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🌱 Trends im Einkauf · Green Procurement · Einkauf 4.0 (nicht im Detail geprüft)

EINK — Einkauf · Prof. Dr. Gabriel · 8 Aufgaben / 60 min · Closed Book (nur Taschenrechner)

Trends im Einkauf

Status: ERARBEITET aus den Vorlesungsfolien (kein offizielles Lösungsblatt). Laut Curriculum nicht im Detail geprüft, Basiswissen genügt.

Leitsatz: „Nichts bleibt, wie es ist, und alles ist ständig in Bewegung!"

Trend Auswirkung auf den Einkauf Beispiel
Internationalisierung / Liberalisierung Beschaffungsmärkte werden global Global Sourcing
Steigender Kostendruck, geringere Gewinnspannen Einkauf muss Einsparungen liefern
Sinkende Fertigungstiefe immer mehr Zukauf von Komponenten über Lieferanten Boeing 787 (s. u.)
Steigende Komplexität + kürzere Produktlebenszyklen häufigere Neuvergaben, schnellere Lieferantenwechsel Automobilbranche
Kleinere Stückzahlen in vielen Varianten mehr Teilenummern, mehr Verhandlungen BMW: > 80 Varianten
Internet / Markttransparenz Ausschreibungen als Online-Auktionen e-Procurement
Technologische Innovationsschübe, KI neue Warengruppen, neue Werkzeuge KI in fast allen Branchen

2. Qualitätsmanagement als „Waffe" zur Kostenreduzierung

Grundgedanke: Mit sinkender Fertigungstiefe bestimmt die eingekaufte Qualität die eigene Produktqualität.

  • Mangelnde Qualität → Imageschaden durch fehlerhafte Produkte
  • Bestandsreduzierung / Just-in-Time funktioniert nur bei maximaler Qualitätszuverlässigkeit
  • Lieferanten mit guter, stabiler Qualität sind auf Dauer wesentlich günstiger als solche mit wiederkehrenden Qualitätsproblemen

Qualitätskosten: Fehlerkosten durch schlechte Qualität überschreiten die Fehlerverhütungskosten im Regelfall um ein Vielfaches. Ziel-Zustand: mehr Vorbeugung + Prüfung, dadurch deutlich weniger Fehlerkosten.

Je später ein Fehler entdeckt wird, desto schwieriger und teurer ist seine Korrektur.

Maßnahmen zur Fehlerverhütung (Auswahl):

Ansatzpunkt Maßnahmen
Lieferant Auswahl, Förderung/Schulung, Zertifizierung, Audits (Lieferanten-, Produkt-, Prozessaudit)
Gemeinsam Q-Prozess gemeinsam gestalten, PPM-Raten gemeinsam festlegen, Qualität „beweisen" lassen
Prüfung Prüfverfahren + Prüfhäufigkeit festlegen, Wareneingangskontrollen, geeignete Prüfmittel
Produkt Produktgestaltung/Design anpassen, FMEA beim Lieferanten prüfen

FMEA (Failure Mode and Effects Analysis): untersucht das Produkt auf Erfüllung der im Pflichtenheft festgelegten Funktionen und sammelt + bewertet Fehlermöglichkeiten, die zur Nichterfüllung führen.

Beispiel: Qualitätsmängel bei der Boeing 787

Die Boeing 787 dient als Paradebeispiel für geringe Fertigungstiefe: ein sehr großer Teil der Komponenten kommt von Zulieferern. Qualitätsmängel bei angelieferten Teilen schlagen deshalb direkt auf Endprodukt, Termine und Image durch (Quelle: Handelsblatt.de / Composites.com).

3. Nachhaltigkeit im Einkauf / Green Procurement

Im Kern geht es um die Verantwortung des Einkaufs für die Einhaltung ökologischer und ethischer Standards, und zwar über den gesamten Produktlebenszyklus, verankert in Unternehmens- und Einkaufsrichtlinien.

Ursache für Green Procurement Konkret
1. Sensibilisierung der Gesellschaft für Umweltthemen ökologische + soziale Aspekte bei der Auftragsvergabe
2. Verschärfung gesetzlicher Auflagen hohes Strafmaß, juristische + moralische Mitverantwortung
3. Ressourcenknappheit, höhere Rohstoff-/Energiekosten sorgsamer Ressourcenumgang ist renditewirksam

Zukünftige Handlungsfelder des Einkaufs:

  • Kosten der Umweltschonung einkalkulieren
  • Gesamtkostenbetrachtung inkl. Recycling und Entsorgung
  • Soziale Auswirkungen einkalkulieren (kein Kinderarbeit, Menschenrechte, gerechter Lohn)
  • „Green Label Purchasing" auch auf Anbieter-/Produktseite platzieren
  • Entsorgungssicherheit, Rohstoffrückgewinnung, transparente Warenströme, Frachtoptimierung

Beispiel MARS: ab 2020 nur noch Kakao aus nachhaltiger Produktion; Partnerschaft mit der Rainforest Alliance (Ziel: 100.000 t Rainforest-Alliance-zertifiziert + 100.000 t UTZ); Engagement gegen Kinderarbeit; Unterstützung sozialer Initiativen (Arbeitsbedingungen der Kleinbauern, Schulbildung der Kinder).

4. Einkauf 4.0

Industrie 4.0 = 4. industrielle Revolution. Definition (Kleemann/Glas 2017): „Konsequente und allumfassende Digitalisierung und Vernetzung von Produkten, Wertschöpfungsketten, Geschäftsmodellen."

Konstitutive Bestandteile: Kommunikation in Echtzeit · mehrstufige Vernetzung · intelligente Systeme.

Technologien (Status Quo): 3D-Druck / additive Fertigung · Virtual & Augmented Reality · Internet of Things · Cloud Services · Big Data Analytics · Künstliche Intelligenz. Treiber: die Kosten dieser Technologien sind extrem gesunken (z. B. 3D-Drucker 2007–2014 um Faktor 400, DNA-Analyse in 7 Jahren um Faktor 10.000).

Auswirkungen auf die Kernaufgaben des Einkaufs:

Kernaufgabe Veränderung durch 4.0
Bedarfsermittlung vernetzte Produkte/Dienstleistungen als neue Beschaffungsobjekte, ggf. neue Warengruppen, Lieferanten-Innovationen einbinden
Beschaffungsmarktforschung Echtzeit-Daten (Big Data Analytics), hochvalide Prognosen
Make or Buy Entscheidungshilfen bei strategischen Fragen via Big Data
Vertrag / Bestellabwicklung Bedarfsübermittlung und Nachbestellung zeitgleich, System analysiert Bedarfsverläufe und löst selbständig Bestellungen aus
Strategisches Einkaufsmanagement / Controlling Potenzial + strategische Bedeutung über Big Data bestimmt

Umsetzungsmöglichkeiten: automatisierte Bestellprozesse · Vergabeentscheidungen bei Ausschreibungen · professionelles Risikomanagement. Veränderungen: Make-or-Buy durch 3D-Druck · Einkauf von Lizenzen zum Nachbau · Vorprodukte digital angereichert (embedded Software) · Impulse für die eigene Produktentwicklung · Produkt-Service-Kombinationen statt rein physischer Produkte · veränderte Lieferantenbasis. SCM-Bezug: Individualisierung von Kundenwünschen → kleinste Mengen zu Serienkosten, unternehmensübergreifende Vernetzung. Der Einkauf ist die Schnittstelle zur Zusammenarbeit mit den Lieferanten.

5. Ausblick

  • Einkauf 4.0 wird integraler, strategisch hoch-relevanter Bestandteil von Industrie 4.0
  • Automatisierungsgrad der Einkaufsprozesse steigt, Bestandsabgleiche entfallen
  • Durchgängige Echtzeit-Vernetzung von Produktionsmaschine, Materialien (Objekten) und Lager
  • Operative, taktische und strategische Einkaufsprozesse werden durch vernetzte, intelligente Systeme unterstützt oder sogar autonom abgewickelt (Cyber-Physische Systeme im Einkauf)
💡 Prüfungsrelevanz

Dieses Kapitel ist laut Curriculum „(ex)", es wird also nicht im Detail abgefragt. Einordnen können sollte man trotzdem: (1) die generellen Trends, vor allem sinkende Fertigungstiefe → eingekaufte Qualität wird kritisch; (2) das Verhältnis Fehlerkosten ↔︎ Fehlerverhütungskosten (Fehlerkosten übersteigen Vorbeugung um ein Vielfaches) plus den Begriff FMEA; (3) Green Procurement mit seinen drei Ursachen (Gesellschaft, Gesetze, Ressourcenknappheit); (4) Einkauf 4.0 als Digitalisierung/Vernetzung mit Big Data, automatisierten Bestellprozessen und autonomen Einkaufsprozessen.