immer, dass das zuständige Management sagt: Ende der Diskussion." Kein Schlüssel ist „richtig", nur mehr oder weniger plausibel.
Maschinenstundensatzkalkulation als Kostenstellen-Beispiel; bei Dienstleistungen wird stattdessen meist über die Zeit (Stundensatz) kalkuliert, da Personalkosten oft 80–90 % Erklärungswert haben.
Drei Zwecke des Rechnungswesens: Dokumentation (gesetzlich), Steuerung (Soll-Ist-Vergleiche), Planung.
Merksätze
„There is no silver bullet" — Vorsicht vor allzu universellen Lösungen.
„Garbage in, garbage out" (zur Qualität der Kontierung)
„Planung ersetzt den Zufall durch den Irrtum."
Rechengrößen/Fonds-Systematik (Vorlesung)
Klausurhinweise
„Mit dieser einen Folie, wenn Sie die dabei haben, auch für die Klausur, dann ist sehr viel erreicht." — die Folie mit den vier Fonds/fünf Teilrechnungen (liquide Mittel → Geldvermögen → Reinvermögen, Einzahlung/Auszahlung, Einnahme/Ausgabe, Ertrag/Aufwand, Leistung/Kosten) ist DIE zentrale Open-Book-Gedächtnisstütze für dieses Thema — griffbereit mitnehmen.
Bewertungserwartung
Ziel: „sattelfest sein in der Erfolgsermittlung in zwei oder drei Sichtweisen" — Finanzamt-Brille (Aufwand/Ertrag), Kerngeschäfts-Brille (Kosten/Leistung), Liquiditäts-Brille (Ein-/Auszahlung) müssen sauber auseinandergehalten werden.
Typische Fehler / Fallen
Richtung von „Abgang kurzfristiger Forderungen" vs. „Zugang kurzfristiger Verbindlichkeiten" bei der Ausgaben-Definition ist erfahrungsgemäß verwirrend — selbst er musste live nachdenken. Eselsbrücke: Bilanz als T-Konto/gefüllte Gefäße denken — wird eine Verbindlichkeit beglichen, sinken liquide Mittel UND Verbindlichkeiten gleichzeitig (Fonds wird „flacher"); wird eine Forderung beglichen, sinkt sie und liquide Mittel steigen (Fonds-Saldo bleibt gleich).
Kosten ohne Aufwand: kalkulatorische Kosten mit Wiederbeschaffungswerten
Spiegelbildlich Ertragsseite: Einnahme ohne Ertrag = Maschinenverkauf zum Buchwert (reiner Aktivtausch); Ertrag ohne Einnahme = selbst erstellte Maschine wird aktiviert; Ertrag ohne Leistung = Vermietung Werkswohnungen (betriebsfremd)
§255 HGB vermischt die Begriffe selbst („Anschaffungskosten sind die Aufwendungen…") — vom Dozenten explizit kritisierter Widerspruch im Gesetz, nicht als Vorbild für die KLR-Terminologie nehmen. „Anschaffungskosten" als Begriff „dürfte es eigentlich gar nicht geben" (siehe auch U07: falscher Begriff bei Investitionsgütern).
Fachliche Klarstellungen
Vier-Fonds-Hierarchie: liquide Mittel (Bargeld + Sichteinlagen) ⊂ Geldvermögen (zusätzlich kurzfr. Forderungen/Verbindlichkeiten) ⊂ Reinvermögen (zusätzlich Sachvermögen) — davon abgegrenzt: betriebsnotwendiges vs. neutrales Vermögen (z. B. Aktien-Depot bei einem Maschinenbaubetrieb, Werkswohnungen einer Beratung).
Wortwörtlich verlangte Definitionen: Ausgabe = „Wert der in einer Periode beschafften Güter/DL"; Aufwand = bewerteter Verzehr (nicht Beschaffung) von Gütern/DL; Kosten = betriebsbedingter bewerteter Verzehr; Gewinn (vorsteuer) = Ertrag − Aufwand, Jahresüberschuss = nachsteuer; Betriebsergebnis = Leistung − Kosten.
Praxisargument: Einmaleffekte (z. B. Immobilienverkauf) können den Jahresüberschuss aufhübschen, obwohl das Kerngeschäft Verluste macht — deshalb braucht man das separate Betriebsergebnis der KLR.
Drei-Weichen-Test, ob Aufwand zu Kosten wird (alle drei müssen zutreffen): (1) betriebsbedingt? (2) periodenrichtig (nicht periodenfremd)? (3) ordentlich (nicht außerordentlich)? — „betriebsbedingt" wird sehr weit ausgelegt (komplette Verwaltung, EDV, Managementgehälter, Kantine, Betriebskita zählen alle dazu).
Außerordentliche Verluste (Brand, Staplerunfall) = unternehmerisches Risiko, werden NICHT in die Preiskalkulation/Preisuntergrenze eingerechnet — außer man kalkuliert bewusst einen Risikozuschlag ein und der Markt zahlt ihn.
Übung: Grundbegriffe
Klausurhinweise
Ganze Sätze bei Begründungen → siehe 📋 Modalitäten.
„Der wer schreibt, der bleibt." — bewertet wird strikt das, was dasteht, nicht das, was vermutlich gemeint war. Bei nötigen Annahmen (z. B. welche Zahlungsart) muss die Annahme explizit hingeschrieben werden.
Bewertungserwartung
Halbe-Punkte-Beispiel: Antwort „Auszahlung=Ausgabe: Kauf von Ausstattungsmaterial" bekäme nur die halbe Punktzahl, weil ein reiner Kauf nichts über die Zahlungsweise aussagt. Wer sicher gehen will: „Kauf auf Bar"/„mit sofortiger Bezahlung" hinschreiben.
Terminologie ist flexibel (z. B. Gewinn/Betriebsergebnis, Selbstkosten/Vollkosten austauschbar), solange inhaltlich richtig — außer im festen Kalkulationsschema.
Typische Fehler / Fallen
Ausstattungsmaterial-Falle: „Kauf von X" ohne Zahlungsart-Angabe wird oft fälschlich direkt als Auszahlung=Ausgabe gewertet — Kreditkauf ist der praxisübliche Regelfall, nicht die Ausnahme.
Gewerbesteuernachzahlung fürs Vorjahr: Ausgabe ja, Aufwand ja, aber keine Kosten — periodenfremd.
Kalkulatorisch/außerplanmäßig: Merksatz „nach dem zweiten Wort aufhören" — sobald „kalkulatorisch" oder „außerplanmäßig" im Text steht, ist sofort klar: keine Auszahlung, keine Ausgabe (kein Geldfluss).
Bar-Begleichung einer Lieferantenverbindlichkeit: ist NUR Auszahlung, KEINE Ausgabe (die Ausgabe war schon beim Zielkauf entstanden) — Standard-Klausurfalle.
„Kosten = bewertete leistungsbezogene Gütererstellung" ist FALSCH — Kosten = Güterverzehr, nicht -erstellung (Verwechslung mit dem Leistungsbegriff).
Liquiditäts-Rechenregel: „Bestand am Periodenende = Cashflow der Periode + Anfangsbestand" ist RICHTIG. „Differenz aus Ein- und Auszahlungen entspricht STETS dem Bestand am Periodenende" ist FALSCH — der Anfangsbestand fehlt.
Dividendenzahlung an Anteilseigner = Einzahlung? — aus Unternehmenssicht FALSCH (ist eine Auszahlung fürs Unternehmen). Merke: in der Klausur wird immer aus Unternehmenssicht gefragt.
Kundenanzahlung in bar für noch nicht erbrachte Leistung = Einzahlung, aber keine Einnahme (Grundgeschäft noch nicht zustande gekommen).
Offene Unsicherheit (von Rohleder selbst benannt): Beispiel 11 („Ertrag ohne Einnahme" — Produktion auf Lager) und Beispiel 17 (Deklinationsübung) stehen laut ihm in einem gewissen Spannungsverhältnis zur Frage, wann genau Ertrag/Leistung bei Lagerproduktion realisiert wird (bei Produktion vs. erst bei Bewertung/Verkauf). Er wollte das nachschauen — in den Transkripten nicht mehr aufgelöst. Tendenz: Ertrag/Leistung bei Eigenfertigung fürs Lager entsteht eher bei Bewertung/Verkauf, nicht schon bei reiner Produktion — aber für ihn selbst noch nicht 100 % sauber. Für die Klausur: Argumentation explizit machen statt sich auf eine Standardregel zu verlassen.
Fachliche Klarstellungen
Spende ist nur dann Aufwand, wenn sie an eine anerkannt gemeinnützige Organisation geht (Finanzamt-Bescheinigung) — pauschal „Spende" reicht als Begründung nicht.
Kalkulatorische Miete = Opportunitätskosten der Nutzung eigener Räume. Persönliche Merkhilfe des Dozenten: Opportunitätskosten = entgangene Miete + entgangene Kapitalanlage-Rendite + entgangenes Gehalt in Anstellung.
Gewinn ist ein „schillernder Begriff" mit mind. 4 Bedeutungsebenen: Unternehmens-/Betriebsebene, Vorsteuer-/Nachsteuergröße. Ausschüttungssperre gilt bis Jahresüberschuss (nach Steuern) ermittelt ist.
Darlehen an Prokurist(in): kein Aufwand/keine Kosten, weil kein Vermögensverzehr stattfindet UND (sofern das Unternehmen keine Bank ist) Darlehensvergabe nicht zum Betriebszweck gehört. Regel: „wenn ich keine Bank bin, dann nicht [Kosten]".
Prokura: sehr weitreichende Vertretungsvollmacht, Grenzen nur bei Unternehmensveräußerung und Änderung des Geschäftszwecks; eintragungspflichtig im Handelsregister.
Merksätze
„Den Tod sind wir schon gestorben" — für Abschreibungen: Auszahlung/Ausgabe liegen in der Vergangenheit, jetzt läuft nur noch der Wertverzehr.
📋 Gelöste Aufgaben — nach Thema gegliedert
Theorie & Fachbegriffe / Systematik des Rechnungswesens
Differenzierung des Rechnungswesens - Notwendigkeit
Aufgabe #021 · 6 P. · Aufgabe | 6 P. | #1aWieso ist eine Differenzierung des Rechnungswesens in die drei Teilgebiete internes Rechnungswesen, externes Rechnungswesen und Investitionsrechnung notwendig?
Kernbegründung: Die drei Teilgebiete richten sich an unterschiedliche Adressaten, verfolgen unterschiedliche Zwecke, unterliegen unterschiedlichen Rechtsrahmen und decken unterschiedliche Zeithorizonte ab. Ein einziges, einheitliches Rechenwerk könnte diese gegensätzlichen Anforderungen nicht gleichzeitig erfüllen - deshalb ist die Aufteilung notwendig.
Internes Rechnungswesen (Kosten- und Leistungsrechnung, Controlling):
Adressaten: die Unternehmensleitung selbst.
Zweck: Planung, Steuerung und Kontrolle des Betriebs, Vorbereitung von Entscheidungen (z. B. Kalkulation, Preisuntergrenzen).
Rechtsrahmen: gesetzlich nicht vorgeschrieben, frei nach betrieblichem Bedarf gestaltbar.
Zeithorizont: kurzfristig und ebenfalls periodenbezogen, jedoch auf den eigentlichen Betriebszweck gefiltert.
Investitionsrechnung:
Betrachtungsobjekt: das einzelne Investitionsvorhaben, nicht das Gesamtunternehmen einer Periode.
Zweck: Beurteilung der Vorteilhaftigkeit einzelner Investitionen (Soll investiert werden? Welche Alternative? Rangfolge?).
Zeithorizont: mehrperiodig, über die gesamte Nutzungsdauer des Objekts.
Fazit: Weil sich Adressatenkreis, Erkenntnisziel, gesetzliche Bindung und Zeithorizont der drei Bereiche grundlegend unterscheiden, müssen sie als eigenständige Teilgebiete geführt werden. Eine Vermengung würde entweder gegen gesetzliche Vorgaben verstoßen oder die Steuerungs- bzw. Investitionsentscheidung mit ungeeigneten Zahlen belasten.
Rechengroessen der drei Teilgebiete
Aufgabe #022 · 3 P. · Aufgabe | 3 P. | #1bMit welchen Rechengrößen wird jeweils gearbeitet?
Jedes Teilgebiet arbeitet mit dem Rechengrößenpaar, das zu seiner Betrachtungsebene passt:
Teilgebiet
Rechengrößen
Externes Rechnungswesen
Aufwand und Ertrag (Ebene des Gesamt- bzw. Reinvermögens)
Internes Rechnungswesen
Kosten und Leistungen (Erlöse) (Ebene der betrieblichen Leistungserstellung)
Investitionsrechnung
Einzahlungen und Auszahlungen (reine Zahlungsebene)
Kurzbegründung: Das externe Rechnungswesen misst die Veränderung des Reinvermögens über Aufwand und Ertrag. Das interne Rechnungswesen grenzt daraus den eigentlichen Betriebszweck ab und rechnet mit Kosten und Leistungen. Die Investitionsrechnung braucht periodenübergreifend vergleichbare und abzinsbare Größen und stützt sich deshalb auf tatsächliche Ein- und Auszahlungen.
Gebiete des Rechnungswesens
Betrachtungsgegenstand der Investitionsrechnung
Aufgabe #023 · 6 P. · Aufgabe | 6 P. | #2aWelchen Betrachtungsgegenstand hat die Investitionsrechnung? Erläutern Sie ausführlich.
Betrachtungsgegenstand: Die Investitionsrechnung untersucht das einzelne Investitionsvorhaben und dessen Wirtschaftlichkeit über die gesamte Nutzungs- bzw. Lebensdauer. Anders als das interne und externe Rechnungswesen, die das Gesamtunternehmen in einer abgegrenzten Periode betrachten, ist die Investitionsrechnung objektbezogen und mehrperiodig.
Was eine Investition kennzeichnet: Eine Investition bedeutet, heute Kapital zu binden (Auszahlung), um daraus in künftigen Perioden Rückflüsse zu erzielen. Charakteristisch sind die langfristige Kapitalbindung und der zeitliche Auseinanderfall von Ausgabe und erwartetem Nutzen.
Erkenntnisziel: Die Rechnung soll die Vorteilhaftigkeit eines Vorhabens beurteilen. Typische Fragestellungen:
Soll die Investition überhaupt durchgeführt werden (absolute Vorteilhaftigkeit)?
Welche von mehreren Alternativen ist die beste (relative Vorteilhaftigkeit, Rangfolge)?
Wann ist der wirtschaftlich richtige Ersatzzeitpunkt?
Abgrenzung: Der Bezugspunkt ist das Projekt über seine Lebensdauer, nicht die Rechnungsperiode. Damit ordnet sich die Investitionsrechnung dem langfristigen, strategischen Entscheidungsbereich zu.
Dynamische Verfahren: Kapitalwertmethode, interner Zinsfuß, Annuitätenmethode - sie beziehen den Zeitwert des Geldes über Auf- und Abzinsung ein.
Rechengroessen der Investitionsrechnung und Begruendung
Aufgabe #024 · 4 P. · Aufgabe | 4 P. | #2bMit welchen Rechengrößen arbeitet sie? Warum ist das so?
Rechengrößen: Die Investitionsrechnung arbeitet mit Ein- und Auszahlungen (Zahlungsströmen / Cashflows).
Warum gerade diese Größen:
Mehrperiodigkeit und Zeitwert des Geldes: Da ein Vorhaben über mehrere Jahre beurteilt wird, müssen Zahlungen unterschiedlicher Zeitpunkte vergleichbar gemacht werden. Nur tatsächliche Zahlungen lassen sich sinnvoll auf- und abzinsen und zu einem Barwert bzw. Kapitalwert verdichten.
Objektivität und eindeutige Zurechenbarkeit: Zahlungen sind eindeutig feststellbar und dem Objekt direkt zurechenbar. Sie enthalten keine Bewertungs- oder Verteilungsspielräume.
Verzerrung durch periodisierte Größen: Aufwendungen bzw. Kosten enthalten periodisierte Bestandteile wie Abschreibungen oder Rückstellungen. Diese verteilen einmalige Zahlungen rechnerisch über mehrere Perioden und geben die tatsächliche Kapitalbindung und deren zeitlichen Anfall nicht korrekt wieder. Eine Abschreibung ist keine Zahlung und würde die Investitionsentscheidung verfälschen.
Fazit: Weil es auf die tatsächliche, zeitpunktgenaue Kapitalbindung und deren Verzinsung ankommt, sind allein Ein- und Auszahlungen die geeignete Grundlage der Investitionsrechnung.
Begriff der Periodisierung
Aufgabe #025 · 2 P. · Aufgabe | 2 P. | #3aWas versteht man unter Periodisierung?
Periodisierung bezeichnet die Zuordnung von Geschäftsvorfällen bzw. Rechengrößen zu derjenigen Periode, zu der sie wirtschaftlich gehören - also nach dem Zeitraum ihrer Verursachung, unabhängig davon, wann die zugehörige Zahlung fließt. Einmalige oder zeitlich verschobene Zahlungen werden dabei auf die Perioden ihrer wirtschaftlichen Zugehörigkeit verteilt (Prinzip der zeitlichen und sachlichen Abgrenzung).
Notwendigkeit der Periodisierung
Aufgabe #026 · 6 P. · Aufgabe | 6 P. | #3bWarum ist sie notwendig? Erläutern Sie!
Die Periodisierung ist notwendig, um den Periodenerfolg richtig zu ermitteln. Würde man den Erfolg allein an den Zahlungen einer Periode messen, ergäbe sich ein stark schwankendes und verzerrtes Bild, weil Zahlungszeitpunkt und wirtschaftliche Verursachung häufig auseinanderfallen.
Kerngedanke: Aufwendungen und Erträge müssen der Periode zugerechnet werden, in der sie verursacht wurden bzw. in der ihnen die entsprechende Leistung gegenübersteht (Grundsatz der sachlichen und zeitlichen Abgrenzung, Matching).
Warum das Auseinanderfallen ein Problem ist - Beispiele:
Der Kauf einer Maschine verursacht eine einmalige Auszahlung, der Nutzen entsteht aber über die gesamte Nutzungsdauer. Die Abschreibung verteilt die Anschaffung verursachungsgerecht auf die Nutzungsjahre.
Vorauszahlungen (z. B. Miete/Versicherung für das Folgejahr) werden über Rechnungsabgrenzungsposten der richtigen Periode zugeordnet.
Rückstellungen ordnen künftige Zahlungen der Periode ihrer Verursachung zu.
Bestandsveränderungen unfertiger/fertiger Erzeugnisse korrigieren den Erfolg auf die tatsächliche Leistungserstellung.
Folgen ohne Periodisierung: Der ausgewiesene Erfolg hinge nur vom Zahlungsrhythmus ab, wäre zwischen Perioden nicht vergleichbar und als Grundlage für Ausschüttung, Besteuerung und Steuerung unbrauchbar.
Fazit: Erst die Periodisierung erlaubt eine verursachungsgerechte, periodengerechte und damit vergleichbare Erfolgsermittlung.
Vier periodisierte Rechengroessen
Aufgabe #027 · 2 P. · Aufgabe | 2 P. | #3cNennen Sie vier periodisierte Rechengrößen des Rechnungswesens!
Vier periodisierte (periodenbezogene) Rechengrößen sind:
Aufwand
Ertrag
Kosten
Leistung (Erlös)
Diese Größen werden der Periode ihrer wirtschaftlichen Verursachung zugeordnet. Zum Kontrast: Ein- und Auszahlungen sind reine Zahlungsgrößen und gerade nicht periodisiert.
Zwecke des betriebswirtschaftlichen Rechnungswesens
Aufgabe #031 · Aufgabe | #6aWelche Zwecke verfolgt das betriebswirtschaftliche Rechnungswesen? Erläutern Sie in eigenen Worten.
Das betriebswirtschaftliche Rechnungswesen verfolgt mehrere, sich ergänzende Zwecke:
1. Dokumentation
Lückenlose und geordnete Aufzeichnung aller Geschäftsvorfälle auf Basis von Belegen. Sie schafft die nachprüfbare Datengrundlage und erfüllt zugleich gesetzliche Aufzeichnungspflichten (ordnungsmäßige Buchführung).
2. Rechenschaftslegung und Information
Information der internen und externen Adressaten über die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage. Extern gegenüber Gläubigern, Anteilseignern und Finanzamt (Rechenschaft), intern als Informationsbasis für die Leitung.
3. Kontrolle
Überwachung der Wirtschaftlichkeit durch Soll-Ist-Vergleiche, Abweichungsanalysen und Erfolgskontrolle. So lässt sich erkennen, ob Ziele erreicht und Ressourcen wirtschaftlich eingesetzt wurden.
4. Planung, Disposition und Steuerung
Bereitstellung von Zahlen zur Vorbereitung und Steuerung betrieblicher Entscheidungen - etwa Kalkulation, Preisbildung, Programm- und Verfahrenswahl, Budgetierung. Das Rechnungswesen liefert damit die quantitative Entscheidungsgrundlage.
5. Erfolgs- und Bemessungsfunktion
Ermittlung des Periodenerfolgs als Grundlage für Gewinnausschüttung und Besteuerung.
Fazit: Dokumentation, Rechenschaft/Information, Kontrolle und Steuerung greifen ineinander. Das externe Rechnungswesen betont Dokumentation und Rechenschaft, das interne Rechnungswesen Kontrolle und Steuerung - zusammen sichern sie sowohl die gesetzeskonforme Abbildung als auch die zielgerichtete Führung des Betriebs.
Begriffsabgrenzungen
Wirtschaftliche Vorgaenge im Unternehmen — je ein Beispiel mit Begruendung
Aufgabe #032 · Aufgabe | #1aNennen Sie je ein Beispiel und begründen Sie es! · Auszahlung, nicht Ausgabe · Auszahlung = Ausgabe · Ausgabe, nicht Auszahlung · Einzahlung, nicht Einnahme · Einzahlung = Einnahme · Einnahme, nicht Einzahlung · Ausgabe, kein Aufwand · Ausgabe = Aufwand · Aufwand, keine Ausgabe · Einnahme, kein Ertrag · Ertrag, keine Einnahme · Aufwand, keine Kosten · Aufwand = Kosten (Normalfall) · Kosten, kein Aufwand · Ertrag, keine Leistung · Ertrag = Leistung (Normalfall) · Leistung, kein Ertrag
Vorbemerkung — die vier Wertebenen (Bezugsgrössen):
Auszahlung / Einzahlung: Veränderung des Zahlungsmittelbestands (Kasse + Bankguthaben).
Aufwand / Ertrag: Veränderung des Reinvermögens des Gesamtunternehmens laut GuV (periodisiert).
Kosten / Leistung: betriebsbedingter (sachzielbezogener) Werteverzehr bzw. Wertzuwachs einer Periode.
Der Trick jedes Falls: eine Ebene bewegt sich, die benachbarte nicht — genau das erklärt die Begründung.
Fall
Beispiel
Begründung
Auszahlung, nicht Ausgabe
Bartilgung einer Darlehensverbindlichkeit
Zahlungsmittel sinken (Auszahlung); zugleich sinkt die Verbindlichkeit -> Geldvermögen unverändert -> keine Ausgabe
Auszahlung = Ausgabe
Barkauf von Rohstoffen
Zahlungsmittel sinken (Auszahlung) und der Güterzugang mindert das Geldvermögen (Ausgabe) wertgleich in derselben Periode
Ausgabe, nicht Auszahlung
Zielkauf von Rohstoffen
Güterzugang erhöht die Verbindlichkeit -> Geldvermögen sinkt (Ausgabe); es fliesst noch kein Geld ab -> keine Auszahlung
Einzahlung, nicht Einnahme
Kunde begleicht eine bestehende Forderung in bar
Zahlungsmittel steigen (Einzahlung); zugleich sinkt die Forderung -> Geldvermögen unverändert -> keine Einnahme
Einzahlung = Einnahme
Barverkauf von Fertigerzeugnissen
Zahlungsmittel steigen (Einzahlung) und der Güterabgang erhöht das Geldvermögen (Einnahme) wertgleich in derselben Periode
Einnahme, nicht Einzahlung
Verkauf von Waren auf Ziel
Güterabgang erhöht die Forderung -> Geldvermögen steigt (Einnahme); kein Geldzufluss -> keine Einzahlung
Ausgabe, kein Aufwand
Kauf von Rohstoffen, die auf Lager gehen und in der Periode nicht verbraucht werden
Beschaffung mindert das Geldvermögen (Ausgabe); mangels Werteverzehr in der Periode entsteht kein Aufwand
Ausgabe = Aufwand
Kauf und sofortiger Verbrauch von Büromaterial
Beschaffung (Ausgabe) und Verbrauch (Aufwand) fallen wertgleich in dieselbe Periode
Aufwand, keine Ausgabe
Planmässige Abschreibung einer in der Vorperiode gekauften Maschine
Periodisierter Werteverzehr ist Aufwand; die zugehörige Ausgabe lag bereits in der Vorperiode -> jetzt keine Ausgabe
Einnahme, kein Ertrag
Verkauf von Erzeugnissen der Vorperiode zu Herstellungskosten
Der Güterabgang bringt eine Einnahme; die Wertschöpfung wurde schon in der Vorperiode als Bestandserhöhung (Ertrag) erfasst, der Verkauf zu HK erzeugt keinen neuen Ertrag
Ertrag, keine Einnahme
Bestandserhöhung an Fertigerzeugnissen
Die selbst erzeugten Güter erhöhen das Reinvermögen (Ertrag); es wird nichts verkauft -> Geldvermögen unverändert -> keine Einnahme
Aufwand, keine Kosten
Spende an einen gemeinnützigen Verein
GuV-Aufwand, aber nicht betriebszielbezogen (neutraler Aufwand) -> kein Kostenbestandteil
Aufwand = Kosten (Normalfall)
Verbrauch von Rohstoffen in der Fertigung
Betriebsbedingter Werteverzehr, der zugleich GuV-Aufwand ist (Zweckaufwand = Grundkosten)
Betriebsbedingt angesetzter Werteverzehr (Zusatzkosten); ihm steht kein tatsächlicher GuV-Aufwand gegenüber -> kein Aufwand
Ertrag, keine Leistung
Mieerträge aus einem nicht betriebsnotwendigen Gebäude
GuV-Ertrag, aber nicht betriebszielbezogen (neutraler Ertrag) -> keine Leistung
Ertrag = Leistung (Normalfall)
Umsatz aus verkauften Fertigerzeugnissen des Kerngeschäfts
Betriebsbedingter Wertzuwachs, der zugleich GuV-Ertrag ist (Zweckertrag = Grundleistung)
Leistung, kein Ertrag
Erhöhung des originären (selbst geschaffenen) Firmenwerts
Betriebsbedingte Wertschöpfung (Zusatzleistung); wegen des Aktivierungsverbots (Paragraph 248 Abs. 2 HGB) kein GuV-Ertrag
Klassifikation von Vorgaengen — Aufwand und/oder Kosten?
Aufgabe #033 · 10 P. · Aufgabe | 10 P. | #2Klassifizieren Sie die folgenden zehn Vorgänge: Liegt jeweils ein (GuV-)Aufwand und/oder ein betriebsbedingter Kostenanfall vor? Begründen Sie kurz. — (1) Darlehen an den Prokuristen eines Unternehmens; (2) Provisionen für freie Handelsvertreter; (3) gezahlte Versicherungsprämie für die (betriebliche) Feuerversicherung; (4) Privatentnahme des Eigentümers; (5) Ausschüttung von Gewinnen an die Gesellschafter einer GmbH; (6) Abschreibungen auf Fertigungsmaschinen; (7) Gehalt des (angestellten) Geschäftsführers; (8) Arbeitgeber-Sozialversicherungsbeiträge; (9) Spende an einen gemeinnützigen Verein; (10) kalkulatorische Miete für ein Gebäude im Eigentum.
Für jeden Vorgang wird geprüft, ob ein GuV-Aufwand vorliegt und ob ein betriebsbedingter Werteverzehr (= Kosten) vorliegt.
Vorgang
Aufwand?
Kosten?
Einordnung / Begründung
Darlehen an den Prokuristen
nein
nein
Reiner Aktivtausch: Auszahlung, dafür entsteht eine Forderung. Kein Werteverzehr -> weder Aufwand noch Kosten
GuV-Aufwand, aber nicht betriebszielbezogen -> neutraler Aufwand, keine Kosten
Kalkulatorische Miete (Gebäude im Eigentum)
nein
ja
Kein GuV-Aufwand (keine Mietzahlung), aber betriebsbedingter Opportunitätsansatz -> Zusatzkosten
Richtig oder Falsch — Ausgabe, Aufwand, aber keine Kosten?
Aufgabe #034 · 6 P. · Aufgabe | 6 P. | #3Richtig oder Falsch?: Eine Ausgabe, ein Aufwand, aber keine Kosten ist gegeben bei ... Richtig oder falsch? · Aufforderung zur Gewerbesteuernachzahlung fürs Vorjahr · Gehalt des Produktionsleiters · Zielkauf von Rohstoffen · Außerplanmäßige Abschreibung eines Grundstücks · Kalkulatorischer Unternehmerlohn · Eingang der Handwerkerrechnung für Reparatur in vermieteten Räumen des Möbelherstellers
Gesuchtes Profil: Ausgabe = ja, Aufwand = ja, Kosten = nein (ein neutraler Aufwand, der zugleich das Geldvermögen mindert). Nur wenn alle drei Bedingungen zutreffen, ist die Aussage richtig.
Vorgang
Ausgabe
Aufwand
Kosten
Aussage
Aufforderung zur Gewerbesteuer-Nachzahlung fürs Vorjahr
ja
ja
nein
Richtig — der Steuerbescheid begründet eine Verbindlichkeit (Ausgabe) und einen periodenfremden Aufwand; als Nachzahlung für das Vorjahr kein Kostenbestandteil der laufenden Periode
Gehalt des Produktionsleiters
ja
ja
ja
Falsch — betriebsbedingt, also gerade Grundkosten (Kosten = ja)
Zielkauf von Rohstoffen
ja
nein
nein
Falsch — blosse Beschaffung (Ausgabe) ohne Verbrauch -> kein Aufwand
Ausserplanmässige Abschreibung eines Grundstücks
nein
ja
nein
Falsch — Werteverzehr ohne Geldvermögensminderung -> keine Ausgabe (zwar neutraler Aufwand, aber Bedingung Ausgabe fehlt)
Kalkulatorischer Unternehmerlohn
nein
nein
ja
Falsch — reine Zusatzkosten, weder Ausgabe noch Aufwand
Eingang der Handwerkerrechnung für Reparatur in vermieteten Räumen des Möbelherstellers
ja
ja
nein
Richtig — Rechnungseingang begründet Verbindlichkeit (Ausgabe) und sofortigen Aufwand; die Vermietung ist betriebsfremd -> neutraler Aufwand, keine Kosten
Einordnung von Geschaeftsfaellen ins Schema Auszahlungen / Ausgaben / Aufwendungen / Kosten
Aufgabe #035 · Aufgabe | #4aGegeben sind vier Ebenen: Auszahlung = Geldabfluss der Periode; Ausgabe = Beschaffungswert der eingekauften Güter; Aufwand = Beschaffungswert der verbrauchten Güter; Kosten = Wert der betriebsbedingt verbrauchten Güter. Ordnen Sie die folgenden Geschäftsfälle in dieses Schema ein (je Ebene ja/nein) und begründen Sie kurz: (1) Tilgung einer Verbindlichkeit aus der Vorperiode; (2) Kauf von Rohstoffen, in der Periode nicht verbraucht; (3) Spende; (4) Kauf von Gütern auf Ziel; (5) Abschreibung von in der Vorperiode beschafften Betriebsmitteln; (6) Zusatzkosten (z. B. kalkulatorischer Unternehmerlohn).
Das Schema ordnet die Ebenen von aussen (Geldabfluss) nach innen (betrieblicher Werteverzehr): Auszahlung -> Ausgabe -> Aufwand -> Kosten. Jeder Fall wird dort verortet, wo eine Ebene zutrifft, die nächste aber nicht mehr.
Geschäftsfall
Auszahlung
Ausgabe
Aufwand
Kosten
Kern-Einordnung
Tilgung einer Verbindlichkeit aus Vorperiode
ja
nein
nein
nein
Reine Auszahlung — Zahlungsmittel und Verbindlichkeit sinken gleich, Geldvermögen unverändert
Kauf von Rohstoffen, in der Periode nicht verbraucht
(ja bei Barzahlung)
ja
nein
nein
Ausgabe ohne Aufwand — Beschaffung ohne Werteverzehr in der Periode
Spenden
ja
ja
ja
nein
Aufwand ohne Kosten — neutraler (betriebsfremder) Aufwand, zugleich Ausgabe und Auszahlung
Kauf von Gütern auf Ziel
nein
ja
(nein, solange nicht verbraucht)
nein
Ausgabe ohne Auszahlung — Verbindlichkeit statt Geldabfluss
Abschreibungen von Betriebsmitteln, in Vorperiode beschafft
nein
nein
ja
ja
Aufwand = Kosten (Grundkosten) — betriebsbedingter Werteverzehr, Zahlung lag in Vorperiode
Zusatzkosten, z. B. kalkulatorischer Unternehmerlohn
nein
nein
nein
ja
Reine (Zusatz-)Kosten — kalkulatorischer Ansatz ohne Geldabfluss und ohne GuV-Aufwand
Merkstruktur: Die Fälle wandern von der reinen Auszahlung (aussen) schrittweise nach innen bis zu den reinen Zusatzkosten (innen); die neutralen bzw. periodenfremden Posten (Spenden, Vorperiodenbezug) markieren jeweils die Übergänge zwischen zwei Ebenen.
Einordnung von Geschaeftsfaellen ins Schema Einzahlungen / Einnahmen / Ertraege / Leistungen
Aufgabe #036 · Aufgabe | #5aGegeben sind vier Ebenen: Einzahlung = Geldzufluss der Periode; Einnahme = Absatzwert der verkauften Güter; Ertrag = Wert der erzeugten Güter; Leistung = Wert der betriebsbedingt erzeugten Güter. Ordnen Sie die folgenden Geschäftsfälle in dieses Schema ein (je Ebene ja/nein) und begründen Sie kurz: (1) Bezahlung einer Kundenrechnung aus der Vorperiode; (2) Verkauf von Produkten aus der Vorperiode zu Herstellkosten; (3) betriebsfremder Ertrag (Mieterträge aus nicht betriebsnotwendigem Gebäude); (4) Verkauf von Gütern auf Ziel; (5) Bestandserhöhung an Erzeugnissen; (6) Erhöhung des originären Firmenwertes.
Das Schema ist das Spiegelbild der Aufwandsseite, positiv orientiert: Einzahlung -> Einnahme -> Ertrag -> Leistung (Geldzufluss aussen, betrieblicher Wertzuwachs innen).
Merkstruktur: Von der reinen Einzahlung (aussen) bis zur reinen Zusatzleistung (innen); neutrale bzw. periodenfremde Posten (Mieertrag, Vorperiodenverkauf) markieren die Übergänge zwischen den Ebenen.
Fachbegriffe — Richtig/Falsch-Aussagen mit Begruendung
Aufgabe #037 · 6 P. · Aufgabe | 6 P. | #6Fachbegriffe: Geben Sie an, ob die folgenden Aussagen richtig oder falsch sind, und begründen Sie kurz: (1) Die Inanspruchnahme einer Dienstleistung in der Produktion führt zu Kosten. (2) Der Zielkauf von Rohstoffen mit sofortigem Verbrauch führt zu Ausgabe, Aufwand und Kosten. (3) Beim Verkauf von Waren zu 50.000,00 €, davon 20.000,00 € sofort und der Rest im Folgejahr, entsteht eine Einnahme von 50.000,00 €. (4) Kosten sind die bewertete, leistungsbezogene Gütererstellung einer Periode. (5) Die Barbegleichung einer Lieferantenverbindlichkeit ist Auszahlung und Ausgabe. (6) Die liquiden Mittel am Periodenende entsprechen dem Cashflow der Periode zuzüglich des Anfangsbestands liquider Mittel. (7) Die Differenz aus Ein- und Auszahlungen entspricht stets dem Bestand an liquiden Mitteln am Periodenende. (8) Werden Rohstoffe in derselben Periode gekauft und verbraucht, liegen Ausgabe und Aufwand vor. (9) Begleicht ein Kunde eine bestehende Forderung bar, entstehen Einzahlung, Einnahme und Ertrag. (10) Eine Dividendenzahlung an die Anteilseigner ist eine Einzahlung. (11) Eine Spende über 1.000,00 € an einen wohltätigen Verein ist zugleich Auszahlung, Ausgabe und Aufwand. (12) Die Baranzahlung eines Kunden für eine noch nicht erbrachte Leistung ist für das Unternehmen Einzahlung und Einnahme.
Bewertung anhand der vier Wertebenen; jede Einordnung ist begründet.
#
Aussage
Urteil
Begründung
1
Inanspruchnahme einer Dienstleistung in der Produktion führt zu Kosten
Richtig
Betriebsbedingter Verzehr einer Dienstleistung -> Kosten (zugleich Aufwand)
2
Zielkauf von Rohstoffen mit sofortigem Verbrauch -> Ausgabe, Aufwand und Kosten
Richtig
Zielkauf = Ausgabe (Verbindlichkeit); sofortiger Verbrauch = Aufwand und, weil betrieblich, Kosten. Eine Auszahlung erfolgt erst später
3
Verkauf von Waren zu 50.000,00 Euro, davon 20.000,00 Euro sofort, Rest im Folgejahr -> Einnahme von 50.000,00 Euro
Richtig
Die Einnahme entsteht in voller Höhe des Absatzwerts beim Verkauf/der Lieferung, unabhängig vom Zahlungszeitpunkt. Die Einzahlung beträgt zunächst nur 20.000,00 Euro
4
Kosten sind bewertete, leistungsbezogene Gütererstellung einer Periode
Falsch
Das beschreibt die Leistung (Gütererstellung). Kosten = bewerteter, betriebsbedingter Güterverbrauch einer Periode
5
Barbegleichung einer Lieferantenverbindlichkeit ist Auszahlung und Ausgabe
Falsch
Zahlungsmittel und Verbindlichkeit sinken gleich -> Geldvermögen unverändert -> nur Auszahlung, keine Ausgabe
6
Liquide Mittel am Periodenende = Cashflow der Periode + Anfangsbestand liquider Mittel
Die Differenz aus Ein- und Auszahlungen entspricht stets dem Bestand an liquiden Mitteln am Periodenende
Falsch
Die Differenz ergibt nur die Veränderung; der Endbestand entspricht ihr nur, wenn der Anfangsbestand null ist. Das 'stets' ist falsch
8
Rohstoffe in derselben Periode gekauft und verbraucht -> Ausgabe und Aufwand
Richtig
Kauf = Ausgabe, Verbrauch = Aufwand, beides in derselben Periode
9
Kunde begleicht bestehende Forderung bar -> Einzahlung, Einnahme und Ertrag
Falsch
Zahlungsmittel steigen, Forderung sinkt -> Geldvermögen unverändert -> nur Einzahlung, keine Einnahme und kein Ertrag
10
Dividendenzahlung an Anteilseigner ist eine Einzahlung
Falsch
Für das zahlende Unternehmen fliesst Geld ab -> Auszahlung, nicht Einzahlung
11
Spende über 1.000,00 Euro an einen wohltätigen Verein ist zugleich Auszahlung, Ausgabe und Aufwand
Richtig
Geldabfluss = Auszahlung; Geldvermögensminderung ohne Gegenwert = Ausgabe; GuV-Wirkung = (neutraler) Aufwand. (Kosten liegen nicht vor, was aber nicht behauptet wird)
12
Baranzahlung eines Kunden für eine noch nicht erbrachte Leistung -> für das Unternehmen Einzahlung und Einnahme
Falsch
Zahlungsmittel steigen, zugleich entsteht eine Verbindlichkeit (erhaltene Anzahlung) -> Geldvermögen unverändert -> nur Einzahlung, keine Einnahme
Aufgabe #038 · Aufgabe | #1aOrdnen Sie die folgenden acht Geschäftsfälle in das Vier-Ebenen-Schema des Rechnungswesens ein. Geben Sie für jeden Fall mit Betrag an, welche der Größenpaare berührt sind — Einzahlung/Auszahlung (Zahlungsmittel), Einnahme/Ausgabe (Geldvermögen), Ertrag/Aufwand (Reinvermögen/GuV) und Leistung/Kosten (KLR): (1) Bankdarlehen 1.000.000,00 € aufgenommen; (2) Abschreibung Maschine (AK 80.000,00 €, ND 5 Jahre, Wiederbeschaffungswert 120.000,00 €); (3) Rohstoffe 72.000,00 € per Scheck gekauft; (4) Fertigerzeugnisse 320.000,00 € auf Ziel verkauft (gleicher FiBu-/KLR-Wertansatz); (5) Zuschreibung im Sachanlagevermögen 40.000,00 €; (6) Altmaschine (Buchwert 0,00 €) für 5.500,00 € bar verkauft; (7) Waren 150.000,00 € auf Ziel gekauft; (8) Kontokorrentkredit 250.000,00 € durch Überweisung getilgt.
Betriebszweckbezogen, normal, periodenrichtig (KLR) -> Leistung bzw. Kosten
Regel: Jeder Fall wird getrennt auf allen vier Ebenen geprüft. Ein reiner Aktiv-/Passivtausch (z. B. Darlehen, Tilgung, Zieleinkauf) bewegt oft nur die äussere Ebene.
Fall 1 - Bankdarlehen 1.000.000,00 EUR aufgenommen
Bankbestand steigt um 1.000.000,00 EUR -> Einzahlung 1.000.000,00 EUR
Geldvermögen unverändert (Gegenposition: Verbindlichkeit +1.000.000,00) -> keine Einnahme, kein Ertrag, keine Leistung
Fall 3 - Rohstoffe 72.000,00 EUR per Scheck gekauft
Scheck mindert den Zahlungsmittelbestand -> Auszahlung 72.000,00 EUR
Geldvermögen sinkt -> Ausgabe 72.000,00 EUR
Rohstoffe gehen ins Lager (Aktivtausch) -> noch KEIN Aufwand/Kosten (erst bei Verbrauch)
Fall 4 - Fertigerzeugnisse für 320.000,00 EUR auf Ziel verkauft (gleicher FiBu-/KLR-Wertansatz)
Zahlung erst nächsten Monat -> keine Einzahlung; Forderung steigt -> Einnahme 320.000,00 EUR
Umsatzerlös mehrt das Reinvermögen -> Ertrag 320.000,00 EUR
Verkauf von Fertigerzeugnissen ist betriebszweckbezogen; da FiBu und KLR denselben Wertansatz benutzen (keine Bewertungsdifferenz), ist der volle Erlös zugleich Leistung 320.000,00 EUR
Fall 5 - Zuschreibung im Sachanlagevermögen 40.000,00 EUR
Kein Zahlungs-/Geldvermögensvorgang
Reinvermögen steigt -> Ertrag 40.000,00 EUR
Zuschreibung ist neutral (nicht betriebszweckbezogen) -> KEINE Leistung
Fall 6 - Altmaschine (Buchwert 0,00) für 5.500,00 EUR bar verkauft
Geldvermögen unverändert (Verbindlichkeit KK-Kredit sinkt gleich mit) -> keine Ausgabe, kein Aufwand/Kosten
Zusammenfassung (alle Beträge in EUR):
Fall
Einzahlung
Einnahme
Ertrag
Leistung
Auszahlung
Ausgabe
Aufwand
Kosten
1
1.000.000,00
-
-
-
-
-
-
-
2
-
-
-
-
-
-
16.000,00
24.000,00
3
-
-
-
-
72.000,00
72.000,00
-
-
4
-
320.000,00
320.000,00
320.000,00
-
-
-
-
5
-
-
40.000,00
-
-
-
-
-
6
5.500,00
5.500,00
5.500,00
-
-
-
-
-
7
-
-
-
-
-
150.000,00
-
-
8
-
-
-
-
250.000,00
-
-
-
Richtig oder falsch? – acht Aussagen mit Begründung
Aufgabe #068 · 4 P. · Aufgabe | 4 P. | #5Richtig oder falsch? Beurteilen Sie die folgenden Aussagen und begründen Sie kurz: (1) Sprungfixe Kosten fallen an, wenn die Kapazitätsgrenze dauerhaft erhöht wird. (2) Wirtschaftlichkeit ist bspw. definiert als Kosten dividiert durch Leistung. (3) Bei proportionalen variablen Kosten sind die Stückkosten konstant. (4) Während Wirtschaftlichkeit Wertgrößen ins Verhältnis setzt, sind das bei der Produktivität üblicherweise Mengengrößen. (5) Der Verkaufserlös (unter Buchwert) eines Betriebs-PKW stellt einen Aufwand und Kosten dar. (6) Bei der Abschreibung von Maschinen liegt keine Auszahlung, aber eine Ausgabe, ein Aufwand und Kosten vor. (7) Die Stückkosten von Fixkosten verlaufen degressiv. (8) Büromaterial stellt variable Kosten dar.
1. „Sprungfixe Kosten fallen an, wenn die Kapazitätsgrenze dauerhaft erhöht wird." – falsch. Sprungfixe Kosten springen bereits beim Überschreiten der bestehenden Kapazitätsgrenze, sobald eine zusätzliche Kapazitätsstufe bereitgestellt wird. Eine „dauerhafte" Erhöhung ist nicht Voraussetzung; auch eine vorübergehende Kapazitätsausweitung löst den Kostensprung aus. Das Wort „dauerhaft" trifft den Kern nicht.
2. „Wirtschaftlichkeit ist bspw. definiert als Kosten dividiert durch Leistung." – falsch. Wirtschaftlichkeit wird als Leistung ÷ Kosten (bzw. Ertrag ÷ Aufwand) definiert; ein Wert über 1 bedeutet wirtschaftliches Handeln. Die angegebene Formel Kosten ÷ Leistung ist der Kehrwert.
3. „Bei proportionalen variablen Kosten sind die Stückkosten konstant." – richtig (bezogen auf die variablen Stückkosten). Bei proportionalem (linearem) Verlauf der variablen Kosten sind die variablen Stückkosten kv konstant. Hinweis: Die gesamten Stückkosten k = kf + kv wären nur ohne Fixkosten konstant, weil die Fixkosten je Stück mit steigender Menge fallen.
4. „Während Wirtschaftlichkeit Wertgrößen ins Verhältnis setzt, sind das bei der Produktivität üblicherweise Mengengrößen." – richtig. Wirtschaftlichkeit setzt Wertgrößen in € ins Verhältnis (Leistung zu Kosten); Produktivität ist eine technische Kennzahl aus Mengengrößen (Ausbringungsmenge ÷ Einsatzmenge).
5. „Der Verkaufserlös (unter Buchwert) eines Betriebs-PKW stellt einen Aufwand und Kosten dar." – falsch. Ein Verkaufserlös ist ein Ertrag/Erlös, kein Aufwand und keine Kosten. Höchstens der beim Verkauf unter Buchwert entstehende Buchverlust ist Aufwand – und zwar neutraler/außerordentlicher Aufwand, nicht Kosten, da nicht betriebszielbezogen und nicht regelmäßig.
6. „Bei der Abschreibung von Maschinen liegt keine Auszahlung, aber eine Ausgabe, ein Aufwand und Kosten vor." – falsch. Zum Zeitpunkt der Abschreibung liegt weder eine Auszahlung noch eine Ausgabe vor – beide sind bereits beim Kauf der Maschine erfolgt. Die Abschreibung ist lediglich Aufwand und (Grund-)Kosten. Die Aussage ist falsch, weil sie eine Ausgabe behauptet.
7. „Die Stückkosten von Fixkosten verlaufen degressiv." – richtig. Die Fixkosten je Stück (kf = Kf ÷ x) sinken mit steigender Menge; ihr Verlauf ist degressiv (hyperbolisch fallend) – die klassische Fixkostendegression.
8. „Büromaterial stellt variable Kosten dar." – falsch. Büromaterial ist in der Regel beschäftigungsunabhängig und wird den (weitgehend fixen) Gemeinkosten zugerechnet; es schwankt nicht mit der Ausbringungsmenge und ist daher keine variable Kostenart im eigentlichen Sinn.
Kostenauflösung
Industrie 4.0 – Kostenstruktur, -arten und -rechnung
Industrie 4.0 – Veränderung der Kostenstruktur
Aufgabe #090 · 7 P. · Aufgabe | 7 P. | #3aBeschreiben Sie kurz anhand der entsprechenden Fachbegriffe, welche Veränderungen der Kostenstruktur der Unternehmen von dieser Entwicklung tendenziell ausgehen werden.
Die Digitalisierung der Fertigung verschiebt die Kostenstruktur tendenziell in mehreren, zusammenhängenden Punkten:
Verschiebung von variablen zu fixen Kosten. Automatisierung, Roboter, vernetzte Maschinen und IT-Infrastruktur verursachen überwiegend zeit- und kapazitätsabhängige Kosten (Abschreibungen, Instandhaltung, IT-Betrieb). Diese fallen unabhängig von der produzierten Menge an. Der Fixkostenblock wächst, der Anteil der mengenabhängigen variablen Kosten sinkt.
Steigende Kapital- und Fixkostenintensität. Die hohen Anfangsinvestitionen erhöhen die Kapitalbindung je Arbeitsplatz. Das Unternehmen wird kapitalintensiver und fixkostenintensiver.
Sinkender Einzelkosten-, steigender Gemeinkostenanteil. Manuelle Fertigungstätigkeiten und damit die direkt zurechenbaren Fertigungslohn-Einzelkosten gehen zurück. Gleichzeitig steigen die Gemeinkosten (Abschreibungen, IT, Instandhaltung, Energie), die nur über Schlüsselung auf die Kostenträger verteilt werden können. Das Verhältnis Einzelkosten zu Gemeinkosten verschiebt sich zugunsten der Gemeinkosten.
Fixkostendegression und Operating Leverage. Bei hoher Auslastung verteilt sich der grosse Fixkostenblock auf viele Einheiten (Fixkostendegression, sinkende Stückkosten). Umgekehrt steigt aber der Operating Leverage: Bei Beschäftigungsrückgang können die Fixkosten nicht mitgesenkt werden, das Beschäftigungs- bzw. Auslastungsrisiko nimmt zu.
Erwartete Veränderung einzelner Kostenarten
Aufgabe #091 · 8 P. · Aufgabe | 8 P. | #3bWelche Veränderungen sind für folgende Kostenarten jeweils zu erwarten: Personalkosten, Materialkosten, Energiekosten, Abschreibungen? Begründen Sie Ihre Aussagen mit je einem Satz.
Für die vier Kostenarten sind unter Industrie 4.0 tendenziell folgende Entwicklungen zu erwarten (jeweils mit kurzer Begründung):
Kostenart
Tendenz
Begründung (ein Satz)
Personalkosten
sinkend in der direkten Fertigung, Struktur verschiebt sich
Automatisierung ersetzt manuelle Tätigkeiten, sodass weniger, aber höher qualifizierte und damit je Kopf teurere Mitarbeiter (IT, Datenanalyse, Instandhaltung) benötigt werden.
Materialkosten
tendenziell sinkend/effizienter
Präzisere, datengestützte Fertigung senkt Ausschuss, Verschnitt und Bestände, sodass je Stück weniger Material verbraucht wird.
Energiekosten
tendenziell steigend
Der Dauerbetrieb zusätzlicher Maschinen, Sensorik, Server und IT erhöht den Stromverbrauch, auch wenn intelligente Steuerung teilweise gegensteuert.
Abschreibungen
steigend
Die hohen Investitionen in Roboter, vernetzte Anlagen und IT-Infrastruktur vergrössern den über die Nutzungsdauer zu verrechnenden Abschreibungsblock.
Insgesamt sinken die mengenabhängigen, direkt zurechenbaren Kosten (Fertigungslohn, teils Material), während die kapazitätsabhängigen Fixkosten (Abschreibungen, Energie, IT) zunehmen.
Folgen für die Kostenrechnung als Entscheidungsinstrument
Aufgabe #092 · 5 P. · Aufgabe | 5 P. | #3cWelche Konsequenz haben die unter a) und b) skizzierten Entwicklungen für die Bedeutung der Kostenrechnung als Entscheidungsinstrument in den betroffenen Unternehmen?
Die unter a) und b) skizzierte Fixkosten- und Gemeinkostenverschiebung verändert die Rolle der Kostenrechnung erheblich:
Grenzkostenbetrachtung verliert an Aussagekraft. Wenn variable Kosten schrumpfen und fast alle Kosten fix sind, liegen die Grenzkosten nahe null. Kurzfristige Entscheidungen allein auf Basis variabler Kosten bzw. Deckungsbeiträge werden dadurch weniger tragfähig, weil sie einen immer kleineren Teil der Gesamtkosten abbilden.
Gemeinkostenzurechnung wird zum Kernproblem. Der wachsende Gemeinkostenblock lässt sich nicht verursachungsgerecht über einfache Zuschlagssätze verteilen. Verfeinerte Verfahren wie die Prozesskostenrechnung gewinnen an Bedeutung, um Gemeinkosten (IT, Instandhaltung, Automatisierung) sachgerecht auf die Kostenträger zu schlüsseln.
Verschiebung des Steuerungsfokus. Im Vordergrund stehen zunehmend Fixkostenmanagement, Auslastungs- und Kapazitätssteuerung sowie langfristige Investitionsrechnungen, da über diese Grössen der Erfolg entschieden wird und nicht mehr über die geringen variablen Kosten.
Chance durch die Digitalisierung selbst. Zugleich liefert Industrie 4.0 (Sensorik, IoT, Datenauswertung) die Datenbasis für eine echtzeitnahe, feingliedrige und automatisierte Kostenrechnung, sodass sie als Entscheidungsinstrument präziser und aktueller werden kann.
Fazit. Die Kostenrechnung verliert nicht an Bedeutung, sie verlagert sie: weg von der kurzfristigen Grenzkostenentscheidung, hin zu verursachungsgerechter Gemeinkostenverrechnung und strategisch-langfristiger Steuerung.
Richtig oder falsch?
Aufgabe #097 · 10 P. · Aufgabe | 10 P. | #2Richtig oder falsch? Beurteilen Sie die folgenden Aussagen und begründen Sie kurz: (1) Die Kostenstellenrechnung soll u.a. eine Wirtschaftlichkeitskontrolle auf Ebene der Kostenstellen ermöglichen. (2) Eine Kostenstelle stimmt stets mit einer organisatorischen Einheit (lt. Organigramm) überein. (3) Kostenstellengemeinkosten können auf der nächsten, übergeordneten Ebene Kostenstelleneinzelkosten sein. (4) Jahresabschlusskosten stellen auf der Ebene des Vertriebs Kostenstelleneinzelkosten dar. (5) Abschreibungen können genau dem Kostenplatz Maschine XY als Kostenstellen-Einzelkosten zugeordnet werden. (6) Der BAB dient zur Verteilung bzw. Zuordnung der Gemeinkosten auf die Kostenstellen. (7) Aus den Gemeinkosten je Kostenstelle und den dortigen Einzelkosten lassen sich Zuschlagssätze ermitteln. (8) Liegen die Ist-Gemeinkosten über den Normal-Gemeinkosten, bedeutet dies eine Kostenüberdeckung. (9) Die m²-Zahl dient als Mengenschlüssel für Reinigungskosten. (10) Beim Stufenleiterverfahren werden die gesamten Kosten einer Kostenstelle durch die Leistungsabgabe an die noch nicht abgerechneten Kostenstellen dividiert.
Nr
Aussage (verkürzt)
Urteil
Begründung
1
Kostenstellenrechnung ermöglicht Wirtschaftlichkeitskontrolle je Kostenstelle
Richtig
Eine Kernaufgabe: Soll-Ist-Vergleich der Kosten pro Stelle deckt Unwirtschaftlichkeiten am Entstehungsort auf.
2
Kostenstelle stimmt stets mit einer Organisationseinheit überein
Falsch
Kostenstellen werden nach abrechnungstechnischen Kriterien gebildet und können feiner (Kostenplatz Maschine) oder anders geschnitten sein als das Organigramm; stets ist zu absolut.
3
Kostenstellen-GK können auf übergeordneter Ebene Kostenstellen-EK sein
Richtig
Beispiel Meistergehalt: GK der einzelnen Maschinen, aber EK der Abteilung Dreherei; die Einordnung hängt von der Bezugsebene ab.
4
Jahresabschlusskosten sind auf Ebene Vertrieb Kostenstellen-EK
Falsch
Jahresabschlusskosten gehören zur Verwaltung/zum Gesamtunternehmen; dem Vertriebsbereich sind sie nicht direkt zurechenbar, dort wären sie allenfalls GK bzw. sachfremd.
5
Abschreibungen können genau dem Kostenplatz Maschine XY als KS-EK zugeordnet werden
Richtig
Die Abschreibung einer konkreten Maschine ist dieser Kostenstelle direkt zurechenbar.
6
Der BAB dient zur Verteilung/Zuordnung der GK auf die Kostenstellen
Richtig
Genau das ist die Hauptfunktion des Betriebsabrechnungsbogens.
7
Aus GK je Kostenstelle und dortigen EK lassen sich Zuschlagssätze ermitteln
Richtig
Zuschlagssatz = Gemeinkosten geteilt durch Zuschlagsbasis (Einzelkosten) mal 100.
8
Ist-GK über Normal-GK bedeutet Kostenüberdeckung
Falsch
Sind die Ist-Kosten grösser als die verrechneten Normal-Kosten, sind die Kosten nicht gedeckt = Kostenunterdeckung; Überdeckung liegt bei Normal grösser Ist vor.
9
m2-Zahl dient als Mengenschlüssel für Reinigungskosten
Richtig
Die Fläche in Quadratmetern ist eine physische Bezugsgrösse (Mengenschlüssel) und verteilt Reinigungskosten verursachungsnah.
10
Beim Stufenleiterverfahren werden die gesamten Kosten einer Kostenstelle durch die Leistungsabgabe an noch nicht abgerechnete Kostenstellen dividiert
Richtig
Die Vorkostenstellen werden der Reihe nach abgerechnet; der Verrechnungssatz ergibt sich aus den (gesamten) Kosten der Stelle geteilt durch die an die nachgelagerten, noch nicht abgerechneten Stellen abgegebene Leistungsmenge (Rückflüsse an bereits abgerechnete Stellen bleiben unberücksichtigt = bekannte Schwäche des Verfahrens).
Kurzübersicht: R, F, R, F, R, R, R, F, R, R.
a) Grundsätzliche Aufgabenstellungen von Voll- und Teilkostenrechnung
Aufgabe #176 · 8 P. · Aufgabe |a) 4 P. Für welche Aufgabenstellungen sind Vollkostenrechnung bzw. Teilkostenrechnung grundsätzlich vorgesehen? b) 4 P. Nennen Sie je eine konkrete Aufgabe der betriebswirtschaftlichen Praxis, für die Voll- bzw. Teilkostenrechnung das richtige Kalkül darstellt.
📝 Ausformulierte Lösung
Grundgedanke: Die Vollkostenrechnung verrechnet sämtliche Kosten — die fixen (leistungsmengen-unabhängigen) und die variablen (leistungsmengen-abhängigen) — auf die Kostenträger (Produkte). Die Teilkostenrechnung verrechnet dagegen nur die variablen Kosten auf die Kostenträger; die Fixkosten werden als unaufgeteilter Block direkt gegen den gesamten Deckungsbeitrag (Erlöse minus variable Kosten) verrechnet.
Die Vollkostenrechnung ist grundsätzlich für langfristige Aufgabenstellungen vorgesehen — für Fragen, bei denen alle Kosten (also auch die Fixkosten) langfristig über die Preise gedeckt werden müssen, damit das Unternehmen dauerhaft überlebt:
Langfristige Preisbestimmung / Selbstkostenkalkulation — Ermittlung kostendeckender Angebots- und Listenpreise sowie der langfristigen Preisuntergrenze (= volle Selbstkosten je Stück).
Bestandsbewertung von unfertigen und fertigen Erzeugnissen für Bilanz und Erfolgsrechnung (handels- und steuerrechtlich sind die Bestände grundsätzlich zu Vollkosten = Herstellungskosten anzusetzen).
Die Teilkostenrechnung ist grundsätzlich für kurzfristige Entscheidungsrechnungen vorgesehen — für Fragen, bei denen die Fixkosten kurzfristig nicht abbaubar und damit nicht entscheidungsrelevant sind, sodass nur die variablen Kosten disponibel bleiben:
Kurzfristige Entscheidungsrechnungen auf Basis des Deckungsbeitrags — z. B. kurzfristige Preisuntergrenze (= variable Stückkosten), Annahme von Zusatzaufträgen, Make-or-buy, Eigenfertigung oder Fremdbezug.
Programm- und Sortimentsentscheidungen bzw. Engpasssteuerung — Auswahl des gewinnmaximalen Produktionsprogramms (bei Engpass über den relativen Deckungsbeitrag je Engpasseinheit) sowie Break-even-Analysen.
b) Je eine konkrete Aufgabe der betriebswirtschaftlichen Praxis
Vollkostenrechnung — richtiges Kalkül bei:
Der Kalkulation des langfristigen Angebotspreises eines dauerhaft im Programm geführten Serienprodukts. Der Verkaufspreis muss hier auf Dauer alle anfallenden Kosten decken — also anteilige Fixkosten (Miete, Abschreibungen, Verwaltung) plus variable Kosten plus Gewinnzuschlag. Würde man nur die variablen Kosten ansetzen, blieben die Fixkosten langfristig ungedeckt und das Unternehmen machte Verlust.
(Gleichwertig als Vollkosten-Aufgabe: die Bewertung der Fertigerzeugnis-Bestände zum Jahresabschluss, weil HGB und EStG die Bewertung zu vollen Herstellungskosten verlangen.)
Teilkostenrechnung — richtiges Kalkül bei:
Der Entscheidung über die Annahme eines einmaligen Zusatzauftrags, dessen angebotener Preis unter den vollen Selbstkosten, aber über den variablen Stückkosten liegt. Da die Fixkosten ohnehin anfallen (freie Kapazität vorhanden) und nicht entscheidungsrelevant sind, ist der Auftrag anzunehmen, solange der Preis grösser als die variablen Stückkosten ist — dann erwirtschaftet jedes Stück einen positiven Deckungsbeitrag, der den Gewinn erhöht bzw. die Fixkostendeckung verbessert:
(Gleichwertig als Teilkosten-Aufgabe: die Bestimmung des gewinnmaximalen Produktionsprogramms bei einem Engpass über den Deckungsbeitrag je Engpasseinheit.)
Vorbemerkung — Symbole und Datenaufbereitung
Aufgabe #177 · 13 P. · Aufgabe |Drei Produkte, Planwerte: Erlöse: P1 2.700.000 | P2 1.440.000 | P3 6.600.000 | Summe 10.740.000 EUR Stückzahl: P1 1.500 | P2 1.800 | P3 3.000 | Summe 6.300 Selbstkosten: P1 1.935.000 | P2 1.304.000 | P3 6.430.000 | Summe 9.669.000 EUR variable Kosten: P1 675.000 | P2 864.000 | P3 6.000.000 | Summe 7.539.000 EUR Erzeugnisfixe Kosten: P1 1.000.000 | P2 180.000 | P3 250.000 | Summe 1.430.000 EUR Erzeugnisgruppenfixe Kosten: 250.000 (Gruppe P1+P2) | 250.000 (Gruppe P3) | Summe 250.000... Unternehmensfixe Kosten: 450.000 EUR | Fixkosten insgesamt 2.130.000 EUR a) 3 P. Produktionsprogramm (Reihenfolge P1-3) auf Basis der Teilkostenrechnung (Stück-DB). b) 6 P. Produktionsprogramm mithilfe der mehrstufigen Deckungsbeitragsrechnung. c) 4 P. Engpass: auf P2 oder P3 verzichten — welches nicht herstellen und warum?
📝 Ausformulierte Lösung
Verwendete Größen (alle ausgeschrieben):
Umsatz / Erlös = Verkaufserlös je Produkt
= variable Stückkosten, = variable Gesamtkosten
= Preis (Stückerlös)
= Stück-Deckungsbeitrag (Deckungsbeitrag je Stück)
= Deckungsbeitrag gesamt (eines Produkts)
Erzeugnisfixkosten = produktspezifische Fixkosten, nur diesem einen Produkt zurechenbar (Beispiel: die Spezialmaschine, die ausschließlich P1 fertigt — fällt P1 weg, entfällt auch ihre Abschreibung)
Erzeugnisgruppenfixkosten = Fixkosten einer Produktgruppe, mehreren, aber nicht allen Produkten gemeinsam zurechenbar (Beispiel: die Fertigungshalle, in der nur P1 und P2 zusammen produziert werden — hier Gruppe P1+P2)
Unternehmensfixkosten = Fixkosten, die keinem einzelnen Produkt oder keiner Gruppe zurechenbar sind, sondern der ganzen Firma (Beispiel: Geschäftsführungsgehalt, zentrale Verwaltung)
Vorab abgeleitete Stückgrößen:
Größe
P1
P2
P3
Preis = Umsatz/Stück
2.700.000/1.500 = 1.800,00
1.440.000/1.800 = 800,00
6.600.000/3.000 = 2.200,00
variable Stückkosten
675.000/1.500 = 450,00
864.000/1.800 = 480,00
6.000.000/3.000 = 2.000,00
Kontrolle Fixkostenstruktur: (Fixkosten gesamt); zusammen mit den variablen Kosten Selbstkosten ✓. Die Erzeugnisgruppenfixkosten betragen insgesamt 250.000 EUR (Gruppe P1+P2; P3 ist Einzelprodukt ohne zusätzliche Gruppenfixkosten).
Veränderbarkeit von Kosten
Aufgabe #179 · 12 P. · Aufgabe |Erläutern Sie für die folgenden Kostenbegriffe, welche Kosten veränderbar sind und wie man damit höhere Betriebsergebnisse erzielt: a) 4 P. sunk costs b) 4 P. Fixkosten c) 4 P. Remanenzkosten
📝 Ausformulierte Lösung
Vorbemerkung: Der Begriff „Veränderbarkeit von Kosten" fragt, ob und wie stark eine Kostenart durch die heutige Entscheidung noch beeinflusst werden kann. Genau diese Beeinflussbarkeit ist der Hebel, mit dem sich das Betriebsergebnis (= Betriebserträge − Betriebskosten) steigern lässt.
a) sunk costs (versunkene Kosten) — 4 P.
(1) Definition: Sunk costs sind bereits angefallene, unwiderruflich gebundene Kosten, die durch keine zukünftige Entscheidung mehr rückgängig gemacht oder zurückgewonnen werden können — z. B. verausgabte Forschungs- und Entwicklungskosten oder der nicht mehr erzielbare Restwert einer Spezialmaschine.
(2) Welche Kosten sind veränderbar? — Keine. Sunk costs sind per Definition nicht mehr veränderbar (irreversibel). Sie fallen in jeder Handlungsalternative in gleicher Höhe an.
(3) Konsequenz für die Entscheidung: Weil sie sich zwischen den Alternativen nicht unterscheiden, sind sie nicht entscheidungsrelevant. Relevant ist nur der Kostenteil, der durch die Wahl noch beeinflusst wird (zukünftige, veränderbare Kosten).
(4) Wie erzielt man ein höheres Betriebsergebnis? Indem man sunk costs konsequent aus dem Entscheidungskalkül ausklammert und Entscheidungen (Weiterführung, Abbruch, Zusatzauftrag) allein an den zukünftig veränderbaren Kosten und Erlösen ausrichtet. Wer versunkene Kosten „retten" will (sunk-cost-Falle: „so viel schon investiert"), trifft schlechtere Entscheidungen und verschlechtert das Betriebsergebnis. Beispiel: Ein Zusatzauftrag ist anzunehmen, sobald sein Erlös die zusätzlichen (veränderbaren) Kosten deckt — unabhängig von bereits versunkenen Entwicklungskosten.
b) Fixkosten — 4 P.
(1) Definition:Fixkosten sind Kosten, die sich innerhalb eines bestimmten Kapazitäts- und Zeitintervalls nicht mit der Beschäftigung (Ausbringungsmenge) ändern — z. B. Abschreibungen, Miete, Gehälter des Stammpersonals.
(2) Welche Kosten sind veränderbar?Fixkosten sind beschäftigungsunabhängig, aber nicht unabänderlich. Veränderbar sind sie über Kapazitäts- und Vertragsentscheidungen (Kündigung von Mietverträgen, Personalabbau, Verkauf/Stilllegung von Anlagen). Sprungfixe (intervallfixe) Kosten lassen sich zudem stufenweise abbauen, sobald eine ganze Kapazitätsstufe entfällt.
(3) Kernunterscheidung Nutz-/Leerkosten: Der Fixkostenblock zerfällt bei Unterbeschäftigung in genutzten und ungenutzten Teil: Genutzte Kosten (Nutzkosten) entsprechen der in Anspruch genommenen Kapazität, Leerkosten der brachliegenden.
(4) Wie erzielt man ein höheres Betriebsergebnis? — zwei Hebel:
Hebel 1 – Fixkostendegression (Auslastung erhöhen): Werden die fixen Kosten auf mehr Stück verteilt, sinken die Stückfixkosten: Zahlenbeispiel: Bei ergibt sich bei Stück , bei Stück nur noch — geringere Selbstkosten, höherer Stückgewinn.
Hebel 2 – Leerkosten abbauen: Ungenutzte Kapazität in Nutzkosten umwandeln (Beschäftigung heranholen) oder die überschüssige Kapazität tatsächlich abbauen. Beispiel: binden Kosten ohne Gegenleistung; ihr Abbau hebt das Betriebsergebnis unmittelbar.
c) Remanenzkosten — 4 P.
(1) Definition (Kostenremanenz): Remanenzkosten liegen vor, wenn die Kosten bei sinkender Beschäftigung langsamer (verzögert) zurückgehen, als sie beim vorherigen Beschäftigungsanstieg gestiegen sind. Die Kosten „kleben" auf dem höheren Niveau — die Kostenkurve verläuft beim Abbau oberhalb der Kurve beim Aufbau.
(2) Ursachen: Kündigungsfristen, Abfindungen, langfristige Verträge, Zurückhalten von eingearbeitetem Personal in Erwartung wieder steigender Beschäftigung, technische Wiederanlaufkosten.
(3) Welche Kosten sind veränderbar? Grundsätzlich veränderbar, aber nur verzögert und mit Widerstand. Der „klebende" (remanente) Kostenteil könnte an die gesunkene Beschäftigung angepasst werden, tut es aber ohne aktives Eingreifen nicht von selbst.
(4) Wie erzielt man ein höheres Betriebsergebnis? Durch aktiven, zügigen Abbau der remanenten Kosten, statt sie „laufen zu lassen": Personal-, Vertrags- und Kapazitätsbindung konsequent an die tatsächlich gesunkene Beschäftigung anpassen. Zahlenbeispiel: Steigt die Beschäftigung von 1.000 auf 1.500 Stück und die Kosten von auf , fallen sie beim Rückgang auf 1.000 Stück wegen Remanenz zunächst nur auf statt auf zurück. Die Remanenz beträgt somit . Wer diese 20.000,00 € durch konsequente Anpassung abbaut, verbessert das Betriebsergebnis genau um diesen Betrag.
Auszahlungen und Ausgaben — kritische Stellungnahme
Aufgabe #183 · 5 P. · Aufgabe |Nehmen Sie ausführlich zu folgender Aussage Stellung: „Bei Geschäftsfällen, die innerhalb einer Periode abgewickelt werden, ist jede Auszahlung eine Ausgabe, weil Auszahlungen die liquiden Mittel verringern und die liquiden Mittel auch Teil des Fonds Betriebsvermögen sind."
📝 Ausformulierte Lösung
Die Aussage ist in dieser Allgemeinheit falsch bzw. unzulässig verkürzt.
Was an der Aussage stimmt: Jede Auszahlung mindert tatsächlich den Zahlungsmittelbestand (Kasse + Bankguthaben), und der Zahlungsmittelbestand ist tatsächlich Teil des umfassenderen Fonds „Geldvermögen" (Zahlungsmittel + Forderungen − Verbindlichkeiten).
Warum der Schluss trotzdem nicht zwingend ist: Eine Ausgabe liegt nur vor, wenn sich das gesamte Geldvermögen verringert — nicht nur die Teilgröße Zahlungsmittel. Das ist immer dann nicht der Fall, wenn die Auszahlung durch eine gegenläufige Veränderung einer anderen Geldvermögens-Komponente ausgeglichen wird:
Tilgung einer Verbindlichkeit (z. B. Rückzahlung eines Kredits): Zahlungsmittel sinken, aber die Verbindlichkeiten sinken exakt in gleicher Höhe → Geldvermögen unverändert → Auszahlung ohne Ausgabe.
Gewährung eines Darlehens: Zahlungsmittel sinken, dafür entsteht eine Forderung in gleicher Höhe (reiner Aktivtausch) → Geldvermögen unverändert → ebenfalls Auszahlung ohne Ausgabe.
Diese Gegenbeispiele gelten unabhängig davon, ob der zugrunde liegende Geschäftsfall vollständig innerhalb derselben Periode abgewickelt wird — die Einschränkung „innerhalb einer Periode" in der Aussage rettet die Schlussfolgerung also nicht.
Der Denkfehler: Die Aussage schließt von der Wirkung auf eine Fondskomponente (Zahlungsmittel) unmittelbar auf die Wirkung auf den gesamten Fonds Geldvermögen, ohne die gegenläufigen Bestandteile (Forderungen, Verbindlichkeiten) zu berücksichtigen.
Richtig ist die Aussage nur für den Normalfall Auszahlung = Ausgabe, z. B. beim Barkauf von Gütern, bei dem keine Forderung/Verbindlichkeit gegenläufig verändert wird.
Unkosten und die vier Fachbegriffe — Irrungen und Wirrungen 2
Aufgabe #186 · 10 P. · Aufgabe |Der Begriff „Unkosten“ hat einen festen Platz in der Alltagssprache, z.B. rund 1,2 Mio. Suchergebnisse in einer großen Internet-Suchmaschine. Er findet sich im Duden, in der Wikipedia und hat sogar ins ehrwürdige HGB Eingang gefunden (§ 581). a) 2 P. Nehmen Sie kurz und prägnant zur Sinnhaftigkeit dieses Begriffs Stellung. b) 8 P. Nennen und definieren Sie die vier Fachbegriffe der Betriebswirtschaftslehre im Zusammenhang mit dem Zahlungsmittelabfluss aus Unternehmen bzw. negativer Erfolgswirkung auf Unternehmen.
Original-Klausuraufgabe (Scan)
📝 Ausformulierte Lösung
a) Sinnhaftigkeit von „Unkosten": Der Begriff ist fachlich unsinnig und abzulehnen. Kosten sind stets wertneutral — der notwendige, bewertete Verzehr von Gütern und Dienstleistungen zur Leistungserstellung, weder „gut" noch „schlecht". Die Vorsilbe „Un-" unterstellt fälschlich etwas Unnötiges, Vermeidbares oder Negatives. Kaufleute (und die BWL) kennen für den Zahlungsmittelabfluss bzw. die negative Erfolgswirkung nur die vier exakt abgegrenzten Fachbegriffe Auszahlung, Ausgabe, Aufwand und Kosten — „Unkosten" ist keiner davon und stiftet nur begriffliche Verwirrung.
b) Die vier Fachbegriffe:
Auszahlung = die unmittelbare Abnahme des Zahlungsmittelbestands (Kasse + Bankguthaben) einer Periode.
Ausgabe = die Abnahme des Geldvermögens (Zahlungsmittel + Forderungen − Verbindlichkeiten) einer Periode — z. B. auch beim Kauf auf Ziel, noch ohne Geldabfluss.
Aufwand = der Wert aller in einer Periode verbrauchten Güter und Dienstleistungen, bewertet nach den Vorschriften des externen Rechnungswesens (GuV); mindert das Reinvermögen des Gesamtunternehmens.
Kosten = der bewertete, betriebsbedingte (sachzielbezogene) Verzehr von Gütern und Dienstleistungen einer Periode, der der eigentlichen Leistungserstellung dient — die zentrale Rechengröße des internen Rechnungswesens.
Unkosten und Fachbegriffe
Aufgabe #187 · 10 P. · Aufgabe |Der Begriff „Unkosten“ hat einen festen Platz in der Alltagssprache, z.B. 1,2 Mio. Suchergebnisse in einer großen Internet-Suchmaschine. Er findet sich im Duden, in der Wikipedia und hat sogar ins HGB Eingang gefunden (§ 581). a) 2 P. Nehmen Sie kurz und prägnant zur Sinnhaftigkeit dieses Begriffs Stellung. b) 8 P. Nennen und definieren Sie die vier tatsächlichen Fachbegriffe der Betriebswirtschaftslehre im Zusammenhang mit dem Zahlungsmittelabfluss aus dem Unternehmen.
Original-Klausuraufgabe (Scan)
📝 Ausformulierte Lösung
Inhaltlich identisch zur vorherigen Aufgabe (04.08.2020) — Rohleder stellt diese Frage über mehrere Klausurjahrgänge hinweg nahezu unverändert:
a) „Unkosten" ist fachlich unsinnig: Kosten sind wertneutral, die Vorsilbe „Un-" suggeriert fälschlich etwas Negatives. Kaufleute kennen nur die vier exakten Fachbegriffe Auszahlung, Ausgabe, Aufwand, Kosten.
b)
Auszahlung = Abnahme des Zahlungsmittelbestands (Kasse + Bankguthaben) einer Periode.
Ausgabe = Abnahme des Geldvermögens (Zahlungsmittel + Forderungen − Verbindlichkeiten) einer Periode.
Aufwand = Wert aller in einer Periode verbrauchten Güter und Dienstleistungen (GuV-Größe, externes Rechnungswesen).
Kosten = bewerteter, betriebsbedingter Verzehr von Gütern und Dienstleistungen einer Periode, der der Leistungserstellung (dem Kerngeschäft) dient (internes Rechnungswesen).
Lückentext: Einnahme bis Teilkostenrechnung
Aufgabe #188 · 5 P. · Aufgabe |Ergänzen Sie die fehlenden Begriffe! 1. Die positive Veränderung des Fonds „Geldvermögen" nennt man ___. 2. Ein ___ ist eine Organisationseinheit im Unternehmen, die sachzielorientierte Handlungen ausführt. 3. Eine ___ ist eine positive Veränderung des Fonds „betriebsnotwendiges Vermögen". 4. ___ sind die Kosten, die durch die Produktion einer zusätzlichen Mengeneinheit eines Produktes entstehen. 5. In der ___ werden die Kosten, die in der Vergangenheit angefallen sind, verteilt. 6. Das Mengenverhältnis von Output zu Input heißt ___. 7. Der Gewinn der nächstgünstigen Verwendungsalternative definiert die ___. 8. ___ ändern sich bei Veränderung der Herstellungsmengen. 9. Eine ___ ist im weiteren Sinne eine Menge von Kosten, die hinsichtlich eines zugrunde gelegten Kriteriums die gleichen Merkmalsausprägungen besitzen. 10. In der ___ wird nur ein Teil der erfassten Kosten einer Periode den Kostenträgern zugeordnet.
Nr.
Lückensatz
Korrekte Lösung
1
„Die positive Veränderung des Fonds „Geldvermögen" nennt man ___."
Einnahme
2
„Ein ___ ist eine Organisationseinheit im Unternehmen, die sachzielorientierte Handlungen ausführt."
Betrieb
3
„Eine ___ ist eine positive Veränderung des Fonds „betriebsnotwendiges Vermögen"."
Leistung
4
„___ sind die Kosten, die durch die Produktion einer zusätzlichen Mengeneinheit eines Produktes entstehen."
Grenzkosten
5
„In der ___ werden die Kosten, die in der Vergangenheit angefallen sind, verteilt."
Normalkostenrechnung(häufige Verwechslung: „Kostenrechnung" — zu unspezifisch, das ist der Oberbegriff für die gesamte Disziplin)
6
„Das Mengenverhältnis von Output zu Input heißt ___."
Produktivität
7
„Der Gewinn der nächstgünstigen Verwendungsalternative definiert die ___."
Opportunitätskosten
8
„___ ändern sich bei Veränderung der Herstellungsmengen."
variable Kosten(häufige Verwechslung: „Kosten" — trivial wahr, aber nicht die gesuchte Kostenart; das Gegenstück „Fixkosten ändern sich NICHT" kennst du ja schon aus Item 4 der Lückentext-Aufgabe oben)
9
„Eine ___ ist im weiteren Sinne eine Menge von Kosten, die hinsichtlich eines zugrunde gelegten Kriteriums die gleichen Merkmalsausprägungen besitzen."
Kostenart
10
„In der ___ wird nur ein Teil der erfassten Kosten einer Periode den Kostenträgern zugeordnet."
Teilkostenrechnung
Lückentext – Ergänzen Sie die fehlenden Fachtermini
Aufgabe #189 · 8 P. · Aufgabe |Ergänzen Sie die fehlenden Fachtermini! 1. Die negative Veränderung des Fonds „Geldvermögen" nennt man ___. 2. Die Differenz aus Einnahmen und Ausgaben wird als ___ bezeichnet. 3. ___ sind die Kosten, die durch die Produktion einer zusätzlichen Mengeneinheit eines Produktes entstehen. 4. Ein ___ ist eine Organisationseinheit im Unternehmen, die sachzielorientierte Handlungen ausführt. 5. ___ sind der Wert der in einer Periode abgesetzten Güter und Dienstleistungen. 6. Der Gewinn der nächstgünstigen Verwendungsalternative oder der entgangene Nutzen definieren die ___. 7. Im internen Rechnungswesen werden Abschreibungen häufig auf Basis des ___ vorgenommen. 8. In der ___ wird nur ein Teil der erfassten Kosten einer Periode den Kostenträgern zugeordnet. 9. Die negative Veränderung des Fonds „___" heißt Kosten. 10. Für die Kostenrechnung werden die Abschreibungen meist über die tatsächliche ___ berechnet. 11. In der ___ werden alle Kosten, die in einer Periode angefallen sind, direkt oder über die Kostenstellen auf die einzelnen Produkte verteilt. 12. Das Mengenverhältnis von Output zu Input heißt ___. 13. Nur die ___ sind für die kurzfristige Produktionsprogrammplanung entscheidungsrelevant. 14. ___ ändern sich bei Variation der Herstellungsmenge nicht. 15. ___ sind anzusetzen bei betrieblicher Nutzung unentgeltlich zur Verfügung gestellter Vermögensgegenstände. 16. Die ___ definiert den Betrag, von dem abgeschrieben wird.
Nr.
Lückensatz
Korrekte Lösung
1
„Die negative Veränderung des Fonds „Geldvermögen" nennt man ___."
Ausgabe
2
„Die Differenz aus Einnahmen und Ausgaben wird als ___ bezeichnet."
Überschuss
3
„___ sind die Kosten, die durch die Produktion einer zusätzlichen Mengeneinheit eines Produktes entstehen."
Grenzkosten
4
„Ein ___ ist eine Organisationseinheit im Unternehmen, die sachzielorientierte Handlungen ausführt."
Betrieb
5
„___ sind der Wert der in einer Periode abgesetzten Güter und Dienstleistungen."
Einnahmen
6
„Der Gewinn der nächstgünstigen Verwendungsalternative oder der entgangene Nutzen definieren die ___."
Opportunitätskosten
7
„Im internen Rechnungswesen werden Abschreibungen häufig auf Basis des ___ vorgenommen."
Wiederbeschaffungswerts(häufige Verwechslung: „Anschaffungspreis" — das ist genau vertauscht: der Anschaffungspreis/-wert ist die Basis im EXTERNEN Rechnungswesen, das interne rechnet zur Substanzerhaltung mit dem Wiederbeschaffungswert)
8
„In der ___ wird nur ein Teil der erfassten Kosten einer Periode den Kostenträgern zugeordnet."
Teilkostenrechnung
9
„Die negative Veränderung des Fonds „___" heißt Kosten."
betriebsnotwendigen Vermögens
10
„Für die Kostenrechnung werden die Abschreibungen meist über die tatsächliche ___ berechnet."
Nutzungsdauer
11
„In der ___ werden alle Kosten, die in einer Periode angefallen sind, direkt oder über die Kostenstellen auf die einzelnen Produkte verteilt."
Kostenträgerrechnung(häufige Verwechslung: „Kostenstellenrechnung" — die Kostenstellenrechnung verteilt Kosten auf Abteilungen/Stellen, nicht auf Produkte; „auf die einzelnen Produkte" ist das Kennzeichen der Kostenträgerrechnung, der dritten Stufe)
12
„Das Mengenverhältnis von Output zu Input heißt ___."
Produktivität
13
„Nur die ___ sind für die kurzfristige Produktionsprogrammplanung entscheidungsrelevant."
variablen Kosten(häufige Verwechslung: „relevante Kosten" — wie in den anderen Lückentexten dieses Batches)
14
„___ ändern sich bei Variation der Herstellungsmenge nicht."
Fixkosten(häufige Verwechslung: „Kostenremanenz" — Verwechslung mit dem verwandten, aber anderen Begriff der Kostenremanenz, siehe Aufgabe „Lückentext: Normalkostenrechnung bis Produktivität" oben)
15
„___ sind anzusetzen bei betrieblicher Nutzung unentgeltlich zur Verfügung gestellter Vermögensgegenstände."
Zusatzkosten (z. B. kalkulatorische Miete)
16
„Die ___ definiert den Betrag, von dem abgeschrieben wird."
Abschreibungsbasis (Bemessungsgrundlage)
Fachbegriffe: Einnahmen und Ausgaben — Definition, Ermittlung, Fonds
Aufgabe #190 · 5 P. · Aufgabe |a) 2 P. Definieren Sie die Begriffe Einnahmen und Ausgaben! b) 2 P. Wie lassen sie sich rechnerisch ermitteln? c) 1 P. Welchen Fonds verändern sie?
📝 Ausformulierte Lösung
a) Definitionen:
Einnahme = der Wert aller in einer Periode abgesetzten (verkauften) Güter und Dienstleistungen.
Ausgabe = der Wert aller in einer Periode zugegangenen (beschafften) Güter und Dienstleistungen.
b) Rechnerische Ermittlung: Einnahmen bzw. Ausgaben einer Periode sind Stromgrößen und ergeben sich als Zu- bzw. Abnahme (Differenz) des Fonds Geldvermögen zwischen Periodenanfang und Periodenende:
Einnahmen (Ausgaben) einer Periode = Geldvermögen(Periodenende) − Geldvermögen(Periodenanfang), soweit positiv (negativ).
c) Fonds: Einnahmen und Ausgaben verändern den Fonds Geldvermögen.
Lückentext – Ergänzen Sie die fehlenden Fachtermini
Aufgabe #191 · 5 P. · Aufgabe |Ergänzen Sie die fehlenden Fachtermini! 1. Das Ziel der Kostenrechnung ist die Sicherung der ___ des Unternehmens. 2. In der ___ wird nur ein Teil der erfassten Kosten einer Periode den Kostenträgern zugeordnet. 3. Das Ziel der Investitionsrechnung ist die Sicherung der ___ des Unternehmens. 4. ___ ist das Wertverhältnis von Output zu Input (Wirtschaftlichkeit). 5. Nur die ___ sind für die kurzfristige Produktionsprogrammplanung entscheidungsrelevant. 6. ___ ändern sich bei Variation der Herstellungsmenge nicht. 7. Die ___ dient der Erfassung und Gliederung aller im Laufe der jeweiligen Abrechnungsperiode anfallenden Kostenarten. 8. Der ___ sind derjenige Teil der kalkulatorischen Kosten, die dem Unternehmer für seine Tätigkeit als Geschäftsführer fiktiv zugrunde gelegt werden. 9. Im ___ Rechnungswesen müssen Abschreibungen auf Basis der Anschaffungsauszahlungen vorgenommen werden. (ersatzweise: Beschaffungswert) 10. Das Sachziel des Betriebs wird auch ___ genannt.
Nr.
Lückensatz
Korrekte Lösung
1
„Das Ziel der Kostenrechnung ist die Sicherung der ___ des Unternehmens."
Wirtschaftlichkeit
2
„In der ___ wird nur ein Teil der erfassten Kosten einer Periode den Kostenträgern zugeordnet."
Teilkostenrechnung(häufige Verwechslung: „Kostenträgerrechnung" — ein bekannter Verwechslungs-Trap: „Teil der Kosten" = Teilkostenrechnung, nicht Kostenträgerrechnung)
3
„Das Ziel der Investitionsrechnung ist die Sicherung der ___ des Unternehmens."
Erfolgspotenziale(häufige Verwechslung: „monetäre Ziele" — zu unspezifisch, gemeint ist konkret die Zukunftsfähigkeit/Erfolgsgrundlage, Fachbegriff Erfolgspotenziale)
4
„___ ist das Wertverhältnis von Output zu Input (Wirtschaftlichkeit)."
Wirtschaftlichkeit
5
„Nur die ___ sind für die kurzfristige Produktionsprogrammplanung entscheidungsrelevant."
variablen Kosten(häufige Verwechslung: „relevante Kosten" — vierte Wiederholung dieses Musters im Batch)
6
„___ ändern sich bei Variation der Herstellungsmenge nicht."
Fixkosten(häufige Verwechslung: „Remanente Kosten" — dritte Wiederholung der Fixkosten/Kostenremanenz-Verwechslung)
7
„Die ___ dient der Erfassung und Gliederung aller im Laufe der jeweiligen Abrechnungsperiode anfallenden Kostenarten."
Kostenartenrechnung(häufige Verwechslung: „Kostenrechnung" — der Oberbegriff, gefragt ist die erste Stufe im Dreischritt Kostenarten- → Kostenstellen- → Kostenträgerrechnung)
8
„Der ___ sind derjenige Teil der kalkulatorischen Kosten, die dem Unternehmer für seine Tätigkeit als Geschäftsführer fiktiv zugrunde gelegt werden."
kalkulatorische Unternehmerlohn
9
„Im ___ Rechnungswesen müssen Abschreibungen auf Basis der Anschaffungsauszahlungen vorgenommen werden."
externen(häufige Verwechslung: „internen" — genau umgekehrt; dieselbe Verwechslung wie in der 16er-Lückentext-Aufgabe oben, dort in der Gegenrichtung)
10
„Das Sachziel des Betriebs wird auch ___ genannt."
Aufgabe #192 · 9 P. · Aufgabe |LiMux war ein Projekt der Stadtverwaltung München mit dem Ziel, die rund 15.000 Arbeitsplatzrechner der städtischen Mitarbeiter mit freier Software („Open Source Software") zu betreiben, z.B. Linux und OpenOffice. Das Projekt ist – kurz gesagt – gescheitert (Beleg: heise.de-Artikel „Endgültiges Aus für LiMux: Münchener Stadtrat setzt den Pinguin vor die Tür", abgerufen 2020-01-31). Erläutern Sie präzise und am Beispiel einer gescheiterten Migration auf Open Source Software, was betriebswirtschaftlich unter folgenden Begriffen zu verstehen ist: a) 3 P. umsonst b) 3 P. kostenlos c) 3 P. unentgeltlich
📝 Ausformulierte Lösung
a) umsonst: Bezeichnet einen Vorgang ohne den gewünschten oder erwarteten Effekt — ineffektiv, vergebens. Übertragen auf LiMux: Das Ziel der Migration (freie Software dauerhaft und stabil auf 15.000 Arbeitsplätzen zu etablieren) wurde verfehlt — das Projekt wurde nach Jahren zurückgebaut. Der gesamte Aufwand hat den beabsichtigten Effekt nicht erreicht und war damit im betriebswirtschaftlichen Sinn „umsonst".
b) kostenlos: Bezeichnet einen Vorgang ohne Kosten im Sinne eines Werteverzehrs oder Nutzenentgangs, insbesondere ohne Opportunitätskosten. Übertragen auf LiMux: Die Software selbst (Linux, OpenOffice) verursachte keinen Kaufpreis. Streng genommen war die Umstellung aber nicht wirklich kostenlos, da Mitarbeiter Arbeitszeit investieren mussten, um sich mit der neuen Software vertraut zu machen — diese gebundene Zeit ist ein echter Werteverzehr (Opportunitätskosten), auch wenn kein Geld floss.
c) unentgeltlich: Bezeichnet einen Vorgang ohne Gegenleistung, im engeren Sinn: nicht zahlungswirksam. Übertragen auf LiMux: Die Bereitstellung der Open-Source-Software erfolgte ohne Gegenleistung (keine Lizenzgebühr, kein Entgelt an einen Hersteller) — insofern war die Softwarenutzung unentgeltlich.
Kosten- & Erfolgsgrößen — weitere Klausuraufgaben
Kritik an der Kostenrechnung
Aufgabe #216 · 8 P. · Aufgabe | 8 Punkte | Kritik an der KostenrechnungGerade in den letzten 20 Jahren sieht sich die traditionelle Kostenrechnung erheblicher Kritik ausgesetzt („Kosten gestalten geht vor Kosten verwalten!“). Die gilt besonders im Hinblick auf Ihre Unterstützung bei der Steuerung von Unternehmen.
a) 6 P. Nennen und erläutern Sie drei Ansatzpunkte für berechtigte Kritik an der Kostenrechnung. b) 2 P. Mit welchen Instrumenten können die von Ihnen in Teil a) genannten Schwachpunkte der Kostenrechnung möglicherweise behoben werden?
Original-Klausuraufgabe (Scan)
📝 Ausformulierte Lösung
a) Drei Ansatzpunkte für berechtigte Kritik:
Vergangenheitsorientierung. Die traditionelle Kostenrechnung ist rückwärtsgewandt (erfasst und verwaltet angefallene Ist-Kosten). Für zukunftsorientiertes „Kosten gestalten" liefert sie zu wenig Impulse.
Willkürliche Gemeinkostenschlüsselung. Die Verteilung der Gemeinkosten über Zuschlags-/Umlageschlüssel ist selten wirklich verursachungsgerecht, sondern beruht auf Annahmen — das verzerrt die kalkulierten Produktkosten und darauf aufbauende Entscheidungen.
Ausblendung nicht-monetärer/qualitativer Faktoren. Image, Kundenbeziehung, Wettbewerb, Umweltauflagen sowie ethische Aspekte von Entscheidungen bleiben außen vor — reine Kostenoptimierung kann strategisch/ethisch schädliche Entscheidungen begünstigen.
b) Instrumente: Prozesskostenrechnung gegen die willkürliche Schlüsselung (verursachungsgerechtere Verteilung über Prozesse) · Target Costing/Lebenszykluskostenrechnung gegen die Vergangenheitsorientierung (markt-/zukunftsorientiertes Kostengestalten) · Balanced Scorecard gegen die Ausblendung nicht-monetärer Faktoren (ergänzt die Finanzperspektive um Kunden-, Prozess- und Potenzialsicht).
Zentrale Begriffe und Konzepte
Aufgabe #217 · 8 P. · Aufgabe | 8 Punkte | Zentrale Begriffe und KonzepteDamit die Kostenrechnung ihren Beitrag zu wichtigen Entscheidungen leisten kann, ist ein sicherer Umgang mit zentralen Begriffen und Konzepten unerlässlich.
a) 2 P. Erläutern Sie kurz sprungfixe Kosten und nennen Sie ein Beispiel. b) 2 P. Was versteht man unter „Kostenremanenz“? Nennen Sie ein Beispiel. c) 2 P. Was sind „relevante Kosten“? Nennen Sie ein Beispiel. d) 2 P. Welcher Effekt liegt den „Economies of Scale“ zugrunde?
📝 Ausformulierte Lösung
a)Sprungfixe (intervallfixe) Kosten sind Kosten, deren Höhe innerhalb eines bestimmten Intervalls der Ausbringungsmenge konstant bleibt, beim Überschreiten einer bestimmten Ausbringungsmenge aber sprunghaft auf ein höheres Niveau ansteigt. Beispiel: die Abschreibung einer zusätzlichen Maschine, die erst angeschafft werden muss, wenn die Kapazitätsgrenze der bisherigen Maschine überschritten wird.
b)Kostenremanenz bezeichnet den Effekt, dass die Kosten eines Unternehmens bei einer Leistungsreduzierung nicht sofort auf das Niveau zurückgehen, das vor der entsprechenden Leistungssteigerung galt — Kosten „kleben" eine Zeit lang auf dem höheren Niveau. Beispiel: die kurzfristige Stilllegung einer Maschine erspart nicht sofort deren volle Fixkostenlast (Abschreibung läuft z. B. weiter).
c)Relevante Kosten sind die Kosten, die für eine konkrete Entscheidung tatsächlich beeinflussbar/entscheidungsrelevant sind. Beispiel: Werden bei einer Entscheidung mehrere Engpässe gleichzeitig wirksam, müssen zusätzlich die Opportunitätskosten (entgangener Deckungsbeitrag der verdrängten Alternative) als relevante Kosten berücksichtigt werden.
d) Der „Economies of Scale" zugrunde liegende Effekt ist die Fixkostendegression: Werden die (unveränderten) Fixkosten eines Betriebs auf eine größere Ausbringungsmenge verteilt, sinkt der anteilige Fixkostenblock je Stück — dadurch sinken die gesamten Stückkosten mit wachsender Menge (ergänzend wirken bei sehr großen Skalen oft auch Spezialisierungs- und Erfahrungskurveneffekte).
Aussagekraft des internen Rechnungswesens
Aufgabe #219 · 8 P. · Aufgabe | 8 Punkte | Aussagekraft des internen RechnungswesensSie haben nach Abschluss Ihres Studiums eine attraktive Stelle bei einem mittelständischen Maschinenbauunternehmen bekommen. Der Besitzer und Geschäftsführer stöhnt in Ihrem ersten Gespräch: „Die Kostenrechnung hat einfach nicht die Zahlen, die ich brauche! Jede Auswertung dauert ewig und oft bekomme ich nur grobe Schätzungen statt exakter Werte. Sie sind doch so eine Schlaumeierin (ein Schlaumeier) frisch von der Hochschule: Also: Was soll ich ändern?“
Schlagen Sie Ihrem Chef vier konkrete, möglichst unterschiedliche Maßnahmen vor, mit denen die Aussagekraft der Kostenrechnung wahrscheinlich erhöht werden kann!
📝 Ausformulierte Lösung
Maßnahme 1: Kosten möglichst direkt (statt über pauschale Umlagen) auf Kostenstellen und Kostenträger verteilen — das macht die Kostenanalyse präziser und deckt Schwachstellen gezielter auf.
Maßnahme 2:Gemeinkosten nicht mehr über grobe, pauschale Schlüssel verteilen, sondern über eine Prozesskostenrechnung verursachungsgerechter zuordnen — das reduziert Fehlkalkulationen.
Maßnahme 3: Kostenträgerarten/-stellen sinnvoll zusammenfassen bzw. strukturieren, um den manuellen Rechenaufwand zu reduzieren und Übertragungsfehler zu vermeiden.
Maßnahme 4: Eine IT-gestützte, automatisierte Kostenrechnungssoftware (ERP-Modul) einführen bzw. ausbauen, die Daten zeitnah und automatisiert erfasst und auswertet — das adressiert direkt die Beschwerde „jede Auswertung dauert ewig" und ersetzt grobe manuelle Schätzungen durch zeitnahe, belastbare Werte.
Richtig oder falsch? — Ausgabe, Aufwand, Kosten
Aufgabe #220 · 3 P. · Aufgabe |Eine Ausgabe, ein Aufwand, aber keine Kosten ist gegeben bei …
1. Aufforderung zur Gewerbesteuernachzahlung fürs Vorjahr 2. Gehalt des Produktionsleiters 3. Zielkauf von Rohstoffen 4. Außerplanmäßige Abschreibung eines Grundstücks 5. Kalkulatorischer Unternehmerlohn 6. Eingang der Handwerkerrechnung für Reparatur in vermieteten Räumen des Möbelherstellers
Original-Klausuraufgabe (Scan)
📝 Ausformulierte Lösung
#
Sachverhalt
Richtig?
Begründung
1
Aufforderung zur Gewerbesteuernachzahlung fürs Vorjahr
Richtig
Ausgabe ja, Aufwand ja (Steueraufwand), Kosten nein: die Nachzahlung betrifft das Vorjahr (periodenfremder, neutraler Aufwand der aktuellen Periode).
2
Gehalt des Produktionsleiters
Falsch
Hier liegen Ausgabe, Aufwand UND Kosten vor (das Gehalt ist betriebszweckbezogener Personalaufwand der laufenden Periode), die Aussage „aber keine Kosten“ trifft also nicht zu.
3
Zielkauf von Rohstoffen
Falsch
Beim Zielkauf entsteht zwar eine Ausgabe (Verbindlichkeit), aber noch kein Aufwand und keine Kosten (reiner Aktiv-/Passivtausch, der Rohstoff ist ja noch nicht verbraucht).
4
Außerplanmäßige Abschreibung eines Grundstücks
Falsch
Hier liegt zwar Aufwand vor (außerordentlicher/neutraler Aufwand, keine Kosten, da Grundstücke i. d. R. nicht planmäßig abgeschrieben werden), aber keine Ausgabe (reine Wertkorrektur ohne Zahlungsvorgang). Die Dreier-Bedingung ist damit nicht erfüllt.
5
Kalkulatorischer Unternehmerlohn
Falsch
Kalkulatorischer Unternehmerlohn ist reine Zusatzkosten: Kosten ja, aber Ausgabe und Aufwand nein (es fließt kein echtes Geld, es taucht auch nicht in der externen GuV auf).
6
Eingang der Handwerkerrechnung für Reparatur in vermieteten Räumen des Möbelherstellers
Richtig
Ausgabe ja (Rechnungseingang = Verbindlichkeit), Aufwand ja (Reparaturaufwand), Kosten nein: die vermieteten Räume gehören nicht zum eigentlichen Betriebszweck (Möbelherstellung), also betriebsfremder/neutraler Aufwand.
Systeme der Kosten- und Leistungsrechnung
Aufgabe #221 · 10 P. · Aufgabe | 10 Punkte | Systeme der Kosten- und LeistungsrechnungDie Systeme der Kosten und Leistungsrechnung lassen sich nach Ihrem Zeitbezug sowie nach Ihrem Sachumfang gliedern.
a) 6 P. Erläutern Sie die Systeme der Kostenrechnung, die nach ihrem Zeitbezug gegliedert werden, mit je einem Satz! b) 4 P. Erläutern Sie die Systeme der Kostenrechnung, die nach ihrem Sachumfang gegliedert werden, mit je einem Satz!
Original-Klausuraufgabe (Scan)
📝 Ausformulierte Lösung
a) Systeme nach Zeitbezug
Ist-Kostenrechnung: Die tatsächlich in der Vergangenheit angefallenen (Ist-)Kosten werden auf die Kostenträger verteilt.
Normalkostenrechnung: Die durchschnittlich in vergangenen Perioden angefallenen Kosten bestimmen einen geglätteten Verrechnungssatz, mit dem die aktuellen Ist-Mengen bewertet werden.
Plankostenrechnung: Die für eine zukünftige Periode im Voraus geplanten Kosten bestimmen den Verrechnungssatz, mit dem die tatsächlichen Mengen bewertet werden.
b) Systeme nach Sachumfang
Vollkostenrechnung: Alle in einer Periode angefallenen Kosten werden — direkt oder über die Kostenstellenrechnung — vollständig auf die einzelnen Kostenträger verteilt.
Teilkostenrechnung: Nur ein Teil der in einer Periode erfassten Kosten (i. d. R. die variablen Kosten) wird den Kostenträgern zugeordnet.
Konstante Deckungsspannen
Aufgabe #222 · 13 P. · Aufgabe | 13 Punkte | „Konstante Deckungsspannen“Konstante Deckungsspannen finden sich in quasi jedem Lehrbuch und in den Köpfen mancher Praktiker, obwohl sie praktisch nicht existieren.
a) 2 P. Wie ist die Deckungsspanne definiert? b) 1 P. Nennen Sie eine alternative Bezeichnung (ein Synonym) c) 4 P. Erläutern Sie ausführlich, warum es in der Praxis keine konstanten Deckungsspannen gibt. d) 4 P. Erläutern Sie ausführlich, warum das Fehlen konstanter Deckungsspannen die Entscheider nicht vor unlösbare Aufgaben stellt.
📝 Ausformulierte Lösung
a) Die Deckungsspanne ist die Differenz aus dem Verkaufspreis einer Ware oder Dienstleistung und den ihr zugerechneten variablen Kosten — also der Deckungsbeitrag, den ein einzelnes Stück erwirtschaftet.
b) Synonym: Stückdeckungsbeitrag (bzw. „Deckungsbeitrag je Stück"). (Der Begriff „Deckungsbeitrag" allein wird oft synonym verwendet, ist aber genau genommen mehrdeutig — er kann auch den Gesamt-Deckungsbeitrag meinen; „Stückdeckungsbeitrag" ist die präzisere Entsprechung zur „Deckungsspanne".)
c) Konstante Deckungsspannen würden voraussetzen, dass sowohl der Verkaufspreis als auch die variablen Stückkosten über den gesamten relevanten Mengenbereich unverändert (linear) bleiben. Das trifft in der Praxis kaum zu:
Der Verkaufspreis ist meist nicht konstant, sondern hängt von der abgesetzten Menge ab (Preis-Absatz-Funktion, Mengenrabatte, Marktsättigung, Wettbewerbsreaktionen) — wer mehr verkaufen will, muss häufig den Preis senken.
Auch die variablen Stückkosten verlaufen selten linear: Einkaufsrabatte bei größeren Bestellmengen und Lern-/Erfahrungskurveneffekte senken sie, während Kapazitätsengpässe (Überstundenzuschläge, sinkende Effizienz nahe der Kapazitätsgrenze) sie erhöhen können.
Die zugrunde liegende lineare Kostenfunktion () ist damit nur eine vereinfachende Modellannahme für einen begrenzten Mengenbereich, keine über den gesamten Wertebereich exakt zutreffende Realität.
d) Das Fehlen konstanter Deckungsspannen stellt Entscheider dennoch nicht vor unlösbare Aufgaben, weil:
Für eine konkrete Entscheidung reicht es aus, die Kosten-/Erlösfunktion näherungsweise linear im relevanten Mengenbereich anzunehmen (Konzept der „relevant range") — man muss die Funktion nicht global über alle denkbaren Mengen exakt abbilden, sondern nur für den tatsächlich zur Debatte stehenden Ausschnitt.
Wo die Nichtlinearität spürbar wird, lässt sich mit abschnittsweise linearen Kostenfunktionen arbeiten (für jeden Kapazitätsbereich eine eigene, lokal gültige Deckungsspanne ansetzen).
Für die jeweilige Einzelentscheidung (z. B. einen Zusatzauftrag) wird ohnehin mit der aktuell gültigen bzw. erwartetenDeckungsspanne für genau diesen Fall gerechnet — die Annahme muss nur lokal für diesen Entscheidungsfall gelten, nicht als globale, über alle Zeiten und Mengen konstante Größe.
Normal- vs. Plankosten
Aufgabe #223 · 5 P. · Aufgabe | 5 Punkte | Normal- vs. PlankostenWorin unterscheiden sich die Normal- von den Plankosten? Erläutern Sie ausführlich!
📝 Ausformulierte Lösung
Normalkostenrechnung: rechnet mit Durchschnittswerten, die aus den Ist-Kosten vergangener Abrechnungsperioden gebildet werden; sie dient der Vorkalkulation und soll Kostenschwankungen bei der Kalkulation glätten/ausgleichen.
Plankostenrechnung: eine Kostenrechnung, bei der die Kosten für eine zukünftige Abrechnungsperiode mithilfe der Kostenstellenrechnung im Voraus festgelegt werden.
Kernunterschied: Plankosten werden — im Gegensatz zur Normalkostenrechnung — nicht (nur) mit Hilfe der Ist-Kosten berechnet, sondern auf Basis geplanter (Soll-)Größen im Voraus festgelegt. Plankosten werden zudem für jede Kostenstelle gesondert ermittelt und dem verantwortlichen Leiter der jeweiligen Kostenstelle als Zielgröße vorgegeben — Normalkosten sind dagegen ein reiner Vergangenheits-Durchschnitt ohne Ziel-/Steuerungsfunktion.
Langfristige Existenzsicherung des Unternehmens
Aufgabe #224 · 5 P. · Aufgabe | 5 Punkte | Langfristige Existenzsicherung des UnternehmensIn einem namhaften Lehrbuch steht folgende Aussage: „Zur langfristigen Existenzsicherung muss ein Betrieb Erlöse erzielen, die seine Gesamtkosten K abdecken.“ Ist diese Aussage zutreffend? Begründen Sie Ihre Einschätzung ausführlich!
📝 Ausformulierte Lösung
Die Aussage ist unvollständig (nur die halbe Wahrheit), nicht einfach „zutreffend".
Was stimmt: Die Erlöse müssen mindestens die Gesamt-/Selbstkosten K decken — und weil in K bereits die kalkulatorischen Kosten (u. a. der kalkulatorische Unternehmerlohn und kalkulatorische Zinsen) enthalten sind, ist bei genauer Deckung von K bereits ein kalkulatorischer „Normalgewinn" (angemessene Unternehmerentlohnung/Kapitalverzinsung) abgegolten.
Was fehlt: Für die langfristige Existenzsicherung reicht reine Kostendeckung nicht aus. Der Betrieb muss darüber hinaus einen echten Gewinn (Gewinnaufschlag) erwirtschaften, um Reserven/Eigenkapital für Preis- und Marktschwankungen zu bilden und um Investitionen, Wachstum und die Substanzerhaltung (zu Wiederbeschaffungswerten) zu finanzieren. Ohne diesen Gewinnpuffer würde der Betrieb bei der ersten stärkeren negativen Schwankung nicht überleben.
Korrekt müsste es also heißen: Erlöse ≥ Selbstkosten + angemessener Gewinnzuschlag.
Weitere Aufgaben
Wesen der Kostenrechnung — Einperiodigkeit
Aufgabe #182 · 5 P. · Aufgabe |Die Kostenrechnung ist ihrem Wesen nach einperiodig. Erläutern Sie ausführlich, was das bedeutet und welche Beschränkungen sich daraus für die Kostenrechnung ergeben.
📝 Ausformulierte Lösung
„Einperiodig" bedeutet: Die Kostenrechnung bezieht ihre Aussagen immer auf eine einzelne, klar abgegrenzte Abrechnungsperiode — üblicherweise das Geschäftsjahr, das zur unterjährigen Steuerung meist weiter in Teilperioden (Quartale, Monate) zerlegt wird (kurzfristige Erfolgsrechnung). Erfasst und verrechnet werden dabei nur die Kosten und Leistungen, die ursächlich genau dieser Periode zuzurechnen sind — unabhängig davon, wann die zugehörige Zahlung erfolgt ist.
Daraus ergeben sich folgende Beschränkungen:
Keine mehrperiodigen Zusammenhänge: Vorgänge, die sich über mehrere Jahre erstrecken — insbesondere die langfristige Kapitalbindung und die zeitversetzten Rückflüsse einer Investition —, kann die (einperiodige) Kostenrechnung nicht sachgerecht abbilden. Dafür ist die Investitionsrechnung zuständig, die bewusst mehrperiodig und objektbezogen rechnet.
Notwendigkeit der Periodenabgrenzung: Periodenfremde Aufwendungen und Erträge (die wirtschaftlich zu einer anderen Periode gehören, z. B. eine Steuernachzahlung fürs Vorjahr) müssen aus der Kostenrechnung neutralisiert bzw. sachlich/zeitlich abgegrenzt werden — sonst verfälschen sie die Aussagekraft (das Wirtschaftlichkeitsurteil) der aktuellen Periode.
Grobe Zeitauflösung: Eine reine Jahresbetrachtung kommt für die kurzfristige Steuerung zu spät. Deshalb wird das Geschäftsjahr in kürzere Teilperioden zerlegt, um die Erfolgslage laufend beurteilen zu können.
Frage: a) (6 P.) Erläutern Sie drei wichtige und unterschiedliche Vorteile, die ein Unternehmen aus der Einrichtung von Profitcentern erwarten kann. b) (8 P.) Erläutern Sie vier wichtige und unterschiedliche Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, damit Profitcenter sinnvoll eingerichtet werden können.
Musterantwort a) — drei Vorteile:
Dezentrale, schnellere und marktnähere Entscheidungen. Verantwortung wird an die Stelle verlagert, die „näher am Kunden/Markt“ ist → kürzere Entscheidungswege, höhere Reaktionsgeschwindigkeit.
Erfolgstransparenz / Steuerbarkeit. Jeder Bereich weist einen eigenen Erfolg (Ergebnis) aus. Das schafft klare Leistungs- und Ergebnistransparenz und ermöglicht gezielte Steuerung und Vergleich der Bereiche.
Motivation und Entlastung der Unternehmensleitung. Ergebnisverantwortung motiviert die Center-Leitung (unternehmerisches Denken, ggf. erfolgsabhängige Vergütung) und entlastet die oberste Führung von Detailentscheidungen (Konzentration auf strategische Aufgaben).
Musterantwort b) — vier Voraussetzungen:
Marktfähige, abgrenzbare Leistung / eigenständiger Markt. Der Bereich muss ein eigenständiges Produkt-/Marktsegment (verschiedene Betriebszweige/Geschäftsfelder) bedienen, dessen Erlöse dem Center eindeutig zurechenbar sind.
Eigenständige Erfolgsermittlung möglich (Erlöse UND Kosten zurechenbar). Dem Center müssen sowohl Kosten als auch Erlöse verursachungsgerecht zugeordnet werden können, sonst lässt sich kein eigener „Profit“ (Ergebnis) messen.
Entscheidungs- und Weisungskompetenz der Center-Leitung. Die Leitung braucht reale Handlungs-/Entscheidungsautonomie über die ergebnisrelevanten Größen; nur Größen, die sie beeinflussen kann, dürfen ihr zugerechnet werden (Prinzip der Beeinflussbarkeit).
Hinreichende Unternehmensgröße & geringe Interdependenz. Das Unternehmen muss groß genug sein und die Bereiche müssen weitgehend unabhängig voneinander agieren; bei starker Verflechtung verzerren Verrechnungspreise für interne Lieferungen den ausgewiesenen Erfolg.
Definition & Zweck
Frage: a) (3 P.) Was versteht man unter einem Profitcenter? b) (3 P.) Warum werden Profitcenter eingerichtet?
Musterantwort a) — Definition: Ein Profitcenter ist ein organisatorischer Teilbereich eines Unternehmens mit eigener Ergebnis-(Gewinn-)verantwortung. Ihm werden sowohl die Kosten als auch die Erlöse zugerechnet, sodass ein eigener Erfolg (Betriebsergebnis) ausgewiesen wird. Die Center-Leitung trägt Verantwortung für dieses Ergebnis und verfügt über entsprechende Entscheidungskompetenzen. (Abgrenzung: Cost-Center = nur Kostenverantwortung; Investment-Center = zusätzlich Verantwortung für das eingesetzte Kapital.)
Musterantwort b) — warum: Um Ergebnistransparenz je Bereich zu schaffen, dezentrale/ marktnahe Entscheidungen zu ermöglichen, die Motivation durch unternehmerische Ergebnisverantwortung zu erhöhen und die Unternehmensleitung zu entlasten (siehe die drei Vorteile in D1a).
Die Einrichtung von Kostenstellen hat erhebliche Bedeutung für die wirtschaftliche Betriebsführung. a) (2 P.) Welches Dilemma besteht bei der Einrichtung von Kostenstellen? b) (6 P.) Erläutern Sie drei weitere Überlegungen, die bei der Einrichtung von Kostenstellen anzustellen sind.
Musterantwort a) — das Dilemma
Zielkonflikt zwischen Genauigkeit und Wirtschaftlichkeit der Erfassung:
Zu viele Kostenstellen → hoher Erfassungs-/Verwaltungsaufwand und Bürokratie; der zusätzliche Informationsnutzen steht in keinem Verhältnis zum Mehraufwand (unwirtschaftlich).
Zu wenige Kostenstellen → Kosten werden zu grob aufgeschlüsselt, die Aussagekraft sinkt; man kann keine sinnvollen Steuerungsmaßnahmen mehr ableiten (ungenau).
Man muss den optimalen Detaillierungsgrad finden – so fein wie nötig, so grob wie wirtschaftlich vertretbar (Grenznutzen der Information ≈ Grenzkosten der Erfassung).
Musterantwort b) — drei weitere Überlegungen
Eindeutige Verantwortung: Jede Kostenstelle sollte genau einen verantwortlichen Kostenstellenleiter haben, der Ansprechpartner ist und den die Kosten der Stelle beeinflussbar zugerechnet werden können (selbstständiger Verantwortungsbereich).
Eindeutige/verursachungsgerechte Kontierbarkeit: Kostenstellen so abgrenzen, dass die Kosten eindeutig zugeordnet werden können (Belege verursachungsgerecht kontierbar). Beispiel: gleichartige Maschinen einer Halle in eine Kostenstelle zusammenfassen statt jede einzeln – das vermeidet Kontierungsungenauigkeiten und Willkür.
Sinnvolle Bezugsgrößen / Sonder- und Hilfskostenstellen: Für jede Stelle müssen geeignete Bezugs-/Maßgrößen für die Weiterverrechnung existieren; zusätzlich eigene Kostenstellen für allgemeine Bereiche (Verwaltung/Geschäftsführung) oder Projekte einrichten.
🎤 Rohleders Hinweise zu diesem Thema
Übung: Kostenkategorien, BAB-Grundlagen, Profit Center
Klausurhinweise
Bei offenen Textfragen ohne explizite Teilpunktzahl → siehe 📋 Modalitäten (Gleichteilung).
Zu einer sprachlich sauber formulierten Musterlösung: „Wenn ich das so lese und es liest sich so geschmeidig, dann bin ich immer leicht versucht, da auch noch einen zweiten Haken dran zu setzen" → siehe 📋 Modalitäten (Kulanzpunkt).
Zur Stufenleiterverfahren-Definition (Wahr/Falsch-Format): „Deshalb liest man da auch sicherheitshalber zweimal drüber. Und in der Klausur haben Sie dafür auch die Zeit." — Wahr/Falsch-Aussagen sind bewusst mit Fallstricken formuliert.
Bewertungserwartung
Vage/„runde" Formulierungen („dient der verursachungsgerechten Kontenkontrolle", „übernimmt Funktionen im Sinne eines Kostencontrollings") werden explizit als Nonsens/Gaga-Satz ohne Punkte bewertet, auch wenn sie plausibel klingen.
Zwei klar durchdachte, aufeinander aufbauende Sätze („dient sinnvoller Verteilung der Gemeinkosten, die sich nicht direkt zurechnen lassen") werden als zwei separate Punkte gewertet.
Aussagen, die aus dem Internet/Blogs stammen und „unscharf" sind, werden explizit als unterdurchschnittlich bewertet — Rohleder rät ausdrücklich von ungeprüften Web-/KI-Quellen ab, empfiehlt Fachbücher (Wöhe-Kapitel Kostenrechnung als Kompaktquelle).
Typische Fehler / Fallen
Verwechslung Primärkosten-Kriterium: nicht „fließt Geld", sondern „ist der Betrag bereits in der Finanzbuchhaltung als Aufwand verbucht" (Abschreibung ist erfolgs-, nicht zahlungswirksam, aber trotzdem Primärkosten, weil verbucht).
Eigene Reparatur/Leistung durch eigene Abteilung (z. B. Maschinenreparatur) wird oft fälschlich als Primärkosten eingeordnet — richtig: Sekundärkosten, weil keine Aufwandsverbuchung in der FiBu stattfand, sondern nur eine innerbetriebliche Leistungsverrechnung (Stundenzettel statt Rechnung).
Bei „Kostenstelle = Organigramm-Einheit": oft fälschlich 1:1-Übereinstimmung angenommen — ist nur „oft so", aber nicht zwingend.
Beim BAB wird die Kostenartenrechnung fälschlich mit reingezeichnet — BAB gehört ausschließlich zur Kostenstellenrechnung, Kostenartenrechnung ist vorgelagert, Kostenträgerrechnung (Kalkulation) ist nachgelagert.
Fachliche Klarstellungen
Primärkosten-Definition (die „saubere 100 %-Definition"): „Primärkosten werden direkt aus den Aufwandskonten der Gewinn- und Verlustrechnung bezogen" — Prüf-Frage: „Habe ich das bereits in der Finanzbuchhaltung verbucht? Wenn ja → Primärkosten." Nicht zahlungsorientiert, sondern erfolgsorientiert (Kanonischer Referenzpunkt, ergänzt die Tochtergesellschaften-Nuance aus U06).
Sekundärkosten: entstehen durch Inanspruchnahme innerbetrieblicher Leistungen, werden über Verrechnungssätze abgerechnet, die als Normalkosten gelten — bewusst nicht monatlich neu ermittelt, „Planbarkeit und Laufruhe wichtiger als abschließende Präzision".
Vorkostenstellen = alle, die keine eigenen Zuschlagssätze ausprägen können und sich zuerst auf Haupt-/Endkostenstellen entlasten müssen — Unterscheidung „allgemeine/Hilfs-" vs. „Hauptkostenstellen" ist eine andere (nicht deckungsgleiche) Terminologie-Variante.
Vier zusätzliche Überlegungen bei Kostenstellen-Einrichtung: (1) selbstständiger Verantwortungsbereich mit genau einer verantwortlichen Person, (2) sinnvolle Bezugsgröße (z. B. eine teure Maschine als eigene Kostenstelle), (3) Vermeidung von Kontierungsschwierigkeiten, (4) Sonderkostenstellen (Geschäftsführungsbudget, Projektbudgets).
Profit Center vs. Kostenstelle: Kostenstelle managt nur Kosten/Budgets; Profit Center managt zusätzlich Leistungen/Erlöse → eigene kleine GuV pro Bereich. Zweck: Unternehmergeist, Kundennähe, interner Wettbewerbsdruck (Beispiel Beiersdorf/Nivea: Werke bieten intern wie im Wettbewerb um Aufträge). Konsequenz unterausgelasteter Profit Center: eher verkaufen/outsourcen als schließen.
Mengenschlüssel (m², m³, Stunden) vs. Wertschlüssel (Euro-Größen, z. B. Lohnsumme für Sozialkosten) — Auswahl ist Praxiskonvention, keine Pflicht.
Merksätze
„Der Lackmus-Test [für Primärkosten via Zahlungsfluss] ist: fließt Geld über die Unternehmensgrenze" — relativiert zugunsten der saubereren FiBu-Definition (siehe oben).
„Nicht stumpf ist Trumpf, sondern einfach mal reinschauen" — keine Schemata blind anwenden ohne Verständnis.
📋 Gelöste Aufgaben — nach Thema gegliedert
Kostenstellen / Profitcenter
Wozu dient die Kostenstellenrechnung?
Aufgabe #099 · Aufgabe | #4aWozu dient die Kostenstellenrechnung?
Die Kostenstellenrechnung ist das Bindeglied zwischen Kostenarten- und Kostenträgerrechnung und beantwortet die Frage: Wo im Betrieb sind die (Gemein-)Kosten entstanden? Sie dient insbesondere:
der verursachungsgerechten Verteilung der Gemeinkosten auf die Orte ihrer Entstehung (Kostenstellen),
der Wirtschaftlichkeitskontrolle je Kostenstelle durch Soll-Ist-Vergleiche (Kostenverantwortung des Kostenstellenleiters),
der Ermittlung von Gemeinkostenzuschlagssätzen bzw. Kalkulationssätzen als Grundlage einer möglichst genauen Kostenträgerrechnung,
der innerbetrieblichen Leistungsverrechnung (Umlage der Vorkostenstellen auf die Hauptkostenstellen).
Damit ermöglicht sie eine genauere Kalkulation als eine reine Zuschlagsrechnung ohne Kostenstellen und schafft Transparenz über die Kostenstruktur des Betriebs.
Aufbau des BAB (Grafik)
Aufgabe #100 · Aufgabe | #4bWie ist der BAB aufgebaut (Grafik!)?
Der BAB ist eine Matrix: Zeilen = (Gemein-)Kostenarten, Spalten = Kostenstellen (links Vor-/Hilfskostenstellen, rechts die Endkostenstellen). Untere Zeilenblöcke enthalten Umlage, Summen und Zuschlagssätze.
Kostenart
Verteilungs-schlüssel
Summe (EUR)
Allg. Kostenstelle
Material
Fertigung
Verwaltung
Vertrieb
Hilfslöhne
Lohnsumme
...
...
...
...
...
...
Hilfsstoffe
Verbrauch
...
...
...
...
...
...
Energie
kWh
...
...
...
...
...
...
Raumkosten
m2
...
...
...
...
...
...
Abschreibungen
Anlagenwert
...
...
...
...
...
...
Summe primäre GK
...
...
...
...
...
...
Umlage allg. Kostenstelle
Leistung
(Verteilung)
+
+
+
+
Summe GK je Stelle
...
...
...
...
Zuschlagsbasis (EK)
Materialeinzelk.
Fertigungslöhne
Herstellk.
Herstellk.
Zuschlagssatz in Prozent
...
...
...
...
Leserichtung: Von oben nach unten werden die primären Gemeinkosten auf die Spalten (Kostenstellen) verteilt; anschliessend werden die Vorkostenstellen (allgemeine Kostenstelle) auf die Endkostenstellen umgelegt; ganz unten ergeben sich aus Gemeinkosten geteilt durch Zuschlagsbasis die Zuschlagssätze der Endkostenstellen.
Welche Informationen liefert der BAB?
Aufgabe #101 · Aufgabe | #4cWelche Informationen erhalten Sie auf Basis des BAB?
Auf Basis des BAB erhält man insbesondere:
die Höhe der Gemeinkosten je Kostenstelle und damit Transparenz darüber, wo welche Kosten entstehen,
die Gemeinkostenzuschlagssätze der Endkostenstellen (Material-, Fertigungs-, Verwaltungs-, Vertriebsgemeinkostenzuschlag) für die Kalkulation,
die Grundlage für die Wirtschaftlichkeitskontrolle: Soll-Ist-Vergleiche je Kostenstelle sowie Kostenüber- bzw. -unterdeckungen (Vergleich Ist- und Normalgemeinkosten),
die Ausgangsdaten für die Kostenträgerrechnung und die Angebots-/Nachkalkulation.
Kurz: Der BAB zeigt, wo die Gemeinkosten anfallen, wie hoch sie je Stelle sind und mit welchen Sätzen sie in die Kalkulation eingehen.
Bildung eines Zuschlagssatzes
Aufgabe #102 · Aufgabe | #4dWie wird ein Zuschlagssatz gebildet?
Ein Gemeinkostenzuschlagssatz setzt die Gemeinkosten einer Kostenstelle ins Verhältnis zu einer geeigneten Bezugsgrösse (Zuschlagsbasis), in der Regel den zugehörigen Einzelkosten:
Zuschlagssatz in Prozent = (Gemeinkosten der Kostenstelle / Zuschlagsbasis) mal 100
Übliche Basen und Sätze:
Materialgemeinkostenzuschlag = Materialgemeinkosten / Materialeinzelkosten mal 100
Fertigungsgemeinkostenzuschlag = Fertigungsgemeinkosten / Fertigungslöhne mal 100
Verwaltungsgemeinkostenzuschlag = Verwaltungsgemeinkosten / Herstellkosten mal 100
Vertriebsgemeinkostenzuschlag = Vertriebsgemeinkosten / Herstellkosten mal 100
Beispiel: Betragen die Materialgemeinkosten 20.000,00 EUR und die Materialeinzelkosten 100.000,00 EUR, so ergibt sich ein Materialgemeinkostenzuschlag von 20.000,00 geteilt durch 100.000,00 mal 100 = 20,00 %. In der Kalkulation werden die Gemeinkosten dann als dieser Prozentsatz auf die Einzelkosten aufgeschlagen.
Problem bei starker Aenderung von Rohstoffpreisen oder Fertigungsloehnen
Aufgabe #103 · Aufgabe | #4eWelches Problem ergibt sich, wenn sich z.B. die Rohstoffpreise oder die Fertigungslöhne deutlich ändern?
Die Gemeinkostenzuschlagssätze beruhen auf wertmässigen Zuschlagsbasen (Einzelkosten wie Materialeinzelkosten oder Fertigungslöhne). Der Ansatz unterstellt, dass die Gemeinkostenproportional zu dieser Basis verlaufen. Genau diese Annahme wird verletzt, wenn sich die Basis stark ändert:
Steigen z.B. die Rohstoffpreise, so steigt die Materialeinzelkosten-Basis, obwohl die tatsächlichen Materialgemeinkosten (Lagerverwaltung, Einkauf usw.) weitgehend gleich bleiben. Wendet man den alten Prozentsatz an, werden zu hohe Gemeinkosten verrechnet.
Sinken z.B. die Fertigungslöhne (Basis), werden mit dem alten Satz zu wenig Gemeinkosten verrechnet, obwohl die eigentlichen Fertigungsgemeinkosten unverändert sind.
Folge: Die Kalkulation wird verzerrt, die Produkte werden systematisch zu teuer oder zu billig kalkuliert. Die Zuschlagssätze müssen bei deutlichen Preis-/Lohnänderungen neu ermittelt werden. Dies ist die grundsätzliche Schwäche der Zuschlagskalkulation mit wertmässigen Bezugsgrössen; Mengenschlüssel bzw. bezugsgrössengenaue Verrechnung sind hier robuster.
Mengenschlüssel verteilen Kosten nach physischen/technischen Bezugsgrössen wie Quadratmetern, Kilowattstunden, Kilogramm, Arbeits- oder Maschinenstunden, Stückzahlen oder Mitarbeiterzahl. Sie werden verwendet, wenn ein direkt messbarer Ursache-Wirkungs-Zusammenhang zwischen der Bezugsgrösse und der Kostenentstehung besteht. Beispiele: Reinigungs-/Raumkosten nach m2, Energiekosten nach kWh. Vorteil: verursachungsgerecht und unabhängig von Preisschwankungen.
Wertschlüssel verteilen Kosten nach monetären Bezugsgrössen wie Einzelkosten, Herstellkosten, Lohnsumme, Materialwert oder Umsatz. Sie werden verwendet, wenn kein sinnvoller Mengenschlüssel verfügbar oder die Mengenerfassung zu aufwendig ist. Beispiel: Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten nach Herstellkosten. Nachteil: weniger verursachungsgerecht und preisabhängig (ändern sich Preise/Löhne, verzerrt das die Verteilung, vgl. Aufgabe 4e).
Kurz: Mengenschlüssel dort, wo ein technischer Zusammenhang messbar ist (genauer); Wertschlüssel als pragmatischer Ersatz, wo Mengen nicht sinnvoll erfassbar sind.
Dilemma bei der Einrichtung von Kostenstellen
Aufgabe #105 · 2 P. · Aufgabe | 2 P. | #5aWelches Dilemma besteht bei der Einrichtung von Kostenstellen?
Das Dilemma ist der Zielkonflikt zwischen Genauigkeit und Wirtschaftlichkeit der Kostenstellenrechnung:
Eine feine Gliederung (viele, kleine Kostenstellen) erlaubt eine genauere, verursachungsgerechtere Kostenzurechnung und eine wirksamere Wirtschaftlichkeitskontrolle, verursacht aber einen hohen Erfassungs-, Verrechnungs- und Verwaltungsaufwand (und damit selbst Kosten).
Eine grobe Gliederung (wenige, grosse Kostenstellen) ist aufwandsarm und wirtschaftlich, liefert aber ungenauere Zurechnungen und weniger aussagekräftige Kontrollinformationen.
Man muss also abwägen, wie weit der Nutzen genauerer Kosteninformationen die Kosten ihrer Erfassung noch rechtfertigt. Es gilt, den Detaillierungsgrad zu finden, bei dem der Zusatznutzen den Zusatzaufwand gerade noch übersteigt.
Drei weitere Ueberlegungen bei der Einrichtung von Kostenstellen
Aufgabe #106 · 6 P. · Aufgabe | 6 P. | #5bErläutern Sie drei weitere Überlegungen, die bei der Einrichtung von Kostenstellen anzustellen sind!
Neben dem Genauigkeits-/Wirtschaftlichkeits-Dilemma sind u.a. folgende Überlegungen anzustellen (drei ausgearbeitete Kriterien):
1. Eindeutige Verantwortlichkeit (selbständiger Verantwortungsbereich): Jede Kostenstelle sollte einem verantwortlichen Kostenstellenleiter zugeordnet sein. Nur so lassen sich Kosten einer Person zurechnen und eine wirksame Wirtschaftlichkeitskontrolle sowie Kostenverantwortung überhaupt durchsetzen. Kostenstellengrenzen sollten daher möglichst mit Verantwortungsbereichen zusammenfallen.
2. Verursachungsgerechte Zurechenbarkeit / homogene Kostenverursachung: Innerhalb einer Kostenstelle sollten möglichst gleichartige Leistungen erbracht werden und eine sinnvolle, eindeutige Bezugsgrösse (Massgrösse der Kostenverursachung, z.B. Maschinenstunden) existieren. Nur dann lassen sich Gemeinkosten und Zuschlagssätze verursachungsgerecht bilden. Werden sehr unterschiedliche Tätigkeiten in einer Stelle vermischt, wird die Verrechnung ungenau.
3. Eindeutige, überschneidungsfreie Abgrenzung und Kontierbarkeit: Kostenstellen müssen klar (räumlich/funktional) voneinander abgegrenzt sein, sodass jeder Kostenbeleg eindeutig und ohne Doppelzuordnung einer Stelle zugeordnet werden kann (praktische Kontierbarkeit). Überschneidungen würden die Kostenzurechnung fehlerhaft machen.
(Weitere mögliche Überlegungen: sinnvolle Anlehnung an die Aufbauorganisation, Beständigkeit der Einteilung im Zeitablauf für Vergleichbarkeit, sowie Berücksichtigung der späteren Auswertungs-/Kontrollzwecke.)
Was ist ein Profitcenter?
Aufgabe #107 · 3 P. · Aufgabe | 3 P. | #6aWas versteht man unter einem Profitcenter?
Ein Profitcenter ist ein organisatorisch abgegrenzter Teilbereich eines Unternehmens, der wie ein eigenständiges Unternehmen im Unternehmen geführt wird und eine eigene Ergebnis- bzw. Gewinnverantwortung trägt. Im Unterschied zu einer reinen Kostenstelle (Cost Center) hat ein Profitcenter sowohl Kosten- als auch Erlösverantwortung; sein Erfolg wird an einer eigenen Ergebnisgrösse (Betriebsergebnis, Deckungsbeitrag, Gewinn) gemessen.
Der Profitcenter-Leiter verfügt über weitreichende Entscheidungsbefugnisse hinsichtlich der zur Ergebniserzielung eingesetzten Mittel (z.B. Beschaffung, Produktion, Absatz, Preise).
Abgrenzung: Cost Center = nur Kostenverantwortung; Profitcenter = Kosten- und Erlös-/Ergebnisverantwortung; Investment Center = zusätzlich Verantwortung für das eingesetzte Kapital/Investitionen.
Warum werden Profitcenter eingerichtet?
Aufgabe #108 · 3 P. · Aufgabe | 3 P. | #6bWarum werden Profitcenter eingerichtet?
Profitcenter werden vor allem aus folgenden Gründen gebildet:
Ergebnistransparenz: Der Erfolg wird je Teilbereich sichtbar; man erkennt, welche Bereiche profitabel arbeiten und welche nicht.
Motivation und unternehmerisches Denken: Durch die eigene Ergebnisverantwortung werden Führungskräfte zu eigenverantwortlichem, unternehmerischem Handeln angehalten (Anreizwirkung).
Dezentralisierung und Entlastung der Unternehmensleitung: Entscheidungen werden dorthin verlagert, wo die Markt- und Sachkenntnis liegt; das ermöglicht schnellere, marktnähere Entscheidungen und entlastet die Zentrale.
Leistungsbewertung und Vergleichbarkeit: Bereiche lassen sich anhand ihrer Ergebnisse beurteilen und vergleichen (Benchmarking), was Steuerung und Ressourcenallokation verbessert.
Insgesamt erhöhen Profitcenter Transparenz, Motivation, Flexibilität und Marktnähe.
Weitere Unternehmensentwicklung durch Profitcenter (v.a. in Konzernen)
Aufgabe #109 · 4 P. · Aufgabe | 4 P. | #6cWelche weitere Unternehmensentwicklung wird häufig mit der Bildung von Profitcentern ermöglicht, insbesondere in Konzernen?
Die Bildung von Profitcentern ist häufig die organisatorische Vorstufe zur rechtlichen Verselbständigung von Unternehmensteilen. Weil ein Profitcenter bereits mit eigener Ergebnisverantwortung und einer eigenen Ergebnisrechnung geführt wird, lässt es sich vergleichsweise leicht ausgliedern und in eine rechtlich selbständige Tochtergesellschaft überführen. Damit wird der Aufbau bzw. Ausbau einer Konzern- bzw. Holdingstruktur ermöglicht.
Konkret eröffnet dies insbesondere in Konzernen:
die Ausgründung/Verselbständigung erfolgreicher Bereiche als eigene Gesellschaften (Dezentralisierung des Konzerns),
eine Portfolio- und Beteiligungssteuerung: Da jede Einheit ihr eigenes Ergebnis ausweist, kann die Konzernleitung Einheiten gezielt bewerten, weiterentwickeln, verkaufen (desinvestieren) oder schliessen bzw. neue zukaufen und integrieren,
eine klarere Steuerung über Ergebnis-/Renditeziele je Gesellschaft.
Das Profitcenter ist damit das Bindeglied hin zu einer dezentralen, in rechtlich selbständige Einheiten gegliederten Konzernorganisation und schafft die Grundlage für aktives Beteiligungsmanagement (Kauf/Verkauf von Unternehmensteilen).
Betriebsabrechnung I
Bildung von Kostenstellen — Richtig oder falsch?
Aufgabe #218 · 5 P. · Aufgabe | 5 Punkte | Bildung von KostenstellenSind die nachfolgenden Aussagen richtig?
Die Bildung von Kostenstellen… ...kann unter räumlichen Aspekten erfolgen. ...ist in Einproduktbetrieben überflüssig. ...ist Voraussetzung für die Erstellung von Betriebsabrechnungsbögen. ...ist auch in den meisten Kleinbetrieben anzutreffen. ...kann nach Einführung der Plankostenrechnung aufgegeben werden. ...ist bei der einfachen Zuschlagskalkulation auf Hilfskostenstellen beschränkt. ...erfolgt auch im Handel (nach Produkten oder Produktgruppen). ...führt zum Entstehen von klaren Verantwortungsbereichen. ...wird mit Einführung einer Deckungsbeitragsrechnung (Einzelkostenrechnung) überflüssig. …ist nach Einführung einer Prozesskostenrechnung weiterhin erforderlich.
Original-Klausuraufgabe (Scan)
📝 Ausformulierte Lösung
#
Aussage: Die Bildung von Kostenstellen…
Richtig?
Begründung
1
…kann unter räumlichen Aspekten erfolgen.
Ja
Kostenstellen können u. a. räumlich (Halle, Abteilung), funktional oder verantwortungsbezogen gebildet werden.
2
…ist in Einproduktbetrieben überflüssig.
Nein
Auch bei nur einem Endprodukt gibt es unterschiedliche Fertigungsstufen/Bereiche mit eigenem Kostenanfall (vgl. mehrstufige Divisionskalkulation: jede Stufe ≈ eine Kostenstelle), Kostenkontrolle bleibt sinnvoll.
3
…ist Voraussetzung für die Erstellung von Betriebsabrechnungsbögen.
Ja
Der BAB verteilt Gemeinkosten gerade auf die Kostenstellen, ohne diese kein BAB.
4
…ist auch in den meisten Kleinbetrieben anzutreffen.
Vermutlich Nein
Wegen des Zielkonflikts Genauigkeit vs. Wirtschaftlichkeit wird eine differenzierte Kostenstellenrechnung eher in mittleren/großen Betrieben eingerichtet; in den meisten Kleinbetrieben lohnt der Aufwand oft nicht, dort bleibt es häufig bei grober Kostenartenrechnung ohne feine Kostenstellengliederung. Kein offizieller Lösungsschlüssel für dieses Datum vorhanden.
5
…kann nach Einführung der Plankostenrechnung aufgegeben werden.
Nein
Plankosten werden gerade je Kostenstelle ermittelt und vorgegeben, die Plankostenrechnung setzt Kostenstellen voraus statt sie überflüssig zu machen.
6
…ist bei der einfachen Zuschlagskalkulation auf Hilfskostenstellen beschränkt.
Nein
Die Zuschlagskalkulation nutzt auch Endkostenstellen (Material, Fertigung, Verwaltung, Vertrieb), nicht nur Hilfskostenstellen.
7
…erfolgt auch im Handel (nach Produkten oder Produktgruppen).
Ja
Auch Handelsbetriebe bilden Kostenstellen/Warengruppen-Rechnungen nach Produkten oder Produktgruppen.
8
…führt zum Entstehen von klaren Verantwortungsbereichen.
…wird mit Einführung einer Deckungsbeitragsrechnung (Einzelkostenrechnung) überflüssig.
Nein
Auch eine (mehrstufige) DB-Rechnung braucht Kostenstellen/Bereiche zur Organisation der Fixkostenschichten und Verantwortlichkeiten.
10
…ist nach Einführung einer Prozesskostenrechnung weiterhin erforderlich.
Ja
Die Prozesskostenrechnung identifiziert Prozesse/Cost Driver INNERHALB von Kostenstellen, sie ersetzt die Kostenstellengliederung nicht.
6. Profit Center vs. Kostenstelle — Konzept und Konsequenzen
Aufgabe #015 · 6. Profit Center vs. Kostenstelle — Konzept und KonsequenzenEin mittelständisches Unternehmen überlegt, seine bislang als reine Kostenstelle geführte Werkstatt-Abteilung künftig als Profit Center zu führen (Vorbild: Beiersdorf/Nivea, wo einzelne Werke intern wie im Wettbewerb um Aufträge konkurrieren). Erläutern Sie den konzeptionellen Unterschied zwischen Kostenstelle und Profit Center, nennen Sie zwei intendierte Effekte der Umstellung, und schätzen Sie ein, was in der Praxis typischerweise mit einem dauerhaft unterausgelasteten Profit Center geschieht.
📝 Ausformulierte Lösung
Der konzeptionelle Unterschied liegt im Umfang der Ergebnisverantwortung: Eine Kostenstelle ist ausschließlich für ihre Kosten verantwortlich — sie wird über Soll-Ist-Vergleiche von Budgets gesteuert, hat aber keinen eigenen Bezug zu Erlösen. Ein Profit Center übernimmt zusätzlich die Verantwortung für die Leistungen bzw. Erlöse des Bereichs und kann damit eine eigene, kleine Gewinn-und-Verlust-Rechnung aufstellen — der Bereich wird faktisch wie ein eigenständiges kleines Unternehmen innerhalb des Gesamtunternehmens geführt. Voraussetzung dafür ist, dass sich die erzielten Erlöse dem Bereich hinreichend eindeutig zurechnen lassen; ist das nicht der Fall, lässt sich kein belastbarer Bereichsgewinn ermitteln und das Profit-Center-Konzept verliert seine Aussagekraft.
Zwei von Unternehmen typischerweise intendierte Effekte einer solchen Umstellung sind erstens die Stärkung von Unternehmergeist und Kundennähe der Bereichsleitung — wer am eigenen Ergebnis gemessen wird, trifft unternehmerischere, kundenorientiertere Entscheidungen als eine Kostenstellenleitung, die nur ihr Budget einhalten muss. Zweitens entsteht interner Wettbewerbsdruck und Flexibilität: Im Vorbild Beiersdorf/Nivea etwa bieten einzelne Werke intern wie im echten Marktwettbewerb um Aufträge, wodurch Effizienz und Reaktionsfähigkeit auf Marktveränderungen gestärkt werden sollen.
Wird ein Profit Center dauerhaft unterausgelastet bzw. dauerhaft defizitär, ist die typische unternehmerische Konsequenz nicht die schlichte Schließung, sondern eher der Verkauf oder das Outsourcing des Bereichs — häufig über den Zwischenschritt einer rechtlichen Verselbstständigung als eigenständige GmbH. Da ein Profit Center bereits wie ein eigenständiges kleines Unternehmen mit eigenen Zahlen, Kundenbeziehungen und Ergebnisverantwortung funktioniert, lässt es sich vergleichsweise leicht aus dem Unternehmensverbund herauslösen und an einen externen Käufer übergeben.
Aufgabe #028 · 6 P. · Aufgabe | 6 P. | #4aWas versteht man unter Kontierung?
Kontierung ist die Zuordnung eines Geschäftsvorfalls (belegt durch einen Beleg) zu den davon betroffenen Konten. Dabei wird der Buchungssatz festgelegt: welche Konten im Soll und welche im Haben angesprochen werden und in welcher Höhe (Grundsatz Soll = Haben).
Was dazugehört:
Ausgangspunkt ist stets ein Beleg - es gilt der Grundsatz keine Buchung ohne Beleg.
Die Auswahl der Konten richtet sich nach dem betrieblichen Kontenrahmen/Kontenplan (z. B. SKR), der die Konten systematisch gliedert.
Der Geschäftsvorfall wird sachlich richtig eingeordnet (z. B. Aufwands-, Ertrags-, Bestands- oder Erfolgskonto).
In der Kostenrechnung umfasst die Kontierung zusätzlich die Zuordnung zu Kostenstellen und Kostenträgern.
Kurz: Kontierung ist die vorbereitende Bestimmung, wie ein Beleg zu verbuchen ist - also das Festlegen des vollständigen Buchungssatzes vor der eigentlichen Buchung.
Bedeutung der Kontierung
Aufgabe #029 · 4 P. · Aufgabe | 4 P. | #4bWarum ist sie so wichtig?
Die Kontierung ist wichtig, weil sie die Grundlage jeder ordnungsgemäßen und systematischen Erfassung bildet und damit über die Richtigkeit aller nachgelagerten Auswertungen entscheidet:
Richtigkeit der Abschlüsse: Nur korrekt kontierte Belege führen zu einer zutreffenden Bilanz und Gewinn-und-Verlust-Rechnung. Eine falsche Kontierung verfälscht unmittelbar den Abschluss.
Richtigkeit der Kostenrechnung: Über die Kontierung werden Kosten den richtigen Kostenstellen und Kostenträgern zugeordnet. Fehler führen zu falschen Kalkulationen und Fehlentscheidungen (Fehlsteuerung).
Ordnungsmäßigkeit: Eine saubere Kontierung sichert die Einhaltung der Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung (GoB) und damit Nachvollziehbarkeit und Prüfbarkeit gegenüber Fiskus und Prüfern.
Vergleichbarkeit: Die einheitliche Zuordnung nach Kontenrahmen macht Zahlen über Perioden und Bereiche hinweg vergleichbar.
Fazit: Da sämtliche Auswertungen des internen und externen Rechnungswesens auf den kontierten Belegen aufsetzen, gilt: Fehler an dieser Stelle pflanzen sich in alle Ergebnisse fort - die Kontierung ist das Fundament der gesamten Buchführung und Kostenrechnung.
Systeme der Kostenrechnung
Die drei Stufen der Kostenrechnung
Aufgabe #030 · Aufgabe | #5aErläutern Sie die drei Systeme („Stufen“) der Kostenrechnung in eigenen Worten.
Die Kostenrechnung gliedert sich in drei aufeinander aufbauende Stufen. Jede Stufe beantwortet eine eigene Leitfrage; das Ergebnis der einen ist die Eingangsgröße der nächsten.
1. Kostenartenrechnung - Welche Kosten sind angefallen?
Hier werden sämtliche in einer Periode angefallenen Kosten vollständig und überschneidungsfrei erfasst und nach Arten gegliedert (z. B. Materialkosten, Personalkosten, Abschreibungen, Zinsen, Fremdleistungen). Zugleich werden die Kosten in Einzelkosten (direkt zurechenbar) und Gemeinkosten (nicht direkt zurechenbar) getrennt. Sie ist der Einstieg und liefert das Datenmaterial für die folgenden Stufen.
2. Kostenstellenrechnung - Wo sind die Kosten angefallen?
Die Gemeinkosten, die sich dem einzelnen Produkt nicht direkt zurechnen lassen, werden auf die betrieblichen Bereiche (Kostenstellen, z. B. Material, Fertigung, Verwaltung, Vertrieb) verteilt. Zentrales Hilfsmittel ist der Betriebsabrechnungsbogen (BAB). Aus den Kostenstellen werden Zuschlagssätze abgeleitet, mit denen die Gemeinkosten später auf die Kostenträger weiterverrechnet werden. Diese Stufe schafft damit die Brücke zwischen Kostenarten und Kostenträgern.
3. Kostenträgerrechnung - Wofür sind die Kosten angefallen?
Hier werden die Kosten den Kostenträgern (Produkten, Aufträgen, Leistungen) zugerechnet. Sie hat zwei Ausprägungen:
Kostenträgerstückrechnung (Kalkulation): ermittelt die Selbstkosten je Stück, Grundlage für Preisbildung und Preisuntergrenzen.
Kostenträgerzeitrechnung (kurzfristige Erfolgsrechnung): stellt periodenbezogen Kosten und Leistungen gegenüber und ermittelt den kurzfristigen Betriebserfolg.
Zusammenhang: Die drei Stufen bilden eine logische Kette - von welche Kosten (Arten) über wo (Stellen) bis wofür (Träger). Erst ihr Zusammenspiel ermöglicht eine verursachungsgerechte Kalkulation und Erfolgskontrolle.
Kostenartenrechnung
Unterschied Normalkosten – Plankosten
Aufgabe #057 · Aufgabe | #3aWorin unterscheiden sich die Normal- von den Plankosten?
Normalkosten: Sie sind vergangenheitsorientiert. Man bildet aus den Istkosten mehrerer zurückliegender Perioden Durchschnittswerte, um zufällige Schwankungen zu glätten. Normalkosten fragen also: „Was war üblicherweise?"
Plankosten: Sie sind zukunftsorientiert. Sie werden für eine kommende Periode im Voraus festgelegt, auf Basis von Planmengen und Planpreisen und unter Berücksichtigung von Wirtschaftlichkeitsvorgaben. Plankosten haben Vorgabe-/Sollcharakter und dienen als Maßstab für die Kostenkontrolle (Soll-Ist-Vergleich).
Abgrenzung: Normalkosten = geglättete Durchschnitte der Vergangenheit (kein Vorgabecharakter). Plankosten = bewusst geplante Sollwerte für die Zukunft, die Abweichungsanalysen ermöglichen.
Variable Kosten mit degressivem Verlauf – Wesen und zwei Beispiele
Aufgabe #058 · Aufgabe | #3bErläutern Sie kurz das Wesen von variablen Kosten mit degressivem Verlauf und geben Sie dazu zwei Beispiele.
Wesen: Degressiv variable Kosten steigen zwar mit zunehmender Beschäftigung, aber unterproportional – jede zusätzliche Ausbringungseinheit verursacht weniger Zusatzkosten als die vorherige. Die Grenzkosten fallen, und die variablen Stückkosten sinken mit steigender Menge.
Beispiel 1:Materialkosten mit Mengenrabatt / Rabattstaffeln beim Rohstoffeinkauf – je größer die Bestellmenge, desto niedriger der Einkaufspreis je Einheit.
Beispiel 2: Energie-/Betriebsstoffkosten von Anlagen, die bei höherer Auslastung mit besserem Wirkungsgrad arbeiten, sodass der Verbrauch je Stück sinkt (alternativ: Lohnkosten mit Lerneffekt/Einarbeitung – die Lernkurve senkt die Zeit je Stück).
Sprungfixe Kosten – Wesen, Bedingungen, Beispiel
Aufgabe #059 · Aufgabe | #3cErläutern Sie kurz sprungfixe Kosten: Wesen, Bedingungen plus ein Beispiel.
Wesen: Sprungfixe (intervallfixe) Kosten bleiben innerhalb eines bestimmten Beschäftigungsintervalls konstant (fix), springen aber beim Überschreiten einer Kapazitätsgrenze sprunghaft auf ein höheres Niveau und bleiben dort bis zur nächsten Grenze wieder konstant. Der Verlauf ist eine Treppenfunktion.
Bedingungen: Der Sprung tritt auf, wenn die vorhandene Kapazität ausgeschöpft ist und für eine höhere Ausbringung eine zusätzliche, nicht beliebig teilbare Kapazitätseinheit bereitgestellt werden muss (Maschine, Schicht, Halle, Aufsichtsperson).
Beispiel: Anschaffung/Miete einer zweiten Maschine, wenn die erste Maschine voll ausgelastet ist – oder das zusätzliche Meistergehalt bei Einführung einer zweiten Schicht.
Primär- und Sekundärkosten – Wesen, Abgrenzung, je ein Beispiel
Aufgabe #060 · Aufgabe | #3dErläutern Sie kurz das Wesen von Primär- und von Sekundärkosten und grenzen Sie diese eindeutig ab. Nennen Sie dazu jeweils ein prägnantes Beispiel.
Primärkosten: Werteverzehr von Gütern und Dienstleistungen, die der Betrieb von außen (extern) bezieht. Sie treten originär als eigenständige Kostenart auf und sind nicht in andere Kostenarten zerlegbar. Beispiel: eingekaufte Rohstoffe (auch Fremdstrom, Löhne/Gehälter als extern bezogene Arbeitsleistung).
Sekundärkosten: Kosten für innerbetrieblich selbst erstellte Leistungen (Eigenleistungen), die im Rahmen der innerbetrieblichen Leistungsverrechnung auf empfangende Kostenstellen weiterverrechnet werden. Beispiel: Strom aus dem eigenen Kraftwerk oder eine Reparaturleistung der eigenen Werkstatt für eine andere Kostenstelle.
Abgrenzung: Primärkosten entstehen durch Fremdbezug von außerhalb des Betriebs; Sekundärkosten entstehen innerbetrieblich und sind das Ergebnis der Verrechnung selbst erstellter Leistungen.
Warum periodenfremde Aufwendungen nicht in die KLR eingehen (zwei Beispiele)
Aufgabe #061 · Aufgabe | #3eWarum werden die periodenfremden Aufwendungen in der Kosten- und Leistungsrechnung nicht mit einbezogen? Nennen Sie dazu zwei Beispiele.
Begründung: Die Kosten- und Leistungsrechnung soll den Werteverzehr genau der betrachteten Abrechnungsperiode und nur den betriebszweckbezogenen Verbrauch erfassen. Periodenfremde Aufwendungen gehören wirtschaftlich in eine andere Periode. Würde man sie einbeziehen, würde das Betriebsergebnis der laufenden Periode verfälscht und die Vergleichbarkeit der Perioden gestört. Sie zählen daher zum neutralen Aufwand, nicht zu den (Zweck-)Kosten der aktuellen Periode.
Beispiel 1: Steuernachzahlung, die ein früheres Geschäftsjahr betrifft.
Beispiel 2: Nachträgliche Energie- oder Betriebskostennachzahlung für einen bereits abgeschlossenen Vorzeitraum.
Warum außerordentliche Aufwendungen keine Kosten sind – auch wenn betriebsbedingt
Aufgabe #062 · Aufgabe | #3fWarum berücksichtigt die Kostenrechnung außerordentliche Aufwendungen nicht als Kosten, selbst wenn diese betriebsbedingt anfallen?
Begründung: Außerordentliche Aufwendungen fallen unregelmäßig, einmalig und in atypischer, ungewöhnlicher Höhe an; sie gehören nicht zum normalen, wiederkehrenden Betriebsablauf. Kosten sollen aber den normalen, regelmäßigen Werteverzehr abbilden, damit Kalkulation und Wirtschaftlichkeitskontrolle aussagekräftig und periodenvergleichbar bleiben. Würde man außerordentliche Aufwendungen als Kosten ansetzen, verzerrten die einmaligen Ausschläge die Stückkosten und Vergleiche. Selbst wenn der Aufwand betriebsbedingt entsteht, wird er wegen seines außergewöhnlichen Charakters als neutraler (außerordentlicher) Aufwand ausgegrenzt. Das typische Risiko wird stattdessen als kalkulatorische Wagniskosten im „Normalmaß" berücksichtigt.
Beispiel: Ein Brand- oder Unwetterschaden im Betrieb trifft zwar den Betrieb, wird aber nicht als Kostenart in die Kalkulation aufgenommen.
Was ist Kostenremanenz?
Aufgabe #063 · Aufgabe | #3gWas versteht man unter „Kostenremanenz“?
Kostenremanenz bezeichnet das Phänomen, dass Kosten bei rückläufiger Beschäftigung nicht im gleichen Tempo sinken, wie sie bei steigender Beschäftigung angestiegen sind – sie „bleiben kleben" (remanieren). Ursache ist, dass einmal aufgebaute Kapazitäten, Personal oder Verträge bei Beschäftigungsrückgang nicht sofort abgebaut werden können oder sollen. Der Kostenverlauf beim Beschäftigungsabbau ist deshalb nicht spiegelbildlich zum Aufbau; die Kosten bleiben vorübergehend auf einem höheren Niveau.
Was sind relevante Kosten? (mit Beispiel)
Aufgabe #064 · Aufgabe | #3hWas sind „relevante Kosten“? Beispiel?
Relevante Kosten sind die für eine konkrete Entscheidung maßgeblichen Kosten: zukünftige Kosten, die sich durch die Wahl zwischen Alternativen verändern und daher entscheidungsrelevant sind. Nicht relevant sind bereits angefallene, unwiderrufliche Kosten (sunk costs) sowie Kosten, die bei allen Alternativen gleich hoch bleiben.
Beispiel: Bei der Entscheidung „Eigenfertigung oder Fremdbezug" (make or buy) sind nur die zusätzlichen variablen Fertigungskosten relevant, die bei Eigenfertigung anfallen; die ohnehin vorhandenen, unveränderlichen Fixkosten der Halle sind nicht entscheidungsrelevant. (Ebenso bei einem Zusatzauftrag: relevant sind nur die zusätzlich verursachten variablen Kosten.)
Welcher Effekt liegt den Economies of Scale zugrunde?
Aufgabe #065 · Aufgabe | #3iWelcher Effekt liegt den „Economies of scale“ zugrunde?
Economies of Scale (Größendegression): Mit steigender Ausbringungs- bzw. Betriebsgröße sinken die Stückkosten (Durchschnittskosten). Der zentrale zugrunde liegende Effekt ist die Fixkostendegression: Die fixen Kosten verteilen sich auf eine größere Menge, sodass die Fixkosten je Stück – und damit die gesamten Stückkosten – sinken. Verstärkend wirken Lern-, Spezialisierungs- und Mengeneffekte (z. B. Mengenrabatte im Einkauf).
Nach welchem Prinzip sollten Kosten zugeordnet werden?
Grundprinzip: Kosten sollten nach dem Verursachungsprinzip (Kausalprinzip) zugeordnet werden – jede Kostenstelle bzw. jeder Kostenträger soll genau die Kosten tragen, die er verursacht hat (verursachungsgerechte Zurechnung).
Ergänzung: Wo eine eindeutige Verursachung nicht feststellbar ist (echte Gemeinkosten), greift ersatzweise das Durchschnitts- bzw. Tragfähigkeitsprinzip. Leitprinzip bleibt aber die Verursachungsgerechtigkeit.
Aufgabe #067 · 10 P. · Aufgabe | 10 P. | #4Kostenarten: Ordnen Sie die folgenden Kostenarten den Kategorien Einzelkosten, Gemeinkosten, Sondereinzelkosten der Fertigung oder Sondereinzelkosten des Vertriebs zu (Zutreffendes ankreuzen). (Quelle: Krause, Krause: Kosten- und Leistungsrechnung, 3. Aufl. 2016, S. 13) (1) Mietkosten für ein Ladengeschäft; (2) Transportversicherung für den Auftrag 08/15-1009; (3) Lizenzgebühren für Bauteil 5518; (4) Honorar an den Steuerberater; (5) Monteurlohn für Auftrag 08/15-2955; (6) Abschreibungskosten Maschine DN4; (7) Betriebsstoffkosten für Mai; (8) Rohstoffkosten für Mai; (9) Hilfsstoffkosten für Mai.
Vorgehen: Direkt einem einzelnen Kostenträger zurechenbare Kosten sind Einzelkosten; auftragsbezogene Sonderkosten der Fertigung bzw. des Vertriebs sind Sondereinzelkosten; alles nur indirekt (über Schlüsselung) Zurechenbare ist Gemeinkosten.
Nr.
Kostenart
Zuordnung
Begründung
1
Mietkosten für ein Ladengeschäft
Gemeinkosten
nicht einem Produkt/Auftrag zurechenbar, allgemeiner Raumbedarf
Aufgabe #096 · 5 P. · Aufgabe | 5 P. | #1Kostenkategorien: Sie haben in der Fertigung einzelne Maschinen, auf denen verschiedene Produkte gefertigt werden, als Kostenstellen definiert. Überprüfen Sie für die folgenden Positionen, ob sie Kostenträger-Einzelkosten (KT-EK), Kostenstellen-Einzelkosten (KS-EK), Kostenstellen-Gemeinkosten (KS-GK), Sondereinzelkosten (SEK) und/oder Primärkosten (PK) darstellen (Zutreffendes ankreuzen): (1) Meistergehalt in der Dreherei; (2) Abschreibung einer Maschine; (3) Rohstoffkosten; (4) Reparatur an der Maschine durch die eigene Abteilung; (5) Bezug von Gießformen für ein bestimmtes Modell.
Ausgangssetzung (wichtig!): Als Kostenstellen sind die einzelnen Maschinen definiert. Auf jeder Maschine werden mehrere Produkte gefertigt. Deshalb gilt für jede Position: Was sich nicht genau einem Produkt zurechnen lässt, ist Kostenträger-Gemeinkosten; was sich genau einer Maschine zurechnen lässt, ist Kostenstellen-Einzelkosten; was sich nicht einmal einer einzelnen Maschine zurechnen lässt, ist Kostenstellen-Gemeinkosten.
Prüfschema je Position:
Meistergehalt in der Dreherei — Der Meister betreut die gesamte Dreherei, also mehrere Maschinen (= mehrere Kostenstellen). Es ist keinem einzelnen Produkt und auch keiner einzelnen Maschine direkt zurechenbar. Damit ist es bezogen auf die Maschinen-Kostenstellen ein Kostenstellen-Gemeinkosten. Gehalt = von aussen bezogene Arbeitsleistung = Primärkosten. (Hinweis: Auf der übergeordneten Ebene Dreherei wäre es ein Kostenstellen-Einzelkosten.)
Abschreibung einer Maschine — Lässt sich genau der betreffenden Maschine (= Kostenstelle) direkt zuordnen, aber nicht einem einzelnen Produkt. Also Kostenstellen-Einzelkosten. Abschreibung als Werteverzehr extern beschaffter Anlagen = Primärkosten.
Rohstoffkosten — Rohstoffe gehen unmittelbar in das einzelne Produkt ein und sind ihm direkt zurechenbar: Kostenträger-Einzelkosten. Extern beschafft = Primärkosten. (Als Kostenträger-EK laufen sie an der Kostenstellenrechnung vorbei.)
Reparatur an der Maschine durch die eigene Abteilung — Die Reparatur betrifft genau die eine Maschine (= Kostenstelle), also Kostenstellen-Einzelkosten. Da die Leistung von der eigenen Abteilung erbracht wird, handelt es sich um eine innerbetriebliche Leistung = Sekundärkosten, also keine Primärkosten.
Bezug von Giessformen für ein bestimmtes Modell — Spezialwerkzeug/Formen für genau ein bestimmtes Produktmodell sind dem Kostenträger direkt (auftrags-/serienbezogen) zurechenbar = Sondereinzelkosten (SEK). Zugekauft = Primärkosten.
Ergebnis-Tabelle (X = trifft zu):
Kostenart
KT-EK
KS-EK
KS-GK
SEK
PK
Meistergehalt in der Dreherei
–
–
X
–
X
Abschreibung einer Maschine
–
X
–
–
X
Rohstoffkosten
X
–
–
–
X
Reparatur durch eigene Abteilung
–
X
–
–
–
Bezug von Giessformen für ein Modell
–
–
–
X
X
Merksatz: KT-EK und KS-EK schliessen sich nicht formal aus, aber jede Position hat eine Haupt-Einordnung. Entscheidend ist immer der Bezug (Produkt vs. Maschine) und die Herkunft (extern = primär, eigene Abteilung = sekundär).
3. „Umlegen ist Umlügen" — Kritik am Verursachungsprinzip bei Gemeinkosten
Aufgabe #012 · 3. „Umlegen ist Umlügen" — Kritik am Verursachungsprinzip bei GemeinkostenNehmen Sie kritisch Stellung zu folgender Lehrbuch-Aussage: „Die Kostenstellenrechnung verteilt die Gemeinkosten mittels geeigneter Schlüssel verursachungsgerecht auf die Kostenstellen." Zeigen Sie am Beispiel eines Verteilungsschlüssels (z. B. Heizkosten einer gemeinsam genutzten Werkshalle), warum jeder Schlüssel angreifbar ist — und erläutern Sie, warum Unternehmen dennoch schlüsseln.
📝 Ausformulierte Lösung
Die Aussage ist in dieser Form falsch. „Verursachungsgerecht" bedeutet, dass ein Kostenbetrag eindeutig und exakt derjenigen Stelle zugerechnet wird, die ihn tatsächlich ausgelöst hat — das ist per Definition nur bei Einzelkosten möglich (z. B. das Material, das eindeutig in ein bestimmtes Produkt eingeht). Gemeinkosten sind demgegenüber gerade dadurch definiert, dass sie sich nicht eindeutig einem einzelnen Kostenträger oder einer einzelnen Kostenstelle zurechnen lassen. Für sie kann folglich nur ein plausibler, aber niemals ein „verursachungsgerechter" Schlüssel gefunden werden. Rohleder zitiert hierzu den Merksatz seines eigenen Kostenrechnungsprofessors: „Umlegen, Schlüsseln, ist Umlügen. Jeder Schlüssel ist falsch."
Das lässt sich am Beispiel der Heizkosten einer gemeinsam genutzten Werkshalle mit mehreren Kostenstellen zeigen: Verteilt man die Heizkosten nach Quadratmetern, unterstellt man, dass der Wärmebedarf proportional zur Grundfläche ist. Verteilt man stattdessen nach Kubikmetern (Rauminhalt), berücksichtigt man zusätzlich die Deckenhöhe — bei unterschiedlich hohen Hallenteilen kommt ein anderes Verteilungsergebnis heraus. Beide Schlüssel sind sachlich begründbar, beide sind angreifbar, und es gibt keinen dritten, „richtigen" Schlüssel, der das Problem auflöst. Am Ende entscheidet, wie Rohleder es formuliert, pragmatisch das zuständige Management: „Ende der Diskussion."
Dass Unternehmen trotz dieser methodischen Unschärfe schlüsseln, liegt daran, dass die Alternative — Gemeinkosten überhaupt nicht auf Kostenstellen und Kostenträger zu verteilen — für Kalkulation, Preisuntergrenzenbildung und Wirtschaftlichkeitskontrolle noch schlechter wäre als eine plausible Näherung. Kalkulation ist, wie Rohleder betont, „keine exakte Wissenschaft"; ein nachvollziehbarer, konsistent angewandter Schlüssel liefert brauchbare Steuerungsinformationen, auch wenn er im strengen Sinn nie „verursachungsgerecht", sondern bestenfalls plausibel ist.
Kosten- und Erfolgsgrößen (KOLE / INRE, Prof. Rohleder)
Thema:Deckungsbeitrag, Break-Even, Erfolgsgrößen (Wirtschaftlichkeit, Rentabilität, Zielerreichung). Aufbau der Klausuraufgabe (immer gleich): Aus Plandaten (Stückpreis, variable Stückkosten, Fixkosten, Menge, Gewinnziel) werden ca. 8 Kennzahlen berechnet, danach kommt eine kurze verbale Beurteilung (Vorteilhaftigkeit + Planung), oft plus Synonyme der Fachbegriffe.
Kontrollwerte zum Selbst-Check (Hauptbeispiel): E 125.400 · K 117.600 · G 7.800 · DB 52.800 · db 16 · R = G/K 6,63 % · W = E/K 1,07 · Z = G/Gziel 62,40 % · gs 2,36 · ks 35,64; Betriebsminimum (aufgerundet) 2.813 Stk. Konventionen merken: R = G/K (nicht G/E), W = E/K als Verhältniszahl, Kontrolle W = 1 + R.
1. Symbol- und Formelverzeichnis (aus den Klausuren abgeleitet)
Rohleder benutzt für dieselbe Größe zwei Symbolsätze — welcher drankommt, steht in der Aufgabe. Die Synonym-Paare sind das, was in den b)-Teilen abgefragt wird.
Größe
Symbole (Rohleder)
Formel
Einheit
Stückpreis / Erlös pro Stück
p
gegeben (bzw. Faktor vor x in E = p·x)
€/Stk
Variable Stückkosten
kv
gegeben (bzw. Faktor vor x in K = Kf + kv·x)
€/Stk
Fixkosten (Periode)
Kf
gegeben
€
Menge (Herstell-/Absatzmenge)
x
gegeben
Stk
Gewinnziel / geplanter Gewinnbeitrag
Gziel
gegeben
€
Erlös (Umsatz)
E
E = p · x
€
Gesamtkosten
K
K = Kf + kv · x
€
Deckungsbeitrag (gesamt)
DB
DB = E − Kv = (p − kv) · x
€
Stückdeckungsbeitrag = Deckungsspanne
db= ds
db = p − kv = DB / x
€/Stk
Periodengewinn / Gewinnbeitrag
G
G = DB − Kf = E − K
€
Stückgewinn
gs = g
gs = G / x
€/Stk
Stückkosten
ks = k
ks = K / x
€/Stk
Wirtschaftlichkeit = Effizienz
W = EZ
W = E / K (Output/Input = Ertrag/Aufwand)
Verhältniszahl
Rentabilität
R
R = G / K (Gewinn/Aufwand)
%
Zielerreichungsgrad = Effektivität
Z = EF
Z = G / Gziel (tats. Gewinn / geplanter Gewinn)
%
Rohleders Synonym-Paare (die b)-Fragen)
Begriff
Synonym
Symbol
Stückdeckungsbeitrag
Deckungsspanne
db = ds
Wirtschaftlichkeit
Effizienz
W = EZ
Zielerreichungsgrad
Effektivität
Z = EF
Merksatz zu Effizienz vs. Effektivität: Effizienz (= Wirtschaftlichkeit) = „die Dinge richtig tun“ → Verhältnis Output/Input = E/K. Effektivität (= Zielerreichungsgrad) = „die richtigen Dinge tun“ → wie weit ist das Ziel erreicht = G/Gziel.
Gefragt: a) Berechnen Sie die Kennzahlen (E, K, DB, db, G, gs, ks, W, R, Z) sowie die Gewinnschwelle (Break-Even-Menge) und die Erfolgsziel-Menge · b) Beurteilen Sie die Vorteilhaftigkeit des Produkts · c) Beurteilen Sie die Planung (Zielerreichung)
Break-Even: xBE = 45.000,00 / 16,00 = 2.812,50 Stk · Sicherheitsstrecke = 3.300 − 2.812,50 = 487,50 Stk (14,77 %). Erfolgsziel-Menge: xZiel = (45.000,00 + 12.500,00) / 16,00 = 3.593,75 Stk → liegt über der Planmenge 3.300 → Ziel wird verfehlt (deckt sich mit Z = 62,40 %).
✅ Gegen Rohleders offiziellen Lösungsvorschlag verifiziert (U13 Aufgabe 5 — zahlengleich). Alle Kennzahlen stimmen exakt: E 125.400,00 € · Kv 72.600,00 € · K 117.600,00 € · G 7.800,00 € · db/ds 16,00 €/Stk · DB 52.800,00 € · R (= G/K) 6,63 % · W (= E/K) 1,07 · Z (= G/Gziel) 62,40 % · gs 2,36 €/Stk · ks 35,64 €/Stk. Der offizielle Vorschlag führt zusätzlich die Umsatzrentabilität G/E = 6,22 % als eigene Zeile — bestätigt die Warnung, dass R = G/K (nicht G/E) ist.
⚠️ Konventions-Präzisierung (Rohleder): Rohleder nennt die Gewinnschwelle „Betriebsminimum“ und rundet sie mit =AUFRUNDEN(Kf/(e−kv);0)auf → 2.813 Stk (nicht 2.812,50). Die 2.812,50 Stk sind der exakte rechnerische Break-Even; verlangt die Aufgabe das „Betriebsminimum“, ist die aufgerundete ganze Stückzahl 2.813 Stk anzugeben.
b) Vorteilhaftigkeit:DB = 52.800,00 € > 0 und G = 7.800,00 € > 0 → das Produkt ist grundsätzlich vorteilhaft (es trägt zur Fixkostendeckung bei und macht Gewinn). W = 1,07 > 1 und R = 6,63 % (im „gesunden“ Bereich ~3–9 %). Aber: der variable Kostenanteil ist hoch (kv = 22,00 € gegenüber p = 38,00 €), die Fixkosten sind vergleichsweise gering — Hebel liegt eher im Preis/Menge als in der Fixkostendegression.
c) Beurteilung der Planung:Fehlplanung — das Gewinnziel (12.500,00 €) wird nur zu 62,40 % erreicht. Die Rentabilität ist niedrig; steigen die Kosten unerwartet, droht das Produkt in die Verlustzone zu rutschen. Gegensteuern über Preiserhöhung (sofern der Markt sie trägt) oder Kostensenkung.
(Original-Handschrift-Abgleich: DB 52.800 ✓, SDB 16 ✓, Z 62,4 % ✓, W 1,066 ✓, G 7.800 ✓, R 6,6 % ✓, gs 2,36 ✓, ks 35,64 ✓. Rohleder hat die %-Angabe bei W durchgestrichen und rot vermerkt: „DB > 0 positiv“, „Wirtschaftlich R (3–9 %) in Ordnung“, „Falsch geplant, Ziel nicht erreicht (nur zu 60 %)“.)
Gefragt: a) Berechnen Sie die Kennzahlen (E, K, DB, db, G, gs, ks, W, R, Z) sowie die Gewinnschwelle (Break-Even-Menge) und die Erfolgsziel-Menge · b) Beurteilen Sie die Vorteilhaftigkeit · c) Beurteilen Sie die Planung
b) Vorteilhaftigkeit:DB und G deutlich > 0, R = 9,06 % ordentlich, W = 1,09 > 1 → vorteilhaft. c) Planung: Ziel zu 90,91 % erreicht → knapp verfehlt, aber solide Planung. Kleine Preis- oder Mengenerhöhung schließt die Lücke.
Gefragt: a) Berechnen Sie die Kennzahlen (E, K, DB, ds, G, g, k, R, EZ, EF) sowie die Gewinnschwelle (Break-Even-Menge) und die Erfolgsziel-Menge · b) Nennen Sie die Synonyme (Wirtschaftlichkeit/Effizienz, Stückdeckungsbeitrag/Deckungsspanne, Zielerreichungsgrad/Effektivität) · c) Beurteilen Sie das Ergebnis
Gefragt: a) Berechnen Sie die Kennzahlen (E, K, DB, ds, G, g, k, R, EZ, EF) sowie die Gewinnschwelle (Break-Even-Menge) und die Erfolgsziel-Menge · b) Nennen Sie die Synonyme (Deckungsspanne/Stückdeckungsbeitrag, Effizienz/Wirtschaftlichkeit, Effektivität/Zielerreichungsgrad) · c) Beurteilen Sie das Ergebnis
Beurteilung:DB und G > 0 → grundsätzlich vorteilhaft, aber R = 6,45 % niedrig und EF nur 60,00 % → Ziel deutlich verfehlt, Planung zu optimistisch. Preis erhöhen oder Menge steigern (795 statt 750 Stk nötig).
3. Übersicht aller vier Klausuren (schneller Selbst-Check)
Klausur
DB
db/ds
G
ks/k
Z/EF
W/EZ
R
Break-Even
K1 (2025)
52.800,00 €
16,00 €/Stk
7.800,00 €
35,64 €/Stk
62,40 %
1,07
6,63 %
2.812,50 Stk
K3 (2023)
21.000,00 €
15,00 €/Stk
5.000,00 €
39,43 €/Stk
90,91 %
1,09
9,06 %
1.066,67 Stk
K4 (2023)
18.750,00 €
15,00 €/Stk
3.750,00 €
23,00 €/Stk
125,00 %
1,13
13,04 %
1.000,00 Stk
K5 (2022)
16.500,00 €
22,00 €/Stk
1.500,00 €
31,00 €/Stk
60,00 %
1,06
6,45 %
681,82 Stk
4. Typische Fallen (Rohleder-spezifisch)
W nicht in Prozent angeben. W ist eine Verhältniszahl (1,07). Rohleder streicht 106,63 % an. Merke: W = 1 + R.
R = Gewinn ÷ Kosten, nicht ÷ Erlös. In der Musterlösung steht der Aufwand (Kosten) im Nenner (R = G/K). Wer G/E rechnet, bekommt einen anderen Wert und Punktabzug.
Z = tatsächlicher Gewinn ÷ Gewinnziel — nicht DB ÷ Ziel. Erst G = DB − Kf bilden, dann durch Gziel teilen.
Symbolsatz beachten: In manchen Klausuren heißen dieselben Größen ds statt db, g statt gs, k statt ks, EZ statt W, EF statt Z. Immer die in der Aufgabe genannten Symbole verwenden.
Fixkosten nicht doppelt zählen.DB enthält NUR die variablen Kosten (DB = E − Kv). Erst danach G = DB − Kf.
Break-Even = Kf ÷ db (nicht ÷ Stückpreis). Der Deckungsbeitrag pro Stück deckt die Fixkosten.
2 Nachkommastellen konsequent, auch bei krummen Break-Even-Mengen (2.812,50 Stk) und bei Prozenten (62,40 %, nicht 62,4 %).
Effizienz vs. Effektivität nicht vertauschen: Effizienz = Wirtschaftlichkeit (E/K), Effektivität = Zielerreichung (G/Gziel).
5. Break-Even-Diagramm (Gewinnschwellendiagramm)
Prinzipskizze am Beispiel K1 (p = 38,00 €, kv = 22,00 €, Kf = 45.000,00 €, xBE = 2.812,50 Stk):
Die ErlösgeradeE = 38·x startet im Ursprung und steigt steil.
Die GesamtkostengeradeK = 45.000 + 22·x startet bei den Fixkosten (45.000,00 €) und steigt flacher.
Beide schneiden sich im Break-Even-Punkt bei xBE = 2.812,50 Stk. Links davon = Verlustzone, rechts davon = Gewinnzone.
Der senkrechte Abstand E − K an der Planmenge ist der Gewinn G; der Abstand K − Kf ist die variable Kostenlinie.
€
125.400 ┤ E = 38·x ╱ ← Erlös
│ ╱
│ ╱ │ Gewinn G
│ ╱ ─┤ (= 7.800 € bei x=3.300)
│ K = 45.000+22·x ╱ │
117.600 ┤ ╱─────────── ↑
│ ╱ Planmenge
│ ╱ ● Break-Even
│ ╱ (2.812,50 Stk | 106.875 €)
│ ╱───
45.000 ┤───────── ← FixkostenKf (Kostenachsen-Schnittpunkt)
│ Verlustzone │ Gewinnzone
└────────────────────┼──────────────┬──────────→ x (Stück)
0 2.812,50 3.300
`
**Ablesbar:**
- Unter 2.812,50 Stk deckt der DB die Fixkosten noch nicht → Verlust.
- Ab 2.812,50 Stk beginnt die Gewinnzone.
- Bei 3.300 Stk (Planmenge): G = 7.800,00 € — aber das **Gewinnziel** (12.500,00 €) läge erst bei 3.593,75 Stk → Ziel verfehlt.
*(Break-Even-Erlös als Kontrolle: 2.812,50 Stk · 38,00 € = 106.875,00 € = 2.812,50 · 22,00 € + 45.000,00 € = 106.875,00 € ✓)*
Tabellen mit mehr Platz als nötig, Kostenfunktionen mit Ableitungen nicht klausurrelevant → siehe 📋 Modalitäten / 🚫 Was nicht drankommt.
Bewertungserwartung
Normalkosten-Definition: bloßes „Kosten sind Durchschnittswerte aus Ist-Kosten vergangener Perioden" reicht nicht — explizit Normalpreise UND Normalmengen benennen (Kosten = Preis × Menge).
Plankosten-Definition: analog — explizit Planpreise und Planmengen nennen, nicht nur „geschätzte Kosten".
Degressiver Kostenverlauf: Antwort muss präzisieren, dass die Gesamtkosten gemeint sind (nicht Stück-/Fix-/variable Kosten pauschal). Begründung besser mit konkretem Beispiel (Mengenrabatte, Lernkurve, weniger Ausschuss) statt vager KI-Formulierung.
Typische Fehler / Fallen
Langfristiges Bankdarlehen aufgenommen → Einzahlung, aber KEINE Einnahme (langfristige Verbindlichkeiten liegen außerhalb des Fonds Nettogeldvermögen).
Abschreibung einer im Vorjahr angeschafften Maschine: Aufwand auf Basis historischer Anschaffungsausgabe (80.000/5=16.000 €), kalkulatorische Kosten dagegen auf Basis des höheren Wiederbeschaffungswerts (120.000/5=24.000 €) — Aufwand ≠ Kosten hier bewusst unterschiedlich.
Tilgung Kontokorrentkredit durch Überweisung von einem anderen (gedeckten) Girokonto: Auszahlung, aber KEINE Ausgabe — reine fondsinterne Bewegung.
Verkauf von Fertigerzeugnissen zu Herstellungskosten (kein Aufschlag): Einnahme ja, aber kein Ertrag (kein Gewinn realisiert).
Zuschreibung im Sachanlage-/Vorratsvermögen (z. B. Rohstoffe im Marktwert gestiegen): Ertrag, aber keine Leistung (nicht Kerngeschäft) — Finanzamt zwingt zur Neubewertung.
Verkauf einer alten, voll abgeschriebenen Maschine (Buchwert 0) gegen bar: Einzahlung + Einnahme + Ertrag, aber keine Leistung (außerhalb Kerngeschäft).
Fachliche Klarstellungen
Unechte Gemeinkosten: ihrem Wesen nach Einzelkosten, aber exakte Zurechnung lohnt sich nicht (Bagatellwert) → werden wie Gemeinkosten behandelt (Beispiele: Schrauben, Lack, Filzgleiter bei einem Stuhl).
Sondereinzelkosten (Fertigung/Vertrieb): einmalige, auftragsspezifische Einzelkosten (Spezialwerkzeug = Sondereinzelkosten der Fertigung; Spezialverpackung für Luftfracht = Sondereinzelkosten des Vertriebs). Bezeichnung ist frei wählbar — es gibt keine gesetzliche Vorgabe in der KLR. Entscheidend ist nur, an welcher Stelle im Zuschlagskalkulationsschema sie berücksichtigt werden, sonst werden sie über nachgelagerte Zuschlagssätze mehrfach gehebelt.
Kalkulation ist keine exakte Wissenschaft: Unternehmen kalkulieren eine Preisuntergrenze, oft inkl. eines einkalkulierten Durchschnittsrabatts.
Vollkosten- und Teilkostenrechnung liefern immer dasselbe Betriebsergebnis — nur verschiedene „Brillen" auf dasselbe Problem, weil am Ende immer sowohl Einzel- als auch Gemeinkosten (bzw. variable und fixe Kosten) vollumfänglich berücksichtigt werden.
Wichtige Abgrenzung: Teilkostenrechnung = Entscheidungsrechnung (Fixkosten bewusst weglassen, weil kurzfristig nicht entscheidungsrelevant); wird aber nach dem Betriebsergebnis gefragt, muss man auch in der Teilkostenlogik bis zum Ende rechnen (Fixkosten am Block abziehen).
„Selbstkosten" ist ein in der Praxis gängiges Synonym für Vollkosten (Summe Einzel- + Gemeinkosten).
Merksätze
„Kalkulation ist keine exakte Wissenschaft" — Zuschlagssätze/Gemeinkostenverrechnung sind immer Näherungslösungen.
„Sie müssen es aber begründen können, wann was das richtige Entscheidungskriterium ist." — die reine Rechnung reicht nicht, die Begründung (warum relativer statt absoluter Stückdeckungsbeitrag) ist Lernziel.
Bewertungserwartung
Bei Engpass-Aufgaben wird erwartet, dass man zuerst prüft, ob überhaupt ein Engpass vorliegt, bevor man plant → siehe ⚠️ Teuerste Fehler #7.
Fixkosten-Nichtlinearität bei Unterauslastung → siehe ⚠️ Teuerste Fehler #9.
Fachliche Klarstellungen
Deckungsbeitragsrechnung: Fixkosten werden berücksichtigt, aber nicht auf einzelne Produkte geschlüsselt, sondern en bloc abgezogen — weil jede Schlüsselung von Fixkosten zwangsläufig willkürlich ist.
Bei Beschäftigungsgrad-Aufgaben (100 % vs. z. B. 70 %): explizit identifizieren, was konstant bleibt (variable Stückkosten, Preis pro Stück, gesamte Fixkosten) und was sich proportional zur Menge ändert (Produktionsmenge, gesamte variable Kosten, anteilige Fixkosten pro Stück).
Vier Begriffe anhand des kleinen Kennzahlenmodells (Input/Output), Verwechslungsgefahr da Skript/Umgangssprache sie oft synonym benutzt:
„Zwei Seiten einer Medaille, der Wert der Münze bleibt derselbe" — für Voll- vs. Teilkostenrechnung.
„Ich hasse diese Monstertapeten" — Präferenz für einfache, verständliche Modelle statt hyper-differenzierter Tabellen; für die Klausur: einfache, nachvollziehbare Herleitung schlägt Vollständigkeits-Overkill.
📋 Gelöste Aufgaben — nach Thema gegliedert
Kosten- & Erfolgsgrößen / Break-Even
Kosten- und Erfolgsgrößen
Planwerte des Produkts ermitteln
Aufgabe #161 · 8 P. · Aufgabe | 8 P. | #5aGemeinsame Angaben (gelten für die ganze Aufgabe): Für ein Produkt der ACME GmbH gelten folgende Plandaten: Das Unternehmen plant für das Produkt mit variablen Stückkosten von 22 EUR. Das Produkt soll einen Gewinnbeitrag von 12.500 EUR leisten. Die Periodenerlöse betragen 38 EUR pro Stück bei einer geplanten Herstellungs- und Verkaufsmenge von 3.300 Stück. Die anteiligen Fixkosten der Periode belaufen sich auf 45.000 EUR.
Größe
Wert
Variable Stückkosten
22 EUR/Stück
Erlös je Stück
38 EUR/Stück
Menge
3.300 Stück
Anteilige Fixkosten
45.000 EUR
Gewinnbeitrag (Ziel)
12.500 EUR
Ermitteln Sie die folgenden Planwerte des Produkts für die kommende Periode: · Deckungsbeitrag DB · Stückdeckungsbeitrag db · Zielerreichungsgrad Z · Wirtschaftlichkeit W · Gewinnbeitrag G · Rentabilität R · Stückgewinn gs · Stückkosten ks
Gewinn G = E - K = 125.400,00 EUR - 117.600,00 EUR = 7.800,00 EUR
Schritt 2 — Die gefragten Planwerte:
Stückdeckungsbeitrag db = e - kv = 38,00 - 22,00 = 16,00 EUR/Stück
DeckungsbeitragDB = db x x = 16,00 EUR x 3.300 = 52.800,00 EUR (Probe: E - Kv = 125.400 - 72.600 = 52.800,00 EUR)
Zielerreichungsgrad Z = Gewinn G / Gewinnziel = 7.800,00 EUR / 12.500,00 EUR = 0,624 = 62,40 %
Wirtschaftlichkeit W = Erlöse E / Gesamtkosten K = 125.400,00 EUR / 117.600,00 EUR = 1,07 (genau 1,0663; dimensionslos)
Gewinnbeitrag G = E - K = 7.800,00 EUR
Rentabilität R = Gewinn G / Gesamtkosten K = 7.800,00 EUR / 117.600,00 EUR = 0,0663 = 6,63 % (Kostenrentabilität). Bezogen auf den Umsatz: G / E = 7.800 / 125.400 = 6,22 % (Umsatzrentabilität).
Stückgewinn gs = G / x = 7.800,00 EUR / 3.300 = 2,36 EUR/Stück
Stückkosten ks = K / x = 117.600,00 EUR / 3.300 = 35,64 EUR/Stück
Übersicht:
Grösse
Symbol
Wert
Deckungsbeitrag
DB
52.800,00 EUR
Stückdeckungsbeitrag
db
16,00 EUR/Stück
Zielerreichungsgrad
Z
62,40 %
Wirtschaftlichkeit
W
1,07
Gewinnbeitrag
G
7.800,00 EUR
Rentabilität (Kosten)
R
6,63 %
Stückgewinn
gs
2,36 EUR/Stück
Stückkosten
ks
35,64 EUR/Stück
Vorteilhaftigkeit des Produkts beurteilen
Aufgabe #162 · 4 P. · Aufgabe | 4 P. | #5bBeurteilen Sie die Vorteilhaftigkeit des Produkts anhand der Planwerte.
Das Produkt ist auf Basis der Planwerte vorteilhaft. Begründung anhand der Kennzahlen:
Positiver Deckungsbeitrag:db = 16,00 EUR/Stück ist deutlich positiv; der gesamte DeckungsbeitragDB = 52.800,00 EUR deckt die anteiligen Fixkosten von 45.000,00 EUR vollständig und lässt darüber hinaus 7.800,00 EUR Gewinn. Das Produkt trägt also seine Fixkosten und erwirtschaftet einen Überschuss.
Positiver Gewinnbeitrag: G = 7.800,00 EUR grösser 0 — das Produkt verbessert das Betriebsergebnis.
Wirtschaftlichkeit W = 1,07 grösser 1: Die Erlöse übersteigen die Kosten; je eingesetztem Kosten-Euro werden rund 1,07 EUR Erlös erzielt.
Positive Rentabilität: 6,63 % auf die Kosten bzw. 6,22 % auf den Umsatz — moderat, aber positiv.
Abstand zur Gewinnschwelle: Das Betriebsminimum (Break-even-Menge) beträgt aufgerundet Kf / db = 45.000,00 / 16,00 = 2.812,5, also 2.813 Stück. Die Planmenge von 3.300 Stück liegt klar darüber. Die Sicherheitsspanne beträgt 3.300 - 2.813 = 487 Stück (rund 14,76 % der Planmenge).
Fazit: Alle Kennzahlen sind im positiven Bereich, die Planmenge liegt oberhalb der Gewinnschwelle. Das Produkt ist wirtschaftlich und sollte geführt werden.
Beurteilung der Planung
Aufgabe #163 · 3 P. · Aufgabe | 3 P. | #5cBeurteilen Sie die Planung.
Die Planung ist zwar wirtschaftlich, aber in sich inkonsistent, weil das gesetzte Gewinnziel mit den geplanten Mengen, Preisen und Kosten nicht erreicht wird.
Schritt 1 — Zielabgleich:
Geplanter Gewinnbeitrag G = 7.800,00 EUR gegenüber dem Gewinnziel von 12.500,00 EUR. Der Zielerreichungsgrad beträgt nur 62,40 %. Das Ziel wird um 12.500,00 - 7.800,00 = 4.700,00 EUR verfehlt.
Schritt 2 — Was wäre nötig?
Um das Gewinnziel bei unverändertem Stückdeckungsbeitrag zu erreichen, müsste die Menge steigen:
Das sind rund 294 Stück bzw. gut 8,9 % mehr als die geplanten 3.300 Stück. Alternativ wären ein höherer Verkaufspreis oder niedrigere fixe/variable Kosten nötig.
Fazit: Die Planung ist grundsätzlich tragfähig (Gewinn positiv, über Break-even), das Gewinnziel ist jedoch zu optimistisch gesetzt bzw. nicht durch konkrete Massnahmen hinterlegt. Die Planung sollte nachgebessert werden — entweder das Ziel realistischer fassen oder Menge/Preis/Kostenstruktur so anpassen, dass die Lücke von 4.700,00 EUR geschlossen wird.
Aufgabe #184 · 9 P. · Aufgabe |Definieren und erläutern Sie folgende Fachbegriffe ausführlich: a) 3 P. Produktivität b) 3 P. Effektivität c) 3 P. Effizienz
Original-Klausuraufgabe (Scan)
📝 Ausformulierte Lösung
a) Produktivität: Die Produktivität ist das mengenmäßige (technische) Verhältnis von Ausbringungsmenge (Output) zu eingesetzter Faktormenge (Input), z. B. Stück je Maschinenstunde. Sie ist eine reine Mengengröße, unabhängig von Preisen oder Werten — genau das unterscheidet sie von der Wirtschaftlichkeit.
b) Effektivität: Effektivität bezeichnet den Grad der Zielerreichung — „die richtigen Dinge tun". Sie misst, ob und wie gut ein gesetztes Ziel erreicht wird, unabhängig davon, wie sparsam dabei mit den Mitteln umgegangen wurde. Ein Unternehmen kann effizient arbeiten und trotzdem ineffektiv sein, wenn es an den Zielen vorbeiproduziert.
c) Effizienz: Effizienz (= Wirtschaftlichkeit im engeren Sinn) ist das wertmäßige Verhältnis von Ertrag/Leistung zu Aufwand/Kosten nach dem ökonomischen Prinzip — „die Dinge richtig tun". Sie folgt entweder dem Minimalprinzip (ein gegebenes Ziel mit geringstmöglichem Mitteleinsatz erreichen) oder dem Maximalprinzip (mit gegebenem Mitteleinsatz das bestmögliche Ergebnis erzielen).
Kosten- und Erfolgsgrößen
Aufgabe #193 · 12 P. · Aufgabe |Für das Einprodukt-Unternehmen ACME GmbH gelten folgende Kosten- und Erlösfunktionen: E = 23x K = 12.000 + 7,5x mit E = Erlöse, K = Gesamtkosten und x = Herstellungs- und Verkaufsmenge; alle Wertangaben in Euro. Die für die kommende Periode geplant Herstellungs- und Verkaufsmenge beträgt 800 Stück. Ermitteln Sie folgende Planwerte der kommenden Periode: a) 2 P. den Periodengewinn G b) 2 P. den Stückgewinn g c) 2 P. die Stückkosten k d) 2 P. die Deckungsspanne ds e) 2 P. den Deckungsbeitrag der Periode DB f) 2 P. die Rentabilität der Periode R
📝 Ausformulierte Lösung
Gegeben: p = 23,00 €/Stk (Faktor vor x in E) · kv = 7,50 €/Stk (Faktor vor x in K) · Kf = 12.000,00 € · x = 800 Stk
Aufgabe #194 · 10 P. · Aufgabe |Die A GmbH ist ein kleines Fertigungsunternehmen. Es gelten folgende Daten: Im Jahr 2017 fertigen vier Mitarbeiter, die durchschnittliche Kosten von 60.000 € pro Mitarbeiter und Jahr verursachen, 1.000 Stück eines Produkts. Alle gefertigten Produkte können für 310 € pro Stück verkauft werden. Es gibt keine Lagerbestände. Das Gewinnziel der A GmbH im Jahr 2017 betrug 60.000 €. Ermitteln Sie für die A GmbH und das Jahr 2017 die Produktivität, die Effizienz, den Gewinn, die Rentabilität sowie die Effektivität.
Rentabilität (Gewinn je eingesetztem Aufwand-Euro, konsistent mit R = G/K in allen anderen Aufgaben dieses Kapitels):
Effektivität (Zielerreichungsgrad):
Kontrolle: Effizienz = 1 + Rentabilität → ✓
Kosten- und Erfolgsgrößen
Aufgabe #195 · 10 P. · Aufgabe |Für das Einprodukt-Unternehmen ACME GmbH gelten folgende Kosten- und Erlösfunktionen: E = 42x K = 20.000 + 12x mit E = Erlöse, K = Gesamtkosten und x = Herstellungs- und Verkaufsmenge; alle Wertangaben in Euro. Die für die kommende Periode geplant Herstellungs- und Verkaufsmenge beträgt 800 Stück. Ermitteln Sie folgende Planwerte der kommenden Periode: a) 2 P. die Stückkosten k b) 2 P. den Stückgewinn g c) 2 P. die Deckungsspanne ds d) 2 P. den Periodengewinn G e) 2 P. den Deckungsbeitrag der Periode DB
📝 Ausformulierte Lösung
Gegeben: p = 42,00 €/Stk · kv = 12,00 €/Stk · Kf = 20.000,00 € · x = 800 Stk
a) Stückkosten k
d) Periodengewinn G (wird für b) benötigt, daher hier zuerst gebildet)
b) Stückgewinn g
c) Deckungsspanne ds
e) Deckungsbeitrag der Periode DB
Kontrolle: ✓ (deckt sich mit d))
Erfolgsgrößen der Periode
Aufgabe #197 · 8 P. · Aufgabe |Gegeben sind folgende Basisdaten der ACME GmbH: Input: Menge 2020 5,00 / Menge 2021 5,50 [Liter] · Preis 2020 2,50 / Preis 2021 2,70 [€] → Aufwand 2020 12,50 / Aufwand 2021 14,85 [€] Output: Menge 2020 10,00 / Menge 2021 11,00 [Stück] · Preis 2020 5,00 / Preis 2021 4,50 [€] → Ertrag 2020 50,00 / Ertrag 2021 49,50 [€] Gewinnziel 2020 45,00 / Gewinnziel 2021 46,80 [€] Ermitteln Sie für das Jahr 2021 die Plan-Effektivität, die Plan-Effizienz, den Plan-Gewinn und die Plan-Rentabilität der ACME GmbH!
📝 Ausformulierte Lösung
Gegeben (2021, Plan): Input 5,50 Liter à 2,70 €/Liter · Output 11,00 Stück à 4,50 €/Stück · Gewinnziel 46,80 €
Plan-Gewinn:
Plan-Effizienz (Wirtschaftlichkeit):
Plan-Rentabilität:
Plan-Effektivität:
Kontrolle: ✓
Aufgabenbereich der Kostenrechnung
Aufgabe #198 · 5 P. · Aufgabe |Formulieren Sie fünf konkrete Fragen der operativen Unternehmensführung, deren Beantwortung unmittelbar in den Aufgabenbereich der Kostenrechnung fällt!
📝 Ausformulierte Lösung
Fünf konkrete Fragen, die jeweils einem der klassischen Teilbereiche der Kostenrechnung zugeordnet sind:
Kostenartenrechnung:Welche Kosten sind in der letzten Periode angefallen und in welcher Höhe (Material-, Personal-, Abschreibungskosten etc.)?
Kostenstellenrechnung:In welcher Abteilung bzw. an welchem Ort im Betrieb sind die Kosten entstanden?
Kostenträgerrechnung:Welches Produkt bzw. welcher Auftrag hat wie viel gekostet, und deckt der erzielte Preis diese Kosten?
Wirtschaftlichkeitskontrolle:Wurde in der abgelaufenen Periode wirtschaftlich gearbeitet — entsprach der tatsächliche Kostenverbrauch dem geplanten (Soll-Ist-Vergleich)?
Entscheidungsunterstützung:Lohnt sich die Annahme eines konkreten Zusatzauftrags, oder ist Eigenfertigung günstiger als Fremdbezug (Make-or-Buy)?
Aufgabe #199 · 12 P. · Aufgabe |a) 3 P. Was bedeutet die Abkürzung B in den auf der folgenden Seite gezeigten Diagrammen? Nennen Sie zwei alternative Bezeichnungen der Achse (Synonyme)! b) 3 P. Nennen Sie drei betriebliche Sachverhalte, die zu einem degressiven Kostenverlauf führen. c) 6 P. Skizzieren Sie in die Diagramme auf der folgenden Seite die dort jeweils genannten Kostenverläufe!
Original-Klausuraufgabe (Scan)
📝 Ausformulierte Lösung
a) Abkürzung B und Synonyme (3 P.): In Kostenverlaufsdiagrammen steht B für Beschäftigung (bzw. Beschäftigungsgrad) — die auf der Abszisse abgetragene Größe, die den Auslastungs- bzw. Produktionsumfang des Betriebs ausdrückt. Gebräuchliche Synonyme für diese Achse: Menge (x) und Ausbringungsmenge (auch: Produktionsmenge).
b) Drei betriebliche Sachverhalte für einen degressiven Kostenverlauf (3 P.): Ein degressiver Kostenverlauf bedeutet, dass die Stückkosten mit steigender Menge sinken. Typische Ursachen dafür sind:
Mengenrabatte beim Materialeinkauf — größere Bestellmengen führen zu niedrigeren Einkaufspreisen je Einheit.
Lern-/Erfahrungskurveneffekte in der Fertigung — mit wachsender kumulierter Ausbringungsmenge sinkt der Zeit- und damit Kostenaufwand je Stück, weil Mitarbeiter und Prozesse eingespielter werden.
Bessere Verteilung der Fixkosten (Fixkostendegression) durch höhere Kapazitätsauslastung — dieselben Fixkosten (Maschinen, Rüstzeiten) verteilen sich auf mehr Stück, wodurch der fixe Stückkostenanteil sinkt.
c) Skizzen der Kostenverläufe (6 P.):Nicht bearbeitbar — die Diagramme, auf die sich die Aufgabe bezieht („auf der folgenden Seite"), liegen im Bildordner nicht vor.
Kostenauflösung — weitere Verfahren
1. Profitabilität vs. Rentabilität — die ChatGPT-Falle
Aufgabe #010 · 1. Profitabilität vs. Rentabilität — die ChatGPT-FalleEin Kommilitone postet in der Lerngruppe: „Ich hab ChatGPT gefragt, was der Unterschied zwischen ‚profitabel' und ‚rentabel' ist — laut KI ist das im Grunde dasselbe." Nehmen Sie dazu Stellung: Grenzen Sie beide Begriffe scharf voneinander ab und erläutern Sie, warum die Verwechslung in der Praxis problematisch ist.
📝 Ausformulierte Lösung
Die Gleichsetzung ist fachlich falsch. Profitabilität bedeutet lediglich, dass ein Unternehmen überhaupt einen positiven Gewinn erwirtschaftet — die Schwelle liegt bei 0 €, jeder Euro darüber macht ein Unternehmen profitabel. Rentabilität ist eine deutlich anspruchsvollere Größe: Sie setzt den Gewinn ins Verhältnis zum eingesetzten Kapital (Gewinn ÷ Kapitaleinsatz bzw. Gewinn ÷ Kosten) und fragt, ob dieser Gewinn ausreichend hoch ist, um im Vergleich zu alternativen Kapitalanlagen (z. B. Aktien, ETFs) am Kapitalmarkt wettbewerbsfähig zu sein.
Ein Unternehmen kann also durchaus profitabel sein — es macht einen kleinen, positiven Gewinn — ohne rentabel zu sein, weil dieser Gewinn im Verhältnis zum eingesetzten Kapital viel zu gering ausfällt. Genau diese Unterscheidung wird von KI-Tools, gängigen Suchmaschinen und selbst von Wörterbüchern häufig verwischt, weil beide Begriffe umgangssprachlich als „wirtschaftlich erfolgreich" verstanden werden.
Praktisch problematisch ist die Verwechslung, weil sie zu einer trügerischen Sicherheit führt: Ein Unternehmen, das nur auf Profitabilität schaut, hält sich für „gesund", obwohl Eigenkapitalgeber bei unzureichender Rentabilität ihr Kapital langfristig abziehen und in rentablere Alternativen investieren werden — mit der Folge, dass dem Unternehmen die Finanzierungsgrundlage entzogen wird, obwohl es formal nie einen Verlust gemacht hat.
2. Controlling ≠ Kontrolle — falsche Freunde im Fachvokabular
Aufgabe #011 · 2. Controlling ≠ Kontrolle — falsche Freunde im FachvokabularIn einer Stellenanzeige liest Julian: „Wir suchen einen Controller zur Kontrolle unserer Mitarbeitenden." Ist diese Berufsbezeichnung hier fachlich korrekt verwendet? Erläutern Sie die sprachliche Herkunft und nennen Sie zwei weitere „falsche Freunde" aus dem Englischen, die im wirtschaftlichen Kontext häufig missverstanden werden.
📝 Ausformulierte Lösung
Die Formulierung ist fachlich nicht korrekt. Sie beruht auf einer im Deutschen weit verbreiteten Fehlübersetzung des englischen Verbs „to control", das nicht „kontrollieren" bedeutet, sondern „steuern" bzw. „lenken". Das englische Wort für „kontrollieren" im Sinne von Überprüfen ist „to check". Ein Controller ist somit seinem Wesen nach eine Steuerungsperson, die dafür verantwortlich ist, dass unternehmerische Maßnahmen erfolgswirksam werden — kein „Kontrolleur" oder „Erbsenzähler", der Mitarbeitende überwacht. Die Stellenanzeige begeht also einen doppelten Fehler: Sie benennt die Funktion „Controller" korrekt, unterstellt ihr aber mit „zur Kontrolle unserer Mitarbeitenden" exakt die Aufgabe, die begrifflich das Gegenteil der eigentlichen Controlling-Funktion (Steuerung von Prozessen und Zielen, nicht Überwachung von Personen) ist.
Diese Art von Übersetzungsfehler ist kein Einzelfall im Wirtschaftsdeutschen. Weitere „falsche Freunde" aus dem Englischen: „Chef" bedeutet im Englischen „Koch" und nicht „Vorgesetzte/r" (dafür stünde „manager" oder „boss"); „Handy" und „Beamer" sind im Deutschen erfundene Scheinanglizismen für „smartphone" bzw. „projector", die im englischen Sprachraum so nicht existieren. Solche Fehlübersetzungen sind harmlos, solange sie nur Alltagssprache betreffen — bei „Controlling ≠ Kontrolle" führen sie aber zu einem grundlegenden Missverständnis der Funktion des internen Rechnungswesens, das in der Praxis nicht der Überwachung, sondern der Steuerung des Unternehmens dient.
Break-Even und Erfolgsgrößen einer Baugruppe — Wirtschaftlichkeit, Rentabilität, Effektivität — Zusatzübung
Aufgabe #246 · Break-Even und Erfolgsgrößen einer Baugruppe — Wirtschaftlichkeit, Rentabilität, Effektivität — ZusatzübungEin Zulieferer plant für eine Baugruppe folgende Werte: Stückpreis p = 50,00 €/Stk, variable Stückkosten kv = 30,00 €/Stk, Fixkosten Kf = 60.000,00 €, Planmenge x = 4.000 Stk, Gewinnziel Gziel = 25.000,00 €. (Symbolsatz dieser Aufgabe: DB, ds, G, g, k, R, EZ, EF.) (a) Berechne die Kennzahlen E, K, DB, ds, G, g, k, EZ, R, EF sowie Break-Even-Menge und Erfolgsziel-Menge. (b) Nenne die Synonyme zu Deckungsspanne, Effizienz und Effektivität. (c) Beurteile Vorteilhaftigkeit und Planung.
Erfolgsziel-Menge xZiel = (Kf + Gziel) ÷ ds = (60.000,00 + 25.000,00) ÷ 20,00 = 85.000,00 ÷ 20,00 = 4.250 Stk → liegt über der Planmenge 4.000 → Ziel mit der Planmenge nicht erreichbar (passt zu EF = 80,00 %).
(c) Beurteilung:DB = 80.000,00 € und G = 20.000,00 € > 0, R = 11,11 % (hoch), EZ = 1,11 > 1 → das Produkt ist klar vorteilhaft. Die Planmenge (4.000 Stk) liegt mit 1.000 Stk Puffer deutlich über der Gewinnschwelle. Aber: das Gewinnziel wird nur zu 80,00 % erreicht — für die vollen 25.000,00 € wären 4.250 statt 4.000 Stk nötig. Die Planung ist grundsätzlich solide, aber beim Gewinnziel zu optimistisch; Gegensteuern über Menge (+250 Stk) oder Preis.
Ergebnis:E 200.000,00 € · K 180.000,00 € · DB 80.000,00 € · ds 20,00 €/Stk · G 20.000,00 € · g 5,00 €/Stk · k 45,00 €/Stk · EZ 1,11 · R 11,11 % · EF 80,00 % · xBE 3.000 Stk · xZiel 4.250 Stk.Rechenprobe: Kontrolle EZ = 1 + R = 1 + 0,1111 = 1,11 ✓; am Break-Even 3.000 Stk: DB = 20,00 · 3.000 = 60.000,00 € = Kf → G = 0 ✓.
Break-Even bei Gewinnziel und steigenden Fixkosten — Erfolgsgrößen-Variante — Zusatzübung
Aufgabe #247 · Break-Even bei Gewinnziel und steigenden Fixkosten — Erfolgsgrößen-Variante — Zusatzübung(gleiches Zahlen-Setting wie eine Break-Even-Aufgabe — p = 38,00 €/Stk, kv = 22,00 €/Stk, Kf = 45.000,00 €, x = 3.300 Stk, Gziel = 12.500,00 € —, andere Frage). Statt der üblichen Kennzahlen bei Planmenge sollst du hier zwei Steuerungsfragen beantworten: (a) Welche Absatzmenge ist nötig, um einen Gewinn von 20.000,00 € zu erzielen? (b) Wie hoch ist die neue Break-Even-Menge, wenn die Fixkosten um 15 % steigen (Preis und variable Stückkosten unverändert)? (c) Liegt die ursprüngliche Planmenge von 3.300 Stk dann noch in der Gewinnzone?
Lösung — Schritt für Schritt:
Stück-Deckungsbeitragdb = p − kv = 38,00 − 22,00 = 16,00 €/Stk (bleibt in beiden Teilfragen gleich, da p und kv unverändert).
(a) Menge für einen Wunschgewinn von 20.000,00 €
Die Zielmengen-Formel gilt für jeden gewünschten Gewinn: x = (Kf + Gwunsch) ÷ db.
Neue Break-Even-Menge xBE,neu = Kf,neu ÷ db = 51.750,00 ÷ 16,00 = 3.234,375 → aufgerundet 3.235 Stk (Betriebsminimum). Zum Vergleich: ursprüngliche Break-Even-Menge 45.000,00 ÷ 16,00 = 2.812,50 → 2.813 Stk; sie steigt also um rund 421,88 Stk.
(c) Liegt 3.300 Stk noch in der Gewinnzone?
Die Planmenge 3.300 Stk liegt weiterhin über der neuen Break-Even-Menge 3.234,375 Stk → ja, knapp in der Gewinnzone. Die Sicherheitsstrecke schrumpft aber drastisch auf 3.300 − 3.234,375 = 65,625 Stk (≈ 1,99 % der Planmenge) — vorher waren es 487,50 Stk (14,77 %). Der Fixkostenanstieg frisst fast den ganzen Sicherheitspuffer auf.
Ergebnis:(a) 4.062,50 → 4.063 Stk für 20.000,00 € Gewinn · (b) neue Break-Even-Menge 3.234,375 → 3.235 Stk · (c) Planmenge 3.300 Stk bleibt knapp in der Gewinnzone (Sicherheitsstrecke nur noch ≈ 65,63 Stk).Rechenprobe: (a) bei 4.062,50 Stk: DB = 16,00 · 4.062,50 = 65.000,00 €; G = 65.000,00 − 45.000,00 = 20.000,00 € ✓. (b) bei 3.234,375 Stk: DB = 16,00 · 3.234,375 = 51.750,00 € = neue Kf → G = 0, also W = 1,00 (Kontrolle W = 1 + R mit R = 0) ✓.
Break-Even und Erfolgsgrößen eines Verschleißteils — Rentabilität und Zielerreichung — Zusatzübung
Aufgabe #248 · Break-Even und Erfolgsgrößen eines Verschleißteils — Rentabilität und Zielerreichung — ZusatzübungFür ein Verschleißteil sind geplant: Stückpreis p = 24,00 €/Stk, variable Stückkosten kv = 15,00 €/Stk, Fixkosten Kf = 27.000,00 €, Planmenge x = 4.000 Stk, Gewinnziel Gziel = 10.000,00 €. (a) Berechne die Kennzahlen E, K, DB, db, G, gs, ks, W, R, Z sowie Break-Even-Menge, Erfolgsziel-Menge, Sicherheitsstrecke und Sicherheitskoeffizient. (b) Beurteile Vorteilhaftigkeit und Planung.
(b) Beurteilung:DB = 36.000,00 € und G = 9.000,00 € > 0, R = 10,34 % (gut), W = 1,10 > 1 → vorteilhaft. Die Planmenge liegt mit 1.000 Stk (25,00 %) klar über der Gewinnschwelle. Das Gewinnziel wird zu 90,00 % erreicht → solide Planung, nur knapp verfehlt; für die vollen 10.000,00 € wären 4.112 statt 4.000 Stk nötig, eine kleine Mengen- oder Preisanpassung schließt die Lücke.
Ergebnis:E 96.000,00 € · K 87.000,00 € · DB 36.000,00 € · db 9,00 €/Stk · G 9.000,00 € · gs 2,25 €/Stk · ks 21,75 €/Stk · W 1,10 · R 10,34 % · Z 90,00 % · xBE 3.000 Stk · xZiel 4.112 Stk · Sicherheitsstrecke 1.000 Stk · Sicherheitskoeffizient 25,00 %.Rechenprobe: Kontrolle W = 1 + R = 1 + 0,1034 = 1,10 ✓; am Break-Even 3.000 Stk: DB = 9,00 · 3.000 = 27.000,00 € = Kf → G = 0 ✓.
Preisuntergrenzen / Preispolitik
Preisuntergrenzen
Aufgabe #200 · 12 P. · Aufgabe |a) 2 P. Wie ist die sog. kurzfristige Preisuntergrenze (kPUG) definiert? b) 2 P. Wie ist die sog. langfristige Preisuntergrenze (lPUG) definiert? c) 4 P. Warum sind Geschäfte zu Preisen, die zwischen der kPUG und der lPUG liegen, wirtschaftlich problematisch? Erläutern Sie ausführlich! d) 4 P. Warum sind Geschäfte zu Preisen, die die lPUG nur knapp übersteigen, wirtschaftlich dauerhaft nicht tragfähig? Erläutern Sie zwei unterschiedliche Gründe!
Original-Klausuraufgabe (Scan)
📝 Ausformulierte Lösung
Symbole (in dieser Aufgabe verwendet):
Symbol
Bedeutung
p
Preis pro Stück
kv
variable Stückkosten (Teilkosten)
kf
fixe Stückkosten (anteilig verrechnete Fixkosten)
k
Gesamtstückkosten / Vollkosten je Stück = kv + kf
db
Deckungsbeitrag je Stück = p − kv
kPUG
kurzfristige Preisuntergrenze
lPUG
langfristige Preisuntergrenze
a) Kurzfristige Preisuntergrenze (kPUG) — 2 P.
Die kPUG ist der Preis, der gerade noch die variablen Stückkosten (Teilkosten) deckt:
Begründung: Kurzfristig sind die Fixkostennicht abbaubar und fallen ohnehin an — sie sind für die Preisentscheidung nicht entscheidungsrelevant. Solange der Preis mindestens die variablen Kosten deckt (also ), verbessert jedes zusätzlich verkaufte Stück das Betriebsergebnis, weil sein Deckungsbeitrag zur Deckung der ohnehin vorhandenen Fixkosten beiträgt. Unterhalb der kPUG () vergrößert dagegen jedes verkaufte Stück den Verlust.
b) Langfristige Preisuntergrenze (lPUG) — 2 P.
Die lPUG ist der Preis, der die vollen Selbstkosten je Stück (Vollkosten) deckt:
Begründung: Auf Dauer müssen alle Kosten — auch die fixen — über den Preis hereingeholt werden, weil Fixkosten langfristig disponibel sind (Kapazitäten können abgebaut, Verträge gekündigt, Maschinen nicht ersetzt werden). Da die Vollkosten in der Kostenrechnung bereits kalkulatorische Zusatzkosten (kalk. Abschreibung, kalk. Zinsen, kalk. Unternehmerlohn) enthalten, bedeutet Erreichen der lPUG: Das Unternehmen erwirtschaftet einen Normalgewinn — die Opportunitätskosten des gebundenen Kapitals sind gerade noch abgegolten, aber kein Gewinn darüber hinaus.
c) Preise zwischen kPUG und lPUG — wirtschaftlich problematisch — 4 P.
Liegt der Preis zwischen kPUG und lPUG, gilt . Das bedeutet:
Verlustgeschäft in der Vollkostenbetrachtung: Der Deckungsbeitrag ist zwar positiv (), deckt aber nicht die vollen Selbstkosten. Das Unternehmen weist für dieses Geschäft einen Verlust aus, weil die vollen Fixkosten (inkl. kalkulatorischer Zusatzkosten) nicht vollständig gedeckt werden.
Liquidität kurzfristig unauffällig, Substanz gefährdet: Da im Wesentlichen nur die variablen Kosten unmittelbar auszahlungswirksam sind (die kalkulatorische Abschreibung ist ein reiner Rechenposten, kein sofortiger Zahlungsabfluss), fällt der Verlust zunächst nicht als akutes Liquiditätsproblem auf. Trotzdem werden über die Abschreibung normalerweise die Mittel für künftige Ersatzinvestitionen angesammelt — bleibt diese Deckung dauerhaft aus, kann die Anlagensubstanz langfristig nicht erhalten werden.
Opportunitätsverlust auf das gebundene Kapital: Zusätzlich zum Fixkosten-Deckungsproblem entsteht ein Verlust in Höhe des Ertrags, den das im Unternehmen gebundene Kapital bei gleichem Risiko anderweitig hätte erwirtschaften können (entgangene kalk. Verzinsung).
Gefahr für die Preisbereitschaft der Kunden: Werden solche Preise zur Regel statt zur Ausnahme, gewöhnen sich Kunden an das niedrige Preisniveau (Ankereffekt) — spätere Preiserhöhungen auf ein kostendeckendes Niveau werden dadurch schwerer durchsetzbar.
Fazit: Solche Geschäfte sind allenfalls als kurzfristige Ausnahme bei freien Kapazitäten vertretbar (besser als db=0 durch Nichtproduktion), aber kein Dauerzustand — sonst erodiert die Substanz des Unternehmens schleichend.
d) Preise knapp über der lPUG — zwei Gründe für dauerhafte Untragbarkeit — 4 P.
Rentabilitätsanforderung im Wettbewerb um Kapital. Bei einem Preis genau an der lPUG wird nur ein Normalgewinn erzielt (die kalk. Zinsen/der kalk. Unternehmerlohn sind bereits als Kosten eingerechnet). Ein Preis nur knapp darüber liefert kaum realen Gewinn oberhalb dieses Normalniveaus. Unternehmen stehen aber im Wettbewerb um (knappes) Eigenkapital und müssen ihren Unternehmenswert steigern bzw. Dividenden ausschütten, um Kapitalgeber zu halten bzw. neues Kapital zu gewinnen. Das Unternehmen ist damit zwar profitabel (Gewinn > 0), aber nicht ausreichend rentabel — auf Dauer wandert Kapital zu attraktiveren Alternativen ab, und das Unternehmen verliert seine Finanzierungsfähigkeit (kein Risikopuffer, keine Mittel für Wachstum/Erweiterungsinvestitionen über die reine Substanzerhaltung hinaus).
Nicht kalkulierte Erlösschmälerungen. Rabatte, Boni und Skonti sind in der ursprünglichen Preiskalkulation in der Regel nicht enthalten, mindern aber real den tatsächlich vereinnahmten Nettopreis. Ein Preis, der auf dem Papier nur knapp über der lPUG liegt, wird durch solche üblichen Nachlässe faktisch unter die lPUG gedrückt — aus dem knappen Buchgewinn wird ein realer Verlust, sobald diese Abzüge berücksichtigt werden.
Kalkulatorische Kosten & Kostenstellenrechnung — weitere Klausuraufgaben
Fach: Internes Rechnungswesen / Kosten- und Leistungsrechnung (KOLE) — Prof. Rohleder, TH Bingen Thema: Angebots- und Nachkalkulation im Industriebetrieb (Vorwärts-, Rückwärts- und Nachkalkulation)
Konventionen (Pflicht): Skonto/Rabatt „im Hundert“ (÷ (1 − Satz)), VwGKundVtGK auf die Herstellkosten, Gewinn und USt „auf Hundert“.
Lern- und Abschreib-Kapitel. Alle Rechenwege sind Zeile für Zeile nachvollziehbar. Rundung durchgehend auf 2 Nachkommastellen (Beträge 0,00 €, Prozente 0,00 %). Formelzeichen als Text.
1. Das Kalkulationsschema
Verwendete Symbole
Kürzel
Bedeutung
Bezugsbasis des Zuschlags
MEK
Materialeinzelkosten
— (Einzelkosten)
MGK
Materialgemeinkosten
% auf MEK
MK
Materialkosten
Summe MEK + MGK
FEK
Fertigungseinzelkosten
— (Einzelkosten)
FGK
Fertigungsgemeinkosten
% auf FEK
SEK-F
Sondereinzelkosten der Fertigung
— (Einzelkosten, direkt)
FK
Fertigungskosten
Summe FEK + FGK + SEK-F
HK
Herstellkosten (des Umsatzes)
Summe MK + FK
VwGK
Verwaltungsgemeinkosten
% auf HK
VtGK
Vertriebsgemeinkosten
% auf HK
SEK-V
Sondereinzelkosten des Vertriebs
— (Einzelkosten, direkt)
SK
Selbstkosten (des Umsatzes)
HK + VwGK + VtGK + SEK-V
Gewinn
Gewinnzuschlag
% auf SK
BVP
Barverkaufspreis
SK + Gewinn
Skonto
Kundenskonto
% „im Hundert“ (Basis = ZVP)
ZVP
Zielverkaufspreis
BVP + Skonto
Rabatt
Kundenrabatt / Vertriebsprovision
% „im Hundert“ (Basis = LVP)
LVP
Listenverkaufspreis (= Nettoangebotspreis, wenn keine Verpackung)
ZVP + Rabatt
USt
Umsatzsteuer
% auf Nettoangebotspreis
Brutto
Bruttoangebotspreis
Netto + USt
Vollständiges Schema (Zeile für Zeile)
Position
Kürzel
Zuschlagsbasis
Materialeinzelkosten
MEK
—
+ Materialgemeinkosten
MGK
…% auf MEK
= Materialkosten
MK
Fertigungseinzelkosten
FEK
—
+ Fertigungsgemeinkosten
FGK
…% auf FEK
+ Sondereinzelkosten Fertigung
SEK-F
—
= Fertigungskosten
FK
= Herstellkosten
HK
= MK + FK
+ Verwaltungsgemeinkosten
VwGK
…% auf HK
+ Vertriebsgemeinkosten
VtGK
…% auf HK
+ Sondereinzelkosten Vertrieb
SEK-V
—
= Selbstkosten
SK
+ Gewinn
…% auf SK
= Barverkaufspreis
BVP
+ Kundenskonto
…% „im Hundert“, Basis ZVP
= Zielverkaufspreis
ZVP
+ Kundenrabatt / Provision
…% „im Hundert“, Basis LVP
= Listenverkaufspreis
LVP
(+ Verpackung/Versand, nur wenn angegeben)
= Nettoangebotspreis
+ Umsatzsteuer
…% auf Netto
= Bruttoangebotspreis
Merksatz zur Reihenfolge:„MEK–MGK, FEK–FGK, dann Herstellkosten. Verwaltung + Vertrieb → Selbstkosten. Gewinn → Bar. Skonto → Ziel. Rabatt → Liste. Steuer → Brutto.“
Rohleder-Besonderheiten (aus den Altklausuren belegt)
Diese Konventionen sind in allen fünf Klausuren identisch — an den vorgegebenen Werten der Rückwärts-Klausur K2 nachgerechnet und in K4/K5 durch glatte Endergebnisse bestätigt:
VwGK und VtGK werden BEIDE auf die Herstellkosten (HK) bezogen — nichtVtGK auf „HK + VwGK“. (Beleg K2: 14 % · HK = VwGK und 9 % · HK = VtGK stimmen exakt.)
Skonto und Rabatt werden „im Hundert“ gerechnet (siehe Abschnitt 1.4). Das ist der häufigste Fehler.
Gewinn wird auf die Selbstkosten (auf Hundert) gerechnet.
SEK-F steht in den Fertigungskosten, SEK-V direkt vor den Selbstkosten. Sondereinzelkosten bekommen nie einen Gemeinkostenzuschlag.
Privatkunde ⇒ Rechnungs-/Bruttopreis enthält USt; Gewerbekunde ⇒ oft nur bis Nettoangebotspreis gefragt.
Vorkalkulation vs. Nachkalkulation vs. Rückwärtskalkulation
Vorkalkulation (vorwärts): Von den Kosten (MEK/FEK …) nach unten bis zum Angebotspreis rechnen. Man sucht den Preis. → K4, K5.
Nachkalkulation: Der Preis/Erlös steht bereits fest (Kunde hat gezahlt). Man rechnet die Selbstkosten hoch und vergleicht mit dem Netto-Erlös → Gewinn oder Verlust. → K1, K3.
Rückwärtskalkulation: Aus einem fertigen Kalkulationsblatt fehlende Zuschlagssätze rekonstruieren (Betrag ÷ Basis). → K2.
„Im Hundert“ vs. „auf Hundert“ — der Kern der Sache
„auf Hundert“ (vom Hundert)
„im Hundert“
100 %-Basis ist …
der kleinere Wert (der Ausgangswert)
der größere Wert (das Ergebnis)
Vorwärts-Rechnung
Ergebnis = Basis × (1 + p)
Ergebnis = Basis ÷ (1 − p)
Typische Anwendung
MGK, FGK, VwGK, VtGK, Gewinn, USt
Skonto, Rabatt/Provision
Warum Skonto/Rabatt „im Hundert“? Der Kunde zieht Skonto vom Zielverkaufspreis und Rabatt vom Listenverkaufspreis ab — diese größeren Werte sind seine 100 %. Der Barverkaufspreis ist also (100 − Skonto%) des ZVP, der ZVP ist (100 − Rabatt%) des LVP.
„Im Hundert" = der größere Wert ist die 100 %. Der Kunde zieht den Rabatt vom Listenverkaufspreis ab — also ist der LVP seine 100 %, und der ZVP sind nur 83 % davon. Rückwärts heißt das: dividieren durch (1 − Satz), nicht multiplizieren. Genau hier kippt die häufigste Klausur-Falle (Skonto/Rabatt rückwärts).
FALSCH wäreBVP × 1,02 bzw. ZVP × 1,17 (das wäre „auf Hundert“ und ergibt zu wenig). Genau dieser Fehler steckt in der Musterlösung von K2 beim Rabatt (siehe Abschnitt 2.2).
✅ Gegen Rohleders offizielle Lösungsvorschläge verifiziert (U10 Aufgabe 1 · U12 Aufgabe 3). Beide Konventionen sind dort belegt: Skonto und Rabatt „im Hundert“ (U10 A1: Zielverkaufspreis = Barverkaufspreis ÷ (1 − 0,02), Listenverkaufspreis = Zielverkaufspreis ÷ (1 − 0,15); U12 A3: Zielverkaufspreis = 755.920 ÷ (1 − 0,03) = 779.298,97, Listenverkaufspreis = ÷ (1 − 0,05) = 820.314,70). VwGK und VtGK beide auf die Herstellkosten (U10 A1: VwGK = HK 500.000 × 0,05, VtGK = HK 500.000 × 0,056 — nicht auf HK + VwGK). Gewinn „auf Hundert“ auf die Selbstkosten und USt „auf Hundert“ auf den Nettoangebotspreis (U10 A1, U12 A3).
2. Gelöste Klausur-Aufgaben
Gemeinsame [Annahme] für K1 und K3: Umsatzsteuersatz 19 %. Der Satz ist im Aufgabentext nicht genannt, aber es handelt sich um einen Privatkunden und der überwiesene Rechnungsbetrag ist damit ein Bruttobetrag. Die Annahme wird bestätigt, weil sie zu glatten Kennzahlen führt (K1: Umsatzrendite exakt 18,00 %; K3: Gewinnzuschlag exakt 4,00 %). Bei anderem Satz stünden diese runden Werte nicht.
Gefragt: a) Ermitteln Sie, ob ein Gewinn oder Verlust vorliegt, und berechnen Sie die Umsatzrendite. · b) Beurteilen Sie, ob es ein gutes Geschäft war.
a) Gewinn/Verlust und Umsatzrendite
Schritt 1 — Selbstkosten hochrechnen:
🟣 gegeben (aus der Aufgabe)🟢 berechnet
Position
Rechnung
Betrag
MEK
—
138,00 €
+ MGK 140 % (auf MEK)
138,00 × 1,40
193,20 €
= MK
138,00 + 193,20
331,20 €
FEK
—
524,00 €
+ FGK 450 % (auf FEK)
524,00 × 4,50
2.358,00 €
= FK
524,00 + 2.358,00
2.882,00 €
= HK
331,20 + 2.882,00
3.213,20 €
+ VwGK 8 % (auf HK)
3.213,20 × 0,08
257,06 €
+ VtGK 7 % (auf HK)
3.213,20 × 0,07
224,92 €
+ SEK-V: Reisekosten Kulanz
—
1.251,50 €
= Selbstkosten (SK)
3.213,20 + 257,06 + 224,92 + 1.251,50
4.946,68 €
Schritt 2 — Netto-Erlös aus dem Rechnungsbetrag (Brutto ÷ 1,19; kein Rabatt/Skonto genannt ⇒ Netto = Barverkaufspreis):
Schritt 3 — Ergebnis:
Ergebnis K1: ACME erzielt einen Gewinn von 1.085,62 € bei einer Umsatzrendite von 18,00 %.
b) War es ein gutes Geschäft? Ja. Trotz der 1.251,50 € Kulanz-Reisekosten (die den Gewinn direkt schmälern) bleibt eine Umsatzrendite von 18,00 % — das liegt deutlich über einer üblichen Industrie-Umsatzrendite. Ohne die Kulanzkosten wäre der Gewinn 1.085,62 € + 1.251,50 € = 2.337,12 € gewesen; die Kulanz war also der Preis der Kundenbindung, das Geschäft trägt sie problemlos.
⚠️ Abweichung zur handschriftlichen Lösung im Bild: Handschriftlich sind eingetragen FGK 660 % (✓), Skonto 1,5 % (✓), Rabatt 33,3 % und USt 14 % (✓). Die 33,3 % beim Rabatt sind falsch. 33,3 % entstehen, wenn man den Rabattbetrag „auf Hundert“ auf den Zielverkaufspreis bezieht (5.082,99 € ÷ 15.248,98 € = 33,33 %). Rabatt ist aber „im Hundert“ (Basis = Listenverkaufspreis) → 25,00 %. Nur mit 25,00 % reproduziert man das vorgegebene Blatt exakt (15.248,98 ÷ 0,75 = 20.331,97 €); mit 33,3 % käme 22.861,29 € heraus, was nicht zum Blatt passt. Die Randnotiz „(1 − 0,333) im Hundert“ ist entsprechend ein Rechenfehler. Für die Klausur gilt: Rabatt = 25,00 %.
Ergebnis K3:Gewinn 232,01 € absolut, das entspricht einem Gewinnzuschlag von 4,00 % auf die Selbstkosten (bzw. 3,85 % Umsatzrendite).
b) War es ein gutes Geschäft? Grenzwertig. Mit nur 4,00 % Gewinnzuschlag / 3,85 % Umsatzrendite ist die Marge dünn. Die Kulanz-Reisekosten von 344,00 € haben den Gewinn spürbar gedrückt (ohne sie: 576,01 € Gewinn ≈ 10,56 % auf die dann um 344 € niedrigeren Selbstkosten). Es war knapp profitabel, aber kein starkes Geschäft — bei geringfügig höheren Kulanzkosten wäre es in den Verlust gekippt.
Gefragt: Ermitteln Sie den Nettoangebotspreis (Vorkalkulation; Gewerbekunde ⇒ kein Bruttopreis gefragt).
Position
Rechnung
Betrag
MEK
—
750,00 €
+ MGK 120 %
750,00 × 1,20
900,00 €
= MK
1.650,00 €
FEK
—
2.500,00 €
+ FGK 700 %
2.500,00 × 7,00
17.500,00 €
= FK
2.500,00 + 17.500,00
20.000,00 €
= HK
1.650,00 + 20.000,00
21.650,00 €
+ VwGK 14 % (auf HK)
21.650,00 × 0,14
3.031,00 €
+ VtGK 12 % (auf HK)
21.650,00 × 0,12
2.598,00 €
+ SEK-V
—
847,43 €
= SK
21.650,00 + 3.031,00 + 2.598,00 + 847,43
28.126,43 €
+ Gewinn 15 % (auf SK)
28.126,43 × 0,15
4.218,96 €
= Barverkaufspreis (BVP)
28.126,43 + 4.218,96
32.345,39 €
+ Skonto 2 % (im Hundert)
ZVP = 32.345,39 ÷ 0,98 → Skonto = 660,11 €
660,11 €
= Zielverkaufspreis (ZVP)
32.345,39 ÷ 0,98
33.005,50 €
+ Rabatt 15 % (im Hundert)
LVP = 33.005,50 ÷ 0,85 → Rabatt = 5.824,50 €
5.824,50 €
= Listenverkaufspreis = Nettoangebotspreis
33.005,50 ÷ 0,85
38.830,00 €
Ergebnis K5: Der Nettoangebotspreis beträgt 38.830,00 € (glattes Ergebnis bestätigt die Rechnung). Ein Bruttopreis wird nicht gefragt (Gewerbekunde).
3. Typische Fallen (Prüfungs-Checkliste)
Skonto/Rabatt „im Hundert“ statt „auf Hundert“. Vorwärts ÷ (1 − p), nicht × (1 + p). Rabatt-Basis ist der Listenverkaufspreis, Skonto-Basis der Zielverkaufspreis (jeweils der größere Wert). → Genau dieser Fehler steckt in der Musterlösung von K2 (33,3 % statt korrekt 25,00 %).
VwGK und VtGK beide auf die Herstellkosten — VtGKnicht auf „HK + VwGK“. (Rohleder-Konvention, in K2 nachgewiesen.)
Sondereinzelkosten (SEK-F, SEK-V) bekommen keinen Zuschlag.SEK-F in die Fertigungskosten, SEK-V direkt vor die Selbstkosten. Nie mit % belegen.
Umsatzrendite = Gewinn ÷ Netto-Umsatz — nicht ÷ Selbstkosten (das wäre der Gewinnzuschlag) und nicht ÷ Bruttoumsatz. Sauber unterscheiden: Gewinnzuschlagssatz (auf SK, „auf Hundert“) vs. Umsatzrendite (auf Netto-Erlös).
Privatkunde ⇒ Rechnungsbetrag ist brutto. Für die Nachkalkulation erst ÷ 1,19 rechnen, um den Netto-Erlös (= Barverkaufspreis, wenn kein Rabatt/Skonto) zu erhalten, dann mit den Selbstkosten vergleichen.
Kulanz-/Reisekosten, die „nicht abgerechnet“ wurden, sind Kosten (mindern den Gewinn), aber kein Erlös. Als SEK-V in die Selbstkosten aufnehmen — nicht auf den Rechnungsbetrag addieren.
Rundung erst am Ende jeder Zwischensumme auf 2 Nachkommastellen. Prozentsätze ebenfalls auf 0,00 %.
Gemeinkostenzuschlag = Gemeinkostenbetrag ÷ Einzelkostenbasis (Rückwärtskalkulation): FGK ÷ FEK, MGK ÷ MEK, VwGK bzw. VtGK ÷ HK.
5. Exkurs: Skontogewinn bei Fremdfinanzierung (Skontoausnutzung beim Einkauf)
Einordnung: Keine der fünf oben durchgerechneten Altklausuren prüft dieses Thema — es ist kein Bestandteil des Kern-Kalkulationsschemas (Abschnitt 1) und in keinem der GEPRÜFT-Belege K1–K5 enthalten. Es taucht aber als eigenes Tabellenblatt („Skonto debitorisch") direkt neben dem Kalkulationsschema im offiziellen Excel-Anhang zu U11 auf (identisch auch im Foliensatz-Text KOLE 26SS U11 Zuschlagskalkulation V2.6) und wird deshalb hier als Exkurs ergänzt, nicht als Teil des geprüften Kalkulationsschemas.
Frage dahinter: Ein Lieferant gewährt Skonto bei schneller Zahlung (z. B. 3 % bei Zahlung innerhalb 10 statt 30 Tagen). Lohnt es sich, den Rechnungsbetrag kurzfristig über einen Kontokorrentkredit vorzufinanzieren, um früh zu zahlen und den Skonto zu ziehen?
Rechenweg (vereinfachter/linearer effektiver Jahreszins des Skontoverzichts):
Zahlenbeispiel aus dem Excel-Anhang:
Position
Rechnung
Wert
Bruttobetrag
—
5.000,00 €
Skonto (3 %)
5.000,00 × 0,03
150,00 €
Zahlbetrag bei Skontoausnutzung
5.000,00 − 150,00
4.850,00 €
Zahlungsziel ohne Abzug
—
30 Tage
Zahlungsziel mit Skonto
—
10 Tage
Laufzeit der Zwischenfinanzierung
30 − 10
20 Tage
Effektivzins Skonto
3 % × 360 / 20
54,00 %
Zinssatz Kontokorrentkredit
—
14,00 %
Finanzierungskosten
4.850,00 × 0,14 × 20/360
37,72 €
Skontogewinn bei Fremdfinanzierung
150,00 − 37,72
112,28 €
Entscheidungslogik: Der effektive Jahreszins des Skontos (54,00 %) liegt weit über dem Kontokorrentzinssatz (14,00 %). Es lohnt sich daher, die Rechnung kurzfristig über den Kontokorrentkredit zu finanzieren, früh zu zahlen und den Skonto zu ziehen — Nettovorteil 112,28 € gegenüber dem Verzicht auf den Skonto.
[Hinweis] Dies ist die vereinfachte/lineare Formel (360-Tage-Jahr, keine Zinseszins rechnung) — nicht zu verwechseln mit exakteren Effektivzins-Methoden (z. B. Interner-Zinsfuß- Iteration), wie sie im FINA-Kurs (Dossier U18) für denselben Skonto-Sachverhalt zusätzlich gegengerechnet werden. Für die KOLE-Klausur reicht die lineare Formel oben.
Quelle (Primärtext): Rohleder-Blog, "Zuschlagskalkulation" V2.6 (Excel).
Zuschläge MGK/FGK/VwGK/VtGK/Gewinn/USt „auf Hundert“ — Skonto und Rabatt „im Hundert“ (÷ (1 − p)).
VwGKundVtGK werden beide auf die Herstellkosten (HK) bezogen.
Sondereinzelkosten (SEK-F, SEK-V) bekommen nie einen Zuschlag.
Erfolgsgrößen: R = G / K (Kosten im Nenner), W = E / K (Verhältniszahl, nicht %), Kontrolle W = 1 + R.
Teil A — Zuschlagskalkulation
Vorwärtskalkulation (Bruttoangebotspreis)
Szenario: Die Rheinhessen Maschinenbau GmbH kalkuliert ein Sonderbauteil für einen Privatkunden. Gesucht ist der Bruttoangebotspreis.
Gegeben:
Position
Wert
Materialeinzelkosten (MEK)
480,00 €
Materialgemeinkosten-Zuschlag (MGK)
130 % (auf MEK)
Fertigungseinzelkosten (FEK)
1.600,00 €
Fertigungsgemeinkosten-Zuschlag (FGK)
480 % (auf FEK)
Sondereinzelkosten der Fertigung (SEK-F)
620,00 €
Verwaltungsgemeinkosten (VwGK)
12 % (auf HK)
Vertriebsgemeinkosten (VtGK)
8 % (auf HK)
Gewinnzuschlag
12 % (auf SK)
Kundenskonto
3 % (im Hundert)
Kundenrabatt
20 % (im Hundert)
Umsatzsteuer (Privatkunde)
19 %
📝 Musterlösung A1
Position
Rechnung
Betrag
MEK
—
480,00 €
+ MGK 130 % (auf MEK)
480,00 × 1,30
624,00 €
= MK
480,00 + 624,00
1.104,00 €
FEK
—
1.600,00 €
+ FGK 480 % (auf FEK)
1.600,00 × 4,80
7.680,00 €
+ SEK-F
—
620,00 €
= FK
1.600,00 + 7.680,00 + 620,00
9.900,00 €
= HK
1.104,00 + 9.900,00
11.004,00 €
+ VwGK 12 % (auf HK)
11.004,00 × 0,12
1.320,48 €
+ VtGK 8 % (auf HK)
11.004,00 × 0,08
880,32 €
= Selbstkosten (SK)
11.004,00 + 1.320,48 + 880,32
13.204,80 €
+ Gewinn 12 % (auf SK)
13.204,80 × 0,12
1.584,58 €
= Barverkaufspreis (BVP)
13.204,80 + 1.584,58
14.789,38 €
+ Skonto 3 % (im Hundert)
ZVP = 14.789,38 ÷ 0,97 → Skonto = 457,40 €
457,40 €
= Zielverkaufspreis (ZVP)
14.789,38 ÷ 0,97
15.246,78 €
+ Rabatt 20 % (im Hundert)
LVP = 15.246,78 ÷ 0,80 → Rabatt = 3.811,70 €
3.811,70 €
= Listenverkaufspreis = Nettoangebotspreis
15.246,78 ÷ 0,80
19.058,48 €
+ USt 19 % (auf Netto)
19.058,48 × 0,19
3.621,11 €
= Bruttoangebotspreis
19.058,48 + 3.621,11
22.679,59 €
Fallen-Check: Skonto/Rabatt jeweils ÷ (1 − p) (nicht × (1 + p)); Skonto-Basis = ZVP, Rabatt-Basis = LVP (jeweils der größere Wert). SEK-F ohne Zuschlag direkt in die FK.
Ergebnis A1: Der Bruttoangebotspreis beträgt 22.679,59 € (Nettoangebotspreis 19.058,48 €).
Rückwärtskalkulation (fehlende Zuschlagssätze)
Szenario: Aus dem Kalkulationsblatt eines Auftrags sind vier Zuschlagssätze unleserlich geworden. Rekonstruiere sie (jeweils Betrag ÷ passende Basis).
(d) USt — „auf Hundert“ auf den Nettoangebotspreis:
Falle: Rabatt nicht auf den ZVP „auf Hundert“ beziehen (das gäbe 1.997,96 ÷ 7.991,84 = 25,00 % — falsch). Basis ist der Listenverkaufspreis, „im Hundert“.
Beurteilung: Solide, aber nicht üppig. 6,00 % Umsatzrendite liegen im gesunden Industrie-Bereich. Die 300,00 € Kulanz-Reisekosten drücken den Gewinn direkt — ohne sie wären es 660,12 € Gewinn (11,00 % Umsatzrendite) gewesen. Die Kundenbindung war den Kulanzbetrag wert, das Geschäft trägt ihn problemlos.
Falle: Kulanz-Reisekosten sind Kosten (als SEK-V in die Selbstkosten), aber kein Erlös — nicht zum Rechnungsbetrag addieren. Umsatzrendite = Gewinn ÷ Netto-Umsatz, nicht ÷ Selbstkosten.
Ergebnis A3:Gewinn 360,12 € absolut, Umsatzrendite 6,00 % (Gewinnzuschlag 6,39 % auf die Selbstkosten). Ein solide profitables Geschäft.
Teil B — Kosten- und Erfolgsgrößen
Aus Erlös- und Kostenfunktion (alle Größen)
Szenario: Für ein Produkt sind Erlös- und Kostenfunktion gegeben. Berechne alle Kennzahlen und beurteile die Planung.
Break-Even: xBE = Kf / db = 18.000,00 / 16,00 = 1.125,00 StkSicherheitsstrecke: 1.600 − 1.125 = 475,00 Stk (Sicherheitskoeffizient 475 / 1.600 = 29,69 %) Erfolgsziel-Menge: xZiel = (18.000,00 + 8.000,00) / 16,00 = 26.000,00 / 16,00 = 1.625,00 Stk → liegt über der Planmenge 1.600 → Ziel knapp verfehlt (deckt sich mit Z = 95,00 %). Kontrolle: W = 1 + R → 1 + 0,1348 = 1,13 ✓
Beurteilung:DB und G deutlich > 0, R = 13,48 % (hoch), W = 1,13 > 1 → klar vorteilhaft. Das Gewinnziel wird zu 95,00 % erreicht — knapp verfehlt, aber solide geplant. Es fehlen 25 Stk (1.625 statt 1.600) bis zum Ziel; eine kleine Mengen- oder Preiserhöhung schließt die Lücke.
Ergebnis B1:DB 25.600,00 € · db 16,00 €/Stk · G 7.600,00 € · R 13,48 % · W 1,13 · Z 95,00 % · Break-Even 1.125,00 Stk · Erfolgsziel-Menge 1.625,00 Stk. Vorteilhaftes Produkt, Ziel knapp verfehlt.
Gewinnbeitrag gegeben (rückwärts auf die Fixkosten)
Szenario: Für ein Produkt sind Stückpreis, variable Stückkosten, Planmenge und der geplante Gewinnbeitrag (Periodengewinn) bekannt — die Fixkosten sind gesucht. Danach die übrigen Kennzahlen.
Gegeben:
📝 Musterlösung B2
Schritt 1 — Deckungsbeitrag und Fixkosten rückwärts:
Schritt 2 — restliche Kennzahlen:
Größe
Rechenweg
Ergebnis
E
55,00 · 2.000
110.000,00 €
K
34,00 · 2.000 + 24.000,00 = 68.000,00 + 24.000,00 (Kontrolle: E − G = 110.000,00 − 18.000,00)
Beurteilung: R = 19,57 % sehr hoch, W = 1,20, große Sicherheitsstrecke (42,86 %) → sehr vorteilhaft und robust. Das Gewinnziel wird zu 90,00 % erreicht — leicht verfehlt, aber unkritisch.
Falle: Erst db bilden, dann DB, dann Kf = DB − G. Nicht G mit DB verwechseln — G ist der Gewinn nachFixkostenabzug.
Ergebnis B2:FixkostenKf = 24.000,00 €; DB 42.000,00 € · db 21,00 €/Stk · R 19,57 % · W 1,20 · Z 90,00 % · Break-Even 1.142,86 Stk · Sicherheitsstrecke 857,14 Stk.
Break-Even & Sicherheitsstrecke (Fokus)
Szenario: Der Vertrieb will wissen, ab welcher Menge das Produkt in die Gewinnzone kommt und wie groß der Puffer zur geplanten Absatzmenge ist.
Gegeben:
📝 Musterlösung B3
Schritt 1 — Deckungsspanne:
Schritt 2 — Break-Even:
Schritt 3 — Sicherheit & Zielmenge:
Kontroll-Kennzahlen an der Planmenge (x = 4.500):
Größe
Rechenweg
Ergebnis
E
30,00 · 4.500
135.000,00 €
K
18,00 · 4.500 + 42.000,00
123.000,00 €
DB
12,00 · 4.500
54.000,00 €
G
54.000,00 − 42.000,00
12.000,00 €
Z
12.000,00 / 12.000,00
100,00 %
R
12.000,00 / 123.000,00
9,76 %
W
135.000,00 / 123.000,00
1,10
Die Erfolgsziel-Menge (4.500 Stk) entspricht exakt der Planmenge → das Gewinnziel wird bei Planabsatz punktgenau erreicht (Z = 100,00 %). Kontrolle: W = 1 + R → 1 + 0,0976 = 1,10 ✓
Beurteilung: Ab 3.500 Stk (Break-Even) beginnt die Gewinnzone; bis zur Planmenge bleibt ein Puffer von 1.000 Stk (22,22 %). Das Gewinnziel wird bei Planabsatz genau getroffen — die Planung ist realistisch, aber ohne Reserve: Bricht der Absatz um mehr als 22,22 % ein, rutscht das Produkt in den Verlust.
Falle: Break-Even = Kf ÷ db (Deckungsspanne pro Stück), nicht ÷ Stückpreis. Sicherheitskoeffizient bezieht die Sicherheitsstrecke auf die Planmenge, nicht auf die Break-Even-Menge.
Ergebnis B3:Break-Even 3.500,00 Stk (= 105.000,00 € Umsatz), Sicherheitsstrecke 1.000,00 Stk (22,22 %), Erfolgsziel-Menge 4.500,00 Stk → Gewinnziel bei Planabsatz punktgenau erreicht (Z = 100,00 %, R 9,76 %, W 1,10).
DB 25.600,00 € · G 7.600,00 € · R 13,48 % · W 1,13 · Z 95,00 % · BE 1.125,00 Stk
B2
Gewinnbeitrag rückwärts
Kf24.000,00 € · R 19,57 % · W 1,20 · Z 90,00 % · BE 1.142,86 Stk
B3
Break-Even-Fokus
BE 3.500,00 Stk (105.000,00 €) · Sicherheitsstrecke 1.000,00 Stk (22,22 %) · Z 100,00 %
Empfehlung zum Üben: erst die Angabe abdecken und selbst rechnen, dann mit der darunterstehenden Musterlösung vergleichen. Bei A1/A2 sitzt die Hürde bei „im Hundert“ (÷ (1 − p)); bei B1–B3 bei R = G/K (Kosten im Nenner) und W als Verhältniszahl.
🎤 Rohleders Hinweise zu diesem Thema
Vorlesung: Kostenträgerstückrechnung/Kalkulation
Klausurhinweise
„Kuppelkalkulationsverfahren […] werden wir nicht anwenden und auch weder üben noch in der Klausur entsprechend dran bringen. Trotzdem müssen Sie wissen, dass es die gibt und warum es die gibt." → siehe 🚫 Was nicht drankommt.
„Dass eine Zuschlagskalkulation auf jeden Fall Teil der Klausur sein wird [ist sicher] […] stellen sich darauf ein, dass es eine kleine Variation geben könnte, dass es nicht ganz stumpf nach Schema läuft." Konkrete Variation aus einer früheren Klausur: Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten-Zuschlagsätze zu einem gemeinsamen Zuschlagsatz zusammengefasst, weil beide auf derselben Basis (Herstellkosten) beruhen — „hat einige schon verwirrt". → siehe auch 📋 Modalitäten.
Zu Zwischensummen im Kalkulationsschema: wenn nicht explizit danach gefragt ist, müssen Fertigungskosten/Materialkosten als Zwischensumme nicht ausgerechnet werden — „die Zeit können Sie dann sparen."
Bewertungserwartung
Bei der Vorkalkulation zählt die korrekte Unterscheidung der Preisbegriffe (Barverkaufspreis, Zielverkaufspreis, Listenverkaufspreis, Netto-/Brutto-Angebotspreis) — er empfiehlt ausdrücklich, in der Antwort immer „Netto" oder „Brutto" explizit dranzuschreiben statt nur „Angebotspreis": „Das frisst kein Heu."
Empfehlung, die Zwischengröße nach Rabattabzug/vor Verpackung&Versand ausdrücklich als „Listenverkaufspreis" zu bezeichnen (der Begriff aus der Preisliste, unverhandelt) statt allgemein „Verkaufspreis".
→ + Verpackung & Versand (i.d.R. ohne Gewinnmarge, nur kostendeckend) → Netto-Angebotspreis
→ + Umsatzsteuer → Brutto-Angebotspreis
Achtung: Verpackung/Versand steht NACH dem Listenverkaufspreis, nicht davor.
Typische Fehler / Fallen
Verwechslung „im Hundert" vs. „vom Hundert" → siehe ⚠️ Teuerste Fehler #1; gilt konkret für: Skonto (Barverkaufspreis → Zielverkaufspreis) und Kundenrabatt/Vertriebsprovision (Zielverkaufspreis → Listenverkaufspreis) — beides Rückrechnungen mit Basis = Zielbetrag ÷ (1 − Prozentsatz).
Divisionskalkulation: Verwechslungsgefahr bei zweistufiger Kalkulation, wenn Produktionsmenge ≠ Absatzmenge — Herstell-/Produktionskosten werden durch Produktionsmenge geteilt, die restlichen (Verwaltungs-/Vertriebs-)Kosten durch die Absatzmenge. Beispiel Garagensektionaltore: 3 verschiedene „Stückkosten"-Werte je nach Absatzszenario — welcher der richtige ist, hängt vom Markt/Wettbewerb ab, keine pauschale Antwort.
Äquivalenzziffernkalkulation: Kostenverteilung nach der gewählten Bezugsgröße (z. B. Gewicht bei Dachziegeln) unterstellt implizit, dass sich Produkte NUR in dieser Bezugsgröße unterscheiden — Modellannahme explizit hinterfragen (z. B. Vertriebskosten evtl. proportional zur Stückzahl statt zum Gewicht).
Fehleinschätzung der Fehlerfortpflanzung: eine Einzelkosten-Steigerung wird durch mehrfaches Hebeln über nachgelagerte Zuschlagssätze (Material-GK → Herstellkosten → Verwaltungs-/Vertriebs-GK → Gewinn → USt) deutlich überproportional durchgereicht (Beispiel: 70 € erwartete Selbstkosten-Steigerung wurde zu ca. 140 €, dem Doppelten).
Fachliche Klarstellungen
Drei Kalkulationsanlässe: Vorkalkulation (Planmengen/-preise, vor Angebot/Preisliste), Zwischenkalkulation (während laufendem Auftrag, Ist-Kosten gegen Plan), Nachkalkulation (nach Abschluss, „Blick zurück im Zorn" — nur noch Lessons Learned möglich).
Vier Kalkulationsverfahren-Gruppen: Divisionskalkulation, Äquivalenzziffernkalkulation, Zuschlagskalkulation, Kuppelkalkulation (nur konzeptionell relevant, siehe 🚫 Was nicht drankommt).
Divisionskalkulation ein-/zwei-/mehrstufig: einstufig nur bei Produktionsmenge = Absatzmenge; zweistufig trennt Produktions-/Herstellkosten (÷ Produktionsmenge) von übrigen Kosten (÷ Absatzmenge) — ermöglicht zugleich Lagerbestandsbewertung fürs externe Rechnungswesen (Beispiel Brötchen: 17.600 € verkauft + 2.400 € auf Lager = 20.000 € Gesamtkosten).
Äquivalenzziffernkalkulation: Rechenweg über „Recheneinheiten" (z. B. Kilo-Äquivalent), Äquivalenzziffer 1,0 für Referenzsorte, andere Sorten als Vielfache. Ermittlung „am besten analytisch", in der Praxis aber häufig geschätzt.
Begriffs-Sauberkeit: Netto = „es fehlt noch was" (hier: USt), Brutto = „ist schon drin". Ggü. Privatkunden (B2C) ist per Preisangabenverordnung nur der Brutto-Angebotspreis zulässig; ggü. Gewerbekunden ist der Netto-Angebotspreis erlaubt, wenn erkennbar B2B-Angebot.
Kalkulatorischer Gewinnzuschlag-Bestandteile (aus seinem Beispiel): risikoloser Zins (10j. Bundesanleihe) + Risikoprämie (Branchenwagnis) + kalkulatorischer Unternehmerlohn + kalkulatorische Miete + Risikoprämie fürs Unternehmertum + „Schmerzensgeld für deutsche Bürokratie" (eigener Zuschlag).
Merksätze
„Les jeux sont faits" / „Alea iacta est" — für die Nachkalkulation: die Kosten sind bereits angefallen (sunk), nur Lessons Learned möglich.
„Wir sind auch der Einfachheit verpflichtet" — Rechtfertigung, warum auch simple Verfahren (Divisionskalkulation) in der Praxis weiterhin legitim sind.
Übung: Divisionskalkulation, Zuschlagskalkulation
Klausurhinweise
Zur Divisionskalkulations-Aufgabe „Binger Bubenstück" (Wein-Beispiel): „Original aus der Klausur vom letzten Sommer." — reale, wortgleiche Vorjahresklausuraufgabe, gutes Übungsbeispiel für den echten Schwierigkeitsgrad.
Zur Zuschlagskalkulations-Übung (12-Punkte-Aufgabe = 12 Minuten, ebenfalls aus einer echten Vorjahresklausur): Musterlösung rechnet in Excel mit voller Genauigkeit → weicht von der klausurkonform gerundeten Rechnung ab → siehe 📋 Modalitäten (Rundungskonvention, konkretes Zahlenbeispiel 16.537,50 € vs. 16.525 €).
Bewertungserwartung
Bei Kaufmanns-/Alltagspreisen (Angebote, Preislisten) muss die Rechnung mit der angezeigten Genauigkeit für den Kunden exakt nachvollziehbar sein — sonst „fühlen sich die Leute mit Recht veräppelt".
Typische Fehler / Fallen
Schwund-Unterscheidung: regelmäßiger Schwund (z. B. 5 % Lagerschwund durchs Umfüllen/Verdunsten) gehört in die Kalkulation der Stückkosten — er ist planbar und wiederkehrend. Einmaliger/außergewöhnlicher Schwund (z. B. geplatzter Schlauch) ist unternehmerisches Risiko, wird über den Gewinnzuschlag abgedeckt und darf die Preisuntergrenze NICHT verändern (dieselbe Trennlogik wie bei außerordentlichen Verlusten in U03-Vorlesung, hier speziell auf Schwund angewendet).
Bei mehrstufiger Zuschlagskalkulation für Privat- vs. Gewerbekunden wird die Umsatzsteuer-Behandlung oft vergessen: Gewerbekunden interessiert nur der Nettopreis (durchlaufender Posten, Vorsteuerabzug im Folgemonat), Privatkunden müssen laut Preisangabenverordnung immer den Bruttopreis sehen — welche Variante gefragt ist, steht nie explizit in der Aufgabe, das muss man selbst erkennen/entscheiden.
Bei mehrstufiger Divisionskalkulation: Wertansätze verschiedener Stufen müssen mit Stufenbezeichnung ausgewiesen werden (z. B. „1,40 €/Liter Stufe 1"), weil ein Liter auf Stufe 1 und Stufe 2 unterschiedliche Kosten enthält — sonst Punktabzug (siehe auch ⚠️ Teuerste Fehler #4).
Fachliche Klarstellungen
Mehrstufige Divisionskalkulation am Beispiel Weinproduktion (Keltern → Lagerung mit Schwund → Abfüllen inkl. zugekaufter Handelsware → Vertrieb/Flaschenabfüllung): Kosten werden Stufe für Stufe kumuliert und durch die jeweilige Stufen-Outputmenge geteilt — „am Ende des Tages müssen die Gesamtkosten durch den finalen Output dividiert werden, aber das machen wir stufenweise."
Merksätze
„Auf Excel-Tabellen zu schauen, wird Sie in der Klausur nicht retten."
📋 Gelöste Aufgaben zu diesem Thema
Alle durchgerechneten Übungszettel-, Altmeister- und GoodNotes-Aufgaben dieses Themas an einer Stelle.
Zuschlagskalkulation mit Maschinenstundensatz
Aufgabe #143 · 10 P. · Aufgabe | 10 P. | #1Zuschlagskalkulation mit Maschinenstundensatz: Auf einer NC-Maschine werden 25 Spezialwerkzeuge hergestellt. Die Bearbeitungsdauer beträgt 15 min/Stk.; für das Rüsten werden 2 Std. benötigt. Der Materialverbrauch liegt bei 160 EUR/Stk. Der Fertigungslohn für die Bearbeitung der Werkzeuge beträgt 200 EUR (gesamter Auftrag). Es sind Materialgemeinkosten von 30 % und Restgemeinkosten von 120 % zu berücksichtigen. Der Maschinenstundensatz beträgt 180 EUR/Std. Ermitteln Sie die Herstellkosten je Stück.
Maschinenkosten je Stück = 1.485,00 / 25 = 59,40 EUR
Schritt 2 - Fertigungslohn je Stück:
Fertigungslohn je Stück = 200,00 / 25 = 8,00 EUR
Schritt 3 - Kalkulationsschema je Stück:
Position
Wert
Materialeinzelkosten
160,00 EUR
+ Materialgemeinkosten (30 %)
48,00 EUR
= Materialkosten
208,00 EUR
Fertigungslohn (200 / 25)
8,00 EUR
+ Restgemeinkosten (120 % auf FL)
9,60 EUR
+ Maschinenkosten je Stück
59,40 EUR
= Fertigungskosten
77,00 EUR
= Herstellkosten je Stück
285,00 EUR
Ergebnis: Die Herstellkosten der Fertigung betragen 285,00 EUR je Stück.
Hinweis: Die Restgemeinkosten (120 %) werden auf den Fertigungslohn bezogen; die Maschinenkosten werden über den Maschinenstundensatz separat verrechnet.
Selbstkosten mittels Zuschlagskalkulation
Aufgabe #146 · 5 P. · Aufgabe | 5 P. | #3aFür eine Werkzeugmaschine liegen die Fertigungslohnkosten und die Fertigungsmaterialkosten vor. Des Weiteren gelten die Gemeinkostenzuschlagssätze der vorhergehenden Periode:
Fertigungslöhne (EUR)
120.000
Fertigungsmaterial (EUR)
50.000
Fertigungslohn-Gemeinkostenzuschlagssatz (%)
210
Fertigungsmaterial-Gemeinkostenzuschlagssatz (%)
15
Vw- und Vt-Gemeinkostenzuschlagssatz (%)
60
Ermitteln Sie die Selbstkosten mit Hilfe der Zuschlagskalkulation.
Vorgehen: Differenzierende Zuschlagskalkulation. Material- und Fertigungsgemeinkosten auf die jeweiligen Einzelkosten aufschlagen, dann Verwaltungs-/Vertriebsgemeinkosten auf die Herstellkosten.
Schritt 1 - Materialgemeinkosten:
MGK = 15 % x 50.000 = 7.500,00 EUR
Schritt 2 - Fertigungsgemeinkosten:
FGK = 210 % x 120.000 = 252.000,00 EUR
Schritt 3 - Kalkulationsschema:
Position
Betrag
Fertigungsmaterial (MEK)
50.000,00 EUR
+ Materialgemeinkosten (15 %)
7.500,00 EUR
Fertigungslöhne (FL)
120.000,00 EUR
+ Fertigungsgemeinkosten (210 %)
252.000,00 EUR
= Herstellkosten
429.500,00 EUR
+ Verw.- u. Vertriebsgemeinkosten (60 %)
257.700,00 EUR
= Selbstkosten
687.200,00 EUR
Schritt 4 - Vw+Vt-Gemeinkosten:
= 60 % x 429.500 = 257.700,00 EUR
Ergebnis: Die Selbstkosten betragen 687.200,00 EUR.
Nettoangebotspreis mit Skonto, Rabatt und Gewinn (Rueckwaertsstaffelung)
Aufgabe #147 · 10 P. · Aufgabe | 10 P. | #3bErrechnen Sie den Nettoangebotspreis so, dass nach Abzug von 3% Skonto und 5% Rabatt noch ein Gewinnaufschlag von 10% übrigbleibt.
Idee: Skonto und Rabatt beziehen sich jeweils auf den höheren (noch nicht geminderten) Preis. Daher wird nicht abgezogen, sondern durch (1 - Satz) dividiert (Rückwärtskalkulation).
Schritt 1 - Gewinnaufschlag (10 % auf Selbstkosten):
Ergebnis: Der Nettoangebotspreis beträgt 820.314,70 EUR.
Zuschlagskalkulation II
Zuschlagssaetze auf Vollkostenbasis und Angebotspreis Produkt A
Aufgabe #148 · Aufgabe | #4aAus der Kostenrechnung eines Unternehmens liegen folgende Daten vor:
Kostenart (EUR)
Fert. I
Fert. II
Fert. III
Mat. I
Mat. II
Verw.
Vertr.
Hilfslöhne
3.017
4.312
10.515
500
250
1.750
1.830
Fertigungslöhne
135.000
225.000
375.300
–
–
–
–
Gehälter
–
1.400
7.971
–
500
92.144
103.741
Fertigungsmaterial
–
–
–
68.300
55.000
–
–
Zinsen
5.733
8.730
15.923
2.481
1.178
15.930
18.930
Abschreibungen
10.500
15.375
35.121
–
350
11.330
23.230
Sonstige Verwaltungskosten
3.700
1.683
9.283
1.800
472
3.770
2.178
Einzelkosten der Produkte A und B in EUR pro Stück:
Produkt
FL I
FL II
FL III
Mat I
Mat II
Mat III
A
153
172
102
53
91
21
B
33
65
93
121
25
–
Berechnen Sie die Zuschlagssätze auf Vollkostenbasis und kalkulieren Sie für Produkt A einen Angebotspreis, der nach Abzug von 3% Skonto und 5% Rabatt noch 15% Gewinn enthält.
Teil 1 - Gemeinkostensummen und Zuschlagssätze je Kostenstelle
Einzelkosten (Fertigungslöhne, Fertigungsmaterial) sind die Zuschlagsbasis. Gemeinkosten = Hilfslöhne + Gehälter + Zinsen + Abschreibungen + Sonstige Verwaltungskosten.
Ergebnis: Angebotspreis für Produkt A = 1.068,89 EUR/Stück (enthält nach Abzug von 5 % Rabatt und 3 % Skonto noch 15 % Gewinn). Hinweis: Material III wird ohne eigene Materialstelle als reine Einzelkosten in die Herstellkosten übernommen.
Zuschlagskalkulation III
Fertigungskosten je Stueck (maschinenbezogene Kalkulation)
Aufgabe #149 · Aufgabe | #5aIn einer Fertigungskostenstelle wird zunächst auf Maschine I und dann auf Maschine II eine Produktart bearbeitet. In der letzten Abrechnungsperiode sind an maschinenabhängigen Fertigungsgemeinkosten angefallen:
(EUR)
Maschine I
Maschine II
Kalkulatorische Abschreibung
16.000
12.500
Kalkulatorische Zinsen
7.000
3.750
Instandhaltungs- und Wartungskosten
2.000
4.450
Energie- und Betriebsstoffkosten
3.500
4.000
Raumkosten
1.500
800
In der betreffenden Kostenstelle sind außerdem maschinenunabhängige Fertigungsgemeinkosten entstanden: Hilfslöhne 25.000 EUR, Sozialkosten 40.000 EUR, Arbeitsvorbereitung 3.400 EUR. Die Fertigungseinzelkosten beliefen sich auf 6 EUR und die Sondereinzelkosten der Fertigung auf 0,50 EUR/Stück. In der Abrechnungsperiode wurden 6.000 Stück produziert. Die durchschnittliche Fertigungszeit an Maschine I beträgt 10 Minuten/Stück, an Maschine II 15 Minuten/Stück. Ermitteln Sie die Fertigungskosten je Stück!
Vorgehen: Alle Fertigungsgemeinkosten (maschinenabhängig je Maschine + maschinenunabhängig) durch die produzierte Menge (6.000 Stück) teilen und um die Einzelkosten ergänzen.
Ergebnis: Die Fertigungskosten betragen 27,15 EUR je Stück.
Hinweis: Die durchschnittlichen Fertigungszeiten (10 min an Maschine I, 15 min an Maschine II) sind hier keine Rechengrösse - da alle 6.000 Stück dieselbe Produktart sind, werden die Maschinenkosten direkt über die Stückzahl verteilt.
Plankostenrechnung
Zuschlagskalkulation: Angebotspreis der Sonderanfertigung
Aufgabe #175 · 12 P. · Aufgabe |Sonderanfertigung für Privatkunden. Materialeinzelkosten 345 EUR, Fertigungseinzelkosten 712 EUR. Zuschlagssätze: FGK 525%, MGK 220%, VtGK 6%, VwGK 12%, Kundenskonto 2%, Kundenrabatt 10%, Gewinn 15%. Sondereinzelkosten der Fertigung 980 EUR. Verpackung/versicherter Versand pauschal 149 EUR. Wie lautet der Angebotspreis für den Privatkunden?
📝 Ausformulierte Lösung
Verwendete Symbole (alle Größen ausgeschrieben)
Kürzel
Ausgeschrieben
Bedeutung
MEK
Materialeinzelkosten
direkt zurechenbares Material
MGK
Materialgemeinkosten
Zuschlag auf MEK (220 %)
FEK
Fertigungseinzelkosten
direkt zurechenbare Fertigungslöhne
FGK
Fertigungsgemeinkosten
Zuschlag auf FEK (525 %)
SEKF
Sondereinzelkosten der Fertigung
z. B. Spezialwerkzeug (980 EUR)
HK
Herstellkosten
Material- + Fertigungskosten
VwGK
Verwaltungsgemeinkosten
Zuschlag auf HK (12 %)
VtGK
Vertriebsgemeinkosten
Zuschlag auf HK (6 %)
SK
Selbstkosten
HK + VwGK + VtGK
V&V
Verpackung und versicherter Versand
pauschal 149 EUR, eigener Posten NACH Rabatt (kein SEKV/Zuschlag)
Schritt 1 — Materialkosten
Schritt 2 — Fertigungskosten
Die Sondereinzelkosten der Fertigung (SEKF) werden direkt (ohne Zuschlag) in die Fertigungskosten übernommen:
Schritt 3 — Herstellkosten
Schritt 4 — Verwaltung und Vertrieb
VwGK und VtGK werden auf die Herstellkosten aufgeschlagen:
Schritt 5 — Selbstkosten
> Wichtig — Verpackung/Versand gehört NOCH NICHT hierher. In Rohleders eigenem Kalkulationsschema (KOLE 26SS U11 Zuschlagskalkulation V2.6, und ebenso in den offiziellen Musterlösungen U10 Aufgabe 1 und U12 Aufgabe 3) steht „Verpackung und Versand" konsequent als eigene Zeile NACH dem Listenverkaufspreis, unmittelbar vor der Umsatzsteuer — nicht als Sondereinzelkosten des Vertriebs (SEKV) innerhalb der Selbstkosten. SEKV und „Verpackung/Versand" sind bei Rohleder zwei verschiedene Dinge: SEKV wäre ein echter, dem Auftrag direkt zurechenbarer Sonderkostenposten vor dem Gewinn; die pauschale Versandpauschale dagegen ein unmarkierter Durchlaufposten nach Gewinn, Skonto und Rabatt.
Schritt 6 — Gewinn → Barverkaufspreis
Schritt 7 — Kundenskonto (Im-Hundert-Rechnung)
Der Skonto (2 %) wird dem Kunden vom Zielverkaufspreis gewährt, d. h. der Barverkaufspreis sind nur 98 % des Zielverkaufspreises. Deshalb durch 0,98 teilen (nicht mit 1,02 multiplizieren):
(Probe: Skonto = 9.047,59 − 8.866,64 = 180,95 EUR = 2 % v. 9.047,59 ✓)
Der Rabatt (10 %) wird vom Listen-/Angebotspreis gewährt, d. h. der Zielverkaufspreis sind nur 90 % des Listenverkaufspreises. Deshalb durch 0,90 teilen:
Erst jetzt, nach dem gesamten Gewinn-Skonto-Rabatt-Durchlauf, kommt die Versandpauschale pauschal und unmarkiert hinzu (kein Gewinn, kein Skonto, kein Rabatt darauf):
Ergebnis — K1 Zuschlagskalkulation
Kalkulationsstufe
Betrag (EUR)
Materialkosten
1.104,00
Fertigungskosten
5.430,00
Herstellkosten
6.534,00
+ Verwaltungsgemeinkosten (12 %)
784,08
+ Vertriebsgemeinkosten (6 %)
392,04
Selbstkosten
7.710,12
+ Gewinn (15 %)
1.156,52
Barverkaufspreis
8.866,64
+ Skonto (2 %, im Hundert)
180,95
Zielverkaufspreis
9.047,59
+ Rabatt (10 %, im Hundert)
1.005,29
Listenverkaufspreis
10.052,88
+ Verpackung/versicherter Versand (pauschal, ohne Aufschlag)
149,00
Angebotspreis (netto)
10.201,88
Der Angebotspreis für den Privatkunden beträgt 10.201,88 EUR (netto).
Verkaufspreis aus dem Rechnungsbetrag (Rückrechnung Umsatzsteuer 19 %) (Probe: EUR)
Plangewinn (Vorkalkulation)
Nachkalkulation – die Kulanz-Reisekosten (344,00 EUR) sind tatsächlich angefallen:
Beide vorgegebenen Werte (Gewinn 232,01 EUR, Spanne 4 %) sind damit bestätigt. Kontroll-Probe: EUR = exakt die verschenkten Reisekosten.
a) War es ein gutes Geschäft?
Ja, grundsätzlich ein gutes Geschäft — aber schlechter als geplant. Drei Begründungen:
Volle Kostendeckung + positiver Gewinn: Selbst nach den aus Kulanz getragenen Reisekosten sind alle Selbstkosten (5.800,29 EUR) gedeckt und es bleibt ein Ist-Gewinn von 232,01 EUR (4 % auf die Ist-Selbstkosten). Kein Verlustgeschäft.
Deutliche Gewinneinbuße gegenüber Plan: Der geplante Gewinn von 576,01 EUR (≈ 10,56 %) ist auf 232,01 EUR (4 %) gesunken — ein Rückgang um 344,00 EUR bzw. rund 60 % des ursprünglich kalkulierten Gewinns.
Ursache klar isolierbar: Der gesamte Einbruch entspricht 1:1 den nicht abgerechneten Reisekosten. Das Geschäft war also solide, die Kulanzleistung hat es aber spürbar „verwässert".
b) Welche Frage beantwortet die Vorkalkulation?
Zeitpunkt: Sie erfolgt vor der Auftragsannahme / Leistungserstellung.
Zweck: Sie ermittelt die voraussichtlichen (geplanten) Selbstkosten des Auftrags.
Leitfrage: „Was wird der Auftrag voraussichtlich kosten und welchen (Angebots-)Preis muss ich verlangen, um meine Kosten zu decken und den gewünschten Gewinn zu erzielen?" → Grundlage der Preis-/Angebotsermittlung.
c) Welche Frage beantwortet die Nachkalkulation?
Zeitpunkt: Sie erfolgt nach Abschluss des Auftrags.
Zweck: Sie erfasst die tatsächlich angefallenen (Ist-)Kosten und stellt sie dem erzielten Preis gegenüber (Soll-Ist-Vergleich, Wirtschaftlichkeitskontrolle).
Leitfrage: „Was hat der Auftrag wirklich gekostet und wie hoch war der tatsächlich erzielte Gewinn — hat sich der Auftrag gelohnt?" Hier werden die 344 EUR Reisekosten sichtbar, die die Vorkalkulation nicht kannte.
d) War die Kulanzleistung in der Vorkalkulation enthalten?
Nein. Begründung über die Zahlen:
Die vorkalkulierten Selbstkosten von 5.456,29 EUR enthalten keine Reisekosten — sie ergeben sich vollständig aus MEK/FEK und den Zuschlagssätzen.
Erst in der Nachkalkulation werden die 344,00 EUR als tatsächlich angefallene Kosten angesetzt ( EUR).
Beweis: Der Gewinn fällt von 576,01 EUR (Vorkalkulation) auf 232,01 EUR (Nachkalkulation) — die Differenz beträgt genau 344,00 EUR, also exakt die Reisekosten. Wären sie einkalkuliert gewesen, hätte man entweder einen höheren Preis verlangt oder einen niedrigeren Plangewinn ausgewiesen. → Die Kulanzleistung war nicht Teil der Vorkalkulation, sie mindert erst nachträglich den Erfolg.
e) Umgang, wenn der Außendienst häufiger vor Ort einweisen müsste
Bei regelmäßigem Anfall darf die Einweisung nicht länger als einmalige Kulanz aus dem Gewinn getragen werden, sondern muss systematisch in die Kalkulation:
Als Sondereinzelkosten des Vertriebs (SEKV) direkt zurechnen: Sind die Reisekosten dem einzelnen Auftrag eindeutig zuordenbar, werden sie nach den Vertriebsgemeinkosten als eigene Position auf die Selbstkosten aufgeschlagen und so im Preis abgebildet.
Alternativ in den Vertriebs-Zuschlagssatz einrechnen: Ist eine auftragsgenaue Zurechnung nicht möglich, fließen die Kosten als Gemeinkosten in einen erhöhten VtGK-Satz ein, sodass sie über alle Aufträge anteilig gedeckt werden.
Preis anpassen / Leistung berechnen: Die Einweisung wird künftig als separate, bepreiste Leistung angeboten und an den Kunden weitergegeben, statt sie zu verschenken.
Kulanz begrenzen und laufend kontrollieren: Dauerhaftes Tragen aus Kulanz schmälert systematisch den Gewinn (hier −60 %). Regelmäßige Nachkalkulation und aktuelle Zuschlagssätze sichern, dass solche Kosten erkannt und eingepreist werden.
Zuschlagskalkulation I — Rückwärtskalkulation der Zuschlagssätze
Aufgabe #205 · 6 P. · Aufgabe |Sie leiten ein Unternehmen und wollen die Selbstkosten für Ihre Produkte bestimmen. Die Gemeinkosten haben Sie bereits mittels Stufenleiterverfahren auf die folgenden Kostenstellen verteilt:
Gehen Sie davon aus, dass die Materialeinzelkosten 165.231 € und die Fertigungseinzelkosten 39.783 € betragen.
a) 1 P. Berechnen Sie die Herstellkosten! b) 1 P. Berechnen Sie die Selbstkosten! c) 4 P. Berechnen Sie die üblichen Zuschlagssätze!
📝 Ausformulierte Lösung
a) Herstellkosten
b) Selbstkosten
c) Zuschlagssätze (Betrag ÷ Basis)
Zuschlag
Rechnung
Satz
MGK (auf MEK)
72.705,00 ÷ 165.231,00
44,00 %
FGK (auf FEK)
79.566,00 ÷ 39.783,00
200,00 %
VwGK (auf HK)
28.575,00 ÷ 357.285,00
8,00 %
VtGK (auf HK)
22.763,00 ÷ 357.285,00
6,37 %
Zuschlagskalkulation II — Vorkalkulation Bruttoangebotspreis
Aufgabe #206 · 14 P. · Aufgabe |Eine Sonderfertigung ist für einen Privatkunden zu kalkulieren. Es fallen Sondereinzelkosten des Vertriebs in Höhe von 851,23 EUR an. Die Fertigungseinzelkosten betragen 1.750 EUR. Die Materialeinzelkosten belaufen sich auf 351 EUR. Die derzeit gültigen Zuschlagssätze lauten: MGK 125 %, FGK 425 %, VwGK 17 %, VtGK 12 %, Kundenrabatt 14 %, Kundenskonto 3 % und Gewinn 15 %. Für Verpackung und versicherten Versand werden pauschal 49 EUR berechnet.
Wie lautet der Angebotspreis für den Privatkunden? Gemeint ist der Brutto-Angebotspreis, d.h. einschließlich der derzeit gültigen Umsatzsteuer und aller Nebenkosten.
📝 Ausformulierte Lösung
Position
Rechnung
Betrag
MEK
—
351,00 €
+ MGK 125 % (auf MEK)
351,00 × 1,25
438,75 €
= MK
351,00 + 438,75
789,75 €
FEK
—
1.750,00 €
+ FGK 425 % (auf FEK)
1.750,00 × 4,25
7.437,50 €
= FK
1.750,00 + 7.437,50
9.187,50 €
= HK
789,75 + 9.187,50
9.977,25 €
+ VwGK 17 % (auf HK)
9.977,25 × 0,17
1.696,13 €
+ VtGK 12 % (auf HK)
9.977,25 × 0,12
1.197,27 €
+ SEK-V
—
851,23 €
= SK
9.977,25 + 1.696,13 + 1.197,27 + 851,23
13.721,88 €
+ Gewinn 15 % (auf SK)
13.721,88 × 0,15
2.058,28 €
= BVP
13.721,88 + 2.058,28
15.780,16 €
+ Skonto 3 % (im Hundert)
ZVP = 15.780,16 ÷ 0,97 → Skonto = 488,05
488,05 €
= ZVP
15.780,16 ÷ 0,97
16.268,21 €
+ Rabatt 14 % (im Hundert)
LVP = 16.268,21 ÷ 0,86 → Rabatt = 2.648,31
2.648,31 €
= LVP
16.268,21 ÷ 0,86
18.916,52 €
+ Verpackung/Versand
—
49,00 €
= Nettoangebotspreis
18.916,52 + 49,00
18.965,52 €
+ USt 19 % (auf Hundert)
18.965,52 × 0,19
3.603,45 €
= Bruttoangebotspreis
18.965,52 + 3.603,45
22.568,97 €
Ergebnis: Der Bruttoangebotspreis beträgt 22.568,97 €.
Zuschlagskalkulation — Vorkalkulation mit fehlenden Zuschlägen
Aufgabe #207 · 14 P. · Aufgabe |Eine Sonderfertigung ist für einen Privatkunden zu kalkulieren. Es fallen Sondereinzelkosten des Vertriebs in Höhe von 574,59 EUR an. Die Fertigungseinzelkosten betragen 1.500 EUR. Die Materialeinzelkosten belaufen sich auf 750 EUR. Die derzeit gültigen Zuschlagssätze lauten: MGK 75 %, FGK 220 %, VwGK 14 %, VtGK 10 %, Kundenrabatt 12 %, Kundenskonto 3 % und Gewinn 15 %. Für Verpackung und versicherten Versand werden pauschal 49 EUR berechnet.
Wie lautet der Angebotspreis für den Privatkunden? Gemeint ist der Brutto-Angebotspreis, d.h. einschließlich der derzeit gültigen Umsatzsteuer und aller Nebenkosten.
📝 Ausformulierte Lösung
Position
Rechnung
Betrag
MEK
—
750,00 €
+ MGK 75 % (auf MEK)
750,00 × 0,75
562,50 €
= MK
750,00 + 562,50
1.312,50 €
FEK
—
1.500,00 €
+ FGK 220 % (auf FEK)
1.500,00 × 2,20
3.300,00 €
= FK
1.500,00 + 3.300,00
4.800,00 €
= HK
1.312,50 + 4.800,00
6.112,50 €
+ VwGK 14 % (auf HK)
6.112,50 × 0,14
855,75 €
+ VtGK 10 % (auf HK)
6.112,50 × 0,10
611,25 €
+ SEK-V
—
574,59 €
= SK
6.112,50 + 855,75 + 611,25 + 574,59
8.154,09 €
+ Gewinn 15 % (auf SK)
8.154,09 × 0,15
1.223,11 €
= BVP
8.154,09 + 1.223,11
9.377,20 €
+ Skonto 3 % (im Hundert)
ZVP = 9.377,20 ÷ 0,97 → Skonto = 290,02
290,02 €
= ZVP
9.377,20 ÷ 0,97
9.667,22 €
+ Rabatt 12 % (im Hundert)
LVP = 9.667,22 ÷ 0,88 → Rabatt = 1.318,26
1.318,26 €
= LVP
9.667,22 ÷ 0,88
10.985,48 €
+ Verpackung/Versand
—
49,00 €
= Nettoangebotspreis
10.985,48 + 49,00
11.034,48 €
+ USt 19 % (auf Hundert)
11.034,48 × 0,19
2.096,55 €
= Bruttoangebotspreis
11.034,48 + 2.096,55
13.131,03 €
Ergebnis: Der Bruttoangebotspreis beträgt 13.131,03 €.
Zuschlagskalkulation: Sondermaschinen-Auftrag (Vorkalkulation bis Bruttoangebotspreis) — Zusatzübung
Aufgabe #225 · Zuschlagskalkulation: Sondermaschinen-Auftrag (Vorkalkulation bis Bruttoangebotspreis) — ZusatzübungDie Rheingau Anlagenbau GmbH (Sondermaschinenbau, Mittelstand) kalkuliert einen Auftrag für einen Privatkunden. Gegeben: Materialeinzelkosten (MEK) 800,00 €; Materialgemeinkosten (MGK) 150 %; Fertigungseinzelkosten (FEK) 1.400,00 €; Fertigungsgemeinkosten (FGK) 500 %; Sondereinzelkosten der Fertigung (SEK-F) 800,00 € (Spezialvorrichtung nur für diesen Auftrag); Verwaltungsgemeinkosten (VwGK) 15 %; Vertriebsgemeinkosten (VtGK) 10 %; Gewinnzuschlag 12 %; Kundenskonto 2 %; Kundenrabatt 20 %; Umsatzsteuer 19 %. Ermittle den Bruttoangebotspreis über das vollständige Zuschlagsschema.
Lösung — Schritt für Schritt:
Materialkosten (MK). Die MGK sind ein Zuschlag auf die MEK: MGK = 800,00 € × 1,50 = 1.200,00 €. → MK = MEK + MGK = 800,00 € + 1.200,00 € = 2.000,00 €.
Fertigungskosten (FK).FGK ist ein Zuschlag auf die FEK: FGK = 1.400,00 € × 5,00 = 7.000,00 €. Die SEK-F werden nur addiert (nie mit % belegt): FK = FEK + FGK + SEK-F = 1.400,00 € + 7.000,00 € + 800,00 € = 9.200,00 €.
Ergebnis: Der Bruttoangebotspreis beträgt 23.800,00 €. Rechenprobe (rückwärts): 23.800,00 € ÷ 1,19 = 20.000,00 € (Netto) → × 0,80 = 16.000,00 € (ZVP) → × 0,98 = 15.680,00 € (BVP) → ÷ 1,12 = 14.000,00 € (SK). Alle vier Rückschritte treffen die Vorwärtswerte exakt — die Kalkulation geht auf.
Zuschlagskalkulation (Nachkalkulation): gleiche Kostendaten wie eine Zuschlag-Vorkalkulation, andere Frage — Zusatzübung
Aufgabe #229 · Zuschlagskalkulation (Nachkalkulation): gleiche Kostendaten wie eine Zuschlag-Vorkalkulation, andere Frage — Zusatzübung(Gleiche Kostendaten wie die Original-Vorkalkulation — aber statt des Bruttoangebotspreises wird jetzt eine Nachkalkulation gefragt.) folgende Kostendaten: MEK 650,00 €; MGK 125 %; FEK 2.200,00 €; FGK 653 %; SEK-F 1.243,95 €; VwGK 14 %; VtGK 12 %. Andere Frage — Nachkalkulation: Der Auftrag wurde ausgeführt, der Privatkunde hat einen Rechnungsbetrag von 29.750,00 € brutto (19 % USt) überwiesen. Zusätzlich fielen 1.200,00 € nicht berechnete Kulanz-Reisekosten (SEK-V) an. Liegt ein Gewinn oder Verlust vor, und wie hoch ist die Umsatzrendite?
Lösung — Schritt für Schritt:
Warum entfallen Gewinn/Skonto/Rabatt aus der Vorkalkulation? In einer Nachkalkulation steht der tatsächlich gezahlte Betrag bereits fest — die Preisaufschläge (Gewinnzuschlag, Skonto, Rabatt) aus der Vorkalkulation brauchst du nicht. Du baust nur die Selbstkosten auf und vergleichst sie mit dem Netto-Erlös.
SEK-V (Kulanz-Reisekosten): Nicht abgerechnete Kulanzkosten sind Kosten (mindern den Gewinn), aber kein Erlös — als SEK-V direkt vor die Selbstkosten: 1.200,00 €.
Ergebnis: Es liegt ein Verlust von 483,28 € vor, die Umsatzrendite beträgt −1,93 % — der Auftrag hat trotz auskömmlicher Kalkulation Geld gekostet, wesentlich getrieben durch die 1.200,00 € Kulanz-Reisekosten (ohne sie: +716,72 € Gewinn ≈ +2,87 %). Rechenprobe: Netto-Erlös rückwärts: 25.000,00 € × 1,19 = 29.750,00 € = überwiesener Bruttobetrag ✓. Selbstkosten-Bausteine einzeln: 1.462,50 + 17.809,95 + 2.698,14 + 2.312,69 + 1.200,00 = 25.483,28 € ✓ (die HK von 19.272,45 € decken sich mit der der Original-Zuschlag-Vorkalkulation).
Die Divisionskalkulation teilt die Gesamtkosten durch die Menge. Sie passt nur bei Einprodukt-/Massenfertigung (ein homogenes Erzeugnis, z. B. Wein, Zement, Strom).
Warum mehrstufig? Läuft die Produktion über mehrere hintereinandergeschaltete Stufen (Keltern → Lagern → Abfüllen → Verkauf; oder Zuschnitt → Nähen → Füllen), und ist die Durchlaufmenge je Stufe unterschiedlich (Schwund, Ausschuss, Bestandsaufbau, oder mehrere Vorprodukte gehen in ein Endprodukt), dann darf man nicht mehr einfach „Gesamtkosten ÷ Endmenge“ rechnen. Jede Stufe bekommt ihre eigene Bezugsmenge.
Verwendete Symbole
Zeichen
Bedeutung
Ki
Allein der Stufe i zurechenbare Kosten (Ei)
xi
Auf Stufe i durchgesetzte (Zwischen-)Produktmenge
ki
Stückkosten nach Stufe i (kumuliert)
f
Umrechnungsfaktor (Vorprodukte je Endprodukt, z. B. 15 Teile/Krokodil)
Zwei Rechenlogiken
1) Addierende Divisionskalkulation (gleiche Mengeneinheit auf allen Stufen, z. B. Liter → Liter):
Jede Stufenkostenart wird durch die Menge ihrer Stufe geteilt, dann aufsummiert. Sinkt die Durchlaufmenge, steigt automatisch der Stückkosten-Beitrag dieser Stufe (Schwund/Ausbeute-Effekt).
2) Durchwälzende (mehrstufige) Divisionskalkulation (Mengeneinheit wechselt, z. B. 15 Einzelteile werden zu 1 Krokodil):
Die Stückkosten der Vorstufe werden mit dem Umrechnungsfaktor auf die neue Einheit „durchgewälzt“ und um die eigenen Stufenkosten erhöht.
Ausbeute/Schwund merken: Verluste (Trub, Verdunstung, Bruch) verringern die Bezugsmenge einer Stufe → die Stückkosten dieser Stufe steigen, weil dieselben Kosten auf weniger gute Einheiten verteilt werden. Schwund ist also keine eigene Kostenart, sondern erhöht die Kosten der überlebenden Einheiten.
Winzerin Grauburgunder — voll durchgerechnet
Stufe
Menge
Stufenkosten Ki
1 Keltern
gekeltert 15.000 L
17.500,00 €
2 Lagern
eingelagert 13.800 L
5.000,00 €
3 Abfüllen
abgefüllt 8.000 L (nach 4 % Schwund im Lager + Rest bleibt für spätere Reife)
12.500,00 €
4 Verkauf
Absatz 6.000 L
1.200,00 €
Weil das Endprodukt durchgehend Liter Wein ist (kein Einheitenwechsel), ist die addierende Divisionskalkulation der richtige Weg: jede Stufe durch ihre eigene Menge.
Gefragt: a) Was kostet ein Liter Grauburgunder einschließlich Verkauf? (8 P.) · b) Bewerten Sie den gelagerten Grauburgunder. (6 P.) · c) Wie ändert sich die Kalkulation, wenn beim Abfüllen ein Schlauch platzt und 1.000 L verloren gehen? (2 P.) · d) Üben Sie grundsätzliche Kritik an dieser Kalkulation. (2 P.)
a) Was kostet ein Liter Grauburgunder einschl. Verkauf?
Der „gelagerte“ Wein hat nur die Stufen Keltern + Lagern durchlaufen (noch nicht abgefüllt/vertrieben). Sein Wert je Liter = kumulierte Herstellkosten bis nach Stufe 2:
Menge, die noch im Lager liegt (nicht abgefüllt):
Position
Menge
eingelagert
13.800 L
− Schwund 4 % (0,04 · 13.800)
−552 L
= gutes Lagergut
13.248 L
− bereits abgefüllt
−8.000 L
= Restbestand Lager
5.248 L
Wert des Lagerbestands: 5.248 L · 1,53 €/L = 8.029,44 € (mit exaktem 1,528986 €/L: 8.024,12 €).
c) Wie ändert sich die Kalkulation, wenn bei der Abfüllung ein Schlauch platzt und 1.000 L verloren gehen?
Der Verlust trifft Stufe 3 (Abfüllen): die gute Abfüllmenge sinkt von 8.000 L auf 7.000 L. Die Abfüllkosten bleiben 12.500,00 €, verteilen sich aber auf weniger Liter → Stückkosten der Stufe steigen:
Stufe
vorher
nachher (Schlauchbruch)
3 Abfüllen
12.500,00 €/8.000 L = 1,56 €/L
12.500,00 €/7.000 L = 1,79 €/L
Neue Vollkosten je Liter (Stufen 1, 2, 4 unverändert):
(Mit den gerundeten Anzeigewerten 1,17 + 0,36 + 1,79 + 0,20 ergäbe sich augenscheinlich 3,52 € — das ist nur eine Zwischenrundungsdifferenz; korrekt ist der aus den ungerundeten Stufenwerten gebildete Wert 3,51 €/L.)
Ergebnis c): Die Selbstkosten steigen von 3,29 €/L auf 3,51 €/L (+ 0,22 €/L). Der Verlust ist keine zusätzliche Kostenart, sondern verteuert über die kleinere Ausbeute die verbleibenden Liter.
[Annahme] Die Absatzmenge bleibt 6.000 L, weil auch nach dem Verlust noch 7.000 L ≥ 6.000 L abgefüllt sind → Verkaufsstufe unverändert (÷ 6.000 L).
d) Grundsätzliche Kritik an dieser Kalkulation
Vollkostencharakter: fixe und variable Kosten werden nicht getrennt → bei Beschäftigungsschwankungen falsche Stückkosten, keine Grundlage für kurzfristige Entscheidungen.
Durchschnittsprinzip: alle Liter gleich teuer, obwohl der später (reifer) abgefüllte Wein einen höheren Wert/Verkaufspreis hat → Wertunterschiede bleiben unsichtbar.
Bestands-/Periodenabgrenzung: die Kosten werden auf die aktuell abgefüllte bzw. verkaufte Menge bezogen, obwohl ein Teil noch als Bestand lagert → Bewertung des zurückbehaltenen Weins nur grob möglich.
Schwund nicht als Treiber ausgewiesen: Verluste erhöhen stillschweigend die Stückkosten, statt als eigene Größe gesteuert zu werden.
Keine verursachungsgerechte Zurechnung: nur pauschale Stufenkosten, keine Kostenträger-Einzelkosten.
ACME Plüsch-Krokodile — mit Handschrift-Gegenprobe
Stufe i
Menge xi
Stufenkosten Ei
1 Zuschnitt
22.500 Stück (Einzelteile)
42.000,00 €
2 Nähen
1.500 Stück (Krokodile)
10.000,00 €
3 Füllen
1.500 Stück (Krokodile)
5.000,00 €
Umrechnung Stufe 1 → 2: 22.500 Teile ÷ 15 = 1.500 Krokodile, also f = 15 Teile/Krokodil.
Gefragt: Ermitteln Sie die Herstellkosten je Krokodil mittels durchwälzender (mehrstufiger) Divisionskalkulation über die drei Stufen Zuschnitt, Nähen und Füllen. (6 P.)
Rechenweg (exakt)
Stufe
Formel
Rechnung
Ergebnis
I Zuschnitt
E1 / x1
42.000,00 €/22.500 Teile
1,87 €/Teil (1,8667)
II Nähen
k1·15 + E2/x2
1,8667·15 + 10.000,00 €/1.500
28,00 + 6,67 = 34,67 €/Krok.
III Füllen
k2 + E3/x3
34,67 + 5.000,00 €/1.500
34,67 + 3,33 = 38,00 €/Krok.
Ergebnis: Die Herstellkosten je Krokodil betragen 38,00 €/Stück.
Handschrift-Gegenprobe (Original-Lösung im Bild)
Die handschriftliche Klausurlösung rechnet mit dem gerundeten Stufenwert 1,87 €/Teil weiter (Zwischenrundung je Stufe):
Stufe
Handschrift
Wert
I
42.000/22.500
1,87 €/Teil
II
1,87·15 + 6,67 = 28,05 + 6,67
34,72 €/Krok.
III
34,72 + 3,33
38,05 €/Krok.
Abweichung benennen: Die Handschrift kommt auf 38,05 € statt 38,00 €. Ursache ist ausschließlich die Zwischenrundung (1,87 statt 1,8667 als Basis für ×15: 1,87·15 = 28,05 vs. exakt 28,00). Rechnet man mit den ungerundeten Werten durch und rundet erst am Ende, ist das saubere Ergebnis 38,00 €/Krokodil. Beide Wege sind vertretbar; für Rohleder am besten einmal exakt durchrechnen, erst zum Schluss auf 2 Nachkommastellen runden und die 0,05-€-Differenz kennen.
Typische Fallen — Divisionskalkulation
Falsche Bezugsmenge je Stufe: jede Stufe durch ihre eigene Durchlaufmenge teilen, nicht durchgängig durch die Endmenge.
Einheitenwechsel übersehen: Wenn mehrere Vorprodukte in ein Endprodukt gehen (15 Teile → 1 Krokodil), muss der Vorstufen-Stückwert mit dem Faktor f multipliziert werden (durchwälzend), nicht nur addiert.
Addierend (Mengeneinheit bleibt gleich, z. B. Liter → Liter): k = Σ Ki / xi — jede Stufenkostenart durch ihre eigene Menge, dann summieren.
Durchwälzend (Einheitenwechsel, z. B. 15 Teile → 1 Gehäuse): — Vorstufen-Stückwert mit f auf die neue Einheit hochrechnen, eigene Stufenkosten drauf.
Apfelsaft-Kelterei (addierend, mit Schwund) — 14 P.
Eine Mosterei stellt naturtrüben Apfelsaft in drei Stufen her. Die Mengeneinheit bleibt durchgehend Liter → addierende Divisionskalkulation.
Stufe
Menge (gute L)
Stufenkosten Ki
1 Pressen
20.000 L gepresst
24.000,00 €
2 Filtrieren
18.400 L (nach 8 % Trub-Schwund)
5.520,00 €
3 Abfüllen
16.000 L abgefüllt
12.000,00 €
a) Was kosten die Selbstkosten je Liter abfüllfertiger Apfelsaft?
Stufe
Rechnung
Stückkosten-Beitrag
1 Pressen
24.000,00 € ÷ 20.000 L
1,20 €/L
2 Filtrieren
5.520,00 € ÷ 18.400 L
0,30 €/L
3 Abfüllen
12.000,00 € ÷ 16.000 L
0,75 €/L
Summe
2,25 €/L
Ergebnis a): Ein abfüllfertiger Liter Apfelsaft kostet 2,25 €/L.
b) Bewerten Sie den filtrierten, noch nicht abgefüllten Saft!
Der filtrierte Saft hat nur die Stufen Pressen + Filtrieren durchlaufen. Sein Wert je Liter = kumulierte Herstellkosten bis nach Stufe 2:
Noch nicht abgefüllte Menge: 18.400 L gut filtriert − 16.000 L abgefüllt = 2.400 L im Tank.
Wert des Tankbestands: 2.400 L · 1,50 €/L = 3.600,00 €.
Ergebnis b): Der filtrierte Saft ist mit 1,50 €/L zu bewerten; der Tankbestand (2.400 L) hat einen Herstellwert von 3.600,00 €. Nur die bis dahin angefallenen Stufenkosten (Pressen + Filtrieren) zählen — Abfüllen bleibt außen vor.
c) Wie ändert sich die Kalkulation, wenn beim Abfüllen die Anlage streikt und 2.000 L verloren gehen?
Der Verlust trifft Stufe 3 (Abfüllen): die gute Abfüllmenge sinkt von 16.000 L auf 14.000 L. Die Abfüllkosten bleiben 12.000,00 €, verteilen sich aber auf weniger Liter:
Stufe
vorher
nachher (Anlagenstörung)
3 Abfüllen
12.000,00 €/16.000 L = 0,75 €/L
12.000,00 €/14.000 L = 0,86 €/L
Neue Selbstkosten je Liter (Stufen 1 und 2 unverändert):
Gehäusefertigung (durchwälzend, mit Ausschuss) — 8 P.
Ein Zulieferer fertigt Kunststoffgehäuse in drei Stufen. In Stufe 2 werden 15 gestanzte Einzelteile zu 1 Gehäuse montiert (Einheitenwechsel → durchwälzende Divisionskalkulation).
Stufe i
Menge xi
Stufenkosten Ki
1 Stanzen
60.000 Einzelteile
45.000,00 €
2 Montage
4.000 Gehäuse (= 60.000 ÷ 15)
30.000,00 €
3 Endprüfung/Lackieren
3.800 gute Gehäuse (5 % Ausschuss von 4.000)
12.400,00 €
Umrechnung Stufe 1 → 2: 60.000 Teile ÷ 15 = 4.000 Gehäuse, also f = 15 Teile/Gehäuse.
Rechenweg (exakt)
Stufe
Formel
Rechnung
Ergebnis
I Stanzen
K1 / x1
45.000,00 €/60.000 Teile
0,75 €/Teil
II Montage
k1·15 + K2/x2
0,75·15 + 30.000,00 €/4.000
11,25 + 7,50 = 18,75 €/Gehäuse
III Prüfung
(xein·k2 + K3) / xgut
(4.000·18,75 + 12.400) / 3.800
87.400,00 € / 3.800 = 23,00 €/Gehäuse
Stufe III ausführlich (Ausschuss-Behandlung): In die Endprüfung gehen 4.000 Gehäuse à 18,75 € ein (Gesamtwert 75.000,00 €). 200 Stück (5 %) fallen als Ausschuss aus. Der komplette eingebrachte Wert plus die Stufenkosten müssen von den 3.800 guten Gehäusen getragen werden:
Ergebnis: Die Herstellkosten je gutes Gehäuse betragen 23,00 €/Stück.
Warum nicht 18,75 + 12.400/3.800 = 22,01 €? Dieser (falsche) Kurzschluss teilt nur die eigenen Stufenkosten auf die guten Stücke, lässt aber den bereits aufgelaufenen Wert der 200 Ausschuss-Gehäuse (200 · 18,75 = 3.750,00 €) verschwinden. Beim Ausschuss müssen die guten Stücke die Kosten der schlechten mittragen → korrekt sind 23,00 €, nicht 22,01 €.
Typische Fallen — Divisionskalkulation
Falsche Bezugsmenge je Stufe: jede Stufe durch ihre eigene (gute) Durchlaufmenge teilen, nicht durchgängig durch die Endmenge.
Einheitenwechsel übersehen: gehen mehrere Vorprodukte in 1 Endprodukt (15 Teile → 1 Gehäuse), muss der Vorstufenwert mit f multipliziert werden (durchwälzend).
Ausschuss/Schwund korrekt zurechnen: in der durchwälzenden Rechnung tragen die guten Stücke den Wert der ausgefallenen mit (Gehäusefertigung: 23,00 € statt 22,01 €). In der addierenden Rechnung wird nur die betroffene Stufe auf die Restmenge bezogen (Apfelsaft-Kelterei, Teil c).
Bestand vs. Absatz: für Zwischenprodukt-Bewertung nur die bis dahin angefallenen Stufenkosten (Apfelsaft-Kelterei, Teil b: ohne Abfüllen).
Zwischenrundung: ungerundet durchrechnen, erst am Ende runden.
U11 · Kostenträgerstückrechnung
Äquivalenzziffernkalkulation (Sortenfertigung)
⚡ Kurzform — zum schnellen Selbst-Formulieren (Kochrezept)
Ansatz erkennen: Sortenfertigung (artgleiche Erzeugnisse, ein Prozess, unterschiedliche Stückkosten) -> Äquivalenzziffernkalkulation = Sonderfall der Divisionskalkulation. Bezugssorte hat ÄZ 1,0.
Kernformeln merken (5 Schritte): (1) RE = M x ÄZ (2) Summe RE = Sigma RE (3) k(RE) = Gesamtkosten / Summe RE (4) k je Sorte = k(RE) x ÄZ (5) K je Sorte = k je Sorte x M = k(RE) x RE.
Schritt 1: jede Menge mit ihrer ÄZ multiplizieren -> 12.500x0,8=10.000; 20.000x1,0=20.000; 10.000x1,2=12.000; 5.000x1,6=8.000 RE.
Schritt 2: RE aufaddieren -> Summe RE = 50.000 (NICHT die Mengensumme 47.500 nehmen!).
Schritt 3: Gesamtkosten durch Summe RE -> 2.250.000 / 50.000 = 45,00 €/RE. Bezugssorte kostet genau das = 45,00 €/hl.
Typische Falle: NICHT die Gesamtkosten durch die reale Mengensumme (47.500) teilen, sondern durch die Summe der Recheneinheiten (50.000). Zweite Falle: k(RE) ist Kosten je RE, Stückkosten je Sorte erst nach Multiplikation mit ÄZ.
Rechenprobe Pflicht: Summe der verteilten K muss = vorgegebene Gesamtkosten (2.250.000 €); Gegenprobe k(RE) x Summe RE = 45 x 50.000 = 2.250.000 €.
Endergebnis: Summe RE 50.000; k(RE) 45,00 €/RE; Stückkosten 36/45/54/72 €/hl; K je Sorte 450k/900k/540k/360k €.
Die Äquivalenzziffernkalkulation ist ein Sonderfall der Divisionskalkulation. Man setzt sie ein, wenn ein Betrieb artgleiche Erzeugnisse in verschiedenen Ausprägungen herstellt (= Sortenfertigung), z. B. Biere unterschiedlicher Stammwürze, Papiere verschiedener Grammatur oder Ziegel unterschiedlicher Größe. Die Sorten durchlaufen denselben Produktionsprozess, verursachen aber pro Stück unterschiedlich hohe Kosten.
Grundidee: Man drückt das Kostenverhältnis der Sorten in Äquivalenzziffern (ÄZ) aus. Eine Sorte wird als Bezugs- bzw. Einheitssorte mit ÄZ = 1,0 festgelegt; alle anderen ÄZ geben an, wie teuer eine Einheit dieser Sorte im Verhältnis zur Einheitssorte ist. Über die ÄZ rechnet man die realen Mengen in fiktive Recheneinheiten (RE) um, verteilt die Gesamtkosten gleichmäßig auf diese RE und rechnet anschließend auf die einzelnen Sorten zurück.
Ablauf in fünf Schritten:
Recheneinheiten je Sorte: RE = Menge × ÄZ
Summe der Recheneinheiten bilden
Kosten je Recheneinheit: k(RE) = Gesamtkosten ÷ Summe RE
Formelzeichen (als Text): M = Menge (hl), ÄZ = Äquivalenzziffer, RE = Recheneinheiten, K = Gesamtkosten, k(RE) = Kosten je Recheneinheit, k = Stückkosten je Sorte.
(vgl. Coenenberg, Kostenrechnung und Kostenanalyse, Kap. „Kalkulationsverfahren / Divisions- und Äquivalenzziffernkalkulation")
Gegeben
Die Rheinhöhen-Brauerei GmbH stellt in einer Periode vier Biersorten aus demselben Sudprozess her. Die Sorten unterscheiden sich in der Stammwürze und damit im Rohstoff- und Reifeaufwand; dieses Kostenverhältnis ist bereits in den Äquivalenzziffern abgebildet (Bezugssorte = Vollbier mit ÄZ 1,0). Die gesamten Herstellkosten der Periode betragen 2.250.000,00 €. (Annahme: Produktionsmenge = Absatzmenge, keine Bestandsveränderungen.)
Sorte
Absatzmenge M (hl)
Äquivalenzziffer ÄZ
Leichtbier
12.500
0,8
Vollbier (Bezug)
20.000
1,0
Exportbier
10.000
1,2
Bockbier
5.000
1,6
Summe
47.500
—
Gesucht: Recheneinheiten je Sorte, Summe RE, Kosten je RE, Stückkosten je Sorte (€/hl) sowie die auf die Sorten verteilten Gesamtkosten. Zum Abschluss die Rechenprobe.
Schritt-für-Schritt-Lösung
Schritt 1 – Recheneinheiten je Sorte (RE = M × ÄZ)
Jede reale Menge wird mit der Äquivalenzziffer in fiktive Recheneinheiten umgerechnet. Die RE sind eine gedachte Einheitsmenge, auf die sich die Kosten gleichmäßig verteilen lassen.
Leichtbier: RE = 12.500 hl × 0,8 = 10.000,00 RE
Vollbier: RE = 20.000 hl × 1,0 = 20.000,00 RE
Exportbier: RE = 10.000 hl × 1,2 = 12.000,00 RE
Bockbier: RE = 5.000 hl × 1,6 = 8.000,00 RE
Schritt 2 – Summe der Recheneinheiten
Ansatz: Summe RE = Summe aller RE je Sorte Zahlen einsetzen: Summe RE = 10.000,00 + 20.000,00 + 12.000,00 + 8.000,00 Zwischenergebnis: Summe RE = 50.000,00 RE
Achtung: Für Schritt 3 wird durch die Summe der Recheneinheiten (50.000,00) geteilt, nicht durch die reale Mengensumme (47.500 hl).
Schritt 3 – Kosten je Recheneinheit (k(RE) = K ÷ Summe RE)
Interpretation: Jede Recheneinheit „kostet" 45,00 €. Eine Einheit der Bezugssorte Vollbier (ÄZ 1,0) entspricht genau einer RE und kostet damit ebenfalls 45,00 €/hl.
Schritt 4 – Stückkosten je Sorte (k = k(RE) × ÄZ)
Ansatz: Stückkosten je Sorte = Kosten je RE × Äquivalenzziffer
Leichtbier: k = 45,00 €/RE × 0,8 = 36,00 €/hl
Vollbier: k = 45,00 €/RE × 1,0 = 45,00 €/hl
Exportbier: k = 45,00 €/RE × 1,2 = 54,00 €/hl
Bockbier: k = 45,00 €/RE × 1,6 = 72,00 €/hl
Schritt 5 – Gesamtkosten je Sorte (K = k × M)
Ansatz: Gesamtkosten je Sorte = Stückkosten je Sorte × Absatzmenge (gleichwertig: K = k(RE) × RE je Sorte)
Die auf die Sorten verteilten Gesamtkosten müssen wieder die vorgegebenen Gesamtkosten ergeben: 450.000,00 + 900.000,00 + 540.000,00 + 360.000,00 = 2.250.000,00 € ✓
Zusätzliche Gegenprobe über die RE: k(RE) × Summe RE = 45,00 €/RE × 50.000,00 RE = 2.250.000,00 € ✓ — beide Wege stimmen mit den Vorgaben überein.
⚡ Kurzform — zum schnellen Selbst-Formulieren (Kochrezept)
ANSATZ: Maschinenabhängige Kosten aus dem Fertigungsgemeinkosten-Block herauslösen, über Maschinenstundensatz (Euro/h) auf die Laufzeit verteilen; nur der Rest-FGK bleibt als Lohnzuschlag.
KERNFORMEL: MStS = maschinenabhängige Jahreskosten / Maschinenlaufzeit pro Jahr.
5 Kostenarten sammeln: Kalk. Abschreibung = WBW/ND (300.000/10=30.000); Kalk. Zinsen = (WBW/2) x i (150.000 x 8%=12.000); Energie = P x tM x Strompreis (20x2000x0,30=12.000); Instandhaltung (6.000); Raum = Fläche x Miete x 12 Monate (40x12,50x12=6.000). Summe = 66.000.
MERKE Zinsen: halber Wiederbeschaffungswert (durchschnittlich gebundenes Kapital), nicht voller Wert. Merke Raum: Miete ist pro Monat -> x12.
MStS = 66.000 / 2.000 h = 33,00 Euro/h (Rechenprobe: 33 x 2.000 = 66.000).
Auftrag Maschinenkosten = MStS x Bearbeitungszeit = 33 x 25 = 825,00.
TYPISCHE FALLE: Rest-FGK-Zuschlag (150%) NUR auf den Restfertigungslohn (400 x 1,50 = 600), NIEMALS auf die Maschinenkosten. Zweite Falle: im Nenner steht die Jahres-Maschinenlaufzeit (2.000 h), im Auftrag die Bearbeitungszeit (25 h) - nicht verwechseln.
Die Maschinenstundensatzrechnung ist eine Verfeinerung der Fertigungsstelle in der Zuschlagskalkulation. Statt die gesamten Fertigungsgemeinkosten pauschal über einen Lohnzuschlag zu verrechnen, werden die maschinenabhängigen Kosten aus dem Fertigungsgemeinkosten-Block herausgelöst und über einen eigenen Maschinenstundensatz (€/h) leistungsgerecht auf die tatsächliche Maschinenlaufzeit verteilt. Nur die verbleibenden, maschinenunabhängigenGemeinkosten (Rest-Fertigungsgemeinkosten) werden weiter über einen Zuschlag auf den Restfertigungslohn verrechnet. So wird der hohe Anteil maschinengetriebener Kosten verursachungsgerechter zugerechnet als bei einem reinen Lohnzuschlag (vgl. Coenenberg, Kostenrechnung und Kostenanalyse, Kap. „Kalkulation / Bezugsgrößenkalkulation").
Grundformel:
Maschinenstundensatz (MStS) = maschinenabhängige Kosten pro Jahr ÷ Maschinenlaufzeit pro Jahr
Maschinenstundensatzrechnung
Die Präzisionsbau Rheinhessen GmbH betreibt in der Fertigung ein CNC-Bearbeitungszentrum. Für die Kalkulation soll ein Maschinenstundensatz ermittelt und anschließend die Herstellkosten eines Kundenauftrags (Auftrag Nr. 4711) bestimmt werden.
Gegeben – Maschinendaten (pro Jahr):
Formelzeichen
Größe
Wert
WBW
Wiederbeschaffungswert der Maschine
300.000,00 €
ND
Nutzungsdauer
10 Jahre
i
kalkulatorischer Zinssatz
8,00 %
P
elektrische Anschlussleistung
20 kW
pStrom
Strompreis
0,30 €/kWh
Kinst
Instandhaltungskosten
6.000,00 €
ARaum
belegte Fläche
40 m²
mRaum
Raumkosten (Miete inkl. Nebenk.)
12,50 €/(m²·Monat)
tM
Maschinenlaufzeit (Nutzung)
2.000 h
Gegeben – Auftrag Nr. 4711:
Formelzeichen
Größe
Wert
tA
Maschinen-Bearbeitungszeit
25 h
MEK
Materialeinzelkosten
1.250,00 €
MGK-Satz
Materialgemeinkosten-Zuschlag
10,00 %
Lrest
Restfertigungslohn
400,00 €
RGK-Satz
Rest-Fertigungsgemeinkosten-Zuschlag
150,00 %
Aufgabenstellung: a) Ermitteln Sie die maschinenabhängigen Kosten pro Jahr. b) Berechnen Sie den Maschinenstundensatz. c) Kalkulieren Sie die Herstellkosten des Auftrags Nr. 4711.
Schritt-für-Schritt-Lösung
Teil a) Maschinenabhängige Kosten pro Jahr
Schritt 1 – Kalkulatorische Abschreibung (linear vom Wiederbeschaffungswert)
⚡ Kurzform — zum schnellen Selbst-Formulieren (Kochrezept)
ANSATZ: 1 untrennbarer Prozess -> mehrere Kuppelprodukte, gemeinsame Kuppelkosten nicht direkt zurechenbar. Zwei Hilfsverfahren: Restwert (1 Hauptprodukt) vs. Marktwert (alle gleichrangig).
TYPISCHE FALLE 1: In Restwertmethode Weiterverarbeitungskosten der Nebenprodukte NICHT vergessen abzuziehen — sonst Gutschrift zu hoch, Koks-Kosten zu niedrig.
TYPISCHE FALLE 2 (Marktwert): einfache Variante nutzt BRUTTO-Umsatzwerte; theoretisch sauberer bei Weiterverarbeitung ist der NETTOmarktwert (Marktwert − Weiterverarbeitungskosten) als Schlüssel. In Klausur die verlangte Variante nehmen; Brutto-Variante braucht Hinweis, dass Weiterverarbeitungskosten für Vollkosten noch aufzuschlagen sind.
MERKE: Verfahrenswahl ist Bewertungsentscheidung, nicht Rechendetail — Koks 150 €/t (Restwert) vs. 160 €/t (Marktwert), weil bei Restwert Nebenprodukte 'kostenlos' erscheinen, bei Marktwert anteilig Kosten tragen.
ENDERGEBNIS: a) Koks 150,00 €/t. b) Koks 160,00 €/t, Gas 32,00 €/Nm³, Teer 96,00 €/t (Kostensumme 800.000,00 €).
Bei der Kuppelproduktion entstehen aus einem einzigen, technisch untrennbaren Produktionsprozess zwangsläufig mehrere Produkte gleichzeitig (Kuppelprodukte). Die Prozesskosten (Kuppelkosten) fallen gemeinsam an und lassen sich den einzelnen Produkten nicht verursachungsgerecht zurechnen — es braucht ein Hilfsverfahren zur Kostenaufteilung. Zwei Standardverfahren:
Restwert-/Subtraktionsmethode: Es gibt ein Hauptprodukt, das die gesamten Kuppelkosten trägt — abzüglich der Nettoerlöse der Nebenprodukte. Anwendbar, wenn ein Produkt klar dominiert und die Nebenprodukte nur „nebenbei" anfallen.
Verteilungs-/Marktwertmethode: Es gibt kein dominantes Hauptprodukt. Die Kuppelkosten werden nach dem Verhältnis der Marktwerte (Umsatzwerte) auf alle Produkte verteilt. Anwendbar, wenn die Produkte wertmäßig vergleichbar sind.
(vgl. Coenenberg, Kostenrechnung u. Kostenanalyse, Kap. „Kuppelkalkulation")
Kuppelkalkulation
Eine Kokerei verarbeitet Steinkohle in einem einzigen Verkokungsprozess. Dabei fallen zwangsläufig gemeinsam an: Koks (Hauptprodukt) sowie die Nebenprodukte Kokereigas und Rohteer. Die gemeinsamen Prozesskosten (Kuppelkosten) einer Abrechnungsperiode betragen 800.000,00 €.
Aufgabenstellung: a) Bestimmen Sie die Stückkosten des Koks nach der Restwertmethode. b) Verteilen Sie die Kuppelkosten nach der Verteilungs-/Marktwertmethode auf alle drei Produkte und bestimmen Sie deren Stückkosten.
Teil a) Restwertmethode (Subtraktionsmethode)
Grundidee: Koks ist Hauptprodukt und trägt die Kuppelkosten allein. Die Nebenprodukte werden nicht kalkuliert, sondern ihre Nettoerlöse (Verkaufserlös abzüglich der noch anfallenden Weiterverarbeitungskosten) mindern als „Gutschrift" die Kostenlast des Koks.
Formel: Stückkosten Koks = (Kuppelkosten − Summe Nettoerlöse Nebenprodukte) ÷ Menge Koks
Grundidee: Kein Produkt gilt als „Neben"-Produkt. Die Kuppelkosten werden nach dem Anteil am Gesamt-Marktwert (Umsatzwert = Menge × Marktpreis) auf alle Produkte verteilt („wer mehr Umsatz erzielt, trägt mehr Kosten").
Hinweis 1 (Weiterverarbeitungskosten): Die reine Verteilungsmethode teilt nur die Kuppelkosten auf. Für die vollen Selbstkosten der weiterverarbeiteten Produkte wären die separaten Weiterverarbeitungskosten (Gas 10,00 €/Nm³, Teer 30,00 €/t) je Produkt noch aufzuschlagen (z. B. Gas: 32,00 + 10,00 = 42,00 €/Nm³; Teer: 96,00 + 30,00 = 126,00 €/t).
Hinweis 2 (Variante — wichtig für die Klausur): Diese Lösung verteilt nach dem Brutto-Umsatzwert (Menge × Endpreis). Weil Gas und Teer am Trennpunkt noch nicht verkaufsfähig sind, gibt es eine theoretisch sauberere Variante, die Nettomarktwertmethode (Verkaufswert am Spaltpunkt = Marktwert − Weiterverarbeitungskosten) als Schlüssel:
Produkt
Netto-Marktwert
Anteil
Kostenanteil
Menge
Stückkosten
Koks
1.000.000,00 €
83,33 %
666.666,67 €
4.000 t
166,67 €/t
Gas
80.000,00 €
6,67 %
53.333,33 €
2.000 Nm³
26,67 €/Nm³
Teer
120.000,00 €
10,00 %
80.000,00 €
1.000 t
80,00 €/t
Summe
1.200.000,00 €
100,00 %
800.000,00 €
—
—
In der Klausur die konkret verlangte Variante rechnen — bei „Marktwertmethode" ohne Zusatz ist meist die hier gezeigte Brutto-Variante gemeint.
Interpretation (Vergleich beider Verfahren)
Für den Koks ergeben sich unterschiedliche Stückkosten: 150,00 €/t (Restwert) gegenüber 160,00 €/t (Verteilung, Brutto-Variante).
Bei der Restwertmethode trägt Koks nur 600.000,00 €, weil die Nettoerlöse der Nebenprodukte (200.000,00 €) direkt von der Kostenlast abgezogen werden — die Nebenprodukte erscheinen kostenrechnerisch als „kostenlos".
Bei der Verteilungsmethode trägt Koks 640.000,00 €, weil auch die Nebenprodukte anteilig Kuppelkosten übernehmen (Gas 64.000,00 €, Teer 96.000,00 €).
Die Verfahrenswahl ist also kein Rechendetail, sondern eine Bewertungsentscheidung: Sie verschiebt Kosten zwischen den Kuppelprodukten und verändert damit deren ausgewiesene Wirtschaftlichkeit.
Endergebnis — Kuppelkalkulation
a) Restwertmethode: Stückkosten Koks = 150,00 €/t (Restkosten 600.000,00 € ÷ 4.000 t).
b) Verteilungsmethode (Brutto-Marktwert): Stückkosten Koks = 160,00 €/t, Gas = 32,00 €/Nm³, Teer = 96,00 €/t (Kostenanteile 640.000,00 € / 64.000,00 € / 96.000,00 €, Summe = 800.000,00 €).
📋 Gelöste Aufgaben zu diesem Thema
Alle durchgerechneten Übungszettel-, Altmeister- und GoodNotes-Aufgaben dieses Themas an einer Stelle.
Divisionskalkulation Stufe 1 — Kosten der Stufe 1
Aufgabe #133 · 5 P. · Aufgabe | 5 P. | #1aBestimmen Sie die Kosten, die allein der Stufe 1 zugerechnet worden sind.
Gegeben: Wertansatz nach Stufe 1 = 5,00 EUR/St; Wertansatz nach Stufe 2 = 20,00 EUR/St; der Stufe 2 allein zurechenbare Kosten = 48.000,00 EUR; Menge Stufe 1 = 4.200 ME.
Schritt 1 — Zuschlag der Stufe 2 je Stück: Bei der mehrstufigen Divisionskalkulation wird der Wertansatz von Stufe zu Stufe fortgeschrieben. Der reine Kostenanteil der Stufe 2 je Stück ist die Differenz der Wertansätze:
20,00 EUR minus 5,00 EUR = 15,00 EUR/St
Schritt 2 — Outputmenge der Stufe 2: Die Stufe-2-Kosten verteilen sich mit 15,00 EUR/St auf die Stufe-2-Menge:
48.000,00 EUR geteilt durch 15,00 EUR/St = 3.200 ME
Schritt 3 — Kosten der Stufe 1: Der Wertansatz nach Stufe 1 ergibt sich aus Kosten Stufe 1 geteilt durch Menge Stufe 1. Umgestellt:
Kosten Stufe 1 = 5,00 EUR/St mal 4.200 ME = 21.000,00 EUR
Ergebnis: Der Stufe 1 allein zugerechnete Kosten betragen 21.000,00 EUR.
Aufgabe #134 · 5 P. · Aufgabe | 5 P. | #1bBestimmen Sie die mengen- und wertmäßige Veränderungen der zwischengelagerten Erzeugnisse der Stufe 1.
Schritt 1 — Mengen gegenüberstellen: Auf Stufe 1 wurden 4.200 ME produziert. Da je Einheit Stufe 2 genau eine Einheit des Zwischenprodukts der Stufe 1 benötigt wird, entspricht der Verbrauch der Stufe-1-Zwischenprodukte der Outputmenge der Stufe 2 = 3.200 ME (aus 1a).
Schritt 2 — Mengenmässige Veränderung:
4.200 ME minus 3.200 ME = 1.000 ME Zunahme
Es wurden 1.000 ME mehr hergestellt als weiterverarbeitet, das Zwischenlager der Stufe 1 nimmt also um 1.000 ME zu.
Schritt 3 — Wertmässige Veränderung: Bewertet wird der Bestand mit dem Wertansatz nach Stufe 1 = 5,00 EUR/ME:
1.000 ME mal 5,00 EUR/ME = 5.000,00 EUR
Ergebnis: Der Bestand der zwischengelagerten Erzeugnisse der Stufe 1 steigt mengenmässig um +1.000 ME und wertmässig um +5.000,00 EUR.
Divisionskalkulation Binger Bubenstück
Binger Bubenstueck — Kosten je Liter und Stueckkosten je Flasche
Aufgabe #135 · 10 P. · Aufgabe | 10 P. | #2aEin Weingut kalkuliert den Riesling „Binger Bubenstück" über eine mehrstufige Divisionskalkulation (Kosten werden von Stufe zu Stufe fortgeschrieben). Gegeben: Stufe 1 Keltern = 21.000,00 € bei 15.000 Liter Input; Stufe 2 Lagern = 5.000,00 € Stufenkosten, dabei 5 % Schwund; Stufe 3 Abfüllen = 20.000,00 € Stufenkosten, zusätzlich werden 1.000 Liter fremdbezogener Wein zu 2,00 €/Liter mitabgefüllt (erhöhen Kosten und Menge); Stufe 4 Vertrieb = 2.000,00 € Vertriebskosten bei einer Absatzmenge von 10.000 Litern (Rest bleibt Bestand). — Berechnen Sie die Kosten pro Liter je Produktionsstufe. Welche gesamten Stückkosten entstehen für Produktion und Vertrieb einer Flasche Riesling (0,75 Liter pro Flasche)?
Mehrstufige Divisionskalkulation, Kosten werden von Stufe zu Stufe fortgeschrieben.
26.000,00 EUR geteilt durch 14.250 Liter = 1,82 EUR/Liter
Stufe 3 — Abfüllen: Der fremdbezogene Wein (1.000 Liter zu 2,00 EUR/Liter = 2.000,00 EUR) wird sofort mitabgefüllt und erhöht sowohl Kosten als auch Menge. Stufenkosten = 20.000,00 + 2.000,00 = 22.000,00 EUR. Kumuliert = 26.000,00 + 22.000,00 = 48.000,00 EUR. Output = 14.250 + 1.000 = 15.250 Liter.
48.000,00 EUR geteilt durch 15.250 Liter = 3,15 EUR/Liter (Herstellkosten)
Stufe 4 — Vertrieb: Vertriebskosten fallen nur auf die verkaufte Menge (10.000 Liter) an. Kosten des verkauften Weins = 10.000 Liter mal 3,15 EUR/Liter = 31.500,00 EUR. Zuzüglich Vertriebskosten 2.000,00 EUR = 33.500,00 EUR.
33.500,00 EUR geteilt durch 10.000 Liter = 3,35 EUR/Liter (Selbstkosten)
Stückkosten je Flasche (0,75 Liter):
3,35 EUR/Liter mal 0,75 Liter = 2,51 EUR/Flasche
Übersicht:
Stufe
kumulierte Kosten (EUR)
Menge (Liter)
EUR/Liter
1 Keltern
21.000,00
15.000
1,40
2 Lagern
26.000,00
14.250
1,82
3 Abfüllen
48.000,00
15.250
3,15
4 Vertrieb
33.500,00
10.000
3,35
Ergebnis:Selbstkosten für Produktion und Vertrieb einer Flasche Riesling = 2,51 EUR.
Binger Bubenstueck — Herstellkosten einer nicht abgesetzten Flasche
Aufgabe #136 · 2 P. · Aufgabe | 2 P. | #2bWie hoch sind die Herstellkosten einer abgefüllten aber nicht abgesetzten Weinflasche?
Schritt 1 — richtige Kostenstufe: Eine abgefüllte, aber nicht abgesetzte Flasche hat den Vertrieb noch nicht durchlaufen. Maszgeblich sind die Herstellkosten nach Stufe 3 (Abfüllen) = 3,15 EUR/Liter.
Schritt 2 — auf die Flasche umrechnen:
3,15 EUR/Liter mal 0,75 Liter = 2,36 EUR/Flasche
Ergebnis: Die Herstellkosten einer abgefüllten, aber noch nicht verkauften Weinflasche betragen 2,36 EUR (genau 2,3625 EUR).
Aufgabe #137 · 4 P. · Aufgabe | 4 P. | #2cErmitteln Sie die mengen- und wertmäßige Veränderung des Bestands der fertigen Erzeugnisse.
Schritt 1 — Mengenveränderung: Abgefüllt (fertig) wurden 15.250 Liter, verkauft wurden 10.000 Liter.
15.250 Liter minus 10.000 Liter = 5.250 Liter Bestandszugang
Schritt 2 — Bewertung: Fertige Erzeugnisse werden zu Herstellkosten bewertet = 3,15 EUR/Liter (Stufe 3, ohne Vertrieb).
Schritt 3 — Wertveränderung:
5.250 Liter mal 3,15 EUR/Liter = 16.537,50 EUR
Ergebnis: Der Bestand der fertigen Erzeugnisse steigt um +5.250 Liter bzw. +16.537,50 EUR.
Selbstkosten pro Stueck — zweistufige Divisionskalkulation
Aufgabe #138 · Aufgabe | #3aEin Betrieb produziert im Monat Januar 1.200 Stück, von denen 1.000 verkauft werden. Die Herstellkosten betragen 240.000 EUR, die Vertriebs- und Verwaltungskosten 120.000 EUR. — Ermitteln Sie die Selbstkosten pro Stück.
Zweistufige Divisionskalkulation (Herstellung auf produzierte, Verwaltung/Vertrieb auf verkaufte Menge).
Stufe 1 — Herstellung: Die Herstellkosten fallen auf die produzierte Menge an.
240.000,00 EUR geteilt durch 1.200 Stück = 200,00 EUR/Stück
Stufe 2 — Verwaltung und Vertrieb: Diese Kosten fallen nur auf die verkaufte Menge an.
120.000,00 EUR geteilt durch 1.000 Stück = 120,00 EUR/Stück
Selbstkosten je Stück:
200,00 EUR plus 120,00 EUR = 320,00 EUR/Stück
Ergebnis: Die Selbstkosten betragen 320,00 EUR pro Stück.
Aufgabe #139 · Aufgabe | #4aErmitteln Sie mittels einstufiger Äquivalenzziffernkalkulation die Stückkosten und die Gesamtkosten je Sorte. Gegeben: Gesamtkosten 104.400,00 EUR; Kostenverhältnis der Sorten I : II : III = 1 : 1,4 : 1,8; produzierte Mengen Sorte I = 30.000 Stück, Sorte II = 15.000 Stück, Sorte III = 20.000 Stück. Vervollständigen Sie die Tabelle (Spalten: Menge, Äquivalenzziffer, Recheneinheiten RE, Stückkosten EUR/Stück, Gesamtkosten EUR).
Divisionskalkulation mit Aequivalenzziffern — zwei Stufen
Aufgabe #140 · Aufgabe | #5aBei einer Sortenfertigung betragen die Herstellkosten in der ersten Produktionsstufe 999.900 EUR und in der zweiten Stufe 448.500 EUR. Weiterhin liegen folgende Daten vor:
Sorte
ÄZ Stufe I
ÄZ Stufe II
Produktionsmenge (Stück)
A
0,5
0,5
4.000
B
2,0
1,0
4.000
C
3,0
2,0
6.000
D
1,0
1,0
5.000
Ermitteln Sie die Herstellkosten pro Stück je Sorte.
Zwei Produktionsstufen mit je eigenen Äquivalenzziffern; die Stückkosten beider Stufen werden je Sorte addiert.
Stufe I — RE = Menge mal ÄZ(I):
A: 4.000 mal 0,5 = 2.000; B: 4.000 mal 2,0 = 8.000; C: 6.000 mal 3,0 = 18.000; D: 5.000 mal 1,0 = 5.000
Summe RE(I) = 33.000
Kosten je RE(I) = 999.900,00 EUR geteilt durch 33.000 = 30,30 EUR/RE
Stufe II — RE = Menge mal ÄZ(II):
A: 4.000 mal 0,5 = 2.000; B: 4.000 mal 1,0 = 4.000; C: 6.000 mal 2,0 = 12.000; D: 5.000 mal 1,0 = 5.000
Summe RE(II) = 23.000
Kosten je RE(II) = 448.500,00 EUR geteilt durch 23.000 = 19,50 EUR/RE
Stückkosten je Sorte (Stufe I = ÄZ mal 30,30; Stufe II = ÄZ mal 19,50; HK = Summe):
Sorte
Menge
k Stufe I (EUR)
k Stufe II (EUR)
HK je Stück (EUR)
A
4.000
15,15
9,75
24,90
B
4.000
60,60
19,50
80,10
C
6.000
90,90
39,00
129,90
D
5.000
30,30
19,50
49,80
Probe: 4.000 mal 24,90 + 4.000 mal 80,10 + 6.000 mal 129,90 + 5.000 mal 49,80 = 99.600 + 320.400 + 779.400 + 249.000 = 1.448.400,00 EUR = 999.900,00 + 448.500,00. Passt.
Ergebnis (Herstellkosten je Stück): A = 24,90 EUR; B = 80,10 EUR; C = 129,90 EUR; D = 49,80 EUR.
Aequivalenzziffernkalkulation Vollkosten — Herstell- und Selbstkosten
Aufgabe #141 · 12 P. · Aufgabe | 12 P. | #6aIn einer Ziegelei werden vier verschiedene Produkte hergestellt. Der Betrieb kalkuliert die einzelnen Produktarten mit Äquivalenzziffern. Die Gesamtherstellkosten der Abrechnungsperiode belaufen sich auf 67.500 EUR, davon sind 27.000 EUR fixe Kosten. Die variablen Vertriebskosten betragen 33.480 EUR.
Erzeugnisart
hergestellte Menge (1.000 St)
verkaufte Menge (1.000 St)
ÄZ fixe Kosten
ÄZ variable Kosten
ÄZ Vertriebskosten
Bauziegel A
120
100
1,0
1,0
2,0
Bauziegel B
75
75
2,0
1,6
2,0
Dachziegel I
60
40
3,0
2,0
1,0
Dachziegel II
150
120
1,5
3,0
1,4
Bestimmen Sie die Herstellkosten und die Selbstkosten jeder Erzeugnisart (in 1.000 Stück) — #6a) zu Vollkosten.
Alle Werte in EUR je 1.000 Stück; Mengen in 1.000 Stück.
Schritt 1 — Kostenblöcke: Gesamtherstellkosten 67.500,00 EUR, davon fix 27.000,00 EUR, also variable HK = 67.500,00 minus 27.000,00 = 40.500,00 EUR. Variable Vertriebskosten = 33.480,00 EUR.
Schritt 2 — Schlüsselzahlen (Menge mal ÄZ):Herstellkosten (fix und variabel) auf die hergestellte Menge, Vertriebskosten auf die verkaufte Menge.
Fixe HK (herg. mal ÄZ fix): A 120 mal 1,0 = 120; B 75 mal 2,0 = 150; I 60 mal 3,0 = 180; II 150 mal 1,5 = 225. Summe = 675
Variable HK (herg. mal ÄZ var): A 120 mal 1,0 = 120; B 75 mal 1,6 = 120; I 60 mal 2,0 = 120; II 150 mal 3,0 = 450. Summe = 810
Vertrieb (verk. mal ÄZ Vertrieb): A 100 mal 2,0 = 200; B 75 mal 2,0 = 150; I 40 mal 1,0 = 40; II 120 mal 1,4 = 168. Summe = 558
Schritt 3 — Kosten je RE:
fixe HK: 27.000,00 geteilt durch 675 = 40,00 EUR/RE
variable HK: 40.500,00 geteilt durch 810 = 50,00 EUR/RE
Vertrieb: 33.480,00 geteilt durch 558 = 60,00 EUR/RE
Schritt 4 — Stückkosten (ÄZ mal Satz) und Zusammensetzung:
Aequivalenzziffernkalkulation Teilkosten — Herstell- und Selbstkosten
Aufgabe #142 · 4 P. · Aufgabe | 4 P. | #6bIn einer Ziegelei werden vier verschiedene Produkte hergestellt. Der Betrieb kalkuliert die einzelnen Produktarten mit Äquivalenzziffern. Die Gesamtherstellkosten der Abrechnungsperiode belaufen sich auf 67.500 EUR, davon sind 27.000 EUR fixe Kosten. Die variablen Vertriebskosten betragen 33.480 EUR.
Erzeugnisart
hergestellte Menge (1.000 St)
verkaufte Menge (1.000 St)
ÄZ fixe Kosten
ÄZ variable Kosten
ÄZ Vertriebskosten
Bauziegel A
120
100
1,0
1,0
2,0
Bauziegel B
75
75
2,0
1,6
2,0
Dachziegel I
60
40
3,0
2,0
1,0
Dachziegel II
150
120
1,5
3,0
1,4
Bestimmen Sie die Herstellkosten und die Selbstkosten jeder Erzeugnisart (in 1.000 Stück) — #6b) zu Teilkosten.
Bei der Teilkostenrechnung werden nur die variablen Kosten den Erzeugnissen zugerechnet; die fixen Herstellkosten (40,00 je RE) bleiben ausgeklammert (Blockkosten).
Schritt 1 — Herstellkosten (Teilkosten) = variable HK-Stückkosten (aus 6a): A 50,00; B 80,00; I 100,00; II 150,00
Schritt 2 — Selbstkosten (Teilkosten) = variable HK plus variable Vertriebskosten:
A: 50,00 plus 120,00 = 170,00; B: 80,00 plus 120,00 = 200,00; I: 100,00 plus 60,00 = 160,00; II: 150,00 plus 84,00 = 234,00
Ergebnis: Der Maschinenstundensatz beträgt 26,43 EUR je Maschinenstunde.
Aenderung des Maschinenstundensatzes bei kuerzerer Lebensdauer
Aufgabe #145 · 5 P. · Aufgabe | 5 P. | #2bFür eine weitere neue Anlage wurde ein Maschinenstundensatz von 50 EUR/Std. ermittelt. Die Laufzeit der Anlage war mit 1.600 Std. pro Jahr und die Nutzungsdauer mit 10 Jahren geplant. Für die kalkulatorische Abschreibung (Wiederbeschaffungswert: 300.000 EUR) ergab sich ein Stundensatz von 18,75 EUR/Std. Um wie viel Prozent erhöht sich der Maschinenstundensatz, wenn aufgrund aktueller Erkenntnisse die Lebensdauer der Anlage auf 6 Jahre reduziert werden muss?
Idee: Von allen Bestandteilen des Maschinenstundensatzes verändert sich bei kürzerer Nutzungsdauer nur die kalkulatorische Abschreibung je Stunde. Der Zuwachs schlägt 1:1 auf den Gesamtsatz durch.
Aufgabe #180 · 11 P. · Aufgabe |Materialkosten je Produkt 32 EUR. Zweistufige Produktion. Stufe 1: 750 Stück Halbfabrikate, Fertigungskosten 16.000 EUR. Stufe 2: Weiterverarbeitung von 650 Stück Halbfabrikaten zu Fertigfabrikaten, Fertigungskosten 8.000 EUR. Absatz 320 Stück, Verwaltungs- und Vertriebskosten 4.000 EUR. Berechnen Sie die Herstellkosten je Halb- und Fertigfabrikat pro Stück sowie die Selbstkosten pro Stück mittels Divisionskalkulation.
📝 Ausformulierte Lösung
Verwendete Größen (alle ausgeschrieben)
Symbol
Bedeutung
Wert
Materialkosten je Stück
Fertigungskosten der Stufe 1 (Halbfabrikate)
in Stufe 1 produzierte Menge (Halbfabrikate)
Fertigungskosten der Stufe 2 (Weiterverarbeitung)
in Stufe 2 weiterverarbeitete Menge (Fertigfabrikate)
Verwaltungs- und Vertriebskosten
Absatzmenge (verkaufte Stück)
Herstellkosten je Halbfabrikat
gesucht
Herstellkosten je Fertigfabrikat
gesucht
Selbstkosten je Stück
gesucht
Grundprinzip der mehrstufigen Divisionskalkulation: Weil die Mengen der Stufen auseinanderfallen (750 produziert, nur 650 weiterverarbeitet, nur 320 verkauft → Lagerbestandsveränderungen), wird jede Kostenart durch die Menge IHRER eigenen Stufe geteilt. Die Materialkosten sind bereits als Wert je Stück gegeben und werden daher direkt verrechnet.
a) Herstellkosten je Halbfabrikat (Stufe 1)
Fertigungskosten je Halbfabrikat:
b) Herstellkosten je Fertigfabrikat (Stufe 2)
Auf die Herstellkosten des Halbfabrikats kommen die Fertigungskosten der Stufe 2, geteilt durch die weiterverarbeitete Menge:
Fertigungskosten je Fertigfabrikat (Stufe 2):
c) Selbstkosten je Stück
Auf die Herstellkosten je Fertigfabrikat kommen die Verwaltungs- und Vertriebskosten, geteilt durch die Absatzmenge:
Verwaltungs- und Vertriebskosten je verkauftem Stück:
Ergebnisübersicht
Größe
Wert je Stück
Herstellkosten je Halbfabrikat ()
53,33 EUR
Herstellkosten je Fertigfabrikat ()
65,64 EUR
Selbstkosten je Stück ()
78,14 EUR
Kernaussage: Die drei unterschiedlichen Bezugsmengen (750 / 650 / 320) sind kein Zufall — sie bilden die Lagerbestandsveränderungen zwischen den Stufen ab. Würde man alle Kosten pauschal durch eine einzige Menge teilen, wäre die Stückkalkulation falsch.
Aufgabe #208 · 6 P. · Aufgabe |Die ACME KG fertigt hochwertige Plüsch-Krokodile in einem mehrstufigen Produktionsprozess. In der ersten Produktionsstufe wird der Plüschstoff zugeschnitten. In der zweiten Fertigungsstufe werden dann jeweils 15 der in der Vorstufe zugeschnittenen Einzelteile zu einem Krokodil zusammengenäht. In der letzten Fertigungsstufe werden die in der zweiten Stufe genähten Krokodile schließlich mit Spezialwatte gefüllt. Die folgende Tabelle enthält alle relevanten Daten:
Stufe i
Anzahl auf Stufe i gefertigter (Zwischen-)Produkte xi [Stück]
Allein der Stufe i zurechenbare Kosten Ei [€]
1 Zuschnitt
22.500
42.000
2 Nähen
1.500
9.000
3 Füllen
1.500
4.500
Ermitteln Sie die Herstellkosten je Krokodil unter Verwendung der mehrstufigen Divisionskalkulation!
📝 Ausformulierte Lösung
Stufe
Formel
Rechnung
Ergebnis
1 Zuschnitt
E₁/x₁
42.000,00 € ÷ 22.500 Teile
1,8667 €/Teil
2 Nähen
k₁·15 + E₂/x₂
(22.500 × 1,8667) + 9.000,00 € ÷ 1.500
34,00 €/Krokodil
3 Füllen
k₂ + E₃/x₃
34,00 + 4.500,00 € ÷ 1.500
37,00 €/Krokodil
Ergebnis: Die Herstellkosten je Krokodil betragen 37,00 €/Stück (ein sauber glattes Ergebnis — starke Rechenprobe, dass exakt statt mit Zwischenrundung gerechnet wurde).
Divisionskalkulation mit Lagerbestandsveränderung
Aufgabe #209 · 13 P. · Aufgabe |Die Materialkosten eines Produkts betragen 30 €. Die Produktion wird in zwei Stufen durchgeführt:
Produktionsstufe 1: 800 Stück Halbfabrikate, Fertigungskosten: 12.000 € Produktionsstufe 2: Weiterverarbeitung von 1.000 Stück Halbfabrikaten zu Fertigfabrikaten, Fertigungskosten: 5.000 €.
Der Absatz beträgt 500 Stück, die Verwaltungs- und Vertriebskosten belaufen sich auf 4.000 €.
a) 9 P. Berechnen Sie die Herstellkosten je Halb- und Fertigfabrikat pro Stück sowie die Selbstkosten pro Stück mittels Divisionskalkulation. b) 4 P. Wie hoch sind die Werte der Lagerbestandsveränderungen?
Original-Klausuraufgabe (Scan)
📝 Ausformulierte Lösung
a) Herstellkosten & Selbstkosten je Stück
Die Materialkosten (30 €/Stück) gehen in Stufe 1 ein. In Stufe 2 werden 1.000 Halbfabrikate weiterverarbeitet, obwohl nur 800 hergestellt wurden — die fehlenden 200 kommen aus dem Lagerabbau (siehe Teil b). Jede Stufe wird durch ihre eigene Menge geteilt.
Aufgabe #210 · 11 P. · Aufgabe |Die Materialkosten eines Produkts betragen 25 €. Die Produktion wird in zwei Stufen durchgeführt. Auf Produktionsstufe 1 werden zunächst 1.000 Stück Halbfabrikate erzeugt, dabei fallen Fertigungskosten in Höhe von 13.000 € an. Auf der zweiten Produktionsstufe erfolgt die Weiterverarbeitung von 800 Stück Halbfabrikaten zu Fertigfabrikaten, dabei entstehen Fertigungskosten von 5.000 €. Der Absatz beträgt 400 Stück, die Verwaltungs- und Vertriebskosten belaufen sich auf 4.000 €.
Berechnen Sie die Herstellkosten je Halb- und Fertigfabrikat pro Stück sowie die Selbstkosten pro Stück mittels Divisionskalkulation.
📝 Ausformulierte Lösung
Stufe
Formel
Rechnung
Ergebnis (nur Fertigung)
1 Halbfabrikat
E₁/x₁
13.000,00 € ÷ 1.000 Stück
13,00 €/Stück
2 Fertigfabrikat
k₁·x₁-Anteil + E₂/x₂
(1.000×13,00+5.000,00) ÷ 800 Stück
22,50 €/Stück
3 Absatz/VwVt
k₂-Anteil + VwVt/Absatz
(400×22,50+4.000,00) ÷ 400 Stück
32,50 €/Stück
Gefragte Größe
Rechnung
Ergebnis
Herstellkosten je Halbfabrikat
Material 25,00 + Stufe 1 (13,00)
38,00 €/Stück
Herstellkosten je Fertigfabrikat
Material 25,00 + Stufe 2 kumuliert (22,50)
47,50 €/Stück
Selbstkosten je Stück
Material 25,00 + Stufe 3 kumuliert (32,50)
57,50 €/Stück
Ergebnis:Herstellkosten je Halbfabrikat 38,00 €/Stück, je Fertigfabrikat 47,50 €/Stück, Selbstkosten57,50 €/Stück.
Divisionskalkulation — Halb-/Fertigfabrikate
Aufgabe #211 · 11 P. · Aufgabe |Die Materialkosten eines Produkts betragen 25 €. Die Produktion wird in zwei Stufen durchgeführt. Auf Produktionsstufe 1 werden zunächst 800 Stück Halbfabrikate erzeugt, dabei fallen Fertigungskosten in Höhe von 13.000 € an. Auf der zweiten Produktionsstufe erfolgt die Weiterverarbeitung von 650 Stück Halbfabrikaten zu Fertigfabrikaten, dabei entstehen Fertigungskosten von 4.998 €. Der Absatz beträgt 450 Stück, die Verwaltungs- und Vertriebskosten belaufen sich auf 4.001 €.
Berechnen Sie die Herstellkosten je Halb- und Fertigfabrikat pro Stück sowie die Selbstkosten pro Stück mittels Divisionskalkulation.
📝 Ausformulierte Lösung
Stufe
Formel
Rechnung
Ergebnis (nur Fertigung)
1 Halbfabrikat
E₁/x₁
13.000,00 € ÷ 800 Stück
16,25 €/Stück
2 Fertigfabrikat
k₁·x₁-Anteil + E₂/x₂
(800×16,25+4.998,00) ÷ 650 Stück
27,69 €/Stück
3 Absatz/VwVt
k₂-Anteil + VwVt/Absatz
(450×27,69+4.001,00) ÷ 450 Stück
36,58 €/Stück
Gefragte Größe
Rechnung
Ergebnis
Herstellkosten je Halbfabrikat
Material 25,00 + Stufe 1 (16,25)
41,25 €/Stück
Herstellkosten je Fertigfabrikat
Material 25,00 + Stufe 2 kumuliert (27,69)
52,69 €/Stück
Selbstkosten je Stück
Material 25,00 + Stufe 3 kumuliert (36,58)
61,58 €/Stück
Ergebnis:Herstellkosten je Halbfabrikat 41,25 €/Stück, je Fertigfabrikat 52,69 €/Stück, Selbstkosten61,58 €/Stück.
Deckungsbeitrag, Kostenstellen & Kritik an der KLR — weitere Klausuraufgaben
Divisionskalkulation: Apfelsaft-Kelterei mit Schwund und Bestandsaufbau — Zusatzübung
Aufgabe #226 · Divisionskalkulation: Apfelsaft-Kelterei mit Schwund und Bestandsaufbau — ZusatzübungDie Rheinhessen-Kelterei GmbH stellt naturtrüben Apfelsaft in einem durchlaufenden Prozess her (mehrstufige Divisionskalkulation, Kosten werden von Stufe zu Stufe fortgeschrieben). Stufe 1 Pressen: 24.000,00 € Kosten, 20.000 Liter Input. Stufe 2 Erhitzen & Lagern: Stufenkosten 8.400,00 €, dabei 10 % Schwund (Verdunstung/Trub). Stufe 3 Abfüllen: Stufenkosten 9.000,00 €, kein Schwund. Stufe 4 Vertrieb: Vertriebskosten 3.000,00 €, verkauft werden 15.000 Liter. Ermittle a) die Kosten je Liter je Stufe, b) die Selbstkosten je 1-Liter-Flasche, c) die mengen- und wertmäßige Bestandsveränderung der fertigen Erzeugnisse.
Stufe 2 — Erhitzen & Lagern (Schwund 10 %). Schwund senkt die durchlaufende Menge: Output = 20.000 L × (1 − 0,10) = 18.000 L. Kumulierte Kosten = 24.000,00 € + 8.400,00 € = 32.400,00 €. Kosten je Liter = 32.400,00 € ÷ 18.000 L = 1,80 €/L. (Wichtig: durch die eigene Durchlaufmenge 18.000 teilen, nicht durch die 20.000 vom Pressen — der Schwund treibt die Stückkosten hoch, ist aber keine eigene Kostenposition.)
Stufe 3 — Abfüllen (kein Schwund). Output bleibt 18.000 L. Kumulierte Kosten = 32.400,00 € + 9.000,00 € = 41.400,00 €. Kosten je Liter = 41.400,00 € ÷ 18.000 L = 2,30 €/L. Das sind die Herstellkosten (fertig abgefüllt im Lager).
Stufe 4 — Vertrieb. Vertriebskosten fallen nur auf die verkaufte Menge (15.000 L) an. Kosten des verkauften Safts = 15.000 L × 2,30 €/L = 34.500,00 €; zuzüglich Vertrieb 3.000,00 € = 37.500,00 €. Selbstkosten je Liter = 37.500,00 € ÷ 15.000 L = 2,50 €/L.
b) Selbstkosten je 1-Liter-Flasche = 2,50 €/L × 1,0 L = 2,50 €/Flasche.
c) Bestandsveränderung fertige Erzeugnisse. Abgefüllt (fertig) = 18.000 L, verkauft = 15.000 L → Bestandszugang = +3.000 L. Bewertung zu Herstellkosten (Stufe 3, ohne Vertrieb): 3.000 L × 2,30 €/L = +6.900,00 €.
Stufe
kumulierte Kosten
Menge
€/L
1 Pressen
24.000,00 €
20.000 L
1,20
2 Erhitzen & Lagern
32.400,00 €
18.000 L
1,80
3 Abfüllen (= HK)
41.400,00 €
18.000 L
2,30
4 Vertrieb (= SK)
37.500,00 €
15.000 L
2,50
Ergebnis: Stückkosten je Stufe 1,20 / 1,80 / 2,30 / 2,50 €/L; Selbstkosten je Flasche 2,50 €; Bestandsaufbau fertige Erzeugnisse +3.000 L bzw. +6.900,00 €. Rechenprobe (Kostenerhaltung): Insgesamt angefallene Kosten = 24.000 + 8.400 + 9.000 + 3.000 = 44.400,00 €. Verrechnet auf: verkaufte Menge (Selbstkosten) 15.000 L × 2,50 € = 37.500,00 € + Bestand 6.900,00 € = 44.400,00 € ✓. Es geht kein Euro verloren, der Schwund ist ohne eigene Position sauber in den Stückkosten aufgegangen.
Äquivalenzziffern-Kalkulation: Kaffeerösterei mit vier Sorten — Zusatzübung
Aufgabe #227 · Äquivalenzziffern-Kalkulation: Kaffeerösterei mit vier Sorten — ZusatzübungDie Bingen Kaffeemanufaktur GmbH röstet vier Sorten aus demselben Prozess (Sortenfertigung). Die Gesamtkosten der Periode betragen 480.000,00 €. Die Sorten unterscheiden sich nur im Ressourcenverbrauch je kg, ausgedrückt durch Äquivalenzziffern (Bezugssorte „Mild" = 1,0): Mild ÄZ 1,0 / 40.000 kg · Kräftig ÄZ 1,25 / 24.000 kg · Espresso ÄZ 1,5 / 16.000 kg · Bio-Spezial ÄZ 2,0 / 3.000 kg. Ermittle die Recheneinheiten, die Kosten je Recheneinheit, die Stückkosten (€/kg) und die Gesamtkosten je Sorte.
Lösung — Schritt für Schritt:
Recheneinheiten je Sorte (RE = Menge × ÄZ). Damit übersetzt du die real unterschiedlich „teuren" kg in eine gemeinsame Kunstwährung:
Mild: 40.000 kg × 1,0 = 40.000 RE
Kräftig: 24.000 kg × 1,25 = 30.000 RE
Espresso: 16.000 kg × 1,5 = 24.000 RE
Bio-Spezial: 3.000 kg × 2,0 = 6.000 RE
Summe RE = 40.000 + 30.000 + 24.000 + 6.000 = 100.000 RE. (Nicht die reale Mengensumme 83.000 kg nehmen!)
Kosten je Recheneinheit = Gesamtkosten ÷ Summe RE = 480.000,00 € ÷ 100.000 RE = 4,80 €/RE.
Stückkosten je Sorte (k = kRE × ÄZ) — Rückübersetzung in echte €/kg:
Mild: 4,80 × 1,0 = 4,80 €/kg
Kräftig: 4,80 × 1,25 = 6,00 €/kg
Espresso: 4,80 × 1,5 = 7,20 €/kg
Bio-Spezial: 4,80 × 2,0 = 9,60 €/kg
Gesamtkosten je Sorte (K = k × Menge):
Mild: 4,80 × 40.000 = 192.000,00 €
Kräftig: 6,00 × 24.000 = 144.000,00 €
Espresso: 7,20 × 16.000 = 115.200,00 €
Bio-Spezial: 9,60 × 3.000 = 28.800,00 €
Sorte
Menge (kg)
ÄZ
RE
k (€/kg)
K gesamt (€)
Mild
40.000
1,0
40.000
4,80
192.000,00
Kräftig
24.000
1,25
30.000
6,00
144.000,00
Espresso
16.000
1,5
24.000
7,20
115.200,00
Bio-Spezial
3.000
2,0
6.000
9,60
28.800,00
Summe
83.000
—
100.000
—
480.000,00
Ergebnis: kRE = 4,80 €/RE; Stückkosten 4,80 / 6,00 / 7,20 / 9,60 €/kg; Gesamtkosten je Sorte 192.000 / 144.000 / 115.200 / 28.800 €. Rechenprobe: 192.000 + 144.000 + 115.200 + 28.800 = 480.000,00 € = vorgegebene Gesamtkosten ✓. Die Summe der aufgeteilten Sortenkosten trifft die Ausgangsgröße exakt — es wurde durch die richtige Zahl (Summe RE) geteilt.
Rest-Fertigungsgemeinkosten = Restfertigungslohn × Rest-FGK-Satz — nur auf den Lohn, nie auf die Maschinenkosten (die sind über den Stundensatz schon voll erfasst): 240,00 € × 1,20 = 288,00 €.
Ergebnis: Der Maschinenstundensatz beträgt 40,00 €/Std.; die Herstellkosten des Auftrags betragen 1.188,00 €. Rechenprobe: Stundensatz rückwärts: 40,00 €/Std. × 2.500 Std. = 100.000,00 € = Summe der Jahreskosten ✓. Auftrag rückwärts (Bausteine einzeln zusammengezählt): 400 + 100 + 240 + 288 + 160 = 1.188,00 € ✓. Der Rest-FGK-Zuschlag (288 €) läuft ausschließlich auf den Lohn — keine Doppelerfassung der Maschinenkosten.
Äquivalenzziffern-Kalkulation: gleiche Daten wie die Dachziegel-Äquivalenzziffern-Aufgabe, andere Frage — Zusatzübung
Aufgabe #230 · Äquivalenzziffern-Kalkulation: gleiche Daten wie die Dachziegel-Äquivalenzziffern-Aufgabe, andere Frage — Zusatzübung(Gleiche gegebene Daten wie die Original-Dachziegel-Äquivalenzziffernaufgabe — aber statt der Stück-/Gesamtkosten wird jetzt nach Preisen und Gesamtgewinn gefragt.) folgende Daten: drei Dachziegelsorten im Kostenverhältnis 1 : 1,4 : 1,8 (ÄZ I 1,0 / II 1,4 / III 1,8); Mengen I 30.000 St., II 15.000 St., III 20.000 St.; Gesamtkosten 104.400,00 €. Aus der Kalkulation sind die Stückkosten bekannt: I 1,20 €/St., II 1,68 €/St., III 2,16 €/St. Andere Frage: Sorte I wird zum Selbstkostenpreis abgegeben, Sorte II mit 25 % und Sorte III mit 50 % Gewinnaufschlag auf die Stückkosten verkauft. Welche Netto-Verkaufspreise je Stück ergeben sich, und wie hoch ist der geplante Gesamtgewinn über alle drei Sorten?
Lösung — Schritt für Schritt:
Kurz die Stückkosten bestätigen (Basis). Summe RE = 30.000×1,0 + 15.000×1,4 + 20.000×1,8 = 30.000 + 21.000 + 36.000 = 87.000 RE; kRE = 104.400,00 € ÷ 87.000 = 1,20 €/RE; Stückkosten = kRE × ÄZ → I 1,20 €, II 1,68 €, III 2,16 €/St. (deckt sich mit der Vorgabe).
Verkaufspreis Sorte I (kein Aufschlag): 1,20 €/St. → Gewinn je Stück = 0,00 €.
Verkaufspreis Sorte II (+25 % auf die Stückkosten): 1,68 €/St. × 1,25 = 2,10 €/St.; Gewinn je Stück = 2,10 − 1,68 = 0,42 €.
Verkaufspreis Sorte III (+50 % auf die Stückkosten): 2,16 €/St. × 1,50 = 3,24 €/St.; Gewinn je Stück = 3,24 − 2,16 = 1,08 €.
C — BAB im Stufenleiterverfahren (Treppenverfahren)
BAB / Stufenleiterverfahren — Grundidee & Ablauf
Der Betriebsabrechnungsbogen (BAB) verteilt die primären Gemeinkosten (aus der KLR-Spalte) über Verteilungsschlüssel auf die Kostenstellen und legt danach die Vorkostenstellen (Hilfskostenstellen) auf die Endkostenstellen um.
Stufenleiter-(Treppen-)Verfahren: Die Vorkostenstellen werden in einer festen Reihenfolge umgelegt — jede Vorkostenstelle gibt ihre Kosten nur an die ihr nachgelagerten Stellen ab, nie zurück nach oben. Deshalb die „Treppe“:
Allgemeine KSt. ──► Fertigungshilfs-KSt., Material, Fert. A, Fert. B, Verwaltung, Vertrieb Fertigungshilfs-KSt. ──► Fert. A, Fert. B (Endkostenstellen) Innergegenseitige Verrechnung (Allgemeine und Hilfsstelle wechselseitig) wird bewusst vernachlässigt → einfacher als das Gleichungsverfahren, dafür kleiner Genauigkeitsverlust.
✅ Gegen Rohleders offizielle Lösungsvorschläge verifiziert (U09 BAB Stufenleiterverfahren · U09 Aufgaben 2 und 3). Die Stufenleiter-Mechanik (Vorkostenstellen der Reihe nach nur nach unten umlegen) und die Zuschlagssatz-Bezüge stimmen mit Rohleders Lösung überein: MGK ÷ Material-EK · FGK ÷ Fertigungslohn · VwGK und VtGK ÷ Herstellkosten (U09 A2: Zuschlagssatz Verwaltung = 15.700 / HK 107.360 = 14,62 %, Vertrieb = 7.700 / 107.360 = 7,17 %; U09 A3 ebenso VwGK/VtGK auf „HK des Umsatzes“). Verwaltung und Vertrieb werden also beide auf die Herstellkosten bezogen — dieselbe Konvention wie in der Zuschlagskalkulation.
Verteilungsschlüssel = Verhältniszahl, in der eine Kostenart/Kostenstelle auf mehrere Stellen aufgeteilt wird, Format A : B : C : …. Man findet ihn, indem man die verteilten Beträge einer Zeile durch ihren kleinsten gemeinsamen Teiler kürzt.
Symbole / Spalten im Beispiel-BAB
Reihenfolge der Kostenstellen (Spalten): Allgemeine KSt. : Fertigungshilfs-KSt. : Material : Fertigung A : Fertigung B : Verwaltung : Vertrieb. Der gesuchte Schlüssel hat daher 7 Glieder (Reihenfolge = Spaltenreihenfolge).
So läuft die Stufenleiter (Demonstration am fertigen BAB)
Damit der Mechanismus klar ist, hier die Umlage nachvollzogen (diese Teile sind im Bild schon ausgefüllt):
Umlage der Fertigungshilfs-KSt. (86.740,70 €) auf A und B: 26.022,21 € : 60.718,49 € = 3 : 7.
Danach stehen alle Gemeinkosten auf den Endkostenstellen (Material, A, B, Verwaltung, Vertrieb) — Basis für die spätere Zuschlagskalkulation. So funktioniert die Treppe; die eigentlichen Prüfungsfragen unten betreffen die primären Schlüssel der Zeilen Sozialkosten und Steuern.
Verteilungsschlüssel
Spaltenreihenfolge: Allgemeine : Fert.hilfs : Material : A : B : Verwaltung : Vertrieb.
Rückumlage: Im Stufenleiterverfahren gibt eine Vorkostenstelle nur nach unten ab. Keine Kosten zurück an eine schon abgerechnete Vorstelle buchen.
Reihenfolge der Vorkostenstellen: erst „Allgemeine“, dann „Fertigungshilfs“. Vertauscht man die Treppe, ändern sich alle Umlagen.
Schlüssel falsch gekürzt: immer durch den kleinsten gemeinsamen Betrag teilen (hier 1.320 / 1.755 / 1.080 / 2.275). Nicht auf glatte, aber falsche Zahlen runden — die Glieder müssen ganzzahlig und teilerfremd sein.
Spaltenreihenfolge im Schlüssel: Das Format A : B : … folgt der Spaltenreihenfolge des BAB (Allgemeine → Vertrieb). Reihenfolge nicht vertauschen.
Summenprobe vergessen: Grundsätzlich muss die Summe der verteilten Beträge = KLR-Zeilenbetrag sein (Ausnahme/Prüfhinweis siehe C.4). Umlagesummen (Summe 1, Summe 2) müssen exakt weitergereicht werden.
0-Einträge übersehen: Stellen mit Wert 0 (z. B. B/Verwaltung/Vertrieb beim Gemeinkostenmaterial) gehören mit einer 0 in den Schlüssel, wenn nach dieser Zeile gefragt wird.
(C) BAB — Stufenleiterverfahren (Vorkostenstellen der Reihe nach umlegen)
Kurz-Repetitorium: Im Stufenleiter-(Treppen-)Verfahren werden die Vorkostenstellen in fester Reihenfolge umgelegt. Jede Vorkostenstelle gibt ihre Kosten nur an die ihr nachgelagerten Stellen ab, nie zurück nach oben. Der Verteilungsschlüssel ist die Verhältniszahl (z. B. m², Reparaturstunden), mit der eine Stelle auf mehrere verteilt wird.
Symbole: Umlagesatz = Kosten der Vorkostenstelle ÷ Summe der Schlüsselgrößen; Umlagebetrag = Umlagesatz · Schlüsselgröße der Zielstelle.
✅ Methode gegen Rohleders offizielle Lösungsvorschläge verifiziert (U09 Aufgaben 1–3 · U10 Aufgaben 2 und 3). Die Stufenleiter-Mechanik stimmt überein: primäre Gemeinkosten per Verteilungsschlüssel verteilen, Vorkostenstellen der Reihe nach nur nach unten umlegen (jede Umlage erhöht die Zielstelle vor deren eigener Umlage), Summenproben je Umlage und Endstellen-Summe = Σ primäre GK. Bestätigt sind auch die Zuschlagssatz-Bezüge: MGK ÷ Material-EK · FGK ÷ Fertigungslohn · VwGK und VtGK beide ÷ Herstellkosten (U09 A2/A3).
BAB mit zwei Vorkostenstellen — 18 P.
Ein Betrieb hat zwei Vorkostenstellen (Gebäude, Reparatur) und vier Endkostenstellen (Material, Fertigung, Verwaltung, Vertrieb). Die primären Gemeinkosten (aus der KLR bereits verteilt) und die Umlage-Schlüssel:
Kostenstelle
primäre GK
Gebäude (Vorstelle 1)
40.000,00 €
Umlage nach m²
Reparatur (Vorstelle 2)
20.000,00 €
Umlage nach Reparaturstunden
Material
30.000,00 €
Fertigung
100.000,00 €
Verwaltung
25.000,00 €
Vertrieb
15.000,00 €
Schlüsselgrößen:
Zielstelle
Fläche (m²)
Reparaturstunden (h)
Reparatur
200
— (wird selbst umgelegt)
Material
300
100
Fertigung
1.000
300
Verwaltung
250
50
Vertrieb
250
50
Summe
2.000 m² (ohne Gebäude selbst)
500 h
Reihenfolge der Treppe: Gebäude zuerst (gibt an Reparatur + alle Endstellen), dann Reparatur (nur an Endstellen).
a) Summe der primären Gemeinkosten (Kontrollsumme)
Diese Summe muss am Ende unverändert auf den Endkostenstellen stehen (die Umlagen verschieben nur, sie schaffen keine neuen Kosten).
b) Umlage der Vorkostenstelle Gebäude
Umlagesatz Gebäude = 40.000,00 € ÷ 2.000 m² = 20,00 €/m².
Zielstelle
m² · 20,00
Umlagebetrag
Reparatur
200 · 20,00
4.000,00 €
Material
300 · 20,00
6.000,00 €
Fertigung
1.000 · 20,00
20.000,00 €
Verwaltung
250 · 20,00
5.000,00 €
Vertrieb
250 · 20,00
5.000,00 €
Summe
40.000,00 € ✓
Verteilungsschlüssel Gebäude (m²-Verhältnis, gekürzt durch 50): Reparatur : Material : Fertigung : Verwaltung : Vertrieb = 4 : 6 : 20 : 5 : 5.
c) Umlage der Vorkostenstelle Reparatur
Reparatur trägt jetzt die primären 20.000,00 € plus die 4.000,00 € aus der Gebäude-Umlage:
Kontrolle: 40.800 + 134.400 + 32.400 + 22.400 = 230.000,00 € = Summe der primären GK aus a) ✓. Die Vorkostenstellen Gebäude und Reparatur stehen jetzt auf 0,00 € (vollständig umgelegt).
Ergebnis e):MGK30,00 % · FGK80,00 % · VwGK6,76 % · VtGK4,67 % (Verwaltung/Vertrieb auf die Herstellkosten bezogen).
Typische Fallen — BAB / Stufenleiter
Rückumlage verboten: Eine bereits abgerechnete Vorkostenstelle bekommt nichts mehr zurück. Reparatur erhält von Gebäude (steht vorher in der Treppe), gibt aber nicht an Gebäude zurück.
Reihenfolge einhalten: erst Gebäude, dann Reparatur. Vertauscht man die Treppe, ändern sich alle Umlagen.
Umlagebetrag weiterreichen: Reparatur wird mit 24.000,00 € umgelegt (inkl. der 4.000 € aus Gebäude), nicht mit den primären 20.000 €.
Schlüssel sauber kürzen: durch den größten gemeinsamen Teiler (hier 50) → ganzzahlige, teilerfremde Glieder.
Summenprobe: Endstellen-Summe muss = Summe primäre GK sein (230.000,00 €); jede Umlagezeile summiert sich exakt auf den Vorkostenstellen-Betrag.
U10 · Betriebsabrechnung II (Sekundärkosten)
BAB — Anbauverfahren (Sekundärkostenverrechnung)
⚡ Kurzform — zum schnellen Selbst-Formulieren (Kochrezept)
ANSATZ: Anbauverfahren = Hilfsstellen-Primärkosten NUR auf Hauptstellen umlegen, gegenseitigen Austausch (Fuhrpark 600 km, Reparatur 15 h) komplett ignorieren — der kommt weder in Zähler noch Nenner.
KERNFORMEL Umlagesatz = primäre GK der Hilfsstelle ÷ Leistungseinheiten NUR an Hauptstellen (Falle: reale Gesamtleistung enthält mehr Einheiten, die NICHT in den Nenner dürfen).
Fuhrpark: 24.000 ÷ 4.000 km = 6,00 €/km → 1.000/2.000/1.000 km × 6 = 6.000 / 12.000 / 6.000 €. Reparatur: 18.000 ÷ 90 h = 200,00 €/h → 30/50/10 h × 200 = 6.000 / 10.000 / 2.000 €.
Übungsaufgabe im Stil der KOLE-Klausur (Prof. Rohleder, TH Bingen), Vorlesungseinheit U10. Vollständig durchgerechnet, jede Zahl einzeln vorgeführt. (vgl. Coenenberg, Kostenrechnung u. Kostenanalyse, Kap. „Innerbetriebliche Leistungsverrechnung").
BAB Anbauverfahren
Die Musterbau GmbH führt einen Betriebsabrechnungsbogen (BAB) mit zwei Hilfskostenstellen (Fuhrpark, Reparatur) und drei Hauptkostenstellen (Material, Fertigung, Verwaltung/Vertrieb).
Die innerbetriebliche Leistungsverrechnung soll nach dem Anbauverfahren (auch Blockverfahren) erfolgen. Kennzeichen: Die primären Gemeinkosten der Hilfskostenstellen werden ausschließlich auf die Hauptkostenstellen umgelegt. Der gegenseitige Leistungsaustausch der beiden Hilfskostenstellen (Fuhrpark und Reparatur) wird dabei vollständig ignoriert — er geht weder in den Umlagebetrag noch in den Verteilungsschlüssel ein.
Ermitteln Sie:
die Umlage-/Verrechnungssätze der beiden Hilfskostenstellen,
die Umlagebeträge auf die Hauptkostenstellen,
die endgültigen Gemeinkosten der Hauptkostenstellen,
die drei Zuschlagssätze (MGK, FGK, VwVt-GK),
eine kurze Beurteilung der Ungenauigkeit gegenüber Stufenleiter- und Gleichungsverfahren.
Gegeben — BAB Anbauverfahren
Primäre Gemeinkosten je Kostenstelle (aus der Kostenartenrechnung):
Kostenstelle
Art
Primäre GK
Fuhrpark
Hilfskostenstelle
24.000,00 €
Reparatur
Hilfskostenstelle
18.000,00 €
Material
Hauptkostenstelle
40.000,00 €
Fertigung
Hauptkostenstelle
118.000,00 €
Verwaltung/Vertrieb
Hauptkostenstelle
28.000,00 €
Summe
228.000,00 €
Verteilungsschlüssel Fuhrpark — gefahrene Kilometer (an die Hauptstellen):
Empfänger
Leistung
Material
1.000 km
Fertigung
2.000 km
Verwaltung/Vertrieb
1.000 km
Summe (Hauptstellen)
4.000 km
Verteilungsschlüssel Reparatur — Reparaturstunden (an die Hauptstellen):
Empfänger
Leistung
Material
30 h
Fertigung
50 h
Verwaltung/Vertrieb
10 h
Summe (Hauptstellen)
90 h
Innerbetrieblicher Leistungsaustausch der Hilfsstellen (wird im Anbauverfahren IGNORIERT):
von
an
Leistung
Fuhrpark
Reparatur
600 km
Reparatur
Fuhrpark
15 h
Einzelkosten der Erzeugnisse (Zuschlagsbasen, laufen nicht durch den BAB):
Position
Betrag
Fertigungsmaterial (Einzelmaterial)
208.000,00 €
Fertigungslöhne (Einzellohn)
80.000,00 €
Gefragt: a) Umlage-/Verrechnungssätze der beiden Hilfskostenstellen ermitteln · b) Umlagebeträge auf die Hauptkostenstellen ermitteln · c) Endgültige Gemeinkosten der Hauptkostenstellen ermitteln · d) Die drei Zuschlagssätze (MGK, FGK, VwVt-GK) ermitteln · e) Kurze Beurteilung der Ungenauigkeit gegenüber Stufenleiter- und Gleichungsverfahren
Schritt-für-Schritt-Lösung
Schritt 1 — Grundprinzip des Anbauverfahrens festhalten
Umlagesatz einer Hilfsstelle = primäre GK der Hilfsstelle ÷ Summe der nur an die Hauptstellen abgegebenen Leistungseinheiten.
Die 600 km (Fuhrpark → Reparatur) und die 15 h (Reparatur → Fuhrpark) kommen nicht in den Nenner. Dadurch bleibt die Gesamtkostensumme erhalten (keine Kosten „verschwinden"), aber die Verrechnung ist bewusst vereinfacht.
Schritt 2 — Umlagesatz Fuhrpark
Ansatz: Umlagesatz Fuhrpark = primäre GK Fuhrpark ÷ km an Hauptstellen
Rechenprobe (Kostenerhaltung): End-GK der Hauptstellen = Summe aller primären GK = 228.000,00 € ✓ Es sind keine Kosten verloren gegangen — die Hilfsstellen sind restlos entlastet.
Schritt 7 — Zuschlagssatz Material (MGK)
Ansatz: MGK-Zuschlag = End-GK Material ÷ Fertigungsmaterial × 100
Ungenauigkeit gegenüber Stufenleiter- und Gleichungsverfahren
Das Anbauverfahren ist das einfachste, aber ungenaueste Umlageverfahren, weil es den gegenseitigen Leistungsaustausch der Hilfsstellen ausblendet:
Ignorierte Bezugsmengen verzerren den Verrechnungssatz. Der Fuhrpark hat real 4.000 km + 600 km = 4.600 km geleistet. Angesetzt werden nur 4.000 km. Würde man allein den Nenner um alle abgegebenen km erweitern, ergäbe sich ein Satz von 24.000,00 € ÷ 4.600 km = 5,22 €/km statt der verrechneten 6,00 €/km. Das Anbauverfahren belastet die Hauptstellen also mit einem systematisch zu hohen Satz, weil der gesamte Fuhrpark-Kostenblock auf den kleineren Nenner „nur Hauptstellen" verteilt wird. (Hinweis: 5,22 €/km ist eine reine Nenner-Illustration, nicht der exakte Gleichungsverfahrens-Satz — dort erhöht sich zusätzlich der Zähler, weil der Fuhrpark selbst 15 h Reparatur bezieht.)
Der Kostenanteil, den die Reparatur beim Fuhrpark verursacht, wird nie über den Reparatur-Schlüssel weitergegeben. In Wirklichkeit ist die Reparaturstelle ein starker Fuhrpark-Nutzer (600 km). Diese Fuhrpark-Kosten müssten eigentlich zunächst die Reparatur belasten und von dort — nach dem Stunden-Schlüssel (30/50/10) — auf die Hauptstellen weiterlaufen. Da Fertigung den größten Reparatur-Anteil hat, würde ein Teil der Fuhrpark-Kosten korrekterweise stärker in die Fertigung wandern. Das Anbauverfahren verteilt ihn stattdessen nach dem reinen km-Schlüssel — eine inhaltlich falsche Zuordnung.
Rangordnung der Genauigkeit:
Anbauverfahren: ignoriert den Austausch komplett → einfachste Rechnung, größter Fehler. Vertretbar nur, wenn der innerbetriebliche Austausch der Hilfsstellen mengenmäßig gering ist.
Stufenleiterverfahren (Treppenverfahren): verrechnet den Austausch einseitig in fester Reihenfolge (z. B. erst Fuhrpark auf Reparatur + Hauptstellen, dann Reparatur nur noch auf Hauptstellen). Erfasst eine Richtung korrekt, die Rückleistung (15 h Reparatur → Fuhrpark) bleibt aber unberücksichtigt → mittlere Genauigkeit.
Gleichungsverfahren (mathematisches/simultanes Verfahren): löst ein lineares Gleichungssystem und erfasst den wechselseitigen Austausch (600 km und 15 h) exakt → höchste Genauigkeit, höchster Rechenaufwand.
Merksatz: Kostensumme bleibt bei allen drei Verfahren gleich (hier 228.000,00 €) — nur die Verteilung auf die Hauptstellen und damit die Zuschlagssätze weichen ab. Je intensiver sich die Hilfsstellen gegenseitig beliefern, desto größer der Fehler des Anbauverfahrens.
Umlage NUR der an Hauptstellen gelieferten Mengen (interner Tausch 4.000 kWh + 500 m3 ist über die Preise schon abgegolten - NICHT nochmal umlegen): F = 12.000*0,50 + 3.500*2,00 = 13.000 ; V = 4.000*0,50 + 1.000*2,00 = 4.000.
Gesamte GK Hauptstellen: F = 40.000 + 13.000 = 53.000 EUR ; V = 15.000 + 4.000 = 19.000 EUR.
Rechenprobe (Kostenerhaltung): Summe primäre GK 72.000 = Summe Haupt-GK 72.000 ; zudem sekundär verteilt 13.000+4.000 = 17.000 = primäre GK der beiden Hilfsstellen (9.000+8.000).
Typische Falle: Eigenverbrauch/interne Tauschmengen ein zweites Mal umlegen ODER Preis nur auf die Rest-Menge statt auf die GESAMT-Abgabe beziehen - beides zerstört die 72.000-Probe.
Endergebnis: q1 = 0,50 EUR/kWh, q2 = 2,00 EUR/m3 ; F = 53.000 EUR, V = 19.000 EUR.
Das Gleichungsverfahren (auch mathematisches oder simultanes Verfahren) ist das exakteste Verfahren der innerbetrieblichen Leistungsverrechnung. Anders als das Stufenleiterverfahren (Treppenverfahren) unterstellt es keine einseitige Leistungsrichtung, sondern erfasst den gegenseitigen Leistungsaustausch der Hilfskostenstellen vollständig. Der Trick: Für jede Hilfskostenstelle wird ein innerbetrieblicher Verrechnungspreis als Unbekannte eingeführt. Da jede Hilfsstelle Leistungen der anderen bezieht, hängen die Preise wechselseitig voneinander ab — man erhält ein lineares Gleichungssystem (LGS), das simultan gelöst wird. Weil kein Umlage-Rest verloren geht und keine Reihenfolge willkürlich festgelegt wird, ist das Ergebnis mathematisch eindeutig und exakt. (vgl. Coenenberg, Kostenrechnung u. Kostenanalyse, Kap. „Innerbetriebliche Leistungsverrechnung".)
Ausgangssituation
Ein Industriebetrieb betreibt zwei Hilfskostenstellen — das eigene Stromwerk (S) und die Wasseraufbereitung (W) — sowie zwei Hauptkostenstellen, die Fertigung (F) und die Verwaltung (V). Stromwerk und Wasseraufbereitung tauschen Leistungen gegenseitig aus: Das Stromwerk liefert Strom an die Wasseraufbereitung, umgekehrt bezieht das Stromwerk Wasser (Kühlung) von der Wasseraufbereitung. Der Eigenverbrauch der Stellen ist bereits herausgerechnet und bleibt unberücksichtigt.
Aufgaben a) Stellen Sie das lineare Gleichungssystem für die innerbetrieblichen Verrechnungspreise q1 (Strom, €/kWh) und q2 (Wasser, €/m³) auf. b) Lösen Sie das System Schritt für Schritt (Einsetzverfahren). c) Verrechnen Sie die Hilfskostenstellen auf die Hauptkostenstellen und ermitteln Sie deren gesamte Gemeinkosten. d) Führen Sie eine Rechenprobe durch.
Schritt-für-Schritt-Lösung
Schritt 1 — Unbekannte festlegen
Es werden zwei innerbetriebliche Verrechnungspreise gesucht:
q1 = Verrechnungspreis je kWh Strom (€/kWh)
q2 = Verrechnungspreis je m³ Wasser (€/m³)
Grundgedanke: Der Wert der gesamten von einer Hilfsstelle abgegebenen Leistung (Menge × Verrechnungspreis) muss genau ihre gesamten Kosten decken — das sind die primären Gemeinkostenplus die von der anderen Hilfsstelle bezogenen (sekundären) Leistungen. Kosten der Stelle = Wert ihrer Gesamtleistung.
Schritt 2 — Kostengleichung je Hilfskostenstelle aufstellen
Stromwerk (S): Es produziert insgesamt 20.000 kWh. Sein Wert ist 20.000 · q1. Zu decken sind 9.000,00 € primäre Kosten plus der Wert des bezogenen Wassers (500 m³ à q2):
Gleichung (I): 20.000 · q1 = 9.000 + 500 · q2
Wasseraufbereitung (W): Sie produziert insgesamt 5.000 m³. Ihr Wert ist 5.000 · q2. Zu decken sind 8.000,00 € primäre Kosten plus der Wert des bezogenen Stroms (4.000 kWh à q1):
Gleichung (II): 5.000 · q2 = 8.000 + 4.000 · q1
Schritt 3 — System ordnen
Alle Unbekannten nach links:
(I): 20.000 · q1 − 500 · q2 = 9.000
(II): −4.000 · q1 + 5.000 · q2 = 8.000
Schritt 4 — Gleichung (I) nach q1 auflösen (Einsetzverfahren)
Nur die an die Hauptstellen gelieferten Mengen werden bewertet (die intern getauschten Mengen — 4.000 kWh Strom an W und 500 m³ Wasser an S — sind bereits über die Verrechnungspreise verrechnet).
Fertigung (F):
Bezug
Menge
× Preis
Wert
Strom
12.000 kWh
0,50 €/kWh
6.000,00 €
Wasser
3.500 m³
2,00 €/m³
7.000,00 €
sekundäre GK Fertigung
13.000,00 €
Verwaltung (V):
Bezug
Menge
× Preis
Wert
Strom
4.000 kWh
0,50 €/kWh
2.000,00 €
Wasser
1.000 m³
2,00 €/m³
2.000,00 €
sekundäre GK Verwaltung
4.000,00 €
Schritt 10 — Gesamte Gemeinkosten der Hauptkostenstellen
Hauptkostenstelle
primäre GK
+ umgelegte (sekundäre) GK
= gesamte GK
Fertigung (F)
40.000,00 €
13.000,00 €
53.000,00 €
Verwaltung (V)
15.000,00 €
4.000,00 €
19.000,00 €
Summe
55.000,00 €
17.000,00 €
72.000,00 €
Schritt 11 — Rechenprobe (Kostenerhaltung)
Die gesamte innerbetriebliche Verrechnung darf keine Kosten erzeugen oder vernichten. Die Summe aller primären Gemeinkosten muss vollständig auf den Hauptkostenstellen ankommen:
Summe gesamte GK der Hauptstellen: 53.000,00 € + 19.000,00 € = 72.000,00 €
72.000,00 € = 72.000,00 € ✓ — die Umlage ist vollständig und exakt.
Gegenprobe des umgelegten Hilfskostenblocks: Die Hilfsstellen tragen zusammen 9.000 + 8.000 = 17.000,00 € an primären Kosten; genau 13.000,00 € + 4.000,00 € = 17.000,00 € wurden als sekundäre Gemeinkosten auf F und V verteilt. ✓
Mehrstufiger BAB als Lückentext, Rundung 2–4 Cent Toleranz → siehe 📋 Modalitäten.
Zur Aufgabe „Verteilungsschlüssel zurückrechnen" (Format A:B:C…): „Das ist ein Format, was gerne gesehen ist" — Rückrechnung von BAB-Zahlen auf den ursprünglichen Schlüssel ist eine gängige Klausur-Aufgabenform.
Schlüssel-Vollständigkeit: „Wenn hier oben drüber tatsächlich sechs Stellen stehen, dann sind Sie gut beraten [alle sechs auszuweisen, inkl. Nullen]."
Merkregel zur Schlüssel-Prüfung: „Achten Sie tatsächlich darauf, dass der kleinste Schlüssel eine Primzahl ist … Ansonsten sind wir hier auf der falschen Ebene unterwegs" (ggT-Methode, maximal gekürzt).
Zur Aufgabe „5 Verbesserungsvorschläge zur BAB-Darstellungsgrafik" (5 Punkte gefordert, er selbst kam auf 40 mögliche Kritikpunkte): bei „nennen Sie X Punkte"-Fragen reicht die geforderte Anzahl plausibler, sauber begründeter Punkte — es gibt sehr viel Spielraum in der Bewertung offener Fragen.
Bewertungserwartung
Bei „Interpretieren Sie die Kostenüberdeckung" wird nicht nur die reine Feststellung erwartet, sondern echte Interpretation heißt: „muss ich tätig werden mit entweder weiteren Analysen, um die Ursachen zu klären und/oder Maßnahmen, um die negativen Effekte […] abzustellen." Reine Zahlenangabe ohne Handlungsbezug ist unvollständig.
Bei Abweichungen >10 % der Gemeinkosten (z. B. Ist 100.000 vs. Normal 90.000) erwartet er, dass man das als auffällig/erklärungsbedürftig benennt — Gemeinkosten seien eigentlich gut prognostizierbar (Haupttreiber: Abschreibungen, Personal, Energie).
Bei den 40 möglichen Verbesserungspunkten zur BAB-Grafik: Farben zur Kategorisierung, sprechendere Abkürzungen statt VwGK/VVK, gezieltere Fettung/dünnere Linien, korrekte Pfeilrichtung (erst Summenbildung nach unten, dann Umlage nach rechts im Stufenleiterverfahren), Kennzeichnung der Selbstkosten als Ergebnis/Summe, fehlende Sondereinzelkosten ergänzen, realistischere Proportionen Einzel- vs. Gemeinkostenblock, Hinweis dass Zuschlagskalkulation nicht die einzige Methode ist.
Typische Fehler / Fallen
Verwechslung von Ist- und Normal-Zuschlagsätzen: Normal = vorher geplant/kalkuliert, Ist = im Nachhinein bekannt — nicht durcheinanderbringen bei Über-/Unterdeckungsrechnung.
Bei der Rückrechnung von Prozentanteilen zu Schlüsselzahlen: erst ganzzahligen Prozentwert ermitteln, dann per größtem gemeinsamem Teiler (ggT) maximal kürzen.
Verwaltungs-/Vertriebsgemeinkosten-Zuschlagsatz wird auf die Herstellkosten (nicht auf Material-Einzelkosten) bezogen — häufige Verwechslungsquelle der Zuschlagsbasis (siehe U11 für die vollständige Schema-Reihenfolge).
Fachliche Klarstellungen
Zuschlagsbasis für Materialgemeinkosten-Zuschlagsatz = Material-Einzelkosten (MEK); für Verwaltungs-/Vertriebsgemeinkosten-Zuschlagsatz = Herstellkosten (HK) = Summe aus Material- und Fertigungseinzelkosten sowie -gemeinkosten.
Kostenüberdeckung/-unterdeckung wird pro Kostenstelle einzeln UND aggregiert über die gesamte Kalkulation betrachtet — Einzeleffekte können sich teilweise gegenseitig aufheben („Mischkalkulation" — Begriff explizit als merkenswert markiert).
Bewertungsmaßstab für Über-/Unterdeckung: absolute Summe ins Verhältnis zu den Gesamtkosten setzen (Beispiel: 3.000 € von 550.000 € = 0,55 % → „das ist unternehmerisches Risiko, das halten wir aus"), nicht isoliert pro Kostenstelle beurteilen.
Auswirkung von Kalkulationsfehlern auf den Angebotspreis wird relativ zur Marge eingeschätzt (Beispiel: 15,5 % Marge, 30 % Rabattspielraum — kleine Kalkulationsabweichungen sind bei ausreichender Marge unkritisch für die Wettbewerbsposition).
Mehrstufiger BAB = Stufenleiterverfahren: Vorkostenstelle wird zuerst komplett belastet, dann per Schlüssel auf noch nicht abgerechnete Kostenstellen verteilt (nie Selbstbelastung, immer nur „nach rechts" auf noch offene Stellen).
Merksätze
„Kein Drama" / „Das ist unternehmerisches Risiko. Das halten wir aus." — Standardformulierung für tolerierbare kleine Kalkulationsabweichungen.
„Wir haben mal Glück, wir haben mal Pech, wir haben mal Gandhi" — Merksatz für die Normalität von wechselnden Über-/Unterdeckungen (Mischkalkulation; Wiederverwendung derselben Anekdote wie in U06, dort zur Regression).
📋 Gelöste Aufgaben zu diesem Thema
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Aufgabe #098 · 15 P. · Aufgabe | U08 #3a,Was ist der BAB, wozu dient er und welche Arbeitsschritte werden mit seiner Hilfe durchgeführt? Erläutern Sie ausführlich!
Was ist der BAB?
Der Betriebsabrechnungsbogen ist das zentrale tabellarische Hilfsmittel (Formblatt bzw. Rechenschema, heute meist eine Tabellenkalkulation) der Kostenstellenrechnung. Er ist als Matrix aufgebaut: In den Zeilen stehen die (Gemein-)Kostenarten, in den Spalten die Kostenstellen. Der BAB bildet das Bindeglied zwischen der Kostenartenrechnung (welche Kosten sind angefallen?) und der Kostenträgerrechnung (was kostet ein Produkt?), indem er die Frage beantwortet: Wo im Betrieb sind die Gemeinkosten entstanden?
Wozu dient er?
Verteilung der Gemeinkosten auf die Kostenstellen als Orte der Kostenentstehung (Kostenstelleneinzelkosten direkt, Kostenstellengemeinkosten über Verteilungsschlüssel).
Innerbetriebliche Leistungsverrechnung: Umlage der Kosten der Vor-/Hilfskostenstellen auf die Hauptkostenstellen.
Ermittlung der Gemeinkostenzuschlagssätze als Grundlage der Kalkulation (Kostenträgerrechnung).
Wirtschaftlichkeitskontrolle: Soll-Ist-Vergleich der Kosten je Kostenstelle, Aufdecken von Unwirtschaftlichkeiten, Ermittlung von Kostenüber-/-unterdeckungen.
Welche Arbeitsschritte werden mit seiner Hilfe durchgeführt?
Übernahme der primären Gemeinkosten aus der Kostenartenrechnung in den BAB (die Einzelkosten werden direkt dem Kostenträger zugerechnet und laufen am BAB vorbei).
Verteilung der primären Gemeinkosten auf die Kostenstellen: Kostenstelleneinzelkosten werden direkt zugeordnet, Kostenstellengemeinkosten mit Hilfe von Verteilungsschlüsseln (Mengen- oder Wertschlüssel, z.B. m2, kWh, Lohnsumme).
Innerbetriebliche Leistungsverrechnung: Umlage der Vorkostenstellen (allgemeine Kostenstellen/Hilfskostenstellen) auf die Hauptkostenstellen, z.B. per Anbau-, Stufenleiter- oder Gleichungsverfahren.
Summierung der Gemeinkosten je (End-)Kostenstelle: Bildung der gesamten Gemeinkosten pro Hauptkostenstelle.
Ermittlung der Gemeinkostenzuschlagssätze: Gemeinkosten der Kostenstelle geteilt durch die zugehörige Zuschlagsbasis (Einzelkosten) mal 100.
Auswertung/Kontrolle: Soll-Ist-Vergleich, Ermittlung von Kostenüber- oder -unterdeckung und Bereitstellung der Kalkulationssätze für die Kostenträgerrechnung.
Fazit: Der BAB ordnet die Gemeinkosten verursachungsgerecht den Kostenstellen zu, verrechnet innerbetriebliche Leistungen und liefert die Zuschlagssätze für eine genaue Kalkulation sowie die Basis für die Kostenkontrolle.
Aufgabe #110 · 20 P. · Aufgabe | U09 #1a (von #1_Gemeinkostenaufteilung, 20 P.)In einer Rechnungsperiode liefert die KLR nachfolgende Gemeinkosten, die entsprechend den angegebenen Schlüsseln zu verteilen sind; es existieren die Kostenstellen: Allgemeine Kostenstelle, Fertigungshilfsstelle, Materialstelle, Fertigungsstelle A und B, Verwaltungsstelle und Vertriebsstelle. Die Umlage der Allgemeinen Kostenstelle ist nach dem Schlüssel 6 : 15 : 10 : 8 : 6 : 5 durchzuführen; die Fertigungshilfskostenstelle ist auf die Fertigungsstellen A und B im Verhältnis 6 : 4 zu verteilen.
#1a — Verteilungsschlüssel: Gemeinkostenmaterial 50.000 EUR (Schlüssel 1:3:8:4:0:0:0) · Gehälter 200.000 EUR (2:4:3:3:2:8:3) · Sozialkosten 45.000 EUR (2:4:3:3:2:8:3) · Steuern 60.000 EUR (1:2:3:2:1:2:1) · Abschreibung 160.000 EUR (2:4:6:7:2:3:1). Bereiten Sie die Verteilungsschlüssel (Schlüsselsumme + Anteil je Kostenstelle) für alle fünf Gemeinkostenarten auf. Eine Excel-Vorlage befindet sich in den Downloads.
Prinzip: Der Verteilungsschlüssel wird in Einzelzahlen zerlegt; die Schlüsselsumme ist die Summe dieser Zahlen. Der Kostenanteil einer Stelle ergibt sich als Schlüsselzahl geteilt durch Schlüsselsumme, multipliziert mit dem Kostenbetrag.
Spalten-Reihenfolge: Allgemeine KS (Allg), Fertigungs-Hilfsstelle (HKS), Material (Mat), Fertigung A, Fertigung B, Verwaltung (Vw), Vertrieb (Vt).
Gemeinkosten
Schlüssel
Summe
Allg
HKS
Mat
A
B
Vw
Vt
Gemeinkostenmaterial
1:3:8:4:0:0:0
16
1
3
8
4
0
0
0
Gehälter
2:4:3:3:2:8:3
25
2
4
3
3
2
8
3
Sozialkosten
2:4:3:3:2:8:3
25
2
4
3
3
2
8
3
Steuern
1:2:3:2:1:2:1
12
1
2
3
2
1
2
1
Abschreibung
2:4:6:7:2:3:1
25
2
4
6
7
2
3
1
Umlage-Schlüssel der beiden Vorkostenstellen:
Umlage
Schlüssel
Summe
Empfänger
Allgemeine KS
6:15:10:8:6:5
50
HKS, Material, A, B, Vw, Vt
Fertigungs-HKS
6:4
10
Fertigung A, Fertigung B
Hinweis: Die Allgemeine KS gibt an alle übrigen Stellen ab (inkl. Fertigungs-HKS), die Fertigungs-HKS nur an die beiden Fertigungsstellen. Damit ist die Umlage-Reihenfolge für 1b festgelegt (Stufenleiter: erst Allgemeine KS, dann Fertigungs-HKS).
Gemeinkostenaufteilung – BAB mit Umlagen
Aufgabe #111 · 20 P. · Aufgabe | U09 #1b (von #1_Gemeinkostenaufteilung, 20 P.)Fortsetzung von #1a (gleiche Aufgabe, gleiche Kostenstellen und Schlüssel — siehe #1a). #1b — BAB: Verteilen Sie die Gemeinkosten (Gemeinkostenmaterial 50.000 · Gehälter 200.000 · Sozialkosten 45.000 · Steuern 60.000 · Abschreibung 160.000 EUR, Summe 1 = 515.000 EUR) mithilfe der in #1a ermittelten Schlüssel auf die Kostenstellen (Allgemeine Kostenstelle, Fertigungshilfskostenstelle, Material, Fertigung A, Fertigung B, Verwaltung, Vertrieb). Rechnen Sie anschließend die Umlage der Allgemeinen Kostenstelle (Summe 2) und die Umlage der Fertigungshilfskostenstelle (Summe 3). Eine Excel-Vorlage befindet sich in den Downloads.
Schritt 1 – Primärverteilung. Wert je Schlüsselpunkt = Betrag geteilt durch Schlüsselsumme:
Gemeinkostenmaterial: 50.000,00 / 16 = 3.125,00
Gehälter: 200.000,00 / 25 = 8.000,00
Sozialkosten: 45.000,00 / 25 = 1.800,00
Steuern: 60.000,00 / 12 = 5.000,00
Abschreibung: 160.000,00 / 25 = 6.400,00
Gemeinkosten
Betrag
Allg
HKS
Mat
A
B
Vw
Vt
Gemeinkostenmaterial
50.000,00
3.125,00
9.375,00
25.000,00
12.500,00
0,00
0,00
0,00
Gehälter
200.000,00
16.000,00
32.000,00
24.000,00
24.000,00
16.000,00
64.000,00
24.000,00
Sozialkosten
45.000,00
3.600,00
7.200,00
5.400,00
5.400,00
3.600,00
14.400,00
5.400,00
Steuern
60.000,00
5.000,00
10.000,00
15.000,00
10.000,00
5.000,00
10.000,00
5.000,00
Abschreibung
160.000,00
12.800,00
25.600,00
38.400,00
44.800,00
12.800,00
19.200,00
6.400,00
Summe 1
515.000,00
40.525,00
84.175,00
107.800,00
96.700,00
37.400,00
107.600,00
40.800,00
Schritt 2 – Umlage Allgemeine KS. 40.525,00 nach 6:15:10:8:6:5 (Summe 50), also 810,50 je Punkt:
HKS: 6 mal 810,50 = 4.863,00
Material: 15 mal 810,50 = 12.157,50
Fertigung A: 10 mal 810,50 = 8.105,00
Fertigung B: 8 mal 810,50 = 6.484,00
Verwaltung: 6 mal 810,50 = 4.863,00
Vertrieb: 5 mal 810,50 = 4.052,50
Zeile
HKS
Mat
A
B
Vw
Vt
Summe 1
84.175,00
107.800,00
96.700,00
37.400,00
107.600,00
40.800,00
Umlage Allg. KS
4.863,00
12.157,50
8.105,00
6.484,00
4.863,00
4.052,50
Summe 2
89.038,00
119.957,50
104.805,00
43.884,00
112.463,00
44.852,50
Schritt 3 – Umlage Fertigungs-HKS. 89.038,00 nach 6:4 auf A und B:
Fertigung A: 6/10 mal 89.038,00 = 53.422,80
Fertigung B: 4/10 mal 89.038,00 = 35.615,20
Endkostenstelle
Material
A
B
Verwaltung
Vertrieb
Summe 2
119.957,50
104.805,00
43.884,00
112.463,00
44.852,50
Umlage HKS
0,00
53.422,80
35.615,20
0,00
0,00
Summe 3
119.957,50
158.227,80
79.499,20
112.463,00
44.852,50
Kontrolle: 119.957,50 + 158.227,80 + 79.499,20 + 112.463,00 + 44.852,50 = 515.000,00 EUR (= Summe 1). Die Umlagen verschieben die Kosten nur, die Gesamtsumme bleibt erhalten.
Mehrstufiger BAB – Hilfskostenstellen eliminieren
Aufgabe #112 · Aufgabe | #2aEliminieren Sie sämtliche Hilfskostenstellen, indem Sie deren Kosten auf die beanspruchenden Kostenstellen verteilen (Stufenleiterverfahren in der Reihenfolge Ge, Dr, Fe). Die Primärkosten der Hilfskostenstellen betragen: Gebäude (Ge) = 7.600 EUR, Druckerei (Dr) = 2.100 EUR, Fertigungsvorbereitung (Fe) = 2.100 EUR. Die Beanspruchung (in Einheiten) durch die empfangenden Kostenstellen ist wie folgt:
Abgebende KS
Dr
Fe
M
F I
F II
Vw
Vt
Summe
Ge
2
1
6
6
8
10
5
38
Dr
–
–
2
4
4
11
4
25
Fe
–
–
–
10
13
–
–
23
Verfahren: Stufenleiter (Treppenverfahren) in der Reihenfolge Gebäudeverwaltung (Ge), dann Druckerei (Dr), dann Fertigungsvorbereitung (Fe). Jede Hilfsstelle wird vollständig auf die noch folgenden Stellen umgelegt; bereits entlastete Stellen erhalten nichts zurück. Der jeweils zu verteilende Betrag = Primärkosten der Hilfsstelle plus bereits erhaltene Umlagen.
Umlage Fe: 2.100,00 + 200,00 (von Ge) = 2.300,00; 2.300,00 / 23 = 100,00 je Einheit. Die Druckerei gibt laut Beanspruchungstabelle nichts an die Fertigungsvorbereitung ab; Fe erhält daher nur die Umlage von Ge (200,00).
Empfänger
F I
F II
Einheiten
10
13
Betrag
1.000,00
1.300,00
Alle drei Hilfsstellen sind damit vollständig entlastet (Saldo je 0,00).
Mehrstufiger BAB – Gemeinkosten je Hauptkostenstelle
Aufgabe #113 · Aufgabe | #2bErmitteln Sie die gesamten Gemeinkosten jeder Hauptkostenstelle.
Primäre Gemeinkosten je Kostenstelle (EUR):
Kostenstelle
Ge
Dr
Fe
M
F I
F II
Vw
Vt
Summe
Primäre GK
7.600
2.100
2.100
10.400
10.000
8.900
12.600
6.300
60.000
Gesamte Gemeinkosten je Hauptkostenstelle = primäre Kosten + Umlage Ge + Umlage Dr + Umlage Fe.
Aufgabe #114 · Aufgabe | #2cErmitteln Sie die Zuschlagssätze. Als weitere Informationen hierzu kennen Sie die Einzelkosten: MEK = 52.000 EUR, FEK I = 9.000 EUR, FEK II = 9.760 EUR
Herstellkosten als Zwischensumme (Bezugsbasis für Verwaltung/Vertrieb):
Kostenart
Betrag
MEK
52.000,00 €
+ Material-GK
11.800,00 €
+ FEK I
9.000,00 €
+ FGK I
12.600,00 €
+ FEK II
9.760,00 €
+ FGK II
12.200,00 €
= Herstellkosten (HK)
107.360,00 €
Zuschlagssätze (Gemeinkosten der Stelle ÷ zugehörige Bezugsgröße):
Kostenstelle
Gemeinkosten
Bezugsgröße
Rechnung
Zuschlagssatz
Material
11.800,00 €
MEK 52.000,00 €
11.800,00 / 52.000,00
22,69 %
Fertigung I
12.600,00 €
FEK I 9.000,00 €
12.600,00 / 9.000,00
140,00 %
Fertigung II
12.200,00 €
FEK II 9.760,00 €
12.200,00 / 9.760,00
125,00 %
Verwaltung
15.700,00 €
HK 107.360,00 €
15.700,00 / 107.360,00
14,62 %
Vertrieb
7.700,00 €
HK 107.360,00 €
7.700,00 / 107.360,00
7,17 %
Mehrstufiger BAB – Herstellkosten der Fertigung
Aufgabe #115 · Aufgabe | #2dWie hoch sind die Herstellkosten (der Fertigung)? Eine Excel-Vorlage befindet sich in den Downloads.
Herstellkosten (HK) der Fertigung = Einzelkosten + Gemeinkosten je Bereich.
Dieser Wert stimmt mit der in 2c ermittelten Bezugsbasis für die Verwaltungs- und Vertriebszuschläge überein.
BAB und Kalkulation
BAB Metallbau GmbH – Stufenleiter-Umlage
Aufgabe #116 · Aufgabe | #3aLegen Sie die Kosten der Allgemeinen Kostenstelle (Schlüssel 1) und der Fertigungshilfsstelle (Schlüssel 2) zunächst unter Anwendung des Stufenleiterverfahrens um.
Metallbau GmbH · Monat April 2026 — vorläufige Werte (primäre Gemeinkosten) und Umlageschlüssel:
Kostenstelle
Summen
Allgem. KSt
Material
Fertigung I
Fertigung II
Fert.-hilfsstelle
Verwaltung
Vertrieb
vorläufige Werte (EUR)
351.000
18.000
8.000
130.000
65.000
25.000
45.000
60.000
Schlüssel 1 (cbm)
8.200
0
1.400
2.400
1.600
400
2.000
400
Schlüssel 2 (Verhältnis)
—
—
—
2
1
—
—
—
Schlüssel 1: Umlage der Allgemeinen Kostenstelle (cbm) auf alle nachfolgenden Stellen. Schlüssel 2: Umlage der Fertigungshilfsstelle auf Fertigung I : Fertigung II = 2 : 1.
Vorläufige Werte (primäre GK): Summe 351.000,00; Allgemeine KS 18.000,00; Material 8.000,00; Fertigung I 130.000,00; Fertigung II 65.000,00; Fertigungshilfsstelle (Fhs) 25.000,00; Verwaltung 45.000,00; Vertrieb 60.000,00.
Umlage 2 – Fertigungshilfsstelle nach Schlüssel 2 (Verhältnis 2:1) auf Fertigung I und II. Zu verteilen: 25.878,05.
Fertigung I: 2/3 mal 25.878,05 = 17.252,03
Fertigung II: 1/3 mal 25.878,05 = 8.626,02
Endkostenstelle
Mat
F I
F II
Vw
Vt
Zwischensumme
11.073,17
135.268,29
68.512,20
49.390,24
60.878,05
Umlage 2
0,00
17.252,03
8.626,02
0,00
0,00
Endsumme
11.073,17
152.520,32
77.138,21
49.390,24
60.878,05
Gerundete Endsummen für die Zuschlagsrechnung (3b): Material 11.073; Fertigung I 152.520; Fertigung II 77.138; Verwaltung 49.390,24; Vertrieb 60.878,05.
BAB Metallbau GmbH – Ist-Zuschlagssätze
Aufgabe #117 · Aufgabe | #3bErmitteln Sie dann die Ist-Zuschlagssätze für die Kalkulation (es gibt keine Bestandsveränderungen und keine aktivierten Eigenleistungen).
Zuschlagsgrundlagen (Einzelkosten): MEK = 80.000 EUR · FEK I = 350.000 EUR · FEK II = 110.000 EUR.
Zuschlagsgrundlagen:MEK = 80.000,00; FEK I = 350.000,00; FEK II = 110.000,00.
HK des Umsatzes (Basis für Verwaltung und Vertrieb, keine Bestandsveränderungen):
HK = MEK + MGK + FEK I + FGK I + FEK II + FGK II HK = 80.000 + 11.073 + 350.000 + 152.520 + 110.000 + 77.138 = 780.731,00
Ist-Zuschlagssätze:
MGK: 11.073,00 / 80.000,00 = 0,1384 = 13,84 %
FGK I: 152.520,00 / 350.000,00 = 0,4358 = 43,58 %
FGK II: 77.138,00 / 110.000,00 = 0,7013 = 70,13 %
VwGK: 49.390,24 / 780.731,00 = 0,0633 = 6,33 %
VtrGK: 60.878,05 / 780.731,00 = 0,0780 = 7,80 %
Zuschlag
GK
Basis
Satz
Material
11.073,00
80.000,00
13,84 %
Fertigung I
152.520,00
350.000,00
43,58 %
Fertigung II
77.138,00
110.000,00
70,13 %
Verwaltung
49.390,24
780.731,00
6,33 %
Vertrieb
60.878,05
780.731,00
7,80 %
BAB Metallbau GmbH – Selbstkosten eines Auftrags
Aufgabe #118 · Aufgabe | #3cErmitteln Sie unter Verwendung der Zuschlagssätze die Selbstkosten für einen Auftrag, bei dem 300 EUR Materialeinzelkosten, 800 EUR Fertigungslöhne für Stufe I, 300 EUR Fertigungslöhne für Stufe II, 100 EUR Sondereinzelkosten der Fertigung sowie 85,15 EUR Sondereinzelkosten des Vertriebs anfallen. Der BAB mit den notwendigen Angaben befindet sich in der Excel-Vorlage.
Auftragsdaten:MEK 300,00; FEK Stufe I 800,00; FEK Stufe II 300,00; SEK der Fertigung (SEK/F) 100,00; SEK des Vertriebs (SEK/V) 85,15. Zuschläge aus 3b: 13,84 %; 43,58 %; 70,13 %; 6,33 %; 7,80 %.
Aufgabe #119 · Aufgabe | U09, offizielle Excel-Vorlage „BAB Stufenleiterverfahren Vollkostenrechnung“Betriebsabrechnung im Stufenleiterverfahren als Vollkostenrechnung.
A) Einzelkosten: Fertigungsmaterial 320.000 EUR (Material); Fertigungslohn 180.000 EUR (davon 80.000 EUR Fertigung I / 100.000 EUR Fertigung II).
B) Gemeinkosten je Kostenstelle (EUR):
Kostenart
Summe
Reparatur
Transport
Material
Fertigung I
Fertigung II
Verwaltung
Vertrieb
Gehälter
148.000
6.000
4.000
14.000
6.000
14.000
64.000
40.000
Energie
50.000
2.000
2.000
3.000
10.000
28.000
4.000
1.000
Versicherungen
23.000
1.000
2.000
2.000
5.000
5.000
4.000
4.000
Abschreibungen
200.000
16.000
10.000
14.000
50.000
92.000
16.000
2.000
andere GK
150.000
31.000
12.000
37.000
25.000
29.000
12.000
4.000
C) Nebenrechnung (Leistungsbeanspruchung):
Leistende KSt
Bezugsgröße
Transport
Material
Fertigung I
Fertigung II
Verwaltung
Vertrieb
Summe
Verrechnungssatz
Reparatur
Std.
20
40
150
180
70
100
560
100 EUR/Std.
Transport
m³
–
600
900
1.400
100
200
3.200
10 EUR/m³
Führen Sie die Betriebsabrechnung im Stufenleiterverfahren durch (Reparatur zuerst, dann Transport), ermitteln Sie die Zuschlagssätze (Bezugsbasis Material-EK bzw. Fertigungslohn bzw. Herstellkosten) und die Herstellkosten.
Zusatzbeispiel aus der Vorlesung: Stufenleiter-BAB (Vollkostenrechnung). Vorkostenstellen Reparatur (Rep) und Transport (Trans); Endkostenstellen Material (M), Fertigung I (F I), Fertigung II (F II), Verwaltung (Vw), Vertrieb (Vt).
Aufgabe #120 · Aufgabe | U09, offizielle Excel-Vorlage „Vollkostenrechnung: Herstellung einer Badewanne“Vollkostenrechnung: Herstellung einer Badewanne, zwei Fälle. Gegeben: Fall 1 — Materialeinzelkosten (MEK) 100 EUR, Fertigungseinzelkosten I (FEK I) 40 EUR, Fertigungseinzelkosten II (FEK II) 40 EUR. Fall 2 — MEK 150 EUR, FEK I 40 EUR, FEK II 60 EUR. Zuschlagssätze: Materialgemeinkosten 25 % (auf MEK), Fertigungsgemeinkosten I 150 % (auf FEK I), Fertigungsgemeinkosten II 200 % (auf FEK II), Verwaltungsgemeinkosten 12 % (auf HK), Vertriebsgemeinkosten 7 % (auf HK). Ermitteln Sie für beide Fälle die Herstellkosten und die Selbstkosten sowie die Differenz (Delta) zwischen Fall 1 und Fall 2.
Zusatzbeispiel: Vollkosten-Kalkulation einer Badewanne mit den Zuschlagssätzen aus dem Stufenleiter-BAB (Z1): MGK 25 %, FGK I 150 %, FGK II 200 %, VwGK 12 %, VtrGK 7 %.
Position
Fall 1
Fall 2
Materialeinzelkosten (MEK)
100,00
150,00
+ Materialgemeinkosten (25 %)
25,00
37,50
Fertigungseinzelkosten I (FEK I)
40,00
40,00
+ Fertigungsgemeinkosten I (150 %)
60,00
60,00
Fertigungseinzelkosten II (FEK II)
40,00
60,00
+ Fertigungsgemeinkosten II (200 %)
80,00
120,00
= Herstellkosten (HK)
345,00
467,50
+ Verwaltungsgemeinkosten (12 %)
41,40
56,10
+ Vertriebsgemeinkosten (7 %)
24,15
32,73
= Selbstkosten (SK)
410,55
556,33
Differenz Fall 2 zu Fall 1:Herstellkosten +122,50 EUR (467,50 minus 345,00); Selbstkosten +145,78 EUR (556,33 minus 410,55; exakt 556,325 minus 410,55 = 145,775, kaufmännisch gerundet 145,78). Die Materialeinzelkosten steigen um 50,00, die Fertigungseinzelkosten II um 20,00 – die prozentualen Zuschläge verstärken diese Erhöhung zusätzlich.
Betriebsabrechnung II (Sekundärkosten)
BAB mit Ist- und Normalkosten
Zuschlagsbasis Materialbereich benennen
Aufgabe #121 · Aufgabe | #1aBenennen Sie die Zuschlagsbasis für den Materialbereich.
Gegeben (gilt für die gesamte Aufgabe 1):
Bereich
Material
Fertigung I
Fertigung II
Verwaltung
Vertrieb
Ist-Gemeinkosten (EUR)
50.000
100.000
60.000
20.000
30.000
Normal-Zuschlagssatz
26 %
180 %
170 %
5 %
5,6 %
Einzelkosten (Zuschlagsbasis): MEK = 200.000 EUR · FEK I = 50.000 EUR · FEK II = 40.000 EUR.
Zuschlagsbasis Material = Materialeinzelkosten (MEK).
Begründung: In der Zuschlagskalkulation werden die Gemeinkosten einer Kostenstelle als prozentualer Aufschlag auf eine leicht erfassbare, verursachungsnahe Einzelkostengröße verrechnet. Für den Materialbereich sind das die Materialeinzelkosten. Im Zettel ist die Basis-Höhe mit 200.000,00 € angegeben, was den MEK entspricht.
Aufgabe #122 · Aufgabe | #1bBenennen Sie die Zuschlagsbasis für die Gemeinkosten der Bereiche Verwaltung und Vertrieb. (Im Original sind an dieser Stelle Angaben der Folge-Teilaufgaben #1c–#1f eingeflatscht — u.a. die Normal-Zuschlagssätze Material 26 %, Fertigung I 180 %, Fertigung II 170 %, Verwaltung 5 %, Vertrieb 5,6 %; diese gehören zu den entsprechenden Teilaufgaben weiter unten.)
Zuschlagsbasis für Verwaltung und Vertrieb = Herstellkosten des Umsatzes (HK).
Begründung: Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten lassen sich keinem einzelnen Einzelkostenbereich zuordnen. Sie werden deshalb auf die gesamten Herstellkosten aufgeschlagen. Beide Bereiche verwenden die gleiche Basis (HK). Da laut Aufgabe keine Bestandsveränderungen an unfertigen und fertigen Erzeugnissen vorliegen, sind Herstellkosten der Produktion und Herstellkosten des Umsatzes identisch.
Höhe der Zuschlagsbasis (Herstellkosten) ermitteln
Aufgabe #123 · Aufgabe | #1cErmitteln Sie die Höhe der Zuschlagsbasis für Verwaltungs- und Vertriebs-GK. Es liegen keine Bestandsveränderungen an unfertigen- und Fertigerzeugnissen vor.
Die Herstellkosten setzen sich aus den Einzel- und Gemeinkosten der Bereiche Material und Fertigung zusammen. Da keine Bestandsveränderungen vorliegen, entsprechen die Herstellkosten der Produktion den Herstellkosten des Umsatzes.
HK = MEK + Material-GK + FEK I + Fertigungs-GK I + FEK II + Fertigungs-GK II
Bestandteil
Betrag (€)
MEK
200.000,00
Material-GK (Ist)
50.000,00
FEK I
50.000,00
Fertigungs-GK I (Ist)
100.000,00
FEK II
40.000,00
Fertigungs-GK II (Ist)
60.000,00
Herstellkosten (HK)
500.000,00
Zuschlagsbasis für Verwaltung und Vertrieb = 500.000,00 €.
Kontrolle über die Ist-Sätze: 20.000,00 / 500.000,00 = 4,00 % (Verwaltung) und 30.000,00 / 500.000,00 = 6,00 % (Vertrieb) — passt zu den vorgegebenen Ist-Zuschlagssätzen.
Ist-Zuschlagssätze aller Bereiche
Aufgabe #124 · Aufgabe | #1dErmitteln Sie für alle Bereiche die Ist-Zuschlagssätze
Aufgabe #125 · Aufgabe | #1eErmitteln Sie für alle Bereiche die Normal-Gemeinkosten in EUR.
Normal-Gemeinkosten = Normal-Zuschlagssatz x Zuschlagsbasis. Die Zuschlagsbasis (Einzelkosten bzw. HK) bleibt gegenüber der Istrechnung unverändert; verrechnet wird mit dem vorgegebenen Normal-Zuschlagssatz.
Bereich
Normal-Satz
Basis (€)
Rechnung
Normal-GK (€)
Material
26,00 %
200.000,00
0,26 x 200.000
52.000,00
Fertigung I
180,00 %
50.000,00
1,80 x 50.000
90.000,00
Fertigung II
170,00 %
40.000,00
1,70 x 40.000
68.000,00
Verwaltung
5,00 %
500.000,00
0,05 x 500.000
25.000,00
Vertrieb
5,60 %
500.000,00
0,056 x 500.000
28.000,00
Summe
263.000,00
Kostenüber-/-unterdeckung je Bereich und gesamt
Aufgabe #126 · Aufgabe | #1fErmitteln Sie die Kostenüberdeckungen bzw. Kostenunterdeckungen je Bereich sowie insgesamt.
Die Über-/Unterdeckung ergibt sich als Differenz zwischen den mit Normal-Sätzen verrechneten Gemeinkosten und den tatsächlich angefallenen Ist-Gemeinkosten:
Deckung = Normal-GK − Ist-GK. Ein positiver Wert bedeutet, dass mehr verrechnet als angefallen ist (Kostenüberdeckung), ein negativer Wert eine Kostenunterdeckung.
Aufgabe #127 · Aufgabe | #1gInterpretieren Sie anschließend Ihre Ergebnisse aus Teilaufgabe 1f. Wie ist die gesamte Kostenüberdeckung zu erklären?: …
Die gesamte Kostenüberdeckung von 3.000,00 € bedeutet: Über die Normal-Zuschlagssätze wurden in der Kalkulation rund 3.000,00 € mehr Gemeinkosten verrechnet, als tatsächlich (als Istkosten) angefallen sind. Das Unternehmen hat also leicht zu hoch kalkuliert — eine kleine Sicherheitsreserve.
Entscheidend ist die Größenordnung. Man setzt die Überdeckung ins Verhältnis zu den gesamten Istkosten:
Anteil der Überdeckung = 3.000,00 / 550.000,00 = 0,55 %.
Interpretation: Die Überdeckung ist mit rund 0,55 % der Gesamtkosten sehr gering. Die Normal-Zuschlagssätze waren also sehr genau gewählt — die Normalkostenrechnung bildet die tatsächliche Kostenlage nahezu exakt ab. Zwar gab es in einzelnen Bereichen größere Abweichungen (Fertigung I −10.000 Unterdeckung, Fertigung II +8.000 Überdeckung), diese heben sich im Saldo aber weitgehend auf, sodass insgesamt nur eine minimale Überdeckung verbleibt.
Mehrstufiger BAB — fehlende Werte ergänzen
Aufgabe #128 · 10 P. · Aufgabe | U10 #2a (von #2_Mehrstufiger_BAB, 10 P.)In einer Rechnungsperiode liefert die KLR die nachfolgenden Gemeinkosten, die entsprechend den angegebenen Schlüsseln zu verteilen sind; es existieren die Kostenstellen: Allgemeine Kostenstelle, Fertigungshilfsstelle, Materialstelle, Fertigungsstelle A und B, Verwaltungsstelle und Vertriebsstelle. Die Umlage der Allgemeinen Kostenstelle ist nach dem angegebenen Schlüssel vorzunehmen, die Kosten der Fertigungshilfskostenstelle sind den Fertigungsstellen A und B im angegebenen Verhältnis zu belasten.
Gegeben: Gemeinkostenmaterial 55.000 EUR (Schlüssel 1:3:8:4:0:0:0) · Gehälter 175.000 EUR (2:4:3:3:2:8:3) · Sozialkosten 40.000 EUR (2:4:3:3:2:8:3) · Steuern 65.000 EUR (1:2:3:2:1:2:1) · Abschreibung 155.000 EUR (2:4:6:7:2:3:1) — Summe 1 = 490.000 EUR. Umlage Allgemeine Kostenstelle nach 6:15:10:8:6:5, Umlage Fertigungshilfskostenstelle nach 7:3. Ergänzen Sie die fehlenden 10 Werte des BAB (fette rote Umrandung) in der nachfolgenden Tabelle (Taschenrechner!) oder in der Excel-Vorlage.
Stufenleiterverfahren. Zürst Primärverteilung der fünf Kostenarten über die vorgegebenen Schlüssel, dann Sekundärverteilung (Umlage der Vorkostenstellen).
Schritt 1 — Primärverteilung (KLR-Zahl x Schlüsselanteil):
Kostenart
KLR (€)
Allg. KSt
Fert.-Hilfs
Material
A
B
Verwaltung
Vertrieb
Gemeinkostenmaterial
55.000,00
3.437,50
10.312,50
27.500,00
13.750,00
0,00
0,00
0,00
Gehälter
175.000,00
14.000,00
28.000,00
21.000,00
21.000,00
14.000,00
56.000,00
21.000,00
Sozialkosten
40.000,00
3.200,00
6.400,00
4.800,00
4.800,00
3.200,00
12.800,00
4.800,00
Steuern
65.000,00
5.416,67
10.833,33
16.250,00
10.833,33
5.416,67
10.833,33
5.416,67
Abschreibung
155.000,00
12.400,00
24.800,00
37.200,00
43.400,00
12.400,00
18.600,00
6.200,00
Summe 1
490.000,00
38.454,17
80.345,83
106.750,00
93.783,33
35.016,67
98.233,33
37.416,67
Schritt 2 — Umlage der Allgemeinen Kostenstelle (Summe 1 = 38.454,17 € nach Schlüssel 6 : 15 : 10 : 8 : 6 : 5, Summe der Schlüsselzahlen = 50):
Aufgabe #129 · 3 P. · Aufgabe | 3 P. | #3aDie Abbildung zeigt den Vollkosten-BAB nach Stufenleiterverfahren der ACME GmbH. Ermitteln Sie die verwendeten Verteilungsschlüssel (Format A : B : C : …) für: #3a) Gemeinkostenmaterial und #3b) Allgemeine Kostenstelle.
Vollkosten-BAB (Stufenleiterverfahren), Beträge in EUR:
Gemeinkosten
Zahlen der KLR
Allgem. Kst.
Fert.-hilfskst.
Material
A
B
Verwaltung
Vertrieb
Gemeinkostenmaterial
55.000
5.500
22.000
11.000
16.500
0
0
0
Gehälter
175.000
6.737,50
26.915
33.652,50
20.195
13.457,50
53.847,50
20.195
Sozialkosten
40.000
3.200
6.400
4.800
4.800
3.200
12.800
4.800
Steuern
65.000
4.335,50
8.664,50
13.000
8.664,50
4.335,50
21.664,50
4.335,50
Abschreibung
155.000
12.400
24.800
37.200
43.400
12.400
18.600
6.200
Summe 1
32.173
Umlage der Allg. KSt.
3.860,76
9.651,90
6.434,60
5.147,68
3.860,76
3.217,30
Summe 2 (Fert.-hilfskst.)
92.640,26
Umlage der Fertigungs-HKS
27.792,08
64.848,18
Die Schlüssel werden aus der fertigen BAB-Zeile rückgerechnet: jeder verteilte Betrag wird durch die Gesamtsumme der Kostenart geteilt.
Gesamtsumme Gemeinkostenmaterial = 55.000,00 €.
Stelle
Betrag (€)
Anteil
Prozent
Allg. Kst.
5.500,00
5.500/55.000
10,00 %
Fert.-Hilfs
22.000,00
22.000/55.000
40,00 %
Material
11.000,00
11.000/55.000
20,00 %
A
16.500,00
16.500/55.000
30,00 %
B
0,00
0
0,00 %
Verwaltung
0,00
0
0,00 %
Vertrieb
0,00
0
0,00 %
Ganzzahliges Verhältnis: 10 : 40 : 20 : 30 : 0 : 0 : 0. Kürzen durch den größten gemeinsamen Teiler (ggT = 10):
Aufgabe #130 · 4 P. · Aufgabe | 4 P. | #3bDie Abbildung zeigt den Vollkosten-BAB nach Stufenleiterverfahren der ACME GmbH. Ermitteln Sie die verwendeten Verteilungsschlüssel (Format A : B : C : …) für: #3a) Gemeinkostenmaterial und #3b) Allgemeine Kostenstelle.
Vollkosten-BAB (Stufenleiterverfahren), Beträge in EUR:
Gemeinkosten
Zahlen der KLR
Allgem. Kst.
Fert.-hilfskst.
Material
A
B
Verwaltung
Vertrieb
Gemeinkostenmaterial
55.000
5.500
22.000
11.000
16.500
0
0
0
Gehälter
175.000
6.737,50
26.915
33.652,50
20.195
13.457,50
53.847,50
20.195
Sozialkosten
40.000
3.200
6.400
4.800
4.800
3.200
12.800
4.800
Steuern
65.000
4.335,50
8.664,50
13.000
8.664,50
4.335,50
21.664,50
4.335,50
Abschreibung
155.000
12.400
24.800
37.200
43.400
12.400
18.600
6.200
Summe 1
32.173
Umlage der Allg. KSt.
3.860,76
9.651,90
6.434,60
5.147,68
3.860,76
3.217,30
Summe 2 (Fert.-hilfskst.)
92.640,26
Umlage der Fertigungs-HKS
27.792,08
64.848,18
Die Allgemeine Kostenstelle wird auf sechs nachgelagerte Stellen umgelegt. Bezugsgröße ist ihre Summe 1 = 32.173,00 €. Jeder Umlagebetrag wird durch diese Summe geteilt.
Aufgabe #131 · 2 P. · Aufgabe | 2 P. | #3cDie Abbildung zeigt den Vollkosten-BAB nach Stufenleiterverfahren der ACME GmbH. Ermitteln Sie den verwendeten Verteilungsschlüssel (Format A : B) für die Fertigungshilfskostenstelle.
Vollkosten-BAB (Stufenleiterverfahren), Beträge in EUR:
Gemeinkosten
Zahlen der KLR
Allgem. Kst.
Fert.-hilfskst.
Material
A
B
Verwaltung
Vertrieb
Gemeinkostenmaterial
55.000
5.500
22.000
11.000
16.500
0
0
0
Gehälter
175.000
6.737,50
26.915
33.652,50
20.195
13.457,50
53.847,50
20.195
Sozialkosten
40.000
3.200
6.400
4.800
4.800
3.200
12.800
4.800
Steuern
65.000
4.335,50
8.664,50
13.000
8.664,50
4.335,50
21.664,50
4.335,50
Abschreibung
155.000
12.400
24.800
37.200
43.400
12.400
18.600
6.200
Summe 1
32.173
Umlage der Allg. KSt.
3.860,76
9.651,90
6.434,60
5.147,68
3.860,76
3.217,30
Summe 2 (Fert.-hilfskst.)
92.640,26
Umlage der Fertigungs-HKS
27.792,08
64.848,18
Die Fertigungs-Hilfskostenstelle wird ausschließlich auf die beiden Fertigungshauptstellen A und B umgelegt. Bezugsgröße ist ihre Summe 2 = 92.640,26 €.
Aussagekraft der Vollkostenrechnungs-Abbildung verbessern (5 Vorschläge)
Aufgabe #132 · Aufgabe | #4aDie Abbildung stellt die typische Funktionsweise der Kostenrechnung als Vollkostenrechnung nahezu vollständig dar. Dennoch lässt sich die Aussagekraft der Abbildung verbessern. Erläutern Sie dazu fünf verschiedene Vorschläge!
Hinweis: Für #4 liegt kein offizieller Lösungsvorschlag vor — offene Begründungsaufgabe. Die Abbildung zeigt die dreistufige Vollkostenrechnung (Kostenarten- → Kostenstellen- → Kostenträgerrechnung). Fünf begründete Verbesserungsvorschläge:
1. Trennung von Einzel- und Gemeinkosten sichtbar machen. Die Abbildung sollte deutlich zeigen, dass Einzelkosten direkt (an der Kostenstellenrechnung vorbei) dem Kostenträger zugerechnet werden, während nur die Gemeinkosten den Weg über die Kostenstellenrechnung nehmen. Ein separater Direkt-Pfeil von der Kostenartenrechnung zur Kostenträgerrechnung macht das zentrale Prinzip der Zuschlagskalkulation erst nachvollziehbar.
2. Die drei Stufen explizit benennen und abgrenzen. Kostenartenrechnung (Welche Kosten sind angefallen?), Kostenstellenrechnung (Wo sind sie angefallen?) und Kostenträgerrechnung (Wofür sind sie angefallen?) sollten klar beschriftet sein — inklusive der Leitfragen. So wird die Funktion jeder Stufe unmittelbar verständlich, statt nur den Kostenfluss zu zeigen.
3. Innerbetriebliche Leistungsverrechnung ergänzen. Innerhalb der Kostenstellenrechnung fehlt häufig die Umlage der Vor-/Hilfskostenstellen auf die Hauptkostenstellen (Stufenleiter-/Gleichungsverfahren). Ein Hinweis oder Teilpfeil auf diese Sekundärverteilung zeigt, dass Gemeinkosten nicht direkt, sondern erst nach Umlage in die Zuschlagssätze eingehen — genau der Stoff aus Aufgabe 2 und 3.
4. Kostenträgerstückrechnung und Kostenträgerzeitrechnung unterscheiden. Die Kostenträgerrechnung sollte in ihre zwei Ausprägungen aufgeteilt werden: die Kalkulation (Stückrechnung, Selbstkosten pro Einheit) und die kurzfristige Erfolgsrechnung (Zeitrechnung, Betriebsergebnis der Periode). Beide erfüllen unterschiedliche Zwecke; ihre Trennung erhöht die Aussagekraft erheblich.
5. Bezug zu Erlösen und Betriebsergebnis herstellen. Die Abbildung endet meist bei den Kosten. Ein ergänzender Block Erlöse / Leistungen mit der Gegenüberstellung Kosten vs. Erlöse = Betriebsergebnis zeigt, wofür die Vollkostenrechnung letztlich dient (Preisuntergrenze, Erfolgsermittlung). Ohne diese Verknüpfung bleibt der betriebswirtschaftliche Zweck unvollständig.
(Weitere mögliche Ansätze zur Auswahl: Kostenfluss-Richtung mit eindeutigen Pfeilen kennzeichnen; eine Legende für Abkürzungen ergänzen; die Grenzen der Vollkostenrechnung — Proportionalisierung fixer Kosten — als Fußnote andeuten.)
Aufgabe #181 · 8 P. · Aufgabe |Hilfskostenstellen Arbeitsvorbereitung (H1), Qualitätskontrolle (H2), Hauptkostenstelle Endmontage (H3). Leistungsbeziehungen Juni: H1 gibt 50 Std / 60 Std / Rest, Summe 100 Std, primäre Stellenkosten 40.000 EUR davon fix 20.000 EUR. H2: 80 Std / 20 Std / Rest, Summe 100 Std, primäre Stellenkosten 40.200 EUR davon fix 10.200 EUR. Teilkostenbasis = nur variable Kosten (Primär minus fix) verrechnen. Ermitteln Sie die innerbetrieblichen Verrechnungspreise nach dem Stufenleiterverfahren; die Stelle mit den wenigsten empfangenen Leistungen wird zürst verrechnet. Interpretation der Std.-Verteilung sauber begründen.
📝 Ausformulierte Lösung
Gegebene Daten und Deutung der Stunden
Es liegt eine Von-An-Matrix vor: die Zeile nennt die leistende Stelle (Von), die Spalten die empfangenden Stellen (An). Entscheidend ist die ausdrücklich vorgegebene Summe 100 Std je Hilfskostenstelle — sie ist die Leistungsabgabe an andere Stellen (der Eigenverbrauch auf der Diagonale zählt nicht mit).
Begründung der Std.-Verteilung (das ist der Knackpunkt der Aufgabe):
Diagonale = Eigenverbrauch (H1→H1 = 50 Std, H2→H2 = 20 Std). Eine Stelle belastet sich nicht selbst — der Eigenverbrauch bleibt außen vor.
Die vorgegebene Summe = 100 Std ist die Abgabe an die anderen Stellen. Der Posten „Rest" ist damit die Abgabe an H3 als Ausgleich auf 100 Std:
H1: Abgabe an H2 = 60 Std → Rest an H3 = 100 − 60 = 40 Std.
H2: Abgabe an H1 = 80 Std → Rest an H3 = 100 − 80 = 20 Std.
Hinweis: Eine Lesart mit „an H3 = 100 Std je Stelle" ist auszuschließen, weil die Zeilensummen dann 210 bzw. 200 Std ergäben und die gegebene „Summe 100 Std" verletzt würde.
Auf Teilkostenbasis werden nur die variablen Stellenkosten verrechnet:
Schritt 2 — Verrechnungsreihenfolge festlegen
Maßgeblich ist die von anderen Stellen empfangene Leistung:
H1 empfängt von H2 = 80 Std.
H2 empfängt von H1 = 60 Std.
Da H2 mit 60 Stdweniger empfängt als H1 (80 Std), wird H2 zürst verrechnet. Reihenfolge der Stufenleiter: H2 → H1 → H3. Die Rückbeziehung H1→H2 wird nicht rückbelastet (charakteristische Vereinfachung des Stufenleiterverfahrens).
Schritt 3 — Verrechnung der 1. Stelle: H2 (Qualitätskontrolle)
H2 gibt an alle nachfolgenden Stellen (H1 und H3) ab; der Eigenverbrauch von 20 Std bleibt außen vor.
Weiterbelastung:
Kontrolle Stufe 1: ✓ (vollständig verteilt).
Schritt 4 — Verrechnung der 2. Stelle: H1 (Arbeitsvorbereitung)
Umzulegende Kosten von H1 = eigene variable Primärkosten plus die von H2 empfangenen Sekundärkosten:
H1 gibt jetzt nur noch an die noch nicht abgerechnete Stelle H3 ab (H1→H2 = 60 Std entfällt: keine Rückbelastung; Eigenverbrauch 50 Std entfällt ebenfalls):
Weiterbelastung:
Schritt 5 — Gegenprobe an der Hauptkostenstelle H3 (Endmontage)
Das entspricht exakt der Summe der variablen Primärkosten beider Hilfskostenstellen:
Die Gesamtkostensumme bleibt über alle Stufen konstant — die Verrechnung ist geschlossen.
Ergebnis — Innerbetriebliche Leistungsverrechnung
Hilfskostenstelle
Verrechnungspreis (Teilkosten)
H2 — Qualitätskontrolle (zürst verrechnet)
300,00 €/Std
H1 — Arbeitsvorbereitung (danach verrechnet)
1.100,00 €/Std
Die gesamte innerbetriebliche Leistung schlägt sich mit 50.000 € variabel auf der Hauptkostenstelle Endmontage (H3) nieder.
BAB — Verteilungsschlüssel im Stufenleiterverfahren
Aufgabe #201 · 9 P. · Aufgabe |Der folgende vollständig ausgefüllte Vollkosten-BAB (Stufenleiterverfahren) der ACME GmbH liegt vor (Beträge in EUR). Ermitteln Sie die verwendeten Verteilungsschlüssel (Format A : B : C : …) für: a) 3 P. Gemeinkostenmaterial · b) 4 P. Allgemeine Kostenstelle · c) 2 P. Fertigungshilfskostenstelle.
Gemeinkosten
Zahlen der KLR
Allgem. Kst.
Fert.-hilfskst.
Material
A
B
Verwaltung
Vertrieb
Gemeinkostenmaterial
55.000
5.500
22.000
11.000
16.500
0
0
0
Gehälter
175.000
6.737,50
26.915
33.652,50
20.195
13.457,50
53.847,50
20.195
Sozialkosten
40.000
3.200
6.400
4.800
4.800
3.200
12.800
4.800
Steuern
65.000
4.335,50
8.664,50
13.000
8.664,50
4.335,50
21.664,50
4.335,50
Abschreibung
155.000
12.400
24.800
37.200
43.400
12.400
18.600
6.200
Summe 1
32.173
Umlage der Allg. Kst.
3.860,76
9.651,90
6.434,60
5.147,68
3.860,76
3.217,30
Summe 2 (Fert.-hilfskst.)
92.640,26
Umlage der Fert.-hilfskst.
27.792,08
64.848,18
Original-Klausuraufgabe (Scan)
📝 Ausformulierte Lösung
Gegebener (vollständig ausgefüllter) BAB:
Gemeinkosten
Zahlen der KLR
Allgemeine Kst.
Fertig.-hilfs-kst.
Material
A
B
Verwaltung
Vertrieb
Gemeinkostenmaterial
55.000,00
5.500,00
22.000,00
11.000,00
16.500,00
0,00
0,00
0,00
Gehälter
175.000,00
6.737,50
26.915,00
33.652,50
20.195,00
13.457,50
53.847,50
20.195,00
Sozialkosten
40.000,00
3.200,00
6.400,00
4.800,00
4.800,00
3.200,00
12.800,00
4.800,00
Steuern
65.000,00
4.335,50
8.664,50
13.000,00
8.664,50
4.335,50
21.664,50
4.335,50
Abschreibung
155.000,00
12.400,00
24.800,00
37.200,00
43.400,00
12.400,00
18.600,00
6.200,00
Summe 1
32.173,00
Umlage der Allg. Kst.
3.860,76
9.651,90
6.434,60
5.147,68
3.860,76
3.217,30
Summe 2
92.640,26
Umlage der FertigungsHKS
27.792,08
64.848,18
(Kontrollrechnung: jede Zeile summiert exakt auf ihre „Zahlen der KLR"-Spalte, z. B. Gehälter 6.737,50+26.915,00+33.652,50+20.195,00+13.457,50+53.847,50+20.195,00 = 175.000,00 € ✓ — der BAB ist intern widerspruchsfrei, alle folgenden Schlüssel sind daraus exakt rekonstruierbar.)
a) Schlüssel Gemeinkostenmaterial
Zeilensumme 55.000,00 € verteilt sich auf Allgemeine Kst. / Fertig-hilfs-Kst. / Material / A / B / Verwaltung / Vertrieb:
Aufgabe #202 · 8 P. · Aufgabe |Das folgende Ablaufschema zeigt die typische Funktionsweise der Kostenrechnung als Vollkostenrechnung:Diese Vollkostenrechnungs-Darstellung ist nahezu vollständig — dennoch lässt sich ihre Aussagekraft verbessern. Erläutern Sie dazu vier verschiedene Vorschläge!
📝 Ausformulierte Lösung
Die Vollkostenrechnung im BAB-Schema verteilt alle Kosten (auch die fixen) verursachungsgerecht anmutend, aber letztlich über pauschale Schlüssel und Zuschlagssätze auf Kostenstellen und Kostenträger. Vier Wege, ihre Aussagekraft zu erhöhen:
1. Ergänzung um eine Teilkosten-/Deckungsbeitragsrechnung (Trennung fix/variabel). Die Vollkostenrechnung rechnet fixe Kosten pauschal auf jedes Stück um (Fixkostenproportionalisierung), obwohl sie sich mit der Stückzahl nicht ändern. Das führt bei Beschäftigungsschwankungen zu falschen Stückkosten und verzerrt kurzfristige Entscheidungen wie Preisuntergrenzen oder Produktionsprogrammwahl (vgl. Kapitel „Deckungsbeitragsrechnung · Engpass“). Eine ergänzende Teilkostenrechnung liefert den tatsächlich entscheidungsrelevanten Deckungsbeitrag.
2. Verursachungsgerechtere Schlüsselung der Gemeinkosten. Im BAB werden Gemeinkosten meist über wenige, pauschale Bezugsgrößen (Wert- oder Mengenschlüssel, prozentuale Zuschlagssätze) verteilt. Das verletzt bei heterogenen Produkten das Verursachungsprinzip und führt zu Quersubventionierung (aufwendige Produkte werden zu billig, einfache zu teuer kalkuliert). Eine feinere, tätigkeitsbezogene Verteilung (z. B. Prozesskostenrechnung/Activity-Based-Costing) bildet den tatsächlichen Ressourcenverbrauch genauer ab.
3. Normal- oder Plankosten statt reiner Istkosten. Reine Ist-BAB-Werte enthalten zufällige Schwankungen (Beschäftigungsgrad, Einkaufspreise, Verbrauch), die sich unkontrolliert auf die Kalkulation durchschlagen. Der Übergang zu Normal- oder Plankosten trennt diese Effekte in Beschäftigungs-, Preis- und Verbrauchsabweichungen und macht die Kostenrechnung zusätzlich zu einem Kontrollinstrument, nicht nur zu einem Verteilungsschema.
4. Feinere Kostenstellen- bzw. Bezugsgrößengliederung. Werden innerhalb einer Endkostenstelle (z. B. „Fertigung") sehr unterschiedliche Tätigkeiten mit einer einzigen Bezugsgröße/einem einzigen Zuschlagssatz abgerechnet, verwischen die tatsächlichen Kostentreiber. Eine Untergliederung in Kostenplätze mit je eigener, passender Bezugsgröße (z. B. Maschinenstunden statt pauschal Fertigungslöhne) erhöht die Genauigkeit der Kostenzurechnung deutlich.
Maschinenbau GmbH — BAB im Stufenleiterverfahren I
Aufgabe #203 · 12 P. · Aufgabe |Die Maschinenbau GmbH hat zwei Vorkostenstellen (Energie und Instandhaltung) sowie die vier Endkostenstellen Material, Fertigung, Verwaltung und Vertrieb. Die Leistungsbeziehungen der Kostenstelle sind der Tabelle zu entnehmen, die Sie auch für Nebenrechnungen benutzen können. Bestimmen Sie die Endkosten der Kostenstellen nach dem Stufenleiterverfahren!
📝 Ausformulierte Lösung
Gegeben:
Primäre Gemeinkosten [€]
Energie
Instandhaltung
Material
Fertigung
Verwaltung
Vertrieb
Betrag
15.000,00
38.500,00
45.000,00
75.000,00
30.000,00
22.500,00
Leistungsabgabe
Energie
Instandhaltung
Material
Fertigung
Verwaltung
Vertrieb
Summe
Energie [kWh]
--
15.000,00
35.000,00
65.000,00
20.000,00
15.000,00
150.000,00
Instandhaltung [h]
--
--
800,00
275,00
55,00
50,00
1.180,00
Schritt 1 — Umlage Energie (Verrechnungspreis)
Empfänger
Rechnung
Umlage Energie
Instandhaltung
15.000 kWh × 0,10 €/kWh
1.500,00 €
Material
35.000 kWh × 0,10 €/kWh
3.500,00 €
Fertigung
65.000 kWh × 0,10 €/kWh
6.500,00 €
Verwaltung
20.000 kWh × 0,10 €/kWh
2.000,00 €
Vertrieb
15.000 kWh × 0,10 €/kWh
1.500,00 €
Schritt 2 — Summe 1 (Instandhaltung) und Umlage Instandhaltung
Empfänger
Rechnung
Umlage Instandhaltung
Material
800 h × 33,8983 €/h
27.118,64 €
Fertigung
275 h × 33,8983 €/h
9.322,03 €
Verwaltung
55 h × 33,8983 €/h
1.864,41 €
Vertrieb
50 h × 33,8983 €/h
1.694,92 €
Summe
40.000,00 € ✓
(Wichtig: erst mit dem exakten, ungerundeten Verrechnungspreis 33,8983 €/h weiterrechnen und erst am Ende auf 2 Nachkommastellen runden — nicht mit dem vorab gerundeten 33,90 €/h, sonst entsteht ein kleiner Rundungsfehler, s. Rohleder-Beleg unten.)
Schritt 3 — Endkosten der Endkostenstellen
Endkostenstelle
Primär
+ Energie
+ Instandhaltung
= Endkosten
Material
45.000,00 €
3.500,00 €
27.118,64 €
75.618,64 €
Fertigung
75.000,00 €
6.500,00 €
9.322,03 €
90.822,03 €
Verwaltung
30.000,00 €
2.000,00 €
1.864,41 €
33.864,41 €
Vertrieb
22.500,00 €
1.500,00 €
1.694,92 €
25.694,92 €
Summe
226.000,00 €
Kontrolle: Summe aller primären Gemeinkosten = 15.000+38.500+45.000+75.000+30.000+22.500 = 226.000,00 € = Summe aller Endkosten ✓.
Maschinenbau GmbH — BAB im Stufenleiterverfahren II
Aufgabe #204 · 12 P. · Aufgabe |Die Maschinenbau GmbH hat zwei Vorkostenstellen (Energie und Instandhaltung) sowie die vier Endkostenstellen Material, Fertigung, Verwaltung und Vertrieb. Die Leistungsbeziehungen der Kostenstelle sind der Tabelle zu entnehmen, die Sie auch für Nebenrechnungen benutzen können. Bestimmen Sie die Endkosten der Kostenstellen nach dem Stufenleiterverfahren!
Original-Klausuraufgabe (Scan)
📝 Ausformulierte Lösung
Gegeben:
Primäre Gemeinkosten [€]
Energie
Instandhaltung
Material
Fertigung
Verwaltung
Vertrieb
Betrag
17.500,00
37.000,00
45.000,00
75.000,00
30.000,00
22.500,00
Leistungsabgabe
Energie
Instandhaltung
Material
Fertigung
Verwaltung
Vertrieb
Summe
Energie [kWh]
--
12.500,00
35.000,00
65.000,00
22.500,00
15.000,00
150.000,00
Instandhaltung [h]
--
--
800,00
275,00
60,00
50,00
1.185,00
Schritt 1 — Umlage Energie (Verrechnungspreis)
Empfänger
Rechnung
Umlage Energie
Instandhaltung
12.500 kWh × 0,1167 €/kWh
1.458,33 €
Material
35.000 kWh × 0,1167 €/kWh
4.083,33 €
Fertigung
65.000 kWh × 0,1167 €/kWh
7.583,33 €
Verwaltung
22.500 kWh × 0,1167 €/kWh
2.625,00 €
Vertrieb
15.000 kWh × 0,1167 €/kWh
1.750,00 €
Summe
17.500,00 € ✓
Schritt 2 — Summe 1 (Instandhaltung) und Umlage Instandhaltung
Empfänger
Rechnung
Umlage Instandhaltung
Material
800 h × 32,4543 €/h
25.963,43 €
Fertigung
275 h × 32,4543 €/h
8.924,93 €
Verwaltung
60 h × 32,4543 €/h
1.947,26 €
Vertrieb
50 h × 32,4543 €/h
1.622,71 €
Summe
38.458,33 € ✓
Schritt 3 — Endkosten der Endkostenstellen
Endkostenstelle
Primär
+ Energie
+ Instandhaltung
= Endkosten
Material
45.000,00 €
4.083,33 €
25.963,43 €
75.046,77 €
Fertigung
75.000,00 €
7.583,33 €
8.924,93 €
91.508,26 €
Verwaltung
30.000,00 €
2.625,00 €
1.947,26 €
34.572,26 €
Vertrieb
22.500,00 €
1.750,00 €
1.622,71 €
25.872,71 €
Summe
227.000,00 €
Kontrolle: Summe aller primären Gemeinkosten = 17.500+37.000+45.000+75.000+30.000+22.500 = 227.000,00 € = Summe aller Endkosten ✓.
Kostenträgerstückrechnung — weitere Klausuraufgaben
7 Klausuraufgaben aus verschiedenen Terminen — Datum, Aufgabennummer und Punktzahl stehen jeweils so, wie sie auf dem Original-Klausurblatt gedruckt sind.
7. Mischkalkulation — warum sich Über- und Unterdeckungen nicht einfach addieren lassen
Aufgabe #016 · 7. Mischkalkulation — warum sich Über- und Unterdeckungen nicht einfach addieren lassenBei der Auswertung eines Betriebsabrechnungsbogens stellen Sie fest: Die Kostenstelle Material weist eine Kostenüberdeckung von 1.200 € auf, die Kostenstelle Fertigung eine Kostenunterdeckung von 900 €. Ein Kommilitone schließt daraus: „Insgesamt haben wir also ein Problem von 2.100 €." Erläutern Sie, warum diese Betrachtung zu kurz greift, und nennen Sie den Fachbegriff, den Rohleder für das richtige Vorgehen verwendet.
📝 Ausformulierte Lösung
Die Schlussfolgerung des Kommilitonen greift zu kurz, weil er die beiden Abweichungsbeträge schlicht addiert, statt ihre entgegengesetzten Vorzeichen zu berücksichtigen. Eine Kostenüberdeckung bedeutet, dass mehr Gemeinkosten verrechnet wurden, als tatsächlich angefallen sind — das ist aus Sicht des Unternehmens vorteilhaft. Eine Kostenunterdeckung bedeutet das Gegenteil: Es wurde zu wenig verrechnet, das Unternehmen trägt die Differenz. Werden beide Effekte zusammen betrachtet, gleicht die Überdeckung der Kostenstelle Material (+1.200 €) einen Teil der Unterdeckung der Kostenstelle Fertigung (−900 €) aus, sodass sich netto lediglich eine Überdeckung von 300 € ergibt (1.200 € − 900 € = 300 €) — nicht ein „Problem von 2.100 €", wie fälschlich unterstellt.
Den Fachbegriff für dieses Phänomen — dass sich Über- und Unterdeckungen einzelner Kostenstellen im Rahmen der Gesamtkalkulation teilweise gegenseitig aufheben können — nennt Rohleder Mischkalkulation, einen Begriff, den man sich in diesem Zusammenhang ausdrücklich merken sollte. Der korrekte Bewertungsmaßstab besteht darin, Über- und Unterdeckungen zunächst pro Kostenstelle zu ermitteln, sie anschließend zu saldieren und die resultierende Nettoabweichung ins Verhältnis zu den Gesamtkosten der Kalkulation zu setzen — erst diese Kennzahl erlaubt eine sachgerechte Einschätzung, ob die Abweichung unternehmerisch relevant ist oder als normales Kalkulationsrisiko hinzunehmen ist.
8. Strategisch/operativ ≠ langfristig/kurzfristig — ein hartnäckiges Missverständnis
Aufgabe #017 · 8. Strategisch/operativ ≠ langfristig/kurzfristig — ein hartnäckiges MissverständnisIn einer Klausurantwort schreibt ein Kommilitone: „Strategische Entscheidungen sind langfristige Entscheidungen, operative Entscheidungen sind kurzfristige Entscheidungen." Beurteilen Sie diese Gleichsetzung und erläutern Sie den fachlich korrekten Unterschied zwischen strategisch und operativ. Ordnen Sie Investitionsrechnung und Kosten- und Leistungsrechnung jeweils zu.
📝 Ausformulierte Lösung
Die Gleichsetzung ist fachlich unzutreffend, auch wenn sie ein sehr verbreitetes Missverständnis darstellt. Der eigentliche Unterschied zwischen strategisch und operativ liegt nicht in der Zeitdauer einer Entscheidung, sondern darin, ob Erfolgspotenziale geschaffen oder genutzt werden. Strategische Entscheidungen zielen darauf ab, neue Erfolgspotenziale zu schaffen — etwa durch den Aufbau neuer Maschinenkapazitäten, den Aufbau von Know-how oder die Erschließung neuer Märkte. Operative Entscheidungen dagegen zielen darauf ab, die bereits vorhandenen Potenziale im laufenden Tagesgeschäft möglichst effizient zu nutzen.
Die Zeitdauer ist dabei kein verlässliches Unterscheidungsmerkmal: Eine strategische Entscheidung (z. B. die Anschaffung einer neuen Fertigungsanlage) kann in ihrer Umsetzung durchaus kurzfristig erfolgen, während eine operative Entscheidung (z. B. ein langfristiger Dauerauftrag im bestehenden Geschäft) über viele Jahre wirken kann, ohne dadurch strategisch zu werden. Entscheidend bleibt die inhaltliche Funktion: Schafft die Entscheidung ein neues Potenzial, oder nutzt sie ein bereits vorhandenes?
Diese Unterscheidung lässt sich unmittelbar den beiden zentralen betriebswirtschaftlichen Rechnungssystemen zuordnen: Die Investitionsrechnung ist dem strategischen Bereich zuzuordnen, weil sie die Vorteilhaftigkeit von Maßnahmen beurteilt, mit denen künftige Erfolgspotenziale geschaffen werden (z. B. lohnt sich die neue Maschine?). Die Kosten- und Leistungsrechnung ist demgegenüber dem operativen Bereich zuzuordnen, weil sie sicherstellt, dass die bereits vorhandenen Potenziale im Tagesgeschäft wirtschaftlich genutzt werden — sie sichert also nicht die Zukunftsfähigkeit, sondern die laufende Wirtschaftlichkeit des Kerngeschäfts.
BAB im Stufenleiterverfahren — Metallwaren Rheinhessen: von den primären Gemeinkosten zu den Zuschlagssätzen — Zusatzübung
Aufgabe #231 · BAB im Stufenleiterverfahren — Metallwaren Rheinhessen: von den primären Gemeinkosten zu den Zuschlagssätzen — ZusatzübungDie Metallwaren Rheinhessen GmbH rechnet ihre Gemeinkosten über einen Betriebsabrechnungsbogen ab. Es gibt zwei Vorkostenstellen (Allgemeine KSt. und Fertigungshilfe) und fünf Endkostenstellen (Material, Fertigung A, Fertigung B, Verwaltung, Vertrieb). Die primären Gemeinkosten je Stelle sind:
Kostenstelle
Allgemeine
Fertigungshilfe
Material
Fertigung A
Fertigung B
Verwaltung
Vertrieb
Primäre GK (€)
20.000
30.000
40.000
60.000
50.000
25.000
15.000
Die Allgemeine KSt. wird zuerst umgelegt, im Schlüssel Fertigungshilfe : Material : Fertigung A : Fertigung B : Verwaltung : Vertrieb = 2 : 3 : 4 : 3 : 5 : 3. Danach wird die Fertigungshilfe nur auf Fertigung A : Fertigung B = 5 : 3 umgelegt.
Weitere Angaben (Bezugsgrößen): Materialeinzelkosten (MEK) 172.000 €, Fertigungslöhne A 70.000 €, Fertigungslöhne B 50.000 €.
Lege die Vorkostenstellen im Stufenleiterverfahren um und ermittle die Zuschlagssätze MGK, FGK A, FGK B, VwGK und VtGK.
Lösung — Schritt für Schritt:
Reihenfolge steht fest: erst die Allgemeine KSt. (sie gibt auch an die andere Hilfsstelle ab), dann die Fertigungshilfe. Die Treppe läuft nur nach unten — eine abgerechnete Stelle bekommt nichts zurück.
Rechenprobe: Summe der End-Gemeinkosten auf allen Endstellen = 43.000 + 84.000 + 65.000 + 30.000 + 18.000 = 240.000 €. Summe aller primären Gemeinkosten = 20.000 + 30.000 + 40.000 + 60.000 + 50.000 + 25.000 + 15.000 = 240.000 €. Beide Summen sind gleich → durch die Umlage wurde nichts erzeugt oder vernichtet, die Treppe ist sauber durchgelaufen. ✓
BAB-Zuschlagssätze anwenden — Angebotspreis eines Kundenauftrags kalkulieren — Zusatzübung
(gleiches Setting wie eine BAB-/Anbauverfahren-Aufgabe, andere Frage)
Aufgabe #235 · BAB-Zuschlagssätze anwenden — Angebotspreis eines Kundenauftrags kalkulieren — ZusatzübungIn der Anbauverfahren-Aufgabe (verfahren-uebungspool) wurden aus dem BAB folgende Zuschlagssätze ermittelt: MGK 25,00 % · FGK 175,00 % · Verwaltungs-/Vertriebs-GK (VwVt-GK) 7,50 % (bezogen auf die Herstellkosten). Das Original fragte nach der Herleitung dieser Sätze.
Jetzt die andere Frage: Für den Kundenauftrag Nr. 4712 fallen Fertigungsmaterial (MEK) 800,00 € und Fertigungslöhne (FEK) 400,00 € an. Kalkuliere mit den obigen Zuschlagssätzen die Selbstkosten und den Netto-Angebotspreis bei einem Gewinnzuschlag von 10 %.
Lösung — Schritt für Schritt:
Materialkosten = Fertigungsmaterial + Materialgemeinkosten (MGK 25 % auf das Fertigungsmaterial):
MEK = 800,00 €
MGK = 25 % × 800 = 200,00 €
= Materialkosten = 1.000,00 €
Fertigungskosten = Fertigungslöhne + Fertigungsgemeinkosten (FGK 175 % auf die Fertigungslöhne):
Die Deckungsbeitragsrechnung (DBR) ist eine Teilkostenrechnung: sie zieht von den Erlösen zunächst nur die variablen Kosten ab. Der Rest ist der Deckungsbeitrag (DB) — er muss die Fixkosten „decken“, der Überschuss ist Gewinn.
Der Deckungsbeitrag deckt zuerst die Fixkosten. Erlös − variable Kosten = DB. Erst wenn der DB die gesamten Fixkosten übersteigt, bleibt ein positives Betriebsergebnis. Deshalb steuert man das Produktionsprogramm über den DB (bzw. bei Engpass den relativen DB je Engpasseinheit) — nicht über den Vollkosten-Gewinn. (Zahlen aus Aufgabe B.4, Betriebsergebnis 40.640 €.)
Grundgrößen der Deckungsbeitragsrechnung
Größe
Formel
Stück-DB
db = Preis p − variable Stückkostenkv
Gesamt-DB je Produkt
DB = Erlös − variable Kosten (= db · Menge)
Betriebsergebnis
Σ DB − gesamte Fixkosten
Relativer DB (DB je Engpasseinheit) — für das optimale Programm bei Engpass
Reicht eine knappe Ressource (Maschinenstunden, Material) nicht für alle Produkte, entscheidet nicht der absolute Stück-DB, sondern der DB pro Einheit des Engpasses:
Das Produkt mit dem höchsten relativen DB wird zuerst gefertigt (Engpass zuerst mit dem „lukrativsten pro Engpassminute“ belegen). In den beiden Klausuraufgaben unten ist kein Engpass gegeben → die Reihenfolge ergibt sich aus dem (Gesamt-)DB bzw. dem stufenweisen DB.
✅ Gegen Rohleders offiziellen Lösungsvorschlag verifiziert (U04 Aufgabe 3 „Produktionsprogrammplanung“). Rohleders Engpass-Rechnung bestätigt genau diese Methode: relativer Stück-DB = Stück-DB ÷ Engpassverbrauch je Stück (U04: Granulat-Engpass, dbrel P1 = 25/7 = 3,57 · P2 = 29/5 = 5,80 · P3 = 22/12,5 = 1,76 · P4 = 12/4 = 3,00 €/kg), Belegung der knappen Ressource in der Reihenfolge des höchsten relativenDB, Grenzprodukt anteilig, dann Betriebsergebnis = Σ Produktdeckungsbeiträge − Fixkosten. Vor allem bestätigt U04 A3 den Lernpunkt, dass der relativeDB den absoluten Stück-DB schlägt: Programm nach Stück-DB → Programmdeckungsbeitrag 37.328 € (Betriebsergebnis 7.328 €), Programm nach relativem Stück-DB → 40.800 € (Betriebsergebnis 10.800 €).
Der Clou der mehrstufigen DBR: die Fixkosten werden nicht in einen Topf geworfen, sondern nach Zurechenbarkeit in Schichten abgezogen:
Schritt
Bedeutung
Erlöse
− variable Kosten
= DB I
Brutto-DB je Produkt
− Erzeugnisfixkosten
nur diesem Produkt zurechenbar
= DB II
Produkt-DB
− Erzeugnisgruppenfixkosten
nur der Produktgruppe zurechenbar
= DB III
Gruppen-DB
− Unternehmensfixkosten
nicht zurechenbar, Rest
= Betriebsergebnis
Kernaussage für die Programmentscheidung: Ein Produkt kann nach DB I ganz vorne liegen, aber hohe eigeneFixkosten tragen — dann fällt es nach DB II zurück. Erst die stufenweise Betrachtung zeigt die „echte“ Rangfolge.
✅ Gegen Rohleders offiziellen Lösungsvorschlag verifiziert (U14 Aufgabe 1). Rohleders Schichtung ist identisch: DB I = Erlöse − variable Kosten → − erzeugnisfixe Kosten = DB II → − erzeugnisgruppenfixe Kosten = DB III → − unternehmensfixe Kosten = Betriebsergebnis. Die Programm-/Rangfolge-Entscheidung trifft er nach DB II (bzw. Stück-DB II), nicht nach dem Vollkosten-Betriebsergebnis — genau der Lernpunkt dieses Kapitels. Bestätigt ist auch die Kontrolle Σ DB I − Σ Fixkosten = Erlöse − Selbstkosten (U14 A1: Betriebsergebnis 20.000 € durchgängig) sowie, dass die Vollkostensicht (Elimination von Produkt 2) in die Irre führt.
Gefragt: a) Warum sind die erzeugnisgruppenfixen Kosten von Produkt 3 immer null? (2 P.) · b) Ermitteln Sie das Produktionsprogramm auf Basis der Teilkostenrechnung (einstufiger DB). (3 P.) · c) Ermitteln Sie das Produktionsprogramm mithilfe der mehrstufigen Deckungsbeitragsrechnung. (8 P.)
a) Warum sind die erzeugnisgruppenfixen Kosten von Produkt 3 immer null?
Handschrift (Original): Produkt 3 ist als einziges Produkt in seiner Gruppe. Kosten, die „die Gruppe“ betreffen, betreffen damit automatisch nur dieses eine Produkt — sie sind also bereits Erzeugnisfixkosten (Produktfixkosten). Eine separate Gruppenschicht gibt es nicht → erzeugnisgruppenfix = 0,00 €.
b) Produktionsprogramm auf Basis der Teilkostenrechnung
Einstufig: DB = Erlös − variable Kosten (Handschrift-Werte):
Produkt
Erlös − var. Kosten
DB (gesamt)
Stück-DB (Kontrolle)
P1
700.000 − 450.000
250.000,00 €
250.000/2.500 = 100,00 €/St
P2
608.000 − 384.000
224.000,00 €
224.000/1.600 = 140,00 €/St
P3
2.200.000 − 2.040.000
160.000,00 €
160.000/800 = 200,00 €/St
Ergebnis b) (Handschrift): Rangfolge nach Gesamt-DB: P1 → P2 → P3.
Achtung / Lernpunkt: Nach dem Stück-DB wäre die Reihenfolge genau umgekehrt (P3 200 € > P2 140 € > P1 100 €). Die Klausurlösung rangiert hier nach dem absoluten Gesamt-DB (P1;P2;P3). Wenn keine Kapazität/kein Engpass vorgegeben ist, immer dazuschreiben, worauf sich die Rangfolge bezieht.
c) Produktionsprogramm mithilfe der mehrstufigen DBR
Handschrift-Tabelle (Original):
P1
P2
P3
Summe
Erlös
700.000
608.000
2.200.000
3.508.000
− variable Kosten
450.000
384.000
2.040.000
2.874.000
= DB I
250.000
224.000
160.000
634.000
− Produktfixkosten (erzeugnisfix)
150.000
75.000
100.000
325.000
= DB II
100.000
149.000
60.000
309.000
Ergebnis c): Rangfolge nach DB II: P2 → P1 → P3 (145.000/149.000 > 100.000 > 60.000).
Handschrift-Abweichung benennen: Die Klausurlösung schreibt für P2 einen DB II von 145.000 €. Rechnerisch korrekt sind aber 608.000 − 384.000 − 75.000 = 149.000 € (die 145.000 sind ein Rechen-/Übertragungsfehler in der Handschrift). Die Rangfolge ändert sich dadurch nicht (P2 bleibt vor P1), das Endergebnis wird aber nur mit 149.000 € konsistent (siehe Betriebsergebnis).
Weiterführung bis zum Betriebsergebnis (in der Klausur nicht verlangt, aber gute Kontrolle):
Schicht
Rechnung
Betrag
DB II Gruppe {P1,P2}
100.000 + 149.000
249.000,00 €
− Erzeugnisgruppenfix
− 35.000
214.000,00 € = DB III (Gruppe)
DB II / DB III P3
60.000 − 0
60.000,00 €
Σ DB III
214.000 + 60.000
274.000,00 €
− Unternehmensfixkosten
− 90.000
184.000,00 €
Betriebsergebnis = 184.000,00 € — deckungsgleich mit Erlöse − Selbstkosten = 3.508.000 − 3.324.000 = 184.000,00 € ✓. (Mit dem Handschrift-Wert 145.000 statt 149.000 käme nur 180.000 € heraus → Beleg, dass 149.000 € richtig ist.)
Lernpunkt der Aufgabe: Drei Methoden — drei Rangfolgen. Gesamt-DB → P1;P2;P3. Stück-DB → P3;P2;P1. Mehrstufige DBR (nach DB II) → P2;P1;P3. Erst die Produktfixkosten drehen P1 hinter P2.
Gefragt: a) Warum sind die erzeugnisgruppenfixen Kosten von P3 gleich null? (2 P.) · b) Ermitteln Sie das Produktionsprogramm auf Basis der Teilkostenrechnung (einstufiger DB). (3 P.) · c) Ermitteln Sie das Produktionsprogramm mithilfe der mehrstufigen Deckungsbeitragsrechnung. (8 P.)
a) Warum erzeugnisgruppenfixe Kosten von P3 = 0?
Gleich wie B.2 a): P3 ist allein in seiner Gruppe → jede „Gruppen“-Fixkostenart trifft nur P3 und ist damit bereits Produktfixkosten. Separate Gruppenschicht = 0,00 €.
b) Produktionsprogramm auf Basis der Teilkostenrechnung
Produkt
Erlös − var. Kosten
DB (gesamt)
Stück-DB
P1
625.000 − 325.000
300.000,00 €
300.000/2.500 = 120,00 €/St
P2
640.000 − 400.000
240.000,00 €
240.000/1.600 = 150,00 €/St
P3
3.000.000 − 2.500.000
500.000,00 €
500.000/1.000 = 500,00 €/St
Ergebnis b): Rangfolge nach Gesamt-DB: P3 → P1 → P2 (500.000 > 300.000 > 240.000). Nach Stück-DB dagegen: P3 (500) > P2 (150) > P1 (120) → P3;P2;P1. Auch hier Bezug angeben.
c) Produktionsprogramm mithilfe der mehrstufigen DBR
P1
P2
P3
Summe
Erlös
625.000
640.000
3.000.000
4.265.000
− variable Kosten
325.000
400.000
2.500.000
3.225.000
= DB I
300.000
240.000
500.000
1.040.000
− Produktfixkosten
150.000
75.000
100.000
325.000
= DB II
150.000
165.000
400.000
715.000
Ergebnis c): Rangfolge nach DB II: P3 → P2 → P1 (400.000 > 165.000 > 150.000).
Hier bleibt P3 in allen drei Sichtweisen (außer Stück-DB-vs-Gesamt-DB-Detail) vorn — anders als in B.2, wo die Produktfixkosten die Reihenfolge drehen.
Aufgabe U04/A2 — Betriebsergebnis nach Voll- und Teilkostenrechnung (offizieller Rohleder-Lösungsvorschlag)
✅ Voll durchgerechnet gegen Rohleders offiziellen Lösungsvorschlag (U04 Aufgabe 2), zeilengleich mit dem Lösungsblatt. Kernaussage der Aufgabe: Bei Herstellmenge = Absatzmenge (kein Bestandsaufbau) liefern Voll- und Teilkostenrechnung dasselbe Betriebsergebnis — hier 40.640,00 €.
Gegeben (5 Produkte):
Kostenart
Einheit
P1
P2
P3
P4
P5
Absatz (= Herstellmenge)
Stück
1.200
500
2.200
200
800
Einzelkosten (variabel)
€/Stück
20
45
60
50
32
GK-Zuschlag
%
160
300
200
320
185
proportionale (variable) GK
€/Stück
20
40
25
40
12
Verkaufserlös
€/Stück
80
170
185
80
125
Gefragt: a) Ermitteln Sie das Betriebsergebnis nach der Vollkostenrechnung. · b) Ermitteln Sie das Betriebsergebnis nach der Teilkostenrechnung (Deckungsbeitragsrechnung). · c) Erläutern Sie, warum das Betriebsergebnis in beiden Rechnungen identisch ist.
Nebenrechnung — Gemeinkosten je Stück und ihre Spaltung in fix/variabel:
b) Teilkostenrechnung (je Periode, Deckungsbeitrag)
Position
P1
P2
P3
P4
P5
Σ
Verkaufserlöse (Erlös · Absatz)
96.000
85.000
407.000
16.000
100.000
704.000
− variable Einzelkosten (· Absatz)
24.000
22.500
132.000
10.000
25.600
214.100
− variable Gemeinkosten (· Absatz)
24.000
20.000
55.000
8.000
9.600
116.600
= Produktdeckungsbeitrag
48.000
42.500
220.000
−2.000
64.800
373.300
− Fixkosten (gesamt)
332.660
= Betriebsergebnis
40.640,00 €
c) Warum ist das Betriebsergebnis identisch? (Begründung — Aufgabenteil e des Blatts)
Weil alle produzierten Stücke auch verkauft werden (Herstellmenge = Absatzmenge, keine Bestandsveränderung), werden in beiden Verfahren die gesamten Fixkosten der Periode (332.660,00 €) ergebniswirksam. In der Vollkostenrechnung stecken sie – über die fixen Stück-Gemeinkosten – in den Selbstkosten jedes verkauften Stücks; in der Teilkostenrechnung werden sie als ein Block vom Summen-Deckungsbeitrag abgezogen. Solange kein Stück auf Lager geht (das im Vollkostensystem Fixkosten „aktivieren“ und in eine spätere Periode verschieben würde), sind beide Summen zwangsläufig gleich:
Erst bei Bestandsaufbau/-abbau laufen die Verfahren auseinander (Vollkosten aktiviert Fixkostenanteile im Bestand, Teilkosten nicht).
Merke: Der Identitätsnachweis ist der Kern der Aufgabe — Rohleder will die Begründung „kein Bestand → dieselben Fixkosten in beiden Rechnungen“, nicht nur die zwei gleichen Zahlen. Einzelprodukte (P2, P4) sind auf Vollkostenbasis „defizitär“ (Stückgewinn −10 bzw. −130), sind aber unterschiedlich zu beurteilen: P2 trägt einen positiven Deckungsbeitrag (+42.500 €) und sollte kurzfristig im Programm bleiben; P4 hat sogar einen negativen Deckungsbeitrag (−2.000 €, db = 80 − 50 − 40 = −10 €/St) und wäre kurzfristig zu streichen. Für die kurzfristige Programmentscheidung zählt der DB, nicht das Vollkosten-Stückergebnis (vgl. die beiden 3-Produkte-Beispiele oben).
Typische Fallen — Deckungsbeitragsrechnung
Selbstkosten statt variable Kosten abziehen: Für DB I zählen nur variable Kosten. Selbstkosten enthalten auch Fixkosten (hier: SK − var = 450.000 = gesamte Fixkosten).
Stück-DB vs. Gesamt-DB: liefern unterschiedliche Rangfolgen. Immer angeben, worauf die Rangfolge beruht; bei Engpass zusätzlich relativer DB (DB je Engpasseinheit).
Fixkostenschichten vermischen: erst Produktfix (erzeugnisfix), dann Gruppenfix, dann Unternehmensfix — nicht in einem Schritt abziehen, sonst verliert man die stufenweise Aussage.
Gruppenfix auf ein Einzelprodukt buchen: Ist ein Produkt allein in der Gruppe, ist die Gruppenschicht 0 (die Kosten sind schon Produktfix).
Rechenfehler nicht gegengeprüft: Kontrolle immer über Σ DB I − Σ Fixkosten = Erlöse − Selbstkosten. (Genau hier fällt der Handschrift-Fehler 145.000 statt 149.000 in B.2 auf.)
Programmentscheidung mit Vollkosten treffen: Für kurzfristige Programmwahl zählt der DB, nicht das Vollkosten-Ergebnis je Stück (Fixkosten sind kurzfristig nicht abbaubar).
(B) Mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung — 3 Produkte, Engpass, optimales Programm über relativen DB
Symbole
Größe
Formel
Stück-DB
db = p − kv (Preis − variable Stückkosten)
relativer DB
dbrel = db / Engpassverbrauch je Stück (DB je Engpasseinheit)
Gesamt-DB je Produkt
DB = db · x
Betriebsergebnis
BE = Σ DB − Fixkosten
Merksatz Engpass: Reicht die knappe Ressource (hier Maschinenstunden) nicht für alle Produkte, wird nicht nach dem absoluten Stück-DB gefertigt, sondern nach dem relativen DB (DB je Engpasseinheit). Der Engpass wird mit dem „pro Engpassstunde lukrativsten“ Produkt zuerst belegt.
✅ Methode gegen Rohleders offiziellen Lösungsvorschlag verifiziert (U04 Aufgabe 3). Rohleders Engpass-Rechnung (Granulat-Engpass) nutzt exakt diesen Weg: relativer Stück-DB = Stück-DB ÷ Engpassverbrauch, Belegung nach höchstem relativen DB, Grenzprodukt anteilig, Betriebsergebnis = Σ Produktdeckungsbeiträge − Fixkosten — und dokumentiert, dass das relative-DB-Programm (40.800 € Programmdeckungsbeitrag) dem naiven Stück-DB-Programm (37.328 €) überlegen ist.
3 Produkte, Maschinenengpass — 18 P.
Ein Betrieb fertigt drei Produkte A, B, C auf einer gemeinsamen Maschine (einziger Engpass). Kapazität: 15.000 Maschinenstunden (h) pro Periode.
Produkt
Preis p (€/St)
var. Stückkosten kv (€/St)
Maschinenzeit (h/St)
max. Absatz (St)
A
80,00
50,00
2,00
3.000
B
120,00
72,00
3,00
2.000
C
60,00
42,00
1,00
4.000
Fixkosten: Erzeugnisfix A 20.000,00 € · B 30.000,00 € · C 25.000,00 € (Σ 75.000,00 €); Erzeugnisgruppenfix für Gruppe {A, B} 10.000,00 €; Unternehmensfix 5.000,00 € → Fixkosten gesamt 90.000,00 €.
a) Stück-DB und relativer DB je Produkt
Produkt
db = p − kv
Maschinenzeit
dbrel = db / h
A
80,00 − 50,00 = 30,00 €/St
2,00 h/St
30,00 / 2,00 = 15,00 €/h
B
120,00 − 72,00 = 48,00 €/St
3,00 h/St
48,00 / 3,00 = 16,00 €/h
C
60,00 − 42,00 = 18,00 €/St
1,00 h/St
18,00 / 1,00 = 18,00 €/h
Rangfolge nach relativem DB:C (18,00) → B (16,00) → A (15,00). Achtung: nach absolutem Stück-DB wäre die Reihenfolge umgekehrt (B 48 > A 30 > C 18) — genau das ist die Falle (siehe c).
b) Liegt überhaupt ein Engpass vor? Optimales Produktionsprogramm
Engpass-Prüfung — Maschinenbedarf, wenn alle Produkte bis zum Maximalabsatz gefertigt würden:
Produkt
max. Absatz · Zeit
Bedarf
A
3.000 · 2,00
6.000 h
B
2.000 · 3,00
6.000 h
C
4.000 · 1,00
4.000 h
Summe
16.000 h
Benötigt 16.000 h, verfügbar nur 15.000 h → Engpass (1.000 h fehlen). Also nach relativem DB belegen:
Rang
Produkt
Menge
Maschinenzeit
Rest-Kapazität
1
C
4.000 St (voll)
4.000 h
15.000 − 4.000 = 11.000 h
2
B
2.000 St (voll)
6.000 h
11.000 − 6.000 = 5.000 h
3
A
5.000 h ÷ 2,00 = 2.500 St
5.000 h
5.000 − 5.000 = 0 h
A ist das Grenzprodukt: statt der möglichen 3.000 St werden nur 2.500 St gefertigt (Rest-Kapazität reicht nicht).
Deckungsbeitrag des optimalen Programms:
Produkt
Menge · db
Gesamt-DB
C
4.000 · 18,00
72.000,00 €
B
2.000 · 48,00
96.000,00 €
A
2.500 · 30,00
75.000,00 €
Σ DB
243.000,00 €
Ergebnis b): Optimales Programm = C 4.000 St · B 2.000 St · A 2.500 St. Gesamt-DB243.000,00 €, Betriebsergebnis = 243.000,00 − 90.000,00 = 153.000,00 €.
c) Vergleich mit der naiven Reihenfolge nach Stück-DB
Wer nach dem absoluten Stück-DB belegt (B 48 → A 30 → C 18):
Rang
Produkt
Menge
Zeit
Rest
1
B
2.000 St
6.000 h
9.000 h
2
A
3.000 St
6.000 h
3.000 h
3
C
3.000 h ÷ 1,00 = 3.000 St
3.000 h
0 h
DB = B 96.000,00 + A (3.000·30) 90.000,00 + C (3.000·18) 54.000,00 = 240.000,00 €.
Ergebnis c): Die naive Stück-DB-Reihenfolge bringt nur 240.000,00 € — 3.000,00 € weniger als das Optimum (243.000,00 €). Bei Engpass entscheidet der relativeDB, nicht der absolute Stück-DB.
d) Betriebsergebnis über die mehrstufige DBR
Optimale Mengen aus b) einsetzen (A 2.500 · B 2.000 · C 4.000):
A
B
C
Summe
DB I (db · x)
75.000
96.000
72.000
243.000
− Erzeugnisfixkosten
20.000
30.000
25.000
75.000
= DB II
55.000
66.000
47.000
168.000
Schicht
Rechnung
Betrag
DB II Gruppe {A, B}
55.000 + 66.000
121.000,00 €
− Erzeugnisgruppenfix
− 10.000
111.000,00 € = DB III (Gruppe)
DB II/III C (allein in Gruppe)
47.000 − 0
47.000,00 €
Σ DB III
111.000 + 47.000
158.000,00 €
− Unternehmensfix
− 5.000
153.000,00 €
Ergebnis d): Betriebsergebnis = 153.000,00 € — deckungsgleich mit Σ DB − Fixkosten (243.000 − 90.000) aus b) ✓.
Typische Fallen — DBR mit Engpass
Relativer statt absoluter DB bei Engpass: dbrel = db / Engpassverbrauch. Nur ohne Engpass entscheidet der (Gesamt-)DB.
Engpass erst nachweisen: Summe des Kapazitätsbedarfs bei Maximalabsatz > verfügbare Kapazität → erst dann priorisieren. Sonst alle Produkte bis Max fertigen.
Grenzprodukt korrekt teilen: Rest-Kapazität ÷ Zeit je Stück = fertigbare Menge des letzten Produkts (hier A: 2.500 statt 3.000).
Variable statt Selbstkosten für den DB abziehen (Fixkosten kurzfristig nicht abbaubar).
Fixkostenschichten nacheinander abziehen (Produkt- → Gruppen- → Unternehmensfix), nicht in einem Topf.
Die ergiebigste Einheit des gesamten Materials — letzte Übung vor der Klausur, führt mehrere Themenblöcke zusammen.
Klausurhinweise
Zur zentralen 36-Punkte-Aufgabe: „Das ist die eine Aufgabe, die alles zusammenführt, was Sie im Grunde genommen zu diesem Thema wissen müssen. […] benchmarken Sie im Grunde genommen Ihre diesbezüglichen Fähigkeiten anhand dieser Aufgabe." Guter Gradmesser für den eigenen Vorbereitungsstand.
Grenzplankostenrechnung-Status zum Aufnahmezeitpunkt unklar → siehe 🚫 Was nicht drankommt (als Unsicherheit markiert, nicht als „kommt nicht dran").
„Sie müssen nichts rechnen können in der Klausur, was grundsätzlich Neues ist. Was Sie beherrschen müssen, sind Variationen zum Thema." → siehe auch 📋 Modalitäten.
Bewertungserwartung
Bei Produktelimination reicht die Kurzformel (altes Betriebsergebnis − wegfallender Deckungsbeitrag = neues Betriebsergebnis) für volle Punktzahl bei richtigem Verständnis — die lange Tabellen-Neuberechnung ist nicht nötig, wird aber ebenfalls mit Punkten honoriert (für die, die die Kurzform nicht sehen): „dann haben Sie 4 Minuten Freizeit am Ende der Klausur, die die anderen mit stumpfem Rechnen verbringen." → siehe ⚠️ Teuerste Fehler #2.
Bei der Fixkosten-Abbaubarkeits-Frage erwartet er eine kritische Einschränkung in der Antwort, nicht nur die nominelle Rechnung: die Aussage „Betriebsergebnis sinkt nur um X" gilt nur, wenn die Erzeugnisfixkosten tatsächlich vollständig und kurzfristig abbaubar sind — das ist in der Praxis meist unrealistisch (Maschinen sind fest verbaut, „gewachsene Strukturen").
Typische Fehler / Fallen
Produktelimination auf Vollkostenbasis → siehe ⚠️ Teuerste Fehler #2 (die zentrale Falle dieser Einheit).
Engpass kippt das Entscheidungskriterium von DB2 (Gesamt) auf den Stückdeckungsbeitrag → siehe ⚠️ Teuerste Fehler #8.
Starre Plankostenrechnung: Weder Budgetabweichung noch Gesamtabweichung lassen eine Aussage zu, ob wirtschaftlich gearbeitet wurde — „das ist für Planung und Kontrolle völlig ungeeignet", weil Fixkosten nicht von Variablen getrennt werden (proportionalisiert).
Fachliche Klarstellungen (Kernstoff, im Skript oft nur schematisch)
Mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung:
Fixkosten-Hierarchie in drei Ebenen: Erzeugnisebene → Erzeugnisgruppenebene → Unternehmensebene. Erste Prüfung: Summe der Teil-Fixkosten muss der ursprünglich angegebenen Gesamtfixkostensumme entsprechen.
Entscheidungskriterium für die normale (unbeschränkte) Produktionsprogrammentscheidung ist DB2, nicht DB1 und nicht die volle Staffel. Bei Engpass wechselt das Kriterium auf den Stückdeckungsbeitrag (DB2 ÷ Stückzahl).
Ob eine „unattraktive" (weil erzeugnisfixkosten-intensive) Produktlinie strategisch trotzdem sinnvoll ist, hängt an einer Wertfrage: neue/moderne Maschinen erzeugen hohe (Abschreibungs-)Fixkosten, alte abgeschriebene Maschinen erzeugen niedrige Fixkosten, aber auch keine Innovation — kalkulatorische Abschreibungen zu Wiederbeschaffungswerten weiterlaufen zu lassen (auch nach Vollabschreibung) verhindert, dass Innovatoren gegenüber „Bestandshaltern" bestraft werden. Explizit als strategische Managemententscheidung markiert (Beispiel: deutsche Automobilindustrie/BMW/VW, Unterinvestition zugunsten Ausschüttung).
⚡ Kurzform — mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung
Erlöse − variable Kosten = DB1
DB1 − Erzeugnisfixkosten = DB2 ← Entscheidungskriterium ohne Engpass (Gesamt) bzw. DB2/Stück (mit Engpass)
DB2 je Gruppe summiert − Erzeugnisgruppenfixkosten = DB3
DB3 − Unternehmensfixkosten = Betriebsergebnis
Produkt eliminieren: neues BE = altes BE − wegfallender DB (der richtigen Stufe) — nie die vollen Selbstkosten abziehen.
Gesamtabweichung = Istkosten − verrechnete Plankosten. Keine der beiden Abweichungen ist wirtschaftlich interpretierbar.
Flexible Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis: Kostenspaltung in fixe und variable Plankosten, Fixkosten bleiben aber vollständig sichtbar/im Kalkül.
Beschäftigungsabweichung = Sollkosten − verrechnete Plankosten → zeigt nicht/zu viel verrechnete Fixkosten (Kostenunter-/-überdeckung) aufgrund Mengenabweichung. Nicht durch die Kostenstellenleitung verantwortbar (Menge kommt vom Markt/von außen).
Verbrauchsabweichung = Istkosten − Sollkosten → zeigt tatsächliche (Un-)Wirtschaftlichkeit im Ressourcenverbrauch. Das ist die Kennzahl, für die die Kostenstellenleitung verantwortlich gemacht wird.
Plankostenrechnung auf Grenzkostenbasis (Grenzplankostenrechnung): lässt Fixkosten komplett weg, rechnet nur noch mit den drei Punkten Plankosten/verrechnete Plankosten/Istkosten auf Basis der variablen Kosten allein — direkte, einfachere Ermittlung der Verbrauchsabweichung ohne Umweg über die Beschäftigungsabweichung. Ausdrücklich als Vereinfachung, nicht als methodischer Rückschritt zu verstehen. Klausurrelevanz zum Aufnahmezeitpunkt unklar, siehe 🚫 Was nicht drankommt.
Schritt 2 - Rangfolge nach höchstem Stückdeckungsbeitrag: P2 (29,00) = Rang 1, P1 (25,00) = Rang 2, P3 (22,00) = Rang 3, P4 (12,00) = Rang 4.
Schritt 3 - Kapazitäten belegen bis Granulat (10.000 kg) erschöpft:
P2: 600 St x 5,00 kg = 3.000 kg; Rest 10.000 - 3.000 = 7.000 kg
P1: 600 St x 7,00 kg = 4.200 kg; Rest 7.000 - 4.200 = 2.800 kg
P3: nur noch 2.800 kg -> 2.800 / 12,50 = 224 St (Kapazität 400 St nicht ausgeschöpft); Rest 0 kg
P4: 0 St (kein Granulat mehr)
Schritt 4 - Programm und Ergebnis:
Grösse
P1
P2
P3
P4
Gesamt
Produktionsmenge (St)
600
600
224
0
-
Verbrauch (kg)
4.200
3.000
2.800
0
10.000
Produktdeckungsbeitrag (EUR)
15.000,00
17.400,00
4.928,00
0,00
37.328,00
Programmdeckungsbeitrag = 37.328,00 EUR
Fixkosten = 30.000,00 EUR
= Betriebsergebnis = 7.328,00 EUR
Hinweis: Diese Reihenfolge berücksichtigt den Engpass nicht - P3 verbraucht mit 12,50 kg/St sehr viel Granulat pro Deckungsbeitrag. Deshalb ist das Ergebnis suboptimal (vgl. 3b).
Produktionsprogramm nach relativem Stueckdeckungsbeitrag + Vergleich
Aufgabe #046 · 5 P. · Aufgabe | 5 P. | #3bBestimmen Sie das Produktionsprogramm mithilfe des relativen Stückdeckungsbeitrags und ermitteln Sie das Betriebsergebnis im Vergleich zu Frage a.
Da Granulat der Engpass ist, muss nach dem Deckungsbeitrag je knapper Einheit (pro kg Granulat) priorisiert werden - das liefert das optimale Programm.
Schritt 2 - Rangfolge nach höchstem relativem DB: P2 (5,80) = Rang 1, P1 (3,57) = Rang 2, P4 (3,00) = Rang 3, P3 (1,76) = Rang 4.
Schritt 3 - Kapazitäten belegen (10.000 kg):
P2: 600 St x 5,00 kg = 3.000 kg; Rest 7.000 kg
P1: 600 St x 7,00 kg = 4.200 kg; Rest 2.800 kg
P4: nur noch 2.800 kg -> 2.800 / 4,00 = 700 St (Kapazität 1.000 St nicht ausgeschöpft); Rest 0 kg
P3: 0 St (fällt heraus, weil es je kg den geringsten Beitrag bringt)
Schritt 4 - Programm und Ergebnis:
Grösse
P1
P2
P3
P4
Gesamt
Produktionsmenge (St)
600
600
0
700
-
Verbrauch (kg)
4.200
3.000
0
2.800
10.000
Produktdeckungsbeitrag (EUR)
15.000,00
17.400,00
0,00
8.400,00
40.800,00
Programmdeckungsbeitrag = 40.800,00 EUR
Fixkosten = 30.000,00 EUR
= Betriebsergebnis = 10.800,00 EUR
Vergleich mit 3a:
Verfahren
Betriebsergebnis
3a nach Stückdeckungsbeitrag
7.328,00 EUR
3b nach relativem Stückdeckungsbeitrag
10.800,00 EUR
Differenz
3.472,00 EUR
Die relative Betrachtung bringt 3.472,00 EUR mehr, weil sie die knappe Ressource optimal einsetzt: P3 verbraucht mit 12,50 kg/St zu viel Granulat je Deckungsbeitrag und wird zugunsten von P4 aus dem Programm genommen. Bei nur einem Engpass ist die Reihung nach dem relativen (spezifischen) Deckungsbeitrag immer gewinnmaximal.
Kostenartenrechnung
Bewertung eines Produktionsprogramms
Produktionsprogramm auf Basis der Vollkostenrechnung
Aufgabe #164 · 4 P. · Aufgabe | 4 P. | #1aGemeinsame Angaben (gelten für die ganze Aufgabe): Ein Unternehmen stellt drei Produkte her. In der zurückliegenden Periode wurden die dargestellten Werte ermittelt (Angaben in Euro oder Stück):
Position
Produkt 1
Produkt 2
Produkt 3
Summe
Erlöse
200.000
320.000
300.000
820.000
Stückzahl
1.000
100
1.000
—
Selbstkosten
190.000
350.000
260.000
800.000
variable Kosten
130.000
220.000
160.000
510.000
fixe Kosten
290.000
Entscheiden Sie über das Produktionsprogramm auf Basis der Vollkostenrechnung.
Entscheidungskriterium: Vollkosten-Betriebsergebnisbeitrag je Produkt = Erlöse minus Selbstkosten. Ein Produkt gilt (rein vollkostenbezogen) nur dann als tragfähig, wenn dieser Beitrag positiv ist.
Entscheidung: Produkt 2 weist mit −30.000,00 € einen negativen Vollkosten-Beitrag auf und würde nach reiner Vollkostenlogik aus dem Programm genommen. Verbleibendes Programm wären Produkt 1 und Produkt 3, Rangfolge P3 (40.000,00 €) vor P1 (10.000,00 €).
Achtung: Diese Aussage ist trügerisch, weil in den Selbstkosten anteilige (geschlüsselte) Fixkosten stecken, die bei Eliminierung nicht automatisch entfallen. Die Prüflogik dazu folgt in 1b und 1c.
Betriebsergebnis (Vollkosten) bei Eliminierung von Produkt 2
Aufgabe #165 · 4 P. · Aufgabe | 4 P. | #1bErmitteln Sie das Betriebsergebnis auf Vollkostenbasis bei Eliminierung von Produkt 2 und kommentieren Sie das Ergebnis.
Es werden nur noch Produkt 1 und Produkt 3 gerechnet:
Kommentar (Kernpunkt der Aufgabe): Auf den ersten Blick steigt das Betriebsergebnis von 20.000,00 € (1a) auf 50.000,00 €. Das ist ein Trugschluss der Vollkostenrechnung. In den Selbstkosten von Produkt 2 (350.000,00 €) stecken variable Kosten (220.000,00 €) und ein Fixkostenanteil (bis zu 130.000,00 €). Nur die variablen Kosten entfallen bei Eliminierung sicher; der geschlüsselte Fixkostenanteil bleibt kurzfristig bestehen und muss weiterhin von P1 und P3 getragen werden.
Zieht man diesen weiterlaufenden Fixkostenanteil ab (annahmegemäss, offiziell z. B. 100.000,00 €), ergibt sich: 50.000,00 € − 100.000,00 € = −50.000,00 €.
Fazit: Der scheinbare Gewinnsprung entsteht nur, weil die Fixkosten von P2 rechnerisch verschwinden, obwohl sie real bestehen bleiben. Die Eliminierung von P2 ist auf dieser Basis nicht vorteilhaft.
Produktionsprogramm auf Basis der Teilkostenrechnung
Aufgabe #166 · 6 P. · Aufgabe | 6 P. | #1cEntscheiden Sie über das Produktionsprogramm (Produkt 1 bis 3; Frage 1) auf Basis der Teilkostenrechnung und kommentieren Sie das Ergebnis.
Entscheidungskriterium:Deckungsbeitrag (DB) = Erlöse − variable Kosten. Solange der DB eines Produkts positiv ist, trägt es zur Deckung der Fixkosten bei und gehört ins Programm.
Entscheidung: Alle drei Produkte haben einen positiven Deckungsbeitrag und bleiben im Programm. Rangfolge nach DB: P3 (140.000,00 €) − P2 (100.000,00 €) − P1 (70.000,00 €).
Kommentar: Anders als in der Vollkostenrechnung (1a) erscheint Produkt 2 hier nicht als Verlustbringer: Es liefert 100.000,00 € Deckungsbeitrag zur Fixkostendeckung. Würde man es (wie in 1a nahegelegt) eliminieren, entfiele dieser Beitrag und das Betriebsergebnis würde sinken. Die Teilkostenrechnung trifft die richtige kurzfristige Programmentscheidung.
Betriebsergebnis (Teilkosten) bei Eliminierung von Produkt 1
Aufgabe #167 · 6 P. · Aufgabe | 6 P. | #1dErmitteln Sie das Betriebsergebnis auf Teilkostenbasis bei Eliminierung von Produkt 1 und kommentieren Sie das Ergebnis.
Es werden nur noch Produkt 2 und Produkt 3 gerechnet; die Fixkosten bleiben unverändert beim vollen Block von 290.000,00 €:
Kommentar: Durch die Eliminierung von Produkt 1 fällt dessen Deckungsbeitrag von 70.000,00 € weg. Die Fixkosten bleiben dagegen in voller Höhe (290.000,00 €) bestehen. Das Betriebsergebnis verschlechtert sich von 20.000,00 € (1c) auf −50.000,00 €, also genau um 70.000,00 € — den entgangenen Deckungsbeitrag von P1. Ergebnis: Produkt 1 darf nicht eliminiert werden, obwohl seine Vollkosten-Marge klein war.
Produktionsprogramm mit mehrstufiger Deckungsbeitragsrechnung
Aufgabe #168 · 6 P. · Aufgabe | 6 P. | #1eEntscheiden Sie über das Produktionsprogramm (Produkt 1 bis 3) mithilfe der mehrstufigen Deckungsbeitragsrechnung und kommentieren Sie das Ergebnis. Die fixen Kosten in Höhe von 290.000 EUR sollen folgendermaßen aufteilbar sein (Gruppe 1 = {Produkt 1, Produkt 2}, Gruppe 2 = {Produkt 3}):
Struktur der Fixkosten
Produkt 1
Produkt 2
Produkt 3
Summe
Erzeugnisfixe Kosten
20.000
90.000
60.000
170.000
Erzeugnisgruppenfixe Kosten
40.000 (Gruppe 1)
–
40.000
Unternehmensfixe Kosten
80.000
Summe
290.000
Entscheidungskriterium:Deckungsbeitrag II (nach Abzug der erzeugnisfixen Kosten). Die Fixkosten (290.000,00 €) werden nach Zurechenbarkeit gestuft: erzeugnisfix 170.000,00 € + erzeugnisgruppenfix 40.000,00 € + unternehmensfix 80.000,00 €. Gruppenzuordnung: Gruppe 1 = {P1, P2} (Gruppenfixkosten 40.000,00 €), Gruppe 2 = {P3} (0,00 €).
Entscheidung: Alle Produkte haben einen positiven DB II und decken damit ihre eigenen erzeugnisfixen Kosten; beide Gruppen haben einen positiven DB III. Es bleiben alle drei Produkte im Programm. Rangfolge nach DB II: P3 (80.000,00 €) − P1 (50.000,00 €) − P2 (10.000,00 €).
Kommentar: Die mehrstufige Rechnung zeigt zusätzlich, dass P2 mit nur 10.000,00 € DB II gerade noch seine erzeugnisfixen Kosten deckt — der schwächste Beitrag, aber weiterhin positiv. Das Gesamtergebnis (20.000,00 €) bleibt identisch zur einstufigen Rechnung; die Aufteilung liefert nur zusätzliche Transparenz.
Mehrstufige DB-Rechnung bei Eliminierung von Produkt 2
Aufgabe #169 · 4 P. · Aufgabe | 4 P. | #1fBearbeiten Sie die Fragestellung oben bei Eliminierung von Produkte 2 und kommentieren Sie das Ergebnis.
Es wird ohne Produkt 2 gerechnet. Annahme: Die erzeugnisfixen Kosten von P2 (90.000,00 €) sind kurzfristig vollständig abbaubar. Die erzeugnisgruppenfixen Kosten der Gruppe {P1, P2} (40.000,00 €) und die unternehmensfixen Kosten (80.000,00 €) bleiben bestehen.
Position
Produkt 1
Produkt 3
Summe
Erlöse
200.000,00 €
300.000,00 €
500.000,00 €
variable Kosten
130.000,00 €
160.000,00 €
290.000,00 €
Deckungsbeitrag I
70.000,00 €
140.000,00 €
210.000,00 €
erzeugnisfixe Kosten
20.000,00 €
60.000,00 €
80.000,00 €
Deckungsbeitrag II
50.000,00 €
80.000,00 €
130.000,00 €
Gruppenebene:
Position
Gruppe 1 (nur P1)
Gruppe 2 (P3)
Summe
Deckungsbeitrag II
50.000,00 €
80.000,00 €
130.000,00 €
erzeugnisgruppenfixe Kosten
40.000,00 €
0,00 €
40.000,00 €
Deckungsbeitrag III
10.000,00 €
80.000,00 €
90.000,00 €
unternehmensfixe Kosten
80.000,00 €
Betriebsergebnis
10.000,00 €
Rechnung: Summe DB III 90.000,00 € − unternehmensfixe Kosten 80.000,00 € = 10.000,00 €.
Hinweis zur Kontrolle: Im offiziellen Blatt ist die Summenzelle der erzeugnisfixen Kosten mit 170.000 fehlerhaft angegeben; korrekt sind 20.000,00 € + 60.000,00 € = 80.000,00 € (so hier gerechnet). Die Folgezeilen und das Endergebnis (10.000,00 €) stimmen mit der offiziellen Lösung überein.
Kommentar: Selbst unter der günstigen Annahme, dass die erzeugnisfixen Kosten von P2 komplett wegfallen, sinkt das Betriebsergebnis von 20.000,00 € (1e) auf 10.000,00 €, also um genau 10.000,00 € — den DB II von P2. Die erzeugnisgruppenfixen Kosten (40.000,00 €) belasten nun P1 allein, sodass dessen Gruppen-DB III nur noch 10.000,00 € beträgt. Ergebnis: Produkt 2 sollte im Programm bleiben.
Programmentscheidung auf Basis des Stueckdeckungsbeitrags db II
Aufgabe #170 · 6 P. · Aufgabe | 6 P. | #1gBearbeiten Sie die Fragestellung oben auf Basis des Stückdeckungsbeitrags db II und kommentieren Sie das Ergebnis.
Entscheidungskriterium: Stückdeckungsbeitrag db II = Deckungsbeitrag II ÷ Stückzahl. Bis DB II identisch zu 1e:
Position
Produkt 1
Produkt 2
Produkt 3
Summe
Erlöse
200.000,00 €
320.000,00 €
300.000,00 €
820.000,00 €
variable Kosten
130.000,00 €
220.000,00 €
160.000,00 €
510.000,00 €
Deckungsbeitrag I
70.000,00 €
100.000,00 €
140.000,00 €
310.000,00 €
erzeugnisfixe Kosten
20.000,00 €
90.000,00 €
60.000,00 €
170.000,00 €
Deckungsbeitrag II
50.000,00 €
10.000,00 €
80.000,00 €
140.000,00 €
Stückzahl
1.000
100
1.000
db II je Stück
50,00 €
100,00 €
80,00 €
Rechnung:
P1: 50.000,00 € ÷ 1.000 = 50,00 €/Stück
P2: 10.000,00 € ÷ 100 = 100,00 €/Stück
P3: 80.000,00 € ÷ 1.000 = 80,00 €/Stück
Die nachgelagerten Stufen bleiben unverändert: Gruppe {P1,P2} DB III = (50.000 + 10.000) − 40.000 = 20.000,00 €, Gruppe {P3} = 80.000,00 €, Summe DB III 100.000,00 € − unternehmensfixe Kosten 80.000,00 € = Betriebsergebnis 20.000,00 €.
Entscheidung / Rangfolge: Pro Stück betrachtet dreht sich die Reihenfolge um: P2 (100,00 €) − P3 (80,00 €) − P1 (50,00 €).
Kommentar: Produkt 2 hatte mit dem gesamten DB II (10.000,00 €) den geringsten Rang, ist aber pro Stück mit 100,00 € am attraktivsten, weil nur 100 Stück abgesetzt werden. Diese Stück-Betrachtung ist entscheidend bei einem Engpass (begrenzte Kapazität): Dann wird nach dem Stückdeckungsbeitrag bzw. dem DB je Engpasseinheit gereiht, nicht nach dem absoluten Produkt-DB. Ohne Engpass bleibt das Gesamtprogramm (alle drei Produkte) unverändert.
Deckungsbeitragsrechnung
Stufenweise Deckungsbeitraege und Betriebserfolg
Aufgabe #171 · 10 P. · Aufgabe | 10 P. | #2aGemeinsame Angaben (gelten für die ganze Aufgabe): In einem Betrieb werden fünf verschiedene Produkte gefertigt und zwar A bis C im Bereich X und D und E im Bereich Y. Die gesamten Fixkosten einer Periode belaufen sich auf 50.000 EUR, wovon 24.000 EUR dem Bereich X und 16.000 EUR dem Bereich Y direkt zugeordnet werden können. Die weiteren Daten entnehmen Sie der Tabelle:
Bereich
X
Y
Produkt
A
B
C
D
E
Absatzmenge
100 St.
300 St.
400 St.
250 St.
180 St.
Stückerlöse
100 EUR
30 EUR
70 EUR
40 EUR
80 EUR
kv
17 EUR
9 EUR
25 EUR
12 EUR
10 EUR
Ermitteln Sie nun stufenweise Deckungsbeiträge und den Betriebserfolg.
Vorgehen: erst Stück-Deckungsbeitrag (db = Stückerlös − kv), dann Gesamt-DB I je Produkt (db × Absatzmenge), dann Bereichs-DB II (Bereichs-DB I − bereichsfixe Kosten), zuletzt Betriebserfolg (Summe DB II − unternehmensfixe Kosten).
Fixkostenaufteilung: Gesamt 50.000,00 €; Bereich X direkt 24.000,00 €; Bereich Y direkt 16.000,00 €; verbleibende unternehmensfixe Kosten = 50.000,00 € − 24.000,00 € − 16.000,00 € = 10.000,00 €.
Stück-Deckungsbeiträge:
Produkt
Stückerlös
kv
db je Stück
A
100,00 €
17,00 €
83,00 €
B
30,00 €
9,00 €
21,00 €
C
70,00 €
25,00 €
45,00 €
D
40,00 €
12,00 €
28,00 €
E
80,00 €
10,00 €
70,00 €
Stufenweise Deckungsbeitragsrechnung:
Position
A
B
C
D
E
Gesamt
Absatzmenge (St.)
100
300
400
250
180
Umsatz
10.000,00 €
9.000,00 €
28.000,00 €
10.000,00 €
14.400,00 €
71.400,00 €
variable Kosten
1.700,00 €
2.700,00 €
10.000,00 €
3.000,00 €
1.800,00 €
19.200,00 €
Deckungsbeitrag I
8.300,00 €
6.300,00 €
18.000,00 €
7.000,00 €
12.600,00 €
52.200,00 €
Bereichs- und Unternehmensebene:
Position
Bereich X (A+B+C)
Bereich Y (D+E)
Gesamt
Summe Deckungsbeitrag I
32.600,00 €
19.600,00 €
52.200,00 €
bereichsfixe Kosten
24.000,00 €
16.000,00 €
40.000,00 €
Deckungsbeitrag II (Bereich)
8.600,00 €
3.600,00 €
12.200,00 €
unternehmensfixe Kosten
10.000,00 €
Betriebserfolg
2.200,00 €
Rechnung:
DB I je Produkt: A 83,00 × 100 = 8.300,00 €; B 21,00 × 300 = 6.300,00 €; C 45,00 × 400 = 18.000,00 €; D 28,00 × 250 = 7.000,00 €; E 70,00 × 180 = 12.600,00 €
DB I Bereich X: 8.300 + 6.300 + 18.000 = 32.600,00 €; Bereich Y: 7.000 + 12.600 = 19.600,00 €
DB II Bereich X: 32.600 − 24.000 = 8.600,00 €; Bereich Y: 19.600 − 16.000 = 3.600,00 €
Ergebnis: Betriebserfolg = 2.200,00 € (stimmt mit der Vorgabe überein).
Deckungsbeitragsquoten (DB je Umsatz)
Aufgabe #172 · 5 P. · Aufgabe | 5 P. | #2bErmitteln Sie außerdem die Deckungsbeitragsquoten, also das Verhältnis der Deckungsbeiträge zum zugehörigen Umsatz.
Formel:Deckungsbeitragsquote = (Deckungsbeitrag ÷ zugehöriger Umsatz) × 100. Produktweise entspricht das db je Stück ÷ Stückerlös.
Produkt
Deckungsbeitrag I
Umsatz
DB-Quote
A
8.300,00 €
10.000,00 €
83,00 %
B
6.300,00 €
9.000,00 €
70,00 %
C
18.000,00 €
28.000,00 €
64,29 %
D
7.000,00 €
10.000,00 €
70,00 %
E
12.600,00 €
14.400,00 €
87,50 %
Rechnung:
A: 8.300 ÷ 10.000 = 83,00 %
B: 6.300 ÷ 9.000 = 70,00 %
C: 18.000 ÷ 28.000 = 64,29 %
D: 7.000 ÷ 10.000 = 70,00 %
E: 12.600 ÷ 14.400 = 87,50 %
Ergänzend auf Bereichs- und Gesamtebene:
Ebene
Deckungsbeitrag
Umsatz
DB-Quote
Bereich X
32.600,00 €
47.000,00 €
69,36 %
Bereich Y
19.600,00 €
24.400,00 €
80,33 %
Gesamt
52.200,00 €
71.400,00 €
73,11 %
Interpretation: Die DB-Quote zeigt, welcher Anteil jedes Umsatz-Euros zur Deckung der Fixkosten und zum Gewinn beiträgt. Am höchsten sind E (87,50 %) und A (83,00 %), am niedrigsten C (64,29 %).
Beurteilung des Produktionsprogramms / Foerderungswuerdigkeit
Aufgabe #173 · 5 P. · Aufgabe | 5 P. | #2cWie beurteilen Sie das Produktionsprogramm? Welche Produkte sind besonders förderungswürdig?
Grundaussage: Alle fünf Produkte haben einen positiven Deckungsbeitrag und tragen zur Fixkostendeckung bei — keines ist kurzfristig aus dem Programm zu nehmen. Auch beide Bereiche sind tragfähig: Bereich X deckt seine bereichsfixen Kosten (DB II 8.600,00 € > 0) und Bereich Y ebenfalls (DB II 3.600,00 € > 0).
Förderungswürdigkeit — je nach Kriterium:
Kriterium
Rangfolge
Besonders förderungswürdig
relative Marge (DB-Quote)
E 87,50 % > A 83,00 % > B 70,00 % = D 70,00 % > C 64,29 %
E und A
absoluter Deckungsbeitrag
C 18.000 > E 12.600 > A 8.300 > D 7.000 > B 6.300
C und E
Beurteilung:
Produkt E ist der klare Favorit: höchste DB-Quote (87,50 %) und zugleich zweithöchster absoluter DB (12.600,00 €). Ein Ausbau von E verbessert das Ergebnis besonders effizient.
Produkt A ist relativ sehr rentabel (83,00 %), liefert wegen der kleinen Menge (100 St.) aber nur 8.300,00 € absolut. Mengensteigerung wäre hier lohnend.
Produkt C hat die niedrigste Quote (64,29 %), erzielt durch die grosse Menge (400 St.) jedoch den höchsten absoluten DB (18.000,00 €) — als Volumenträger wichtig.
B und D liegen mit 70,00 % im Mittelfeld und bleiben unproblematisch.
Förderempfehlung: Bei freien Kapazitäten zürst E, dann A ausbauen (höchste relative Rentabilität). Liegt ein Engpass vor, ist statt der DB-Quote der Deckungsbeitrag je Engpasseinheit (z. B. je Maschinen- oder Fertigungsstunde) massgeblich; dazu fehlen hier die Kapazitätsdaten.
Informationsgehalt mehrstufige vs. einstufige DB-Rechnung
Aufgabe #174 · 5 P. · Aufgabe | 5 P. | #2dWelche Informationen enthält die mehrstufige DB-Rechnung im Vergleich zur einstufigen? (Gegeben: Betriebsergebnis 2.200 EUR.)
Einstufige DB-Rechnung: Von den Erlösen werden nur die variablen Kosten abgezogen; die gesamten Fixkosten werden anschliessend als ein einziger Block vom Summen-Deckungsbeitrag subtrahiert. Sichtbar sind damit nur der Deckungsbeitrag je Produkt und der Gesamt-Betriebserfolg.
Mehrstufige DB-Rechnung: Die Fixkosten werden nach ihrer Zurechenbarkeit gestuft und schrittweise abgezogen — hier erzeugnis-/produktfixe Kosten, bereichsfixe (bzw. gruppenfixe) Kosten und zuletzt unternehmensfixe Kosten. Dadurch entstehen mehrere Deckungsbeitragsstufen (DB I, DB II, ...).
Zusätzlicher Informationsgehalt der mehrstufigen Rechnung:
Aspekt
einstufig
mehrstufig
Fixkostenbehandlung
ein Gesamtblock
nach Verantwortungs-/Zurechnungsebene gestaffelt
Segmenterfolg
nicht erkennbar
je Bereich sichtbar (Bereichs-DB II)
Deckung eigener Fixkosten
unklar
prüfbar je Produkt/Bereich
Grundlage f. Elimination
grob
differenziert je Stufe
Kernvorteile:
Man erkennt, ob ein Bereich seine eigenen (direkt zurechenbaren) Fixkosten deckt — im Beispiel decken sowohl X (DB II 8.600,00 €) als auch Y (DB II 3.600,00 €) ihre bereichsfixen Kosten.
Verursachungsgerechte Zurechnung: Nur direkt zurechenbare Fixkosten werden der jeweiligen Stufe belastet; echte Gemeinfixkosten (unternehmensfix) bleiben unverteilt — keine willkürliche Schlüsselung wie in der Vollkostenrechnung.
Bessere Steuerungs- und Eliminationsentscheidungen: Fehlt ein Segment-DB, lässt sich gezielt auf der richtigen Ebene eingreifen, statt pauschal über den Gesamterfolg zu urteilen.
Fazit: Die einstufige Rechnung liefert nur den Gesamterfolg und kann bei Programmentscheidungen in die Irre führen; die mehrstufige Rechnung macht transparent, welche Produkte und Bereiche welche Fixkostenblöcke tragen, und ist damit die aussagekräftigere Entscheidungsgrundlage.
a) Produktionsprogramm auf Basis der Teilkostenrechnung (Stück-Deckungsbeitrag) — 3 P.
Entscheidungsregel (Teilkostenrechnung): Ein Produkt gehört ins Programm, sobald sein Stück-Deckungsbeitrag positiv ist () — dann leistet jede verkaufte Einheit einen Beitrag zur Deckung der Fixkosten. Die Fixkosten bleiben auf dieser Stufe bewusst außen vor.
Zur Reihenfolge (von der Aufgabe explizit verlangt): Ohne vorgegebenen Engpass (keine Kapazitätsgrenze in dieser Teilaufgabe) rangiert man die Produkte nach der Höhe ihres Stück-Deckungsbeitrags absteigend — der Stück-DB zeigt, wie viel jede zusätzlich verkaufte Einheit zur Fixkostendeckung beiträgt, unabhängig von der Losgröße. Gäbe es stattdessen einen Engpass (z. B. knappe Maschinenstunden je Stück), müsste stattdessen nach dem relativen DB (Stück-DB ÷ Engpassverbrauch je Stück) sortiert werden — dazu fehlen hier aber die nötigen Kapazitätsangaben.
P1: bzw.
P2: bzw.
P3: bzw.
Rang
Produkt
Stück-DB (EUR/Stück)
positiv?
ins Programm?
1
P1
1.350,00
ja
ja
2
P2
320,00
ja
ja
3
P3
200,00
ja
ja
Ergebnis a): Alle drei Stück-Deckungsbeiträge sind positiv → P1, P2 und P3 werden alle produziert. Kein Produkt ist stückbezogen ein Verlustbringer; jedes deckt seine variablen Kosten und trägt zusätzlich zur Fixkostendeckung bei.
Reihenfolge (wie gefordert): Nach absteigendem Stück-DB ergibt sich die Rangfolge P1 → P2 → P3 (1.350,00 € > 320,00 € > 200,00 €/Stück). P1 ist demnach das je Stück lukrativste Produkt, P3 das am wenigsten lukrative — an der Aufnahme ins Programm ändert das hier nichts (alle drei bleiben drin), es beantwortet aber genau den in der Aufgabe verlangten Reihenfolge-Teil.
b) Produktionsprogramm mithilfe der mehrstufigen Deckungsbeitragsrechnung — 6 P.
Schema der mehrstufigen (stufenweisen) Fixkostendeckungsrechnung:
Stufe 1 — Deckungsbeitrag I (Umsatz − variable Kosten):
Stufe 2 — Deckungsbeitrag II (DB I − Erzeugnisfixkosten):
→ Alle DB II positiv: Jedes Produkt deckt seine eigenen Erzeugnisfixkosten und leistet einen Restbeitrag. Kein Produkt scheidet aus.
Stufe 3 — Deckungsbeitrag III (Summe DB II der Gruppe − Erzeugnisgruppenfixkosten):
Gruppe (P1+P2):
Gruppe (P3, Einzelprodukt):
→ Beide Gruppen positiv → beide Gruppen bleiben im Programm.
Stufe 4 — Betriebsergebnis (Summe DB III − Unternehmensfixkosten):
Gesamtübersicht:
Stufe
P1
P2
P3
Summe
Umsatz
2.700.000
1.440.000
6.600.000
10.740.000
− variable Kosten
675.000
864.000
6.000.000
7.539.000
= DB I
2.025.000
576.000
600.000
3.201.000
− Erzeugnisfixkosten
1.000.000
180.000
250.000
1.430.000
= DB II
1.025.000
396.000
350.000
1.771.000
− Erzeugnisgruppenfix
250.000 (Gr. P1+P2)
–
0
250.000
= DB III
1.171.000 (Gr. P1+P2)
–
350.000
1.521.000
− Unternehmensfixkosten
–
–
–
450.000
= Betriebsergebnis
–
–
–
1.071.000
Gegenprobe: Umsatz − Selbstkosten ✓
Ergebnis b): Auf jeder Stufe (DB I, DB II, DB III) sind alle Werte positiv → alle drei Produkte werden gefertigt. Das Betriebsergebnis beträgt +1.071.000,00 EUR. Die mehrstufige DBR bestätigt das Programm aus a) und zeigt zusätzlich: jedes Produkt trägt auch nach Abzug seiner Eigenfixkosten noch positiv bei.
c) Engpass — auf P2 oder P3 verzichten? — 4 P.
Situation: Ein Engpass zwingt dazu, genau eines der Produkte P2 oder P3 aus dem Programm zu nehmen. Zu entscheiden ist, welcher Verzicht das Betriebsergebnis am wenigsten schmälert.
Entscheidendes Kriterium — Ergebniswirkung des Verzichts (DB II): Wird ein Produkt aufgegeben, entfallen mit ihm auch seine produktspezifischen Erzeugnisfixkosten. Der Ergebnisverlust entspricht daher genau seinem DB II (Deckungsbeitrag nach Abzug der Erzeugnisfixkosten):
Verzicht auf P2 kostet EUR → Betriebsergebnis EUR
Verzicht auf P3 kostet EUR → Betriebsergebnis EUR
Der Verzicht auf P3 schmälert das Betriebsergebnis um 46.000 EUR weniger (350.000 statt 396.000). Es bleibt das höhere Restergebnis (721.000 statt 675.000 EUR).
→ Entscheidung: Auf P3 verzichten, P2 bleibt im Programm.
Bestätigung durch weitere Kennzahlen (P2 gegen P3):
Kennzahl
P2
P3
spricht für Verzicht auf
Stück-DB (bei mengenbezogenem Engpass)
320,00 EUR/Stück
200,00 EUR/Stück
P3 (geringerer DB je Einheit)
DB-Marge
576.000/1.440.000 = 40,00 %
600.000/6.600.000 = 9,09 %
P3 (viel margenschwächer)
Ressourceneffizienz
576.000/864.000 = 0,67
600.000/6.000.000 = 0,10
P3 (bindet je EUR var. Kosten am meisten Mittel)
P3 bindet mit 6.600.000 EUR rund 61 % des Gesamtumsatzes und 6.000.000 EUR variable Kosten, liefert daraus aber nur 600.000 EUR Deckungsbeitrag — margen- und ressourcenschwaches Volumengeschäft. Alle Kennzahlen bestätigen die aus dem DB II abgeleitete Entscheidung.
Ergebnis c):P3 wird nicht hergestellt, P2 bleibt im Programm. Ausschlaggebend ist der kleinere Ergebnisverlust: Der Wegfall von P3 kostet mit 350.000 EUR (DB II) rund 46.000 EUR weniger als der Wegfall von P2 (396.000 EUR). Stück-DB (200 gegen 320), DB-Marge (9,09 % gegen 40,00 %) und Ressourceneffizienz (0,10 gegen 0,67) weisen in dieselbe Richtung.
Symbol- und Größenverzeichnis
Aufgabe #178 · 16 P. · Aufgabe |ACME GmbH, Sonderfertigung. Fertigungseinzelkosten 638 EUR, Materialeinzelkosten 249 EUR. Zuschlagssätze: FGK 550%, MGK 140%, VwGK 8%, VtGK 7%. Vor-Ort-Einweisung: Reisekosten 344 EUR, aus Kulanz nicht abgerechnet. Am 01.07.2025 Rechnungsbetrag 7.178,44 EUR überwiesen. Nachkalkulation: Gewinnspanne 4% bzw. Gewinn 232,01 EUR. a) 3 P. War es ein gutes Geschäft? Begründen. b) 3 P. Welche Frage beantwortet die Vorkalkulation? c) 3 P. Welche Frage beantwortet die Nachkalkulation? d) 3 P. War die Kulanzleistung in der Vorkalkulation enthalten? Begründen. e) 4 P. Wenn der Außendienst häufiger vor Ort einweisen müsste — wie damit umgehen?
📝 Ausformulierte Lösung
Kürzel
Ausgeschrieben
Bedeutung
MEK
Materialeinzelkosten
direkt dem Produkt zurechenbare Materialkosten
MGK
Materialgemeinkosten
anteilige Material-Gemeinkosten (per Zuschlag)
FEK
Fertigungseinzelkosten
direkt zurechenbare Fertigungslöhne
FGK
Fertigungsgemeinkosten
anteilige Fertigungs-Gemeinkosten (per Zuschlag)
HK
Herstellkosten
Material- + Fertigungskosten
VwGK
Verwaltungsgemeinkosten
Zuschlag auf HK
VtGK
Vertriebsgemeinkosten
Zuschlag auf HK
SK
Selbstkosten
HK + VwGK + VtGK
Deckungsbeitragsrechnung — 3 Produkte
Aufgabe #212 · 13 P. · Aufgabe |Ein Unternehmen stellt drei Produkte her, für die zurückliegende Periode gelten folgende Werte:
Produkt
1
2
3
Erlöse [EUR]
210.000
310.000
300.000
Stückzahl [St.]
1.000
100
1.000
Selbstkosten [EUR]
190.000
300.000
260.000
variable Kosten [EUR]
130.000
210.000
160.000
Die Fixkosten betragen 290.000 EUR. Sie sind wie folgt aufteilbar:
Produkt
1
2
3
Summe
Erzeugnisfixe Kosten [EUR]
20.000
90.000
60.000
170.000
Erzeugnisgruppenfixe Kosten [EUR]
40.000 (Gruppe {1,2})
—
0
40.000
Unternehmensfixe Kosten [EUR]
80.000
a) 4 P. Entscheiden Sie über das Produktionsprogramm (Reihenfolge Produkt 1 bis 3) auf Basis der Teilkostenrechnung! b) 9 P. Entscheiden Sie über das Produktionsprogramm (Reihenfolge Produkt 1 bis 3) mithilfe der mehrstufigen Deckungsbeitragsrechnung!
📝 Ausformulierte Lösung
a) Produktionsprogramm auf Basis der Teilkostenrechnung
b) Produktionsprogramm mithilfe der mehrstufigen Deckungsbeitragsrechnung
P1
P2
P3
Summe
Erlöse
210.000,00 €
310.000,00 €
300.000,00 €
820.000,00 €
− variable Kosten
130.000,00 €
210.000,00 €
160.000,00 €
500.000,00 €
= DB I
80.000,00 €
100.000,00 €
140.000,00 €
320.000,00 €
− Erzeugnisfixkosten
20.000,00 €
90.000,00 €
60.000,00 €
170.000,00 €
= DB II
60.000,00 €
10.000,00 €
80.000,00 €
150.000,00 €
− Erzeugnisgruppenfix {P1,P2}
(60.000+10.000=70.000) −40.000 = 30.000,00 €
80.000,00 € − 0 = 80.000,00 €
= DB III
110.000,00 €
− Unternehmensfixkosten
80.000,00 €
= Betriebsergebnis
30.000,00 €
Ergebnis b): Rangfolge nach DB II: P3 (80.000 €) → P1 (60.000 €) → P2 (10.000 €). Lernpunkt: P2 liegt nach dem einstufigen DB (a) noch auf Platz 2, fällt aber nach Abzug der eigenen (sehr hohen) Erzeugnisfixkosten von 90.000 € auf DB II = 10.000 € zurück und landet in der mehrstufigen Betrachtung auf dem letzten Platz. Erst die stufenweise Rechnung zeigt die „echte" Rangfolge, die reine Gesamt-DB-Betrachtung (a) täuscht hier.
Kontrollrechnung: Σ DB I (320.000,00 €) − Σ Fixkosten (290.000,00 €) = 30.000,00 € = Betriebsergebnis, in a) und b) identisch — beide Methoden führen (wie erwartet, da keine Bestandsveränderung vorliegt) zum selben Betriebsergebnis. Die Selbstkosten-Spalte der Angabe wird für diese Aufgabe nicht benötigt (ihre Differenz zu den variablen Kosten summiert sich nicht sauber auf die drei gegebenen Fixkostenschichten — vermutlich weil die Selbstkosten-Zeile eine andere, hier nicht relevante Umlage der Unternehmensfixkosten unterstellt); die Rangfolge wird allein über Erlöse, variable Kosten und die Fixkostenschichtung entschieden.
Deckungsbeitrag mit Engpass — Gartenmöbel-Fertigung: optimales Produktionsprogramm bei knapper Maschinenzeit — Zusatzübung
Aufgabe #232 · Deckungsbeitrag mit Engpass — Gartenmöbel-Fertigung: optimales Produktionsprogramm bei knapper Maschinenzeit — ZusatzübungDie Gartenmöbel Rheinhessen GmbH stellt drei Produkte auf einer Fräsmaschine her. In der kommenden Periode stehen nur 30.000 Maschinenminuten zur Verfügung — zu wenig, um die volle Nachfrage aller drei Produkte zu decken. Gegeben:
Größe
Produkt A
Produkt B
Produkt C
Verkaufspreis p (€/Stück)
80
120
60
variable Stückkosten kv (€/Stück)
50
84
39
Maschinenzeit (min/Stück)
6
9
3
max. Absatzmenge (Stück)
2.000
1.500
3.000
Die Fixkosten der Periode betragen 120.000 €.
Ermittle a) die Rangfolge für das optimale Produktionsprogramm, b) das mengenmäßige Programm und c) das Betriebsergebnis. Zeige mit einer Gegenprobe, dass eine Reihung nach dem absoluten Stück-Deckungsbeitrag schlechter abschneidet.
Lösung — Schritt für Schritt:
Stück-Deckungsbeitragdb = p − kv:
A: 80 − 50 = 30,00 €/Stück
B: 120 − 84 = 36,00 €/Stück
C: 60 − 39 = 21,00 €/Stück
Nach dem absoluten db allein wäre die Reihenfolge B > A > C — aber knapp ist nicht das Stück, sondern die Maschinenminute.
Relativer DB = db ÷ Maschinenzeit je Stück (Deckungsbeitrag je knapper Minute):
A: 30 ÷ 6 = 5,00 €/min
B: 36 ÷ 9 = 4,00 €/min
C: 21 ÷ 3 = 7,00 €/min
Rangfolge nach relativem DB:C (7,00) → A (5,00) → B (4,00). Bemerkenswert: C hat den niedrigsten absoluten db (21 €), aber den höchstenDeckungsbeitrag je knapper Minute — es kommt zuerst dran.
Kapazität nach Rang auffüllen (30.000 min):
C zuerst: 3.000 Stück × 3 min = 9.000 min → alle 3.000 C. Rest: 30.000 − 9.000 = 21.000 min.
A als Nächstes: 2.000 Stück × 6 min = 12.000 min → alle 2.000 A. Rest: 21.000 − 12.000 = 9.000 min.
B zuletzt (Grenzprodukt): 9.000 min ÷ 9 min/Stück = 1.000 Stück B (von 1.500 möglichen). Die Kapazität ist damit voll ausgeschöpft.
Ergebnis: Optimales Programm C 3.000 · A 2.000 · B 1.000 Stück; Betriebsergebnis = 39.000 €.
Rechenprobe: (1) Verbrauchte Maschinenzeit = 3.000×3 + 2.000×6 + 1.000×9 = 9.000 + 12.000 + 9.000 = 30.000 min = exakt die verfügbare Kapazität. ✓ (2) Gegenprobe mit dem falschen Kriterium (Reihung nach absolutem db: B → A → C): B voll 1.500×9 = 13.500 min; A voll 2.000×6 = 12.000 min; Rest 30.000 − 25.500 = 4.500 min → C nur 1.500 Stück. DB = 1.500×36 + 2.000×30 + 1.500×21 = 54.000 + 60.000 + 31.500 = 145.500 € — das sind 13.500 € weniger als die 159.000 € des richtigen Programms. Der relative DB gewinnt nachweisbar. ✓
Mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung — Sanitär-Hersteller mit zwei Sparten: DB I / II / III bis zum Betriebsergebnis — Zusatzübung
Aufgabe #233 · Mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung — Sanitär-Hersteller mit zwei Sparten: DB I / II / III bis zum Betriebsergebnis — ZusatzübungDie WohnWert GmbH fertigt in zwei Sparten. Die Sparte Bad umfasst die Produkte B1 und B2, die Sparte Küche nur das Produkt K1. Gegeben sind je Produkt Erlöse, variable Kosten und die nur dem Produkt zurechenbaren Erzeugnisfixkosten:
Größe
B1
B2
K1
Erlöse (€)
400.000
300.000
500.000
variable Kosten (€)
250.000
210.000
320.000
Erzeugnisfixkosten (€)
60.000
40.000
70.000
Die Erzeugnisgruppenfixkosten der Sparte Bad betragen 50.000 €, die Unternehmensfixkosten80.000 €.
Ermittle stufenweise DB I, DB II je Produkt, DB III je Gruppe und das Betriebsergebnis. Begründe, warum die Erzeugnisgruppenfixkosten von K1 null sind, und gib die Rangfolge nach DB II an.
Lösung — Schritt für Schritt:
DB I = Erlöse − variable Kosten (was nach den variablen Kosten übrig bleibt):
B1: 400.000 − 250.000 = 150.000 €
B2: 300.000 − 210.000 = 90.000 €
K1: 500.000 − 320.000 = 180.000 €
DB II = DB I − Erzeugnisfixkosten (Beitrag nach den eigenenFixkosten des Produkts):
B1: 150.000 − 60.000 = 90.000 €
B2: 90.000 − 40.000 = 50.000 €
K1: 180.000 − 70.000 = 110.000 €
DB III je Gruppe = Σ DB II der Gruppe − Erzeugnisgruppenfixkosten:
Sparte Bad {B1, B2}: Σ DB II = 90.000 + 50.000 = 140.000 €; − Gruppenfix 50.000 = DB III = 90.000 €.
Sparte Küche {K1}: K1 ist alleiniges Produkt seiner Gruppe → Gruppenfixkosten = 0 € (Kosten, die „die Gruppe" beträfen, treffen automatisch nur K1 und sind damit bereits Erzeugnisfixkosten). DB III = 110.000 − 0 = 110.000 €.
Betriebsergebnis = Σ DB III − Unternehmensfixkosten = (90.000 + 110.000) − 80.000 = 200.000 − 80.000 = 120.000 €.
Rangfolge nach DB II:K1 (110.000) → B1 (90.000) → B2 (50.000).
Ergebnis:DB III Bad 90.000 € · DB III Küche 110.000 € · Betriebsergebnis = 120.000 €; Rangfolge nach DB II: K1 → B1 → B2; Gruppenfix von K1 = 0 €.
Aufgabe #234 · Mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung — Produktelimination: darf das „defizitäre" Produkt P3 gestrichen werden? — ZusatzübungDie Elektrotechnik Nahetal GmbH fertigt drei Produkte in einer Produktgruppe. Gegeben:
Größe
P1
P2
P3
Erlöse (€)
600.000
450.000
200.000
variable Kosten (€)
360.000
300.000
170.000
Erzeugnisfixkosten (€)
80.000
50.000
20.000
Die Erzeugnisgruppenfixkosten betragen 40.000 €, die Unternehmensfixkosten90.000 €.
Der Vertrieb schlüsselt Gruppen- und Unternehmensfixkosten (zusammen 130.000 €) nach Erlösanteil auf die Produkte und stellt fest, dass P3 danach „rote Zahlen" schreibt. Man überlegt, P3 zu streichen.
a) Ermittle DB I, DB II je Produkt und das Betriebsergebnis. b) Prüfe rechnerisch, ob die Elimination von P3 das Betriebsergebnis verbessert (die Erzeugnisfixkosten von P3 seien kurzfristig vollständig abbaubar).
Lösung — Schritt für Schritt:
DB I = Erlöse − variable Kosten:
P1: 600.000 − 360.000 = 240.000 €
P2: 450.000 − 300.000 = 150.000 €
P3: 200.000 − 170.000 = 30.000 €
DB II = DB I − Erzeugnisfixkosten:
P1: 240.000 − 80.000 = 160.000 €
P2: 150.000 − 50.000 = 100.000 €
P3: 30.000 − 20.000 = 10.000 € (positiv, wenn auch klein!)
Betriebsergebnis (alle drei Produkte): Σ DB II = 160.000 + 100.000 + 10.000 = 270.000 €; − Gruppenfix 40.000 → DB III = 230.000 €; − Unternehmensfix 90.000 → Betriebsergebnis = 140.000 €.
Die Vollkosten-Falle bei P3 durchschauen: Erlösanteil P3 = 200.000 ÷ 1.250.000 = 16 %. Geschlüsselte Gruppen-/Unternehmensfixkosten = 130.000 × 0,16 = 20.800 €. „Vollkosten-Ergebnis" P3 = DB II 10.000 − 20.800 = −10.800 € → sieht defizitär aus. Aber: Diese 20.800 € sind nur geschlüsselt — sie fallen auch ohne P3 weiter an.
Elimination korrekt rechnen. Maßgebliche Stufe ist DB II (Erzeugnisfix abbaubar). Regel: neues Betriebsergebnis = altes Betriebsergebnis − wegfallender DB II. = 140.000 − 10.000 = 130.000 € → das Ergebnis verschlechtert sich um 10.000 €.
Ergebnis:P3 darf NICHT gestrichen werden. Es trägt mit einem positiven DB II von 10.000 € zur Deckung der Gruppen- und Unternehmensfixkosten bei. Nach Streichung sinkt das Betriebsergebnis von 140.000 € auf 130.000 €.
Rechenprobe: Programm ohne P3 von Grund auf neu durchrechnen: Es bleiben P1 und P2. Σ DB II = 160.000 + 100.000 = 260.000 €. Die Gruppenfix (40.000 €) und Unternehmensfix (90.000 €) bleiben und lasten jetzt allein auf P1 und P2: 260.000 − 40.000 − 90.000 = 130.000 €. Deckt sich exakt mit „140.000 − 10.000 = 130.000 €". ✓ Wer stattdessen P3 auf Vollkostenbasis rechnet und meint, mit dem „Verlust" von 10.800 € falle die ganze Kostenlast weg, liegt um 20.800 € daneben.
Deckungsbeitrag & Preisuntergrenze — lohnt sich der Zusatzauftrag für Produkt 2? — Zusatzübung
(gleiches Zahlen-Setting wie die Drei-Produkte-Deckungsbeitragsaufgabe, andere Frage)
Aufgabe #236 · Deckungsbeitrag & Preisuntergrenze — lohnt sich der Zusatzauftrag für Produkt 2? — ZusatzübungEs gelten die Daten der Drei-Produkte-Aufgabe. Das Original fragte nach der Rangfolge / dem Produktionsprogramm; das Betriebsergebnis des vollen Programms beträgt dort 184.000 €.
Produkt
1
2
3
Erlöse (€)
700.000
608.000
2.200.000
Stückzahl
2.500
1.600
800
Selbstkosten (€)
644.500
503.500
2.176.000
variable Kosten (€)
450.000
384.000
2.040.000
Jetzt die andere Frage: a) Ermittle je Produkt die kurzfristige Preisuntergrenze (und zum Vergleich die langfristige). b) Ein Kunde bietet einen Zusatzauftrag über 300 Stück von Produkt 2 zu 220,00 €/Stück bei sonst freien Kapazitäten (kein Engpass). Soll der Auftrag angenommen werden?
Der Preis liegt unter der kurzfristigen Preisuntergrenze von 240 € (und erst recht unter der lPUG von 314,69 €).
Entscheidung: Zusatzauftrag ablehnen. Jedes zusätzlich gefertigte Stück würde 20 € Verlust bringen, weil nicht einmal die variablen Kosten gedeckt sind. Damit der Auftrag lohnend wäre, müsste der Preis mindestens 240,00 €/Stück (kurzfristige Preisuntergrenze) betragen.
Ergebnis: kurzfristige Preisuntergrenzen 180 / 240 / 2.550 €/Stück; der Zusatzauftrag (220 €/Stück) wird abgelehnt — der Preis liegt 20 € unter der kurzfristigen Preisuntergrenze von Produkt 2.
Rechenprobe: Zusätzlicher Deckungsbeitrag des Auftrags = 300 × (−20,00) = −6.000 €. Das Betriebsergebnis fiele von 184.000 € auf 184.000 − 6.000 = 178.000 € — also schlechter. Damit bestätigt die Ergebnisrechnung die Ablehnung. ✓ (Typische Falle vermieden: Für die kurzfristige Annahmeentscheidung wurden die variablen Kosten herangezogen, nicht die vollen Selbstkosten.)
✅ Methode gegen Rohleders offiziellen Lösungsvorschlag verifiziert (U06 Aufgabe 2 „Mischkosten“). Rohleder rechnet die Kostenauflösung genauso: Zweipunktverfahrenkv = ΔK/Δx mit den beiden aktuellsten Datensätzen und Kf = K − kv·x, Regression über =STEIGUNG (kv) / =ACHSENABSCHNITT (Kf) und die Prognose per =PROGNOSE.LINEAR — bei Interpolation liegen die Verfahren eng beieinander. Rohleders Warnung, unplausible Regressionswerte je Kostenart nicht stumpf zu übernehmen, deckt sich mit D.2.
Instandhaltungskosten (Mischkosten) — 13 P.
Für die Instandhaltungskosten (Mischkosten) einer Kostenstelle liegen 4 Perioden vor:
Periode
Maschinenstunden x [h]
Gesamtkosten K [€]
1
8.000
62.000,00
2
11.000
73.400,00
3
9.500
68.000,00
4
12.500
80.000,00
a) Kostenauflösung mit der Hoch-Tief-Methode
Größte Menge = Periode 4 (12.500 h), kleinste = Periode 1 (8.000 h).
Ergebnis b):kv = 4,40 €/h · Kf = 25.000,00 € → K = 25.000,00 € + 4,40 €/h · x. Lernpunkt: Andere Punktwahl → andere Gerade (4,00/30.000 vs. 4,40/25.000). Immer die in der Aufgabe genannten Perioden nehmen.
c) Excel-Funktionen (Regression über alle 4 Perioden)
10.000 h liegt innerhalb des Beobachtungsbereichs [8.000; 12.500] → Interpolation (relativ verlässlich).
Methode
K = Kf + kv · 10.000
Prognose
Hoch-Tief (a)
30.000,00 + 4,00 · 10.000
70.000,00 €
Zwei-Punkte P2/P4 (b)
25.000,00 + 4,40 · 10.000
69.000,00 €
Regression (c)
30.260,00 + 3,96 · 10.000
69.860,00 €
Ergebnis d): Prognose je nach Verfahren 69.000,00 – 70.000,00 €. Weil interpoliert wird (Menge im Datenbereich), liegen alle drei eng beieinander. Bei Extrapolation (Menge außerhalb) würden die Verfahren deutlich stärker auseinanderdriften — dann ist die Prognose unsicher.
Typische Fallen — Kostenauflösung
Punktwahl ist nicht neutral: Hoch-Tief (Extrempunkte) ≠ Zwei-Punkte mit vorgegebenen Perioden ≠ Regression. Immer die geforderten Perioden verwenden.
Zwischenwert nicht zu früh runden:kv ungerundet weiterrechnen, sonst driftet Kf/Prognose.
Excel-Funktionen nicht vertauschen:STEIGUNG = variable Stückkosten, ACHSENABSCHNITT = Fixkosten.
Interpolation ≠ Extrapolation: außerhalb des Datenbereichs wird die Prognose unzuverlässig.
(E) Flexible Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis — Abweichungsanalyse
Beachte: Bi (16.000) < Bp (20.000) → Unterbeschäftigung (Beschäftigungsgrad 80,00 %). Das ist der „Standardfall“ mit Leerkosten (positive, ungünstige Beschäftigungsabweichung) — im Gegensatz zur Überbeschäftigung im Original.
a) Verrechnungssätze und Plankosten
b) Verrechnete Plankosten und Sollkosten
Merke: verrechnete Plankosten behandeln die Fixkosten so, als wären sie variabel (kp enthält den fixen Satz) → 128.000,00 €. Sollkosten halten die Fixkostenkonstant (volle 100.000 €) und passen nur den variablen Teil an Bi an → 148.000,00 €. Die Differenz ist reine Fixkosten-Über-/Unterdeckung.
Verbrauch/Budget (−8.000,00 € günstig): Am realistischen Sollkosten-Maßstab (148.000 €) wurden nur 140.000 € verbraucht → Minderverbrauch, den die Kostenstellenleitung verantwortet (sparsamerer Materialeinsatz, günstigere Preise). Dieser Teil ist beeinflussbar.
Beschäftigung (+20.000,00 € ungünstig): Weil weniger produziert wurde als geplant (Bi < Bp), verteilen sich die Fixkosten auf zu wenige Stück → Fixkostenunterdeckung / Leerkosten. Rein rechnerischer Effekt, nicht beeinflussbar durch die Kostenstelle.
Netto (Gesamt +12.000,00 € ungünstig): Die ungünstige Leerkostenbelastung überwiegt den günstigen Minderverbrauch.
Nutz-/Leerkosten-Probe:
Ergebnis d): Die Leerkosten (20.000,00 €) entsprechen exakt der Beschäftigungsabweichung ✓. Bei 80 % Auslastung bleiben 20 % der Kapazität ungenutzt → 20 % der Fixkosten (20.000 €) sind Leerkosten.
Typische Fallen — Flexible Plankostenrechnung
Sollkosten ≠ Plankosten: Kp gilt bei Bp, Ksoll bei Bi (Fix konstant, variabel angepasst). Gleich nur, wenn Bi = Bp.
Verrechnete Plankosten ≠ Sollkosten: verrechnete Kosten proportionalisieren die Fixkosten (kp·Bi), Sollkosten halten sie konstant (Kpf + kpv·Bi). Ihre Differenz IST die Beschäftigungsabweichung.
Vorzeichen lesen: positiv = ungünstig, negativ = günstig. Immer dazuschreiben.
(A) Kostenauflösung / Kostenspaltung von Mischkosten + Kostenprognose (K4 A1)
(B) Rechnen mit Beschäftigungsgraden — lineare Kostenverläufe (K5 A3)
(C) Flexible Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis — Abweichungsanalyse (K5 A6)
Kontrollwerte zum Selbst-Check: Kostenauflösung Zweipunkt kv 0,0383, Kf 24.328,33. Abweichungsanalyse: Verbrauchsabw. = Ki − Sollkosten, Beschäftigungsabw. = Sollkosten − verrechnete Plankosten. Hinweis: ein Altklausur-Datenwert P4 (8.750,50 € vs. glatt 8.740,50 €) ist ohne offiziellen Schlüssel nicht eindeutig auflösbar — als solcher markiert.
Teil A — Kostenauflösung / Kostenspaltung + Prognose
Kostenauflösung / Kostenspaltung — Worum geht es?
Mischkosten enthalten einen fixen und einen variablen Anteil (z. B. Stromkosten: Grundgebühr + verbrauchsabhängiger Teil). Die Kostenauflösung (= Kostenspaltung) zerlegt die beobachteten Gesamtkosten in beide Anteile, damit man die lineare Kostenfunktion aufstellen kann:
Buchtechnische Methode — Kostenarten werden per Erfahrung/Konto als fix bzw. variabel eingeordnet. (Nicht in dieser Aufgabe.)
Mathematische Methode = Zwei-Punkte-Verfahren — aus zwei Wertepaaren wird die Gerade bestimmt:
Sonderfall Hoch-Tief-Methode (High-Low): man nimmt gezielt den Punkt mit der kleinsten und der größten Menge. Steht in der Aufgabe, welche Perioden zu nehmen sind, gilt diese Vorgabe (hier: Periode 1 und Periode 4).
Statistische Methode = lineare Regression (Methode der kleinsten Quadrate) — nutzt alle Wertepaare und legt die Gerade so, dass die Summe der quadrierten Abstände minimal wird. In Excel über STEIGUNG (kv) und ACHSENABSCHNITT (Kf).
Kostenprognose: Ist die Funktion K = Kf + kv · x bekannt, setzt man die geplante Menge ein → Prognosekosten. Interpolation (Menge liegt innerhalb des beobachteten Bereichs) ist relativ verlässlich, Extrapolation (außerhalb) riskant.
✅ Gegen Rohleders offiziellen Lösungsvorschlag verifiziert (U06 Aufgabe 2 „Mischkosten“). Rohleders Rechenweg deckt sich exakt mit dem obigen Verfahrensbild: Zweipunktverfahrenkv = ΔK/Δx mit den beiden aktuellsten Datensätzen (U06: kv = (25.210 − 24.980)/(23.000 − 17.000) = 0,0383 €/Stück, Kf = 24.980 − 0,0383·17.000 = 24.328,33 €), Regression über =STEIGUNG (kv) und =ACHSENABSCHNITT (Kf), sowie die reine Kostenprognose per =PROGNOSE.LINEAR ohne vorherige Kostenspaltung. Die drei Prognosen für die Folgemenge liegen bei Interpolation eng beieinander (U06 x = 22.000: Zweipunkt 25.171,67 · Regression 25.279,27 · PROGNOSE.LINEAR 25.191,67). Rohleder mahnt ausdrücklich, die per Regression je Kostenart berechneten variablen Stückkosten nicht stumpf zu übernehmen (negative/unplausible kv → Kopf einschalten, ggf. Mittelwert) — genau die Warnung aus Teil e).
Aufgabe K4 A1 — voll durchgerechnet
Gegeben (Mischkosten, letzte 4 Perioden):
Periode
Menge x [Stück]
Gesamtkosten K [€]
1
14.300
7.902,00
2
18.500
9.708,00
3
19.750
10.245,50
4
16.250
8.750,50
Gefragt: a) Variable Stückkosten kv und FixkostenKf per Zwei-Punkte-Verfahren aus den Perioden 1 und 4 ermitteln (4 P.) · b) Gesamtkosten für Periode 5 (x = 19.000 Stück) prognostizieren (2 P.) · c) Excel-Funktion für die variablen Stückkosten nennen (1 P.) · d) Excel-Funktion für die Fixkosten nennen (1 P.) · e) Zwei Gründe nennen, warum eine mathematische/statistische Kostenprognose zu Fehlentscheidungen führen kann (4 P.)
a) Variable Stückkosten & Fixkosten — mathematische Methode (Perioden 1 und 4) — 4 P.
Vorgabe: von Periode 1 und Periode 4 ausgehen → Zwei-Punkte-Verfahren mit P1 = (14.300 Stück; 7.902,00 €) und P4 = (16.250 Stück; 8.750,50 €).
Schritt 1 — variable Stückkosten (Steigung):
Schritt 2 — Fixkosten (Achsenabschnitt), Einsetzen in P1:
(kv hier ungerundet mit 0,435128 einsetzen — der gerundete Anzeigewert 0,4351 würde 6.221,93 ergeben und das Folgeergebnis leicht verschieben.)
⚠️ Rechenhinweis (Rundung):kv fällt hier nicht glatt aus. Rechne mit dem ungerundetenkv (0,4351…) weiter und runde erst das Endergebnis — sonst weicht Kf um bis zu ~70 € ab (mit hart gerundetem kv = 0,44 käme Kf = 1.610,00 € heraus). In der Klausur den ungerundeten Zwischenwert stehenlassen.
b) Prognose Gesamtkosten Periode 5, x = 19.000 Stück — 2 P.
19.000 Stück liegt innerhalb des beobachteten Bereichs [14.300; 19.750] → Interpolation (vergleichsweise verlässlich).
Ergebnis b): Prognose K₅ ≈ 9.947,11 € (Mit der glatten Alternativ-Funktion K = 1.753 + 0,43·x: K₅ = 1.753 + 8.170 = 9.923,00 € — falls P4 = 8.740,50 zutrifft. Mit der Regressionsfunktion aus c)/d): ≈ 9.924,53 €. Alle drei liegen eng beieinander, weil interpoliert wird.)
c) Excel-Funktion für die variablen Stückkosten — 1 P.
=STEIGUNG(Y-Werte; X-Werte) (englisch SLOPE) → liefert die Steigung der Regressionsgeraden = variable Stückkostenkv. Konkret: =STEIGUNG(K-Spalte; x-Spalte). Über alle 4 Perioden: kv ≈ 0,43 €/Stück (exakt 0,4295 €/Stück).
d) Excel-Funktion für die Fixkosten — 1 P.
=ACHSENABSCHNITT(Y-Werte; X-Werte) (englisch INTERCEPT) → liefert den y-Achsenabschnitt der Regressionsgeraden = FixkostenKf. Konkret: =ACHSENABSCHNITT(K-Spalte; x-Spalte). Über alle 4 Perioden: Kf ≈ 1.764,84 €.
(Merkhilfe: Steigung = Stückkosten variabel; Achsenabschnitt = fixer Anteil. Beide Funktionen nutzen — anders als das Zwei-Punkte-Verfahren — alle Datenpunkte, daher leicht andere Werte als in a).)
e) Zwei Gründe, warum eine Kostenprognose mit math./statistischen Verfahren zu Fehlentscheidungen führen kann — 4 P.
Vergangenheitsorientierung / Strukturbrüche. Die Verfahren schreiben historische Kostenverläufe in die Zukunft fort. Bei Strukturbrüchen — Energiepreis- und Rohstoffschocks, Inflation, Lohnsteigerungen, Lieferkettenstörungen, Technologie-/Prozesswechsel — gilt der alte Zusammenhang nicht mehr. Die Prognose ist dann systematisch verzerrt, obwohl sie rechnerisch „exakt“ wirkt.
Linearitätsannahme. Unterstellt wird ein linearer Verlauf (K = Kf + kv·x). Real sind Kosten oft nicht-linear: Mengenrabatte, Sprungfixkosten bei Kapazitätserweiterung, Überstunden-/Nachtzuschläge, Lernkurveneffekte. Gerade bei Mengen außerhalb des Beobachtungsbereichs (Extrapolation) liegt die Gerade daneben.
(Weitere zulässige Gründe, falls einer der oberen nicht zieht: sehr kleine Datenbasis (nur 4 Perioden) → Zufallsschwankungen/Ausreißer verzerren stark; nur ein Kosteneinflussfaktor (Menge) berücksichtigt, andere Treiber (Produktmix, Losgröße) ignoriert; Scheinkorrelation ohne Ursache-Wirkungs-Prüfung.)
Teil B — Rechnen mit Beschäftigungsgraden
Beschäftigungsgrade — Worum geht es?
Der Beschäftigungsgrad (BG) misst die Kapazitätsauslastung:
Bei linearem Kostenverlauf verhalten sich die Größen bei BG-Änderung so:
Größe
Verhalten bei sinkendem BG
Grund
variable Stückkostenkv
konstant
pro Stück gleich, egal wie viele Stück
Preis p, Stückdeckungsbeitrag db
konstant
Marktpreis / db = p − kv unverändert
gesamte variable Kosten Kv
sinken proportional
Kv = kv · x
gesamte FixkostenKf
konstant
beschäftigungsunabhängig
fixe Stückkosten kf
steigen
Kf / x — Fixkosten auf weniger Stück verteilt
Gesamt-Stückkosten k
steigen
k = kv + kf
Fixkostendegression: Je höher die Menge, desto kleiner die fixen Stückkosten (Fixkosten „verdünnen“ sich). Umgekehrt: fällt die Beschäftigung, steigen die fixen Stückkosten — der gefährliche Effekt bei Unterauslastung.
Kostenremanenz (Praxis-Caveat): Die Modellannahme „Fixkosten bleiben bei sinkender Beschäftigung exakt konstant“ ist idealisiert. Real reagieren Fixkostennach unten träge (Kündigungsfristen, Abschreibungen, langfristige Verträge): Bei Beschäftigungsrückgang bleiben sie zunächst „kleben“ (remanent) und sinken erst verzögert. In der Klausur wird linear/konstant gerechnet — die Remanenz ist ein Beurteilungspunkt.
Gefragt: Ermitteln Sie alle fehlenden Kostengrößen (U, p, Kv, kv, Kf, kf, K, k, DB, db, BE) für Szenario 1 (65 %) ausgehend von den Szenario-2-Daten (100 %) und interpretieren Sie das Ergebnis, u. a. die Break-Even-Menge (10 P.).
Schritt 0 — Struktur aus Szenario 2 (100 %) ableiten:
Schritt 1 — Szenario 1 (65 %) über den Beschäftigungsgrad:
Vollständige Tabelle:
Position
Abk.
Einh.
Szenario 1 (65 %)
Szenario 2 (100 %)
Beschäftigungsgrad
BG
%
65,00 %
100,00 %
Menge
x
Stück
325.000
500.000
Umsatzerlöse
U
€
3.575.000,00
5.500.000,00
Preis pro Stück
p
€/Stück
11,00
11,00
gesamte variable Kosten
Kv
€
1.625.000,00
2.500.000,00
variable Stückkosten
kv
€/Stück
5,00
5,00
fixe Stückkosten
kf
€/Stück
8,00
5,20
gesamte Fixkosten
Kf
€
2.600.000,00
2.600.000,00
Gesamtkosten
K
€
4.225.000,00
5.100.000,00
Kosten pro Stück
k
€/Stück
13,00
10,20
Deckungsbeitrag gesamt
DB
€
1.950.000,00
3.000.000,00
Deckungsbeitrag pro Stück
db
€/Stück
6,00
6,00
Betriebsergebnis
BE
€
−650.000,00
400.000,00
⚠️ Korrektur zur handschriftlichen Lösung: Bei Szenario 2 muss kf = Kf / x = 2.600.000 / 500.000 = 5,20 €/Stück sein (die Handschrift „3,20“ ist ein Zahlendreher/Ausrutscher). Kontrolle: k = kv + kf = 5,00 + 5,20 = 10,20 €/Stück ✓ — passt zum ebenfalls notierten k = 10,20. Alle anderen handschriftlichen Werte sind korrekt.
Interpretation:
Bei 100 % Auslastung positives Betriebsergebnis (+400.000,00 €), bei 65 % Verlust (−650.000,00 €).
Ursache ist allein die Fixkostenbelastung: kf springt von 5,20 auf 8,00 €/Stück — die 2.600.000 € Fixkosten verteilen sich auf weniger Stück. Der db bleibt konstant bei 6,00 €/Stück, deckt aber bei 325.000 Stück die Fixkosten nicht mehr (DB₁ = 1.950.000 < Kf = 2.600.000).
Break-Even:xBE = Kf / db = 2.600.000 / 6,00 = 433.333,33 Stück → entspricht BG von 433.333 / 500.000 = 86,67 %. Unter ~87 % Auslastung rutscht der Betrieb in die Verlustzone.
Teil C — Flexible Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis
Flexible Plankostenrechnung — Worum geht es?
Die flexible Plankostenrechnung vergleicht die Istkosten mit den Sollkosten (= an die Ist-Beschäftigung angepasste Plankosten) und spaltet die Gesamtabweichung in einen beeinflussbaren (Verbrauch) und einen nicht-beeinflussbaren (Beschäftigung) Teil.
Symbole:
Symbol
Größe
Einheit
Bp
Planbeschäftigung
Stück
Bi
Istbeschäftigung
Stück
Ki
Istkosten (gesamt)
€
Kpv
variable Plankosten (bei Bp)
€
Kpf
fixe Plankosten
€
Kp
Plankosten gesamt (bei Bp)
€
Die Formeln (exakt, Reihenfolge wie in der Aufgabe):
Kernidee (unbedingt merken):
Verrechnete Plankosten behandeln die Fixkosten so, als wären sie variabel (kp enthält den fixen Satz kpf). Deshalb entstehen sie „linear ab Null“ mit der Menge.
Sollkosten dagegen halten die Fixkostenkonstant (volle Kpf) und passen nur den variablen Teil an Bi an — das ist der realistische Kostenmaßstab.
Die Differenz beider (Beschäftigungsabweichung) ist deshalb reine Fixkosten-Über-/Unterdeckung — kein echter Mehr-/Minderverbrauch.
Zerlegung (Kontrollgleichung):
✅ Gegen Rohleders offizielle Lösungsvorschläge verifiziert (U13 Aufgaben 1 und 3). Rohleders Rechenweg deckt sich exakt mit den obigen Formeln:
Damit sind die Vorzeichen- und Bezugskonventionen (Verbrauchsabw. = Istkosten − Sollkosten, Beschäftigungsabw. = Sollkosten − verrechnete Plankosten) offiziell bestätigt.
Aufgabe K5 A6 — voll durchgerechnet
Gegeben:
Größe
Symbol
Wert
Planbeschäftigung
Bp
30.000 Stück
Istbeschäftigung
Bi
35.000 Stück
Istkosten (gesamt)
Ki
200.000,00 €
variable Plankosten
Kpv
45.000,00 €
fixe Plankosten
Kpf
120.000,00 €
Beachte: Bi (35.000) > Bp (30.000) → Überbeschäftigung (Auslastung 116,67 %). Das dreht später das Vorzeichen der Beschäftigungsabweichung um (nicht der „Standardfall“).
Gefragt: a) Verrechnungssätze (kpv, kpf, kp), Plankosten, verrechnete Plankosten, Sollkosten sowie Gesamt-, Budget-/Verbrauchs- und Beschäftigungsabweichung ermitteln (15 P.) · b) Bedeutung einer negativen Beschäftigungsabweichung erläutern (3 P.)
Verbrauch/Budget (27.500 € ungünstig): Selbst am realistischen Sollkosten-Maßstab (172.500 €) wurden 200.000 € verbraucht — echter Mehrverbrauch (Materialverschwendung, höhere Preise, Ineffizienz). Das ist der Teil, den die Kostenstellenleitung verantwortet und beeinflussen kann.
Beschäftigung (−20.000 € günstig): Weil mehr produziert wurde als geplant (Bi > Bp), werden die Fixkosten auf mehr Stück verteilt → Fixkostenüberdeckung. Rein rechnerischer Effekt, nicht beeinflussbar durch die Kostenstelle.
Netto (Gesamt 7.500 € ungünstig): Der echte Mehrverbrauch überwiegt die günstige Fixkostenüberdeckung.
b) Was bedeutet eine negative Beschäftigungsabweichung? — 3 P.
Bedeutung: Eine negative Beschäftigungsabweichung bedeutet eine Fixkostenüberdeckung: Es wurden über den Verrechnungssatz mehr Fixkosten „verrechnet“, als tatsächlich geplant/angefallen sind.
Wie sie zustande kommt: Sie entsteht durch Überbeschäftigung — die Istbeschäftigung liegt über der Planbeschäftigung (hier Bi = 35.000 > Bp = 30.000). Da der Verrechnungssatz kp den fixen Anteil kpf = 4,00 €/Stück enthält, werden bei 35.000 Stück Fixkosten in Höhe von 4,00 · 35.000 = 140.000 € verrechnet, obwohl nur 120.000 € fixe Plankosten existieren → 20.000 € „zu viel“ absorbiert.
Positiv oder negativ fürs Unternehmen? → Positiv / günstig. Die vorhandene Kapazität wird besser ausgelastet als geplant; es gibt keine Leerkosten, sondern eine Überdeckung der Fixkosten. (Achtung: „negatives Vorzeichen“ ≠ „schlecht“ — bei dieser Kennzahl bedeutet negativ = günstig.)
Typische Fallen (klausurentscheidend)
Teil A — Kostenauflösung:
Punktwahl ist nicht neutral: Zwei-Punkte-Verfahren mit P1&P4 ≠ mit P1&P3 (Hoch-Tief) ≠ Regression. Immer die in der Aufgabe genannten Perioden nehmen.
Zwischenwert nicht zu früh runden:kv ungerundet weiterrechnen (sonst driftet Kf/Prognose weg).
Excel-Funktionen nicht vertauschen:STEIGUNG = variable Stückkosten, ACHSENABSCHNITT = Fixkosten.
Extrapolation ≠ Interpolation: außerhalb des Datenbereichs wird die Prognose unsicher.
Teil B — Beschäftigungsgrade:
kv, p, db sind konstant bei jedem BG — nur die gesamten variablen Kosten und Umsätze skalieren mit x.
Fixe Stückkosten kf steigen bei sinkender Beschäftigung (Fixkostendegression), die gesamtenFixkostenKf bleiben gleich.
kf = Kf / x, nicht mit kv verwechseln (der Ausrutscher „3,20 statt 5,20“ oben).
Kostenremanenz als Beurteilungspunkt: real sinken Fixkosten nicht sofort mit.
Teil C — Flexible Plankostenrechnung:
Sollkosten ≠ Plankosten! Plankosten Kp gelten bei Bp; Sollkosten Ksoll gelten bei Bi (Fix konstant, var. angepasst). Nur wenn Bi = Bp sind beide gleich.
Verrechnete Plankosten ≠ Sollkosten: verrechnete Kosten proportionalisieren die Fixkosten (kp·Bi), Sollkosten halten sie konstant (Kpf + kpv·Bi). Ihre Differenz IST die Beschäftigungsabweichung.
Beschäftigungsabweichung = Leerkosten / Fixkostenüber- bzw. -unterdeckung — reine Rechengröße, nicht beeinflussbar. Nur die Budget-/Verbrauchsabweichung ist echter Mehr-/Minderverbrauch.
Nutzkosten vs. Leerkosten:Nutzkosten = kpf · Bi (Fixkosten der genutzten Kapazität), Leerkosten = Kpf − Nutzkosten (Fixkosten der ungenutzten Kapazität). Bei Überbeschäftigung gibt es keine Leerkosten (Nutzkosten > Kpf).
Vorzeichen richtig lesen: positiv = Kostenüberschreitung = ungünstig; negativ = günstig. Immer dazuschreiben, ob günstig/ungünstig.
Budgetabweichung = Verbrauchsabweichung — in dieser Systematik synonym; nicht als zwei verschiedene Zahlen suchen.
U13 · Plankostenrechnung
Starre Plankostenrechnung
⚡ Kurzform — zum schnellen Selbst-Formulieren (Kochrezept)
Ansatz starre PKR: EINE Planbeschäftigung + EINE (ungespaltene) Plankostensumme -> ein Verrechnungssatz; Fixkosten werden mitproportionalisiert -> am Ende nur EINE Gesamtabweichung, KEINE Spaltung in Beschäftigungs-/Verbrauchsabweichung (das kann erst die flexible PKR mit Sollkosten).
Typische Falle: NICHT versuchen, die 18.000 in Beschäftigungs- und Verbrauchsabweichung zu zerlegen - im starren Verfahren unmöglich, weil Plankosten nicht in fix/variabel gespalten sind und es keine Sollkosten gibt. Zweite Falle: verrechnete Plankosten NICHT mit den Plankosten (400.000) verwechseln - Bezug ist immer die Istbeschäftigung.
Die starre Plankostenrechnung ist das einfachste Verfahren der Plankostenrechnung. Man legt zu Beginn der Planperiode für eine Kostenstelle eine geplante Beschäftigung (die Planbeschäftigung) und die dazu geplanten Gesamtkosten (die Plankosten) fest. Der entscheidende Punkt: Die Plankosten werden nicht in einen fixen und einen variablen Bestandteil zerlegt. Aus Plankosten und Planbeschäftigung bildet man einen Plankostenverrechnungssatz (Kosten je Beschäftigungseinheit) und verrechnet damit die tatsächliche Istbeschäftigung.
Das Wort „starr" bezieht sich darauf, dass die verrechneten Plankosten am Ende proportional zur Istbeschäftigung fortgeschrieben werden — so, als ob alle Kosten beschäftigungsabhängig wären. Genau das ist die eingebaute Schwäche: Weil die Fixkosten mitproportionalisiert werden, lässt sich am Ende nur eine einzige Gesamtabweichung ausweisen. Eine Trennung in Beschäftigungs- und Verbrauchsabweichung ist im starren Verfahren nicht möglich (das leistet erst die flexible Plankostenrechnung mit Sollkosten). (vgl. Coenenberg, Kostenrechnung und Kostenanalyse, Kap. „Plankostenrechnung")
Gegeben
Die Fertigungskostenstelle „Dreherei" eines Maschinenbauers plant für das kommende Geschäftsjahr. Bezugsgröße der Kostenstelle sind die Fertigungsstunden (Fh). Für das abgelaufene Jahr liegen nun die Istwerte vor.
Größe
Formelzeichen
Wert
Planbeschäftigung
xPlan
5.000,00 Fh
Plankosten (gesamt, nicht gespalten)
KPlan
400.000,00 $
Istbeschäftigung
xIst
4.500,00 Fh
Istkosten (gesamt)
KIst
378.000,00 $
Aufgabenstellung
Ermitteln Sie den Plankostenverrechnungssatz.
Berechnen Sie die auf die Istbeschäftigung verrechneten Plankosten.
Bestimmen Sie die Gesamtabweichung und beurteilen Sie, ob sie günstig oder ungünstig ist.
Ordnen Sie die Abweichung relativ ein (Beschäftigungsgrad und prozentuale Abweichung).
Erläutern Sie die zentrale Schwäche des Verfahrens.
Schritt-für-Schritt-Lösung
Schritt 1 — Plankostenverrechnungssatz (PKVS)
Der Verrechnungssatz gibt an, wie viel Kosten je Fertigungsstunde eingeplant sind. Ansatz:
PKVS = KPlan ÷ xPlan
Zahlen einsetzen:
PKVS = 400.000,00 € ÷ 5.000,00 Fh
Zwischenergebnis:
PKVS = 80,00 €/Fh
Schritt 2 — Verrechnete Plankosten (Kverr)
Die verrechneten Plankosten sind der Betrag, den die starre Rechnung der tatsächlich gefahrenen Istbeschäftigung „zubilligt". Man multipliziert den Verrechnungssatz mit der Istbeschäftigung. Ansatz:
Kverr = PKVS × xIst
Zahlen einsetzen:
Kverr = 80,00 €/Fh × 4.500,00 Fh
Zwischenergebnis:
Kverr = 360.000,00 €
Hinweis zum Verständnis: Hier proportionalisiert das Verfahren die kompletten Plankosten. Bei nur 4.500 statt 5.000 Fh werden 90,00 % der Plankosten „durchgereicht" (400.000,00 € × 0,90 = 360.000,00 €) — inklusive der eigentlich fixen Anteile, die in Wirklichkeit gar nicht mitsinken.
Schritt 3 — Gesamtabweichung (ΔKges)
Die Gesamtabweichung ist die Differenz zwischen den tatsächlich angefallenen Istkosten und den verrechneten Plankosten. Ansatz:
ΔKges = KIst − Kverr
Zahlen einsetzen:
ΔKges = 378.000,00 € − 360.000,00 €
Zwischenergebnis:
ΔKges = 18.000,00 €
Vorzeichen-Deutung: Die Istkosten liegen über den verrechneten Plankosten. Es liegt also eine Kostenüberschreitung vor — die Abweichung ist ungünstig (Konvention „Ist minus verrechnet > 0" = ungünstig). Achtung: In manchen Lehrbüchern wird „positive Abweichung" umgekehrt für eine Einsparung verwendet; entscheidend ist hier die eindeutige Definition ΔKges = KIst − Kverr, nicht das Etikett.
Schritt 4 — Relative Einordnung
Beschäftigungsgrad — wie stark ist die Stelle im Verhältnis zur Planbeschäftigung ausgelastet? Ansatz:
Interpretation — die zentrale Schwäche (Aufgabe 5)
Die starre Plankostenrechnung liefert nur eine einzige Zahl: die Gesamtabweichung von 18.000,00 €. Diese Zahl vermischt zwei völlig unterschiedliche Ursachen, die sie nicht auseinanderhalten kann:
Verbrauchsabweichung — Teil der Abweichung, der aus unwirtschaftlichem oder wirtschaftlichem Verbrauch stammt (z. B. Mehrverbrauch an Werkzeug, Energie, Ausschuss). Das ist die Abweichung, die der Kostenstellenleiter tatsächlich verantworten kann.
Beschäftigungsabweichung — Teil der Abweichung, der nur daraus entsteht, dass die Fixkosten bei 4.500 Fh statt 5.000 Fh auf weniger Stunden verteilt werden (Leerkosten durch Unterauslastung). Das ist ein reiner Verrechnungseffekt und keine Frage der Wirtschaftlichkeit.
Weil die Plankosten nicht in fix und variabel gespalten sind, gibt es im starren Verfahren keine Sollkosten (dort würde man KIst gegen die Sollkosten der Istbeschäftigung prüfen). Ohne Sollkostenlinie fehlt der Bezugspunkt, um die 18.000,00 € aufzuteilen. Man weiß also, dass es teurer wurde, aber nicht warum — und kann die Abweichung niemandem sauber zurechnen. Genau diese Lücke schließt die flexible Plankostenrechnung, indem sie die Kosten in fix/variabel trennt, Sollkosten bildet und die Gesamtabweichung in Beschäftigungs- und Verbrauchsabweichung zerlegt.
Endergebnis: Der Plankostenverrechnungssatz beträgt 80,00 €/Fh, die verrechneten Plankosten 360.000,00 €, und es ergibt sich eine Gesamtabweichung von 18.000,00 € (ungünstig, = 5,00 %). Eine Aufspaltung in Beschäftigungs- und Verbrauchsabweichung ist im starren Verfahren nicht möglich.
Grenzplankostenrechnung (flexible auf Teilkostenbasis)
⚡ Kurzform — zum schnellen Selbst-Formulieren (Kochrezept)
Ansatz: Grenzplankostenrechnung = flexible Plankostenrechnung auf TEILkostenbasis. Nur variable Kosten auf den Kostenträger; Fixkosten en bloc ins Betriebsergebnis -> KEINE Beschäftigungsabweichung.
Beschäftigungsgrad: BG = Ist / Plan x 100 = 8.000 / 10.000 x 100 = 80,00 %.
Sollkosten (TK) = kv x Istbeschäftigung = 4,00 x 8.000 = 32.000,00 EUR (Probe: 40.000 x 0,80). Wichtig: verrechnete Plankosten = Sollkosten, beide nur variabel.
Beschäftigungsabweichung (nur VK): BA = Soll - verrechnet = 92.000 - 80.000 = 12.000,00 EUR = kf x (Plan-Ist) = 6,00 x 2.000 = Leerkosten.
Typische Falle: VA ist auf TK und VK identisch (2.000); NUR die BA (12.000) entfällt auf Teilkostenbasis, weil Fixkosten nicht proportionalisiert werden.
(Verfahren U13 — flexible Plankostenrechnung auf Teilkostenbasis; vgl. Coenenberg, Kostenrechnung und Kostenanalyse, Kap. zur Grenzplankostenrechnung)
Grenzplankostenrechnung
Die Kostenstelle Dreherei eines Maschinenbaubetriebs wird mit einer Grenzplankostenrechnung (flexible Plankostenrechnung auf Teilkostenbasis) gesteuert. Bezugsgröße ist die Maschinenstunde (Mh).
fixe Istkosten: 60.000,00 € (planmäßig, keine Fixkostenabweichung)
Aufgaben: a) Ermitteln Sie den variablen Plankostenverrechnungssatz (Grenzkostensatz). b) Ermitteln Sie den Beschäftigungsgrad. c) Ermitteln Sie die Sollkosten auf Teilkostenbasis. d) Ermitteln Sie die Verbrauchsabweichung. e) Zeigen Sie im Kontrast zur Vollkostenbasis, welche Abweichung auf der Teilkostenbasis bewusst entfällt.
Gegeben — Grenzplankostenrechnung
Größe
Formelzeichen
Wert
Planbeschäftigung
xplan
10.000 Mh
Istbeschäftigung
xist
8.000 Mh
variable Plankosten
Kvplan
40.000,00 €
fixe Plankosten
Kf
60.000,00 €
gesamte Plankosten
Kplan
100.000,00 €
variable Istkosten
Kvist
34.000,00 €
fixe Istkosten
Kfist
60.000,00 €
Gefragt: a) Variablen Plankostenverrechnungssatz (Grenzkostensatz) ermitteln · b) Beschäftigungsgrad ermitteln · c) Sollkosten auf Teilkostenbasis ermitteln · d) Verbrauchsabweichung ermitteln · e) Im Kontrast zur Vollkostenbasis zeigen, welche Abweichung auf der Teilkostenbasis bewusst entfällt
Schritt-für-Schritt-Lösung
Grundidee des Verfahrens: Auf den Kostenträger werden nur die variablen (Grenz-)Kosten verrechnet. Die Fixkosten werden en bloc (als Block, nicht pro Stück/Stunde aufgeteilt) direkt ins Betriebsergebnis übernommen. Damit gibt es auf dem Kostenträger keine Proportionalisierung der Fixkosten — und folglich keine Beschäftigungsabweichung.
Auf Teilkostenbasis bestehen die Sollkosten ausschließlich aus den variablen Plankosten, umgerechnet auf die tatsächlich erreichte Beschäftigung.
Ansatz: Ks = kv × Istbeschäftigung
Zahlen einsetzen: Ks = 4,00 €/Mh × 8.000 Mh
Zwischenergebnis: Ks = 32.000,00 €
Rechenprobe über den Beschäftigungsgrad: Ks = variable Plankosten × BG = 40.000,00 € × 0,80 = 32.000,00 € ✓
Schritt 4 — Verbrauchsabweichung VA
Die Verbrauchsabweichung misst, ob mehr oder weniger verbraucht wurde als bei gegebener Beschäftigung geplant (Wirtschaftlichkeit der Stelle).
Ansatz: VA = Istkosten − Sollkosten
Zahlen einsetzen: VA = 34.000,00 € − 32.000,00 €
Zwischenergebnis: VA = +2.000,00 €
Interpretation: positives Vorzeichen = Mehrverbrauch ⇒ unwirtschaftlich. Es wurden 2.000,00 € mehr an variablen Kosten verbraucht, als bei 8.000 Mh geplant war.
Auf dem Kostenträger entsteht nur die Verbrauchsabweichung. Da die Fixkosten nicht proportionalisiert werden, gibt es keine Beschäftigungsabweichung — die verrechneten Plankosten (variabel) und die Sollkosten (variabel) verlaufen deckungsgleich mit der Beschäftigung.
Schritt 6 — Kontrast: flexible Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis
Zur Abgrenzung dieselbe Stelle einmal auf Vollkostenbasis gerechnet (hier werden die Fixkosten pro Stunde verrechnet):
Rechenprobe über den Fixkostensatz: BA = kf × (Planbeschäftigung − Istbeschäftigung) = 6,00 €/Mh × (10.000 − 8.000) Mh = 6,00 × 2.000 = 12.000,00 € ✓
Die 12.000,00 € sind die Leerkosten (nicht genutzter Fixkostenanteil der 2.000 fehlenden Stunden).
Der entscheidende Unterschied:
Merkmal
Teilkostenbasis (Grenzplankostenrechnung)
Vollkostenbasis
Verbrauchsabweichung
2.000,00 €
2.000,00 €
Beschäftigungsabweichung
0,00 € (entfällt)
12.000,00 €
Behandlung der Fixkosten
en bloc ins Betriebsergebnis
pro Stunde auf Träger verrechnet
Auf der Teilkostenbasis entfällt die Beschäftigungsabweichung vollständig, weil die Fixkosten gar nicht erst auf den Kostenträger proportionalisiert werden. Genau darum ist die Grenzplankostenrechnung frei von der oft irreführenden „Beschäftigungsabweichung": Sie weist mit der Verbrauchsabweichung nur das aus, was die Kostenstelle wirklich beeinflussen kann.
Auf dem Kostenträger entsteht KEINE Beschäftigungsabweichung — die Fixkosten von 60.000,00 € gehen en bloc ins Betriebsergebnis. Im Kontrast dazu würde die Vollkostenbasis zusätzlich eine Beschäftigungsabweichung von 12.000,00 € (Leerkosten) ausweisen.
„Kann KI besser und billiger als Sie … dass der Kostenrechnung nicht drauf hat, hat damit zu tun, dass er amerikanisch gelernt hat." — mechanisches Formel-Einsetzen bringt keine Punkte; geprüft wird bewusst das, was KI (noch) nicht kann.
„Das Blutbad was wir hatten bei der letzten Klausur, das ist tatsächlich ein Effekt des unqualifizierten Einsatzes von KI … haben die Lösungen treu doof übernommen." — Altklausuren nicht blind per ChatGPT lösen und auswendig lernen; Rohleder variiert/prüft Verständnis, nicht Wiedergabe.
Typische Fehler / Fallen
Falsche Einheit → siehe ⚠️ Teuerste Fehler #3.
Negative Fixkosten oder negative variable Stückkosten als Endergebnis unreflektiert hinschreiben — „es gibt keine negativen Fixkosten, einfach mit Null ansetzen und fertig". Gleiches gilt für vernachlässigbar kleine Anteile bei dominierenden Gegenkosten („Peanuts" → auf Null runden).
Regressionsformel blind anwenden ohne Plausibilitätscheck → siehe ⚠️ Teuerste Fehler #10 (konkretes Beispiel: Instandhaltungskosten R²=42 % → rechnerisch 823,58 € Fixkosten, mehr als das Doppelte des höchsten je aufgetretenen Werts).
Bestimmtheitsmaß bei 100 % Fixkosten liefert DIV/0 (Excel) — kein Fehler, sondern planmäßig (keine Streuung vorhanden), nicht rechnerisch erzwingen, sondern den bekannten Wert direkt übernehmen.
Historische Datenpunkte für Zweipunkt-/Regressionsverfahren falsch gewählt (z. B. Corona- oder „Ever-Given"-Ausreißer-Perioden) — immer die aktuellsten verfügbaren Perioden nehmen.
Fachliche Klarstellungen
Vier Methoden der Kostenauflösung: (1) buchtechnische Methode (Konto pauschal als „fix"/„variabel" markieren, alle paar Jahre überprüfen), (2) mathematische Methode/Zweipunktverfahren (bei genau 2 Wertepaaren; Differenzenquotient = variable Stückkosten, dann in eine Gleichung einsetzen für Fixkosten), (3) Regressionsanalyse (bei >2 Wertepaaren, per Excel STEIGUNG/ACHSENABSCHNITT/BESTIMMTHEITSMASS), (4) analytische Methode/Plankostenrechnung (zukunftsgerichtet, Stabilitätshypothese hinterfragen).
Faustregel Bestimmtheitsmaß ≥ ca. 2/3 (66–67 %) gilt in der Praxis als brauchbar; 95 % ist ein „synthetisches Lehrbuchbeispiel", in echten Praxisdaten ist 0,6 schon ein guter Wert.
EDA-Kosten = älterer/praxisüblicher Begriff für Fixkosten, auch „Kosten der Betriebsbereitschaft" — Kosten sind nicht per se negativ, sondern ermöglichen die Produktionsfähigkeit.
Betriebsminimum = kurzfristige Preisuntergrenze (Preis, der nur variable Kosten deckt, Verlust in Höhe der Fixkosten).
Betriebsoptimum hält der Prof für einen irreführenden Lehrbuchbegriff — es ist NICHT profitabel (kein Gewinn enthalten) und ist KEINE Preisgrenze.
Langfristige Preisuntergrenze = Vollkosten + angemessener Gewinn (ohne den geht ein Unternehmen langfristig unter — Beispiel 1980er/90er-Insolvenzen durch Dauer-Deckungsbeitragsgeschäfte).
Kostenremanenz/Remanenzkosten (Cost Stickiness): Kosten bleiben auf erhöhtem Niveau, obwohl die Ursache (z. B. Überkapazität an Personal) entfallen ist — das Unternehmen hätte reagieren können/müssen, tut es aber aus praktischen Gründen nicht sofort. Prof hat dazu ausführlichere Zusatzseiten ergänzt, weil im Vorsommer Rückfragen kamen — Indiz für Prüfungsrelevanz.
Reagibilitätsgrad = %-Änderung Gesamtkosten ÷ %-Änderung Beschäftigungsgrad (z. B. 10 %/40 % = 0,25). „Spielt in der Praxis keine allzu große Rolle", man sollte den Begriff nur „mal gehört haben" — geringe, aber vorhandene Prüfungsrelevanz.
Primär- vs. Sekundärkosten (Basisdefinition, präziser in U08): Primär = Geld fließt über die Unternehmensgrenze (auch Personalkosten zählen); Sekundär = nur interne Verrechnung. Kontextabhängig: bei Tochtergesellschaften, die sich gegenseitig beliefern, sind es aus Einzelgesellschafts-Sicht Primärkosten, aus Konzernsicht Sekundärkosten.
Periodenfremde Aufwendungen werden ausgeklammert, weil sie das aktuelle Periodenergebnis verzerren würden (Beispiele: Steuernachzahlungen, verspätete Versicherungsregulierungen, Auflösung alter Rückstellungen).
Außerordentliche Aufwendungen (selbst wenn betriebsbedingt) gehen nicht in Kosten ein, weil sie selten anfallen und sonst Kalkulation/Preise unnötig verzerren würden (Beispiel: Reparatur nach seltenem Maschinenausfall — wird über die Gewinnmarge/das unternehmerische Risiko abgefedert).
Wirtschaftlichkeit = Wertverhältnis Output/Input (NICHT „Kosten dividiert durch Leistung" — häufiger Fehler in der Übung, explizit als falsch markiert).
Verkaufserlös unter Buchwert eines Betriebs-Pkw stellt KEINEN Aufwand/keine Kosten im Sinne der KLR dar (außerhalb des Kerngeschäfts, kein Autohändler).
Merksätze
„Wo gehobelt wird, fallen Späne" — Regressionsfehler sind normal, pragmatisch mit Null-Setzen umgehen.
„Kosten gestalten geht vor Kosten verwalten" — bei wiederkehrenden Verlust-/Schwundpositionen erst Ursache klären, nicht stumpf einen Zuschlag einkalkulieren (siehe auch U07).
„Statistik: mal Glück, mal Pech, mal Gandhi" — Anekdote zur Regressions-Näherung (keine Prüfungsrelevanz, aber zeigt seine Haltung: Regressionsergebnisse sind immer nur Näherung).
📋 Gelöste Aufgaben zu diesem Thema
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Rechnen mit Beschäftigungsgraden – Tabelle vervollständigen (lineare Kostenverläufe)
Aufgabe #047 · Aufgabe | #1aVervollständigen Sie die nachfolgende Tabelle. Unterstellen Sie lineare Kostenverläufe. Gegeben sind nur einzelne Werte in der Spalte für den Beschäftigungsgrad 100 %; alle übrigen Felder (beide Spalten 70 % und 100 %) sind zu berechnen.
Schritt 1 – Menge bei 100 %: Aus Kv = kv · x folgt x = Kv / kv = 2.000.000 € / 4,00 €/Stück = 500.000 Stück.
Schritt 2 – Preis bei 100 %: p = U / x = 2.800.000 € / 500.000 Stück = 5,60 €/Stück (Preis ist mengenunabhängig, gilt auch bei 70 %).
Schritt 3 – Gesamtkosten bei 100 %: Aus BE = U − K folgt K = U − BE = 2.800.000 € − 400.000 € = 2.400.000 €.
Schritt 4 – Fixkosten:Kf = K − Kv = 2.400.000 € − 2.000.000 € = 400.000 €. Fixkosten bleiben in beiden Spalten konstant.
Schritt 5 – Stück- und Deckungsgrößen bei 100 %: kf = Kf / x = 400.000 € / 500.000 Stück = 0,80 €/Stück; k = kf + kv = 0,80 + 4,00 = 4,80 €/Stück; db = p − kv = 5,60 − 4,00 = 1,60 €/Stück; DB = db · x = 1,60 · 500.000 = 800.000 € (Kontrolle: U − Kv = 800.000 €); BE = DB − Kf = 800.000 − 400.000 = 400.000 € (stimmt mit Vorgabe überein).
Schritt 6 – Spalte 70 %: Der Beschäftigungsgrad ist auf die Kapazität (100 % = 500.000 Stück) bezogen: x = 0,70 · 500.000 = 350.000 Stück. kv, p und Kf bleiben konstant.
Kv = kv · x = 4,00 · 350.000 = 1.400.000 €
K = Kf + Kv = 400.000 + 1.400.000 = 1.800.000 €
kf = Kf / x = 400.000 / 350.000 = 1,14 €/Stück
k = K / x = 1.800.000 / 350.000 = 5,14 €/Stück (Kontrolle: kf + kv = 1,14 + 4,00 ≈ 5,14)
U = p · x = 5,60 · 350.000 = 1.960.000 €
db = p − kv = 1,60 €/Stück
DB = db · x = 1,60 · 350.000 = 560.000 € (Kontrolle: U − Kv = 560.000 €)
BE = DB − Kf = 560.000 − 400.000 = 160.000 € (Kontrolle: U − K = 160.000 €)
Vollständige Tabelle:
Zeile
Größe
Abk.
BG 70 %
BG 100 %
1
Beschäftigungsgrad
BG
70 %
100 %
2
Menge (Stück)
x
350.000
500.000
3
Kosten pro Stück
k
5,14 €/Stück
4,80 €/Stück
4
fixe Stückkosten
kf
1,14 €/Stück
0,80 €/Stück
5
variable Stückkosten
kv
4,00 €/Stück
4,00 €/Stück
6
gesamte Fixkosten
Kf
400.000 €
400.000 €
7
gesamte variable Kosten
Kv
1.400.000 €
2.000.000 €
8
Gesamtkosten
K
1.800.000 €
2.400.000 €
9
Umsatzerlöse
U
1.960.000 €
2.800.000 €
10
Preis pro Stück
p
5,60 €/Stück
5,60 €/Stück
11
Deckungsbeitrag pro Stück
db
1,60 €/Stück
1,60 €/Stück
12
Deckungsbeitrag gesamt
DB
560.000 €
800.000 €
13
Betriebsergebnis
BE
160.000 €
400.000 €
Kostenverläufe
Kostenverlauf von K = 100x
Aufgabe #048 · Aufgabe | #2aK = 100x [x ≥ 0]
Rechnung: Bei x = 0 gilt K = 100 · 0 = 0 €, also kein absolutes Glied und damit keine Fixkosten. Die variablen Stückkosten sind kv = K / x = 100 (konstant), die Grenzkosten K' = 100 sind ebenfalls konstant.
Antwort: Rein variable, proportionale (lineare) Kosten ohne Fixkostenanteil. Die Kostenkurve ist eine Ursprungsgerade mit Steigung 100.
Kostenverlauf von K = 30.000
Aufgabe #049 · Aufgabe | #2bK = 30.000
Rechnung: Die Menge x kommt in der Funktion nicht vor, K = 30.000 € für jede Ausbringung. Die Grenzkosten sind K' = 0.
Antwort:Reine Fixkosten (beschäftigungsunabhängig, konstanter Verlauf). Im Diagramm eine waagerechte Gerade auf Höhe 30.000 €. Die Fixkosten pro Stück (kf = 30.000 / x) verlaufen dagegen degressiv fallend.
Rechnung: Bei x = 0 ist K = 9 €, das absolute Glied 9 sind die Fixkosten. Der variable Teil ist x² + 3x. Die Grenzkosten K' = 2x + 3 nehmen mit steigender Menge zu (z. B. K'(1) = 5, K'(10) = 23).
Antwort:Fixkosten von 9 € plus progressiv (überproportional) steigende variable Kosten. Weil die Grenzkosten mit x zunehmen, wächst K stärker als proportional zur Menge.
Rechnung: Bei x = 0 ist K = 2.500 €, das sind die Fixkosten. Der variable Teil ist 50x − x². Die Grenzkosten K' = 50 − 2x sinken mit steigender Menge (K'(0) = 50, K'(10) = 30, K'(25) = 0).
Antwort:Fixkosten von 2.500 € plus degressiv (unterproportional) steigende variable Kosten im Gültigkeitsbereich 0 bis 25 Stück. Die variablen Kosten wachsen immer langsamer; am Rand x = 25 ist die Steigung 0.
Kostenfunktion aus 15.000 € Fixkosten und 10 € variablen Stückkosten
Aufgabe #052 · Aufgabe | #2fFür ein bestimmtes Produkt fallen 15.000 € Fixkosten und 10 € variable Stückkosten an. Wie lautet die Kostenfunktion?
Antwort:K = 15.000 + 10x (in €; linearer Kostenverlauf mit Fixkosten 15.000 € und proportionalen variablen Kosten von 10 €/Stück).
Gesamtkosten bei 100 % Beschäftigung (Fall 5, Kapazität 3.000 Stück)
Aufgabe #053 · Aufgabe | #2gDie Kapazitätsgrenze für die Funktion aus Fall 5 beträgt 3.000 St. Wie hoch sind die gesamten Kosten bei 100% Beschäftigung?
Rechnung: Fall 5 ist die Funktion aus #2f: K = 15.000 + 10x. Bei 100 % Beschäftigung wird die Kapazitätsgrenze x = 3.000 Stück ausgelastet.
Gleichwertig über den Deckungsbeitrag: db = p − kv = 8 − 6 = 2 €/Stück; x = Kf / db = 4.000 / 2 = 2.000 Stück. Zugehörige Erlöse: E = 8 · 2.000 = 16.000 €.
Antwort: Die Gewinnschwelle liegt bei 2.000 Stück (Umsatz 16.000,00 €). Ab hier wird die Gewinnzone erreicht.
Gewinnmaximum in Fall 7 bei Kapazitätsgrenze 3.500 Stück
Aufgabe #055 · Aufgabe | #2iWo liegt im Fall 7 das Gewinnmaximum, wenn die Kapazitätsgrenze bei 3.500 St. liegt?
Rechnung: Fall 7 ist #2h: K = 4.000 + 6x, E = 8x. Gewinnfunktion:
G = E − K = 8x − (4.000 + 6x) = 2x − 4.000.
Der Deckungsbeitrag je Stück (2 €) ist positiv und konstant, G steigt also linear mit x. Ein inneres Maximum gibt es nicht; das Gewinnmaximum wird an der Kapazitätsgrenze x = 3.500 Stück erreicht.
Antwort: Das Gewinnmaximum liegt bei voller Auslastung x = 3.500 Stück mit einem Gewinn von 3.000,00 €.
Grenz- und Stückkostenfunktion zu K = x³ − 2x² + 20x − 5; Grenzkosten des 5. Stücks
Aufgabe #056 · Aufgabe | #2jSie haben diese Gesamtkostenfunktion: K = x³ - 2x² + 20x - 5; wie lautet · die Grenzkostenfunktion k' und · die Stückkostenfunktion k (= Durchschnittskostenfunktion)? Wie hoch sind die Grenzkosten für das 5. Stück? Ermitteln Sie diese · mittels der Grenzkostenfunktion und · mit Hilfe der Gleichung ∆K : ∆ x
Grenzkostenfunktion (Ableitung): k' = K' = 3x² − 4x + 20.
Stückkostenfunktion (Durchschnittskosten, K durch x): k = K / x = x² − 2x + 20 − 5/x.
Grenzkosten für das 5. Stück – Methode 1 (Grenzkostenfunktion):
Erläuterung der Abweichung: Die Grenzkostenfunktion k'(x) misst die momentane Steigung (Tangente) an der Stelle x = 5 und liefert 75,00 €. Der Differenzenquotient misst den tatsächlichen Kostenzuwachs vom 4. zum 5. Stück und liefert 63,00 €. Bei nichtlinearen (hier progressiven) Kostenverläufen fallen beide Werte auseinander; der Differenzenquotient ist der exakte diskrete Grenzkostenwert des 5. Stücks, k'(5) die stetige Näherung.
Aufgabe #069 · Aufgabe | #1aErmitteln Sie rechnerisch die Fixkosten und die variablen Stückkosten.
Gegeben:
Periode
Stunden (x)
Gesamtkosten (K)
März
290 h
15.000,00 €
April
540 h
20.000,00 €
Kostengerade K = 9.200 € + 20 €/h · x — die grüne Gerade legt sich exakt durch die zwei Beobachtungspunkte; ihr Schnittpunkt mit der y-Achse ist die Fixkosten Kf.
Rechenweg (Zweipunktverfahren):
Schritt
Formel
Einsetzen
Ergebnis
1. Variable Stückkosten
kv = (KApril − KMärz) / (xApril − xMärz)
(20.000,00 € − 15.000,00 €) / (540 h − 290 h) = 5.000,00 € / 250 h
Vorgehen: Beide Messpunkte einzeichnen und die Gerade K(x) = 9.200,00 € + 20,00 €/h · x hindurchlegen. Sie schneidet die y-Achse bei 9.200,00 € (Fixkosten). Das Steigungsdreieck zeigt: pro 1 h mehr steigen die Kosten um 20,00 € (bzw. 5.000,00 € auf 250 h). Der Teil unterhalb 9.200,00 € ist der Fixkostensockel, der Bereich darüber der (mit x wachsende) variable Kostenanteil.
Gesamtkosten und Kostenspaltung nach dem Zweipunktverfahren
Aufgabe #072 · Aufgabe | #2aIn einer Unternehmung fielen für eine Kostenstelle in den vergangenen fünf Perioden u.a. diese Kosten an:
Jahr
Ausbringungsmenge (Stück)
Gehälter (EUR)
Forderungswagnis (EUR)
Energiekosten (EUR)
Instandhaltungskosten (EUR)
Gesamtkosten (EUR)
I
20.200
23.400
600
720
430
?
II
19.000
23.400
570
700
300
?
III
20.800
23.400
630
800
360
?
IV
17.000
23.400
510
650
420
?
V
23.000
23.400
690
880
240
?
Ermitteln Sie zunächst die Gesamtkosten und dann nach der mathematischen Methode (Zweipunktverfahren) die Fixkosten sowie die variablen Stückkosten. Wählen Sie dazu zwei geeignete Perioden aus.
Schritt 1 – Gesamtkosten je Periode (Summe der vier Kostenarten):
Jahr
Menge (Stück)
Gehälter
Ford.-wagnis
Energie
Instandh.
Gesamtkosten
I
20.200
23.400,00
600,00
720,00
430,00
25.150,00
II
19.000
23.400,00
570,00
700,00
300,00
24.970,00
III
20.800
23.400,00
630,00
800,00
360,00
25.190,00
IV
17.000
23.400,00
510,00
650,00
420,00
24.980,00
V
23.000
23.400,00
690,00
880,00
240,00
25.210,00
Schritt 2 – zwei geeignete Perioden wählen: Periode IV (17.000 Stück; 24.980,00 €) und Periode V (23.000 Stück; 25.210,00 €) — größter Mengenabstand und zugleich die beiden aktuellsten Datensätze.
Klassifikation der Kostenarten: fix / proportional / Mischkosten
Aufgabe #073 · Aufgabe | #2bWelche der vier Kostenarten sind als eindeutig fix anzusehen, welche als eindeutig proportional und welche als Mischkosten? Analysieren Sie zunächst „per Augenintegral“ und mit einem Streudiagramm (Excel: XY-Diagramm).
Beurteilung „per Augenintegral“ (Verlauf über der Ausbringungsmenge) und im XY-Streudiagramm:
Kostenart
Beobachtung
Einordnung
Gehälter
In allen fünf Perioden konstant 23.400,00 €, unabhängig von der Menge
eindeutig fix
Forderungswagnis
Steigt/fällt nahezu perfekt mit der Menge (510 € bei 17.000, 690 € bei 23.000); Gerade läuft praktisch durch den Ursprung
eindeutig proportional (variabel)
Energiekosten
Steigen tendenziell mit der Menge, aber mit sichtbarer Streuung und einem Sockel
Mischkosten
Instandhaltungskosten
Kein erkennbarer Zusammenhang mit der Menge (Punkte streuen, tendenziell sogar leicht fallend)
kein linearer Zusammenhang → sinnvoll als fix zu behandeln
Das Streudiagramm (Menge auf x, jeweilige Kostenart auf y) bestätigt: Gehälter = waagerechte Linie, Forderungswagnis = steile Gerade durch nahe Null, Energie = ansteigende Punktwolke mit Streuung, Instandhaltung = ungeordnete Punktwolke.
Lineares Bestimmtheitsmaß R² je Kostenart interpretieren
Aufgabe #074 · Aufgabe | #2cErmitteln und interpretieren Sie für alle vier Kostenarten das lineare Bestimmtheitsmaß R² mit BESTIMMTHEITSMASS.
R² = BESTIMMTHEITSMASS(Kostenart; Ausbringungsmenge); der Wert gibt an, welcher Anteil der Kostenstreuung durch die Menge erklärt wird (0 = kein, 1 = vollständiger linearer Zusammenhang).
Kostenart
R²
Interpretation
Gehälter
#DIV/0!
Kosten konstant → keine Varianz, R² nicht berechenbar; entspricht rein fixem Verhalten
Forderungswagnis
0,9960 (≈ 1,00)
rund 99,6 % der Streuung durch die Menge erklärt → sehr starker linearer Zusammenhang, proportional
Energiekosten
0,9281 (≈ 0,93)
rund 92,8 % erklärt → starker linearer Zusammenhang, überwiegend variabel (Mischkosten)
Instandhaltungskosten
0,4244 (≈ 0,42)
nur rund 42,4 % erklärt → schwacher Zusammenhang, kein sinnvoller linearer Bezug zur Menge
Fazit: Nur Forderungswagnis und Energiekosten zeigen einen ausreichend starken linearen Zusammenhang; bei Instandhaltung ist die Regression nicht aussagekräftig, bei Gehältern nicht definiert.
Sinnvolle fixe und variable Kosten je Kostenart bestimmen
Aufgabe #075 · Aufgabe | #2dErmitteln Sie für alle vier Kostenarten sinnvolle fixe und variable Kosten.
Schritt 2 – „Kopf einschalten“, nicht stumpf übernehmen: Negative Fixkosten (Forderungswagnis, Energie) sind betriebswirtschaftlich unsinnig → auf 0,00 € setzen und die Kostenart als rein proportional führen. Gehälter sind konstant → voll fix. Instandhaltung hat keinen belastbaren Zusammenhang (R² = 0,42, negative Steigung) → nicht regressieren, sondern den Mittelwert als Fixbetrag ansetzen.
Das entspricht dem Lösungsvorschlag („variable Stückkosten sinnvoll“ / „Fixkosten sinnvoll“, Hinweis: „besser: Mittelwert benutzen!“).
Gesamtkosten-Prognose für 22.000 Stück (drei Verfahren)
Aufgabe #076 · Aufgabe | #2ePrognostizieren Sie die Gesamtkosten, wenn mit einer Ausbringungsmenge von 22.000 Stück gerechnet wird, anhand Ihrer Ergebnisse von 2a und 2d sowie mit PROGNOSE.LINEAR.
Die drei Werte liegen sehr eng beieinander (Spanne rund 108 €).
Stückkosten der Prognosen ermitteln und vergleichen
Aufgabe #077 · Aufgabe | #2fErmitteln Sie die Stückkosten zu Ihren prognostizierten Gesamtkosten und vergleichen Sie sie.
Stückkosten k = prognostizierte Gesamtkosten / 22.000 Stück.
Verfahren
Gesamtkosten (€)
Stückkosten (€/Stück)
Zweipunktverfahren
25.171,67
25.171,67 / 22.000 = 1,14
Regression
25.279,27
25.279,27 / 22.000 = 1,15
PROGNOSE.LINEAR
25.191,67
25.191,67 / 22.000 = 1,15
Vergleich: Die Stückkosten sind mit rund 1,14–1,15 €/Stück praktisch identisch. Für eine einfache Kostenprognose reicht daher PROGNOSE.LINEAR ohne vorgeschaltete Kostenspaltung; die Regression pro Kostenart lohnt sich vor allem für Budgetierung und Kalkulation der einzelnen Kostenarten, das Zweipunktverfahren ist einfach und robust, greift aber nur auf zwei Datensätze zu.
Kostenstruktur über die buchtechnisch-statistische Methode (Reagibilitätsgrad)
Aufgabe #078 · Aufgabe | #3aDie Beschäftigung wird von 1.000 auf 1.400 Stück erhöht (40%); die Gesamtkosten steigen daraufhin von 40.000 auf 44.000 € (10%). Ermitteln Sie die Struktur der Gesamtkosten mithilfe der #3a) buchtechnisch-statistischen Methode („Reagibilitätsgrad“) und #3b) mathematischen Methode („Differenzenquotient“).
Da 0 kleiner z kleiner 1, verlaufen die Gesamtkosten unterproportional — die Kosten sind überwiegend fix, nur ein Teil reagiert auf die Beschäftigung.
Schritt 2 – variablen Kostenanteil ableiten: Die variablen Kosten steigen proportional mit der Menge (+40 %), die Fixkosten bleiben konstant. Der gesamte Kostenzuwachs stammt also aus den variablen Kosten:
Kostenstruktur über die mathematische Methode (Differenzenquotient)
Aufgabe #079 · Aufgabe | #3bDie Beschäftigung wird von 1.000 auf 1.400 Stück erhöht (40%); die Gesamtkosten steigen daraufhin von 40.000 auf 44.000 € (10%). Ermitteln Sie die Struktur der Gesamtkosten mithilfe der #3a) buchtechnisch-statistischen Methode („Reagibilitätsgrad“) und #3b) mathematischen Methode („Differenzenquotient“).
Ergebnis:Fixkosten 30.000,00 €; variable Stückkosten 10,00 €/Stück — identisch zum Ergebnis der buchtechnisch-statistischen Methode in 3a. Beide Wege führen zur selben Kostenstruktur; die mathematische Methode arbeitet direkt mit den Absolutwerten, die buchtechnisch-statistische über die Prozentsätze (Reagibilitätsgrad).
Kostenspaltung und -prognose
Variable Stückkosten und Fixkosten mit der mathematischen Methode (Periode 1 und 4)
Aufgabe #080 · 4 P. · Aufgabe | 4 P. | #4aFür die letzten vier Perioden wurden die Ausbringungsmengen und Gesamtkosten ermittelt, die der nachfolgenden Tabelle zu entnehmen sind. Bei dem Gesamtkosten handelt es sich um Mischkosten.
Periode
Ausbringungsmenge (Stück)
Gesamtkosten (EUR)
1
14.300
7.902,-
2
18.500
9.708,-
3
19.750
10.245,50
4
16.250
8.750,50
Ermitteln Sie die variablen Stückkosten sowie die Fixkosten mithilfe der mathematischen Methode der Kostenauflösung. Gehen Sie dazu von den Werten der Periode 1 und der Periode 4 aus.
Ergebnis: Für Periode 5 werden Gesamtkosten von rund 9.947,10 € prognostiziert.
Excel-Funktion zur Prüfung des linearen Zusammenhangs
Aufgabe #082 · 1 P. · Aufgabe | 1 P. | #4cMit welcher Tabellenblattfunktion prüfen Sie mithilfe von Microsoft® Excel®, ob ein hKOLEichend starker linearer Zusammenhang zwischen Ausbringungsmenge und Gesamtkosten besteht?
Mit BESTIMMTHEITSMASS (liefert R², das lineare Bestimmtheitsmaß) — alternativ KORREL (Korrelationskoeffizient r).
Begründung: Beide Funktionen messen die Stärke des linearen Zusammenhangs zwischen Ausbringungsmenge und Gesamtkosten. R² bzw. r nahe 1 (bei KORREL zwischen −1 und +1) bedeutet einen starken linearen Zusammenhang; erst dann ist eine lineare Kostenauflösung/-prognose zulässig.
Excel-Funktion für die variablen Stückkosten
Aufgabe #083 · 1 P. · Aufgabe | 1 P. | #4dMit welcher Tabellenblattfunktion würde man die variablen Stückkosten mithilfe von Microsoft® Excel® ermitteln?
Mit STEIGUNG (englisch SLOPE): STEIGUNG(Gesamtkosten-Bereich; Mengen-Bereich).
Begründung: Die variablen Stückkosten entsprechen der Steigung der linearen Regressionsgeraden K = Kf + kv · x, und genau diese Steigung berechnet STEIGUNG.
Excel-Funktion für die Fixkosten
Aufgabe #084 · 1 P. · Aufgabe | 1 P. | #4eMit welcher Tabellenblattfunktion würde man die Fixkosten mithilfe von Microsoft® Excel® ermitteln?
Mit ACHSENABSCHNITT (englisch INTERCEPT): ACHSENABSCHNITT(Gesamtkosten-Bereich; Mengen-Bereich).
Begründung: Die Fixkosten sind der Ordinatenabschnitt der Regressionsgeraden bei x = 0 (Kf), und genau diesen Achsenabschnitt liefert ACHSENABSCHNITT.
Zwei Gründe für mögliche Fehlentscheidungen bei mathematisch-statistischer Kostenprognose
Aufgabe #085 · 4 P. · Aufgabe | 4 P. | #4fErläutern Sie zwei verschiedene Gründe, warum eine Kostenprognose mit mathematischen bzw. statistischen Verfahren heute möglicherweise zu Fehlentscheidungen führt!
Grund 1 – Fortschreibung von Vergangenheitsdaten (Strukturbruch): Die Verfahren extrapolieren aus historischen Kosten-Mengen-Daten in die Zukunft und unterstellen, dass sich das Kostenverhalten nicht ändert. In der Praxis brechen diese Zusammenhänge aber häufig: neue Technologien/Automatisierung, geänderte Faktorpreise (Energie-, Material-, Lohnkosten, Inflation), neue Lieferanten oder Prozesse verschieben Fix- und variable Kosten. Eine Prognose auf Basis überholter Daten führt dann zu falschen Kostenansätzen und Fehlentscheidungen (z. B. bei Preiskalkulation oder Budgetierung).
Grund 2 – Annahme eines linearen Kostenverlaufs: Die mathematische/statistische Kostenauflösung setzt einen linearen Zusammenhang (K = Kf + kv · x) voraus. Reale Kosten verlaufen aber oft nichtlinear: Sprungfixkosten bei Kapazitätserweiterung (zusätzliche Maschine/Schicht), Mengenrabatte oder Skaleneffekte (degressiv) sowie Engpässe/Überstundenzuschläge nahe der Kapazitätsgrenze (progressiv). Eine erzwungene lineare Gerade bildet diese Effekte nicht ab und liefert gerade außerhalb des beobachteten Mengenbereichs deutlich falsche Prognosen.
(Weitere denkbare Gründe: zu wenige oder von Ausreißern verzerrte Datenpunkte; Berücksichtigung nur eines Kosteneinflusses (Menge), obwohl mehrere Kostentreiber wirken; Korrelation ist nicht gleich Kausalität; Kostenremanenz beim Beschäftigungsrückgang.)
Aufgabe #150 · 3 P. · Aufgabe | 3 P. | #1aGemeinsame Angaben (gelten für die ganze Aufgabe): Ihnen liegen folgende Daten vor:
Größe
Wert
Planbeschäftigung
20.000 kg
Istbeschäftigung
17.000 kg
Fixe Plankosten
60.000 EUR
Variable Plankosten
40.000 EUR
Istkosten (gesamt)
90.000 EUR
Ermitteln Sie den Plankostenverrechnungssatz im Rahmen einer starren Plankostenrechnung.
Der Plankostenverrechnungssatz (PKVS) der starren Plankostenrechnung ergibt sich, indem die gesamten Plankosten auf die Planbeschäftigung verteilt werden. Fix und variabel werden hier NICHT getrennt.
Aufgabe #151 · 3 P. · Aufgabe | 3 P. | #1bErmitteln Sie im Rahmen der starren Plankostenrechnung die verrechneten Plankosten.
In der starren Plankostenrechnung werden die Plankosten mit dem festen PKVS auf die tatsächlich erreichte Istbeschäftigung hochgerechnet (verrechnet).
Rechnung:
Verrechnete Plankosten = PKVS x Istbeschäftigung = 5,00 EUR/kg x 17.000 kg = 85.000,00 EUR
Bei einer Istbeschäftigung von 17.000 kg werden also 85.000,00 EUR an Plankosten verrechnet. Weil der Satz starr ist, sinken damit rechnerisch auch die anteiligen Fixkosten mit der Menge mit — ein typischer Schwachpunkt der starren Rechnung.
Kostenabweichung in der starren Plankostenrechnung
Aufgabe #152 · 4 P. · Aufgabe | 4 P. | #1cWelche Aussagen können Sie im Rahmen der starren Plankostenrechnung bezüglich der Kostenabweichung treffen? Nennen Sie Zahlen und erläutern Sie ihre Aussagen.
Die starre Plankostenrechnung liefert nur eine einzige, undifferenzierte Gesamtabweichung.
Da der Wert positiv ist, liegt eine Kostenüberschreitung von 5.000,00 EUR vor — es wurde mehr verbraucht als verrechnet.
Schritt 3 — Grenze der Aussage:
Mehr lässt sich nicht sagen. Die starre Plankostenrechnung trennt die Kosten nicht in fixe und variable Bestandteile und bildet keine Sollkosten. Deshalb kann die 5.000,00-EUR-Abweichung nicht eindeutig einer Verbrauchsabweichung (unwirtschaftliches Arbeiten) und/oder einer Beschäftigungsabweichung (Leerkosten wegen Mindermenge) zugeordnet werden. Für die Kostenkontrolle ist das zu grob.
Flexible Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis
Aufgabe #153 · 10 P. · Aufgabe | 10 P. | #1dWelche differenzierten Aussagen können Sie stattdessen mittels der flexiblen Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis erhalten? Stellen Sie geeignete Berechnungen an und interpretieren Sie die Ergebnisse.
Die flexible Plankostenrechnung löst die Plankosten in fixe und variable Teile auf und spaltet dadurch die Gesamtabweichung in eine Verbrauchs- und eine Beschäftigungsabweichung.
Die Sollkosten sind die Kosten, die bei der Istmenge geplanterweise anfallen dürften. Die Fixkosten bleiben voll bestehen, nur die variablen passen sich der Istmenge an.
Sollkosten = fixe Plankosten + (variabler PKVS x Istbeschäftigung) = 60.000,00 EUR + (2,00 EUR/kg x 17.000 kg) = 60.000,00 EUR + 34.000,00 EUR = 94.000,00 EUR
Das Vorzeichen ist negativ: Es wurde 4.000,00 EUR weniger verbraucht als bei der Istmenge geplant. Also eine Kostenersparnis — es wurde effizienter (wirtschaftlicher) gearbeitet als vorgegeben.
Dies sind die nicht verrechneten Fixkosten (Leerkosten). Wegen der Mindermenge von 3.000 kg (20.000 - 17.000) bleiben Fixkosten in Höhe von 3,00 EUR/kg x 3.000 kg = 9.000,00 EUR unverrechnet — die Anlage war nicht ausgelastet.
Das entspricht genau der Gesamt-Kostenabweichung aus 1c. Die flexible Rechnung zeigt also, dass hinter der scheinbar schlechten Überschreitung von 5.000,00 EUR in Wahrheit gutes (effizientes) Arbeiten steckt (-4.000,00 EUR), das durch die Unterbeschäftigung (+9.000,00 EUR Leerkosten) überlagert wird.
Richtig falsch, oder?
Aussage zum internen Rechnungswesen
Aufgabe #154 · 2 P. · Aufgabe | 2 P. | #2aDas interne Rechnungswesen befasst sich mit der Beurteilung des mengen– und wertmäßigen Güterverzehrs zum Zweck der Leistungserstellung.
Antwort: Richtig.
Begründung: Das interne Rechnungswesen (Kosten- und Leistungsrechnung) erfasst und beurteilt den Güterverzehr, der zur betrieblichen Leistungserstellung anfällt. Dabei wird der Verbrauch sowohl mengenmässig (verbrauchte Einheiten) als auch wertmässig (bewertet mit Preisen) betrachtet — Kosten sind gerade der bewertete, sachzielbezogene Güterverbrauch. Die Aussage beschreibt damit den Kernzweck der KLR korrekt.
Starre Plankostenrechnung und Programmplanung
Aufgabe #155 · 2 P. · Aufgabe | 2 P. | #2bEine starre Plankostenrechnung ist zur Planung des Produktionsprogramms ungeeignet, weil alternative Beschäftigungen nicht analysiert werden können.
Antwort: Richtig.
Begründung: Die starre Plankostenrechnung geht von einer einzigen, fest vorgegebenen Planbeschäftigung aus und löst die Kosten nicht in fixe und variable Bestandteile auf. Deshalb können die Kosten nicht auf abweichende Beschäftigungsgrade umgerechnet werden. Ein Vergleich verschiedener Produktions- bzw. Absatzmengen (alternative Beschäftigungen) ist damit nicht möglich. Genau diese Analyse braucht man aber für die Planung des Produktionsprogramms — die starre PKR ist dafür ungeeignet. Aussage und Begründung sind schlüssig.
Feste Planbeschaeftigung der starren PKR
Aufgabe #156 · 2 P. · Aufgabe | 2 P. | #2cEine starre Plankostenrechnung geht von einer fest vorgegebenen Planbeschäftigung aus.
Antwort: Richtig.
Begründung: Es ist das kennzeichnende Merkmal der starren Plankostenrechnung, dass sie mit genau einer fest vorgegebenen Planbeschäftigung arbeitet. Die geplanten Kosten werden nicht an die tatsächlich erreichte Istbeschäftigung angepasst (keine Sollkosten). Die Aussage trifft die Definition zu.
Starre PKR auf Voll- und Teilkostenbasis
Aufgabe #157 · 2 P. · Aufgabe | 2 P. | #2dDie starre Plankostenrechnung sollte immer sowohl auf Vollkostenbasis als auch auf Teilkostenbasis durchgeführt werden.
Antwort: Falsch.
Begründung: Es gibt keine Regel, wonach die starre Plankostenrechnung immer zugleich auf Voll- und Teilkostenbasis durchzuführen ist. Die starre Plankostenrechnung wird typischerweise auf Vollkostenbasis betrieben; sie trennt die Kosten gerade nicht in fixe und variable Teile. Eine Auflösung in Teilkosten (nur variable/proportionale Kosten) ist das Kennzeichen der flexiblen Plankostenrechnung bzw. der Grenzplankostenrechnung. Die pauschale Forderung -immer sowohl als auch- ist daher nicht haltbar.
Flexible Plankostenrechnung
Verbrauchs- und Beschaeftigungsabweichung (flexible PKR)
Aufgabe #158 · 4 P. · Aufgabe | 4 P. | #3aGemeinsame Angaben (gelten für die ganze Aufgabe): Ein Computerhersteller wendet für seine Kostenplanung und -kontrolle eine flexible Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis an. Für die Kostenstelle „Bildschirmmontage" liegen folgende Plandaten vor: Als Vorgabezeit für die Montage werden 2 Stunden je Stück veranschlagt. Pro Periode sollen 1.000 Bildschirme gefertigt werden. Die geplanten Gemeinkosten, bezogen auf die Größe „Arbeitsstunde", belaufen sich pro Periode auf 15.000 EUR. Davon werden 2.000 EUR als fixe Kosten angesehen. Nach Ablauf der ersten Planperiode werden folgende Istdaten ermittelt: Die Fertigungsmenge an Bildschirmen betrug 800 Stück in 1.600 Arbeitsstunden. An Gemeinkosten sind 14.500 EUR angefallen.
Größe
Plan
Ist
Vorgabezeit
2 h/Stück
—
Menge
1.000 Stück
800 Stück
Arbeitsstunden
—
1.600 h
Gemeinkosten
15.000 EUR (davon 2.000 EUR fix)
14.500 EUR
Ermitteln Sie die Verbrauchs- und die Beschäftigungsabweichung.
Schritt 0 — Plandaten aufbereiten:
Vorgabezeit 2 h/Stück bei 1.000 Stück ergibt die Planbeschäftigung 2.000 h. Von den 15.000,00 EUR Plangemeinkosten sind 2.000,00 EUR fix, also 13.000,00 EUR variabel. Istdaten: 1.600 h, 14.500,00 EUR.
Aufgabe #159 · 6 P. · Aufgabe | 6 P. | #3bErmitteln Sie die Istkosten pro Stunde und analysieren Sie die Differenz zum Plankostenverrechnungsverfahren.
Relativ liegt der Iststundensatz damit rund 20,83 % über dem Plansatz (1,5625 / 7,50 = 0,2083).
Schritt 3 — Delta aufspalten (worauf beruht die Verteuerung?):
Die beiden Abweichungen aus 3a werden je Iststunde ausgedrückt:
Verschwendung (Verbrauchsabweichung je h) = 2.100,00 EUR / 1.600 h = 1,31 EUR/h (genau 1,3125)
Nicht verrechnete Fixkosten (Beschäftigungsabweichung je h) = 400,00 EUR / 1.600 h = 0,25 EUR/h
Schritt 4 — Anteile am Delta:
Bestandteil
EUR/h
Anteil am Delta
Verschwendung (VA)
1,3125
84,00 %
Nicht verr. Fixkosten (BA)
0,25
16,00 %
Delta gesamt
1,5625
100,00 %
Interpretation: Der Iststundensatz übersteigt den PKVS um 1,56 EUR/h. Rund 84 % davon (1,31 EUR/h) sind echter Mehrverbrauch/Unwirtschaftlichkeit, den die Kostenstelle selbst zu verantworten hat. Nur rund 16 % (0,25 EUR/h) gehen auf die Unterbeschäftigung zurück (Fixkosten auf weniger Stunden verteilt). Steuerungsrelevant ist also vor allem der Verbrauch, nicht die Auslastung.
Verbrauchsabweichung in der Grenzplankostenrechnung
Aufgabe #160 · Aufgabe | #4aErmitteln Sie die Verbrauchsabweichung im Rahmen einer Grenzplankostenrechnung. Folgende Daten liegen vor:
Fixe Kosten
Proportionale Kosten
Gesamtsumme
Beschäftigung
Ist
30.000 EUR
30.000 EUR
60.000 EUR
10.000 Stunden
Plan
30.000 EUR
60.000 EUR
90.000 EUR
12.000 Stunden
Grundidee: In der Grenzplankostenrechnung (Teilkostenrechnung) werden nur die proportionalen (variablen) Kosten auf die Beschäftigung verrechnet. Die Fixkosten werden nicht auf die Leistung umgelegt, sondern als Block ins Betriebsergebnis übernommen. Deshalb gibt es hier keine Beschäftigungsabweichung — nur eine Verbrauchsabweichung auf die proportionalen Kosten.
Interpretation: Das Vorzeichen ist negativ, es liegt also ein Minderverbrauch (Kostenersparnis) von 20.000,00 EUR vor. Tatsächlich fielen je Stunde nur 3,00 EUR/h proportionale Kosten an (30.000 / 10.000), geplant waren 5,00 EUR/h — es wurde deutlich wirtschaftlicher gearbeitet als vorgegeben. Hinweis: Da die Fixkosten in Ist und Plan gleich hoch sind (je 30.000,00 EUR), ändert es das Ergebnis nicht, ob man die Verbrauchsabweichung nur auf die proportionalen oder auf die Gesamtkosten bezieht — in beiden Fällen -20.000,00 EUR. Eine Beschäftigungsabweichung wird in der Grenzplankostenrechnung bewusst nicht ausgewiesen.
Lückentext: Normalkostenrechnung bis Produktivität
Aufgabe #185 · 4 P. · Aufgabe |Ergänzen Sie im nachfolgenden Text die fehlenden Begriffe: 1. In der ___ bestimmen die Kosten, die in der Vergangenheit durchschnittlich angefallen sind, den Verrechnungssatz. 2. Entscheidungsrelevant für die kurzfristige Produktionsprogrammplanung sind nur die ___. 3. ___ sind die Kosten, die durch die Produktion einer zusätzlichen Mengeneinheit eines Produktes entstehen. 4. Den Wert der in einer Periode beschafften Güter und Dienstleistungen bezeichnet man als ___. 5. Der Gewinn der nächstgünstigen Verwendungsalternative oder der entgangene Nutzen definieren die ___. 6. Die negative Veränderung des Fonds „Geldvermögen" nennt man ___. 7. Trotz rückläufigem Beschäftigungsgrad verharren die Kosten häufig auf einem bestimmten Niveau. Dieser Effekt wird als ___ bezeichnet. 8. Das Mengenverhältnis von Output zu Input bezeichnet man als ___.
Nr.
Lückensatz
Korrekte Lösung
1
„In der ___ bestimmen die Kosten, die in der Vergangenheit durchschnittlich angefallen sind, den Verrechnungssatz."
Normalkostenrechnung
2
„Entscheidungsrelevant für die kurzfristige Produktionsprogrammplanung sind nur die ___."
„Der Gewinn der nächstgünstigen Verwendungsalternative oder der entgangene Nutzen definieren die ___."
Opportunitätskosten
6
„Die negative Veränderung des Fonds „Geldvermögen" nennt man ___."
Ausgabe
7
„Trotz rückläufigem Beschäftigungsgrad verharren die Kosten häufig auf einem bestimmten Niveau. Dieser Effekt wird als ___ bezeichnet."
Kostenremanenz(häufige Verwechslung: „Skaleneffekt" — das ist das Gegenteil: Skaleneffekt/Economies of Scale beschreibt sinkende Stückkosten bei STEIGENDER Menge, nicht das „Kleben" der Kosten bei sinkender Beschäftigung)
8
„Das Mengenverhältnis von Output zu Input bezeichnet man als ___."
Produktivität
Kostenverlauf-Diagramm
Aufgabe #196 · 4 P. · Aufgabe |Kennzeichnen Sie in folgendem Diagramm die Abszissen- und die Ordinatenachse mit den entsprechenden Dimensionen und zeichnen Sie in einem beliebigen Punkt die Höhe der fixen und der variablen Kosten durch geschwungene Klammern ein!
Original-Klausuraufgabe (Scan)
📝 Ausformulierte Lösung
Achsenbeschriftung: Ordinate (senkrecht) = K (Gesamtkosten in €), Abszisse (waagerecht) = B (Beschäftigung/Ausbringungsmenge in Stück). Die Gesamtkostengerade K = Kf + kv·B beginnt bei einem beliebigen Punkt B auf der Kf-Höhe (Schnittpunkt mit der K-Achse) und steigt von dort linear an. Zwei geschwungene Klammern markieren an einer beliebig gewählten Menge B die Zusammensetzung der Gesamtkosten:
Die untere Klammer erfasst die FixkostenKf (konstante Höhe, unabhängig von B), die obere Klammer den variablen Kostenanteil (kv·B, wächst mit B) — zusammen ergeben beide Klammern an jeder Stelle B genau die Höhe der Gesamtkostengeraden.
Kostenauflösung — mathematische Methode
Aufgabe #213 · 4 P. · Aufgabe |Die Beschäftigung wird von 1.250 auf 1.825 Stück erhöht; die Gesamtkosten steigen daraufhin von 25.000 auf 28.750 €. Ermitteln Sie die variablen Stückkosten sowie die Fixkosten mithilfe der mathematischen Methode der Kostenauflösung.
📝 Ausformulierte Lösung
Gegenprobe (am zweiten Punkt): ✓ exakt der gegebene Wert .
Aufgabe #214 · 5 P. · Aufgabe |In der Alltagssprache, aber auch in Unternehmen und im HGB (§ 255) ist im Zusammenhang mit größeren Investitionen von „Anschaffungskosten“ die Rede.
a) 4 P. Erläutern Sie kurz und prägnant, warum der Begriff insbesondere in diesem Kontext Unsinn ist. b) 1 P. Wie lautet der korrekte Fachbegriff für den Sachverhalt?
📝 Ausformulierte Lösung
a) Der Begriff ist irreführend, weil die Anschaffung eines Investitionsguts erfolgsneutral ist: Beim Kauf findet nur ein Aktivtausch statt (Zahlungsmittel gegen Maschine), das Reinvermögen ändert sich nicht — es entsteht kein Werteverzehr und damit keine Kosten. Kosten entstehen erst später, zeitlich verteilt über die Nutzungsdauer, als (kalkulatorische) Abschreibung. „Anschaffungskosten" verwechselt damit den Zahlungsvorgang mit dem Kostenvorgang.
(Kleine Ergänzung: Handelsrechtlich ist „Anschaffungskosten" nach § 255 Abs. 1 HGB der korrekte Bewertungsmaßstab für die Bilanz — der Begriff ist also nicht grundsätzlich falsch, sondern speziell im Kostenrechnungskontext irreführend, weil er einen sofortigen Kostenanfall in Kaufpreishöhe suggeriert.)
b) Der korrekte Fachbegriff für den reinen Zahlungsvorgang ist die Anschaffungsauszahlung (bei Barkauf) bzw. die Anschaffungsausgabe (bei Kauf auf Ziel/Rechnung, da noch keine Auszahlung, aber schon eine Minderung des Geldvermögens vorliegt).
4. Bestimmtheitsmaß-Schwelle — wann darf man noch mit der Steigung rechnen?
Aufgabe #013 · 4. Bestimmtheitsmaß-Schwelle — wann darf man noch mit der Steigung rechnen?Für die Kostenart „Werkzeugverschleiß" liegen Ihnen folgende Werte aus fünf Perioden vor: 2.400 €, 2.150 €, 2.600 €, 2.300 €, 2.050 €. Eine Regressionsrechnung liefert kv = 3,20 €/Stück, Kf = 1.850 € und ein Bestimmtheitsmaß von R² = 0,58. Ihr Kollege möchte auf dieser Basis die Kosten für die geplante nächste Periode prognostizieren. Entscheiden Sie, ob das zulässig ist, begründen Sie Ihre Entscheidung, und schlagen Sie ein alternatives Vorgehen samt Rechnung vor.
📝 Ausformulierte Lösung
Die Prognose auf Basis der Regressionsgeraden ist nicht zulässig. Als Faustregel gilt: Ein Bestimmtheitsmaß R² sollte mindestens etwa zwei Drittel (66–67 %) betragen, damit ein linearer Zusammenhang zwischen Menge und Kosten als hinreichend gesichert gelten und für eine lineare Kostenauflösung bzw. -prognose herangezogen werden darf. Mit R² = 0,58 liegt der vorliegende Wert unterhalb dieser Schwelle — nur 58 % der Kostenschwankung werden durch die Menge erklärt, mehr als 40 % bleiben unerklärt. Die von der Regression gelieferten Werte für kv und Kf sind damit statistisch nicht hinreichend abgesichert, obwohl Excel anstandslos konkrete Zahlen ausgibt: Eine Tabellenkalkulation prüft nicht automatisch, ob eine Gerade inhaltlich sinnvoll ist, das muss man selbst beurteilen („Kopf einschalten, nicht stumpf übernehmen").
Als Alternative bietet sich die buchtechnische bzw. pragmatische Methode an: Statt der (nicht belastbaren) Steigung wird der Mittelwert der beobachteten Perioden als annähernd fixer Kostenbetrag angesetzt. Rechnerisch ergibt sich: Mittelwert = (2.400 € + 2.150 € + 2.600 € + 2.300 € + 2.050 €) ÷ 5 = 11.500 € ÷ 5 = 2.300 € je Periode. Als Gegenprobe liegt dieser Wert plausibel zwischen dem niedrigsten (2.050 €) und dem höchsten (2.600 €) beobachteten Wert und wird für die kommende Periode als (näherungsweise) fixer Kostenbetrag für „Werkzeugverschleiß" angesetzt, bis sich durch mehr Datenpunkte oder eine analytische (zukunftsgerichtete) Methode ein belastbarerer Zusammenhang ermitteln lässt.
5. Betriebsoptimum — ein irreführender Lehrbuchbegriff?
Aufgabe #014 · 5. Betriebsoptimum — ein irreführender Lehrbuchbegriff?Ein Statistik-Portal formuliert: „Das Betriebsoptimum ist der Punkt minimaler Stückkosten und stellt damit die ideale Preisuntergrenze dar, bei der ein Unternehmen optimal produziert." Nehmen Sie kritisch Stellung zu dieser Aussage und grenzen Sie den Begriff von Betriebsminimum und langfristiger Preisuntergrenze ab.
📝 Ausformulierte Lösung
Die Aussage ist irreführend und in dieser Form abzulehnen. Das Betriebsoptimum bezeichnet zwar korrekt diejenige Produktionsmenge, bei der die Stückkosten minimal sind — es handelt sich also um einen rein rechnerischen Punkt der Kostenkurve. Es ist jedoch keine Preisuntergrenze und enthält keinen Gewinn. Rohleder kritisiert den Begriff ausdrücklich als irreführenden Lehrbuchbegriff: „Was daran optimal sein soll, erschließt sich mir nicht" — denn ein Unternehmen, das genau zu diesem Preis anbietet, deckt zwar seine minimal möglichen Stückkosten, erwirtschaftet aber keinerlei Gewinnspanne und ist damit langfristig nicht überlebensfähig.
Vom Betriebsoptimum klar abzugrenzen sind zwei andere, tatsächlich als Preisgrenzen fungierende Größen: Das Betriebsminimum entspricht der kurzfristigen Preisuntergrenze — hier werden nur die variablen Kosten gedeckt, der Verlust entspricht genau den Fixkosten; ein solcher Preis kann kurzfristig noch sinnvoll sein, um zumindest einen Deckungsbeitrag zu den Fixkosten zu leisten. Die langfristige Preisuntergrenze entspricht den Vollkosten (Selbstkosten je Stück) inklusive des angemessenen kalkulatorischen Normalgewinns — dieser Normalgewinn (kalk. Unternehmerlohn + kalk. Zinsen = Normalverzinsung) ist bereits Bestandteil der Vollkosten, weshalb Rohleder sie als „Vollkosten + angemessener Gewinn" bezeichnet. Ein darüber hinausgehender Gewinnaufschlag gehört zum Angebotspreis, nicht zur Untergrenze; wird dagegen dauerhaft unterhalb der Vollkosten verkauft, geht das Unternehmen langfristig unter. Das Betriebsoptimum liegt begrifflich zwischen diesen beiden Preisgrenzen, ist aber selbst keine von beiden — es ist lediglich der Punkt minimaler Durchschnittskosten, ohne jede Aussage über Gewinn oder betriebswirtschaftliche Überlebensfähigkeit. Die zitierte Aussage vermengt damit einen rein kostenrechnerischen Kennwert mit einer betriebswirtschaftlichen Preisentscheidung — ein klassischer Fall, in dem ein plausibel klingender Lehrbuchbegriff mehr suggeriert, als er tatsächlich hergibt.
Kostenauflösung einer Lackieranlage — Zweipunktverfahren (Kostenspaltung) — Zusatzübung
Aufgabe #237 · Kostenauflösung einer Lackieranlage — Zweipunktverfahren (Kostenspaltung) — ZusatzübungDie Rheintal Metallbau GmbH betreibt eine Lackieranlage. Deren Energiekosten sind Mischkosten (Grundlast + verbrauchsabhängiger Anteil). Für vier Monate liegen die lackierten Bauteile (Menge x) und die zugehörigen Gesamt-Energiekosten K vor:
Monat
Menge x [Bauteile]
Gesamtkosten K [€]
Januar
2.500
16.400,00
Februar
4.000
21.200,00
März
3.200
18.640,00
April
4.800
23.760,00
a) Spalte die Mischkosten mit dem Zweipunkt-/Hoch-Tief-Verfahren (kleinste und größte Menge) in variable Stückkosten kv und Fixkosten Kf auf. b) Stelle die lineare Kostenfunktion auf. c) Prognostiziere die Energiekosten für einen geplanten Monat mit 5.500 Bauteilen und beurteile, ob es sich um Interpolation oder Extrapolation handelt.
Lösung — Schritt für Schritt:
Zwei Punkte auswählen (Hoch-Tief). Kleinste Menge = Januar (Tiefpunkt): x₁ = 2.500 Bauteile, K₁ = 16.400,00 €. Größte Menge = April (Hochpunkt): x₂ = 4.800 Bauteile, K₂ = 23.760,00 €. Zwei Punkte legen die Kostengerade eindeutig fest.
Variable Stückkosten kv = Steigung. Der ganze Kostenzuwachs zwischen beiden Punkten stammt von der Mehrmenge, denn der Fixsockel bleibt gleich:
FixkostenKf = Achsenabschnitt. In K₁ steckt Fix + variabel; ziehst du den variablen Anteil bei 2.500 Bauteilen ab, bleibt der Sockel:
Kontrolle über den Hochpunkt (muss denselben Sockel liefern, weil beide Punkte auf derselben Geraden liegen): Kf = 23.760,00 − 3,20 × 4.800 = 23.760,00 − 15.360,00 = 8.400,00 € — identisch.
Prognose für 5.500 Bauteile. Der beobachtete Bereich reicht von 2.500 bis 4.800 Bauteile. 5.500 liegt oberhalb des größten beobachteten Werts → Extrapolation (riskanter, weil die Gerade außerhalb des gemessenen Bereichs gelten muss — Sprungfixkosten für eine zweite Schicht, Überstundenzuschläge o. Ä. könnten sie kippen):
Ergebnis:kv = 3,20 €/Bauteil, Kf = 8.400,00 €, Kostenfunktion K = 8.400,00 € + 3,20 € · x; Prognose für 5.500 Bauteile ≈ 26.000,00 € (Extrapolation, daher mit Vorsicht). Rechenprobe:Kf aus Tiefpunkt (8.400,00 €) = Kf aus Hochpunkt (8.400,00 €) ✓; Gegenprobe der Funktion an März: 8.400 + 3,20 × 3.200 = 8.400 + 10.240 = 18.640,00 € = gegebener Märzwert ✓.
Kostenprognose & Interpolation — Kostenauflösung (gleiche Perioden-Daten wie eine Vier-Perioden-Kostenauflösung, andere Frage) — Zusatzübung
Aufgabe #238 · Kostenprognose & Interpolation — Kostenauflösung (gleiche Perioden-Daten wie eine Vier-Perioden-Kostenauflösung, andere Frage) — Zusatzübung(gleiche Perioden-Daten wie eine Vier-Perioden-Kostenauflösung, andere Frage.) Gegeben sind dieselben vier Perioden-Mischkosten:
Periode
Menge x [Stück]
Gesamtkosten K [€]
1
14.300
7.902,00
2
18.500
9.708,00
3
19.750
10.245,50
4
16.250
8.750,50
Die Originalaufgabe fragte nach kv und Kf (Zweipunkt aus Periode 1 und 4). Diesmal ist die Kostenfunktion aus Periode 1 und 4 bereits gegeben — K = 1.679,67 € + 0,4351 € · x. a) Prognostiziere die Gesamtkosten für 17.500 Stück und für 22.000 Stück. b) Beurteile für beide Mengen, ob es sich um Interpolation oder Extrapolation handelt, und welche Prognose verlässlicher ist.
Lösung — Schritt für Schritt:
Beobachteten Mengenbereich ablesen. Kleinste Menge = 14.300 (P1), größte Menge = 19.750 (P3). Verlässlich ist die Gerade nur innerhalb [14.300; 19.750] (Interpolation); außerhalb ist sie Extrapolation.
Mit dem ungerundeten kv rechnen.kv exakt = 848,50 ÷ 1.950 = 0,435128… €/Stück, Kf = 1.679,67 € (aus P1 und P4). Wichtig: kv wird mit großen Mengen multipliziert — erst das Endergebnis runden, sonst driftet die Prognose.
Prognose 17.500 Stück. 17.500 liegt zwischen 14.300 und 19.750 → Interpolation:
Prognose 22.000 Stück. 22.000 liegt oberhalb des größten beobachteten Werts (19.750) → Extrapolation:
Beurteilung. Die 17.500-Prognose (9.294,41 €) ist verlässlich, weil sie innerhalb des gemessenen Bereichs liegt — der lineare Zusammenhang ist dort belegt. Die 22.000-Prognose (11.252,49 €) ist riskant: Bei Mengen jenseits von 19.750 könnten Sprungfixkosten (Kapazitätserweiterung, zweite Schicht), Überstundenzuschläge oder Mengenrabatte die Linearität brechen — die Gerade gilt dort vielleicht nicht mehr.
Ergebnis:K(17.500) ≈ 9.294,41 € (Interpolation, verlässlich), K(22.000) ≈ 11.252,49 € (Extrapolation, mit Vorsicht zu genießen). Rechenprobe: Kontrolle des Sockels aus P4: Kf = 8.750,50 − 0,435128… × 16.250 = 8.750,50 − 7.070,83 = 1.679,67 € = Kf aus P1 ✓ (beide Perioden liegen auf derselben Geraden, die Funktion ist korrekt).
Aufgabe #239 · Flexible Plankostenrechnung Dreherei — Sollkosten & Abweichungen bei Unterbeschäftigung — ZusatzübungDie Kostenstelle Fertigung Dreherei der Odenwald Präzision GmbH plant auf Basis von Maschinenstunden. Gegeben:
Größe
Symbol
Wert
Planbeschäftigung
Bp
8.000 Maschinenstunden
Istbeschäftigung
Bi
6.500 Maschinenstunden
variable Plankosten (bei Bp)
Kpv
96.000,00 €
fixe Plankosten
Kpf
64.000,00 €
Istkosten
Ki
145.000,00 €
Ermittle a) den variablen, fixen und gesamten Verrechnungssatz, b) die verrechneten Plankosten und die Sollkosten bei Ist-Beschäftigung, c) Gesamt-, Verbrauchs- und Beschäftigungsabweichung mit Angabe „günstig/ungünstig". Deute die Beschäftigungsabweichung.
Fixer Verrechnungssatz kpf = Kpf ÷ Bp = 64.000 ÷ 8.000 = 8,00 €/h (rein rechnerischer Wert — Fixkosten fallen nicht pro Stunde an, werden aber für die verrechneten Plankosten „proportionalisiert").
Plankosten bei Bp Kp = Kpv + Kpf = 96.000 + 64.000 = 160.000,00 € (Referenzpunkt, gilt für 8.000 h).
Verrechnete Plankosten (Fix wird wie variabel auf Bi hochgerechnet): Kverr = kp · Bi = 20,00 × 6.500 = 130.000,00 €.
Sollkosten (Fix bleibt voll konstant, nur der variable Teil wird an Bi angepasst — die faire Vergleichslatte): Ksoll = Kpf + kpv · Bi = 64.000 + 12,00 × 6.500 = 64.000 + 78.000 = 142.000,00 €.
Verbrauchsabweichung = Ki − Ksoll = 145.000 − 142.000 = +3.000,00 € → ungünstig (die Kostenstelle hat gegenüber der fairen Latte tatsächlich zu viel verbraucht — das ist ihr Eigenverschulden).
Beschäftigungsabweichung = Ksoll − Kverr = 142.000 − 130.000 = +12.000,00 € → ungünstig. Deutung: Bi (6.500) < Bp (8.000) → Unterbeschäftigung. Die Anlage war nicht ausgelastet, ein Teil der fixen Plankosten ist nicht verrechnet → Leerkosten. Reiner Mengeneffekt, dafür kann die Kostenstelle nichts. Gegenformel: kpf · (Bp − Bi) = 8,00 × (8.000 − 6.500) = 8,00 × 1.500 = 12.000,00 € ✓.
Beschäftigungsabweichung = 0 — Flexible Plankostenrechnung (gleiche Kostenstelle wie eine flexible-Plankosten-Aufgabe, andere Frage) — Zusatzübung
Aufgabe #240 · Beschäftigungsabweichung = 0 — Flexible Plankostenrechnung (gleiche Kostenstelle wie eine flexible-Plankosten-Aufgabe, andere Frage) — Zusatzübung(gleiche Kostenstelle wie eine flexible-Plankosten-Aufgabe, andere Frage.) Gegeben ist dieselbe Kostenstelle: Planbeschäftigung Bp = 30.000 Stück, variable Plankosten Kpv = 45.000,00 €, fixe Plankosten Kpf = 120.000,00 €, Istkosten Ki = 200.000,00 €. Die Originalaufgabe rechnete mit Bi = 35.000 Stück die Abweichungen aus. Diesmal ist die Frage umgekehrt: Bei welcher Ist-Beschäftigung Bi würde die Beschäftigungsabweichung genau 0,00 € betragen? Begründe das Ergebnis und zeige, welche drei Kostengrößen bei dieser Bi zusammenfallen.
Lösung — Schritt für Schritt:
Verrechnungssätze aus den Plandaten. kpv = Kpv ÷ Bp = 45.000 ÷ 30.000 = 1,50 €/Stück; kpf = Kpf ÷ Bp = 120.000 ÷ 30.000 = 4,00 €/Stück; kp = 1,50 + 4,00 = 5,50 €/Stück.
Beschäftigungsabweichung als Formel aufstellen. Sie ist reiner Fixkosten-Über-/Unterdeckungseffekt:
Gleich null setzen. kpf · (Bp − Bi) = 0. Da kpf = 4,00 €/Stück ≠ 0, muss die Klammer null sein: Bp − Bi = 0 → Bi = Bp = 30.000 Stück.
Interpretation. Die Beschäftigungsabweichung verschwindet genau dann, wenn Ist- gleich Planbeschäftigung ist — keine Über- und keine Unterbeschäftigung, also weder Fixkostenüberdeckung noch Leerkosten. Nur bei Bi = Bp fallen Plankosten (Kp), Sollkosten (Ksoll) und verrechnete Plankosten (Kverr) auf denselben Wert zusammen.
a) (4 P.) Warum gibt es Abschreibungen? Erläutern Sie zwei unterschiedliche Gründe ausführlich. b) (6 P.) Was unterscheidet Abschreibungen in der Kostenrechnung von Abschreibungen in der Handels- bzw. Steuerbilanz? Warum ist das so? c) (6 P.) Definieren Sie: Restwert · Abschreibungsbetrag · Abschreibungsausgangsbetrag.
Musterantwort a) — zwei unterschiedliche Gründe
Es reicht nicht, zwei Mal „Werteverzehr“ zu schreiben – Rohleder will zwei verschiedene Funktionen:
Periodengerechte Verteilung des Werteverzehrs (Erfolgsermittlung). Die Anschaffungsauszahlung für ein langlebiges Gut soll nicht eine einzige Periode voll belasten, sondern verursachungsgerecht über die gesamte Nutzungsdauer verteilt werden, damit der Erfolg (Gewinn) pro Periode korrekt ermittelt wird. (In der Kostenrechnung: verursachungsgerechte Zurechnung des Anlagenverzehrs auf die Kostenträger.)
Substanzerhaltung / Kapitalfreisetzung (Finanzierungs-/Reinvestitionsfunktion). Über die in den Verkaufspreisen verdienten Abschreibungsgegenwerte fließt Kapital zurück; es wird angespart, um die Anlage am Ende der Nutzungsdauer ersetzen zu können (Wiederbeschaffung / Erhaltung der Betriebssubstanz).
(Weitere in der Handschrift genannte, ergänzende Gründe: den aktuellen Wert der Maschine kennen zu können; gesetzliche Verpflichtung. Die zwei tragenden, „unterschiedlichen“ Gründe sind aber Periodenverteilung/Erfolgsermittlung und Substanzerhaltung/Reinvestition.)
Musterantwort b) — Kostenrechnung vs. Handels-/Steuerbilanz
Unterschied und Begründung hängen am Zweck des jeweiligen Rechenkreises:
tatsächliche/geplante betriebliche Nutzungsdauer; Methode so gewählt, wie das Gut real genutzt wird (Verzerrung der Kalkulation vermeiden)
oft steuerliche AfA-Tabellen und handelsrechtlich zulässige Methoden – nicht zwingend die reale Nutzung
Verpflichtung
keine gesetzliche Pflicht, aber betriebswirtschaftlich sinnvoll/geboten
gesetzlich vorgeschrieben (Bilanzierungspflicht)
Warum das so ist: Die externe Bilanz dient anderen Adressaten und Zielen (Gläubigerschutz, Vorsicht, Steuer) und ist an gesetzliche Vorschriften gebunden; die interne Kostenrechnung ist frei von diesen Vorschriften und darf/soll die Realität möglichst genau abbilden (z. B. Wiederbeschaffungswert statt historischer Anschaffungswert), um Kalkulation und Steuerung nicht zu verfälschen.
Rohleder-Beleg: „Handelsbilanz: möglichst vorsichtig bilanzieren, so viel abschreiben wie es geht, um stille Reserven zu bilden. Kostenrechnung: möglichst linear und so lange, wie die Maschine geplant genutzt wird … um Kostenschwankungen / zu hohe Abschreibungen zu vermeiden. Steuerbilanz: gesetzlich vorgeschrieben, dass man abschreiben muss; in der Kostenrechnung keine Verpflichtung.“
Musterantwort c) — Begriffsdefinitionen
Abschreibungsausgangsbetrag: der Ausgangswert, von dem aus abgeschrieben wird = der gesamte über die Nutzungsdauer abzuschreibende Betrag (in der Kostenrechnung typischerweise der Wiederbeschaffungswert, ggf. vermindert um einen geplanten Restwert). Aus ihm wird die Abschreibung ermittelt.
Abschreibungsbetrag: der Betrag, der in einer Periode (regelmäßig, z. B. pro Jahr) abgeschrieben wird (bei linearer Abschreibung = Abschreibungsausgangsbetrag ÷ Nutzungsdauer).
Restwert: der (geplante) Wert am Ende der Nutzungsdauer — Schrott-/Liquidationswert (so auch Rohleders Handschrift: „Wert der Maschine nach der Abschreibungsdauer“). Er mindert den Abschreibungsausgangsbetrag (nur AW − Restwert wird abgeschrieben). ⚠️ Korrektur: Davon zu unterscheiden ist der Restbuchwert = der Wert zu einem beliebigen Zeitpunkt nach Abzug der bisher vorgenommenen Abschreibungen (AW − kumulierte AfA). Also: Restwert = Endwert/Schrottwert, Restbuchwert = laufender Buchwert — nicht gleichsetzen.
U07 · Kalkulatorische Kosten
Kalkulatorische Zinsen — Durchschnitts- vs. Restwertverzinsung
⚡ Kurzform — zum schnellen Selbst-Formulieren (Kochrezept)
Ansatz: Beide Verfahren bauen auf linearer Abschreibung auf. Erst Abschreibung/Jahr = (AW − RW) / ND rechnen — hier (240.000 − 40.000)/5 = 40.000,00 €. Buchwert fällt jährlich um genau diesen Betrag.
Durchschnittsverzinsung Kernformel: kalk. Zinsen/Jahr = i × (AW + RW)/2. Das durchschnittlich gebundene Kapital ist der Mittelwert aus Anfangs- und Endwert (linearer Verlauf).
Pflicht-Rechenprobe: Buchwert am Ende von Jahr 5 (80.000 − 40.000 = 40.000,00 €) muss dem vorgegebenen RW entsprechen — sonst Tabelle falsch.
Differenz 64.000 − 56.000 = 8.000,00 €. Herleitung: Restwertmethode verzinst VOR der laufenden Abschreibung, also im Schnitt eine halbe Jahresabschreibung mehr: 20.000 × 0,08 × 5 = 8.000,00 €.
Typische Falle: bei RW = 0 vereinfacht sich (AW+RW)/2 nur dann zu AW/2 — mit RW immer die volle Formel nehmen. Zweite Falle: Restwertmethode nimmt Buchwert zu Jahres-BEGINN, nicht -ende.
Praxis-Begründung für Durchschnittsmethode: konstante Kostenbelastung (keine springenden Selbstkosten), nur eine Kennzahl, keine Scheingenauigkeit; Restwertmethode ist theoretisch präziser, aber verzerrt identische Produkte über die Jahre.
Die kalkulatorischen Zinsen erfassen die Kosten des in einer Anlage gebundenen Kapitals — unabhängig davon, ob die Anlage mit Eigen- oder Fremdkapital finanziert wurde (Opportunitätsgedanke: das gebundene Kapital könnte alternativ verzinslich angelegt werden). Kernfrage ist: Wie viel Kapital ist im Durchschnitt gebunden, und wie hoch ist der kalkulatorische Zinssatz? Es gibt zwei Verfahren, die unterschiedlich viel Kapital ansetzen. (vgl. Coenenberg u. a., Kostenrechnung und Kostenanalyse, Kap. „Kalkulatorische Kosten")
Kalkulatorische Zinsen
Ein mittelständischer Maschinenbaubetrieb aus Rheinhessen schafft eine CNC-Fräsanlage an. Ermitteln Sie die kalkulatorischen Zinsen (a) nach der Durchschnittsverzinsung und (b) nach der Restwertverzinsung (Tabelle über die gesamte Nutzungsdauer). Erläutern Sie kurz, warum in der Praxis üblicherweise die Durchschnittsmethode verwendet wird.
Gegeben
Größe
Formelzeichen
Wert
Anschaffungswert
AW
240.000,00 €
Nutzungsdauer
ND
5 Jahre
Kalkulatorischer Zinssatz
i
8,00 %
Restwert am Ende der ND
RW
40.000,00 €
Abschreibungsverfahren
—
linear
Gefragt: a) Kalkulatorische Zinsen nach der Durchschnittsverzinsung ermitteln · b) Kalkulatorische Zinsen nach der Restwertverzinsung ermitteln (Tabelle über die gesamte Nutzungsdauer) · c) Kurz erläutern, warum in der Praxis üblicherweise die Durchschnittsmethode verwendet wird
Vorüberlegung: linearer Werteverzehr
Beide Verfahren gehen davon aus, dass der Buchwert der Anlage durch die lineare Abschreibung Jahr für Jahr gleichmäßig vom Anschaffungswert auf den Restwert sinkt. Die jährliche Abschreibung ist die gemeinsame Basis:
Damit fällt der Buchwert jedes Jahr um genau 40.000,00 €.
(a) Durchschnittsverzinsung
Idee: Über die gesamte Nutzungsdauer ist im Mittel nur das durchschnittlich gebundene Kapital gebunden. Da der Buchwert linear von AW auf RW sinkt, ist der Mittelwert genau die Mitte zwischen Anfangs- und Endwert.
Merke: Nur wenn RW = 0,00 € ist, vereinfacht sich die Formel zu Ø-Kapital = AW ÷ 2 (halber Anschaffungswert). Hier ist RW = 40.000,00 €, deshalb die volle Formel.
Der jährliche Zinsbetrag ist in jedem Jahr konstant (11.200,00 €).
(b) Restwertverzinsung
Idee: In jedem Jahr wird nur das Kapital verzinst, das zu Jahresbeginn noch tatsächlich in der Anlage steckt (jahresanfänglicher Restbuchwert). Da der Buchwert fällt, sinken auch die Zinsen von Jahr zu Jahr.
Schritt 1 — Restbuchwerte zu Jahresbeginn aufstellen
Ausgehend vom AW jedes Jahr 40.000,00 € Abschreibung abziehen:
Jahr
Buchwert zu Jahresbeginn
− Abschreibung
Buchwert zu Jahresende
1
240.000,00 €
40.000,00 €
200.000,00 €
2
200.000,00 €
40.000,00 €
160.000,00 €
3
160.000,00 €
40.000,00 €
120.000,00 €
4
120.000,00 €
40.000,00 €
80.000,00 €
5
80.000,00 €
40.000,00 €
40.000,00 €
Der Buchwert zu Ende von Jahr 5 (40.000,00 €) entspricht exakt dem vorgegebenen Restwert RW — Rechenprobe bestanden.
Schritt 2 — Zinsen je Jahr = Buchwert zu Jahresbeginn × i
Beispielrechnung Jahr 1: 240.000,00 € × 0,08 = 19.200,00 €. Beispielrechnung Jahr 5: 80.000,00 € × 0,08 = 6.400,00 €.
Anders als bei der Durchschnittsmethode fallen die Zinsen jedes Jahr — von 19.200,00 € auf 6.400,00 €.
Vergleich beider Verfahren
Kriterium
Durchschnittsverzinsung
Restwertverzinsung
Verzinstes Kapital
konstant 140.000,00 €
fallend, Ø 160.000,00 €
Kalk. Zinsen/Jahr
konstant 11.200,00 €
fallend, 19.200,00 € → 6.400,00 €
Kalk. Zinsen gesamt
56.000,00 €
64.000,00 €
Zinsverlauf über ND
gleichmäßig
degressiv
Warum die Differenz von 8.000,00 €? Die Restwertmethode verzinst das Kapital jeweils zu Jahresbeginn, also bevor die Abschreibung des laufenden Jahres greift. Dadurch ist das angesetzte Kapital im Schnitt um die halbe Jahresabschreibung höher:
Genau spiegelbildlich lässt sich das durchschnittlich verzinste Kapital der Restwertmethode direkt herleiten: Ø-Kapital = 64.000,00 € ÷ 0,08 ÷ 5 = 160.000,00 € = Mittel der Jahresanfangs-Buchwerte (240/200/160/120/80 Tsd.) und damit um die halbe Jahresabschreibung (20.000,00 €) über den 140.000,00 € der Durchschnittsmethode.
Warum in der Praxis die Durchschnittsmethode üblich ist
Konstante Kostenbelastung: Die Durchschnittsmethode liefert in jedem Jahr denselben Zinsbetrag (11.200,00 €). Damit wird ein über die Jahre gleichbleibendes Produkt auch mit gleichbleibenden Zinskosten kalkuliert — die Selbstkosten „springen" nicht.
Verzerrung bei der Restwertmethode: Deren fallende Zinsen würden identische Erzeugnisse in frühen Jahren künstlich teurer und in späten Jahren billiger rechnen, obwohl sich am Produkt nichts geändert hat. Das erschwert Preisstellung und Periodenvergleich.
Einfachheit und Praktikabilität: Nur eine Kennzahl (Ø gebundenes Kapital) statt einer Jahrestabelle; robust gegenüber der Frage, welcher Buchwert (Jahresbeginn/-ende) anzusetzen ist.
Sachlogik der Kalkulation: In der Kostenrechnung sollen kalkulatorische Kosten den „normalen", verstetigten Ressourcenverzehr abbilden — nicht den bilanziell exakten, jährlich fallenden Kapitalbestand.
Die Restwertmethode ist theoretisch präziser (sie folgt dem tatsächlich gebundenen Kapital), wird aber gerade wegen ihres schwankenden Verlaufs für die laufende Kalkulation seltener eingesetzt.
Endergebnis — Kalkulatorische Zinsen
Durchschnittsverzinsung: kalk. Zinsen 11.200,00 € pro Jahr, gesamt 56.000,00 € über die Nutzungsdauer.
Restwertverzinsung: kalk. Zinsen fallend von 19.200,00 € auf 6.400,00 €, gesamt 64.000,00 € (Ø 12.800,00 €/Jahr).
Differenz: 8.000,00 € (= halbe Jahresabschreibung × i × ND).
Kalkulatorische Wagnisse
⚡ Kurzform — zum schnellen Selbst-Formulieren (Kochrezept)
Ansatz: Einzelwagnis (Gewährleistung) verstetigen — mehrjährigen Wagniskostensatz aus Ist-Verlusten ableiten, auf Planbezugsgröße (Umsatz) anwenden.
Kernformel b): WK(kalk) = Planumsatz x WKS = 6.500.000 x 0,012 = 78.000 EUR/Jahr; /12 = 6.500 EUR/Monat.
Typische Falle: NICHT die Einzelquoten ungewichtet mitteln (hier zufällig auch 1,20 %, weicht bei stark ungleichen Umsätzen ab) — Summe/Summe nehmen; Prozentwert am Ende auf 2 NK runden.
Teil c): Einzelwagnis = kalkulierbar (=diese Rechnung); versicherter Anteil NICHT kalkulieren (nur Prämie als Grundkosten, Doppelerfassung vermeiden); allg. Unternehmerwagnis NICHT ansetzbar (über kalk. Gewinn abgegolten).
Verfahren: Einzelwagnis (hier: Gewährleistungswagnis) — Wagniskostensatz aus mehrjährigen Ist-Wagnisverlusten ableiten und auf die Planbezugsgröße anwenden. (vgl. Coenenberg/Fischer/Günther, Kostenrechnung und Kostenanalyse, Kap. „Kalkulatorische Kostenarten — Wagnisse")
Kalkulatorische Wagnisse
Die Rheinhessen Präzisionsteile GmbH fertigt Maschinenbau-Komponenten. Für jedes verkaufte Teil gewährt sie eine gesetzliche bzw. vertragliche Gewährleistung. Aus Nachbesserungen, Ersatzlieferungen und Kulanz entstehen jährlich schwankende Ist-Gewährleistungsverluste. Diese sind in der Finanzbuchhaltung als (unregelmäßiger) Aufwand erfasst; in der Kostenrechnung sollen sie stattdessen verstetigt als kalkulatorisches Gewährleistungswagnis auf die Erzeugnisse verrechnet werden.
Für die letzten fünf Geschäftsjahre liegen folgende Werte vor. Als Bezugsgröße wird der Netto-Umsatz gewählt (die Gewährleistung knüpft an das verkaufte Volumen an).
Gegeben
Jahr
Umsatzerlöse (Bezugsgröße)
Ist-Gewährleistungsverluste
2021
4.000.000,00 €
52.000,00 €
2022
4.500.000,00 €
48.000,00 €
2023
5.000.000,00 €
66.000,00 €
2024
5.500.000,00 €
51.000,00 €
2025
6.000.000,00 €
83.000,00 €
Für das Planjahr 2026 wird ein Umsatz von 6.500.000,00 € budgetiert.
Aufgabenstellung
a) Ermitteln Sie den Wagniskostensatz (in %) aus den fünf Vergangenheitsjahren. b) Berechnen Sie die als kalkulatorisches Gewährleistungswagnis anzusetzenden Wagniskosten für das Planjahr 2026 — als Jahres- und als Monatsbetrag. c) Grenzen Sie das kalkulatorische Wagnis vom versicherbaren Wagnis und vom allgemeinen Unternehmerwagnis ab. Welcher Kostenart-Typ liegt vor?
Schritt-für-Schritt-Lösung
Verwendete Formelzeichen (als Text):
Summe WV = Summe der Ist-Wagnisverluste über alle Jahre
Summe BG = Summe der Bezugsgröße (Umsatz) über alle Jahre
WKS = Wagniskostensatz (in %)
BG(plan) = Planbezugsgröße (Planumsatz 2026)
WK(kalk) = kalkulatorische Wagniskosten der Planperiode
Schritt 1 — Warum überhaupt ein mehrjähriger Durchschnitt?
Die jährliche Ist-Wagnisquote (Verlust ÷ Umsatz) schwankt stark. Zur Kontrolle je Jahr:
Jahr
Rechnung
Ist-Wagnisquote
2021
52.000,00 € ÷ 4.000.000,00 €
1,30 %
2022
48.000,00 € ÷ 4.500.000,00 €
1,07 %
2023
66.000,00 € ÷ 5.000.000,00 €
1,32 %
2024
51.000,00 € ÷ 5.500.000,00 €
0,93 %
2025
83.000,00 € ÷ 6.000.000,00 €
1,38 %
Die Werte pendeln zwischen 0,93 % und 1,38 %. Würde man ein einzelnes Jahr als Basis nehmen, wäre die Kalkulation zufällig zu hoch oder zu niedrig. Deshalb wird ein Mehrjahres-Durchschnitt gebildet (Verstetigung / Glättung des Risikos).
Schritt 2 — Summe der Ist-Wagnisverluste (Summe WV)
Hinweis zur Methode: Hier wird die Summe aller Verluste durch die Summe aller Umsätze geteilt. Das gewichtet automatisch nach Umsatzgröße und ist das saubere Verfahren. (Das einfache arithmetische Mittel der fünf Einzelquoten aus Schritt 1 ergäbe (1,30 % + 1,07 % + 1,32 % + 0,93 % + 1,38 %) ÷ 5 = 1,20 % — hier praktisch identisch, weil die Umsätze ähnlich groß sind; bei stark unterschiedlichen Umsätzen weichen beide Wege voneinander ab, dann ist die gepoolte Variante vorzuziehen.)
Ansatz: Wagniskostensatz auf die Planbezugsgröße anwenden.
WK(kalk) = BG(plan) × WKS
Zahlen einsetzen:
WK(kalk) = 6.500.000,00 € × 1,20 %
6.500.000,00 € × 1,20 % = 6.500.000,00 € × 0,012
= 78.000,00 €
WK(kalk) = 78.000,00 € pro Jahr
Schritt 6 — Umrechnung auf den Monat
Ansatz: Jahresbetrag gleichmäßig auf 12 Monate verteilen (Verstetigung).
WK(kalk, Monat) = 78.000,00 € ÷ 12
78.000,00 € ÷ 12 = 6.500,00 €
WK(kalk, Monat) = 6.500,00 € pro Monat
Schritt 7 — Rechenprobe
Rückwärts geprüft: 6.500,00 € × 12 = 78.000,00 €. ✔ Und: 78.000,00 € ÷ 6.500.000,00 € × 100 = 1,20 %. ✔ Der angesetzte Satz entspricht exakt dem in Schritt 4 abgeleiteten Wagniskostensatz — die Kalkulation ist konsistent.
Schritt 8 — Abgrenzung und Kostenart-Typ — Teilaufgabe c)
Wagnis-Art
Definition (in eigenen Worten)
Behandlung in der KLR
Einzelwagnis (spezielles Wagnis)
Betriebsbedingte, aus dem Leistungsprozess ableitbare und statistisch schätzbare Verlustgefahr eines einzelnen Bereichs (z. B. Gewährleistung, Bestände, Fertigung, Debitoren, Anlagen, Entwicklung).
Wird als kalkulatorisches Wagnis verrechnet — genau die Rechnung aus a) und b).
Versicherbares / versichertes Wagnis
Teil des Risikos, der durch eine Versicherung abgedeckt ist.
Kein zusätzliches kalkulatorisches Wagnis für den versicherten Teil. Statt seiner sind die Versicherungsprämien als aufwandsgleiche Grundkosten anzusetzen. Doppelerfassung wäre falsch.
Allgemeines Unternehmerwagnis (Gesamtwagnis)
Gefahr des Scheiterns des Unternehmens als Ganzes (Konjunktur, Marktverlust, technischer Wandel, Fehlentscheidungen) — nicht einzelnen Kostenstellen zurechenbar.
Nicht kalkulierbar / nicht als Kosten ansetzbar. Es wird durch den kalkulatorischen Gewinn abgegolten.
Zur konkreten Aufgabe: Das Gewährleistungswagnis ist ein Einzelwagnis und wird daher kalkulatorisch angesetzt. Wäre ein Teil des Gewährleistungsrisikos versichert, dürfte nur der selbst getragene (nicht versicherte) Restanteil über den Wagniskostensatz verrechnet werden; die Prämie liefe separat als Grundkosten.
Kostenart-Typ: Kalkulatorische Wagnisse sind Zusatzkosten — ihnen steht in der betrachteten Planperiode kein Aufwand in gleicher Höhe gegenüber. Die tatsächlichen Wagnisverluste fallen unregelmäßig und periodenverschoben an und werden in der Finanzbuchhaltung als neutraler bzw. außerordentlicher Aufwand gebucht; in der Kostenrechnung werden sie durch den gleichmäßigen kalkulatorischen Ansatz ersetzt (verstetigt).
Endergebnis — Kalkulatorische Wagnisse
Wagniskostensatz (WKS) = 1,20 %
Kalkulatorische Wagniskosten Planjahr 2026 = 78.000,00 € pro Jahr = 6.500,00 € pro Monat
Kostenart-Typ: Zusatzkosten (Einzelwagnis); versicherter Anteil bliebe unberücksichtigt, das allgemeine Unternehmerwagnis wird über den kalkulatorischen Gewinn abgedeckt, nicht über die Wagniskosten.
„Ich erkenne KI-Geschwafel, wenn ich es sehe" — mehrfach wiederholt bei konkreten Musterantworten (kalkulatorischer Unternehmerlohn, Abschreibungsgründe, Digitalisierungsfrage).
Zu falschen/widersprüchlichen Aussagen: „Wer so eine Grütze hinschreibt, hat zentrale Lernziele offenkundig nicht erreicht … da ziehe ich Ihnen sozusagen auch die Punkte danach ab." Nullpunkte gelten aber nur für die betroffene Teilaufgabe → siehe 📋 Modalitäten.
Bewertungserwartung
Punktevergabe granular pro Formulierungselement: bei „Opportunitätskosten definieren" gibt es Teilpunkte für Präzisionsgrade — „Wert der besten Alternative, auf die man verzichtet" reicht NICHT ganz; korrekt ist „Wert der besten Alternative, auf deren Umsetzung man verzichtet" bzw. „potenzielle Vorteile, die aufgrund der jetzigen Entscheidung im Gegensatz zu einer anderen verloren gegangen sind" (explizit als sehr gute Formulierung gelobt).
Haken in Klammern = Ermessenspunkt wenn die Idee stimmt, aber die Formulierung unscharf ist (z. B. „Raum vermieten" statt „Raum bestmöglich vermieten" — Opportunität ist immer die beste Alternative, nicht irgendeine).
Kalkulatorische Zinsen EK vs. FK → siehe ⚠️ Teuerste Fehler #8.
Kalkulatorischer Unternehmerlohn: Formulierung „errechnet das Entgelt für die Tätigkeit als Unternehmer" ist explizit als falsch markiert — korrekt ist der Nutzenentgang/das entgangene Gehalt als Angestellter in vergleichbarer Position (z. B. Geschäftsführung), nicht irgendein Angestelltengehalt.
Wagniskostenzuschlag-Aufgabe (Beständewagnis): volle Punktzahl für Antworten, die über reines Nachrechnen hinausgehen und hinterfragen, ob der Verlust einmalig oder wiederkehrend ist, und ob man ihn eher abstellen statt einkalkulieren sollte. Reines Zuschlag-Berechnen ohne diese Reflexion bekommt weniger Punkte als erwartet.
Digitalisierungs-/Industrie-4.0-Frage: volle Punktzahl erfordert korrekte Fachbegriffe (Fixkosten, variable Kosten, Remanenzkosten, Gemeinkosten, Sunk Cost) UND korrekte Begründungslinie; falsche Prämissen kosten Punkte, selbst wenn die Schlussfolgerung richtig ist.
Ehrliche/plausible Unsicherheits-Aussagen werden belohnt (z. B. „Materialkosten differenziert je nach Unternehmen, wir wissen es nicht genau, aber X und Y sind die Stellhebel") — volle Punktzahl, weil es echte Auseinandersetzung zeigt statt Pseudo-Präzision.
Typische Fehler / Fallen
Zirkuläre/widersprüchliche Definitionen, die sich selbst falsifizieren (z. B. „errechnet das Entgelt für die Tätigkeit als Unternehmer" gefolgt von korrekter Erklärung des Nutzenentgangs) — der erste falsche Satz wird schwerer gewertet als der zweite richtige nützt.
Fachbegriff „Anschaffungskosten" für Investitionsgüter verwenden — explizit falsch: „Es gibt keine Anschaffungskosten für Investitionsgüter. Das sind Ausgaben oder Auszahlungen." Investition ist ein erfolgsneutraler Aktivtausch, kein sofortiger Aufwand — mindestens 1 Punkt Abzug (vgl. auch U03: §255 HGB-Kritik am selben Begriff).
„Wiederbeschaffungskosten" vs. „Wiederbeschaffungswerte" bei kalkulatorischen Abschreibungen — feine Begriffsunterscheidung, kleinerer Abzug.
Fünf mögliche Gründe für Abschreibungen: Wertminderung durch Nutzung, Kostenverteilung über Nutzungsdauer, Kapitalerhaltung/Reinvestition (präziser: „verdiente Abschreibungen"), Substanzerhalt, korrekte Ermittlung der Periodenerfolge — nur 3 waren in der konkreten Aufgabe verlangt, aber Kenntnis aller 5 hilft bei Varianten der Fragestellung.
Bei Grund „Kapitalerhaltung/Reinvestition" fehlt oft der Zusatz, dass jemand die höhere Preisforderung auch tatsächlich bezahlen muss — sonst fließt das Abschreibungs-„Ersparte" nie zurück ins Unternehmen (Beispiel Pharma-Forschungskosten).
Fachliche Klarstellungen
Kalkulatorische Zinsen: Vergleichsgröße ist eine risikoäquivalente Alternativanlage (Aktien/ETF, nicht Sparbuch), Daumenwert ca. 8 % Marge auf eingesetztes Kapital — als Plausibilitätsanker, nicht als feste Prüfungszahl.
Leverage-Chance vs. Leverage-Risiko: Fremdkapital hat feste Zins-/Tilgungspflicht unabhängig vom Geschäftserfolg (Risiko bis zur Insolvenz); Eigenkapital hat keine Zahlungsverpflichtung, Ausschüttung nur bei Gewinn.
Digitalisierung/Industrie 4.0 — erwartete Kostenstruktur-Verschiebung: Fixkosten und Abschreibungen steigen (Kapitalintensität), Personalkosten pro Kopf steigen (Fachkräfte), aber Gesamtsumme sinkt tendenziell (weniger Personal), Energiebedarf (Menge) steigt, Energiepreis ungewiss, Materialkosten unternehmensabhängig. Historischer Kontext: Kostenrechnung wurde entwickelt, als Einzelkosten ~90 % der Gesamtkosten ausmachten — heute hat sich das umgekehrt (~90 % Gemeinkosten), wodurch die klassische Zuschlagskalkulation strukturell fragwürdiger wird („jetzt wedelt der Schwanz mit dem Hund"). Genauere Kalküle (z. B. stufenweise Deckungsbeitragsrechnung) angekündigt.
Sprungfixe Kosten — exakte Doppelbedingung: (1) Kapazitätserweiterungsinvestition UND (2) dauerhaft (nicht vorübergehend). Beispiel: eine für 1–3 Monate angemietete Lagerhalle ist NICHT sprungfix; ein 2-Jahres-Mietvertrag mit zusätzlicher Kapazität ist sehr wohl sprungfix.
Merksätze
„Kosten gestalten geht vor Kosten verwalten." (siehe auch U06)
📋 Gelöste Aufgaben zu diesem Thema
Alle durchgerechneten Übungszettel-, Altmeister- und GoodNotes-Aufgaben dieses Themas an einer Stelle.
Opportunitätskosten – Begriff
Aufgabe #086 · 3 P. · Aufgabe | 3 P. | #1aErläutern Sie in eigenen Worten, was man unter Opportunitätskosten versteht.
Begriff. Opportunitätskosten sind der Nutzen, der einem entgeht, weil eine knappe Ressource für eine bestimmte Verwendung eingesetzt wird und damit für die nächstbeste Alternative nicht mehr zur Verfügung steht. Man bewertet also den Verzicht: Was hätte die Ressource in ihrer besten anderen Verwendung eingebracht?
Kernelemente:
Knappheit als Ursache. Nur weil Mittel (Geld, Zeit, Raum, Arbeitskraft) begrenzt sind, schliesst eine Verwendung die andere aus. Ohne Knappheit gäbe es keinen Verzicht und damit keine Opportunitätskosten.
Bewertung über die beste Alternative. Angesetzt wird der entgangene Nutzen der besten verworfenen Möglichkeit, nicht irgendeiner beliebigen Alternative.
Kein Zahlungsvorgang. Opportunitätskosten führen zu keiner Auszahlung; ihnen steht keine Rechnung gegenüber. Sie sind daher kalkulatorische Kosten (Zusatzkosten), die zwar Kosten, aber kein Aufwand im Sinne der Finanzbuchhaltung sind.
Beispiel. Setzt ein Unternehmer eigenes Kapital im Betrieb ein, entgehen ihm die Zinsen, die er bei einer alternativen Anlage am Kapitalmarkt erzielt hätte. Dieser entgangene Zinsertrag ist der Opportunitätsnutzen und wird als kalkulatorische Kostenart verrechnet.
Nutzenentgang hinter kalkulatorischen Kostenarten
Aufgabe #087 · 6 P. · Aufgabe | 6 P. | #1bWelcher Nutzenentgang steht jeweils hinter folgenden Kostenarten: · kalkulatorische Miete · kalkulatorische Zinsen · kalkulatorischer Unternehmerlohn
Jede dieser drei kalkulatorischen Kostenarten steht für einen Nutzen, auf den der Unternehmer verzichtet, weil er eine eigene Ressource im Betrieb einsetzt statt sie anderweitig zu nutzen.
Kalkulatorische Miete. Nutzt der Betrieb eigene Räume oder Grundstücke des Unternehmers unentgeltlich, so entgeht ihm die Miete, die er bei Vermietung an Dritte einnehmen könnte. Dieser entgangene Mietertrag ist der Nutzenentgang; er wird als kalkulatorische Miete verrechnet, obwohl keine Zahlung an einen Vermieter fliesst.
Kalkulatorische Zinsen. Das im Unternehmen gebundene Eigenkapital könnte alternativ am Kapitalmarkt angelegt werden und dort einen Zinsertrag bzw. eine Rendite erbringen. Der Verzicht auf diesen Zins-/Rendite-Ertrag ist der Nutzenentgang, der über kalkulatorische Zinsen auf das betriebsnotwendige Kapital angesetzt wird.
Kalkulatorischer Unternehmerlohn. Der mitarbeitende Einzelunternehmer bzw. Gesellschafter bezieht für seine Arbeitsleistung kein vertraglich vereinbartes Gehalt. Er verzichtet damit auf das Gehalt, das er als leitender Angestellter in einer vergleichbaren Position in einem anderen Unternehmen verdienen könnte. Dieses entgangene Vergleichsgehalt ist der Nutzenentgang und wird als kalkulatorischer Unternehmerlohn verrechnet.
Beständewagniskostenzuschlag berechnen
Aufgabe #088 · 1 P. · Aufgabe | 1 P. | #2aAufgrund von Schwund, Diebstahl und anderen Ursachen ist bei den Lagervorräten in der Vergangenheit ein Ausfall von 85.000 € entstanden. Der Wareneinsatz betrug während dieser Zeit 7,6 Mio. EUR.
Berechnen Sie den Beständewagniskostenzuschlag.
Der Beständewagniskostenzuschlag setzt den vergangenen Ausfall ins Verhältnis zur Bezugsgrösse Wareneinsatz.
Schritt 1 – Formel.
Zuschlag = Ausfall / Wareneinsatz x 100
Schritt 2 – Werte einsetzen.
Zuschlag = 85.000 € / 7.600.000 € x 100
Schritt 3 – Ausrechnen.
85.000 / 7.600.000 = 0,011184
0,011184 x 100 = 1,1184 %
Ergebnis: Der Beständewagniskostenzuschlag beträgt rund 1,12 % (bezogen auf den Wareneinsatz).
Konsequenz des Zuschlags für die Kalkulation
Aufgabe #089 · 5 P. · Aufgabe | 5 P. | #2bBeschreiben Sie ausführlich, welche Konsequenz dieses Ergebnis z.B. für die Kalkulation hat.
Einordnung. Der errechnete Satz von 1,12 % ist ein kalkulatorischer Wagniszuschlag für das Beständewagnis (ein Einzelwagnis). In der Kalkulation wird er auf die Bezugsgrösse Wareneinsatz bzw. Materialkosten aufgeschlagen und so als kalkulatorische Wagniskosten in die Selbstkosten und damit in den Verkaufspreis eingerechnet.
Wirkung im Einzelnen:
Vorwegnahme künftiger Verluste. Verluste durch Schwund, Diebstahl und ähnliche Ursachen treten unregelmässig und in schwankender Höhe auf. Über den Zuschlag werden die im Durchschnitt zu erwartenden Ausfälle bereits vorab in die Preise einkalkuliert, statt sie erst nachträglich als Verlust hinzunehmen.
Verursachungsgerechte Verteilung. Der Zuschlag verteilt die erwarteten Ausfälle auf die Kostenträger (Produkte/Waren), sodass jeder verkaufte Artikel anteilig zur Deckung des Beständewagnisses beiträgt.
Glättung des Ergebnisses. Ohne Zuschlag belastet ein Jahr mit hohem Ausfall das Ergebnis stark, ein Jahr ohne Ausfall gar nicht. Der Zuschlag ersetzt diese Schwankung durch einen gleichmässigen Durchschnittswert und macht die Kalkulation stetiger.
Wichtige Abgrenzung. Nur solche Einzelwagnisse, die sich statistisch abschätzen lassen, werden kalkuliert. Das allgemeine Unternehmerwagnis (Gesamtrisiko des Unternehmens) wird dagegen nicht in die Kostenrechnung aufgenommen, sondern ist aus dem Gewinn abzudecken.
Pflege. Der Zuschlagssatz beruht auf Vergangenheitswerten und muss regelmässig überprüft und an die tatsächliche Ausfallentwicklung angepasst werden, damit die Kalkulation weder zu hoch (unwettbewerbsfähige Preise) noch zu niedrig (unbedeckte Verluste) ausfällt.
Gründe für Abschreibungen
Aufgabe #093 · 6 P. · Aufgabe | 6 P. | #4aWarum gibt es Abschreibungen? Erläutern Sie drei unterschiedliche Gründe ausführlich!
Abschreibungen erfassen den Wertverlust langlebiger Anlagegüter und erfüllen dabei mehrere Aufgaben. Drei unterschiedliche Gründe:
1. Periodengerechte Verteilung des Werteverzehrs. Ein Anlagegut wird über viele Perioden genutzt. Die einmalige Anschaffungsausgabe darf daher nicht nur die Kaufperiode belasten, sondern wird über die Nutzungsdauer auf alle Jahre verteilt, in denen das Gut Nutzen stiftet. So trägt jede Periode den Anteil am Wertverlust, den sie tatsächlich verursacht (Periodisierung). Der Wertverlust selbst hat mehrere Ursachen: technischer Verschleiss durch Gebrauch und Abnutzung, wirtschaftliche Überholung durch technischen Fortschritt oder Nachfrageänderung sowie zeitlich/rechtlich bedingter Verzehr (z. B. Ablauf von Schutzrechten oder Verträgen).
2. Verursachungsgerechte Kalkulation. Der Werteverzehr der Anlagen ist Teil der Kosten der Leistungserstellung. Über die Abschreibung fliesst er in die Selbstkosten und damit in die Verkaufspreise ein. Nur so werden die Produkte mit den durch ihre Herstellung verursachten Anlagekosten belastet und der Wertverlust am Markt verdient.
3. Finanzierungs- und Substanzerhaltungsfunktion. Die in den Preisen verdienten Abschreibungsgegenwerte fliessen dem Unternehmen als liquide Mittel zu, obwohl ihnen keine laufende Auszahlung gegenübersteht. Dieses freigesetzte Kapital steht für die spätere Ersatzbeschaffung bereit und sichert die Erhaltung der Betriebssubstanz; es kann bis zur Wiederbeschaffung anderweitig genutzt werden (Kapitalfreisetzungs-/Finanzierungseffekt).
Kalkulatorische vs. bilanzielle Abschreibung
Aufgabe #094 · 6 P. · Aufgabe | 6 P. | #4bErläutern Sie: Was unterscheidet Abschreibungen in der Kostenrechnung von Abschreibungen in der Handels- bzw. Steuerbilanz? Warum ist das so?
Kalkulatorische Abschreibungen (Kostenrechnung) und bilanzielle Abschreibungen (Handels-/Steuerbilanz) unterscheiden sich in mehreren Punkten:
Merkmal
Kostenrechnung (kalkulatorisch)
Handels-/Steuerbilanz
Ausgangsbetrag
Wiederbeschaffungswert (Tageswert am Ende der Nutzung)
Gesetzlich geregelt (i. d. R. linear, teils degressiv)
Nach Ablauf/Restwert 0
Weiterabschreibung solange Nutzung, Ansatz eines Erinnerungswerts möglich
Keine Verrechnung mehr nach Vollabschreibung
Ziel
Genaue Kostenerfassung + Substanzerhaltung
Gläubigerschutz, Steuerbemessung, Vorsicht
Worin liegt der wesentliche Unterschied? Die Kostenrechnung setzt am Wiederbeschaffungswert und an der tatsächlichen Nutzung an, damit die verrechneten Kosten den realen Werteverzehr abbilden und genug Mittel für die (meist teurere) Ersatzbeschaffung verdient werden. Die Bilanz rechnet dagegen streng von den historischen Anschaffungskosten nach normierten Regeln ab.
Warum ist das so? Beide dienen unterschiedlichen Zwecken. Die Bilanz gehört zum externen Rechnungswesen und ist rechtlich normiert; sie folgt dem Vorsichts- und Anschaffungswertprinzip, um Gläubiger zu schützen und eine verlässliche Steuerbemessungsgrundlage zu liefern. Die Kostenrechnung gehört zum internen Rechnungswesen; sie ist an keine gesetzlichen Vorschriften gebunden und darf daher so rechnen, wie es für Kalkulation, Steuerung und Substanzerhaltung sachgerecht ist.
Aufgabe #095 · 6 P. · Aufgabe | 6 P. | #4cDefinieren Sie folgende Begriffe: · Restwert · Abschreibungsbetrag · Abschreibungsausgangsbetrag
Restwert. Der Restwert (Restbuchwert) ist der Betrag, der zu einem bestimmten Zeitpunkt vom Abschreibungsausgangsbetrag noch nicht abgeschrieben ist. Er ergibt sich, indem man die bisher aufgelaufenen (kumulierten) Abschreibungen vom Ausgangsbetrag abzieht:
Restwert = Abschreibungsausgangsbetrag − Summe der bisherigen Abschreibungen
Am Ende der Nutzungsdauer entspricht der geplante Restwert oft einem Schrott-/Liquidationserlös oder einem Erinnerungswert (z. B. 1 €).
Abschreibungsbetrag. Der Abschreibungsbetrag ist der in einer einzelnen Periode (in der Regel ein Jahr) verrechnete Anteil des Werteverzehrs. Bei linearer Abschreibung ist er in jeder Periode gleich hoch:
Abschreibungsausgangsbetrag. Der Abschreibungsausgangsbetrag ist die Bemessungsgrundlage der Abschreibung, also der gesamte Betrag, der über die Nutzungsdauer verteilt wird. In der Handels-/Steuerbilanz sind das die Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten (gegebenenfalls vermindert um einen geplanten Restwert); in der Kostenrechnung ist es der Wiederbeschaffungswert (gegebenenfalls vermindert um den Restwert), um die Substanzerhaltung sicherzustellen.
Kostenstellenrechnung
Bestandswagniskostenzuschlag
Aufgabe #215 · 3 P. · Aufgabe |Aufgrund von Schwund, Diebstahl und anderen Ursachen ist bei den Lagervorräten in der Vergangenheit ein Ausfall von 85.000 € entstanden. Der Wareneinsatz betrug während dieser Zeit 7,6 Mio. €.
a) 1 P. Berechnen Sie den Beständewagniskostenzuschlag. b) 2 P. Beschreiben Sie in einem Satz, welche Konsequenz dieses Ergebnis für die Kalkulation hat.
📝 Ausformulierte Lösung
Ergebnis a): Der Beständewagniskostenzuschlag beträgt 1,12 %.
b) Dieser Zuschlagssatz wird als kalkulatorisches Wagnis pauschal auf die Materialkosten in der Kalkulation aufgeschlagen, um das durchschnittliche Bestandsrisiko (Schwund, Diebstahl) bereits im Verkaufspreis einzupreisen.
Kalkulatorische Zinsen einer Lackieranlage — Durchschnitts- und Restwertmethode — Zusatzübung
Aufgabe #243 · Kalkulatorische Zinsen einer Lackieranlage — Durchschnitts- und Restwertmethode — ZusatzübungEin mittelständischer Karosseriebaubetrieb aus Rheinhessen schafft eine neue Lackieranlage an. Der Anschaffungswert beträgt AW = 180.000,00 €, der geplante Restwert am Ende der Nutzung RW = 20.000,00 €, die Nutzungsdauer ND = 4 Jahre und der kalkulatorische Zinssatz i = 7 %. Ermittle die kalkulatorischen Zinsen (a) nach der Durchschnittsverzinsung (konstanter Jahresbetrag) und (b) nach der Restwertverzinsung (Buchwert-Tabelle über die gesamte Nutzungsdauer). (c) Nenne die Differenz der Gesamtbeträge und erkläre kurz, woher sie kommt.
Lösung — Schritt für Schritt:
Vorüberlegung. Kalkulatorische Zinsen sind die Opportunitätskosten des im Anlagegut gebundenen Eigenkapitals — die entgangene risikoäquivalente Anlagerendite, NICHT der Fremdkapital-/Sparbuchzins. Beide Verfahren bauen auf der linearen Abschreibung auf, mit der der Buchwert Jahr für Jahr gleichmäßig von AW auf RW sinkt.
Durchschnittlich gebundenes Kapital = (AW + RW) ÷ 2 = (180.000,00 + 20.000,00) ÷ 2 = 200.000,00 ÷ 2 = 100.000,00 €. Weil der Buchwert linear von 180.000,00 € auf 20.000,00 € rutscht, ist das im Mittel gebundene Kapital genau die Mitte beider Enden.
Kalkulatorische Zinsen pro Jahr = Ø-Kapital × i = 100.000,00 × 0,07 = 7.000,00 €/Jahr (in jedem der 4 Jahre gleich hoch).
Zinsen gesamt = 7.000,00 × 4 = 28.000,00 €.
(b) Restwertverzinsung
Buchwerte zu Jahresbeginn aufstellen (Start AW, jährlich − 40.000,00 €) und mit i = 7 % verzinsen:
(c) Differenz = 33.600,00 − 28.000,00 = 5.600,00 €. Die Restwertmethode verzinst das Kapital jeweils zu Jahresbeginn — also bevor die laufende Abschreibung greift; im Schnitt ist damit eine halbe Jahresabschreibung mehr gebunden: 20.000,00 € × 0,07 × 4 = 5.600,00 €.
Kalkulatorische Zinsen der CNC-Anlage bei verkürzter Nutzungsdauer — Zusatzübung
Aufgabe #244 · Kalkulatorische Zinsen der CNC-Anlage bei verkürzter Nutzungsdauer — Zusatzübung(gleiches Setting wie eine CNC-Fräsanlagen-Aufgabe — AW = 240.000,00 €, RW = 40.000,00 €, i = 8 % —, andere Frage). Für die bereits bekannte CNC-Fräsanlage wird die Nutzungsdauer aufgrund neuer Erkenntnisse von 5 auf 4 Jahre verkürzt; AW, RW und Zinssatz bleiben unverändert. Ermittle die kalkulatorischen Zinsen jetzt (a) nach der Durchschnittsverzinsung (Jahresbetrag und Gesamtbetrag) und (b) nach der Restwertverzinsung (Buchwert-Tabelle). (c) Was fällt beim Durchschnitts-Jahresbetrag im Vergleich zur ursprünglichen 5-Jahres-Rechnung (11.200,00 €/Jahr) auf?
Lösung — Schritt für Schritt:
Jährliche Abschreibung neu = (AW − RW) ÷ ND = (240.000,00 − 40.000,00) ÷ 4 = 200.000,00 ÷ 4 = 50.000,00 €/Jahr (vorher bei ND = 5: 40.000,00 €/Jahr — steigt, weil derselbe Wertverlust auf weniger Jahre verteilt wird).
(a) Durchschnittsverzinsung
Durchschnittlich gebundenes Kapital = (AW + RW) ÷ 2 = (240.000,00 + 40.000,00) ÷ 2 = 140.000,00 €. Achtung: Diese Größe hängt NUR von AW und RW ab — die Nutzungsdauer kommt in der Formel gar nicht vor, also bleibt sie unverändert.
Kalkulatorische Zinsen pro Jahr = 140.000,00 × 0,08 = 11.200,00 €/Jahr — exakt gleich wie in der 5-Jahres-Rechnung.
Zinsen gesamt = 11.200,00 × 4 = 44.800,00 € (statt 56.000,00 € bei 5 Jahren — der Gesamtbetrag sinkt um genau einen Jahresbetrag von 11.200,00 €, weil ein Nutzungsjahr wegfällt).
(b) Restwertverzinsung
Buchwerte zu Jahresbeginn (Start 240.000,00 €, jährlich − 50.000,00 €) mit i = 8 % verzinsen:
(c) Beobachtung: Der Durchschnitts-Jahresbetrag bleibt bei 11.200,00 €/Jahr — er ist von der Nutzungsdauer unabhängig, weil das Ø-Kapital nur aus AW und RW gebildet wird. Verändert wird durch die kürzere ND nur der Gesamtbetrag (weniger Jahre) und die Restwertmethode (steilere Abschreibung → höhere frühe Buchwert-Zinsen).
Kalkulatorische Wagnisse aus Forderungsausfällen — Wagniskostensatz — Zusatzübung
Aufgabe #245 · Kalkulatorische Wagnisse aus Forderungsausfällen — Wagniskostensatz — ZusatzübungEin Elektro-Großhändler aus Rhein-Main verkauft überwiegend auf Ziel (Rechnung). Aus uneinbringlichen Forderungen entstehen jährlich schwankende Ist-Ausfälle. In der Kostenrechnung sollen diese verstetigt als kalkulatorisches Wagnis (Bezugsgröße: Netto-Umsatz) auf die Erzeugnisse verrechnet werden. Für die letzten vier Jahre liegen vor: 2022 Umsatz 3.000.000,00 € / Ausfall 24.000,00 €; 2023 Umsatz 3.500.000,00 € / Ausfall 21.000,00 €; 2024 Umsatz 4.000.000,00 € / Ausfall 42.000,00 €; 2025 Umsatz 4.500.000,00 € / Ausfall 33.000,00 €. Für das Planjahr 2027 wird ein Umsatz von 5.000.000,00 € budgetiert. (a) Ermittle den Wagniskostensatz. (b) Berechne die kalkulatorischen Wagniskosten 2027 als Jahres- und Monatsbetrag. (c) Warum nimmt man Summe ÷ Summe und nicht den Mittelwert der Einzelquoten?
(c) Abgrenzung/Begründung: Der ungewichtete Mittelwert der vier Quoten wäre (0,80 + 0,60 + 1,05 + 0,73) ÷ 4 = 3,18 ÷ 4 ≈ 0,80 % — hier zufällig ähnlich, weicht aber ab, sobald die Jahresumsätze stark unterschiedlich sind, weil ein umsatzschwaches Ausreißer-Jahr dann übergewichtet würde. Der gepoolte Satz gibt jedem Euro Umsatz dasselbe Gewicht. Kalkulatorische Wagnisse sind Zusatzkosten (kein gleich hoher Zweckaufwand); die echten Ausfälle laufen als neutraler Aufwand. Nur das Einzelwagnis wird so kalkuliert — ein versicherter Anteil bleibt draußen (dafür die Prämie als Grundkosten), das allgemeine Unternehmerwagnis wird über den kalkulatorischen Gewinn abgegolten.
Typische Falle: HK-Produktion (700.000) vs HK-Umsatz (560.000) verwechseln; Verw/Vertrieb fälschlich aktivieren (sind IMMER voll Periodenkosten); bei GKV Bestandsmehrung addieren, bei Minderung subtrahieren.
Nachweis: Differenz HK (700.000 − 560.000 = 140.000) = genau die Bestandserhöhung, die GKV wieder hinzurechnet → beide 240.000,00 €, Differenz 0,00 €.
Endergebnis: BE(GKV) = BE(UKV) = 240.000,00 €.
Diese Übung entspricht dem Klausurtyp der Vorlesungseinheit U12 (Prof. Rohleder, TH Bingen). Sie zeigt an EINEM Sachverhalt, dass das Gesamtkostenverfahren (GKV) und das Umsatzkostenverfahren (UKV) bei korrekter Rechnung IMMER dasselbe Betriebsergebnis liefern — der einzige Unterschied liegt in der Gliederung und im Umgang mit der Bestandsveränderung. (vgl. Coenenberg, Kostenrechnung und Kostenanalyse, Kap. „Kurzfristige Erfolgsrechnung")
UKV vs. GKV
Die Rheinhessen-Werk GmbH stellt in der Abrechnungsperiode ein einziges Produkt her. Produktions- und Absatzmenge fallen auseinander, es entsteht also eine Bestandsveränderung an fertigen Erzeugnissen. Der Anfangsbestand an Fertigerzeugnissen ist null.
Ermitteln Sie das Betriebsergebnis EINMAL nach dem Gesamtkostenverfahren und EINMAL nach dem Umsatzkostenverfahren und weisen Sie nach, dass beide Verfahren zum selben Ergebnis führen.
Gegeben
Größe
Symbol
Wert
Produktionsmenge
xprod
10.000 Stück
Absatzmenge
xabs
8.000 Stück
Anfangsbestand Fertigerzeugnisse
xAB
0 Stück
Verkaufspreis je Stück
p
120,00 €
Fertigungsmaterial (gesamte Produktion)
KMat
300.000,00 €
Fertigungslöhne (gesamte Produktion)
KLoh
250.000,00 €
Fertigungsgemeinkosten (gesamte Produktion)
KFGK
150.000,00 €
Verwaltungskosten (Periodenkosten)
KVerw
90.000,00 €
Vertriebskosten (Periodenkosten)
KVertr
70.000,00 €
Hinweis: Fertigungsmaterial, Fertigungslöhne und Fertigungsgemeinkosten sind Herstellkosten und damit bestandsfähig (sie stecken in den auf Lager gelegten Stücken). Verwaltungs- und Vertriebskosten sind Periodenkosten und werden NICHT aktiviert — sie belasten in beiden Verfahren immer die volle Periode.
Gefragt: Betriebsergebnis einmal nach dem Gesamtkostenverfahren (GKV) und einmal nach dem Umsatzkostenverfahren (UKV) ermitteln und nachweisen, dass beide Verfahren zum selben Ergebnis führen
Da der Anfangsbestand null ist, entspricht die Bestandsveränderung hier zugleich der Differenz aus Produktion und Absatz (10.000 − 8.000 = 2.000 Stück). Weil mehr produziert als verkauft wurde, liegt eine Bestandserhöhung (Mehrung) von 2.000 Stück vor.
Schritt 2 — Herstellkosten der Produktion (Summe und je Stück)
Ansatz: Herstellkosten der Produktion = Fertigungsmaterial + Fertigungslöhne + Fertigungsgemeinkosten.
Kostenart
Betrag
Fertigungsmaterial
300.000,00 €
Fertigungslöhne
250.000,00 €
Fertigungsgemeinkosten
150.000,00 €
Herstellkosten der Produktion (gesamt)
700.000,00 €
Herstellkosten je Stück (Kalkulationssatz):
Herstellkosten je Stück = Herstellkosten der Produktion ÷ Produktionsmenge Herstellkosten je Stück = 700.000,00 € ÷ 10.000 Stück Herstellkosten je Stück = 70,00 €
Dieser Stücksatz ist der Schlüssel, mit dem in beiden Verfahren die Bestände bzw. die abgesetzte Menge bewertet werden.
Schritt 3 — Umsatzerlöse
Ansatz: Umsatzerlöse = Absatzmenge × Verkaufspreis je Stück.
Wichtig: In BEIDEN Verfahren wird nur die ABGESETZTE Menge (8.000 Stück) als Umsatz erfasst — die 2.000 auf Lager gelegten Stücke sind kein Umsatz.
Schritt 4 — Wert der Bestandserhöhung (zu Herstellkosten)
Ansatz: Wert der Bestandserhöhung = Bestandsveränderung (Menge) × Herstellkosten je Stück.
Wert der Bestandserhöhung = 2.000 Stück × 70,00 € Wert der Bestandserhöhung = 140.000,00 €
Diese 140.000,00 € sind die Herstellkosten der Stücke, die produziert, aber nicht verkauft wurden.
Teil A — Betriebsergebnis nach dem Gesamtkostenverfahren (GKV)
Logik des GKV: Man erfasst ALLE in der Periode angefallenen Kosten (also die Kosten der gesamten Produktionsmenge, nicht nur der verkauften). Weil aber ein Teil der Produktion auf Lager liegt und noch keinen Umsatz gebracht hat, muss man die Leistung um diese Bestandserhöhung nach OBEN korrigieren, damit Leistung und Kosten wieder auf dieselbe Menge bezogen sind.
Aufbau: Umsatzerlöse + Bestandserhöhung − Gesamtkosten der Periode.
Schritt 5 — Gesamtkosten der Periode (nach Kostenarten)
Im GKV werden alle Kostenarten der Periode in voller Höhe angesetzt:
Teil B — Betriebsergebnis nach dem Umsatzkostenverfahren (UKV)
Logik des UKV: Man stellt dem Umsatz nur die Kosten der TATSÄCHLICH VERKAUFTEN Menge gegenüber (Herstellkosten des Umsatzes). Die auf Lager gelegten Stücke tauchen gar nicht erst in den Kosten auf — deshalb braucht das UKV keine Bestandskorrektur auf der Leistungsseite. Verwaltungs- und Vertriebskosten kommen als Periodenkosten separat in voller Höhe dazu.
Aufbau: Umsatzerlöse − Herstellkosten des Umsatzes − Verwaltungskosten − Vertriebskosten.
Schritt 7 — Herstellkosten des Umsatzes
Ansatz: Herstellkosten des Umsatzes = Absatzmenge × Herstellkosten je Stück.
Herstellkosten des Umsatzes = 8.000 Stück × 70,00 € Herstellkosten des Umsatzes = 560.000,00 €
Gegenprobe über die Bestände: Herstellkosten der Produktion − Wert der Bestandserhöhung = 700.000,00 € − 140.000,00 € = 560.000,00 €. Passt.
Schritt 9 — Nachweis der Ergebnisgleichheit (Rechenprobe)
Verfahren
Betriebsergebnis
Gesamtkostenverfahren (GKV)
240.000,00 €
Umsatzkostenverfahren (UKV)
240.000,00 €
Differenz
0,00 €
Warum beide gleich sind — der rechnerische Kern in einer Zeile: Im GKV steht auf der Habenseite die Bestandserhöhung mit +140.000,00 €, während die vollen Herstellkosten der Produktion (700.000,00 €) im Kostenblock abgezogen werden. Im UKV entfällt beides; stattdessen werden nur die Herstellkosten des Umsatzes (560.000,00 €) abgezogen. Die Differenz der abgezogenen Herstellkosten (700.000,00 € − 560.000,00 € = 140.000,00 €) ist exakt der Betrag, den das GKV oben als Bestandserhöhung wieder hinzurechnet. Beide Effekte heben sich auf → gleiches Betriebsergebnis.
Merksatz für die Klausur: Der Wert der Bestandsveränderung (hier 140.000,00 €) ist genau die Brücke zwischen den Verfahren. Bei BestandsMEHRUNG rechnet das GKV sie HINZU; das UKV zieht automatisch weniger Herstellkosten ab. Bei BestandsMINDERUNG wäre es umgekehrt (GKV: − Bestandsminderung; UKV: Herstellkosten des Umsatzes > Herstellkosten der Produktion).
Endergebnis — UKV vs. GKV
Betriebsergebnis nach GKV = Betriebsergebnis nach UKV = 240.000,00 €. Die Differenz beträgt 0,00 €; die Bestandserhöhung von 2.000 Stück ist mit 140.000,00 € (zu Herstellkosten von 70,00 €/Stück) bewertet und bildet die Brücke zwischen beiden Verfahren.
Zur Kostenträgerzeitrechnung und Prozesskostenrechnung → siehe 🚫 Was nicht drankommt.
Zu den betriebswirtschaftlichen Erfolgsgrößen (Effektivität/Effizienz/Rentabilität/Rendite, Video im Blog): „Da ist auch ein Kreuzchen in Richtung Prüfungsrelevanz" — ausdrücklich als klausurrelevant markiert, obwohl es „eigentlich nicht sein Beritt" ist (Grundlagen-BWL-Stoff). Bestätigt/verschärft die Relevanz der Kennzahlen-Definitionen aus U05-Übung (Produktivität/Effizienz/Rentabilität/Effektivität).
Bewertungserwartung
Fachbegriffe aus dem Duden/Fremdwörterbuch (z. B. „Effizienz = Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit") sind laut Dozent falsch — die korrekte Trennung (Effektivität = Wirksamkeit/Zielerreichung, Effizienz = Mitteleinsatz-Verhältnis/ökonomisches Prinzip) wird vorausgesetzt. Reiht sich ein in seine wiederholte Duden-Kritik (siehe auch ⚠️ Teuerste Fehler #5, Profitabilität/Rentabilität).
Rechenaufgaben zur Kalkulation (nicht zum Umsatz-/Gesamtkostenverfahren) sind die Stelle, „wo die Musik in der Prüfung spielt" — dort lohnt sich Übungsaufwand am meisten.
Typische Fehler / Fallen
Historisches Argument gegen blindes Vertrauen in Zuschlagssätze: Siemens-Flagship-Werk hatte 1960 einen Gemeinkostenzuschlagssatz von 120 %, 1990 bereits 1.150 % — Beleg dafür, warum kleine Schwankungen der Materialeinzelkosten heute zu dramatischen Fehlkalkulationen führen (dieselbe Hebelwirkung/Fehlerfortpflanzung wie im 70-€-auf-140-€-Beispiel aus U11-Vorlesung).
Kuppelproduktions-Verfahren → siehe 🚫 Was nicht drankommt.
Fachliche Klarstellungen
Kostenträgerzeitrechnung (KZR/KER) = kurzfristige Erfolgsrechnung, unterscheidet sich von der Kostenträgerstückrechnung dadurch, dass sie auf definierte Zeitabschnitte (Monat/Quartal) statt auf das einzelne Stück schaut.
Zwei gleichwertige Ermittlungswege für das Betriebsergebnis, die zum selben Ergebnis führen (Konzept muss sitzen, Rechnen von Hand nicht verlangt, siehe 🚫 Was nicht drankommt):
Umsatzkostenverfahren: Umsatzerlöse − Herstellkosten des Umsatzes − Verwaltungs-/Vertriebs-/F&E-Kosten der Periode = Betriebsergebnis. Vorteil: hohe Kostentransparenz nach Produkten/Kundengruppen/Regionen möglich (Staffelform).
Gesamtkostenverfahren: Umsatzerlöse ± Bestandsveränderungen + aktivierte Eigenleistungen − Gesamtkosten nach Kostenarten = Betriebsergebnis. Bestandsminderungen belasten das Ergebnis (Lagerabbau = Wertverzehr), Bestandserhöhungen werden als Leistung gewertet, auch wenn am Markt noch nicht realisiert.
Beide Verfahren in §275 HGB sehen anders aus — nicht mit dem KLR-Umsatz-/Gesamtkostenverfahren verwechseln.
EBIT = „ordentliches Betriebsergebnis" (Earnings Before Interest and Taxes) — bewusst ohne Finanzierungs- und Steuerentscheidungen, weil die Produktion dafür nicht verantwortlich ist.
Verrechnungspreise (innerbetrieblich vs. Konzernebene) dienen in der Praxis auch der Gewinnverlagerung in niedrig besteuerte Standorte/Länder (Gewerbesteuer-Hebesätze, „Tax Dumping", z. B. Irland) — nur als Kontext/Beispiel, keine explizite Rechenaufgabe angekündigt.
Merksätze
Keine neue Eselsbrücke in dieser Einheit; die Effektivität-vs-Effizienz-Abgrenzung wird hier nochmal verschärft (Duden ausdrücklich als unzuverlässig gebrandmarkt, „hat sich sogar verschlechtert").
📋 Gelöste Aufgaben zu diesem Thema
Alle durchgerechneten Übungszettel-, Altmeister- und GoodNotes-Aufgaben dieses Themas an einer Stelle.
Betriebsergebnis nach Voll- und Teilkostenrechnung
GegebenGegeben (5 Produkte, eine Rechnungsperiode):
Kostenart
Einheit
P1
P2
P3
P4
P5
Absatz x
Stück
1.200
500
2.200
200
800
Einzelkosten EK (variabel)
€/Stück
20
45
60
50
32
GK-Zuschlagssatz z
%
160
300
200
320
185
Proportionale GK (variabel)
€/Stück
20
40
25
40
12
Verkaufserlös p
€/Stück
80
170
185
80
125
Vollkostenrechnung pro Stueck (Betriebsergebnis je Produkt)
Aufgabe #039 · Aufgabe | #2aBerechnen Sie das Betriebsergebnis je Produkt und insgesamt im Wege der Vollkostenrechnung #2a) pro Stück und #2b) pro Rechnungsperiode. Vorlagen im OLAT-Download benutzen.
Vorbereitende Nebenrechnung - Gemeinkosten je Stück (6) = Einzelkosten x GK-Zuschlag / 100:
Grösse
P1
P2
P3
P4
P5
Einzelkosten (EUR/St)
20,00
45,00
60,00
50,00
32,00
GK-Zuschlag (%)
160
300
200
320
185
Gemeinkosten (EUR/St)
32,00
135,00
120,00
160,00
59,20
Beispiel P1: 20,00 x 160 / 100 = 32,00 EUR/St. P5: 32,00 x 185 / 100 = 59,20 EUR/St.
Vollkostenrechnung pro Stück:
Rechnung
Grösse (EUR/St)
P1
P2
P3
P4
P5
(10)
Verkaufserlös
80,00
170,00
185,00
80,00
125,00
(11)
Einzelkosten
20,00
45,00
60,00
50,00
32,00
(12)
Gemeinkosten
32,00
135,00
120,00
160,00
59,20
(13)
Selbstkosten = (11)+(12)
52,00
180,00
180,00
210,00
91,20
(14)
Stückgewinn = (10)-(13)
28,00
-10,00
5,00
-130,00
33,80
Betriebsergebnis je Produkt (15) = Stückgewinn x Absatz:
Aufgabe #040 · Aufgabe | #2bBerechnen Sie das Betriebsergebnis je Produkt und insgesamt im Wege der Vollkostenrechnung #2a) pro Stück und #2b) pro Rechnungsperiode. Vorlagen im OLAT-Download benutzen.
Die Stückwerte werden mit der Absatzmenge (1.200 / 500 / 2.200 / 200 / 800) hochgerechnet.
Aufgabe #041 · Aufgabe | #2cBearbeiten Sie die Aufgabenstellung analog im Wege der Teilkostenrechnung #2c) pro Stück und #2d) pro Rechnungsperiode.
Variabel sind laut Angabe die Einzelkosten und die proportionalen Gemeinkosten. Die fixen Gemeinkosten je Stück ergeben sich als Rest: gesamte Gemeinkosten (6) minus proportionale Gemeinkosten (4).
Sie unterscheiden sich nur in der Verteilungslogik der Fixkosten:
Vollkostenrechnung: Die Fixkosten werden über den Gemeinkosten-Zuschlag auf jedes Stück umgelegt und stecken in den Selbstkosten.
Teilkostenrechnung: Die Fixkosten bleiben ein geschlossener Block und werden erst am Ende komplett vom Programmdeckungsbeitrag abgezogen.
Solange keine Stücke auf Lager gehen oder vom Lager verkauft werden, wird in beiden Fällen genau der Fixkostenbetrag der Periode (332.660,00 EUR) ergebniswirksam. Deshalb führen beide Wege zwangsläufig zum selben Betriebsergebnis von 40.640,00 EUR.
Unterschiede zwischen Voll- und Teilkostenrechnung entstehen erst, wenn sich Bestände ändern: Bei Lageraufbau aktiviert die Vollkostenrechnung anteilige Fixkosten im Bestand (Ergebnis höher), während die Teilkostenrechnung sie sofort voll verrechnet (Ergebnis niedriger).
Kostenportfolio (variabel/fix gegen Einzel-/Gemeinkosten)
Aufgabe #044 · Aufgabe | #2fStellen Sie in einem Kostenportfolio anhand Ihrer Rechnung die variablen und fixen Kosten den Einzel- und Gemeinkosten gegenüber.
Das Portfolio stellt die beiden Kostengliederungen gegenüber. In dieser Aufgabe sind alle Einzelkosten variabel und alle FixkostenGemeinkosten.
Kostenportfolio (Beträge in EUR):
Einzelkosten
Gemeinkosten
Summen
Variable Kosten
214.100,00
116.600,00
330.700,00
Fixkosten
0,00
332.660,00
332.660,00
Summen
214.100,00
449.260,00
663.360,00
Überleitung zum Ergebnis:
Grösse
EUR
Verkaufserlöse
704.000,00
- Gesamtkosten
663.360,00
= Betriebsergebnis
40.640,00
Ablesbar: Die Teilkostenrechnung zieht die Linie waagerecht (variable Kosten 330.700,00 zürst -> Deckungsbeitrag, dann Fixblock 332.660,00). Die Vollkostenrechnung zieht die Linie senkrecht (Einzelkosten 214.100,00 direkt, Gemeinkosten 449.260,00 über Zuschlag). Beide Wege umfassen dieselben 663.360,00 EUR Gesamtkosten.
9. Kostenträgerzeitrechnung: Umsatzkostenverfahren vs. Gesamtkostenverfahren
Aufgabe #018 · 9. Kostenträgerzeitrechnung: Umsatzkostenverfahren vs. GesamtkostenverfahrenErläutern Sie den konzeptionellen Unterschied zwischen Umsatzkostenverfahren (UKV) und Gesamtkostenverfahren (GKV) zur Ermittlung des kurzfristigen Betriebsergebnisses und begründen Sie, warum beide Verfahren zwingend zum selben Ergebnis führen müssen. (Hinweis: Es wird hier ausdrücklich kein Betriebsergebnis verlangt zu berechnen — es geht nur um das Konzept.)
📝 Ausformulierte Lösung
Das Umsatzkostenverfahren (UKV) ermittelt das Betriebsergebnis, indem von den Umsatzerlösen der Periode zunächst die Herstellkosten des Umsatzes (also nur der Kosten der tatsächlich verkauften Erzeugnisse) und anschließend die periodenbezogenen Verwaltungs-, Vertriebs- und ggf. Forschungs- und Entwicklungskosten abgezogen werden. Sein Vorteil liegt in einer hohen Kostentransparenz, da sich die Kosten in Staffelform nach Produkten, Kundengruppen oder Regionen aufschlüsseln lassen.
Das Gesamtkostenverfahren (GKV) geht demgegenüber von den Umsatzerlösen der Periode aus und berücksichtigt zusätzlich Bestandsveränderungen (Zu- oder Abnahme der Lagerbestände an Fertig- und Halbfertigerzeugnissen) sowie aktivierte Eigenleistungen, bevor die gesamten Periodenkosten — sortiert nach Kostenarten, nicht nach Funktionsbereichen — in einem Betrag abgezogen werden.
Beide Verfahren müssen zwingend zum identischen Betriebsergebnis führen, weil sie inhaltlich exakt dieselben wirtschaftlichen Sachverhalte einer Periode erfassen — lediglich in unterschiedlicher Systematik: das UKV sortiert die Kosten nach ihrer Funktion (Herstellung, Verwaltung, Vertrieb) und beschränkt sich von vornherein auf die verkaufte Menge, während das GKV nach Kostenarten sortiert und die nicht verkaufte (auf Lager liegende) Produktion über die Bestandsveränderung explizit herausrechnet. Es handelt sich also um zwei unterschiedliche Rechenwege zum selben Ziel, nicht um zwei unterschiedliche Ergebnisgrößen. Wichtig ist dabei die Abgrenzung zum gleichnamigen Gesamtkosten-/Umsatzkostenverfahren nach § 275 HGB im externen Rechnungswesen — trotz identischer Bezeichnung handelt es sich um ein eigenständiges Regelwerk der externen Rechnungslegung, das mit der internen kurzfristigen Erfolgsrechnung der KLR nicht zu verwechseln ist.
10. Das dreifache Silo — Organisationsblockaden erkennen
Aufgabe #019 · 10. Das dreifache Silo — Organisationsblockaden erkennenEin Unternehmen klagt: „Bei uns redet der Einkauf nicht mit der Produktion, die Führungskräfte reden nur mit anderen Führungskräften, und niemand fühlt sich für die Folgen seiner heutigen Entscheidungen in zwei Jahren verantwortlich." Ordnen Sie diese Beobachtung Rohleders Konzept vom „dreifachen Silo" zu, erläutern Sie alle drei Silo-Typen mit ihrer jeweiligen Ursache, und skizzieren Sie den von Rohleder vorgeschlagenen Lösungsansatz.
📝 Ausformulierte Lösung
Die Beobachtung lässt sich unmittelbar Rohleders Konzept des „dreifachen Silos" zuordnen, das drei unterschiedliche organisatorische Zusammenarbeitsblockaden beschreibt.
Das (1) funktionale Silo liegt vor, wenn Einkauf, Produktion und Vertrieb nicht miteinander kommunizieren, weil jede Abteilung nur ihren eigenen Funktionsbereich im Blick hat. Ursache dafür ist historisch die Arbeitsteilung (Taylorismus): Die Aufteilung der Arbeit in kleine, spezialisierte Handgriffe erhöht zwar die Effizienz des einzelnen Arbeitsschritts, führt aber dazu, dass niemand mehr das Gesamtergebnis über Abteilungsgrenzen hinweg im Blick behält.
Das (2) hierarchische Silo beschreibt den Umstand, dass Kommunikation überwiegend auf derselben Hierarchiestufe oder nach oben stattfindet, nicht aber quer über Abteilungen oder nach unten zu operativ Tätigen. Im geschilderten Fall zeigt sich das darin, dass Führungskräfte nur mit anderen Führungskräften sprechen — relevante Informationen der operativen Ebene erreichen die Entscheidungsträger dadurch verzögert oder gar nicht.
Das (3) zeitliche Silo entsteht durch den Time-Lag zwischen Ursache und Wirkung einer Entscheidung: Wird heute an der falschen Stelle gespart oder eine kurzfristig vorteilhafte, aber langfristig schädliche Entscheidung getroffen, zeigt sich der Schaden oft erst Jahre später — häufig dann, wenn längst eine andere Person die Verantwortung trägt. Das begünstigt eine systematische Kurzfristorientierung, weil die negativen Folgen des eigenen Handelns nicht mehr am eigenen Verantwortungsbereich hängen bleiben.
Rohleders Lösungsansatz gegen alle drei Silo-Typen ist ein konsequentes Geschäftsprozessmanagement, das Abläufe nicht mehr entlang der Funktionsgrenzen (Einkauf, Produktion, Vertrieb), sondern als durchgehende Kunde-zu-Kunde-Prozesse denkt — vom Kundenwunsch bis zur fertigen Lieferung als ein einziger, verantwortungsübergreifender Ablauf. Dass dieser Wandel schwerfällt, bringt Rohleder mit dem Satz auf den Punkt: „Der Beton ist in den Köpfen" — die alte, funktions- und hierarchieorientierte Denkweise lässt sich nicht allein durch ein neues Organigramm auflösen, sondern erfordert einen echten Kulturwandel in der Prozessorientierung.
UKV vs. GKV Kunststofftechnik — Betriebsergebnis bei Bestandserhöhung — Zusatzübung
Aufgabe #241 · UKV vs. GKV Kunststofftechnik — Betriebsergebnis bei Bestandserhöhung — ZusatzübungDie Taunus Kunststofftechnik GmbH stellt ein einziges Produkt her. Produktions- und Absatzmenge fallen auseinander, der Anfangsbestand an Fertigerzeugnissen ist null. Gegeben:
Größe
Wert
Produktionsmenge
12.000 Stück
Absatzmenge
9.000 Stück
Anfangsbestand
0 Stück
Verkaufspreis je Stück
85,00 €
Fertigungsmaterial (gesamte Produktion)
240.000,00 €
Fertigungslöhne (gesamte Produktion)
180.000,00 €
Fertigungsgemeinkosten (gesamte Produktion)
120.000,00 €
Verwaltungskosten (Periodenkosten)
70.000,00 €
Vertriebskosten (Periodenkosten)
50.000,00 €
Ermittle das Betriebsergebnis einmal nach dem Gesamtkostenverfahren (GKV) und einmal nach dem Umsatzkostenverfahren (UKV) und weise nach, dass beide dasselbe Ergebnis liefern.
Lösung — Schritt für Schritt:
Bestandsveränderung. Endbestand = AB + Produktion − Absatz = 0 + 12.000 − 9.000 = 3.000 Stück. Bestandsveränderung = EB − AB = 3.000 − 0 = +3.000 Stück (Bestandserhöhung), weil mehr produziert als verkauft wurde.
Herstellkosten der Produktion (nur bestandsfähige Kosten: Material + Löhne + FGK). 240.000 + 180.000 + 120.000 = 540.000,00 €. Herstellkosten je Stück hk = 540.000 ÷ 12.000 = 45,00 €/Stück. Verwaltung und Vertrieb sind Periodenkosten und gehen nicht ins Lager.
Wert der Bestandserhöhung = 3.000 × 45,00 = 135.000,00 €.
GKV-Weg: Umsatzerlöse + Bestandserhöhung − Gesamtkosten der Periode. Gesamtkosten = 540.000 + 70.000 + 50.000 = 660.000,00 €. BE = 765.000 + 135.000 − 660.000 = 240.000,00 €. (Das GKV zieht alle Produktionskosten ab; weil 3.000 Stück noch im Lager liegen, wird ihr Wert als Bestandserhöhung wieder hinzugerechnet.)
UKV-Weg:Herstellkosten des Umsatzes = Absatzmenge × hk = 9.000 × 45,00 = 405.000,00 €. BE = Umsatz − HK des Umsatzes − Verwaltung − Vertrieb = 765.000 − 405.000 − 70.000 − 50.000 = 240.000,00 €. (Das UKV stellt dem Umsatz von vornherein nur die Kosten der verkauften Stücke gegenüber — keine Bestandskorrektur nötig.)
Ergebnis:BE(GKV) = BE(UKV) = 240.000,00 €. Rechenprobe:HK der Produktion − HK des Umsatzes = 540.000 − 405.000 = 135.000,00 € = exakt der Wert der Bestandserhöhung, den das GKV wieder hinzurechnet → beide Verfahren identisch, Differenz 0,00 € ✓.
UKV vs. GKV bei Bestandsminderung — Betriebsergebnis (gleiches Setting wie Rheinhessen-Werk GmbH, andere Frage) — Zusatzübung
Aufgabe #242 · UKV vs. GKV bei Bestandsminderung — Betriebsergebnis (gleiches Setting wie Rheinhessen-Werk GmbH, andere Frage) — Zusatzübung(gleiches Setting wie die UKV/GKV-Aufgabe Rheinhessen-Werk GmbH, andere Frage.) Dieselbe Kostenstruktur der Produktion wie im Original (Fertigungsmaterial 300.000,00 €, Fertigungslöhne 250.000,00 €, Fertigungsgemeinkosten 150.000,00 € bei 10.000 Stück Produktion; Verkaufspreis 120,00 €; Verwaltungskosten 90.000,00 €; Vertriebskosten 70.000,00 €). Im Original war der Anfangsbestand 0 und es entstand eine Bestandserhöhung. Diesmal gilt: Anfangsbestand 3.000 Stück (bewertet zu den gleichen Herstellkosten je Stück wie die laufende Produktion), Produktion weiterhin 10.000 Stück, Absatz 11.000 Stück — es wird also mehr verkauft als produziert. Ermittle das Betriebsergebnis nach GKV und nach UKV und weise die Gleichheit nach.
Lösung — Schritt für Schritt:
Herstellkosten je Stück (unverändert).HK der Produktion = 300.000 + 250.000 + 150.000 = 700.000,00 €; hk = 700.000 ÷ 10.000 = 70,00 €/Stück. Annahme laut Aufgabe: der Anfangsbestand wurde in der Vorperiode zu denselben 70,00 €/Stück gefertigt.
Bestandsveränderung. Endbestand = AB + Produktion − Absatz = 3.000 + 10.000 − 11.000 = 2.000 Stück. Bestandsveränderung = EB − AB = 2.000 − 3.000 = −1.000 Stück (Bestandsminderung) — es wurde Lager abgebaut, um die höhere Absatzmenge zu bedienen.
Wert der Bestandsminderung = 1.000 × 70,00 = 70.000,00 €.
GKV-Weg: Umsatzerlöse − Bestandsminderung − Gesamtkosten der Periode. Bei einer Bestandsminderung wird der Lagerwert abgezogen (Vorzeichen umgekehrt zur Erhöhung), weil verkaufte Ware aus dem Lager stammt, deren Kosten nicht in dieser Periode produziert wurden. Gesamtkosten = 700.000 + 90.000 + 70.000 = 860.000,00 €. BE = 1.320.000 − 70.000 − 860.000 = 390.000,00 €.
UKV-Weg:Herstellkosten des Umsatzes = Absatzmenge × hk = 11.000 × 70,00 = 770.000,00 € (hier größer als die HK der Produktion von 700.000 €, weil mehr verkauft als produziert wurde — die Differenz kommt aus dem Lagerabbau). BE = Umsatz − HK des Umsatzes − Verwaltung − Vertrieb = 1.320.000 − 770.000 − 90.000 − 70.000 = 390.000,00 €.
Ergebnis:BE(GKV) = BE(UKV) = 390.000,00 €. Rechenprobe:HK des Umsatzes − HK der Produktion = 770.000 − 700.000 = 70.000,00 € = exakt der Wert der Bestandsminderung, den das GKV auf der Leistungsseite abzieht → beide Verfahren identisch, Differenz 0,00 € ✓. (Merksatz: Bei Bestandsminderung zieht das GKV sie ab und das UKV rechnet mehr Herstellkosten ab — genau umgekehrt zur Bestandserhöhung.)