Bedarfsermittlung
Status: ERARBEITET aus den Vorlesungsfolien (kein offizielles Lösungsblatt). Alle Rechenergebnisse maschinell geprĂŒft.
EINK â Einkauf, Kapitel 2 (Prof. Dr. S. Gabriel, TH Bingen). Klausur ist Closed Book: die Formeln (exponentielle GlĂ€ttung, lineare Regression, SekundĂ€r-/Netto-Bedarf) mĂŒssen auswendig sitzen, und der Rechenweg wird verlangt, nicht nur das Ergebnis.
Warum Bedarfsermittlung?
Die Bedarfsermittlung ist die erste Stufe des Beschaffungsprozesses. Alles Weitere (Beschaffungsmarktforschung, Anfrage, Verhandlung, Bestellung) baut auf ihr auf. Ist der Bedarf falsch ermittelt, ist jede noch so gute Verhandlung wertlos: es wird das Falsche, zu viel oder zu wenig beschafft.
Die zentrale Planungsaufgabe der Materialwirtschaft lautet: Beschaffung
- in der benötigten Menge,
- zum richtigen Zeitpunkt,
- in der gewĂŒnschten QualitĂ€t,
- am richtigen Ort.
GrundsĂ€tzlich stehen zwei Verfahren zur VerfĂŒgung: die programmgebundene (deterministische) und die verbrauchsgebundene (stochastische) Materialbedarfsermittlung.
Der Einkauf sitzt dabei als Schnittstelle zwischen Lieferanten und BedarfstrĂ€gern: er ĂŒbersetzt den technisch formulierten Bedarf der Fachabteilung in eine marktfĂ€hige Beschaffungsaufgabe.
Bedarfsarten: PrimÀr-, SekundÀr-, TertiÀrbedarf
| Begriff | Definition | Beispiele |
|---|---|---|
| PrimĂ€rbedarf | âŠist der Marktbedarf, d. h. der Bedarf an Erzeugnissen, den ein Betrieb absetzt | Autos, Computer |
| SekundĂ€rbedarf | âŠist der Bedarf an Rohstoffen, Einzelteilen oder Baugruppen, die zur Erstellung des PrimĂ€rbedarfs benötigt werden | Auto: RĂ€der, TĂŒren, ⊠· Computer: GehĂ€use, Prozessor, Festplatte, ⊠|
| TertiĂ€rbedarf | âŠist der Bedarf an Hilfsstoffen oder Betriebsstoffen, die zur Herstellung des SekundĂ€r- und PrimĂ€rbedarfs notwendig sind | Schmiermittel, Energie, ⊠|
Beispiel Aktenschrank (siehe Aufgabe 2): Der Auftrag ĂŒber 200 AktenschrĂ€nke ist der PrimĂ€rbedarf. Die daraus abgeleiteten 200 RĂŒckwĂ€nde, 400 Seitenteile, 1.200 Regalbretter usw. sind der SekundĂ€rbedarf. Der Leim, der Strom fĂŒr die SĂ€ge und das Schmiermittel der Maschine sind TertiĂ€rbedarf.
Der SekundĂ€rbedarf entsteht ĂŒber die StĂŒcklistenauflösung:
Brutto- und Nettobedarf
Der SekundÀrbedarf ist noch nicht die Bestellmenge. Zwei Korrekturen sind nötig:
1. Nach oben, der Zusatzbedarf: Ausschuss, Schwund, Bruch, Ersatzteilbedarf.
2. Nach unten, was schon da ist: FĂŒr den tatsĂ€chlichen Bestellbedarf (= Nettobedarf) sind ausdrĂŒcklich aktueller Lagerbestand, vorhandene Bestellungen, Reservierungen u. a. zu berĂŒcksichtigen.
ErgÀnzung: In der Praxis wird zusÀtzlich ein vorgeschriebener Sicherheitsbestand abgezogen, weil er nicht disponibel ist: . In der Klausur nur ansetzen, wenn die Aufgabe einen Sicherheitsbestand nennt.
Der Nettobedarf ist der tatsÀchliche Bestellbedarf.
Beispiel: 200 RĂŒckwĂ€nde SekundĂ€rbedarf, 5 % Ausschuss â 10 StĂŒck Zusatzbedarf â 210 StĂŒck Bruttobedarf. Bei 50 StĂŒck auf Lager â 160 StĂŒck Nettobedarf = das, was bestellt wird.
Die zwei Grundverfahren im Vergleich
| Kriterium | Programmgebunden (deterministisch) | Verbrauchsgebunden (stochastisch) |
|---|---|---|
| Ausgangspunkt | Produktionsprogramm / PrimÀrbedarf | Verbrauchsstatistik vergangener Planungsperioden |
| Rechenweg | StĂŒcklistenauflösung: PrimĂ€rbedarf Ă StĂŒcklistenmengen | statistische Prognoseverfahren |
| Genauigkeit | exakt, weil aus PrimÀrbedarf und Bestandteilen abgeleitet | SchÀtzung, fehlerbehaftet |
| Aufwand | hoch (StĂŒcklisten pflegen, IT-gestĂŒtzt) | gering |
| Voraussetzung | vollstĂ€ndige, gepflegte StĂŒcklisten | verlĂ€ssliche Vergangenheitswerte, stabiler Verlauf |
| Typische Anwendung | A-Teile, hochwertige und risikobehaftete Materialien, SekundÀrbedarf | C-Teile, Hilfs- und Betriebsstoffe (TertiÀrbedarf), geringwertige Materialien |
| Grenze | scheitert, wenn keine StĂŒckliste existiert | nicht sinnvoll bei stark schwankenden oder zufĂ€lligen Reihen |
Zusammengefasst: Die programmgebundene Bedarfsermittlung ist exakt, weil der Bedarf aus dem PrimĂ€rbedarf der Erzeugnisse und ihrer Bestandteile ermittelt wird. Und wenn keine verlĂ€sslichen Verbrauchswerte aus der Vergangenheit vorliegen bzw. StĂŒcklisten fehlen, kommen SchĂ€tzverfahren zur Anwendung.
Der Genauigkeitsanspruch hĂ€ngt vom Wert und vom Beschaffungsrisiko des Materials ab. Mittels ABC-Analyse und XYZ-Analyse werden genau jene hochwertigen bzw. risikobehafteten Materialien ermittelt, die den Aufwand einer exakten Bedarfsermittlung ĂŒberhaupt rechtfertigen.
Programmgebunden: StĂŒckliste und MengenĂŒbersichtsstĂŒckliste
StĂŒcklisten sind ĂŒberall dort anzutreffen, wo Endprodukte aus mehreren Ausgangsteilen oder -stoffen zusammengesetzt werden, etwa bei der Montage von GerĂ€ten oder bei Rezepturen in der Lebensmittelindustrie.
Die StĂŒckliste enthĂ€lt alle Bestandteile eines Produkts gemÀà Fertigungsstruktur bzw. Fertigungsstufen:
- Stufe 0: Produkt (z. B. X1)
- Stufe 1: Baugruppen (z. B. A, B)
- Stufe 2: Einzelteile (z. B. a, b, c, d)
Aus der Fertigungsstruktur lĂ€sst sich (falls gewĂŒnscht ĂŒber die Zwischenstufe der Baugruppen) die MengenĂŒbersichtsstĂŒckliste ableiten. Sie listet je Code-Nr. die gesamte benötigte Menge je Endprodukt, unabhĂ€ngig davon, ĂŒber welchen Ast der Struktur das Teil einflieĂt.
Rechenlogik bei mehrstufigen Strukturen: Menge eines Einzelteils = Summe ĂŒber alle Pfade von (Menge der Baugruppe je Produkt) Ă (Menge des Einzelteils je Baugruppe).
Beispiel: Produkt X1 enthĂ€lt 2Ă Baugruppe A und 6Ă Baugruppe B. Baugruppe A enthĂ€lt 2Ă Teil a, Baugruppe B enthĂ€lt 3Ă Teil a. Dann gilt fĂŒr Teil a je StĂŒck X1: StĂŒck. Es muss ĂŒber alle Pfade summiert werden, nicht nur ĂŒber einen Ast.
Verbrauchsgebunden: Verbrauchsmodelle und Methodenwahl
Grundlage ist die Verbrauchsstatistik vergangener Planungsperioden. Zuerst wird das Verbrauchsmodell bestimmt, daraus folgt die Methode:
| Verbrauchsmodell | Kennzeichen | Typische Methoden |
|---|---|---|
| Konstanter Verbrauch | schwankt um ein festes Niveau, kein Trend | arithmetischer Mittelwert, gleitender Mittelwert |
| Trend | steigt oder fÀllt systematisch | exponentielle GlÀttung, lineare Regression |
| Saisonaler Verlauf | wiederkehrende Muster (Jahreszeit, Woche) | Ermittlung von Saisonkoeffizienten, Kombination mehrerer Verfahren |
Allgemein:
- Die Verfahren lassen sich nicht sinnvoll bei stark schwankenden oder zufĂ€lligen Reihen einsetzen (â das sind die Z-Artikel der XYZ-Analyse).
- Sie sind nicht auf die Materialbedarfsermittlung beschrĂ€nkt, sondern werden auch fĂŒr Absatzprognosen, Umsatzentwicklung u. a. eingesetzt.
Prognoseverfahren im Detail
1. Arithmetisches Mittel
Voraussetzung: konstanter Bedarfsverlauf. sind die gemessenen Verbrauchswerte vergangener Perioden (z. B. monatlich oder jÀhrlich):
Beispiel (Zahlen aus Aufgabe 5, alle 12 Kalenderwochen): Liter. Man sieht sofort die SchwĂ€che: Der Verbrauch steigt im Quartal deutlich an: das arithmetische Mittel ĂŒber alle Perioden unterschĂ€tzt den kommenden Bedarf massiv (zuletzt lagen die Werte bei 140â150 Liter).
2. Gleitender Mittelwert
Gleitende Mittelwerte verringern die in einer Datenreihe vorhandene Variation (â GlĂ€ttung). Ein gleitender Mittelwert der Ordnung n ist eine Folge der arithmetischen Mittelwerte aufeinanderfolgender Datenpunkte.
Gleitender Mittelwert der Ordnung 3:
Beispiel: Ordnung 3 ĂŒber KW 10â12 (130, 150, 140): Liter.
3. Gewichteter gleitender Mittelwert
Hinweis: Diese Variante geht ĂŒber den Vorlesungsstoff hinaus; die Ăbungsaufgabe 5a verlangt ausdrĂŒcklich, sie selbst zu recherchieren. Die Gewichte werden in der Aufgabe vorgegeben.
Statt alle n Perioden gleich zu behandeln, erhĂ€lt jede Periode ein Gewicht , wobei die Gewichte in Summe 1 (= 100 %) ergeben mĂŒssen und die aktuellste Periode das höchste Gewicht bekommt:
Damit repariert man den Hauptnachteil des einfachen gleitenden Mittelwerts (alte Werte zÀhlen genau so viel wie neue), ohne die Rechenlogik zu verlassen.
4. Exponentielle GlÀttung (erster Ordnung)
Nachteil des gleitenden Mittelwerts: Alte Vergangenheitswerte werden als gleichwertig mit dem neuesten Nachfragewert behandelt â und dann plötzlich ignoriert, sobald sie aus dem Berechnungsfenster herausfallen.
Idee der exponentiellen GlÀttung:
- Aktuelle Daten erhalten eine höhere Gewichtung als lÀnger vergangene Daten, aber auch lÀnger vergangene Daten bleiben in der Berechnung.
- Durch die Gewichtung mit einem GlÀttungsfaktor werden starke AusschlÀge einzelner Werte auf der geschÀtzten Zeitreihe verteilt.
- Der aktuelle Prognosefehler wird bei der folgenden Prognose berĂŒcksichtigt.
Formel: gegeben ist eine Zeitreihe mit den Beobachtungen (z. B. MaterialverbrÀuche); zum Zeitpunkt wird ein geglÀtteter SchÀtzwert errechnet:
- = Bedarfsprognose fĂŒr den nachfolgenden Zeitpunkt
- = beobachteter Bedarf zum Zeitpunkt (vorausgehender Zeitreihenwert)
- = Bedarfsprognose fĂŒr den Zeitpunkt
Ăquivalente Darstellung (Fehlerform):
Hier steht fĂŒr den Prognosefehler: Differenz aus beobachtetem Bedarf minus Bedarfsprognose, jeweils zum Zeitpunkt . Beide Formeln liefern immer dasselbe Ergebnis. In der Klausur ist es klug, mit der einen zu rechnen und mit der anderen gegenzuprĂŒfen.
GlÀttungsfaktor α:
| α | Wirkung |
|---|---|
| keine Anpassung, keine BerĂŒcksichtigung neuer Informationen | |
| sofortige Anpassung, es zÀhlt nur die Gegenwart | |
| Ăbergewichtung der Ă€lteren Vergangenheit | |
| Ăbergewichtung der jĂŒngeren Vergangenheit | |
| Praxis |
5. Lineare Regression
Nachteil der exponentiellen GlÀttung: Falls ein Trend existiert, hinken die Prognosen dem Trend hinterher (gut sichtbar in Aufgabe 6: der reale Absatz steigt, die Prognose bleibt dauerhaft darunter).
Voraussetzung zur sinnvollen Anwendung: ein linearer, trendförmiger Bedarfsverlauf. Idee: Man ermittelt eine Gerade, die dem Trend möglichst nahekommt.
Man betrachtet zwei Variablen x und y, die vermutlich in einem linearen Zusammenhang stehen:
ist eine StörgröĂe (z. B. Schwankungen, Messungenauigkeit), die die Werte ĂŒberlagert.
Methode der kleinsten Quadrate: die Gerade wird so durch die Punkte gelegt, dass die Summe der Fehlerquadrate minimal wird:
Berechnung der Koeffizienten:
wobei und die arithmetischen Mittel der x- bzw. y-Werte sind.
Reihenfolge in der Klausur: erst und , dann Spaltentabelle mit , , deren Produkt und , dann b, dann a.
ABC-Analyse
Ausgangspunkt:
- breites Einkaufssortiment
- Gefahr der Ăberlastung der Materialwirtschaft mit Routineaufgaben
Erkenntnis:
- mit relativ wenigen Artikeln hohe FunktionserfĂŒllung
- Steigerung der Wirtschaftlichkeit durch Schaffung von PrioritÀten
- Klassifizierung der Materialien nach relativer Bedeutung
- ĂŒberwiegend Wert als Kriterium
- A-GĂŒter: hoher Wertanteil, geringer Mengenanteil
- B-GĂŒter: mittlerer Wert-, mittlerer Mengenanteil
- C-GĂŒter: geringer Wertanteil, hoher Mengenanteil
Vorgehen (PrĂŒfungsschema: genau diese Schrittfolge zeigen!)
- Erfassen der jÀhrlichen Verbrauchsmenge der Lagermaterialpositionen
- Multiplizieren mit dem Einzelpreis
- ergibt Jahresverbrauchswert fĂŒr jede Position
- Sortierung der Verbrauchswerte aller Positionen nach absteigender GröĂe; Kumulieren
- Prozentanteil am Gesamtwert (100 %) bestimmen
- Berechnung des Anteils an der Gesamtzahl der Positionen; kumulieren
- Grenzen ziehen fĂŒr X % am Gesamtwert (z. B. 80 %) = A-Material
Konsequenzen fĂŒr die Beschaffung
| A-GĂŒter | C-GĂŒter | |
|---|---|---|
| Informationsbeschaffung | Beobachtung aller Objekte, viele Informationsquellen | wenige/keine Informationsquellen nötig |
| Wertanalyse | hĂ€ufige Wertanalyse | â |
| Bezugsquellen | intensive Suche nach optimalen Bezugsquellen | Nutzung externer Dienstleister, Catalogue Buying |
| Kostenfokus | Einkaufspreis | Prozesskosten wichtiger als Einkaufspreis |
| Bestellung | hoher Bestellrhythmus | einfache Bestellabwicklung |
| BestandsfĂŒhrung | genaue BestandsfĂŒhrung und Ăberwachung | vereinfachte BestandsfĂŒhrung |
Bei C-GĂŒtern sind die Einzelwerte sehr niedrig, Bestellaufwand und Volumen aber recht hoch. Daher die EinkĂ€uferweisheit: âC-Artikel sind billig, kosten aber viel."
Kritik an der ABC-Analyse
- Sie ist rein wertorientiert und vergangenheitsbezogen: die Bedarfsvorhersagegenauigkeit bleibt völlig auĂen vor. Ein billiges C-Teil kann die gesamte Produktion stoppen.
- Sie sagt nichts ĂŒber das Versorgungsrisiko oder die Marktmacht des Lieferanten.
- Die Klassengrenzen (80/15/5) sind willkĂŒrlich gesetzt, nicht berechnet.
â Deshalb die ErgĂ€nzung um XYZ-Analyse (Vorhersagegenauigkeit) und Portfolio-Analyse (Versorgungsrisiko).
XYZ-Analyse
Erinnerung: Mittel der ABC-Analyse waren rechenhafte Kriterien (Wert, Menge, Anzahl). Bei der XYZ-Analyse steht dagegen die Bedarfsvorhersagegenauigkeit im Vordergrund. Sie wird auch RSU-Analyse genannt (regelmĂ€Ăig, saisonal, unregelmĂ€Ăig).
Voraussetzungen:
- Erfahrungen aus der Vergangenheit
- Ergebnisse der StĂŒcklistenauflösung
- Ermittlung von Schwankungskoeffizienten (IT-gestĂŒtzt)
Klassifizierung und typische Verteilung im industriellen Bereich:
| Klasse | Verbrauch | Vorhersagegenauigkeit | Anteil an allen Artikeln | Typische Beschaffungsstrategie |
|---|---|---|---|---|
| X | konstant | hoch | 50 â 60 % | produktionssynchron / Just-in-Time, geringe Lagerhaltung |
| Y | schwankend | mittel | 10 â 20 % | Vorratsbeschaffung mit Sicherheitsbestand, Prognoseverfahren |
| Z | unregelmĂ€Ăig | niedrig | 20 â 30 % | Einzelbeschaffung im Bedarfsfall bzw. bewusster Vorrat bei kritischen Teilen |
Ist ABC- oder XYZ-Analyse jeweils ausreichend? â Nein. ABC kennt nur den Wert, XYZ nur die Planbarkeit. Erst die Kombination beantwortet beide Fragen gleichzeitig.
Kombination ABC- mit XYZ-Analyse
Die Kombination ist wertvoll, da Wertigkeit und Vorhersagegenauigkeit zugleich eingehen.
- AX-Artikel: hoher Verbrauchswert, hohe Vorhersagegenauigkeit
- CZ-Artikel: niedriger Verbrauchswert, niedrige Vorhersagegenauigkeit
| AX-Teile | CZ-Teile | |
|---|---|---|
| Kriterien zur Lieferantenauswahl | ZuverlÀssigkeit, FlexibilitÀt, Integration | Einstandspreis, Lieferservice, Umfang der Lagerhaltung |
| Vertragsgestaltung | langfristige PartnerschaftsvertrÀge, Jahresverhandlung | AbrufvertrÀge (Jahresbasis) |
| Bestellabwicklung | JIT-Belieferung, ERP-unterstĂŒtzt | Sammelbestellungen, automatisierte Bestellungen |
| Lieferantenpolitik | Partnerschaften, Lieferantenmotivation, Single Sourcing | Local Buying, Aufgaben an Lieferanten ĂŒbertragen, Konsignationslager |
FĂŒr JIT geeignet sind AX-Teile: hoher Wert (Lagerkosten lohnen die MĂŒhe) und hohe Planbarkeit (JIT funktioniert nur bei verlĂ€sslichem Bedarf).
Portfolio-Analyse
- Basis ist die Analyse der Situation auf dem Beschaffungsmarkt: alle verfĂŒgbaren Informationen gewinnen und auswerten.
- Ziel: kritische Einkaufsprodukte ermitteln.
- 2-dimensionale Portfolio-Matrix.
- Entscheidungsbasis fĂŒr kritische Einkaufsprodukte ableiten (z. B. Preis-, Mengen-, Lieferantenpolitik).
- Gibt Aufschluss ĂŒber die strategische Position des Abnehmers.
- Wird in der Praxis interessiert aufgenommen und angewendet, eine sinnvolle ErgÀnzung zur ABC-Analyse.
Achsen: ABC-AusprÀgung (bzw. Wert / Einfluss auf das Betriebsergebnis) horizontal, Versorgungsrisiko (Beschaffungsrisiko) vertikal. Basis der Bewertung: Analyse von Angebotsmacht und Nachfragemacht.
| A-Artikel (hoher Wert / hoher Ergebniseinfluss) | C-Artikel (niedriger Wert / geringer Ergebniseinfluss) | |
|---|---|---|
| Versorgungsrisiko hoch | Key Products | Bottleneck Products |
| Versorgungsrisiko niedrig | Leverage Products | Non Critical Products |
| Feld | Charakteristik und Strategie |
|---|---|
| Key Products | besonders strategisches Interesse; Sicherungs- und Wirtschaftlichkeitsziel stehen im Vordergrund |
| Bottleneck Products | Versorgung muss sichergestellt werden; MaĂnahmen mit Erhöhung der Beschaffungskosten werden akzeptiert |
| Non Critical Products | ohne erkennbares Versorgungsrisiko; Analysen nur sporadisch |
| Leverage Products | Lieferbereitschaft nicht gefĂ€hrdet; âHebel" zur Ergebnisverbesserung (Preisverhandlung, Wettbewerb, BĂŒndelung) |
Wiederholungsfragen â Kurzantworten
| # | Frage | Antwort |
|---|---|---|
| 1 | âprogrammgebunden" vs. âverbrauchsgebunden"? | Programmgebunden: Bedarf wird ausgehend vom Produktionsprogramm ĂŒber die StĂŒckliste errechnet. Verbrauchsgebunden: statistische Verfahren auf Grundlage des Verbrauchs vergangener Planungsperioden. |
| 2 | SekundÀr-/TertiÀrbedarf? | SekundÀr: Rohstoffe, Einzelteile, Baugruppen zur Erstellung des PrimÀrbedarfs. TertiÀr: Hilfs- und Betriebsstoffe zur Herstellung von SekundÀr- und PrimÀrbedarf. |
| 3 | Bestellabwicklung bei CZ-Artikeln? | Sammelbestellungen und automatisierte Bestellungen (AbrufvertrÀge, Konsignationslager); Prozesskosten schlagen den Einkaufspreis. |
| 4 | Ziele der Vertragsgestaltung bei AX-Artikeln? | Langfristige PartnerschaftsvertrÀge mit Jahresverhandlung; Ziele sind Versorgungssicherheit, Integration, gemeinsame Kostensenkung und planbare JIT-Belieferung. |
| 5 | Was charakterisiert âBottleneck Products"? | Geringer Wert / geringer Ergebniseinfluss, aber hohes Versorgungsrisiko. Die Versorgung muss sichergestellt werden; Kostenerhöhungen werden dafĂŒr akzeptiert. |
| 6 | Wesentliches Ziel der ABC-Analyse? | PrioritĂ€ten schaffen: Konzentration der knappen EinkaufskapazitĂ€t auf die wenigen Artikel mit hohem Wertanteil, um die Ăberlastung mit Routineaufgaben zu vermeiden. |
| 7 | Strategie bei X-Material? | Konstanter Verbrauch, hohe Vorhersagegenauigkeit â produktionssynchrone Beschaffung (JIT), geringe LagerbestĂ€nde. |
| 8 | Strategie bei Y-Material? | Schwankender Verbrauch â Vorratsbeschaffung mit Sicherheitsbestand, Prognose ĂŒber GlĂ€ttungsverfahren. |
| 9 | Strategie bei Z-Material? | UnregelmĂ€Ăiger Verbrauch â Einzelbeschaffung im Bedarfsfall; bei kritischen Teilen bewusste Bevorratung. |
| 10 | XYZ von ABC abgrenzen | ABC = rechenhafte Kriterien (Wert, Menge, Anzahl) â Wertigkeit. XYZ = Bedarfsvorhersagegenauigkeit ĂŒber Schwankungskoeffizienten â Planbarkeit. |
| 11 | Welche Materialien fĂŒr JIT? | AX-Teile: hoher Verbrauchswert und hohe Vorhersagegenauigkeit. |
| 12 | âniedriger Wert, niedrige Vorhersagegenauigkeit, unregelmĂ€Ăiger Verbrauch"? | CZ-Artikel. |
Ăbungsaufgaben â gelöst
a) Welche Konflikte ergeben sich hÀufig zwischen den BedarfstrÀgern und den Beschaffungsspezialisten im Unternehmen?
b) FĂŒr welche Materialien empfiehlt sich die programmgebundene Materialbedarfsplanung und fĂŒr welche Materialien die verbrauchsorientierte Bedarfsermittlung? Welche Bedarfsermittlung ist die genauere?
c) Welche Merkmale sind zur exakten Bestimmung des Bedarfs notwendig?
a) Konflikte zwischen BedarfstrÀgern und Beschaffungsspezialisten
Der Einkauf ist die Schnittstelle zwischen Lieferanten und BedarfstrÀgern. An dieser Schnittstelle prallen unterschiedliche Zielsysteme aufeinander:
| Konfliktfeld | BedarfstrÀger (Fachabteilung) will ⊠| Beschaffungsspezialist will ⊠|
|---|---|---|
| Spezifikation | technisch optimale, oft markenkonkrete Lösung (âgenau dieses Fabrikat") | funktionale, herstellerneutrale Spezifikation â Wettbewerb möglich |
| Zeit | sofort verfĂŒgbar, kurze Wege | ordentlicher Prozess: Anfrage, Angebotsvergleich, Verhandlung |
| Menge | genau der eigene Einzelbedarf | BĂŒndelung ĂŒber Abteilungen hinweg fĂŒr Mengendegression |
| Lieferant | eingespielter, bekannter Lieferant | breite Bezugsquellensuche, Vermeidung einseitiger AbhÀngigkeit |
| QualitÀt vs. Preis | maximale QualitÀt / Sicherheitsreserve | wirtschaftlich angemessene QualitÀt, Wertanalyse |
| ZustĂ€ndigkeit | direkter Kontakt zum Lieferanten (Maverick Buying, âVorbeikaufen" am Einkauf) | Einkauf als einzige kommerzielle Schnittstelle zum Markt |
Kern des Konflikts: Der BedarfstrÀger optimiert lokal (sein Projekt, sein Termin, seine QualitÀt), der Einkauf optimiert unternehmensweit (Gesamtkosten, Wettbewerb, Versorgungssicherheit, Compliance). SpÀte Einbindung des Einkaufs verschÀrft das: Ist die Spezifikation schon auf einen Lieferanten zugeschnitten, ist der Verhandlungshebel weg.
Lösungsansatz: frĂŒhe Einbindung des Einkaufs in die Bedarfsentstehung, funktionale Leistungsbeschreibung statt Produktnennung, gemeinsame Wertanalyse, verbindliche Warengruppen- und Lieferantenstrategien.
b) Wann welches Verfahren, und was ist genauer?
| Programmgebundene Bedarfsplanung | Verbrauchsorientierte Bedarfsermittlung | |
|---|---|---|
| Empfohlen fĂŒr | A-Teile und hochwertige Materialien; Materialien mit hohem Beschaffungsrisiko; alle Teile, die direkt ins Erzeugnis eingehen (SekundĂ€rbedarf: Rohstoffe, Einzelteile, Baugruppen); X-Artikel mit gepflegter StĂŒckliste | C-Teile und geringwertige Materialien; Hilfs- und Betriebsstoffe (TertiĂ€rbedarf, z. B. Schmiermittel, Energie, Reinigungsmittel); VerschleiĂ- und Ersatzteile; alles ohne StĂŒckliste, wo der Aufwand einer exakten Ermittlung nicht lohnt |
| Voraussetzung | vollstĂ€ndige, gepflegte StĂŒcklisten + festes Produktionsprogramm | verlĂ€ssliche Verbrauchswerte der Vergangenheit + hinreichend stabiler Verlauf |
Die genauere Bedarfsermittlung ist die programmgebundene, weil der Bedarf deterministisch aus dem PrimÀrbedarf der Erzeugnisse und ihrer Bestandteile abgeleitet wird: sie rechnet, sie schÀtzt nicht. Die verbrauchsorientierte Methode ist eine Prognose und damit immer fehlerbehaftet; sie versagt zudem bei stark schwankenden oder zufÀlligen Reihen.
Wirtschaftlicher Zusatz: Der Genauigkeitsanspruch hĂ€ngt von Wert und Beschaffungsrisiko ab. ABC- und XYZ-Analyse identifizieren jene Materialien, die den Aufwand einer exakten Bedarfsermittlung ĂŒberhaupt rechtfertigen.
c) Merkmale zur exakten Bestimmung des Bedarfs
Der Bedarf ist erst dann exakt bestimmt, wenn alle vier Dimensionen der zentralen Planungsaufgabe festgelegt sind, dazu die eindeutige Identifikation des Materials:
| Merkmal | Frage | Beispiel |
|---|---|---|
| Materialart / IdentitĂ€t | Was genau? Eindeutige Spezifikation, Sachnummer, Norm | Sechskantschraube M8Ă40, DIN 933, verzinkt |
| Menge | Wie viel? In der benötigten Menge | 4.800 StĂŒck |
| Zeitpunkt | Wann? Zum richtigen Zeitpunkt (Termin, ggf. Lieferrhythmus) | Anlieferung KW 14 |
| QualitĂ€t | Wie gut? In der gewĂŒnschten QualitĂ€t | Festigkeitsklasse 8.8, Zeugnis 3.1 |
| Ort | Wohin? Am richtigen Ort | Wareneingang Werk 2 / direkt an Linie 3 |
Fehlt eines dieser Merkmale, ist der Bedarf nicht beschaffbar: eine Menge ohne Termin ist ebenso wertlos wie ein Termin ohne Spezifikation.
(Tabelle siehe unten)
Bei der Produktion der RĂŒckwand ist mit einem Ausschuss von 5% zu rechnen. 50 Seitenteile sind bereits fĂŒr einen anderen Auftrag reserviert.
a) Ermitteln Sie pro Artikel den SekundÀr- und den möglichen Zusatzbedarf.
b) Ermitteln Sie pro Artikel den Brutto- und den Netto-Bedarf.
| Anzahl | Artikel | Lagerbestand |
|---|---|---|
| 1 | RĂŒckwand | 50 |
| 2 | Seitenteile | 100 |
| 6 | Regalbrett | 100 |
| 24 | Schrauben | 2000 |
| 24 | Schraubenmuttern | 2000 |
Gegeben: PrimÀrbedarf = 200 AktenschrÀnke.
Formeln (zuerst hinschreiben!):
a) SekundÀrbedarf und Zusatzbedarf
SekundÀrbedarf, Rechenweg je Artikel:
| Artikel | Rechnung | SekundÀrbedarf |
|---|---|---|
| RĂŒckwand | 200 · 1 | 200 StĂŒck |
| Seitenteile | 200 · 2 | 400 StĂŒck |
| Regalbrett | 200 · 6 | 1.200 StĂŒck |
| Schrauben | 200 · 24 | 4.800 StĂŒck |
| Schraubenmuttern | 200 · 24 | 4.800 StĂŒck |
Zusatzbedarf: Ein Zusatzbedarf entsteht nur dort, wo Material verloren geht, hier durch den Ausschuss von 5 % bei der RĂŒckwand:
FĂŒr alle ĂŒbrigen Artikel: Zusatzbedarf = 0 (kein Ausschuss angegeben).
Wichtig: die Reservierung ist kein Zusatzbedarf. Die 50 reservierten Seitenteile erhöhen nicht den Bedarf dieses Auftrags, sondern mindern den verfĂŒgbaren Lagerbestand. Sie wirken deshalb erst in Teil b).
b) Bruttobedarf und Nettobedarf
| Artikel | SekundĂ€rÂbedarf | ZusatzÂbedarf | BruttoÂbedarf | LagerÂbestand | ReserÂviert | verfĂŒgbar | NettoÂbedarf |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| RĂŒckwand | 200 | 10 | 210 | 50 | 0 | 50 | 160 |
| Seitenteile | 400 | 0 | 400 | 100 | 50 | 50 | 350 |
| Regalbrett | 1.200 | 0 | 1.200 | 100 | 0 | 100 | 1.100 |
| Schrauben | 4.800 | 0 | 4.800 | 2.000 | 0 | 2.000 | 2.800 |
| Schraubenmuttern | 4.800 | 0 | 4.800 | 2.000 | 0 | 2.000 | 2.800 |
Rechenweg ausgeschrieben:
- RĂŒckwand: Brutto = 200 + 10 = 210 StĂŒck; Netto = 210 â 50 = 160 StĂŒck
- Seitenteile: Brutto = 400 + 0 = 400 StĂŒck; verfĂŒgbar = 100 â 50 = 50 StĂŒck; Netto = 400 â 50 = 350 StĂŒck
- Regalbrett: Brutto = 1.200 StĂŒck; Netto = 1.200 â 100 = 1.100 StĂŒck
- Schrauben: Brutto = 4.800 StĂŒck; Netto = 4.800 â 2.000 = 2.800 StĂŒck
- Schraubenmuttern: Brutto = 4.800 StĂŒck; Netto = 4.800 â 2.000 = 2.800 StĂŒck
Ergebnis (Bestellbedarf): 160 RĂŒckwĂ€nde · 350 Seitenteile · 1.100 Regalbretter · 2.800 Schrauben · 2.800 Schraubenmuttern.
Nebenvarianten in einem Satz: Rechnet man den Ausschuss statt aufgeschlagen heraus ( StĂŒck), ergibt sich Netto 161 statt 160 StĂŒck; bucht man die Reservierung als Zusatzbedarf (400 + 50 = 450, Netto 450 â 100), ist das Nettoergebnis mit 350 StĂŒck identisch. Die oben gerechnete Variante ist die Hauptlösung.
| Materialposition | StĂŒckpreis in ⏠| Bedarf/Periode in StĂŒck |
|---|---|---|
| 1 | 200 | 500 |
| 2 | 500 | 45 |
| 3 | 1000 | 12 |
| 4 | 10 | 1100 |
| 5 | 300 | 100 |
| 6 | 60 | 400 |
| 7 | 5 | 4900 |
| 8 | 5000 | 25 |
| 9 | 20 | 950 |
Wir gehen exakt das Vorgehensschema durch.
Schritt 1 + 2 + 3: Verbrauchsmenge Ă Einzelpreis = Jahresverbrauchswert
| Position | Rechnung | Verbrauchswert |
|---|---|---|
| 1 | 200 ⏠· 500 | 100.000 ⏠|
| 2 | 500 ⏠· 45 | 22.500 ⏠|
| 3 | 1.000 ⏠· 12 | 12.000 ⏠|
| 4 | 10 ⏠· 1.100 | 11.000 ⏠|
| 5 | 300 ⏠· 100 | 30.000 ⏠|
| 6 | 60 ⏠· 400 | 24.000 ⏠|
| 7 | 5 ⏠· 4.900 | 24.500 ⏠|
| 8 | 5.000 ⏠· 25 | 125.000 ⏠|
| 9 | 20 ⏠· 950 | 19.000 ⏠|
| Summe | 368.000 ⏠|
Gesamtmenge zur Kontrolle: 500 + 45 + 12 + 1.100 + 100 + 400 + 4.900 + 25 + 950 = 8.032 StĂŒck bei 9 Positionen.
Schritt 4 + 5 + 6: absteigend sortieren, Wertanteile und Positionsanteile kumulieren
Ein Positionsanteil entspricht .
| Rang | Position | Verbrauchswert | % am Gesamtwert | kum. % Wert | kum. % Positionen | Klasse (80-%-Regel) |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 8 | 125.000 ⏠| 33,97 % | 33,97 % | 11,1 % | A |
| 2 | 1 | 100.000 ⏠| 27,17 % | 61,14 % | 22,2 % | A |
| 3 | 5 | 30.000 ⏠| 8,15 % | 69,29 % | 33,3 % | A |
| 4 | 7 | 24.500 ⏠| 6,66 % | 75,95 % | 44,4 % | A |
| 5 | 6 | 24.000 ⏠| 6,52 % | 82,47 % â 80-%-Grenze ĂŒberschritten | 55,6 % | A |
| 6 | 2 | 22.500 ⏠| 6,11 % | 88,59 % | 66,7 % | B |
| 7 | 9 | 19.000 ⏠| 5,16 % | 93,75 % â 95-%-Grenze | 77,8 % | B |
| 8 | 3 | 12.000 ⏠| 3,26 % | 97,01 % | 88,9 % | C |
| 9 | 4 | 11.000 ⏠| 2,99 % | 100,00 % | 100,0 % | C |
Beispiel-Rechenweg Rang 1: · kumuliert 33,97 %. Rang 2: · kumuliert .
Schritt 7: Klassengrenzen ziehen nach dem Standardschema
Schritt 7 lautet wörtlich: Grenzen ziehen fĂŒr X % am Gesamtwert (z. B. 80 %) = A-Material. Also wird die 80-%-Grenze angelegt: A-Material sind alle Positionen, bis kumuliert 80 % des Gesamtwerts erreicht sind. Das ist bei Rang 5 (Position 6) mit 82,47 % der Fall.
FĂŒr B und C werden die ĂŒblichen Folgegrenzen ergĂ€nzt (95 % fĂŒr B, Rest C):
| Klasse | Grenze | Positionen | Anzahl | % der Positionen | Wert | % am Gesamtwert | Menge | % der Menge |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| A | bis 80 % kum. | 8, 1, 5, 7, 6 | 5 | 55,6 % | 303.500 ⏠| 82,47 % | 5.925 | 73,77 % |
| B | bis 95 % kum. | 2, 9 | 2 | 22,2 % | 41.500 ⏠| 11,28 % | 995 | 12,39 % |
| C | Rest | 3, 4 | 2 | 22,2 % | 23.000 ⏠| 6,25 % | 1.112 | 13,84 % |
| Summe | 9 | 100 % | 368.000 ⏠| 100 % | 8.032 | 100 % |
MaĂnahmen:
- A (Pos. 8, 1, 5, 7, 6): intensive Bezugsquellensuche, hĂ€ufige Wertanalyse, genaue BestandsfĂŒhrung, hoher Bestellrhythmus, programmgebundene Bedarfsermittlung.
- B (Pos. 2, 9): mittlerer Betreuungsaufwand, regelmĂ€Ăige ĂberprĂŒfung, RahmenvertrĂ€ge.
- C (Pos. 3, 4): vereinfachte BestandsfĂŒhrung, Catalogue Buying, Sammelbestellungen. Ziel ist, die Prozesskosten zu senken, nicht um den Einkaufspreis zu feilschen.
Diskussion des Ergebnisses (gehört in die Klausurantwort, ersetzt sie aber nicht)
Nach diesem Schema fallen 5 von 9 Positionen (55,6 %) in die A-Klasse. Das widerspricht dem Grundgedanken der ABC-Analyse (âA-GĂŒter: hoher Wertanteil, geringer Mengenanteil"), und auch der Mengenanteil passt nicht: Die A-Klasse enthĂ€lt hier 73,8 % der Gesamtmenge, weil Position 7 allein 4.900 StĂŒck umfasst. Ursache ist die kleine Grundgesamtheit. Bei nur 9 Positionen greift die 80/15/5-Faustregel schlecht, ein einzelner Artikel bewegt den kumulierten Wertanteil um 6â8 Prozentpunkte.
Alternative Grenzziehung am Wertsprung: bei kleinen Sortimenten ĂŒblich und ebenfalls vertretbar, wenn sie genannt und begrĂŒndet wird: Nach Position 1 fĂ€llt der Verbrauchswert von 100.000 ⏠auf 30.000 âŹ, also auf weniger als ein Drittel. Schneidet man dort, ergibt sich:
| Klasse | Positionen | Anzahl | % der Positionen | Wert | % am Gesamtwert |
|---|---|---|---|---|---|
| A | 8, 1 | 2 | 22,2 % | 225.000 ⏠| 61,14 % |
| B | 5, 7, 6, 2 | 4 | 44,4 % | 101.000 ⏠| 27,45 % |
| C | 9, 3, 4 | 3 | 33,3 % | 42.000 ⏠| 11,41 % |
Dann zeigt sich das typische Muster: 22 % der Positionen binden 61 % des Wertes.
FĂŒr die Klausur: Zuerst das Standardschema mit der 80-%-Grenze anwenden und ausweisen: es muss erkennbar sein. Die Wertsprung-Variante nur zusĂ€tzlich als Diskussion anfĂŒgen.
Beobachtung zu Position 7: 4.900 StĂŒck (61 % der Gesamtmenge) zu je 5 âŹ, also eine riesige Menge bei kleinem StĂŒckwert. WertmĂ€Ăig landet sie ĂŒber die 80-%-Regel in der A-Klasse, ihrem Bewirtschaftungscharakter nach ist sie ein klassischer C-Fall (âC-Artikel sind billig, kosten aber viel"). Solche Positionen begrĂŒnden die ErgĂ€nzung um die XYZ-Analyse.
a) Erstellen Sie eine Portfolio-Analyse analog zu dem in der Vorlesung gezeigten Beispiel.
b) Welche Art der Bedarfsermittlung wĂŒrden Sie ausgehend von Ihrer Portfolio-Analyse fĂŒr Motoren, Tastaturknöpfe, Scanner empfehlen?
| Material | Wert in Mio. ⏠| Einfluss auf das Betriebsergebnis | Beschaffungsrisiko |
|---|---|---|---|
| Scanner | 10 | Hoch (5) | Gering (1) |
| Lizenzen/Patente | 4 | Hoch (5) | Hoch (5) |
| Motoren | 2 | Gering (2) | Gering (2) |
| Tastaturknöpfe | 0,1 | Gering (1) | Gering (1) |
| Ersatzteile | 0,2 | Gering (1) | Gering (1) |
| Software | 2 | Hoch (3) | Hoch (5) |
a) Portfolio-Analyse
Vorarbeit, Wertanteile (entspricht der ABC-AusprÀgung auf der waagerechten Achse):
Gesamtwert:
| Material | Wert | % am Gesamtwert | kum. % | ABC-Tendenz |
|---|---|---|---|---|
| Scanner | 10,0 Mio. ⏠| 54,64 % | 54,64 % | A |
| Lizenzen/Patente | 4,0 Mio. ⏠| 21,86 % | 76,50 % | A |
| Motoren | 2,0 Mio. ⏠| 10,93 % | 87,43 % | B |
| Software | 2,0 Mio. ⏠| 10,93 % | 98,36 % | B |
| Ersatzteile | 0,2 Mio. ⏠| 1,09 % | 99,45 % | C |
| Tastaturknöpfe | 0,1 Mio. ⏠| 0,55 % | 100,00 % | C |
Einordnung in die 2-dimensionale Matrix, waagerecht Einfluss auf das Betriebsergebnis / Wert, senkrecht Beschaffungsrisiko:
| Einfluss auf Betriebsergebnis HOCH (A-Artikel) | Einfluss auf Betriebsergebnis GERING (C-Artikel) | |
|---|---|---|
| BeschaffungsÂrisiko HOCH | Key Products (strategische Produkte) · Lizenzen/Patente (5 / 5) · Software (3 / 5) |
Bottleneck Products (Engpassprodukte) â hier nicht besetzt â |
| BeschaffungsÂrisiko GERING | Leverage Products (Hebelprodukte) · Scanner (5 / 1) |
Non Critical Products (unkritische Produkte) · Motoren (2 / 2) · Tastaturknöpfe (1 / 1) · Ersatzteile (1 / 1) |
BegrĂŒndung und abgeleitete Strategie je Feld:
| Material | Feld | BegrĂŒndung | Strategie |
|---|---|---|---|
| Lizenzen/Patente | Key Product | höchster Ergebniseinfluss und höchstes Risiko: rechtlich geschĂŒtzt, faktisch monopolistisches Angebot, kaum substituierbar | besonders strategisches Interesse; Sicherungs- und Wirtschaftlichkeitsziel gleichzeitig; langfristige VertrĂ€ge, enge Lieferantenbindung, GeschĂ€ftsleitung einbeziehen |
| Software | Key Product | hoher Ergebniseinfluss (3), hohes Risiko (5): proprietĂ€re Anbieter, Lock-in, Wechselkosten | wie oben; zusĂ€tzlich Exit-Strategie / Zweitquelle und Escrow-Regelungen prĂŒfen |
| Scanner | Leverage Product | gröĂter Wertblock (10 Mio. âŹ, 54,6 %), hoher Ergebniseinfluss, aber geringes Risiko (1) = funktionierender Wettbewerbsmarkt | Lieferbereitschaft ist nicht gefĂ€hrdet â âHebel" zur Ergebnisverbesserung: Wettbewerb ausspielen, BĂŒndelung, Preisverhandlung, Wertanalyse |
| Motoren | Non Critical (Grenzfall zu Leverage) | 2 Mio. ⏠= mittlerer Wert (B), aber Einfluss und Risiko je âgering (2)" | Standardisierung, RahmenvertrĂ€ge, moderater Betreuungsaufwand; regelmĂ€Ăig prĂŒfen, ob der Wert einen Wechsel Richtung Leverage rechtfertigt |
| Tastaturknöpfe | Non Critical | Kleinstwert (0,1 Mio. âŹ), Einfluss 1, Risiko 1 | ohne erkennbares Versorgungsrisiko â Analysen nur sporadisch; Catalogue Buying, Sammelbestellungen, Prozesskosten minimieren |
| Ersatzteile | Non Critical | 0,2 Mio. âŹ, Einfluss 1, Risiko 1 | wie oben; BestandsfĂŒhrung vereinfacht, ggf. Konsignationslager |
AuffĂ€llig: Das Feld Bottleneck Products bleibt leer; der Hersteller hat derzeit kein geringwertiges Material mit hohem Versorgungsrisiko. Das ist eine gute Nachricht, aber dieses Feld gehört laufend ĂŒberwacht: Ein billiges Bauteil mit nur einem Lieferanten kann jederzeit dort hineinrutschen und die gesamte Fertigung stoppen.
b) Empfohlene Art der Bedarfsermittlung
Leitprinzip: Der Genauigkeitsanspruch der Bedarfsermittlung hÀngt vom Wert und vom Beschaffungsrisiko des Materials ab.
| Material | Portfolio-Feld | Empfehlung | BegrĂŒndung |
|---|---|---|---|
| Scanner | Leverage Product, A-Artikel | Programmgebunden (deterministisch) | 10 Mio. ⏠= 54,6 % des Einkaufsvolumens. Der Scanner geht als Baugruppe direkt ins MessgerĂ€t ein â SekundĂ€rbedarf ĂŒber StĂŒcklistenauflösung aus dem Produktionsprogramm. Der hohe Wert rechtfertigt den Aufwand der exakten Ermittlung locker: Jeder Prozentpunkt Fehlbestand oder Ăberbestand kostet hier sechsstellig. |
| Tastaturknöpfe | Non Critical, C-Artikel | Verbrauchsgebunden (stochastisch) | 0,1 Mio. ⏠= 0,55 % des Volumens, kein Risiko, konstanter Verbrauch. Eine exakte Ermittlung wĂŒrde mehr kosten, als sie einspart (âC-Artikel sind billig, kosten aber viel"). Arithmetischer bzw. gleitender Mittelwert genĂŒgt; Bestellung ĂŒber Meldebestand/Catalogue Buying, ggf. Bestellauslösung an den Lieferanten ĂŒbertragen. |
| Motoren | Non Critical / Grenzfall zu Leverage, B-Artikel | Verbrauchsgebunden, ergĂ€nzt um eine programmgebundene Plausibilisierung bei ProgrammĂ€nderungen | Mit 2 Mio. ⏠(10,9 %) kein Bagatellartikel, aber Einfluss (2) und Risiko (2) sind gering; der Aufwand einer laufenden exakten Ermittlung ist nicht gerechtfertigt. Die Routine lĂ€uft ĂŒber Prognose (gleitender Mittelwert / exponentielle GlĂ€ttung); bei Ănderungen des Produktionsprogramms wird ĂŒber die StĂŒcklistenauflösung gegengeprĂŒft. |
Zur BegrĂŒndung bei den Motoren: Der Motor ist der einzige Grenzfall der Aufgabe. Ausschlaggebend ist die Argumentation ĂŒber Wert und Beschaffungsrisiko, nicht das Etikett. Ist die StĂŒckliste im ERP ohnehin gepflegt, wĂ€re auch eine rein programmgebundene Ermittlung begrĂŒndbar.
(Tabelle siehe unten)
Ermitteln Sie rechnerisch den Bedarf fĂŒr die KW 13
a) indem Sie den âgewichteten gleitenden Mittelwert" der vier letzten Perioden nehmen (recherchieren Sie diese Methode). Die aktuellste Periode soll mit 50%, die zweitaktuellste mit 25%, die drittaktuellste mit 15% und die viertaktuellste mit 10% gewichtet werden.
b) indem Sie die exponentielle GlÀttung anwenden, wobei α = 0,2 (GlÀttungsfaktor) sein soll und der Vorhersagewert der KW 12 den Wert 120 Liter haben soll.
| KW | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Liter | 80 | 100 | 90 | 110 | 90 | 120 | 130 | 110 | 140 | 130 | 150 | 140 |
a) Gewichteter gleitender Mittelwert der vier letzten Perioden
Formel:
Schritt 1: die vier letzten Perioden und ihre Gewichte zuordnen. âAktuellste" ist die zuletzt beobachtete Woche, also KW 12, dann rĂŒckwĂ€rts:
| Rang | Kalenderwoche | Verbrauch | Gewicht |
|---|---|---|---|
| aktuellste | KW 12 | 140 Liter | 50 % = 0,50 |
| zweitaktuellste | KW 11 | 150 Liter | 25 % = 0,25 |
| drittaktuellste | KW 10 | 130 Liter | 15 % = 0,15 |
| viertaktuellste | KW 9 | 140 Liter | 10 % = 0,10 |
| ÎŁ = 1,00 â |
Schritt 2: einsetzen
Schritt 3: Zwischenergebnisse
| Kalenderwoche | Rechnung | gewichteter Beitrag |
|---|---|---|
| KW 12 | 0,50 · 140 | 70,0 |
| KW 11 | 0,25 · 150 | 37,5 |
| KW 10 | 0,15 · 130 | 19,5 |
| KW 9 | 0,10 · 140 | 14,0 |
| Summe | 141,0 |
Ergebnis a): Der prognostizierte Bedarf fĂŒr KW 13 betrĂ€gt 141 Liter.
Kontrolle/Einordnung: Der ungewichtete gleitende Mittelwert derselben vier Perioden wÀre Liter. Die Gewichtung hebt die Prognose leicht an, weil die aktuelleren Wochen (140 und 150 Liter) stÀrker zÀhlen.
b) Exponentielle GlÀttung, α = 0,2
Formel:
Schritt 1: Werte zuordnen ( = KW 12, = KW 13):
| Symbol | Bedeutung | Wert |
|---|---|---|
| GlÀttungsfaktor | 0,2 | |
| beobachteter Verbrauch KW 12 | 140 Liter | |
| Prognosewert fĂŒr KW 12 (laut Aufgabe) | 120 Liter | |
| gesuchte Prognose KW 13 | ? |
Schritt 2: einsetzen
Schritt 3: Zwischenergebnisse
| Term | Rechnung | Wert |
|---|---|---|
| 0,2 · 140 | 28 | |
| 0,8 · 120 | 96 | |
| Summe | 124 |
Gegenprobe ĂŒber die Fehlerform :
Ergebnis b): Der prognostizierte Bedarf fĂŒr KW 13 betrĂ€gt 124 Liter.
Vergleich und Bewertung der beiden Ergebnisse
| Methode | Prognose KW 13 |
|---|---|
| gewichteter gleitender Mittelwert (4 Perioden) | 141 Liter |
| exponentielle GlÀttung (α = 0,2) | 124 Liter |
Die Differenz von 17 Litern ist kein Rechenfehler, sondern methodisch erklĂ€rbar: Die Datenreihe zeigt einen klaren AufwĂ€rtstrend (KW 1: 80 Liter â KW 12: 140 Liter). Der gewichtete gleitende Mittelwert stĂŒtzt sich nur auf die vier jĂŒngsten, bereits hohen Werte und folgt dem Trend gut. Die exponentielle GlĂ€ttung startet dagegen von einem niedrigen Vorhersagewert (120 Liter) und korrigiert mit kleinem α = 0,2 nur langsam nach oben: genau dieser bekannte Nachteil: âFalls ein Trend existiert, hinken die Prognosen dem Trend hinterher." Bei einem so deutlichen Trend wĂ€re die lineare Regression das sachgerechtere Verfahren.
| Periode | Absatz Fahrzeuge (real) | Absatz Fahrzeuge (prognostiziert) |
|---|---|---|
| 1 | 70.000 | |
| 2 | 80.000 | |
| 3 | 78.000 | |
| 4 | 82.000 | |
| 5 | 84.000 | |
| 6 |
Formel:
Startwert (Initialisierung): hier zwingend zu benennen!
FĂŒr Periode 1 existiert keine vorausgehende Prognose. Ăblich und hier angewandt: Fahrzeuge (die erste Prognose wird auf den ersten Ist-Wert gesetzt). Daraus folgt automatisch .
Rechenweg Periode fĂŒr Periode
| FĂŒr Periode | Formel eingesetzt | Zwischenwerte | Prognose |
|---|---|---|---|
| 2 | 21.000 + 49.000 | 70.000 | |
| 3 | 24.000 + 49.000 | 73.000 | |
| 4 | 23.400 + 51.100 | 74.500 | |
| 5 | 24.600 + 52.150 | 76.750 | |
| 6 | 25.200 + 53.725 | 78.925 |
Jede Zeile verwendet den Ist-Wert der Vorperiode und die Prognose der Vorperiode â nie zwei Ist-Werte.
AusgefĂŒllte Ergebnistabelle
| Periode | Absatz Fahrzeuge (real) | Absatz Fahrzeuge (prognostiziert) | Prognosefehler (real â prognostiziert) |
|---|---|---|---|
| 1 | 70.000 | 70.000 (Startwert) | 0 |
| 2 | 80.000 | 70.000 | +10.000 |
| 3 | 78.000 | 73.000 | +5.000 |
| 4 | 82.000 | 74.500 | +7.500 |
| 5 | 84.000 | 76.750 | +7.250 |
| 6 | â | 78.925 | â |
Ergebnis: FĂŒr Periode 6 werden 78.925 Fahrzeuge prognostiziert.
Interpretation: Der Prognosefehler ist in allen Perioden positiv, die Prognose liegt also systematisch unter dem realen Absatz. Das ist der bekannte Nachteil der exponentiellen GlĂ€ttung: âFalls ein Trend existiert, hinken die Prognosen dem Trend hinterher." Der Absatz steigt von 70.000 auf 84.000 Fahrzeuge, die Prognose kommt mit α = 0,3 nur auf 78.925 nach. Abhilfe: gröĂeres α (schnellere Anpassung, aber schwankungsanfĂ€lliger), exponentielle GlĂ€ttung zweiter Ordnung oder, sachlich am besten, lineare Regression, da ein linearer Trendverlauf vorliegt.
Hinweis zur Initialisierung: Manche Lösungen setzen direkt als Startwert (statt ĂŒber die Formel). Das fĂŒhrt zu identischen Zahlen. Wer stattdessen einen anderen Startwert wĂ€hlt (z. B. den Mittelwert), verschiebt alle Folgewerte: deshalb den gewĂ€hlten Startwert immer explizit hinschreiben und begrĂŒnden.
Die beiden Ziele
| Versorgungssicherheit | Versorgungswirtschaftlichkeit | |
|---|---|---|
| Kernfrage | Ist das Material jederzeit verfĂŒgbar? | Wird das Material zu minimalen Gesamtkosten beschafft? |
| Sachziel | Aufrechterhaltung der Produktions- und LieferfĂ€higkeit: richtige Menge, richtiger Zeitpunkt, richtige QualitĂ€t, richtiger Ort | Kostenminimierung ĂŒber Einstandspreis, Bestell-, Lager- und Prozesskosten |
| Typische MaĂnahmen | hohe SicherheitsbestĂ€nde, Mehrquellenbezug (Multiple/Dual Sourcing), lokale Lieferanten, Rahmen- und VorratsvertrĂ€ge, Qualifizierung von Zweitlieferanten, Pufferzeiten | niedrige BestĂ€nde (JIT), BĂŒndelung groĂer Mengen, Single Sourcing, Global Sourcing bei Niedrigpreis-Anbietern, Preisverhandlung, Wettbewerbsdruck |
Warum sich die Ziele widersprechen
Fast jede MaĂnahme, die die eine GröĂe verbessert, verschlechtert die andere:
| MaĂnahme | Wirkung auf Sicherheit | Wirkung auf Wirtschaftlichkeit |
|---|---|---|
| Sicherheitsbestand erhöhen | â Lieferbereitschaft gesichert | â Kapitalbindung, Lagerkosten, Verderb-/Veralterungsrisiko |
| Just-in-Time einfĂŒhren | â jede Störung schlĂ€gt sofort durch | â minimale BestĂ€nde, kaum Kapitalbindung |
| Zweit-/Drittlieferant aufbauen | â Ausfall eines Lieferanten abgefedert | â Mengen werden gesplittet â schlechtere Konditionen, doppelte Qualifizierungs- und Prozesskosten |
| Single Sourcing / BĂŒndelung | â AbhĂ€ngigkeit von einem Lieferanten | â maximale Mengendegression, geringere Prozesskosten |
| Global Sourcing beim gĂŒnstigsten Anbieter | â lange Transportwege, Wechselkurs-, Zoll- und Störungsrisiken | â niedrigster Einstandspreis |
| Lokaler Lieferant / Local Buying | â kurze Wege, schnelle Reaktion | â hĂ€ufig höherer Einstandspreis |
Versorgungssicherheit ist im Wesentlichen ein Risikoziel und wird durch Redundanz erkauft. Redundanz kostet aber genau das Geld, das die Wirtschaftlichkeit sparen will. Umgekehrt ist jede radikale Kostensenkung ein Abbau von Puffern, also von Sicherheit.
Auflösung: differenzierte Steuerung statt Kompromiss ĂŒber alle Artikel hinweg
Der Konflikt wird nicht pauschal gelöst, sondern materialgruppenspezifisch; dafĂŒr existieren ABC-, XYZ- und Portfolio-Analyse:
| Materialtyp | Vorrang | BegrĂŒndung |
|---|---|---|
| Bottleneck Products (geringer Wert, hohes Risiko) | Sicherheit | âDie Versorgung muss sichergestellt werden; MaĂnahmen mit Erhöhung der Beschaffungskosten werden akzeptiert." Ein 5-âŹ-Bauteil, das die Linie stoppt, kostet ungleich mehr als sein Preis. |
| Key Products (hoher Wert, hohes Risiko) | beides gleichzeitig | âSicherungs- und Wirtschaftlichkeitsziel stehen im Vordergrund". Hier ist echte strategische Arbeit nötig: Partnerschaften, langfristige VertrĂ€ge, gemeinsame Kostensenkung. |
| Leverage Products (hoher Wert, geringes Risiko) | Wirtschaftlichkeit | Lieferbereitschaft ist nicht gefĂ€hrdet â der klassische âHebel" zur Ergebnisverbesserung. |
| Non Critical Products (geringer Wert, geringes Risiko) | Wirtschaftlichkeit, aber ĂŒber Prozesskosten | âC-Artikel sind billig, kosten aber viel": Nicht der Einkaufspreis, sondern der Bestellaufwand ist der Hebel (Catalogue Buying, Sammelbestellungen). |
| AX-Teile | Sicherheit durch enge Bindung, Wirtschaftlichkeit durch JIT | hohe Vorhersagegenauigkeit macht JIT ĂŒberhaupt erst risikoarm möglich: hier lösen sich beide Ziele teilweise auf. |
| CZ-Teile | Wirtschaftlichkeit ĂŒber Prozessvereinfachung | unregelmĂ€Ăiger Verbrauch + niedriger Wert â AbrufvertrĂ€ge, Konsignationslager, Aufgaben an den Lieferanten ĂŒbertragen. |
FĂŒr die Klausur bleibt festzuhalten: Der Zielkonflikt ist nicht auflösbar, aber steuerbar. Wer ihn pauschal in eine Richtung entscheidet, macht immer einen Fehler. Entweder zahlt er fĂŒr Sicherheit, die er nicht braucht (C-Teile mit Doppellieferant), oder er spart an Sicherheit, die er dringend brĂ€uchte (Engpassteil im Single Sourcing).