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📊 Benchmarking

EINK — Einkauf · Prof. Dr. Gabriel · 8 Aufgaben / 60 min · Closed Book (nur Taschenrechner)

Benchmarking

Status: ERARBEITET aus den Vorlesungsfolien (kein offizielles Lösungsblatt).

Was ist Benchmarking?

Ursprünge des Begriffs

  • Höhenmarken: „Benchmarks" dienten ursprünglich der Ermittlung von Höhenunterschieden, also einem festen Bezugspunkt, an dem gemessen wird.
  • Japanische Redensart „dantotsu": das Streben, „der Beste der Besten" zu sein.

Definitionen

Art der Definition Wortlaut
Formale Definition „Benchmarking" ist der kontinuierliche Prozess, Praktiken, Sach- und Dienstleistungen (Objekte und Prozesse) gegen den Stärksten zu messen
Arbeitsdefinition „Benchmarking" ist die Suche nach den besten Industriepraktiken, die zu Spitzenleistungen führen
Kurzformel „Benchmarking" = Unternehmensvergleich

Zentrales Zitat (klausurtauglich):

„Benchmarking verkörpert das Streben nach Bestleistung, den Wunsch, der Beste der Besten zu sein. Es ist also das Suchen und Finden von besten Praktiken und deren Implementierung im eigenen Unternehmen." — Bob Camp, XEROX CORP

Populäre Umschreibungen (gelegentlich als „Mögliche ‚Definitionen'" bezeichnet; nützlich als Einstiegssatz, aber keine Ersatzdefinition): „Vergleich mit den Besten der Besten", „Zaubermittel für neue Wettbewerbsstärke", „Rückbesinnung auf den Betriebsvergleich", „Mit Methode über den Zaun schauen", „Benchmarking öffnet den Blick über den Tellerrand", „Lieber gut geklaut als schlecht selbst gemacht", „Abkupfern mit System".

Die drei Kernbestandteile, die in einer Definition vorkommen müssen:

  1. kontinuierlich (kein einmaliges Projekt),
  2. Messen gegen den Stärksten (nicht gegen den Durchschnitt),
  3. Implementierung im eigenen Unternehmen (Analyse und Optimierung, nicht nur Vergleich).

Beispiel: Ein Einkaufsleiter ermittelt die Kosten eines Bestellvorgangs im eigenen Haus und vergleicht sie mit dem BME-Durchschnitts- bzw. Best-in-Class-Wert (vgl. den Durchschnittswert für die Kosten eines Bestellvorganges, Quelle benchmarkshop.com). Erst wenn er die Ursachen der Differenz versteht und daraus konkrete Maßnahmen ableitet und umsetzt, ist es Benchmarking. Bloßes Zahlenvergleichen wäre nur ein Betriebsvergleich.

Abgrenzung: Marktforschung, Wettbewerbsanalyse, Benchmarking

Aspekt Marktforschung Wettbewerbsanalyse Benchmarking
Kerninhalt Analyse Analyse Analyse und Optimierung
Gegenstand Markt, Kundenanforderungen Produkte, Strategien Produkte, Leistungen, Funktionen, Prozesse
Ausrichtung unternehmensextern unternehmensextern unternehmensintern und -extern
Betrachtungshorizont Branche Branche branchenintern und -extern

Marktforschung und Wettbewerbsanalyse analysieren nur. Benchmarking analysiert und optimiert und schaut dabei als einziges auch über die eigene Branche hinaus sowie ins eigene Unternehmen hinein.

Benchmarking-Objekte, -Parameter und -Partner

Kategorie Ausprägungen Beispiel
Benchmarking-Objekte Produkt, Prozess, Strategie Produkt: Konkurrenzprodukt zerlegen und vergleichen · Prozess: Bestellabwicklung · Strategie: Sourcing-Ansatz
Benchmarking-Parameter quantitativ, qualitativ, prozessorientiert quantitativ: Kosten je Bestellvorgang · qualitativ: Zufriedenheit der internen Kunden · prozessorientiert: Durchlaufzeit Bedarf → Lieferung
Benchmarking-Partner intern, extern intern: zweites Werk desselben Konzerns · extern: Wettbewerber oder branchenfremdes Unternehmen

Arten / Formen des Benchmarkings (Klausur-Kernfrage)

Systematisiert wird auf zwei Ebenen. Beide gehören in eine vollständige Antwort.

Ebene 1: Nach dem Betrachtungsgegenstand

Es gibt drei gleichrangige Stränge; nur der erste wird weiter aufgefächert:

Strang Verglichen wird Erläuterung (eigene Ausformulierung)
Benchmarking von Unternehmen einzelne Unternehmen bzw. deren Einheiten und Prozesse der einzige weiter untergliederte Strang, siehe Ebene 2
Benchmarking von Sektoren ganze Branchen/Wirtschaftszweige gegeneinander Bezugseinheit ist nicht ein einzelnes Unternehmen, sondern der aggregierte Sektor: z. B. Produktivität, Kostenstruktur oder Digitalisierungsgrad des Maschinenbaus gegenüber der Chemieindustrie, oder derselbe Sektor in zwei Ländern. Datenbasis sind Verbands- und Statistikkennzahlen (z. B. BME-Branchenwerte), nicht ein bilateraler Partneraustausch. Für ein einzelnes Unternehmen ist das eher Standortbestimmung als vollständiges Benchmarking, weil der Umsetzungsschritt fehlt.
Benchmarking von Rahmenbedingungen Standortfaktoren, in denen Unternehmen agieren z. B. Steuern, Infrastruktur, Bildung, Bürokratie: hier gehören auch Ländervergleiche wie der Global Competitiveness Index hinein (siehe Aufgabe 3b).

Ebene 2: Nach dem Benchmarking-Partner

Benchmarking von Unternehmen
├── Internes Benchmarking
│     └── unternehmensbezogen
│     └── konzernbezogen
└── Externes Benchmarking
      └── wettbewerbsbezogen
      └── branchenbezogen (Trendanalysen)
      └── branchenübergreifend (Best Practice)
Art Vergleichspartner Beispiel
Internes Benchmarking (unternehmens-/konzernbezogen) andere Organisationseinheiten des eigenen Unternehmens oder Konzerns Vergleich der Einkaufsabteilungen zweier Werke desselben Konzerns
Wettbewerbsbezogenes (externes) Benchmarking direkte Wettbewerber derselben Branche Zwei Automobilzulieferer vergleichen ihre Materialkostenquote
Branchenbezogenes Benchmarking (Trendanalysen) Unternehmen derselben Branche, nicht zwingend direkte Wettbewerber Branchenkennzahlen des BME für den Maschinenbau
Branchenübergreifendes Benchmarking (Best Practice) Unternehmen anderer Branchen mit vergleichbaren Prozessen Ein Kopiergerätehersteller vergleicht seine Lagerlogistik mit einem Versandhändler (Xerox ↔︎ L.L. Bean)

Vor- und Nachteile der Benchmarking-Formen

Form Vorteile Nachteile
Internes Benchmarking (andere Organisationsformen) • Datenzugang sehr einfach
• gut geeignet für ähnliche Organisationseinheiten, z. B. Niederlassungen
• nur interne Sicht
• kaum einsetzbar für KMU
Wettbewerbsbezogenes Benchmarking • Eigene Position im Wettbewerb erkennbar
• Hohe Wirksamkeit
• Wettbewerbsposition kann verbessert werden
• Datenaustausch erfordert Aufwand / eine eigene Organisation
• Wettbewerber bekommt mehr Transparenz
Einholen- statt Überholen-Mentalität
• Vertraulichkeitsprobleme
Branchenübergreifendes Benchmarking • umfangreiche Vergleichsmöglichkeiten
• neue Ideen können aufgegriffen werden
• evtl. sehr hohe Verbesserungspotenziale identifizierbar
• Suche des Benchmarking-Partners aufwändig
• Austausch aufwändig
• Übertragbarkeit der Ergebnisse evtl. schwierig

Für das Informationspotenzial gilt: Je weiter man sich vom eigenen Unternehmen entfernt, desto schwieriger der Datenzugang, aber desto größer das Innovationspotenzial. Internes Benchmarking liefert schnell Daten, aber nur die interne Sicht; branchenübergreifendes Benchmarking ist aufwendig, ermöglicht aber echte Sprünge statt bloßem Aufholen.

Vorgehensweise (nach C. Schulte, Logistik, Vahlen)

Hinweis: Die Vorgehensweise geht auf C. Schulte, Logistik, Vahlen zurück; die folgende Darstellung ist eine inhaltliche Rekonstruktion in eigenen Worten. Auf denselben Ablauf stützt sich auch die „Reifegradentwicklung durch Benchmarking" im Anhang.

Der Ablauf folgt einem geschlossenen, kontinuierlichen Regelkreis:

  1. Planung: Benchmarking-Objekt festlegen (Produkt, Prozess, Strategie), Ziele und Kennzahlen definieren, Benchmark-Team bilden.
  2. Partnerwahl: geeignete Vergleichspartner identifizieren und gewinnen (intern, wettbewerbsbezogen, branchenübergreifend).
  3. Datenerhebung. Der Ist-Zustand wird objektiv erfasst, z. B. über Fragebögen zu Durchlaufzeiten, die auch den Vergleichsunternehmen vorgelegt werden; ergänzend Kennzahlendatenbanken (BME).
  4. Analyse: Leistungslücke (Gap) zum Besten quantifizieren und vor allem die Ursachen der Lücke verstehen. Warum ist der andere besser?
  5. Zielsetzung und Maßnahmenableitung: Sollwerte festlegen, Maßnahmenplan erstellen, Verantwortliche und Termine benennen.
  6. Umsetzung: Implementierung der Best Practices im eigenen Unternehmen.
  7. Kontrolle und Neustart. Zielerreichung messen; da Benchmarking ein kontinuierlicher Prozess ist, beginnt der Kreislauf erneut (Reifegradentwicklung).

Wichtig: Schritt 4 (Ursachenanalyse) und Schritt 6 (Umsetzung) unterscheiden Benchmarking vom bloßen Kennzahlenvergleich. Wer nur Schritt 3 macht, hat einen Betriebsvergleich, kein Benchmarking.

Ziele und Nutzen des Benchmarkings

Leitgedanke: Lernen von den Besten.

  • Lernen von den Besten
  • Kenntnisse über Best in Class erhalten
  • Verstehen der eigenen Geschäftsprozesse
  • Identifizieren von Leistungsverbesserungen des eigenen Unternehmens
  • Realisieren von Leistungsverbesserungen des eigenen Unternehmens
  • Gestalten von neuen Bestlösungen im eigenen Unternehmen

Ergänzend: Aufbrechen von Betriebsblindheit, objektive Standortbestimmung, Überwindung des „Das haben wir immer so gemacht", Motivation durch konkrete, erreichbare Zielwerte.

Zusammenfassung. Benchmarking bedeutet für ein Unternehmen:

  • … sich an den Besten zu orientieren
  • … den eigenen Standpunkt zu analysieren
  • … daraus erfolgversprechende Unternehmensstrategien zu entwickeln
  • … die eigene Wettbewerbsposition zu verbessern

Benchmarking im Einkauf: „sich messen mit den Besten"

Erfolgsfaktoren

  • Objektive Darstellung des Istzustandes
  • Bereitschaft, die eigenen Prozesse in Frage zu stellen
  • Mut, eigene Leistungen mit schlechten Noten zu versehen
  • Fähigkeit, gewonnene Erkenntnisse im eigenen Unternehmen umzusetzen
  • Rückhalt der Geschäftsführung während des Optimierungsprozesses

Schwierigkeiten

  • Auswahl eines geeigneten Benchmarking-Partners: hierfür bietet sich z. B. der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e. V. (BME) als neutrale Instanz an.

Quellen für Kennzahlen

  • Über den BME lassen sich Kennzahlen bestimmter Branchen einkaufen (Benchmarking-Service des Verbands).
  • Bereitgestellt werden Durchschnittswerte nach Branchen und Umsatzklassen sowie Best-in-Class-Werte (Best in Class = das Unternehmen mit der niedrigsten Kennzahl Einkaufskosten/Einkaufsvolumen).
  • Typisches Beispiel: Durchschnittswert für die Kosten eines Bestellvorganges.

Warum ein Verband als Mittler nützlich ist: Er löst die Nachteile des wettbewerbsbezogenen Benchmarkings: Vertraulichkeit bleibt gewahrt, der Datenaustausch wird organisiert, und man muss dem direkten Wettbewerber keine Einsicht gewähren.

Ziele eines Benchmarkings im Einkauf

Ziel ist die Identifikation von Leistungsverbesserungen, z. B.:

  • Standortbestimmung der eigenen Leistungen
  • Qualität der Einkaufsarbeit
  • Optimierungspotenzial von Einkaufsprozessen
  • Durchlaufzeiten verkürzen
  • Produktivität im Einkauf erhöhen
  • Optimale Einkaufsstruktur finden
  • Kosten verringern: bei Produkten und Leistungen sowie bei Personal und Personaleinsatz

Datenerhebung

Die Erhebung erfolgt durch ein Benchmark-Team, z. B. über Fragebögen zu Durchlaufzeiten im Unternehmen. Diese Fragebögen werden auch den Vergleichsunternehmen vorgelegt, denn nur so ist sichergestellt, dass wirklich Gleiches mit Gleichem verglichen wird.

Voraussetzungen für ein Benchmarking

(Klausurwissen)

  • Wille zur Veränderung muss vorhanden sein
  • Bereitschaft zur Offenheit und zur Bereitstellung von Daten
  • Management muss sicherstellen, dass genügend Zeit und Ressourcen zur Verfügung gestellt werden
  • Absicherung, dass die Ergebnisse des Benchmarking akzeptiert werden
  • Kundenorientierung muss stets im Vordergrund stehen
  • Zunächst Projekte mit kürzeren Laufzeiten angehen (unter 3 Monate)

Verhaltenskodex beim Benchmarking

Acht Prinzipien — die Bezeichnungen entsprechen der Vorlesung, die Erläuterungen in der rechten Spalte sind sinngemäß ergänzt und damit eigene Ausformulierung.

Prinzip Erläuterung (ergänzt)
Prinzip der Legalität Nichts tun, was rechtlich unzulässig wäre: insbesondere kein Verstoß gegen Kartell- und Wettbewerbsrecht (keine Preis- oder Marktabsprachen), kein Erwerb von Geschäftsgeheimnissen auf unlauterem Weg
Prinzip des Tausches Gegenseitigkeit: Man gibt in gleichem Umfang und in gleicher Detailtiefe Informationen, wie man sie erhält
Prinzip der Vertraulichkeit Erhaltene Informationen werden vertraulich behandelt und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben
Prinzip der Verwendung Die Informationen werden nur für den vereinbarten Zweck verwendet, nämlich zur Verbesserung der eigenen Prozesse, nicht für Vertrieb, Marketing oder Wettbewerbsangriffe
Prinzip des Kontakts mit Partnern Kontakt läuft über die benannten Ansprechpartner; keine Umgehung der vereinbarten Kanäle
Prinzip der Kontakte mit Dritten Namen von Kontaktpersonen werden nicht ohne Einverständnis weitergegeben
Prinzip der Vorbereitung Man erscheint vorbereitet: eigene Daten liegen vor, Fragen sind vorab abgestimmt; das respektiert die Zeit des Partners
Prinzip der Zuverlässigkeit Zusagen werden eingehalten: Termine, Datenlieferungen, Rückmeldungen, Ergebnisberichte

Benchmarking-Partner von Xerox (Praxisbeispiel)

Xerox gilt als Pionier des Benchmarkings; von dort stammt auch die zitierte Definition von Bob Camp. Eine Einordnung der Partner in branchenübergreifend bzw. wettbewerbsbezogen ist nicht vorgegeben, die rechte Spalte ist daher eigene Einordnung. Als Benchmarking-Partner werden genannt (Quelle: Wannenwetsch, Integrierte Materialwirtschaft und Logistik, Springer):

Benchmarking-Partner Verglichener Prozess Art (eigene Einordnung)
American Express Abrechnung und Inkasso branchenübergreifend (Finanzdienstleistung)
American Hospital Supply Automatische Lagerstandskontrolle, gesamtes Qualitätswesen branchenübergreifend (Medizinbedarf/Distribution)
Florida Light and Power Fertigungsplanung branchenübergreifend (Energieversorger)
Ford Motor Company Roboter-Technologie branchenübergreifend (Automobil)
General Electric Lagerhausbetrieb branchenübergreifend (Mischkonzern)
L. L. Bean Lagerhaus- und Vertriebseffizienz branchenübergreifend (Versandhandel)
Canon Vertriebskosten wettbewerbsbezogen (Kopierer/Bürotechnik)
Kodak Vertriebskosten wettbewerbsbezogen (Bildtechnik/Bürotechnik)

Warum die Liste beide Arten enthält: Xerox verglich sich für Prozesse wie Lagerhaltung und Abrechnung gerade nicht mit anderen Kopiergeräteherstellern, sondern mit dem jeweils Besten für genau diesen Prozess: mit einem Versandhändler (L. L. Bean), einem Finanzdienstleister (American Express), einem Energieversorger (Florida Light and Power). Canon und Kodak sind dagegen Wettbewerber; dort ging es um Vertriebskosten, das ist wettbewerbsbezogenes Benchmarking. Die Liste ist also gemischt, und eben das macht sie als Lernbeispiel wertvoll: Ein Unternehmen wählt die Partnerart je Prozess und nicht ein für alle Mal. Die sechs branchenübergreifenden Fälle illustrieren den Vorteil „neue Ideen können aufgegriffen werden / evtl. sehr hohe Verbesserungspotenziale identifizierbar" und zugleich den Nachteil „Suche des Benchmarking-Partners aufwändig".

Übungsaufgaben — gelöst

Aufgabe #011 · Aufgabe 1 · Verhaltenskodex erstellenAngenommen, Ihr und ein weiteres Unternehmen sind sich darüber einig, dass Sie sich über ein Benchmarking miteinander vergleichen wollen. Sie sollen einen „Verhaltenscodex“ erstellen, an den sich beide Unternehmen beim Benchmarking halten sollen. Welche Inhalte würden Sie für einen solchen Verhaltenscodex definieren?
✅ Lösung

Grundlage sind die acht Prinzipien des Verhaltenskodex. In der Klausur sollte man sie nicht nur nennen, sondern als konkrete Vereinbarungen zwischen den beiden Unternehmen formulieren.

§ 1 Prinzip der Legalität Beide Seiten halten sich strikt an geltendes Recht, insbesondere an das Kartell- und Wettbewerbsrecht. Es werden keine Preise, Mengen, Kunden oder Märkte abgesprochen. Informationen werden nur auf legalem Weg beschafft; Geschäftsgeheimnisse Dritter werden nicht verwertet. Im Zweifel wird die Rechtsabteilung eingeschaltet.

§ 2 Prinzip des Tausches (Gegenseitigkeit) Jede Seite stellt Informationen in gleichem Umfang und gleicher Detailtiefe bereit, wie sie sie erhält. Art, Umfang und Format der auszutauschenden Daten werden vorab schriftlich festgelegt. Kein Partner darf nur nehmen.

§ 3 Prinzip der Vertraulichkeit Alle erhaltenen Informationen sind vertraulich. Eine Weitergabe an Dritte, auch an Konzerngesellschaften oder Berater, erfolgt nur mit vorheriger schriftlicher Zustimmung des Partners. Ergänzend wird eine Geheimhaltungsvereinbarung (NDA) abgeschlossen, der Kreis der Zugriffsberechtigten wird namentlich benannt.

§ 4 Prinzip der Verwendung Die Informationen werden ausschließlich für den vereinbarten Zweck verwendet: die Verbesserung der eigenen Prozesse. Eine Nutzung für Vertrieb, Marketing, Preisgestaltung gegenüber dem Partner, Abwerbung oder Wettbewerbsangriffe ist ausgeschlossen. Der Name des Partners wird nicht ohne Zustimmung zu Werbezwecken genannt.

§ 5 Prinzip des Kontakts mit Partnern Die Kommunikation läuft über benannte Ansprechpartner auf beiden Seiten. Die vereinbarten Kanäle werden nicht umgangen; es gibt keine direkten Anfragen an Mitarbeiter des Partners außerhalb des Projekts.

§ 6 Prinzip der Kontakte mit Dritten Namen und Kontaktdaten von Ansprechpartnern werden nicht ohne deren Einverständnis an Dritte weitergegeben.

§ 7 Prinzip der Vorbereitung Jede Seite erscheint vorbereitet zu Terminen: eigene Daten sind erhoben, Fragenkataloge und Fragebögen werden vorab ausgetauscht und abgestimmt, damit die Zeit des Partners respektiert wird und wirklich Gleiches mit Gleichem verglichen wird.

§ 8 Prinzip der Zuverlässigkeit Zusagen werden eingehalten: Termine, Datenlieferungen, Rückmeldungen und Ergebnisberichte. Die Ergebnisse werden dem Partner zur Verfügung gestellt bzw. vor Veröffentlichung zur Freigabe vorgelegt.

Sinnvolle Ergänzungen für die Praxis:

  • Definition der Kennzahlen und Bezugsgrößen vorab; ohne gemeinsame Definition (z. B. was genau als „Bestellvorgang" zählt) ist jeder Vergleich wertlos.
  • Festlegung des Benchmarking-Objekts und -Umfangs (Produkt, Prozess oder Strategie) sowie der Projektlaufzeit; empfohlen sind zunächst Projekte unter 3 Monaten.
  • Regelung zur Anonymisierung/Aggregation sensibler Daten, ggf. Einschaltung eines neutralen Dritten (z. B. BME) als Datentreuhänder.
  • Umgang mit Projektende und Datenlöschung, Rückgabe oder Vernichtung überlassener Unterlagen.
  • Eskalations- und Konfliktregelung bei Streit über Auslegung des Kodex.
  • Benennung eines gemeinsamen Lenkungsgremiums mit Rückhalt der Geschäftsführung beider Seiten.
Aufgabe #012 · Aufgabe 2 · Voraussetzungen für ein BenchmarkingStellen Sie die Voraussetzungen für die Durchführung eines Benchmarkings in einem Unternehmen zusammen.
✅ Lösung

Kern: die sechs Voraussetzungen

  1. Wille zur Veränderung muss vorhanden sein. Ohne Veränderungsbereitschaft entsteht aus dem Vergleich keine Verbesserung: das Ergebnis versandet in einer Präsentation. Benchmarking ist laut Definition ausdrücklich Analyse und Optimierung.
  2. Bereitschaft zur Offenheit und zur Bereitstellung von Daten. Benchmarking funktioniert nur auf Gegenseitigkeit (Prinzip des Tausches). Wer selbst nichts offenlegt, bekommt auch nichts.
  3. Das Management muss sicherstellen, dass genügend Zeit und Ressourcen zur Verfügung gestellt werden. Benchmark-Team, Datenerhebung, Fragebögen, Besuche und Auswertung binden Kapazität, die neben dem Tagesgeschäft nicht „nebenbei" verfügbar ist.
  4. Absicherung, dass die Ergebnisse des Benchmarking akzeptiert werden. Vorab muss geklärt sein, dass unbequeme Ergebnisse nicht relativiert oder abgelehnt werden („bei uns ist das anders"). Sonst wird die Analyse folgenlos.
  5. Kundenorientierung muss stets im Vordergrund stehen. Verbessert werden soll das, was für den (internen wie externen) Kunden Wert schafft, nicht das, was intern am einfachsten messbar ist.
  6. Zunächst Projekte mit kürzeren Laufzeiten angehen (unter 3 Monate). Schnelle, sichtbare Erfolge sichern Akzeptanz und Lernkurve für größere Vorhaben.

Ergänzende Voraussetzungen, die sich aus den Erfolgsfaktoren „Benchmarking im Einkauf" ergeben (in der Klausur ein guter Zusatz):

  • Objektive Darstellung des Istzustandes: man muss die eigenen Prozesse und Kennzahlen überhaupt kennen und ehrlich erheben können.
  • Bereitschaft, die eigenen Prozesse in Frage zu stellen, also Abkehr vom „das machen wir schon immer so".
  • Mut, eigene Leistungen mit schlechten Noten zu versehen; Schönfärberei zerstört den Erkenntniswert.
  • Fähigkeit, gewonnene Erkenntnisse im eigenen Unternehmen umzusetzen, sprich Umsetzungskompetenz und Projektorganisation.
  • Rückhalt der Geschäftsführung während des gesamten Optimierungsprozesses, nicht nur bei Projektstart.

Organisatorisch-methodische Voraussetzungen (Praxisergänzung):

  • Ein Benchmark-Team mit klaren Rollen ist gebildet.
  • Das Benchmarking-Objekt ist festgelegt (Produkt, Prozess oder Strategie) und der Partnertyp gewählt (intern, wettbewerbsbezogen, branchenübergreifend).
  • Kennzahlen und Bezugsgrößen sind eindeutig definiert und zwischen den Partnern abgestimmt, sonst wird Ungleiches verglichen.
  • Ein geeigneter Benchmarking-Partner ist gefunden; genau das ist die zentrale Schwierigkeit, als Vermittler bzw. Kennzahlenquelle bietet sich der BME an.
  • Ein Verhaltenskodex bzw. eine Vertraulichkeitsvereinbarung ist beschlossen (siehe Aufgabe 1).
  • Die Datenverfügbarkeit und -qualität im eigenen Haus ist gesichert (Controlling, Systeme).
Aufgabe #013 · Aufgabe 3 · Xerox-Vergleichspartner & Länder-Benchmarkinga) Recherchieren Sie, mit welchen Unternehmen sich die Firma „Xerox“ im Rahmen von Benchmarkings branchenübergreifend verglichen hat. (mind. 3 mit dem jeweils betrachteten Prozess)
b) Recherchieren Sie, inwieweit auch Benchmarkings zwischen Ländern vorgenommen werden. Welche Kriterien nutzt beispielsweise der „Global Competitiveness Index“?
✅ Lösung — Teil a)

Teil a) ist nicht recherchepflichtig: Die Benchmarking-Partner von Xerox sind vollständig bekannt (Quelle: Wannenwetsch, Integrierte Materialwirtschaft und Logistik, Springer).

Benchmarking-Partner Betrachteter Prozess Art (eigene Einordnung)
American Express Abrechnung und Inkasso branchenübergreifend
American Hospital Supply Automatische Lagerstandskontrolle, gesamtes Qualitätswesen branchenübergreifend
Florida Light and Power Fertigungsplanung branchenübergreifend
Ford Motor Company Roboter-Technologie branchenübergreifend
General Electric Lagerhausbetrieb branchenübergreifend
L. L. Bean Lagerhaus- und Vertriebseffizienz branchenübergreifend
Canon Vertriebskosten wettbewerbsbezogen
Kodak Vertriebskosten wettbewerbsbezogen

Verlangt sind mindestens 3, jeweils mit Prozessangabe. Da die Aufgabe ausdrücklich nach branchenübergreifenden Vergleichen fragt, sind diese sechs Fälle zu nennen:

  • L. L. Bean (Versandhandel) → Lagerhaus- und Vertriebseffizienz
  • American Express (Finanzdienstleistung) → Abrechnung und Inkasso
  • General Electric (Mischkonzern) → Lagerhausbetrieb
  • Florida Light and Power (Energieversorger) → Fertigungsplanung
  • American Hospital Supply (Medizinbedarf) → automatische Lagerstandskontrolle und Qualitätswesen
  • Ford Motor Company (Automobil) → Roboter-Technologie

Wichtige Einordnung für die Begründung: Die Aufgabe fragt explizit nach branchenübergreifenden Vergleichen. Canon und Kodak sind Wettbewerber von Xerox: das wäre wettbewerbsbezogenes Benchmarking und passt streng genommen nicht zur Fragestellung. Der Kerngedanke lautet: Xerox suchte den jeweils Besten für genau diesen Prozess, unabhängig von der Branche. Der Vergleich mit dem Versandhändler L. L. Bean bei der Lagerlogistik ist dafür das Lehrbuchbeispiel und zeigt den Vorteil „neue Ideen können aufgegriffen werden / evtl. sehr hohe Verbesserungspotenziale identifizierbar".

🔎 Recherche-Aufgabe — Teil b)

Einordnung: Ein Länder-Benchmarking gehört in die Systematikebene „Benchmarking von Rahmenbedingungen" (neben Benchmarking von Unternehmen und von Sektoren).

Zur Orientierung für die Recherche: Der Global Competitiveness Index (GCI) wird vom World Economic Forum (WEF) im Global Competitiveness Report veröffentlicht. Er gliedert sich in Säulen (Pillars), thematisch u. a.: Institutionen, Infrastruktur, makroökonomische Stabilität, Gesundheit, Bildung/Qualifikation, Güter- und Arbeitsmarkt, Finanzsystem, Marktgröße, Technologie/Innovationsfähigkeit, Unternehmensdynamik. Ein Teil der Indikatoren beruht auf harten statistischen Daten, ein Teil auf einer Managerbefragung (Executive Opinion Survey).

⚠️ Anzahl, exakte Bezeichnungen und Gewichtung bitte aus der Originalquelle mit Abrufdatum belegen; die Methodik wurde mehrfach geändert. Ebenso zu prüfen: ob der Index in der zitierten Form noch fortgeführt wird. Nur die Originalveröffentlichung des Herausgebers samt Methodik-Anhang verwenden, keine Sekundärzusammenfassungen.

Drei Rechercheschritte:

  1. Originalquelle und aktuellen Methodikstand prüfen: Anzahl und Bezeichnung der Säulen, Gewichtung, Skala, Anteil harter Daten gegenüber Befragungsdaten, alles jeweils mit Abrufdatum festhalten.
  2. Weitere Länder-Benchmarks zum Vergleich heranziehen, um die Bandbreite zu zeigen, etwa IMD World Competitiveness Ranking, Doing-Business-/B-READY-Berichte der Weltbank, Human Development Index der UN, Global Innovation Index, PISA-Studie, Logistics Performance Index. Je Quelle: Herausgeber, Zweck, Kernkriterien.
  3. An das Kapitel zurückbinden: Einordnung als „Benchmarking von Rahmenbedingungen", Partnerart extern, Objekt eher Rahmenbedingungen/Strategie als Produkt oder Prozess. Und die kritische Frage: Ein Länderindex leistet den Vergleich, die Optimierung und Implementierung obliegt der Politik; insofern ist er eher Standortbestimmung als vollständiges Benchmarking im Sinne von Camp. Kritikpunkte: Subjektivität der Befragungsanteile, Vergleichbarkeit sehr unterschiedlicher Volkswirtschaften, Gewichtungsentscheidungen, Datenaktualität.
Aufgabe #014 · Aufgabe 4 · Best Practice Leader je ProzessIn welcher der unten genannten Branchen sehen Sie jeweils den „Best Practice Leader“ für die genannten Prozesse?

Branchen: 1. Anlagenbau · 2. Automobil · 3. Banken/Versicherungen · 4. Bau · 5. Bücher/Medien · 6. Computer · 7. Elektronik · 8. Luft-/Raumfahrt · 9. Pharma · 10. Konsumgüter · 11. Möbel · 12. Mode · 13. Metall · 14. Papier/Karton · 15. Versandhandel

Prozesse: a) Volumenhandling · b) Beherrschung von Varianten · c) Logistik-Qualität · d) Supply Network Management · e) Bestandsoptimierung · f) Kommissionierung · g) Online Datenhandling · h) Saisongeschäft · i) Auditierung Lieferanten
✅ Lösung

Hinweis zur Aufgabenart: Es handelt sich um eine Begründungsaufgabe: bewertet wird nicht die „richtige" Branche, sondern die Argumentation, warum in dieser Branche der betreffende Prozess wettbewerbsentscheidend und daher am weitesten entwickelt ist. Die folgende Zuordnung ist eine begründete Einschätzung; abweichende Zuordnungen sind bei tragfähiger Begründung genauso vertretbar.

Leitfrage für jede Zeile: In welcher Branche entscheidet genau dieser Prozess über den Unternehmenserfolg? Dort ist die Best Practice zu erwarten.

Zur Verteilung: Die Zuordnung unten nutzt bewusst neun verschiedene Branchen für die neun Prozesse. Mehrfachnennungen wären zwar sachlich vertretbar (die Automobilindustrie ist bei mehreren Logistikprozessen führend), sie verschenken aber den Kern der Aufgabe: Gesucht ist je Prozess der jeweils andere Blickwinkel, aus dem sich branchenübergreifend lernen lässt. Wer dreimal „Automobil" schreibt, demonstriert genau die Betriebsblindheit, die Benchmarking aufbrechen soll.

Prozess Vorgeschlagener Best Practice Leader Begründung
a) Volumenhandling Papier/Karton (alternativ: Konsumgüter, Versandhandel) Massengut in Tonnen und Rollen, kontinuierliche Prozesse rund um die Uhr, sehr kleine Margen je Einheit: Das Handling großer Volumina ist dort Kernkompetenz und Existenzbedingung. Konsumgüter als Alternative wegen der Millionen-Stückzahlen in der Distribution.
b) Beherrschung von Varianten Automobil (alternativ: Möbel) Ein Fahrzeugmodell existiert in praktisch beliebig vielen Ausstattungskombinationen; die Variantensteuerung von der Konfiguration über die Stückliste bis zur Perlenkette in der Montage ist dort am weitesten entwickelt.
c) Logistik-Qualität Pharma (alternativ: Luft-/Raumfahrt) Lückenlose Chargenrückverfolgung, Kühlkettennachweis, GMP-/GDP-Vorgaben und behördliche Dokumentationspflichten; Qualitätsabweichungen in der Logistik sind unmittelbar patientengefährdend und damit existenzkritisch.
d) Supply Network Management Luft-/Raumfahrt (alternativ: Automobil, Elektronik) Mehrstufige, weltweite Netzwerke mit Risk-Sharing-Partnern, sehr langen Vorlaufzeiten und Einzelteilverfolgung über Jahrzehnte; die unternehmensübergreifende Steuerung des Gesamtnetzwerks ist dort zwingend. Automobil als Alternative wegen der JIT-/JIS-Zulieferpyramiden.
e) Bestandsoptimierung Elektronik (alternativ: Computer, Automobil) Extrem kurze Produktlebenszyklen und hoher Wertverfall: jeder Tag Lagerdauer kostet Marge; deshalb sind Bestandsreichweiten und Abschreibungsrisiko dort die zentralen Steuerungsgrößen.
f) Kommissionierung Versandhandel Einzelstückkommissionierung in riesigen Sortimenten unter Zeitdruck; Pick-by-Voice/Light, Zonenkommissionierung und Automatisierung sind dort Standard. Historisch belegt: Xerox verglich seine Lagerhaus- und Vertriebseffizienz mit dem Versandhändler L. L. Bean.
g) Online Datenhandling Banken/Versicherungen (alternativ: Computer, Bücher/Medien) Vollständig digitale, beleglose Transaktionsabwicklung in Echtzeit, mit höchsten Anforderungen an Verfügbarkeit, Revisionssicherheit und Datenschutz: das Produkt selbst ist reine Information.
h) Saisongeschäft Mode (alternativ: Konsumgüter) Zwei oder mehr Kollektionen pro Jahr mit sehr kurzen Verkaufsfenstern, hohem Prognoserisiko und drastischem Wertverfall nach Saisonende; die Saisonsteuerung ist dort das zentrale Steuerungsproblem.
i) Auditierung Lieferanten Konsumgüter (alternativ: Pharma, Automobil) Tausende Zulieferer in globalen, oft mehrstufigen Lieferketten werden systematisch auf Qualitäts-, Sozial- und Umweltstandards auditiert; das Reputations- und Haftungsrisiko erzwingt ein durchorganisiertes Auditprogramm. Pharma als Alternative wegen behördlich vorgeschriebener Lieferantenqualifizierung, Automobil wegen der standardisierten Prozessaudits.

Methodisch für die Klausur festhalten: Der Best Practice Leader für einen Prozess sitzt nicht zwingend in der eigenen Branche. Darin liegt der Wert des branchenübergreifenden Benchmarkings: „umfangreiche Vergleichsmöglichkeiten", „neue Ideen können aufgegriffen werden", „evtl. sehr hohe Verbesserungspotenziale identifizierbar". Ein Automobilhersteller lernt Kommissionierung besser vom Versandhandel als vom Wettbewerber; dort droht ohnehin die „Einholen- statt Überholen-Mentalität".

Ebenso zu nennen sind die Nachteile dieser Vorgehensweise: die Suche des Benchmarking-Partners ist aufwändig, der Austausch ist aufwändig, und die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf die eigene Branche kann schwierig sein: Eine Kommissionierlösung aus dem Versandhandel lässt sich nicht ohne Anpassung in die Ersatzteillogistik eines Anlagenbauers übernehmen.