QUBA – Konzepte: Schichtenmodell, Erfolgsgrößen, Business Case & Budgetierung
Status: GEPRÜFT (Prof-Gate, Nachprüfung 01.08.2026 — 9× BESTANDEN). Neun gelöste Aufgaben (57 P) aus dem Voll-Abdeckungs-Sweep: die Konzept-Lücken des Folienskripts, die bisher kein eigenes Kapitel trugen.
1. Blatttypen und das Rohleder-Schichtenmodell (10 P)
a) 5 P. Nennen und erläutern Sie die fünf Grundfunktionen (Blatttypen) einer Arbeitsmappe.
b) 3 P. Ordnen Sie diese fünf Grundfunktionen den vier Betrachtungsebenen des Rohleder-Schichtenmodells zu.
c) 2 P. Begründen Sie die empfohlene Blattreihenfolge und nennen Sie die Obergrenze für Grundfunktionen je Blatt.
a) 5 P. – Die fünf Grundfunktionen
Die Dokumentation hält in einem kurzen Anwendungssteckbrief alle Informationen fest, die ein Dritter braucht, um die Mappe zu verstehen und weiterzuführen: wozu sie dient, wer sie erstellt hat, welche Ergebnisse sie liefern soll, wer die Empfänger sind — mitsamt den Namen der zugehörigen Schnittstellenblätter —, wie sie Schritt für Schritt zu aktualisieren ist und wie sich die Mappe seit wann verändert hat, also die Änderungshistorie. Sie ist die einzige Grundfunktion, die nichts rechnet, und deshalb die erste, die unter Zeitdruck wegfällt. ⟨1⟩
Der Input nimmt die Daten auf, und zwar nach der strengen Regel, dass jedes Inputdatenblatt die Daten aus genau einer Quelle enthält. Diese Entkopplung ist der eigentliche Zweck der Regel: Input-Daten müssen in der Regel regelmäßig aktualisiert werden, und je Quelle ein eigenes Blatt erlaubt es, den Datenabzug auszutauschen, ohne eine einzige Formel anzufassen. ⟨2⟩
Die Analyse enthält die eigentliche Logik zur Ermittlung der Ergebnisse. Ihre Struktur folgt einer Berechnungslogik, also einer mathematischen Ordnung, und sie ist deshalb nie identisch mit einem Input-Blatt und nur selten mit einem Output-Blatt. Auf diesem Blatt stehen die Nebenrechnungen und die Zwischenschritte, die den Rechenweg nachvollziehbar machen. ⟨3⟩
Der Output übernimmt die Speicherung: Er stellt die Ergebnisse der Berechnungen so zusammen, dass sie sich technisch weiterverarbeiten lassen — etwa so, dass alles Notwendige für eine einfache Nachschlageoperation mit XVERWEIS() vorhanden ist. Seine Struktur folgt damit einer technischen Logik und nicht dem Geschmack eines Lesers. ⟨4⟩
Die Schnittstelle ist die Ausgabe an den Empfänger, und zwar je Empfänger eine eigene. Hier stehen ausschließlich die für diesen einen Empfänger relevanten Ergebnisse, übersichtlich dargestellt und in einer Struktur, die seinen Erwartungen folgt — Rohleder nennt das die Empfängerlogik. Werden Output und Schnittstelle zusammengeworfen, muss sich jeder Empfänger seine Zahlen selbst zusammensuchen. ⟨5⟩
b) 3 P. – Die Zuordnung zu den vier Betrachtungsebenen
Dokumentation und Input bilden zusammen die Datenschicht (data layer). Der Grund steht bei Rohleder selbst: Er nennt den Anwendungssteckbrief ein spezielles Inputblatt (Skript S. 54) — er wird wie ein Datenabzug gepflegt, entsteht vor der eigentlichen Mappe und wird fortlaufend von den Anwendern aktualisiert. Beide Grundfunktionen liefern oder beschreiben also den Rohstoff, ohne ihn zu verändern; deshalb tragen fünf Grundfunktionen nur vier Ebenen. ⟨6⟩
Die Analyse bildet allein die Analyseschicht (calculation layer), weil hier und nur hier gerechnet wird. ⟨7⟩ Der Output bildet die Abstraktionsschicht (abstraction layer) — er löst die Ergebnisse von ihrem Rechenweg und macht sie als abfragbaren Bestand verfügbar —, und die Schnittstelle bildet die Präsentationsschicht, auf der die Ergebnisse empfängergerecht dargestellt werden. ⟨8⟩
c) 2 P. – Blattreihenfolge und Obergrenze
Die Blätter sind ergebnisorientiert anzuordnen, das heißt in der Reihenfolge Deckblatt, Inhaltsverzeichnis, Parameter und Prüfsummen (diese vier optional), dann Schnittstellen, Output, Analyse, Input und zuletzt Dokumentation. Die Begründung ist die Perspektive des Lesers und nicht die des Erstellers: Der Leser öffnet die Mappe, um das Ergebnis zu sehen, und arbeitet sich erst bei Bedarf in Richtung Rechenweg und Rohdaten vor. Die technische Entstehungsreihenfolge — erst Daten, dann Rechnung, dann Ergebnis — ist damit bewusst umgedreht. ⟨9⟩
Auf einem Blatt sollten nie mehr als zwei Grundfunktionen ausgeführt werden, weil jede weitere Funktion das Fehlerrisiko erhöht; liegen mehrere Grundfunktionen oder kleine Tabellen auf einem Blatt, spricht man von Bereichen. Das Blatt der Fachabteilung vereint mit Input, Analyse, Output und Schnittstelle vier Grundfunktionen und reißt damit die Grenze von zwei um das Doppelte. Es verstößt darüber hinaus ein zweites Mal, und zwar auf der Input-Seite: Die Rohdaten stammen aus zwei Vorsystemen und liegen dennoch in einem einzigen Bereich, obwohl jedes Inputdatenblatt die Daten aus genau einer Quelle enthalten soll — diese Entkopplung ist es, die den turnusmäßigen Austausch eines Datenabzugs erst ohne Formeleingriff möglich macht. Die fünfte Grundfunktion, die Dokumentation, fehlt in der Mappe ganz; sie ist erwartungsgemäß die erste, die weggelassen wird. ⟨10⟩
⟨+1⟩ Neben den fünf Grundfunktionen kennt der Blatttypen-Katalog vier ergänzende Blätter: das Deckblatt mit Mappenname, Stand und Angaben zu Owner und Designer; das Inhaltsverzeichnis, das Teil der Dokumentation ist, die Navigation erleichtert und sich automatisch pflegen lässt; das Parameter-Blatt mit allen global gültigen Größen der Mappe, etwa Zinssätzen wie dem WACC, dem Stand des Datenabzugs und der Prozesssteuerung; und das Prüfsummen-Blatt, auf dem alle kritischen Werte aus Berechnung, Output und Schnittstelle auf einen Blick vergleichbar sind, um Konsistenzfehler zu erkennen — Rohleder nennt es die Schnittstelle für den Auditor.
⟨+2⟩ Das Modell dient nicht der Ordnung um ihrer selbst willen; es ist das Planungswerkzeug. Bei der Planung einer Arbeitsmappe werden die zu verarbeitenden Informationen nach Blatttypen strukturiert, und das Ergebnis dieser Strukturierung ist der Datenflussplan, der von den Quellen über Input und Parameter zu den Analysen, von dort zum Output und schließlich zu den empfängerspezifischen Schnittstellen führt.
Rohleders Erwartung: Er will die Begriffe in seiner Sprache hören — Grundfunktion, Betrachtungsebene, Empfängerlogik, Berechnungslogik, technische Logik. Bei b) reicht die Aufzählung der vier Schichten nicht: Es sind fünf Grundfunktionen auf vier Ebenen, also muss eine Ebene zwei Funktionen tragen, und diese Beobachtung samt Rohleders eigener Begründung („spezielles Inputblatt") gehört in die Antwort. Bei c) genügt „übersichtlicher" nicht als Begründung; verlangt ist die Leserperspektive als Argument. Und jeder Halbsatz des Sachverhalts ist ein Prüfauftrag — die zwei Vorsysteme stehen nicht zufällig darin.
2. Kaufmännische Erfolgsgrößen und die Drucker-Formel (10 P)
a) 6 P. Erläutern Sie sechs kaufmännische Erfolgsgrößen jeweils mit Definition und Dimension.
b) 4 P. Nehmen Sie begründet Stellung zu der Formel „Efficiency is doing things right. Effectiveness is doing the right things."
a) 6 P. – Sechs Erfolgsgrößen mit Definition und Dimension
Die Produktivität ist das Mengenverhältnis von Output zu Input. Ihre Dimension ist deshalb keine reine Zahl; sie ist immer eine zusammengesetzte Mengenrelation, etwa Fahrzeuge je Vollzeitkraft, also [Kfz.] / [FTE]. Daran erkennt man sie: Eine in Prozent oder in Euro angegebene „Produktivität" meint in Wahrheit eine andere Erfolgsgröße. ⟨1⟩
Die Effizienz ist das Wertverhältnis von Output zu Input, also die Wirtschaftlichkeit. Weil Zähler und Nenner in derselben Werteinheit stehen, kürzt sich die Einheit heraus und die Effizienz ist dimensionslos — sie wird als Faktor angegeben. Einem Aufwand von 12,50 € steht dann etwa ein Ertrag von 50,00 € gegenüber, und die Effizienz beträgt 4. ⟨2⟩
Die Effektivität ist der Zielerreichungsgrad, in der Physik der Wirkungsgrad, und ihre Dimension ist [%]. Bei einem Ziel von 100 und einem erreichten Wert von 90 lag die Effektivität bei 90 Prozent. Über den Ressourcenverbrauch sagt diese Größe bewusst nichts aus — sie fragt nur, ob das Ziel getroffen wurde. ⟨3⟩
Der Gewinn ist die (positive) Wertdifferenz von Output und Input und damit der kurzfristige wirtschaftliche Erfolg. Er ist die einzige der sechs Größen, die als Differenz und nicht als Verhältnis gebildet wird, und seine Dimension ist folglich ein Geldbetrag, also [€]. ⟨4⟩
Die Rentabilität ist das Verhältnis von Wertzuwachs zu Mitteleinsatz, gemessen in [%]. Sie ist die Größe, die den Gewinn erst beurteilbar macht: Ein Gewinn von einer Million Euro ist ohne die Angabe des dafür eingesetzten Kapitals keine Information, nur eine Zahl. ⟨5⟩
Die Rendite ist definiert wie die Rentabilität, aber mit Jahresbezug; ihre Dimension ist deshalb [%] p. a. Am Jahresbezug hängt die Vergleichbarkeit: Zwei Investitionen mit gleicher Rentabilität, aber unterschiedlicher Laufzeit sind nicht vergleichbar, weil dieselben 20 % auf drei Jahre etwas anderes wert sind als auf ein Jahr; erst die Annualisierung stellt die Vergleichbarkeit her, und zwar bei mehrjährigen Laufzeiten geometrisch und nicht durch Division. (Am Kapitalmarkt und in der Investitionsrechnung wird „Rendite" ohnehin fast immer als bereits annualisierte Größe verwendet — die interne Verzinsung ist das Standardbeispiel.) ⟨6⟩
b) 4 P. – Stellungnahme zur Drucker-Formel
Der Satz meint mit Efficiency („doing things right") die Effizienz, also das Wertverhältnis von Output zu Input, und mit Effectiveness („doing the right things") die Effektivität, also den Zielerreichungsgrad. In dieser Übersetzung zeigt sich sein Mangel: Effizienz ist bei Rohleder eine dimensionslose Zahl mit Zähler und Nenner, Effektivität eine Prozentgröße mit einem festgelegten Ziel als Bezug. Drucker liefert für beide weder Zähler noch Nenner noch Bezugsgröße — er ersetzt zwei rechenbare Größen durch zwei Wertungen. ⟨7⟩
Das Urteil lautet deshalb: Der Satz ist als Merksatz eingängig, für Entscheidungszwecke aber völlig nutzlos. Er trennt zwar zwei Fragen, die tatsächlich verschieden sind — ob überhaupt das Richtige verfolgt wird und ob es sparsam verfolgt wird —, operationalisiert aber keine der beiden Größen. Es fehlen Dimension und Rechenvorschrift, und damit lässt sich weder eine Alternative bewerten noch eine Abweichung messen. Eine Erfolgsgröße, die man nicht rechnen kann, ist im Sinne der quantitativen Business-Analyse keine.
Hinzu kommt ein sprachlicher Einwand, den Rohleder ausdrücklich erhebt: „doing things" entspricht dem Sprachgebrauch eines etwa Dreijährigen, denn Erwachsene tun keine Dinge, sie handeln oder ergreifen Maßnahmen. Der Satz stammt von einem Autor, der kein englischer Muttersprachler war, und er wird seit Jahrzehnten kritiklos nachgebetet, statt einmal auf seinen Informationsgehalt geprüft zu werden. ⟨8⟩
Der Sprachbefund reicht dabei tiefer als die eine Formel: Selbst der Duden führt unter „Effektivität" neben Wirksamkeit, Wirkung und Leistung auch die Effizienz als fach- und bildungssprachliches Synonym auf. Die Alltagssprache vermengt also die beiden Größen, die betriebswirtschaftlich strikt zu trennen sind — den Zielerreichungsgrad in Prozent auf der einen und das dimensionslose Wertverhältnis von Output zu Input auf der anderen Seite. Die qualitative Lesart hat dabei durchaus ihren Ort: Wenn Rohleder die Qualität einer Arbeitsmappe beurteilt, nennt er Effektivität („liefert die Mappe die richtigen Werte?") und Effizienz („mit welchem Aufwand?") ausdrücklich als die beiden Kernanforderungen. Der Unterschied liegt im Zweck: Dort dienen die Begriffe der Beurteilung einer Mappe und dürfen qualitativ bleiben; hier dienen sie der Entscheidung zwischen Alternativen und müssen deshalb Definition und Dimension tragen. Wer die qualitative Fassung in eine Entscheidungsvorlage trägt, macht den Fehler, den Drucker vorgezeichnet hat. ⟨9⟩
Zur fairen Einordnung des Urhebers gehört beides: Peter Ferdinand Drucker (1909 Wien bis 2005 USA) war Unternehmensberater, Autor und Hochschullehrer und außerordentlich erfolgreich in der eigenen Vermarktung — auf ihn gehen unter anderem das „Management by Objectives" und der Begriff der Kernkompetenz zurück. Sein tatsächlicher Erfolgsbeitrag für Unternehmen ist gleichwohl umstritten, weil seine plakativen Formulierungen häufig ohne wissenschaftliche Begründung und ohne Erfolgsbeweis auskommen. Die praktische Konsequenz lautet daher, den Satz zu ersetzen — durch die Tabelle der sechs Erfolgsgrößen aus Teil a), in der jede Größe eine Definition und eine Dimension hat und damit verhandelbar wird. ⟨10⟩
⟨+1⟩ Die Folienüberschrift lautet „Löschen Sie erst mal die Nebelkerzen!" — das ist die Reihenfolge, die er auch in der Klausur sehen will: erst die unscharfen Begriffe abräumen, dann rechnen. In einer Fallaufgabe gehört deshalb zuerst die Benennung der gemeinten Erfolgsgröße in die Antwort, bevor eine Zahl fällt.
⟨+2⟩ Ein zweites Beispiel für denselben Fehler liefert er aus der Praxis: In der KfW-Vorlage zur „Rentabilitätsvorschau" wird die Profitabilität gezeigt, aber nicht die Rentabilität, weil der ausgewiesene Gewinn gar nicht ins Verhältnis zum eingesetzten Kapital gesetzt wird. Sein Kommentar dazu: „Das Ding heißt nur so. Es gibt auch keine Zitronenfalter, die Zitronen falten."
Rohleders Erwartung: Sechs Größen heißt sechs, und zu jeder gehören zwei Angaben — Definition und Dimension. Die drei Fallen, die er dabei stellt, sind immer dieselben: Produktivität ist eine Mengenrelation und keine Wertrelation, Effizienz ist dimensionslos und keine Prozentgröße, und Rendite unterscheidet sich von Rentabilität allein durch den Jahresbezug. In b) ist seine Zuordnung gnadenlos wörtlich: Efficiency gehört zur Effizienz, Effectiveness zur Effektivität, und ohne diese Zuordnung fehlt der Antwort ihr Fundament. Verlangt ist außerdem ein eigenes Urteil mit Begründung — eine pauschale Verteidigung oder Verdammung ohne Angabe, woran der Satz scheitert, bringt die Punkte nicht.
3. Business-Case-Terminologie: Historie, Prognose, Planung (6 P)
a) 3 P. Erläutern Sie die Dreiteilung Historie, Prognose und Planung.
b) 3 P. Ordnen Sie Baseline, Business Rules, Prämissen, Szenarios, Eintrittswahrscheinlichkeiten und Maßnahmen den drei Teilen zu und erläutern Sie jeden Begriff.
a) 3 P. – Die Dreiteilung
Die Historie ist die Vergangenheit und damit der einzige Teil des Business Case, der nicht verhandelbar ist: Sie besteht aus gemessenen Größen, die entweder stimmen oder falsch erfasst wurden, und sie ist der gemeinsame Ausgangspunkt aller Beteiligten. ⟨1⟩
Die Prognose ist die passive Zukunft. Sie beschreibt, was geschieht, wenn niemand eingreift — die Fortschreibung des Bestehenden unter Annahmen über die weitere Entwicklung. Entscheidend ist, dass in diesem Teil keine Entscheidung steckt: Was hier steht, ist unterstellt, nicht beschlossen. ⟨2⟩
Die Planung ist die aktive Zukunft. Sie enthält das, was durch eigenes Handeln hinzukommt oder verhindert wird, und ist damit der Teil, für den jemand die Verantwortung übernimmt. Aus der Dreiteilung folgt zugleich die Bearbeitungsreihenfolge eines Business Case: erst die Baseline, dann die Fortschreibung, dann die Planung — eine umgedrehte Reihenfolge plant auf einer Grundlage, die noch gar nicht bekannt ist. ⟨3⟩
b) 3 P. – Die Zuordnung der Begriffe
Zur Historie gehören die Baseline und die Business Rules. Die Baseline ist der gemessene Ausgangsbestand in Mengen- und Wertgrößen — der Referenzstand, gegen den später jede Abweichung gerechnet wird und der deshalb einmal festgeschrieben und nicht laufend nachjustiert werden darf. Die Business Rules sind die bereits getroffenen Entscheidungen, die in der Vergangenheit wurzeln und in die Zukunft fortwirken: bestehende Verträge, Preisgleitklauseln, Tarifbindungen, festgelegte Abschreibungsdauern. Sie sind keine Annahmen, sondern gebundenes Verhalten. ⟨4⟩
Zur Prognose gehören die Prämissen (die Parameter des Modells), die Szenarios und deren Eintrittswahrscheinlichkeiten; die Fortschreibung ist dabei der Rechenvorgang, mit dem diese Spalte aus der Baseline heraus gefüllt wird. Prämissen sind die unterstellten Wertentwicklungen wie Inflationsrate, Zinsniveau oder Marktwachstum und gehören als Parameter in eigene Zellen, nie in Formeln. Szenarios sind vollständige, in sich konsistente Sätze solcher Prämissen — typischerweise ein pessimistischer, ein realistischer und ein optimistischer —, und die Eintrittswahrscheinlichkeiten gewichten diese Sätze, damit aus mehreren Rechenständen eine erwartungswertige Aussage werden kann. ⟨5⟩
Zur Planung gehören die Maßnahmen samt ihren Alternativen, den zu Bündeln zusammengefassten Maßnahmenpaketen und den daraus abgeleiteten Handlungsoptionen. Eine Maßnahme unterscheidet sich von einer Prämisse dadurch, dass jemand sie beschließen und verantworten muss; sie ist deshalb im Modell zwingend getrennt zu führen, damit jederzeit erkennbar bleibt, welcher Teil des Ergebnisses auf unterstellten Entwicklungen und welcher auf eigenen Entscheidungen beruht. Diese Trennung fehlt in der Lenkungssitzung des Aufgabentextes. ⟨6⟩
⟨+1⟩ Unter der Tabelle nummeriert Rohleder den Arbeitsablauf: 1. Baseline, 2. Fortschreibung, 3. Planung — je ein Schritt pro Spalte, benannt nach dem, was dort zu tun ist. Das ist dieselbe Logik wie beim zweischrittigen Vorgehen der Budgetierung — dort Prognose vor Planung, hier Fortschreibung vor Planung. Wo diese Trennung gehalten wird, lässt sich eine Abweichung im Nachhinein einer falschen Erwartung oder einer nicht umgesetzten Maßnahme zuordnen; wo sie fehlt, ist beides nicht mehr auseinanderzuhalten.
Rohleders Erwartung: Die Achse Vergangenheit – passive Zukunft – aktive Zukunft ist der Kern, nicht die Vokabelliste. Prämissen und Maßnahmen in einen Topf zu werfen heißt, die Unterscheidung „unterstellt" gegen „beschlossen" nicht begriffen zu haben — und damit den Grund, warum ein Business Case überhaupt in drei Blöcke zerlegt wird. Der Anschluss an die Modellierungsregeln ist erwünscht: Parameter gehören auf das Parameter-Blatt, nicht in die Formel.
4. Budgetierung: Definition, Teilpläne und das zweischrittige Vorgehen (6 P)
a) 2 P. Definieren Sie Budgetierung und grenzen Sie sie gegen das im Sachverhalt beschriebene Vorgehen ab.
b) 2 P. Nennen und erläutern Sie vier Teilpläne eines Budgets.
c) 2 P. Begründen Sie, warum eine Budgetierung zweischrittig vorzugehen hat.
a) 2 P. – Definition und Abgrenzung
Budgetierung bezeichnet den betriebswirtschaftlichen Planungsprozess von Gewinn- und Verlustrechnung und Bilanz, typischerweise aufgelöst bis auf Einzelkonten beziehungsweise Kostenstellen. Sie erfolgt, bevor das zu planende Geschäftsjahr beginnt, und sie ist damit der kurzfristige, operative Unternehmensplan. Inhaltlich braucht sie drei Bestandteile: differenzierte Mengenplanungen (a), Erwartungen über die Wertentwicklungen (b) und die daraus abgeleiteten, zu erwartenden Zahlungsströme als Produkt a × b. ⟨1⟩
Was die Bereiche im Sachverhalt tun, ist keine Budgetierung: Es ist eine Hochrechnung mit anschließender Fortschreibung. Eine Hochrechnung ist die Schätzung eines Gesamtergebnisses aus einem Teilergebnis, also eine Extrapolation; sie erfordert nach Rohleder weder methodisches Fachwissen noch Sachkompetenz noch Hausverstand seitens des Anwenders, ist das Ergebnis einer Dreisatzaufgabe — seine Formulierung: „durch Acht mal Zwölf" — und ist streng genommen nicht einmal ein Excel-Thema, weil der Taschenrechner genügt. Der pauschale Aufschlag von drei Prozent ist der zweite Fehler: Er ersetzt eine begründete Erwartung durch ein Bauchgefühl. ⟨2⟩
b) 2 P. – Vier Teilpläne
Der Absatzplan legt fest, welche Mengen je Produkt und Markt abgesetzt werden sollen; er ist der Ausgangspunkt, weil sich aus der Menge fast alles Weitere ableitet. Der Umsatzplan bewertet diese Mengen mit den erwarteten Preisen und ist damit das Produkt aus Mengenplanung und Werterwartung. ⟨3⟩
Der Personalplan hält den Kapazitätsbedarf und die daraus folgenden Personalkosten fest, einschließlich der bereits gebundenen Tarif- und Vertragswirkungen. Der Investitionsplan enthält die geplanten Anschaffungen mit ihren Auszahlungszeitpunkten und wirkt zweifach: über die Abschreibungen in die Erfolgsrechnung und über die Auszahlungen in die Liquidität. ⟨4⟩
c) 2 P. – Warum zweischrittig
Im ersten Schritt wird auf Grundlage von Vergangenheitsdaten mit statistischen Mitteln eine Prognose erstellt. Dieser Schritt beantwortet die Frage, wohin sich das Geschäft entwickelt, wenn nichts weiter unternommen wird, und er ist bewusst frei von Absichten — hier wird gerechnet, nicht gewollt. ⟨5⟩
Im zweiten Schritt folgt die Planung, in der die Effekte beschlossener Maßnahmen und wahrscheinlicher Veränderungen eingerechnet werden. Die Trennung ist der ganze Sinn des Verfahrens: Nur wenn Prognose und Planung getrennt bleiben, lässt sich im Nachhinein sagen, ob eine Abweichung aus einer falschen Erwartung oder aus einer nicht umgesetzten Maßnahme stammt — und nur dann ist erkennbar, welchen Beitrag die eigenen Maßnahmen überhaupt geleistet haben. Die Bereiche im Sachverhalt machen beides in einem Zug und können hinterher keine der beiden Fragen mehr beantworten. ⟨6⟩
⟨+1⟩ Rohleder ordnet die Instrumente in einer Matrix aus Bezugszeitraum und Zustand: Für das laufende Jahr stehen der Hochrechnung („Dreisatz") auf der Ist-Seite die Prognose mit statistischen Methoden auf der Soll-Seite gegenüber; für das Folgejahr die Fortschreibung der echten Planung; und für die Vorjahre das Bauchgefühl den statistischen Analysen, also der Kostenursachenanalyse.
⟨+2⟩ Das Dilemma benennt er offen: In vielen Betrieben sind aufgrund ihrer Einfachheit und Transparenz nur Hochrechnung und Fortschreibung erwünscht. Echte Budgetierung ist nur dann sinnvoll, wenn man auch bereit ist, die Budgets zu leben — Planung ist gedankliche Vorwegnahme, und wird die Vorwegnahme anschließend nicht gegen sich gelten gelassen, war der Aufwand umsonst.
⟨+3⟩ Auf der Folie steht ein fünfter Teilplan, der Finanzierungsplan, der sicherstellt, dass die geplanten Zahlungsströme jederzeit gedeckt sind. In der Klausur gilt trotzdem: Wenn nach vier gefragt ist, bringt der fünfte keinen Punkt mehr — die Kontingente je Aspekt sind dann voll.
Rohleders Erwartung: Er prüft an dieser Stelle die Begriffsschärfe Hochrechnung gegen Prognose, und er hat die Formulierung „In der Praxis werden Hochrechnungen gerne als Prognosen ausgegeben" eigens als Folienüberschrift gewählt. Vier Teilpläne heißt vier, und sie sollten aus verschiedenen Ecken kommen — viermal eine Kostenart ist kein vollständiges Budget. Ein fünfter Teilplan bringt keinen Zusatzpunkt, kostet aber Zeit.
5. Grenzen formatierter Tabellen (6 P)
a) 3 P. Erläutern Sie drei Einschränkungen, die eine als Tabelle formatierte Liste mit sich bringt.
b) 3 P. Begründen Sie diese Einschränkungen aus der Zweckbestimmung der Tabelle und leiten Sie eine Handlungsempfehlung ab.
a) 3 P. – Drei Einschränkungen
Erstens unterstützen Tabellen keine Formeln in den Feldnamen. Die Kopfzeile einer Tabelle muss statischer Text sein; eine Überschrift, die sich per Formel aus einer Parameterzelle ergibt — etwa „Umsatz " & Berichtsjahr —, ist dort nicht möglich. Eine mitlaufende Beschriftung muss deshalb außerhalb der Tabelle stehen. ⟨1⟩
Zweitens sind zeilenübergreifende Matrixformeln in den Datensätzen ausgeschlossen. Mehrfachzellen-Matrixfunktionen, deren Ergebnis sich über mehrere Zeilen der Tabelle erstreckt, lassen sich in einer Tabellenspalte nicht ablegen, weil jede Spalte einer Tabelle als berechnete Spalte einheitlich zeilenweise arbeitet. ⟨2⟩
Drittens lassen sich in befüllten Tabellen Spalten nicht unmittelbar einfügen oder löschen. Was in einem normalen Zellbereich ein Rechtsklick erledigt, verlangt in der Tabelle den Umweg über die Tabellenbefehle beziehungsweise das gezielte Einfügen von Tabellenspalten — der Bereich ist als Objekt gebunden und nicht mehr frei manipulierbar. ⟨3⟩
b) 3 P. – Begründung und Handlungsempfehlung
Die Einschränkungen sind keine Programmierfehler; sie folgen aus der Zweckbestimmung: Tabellen sind für die Weiterverarbeitung in Datenbanken, PivotTables, PivotCharts und Power Pivot vorgesehen, und alle diese Abnehmer können nur mit statischem Text als Feldnamen arbeiten. Ein Feldname ist in dieser Welt ein Bezeichner und kein Rechenergebnis; sobald er sich ändern könnte, wäre jede darauf aufbauende Abfrage instabil. ⟨4⟩
Aus demselben Zweck lässt sich ableiten — die Folie sagt es nicht ausdrücklich —, dass eine Tabelle satzweise aufgebaut sein muss: Jede Zeile ist ein Datensatz, jede Spalte ein Feld mit einer einheitlichen Bedeutung. Eine Matrixformel, die sich über mehrere Zeilen legt, verletzt diese Satzstruktur, und eine frei einfügbare Spalte würde die Feldstruktur unter den bereits gesetzten strukturierten Verweisen wegziehen. Die Einschränkungen sind also der Preis für die Eigenschaften, wegen derer man die Tabelle überhaupt anlegt: den mitwachsenden Bezug, die automatische Erweiterung von Formeln und Formaten, die sprechenden strukturierten Verweise und die Spaltenüberschriften, die beim Scrollen an die Stelle der Spaltenbuchstaben treten. ⟨5⟩
Die Handlungsempfehlung lautet deshalb, die Funktionen zu trennen, statt auf Tabellen zu verzichten: Die Rohdaten bleiben als Tabelle auf dem Input-Blatt, wo sie satzweise wachsen und von Pivot oder Power Query weiterverarbeitet werden können, und die Matrixauswertungen sowie alle rechnenden Überschriften wandern auf das Analyse-Blatt, das an keine Satzstruktur gebunden ist. Der Kollege im Sachverhalt muss deshalb nicht seine Tabelle auflösen; er muss seine Auswertung dorthin verlegen, wo sie hingehört. ⟨6⟩
⟨+1⟩ Ein Hinweis zur Quellenlage: Die Folie trägt zwischen der Spalten-Einschränkung und der Zweckbegründung eine vierte Aufzählungszeile, deren Text auf dem gescannten Foliensatz nicht lesbar ist. Für eine Frage nach drei Einschränkungen genügen die oben genannten; sollte in der Klausur nach vier gefragt werden, ist die vierte im Originalskript nachzuschlagen, statt sie zu erfinden.
Rohleders Erwartung: Er fragt Vor- und Nachteile fast immer paarweise ab — drei Einschränkungen ohne den Zweck dahinter sind die halbe Antwort. Der Satz, auf den er hinauswill, lautet sinngemäß: Die Tabelle ist eine Datenstruktur für die Weiterverarbeitung und kein Rechenblatt. Die Konsequenz „dann eben kein STRG+T" ist die falsche; erwartet wird die Trennung nach Grundfunktionen.
6. „House of Excel" und Add-Ins (6 P)
a) 4 P. Erläutern Sie den Schichtenaufbau von Excel und geben Sie je Schicht deren Aufgabe an.
b) 2 P. Ordnen Sie VBA, Python, Power Pivot und die Datenschnittstellen der jeweils richtigen Schicht zu und begründen Sie die Zuordnung.
a) 4 P. – Der Schichtenaufbau
Ganz oben, im zweiten Obergeschoss, liegen die Zellen. Sie erledigen die eigentliche Arbeit, denn in der Zelle steht der Wert oder die Formel; alle übrigen Ebenen organisieren oder versorgen Zellen. ⟨1⟩
Im ersten Obergeschoss liegen die Blätter. Ihre Aufgabe ist es, Zusammenhängendes darzustellen und nutzbar zu machen — hier greift der Blatttypen-Katalog, der jedem Blatt eine Grundfunktion zuweist. Im Erdgeschoss liegen die Arbeitsmappen, deren Aufgabe darin besteht, Blätter zusammenzufassen; die Mappe ist die Datei und damit die Einheit, die gespeichert, versioniert und weitergegeben wird. ⟨2⟩
Im Zwischengeschoss sitzen die Add-Ins, deren Aufgabe die Erweiterung des Funktionsumfangs ist: Sie werden geladen, wenn Excel eine Anforderung nicht ab Werk erfüllt. Einige gehören zum Lieferumfang und müssen nur nachinstalliert werden, etwa die Analyse-Funktionen für spezielle statistische Auswertungen und der Solver für die Optimalplanung; andere müssen gekauft werden oder werden von gekauften Programmen mitinstalliert, etwa für die PDF-Erstellung oder die Aktualisierung von SAP-Importen. Verwaltet werden sie über „Einfügen | Add-Ins: Andere Add-Ins verwalten". ⟨3⟩
Im Keller liegen die Automatisierungswerkzeuge mit der Aufgabe, Abläufe zu automatisieren, und in der Tiefgarage die Schnittstellen, die Verknüpfungen zu anderen Datenquellen herstellen. Die Folie ordnet die sechs Ebenen dabei in zwei Gruppen: Zellen, Blätter und Arbeitsmappen bilden die Kernarchitektur — sie erledigen die eigentliche Arbeit, stellen Zusammenhängendes dar und fassen Blätter zusammen —, während Add-Ins, Automatisierung und Schnittstellen unter der Überschrift „weitere Aufgaben wahrnehmen" stehen: Sie sind für die Grundfunktion von Excel nicht nötig, machen es aber erst zu dem flexiblen Werkzeug, als das man es kennt. ⟨4⟩
b) 2 P. – Die Zuordnung
Die Zuordnung folgt der Aufgabe, nicht der Technik. VBA-Makros und Python in Excel erfüllen dieselbe Aufgabe — Abläufe automatisieren — und liegen deshalb beide im Keller, obwohl sie technisch nichts gemeinsam haben; VBA ist wegen seiner Verbreitung der Standard, Office Scripts mit JavaScript und Python sind die nachrückenden Alternativen. Weil sie eine eigene Ebene bilden und nicht auf den Blättern sitzen, kann eine Automatisierung eine schlechte Blattstruktur nicht heilen: Sie führt aus, was die Etagen darüber vorgeben. ⟨5⟩
Power Pivot gehört ins Zwischengeschoss, und das ist die eigentliche Pointe: Es fühlt sich für den Anwender wie Excel an, ist aber keines. Rohleder ordnet die Power-BI-Funktionen ausdrücklich als Add-Ins ein — sie müssen erst geladen beziehungsweise scharfgeschaltet werden, erweitern also den Funktionsumfang, statt zur Grundarchitektur zu gehören. Die Datenschnittstellen liegen dagegen in der Tiefgarage, weil sie Excel nicht erweitern, sondern nach außen verbinden — in beide Richtungen: Excel liest aus sehr vielen Quellen und schreibt in viele Formate, und umgekehrt greifen andere Programme wie Word für Serienbriefe direkt auf Excel-Tabellen zu. Dabei ist der klassische Export in eine separate Arbeitsmappe mit anschließendem Import von der dynamischen Verknüpfung zwischen Anwendungen und Dateien zu unterscheiden; nur die zweite führt die Aktualisierung mit. ⟨6⟩
⟨+1⟩ Laut Folie können Add-Ins auch selbst in VBA („als Makros") für eigene Anforderungen programmiert werden. Ergänzendes Fachwissen über das Skript hinaus: Technisch ist dabei das Excel-Add-In (eine Arbeitsmappe im Add-In-Format, die VBA-Code und benutzerdefinierte Funktionen mitbringt) vom COM-Add-In zu unterscheiden, das als kompiliertes Programm außerhalb von Excel läuft und typischerweise von Fremdsoftware mitinstalliert wird — der SAP-Import und die PDF-Erzeugung sind Beispiele der zweiten Art.
⟨+2⟩ Das Bild eignet sich als Ordnungsrahmen für die gesamte Vorlesung: Die Performance-Fallen wie volatile Tabellenblattfunktionen sitzen in den Obergeschossen, die Sicherheitsprobleme im Keller (Makroviren) und in der Tiefgarage (mitreisende Abfragedefinitionen), und die Qualitätsregeln für Arbeitsmappen betreffen die Etagen dazwischen.
Rohleders Erwartung: Das ist sein eigenes Bild, also will er es auch in seiner Sprache hören — Obergeschoss, Erdgeschoss, Zwischengeschoss, Keller, Tiefgarage. Eine Antwort, die nur Zellen, Blätter und Mappen nennt, unterschlägt die drei Ebenen, auf die es ihm ankommt. Und in b) zahlt er nicht zweimal für dieselbe Aussage: Gefragt ist die Begründung der Zuordnung, nicht ihre Wiederholung. Die Pointe der Aufgabe ist, dass Power Pivot ein Add-In ist und kein Teil von Excel im engeren Sinn.
7. Formale Mindestanforderungen vor der Weitergabe (4 P)
a) 4 P. Nennen und begründen Sie vier formale Mindestanforderungen, die jede weitergegebene Arbeitsmappe erfüllen sollte.
a) 4 P. – Vier Mindestanforderungen mit Begründung
Erstens sind alle nicht benötigten Blätter zu löschen, insbesondere die leeren Standardblätter „TabelleX". Die Begründung ist weniger die Dateigröße als die Wirkung auf den Empfänger: Vier leere Blätter im Register sagen ihm, dass die Mappe nicht fertig ist, und sie zwingen ihn, jedes einzelne zu öffnen, um sicherzugehen, dass dort nichts Wesentliches versteckt liegt. ⟨1⟩
Zweitens sind die Dateieigenschaften korrekt auszufüllen. Rohleders Formulierung dazu lautet „Zeigen Sie Flagge — Sie werden gesehen!": Titel, Autor und Kommentar sind die einzige Information, die auch dann noch an der Datei hängt, wenn sie längst weitergeleitet, umbenannt und aus dem Kontext gerissen wurde, und sie beantworten die Frage nach der Urheberschaft ohne Rückfrage. ⟨2⟩
Drittens ist in jedem Blatt der sichtbare Bereich zu definieren und aufzuräumen, und zwar in vier zusammengehörenden Handgriffen: einheitliche Ränder über die erste und letzte sichtbare Spalte festlegen, alle Objekte unterhalb und rechts dieser Ränder löschen, die dortigen Zeilen und Spalten löschen und den verbleibenden Rest ausblenden. Die Wirkungen sind dabei verschieden und sollten auch getrennt genannt werden: Das Festlegen einheitlicher Ränder ist eine Frage der Optik, das Löschen der Objekte und der überzähligen Zeilen und Spalten verkleinert die Dateigröße spürbar, und das Ausblenden des verbleibenden Rests ist eine Frage des Handlings — es verhindert, dass der Empfänger versehentlich ins Nirgendwo scrollt. ⟨3⟩
Viertens ist jedes Blatt lesbar zu machen, indem die Gitternetzlinien ausgeblendet, die Überschriftzeilen beziehungsweise -spalten fixiert und ein Druckbereich mit den wesentlichen Ergebnissen des Blattes samt rudimentärer Seiteneinrichtung definiert werden. Das Ausblenden des Gitternetzes ist eine Frage der Optik, die Fixierung und der Druckbereich sind Fragen des Handlings — ohne Fixierung verliert der Leser beim Scrollen die Zeilenbeschriftung, und ohne Druckbereich druckt er entweder nichts Brauchbares oder dreißig Seiten. Der Gesamtaufwand für all das beträgt bei einfachen Mappen keine zwei Minuten, und die, so Rohleder, hat man immer. ⟨4⟩
⟨+1⟩ Auf der Folie stehen streng genommen drei Anforderungen: Blätter löschen, Dateieigenschaften ausfüllen und „In jedem Blatt:" mit sieben Unterpunkten — die vierte Ziffer ist die Aufwandsangabe von zwei Minuten. Die hier gewählte Vierteilung spaltet den dritten Punkt in das Aufräumen des sichtbaren Bereichs (Schritte 1 bis 4) und das Lesbarmachen (Schritte 5 bis 7). Wer stattdessen Rohleders drei Ziffern nennt und die sieben Unterpunkte darunter ausführt, hat dieselbe Substanz geliefert.
Rohleders Erwartung: Vier heißt vier, und jede Anforderung braucht ihre Begründung. Für die Handgriffe innerhalb eines Blattes gibt er die Begründung auf der Folie selbst vor und ordnet jedem Schritt eine von drei Wirkungen zu — bessere Optik, kleinere Dateigröße, besseres Handling —; diese Zuordnung will er dort sehen, und sie ist wörtlich zu nehmen: Das Löschen der Objekte zählt zur Dateigröße, nicht zur Optik. Für die beiden Anforderungen an die Mappe (nicht benötigte Blätter löschen, Dateieigenschaften ausfüllen) steht keine Wirkung auf der Folie; dort ist eine eigene Begründung gefragt, nämlich die Wirkung auf den Empfänger und die Urheberschaft, die an der Datei hängen bleibt. Der Satz „dafür ist keine Zeit" ist bei ihm die falsche Antwort — er beziffert den Aufwand ausdrücklich mit zwei Minuten.
8. Die Qualifikationspyramide der Excel-Arbeit (4 P)
a) 2 P. Nennen Sie die vier Stufen und geben Sie je Stufe ihr Kennzeichen an.
b) 2 P. Ordnen Sie jeder Stufe ihren typischen Erfolgsbeitrag und ihre Fremdwahrnehmung zu.
a) 2 P. – Die vier Stufen und ihre Kennzeichen
Auf der ersten Stufe stehen die Amateure, die laienhaft arbeiten und gering qualifiziert sind: Ihre Arbeit ist undiszipliniert, intransparent und unflexibel, und sie sind von der Aufgabe regelmäßig überfordert. Auf der zweiten Stufe stehen die Gesellen, also die Qualifizierten, denen Theorie und Praxis — Werkzeuge und Fertigkeiten — ebenso bekannt sind wie das eigene Unternehmen. ⟨1⟩
Auf der dritten Stufe stehen die Professionellen: Rohleder beschreibt sie über die beginnende Professionalität und macht die eingehaltenen Standards zu ihrem Kennzeichen — hier funktioniert die Teamarbeit, und die Effizienz steigt unter anderem durch konsequente Automation. Auf der vierten Stufe stehen die Meister, die souverän und prüfungssicher arbeiten; ihre Ergebnisse sind transparent, flexibel und skalierbar sowie schnell verfügbar. ⟨2⟩
b) 2 P. – Erfolgsbeitrag und Fremdwahrnehmung
Der Amateur leistet keinen Beitrag zum Unternehmenserfolg: Er ist bei Anfragen hilflos, und seine Zahlen sind weder belastbar noch reproduzierbar. Entsprechend wird er als „lästig" und, im nautischen Bild der Folie, als „Pier-Besucher" wahrgenommen — er steht am Kai und fährt nicht mit. Der Geselle liefert solides Handwerk und nützliche Auswertungen, allerdings nur bei präzisen Anfragen, mit großem Aufwand, langen Bearbeitungszeiten und einer Ad-hoc-Arbeitsweise; er gilt als „Zahlenknecht" beziehungsweise „Matrose". ⟨3⟩
Auf der dritten Stufe, bei den Professionellen, wird die Professionalität als Erfolgsbeitrag sichtbar: Es kommen qualifizierte Rückfragen, alternative Auswertungen werden von sich aus angeboten, und statt des wörtlich Bestellten wird das eigentlich Gemeinte geliefert — die Fremdwahrnehmung wechselt vom Ausführenden zum „Mitdenker" beziehungsweise „Maschinisten". Der Meister schließlich schlägt Auswertungen und Kennzahlen selbst vor, gestaltet das Steuerungs- und Kontrollsystem des Unternehmens und verfolgt Initiativen nach; er wird als „aktiver Treiber" und „Steuermann" wahrgenommen. ⟨4⟩
⟨+1⟩ Auf derselben Folie steht als Problem der Hey-Joe-Effekt: Mitarbeiter mit einem Excel-Problem umgehen den offiziellen Support und wenden sich direkt an den Kollegen, der als Excel-Könner gilt — die ausführliche Fassung dieses Themas steht in grundlagen-features.md §10. Aus der Tabelle lässt sich ableiten, dass davon vor allem die mittleren Stufen betroffen sind: Sie können genug, um gefragt zu werden, und noch nicht genug, um die Anfrage in eine dauerhafte Lösung zu verwandeln.
⟨+2⟩ Die Stufen sind als Entwicklungsachse über die Zeit gezeichnet und nicht als Charakterurteil. Der praktische Nutzen liegt in der Selbsteinordnung: Die Symptome der eigenen Stufe — etwa „großer Aufwand, lange Bearbeitungszeiten" — benennen zugleich, woran als Nächstes zu arbeiten ist, nämlich an der konsequenten Automation und an den Standards.
Rohleders Erwartung: Er will die vier Stufen über ihre Symptome erkannt sehen und nicht als bloße Etiketten, und er legt besonderen Wert auf die Spalte „Fremdwahrnehmung": Wie andere die eigene Arbeit einschätzen, ist bei ihm eine harte Größe und keine Befindlichkeit. Die Brücke zum Hey-Joe-Effekt ist erwünscht, weil beides auf derselben Folie steht.
Hinweis zur Quelle: Der Spaltenkopf der dritten Stufe ist auf dem gescannten Foliensatz nicht lesbar. Die Bezeichnung „Professionelle" ist deshalb aus Rohleders eigenem Folientext derselben Spalte abgeleitet („Beginnende Professionalität"), nicht geraten. Erhalten ist im Scan außerdem, dass der Klammerzusatz der Stufe — wie bei den Gesellen — auf „-iert“ endet; nur der Name selbst fehlt. In der Klausur trägt ohnehin das Kennzeichen und nicht das Etikett: Wer „eingehaltene Standards, funktionierende Teamarbeit, Effizienz durch konsequente Automation, qualifizierte Rückfragen, ‚Mitdenker'/‚Maschinist'" schreibt, hat die Stufe erkennbar getroffen, egal wie der Kopf der Spalte lautet.
9. Simulation von Erfolgsgrößen und das „Vorrechnen" (5 P)
a) 3 P. Erläutern Sie den Aufbau einer einfachen Simulation von Erfolgsgrößen und begründen Sie ihren Nutzwert.
b) 2 P. Erläutern Sie, was Rohleder unter „Vorrechnen" versteht und wozu es dient.
a) 3 P. – Aufbau und Nutzwert der Simulation
Mit fünf Zahlen lässt sich ein einfaches Modell für ein Basisjahr aufbauen: Input und Output jeweils als Menge und als Wert — also vier Zahlen — sowie ein Ziel als fünfte. Aus Menge mal Preis auf der Inputseite entsteht der Aufwand, aus Menge mal Preis auf der Outputseite der Ertrag, und aus diesen beiden Größen und dem Ziel lassen sich sämtliche Erfolgsgrößen ableiten: die Produktivität als Mengenverhältnis, die Effizienz als Wertverhältnis, die Effektivität als Zielerreichungsgrad und der Gewinn als Differenz. ⟨1⟩
Über fünf Schaltflächen oder per Direkteingabe werden dann die Veränderungen für das Folgejahr simuliert, sodass sich die Kennzahlen für beide Jahre und vor allem ihre Veränderung unmittelbar ablesen lassen. Der didaktische Wert liegt in dieser Ablesbarkeit: Man sieht am Beispiel, dass eine Maßnahme die Effizienz verbessern und die Effektivität zugleich verschlechtern kann, und dass Produktivität und Effizienz verschiedene Größen sind, weil die eine auf Mengen und die andere auf Werte reagiert. ⟨2⟩
Der eigentliche Nutzwert ist jedoch kein rechnerischer, sondern ein kommunikativer: Wenn alle Beteiligten die Modellergebnisse im Grundsatz akzeptieren, sind damit die zugrunde liegenden Definitionen verbindlich vereinbart und zugleich am Beispiel illustriert. Missverständnissen durch Unkenntnis oder durch individuellen sprachlich-inhaltlichen Gestaltungswillen wird auf diese Weise vorgebeugt — der Streit aus dem Sachverhalt, ob eine Maßnahme „effizienter" oder „effektiver" macht, lässt sich nicht durch Diskussion beilegen; er endet, wenn alle auf dieselben fünf Zahlen schauen. ⟨3⟩
b) 2 P. – Das „Vorrechnen"
Vorrechnen heißt, einen Beispielwert in Einzelschritten und ohne die finanzmathematischen Excel-Funktionen elementar zu ermitteln — also einen Barwert Zahlung für Zahlung abzuzinsen und die Zwischenergebnisse nebeneinander stehen zu lassen, statt sich auf XKAPITALWERT() oder NBW() zu verlassen. Der Aufbau folgt der Kette Eingabe, Schritt 1, Schritte 1 bis n, Schritt n, Ergebnis, und der Vergleich mit dem Ergebnis der Tabellenblattfunktion ist die eigentliche Probe. ⟨4⟩
Es dient zwei Zwecken zugleich: Es plausibilisiert die eigenen Ergebnisse, und es macht Dritten die Konsequenzen der gewählten Methode transparent — denn Zwischenschritte schaffen Ergebnissicherheit und Transparenz, während eine einzige verschachtelte Formel wie im Sachverhalt nur geglaubt, aber nicht geprüft werden kann. Der Grund ist dabei nicht Misstrauen gegenüber Microsoft, sondern die Erfahrung, dass in den finanzmathematischen Funktionen Prämissen stecken, die man nicht selbst gewählt hat: XKAPITALWERT() diskontiert laut Funktionsbeschreibung ausgehend von einem 365-Tage-Jahr, während die kaufmännische Tradition mit 360 Zinstagen rechnet — Rohleders Kommentar dazu, dass sich diese Festlegung „fort[schreibt] in alle finanzmathematischen Funktionen". Wer nicht vollständig verstanden hat, was eine Tabellenblattfunktion intern tut, rechnet den Beispielwert deshalb lieber einmal selbst nach. Sein Merksatz dazu steht wörtlich in der Übungsanweisung zum Financial Modeling (Skript S. 125): „Glauben Sie keine Ergebnisse, die Sie nicht durch elementare Ermittlung überprüft haben" — und er belässt es nicht bei der Mahnung, er macht sie zur Aufgabe, indem er die Barwerte einer Zahlungsreihe plausibilisieren lässt, bevor mit ihnen weitergearbeitet wird. ⟨5⟩
⟨+1⟩ Das Vorrechnen ist die praktische Gegenprobe zu seiner Kritik an der Monsterformel und zugleich die Rechtfertigung für ein eigenes Analyse-Blatt: Die Zwischenschritte brauchen Platz, und dieser Platz ist auf dem Schnittstellen-Blatt fehl am Platz, auf dem Analyse-Blatt aber vorgesehen.
⟨+2⟩ Dieselbe Folie enthält zwei weitere Übungsaufträge, die den Stil erklären: die Auswertungen so zu ändern, dass anstelle des EBIT der Cash Flow ermittelt wird, und den Buchwert mit XVERWEIS() statt mit INDEX(VERGLEICH()) zu bestimmen. Beides sind Zeitraum- und Zeitpunktgrößen — die Übung wiederholt also zugleich die drei Geldgrößen.
Rohleders Erwartung: Bei a) reicht die Beschreibung des Modells nicht — er fragt nach dem Nutzwert, und der liegt in der verbindlichen Vereinbarung der Definitionen, nicht in der Rechnung. Bei b) will er den Doppelzweck hören: eigene Absicherung und Transparenz gegenüber Dritten. Ein bloßes „zur Kontrolle" übersieht die zweite Hälfte.