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Sicherheit Formate

QUBA — Quantitative Business Analysen · Prof. Rohleder · Excel-Konzept-Fach

QUBA – Sicherheit & Formate: Trust Center, Zahlenformate, Strukturierte Verweise

Status: GEPRÜFT (Prof-Gate, Nachprüfung 01.08.2026 — 7× FREIGEGEBEN). Sieben gelöste Aufgaben (42 P) aus dem Voll-Abdeckungs-Sweep.

Sieben gelöste Aufgaben zu den Lücken L17, L18, L9 sowie zu vier Themen der Priorität 3 (L35, L30, L27, L29) aus der Abdeckungs-Matrix (Voll-Abdeckungs-Sweep 01.08.2026). Gesamtumfang 42 Punkte.

Faktenbasis: official/_ocr/QUBA-folienskript.txt (Folien 3–4, 7–8, 12–17, 29–32, 58, 72–77) und die Vorlesungsmitschriften des laufenden Semesters (vorlesungen/26er-aktuell/), namentlich U03, U04, U05, U06, U07 und U14.

Punktgewichte gegenüber der Coverage-Matrix verschoben — die Gesamtsumme bleibt gleich, zwei Einzelgewichte nicht: L35 ist hier mit 5 statt 4 Punkten angesetzt, weil die Makroblockade als eigener Aufgabenteil dazukommt; L29 mit 5 statt 6, weil die Compliance-Frage ohne die dort mitgedachte Marktübersicht auskommt.

Bewusst nicht wiederholt — diese Punkte sind an anderer Stelle bereits gelöst und werden hier nur als Anschluss zitiert:

  • ZIP-Trick und Blattschutz-Aushebelung → sicherheit.md, „Blattschutz als Scheinschutz" (10 P.)
  • Vertrauenswürdige Speicherorte als Kompromiss → grundlagen-features.md, VBA-Aufgabe, Bonusblock
  • Vorlagenfamilie Mappe.xltx / Tabelle.xltx und XLSTART → grundlagen-features.md, „Drei Vorlagen-Arten" (6 P.)
  • XLSX-als-ZIP gegen XLSB → grundlagen-features.md, „XLSX gegen XLSB"
  • Das Tausenderformat #.##0. und die Summendifferenz zwischen Anzeigerundung und RUNDEN()excel-funktionen.md, „Runden auf Zehnerpotenzen" (12 P.)
  • Begriff und drei Vorteile strukturierter Verweise → original-altmeister.md, Klausur 2025 (10 P.)
  • Die Ausgabe der Verbundform [[#Kopfzeilen];[Name]:[Preis]] und die zugehörige Bestandteile-Tabelle → original-altmeister.md, Klausur 2025, Teilaufgabe c) (2 P.). Dort wird das Semikolon als Trenner der beiden Selektorteile gelesen, hier als Vereinigungsoperator; beide Lesarten sind richtig und beschreiben dieselbe Syntax aus zwei Blickwinkeln.

1. Makrosicherheit im Trust Center und die BSI-Konfigurationsempfehlungen (8 P)

Aufgabe #119 · 8 P. · Makroeinstellungen, Mark of the Web und der BSI-ZielkonfliktEin Sachbearbeiter erhält per E-Mail eine Arbeitsmappe eines langjährigen Lieferanten, die eine Auswertung per Makro erzeugen soll. Beim Öffnen erscheint zuerst ein gelber Balken der geschützten Ansicht, nach dem Klick auf „Bearbeitung aktivieren" ein roter Balken mit dem Text „Microsoft hat die Ausführung von Makros blockiert, da die Quelle dieser Datei nicht vertrauenswürdig ist". Eine Schaltfläche zum Aktivieren bietet der rote Balken nicht an. Der Sachbearbeiter wendet sich an die IT.
a) (2 P.) Nennen Sie den Menüpfad zu den Makroeinstellungen, die vier dort wählbaren Stufen und die Stufe, auf der Excel im Standard steht.
b) (2 P.) Erläutern Sie, weshalb der rote Balken erscheint und auf welchem Weg sich die Datei freigeben ließe.
c) (4 P.) Nehmen Sie Stellung zu den Konfigurationsempfehlungen des BSI und erläutern Sie den Zielkonflikt zwischen Sicherheit und Funktionalität an zwei Beispielen.

a) 2 P. – Pfad, Stufen und Standard

Die Makroeinstellungen liegen unter Datei ▸ Optionen ▸ Trust Center ▸ Einstellungen für das Trust Center ▸ Makroeinstellungen. Ältere Oberflächen und Folie 12 nennen dasselbe Register „Sicherheitscenter"; beide Bezeichnungen meinen denselben Dialog. Rohleder hat diesen Pfad in U04 ausdrücklich zum Auswendiglernen empfohlen, weil man ihn zweimal braucht, nämlich vor und nach der Ausführung eines fremden Makros. ⟨1⟩ Wählbar sind vier Stufen: das Deaktivieren von VBA-Makros ohne Benachrichtigung, das Deaktivieren mit Benachrichtigung, das Deaktivieren mit Ausnahme digital signierter Makros und das Aktivieren von VBA-Makros. Die letzte Stufe versieht Microsoft selbst mit dem Zusatz „nicht empfohlen, da potenziell gefährlicher Code ausgeführt werden kann". Im Standard steht Excel auf der zweiten Stufe, dem Deaktivieren mit Benachrichtigung, und Rohleders Kommentar dazu lautet knapp „Das ist auch gut so." Wer in U04 mitgeschrieben hat, findet dort die Formulierung „Das sind drei Optionen" — gemeint sind die drei Stufen unterhalb der pauschalen Aktivierung; der Dialog auf Folie 30 zeigt vier, und vier ist die klausurfeste Antwort. ⟨2⟩

b) 2 P. – Herkunftskennzeichnung und Freigabeweg

Eine Datei, die über das Internet oder als E-Mail-Anhang auf den Rechner gelangt, erhält vom Betriebssystem eine Herkunftskennzeichnung, das sogenannte Mark of the Web, und Excel behandelt jede so gekennzeichnete Mappe als nicht vertrauenswürdige Quelle: Es öffnet sie zunächst in der geschützten Ansicht und blockiert ihre VBA-Makros anschließend unabhängig davon, welche Stufe im Trust Center eingestellt ist. ⟨3⟩ Der rote Balken bietet deshalb bewusst keine Aktivieren-Schaltfläche mehr an, weil die frühere gelbe Meldung mit Aktivieren-Knopf genau der Weg war, über den Makroviren wie Emotet ihre Opfer fanden. Freigeben lässt sich die Datei auf zwei Wegen. Der erste führt aus Excel heraus: Man klickt sie im Explorer mit der rechten Maustaste an, geht unter Eigenschaften ▸ Allgemein zum Abschnitt „Sicherheit" mit der Zeile „Die Datei stammt von einem anderen Computer" und setzt den Haken bei „Zulassen". Damit ist die Herkunftskennzeichnung entfernt, die Datei fällt aber lediglich zurück unter die normale Trust-Center-Stufe — Rohleder führt in U04 genau diesen Zweischritt vor und sagt nach dem Haken ausdrücklich „Aber Sie können die Makros immer noch nicht ausführen", bevor er den Pfad zu den Makroeinstellungen öffnet. Der zweite Weg vermeidet die Einzelfreigabe ganz, denn eine Mappe an einem vertrauenswürdigen Speicherort wird trotz Herkunftskennzeichnung nicht blockiert. Beides ist eine bewusste Hürde, die eine eigene Entscheidung des Anwenders erzwingt, statt sie in einen Reflexklick zu verwandeln. ⟨4⟩

c) 4 P. – Stellungnahme zu den BSI-Empfehlungen

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik veröffentlicht mit „Sichere Konfiguration von Microsoft Excel für den Einsatz auf dem Betriebssystem Microsoft Windows" (BSI-CS 136) eine Empfehlung, die den Zielkonflikt selbst offen benennt: „Bei vielen Anwendungsprodukten ist die Konfiguration häufig ein Kompromiss aus Sicherheit und Funktionalität. Je mehr die Sicherheit in den Fokus gerückt wird, desto mehr wird die Anwendungsfunktionalität damit eingeschränkt." (S. 1) Rohleder hält die Empfehlungen für in Teilen realitätsfremd und überschreibt seine Folie mit der Feststellung, der Produktivitätsverlust einer vollständigen Umsetzung würde Milliarden kosten. ⟨5⟩ Diese Kritik ist begründet, aber nicht als Freibrief zu lesen: Das BSI beschreibt einen Sollzustand, den ein Unternehmen risikoorientiert auf seine Verhältnisse herunterbrechen muss, und die eigentliche Aufgabe der Führung besteht darin, diesen Abwägungsschritt bewusst und dokumentiert zu treffen, statt ihn stillschweigend dem einzelnen Anwender an der Meldungsleiste zu überlassen. ⟨6⟩

Das erste Beispiel für den Zielkonflikt ist die Makroausführung selbst. Wird sie ohne Benachrichtigung deaktiviert, fällt die gesamte VBA-gestützte Automatisierung weg, also sowohl die Aufzeichnung wiederkehrender Arbeitsschritte als auch benutzerdefinierte Funktionen und die Steuerung von Schnittstellen; Routinearbeit fällt damit auf Handbetrieb zurück, und die Fehlerquote steigt genau dort, wo die Automatisierung sie senken sollte. Der tragfähige Kompromiss besteht darin, Makros grundsätzlich deaktiviert zu lassen und Ausnahmen nur über digital signierte Makros und über vertrauenswürdige Speicherorte auf definierten Netzlaufwerken zuzulassen, sodass Vertrauen an einen prüfbaren Herausgeber oder einen kontrollierten Ort gebunden ist und nicht an eine Klickentscheidung im Moment des Öffnens. ⟨7⟩

Das zweite Beispiel ist die Behandlung externer Inhalte und Datenverbindungen. Wer Verknüpfungen, Datenverbindungen und Power-Query-Aktualisierungen konsequent sperrt, nimmt dem Unternehmen die dynamische Datenversorgung seiner Auswertungen und zwingt es zurück zum manuellen Export, mit allen Folgen für Aktualität und Datenqualität; wer sie pauschal zulässt, öffnet einen Nachladeweg, der ohne jedes Makro auskommt. Hier zeigt sich zugleich die Grenze der Rechnung, mit der die niedrige Makrosicherheit gern verteidigt wird. Zwei Sekunden je Meldung, achtzehn Arbeitsmappen am Tag und zweihundert Arbeitstage ergeben rechnerisch genau zwei Arbeitsstunden pro Person und Jahr. Der Sicherheitsnutzen des routinemäßigen Wegklickens von Warnmeldungen ist jedoch erwiesenermaßen nahe null, wie Microsoft im Kontext der Windows-7-Entwicklung untersucht hat. Die zwei Stunden erkaufen also keine Sicherheit, sondern bezahlen einen Reflex — und genau deshalb hat Microsoft die Entscheidung aus der Meldungsleiste in die Dateieigenschaften verlagert. ⟨8⟩

Über die geforderten Punkte hinaus

⟨+1⟩ Die weiteren Register des Trust Centers gehören zum Gesamtbild und werden in Klausuren gern als Ergänzung honoriert: Vertrauenswürdige Herausgeber, Vertrauenswürdige Speicherorte, Vertrauenswürdige Dokumente, Kataloge vertrauenswürdiger Add-Ins, Add-Ins, ActiveX-Einstellungen, Geschützte Ansicht, Meldungsleiste, Externer Inhalt und Zugriffsschutzeinstellungen. Wer den Aufbau kennt, erkennt auch, dass die Makrofrage nur eine von elf Stellschrauben dieser Liste ist — aktuelle Excel-Versionen ergänzen sie noch um Datenschutzoptionen und formularbasierte Anmeldung.

⟨+2⟩ Unterhalb der vier Stufen sitzt ein leicht zu übersehendes Kontrollkästchen mit der Beschriftung „Excel 4.0-Makros aktivieren, wenn VBA-Makros aktiviert sind". Excel-4.0-Makros sind ein eigener, weit älterer Makromechanismus, der als Angriffsweg wiederentdeckt wurde; wer VBA-Makros zulässt, sollte diesen Haken auf keinen Fall zusätzlich setzen.

⟨+3⟩ Der Haken „Zugriff auf das VBA-Projektobjektmodell vertrauen" unter den Entwicklereinstellungen erlaubt es Code, weiteren Code zu schreiben und zu verändern. Er gehört zu den wenigen Einstellungen, bei denen die BSI-Linie ohne Abstriche gilt, weil sein Produktivitätsnutzen auf eine sehr kleine Gruppe von Entwicklern beschränkt ist.

⟨+4⟩ Rohleder verortet das eigentliche Problem ausdrücklich außerhalb von Excel: Dass Misstrauen gegenüber Makros in Arbeitsmappen bekannter Absender überhaupt nötig ist, weist nach seiner Formulierung auf ein möglicherweise tiefgreifendes kulturelles Problem hin und ist damit kein Excel-Thema. Die Empfehlung des LKA Niedersachsen, im Zweifel telefonisch beim Absender nachzufragen, ist genau diese kulturelle Antwort — sie kostet eine Minute und gehört zu den wenigen Maßnahmen, die auch dann noch greifen, wenn das Absenderkonto selbst kompromittiert ist.

⟨+5⟩ Die Bedrohungslage stützt die Härte der Voreinstellung. Nach einer von Rohleder zitierten Kaspersky-Untersuchung zielten 2018 rund siebzig Prozent aller Angriffe auf Sicherheitslücken in Office, gegenüber sechzehn Prozent im Jahr 2016; die dabei am häufigsten genutzten Schwachstellen lagen nicht in Excel selbst, sondern im Formeleditor von Office und funktionierten in jeder Word-Version der vergangenen siebzehn Jahre. Diese Angriffe brauchen kein einziges Makro.

Rohleders Erwartung: Er will die Stellungnahme, nicht die Nacherzählung. Wer die BSI-Empfehlungen nur referiert, bleibt unter der Hälfte der Punkte; wer sie nur als realitätsfremd abtut, ebenfalls. Erwartet ist die Zweiseitigkeit — Empfehlung als Sollzustand anerkennen, Produktivitätskosten beziffern, und den Kompromiss benennen, der beides trägt (signierte Makros, vertrauenswürdige Speicherorte). Die Zahlenkette 200 × 18 × 2 Sekunden = 2 Stunden pro Person und Jahr ist seine eigene und sollte in der Antwort auftauchen, ebenso wie die Gegenrechnung, dass der Nutzen des Wegklickens nahe null liegt.


2. Benutzerdefinierte Zahlenformate, „Genauigkeit wie angezeigt" und das Gleitkommaproblem (8 P)

Aufgabe #120 · 8 P. · Vier Abschnitte, drei Platzhalter und die Mischform-FrageIn einer Konzernberichtsvorlage sollen negative Werte rot und in Klammern erscheinen, Nullwerte als Gedankenstrich, Postleitzahlen fünfstellig mit führender Null und Arbeitszeitsummen über die Vierundzwanzig-Stunden-Grenze hinaus. Ein Kollege schlägt vor, zusätzlich die Option „Genauigkeit wie angezeigt festlegen" zu aktivieren, „damit die Summen endlich stimmen".
a) (3 P.) Erläutern Sie den vierteiligen Aufbau eines benutzerdefinierten Zahlenformats und die Wirkung der Platzhalter 0, # und ?.
b) (3 P.) Geben Sie drei benutzerdefinierte Formate mit ihrer jeweiligen Wirkung an und grenzen Sie das Zellformat gegen die Tabellenblattfunktion TEXT() ab.
c) (2 P.) Nehmen Sie zu dem Vorschlag Stellung und erläutern Sie die Ursache der Abweichungen, die er beheben soll.

a) 3 P. – Aufbau und Platzhalter

Ein benutzerdefiniertes Zahlenformat besteht aus bis zu vier durch Semikolon getrennten Abschnitten in der festen Reihenfolge Positiv, Negativ, Null und Text, aufrufbar über Zellen formatieren ▸ Zahlen ▸ Benutzerdefiniert, am schnellsten über die Tastenkombination Strg + 1. ⟨1⟩ Gibt man nur einen Abschnitt an, gilt er für alle Zahlen; bei zwei Abschnitten deckt der erste die positiven Werte und die Null ab und der zweite die negativen. Im Textabschnitt steht das Zeichen @ stellvertretend für den eingegebenen Text, und jedem Abschnitt lässt sich in eckigen Klammern ein Farbcode wie [Rot] oder [Blau] voranstellen. Das Format #.##0,00 €;[Rot](#.##0,00 €);"–";@ regelt damit alle vier Fälle in einer einzigen Zeichenfolge. ⟨2⟩ Die drei Ziffernplatzhalter unterscheiden sich in ihrem Umgang mit bedeutungslosen Nullen. Der Platzhalter 0 zeigt sie an, wenn eine Zahl weniger Ziffern besitzt als Nullen im Format vorhanden sind, sodass aus 8,9 mit dem Format 0,00 die Anzeige 8,90 wird. Der Platzhalter # folgt derselben Regel, zeigt die zusätzlichen Nullen aber nicht an, sodass 8,9 unverändert 8,9 bleibt. Der Platzhalter ? fügt an ihrer Stelle auf beiden Seiten des Dezimalzeichens ein Leerzeichen ein, damit die Dezimalstellen einer Spalte trotz unterschiedlicher Stellenzahl senkrecht untereinander stehen. ⟨3⟩

b) 3 P. – Drei Formate und die Abgrenzung zu TEXT()

Das Format 00000 erzwingt führende Nullen und ist damit die richtige Antwort auf die deutsche Postleitzahl, weshalb aus der Dresdner Postleitzahl 01067 ohne dieses Format die Zahl 1067 würde. ⟨4⟩ Das Format [h]:mm addiert Stunden über die Vierundzwanzig-Stunden-Grenze hinaus, weil die eckigen Klammern Excel anweisen, die Stunden nicht auf den Tagesrest zurückzurechnen; ohne sie ergibt 12:00 plus 13:00 die Anzeige 1:00 statt 25:00. Das Format ;;; besteht ausschließlich aus den drei Trennsemikola und lässt damit alle vier Abschnitte leer, sodass Zahlen und Text unsichtbar werden; die verkürzte Variante ;; blendet nur die Zahlen aus und lässt Text stehen. ⟨5⟩ Die Tabellenblattfunktion TEXT() ist die Formel-Schwester derselben Formatcodes: =TEXT(Wert;"Format") wendet exakt dieselbe Formatzeichenfolge an, liefert aber ein Textergebnis statt einer formatierten Zahl, was immer dann gebraucht wird, wenn ein Wert in eine Verkettung eingehen soll, weil die Verkettung das Zellformat nicht mitnimmt — ="Stand "&TEXT(HEUTE();"TT.MM.JJJJ") liefert die lesbare Zeile, ="Stand "&HEUTE() dagegen die nackte Tageszahl. Der entscheidende Unterschied für die Modellierung ist, dass das Zellformat nur die Anzeige verändert und den Zellwert als Zahl belässt, während TEXT() einen echten Text erzeugt, mit dem sich nicht mehr rechnen lässt. ⟨6⟩

c) 2 P. – Stellungnahme zu „Genauigkeit wie angezeigt"

Der Vorschlag ist nicht falsch, aber falsch begründet. Die Option unter Datei ▸ Optionen ▸ Erweitert gilt je Arbeitsmappe und ist nach Rohleders Systematik die dritte Variante neben der Anzeigerundung über das Zellformat und der rechnerischen Rundung über RUNDEN(). Sein Wort dafür ist Mischform: Sie rundet die gespeicherten Werte auf die Stellenzahl, die das jeweilige Zellformat gerade anzeigt. Auf Folie 32 empfiehlt er sie sogar ausdrücklich als das bessere der beiden Mittel gegen Rundungsfehler, und zwar mit genau einer Bedingung — erst alle Zellen wie gewünscht formatieren, dann schalten. ⟨7⟩ Ein Freibrief ist das nicht: Aus einer Formatierungsentscheidung wird eine Wertänderung, das Zurückstellen der Option holt die verlorenen Nachkommastellen nicht zurück, und Rohleder setzt selbst hinzu, dass auch die reduzierte Genauigkeit kumulativ zu Fehlern führen kann. In der Praxis ist die Option daher nur nach vollständiger Formatierung und mit vorheriger Sicherungskopie zu vertreten — und keinesfalls mit der Begründung des Kollegen, dass damit „die Summen endlich stimmen". Denn die Abweichungen, die er beheben will, haben eine andere Ursache: Excel speichert Zahlen binär nach der IEEE-Norm 754 und führt sie mit fünfzehn signifikanten Stellen; das Skript formuliert das verkürzt als „15 Dezimalstellen genau", gemeint sind signifikante Stellen und nicht Nachkommastellen. Weil sich Dezimalbrüche im Binärsystem nicht endlich darstellen lassen, kann es nach der Formulierung des Skripts „bei vielen Kombinationen arithmetischer Operationen mit Gleitkommazahlen zu Ergebnissen mit einer sehr geringen Abweichung vom korrekten Ergebnis kommen". Das für Excel dokumentierte Musterbeispiel ist =(43,1-43,2)+1, das nicht 0,9 liefert, sondern 0,899999999999999. Die Abhilfe setzt deshalb am Wert an und nicht an der Anzeige: entweder RUNDEN() auf alle Zwischenergebnisse und nicht nur auf das Endergebnis, weil eine ungerundete Zwischenstufe den Fehler sonst weiterträgt — oder eben, nach vollständiger Formatierung, die Option „Genauigkeit wie angezeigt". ⟨8⟩

Über die geforderten Punkte hinaus

⟨+1⟩ Der vollständige Formatkatalog der Folie umfasst neben den drei genannten noch drei weitere Einträge. #.##0. zeigt in Tausendern an, wobei jeder auf einen Ziffernplatzhalter folgende Punkt die Anzeige um eine weitere Tausenderstufe verschiebt, sodass #.##0.. Millionen liefert. 0,0?? richtet am Dezimalkomma aus, mit mindestens einer und höchstens drei Nachkommastellen; weitere Nachkommastellen werden gerundet. Bei TTT* TT.MM.JJJJ wiederholt der Stern das nachfolgende Zeichen zum Auffüllen und setzt dadurch den Wochentag linksbündig und das Datum rechtsbündig.

⟨+2⟩ Das Format ;;; hat eine dunkle Seite, die Rohleder in U06 ausdrücklich als schmutzigen Trick vorführt. Anders als weiß eingefärbter Text bleibt ein so ausgeblendeter Inhalt auch dann unsichtbar, wenn man das Blatt markiert und die automatische Schriftfarbe wiederherstellt; sichtbar wird er erst nach dem Löschen der Zellformatierung. Sein Urteil ist unmissverständlich: „Lassen Sie die Finger davon, arbeiten Sie transparent."

⟨+3⟩ Excel hält für einige Sonderfälle fertige Formate bereit, die man nicht selbst schreiben muss: Unter Zellen formatieren ▸ Sonderformat stehen Postleitzahl mit Länderauswahl, Sozialversicherungsnummer und ISBN zur Verfügung. Wer dort nachsieht, was Excel intern daraus macht, findet im Feld Benutzerdefiniert genau die Formatzeichenfolge und lernt sie damit am schnellsten.

⟨+4⟩ Für den mündlichen Nachsatz eignet sich der Anschluss an die Runden-Challenge: Dort ergeben die per Zellformat gerundeten Spalten alle dieselbe Summe, weil nur die Anzeige verändert wurde, während die per RUNDEN() gerundeten Spalten voneinander abweichende Summen liefern. „Genauigkeit wie angezeigt" ist genau der Schalter, der die erste Gruppe nachträglich in die zweite verwandelt — und das erklärt in einem Satz, warum die Option nur nach sauberem Formatieren geschaltet werden darf: Vorher verwandelt sie gespeicherte Präzision unwiderbringlich in Anzeigewerte.

Rohleders Erwartung: Die Trennung zwischen dem, was Excel anzeigt, und dem, was in der Zelle steht, zieht sich durch U03. Bei c) will er die Einordnung als dritte Variante neben Zellformat und RUNDEN() — das Wort, das auf seiner Folie steht, ist „Mischform" — plus die Bedingung, die er selbst nennt: erst alle Zellen formatieren, dann schalten, und im Bewusstsein, dass auch die reduzierte Genauigkeit kumulativ zu Fehlern führen kann. Wer die Option pauschal als verboten abtut, verfehlt seine Linie ebenso wie wer sie ohne Bedingung empfiehlt. Bei b) will er echte Formatzeichenfolgen sehen, keine Beschreibungen — auf Papier notiert man [h]:mm, nicht „Format für Stunden über 24".


3. Strukturierte Verweise: Bezeichner, Bezugsoperatoren, Qualifizierung und Syntaxregeln (8 P)

Aufgabe #121 · 8 P. · Die vollständige Syntax strukturierter VerweiseEine Tabelle mit dem Namen AbtVerkZahlen enthält unter anderem die Spalten VertrMA, Region, Betrag, KommProzent und KommBetrag sowie eine eingeblendete Ergebniszeile. In der berechneten Spalte KommBetrag steht die Formel =[@Betrag]*[@KommProzent]. Rechts daneben soll eine Auswertung entstehen, die den Kommissionsbetrag mit mehreren Sätzen durchrechnet; die dafür nach rechts auszufüllende Formel greift auf die Spalte KommBetrag zu, deren Bezug dabei nicht mitwandern darf.
a) (2 P.) Nennen und erläutern Sie die fünf Bezeichner für besondere Elemente.
b) (2 P.) Erläutern Sie die drei Bezugsoperatoren strukturierter Verweise und geben Sie je ein Beispiel an.
c) (2 P.) Grenzen Sie den nicht qualifizierten gegen den vollständig qualifizierten strukturierten Verweis ab und geben Sie an, wann welcher zu verwenden ist.
d) (2 P.) Erläutern Sie zwei Strategien, mit denen sich eine Spalte beim Ausfüllen nach rechts festsetzen lässt.

a) 2 P. – Die fünf Bezeichner für besondere Elemente

Der Bezeichner [#Alle] verweist auf die gesamte Tabelle einschließlich Spaltenüberschriften, Daten und Ergebniszeile, sofern diese vorhanden ist. [#Daten] grenzt den Verweis auf den reinen Datenbereich ein, [#Kopfzeilen] auf die Überschriftenzeile und [#Ergebnisse] auf die Ergebniszeile, wobei letzterer null zurückgibt, wenn die Ergebniszeile nicht eingeblendet ist. Verwendet werden diese Bezeichner in aller Regel gemeinsam mit einem Spaltenbezeichner, durch Semikolon getrennt und in ein äußeres Klammerpaar gesetzt: =AbtVerkZahlen[[#Alle];[Betrag]] liefert die Spalte Betrag einschließlich Überschrift und Ergebniszeile, =AbtVerkZahlen[[#Daten];[Betrag]] nur deren Datenteil. Die Ausgabe genau dieser Verbundform war 2025 Teilaufgabe c) der Originalklausur und ist in original-altmeister.md gelöst. ⟨1⟩ Der fünfte Bezeichner ist das Zeichen @, das auf den Teil der Spalten in der aktuellen Zeile verweist und damit ein implizites Schnittmengenverhalten erzwingt beziehungsweise überschreibt. [@Betrag] liefert also genau den Betrag derjenigen Zeile, in der die Formel steht. Als einziger lässt er sich nicht mit den anderen Bezeichnern für besondere Elemente kombinieren; das Skript nennt das als Regel ohne weitere Begründung. ⟨2⟩

b) 2 P. – Die drei Bezugsoperatoren

Der Doppelpunkt ist der Bereichsoperator und erfasst alle Zellen in zwei oder mehr angrenzenden Spalten, wobei die zusammengesetzte Angabe in ein zusätzliches äußeres Klammerpaar gehört: =AbtVerkZahlen[[VertrMA]:[Region]] liefert den zusammenhängenden Block von der Spalte VertrMA bis zur Spalte Region. Das Semikolon ist der Vereinigungsoperator und kombiniert zwei oder mehr Spalten, die nicht nebeneinanderliegen müssen. AbtVerkZahlen[Betrag];AbtVerkZahlen[KommBetrag] bezeichnet den aus beiden Spalten zusammengesetzten Bereich, auf der Folie D6:D11 zusammen mit F6:F11. Steht diese Vereinigung als Argument einer Funktion, braucht sie ein eigenes Klammerpaar, weil Excel das Semikolon dort sonst als Argumenttrennzeichen liest — also =SUMME((AbtVerkZahlen[Betrag];AbtVerkZahlen[KommBetrag])) mit doppelter Klammer. ⟨3⟩ Der dritte Operator ist das Leerzeichen als Schnittmengenoperator, das nur die Zellen zurückgibt, die zu beiden angegebenen Bereichen gehören. Der Verweis =AbtVerkZahlen[[VertrMA]:[Betrag]] AbtVerkZahlen[[Region]:[KommBetrag]] liefert damit den Überschneidungsbereich der beiden Spaltenblöcke, hier also Region bis Betrag. Weil das Leerzeichen visuell unauffällig ist, gehört dieser Operator zu den Bestandteilen, die man beim Lesen fremder Formeln leicht übersieht und deshalb kennen muss. ⟨4⟩

c) 2 P. – Qualifizierung

Ein nicht qualifizierter strukturierter Verweis nennt den Tabellennamen nicht und besteht nur aus dem Spaltenbezeichner, wie in =[@Betrag]*[@KommProzent]. Er multipliziert die entsprechenden Werte der aktuellen Zeile und funktioniert ausschließlich innerhalb derjenigen Tabelle, auf die er sich bezieht, weil Excel den Tabellennamen aus dem Standort der Formel ergänzt. ⟨5⟩ Ein vollständig qualifizierter Verweis stellt den Tabellennamen jedem Spaltenbezeichner voran, wie in =AbtVerkZahlen[@Betrag]*AbtVerkZahlen[@KommProzent]. Er ist damit von jedem Ort der Arbeitsmappe aus auswertbar, weil Tabellennamen mappenweit gelten und kein Blattpräfix brauchen. Daraus folgt die Anwendungsregel: Für die Berechnung von Spalten innerhalb einer Tabelle verwendet man den unqualifizierten, für den Zugriff auf Daten von außerhalb einer Tabelle den vollständig qualifizierten strukturierten Verweis. ⟨6⟩

d) 2 P. – Zwei Strategien für den absoluten Bezug

Die Spaltenbezeichnungen strukturierter Verweise sind von Haus aus relative Bezüge: Wird die Formel nach rechts oder links ausgefüllt, wandern die verwendeten Spalten wie eine Serie mit. In einer berechneten Spalte ist das erwünscht, in der geschilderten Aufgabe gerade nicht. Die erste Strategie besteht darin, für die festzusetzende Größe auf einen gemischten klassischen Bezug auszuweichen, also statt des strukturierten Verweises $F6 zu schreiben und damit die Spalte über das Dollarzeichen zu verankern, während die Zeile beweglich bleibt. ⟨7⟩ Die zweite und im Sinne strukturierter Verweise sauberere Strategie besteht darin, die festzusetzende Spalte als Bereich zu schreiben, indem man ihren Bezeichner verdoppelt und den Zeilenbezug mit dem @-Operator davorsetzt. Die Formel =[@KommProzent]*AbtVerkZahlen[@[KommBetrag]:[KommBetrag]] beschreibt in der aktuellen Zeile einen Bereich, dessen Anfang und Ende dieselbe Spalte sind; er kann beim Ausfüllen nicht mehr verrutschen, weil beide Grenzen ausdrücklich benannt sind. Ohne das @ verweist dieselbe Schreibweise auf die vollständige Datenspalte statt auf den Wert der Zeile. Zu beachten ist außerdem, dass zum Ausfüllen nach rechts das grüne Kästchen unten rechts an der Markierung zu verwenden ist und nicht Strg + C und Strg + V. Als dritte Möglichkeit bleibt, auf das Kopieren ganz zu verzichten und die Formel je Spalte über das AutoAusfüllen neu anzulegen. ⟨8⟩

Über die geforderten Punkte hinaus

⟨+1⟩ Die drei Syntaxregeln, die Microsoft in eigenen Abschnitten führt, runden die Antwort ab. Erstens müssen alle Bezeichner für Tabellen, Spalten und besondere Elemente in einander entsprechenden eckigen Klammern stehen, und ein Bezeichner, der andere Bezeichner enthält, braucht äußere Klammern um die inneren — daher die doppelten eckigen Klammern in =AbtVerkZahlen[[VertrMA]:[Region]].

⟨+2⟩ Zweitens erzwingen Sonderzeichen in einer Spaltenüberschrift ebenfalls doppelte Klammern. Das Skript listet dafür Leerzeichen, Tabulator, Zeilenvorschub und Wagenrücklauf auf, dazu Semikolon, Doppelpunkt, Punkt, eckige Klammern, Nummernzeichen, Hochkomma, Anführungszeichen, geschweifte Klammern, Dollarzeichen, Caretzeichen, Und-Zeichen, Sternchen, Plus, Gleichheitszeichen, Minus, Größer-als, Kleiner-als und Divisionszeichen. Die einzige Ausnahme ist das alleinstehende Leerzeichen, für das einfache Klammern genügen. Deshalb ist =DeptSales[Total Amount] zulässig, =DeptSalesFYSummary[[Total$Amount]] dagegen zwingend doppelt zu klammern.

⟨+3⟩ Drittens haben vier Zeichen eine besondere Bedeutung und erfordern ein vorangestelltes Hochkomma als Escapezeichen: die öffnende und die schließende eckige Klammer, das Nummernzeichen und das Hochkomma selbst. Eine Spalte mit der Überschrift #OfItems wird deshalb als =DeptSalesFYSummary['#OfItems] angesprochen, weil das Nummernzeichen sonst als Beginn eines Bezeichners für besondere Elemente gelesen würde.

⟨+4⟩ Das Kopier- und Auffüllverhalten folgt einer Tabelle, die man sich als Kreuz merken kann: Nach oben oder unten findet ohne Zusatztaste keine Anpassung der Spaltenbezeichner statt, mit Strg werden sie wie eine Serie angepasst; nach rechts oder links ist es genau umgekehrt, dort passt Excel ohne Zusatztaste an und lässt mit Strg unverändert. Hält man beim Ziehen die Umschalttaste, werden die aktuellen Zellwerte verschoben statt überschrieben und die Spaltenbezeichner eingefügt.

⟨+5⟩ Zwei Bedienhinweise sparen in der Praxis mehr Zeit als jede Syntaxkenntnis. Ist unter Excel-Optionen ▸ Formeln ▸ Arbeiten mit Formeln das Kontrollkästchen „Tabellennamen in Formeln verwenden" aktiviert, genügt das Markieren des gewünschten Tabellenbereichs, damit Excel den Bezug von selbst als strukturierten Verweis erfasst. Und die Formel-AutoVervollständigung greift auch hier: Rohleder tippt in U05, U06 und U07 durchgehend das Präfix tbl — in den Transkripten als „TBL" wiedergegeben, fünfzehnmal in U05 und siebenmal in U07 —, wählt die Tabelle mit der Tabulatortaste, öffnet die eckige Klammer und sucht die Spalte mit den Pfeiltasten, vollständig ohne Maus und ohne zum Quellblatt zu navigieren. Das Skript selbst benennt seine Beispieltabelle allerdings ohne Präfix als AbtVerkZahlen, und ein Klausur-Screenshot wird diesen Namen zeigen.

⟨+6⟩ Zur Vollständigkeit des Begriffsapparats gehören die fünf Bestandteile, die Microsoft benennt: der Tabellenname, der aus der Spaltenüberschrift abgeleitete Spaltenbezeichner, der Bezeichner für besondere Elemente, der Tabellenbezeichner als äußerer, in eckigen Klammern stehender Teil und schließlich der strukturierte Verweis als die gesamte Zeichenfolge vom Tabellennamen bis zum Ende des Tabellenbezeichners. Rohleder versieht diese Folie mit dem ausdrücklichen Hinweis, die Microsoft-Hilfe sei an dieser Stelle unvollständig übersetzt und daher fehlerhaft.

Rohleders Erwartung: Der Themenblock sprang 2025 von null auf zehn Punkte, und abgefragt wurden damals Begriff, Vorteile und [#Kopfzeilen]. Der naheliegende Nachfolger ist genau die Syntaxseite. Er erwartet die Schreibweise auf Papier, also AbtVerkZahlen[@[KommBetrag]:[KommBetrag]] mit dem @ und beiden Klammerebenen, nicht die Beschreibung „man verdoppelt die Spalte". Und er erwartet die Anwendungsregel zur Qualifizierung in einem Satz — innerhalb der Tabelle unqualifiziert, von außen vollständig qualifiziert.


4. Die Dateiformatfamilie XLTX, XLTM, XLAM und ODS und die Makroblockade (5 P)

Aufgabe #122 · 5 P. · Vorlagen, Add-Ins, OpenDocument — und warum das Binärformat nicht mehr rettetEin Fachbereich verteilt eine Berichtsmappe mit Makros an fünfzehn Kolleginnen und Kollegen. Weil die Mappe groß ist, hatte die IT sie zuvor von XLSM auf das Binärformat XLSB umgestellt; die Makros ließen sich nach dem Versand per E-Mail dennoch nicht ausführen.
a) (3 P.) Erläutern Sie die Dateiformate XLTX, XLTM, XLAM und ODS jeweils in einem Satz und nennen Sie die Systematik, nach der die Endungen gebildet sind.
b) (2 P.) Erläutern Sie, warum die Makros blockiert bleiben, und welchen Hinweis das Folienskript für Arbeitsmappen im Binärformat gibt.

a) 3 P. – Vier Formate und ihre Systematik

XLTX ist die Excel-Vorlage ohne Makros und dient als Schablone, aus der Excel beim Öffnen eine neue, noch unbenannte Arbeitsmappe erzeugt, statt die Vorlage selbst zu überschreiben; XLTM ist dieselbe Vorlage mit Makros, und wer eine Makro-Vorlage versehentlich als XLTX speichert, verliert den VBA-Code. ⟨1⟩ XLAM ist das Excel-Add-In-Format, mit dem sich eigene Funktionen und Werkzeuge dauerhaft in Excel einhängen lassen; das ältere XLA funktioniert weiterhin, allerdings werden dessen Menüs nur behelfsmäßig in die moderne Oberfläche umgesetzt. ODS ist das OpenDocument-Tabellenformat und dient laut Folienskript der verbesserten Kompatibilität zur Open-Source-Welt, etwa zu OpenOffice beziehungsweise LibreOffice Calc. Dieselben Alternativen ordnet Rohleder an anderer Stelle als leistungsschwach ein; das Bild vom Samurai-Schwert, das man gegen einen Holzlöffel eintauscht, stammt allerdings aus seiner Souveränitätsdiskussion in U06 und ist hier nur übertragen. ⟨2⟩ Die Endungen folgen einer lesbaren Systematik: Der Buchstabe X steht für das XML-basierte Office-Open-XML-Format, also einen ZIP-Container aus Einzelteilen, B für das kompakte Binärformat BIFF12, M für die Makrofähigkeit, T für Template und A für Add-In. Damit erschließen sich XLSX, XLSM, XLSB, XLTX und XLTM aus wenigen Regeln, mit XLAM als Ausreißer: Es ist trotz fehlendem X ebenfalls ein XML-Paket, weil das M hier auf das ältere XLA aufsetzt. ⟨3⟩

b) 2 P. – Warum die Blockade greift

Die Blockade hat nichts mit dem Dateiformat und nichts mit der Trust-Center-Stufe zu tun, sondern mit der Herkunft: Die per E-Mail versandte Mappe trägt auf dem Zielrechner die Kennzeichnung „Die Datei stammt von einem anderen Computer", und Excel blockiert die VBA-Makros jeder so gekennzeichneten Datei standardmäßig, ohne eine Aktivieren-Schaltfläche anzubieten. Die Freigabe muss daher jede Empfängerin einzeln über die Dateieigenschaften im Explorer vornehmen. Der bessere Weg ist, die Mappe an einem vertrauenswürdigen Speicherort auf einem Netzlaufwerk abzulegen und den Mailversand ganz zu unterlassen — was zugleich Rohleders Grundregel entspricht, Arbeitsmappen überhaupt nicht per E-Mail zu verschicken. ⟨4⟩ Der Umweg über das Binärformat trägt dabei nicht mehr: Das Folienskript hält als Praxistipp fest, dass seit Version 2404 bei Arbeitsmappen im Binärformat auch aktivierte VBA-Makros blockiert werden, und empfiehlt in diesem Fall, die Mappe gegebenenfalls wieder als XLSM zu speichern. Der Geschwindigkeitsvorteil des Binärformats — laut Skript bis zu achtzig Prozent schnelleres Öffnen bei bis zu dreißig Prozent kleinerer Datei — bleibt davon unberührt, er ist nur eben kein Weg mehr an der Makroblockade vorbei. Die zweite Kehrseite nennt das Skript unabhängig von der Makrofrage: begrenzte Kompatibilität zu Programmen von Drittherstellern. Und es hält eine Ausnahme fest, die die Umstellungsfrage in manchen Mappen gar nicht erst aufkommen lässt, denn Power-Pivot-Daten liegen ohnehin immer binär vor und sind nicht weiter komprimierbar. ⟨5⟩

⟨+1⟩ Ein Ablage-Detail als Reserve: Eine als Mappe.xltx im Systemordner XLSTART abgelegte Vorlage wird automatisch zum Standard für jede neue Arbeitsmappe — derselbe Mechanismus, der Vorlagen so mächtig macht, ist damit auch ein Prüfpunkt bei übernommenen Rechnern.

Rohleders Erwartung: Die Formatfrage stellt er gern als Aufzählung mit knapper Begründung, nicht als Aufsatz. Punkte holt hier, wer die Systematik hinter den Buchstaben nennt statt sechs Endungen auswendig aufzusagen, und wer beim Binärformat die beiden Kehrseiten sauber trennt: begrenzte Kompatibilität zu Programmen von Drittherstellern auf der einen Seite, die Makroblockade seit 2404 auf der anderen. Die Ausnahme, dass Power-Pivot-Daten immer binär und nicht weiter komprimierbar sind, ist der Zusatz, den er honoriert.


5. Power Query als Angriffsvektor jenseits von VBA (4 P)

Aufgabe #123 · 4 P. · Warum die Makroblockade allein nicht genügt„Exkurs: Die Bedrohung ist nicht auf VBA beschränkt." (Folienskript, Folie 15, zu einer Meldung vom 27.06.2019: „Neue Excel-Angriffstechnik mit Power Query könnte Makros Konkurrenz machen.")
a) (2 P.) Erläutern Sie den Mechanismus, mit dem eine Arbeitsmappe ohne jedes Makro Schadcode auf den Rechner bringen kann.
b) (2 P.) Leiten Sie daraus zwei Konsequenzen für den Umgang mit fremden Arbeitsmappen ab.

a) 2 P. – Der Mechanismus

Eine Power-Query-Abfrage ist keine Kopie von Daten, sondern eine in der Arbeitsmappe gespeicherte Anweisung, Daten aus einer externen Quelle zu beziehen, und diese Anweisung reist mit der Datei mit. Wird die Mappe geöffnet und die Abfrage aktualisiert, baut Excel selbst die Verbindung nach außen auf und holt sich, was am angegebenen Ort liegt. Der zweite Schritt ist der entscheidende, denn das bloße Nachladen von Daten in eine Tabelle führt noch keinen Code aus: Über den älteren Datenaustauschmechanismus DDE lässt sich aus dieser Verbindung heraus ein fremder Prozess auf dem Rechner starten. Das Nachladen ist also der Transportweg, DDE der Ausführungsweg. Der Angreifer braucht damit kein Makro in der Datei, weil er den Nutzinhalt erst zur Laufzeit von einem Server bezieht, den er kontrolliert, und die Ausführung an eine Fähigkeit hängt, die mit VBA nichts zu tun hat. ⟨1⟩ Sicherheitsforscher von Mimecast wiesen 2019 auf diese Technik hin; potenziell anfällig sind laut der von Rohleder zitierten Meldung die Excel-Versionen 2016 und 2019 sowie ältere Versionen mit nachgerüstetem Power-Query-Add-in, und die Forscher empfehlen ausdrücklich, die Workarounds von Microsoft umzusetzen. Die Angriffsfläche ist strukturell dieselbe wie bei einem Makro, sitzt aber an einer anderen Stelle des Sicherheitsmodells und wird von der Makroblockade nicht erfasst. Derselbe Befund gilt für die von Kaspersky genannten Schwachstellen im Office-Formeleditor, die allein durch das Öffnen einer präparierten Datei ausgelöst werden. ⟨2⟩

b) 2 P. – Zwei Konsequenzen

Erstens ist die Makroeinstellung im Trust Center nicht die einzige relevante Stellschraube, denn externe Verbindungen haben dort ein eigenes Register: „Externer Inhalt" mit getrennten Sicherheitseinstellungen für Datenverbindungen und für Arbeitsmappenverknüpfungen. Wer Makros sperrt und Datenverbindungen automatisch aktualisieren lässt, hat die Vordertür verriegelt und die Hintertür offen gelassen. Für fremde Mappen bedeutet das, vor der ersten Aktualisierung unter Daten ▸ Abfragen und Verbindungen nachzusehen, welche Quellen die Datei überhaupt anspricht. ⟨3⟩ Zweitens wirkt derselbe Mechanismus in die Gegenrichtung und wird dort zum Vertraulichkeitsproblem: Weil die Abfragedefinition mitgeliefert wird, verrät eine weitergegebene Arbeitsmappe dem Empfänger die internen Quellpfade, Servernamen und gegebenenfalls die Struktur der dahinterliegenden Systeme, auch wenn im Blatt nur das fertige Ergebnis steht. Die Arbeitsmappe transportiert damit regelmäßig mehr, als ihr Absender sehen kann — dieselbe Beobachtung, die auch für den Pivot-Cache und für zugeschnittene Screenshots gilt und die Rohleders Grundregel trägt, Arbeitsmappen nicht per E-Mail zu verschicken, sondern Ergebnisse als Bericht oder aus einer Ablage mit Rechtesystem bereitzustellen. ⟨4⟩

⟨+1⟩ Die Brücke zur DDE-Aufgabe sichert den Reservepunkt: Derselbe Altmechanismus, der in der Verknüpfungs-Klausuraufgabe als veraltet und standardmäßig gesperrt behandelt wird, ist hier der Ausführungsweg des Angriffs — DDE kann aus einer Verbindung heraus fremde Prozesse starten, weshalb Microsoft den Empfang im Standard blockiert.

Rohleders Erwartung: Diese Aufgabe prüft, ob man das Sicherheitskapitel als System verstanden hat oder als Liste von Anekdoten. Der Satz, auf den er hinauswill, lautet sinngemäß: Nicht der Code in der Datei ist die Gefahr, sondern jede Fähigkeit der Datei, zur Laufzeit etwas nachzuladen oder etwas mitzunehmen. Wer das formuliert, hat Power Query, den Pivot-Cache und die mitgereisten Verknüpfungen in einem Griff.


6. Gebrochene Achsen als Einstieg in die Manipulation (4 P)

Aufgabe #124 · 4 P. · Warum die abgeschnittene Ordinate der erste Schritt ist„Gebrochene Achsen sind der Einstieg in die Manipulation." (Folienskript, Folie 4, Lernziel 5 der Keeling-Challenge)
a) (2 P.) Erläutern Sie, warum eine nicht bei null beginnende Wertachse als manipulativ gilt.
b) (2 P.) Erläutern Sie, unter welchen Voraussetzungen ein Achsenausschnitt dennoch sachgerecht ist, und nennen Sie eine Alternative, die ohne ihn auskommt.

a) 2 P. – Warum der Achsenbruch täuscht

Bei Säulen- und Balkendiagrammen liest das Auge die Länge beziehungsweise die Fläche der Säule als das eigentliche Größenverhältnis, und diese Proportionalität setzt voraus, dass die Wertachse bei null beginnt. Startet sie erst kurz unterhalb des kleinsten Werts, bemisst sich die sichtbare Säulenlänge nur noch am Abstand vom willkürlich gewählten Achsenbeginn. Ein Unterschied von einem Prozent kann dann aussehen wie eine Verdopplung, ohne dass eine einzige Zahl gefälscht wurde. ⟨1⟩ Genau darin liegt die Qualität als Einstieg in die Manipulation: Der Eingriff findet in der Darstellung statt und lässt die Daten unangetastet, er ist mit zwei Klicks in den Achsenoptionen erledigt, die Beschriftung bleibt formal korrekt, und wer die Skalenwerte nicht liest, hat keine Chance, ihn zu bemerken. Über das Skript hinaus kommt hinzu, dass Excel kein Bordmittel für ein Achsenunterbrechungssymbol kennt, weshalb der Bruch in der Praxis regelmäßig unmarkiert bleibt. ⟨2⟩

b) 2 P. – Zulässiger Ausschnitt und die Alternative

Sachgerecht ist ein Achsenausschnitt dann, wenn die Aussage des Diagramms im Verlauf liegt und der Diagrammtyp dazu passt. Bei Linien- und Punktdiagrammen trägt die Steigung die Aussage und nicht die Fläche, weshalb ein Ausschnitt hier zulässig ist — diese Begründung nach Diagrammtyp ist eine Einordnung über das Skript hinaus, das nur die Warnung selbst formuliert. Die Keeling-Kurve ist das Musterbeispiel: Die CO2-Konzentration steigt in der Reihe von rund 315 ppm im Jahr 1958 auf über 420 ppm heute, sodass eine bei null beginnende Achse den Anstieg von sechs Jahrzehnten zu einer kaum sichtbaren Welle am oberen Rand zusammendrückt. Erforderlich bleiben in diesem Fall die vollständige Beschriftung der Skalenwerte und eine über alle nebeneinandergestellten Diagramme hinweg identische Skala, damit die Ausschnittwahl nicht selbst zur Aussage wird. ⟨3⟩ Die Alternative, die den Konflikt auflöst, setzt bei der dargestellten Größe an statt bei der Achse: Statt der Absolutwerte trägt man die Veränderung gegenüber der Vorperiode, einen auf ein Basisjahr normierten Index oder die Abweichung von einem Referenzwert ab. Die Achse beginnt dann ehrlich bei null, die kleine Bewegung wird trotzdem sichtbar, und der Betrachter sieht der Beschriftung sofort an, was er vor sich hat. ⟨4⟩

⟨+1⟩ Die Werkzeug-Brücke als Reserve: Nach der im Unterricht zitierten Quelle genügen für betriebswirtschaftliche Zahlen fünf Diagrammtypen — wer für Verlaufsaussagen das Linien- oder Punktdiagramm wählt, umgeht den Säulen-Konflikt der gebrochenen Achse von vornherein, weil dort die Steigung und nicht die Fläche die Aussage trägt.

Rohleders Erwartung: Er stellt dieses Lernziel bewusst an den Anfang der Veranstaltung, in dieselbe Challenge, in der auch die Datenaufbereitung und das Dezimaltrennzeichen vor dem Import geübt werden. Die Botschaft ist, dass die Manipulation nicht am Ende der Analyse beginnt, sondern schon bei der Darstellung, und dass derselbe Griff, mit dem man eine Kurve lesbar macht, auch der Griff ist, mit dem man einen Bericht schönt. Wer ihn nur als verboten abhandelt, verfehlt den Punkt — verlangt ist die Unterscheidung nach Diagrammtyp und Aussageabsicht.


7. KI in Excel: die Funktion COPILOT() und Python in Excel (5 P)

Aufgabe #125 · 5 P. · Genauigkeitsvorbehalt, Nachvollziehbarkeit und die Rolle von PythonMicrosoft bringt KI-Funktionen nach Excel: Nutzer geben =COPILOT gefolgt vom Prompt und optionalen Zellbezügen ein, etwa =COPILOT("Klassifiziere dieses Feedback";D2:D18). Microsoft testet die Funktion zunächst in einer Beta seiner Tabellenkalkulation und weist darauf hin, sie solle nicht für Entscheidungen mit rechtlichen, regulatorischen oder Compliance-Anforderungen verwendet werden, weil es nach wie vor Genauigkeitsprobleme gebe.
a) (3 P.) Nehmen Sie zu diesem Vorbehalt Stellung und begründen Sie ihn aus den Qualitätsanforderungen an eine Arbeitsmappe.
b) (2 P.) Ordnen Sie Python in Excel ein und grenzen Sie es gegen die COPILOT-Funktion ab.

a) 3 P. – Stellungnahme zum Genauigkeitsvorbehalt

Vorab ist die Verfügbarkeit einzuordnen, weil sie die Stellungnahme mitträgt. Die Folie zitiert eine Meldung, nach der Microsoft die Funktion zunächst in einer Beta seiner Tabellenkalkulation testet. Sie ist keine allgemein verfügbare Tabellenblattfunktion wie SUMME, sondern an eine kostenpflichtige Microsoft-365-Copilot-Lizenz gebunden, wird in der Cloud des Anbieters ausgeführt und ist in der Zahl der Aufrufe begrenzt. Wer sie in einem Modell verwendet, macht die Arbeitsmappe damit von einer Lizenz, einer Internetverbindung und einem Dienststand abhängig, den er nicht kontrolliert. ⟨1⟩ Der Vorbehalt selbst ist berechtigt und wiegt in Excel schwerer als in einem Chatfenster, denn die Funktion steht in derselben Zelle und mit demselben Anschein von Verbindlichkeit wie SUMME oder XVERWEIS, und ihr Ergebnis fließt ohne sichtbare Zäsur in die nachgelagerten Berechnungen ein. Damit fällt sie durch genau die Prüfungen, die Rohleder an jede Modellzelle anlegt: Das Ergebnis ist nicht deterministisch und kann bei einer erneuten Berechnung anders ausfallen, es ist nicht reproduzierbar, und der Rechenweg ist nicht dokumentierbar. Auch die Teilberechnung mit F9 hilft nicht weiter — sie liefert zwar einen Wert, aber bei jedem Aufruf möglicherweise einen anderen, prüft also nichts. Seiner Qualifikationspyramide zufolge steht das bereits auf der untersten Stufe, wo die Zahlen „nicht belastbar und nicht reproduzierbar" sind, und für Entscheidungen mit rechtlichen oder regulatorischen Anforderungen ist gerade die Nachvollziehbarkeit die Mindestanforderung. ⟨2⟩ Die praktikable Linie lautet deshalb, KI beim Erstellen, Prüfen und Erklären von Formeln einzusetzen, also in genau den Anwendungsfällen, die Rohleder auf seiner Folie zitiert — Tabelle erstellen, Formeln erstellen, Formeln prüfen, Formeln erklären, Makro erstellen —, aber nicht als Zelle im Rechenweg selbst. Das Ergebnis ist dann eine Formel, die man liest, versteht und verantwortet, statt eines Werts, dessen Herkunft niemand rekonstruieren kann; Rohleders eigene Einordnung dazu lautet „Noch ist die KI für Profis keine echte Hilfe. Aber bald.", und in U14 ergänzt er, Hintergrundwissen helfe „auch und gerade im Umgang mit der KI". ⟨3⟩

b) 2 P. – Python in Excel

Python in Excel ist seit 2024 für die Microsoft-365-Abonnenten verfügbar, zunächst unter Windows und in den Business- und Enterprise-Plänen, und laut der von Rohleder zitierten Meldung „direkt in Excel integriert und ohne zusätzliche Makros und Add-ons nutzbar". Es gehört damit in dieselbe Bewegung wie Office Scripts, mit der Microsoft Wege an VBA vorbei baut, und beantwortet dieselbe Frage nach komplexeren Auswertungen innerhalb der Arbeitsmappe. ⟨4⟩ Der entscheidende Unterschied zur COPILOT-Funktion liegt in der Prüfbarkeit: Python-Code ist deterministisch, lesbar und Zeile für Zeile nachvollziehbar. Er verletzt die Nachvollziehbarkeitsanforderung damit nicht grundsätzlich, verschiebt die Frage aber an zwei Stellen. Erstens auf die Person, die den Code im Unternehmen lesen und pflegen kann — dieselbe Personenabhängigkeit, die Rohleder schon bei VBA als Risiko benennt. Zweitens auf die Infrastruktur, denn die Berechnung läuft nicht lokal, sondern in der Cloud des Anbieters; reproduzierbar ist der Code also nur, solange Verbindung, Lizenz und der vom Anbieter gesetzte Bibliotheksstand verfügbar sind. Python ersetzt damit keine sauber modellierten Tabellenblattfunktionen, sondern beantwortet Auswertungen, die sich in Zellformeln nicht mehr sinnvoll abbilden lassen. ⟨5⟩

Über die geforderten Punkte hinaus

⟨+1⟩ Die Wirtschaftlichkeitsfrage gehört zur Stellungnahme dazu: Microsoft ruft laut der zitierten Meldung dreißig US-Dollar je Nutzer und Monat für die Copilot-Funktionen in Microsoft 365 auf und bietet Copilot nur für Unternehmen an. Bei einem Ergebnis, das für Compliance-relevante Entscheidungen ausdrücklich nicht verwendet werden soll, ist dieser Preis ein zweites, unabhängiges Argument gegen den flächendeckenden Rollout.

⟨+2⟩ Über die Folie hinaus ist die datenschutzrechtliche Seite der Cloud-Verarbeitung zu bedenken. Weil sowohl die KI-Auswertung als auch die Python-Berechnung beim Anbieter laufen, verlassen Zellinhalte den Rechner. Die Bewertung fällt damit in denselben Rahmen wie der Beschluss der Datenschutzkonferenz zu Microsoft 365, den Rohleder unter der Überschrift „Digitale Souveränität oder mit dem Holzlöffel zur Messerstecherei?" behandelt.

⟨+3⟩ Rohleders Skepsis ist datiert und begründet, nicht grundsätzlich. Seine eigene Einordnung ist die Folienüberschrift „Noch ist die KI für Profis keine echte Hilfe. Aber bald."; die schärfere Bewertung, Copilot stecke in Excel in den Kinderschuhen und ChatGPT habe die Nase vorn, stammt aus dem Artikel, den er auf dieser Folie zitiert, und nicht von ihm selbst. In U14 formuliert er zu einer besonders verschachtelten Formel „das klappt nicht mit KI". Wer in der Klausur eine differenzierte Position schreibt — heute Assistenz, morgen womöglich mehr, in keinem Fall unbesehen im Rechenweg —, trifft seine Linie.

Rohleders Erwartung: Bei „Nehmen Sie Stellung" will er eine begründete Position, keine Aufzählung von Chancen und Risiken. Die Begründung soll aus dem Stoff der Veranstaltung kommen und nicht aus allgemeiner KI-Skepsis: Reproduzierbarkeit, Prüfbarkeit mit F9, Dokumentierbarkeit des Rechenwegs und Belastbarkeit der Zahlen sind seine Kriterien, und an ihnen ist die COPILOT-Funktion zu messen. Wer den Unterschied zwischen einer nicht deterministischen Zelle im Modell und einer KI-gestützten Formelerstellung sauber trennt, hat die Aufgabe verstanden.