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📩 Bedarfsermittlung — ABC-Analyse · Bestellmenge

EINK — Einkauf · Prof. Dr. Gabriel · 8 Aufgaben / 60 min · Closed Book (nur Taschenrechner)

Bedarfsermittlung

Status: ERARBEITET aus den Vorlesungsfolien (kein offizielles Lösungsblatt). Alle Rechenergebnisse maschinell geprĂŒft.

EINK – Einkauf, Kapitel 2 (Prof. Dr. S. Gabriel, TH Bingen). Klausur ist Closed Book: die Formeln (exponentielle GlĂ€ttung, lineare Regression, SekundĂ€r-/Netto-Bedarf) mĂŒssen auswendig sitzen, und der Rechenweg wird verlangt, nicht nur das Ergebnis.


Warum Bedarfsermittlung?

Die Bedarfsermittlung ist die erste Stufe des Beschaffungsprozesses. Alles Weitere (Beschaffungsmarktforschung, Anfrage, Verhandlung, Bestellung) baut auf ihr auf. Ist der Bedarf falsch ermittelt, ist jede noch so gute Verhandlung wertlos: es wird das Falsche, zu viel oder zu wenig beschafft.

Die zentrale Planungsaufgabe der Materialwirtschaft lautet: Beschaffung

  • in der benötigten Menge,
  • zum richtigen Zeitpunkt,
  • in der gewĂŒnschten QualitĂ€t,
  • am richtigen Ort.

GrundsĂ€tzlich stehen zwei Verfahren zur VerfĂŒgung: die programmgebundene (deterministische) und die verbrauchsgebundene (stochastische) Materialbedarfsermittlung.

Der Einkauf sitzt dabei als Schnittstelle zwischen Lieferanten und BedarfstrĂ€gern: er ĂŒbersetzt den technisch formulierten Bedarf der Fachabteilung in eine marktfĂ€hige Beschaffungsaufgabe.


Bedarfsarten: PrimÀr-, SekundÀr-, TertiÀrbedarf

Begriff Definition Beispiele
PrimÀrbedarf 
ist der Marktbedarf, d. h. der Bedarf an Erzeugnissen, den ein Betrieb absetzt Autos, Computer
SekundĂ€rbedarf 
ist der Bedarf an Rohstoffen, Einzelteilen oder Baugruppen, die zur Erstellung des PrimĂ€rbedarfs benötigt werden Auto: RĂ€der, TĂŒren, 
 · Computer: GehĂ€use, Prozessor, Festplatte, 

TertiÀrbedarf 
ist der Bedarf an Hilfsstoffen oder Betriebsstoffen, die zur Herstellung des SekundÀr- und PrimÀrbedarfs notwendig sind Schmiermittel, Energie, 


Beispiel Aktenschrank (siehe Aufgabe 2): Der Auftrag ĂŒber 200 AktenschrĂ€nke ist der PrimĂ€rbedarf. Die daraus abgeleiteten 200 RĂŒckwĂ€nde, 400 Seitenteile, 1.200 Regalbretter usw. sind der SekundĂ€rbedarf. Der Leim, der Strom fĂŒr die SĂ€ge und das Schmiermittel der Maschine sind TertiĂ€rbedarf.

Der SekundĂ€rbedarf entsteht ĂŒber die StĂŒcklistenauflösung:

SekundĂ€rbedarf=PrimĂ€rbedarf⋅Bestandteile der StĂŒckliste\text{SekundĂ€rbedarf} = \text{PrimĂ€rbedarf} \cdot \text{Bestandteile der StĂŒckliste}


Brutto- und Nettobedarf

Der SekundÀrbedarf ist noch nicht die Bestellmenge. Zwei Korrekturen sind nötig:

1. Nach oben, der Zusatzbedarf: Ausschuss, Schwund, Bruch, Ersatzteilbedarf.

Bruttobedarf=SekundÀrbedarf+Zusatzbedarf\text{Bruttobedarf} = \text{SekundÀrbedarf} + \text{Zusatzbedarf}

2. Nach unten, was schon da ist: FĂŒr den tatsĂ€chlichen Bestellbedarf (= Nettobedarf) sind ausdrĂŒcklich aktueller Lagerbestand, vorhandene Bestellungen, Reservierungen u. a. zu berĂŒcksichtigen.

Nettobedarf=Bruttobedarf−(Lagerbestand+offene Bestellungen−Reservierungen)\text{Nettobedarf} = \text{Bruttobedarf} - \bigl(\text{Lagerbestand} + \text{offene Bestellungen} - \text{Reservierungen}\bigr)

ErgĂ€nzung: In der Praxis wird zusĂ€tzlich ein vorgeschriebener Sicherheitsbestand abgezogen, weil er nicht disponibel ist: Netto=Brutto−(Lagerbestand+offene Bestellungen−Reservierungen−Sicherheitsbestand)\text{Netto} = \text{Brutto} - (\text{Lagerbestand} + \text{offene Bestellungen} - \text{Reservierungen} - \text{Sicherheitsbestand}). In der Klausur nur ansetzen, wenn die Aufgabe einen Sicherheitsbestand nennt.

Der Nettobedarf ist der tatsÀchliche Bestellbedarf.

Beispiel: 200 RĂŒckwĂ€nde SekundĂ€rbedarf, 5 % Ausschuss ⇒ 10 StĂŒck Zusatzbedarf ⇒ 210 StĂŒck Bruttobedarf. Bei 50 StĂŒck auf Lager ⇒ 160 StĂŒck Nettobedarf = das, was bestellt wird.


Die zwei Grundverfahren im Vergleich

Kriterium Programmgebunden (deterministisch) Verbrauchsgebunden (stochastisch)
Ausgangspunkt Produktionsprogramm / PrimÀrbedarf Verbrauchsstatistik vergangener Planungsperioden
Rechenweg StĂŒcklistenauflösung: PrimĂ€rbedarf × StĂŒcklistenmengen statistische Prognoseverfahren
Genauigkeit exakt, weil aus PrimÀrbedarf und Bestandteilen abgeleitet SchÀtzung, fehlerbehaftet
Aufwand hoch (StĂŒcklisten pflegen, IT-gestĂŒtzt) gering
Voraussetzung vollstĂ€ndige, gepflegte StĂŒcklisten verlĂ€ssliche Vergangenheitswerte, stabiler Verlauf
Typische Anwendung A-Teile, hochwertige und risikobehaftete Materialien, SekundÀrbedarf C-Teile, Hilfs- und Betriebsstoffe (TertiÀrbedarf), geringwertige Materialien
Grenze scheitert, wenn keine StĂŒckliste existiert nicht sinnvoll bei stark schwankenden oder zufĂ€lligen Reihen

Zusammengefasst: Die programmgebundene Bedarfsermittlung ist exakt, weil der Bedarf aus dem PrimĂ€rbedarf der Erzeugnisse und ihrer Bestandteile ermittelt wird. Und wenn keine verlĂ€sslichen Verbrauchswerte aus der Vergangenheit vorliegen bzw. StĂŒcklisten fehlen, kommen SchĂ€tzverfahren zur Anwendung.

Der Genauigkeitsanspruch hĂ€ngt vom Wert und vom Beschaffungsrisiko des Materials ab. Mittels ABC-Analyse und XYZ-Analyse werden genau jene hochwertigen bzw. risikobehafteten Materialien ermittelt, die den Aufwand einer exakten Bedarfsermittlung ĂŒberhaupt rechtfertigen.


Programmgebunden: StĂŒckliste und MengenĂŒbersichtsstĂŒckliste

StĂŒcklisten sind ĂŒberall dort anzutreffen, wo Endprodukte aus mehreren Ausgangsteilen oder -stoffen zusammengesetzt werden, etwa bei der Montage von GerĂ€ten oder bei Rezepturen in der Lebensmittelindustrie.

Die StĂŒckliste enthĂ€lt alle Bestandteile eines Produkts gemĂ€ĂŸ Fertigungsstruktur bzw. Fertigungsstufen:

  • Stufe 0: Produkt (z. B. X1)
  • Stufe 1: Baugruppen (z. B. A, B)
  • Stufe 2: Einzelteile (z. B. a, b, c, d)

Aus der Fertigungsstruktur lĂ€sst sich (falls gewĂŒnscht ĂŒber die Zwischenstufe der Baugruppen) die MengenĂŒbersichtsstĂŒckliste ableiten. Sie listet je Code-Nr. die gesamte benötigte Menge je Endprodukt, unabhĂ€ngig davon, ĂŒber welchen Ast der Struktur das Teil einfließt.

Rechenlogik bei mehrstufigen Strukturen: Menge eines Einzelteils = Summe ĂŒber alle Pfade von (Menge der Baugruppe je Produkt) × (Menge des Einzelteils je Baugruppe).

Beispiel: Produkt X1 enthĂ€lt 2× Baugruppe A und 6× Baugruppe B. Baugruppe A enthĂ€lt 2× Teil a, Baugruppe B enthĂ€lt 3× Teil a. Dann gilt fĂŒr Teil a je StĂŒck X1: 2⋅2+6⋅3=4+18=222 \cdot 2 + 6 \cdot 3 = 4 + 18 = 22 StĂŒck. Es muss ĂŒber alle Pfade summiert werden, nicht nur ĂŒber einen Ast.


Verbrauchsgebunden: Verbrauchsmodelle und Methodenwahl

Grundlage ist die Verbrauchsstatistik vergangener Planungsperioden. Zuerst wird das Verbrauchsmodell bestimmt, daraus folgt die Methode:

Verbrauchsmodell Kennzeichen Typische Methoden
Konstanter Verbrauch schwankt um ein festes Niveau, kein Trend arithmetischer Mittelwert, gleitender Mittelwert
Trend steigt oder fÀllt systematisch exponentielle GlÀttung, lineare Regression
Saisonaler Verlauf wiederkehrende Muster (Jahreszeit, Woche) Ermittlung von Saisonkoeffizienten, Kombination mehrerer Verfahren

Allgemein:

  • Die Verfahren lassen sich nicht sinnvoll bei stark schwankenden oder zufĂ€lligen Reihen einsetzen (→ das sind die Z-Artikel der XYZ-Analyse).
  • Sie sind nicht auf die Materialbedarfsermittlung beschrĂ€nkt, sondern werden auch fĂŒr Absatzprognosen, Umsatzentwicklung u. a. eingesetzt.

Prognoseverfahren im Detail

1. Arithmetisches Mittel

Voraussetzung: konstanter Bedarfsverlauf. y1,
,yny_1, \dots, y_n sind die gemessenen Verbrauchswerte vergangener Perioden (z. B. monatlich oder jÀhrlich):

y‟=1n∑i=1nyi=y1+y2+
+ynn\bar{y} = \frac{1}{n}\sum_{i=1}^{n} y_i = \frac{y_1 + y_2 + \dots + y_n}{n}

Beispiel (Zahlen aus Aufgabe 5, alle 12 Kalenderwochen): 80+100+
+14012=139012=115,83\frac{80+100+\dots+140}{12} = \frac{1390}{12} = 115{,}83 Liter. Man sieht sofort die SchwĂ€che: Der Verbrauch steigt im Quartal deutlich an: das arithmetische Mittel ĂŒber alle Perioden unterschĂ€tzt den kommenden Bedarf massiv (zuletzt lagen die Werte bei 140–150 Liter).

2. Gleitender Mittelwert

Gleitende Mittelwerte verringern die in einer Datenreihe vorhandene Variation (→ GlĂ€ttung). Ein gleitender Mittelwert der Ordnung n ist eine Folge der arithmetischen Mittelwerte aufeinanderfolgender Datenpunkte.

Gleitender Mittelwert der Ordnung 3:

y‟2=y1+y2+y33,y‟3=y2+y3+y43,
\bar{y}_2 = \frac{y_1 + y_2 + y_3}{3}, \qquad \bar{y}_3 = \frac{y_2 + y_3 + y_4}{3}, \qquad \dots

Beispiel: Ordnung 3 ĂŒber KW 10–12 (130, 150, 140): 130+150+1403=140\frac{130+150+140}{3} = 140 Liter.

3. Gewichteter gleitender Mittelwert

Hinweis: Diese Variante geht ĂŒber den Vorlesungsstoff hinaus; die Übungsaufgabe 5a verlangt ausdrĂŒcklich, sie selbst zu recherchieren. Die Gewichte werden in der Aufgabe vorgegeben.

Statt alle n Perioden gleich zu behandeln, erhĂ€lt jede Periode ein Gewicht gig_i, wobei die Gewichte in Summe 1 (= 100 %) ergeben mĂŒssen und die aktuellste Periode das höchste Gewicht bekommt:

ŷt+1=∑i=1ngi⋅yimit∑i=1ngi=1\hat{y}_{t+1} = \sum_{i=1}^{n} g_i \cdot y_i \qquad \text{mit} \quad \sum_{i=1}^{n} g_i = 1

Damit repariert man den Hauptnachteil des einfachen gleitenden Mittelwerts (alte Werte zÀhlen genau so viel wie neue), ohne die Rechenlogik zu verlassen.

4. Exponentielle GlÀttung (erster Ordnung)

Nachteil des gleitenden Mittelwerts: Alte Vergangenheitswerte werden als gleichwertig mit dem neuesten Nachfragewert behandelt — und dann plötzlich ignoriert, sobald sie aus dem Berechnungsfenster herausfallen.

Idee der exponentiellen GlÀttung:

  • Aktuelle Daten erhalten eine höhere Gewichtung als lĂ€nger vergangene Daten, aber auch lĂ€nger vergangene Daten bleiben in der Berechnung.
  • Durch die Gewichtung mit einem GlĂ€ttungsfaktor werden starke AusschlĂ€ge einzelner Werte auf der geschĂ€tzten Zeitreihe verteilt.
  • Der aktuelle Prognosefehler wird bei der folgenden Prognose berĂŒcksichtigt.

Formel: gegeben ist eine Zeitreihe mit den Beobachtungen y1,
,yty_1, \dots, y_t (z. B. MaterialverbrÀuche); zum Zeitpunkt t+1t+1 wird ein geglÀtteter SchÀtzwert errechnet:

yt+1*=α⋅yt+(1−α)⋅yt*y_{t+1}^{*} = \alpha \cdot y_t + (1 - \alpha) \cdot y_t^{*}

  • yt+1*y_{t+1}^{*} = Bedarfsprognose fĂŒr den nachfolgenden Zeitpunkt t+1t+1
  • yty_t = beobachteter Bedarf zum Zeitpunkt tt (vorausgehender Zeitreihenwert)
  • yt*y_t^{*} = Bedarfsprognose fĂŒr den Zeitpunkt tt

Äquivalente Darstellung (Fehlerform):

yt+1*=yt*+α⋅(yt−yt*)y_{t+1}^{*} = y_t^{*} + \alpha \cdot (y_t - y_t^{*})

Hier steht (yt−yt*)(y_t - y_t^{*}) fĂŒr den Prognosefehler: Differenz aus beobachtetem Bedarf minus Bedarfsprognose, jeweils zum Zeitpunkt tt. Beide Formeln liefern immer dasselbe Ergebnis. In der Klausur ist es klug, mit der einen zu rechnen und mit der anderen gegenzuprĂŒfen.

GlÀttungsfaktor α:

α Wirkung
α=0\alpha = 0 keine Anpassung, keine BerĂŒcksichtigung neuer Informationen
α=1\alpha = 1 sofortige Anpassung, es zÀhlt nur die Gegenwart
α→0\alpha \to 0 Übergewichtung der Ă€lteren Vergangenheit
α→1\alpha \to 1 Übergewichtung der jĂŒngeren Vergangenheit
Praxis 0,1<α<0,30{,}1 < \alpha < 0{,}3

5. Lineare Regression

Nachteil der exponentiellen GlÀttung: Falls ein Trend existiert, hinken die Prognosen dem Trend hinterher (gut sichtbar in Aufgabe 6: der reale Absatz steigt, die Prognose bleibt dauerhaft darunter).

Voraussetzung zur sinnvollen Anwendung: ein linearer, trendförmiger Bedarfsverlauf. Idee: Man ermittelt eine Gerade, die dem Trend möglichst nahekommt.

Man betrachtet zwei Variablen x und y, die vermutlich in einem linearen Zusammenhang y=f(x)y = f(x) stehen:

y≈a+b⋅x+Δy \approx a + b \cdot x + \varepsilon

Δ\varepsilon ist eine StörgrĂ¶ĂŸe (z. B. Schwankungen, Messungenauigkeit), die die Werte yiy_i ĂŒberlagert.

Methode der kleinsten Quadrate: die Gerade wird so durch die Punkte gelegt, dass die Summe der Fehlerquadrate minimal wird:

∑i=1n(yi−(a+bxi))2→min!\sum_{i=1}^{n} \bigl(y_i - (a + b x_i)\bigr)^2 \to \min!

Berechnung der Koeffizienten:

b=∑i=1n(xi−x‟)(yi−y‟)∑i=1n(xi−x‟)2a=y‟−bx‟b = \frac{\sum_{i=1}^{n} (x_i - \bar{x})(y_i - \bar{y})}{\sum_{i=1}^{n} (x_i - \bar{x})^2} \qquad\qquad a = \bar{y} - b\,\bar{x}

wobei x‟\bar{x} und y‟\bar{y} die arithmetischen Mittel der x- bzw. y-Werte sind.

Reihenfolge in der Klausur: erst x‟\bar{x} und y‟\bar{y}, dann Spaltentabelle mit (xi−x‟)(x_i - \bar{x}), (yi−y‟)(y_i - \bar{y}), deren Produkt und (xi−x‟)2(x_i - \bar{x})^2, dann b, dann a.


ABC-Analyse

Ausgangspunkt:

  • breites Einkaufssortiment
  • Gefahr der Überlastung der Materialwirtschaft mit Routineaufgaben

Erkenntnis:

  • mit relativ wenigen Artikeln hohe FunktionserfĂŒllung
  • Steigerung der Wirtschaftlichkeit durch Schaffung von PrioritĂ€ten
  • Klassifizierung der Materialien nach relativer Bedeutung
  • ĂŒberwiegend Wert als Kriterium
  • A-GĂŒter: hoher Wertanteil, geringer Mengenanteil
  • B-GĂŒter: mittlerer Wert-, mittlerer Mengenanteil
  • C-GĂŒter: geringer Wertanteil, hoher Mengenanteil

Vorgehen (PrĂŒfungsschema: genau diese Schrittfolge zeigen!)

  1. Erfassen der jÀhrlichen Verbrauchsmenge der Lagermaterialpositionen
  2. Multiplizieren mit dem Einzelpreis
  3. ergibt Jahresverbrauchswert fĂŒr jede Position
  4. Sortierung der Verbrauchswerte aller Positionen nach absteigender GrĂ¶ĂŸe; Kumulieren
  5. Prozentanteil am Gesamtwert (100 %) bestimmen
  6. Berechnung des Anteils an der Gesamtzahl der Positionen; kumulieren
  7. Grenzen ziehen fĂŒr X % am Gesamtwert (z. B. 80 %) = A-Material

Konsequenzen fĂŒr die Beschaffung

A-GĂŒter C-GĂŒter
Informationsbeschaffung Beobachtung aller Objekte, viele Informationsquellen wenige/keine Informationsquellen nötig
Wertanalyse hĂ€ufige Wertanalyse —
Bezugsquellen intensive Suche nach optimalen Bezugsquellen Nutzung externer Dienstleister, Catalogue Buying
Kostenfokus Einkaufspreis Prozesskosten wichtiger als Einkaufspreis
Bestellung hoher Bestellrhythmus einfache Bestellabwicklung
BestandsfĂŒhrung genaue BestandsfĂŒhrung und Überwachung vereinfachte BestandsfĂŒhrung

Bei C-GĂŒtern sind die Einzelwerte sehr niedrig, Bestellaufwand und Volumen aber recht hoch. Daher die EinkĂ€uferweisheit: „C-Artikel sind billig, kosten aber viel."

Kritik an der ABC-Analyse

  • Sie ist rein wertorientiert und vergangenheitsbezogen: die Bedarfsvorhersagegenauigkeit bleibt völlig außen vor. Ein billiges C-Teil kann die gesamte Produktion stoppen.
  • Sie sagt nichts ĂŒber das Versorgungsrisiko oder die Marktmacht des Lieferanten.
  • Die Klassengrenzen (80/15/5) sind willkĂŒrlich gesetzt, nicht berechnet.

⇒ Deshalb die ErgĂ€nzung um XYZ-Analyse (Vorhersagegenauigkeit) und Portfolio-Analyse (Versorgungsrisiko).


XYZ-Analyse

Erinnerung: Mittel der ABC-Analyse waren rechenhafte Kriterien (Wert, Menge, Anzahl). Bei der XYZ-Analyse steht dagegen die Bedarfsvorhersagegenauigkeit im Vordergrund. Sie wird auch RSU-Analyse genannt (regelmĂ€ĂŸig, saisonal, unregelmĂ€ĂŸig).

Voraussetzungen:

  • Erfahrungen aus der Vergangenheit
  • Ergebnisse der StĂŒcklistenauflösung
  • Ermittlung von Schwankungskoeffizienten (IT-gestĂŒtzt)

Klassifizierung und typische Verteilung im industriellen Bereich:

Klasse Verbrauch Vorhersagegenauigkeit Anteil an allen Artikeln Typische Beschaffungsstrategie
X konstant hoch 50 – 60 % produktionssynchron / Just-in-Time, geringe Lagerhaltung
Y schwankend mittel 10 – 20 % Vorratsbeschaffung mit Sicherheitsbestand, Prognoseverfahren
Z unregelmĂ€ĂŸig niedrig 20 – 30 % Einzelbeschaffung im Bedarfsfall bzw. bewusster Vorrat bei kritischen Teilen

Ist ABC- oder XYZ-Analyse jeweils ausreichend? → Nein. ABC kennt nur den Wert, XYZ nur die Planbarkeit. Erst die Kombination beantwortet beide Fragen gleichzeitig.


Kombination ABC- mit XYZ-Analyse

Die Kombination ist wertvoll, da Wertigkeit und Vorhersagegenauigkeit zugleich eingehen.

  • AX-Artikel: hoher Verbrauchswert, hohe Vorhersagegenauigkeit
  • CZ-Artikel: niedriger Verbrauchswert, niedrige Vorhersagegenauigkeit
AX-Teile CZ-Teile
Kriterien zur Lieferantenauswahl ZuverlÀssigkeit, FlexibilitÀt, Integration Einstandspreis, Lieferservice, Umfang der Lagerhaltung
Vertragsgestaltung langfristige PartnerschaftsvertrÀge, Jahresverhandlung AbrufvertrÀge (Jahresbasis)
Bestellabwicklung JIT-Belieferung, ERP-unterstĂŒtzt Sammelbestellungen, automatisierte Bestellungen
Lieferantenpolitik Partnerschaften, Lieferantenmotivation, Single Sourcing Local Buying, Aufgaben an Lieferanten ĂŒbertragen, Konsignationslager

FĂŒr JIT geeignet sind AX-Teile: hoher Wert (Lagerkosten lohnen die MĂŒhe) und hohe Planbarkeit (JIT funktioniert nur bei verlĂ€sslichem Bedarf).


Portfolio-Analyse

  • Basis ist die Analyse der Situation auf dem Beschaffungsmarkt: alle verfĂŒgbaren Informationen gewinnen und auswerten.
  • Ziel: kritische Einkaufsprodukte ermitteln.
  • 2-dimensionale Portfolio-Matrix.
  • Entscheidungsbasis fĂŒr kritische Einkaufsprodukte ableiten (z. B. Preis-, Mengen-, Lieferantenpolitik).
  • Gibt Aufschluss ĂŒber die strategische Position des Abnehmers.
  • Wird in der Praxis interessiert aufgenommen und angewendet, eine sinnvolle ErgĂ€nzung zur ABC-Analyse.

Achsen: ABC-AusprÀgung (bzw. Wert / Einfluss auf das Betriebsergebnis) horizontal, Versorgungsrisiko (Beschaffungsrisiko) vertikal. Basis der Bewertung: Analyse von Angebotsmacht und Nachfragemacht.

A-Artikel (hoher Wert / hoher Ergebniseinfluss) C-Artikel (niedriger Wert / geringer Ergebniseinfluss)
Versorgungsrisiko hoch Key Products Bottleneck Products
Versorgungsrisiko niedrig Leverage Products Non Critical Products
Feld Charakteristik und Strategie
Key Products besonders strategisches Interesse; Sicherungs- und Wirtschaftlichkeitsziel stehen im Vordergrund
Bottleneck Products Versorgung muss sichergestellt werden; Maßnahmen mit Erhöhung der Beschaffungskosten werden akzeptiert
Non Critical Products ohne erkennbares Versorgungsrisiko; Analysen nur sporadisch
Leverage Products Lieferbereitschaft nicht gefĂ€hrdet; „Hebel" zur Ergebnisverbesserung (Preisverhandlung, Wettbewerb, BĂŒndelung)

Wiederholungsfragen — Kurzantworten

# Frage Antwort
1 „programmgebunden" vs. „verbrauchsgebunden"? Programmgebunden: Bedarf wird ausgehend vom Produktionsprogramm ĂŒber die StĂŒckliste errechnet. Verbrauchsgebunden: statistische Verfahren auf Grundlage des Verbrauchs vergangener Planungsperioden.
2 SekundÀr-/TertiÀrbedarf? SekundÀr: Rohstoffe, Einzelteile, Baugruppen zur Erstellung des PrimÀrbedarfs. TertiÀr: Hilfs- und Betriebsstoffe zur Herstellung von SekundÀr- und PrimÀrbedarf.
3 Bestellabwicklung bei CZ-Artikeln? Sammelbestellungen und automatisierte Bestellungen (AbrufvertrÀge, Konsignationslager); Prozesskosten schlagen den Einkaufspreis.
4 Ziele der Vertragsgestaltung bei AX-Artikeln? Langfristige PartnerschaftsvertrÀge mit Jahresverhandlung; Ziele sind Versorgungssicherheit, Integration, gemeinsame Kostensenkung und planbare JIT-Belieferung.
5 Was charakterisiert „Bottleneck Products"? Geringer Wert / geringer Ergebniseinfluss, aber hohes Versorgungsrisiko. Die Versorgung muss sichergestellt werden; Kostenerhöhungen werden dafĂŒr akzeptiert.
6 Wesentliches Ziel der ABC-Analyse? PrioritĂ€ten schaffen: Konzentration der knappen EinkaufskapazitĂ€t auf die wenigen Artikel mit hohem Wertanteil, um die Überlastung mit Routineaufgaben zu vermeiden.
7 Strategie bei X-Material? Konstanter Verbrauch, hohe Vorhersagegenauigkeit → produktionssynchrone Beschaffung (JIT), geringe LagerbestĂ€nde.
8 Strategie bei Y-Material? Schwankender Verbrauch → Vorratsbeschaffung mit Sicherheitsbestand, Prognose ĂŒber GlĂ€ttungsverfahren.
9 Strategie bei Z-Material? UnregelmĂ€ĂŸiger Verbrauch → Einzelbeschaffung im Bedarfsfall; bei kritischen Teilen bewusste Bevorratung.
10 XYZ von ABC abgrenzen ABC = rechenhafte Kriterien (Wert, Menge, Anzahl) → Wertigkeit. XYZ = Bedarfsvorhersagegenauigkeit ĂŒber Schwankungskoeffizienten → Planbarkeit.
11 Welche Materialien fĂŒr JIT? AX-Teile: hoher Verbrauchswert und hohe Vorhersagegenauigkeit.
12 „niedriger Wert, niedrige Vorhersagegenauigkeit, unregelmĂ€ĂŸiger Verbrauch"? CZ-Artikel.

Übungsaufgaben — gelöst

Aufgabe #001 · Aufgabe 1 · Bedarfsermittlung als Start der BeschaffungDie Beschaffung beginnt mit der Bedarfsermittlung.
a) Welche Konflikte ergeben sich hÀufig zwischen den BedarfstrÀgern und den Beschaffungsspezialisten im Unternehmen?
b) FĂŒr welche Materialien empfiehlt sich die programmgebundene Materialbedarfsplanung und fĂŒr welche Materialien die verbrauchsorientierte Bedarfsermittlung? Welche Bedarfsermittlung ist die genauere?
c) Welche Merkmale sind zur exakten Bestimmung des Bedarfs notwendig?
✅ Lösung

a) Konflikte zwischen BedarfstrÀgern und Beschaffungsspezialisten

Der Einkauf ist die Schnittstelle zwischen Lieferanten und BedarfstrÀgern. An dieser Schnittstelle prallen unterschiedliche Zielsysteme aufeinander:

Konfliktfeld BedarfstrÀger (Fachabteilung) will 
 Beschaffungsspezialist will 

Spezifikation technisch optimale, oft markenkonkrete Lösung („genau dieses Fabrikat") funktionale, herstellerneutrale Spezifikation → Wettbewerb möglich
Zeit sofort verfĂŒgbar, kurze Wege ordentlicher Prozess: Anfrage, Angebotsvergleich, Verhandlung
Menge genau der eigene Einzelbedarf BĂŒndelung ĂŒber Abteilungen hinweg fĂŒr Mengendegression
Lieferant eingespielter, bekannter Lieferant breite Bezugsquellensuche, Vermeidung einseitiger AbhÀngigkeit
QualitÀt vs. Preis maximale QualitÀt / Sicherheitsreserve wirtschaftlich angemessene QualitÀt, Wertanalyse
ZustĂ€ndigkeit direkter Kontakt zum Lieferanten (Maverick Buying, „Vorbeikaufen" am Einkauf) Einkauf als einzige kommerzielle Schnittstelle zum Markt

Kern des Konflikts: Der BedarfstrÀger optimiert lokal (sein Projekt, sein Termin, seine QualitÀt), der Einkauf optimiert unternehmensweit (Gesamtkosten, Wettbewerb, Versorgungssicherheit, Compliance). SpÀte Einbindung des Einkaufs verschÀrft das: Ist die Spezifikation schon auf einen Lieferanten zugeschnitten, ist der Verhandlungshebel weg.

Lösungsansatz: frĂŒhe Einbindung des Einkaufs in die Bedarfsentstehung, funktionale Leistungsbeschreibung statt Produktnennung, gemeinsame Wertanalyse, verbindliche Warengruppen- und Lieferantenstrategien.

b) Wann welches Verfahren, und was ist genauer?

Programmgebundene Bedarfsplanung Verbrauchsorientierte Bedarfsermittlung
Empfohlen fĂŒr A-Teile und hochwertige Materialien; Materialien mit hohem Beschaffungsrisiko; alle Teile, die direkt ins Erzeugnis eingehen (SekundĂ€rbedarf: Rohstoffe, Einzelteile, Baugruppen); X-Artikel mit gepflegter StĂŒckliste C-Teile und geringwertige Materialien; Hilfs- und Betriebsstoffe (TertiĂ€rbedarf, z. B. Schmiermittel, Energie, Reinigungsmittel); Verschleiß- und Ersatzteile; alles ohne StĂŒckliste, wo der Aufwand einer exakten Ermittlung nicht lohnt
Voraussetzung vollstĂ€ndige, gepflegte StĂŒcklisten + festes Produktionsprogramm verlĂ€ssliche Verbrauchswerte der Vergangenheit + hinreichend stabiler Verlauf

Die genauere Bedarfsermittlung ist die programmgebundene, weil der Bedarf deterministisch aus dem PrimÀrbedarf der Erzeugnisse und ihrer Bestandteile abgeleitet wird: sie rechnet, sie schÀtzt nicht. Die verbrauchsorientierte Methode ist eine Prognose und damit immer fehlerbehaftet; sie versagt zudem bei stark schwankenden oder zufÀlligen Reihen.

Wirtschaftlicher Zusatz: Der Genauigkeitsanspruch hĂ€ngt von Wert und Beschaffungsrisiko ab. ABC- und XYZ-Analyse identifizieren jene Materialien, die den Aufwand einer exakten Bedarfsermittlung ĂŒberhaupt rechtfertigen.

c) Merkmale zur exakten Bestimmung des Bedarfs

Der Bedarf ist erst dann exakt bestimmt, wenn alle vier Dimensionen der zentralen Planungsaufgabe festgelegt sind, dazu die eindeutige Identifikation des Materials:

Merkmal Frage Beispiel
Materialart / IdentitĂ€t Was genau? Eindeutige Spezifikation, Sachnummer, Norm Sechskantschraube M8×40, DIN 933, verzinkt
Menge Wie viel? In der benötigten Menge 4.800 StĂŒck
Zeitpunkt Wann? Zum richtigen Zeitpunkt (Termin, ggf. Lieferrhythmus) Anlieferung KW 14
QualitĂ€t Wie gut? In der gewĂŒnschten QualitĂ€t Festigkeitsklasse 8.8, Zeugnis 3.1
Ort Wohin? Am richtigen Ort Wareneingang Werk 2 / direkt an Linie 3

Fehlt eines dieser Merkmale, ist der Bedarf nicht beschaffbar: eine Menge ohne Termin ist ebenso wertlos wie ein Termin ohne Spezifikation.

Aufgabe #002 · Aufgabe 2 · AktenschrĂ€nke — SekundĂ€r-, Zusatz-, Brutto- und NettobedarfEin Unternehmen, das sich auf die Herstellung von AktenschrĂ€nken spezialisiert hat, erhĂ€lt einen Auftrag ĂŒber 200 AktenschrĂ€nke. Pro Aktenschrank werden folgende Teile benötigt:

(Tabelle siehe unten)

Bei der Produktion der RĂŒckwand ist mit einem Ausschuss von 5% zu rechnen. 50 Seitenteile sind bereits fĂŒr einen anderen Auftrag reserviert.
a) Ermitteln Sie pro Artikel den SekundÀr- und den möglichen Zusatzbedarf.
b) Ermitteln Sie pro Artikel den Brutto- und den Netto-Bedarf.
Anzahl Artikel Lagerbestand
1 RĂŒckwand 50
2 Seitenteile 100
6 Regalbrett 100
24 Schrauben 2000
24 Schraubenmuttern 2000
✅ Lösung

Gegeben: PrimÀrbedarf = 200 AktenschrÀnke.

Formeln (zuerst hinschreiben!):

SekundĂ€rbedarf=PrimĂ€rbedarf⋅StĂŒcklistenmenge\text{SekundĂ€rbedarf} = \text{PrimĂ€rbedarf} \cdot \text{StĂŒcklistenmenge} Bruttobedarf=SekundĂ€rbedarf+Zusatzbedarf\text{Bruttobedarf} = \text{SekundĂ€rbedarf} + \text{Zusatzbedarf} Nettobedarf=Bruttobedarf−verfĂŒgbarer Lagerbestand\text{Nettobedarf} = \text{Bruttobedarf} - \text{verfĂŒgbarer Lagerbestand} verfĂŒgbarer Lagerbestand=Lagerbestand−Reservierungen\text{verfĂŒgbarer Lagerbestand} = \text{Lagerbestand} - \text{Reservierungen}


a) SekundÀrbedarf und Zusatzbedarf

SekundÀrbedarf, Rechenweg je Artikel:

Artikel Rechnung SekundÀrbedarf
RĂŒckwand 200 · 1 200 StĂŒck
Seitenteile 200 · 2 400 StĂŒck
Regalbrett 200 · 6 1.200 StĂŒck
Schrauben 200 · 24 4.800 StĂŒck
Schraubenmuttern 200 · 24 4.800 StĂŒck

Zusatzbedarf: Ein Zusatzbedarf entsteht nur dort, wo Material verloren geht, hier durch den Ausschuss von 5 % bei der RĂŒckwand:

ZusatzbedarfRĂŒckwand=200⋅0,05=đŸđŸŽđ’đ­ĂŒđœđ€\text{Zusatzbedarf}_{\text{RĂŒckwand}} = 200 \cdot 0{,}05 = \mathbf{10\ \text{StĂŒck}}

FĂŒr alle ĂŒbrigen Artikel: Zusatzbedarf = 0 (kein Ausschuss angegeben).

Wichtig: die Reservierung ist kein Zusatzbedarf. Die 50 reservierten Seitenteile erhöhen nicht den Bedarf dieses Auftrags, sondern mindern den verfĂŒgbaren Lagerbestand. Sie wirken deshalb erst in Teil b).


b) Bruttobedarf und Nettobedarf

Artikel SekundĂ€r­bedarf Zusatz­bedarf Brutto­bedarf Lager­bestand Reser­viert verfĂŒgbar Netto­bedarf
RĂŒckwand 200 10 210 50 0 50 160
Seitenteile 400 0 400 100 50 50 350
Regalbrett 1.200 0 1.200 100 0 100 1.100
Schrauben 4.800 0 4.800 2.000 0 2.000 2.800
Schraubenmuttern 4.800 0 4.800 2.000 0 2.000 2.800

Rechenweg ausgeschrieben:

  • RĂŒckwand: Brutto = 200 + 10 = 210 StĂŒck; Netto = 210 − 50 = 160 StĂŒck
  • Seitenteile: Brutto = 400 + 0 = 400 StĂŒck; verfĂŒgbar = 100 − 50 = 50 StĂŒck; Netto = 400 − 50 = 350 StĂŒck
  • Regalbrett: Brutto = 1.200 StĂŒck; Netto = 1.200 − 100 = 1.100 StĂŒck
  • Schrauben: Brutto = 4.800 StĂŒck; Netto = 4.800 − 2.000 = 2.800 StĂŒck
  • Schraubenmuttern: Brutto = 4.800 StĂŒck; Netto = 4.800 − 2.000 = 2.800 StĂŒck

Ergebnis (Bestellbedarf): 160 RĂŒckwĂ€nde · 350 Seitenteile · 1.100 Regalbretter · 2.800 Schrauben · 2.800 Schraubenmuttern.

Nebenvarianten in einem Satz: Rechnet man den Ausschuss statt aufgeschlagen heraus (200/0,95=210,53⇒211200 / 0{,}95 = 210{,}53 \Rightarrow 211 StĂŒck), ergibt sich Netto 161 statt 160 StĂŒck; bucht man die Reservierung als Zusatzbedarf (400 + 50 = 450, Netto 450 − 100), ist das Nettoergebnis mit 350 StĂŒck identisch. Die oben gerechnete Variante ist die Hauptlösung.

Aufgabe #003 · Aufgabe 3 · ABC-Analyse mit 9 MaterialpositionenEine Bedarfsanalyse ergab das untenstehende Ergebnis. FĂŒhren Sie eine ABC-Analyse durch, um die Materialien zu klassifizieren:
Materialposition StĂŒckpreis in € Bedarf/Periode in StĂŒck
1 200 500
2 500 45
3 1000 12
4 10 1100
5 300 100
6 60 400
7 5 4900
8 5000 25
9 20 950
✅ Lösung

Wir gehen exakt das Vorgehensschema durch.


Schritt 1 + 2 + 3: Verbrauchsmenge × Einzelpreis = Jahresverbrauchswert

Verbrauchswerti=StĂŒckpreisi⋅Bedarfi\text{Verbrauchswert}_i = \text{StĂŒckpreis}_i \cdot \text{Bedarf}_i

Position Rechnung Verbrauchswert
1 200 € · 500 100.000 €
2 500 € · 45 22.500 €
3 1.000 € · 12 12.000 €
4 10 € · 1.100 11.000 €
5 300 € · 100 30.000 €
6 60 € · 400 24.000 €
7 5 € · 4.900 24.500 €
8 5.000 € · 25 125.000 €
9 20 € · 950 19.000 €
Summe 368.000 €

Gesamtmenge zur Kontrolle: 500 + 45 + 12 + 1.100 + 100 + 400 + 4.900 + 25 + 950 = 8.032 StĂŒck bei 9 Positionen.


Schritt 4 + 5 + 6: absteigend sortieren, Wertanteile und Positionsanteile kumulieren

Ein Positionsanteil entspricht 19=11,1%\frac{1}{9} = 11{,}1\ \%.

Rang Position Verbrauchswert % am Gesamtwert kum. % Wert kum. % Positionen Klasse (80-%-Regel)
1 8 125.000 € 33,97 % 33,97 % 11,1 % A
2 1 100.000 € 27,17 % 61,14 % 22,2 % A
3 5 30.000 € 8,15 % 69,29 % 33,3 % A
4 7 24.500 € 6,66 % 75,95 % 44,4 % A
5 6 24.000 € 6,52 % 82,47 % ← 80-%-Grenze ĂŒberschritten 55,6 % A
6 2 22.500 € 6,11 % 88,59 % 66,7 % B
7 9 19.000 € 5,16 % 93,75 % ← 95-%-Grenze 77,8 % B
8 3 12.000 € 3,26 % 97,01 % 88,9 % C
9 4 11.000 € 2,99 % 100,00 % 100,0 % C

Beispiel-Rechenweg Rang 1: 125.000368.000=0,3397=33,97%\frac{125.000}{368.000} = 0{,}3397 = 33{,}97\ \% · kumuliert 33,97 %. Rang 2: 100.000368.000=27,17%\frac{100.000}{368.000} = 27{,}17\ \% · kumuliert 33,97+27,17=61,14%33{,}97 + 27{,}17 = 61{,}14\ \%.


Schritt 7: Klassengrenzen ziehen nach dem Standardschema

Schritt 7 lautet wörtlich: Grenzen ziehen fĂŒr X % am Gesamtwert (z. B. 80 %) = A-Material. Also wird die 80-%-Grenze angelegt: A-Material sind alle Positionen, bis kumuliert 80 % des Gesamtwerts erreicht sind. Das ist bei Rang 5 (Position 6) mit 82,47 % der Fall.

A-Grenze: kumulierter Wertanteil≄80%⇒Positionen 8,1,5,7,6\text{A-Grenze: kumulierter Wertanteil} \geq 80\,\% \;\Rightarrow\; \text{Positionen } 8,\,1,\,5,\,7,\,6

FĂŒr B und C werden die ĂŒblichen Folgegrenzen ergĂ€nzt (95 % fĂŒr B, Rest C):

Klasse Grenze Positionen Anzahl % der Positionen Wert % am Gesamtwert Menge % der Menge
A bis 80 % kum. 8, 1, 5, 7, 6 5 55,6 % 303.500 € 82,47 % 5.925 73,77 %
B bis 95 % kum. 2, 9 2 22,2 % 41.500 € 11,28 % 995 12,39 %
C Rest 3, 4 2 22,2 % 23.000 € 6,25 % 1.112 13,84 %
Summe 9 100 % 368.000 € 100 % 8.032 100 %

Maßnahmen:

  • A (Pos. 8, 1, 5, 7, 6): intensive Bezugsquellensuche, hĂ€ufige Wertanalyse, genaue BestandsfĂŒhrung, hoher Bestellrhythmus, programmgebundene Bedarfsermittlung.
  • B (Pos. 2, 9): mittlerer Betreuungsaufwand, regelmĂ€ĂŸige ÜberprĂŒfung, RahmenvertrĂ€ge.
  • C (Pos. 3, 4): vereinfachte BestandsfĂŒhrung, Catalogue Buying, Sammelbestellungen. Ziel ist, die Prozesskosten zu senken, nicht um den Einkaufspreis zu feilschen.

Diskussion des Ergebnisses (gehört in die Klausurantwort, ersetzt sie aber nicht)

Nach diesem Schema fallen 5 von 9 Positionen (55,6 %) in die A-Klasse. Das widerspricht dem Grundgedanken der ABC-Analyse („A-GĂŒter: hoher Wertanteil, geringer Mengenanteil"), und auch der Mengenanteil passt nicht: Die A-Klasse enthĂ€lt hier 73,8 % der Gesamtmenge, weil Position 7 allein 4.900 StĂŒck umfasst. Ursache ist die kleine Grundgesamtheit. Bei nur 9 Positionen greift die 80/15/5-Faustregel schlecht, ein einzelner Artikel bewegt den kumulierten Wertanteil um 6–8 Prozentpunkte.

Alternative Grenzziehung am Wertsprung: bei kleinen Sortimenten ĂŒblich und ebenfalls vertretbar, wenn sie genannt und begrĂŒndet wird: Nach Position 1 fĂ€llt der Verbrauchswert von 100.000 € auf 30.000 €, also auf weniger als ein Drittel. Schneidet man dort, ergibt sich:

Klasse Positionen Anzahl % der Positionen Wert % am Gesamtwert
A 8, 1 2 22,2 % 225.000 € 61,14 %
B 5, 7, 6, 2 4 44,4 % 101.000 € 27,45 %
C 9, 3, 4 3 33,3 % 42.000 € 11,41 %

Dann zeigt sich das typische Muster: 22 % der Positionen binden 61 % des Wertes.

FĂŒr die Klausur: Zuerst das Standardschema mit der 80-%-Grenze anwenden und ausweisen: es muss erkennbar sein. Die Wertsprung-Variante nur zusĂ€tzlich als Diskussion anfĂŒgen.

Beobachtung zu Position 7: 4.900 StĂŒck (61 % der Gesamtmenge) zu je 5 €, also eine riesige Menge bei kleinem StĂŒckwert. WertmĂ€ĂŸig landet sie ĂŒber die 80-%-Regel in der A-Klasse, ihrem Bewirtschaftungscharakter nach ist sie ein klassischer C-Fall („C-Artikel sind billig, kosten aber viel"). Solche Positionen begrĂŒnden die ErgĂ€nzung um die XYZ-Analyse.

Aufgabe #004 · Aufgabe 4 · Portfolio-Analyse MessgerĂ€teherstellerEin Hersteller elektronischer MessgerĂ€te konnte seine Materialien klassifizieren – das Ergebnis ist in der Tabelle unten zu sehen.
a) Erstellen Sie eine Portfolio-Analyse analog zu dem in der Vorlesung gezeigten Beispiel.
b) Welche Art der Bedarfsermittlung wĂŒrden Sie ausgehend von Ihrer Portfolio-Analyse fĂŒr Motoren, Tastaturknöpfe, Scanner empfehlen?
Material Wert in Mio. € Einfluss auf das Betriebsergebnis Beschaffungsrisiko
Scanner 10 Hoch (5) Gering (1)
Lizenzen/Patente 4 Hoch (5) Hoch (5)
Motoren 2 Gering (2) Gering (2)
Tastaturknöpfe 0,1 Gering (1) Gering (1)
Ersatzteile 0,2 Gering (1) Gering (1)
Software 2 Hoch (3) Hoch (5)
✅ Lösung

a) Portfolio-Analyse

Vorarbeit, Wertanteile (entspricht der ABC-AusprÀgung auf der waagerechten Achse):

Gesamtwert: 10+4+2+0,1+0,2+2=𝟏𝟖,𝟑𝐌𝐱𝐹. €10 + 4 + 2 + 0{,}1 + 0{,}2 + 2 = \mathbf{18{,}3\ \text{Mio. €}}

Material Wert % am Gesamtwert kum. % ABC-Tendenz
Scanner 10,0 Mio. € 54,64 % 54,64 % A
Lizenzen/Patente 4,0 Mio. € 21,86 % 76,50 % A
Motoren 2,0 Mio. € 10,93 % 87,43 % B
Software 2,0 Mio. € 10,93 % 98,36 % B
Ersatzteile 0,2 Mio. € 1,09 % 99,45 % C
Tastaturknöpfe 0,1 Mio. € 0,55 % 100,00 % C

Einordnung in die 2-dimensionale Matrix, waagerecht Einfluss auf das Betriebsergebnis / Wert, senkrecht Beschaffungsrisiko:

Einfluss auf Betriebsergebnis HOCH (A-Artikel) Einfluss auf Betriebsergebnis GERING (C-Artikel)
Beschaffungs­risiko HOCH Key Products (strategische Produkte)
· Lizenzen/Patente (5 / 5)
· Software (3 / 5)
Bottleneck Products (Engpassprodukte)
— hier nicht besetzt —
Beschaffungs­risiko GERING Leverage Products (Hebelprodukte)
· Scanner (5 / 1)
Non Critical Products (unkritische Produkte)
· Motoren (2 / 2)
· Tastaturknöpfe (1 / 1)
· Ersatzteile (1 / 1)

BegrĂŒndung und abgeleitete Strategie je Feld:

Material Feld BegrĂŒndung Strategie
Lizenzen/Patente Key Product höchster Ergebniseinfluss und höchstes Risiko: rechtlich geschĂŒtzt, faktisch monopolistisches Angebot, kaum substituierbar besonders strategisches Interesse; Sicherungs- und Wirtschaftlichkeitsziel gleichzeitig; langfristige VertrĂ€ge, enge Lieferantenbindung, GeschĂ€ftsleitung einbeziehen
Software Key Product hoher Ergebniseinfluss (3), hohes Risiko (5): proprietĂ€re Anbieter, Lock-in, Wechselkosten wie oben; zusĂ€tzlich Exit-Strategie / Zweitquelle und Escrow-Regelungen prĂŒfen
Scanner Leverage Product grĂ¶ĂŸter Wertblock (10 Mio. €, 54,6 %), hoher Ergebniseinfluss, aber geringes Risiko (1) = funktionierender Wettbewerbsmarkt Lieferbereitschaft ist nicht gefĂ€hrdet → „Hebel" zur Ergebnisverbesserung: Wettbewerb ausspielen, BĂŒndelung, Preisverhandlung, Wertanalyse
Motoren Non Critical (Grenzfall zu Leverage) 2 Mio. € = mittlerer Wert (B), aber Einfluss und Risiko je „gering (2)" Standardisierung, RahmenvertrĂ€ge, moderater Betreuungsaufwand; regelmĂ€ĂŸig prĂŒfen, ob der Wert einen Wechsel Richtung Leverage rechtfertigt
Tastaturknöpfe Non Critical Kleinstwert (0,1 Mio. €), Einfluss 1, Risiko 1 ohne erkennbares Versorgungsrisiko → Analysen nur sporadisch; Catalogue Buying, Sammelbestellungen, Prozesskosten minimieren
Ersatzteile Non Critical 0,2 Mio. €, Einfluss 1, Risiko 1 wie oben; BestandsfĂŒhrung vereinfacht, ggf. Konsignationslager

AuffĂ€llig: Das Feld Bottleneck Products bleibt leer; der Hersteller hat derzeit kein geringwertiges Material mit hohem Versorgungsrisiko. Das ist eine gute Nachricht, aber dieses Feld gehört laufend ĂŒberwacht: Ein billiges Bauteil mit nur einem Lieferanten kann jederzeit dort hineinrutschen und die gesamte Fertigung stoppen.


b) Empfohlene Art der Bedarfsermittlung

Leitprinzip: Der Genauigkeitsanspruch der Bedarfsermittlung hÀngt vom Wert und vom Beschaffungsrisiko des Materials ab.

Material Portfolio-Feld Empfehlung BegrĂŒndung
Scanner Leverage Product, A-Artikel Programmgebunden (deterministisch) 10 Mio. € = 54,6 % des Einkaufsvolumens. Der Scanner geht als Baugruppe direkt ins MessgerĂ€t ein → SekundĂ€rbedarf ĂŒber StĂŒcklistenauflösung aus dem Produktionsprogramm. Der hohe Wert rechtfertigt den Aufwand der exakten Ermittlung locker: Jeder Prozentpunkt Fehlbestand oder Überbestand kostet hier sechsstellig.
Tastaturknöpfe Non Critical, C-Artikel Verbrauchsgebunden (stochastisch) 0,1 Mio. € = 0,55 % des Volumens, kein Risiko, konstanter Verbrauch. Eine exakte Ermittlung wĂŒrde mehr kosten, als sie einspart („C-Artikel sind billig, kosten aber viel"). Arithmetischer bzw. gleitender Mittelwert genĂŒgt; Bestellung ĂŒber Meldebestand/Catalogue Buying, ggf. Bestellauslösung an den Lieferanten ĂŒbertragen.
Motoren Non Critical / Grenzfall zu Leverage, B-Artikel Verbrauchsgebunden, ergĂ€nzt um eine programmgebundene Plausibilisierung bei ProgrammĂ€nderungen Mit 2 Mio. € (10,9 %) kein Bagatellartikel, aber Einfluss (2) und Risiko (2) sind gering; der Aufwand einer laufenden exakten Ermittlung ist nicht gerechtfertigt. Die Routine lĂ€uft ĂŒber Prognose (gleitender Mittelwert / exponentielle GlĂ€ttung); bei Änderungen des Produktionsprogramms wird ĂŒber die StĂŒcklistenauflösung gegengeprĂŒft.

Zur BegrĂŒndung bei den Motoren: Der Motor ist der einzige Grenzfall der Aufgabe. Ausschlaggebend ist die Argumentation ĂŒber Wert und Beschaffungsrisiko, nicht das Etikett. Ist die StĂŒckliste im ERP ohnehin gepflegt, wĂ€re auch eine rein programmgebundene Ermittlung begrĂŒndbar.

Aufgabe #005 · Aufgabe 5 · XY AG — gewichteter gleitender Mittelwert und exponentielle GlĂ€ttungDie XY AG analysiert das letze Quartal des GeschĂ€ftsjahres und kann folgenden Verbrauch beim Material A (ein flĂŒssiges Additiv) feststellen (KW=Kalenderwoche):

(Tabelle siehe unten)

Ermitteln Sie rechnerisch den Bedarf fĂŒr die KW 13
a) indem Sie den „gewichteten gleitenden Mittelwert" der vier letzten Perioden nehmen (recherchieren Sie diese Methode). Die aktuellste Periode soll mit 50%, die zweitaktuellste mit 25%, die drittaktuellste mit 15% und die viertaktuellste mit 10% gewichtet werden.
b) indem Sie die exponentielle GlÀttung anwenden, wobei α = 0,2 (GlÀttungsfaktor) sein soll und der Vorhersagewert der KW 12 den Wert 120 Liter haben soll.
KW 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
Liter 80 100 90 110 90 120 130 110 140 130 150 140
✅ Lösung

a) Gewichteter gleitender Mittelwert der vier letzten Perioden

Formel:

ŷ13=∑igi⋅yimit∑igi=1\hat{y}_{13} = \sum_{i} g_i \cdot y_i \qquad \text{mit} \quad \sum_i g_i = 1

Schritt 1: die vier letzten Perioden und ihre Gewichte zuordnen. „Aktuellste" ist die zuletzt beobachtete Woche, also KW 12, dann rĂŒckwĂ€rts:

Rang Kalenderwoche Verbrauch yiy_i Gewicht gig_i
aktuellste KW 12 140 Liter 50 % = 0,50
zweitaktuellste KW 11 150 Liter 25 % = 0,25
drittaktuellste KW 10 130 Liter 15 % = 0,15
viertaktuellste KW 9 140 Liter 10 % = 0,10
Σ = 1,00 ✓

Schritt 2: einsetzen

ŷ13=0,50⋅140+0,25⋅150+0,15⋅130+0,10⋅140\hat{y}_{13} = 0{,}50 \cdot 140 + 0{,}25 \cdot 150 + 0{,}15 \cdot 130 + 0{,}10 \cdot 140

Schritt 3: Zwischenergebnisse

Kalenderwoche Rechnung gewichteter Beitrag
KW 12 0,50 · 140 70,0
KW 11 0,25 · 150 37,5
KW 10 0,15 · 130 19,5
KW 9 0,10 · 140 14,0
Summe 141,0

ŷ13=70,0+37,5+19,5+14,0=đŸđŸ’đŸđ‹đąđ­đžđ«\hat{y}_{13} = 70{,}0 + 37{,}5 + 19{,}5 + 14{,}0 = \mathbf{141\ \text{Liter}}

Ergebnis a): Der prognostizierte Bedarf fĂŒr KW 13 betrĂ€gt 141 Liter.

Kontrolle/Einordnung: Der ungewichtete gleitende Mittelwert derselben vier Perioden wÀre 140+150+130+1404=140\frac{140+150+130+140}{4} = 140 Liter. Die Gewichtung hebt die Prognose leicht an, weil die aktuelleren Wochen (140 und 150 Liter) stÀrker zÀhlen.


b) Exponentielle GlÀttung, α = 0,2

Formel:

yt+1*=α⋅yt+(1−α)⋅yt*y_{t+1}^{*} = \alpha \cdot y_t + (1 - \alpha) \cdot y_t^{*}

Schritt 1: Werte zuordnen (tt = KW 12, t+1t+1 = KW 13):

Symbol Bedeutung Wert
α\alpha GlÀttungsfaktor 0,2
y12y_{12} beobachteter Verbrauch KW 12 140 Liter
y12*y_{12}^{*} Prognosewert fĂŒr KW 12 (laut Aufgabe) 120 Liter
y13*y_{13}^{*} gesuchte Prognose KW 13 ?

Schritt 2: einsetzen

y13*=0,2⋅140+(1−0,2)⋅120=0,2⋅140+0,8⋅120y_{13}^{*} = 0{,}2 \cdot 140 + (1 - 0{,}2) \cdot 120 = 0{,}2 \cdot 140 + 0{,}8 \cdot 120

Schritt 3: Zwischenergebnisse

Term Rechnung Wert
α⋅y12\alpha \cdot y_{12} 0,2 · 140 28
(1−α)⋅y12*(1-\alpha) \cdot y_{12}^{*} 0,8 · 120 96
Summe 124

y13*=28+96=đŸđŸđŸ’đ‹đąđ­đžđ«y_{13}^{*} = 28 + 96 = \mathbf{124\ \text{Liter}}

Gegenprobe ĂŒber die Fehlerform yt+1*=yt*+α⋅(yt−yt*)y_{t+1}^{*} = y_t^{*} + \alpha \cdot (y_t - y_t^{*}):

y13*=120+0,2⋅(140−120)=120+0,2⋅20=120+4=124Liter✓y_{13}^{*} = 120 + 0{,}2 \cdot (140 - 120) = 120 + 0{,}2 \cdot 20 = 120 + 4 = 124\ \text{Liter} \ \checkmark

Ergebnis b): Der prognostizierte Bedarf fĂŒr KW 13 betrĂ€gt 124 Liter.


Vergleich und Bewertung der beiden Ergebnisse

Methode Prognose KW 13
gewichteter gleitender Mittelwert (4 Perioden) 141 Liter
exponentielle GlÀttung (α = 0,2) 124 Liter

Die Differenz von 17 Litern ist kein Rechenfehler, sondern methodisch erklĂ€rbar: Die Datenreihe zeigt einen klaren AufwĂ€rtstrend (KW 1: 80 Liter → KW 12: 140 Liter). Der gewichtete gleitende Mittelwert stĂŒtzt sich nur auf die vier jĂŒngsten, bereits hohen Werte und folgt dem Trend gut. Die exponentielle GlĂ€ttung startet dagegen von einem niedrigen Vorhersagewert (120 Liter) und korrigiert mit kleinem α = 0,2 nur langsam nach oben: genau dieser bekannte Nachteil: „Falls ein Trend existiert, hinken die Prognosen dem Trend hinterher." Bei einem so deutlichen Trend wĂ€re die lineare Regression das sachgerechtere Verfahren.

Aufgabe #006 · Aufgabe 6 · Autohersteller — exponentielle GlĂ€ttung erster Ordnung (α = 0,3)Einem Autohersteller liegen die unten angegebenen Daten vor. FĂŒnf Perioden lang hat man die realen Absatzwerte in die Tabelle eingetragen. Bestimmen Sie mit Hilfe der exponentiellen GlĂ€ttung erster Ordnung fĂŒr die Perioden 2 - 6 die Prognosewerte. Der GlĂ€ttungsfaktor α sei 0,3.
Periode Absatz Fahrzeuge (real) Absatz Fahrzeuge (prognostiziert)
1 70.000
2 80.000
3 78.000
4 82.000
5 84.000
6
✅ Lösung

Formel:

yt+1*=α⋅yt+(1−α)⋅yt*mit α=0,3,(1−α)=0,7y_{t+1}^{*} = \alpha \cdot y_t + (1 - \alpha) \cdot y_t^{*} \qquad \text{mit } \alpha = 0{,}3,\ (1-\alpha) = 0{,}7

Startwert (Initialisierung): hier zwingend zu benennen!

FĂŒr Periode 1 existiert keine vorausgehende Prognose. Üblich und hier angewandt: y1*=y1=70.000y_1^{*} = y_1 = 70.000 Fahrzeuge (die erste Prognose wird auf den ersten Ist-Wert gesetzt). Daraus folgt automatisch y2*=0,3⋅70.000+0,7⋅70.000=70.000y_2^{*} = 0{,}3 \cdot 70.000 + 0{,}7 \cdot 70.000 = 70.000.


Rechenweg Periode fĂŒr Periode

FĂŒr Periode Formel eingesetzt Zwischenwerte Prognose
2 0,3⋅70.000+0,7⋅70.0000{,}3 \cdot 70.000 + 0{,}7 \cdot 70.000 21.000 + 49.000 70.000
3 0,3⋅80.000+0,7⋅70.0000{,}3 \cdot 80.000 + 0{,}7 \cdot 70.000 24.000 + 49.000 73.000
4 0,3⋅78.000+0,7⋅73.0000{,}3 \cdot 78.000 + 0{,}7 \cdot 73.000 23.400 + 51.100 74.500
5 0,3⋅82.000+0,7⋅74.5000{,}3 \cdot 82.000 + 0{,}7 \cdot 74.500 24.600 + 52.150 76.750
6 0,3⋅84.000+0,7⋅76.7500{,}3 \cdot 84.000 + 0{,}7 \cdot 76.750 25.200 + 53.725 78.925

Jede Zeile verwendet den Ist-Wert der Vorperiode und die Prognose der Vorperiode — nie zwei Ist-Werte.


AusgefĂŒllte Ergebnistabelle

Periode Absatz Fahrzeuge (real) Absatz Fahrzeuge (prognostiziert) Prognosefehler (real − prognostiziert)
1 70.000 70.000 (Startwert) 0
2 80.000 70.000 +10.000
3 78.000 73.000 +5.000
4 82.000 74.500 +7.500
5 84.000 76.750 +7.250
6 — 78.925 —

Ergebnis: FĂŒr Periode 6 werden 78.925 Fahrzeuge prognostiziert.

Interpretation: Der Prognosefehler ist in allen Perioden positiv, die Prognose liegt also systematisch unter dem realen Absatz. Das ist der bekannte Nachteil der exponentiellen GlĂ€ttung: „Falls ein Trend existiert, hinken die Prognosen dem Trend hinterher." Der Absatz steigt von 70.000 auf 84.000 Fahrzeuge, die Prognose kommt mit α = 0,3 nur auf 78.925 nach. Abhilfe: grĂ¶ĂŸeres α (schnellere Anpassung, aber schwankungsanfĂ€lliger), exponentielle GlĂ€ttung zweiter Ordnung oder, sachlich am besten, lineare Regression, da ein linearer Trendverlauf vorliegt.

Hinweis zur Initialisierung: Manche Lösungen setzen y2*=y1=70.000y_2^{*} = y_1 = 70.000 direkt als Startwert (statt ĂŒber die Formel). Das fĂŒhrt zu identischen Zahlen. Wer stattdessen einen anderen Startwert wĂ€hlt (z. B. den Mittelwert), verschiebt alle Folgewerte: deshalb den gewĂ€hlten Startwert immer explizit hinschreiben und begrĂŒnden.

Aufgabe #007 · Aufgabe 7 · Zielkonflikt Versorgungssicherheit ↔ VersorgungswirtschaftlichkeitErlĂ€utern Sie den Zielkonflikt zwischen Versorgungssicherheit und Versorgungswirtschaftlichkeit.
✅ Lösung

Die beiden Ziele

Versorgungssicherheit Versorgungswirtschaftlichkeit
Kernfrage Ist das Material jederzeit verfĂŒgbar? Wird das Material zu minimalen Gesamtkosten beschafft?
Sachziel Aufrechterhaltung der Produktions- und LieferfĂ€higkeit: richtige Menge, richtiger Zeitpunkt, richtige QualitĂ€t, richtiger Ort Kostenminimierung ĂŒber Einstandspreis, Bestell-, Lager- und Prozesskosten
Typische Maßnahmen hohe SicherheitsbestĂ€nde, Mehrquellenbezug (Multiple/Dual Sourcing), lokale Lieferanten, Rahmen- und VorratsvertrĂ€ge, Qualifizierung von Zweitlieferanten, Pufferzeiten niedrige BestĂ€nde (JIT), BĂŒndelung großer Mengen, Single Sourcing, Global Sourcing bei Niedrigpreis-Anbietern, Preisverhandlung, Wettbewerbsdruck

Warum sich die Ziele widersprechen

Fast jede Maßnahme, die die eine GrĂ¶ĂŸe verbessert, verschlechtert die andere:

Maßnahme Wirkung auf Sicherheit Wirkung auf Wirtschaftlichkeit
Sicherheitsbestand erhöhen ↑ Lieferbereitschaft gesichert ↓ Kapitalbindung, Lagerkosten, Verderb-/Veralterungsrisiko
Just-in-Time einfĂŒhren ↓ jede Störung schlĂ€gt sofort durch ↑ minimale BestĂ€nde, kaum Kapitalbindung
Zweit-/Drittlieferant aufbauen ↑ Ausfall eines Lieferanten abgefedert ↓ Mengen werden gesplittet → schlechtere Konditionen, doppelte Qualifizierungs- und Prozesskosten
Single Sourcing / BĂŒndelung ↓ AbhĂ€ngigkeit von einem Lieferanten ↑ maximale Mengendegression, geringere Prozesskosten
Global Sourcing beim gĂŒnstigsten Anbieter ↓ lange Transportwege, Wechselkurs-, Zoll- und Störungsrisiken ↑ niedrigster Einstandspreis
Lokaler Lieferant / Local Buying ↑ kurze Wege, schnelle Reaktion ↓ hĂ€ufig höherer Einstandspreis

Versorgungssicherheit ist im Wesentlichen ein Risikoziel und wird durch Redundanz erkauft. Redundanz kostet aber genau das Geld, das die Wirtschaftlichkeit sparen will. Umgekehrt ist jede radikale Kostensenkung ein Abbau von Puffern, also von Sicherheit.

Auflösung: differenzierte Steuerung statt Kompromiss ĂŒber alle Artikel hinweg

Der Konflikt wird nicht pauschal gelöst, sondern materialgruppenspezifisch; dafĂŒr existieren ABC-, XYZ- und Portfolio-Analyse:

Materialtyp Vorrang BegrĂŒndung
Bottleneck Products (geringer Wert, hohes Risiko) Sicherheit „Die Versorgung muss sichergestellt werden; Maßnahmen mit Erhöhung der Beschaffungskosten werden akzeptiert." Ein 5-€-Bauteil, das die Linie stoppt, kostet ungleich mehr als sein Preis.
Key Products (hoher Wert, hohes Risiko) beides gleichzeitig „Sicherungs- und Wirtschaftlichkeitsziel stehen im Vordergrund". Hier ist echte strategische Arbeit nötig: Partnerschaften, langfristige VertrĂ€ge, gemeinsame Kostensenkung.
Leverage Products (hoher Wert, geringes Risiko) Wirtschaftlichkeit Lieferbereitschaft ist nicht gefĂ€hrdet → der klassische „Hebel" zur Ergebnisverbesserung.
Non Critical Products (geringer Wert, geringes Risiko) Wirtschaftlichkeit, aber ĂŒber Prozesskosten „C-Artikel sind billig, kosten aber viel": Nicht der Einkaufspreis, sondern der Bestellaufwand ist der Hebel (Catalogue Buying, Sammelbestellungen).
AX-Teile Sicherheit durch enge Bindung, Wirtschaftlichkeit durch JIT hohe Vorhersagegenauigkeit macht JIT ĂŒberhaupt erst risikoarm möglich: hier lösen sich beide Ziele teilweise auf.
CZ-Teile Wirtschaftlichkeit ĂŒber Prozessvereinfachung unregelmĂ€ĂŸiger Verbrauch + niedriger Wert → AbrufvertrĂ€ge, Konsignationslager, Aufgaben an den Lieferanten ĂŒbertragen.

FĂŒr die Klausur bleibt festzuhalten: Der Zielkonflikt ist nicht auflösbar, aber steuerbar. Wer ihn pauschal in eine Richtung entscheidet, macht immer einen Fehler. Entweder zahlt er fĂŒr Sicherheit, die er nicht braucht (C-Teile mit Doppellieferant), oder er spart an Sicherheit, die er dringend brĂ€uchte (Engpassteil im Single Sourcing).