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📝 Beispielklausur — gelöst (Klausur-Design & Punkteverteilung)

EINK — Einkauf · Prof. Dr. Gabriel · 8 Aufgaben / 60 min · Closed Book (nur Taschenrechner)

Beispielklausur — gelöst

Status: ERARBEITET aus den Vorlesungsfolien (kein offizielles Lösungsblatt). Die ABC-Analyse ist maschinell nachgerechnet.

Die Beispielklausur zeigt das Design der echten Klausur: 8 Aufgaben, 60 Minuten, erlaubtes Hilfsmittel ist nur ein einfacher, nicht-programmierbarer Taschenrechner. Einige Aufgaben sind im Original mit „xxx“ maskiert. Die Struktur ist aber verbindlich.

Aufgabenverteilung im Original

Aufgabe Thema Punkte
1 e-Procurement und Marktplätze 11 (a=4, b=5, c=2)
2 Angebotsvergleich 11 (a=3, b=8)
3 Benchmarking 11 (a=4, b=3, c=4)
4 ABC-Analyse (Rechnung) 12
5 Aussagen kommentieren 16 (je 4)
6 (maskiert) 14 (a=4, b=7, c=3)
7 (maskiert) 12 (a=4, b=4, c=4)
8 Richtig/Falsch-Ankreuzaufgabe 12 (2 pro Block)
💡 Was die Aufgabenverteilung verrät

Rund die Hälfte der Punkte entfällt auf die drei Themen e-Procurement, Angebotsvergleich und Benchmarking. Dazu kommt eine Rechenaufgabe (hier ABC-Analyse) und eine Kommentieraufgabe, die fast wörtlich aus den Übungen zu Kapitel 1 stammt. Die Ankreuzaufgabe am Ende deckt querschnittlich mehrere Kapitel ab.

Formale Regeln des Dozenten (Punkteverlust vermeiden)

  • Präzise auf die gestellte Frage antworten: nur Aussagen zur gestellten Frage werden gewertet.
  • Keine „Alternativ-Antworten“ im Sinne von „irgendetwas davon wird schon richtig sein“.
  • Stichworte reichen, wenn die Frage sie zulässt („Nennen Sie 3 Beispiele für …“).
  • Bei „erläutern/erklären“ keine Stichworte, sondern ausformulieren.
  • Die Größe der Antwortbox gibt Auskunft über den erwarteten Umfang.
  • Bei Ankreuzaufgaben: immer einen kompletten Aufgabenteil bearbeiten; mindestens eine Aussage pro Block ist richtig; Punkte nur für einen komplett richtig beantworteten Block, Teilpunkte gibt es nicht.
  • Bei Berechnungen immer den Rechenweg angeben.

Aufgabe 4 — ABC-Analyse (12 Punkte)

Aufgabe #008 · 12 P. · Aufgabe 4 · ABC-AnalyseEine Bedarfsanalyse ergab das untenstehende Ergebnis. Führen Sie eine ABC-Analyse durch, um die Materialien zu klassifizieren.
Materialposition Stückpreis in € Bedarf/Periode in Stück
1 200 500
2 500 45
3 1000 12
4 10 1100
5 300 100
6 60 400
7 5 4900
8 5000 25
9 20 950
✅ Lösung — mit Rechenweg

Schritt 1: Jahresverbrauchswert je Position berechnen (Wert = Stückpreis × Bedarf)

Schritt 2: absteigend nach Wert sortieren

Schritt 3: prozentualen Anteil und kumulierten Anteil bilden

Schritt 4: Klassen bilden (übliche Grenzen: A ≈ bis 80 %, B ≈ bis 95 %, Rest C)

Gesamtwert = 368.000 €

Rang Pos. Stückpreis Bedarf Wert in € Anteil kumuliert
1 8 5.000 25 125.000 33,97 % 33,97 %
2 1 200 500 100.000 27,17 % 61,14 %
3 5 300 100 30.000 8,15 % 69,29 %
4 7 5 4.900 24.500 6,66 % 75,95 %
5 6 60 400 24.000 6,52 % 82,47 %
6 2 500 45 22.500 6,11 % 88,59 %
7 9 20 950 19.000 5,16 % 93,75 %
8 3 1.000 12 12.000 3,26 % 97,01 %
9 4 10 1.100 11.000 2,99 % 100,00 %

Schritt 5: Grenzen ziehen und begründen. Üblich ist eine Grenze bei rund 80 % des Gesamtwertes für das A-Material. Die Grenzen sind also nicht normiert; entscheidend für die Punkte ist, dass du die gezogene Grenze begründest. Zwei vertretbare Varianten:

Variante A-Klasse B-Klasse C-Klasse Begründung
80-%-Regel 8, 1, 5, 7 → 75,95 % 6, 2, 9 → 17,80 % 3, 4 → 6,25 % die 80-%-Marke wird mit 4 Positionen am dichtesten erreicht
Wertsprung 8, 1 → 61,14 % 5, 7, 6, 2 → 27,45 % 9, 3, 4 → 11,41 % nach Position 1 fällt der Verbrauchswert deutlich ab (100.000 € → 30.000 €)

Bei nur 9 Positionen greift die klassische 80/15/5-Faustregel schlecht; deshalb ist hier beides verteidigbar. Schreibe die gewählte Grenze und deine Begründung hin.

Interpretation (gehört zur vollständigen Antwort): Die A-Materialien binden den Großteil des Wertes und rechtfertigen intensive Betreuung: sorgfältige Beschaffungsmarktforschung, Preisverhandlungen, Rahmenverträge, genaue (programmgebundene) Bedarfsplanung. C-Materialien werden bewusst vereinfacht beschafft (Sammelbestellungen, Katalog-/Desktop-Purchasing, verbrauchsorientierte Disposition), weil der Verwaltungsaufwand sonst höher wäre als der Materialwert.

Beachte den Gegensatz von Wert und Menge: Position 7 hat mit 4.900 Stück die zweitgrößte Menge, aber nur 6,66 % des Wertes; Position 8 kommt mit nur 25 Stück auf ein Drittel des Wertes. Diesen Zusammenhang will die Aufgabe zeigen.

Die vollständige Rechnung mit allen Zwischenschritten steht im Kapitel Bedarfsermittlung.


Aufgabe 5 — Aussagen kommentieren (16 Punkte, je 4)

Aufgabe #009 · 4 P. · Aufgabe 5a · Aussage kommentierenKommentieren Sie folgende Aussage (mit Begründung): „Der Einkauf befasst sich fast ausschließlich mit der Versorgungsfunktion.“
✅ Lösung

Die Aussage ist falsch: sie beschreibt ein überholtes Bild des Einkaufs.

Die Versorgungsfunktion (Sicherstellung der Materialverfügbarkeit in richtiger Menge, Qualität, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort) ist nur eine von mehreren Aufgaben. Hinzu kommen:

  • Ergebnisfunktion: Der Einkauf beeinflusst über den Materialaufwand unmittelbar das Betriebsergebnis. Da der Materialkostenanteil in vielen Industrieunternehmen bei rund 50 % des Umsatzes liegt, wirkt eine Einsparung im Einkauf mit einem Hebel aufs Ergebnis, den der Vertrieb nur mit einem Vielfachen an Zusatzumsatz erreichen würde.
  • Qualitätsfunktion: Zugekaufte Teile bestimmen die Qualität des Endprodukts mit (Lieferantenauswahl, -bewertung, -entwicklung, Audits).
  • Innovationsfunktion: Über die Lieferanten fließt technisches Know-how ins Unternehmen; frühzeitige Lieferantenintegration in die Entwicklung.
  • Strategische Funktion: Sourcing-Strategien, Make-or-Buy, Risikomanagement in der Lieferkette, Nachhaltigkeit/Compliance.

Der Einkauf ist heute eine wertschöpfende, strategische Funktion; die reine Versorgung ist nur der operative Kern.

💡 Aufgaben 5b–d

Im Beispielexemplar sind die Teilaufgaben b) bis d) maskiert („xxx“). Sie stammen erfahrungsgemäß aus derselben Liste wie die Übung zu Kapitel 1: dort finden sich die vier weiteren Aussagen vollständig gelöst („Preisdrücker und Bestellabwickler“, „Der Vertrieb verdient das Geld…“, „Einsparungen wirken sich unmittelbar auf den Erlös aus“, „Ein Einkäufer benötigt gutes Fachwissen“). Siehe Kapitel Grundlagen des Einkaufs.


Aufgabe 8 — Richtig/Falsch (12 Punkte, 2 pro Block)

Aufgabe #010 · 2 P. · Aufgabe 8 · Ankreuzaufgabe · 2 Punkte je BlockKreuzen Sie jeweils an, ob die Aussagen richtig oder falsch sind. Mindestens eine der Aussagen pro Aufgabenteil ist richtig. Achtung: Nur ein komplett richtig beantworteter Aufgabenteil bringt jeweils 2 Punkte.
✅ Lösung — Block a) Vertragsmanagement
Aussage Richtig/Falsch Begründung
Ein „NDA“ ist ein Non Daily Agreement. falsch NDA = Non-Disclosure Agreement, also eine Geheimhaltungsvereinbarung.
Ein „MoU“ ist ein Memorandum of Understanding. richtig Absichtserklärung, die den Verhandlungsstand festhält, in der Regel noch nicht bindend für den Hauptvertrag.
✅ Lösung — Block b) Vertriebsstruktur, indirekter und direkter Absatz
Aussage Richtig/Falsch Begründung
Der Großhandel gehört zu den direkten Absatzwegen. falsch Großhandel ist ein Absatzmittlerindirekter Absatzweg.
Der Einzelhandel gehört zu den indirekten Absatzwegen. richtig Auch der Einzelhandel ist ein zwischengeschalteter Absatzmittler.
Die Auswahl des Vertriebswegs ist stark von Restriktionen wie z. B. der Konkurrenz beeinflusst. richtig Neben der Konkurrenz wirken Produktart, Kundenstruktur, Kosten und rechtliche Vorgaben.
✅ Lösung — Block c) Verschiedene Themen
Aussage Richtig/Falsch Begründung
C-Teile, DIN-Teile, Norm-Teile eignen sich nicht gut für e-Procurement. falsch Das Gegenteil ist der Fall: standardisierte, beschreibbare, geringwertige Teile mit hoher Bestellhäufigkeit sind der klassische Anwendungsfall (Katalogeinkauf, Desktop Purchasing).
Ein über einen Kaufvertrag abgewickelter Kauf ist ein Beispiel für ein einseitiges Rechtsgeschäft. falsch Ein Kaufvertrag ist ein zweiseitiges Rechtsgeschäft: er kommt durch zwei übereinstimmende Willenserklärungen (Angebot und Annahme) zustande.
Bei der Andler-Formel wird unterstellt, dass die Einstandskosten pro Jahr im Planungsintervall unverändert und unabhängig von der Bestellmenge bleiben. richtig Das ist eine der Prämissen des klassischen Modells: es kennt keine Mengenrabatte. Weitere Annahmen: konstanter, bekannter Bedarf, unendliche Liefergeschwindigkeit, keine Fehlmengen, konstante Bestell- und Lagerhaltungskostensätze.
⚠️ Strategie bei Ankreuzaufgaben

Es gibt keine Teilpunkte: ein einziges falsches Kreuz im Block kostet alle 2 Punkte. Deshalb jede Aussage einzeln prüfen, besonders auf Verneinungen („nicht“), vertauschte Begriffspaare (direkt/indirekt, Bestechung/Bestechlichkeit) und falsch aufgelöste Abkürzungen. Diese drei Muster sind die typischen Fallen.


Aufgaben 1, 2, 3 — vollständig in den Themenkapiteln

Diese drei Aufgaben (zusammen 33 Punkte) sind wörtlich identisch mit Übungsaufgaben und dort vollständig gelöst:

Klausuraufgabe Kapitel
1 e-Procurement: Desktop Purchasing, 5 Vorteile, Kritik e-Procurement
2 Angebotsvergleich: 3 Verfahren nennen + erläutern mit Vor-/Nachteilen Beschaffungsprozess
3 Benchmarking: Definition + Arten, 3 Voraussetzungen, Xerox-Beispiele Benchmarking