FINA U17 — D: Fremdfinanzierung durch Kredite 1
Status: GEPRÜFT (1,0)
Modul: Finanzwirtschaft (FINA) · TH Bingen · B.Eng. Wirtschaftsingenieurwesen · Prüfer: Prof. Rohleder Hauptquelle: Bösch, Finanzwirtschaft. Investition, Finanzierung, Finanzplanung und -kontrolle, 5. Aufl., Vahlen 2022. KI-Nutzung laut Aufgabenblatt ausdrücklich erlaubt, Pflicht ist Quellenangabe.
Rest-Hygiene: Inhaltlich vollständig + korrekt. Rechnungen nachgerechnet: Kreditzins (1+irf)/(1−PD)−1 = 5,10 % bzw. 9,47 %; erwarteter Verlust EL=PD·LGD·EAD = 1.200/6.000/2.000/600/8.000/4.000 € ✓; Rating-Skala (Investment Grade AAA–BBB−, Speculative ab BB+) und alle Rechts-Verweise (§§ 158/311/398/449/765/771/773/879/929/930/1113/1191/1204 ff. BGB, § 349 HGB) geprüft. Offen (kein inhaltlicher Blocker): reine Bösch-Seiten-/Abbildungsverweise (u. a. Abb. D-2, #06) am eigenen Exemplar/Skript nachtragen — der allgemeine Kreditarten-Katalog ist als Fallback vollständig.
1 Fremdfinanzierung durch Kredite
18.1 Einordnung der Kreditwürdigkeit
#01 Was versteht man unter Fremdfinanzierung?
ANTWORT: Fremdfinanzierung ist die Kapitalbeschaffung von außenstehenden Kapitalgebern (Gläubigern), die dem Unternehmen Kapital auf Zeit überlassen, ohne Eigentümer (Anteilseigner) zu werden. Kennzeichen gegenüber der Eigenfinanzierung:
- Gläubigerstellung statt Eigentümerstellung: Der Fremdkapitalgeber erwirbt eine schuldrechtliche Forderung, keinen Anteil am Unternehmen.
- Fester Zahlungsanspruch: Anspruch auf vereinbarte Zins- und Tilgungszahlungen, unabhängig vom Unternehmenserfolg (erfolgsunabhängige Vergütung).
- Befristung: zeitlich begrenzte Überlassung mit Rückzahlungsanspruch.
- Keine bzw. eingeschränkte Mitsprache-/Leitungsrechte (anders als Eigenkapitalgeber).
- Vorrang in der Insolvenz: Fremdkapitalgeber werden vor den Eigenkapitalgebern bedient (Haftungsrangfolge).
- Steuerliche Behandlung: Fremdkapitalzinsen sind als Betriebsausgabe abzugsfähig (Tax Shield), Dividenden nicht.
Typische Instrumente: Bankkredite (Darlehen, Kontokorrent), Anleihen/Schuldverschreibungen, Lieferantenkredite, Leasing.
Quelle: Bösch, Finanzwirtschaft, 5. Aufl. 2022, Kap. zur Außen-/Fremdfinanzierung.
VERWANDTE FRAGEN:
- Worin unterscheidet sich Fremd- von Eigenfinanzierung hinsichtlich Haftung, Vergütung und Mitsprache? → EK: haftet (Verlustteilnahme), erfolgsabhängige Vergütung (Dividende/Gewinn), Stimm-/Kontrollrechte, unbefristet, Nachrang in Insolvenz. FK: keine Verlustteilnahme über den Ausfall hinaus, fester Zins, i. d. R. kein Stimmrecht, befristet, Vorrang in Insolvenz.
- Ordnen Sie Innen-/Außen- und Eigen-/Fremdfinanzierung in einer Systematik ein. → Zwei Dimensionen: Herkunft (Innen = aus dem Umsatzprozess/Gewinnthesaurierung/Abschreibungen vs. Außen = von außerhalb) und Rechtsstellung (Eigen vs. Fremd). Kredite = Außen + Fremd.
WARUM: Rohleder testet hier das Grundgerüst der Finanzierungssystematik — gerne als Abgrenzungs-/Einordnungsfrage, in der man EK vs. FK auf mehreren Kriterien sauber trennen muss.
#02 Was ist eine bilanzbasierte Kreditwürdigkeitsprüfung?
ANTWORT: Bei der bilanzbasierten (auch unternehmens-/jahresabschlussbasierten) Kreditwürdigkeitsprüfung beurteilt der Kreditgeber die Bonität des Schuldners anhand seiner Jahresabschlüsse und Finanzkennzahlen. Geprüft wird die Gesamtsituation des Unternehmens als Schuldner — d. h. ob das Unternehmen aus seiner Vermögens-, Finanz- und Ertragslage heraus Zins und Tilgung tragen kann.
Typische Kennzahlen / Analysefelder:
- Vermögenslage: Eigenkapitalquote, Anlagendeckung, Verschuldungsgrad.
- Ertragslage: Umsatzrendite, EBIT/EBITDA, Gesamtkapitalrentabilität.
- Finanzlage / Liquidität: Liquiditätsgrade, Cashflow, dynamischer Verschuldungsgrad (Schuldentilgungsdauer = Nettoverschuldung / Cashflow).
- Häufig kombiniert mit Branchen- und Zeitvergleich sowie qualitativen Faktoren (Management, Markt).
Die Rückzahlung wird also primär aus der laufenden Ertragskraft / dem Cashflow des Gesamtunternehmens erwartet.
Quelle: Bösch, Finanzwirtschaft, 5. Aufl. 2022, Abschnitt Kreditwürdigkeitsprüfung.
VERWANDTE FRAGEN:
- Welche Kennzahlen ziehen Banken in der bilanzbasierten Prüfung heran und was sagen sie aus? → siehe Aufzählung oben; Eigenkapitalquote = Risikopuffer, Verschuldungsgrad = Abhängigkeit von FK, dynamischer Verschuldungsgrad = Jahre bis Schuldentilgung aus Cashflow.
- Welche Grenzen hat die bilanzbasierte Prüfung? → vergangenheitsorientiert (Stichtag), bilanzpolitische Spielräume, sagt wenig über künftige Projekt-Cashflows; bei jungen Unternehmen/Start-ups kaum aussagekräftig.
WARUM: Die drei Prüfungsarten (#02–#04) sind ein klassischer Vergleichsblock — Rohleder lässt sie gerne gegeneinander abgrenzen oder fragt nach Eignung je Schuldnertyp.
#03 Wie unterscheidet sich die objektbasierte Kreditwürdigkeitsprüfung von der bilanzbasierten?
ANTWORT: Die objektbasierte Kreditwürdigkeitsprüfung stellt nicht die Gesamtbilanz des Unternehmens in den Mittelpunkt, sondern das konkrete finanzierte Objekt / den Vermögensgegenstand, der als Sicherheit dient. Maßgeblich ist der Wert und die Verwertbarkeit des Objekts (z. B. Immobilie, Maschine, Fahrzeug, Warenlager).
Unterschied zur bilanzbasierten Prüfung:
| bilanzbasiert | objektbasiert | |
|---|---|---|
| Prüfungsobjekt | Gesamtunternehmen / Jahresabschluss | einzelnes Sicherungsobjekt |
| Rückzahlungsquelle | laufender Cashflow / Ertragskraft | Verwertung des Objekts im Ausfall |
| Fokus | Bonität des Schuldners | Werthaltigkeit der Sicherheit (Beleihungswert) |
| typisch bei | etablierten Unternehmen | Objekt-/Immobilien-/Mobilienfinanzierung |
Die Bank fragt also weniger „Wie geht es dem Unternehmen?“ als „Was ist das Objekt im Verwertungsfall wert?“ (Beleihungswert, Beleihungsgrenze, Marktgängigkeit).
Quelle: Bösch, Finanzwirtschaft, 5. Aufl. 2022, Abschnitt Kreditwürdigkeitsprüfung.
VERWANDTE FRAGEN:
- Was ist der Unterschied zwischen Markt-/Verkehrswert und Beleihungswert eines Sicherungsobjekts? → Verkehrswert = aktueller erzielbarer Marktpreis; Beleihungswert = vorsichtig, dauerhaft erzielbarer Wert (Abschlag wegen Wertschwankungen); die Beleihungsgrenze (z. B. 60–80 %) liegt nochmals darunter.
- Für welche Schuldner/Finanzierungen ist die objektbasierte Prüfung besonders geeignet? → bei werthaltigen, marktgängigen Objekten (Immobilien, Standardmaschinen, Fahrzeuge); auch wenn Bilanzbonität schwach ist, aber gute Sicherheit vorliegt.
WARUM: Prüft das Verständnis, dass „Kreditwürdigkeit“ nicht nur Schuldner-, sondern auch Sicherheiten-getrieben sein kann — Brücke zum späteren Sicherheiten-Kapitel.
#04 Was wird bei der projektbasierten Kreditwürdigkeitsprüfung bewertet?
ANTWORT: Bei der projektbasierten Kreditwürdigkeitsprüfung (Projektfinanzierung) wird die Rückzahlungsfähigkeit aus den erwarteten Cashflows des konkreten Projekts beurteilt — nicht aus der Bilanz des Trägerunternehmens und nicht primär aus einem Sicherungsobjekt. Bewertet werden:
- die prognostizierten Einzahlungsüberschüsse / Cashflows des Projekts über die Laufzeit,
- die Wirtschaftlichkeit (z. B. Kapitalwert/Rendite des Projekts),
- die Projektrisiken (Fertigstellungs-, Markt-, Betriebs-, Auslastungs-, politische Risiken) und deren Absicherung,
- häufig über eine eigene Projektgesellschaft (SPV), sodass die Rückzahlung „non-/limited-recourse„ allein am Projekt hängt.
Kernfrage: „Trägt sich das Projekt selbst — reichen seine künftigen Cashflows für Zins und Tilgung?“ Typisch bei Großvorhaben (Kraftwerke, Infrastruktur, Windparks, Immobilienprojekte).
Quelle: Bösch, Finanzwirtschaft, 5. Aufl. 2022, Abschnitt Kreditwürdigkeitsprüfung / Projektfinanzierung.
VERWANDTE FRAGEN:
- Worin unterscheiden sich bilanz-, objekt- und projektbasierte Prüfung in einem Satz je Art? → bilanzbasiert = Bonität des Gesamtunternehmens (Cashflow gesamt); objektbasiert = Werthaltigkeit eines Sicherungsobjekts; projektbasiert = künftige Cashflows eines einzelnen Projekts.
- Was bedeutet „Non-Recourse-Finanzierung“ und warum ist die Risikoanalyse dort besonders wichtig? → Kreditgeber hat keinen (oder begrenzten) Rückgriff auf die Muttergesellschaft; einzige Tilgungsquelle = Projekt-Cashflows → Projektrisiken entscheiden über Ausfall.
WARUM: Schließt den Drei-Arten-Block ab; Rohleder fragt gerne nach der jeweils maßgeblichen Rückzahlungsquelle — das ist das unterscheidende Merkmal.
18.2 Einordnung der Fremdkapitalgeber
#05 Welche Rolle spielt die Kreditvergabe innerhalb eines Unternehmensverbunds?
ANTWORT: In einem Unternehmensverbund/Konzern kann Kapital nicht nur von externen Banken, sondern auch konzernintern vergeben werden (Intercompany-Kredite / Cash-Pooling). Rollen/Funktionen:
- Interne Kreditvergabe (Gesellschafterdarlehen, Intercompany-Loans): Die Muttergesellschaft oder eine Finanzierungsgesellschaft stellt Tochtergesellschaften Kapital bereit; Liquidität wird im Verbund umverteilt.
- Cash-Pooling / zentrale Treasury: Liquiditätsüberschüsse einzelner Gesellschaften decken den Bedarf anderer → geringere externe Verschuldung, bessere Konditionen, optimierte Zinslast.
- Vorteile: geringere Transaktionskosten, Skalen-/Verhandlungsvorteile gegenüber Banken, schnelle interne Mittelvergabe, ggf. steuerliche Gestaltung.
- Grenzen/Risiken: rechtliche Schranken (z. B. Kapitalerhaltung, Verrechnungspreis-/Fremdvergleichsregeln, Gesellschafterdarlehen in der Insolvenz), Klumpen-/Verbundrisiko.
Quelle: Bösch, Finanzwirtschaft, 5. Aufl. 2022, Abschnitt Fremdkapitalgeber/Unternehmensverbund.
VERWANDTE FRAGEN:
- Was ist Cash-Pooling und welchen Finanzierungsvorteil bringt es? → Bündelung der Liquidität im Konzern auf einem Zielkonto; reduziert externen Finanzierungsbedarf und Zinskosten, da Überschüsse Defizite ausgleichen.
- Welche Risiken bestehen bei konzerninterner Kreditvergabe? → Verbund-/Klumpenrisiko, rechtliche Schranken (Kapitalerhaltung, Verrechnungspreise), Nachrang von Gesellschafterdarlehen in der Insolvenz.
WARUM: Testet, ob „Fremdkapitalgeber“ auch interne Geber umfasst — eine typische Erweiterungs-/Transferfrage über die reine Banksicht hinaus.
#06 Welche Fremdkapitalgeber dominieren laut Abbildung D-2 und welche Kreditarten stellen sie bereit?
ANTWORT: Die konkrete Aussage hängt an Abbildung D-2 der Vorlesungsunterlage; die dort als dominierend dargestellten Gebergruppen und zugeordneten Kreditarten sind gegen die Folie abzugleichen.
Allgemein (Lehrbuchwissen, als Orientierung):
- Kreditinstitute / Banken als dominierende Fremdkapitalgeber stellen u. a. bereit:
- Kontokorrentkredit (kurzfristig, revolvierend, Betriebsmittel),
- Investitions-/Darlehenskredit (mittel- bis langfristig, Tilgungs-/Annuitäten-/endfälliges Darlehen),
- Avalkredit (Bürgschaft/Garantie der Bank statt Auszahlung),
- Lombardkredit (gegen Verpfändung von Wertpapieren/Waren).
- Weitere Geber: Lieferanten (Lieferantenkredit), Versicherungen/Kapitalsammelstellen und Investoren am Kapitalmarkt (Anleihen/Schuldscheindarlehen), Förderbanken (z. B. KfW).
Quelle: Bösch, Finanzwirtschaft, 5. Aufl. 2022, Übersicht Kreditarten + Vorlesungsabbildung D-2.
VERWANDTE FRAGEN:
- Nennen und charakterisieren Sie drei kurzfristige Kreditarten der Banken. → Kontokorrentkredit (flexibel, teuer, Betriebsmittel), Lombardkredit (gegen Pfand), Avalkredit (Bank haftet, statt zahlt); ergänzend Lieferantenkredit (Skonto-Verzicht teuer).
- Wie ordnen sich Banken-, Lieferanten- und Kapitalmarktfinanzierung nach Fristigkeit ein? → Lieferanten-/Kontokorrentkredit kurzfristig; Investitionsdarlehen mittel-/langfristig; Anleihen/Schuldscheine langfristig.
WARUM: Abbildungsgebundene Fragen prüfen, ob man die Vorlesungsfolie kennt — der allgemeine Kreditarten-Katalog ist die Absicherung, falls die Drehung „nennen Sie die Kreditarten“ lautet.
18.3 Die Zinsstrukturkurve
#07 Was ist die Zinsstrukturkurve und welche Formen kann sie annehmen?
ANTWORT: Die Zinsstrukturkurve (Yield Curve) stellt den Zusammenhang zwischen der Laufzeit (Restlaufzeit) einer Anlage/eines Kredits und dem zugehörigen Zinssatz (Rendite) grafisch dar — bei sonst gleicher Bonität. Auf der x-Achse die Laufzeit, auf der y-Achse der Zinssatz.
Formen:
- Normal (steigend): langfristige Zinsen > kurzfristige Zinsen. Erklärung u. a. durch Liquiditätsprämie (längere Bindung wird höher vergütet) und Erwartung steigender Zinsen. Der Normalfall.
- Flach: kurz- und langfristige Zinsen nahezu gleich (oft Übergangsphase).
- Invers (fallend): kurzfristige Zinsen > langfristige Zinsen; gilt als möglicher Vorbote einer konjunkturellen Abschwächung/sinkender künftiger Zinsen.
- (ggf. unregelmäßig/„buckelig“).
Erklärungsansätze: Erwartungstheorie (Langfristzins = Erwartung künftiger Kurzfristzinsen), Liquiditätsprämientheorie, Marktsegmentierungstheorie.
Quelle: Bösch, Finanzwirtschaft, 5. Aufl. 2022, Abschnitt Zinsstrukturkurve.
VERWANDTE FRAGEN:
- Was sagt eine inverse Zinsstrukturkurve aus und wie entsteht sie? → kurzfristige Zinsen über langfristigen; entsteht z. B. bei restriktiver Geldpolitik / Erwartung künftig sinkender Zinsen; gilt empirisch als Rezessionsindikator.
- Erklären Sie die normale (steigende) Zinsstruktur über die Liquiditätsprämie. → Anleger fordern für längere Kapitalbindung einen Aufschlag (Liquiditäts-/Laufzeitprämie) → längere Laufzeiten höher verzinst.
WARUM: Rohleder verlangt Definition plus Formen plus Erklärung (warum steigend/invers); reine Definition reicht selten — die Drehung ist „erklären Sie, warum“.
#08 Wie beeinflusst die Bonität eines Schuldners den Zinssatz, den er für einen Kredit zahlen muss?
ANTWORT: Je schlechter die Bonität (Kreditwürdigkeit) eines Schuldners, desto höher der von ihm zu zahlende Zinssatz. Der Kreditzins setzt sich additiv zusammen aus:
- Basis: der laufzeitkongruente risikofreie Zins (aus der Zinsstrukturkurve, z. B. Staatsanleihe gleicher Laufzeit).
- Zuschlag: die Kreditrisiko-/Bonitätsprämie (Spread), die das Ausfallrisiko abgilt. Sie steigt mit sinkender Bonität (schlechteres Rating, höhere Ausfallwahrscheinlichkeit).
Der Spread vergrößert sich nicht linear: Mit fallender Bonität (z. B. von Investment- in den Non-Investment-/Junk-Bereich) steigt die geforderte Prämie überproportional. Gute Bonität → kleiner Spread → niedriger Zins; schlechte Bonität → großer Spread → hoher Zins.
Quelle: Bösch, Finanzwirtschaft, 5. Aufl. 2022, Abschnitt Bonität/Kreditzins.
VERWANDTE FRAGEN:
- Aus welchen Komponenten setzt sich der Kreditzins zusammen? → risikofreier (laufzeitkongruenter) Basiszins + Risikoprämie (für erwarteten Verlust) + ggf. Margen-/Kostenbestandteile (Refinanzierung, Verwaltung, Eigenkapitalkosten der Bank, Gewinn).
- Warum zahlt ein BBB-Schuldner mehr Zinsen als ein AAA-Schuldner gleicher Laufzeit? → höhere Ausfallwahrscheinlichkeit (PD) → höherer erwarteter Verlust → höhere geforderte Risikoprämie/Spread bei gleichem risikofreiem Basiszins.
WARUM: Verknüpft Zinsstruktur (#07) mit Rating/Ausfall (#09/#10) — Rohleder fragt gerne nach der Zusammensetzung des Zinssatzes als Brücke zur Spread-/Risikoprämienlogik.
18.4 Ausfallwahrscheinlichkeit, Kreditrisikoprämie und Rating
#09 Was versteht man unter der Ausfallwahrscheinlichkeit und wie beeinflusst sie die Kreditrisikoprämie?
ANTWORT: Die Ausfallwahrscheinlichkeit (Probability of Default, PD) ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Schuldner innerhalb eines bestimmten Zeitraums (typisch 1 Jahr) seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommt (Default).
Einfluss auf die Kreditrisikoprämie: Die Risikoprämie muss den erwarteten Verlust abdecken und mindestens so groß sein, dass der Kreditgeber im Erwartungswert nicht schlechter steht als bei risikofreier Anlage. Vereinfachte Logik (Risikoneutralität, ohne Sicherheiten/LGD = 100 %):
Damit die erwartete Rückzahlung der risikofreien Verzinsung entspricht:
Symbole: PD = Ausfallwahrscheinlichkeit; = risikofreier Zins; = geforderter Kreditzins.
Beispiel: , PD = 2 % = 0,02: Risikoprämie (Spread) = 5,10 % − 3,00 % = 2,10 %.
Je höher PD, desto höher der geforderte Zins und damit die Risikoprämie (überproportional steigend).
Quelle: Bösch, Finanzwirtschaft, 5. Aufl. 2022, Abschnitt Ausfallwahrscheinlichkeit/Kreditrisikoprämie.
VERWANDTE FRAGEN:
- Berechnen Sie den Kreditzins bei und PD = 5 % (ohne Sicherheiten). → ; Spread = 5,47 %.
- Was passiert mit der Risikoprämie, wenn sich PD verdoppelt? → Der Nenner sinkt stärker → Kreditzins und Spread steigen überproportional (nicht doppelt, sondern mehr als proportional bei höheren PD-Niveaus).
WARUM: Klassische Rechenaufgabe — Rohleder dreht gern an PD und ; das Verständnis „Spread deckt erwarteten Verlust“ ist das Lernziel.
#10 Welche Rolle spielen Ratingagenturen bei der Kreditvergabe?
ANTWORT: Ratingagenturen (z. B. Standard & Poor's, Moody's, Fitch) bewerten die Kreditwürdigkeit von Schuldnern (Unternehmen, Staaten) bzw. einzelnen Schuldtiteln und drücken sie in standardisierten Ratingstufen aus. Bei S&P/Fitch reicht Investment Grade von AAA bis einschließlich BBB−; ab BB+ und darunter beginnt Speculative/Non-Investment Grade („Junk“). (Moody's analog: Aaa bis Baa3 = Investment Grade, ab Ba1 spekulativ.)
Rollen/Funktionen:
- Bonitätssignal / Reduktion von Informationsasymmetrie: Investoren und Banken erhalten eine verdichtete, vergleichbare Einschätzung der Ausfallwahrscheinlichkeit, ohne selbst voll prüfen zu müssen.
- Preisbildung: Das Rating bestimmt maßgeblich den Risikoaufschlag (Spread) und damit den Kreditzins/die Anleiherendite — besseres Rating → niedrigerer Zins.
- Marktzugang: Viele institutionelle Investoren dürfen nur Investment-Grade-Titel kaufen → Rating entscheidet über Platzierbarkeit.
- Regulatorik: Ratings fließen in Eigenkapitalanforderungen der Banken ein (Bonitätsgewichtung).
Kritik/Grenzen: Interessenkonflikt („issuer pays“), prozyklisches Verhalten, Mitverantwortung in der Finanzkrise 2008.
Quelle: Bösch, Finanzwirtschaft, 5. Aufl. 2022, Abschnitt Rating. Allgemein: S&P/Moody's/Fitch Rating-Skalen.
VERWANDTE FRAGEN:
- Wo verläuft die Grenze zwischen Investment Grade und Speculative Grade und warum ist sie wichtig? → bei S&P zwischen BBB− (noch Investment Grade) und BB+ (Speculative). Wichtig, weil viele Investoren nur Investment Grade halten dürfen → unterhalb steigt der Spread sprunghaft, Marktzugang verengt sich.
- Nennen Sie zwei Kritikpunkte am Geschäftsmodell der Ratingagenturen. → „Issuer-pays“-Interessenkonflikt (der Bewertete zahlt) und Prozyklik (Herabstufungen verschärfen Krisen).
WARUM: Prüft das Verständnis, dass Ratings PD und damit Spread/Zins steuern (Brücke #08/#09) — die Investment-Grade-Grenze ist ein beliebtes Detail.
18.5 Erwarteter Verlust bei Kreditvergabe und Kreditzins
#11 Wie wird der erwartete Verlust bei einer Kreditvergabe berechnet?
ANTWORT: Der erwartete Verlust (Expected Loss, EL) ist das Produkt aus drei Komponenten:
Symbole:
- PD (Probability of Default) = Ausfallwahrscheinlichkeit (in %),
- LGD (Loss Given Default) = Verlustquote bei Ausfall = Anteil der Forderung, der nicht zurückerlangt wird; ,
- EAD (Exposure at Default) = ausstehende Forderungshöhe bei Ausfall (Kreditbetrag).
Beispiel: Kredit EAD = 100.000 €, PD = 2 % = 0,02, Recovery Rate (z. B. durch Sicherheiten) = 40 % → LGD = 1 − 0,40 = 0,60: Der erwartete Verlust beträgt 1.200 € (= 1,20 % des Kreditbetrags). Diesen Betrag muss die Risikoprämie im Schnitt abdecken.
Abzugrenzen vom unerwarteten Verlust (Streuung um den Erwartungswert), der über Eigenkapital/Risikopuffer abgedeckt wird.
Quelle: Bösch, Finanzwirtschaft, 5. Aufl. 2022, Abschnitt Erwarteter Verlust. Standardformel EL = PD · LGD · EAD (Basel-Terminologie).
VERWANDTE FRAGEN:
- Berechnen Sie den EL: EAD = 250.000 €, PD = 3 %, LGD = 80 %. → (= 2,40 % des Kredits).
- Was ist der Unterschied zwischen erwartetem und unerwartetem Verlust? → Erwarteter Verlust = statistischer Mittelwert, wird über die Risikoprämie eingepreist; unerwarteter Verlust = Abweichung darüber hinaus (Risiko/Volatilität), wird mit ökonomischem/regulatorischem Eigenkapital unterlegt.
WARUM: Die Kernformel des Kapitels — Rohleder variiert PD/LGD/EAD und fragt nach dem EL in € und in % des Kredits; LGD = 1 − RR ist die typische Stolperstelle.
#12 Wie können Sicherheiten den erwarteten Verlust eines Kredits beeinflussen?
ANTWORT: Sicherheiten senken den erwarteten Verlust primär über die Verlustquote (LGD): Im Ausfall kann der Kreditgeber die Sicherheit verwerten und einen Teil der Forderung zurückerlangen → die Recovery Rate steigt, LGD = 1 − RR sinkt → EL sinkt.
- Sicherheiten wirken vor allem auf LGD (Verwertungserlös), in der Regel nicht direkt auf PD (die Ausfallwahrscheinlichkeit des Schuldners bleibt zunächst gleich).
- (Gewisser indirekter PD-Effekt möglich: Sicherheiten erhöhen den Anreiz des Schuldners zur Rückzahlung / Disziplinierung — sekundär.)
Beispiel: Kredit EAD = 100.000 €, PD = 2 %.
- Ohne Sicherheit: LGD = 100 % → .
- Mit Sicherheit, RR = 70 % → LGD = 30 %: .
Der erwartete Verlust sinkt von 2.000 € auf 600 € → die Bank kann eine niedrigere Risikoprämie verlangen → günstigerer Kreditzins für den besicherten Kredit.
Quelle: Bösch, Finanzwirtschaft, 5. Aufl. 2022, Abschnitt Sicherheiten/Erwarteter Verlust.
VERWANDTE FRAGEN:
- Auf welche EL-Komponente wirken Sicherheiten und auf welche nicht? → auf LGD (senken sie über höhere Recovery Rate); PD und EAD bleiben i. d. R. unverändert.
- Um wie viel sinkt der EL, wenn die Recovery Rate von 0 % auf 50 % steigt (EAD = 200.000 €, PD = 4 %)? → ohne: ; mit RR=50 %: → Halbierung auf 4.000 € (−4.000 €).
WARUM: Testet das Zusammenspiel Sicherheiten → LGD → EL → Zins; die Drehung ist meist „auf welche Komponente wirkt die Sicherheit“ (Antwort: LGD, nicht PD).
#13 Welche Faktoren beeinflussen die Höhe des Kreditzinses für einen Schuldner?
ANTWORT: Der Kreditzins ergibt sich aus mehreren Komponenten/Einflussfaktoren:
- Risikofreier Basiszins (laufzeitabhängig): Niveau und Form der Zinsstrukturkurve (allgemeines Marktzinsniveau, Leitzins/Geldpolitik, Laufzeit).
- Bonität / Ausfallwahrscheinlichkeit (PD) → Risikoprämie (Spread): je schlechter das Rating, desto höher.
- Besicherung / LGD: Sicherheiten senken LGD → niedrigere Risikoprämie.
- Laufzeit: längere Bindung → i. d. R. höherer Zins (Laufzeit-/Liquiditätsprämie) und höhere Unsicherheit.
- Kredithöhe / Losgröße: Skaleneffekte, Bearbeitungskosten je Euro.
- Bank-/Kostenbestandteile: Refinanzierungskosten der Bank, Verwaltungs-/Bearbeitungskosten, Eigenkapitalkosten (regulatorische Unterlegung), Gewinnmarge.
- Wettbewerb / Verhandlungsmacht, Kundenbeziehung.
Vereinfacht: .
Quelle: Bösch, Finanzwirtschaft, 5. Aufl. 2022, Abschnitt Kreditzins.
VERWANDTE FRAGEN:
- Ordnen Sie die Zinsbestandteile danach, ob sie den Schuldner oder den Markt/die Bank betreffen. → Markt: risikofreier Zins/Zinsstruktur. Schuldner: Bonität (PD), Sicherheiten (LGD), Laufzeit/Höhe. Bank: Refinanzierungs-/Verwaltungskosten, EK-Kosten, Marge.
- Welcher Faktor wirkt über LGD, welcher über PD? → Sicherheiten → LGD; Rating/Bonität → PD; beide gemeinsam bestimmen den erwarteten Verlust und damit die Risikoprämie.
WARUM: Synthesefrage, die #07–#12 bündelt. Rohleder prüft, ob man die Zinsbestandteile vollständig nennt und sauber zuordnet (Markt → risikofreier Zins; Schuldner → PD/LGD/Laufzeit; Bank → Refinanzierung/Verwaltung/EK-Kosten/Marge).
#14 Was versteht man unter dem Gesetz der großen Zahlen in Bezug auf die Kreditvergabe?
ANTWORT: Das Gesetz der großen Zahlen besagt, dass sich bei einer großen Anzahl unabhängiger gleichartiger Risiken die tatsächlich eingetretene Ausfallquote dem Erwartungswert (der Ausfallwahrscheinlichkeit PD) annähert; die relative Schwankung um den Erwartungswert nimmt mit steigender Zahl ab.
Bezug zur Kreditvergabe:
- Eine Bank vergibt nicht einen, sondern viele Kredite. Für das Gesamtportfolio lässt sich der durchschnittliche Ausfall (und damit der erwartete Verlust) gut prognostizieren, auch wenn der Einzelausfall unsicher ist.
- Dadurch kann die Bank den erwarteten Verlust zuverlässig in die Risikoprämie/Kalkulation einrechnen — die Prämien der nicht ausfallenden Kreditnehmer decken im Schnitt die Verluste der ausfallenden (Risikoausgleich im Kollektiv, vergleichbar dem Versicherungsprinzip).
- Voraussetzung: ausreichende Diversifikation / Unabhängigkeit der Ausfälle. Bei Klumpenrisiken / korrelierten Ausfällen (gleiche Branche, gleiche Region, systemische Krise) versagt der Ausgleich teilweise → unerwartete Verluste steigen.
Quelle: Bösch, Finanzwirtschaft, 5. Aufl. 2022, Abschnitt Gesetz der großen Zahlen / Risikodiversifikation.
VERWANDTE FRAGEN:
- Warum funktioniert der Risikoausgleich nicht mehr in einer systemischen Krise? → Ausfälle sind dann korreliert (nicht unabhängig) → das Gesetz der großen Zahlen greift nicht, viele Kredite fallen gleichzeitig aus → unerwarteter Verlust schlägt durch.
- Was folgt aus dem Gesetz der großen Zahlen für die Portfoliostruktur einer Bank? → möglichst viele, kleine, unabhängige/diversifizierte Engagements statt weniger großer Klumpen → stabilerer, planbarer Ausfall, geringerer unerwarteter Verlust.
WARUM: Prüft, ob man die Brücke von Einzel-PD zum kalkulierbaren Portfolioverlust schlägt — die Drehung „warum scheitert es bei Korrelation“ ist die typische Vertiefung.
2 Sicherheiten
20.1 Sicherungsinstrumente
#15 Was ist der Unterschied zwischen Personalsicherheiten und Sachsicherheiten?
ANTWORT:
- Personalsicherheiten begründen eine zusätzliche persönliche Haftung einer weiteren Person (Dritter) für die Schuld. Der Gläubiger erhält einen schuldrechtlichen Anspruch gegen eine zweite Person, die mit ihrem gesamten Vermögen haftet. Beispiele: Bürgschaft, Garantie, Schuldbeitritt, Kreditauftrag.
- Sachsicherheiten (Realsicherheiten) geben dem Gläubiger ein Recht an einem bestimmten Vermögensgegenstand, aus dem er sich im Ausfall vorrangig befriedigen kann. Beispiele: Pfandrecht (Verpfändung), Sicherungsübereignung, Hypothek, Grundschuld, Eigentumsvorbehalt, Sicherungsabtretung.
Kernunterschied: Personalsicherheit = Haftung einer (weiteren) Person; Sachsicherheit = Haftung/Zugriff auf eine bestimmte Sache (Vermögensgegenstand). Sachsicherheiten gewähren in der Insolvenz i. d. R. ein Aus-/Absonderungsrecht (bevorzugte Befriedigung), Personalsicherheiten nur eine weitere Forderung.
Quelle: Bösch, Finanzwirtschaft, 5. Aufl. 2022, Abschnitt Sicherungsinstrumente.
VERWANDTE FRAGEN:
- Nennen Sie je zwei Beispiele für Personal- und Sachsicherheiten. → Personal: Bürgschaft, Garantie. Sach: Hypothek/Grundschuld, Sicherungsübereignung (auch Verpfändung, Eigentumsvorbehalt, Zession).
- Welche Sicherheitsart bietet in der Insolvenz tendenziell den besseren Schutz und warum? → Sachsicherheiten, weil sie ein dingliches Recht (Ab-/Aussonderung) am Gegenstand geben und nicht von der Solvenz eines weiteren Bürgen abhängen.
WARUM: Grundsystematik des Sicherheiten-Kapitels — Rohleder lässt gerne zuordnen (welche Sicherheit ist Personal-, welche Sachsicherheit) und Beispiele nennen.
#16 Was versteht man unter akzessorischen Sicherheiten und wie unterscheiden sie sich von fiduziarischen Sicherheiten?
ANTWORT:
- Akzessorische Sicherheiten sind in ihrem Bestand und Umfang streng vom Bestehen der gesicherten Forderung (Hauptschuld) abhängig. Erlischt die Forderung (z. B. durch Tilgung), erlischt automatisch auch die Sicherheit; sinkt die Forderung, sinkt die Sicherheit mit. Beispiele: Bürgschaft, Pfandrecht (Verpfändung), Hypothek.
- Fiduziarische Sicherheiten (treuhänderische / nicht-akzessorische Sicherheiten) sind rechtlich vom Bestand der Forderung losgelöst (abstrakt). Der Sicherungsgeber überträgt dem Gläubiger ein Vollrecht (Eigentum/Recht) treuhänderisch; der Sicherungszweck wird schuldrechtlich über eine Sicherungsabrede (Sicherungsvertrag) geregelt. Die Sicherheit besteht zunächst unabhängig von der Forderung weiter. Beispiele: Grundschuld, Sicherungsübereignung, Sicherungsabtretung (Sicherungszession).
Kernunterschied: Akzessorisch = automatisch an die Forderung gekoppelt (Schicksalsgemeinschaft); fiduziarisch = abstrakt, Verbindung zur Forderung nur über die Sicherungsabrede → flexibler (z. B. wiederverwendbar für neue Kredite), aber sicherungsvertraglich abzusichern (Rückgewähranspruch nach Tilgung).
Quelle: Bösch, Finanzwirtschaft, 5. Aufl. 2022, Abschnitt akzessorische/fiduziarische Sicherheiten.
VERWANDTE FRAGEN:
- Warum bevorzugen Banken in der Praxis die Grundschuld gegenüber der Hypothek? → Grundschuld ist nicht-akzessorisch/abstrakt → wiederverwendbar für neue/wechselnde Forderungen, flexibler bei Umschuldung, kein laufender Nachweis der Forderungshöhe nötig; die Hypothek ist akzessorisch und passt sich der Restschuld an.
- Was regelt die Sicherungsabrede bei fiduziarischen Sicherheiten? → den Sicherungszweck, die Bedingungen der Verwertung und den Rückgewähranspruch des Sicherungsgebers nach Erledigung der Forderung (verhindert, dass der Gläubiger das übertragene Vollrecht behält).
WARUM: Beliebtes Begriffspaar; die typische Drehung ist „Hypothek vs. Grundschuld“ als Anwendung des akzessorisch/abstrakt-Gegensatzes (siehe #26).
20.2 Bürgschaft
#17 Was ist der Hauptunterschied zwischen einer Ausfallbürgschaft und einer selbstschuldnerischen Bürgschaft?
ANTWORT:
- Gewöhnliche / Ausfallbürgschaft: Der Bürge haftet erst, wenn der Gläubiger den endgültigen Ausfall beim Hauptschuldner nachweist — d. h. nach erfolgloser Zwangsvollstreckung gegen den Hauptschuldner. Der Bürge kann sich auf die Einrede der Vorausklage berufen (der Gläubiger muss zuerst gegen den Hauptschuldner vorgehen). Der Gläubiger trägt also das Risiko, den Ausfall erst nachweisen zu müssen → schwächere Stellung für den Gläubiger.
- Selbstschuldnerische Bürgschaft: Der Bürge verzichtet auf die Einrede der Vorausklage. Der Gläubiger kann ihn sofort bei Fälligkeit / Zahlungsverzug in Anspruch nehmen, ohne vorher gegen den Hauptschuldner vollstrecken zu müssen → stärkere Stellung für den Gläubiger (in der Praxis der Regelfall bei Banken; bei Kaufleuten oft automatisch).
Kernunterschied: Bei der selbstschuldnerischen Bürgschaft entfällt die Vorausklage → der Gläubiger greift sofort auf den Bürgen zu; bei der Ausfallbürgschaft erst nach nachgewiesenem Ausfall des Hauptschuldners.
Quelle: Bösch, Finanzwirtschaft, 5. Aufl. 2022, Abschnitt Bürgschaft; §§ 765 ff. BGB, Einrede der Vorausklage § 771 BGB, selbstschuldnerisch § 773 BGB.
VERWANDTE FRAGEN:
- Welche Bürgschaftsart ist für den Gläubiger vorteilhafter und warum? → die selbstschuldnerische, weil er den Bürgen sofort (ohne vorherige Vollstreckung gegen den Hauptschuldner) in Anspruch nehmen kann.
- Ist die Bürgschaft akzessorisch? Was folgt daraus? → Ja, die Bürgschaft ist akzessorisch → sie besteht nur, soweit die Hauptforderung besteht; erlischt/verringert sich die Hauptschuld, erlischt/verringert sich die Bürgschaft entsprechend; der Bürge kann Einreden des Hauptschuldners geltend machen.
WARUM: Die Vorausklage (#18) ist genau das unterscheidende Merkmal — Rohleder fragt gerne, welche Art „bankenüblich“ ist und warum (Antwort: selbstschuldnerisch, sofortiger Zugriff).
#18 Welche Rolle spielt die Einrede der Vorausklage bei der Bürgschaft?
ANTWORT: Die Einrede der Vorausklage ist das Recht des Bürgen, die Zahlung an den Gläubiger so lange zu verweigern, bis dieser eine Zwangsvollstreckung gegen den Hauptschuldner erfolglos versucht hat (§ 771 BGB). Sie zwingt den Gläubiger, zuerst gegen den Hauptschuldner vorzugehen, bevor er den Bürgen in Anspruch nimmt.
- Bei der gewöhnlichen / Ausfallbürgschaft steht dem Bürgen diese Einrede zu → er haftet nur subsidiär (nachrangig).
- Bei der selbstschuldnerischen Bürgschaft hat der Bürge auf diese Einrede verzichtet → der Gläubiger kann ihn sofort in Anspruch nehmen.
- Bei Kaufleuten entfällt die Einrede der Vorausklage häufig kraft Gesetzes (Handelsbürgschaft, § 349 HGB).
Funktion: Die Einrede der Vorausklage bestimmt also, ob die Bürgschaft subsidiär (erst nach dem Hauptschuldner) oder sofort greift — sie ist das zentrale Abgrenzungsmerkmal der Bürgschaftsarten.
Quelle: Bösch, Finanzwirtschaft, 5. Aufl. 2022, Abschnitt Bürgschaft; § 771 BGB (Einrede der Vorausklage), § 773 BGB (Ausschluss), § 349 HGB (Handelsbürgschaft).
VERWANDTE FRAGEN:
- Wann steht dem Bürgen die Einrede der Vorausklage nicht zu? → bei selbstschuldnerischer Bürgschaft (vertraglicher Verzicht) und bei der Handelsbürgschaft eines Kaufmanns (§ 349 HGB).
- Welche weiteren Einreden kann ein Bürge geltend machen? → wegen Akzessorietät die Einreden des Hauptschuldners (z. B. Verjährung, Stundung) sowie die Einrede der Anfechtbarkeit/Aufrechenbarkeit der Hauptforderung.
WARUM: Vertieft #17 — Rohleder prüft den genauen Mechanismus (subsidiär vs. sofort) und die Ausnahmen (Kaufmann/§ 349 HGB).
20.3 Garantie
#19 Worin liegt der wesentliche Unterschied zwischen einer Bürgschaft und einer Garantie?
ANTWORT: Der wesentliche Unterschied ist die Akzessorietät:
- Bürgschaft: akzessorisch — der Bürge haftet nur für eine bestimmte fremde Hauptschuld und nur, soweit diese besteht. Er kann Einreden aus dem Hauptschuldverhältnis geltend machen. Gesetzlich geregelt (§§ 765 ff. BGB).
- Garantie: nicht-akzessorisch / abstrakt (selbstständiges Schuldversprechen) — der Garant verpflichtet sich, für einen bestimmten Erfolg / Schaden einzustehen, unabhängig vom Bestand oder von Einreden der Hauptschuld. Bei einer Garantie „auf erstes Anfordern“ muss der Garant sofort zahlen, ohne dass der Berechtigte den Anspruch materiell nachweisen muss (Einwendungen erst im Rückforderungsprozess). Die Garantie ist im BGB nicht eigens geregelt (Vertragsfreiheit, § 311 BGB).
Kernunterschied: Die Bürgschaft ist vom Bestand der Hauptforderung abhängig (akzessorisch, mit Einreden); die Garantie ist davon losgelöst (abstrakt) → für den Gläubiger stärker, für den Garanten riskanter.
Quelle: Bösch, Finanzwirtschaft, 5. Aufl. 2022, Abschnitt Garantie; §§ 765 ff. BGB (Bürgschaft), Garantie als atypischer Vertrag (§ 311 BGB).
VERWANDTE FRAGEN:
- Was bedeutet eine „Garantie auf erstes Anfordern“ für den Garanten? → er muss bei Abruf sofort und ohne Prüfung der materiellen Berechtigung zahlen; Einwendungen kann er erst nachträglich im Rückforderungsprozess geltend machen → hohes Risiko, hohe Sicherheit für den Gläubiger.
- Warum kann ein Garant — anders als ein Bürge — keine Einreden aus dem Grundverhältnis erheben? → weil die Garantie abstrakt/nicht-akzessorisch ist; sie ist losgelöst vom Hauptschuldverhältnis, daher greifen dessen Einreden nicht durch.
WARUM: Klassische Abgrenzung „akzessorisch vs. abstrakt“ am Beispiel Bürgschaft/Garantie — Rohleder fragt nach dem Grund (Akzessorietät), nicht nur nach der Aufzählung.
#20 Welche Mindestanforderungen sollte eine Garantie enthalten?
ANTWORT: Eine Garantie(-erklärung) sollte mindestens die folgenden Punkte eindeutig regeln:
- Beteiligte Parteien: Garant (Sicherungsgeber), Begünstigter/Gläubiger und das gesicherte Grundgeschäft/Schuldner.
- Garantiezweck / gesicherter Anspruch: Bezeichnung dessen, wofür eingestanden wird (z. B. Vertragserfüllung, Anzahlung, Gewährleistung).
- Garantiebetrag (Höchstbetrag): betragsmäßige Begrenzung der Haftung.
- Zahlungsvoraussetzungen / Abrufbedingungen: insbesondere ob „auf erstes Anfordern„ oder unter Nachweisbedingungen.
- Laufzeit / Befristung (Gültigkeitsdauer) und Verfall.
- Anwendbares Recht / Gerichtsstand, ggf. Form (Schriftform).
Quelle: Bösch, Finanzwirtschaft, 5. Aufl. 2022, Abschnitt Garantie.
VERWANDTE FRAGEN:
- Warum ist die betragsmäßige und zeitliche Begrenzung einer Garantie für den Garanten wichtig? → wegen der abstrakten Haftung („auf erstes Anfordern“) muss das Risiko gedeckelt (Höchstbetrag) und befristet sein, sonst haftet der Garant unbegrenzt/zeitlich offen.
- Welche Angabe unterscheidet eine „normale“ Garantie von einer Garantie auf erstes Anfordern? → die Abrufbedingung: bei „erstes Anfordern“ genügt die bloße Anforderung ohne materiellen Nachweis.
WARUM: Anwendungs-/Detailfrage; Rohleder testet, ob man die abstrakte Natur in konkrete Vertragsbestandteile (v. a. Höchstbetrag + Befristung) übersetzt.
20.4 Forderungsabtretung
#21 Was ist der Unterschied zwischen einer offenen und einer stillen Zession bei der Forderungsabtretung?
ANTWORT: Bei der Zession (Forderungsabtretung, §§ 398 ff. BGB) tritt der Schuldner (Zedent) eine ihm zustehende Forderung gegen einen Dritten (Drittschuldner) an den Kreditgeber (Zessionar) ab — zur Sicherung des Kredits (Sicherungszession).
- Offene Zession: Die Abtretung wird dem Drittschuldner offengelegt (angezeigt). Der Drittschuldner muss mit befreiender Wirkung direkt an den Zessionar (die Bank) zahlen.
- Stille Zession: Die Abtretung wird dem Drittschuldner nicht mitgeteilt. Der Drittschuldner zahlt weiterhin an den ursprünglichen Gläubiger (Zedenten), der die Beträge dann an die Bank weiterleitet. Üblich, wenn der Kreditnehmer seine Geschäftsbeziehung / Liquiditätslage nicht offenlegen möchte.
Kernunterschied: Offene Zession = Drittschuldner informiert, zahlt an Bank; stille Zession = Drittschuldner nicht informiert, zahlt an den Kreditnehmer. Die stille Zession schont die Reputation/Kundenbeziehung des Schuldners, ist für die Bank aber risikoreicher (Kontrolle/Doppelabtretung).
Quelle: Bösch, Finanzwirtschaft, 5. Aufl. 2022, Abschnitt Forderungsabtretung/Zession; §§ 398 ff. BGB.
VERWANDTE FRAGEN:
- Warum bevorzugen Kreditnehmer häufig die stille Zession? → sie müssen die Abtretung (und damit ihren Finanzierungsbedarf) gegenüber ihren Kunden/Drittschuldnern nicht offenlegen → keine Signalwirkung schwacher Liquidität, Schutz der Geschäftsbeziehung.
- Welches Risiko trägt die Bank bei der stillen Zession? → mangelnde Kontrolle: der Drittschuldner zahlt an den Zedenten (Veruntreuungs-/Weiterleitungsrisiko), Gefahr von Mehrfachabtretung derselben Forderung, gutgläubige Zahlung an den falschen Gläubiger.
WARUM: Offen/still ist das prüfungstypische Begriffspaar der Zession — Rohleder fragt nach Vor-/Nachteilen je Sicht (Schuldner vs. Bank).
20.5 Covenants
#22 Welche Arten von Covenants gibt es und welchen Zweck erfüllen sie?
ANTWORT: Covenants sind vertragliche Nebenabreden/Klauseln in Kreditverträgen, die dem Kreditnehmer bestimmte Verpflichtungen oder Verhaltensregeln auferlegen. Zweck: Sie sollen das Kreditrisiko des Gläubigers begrenzen, ihm Frühwarnsignale und Eingriffsrechte verschaffen (bei Verletzung: z. B. Sonderkündigungsrecht, Nachbesicherung, Zinsanpassung), und so die Informationsasymmetrie und das Verhaltensrisiko (Moral Hazard) nach der Kreditvergabe reduzieren.
Arten:
- Financial Covenants: Einhaltung bestimmter Finanzkennzahlen (z. B. Mindest-Eigenkapitalquote, maximaler Verschuldungsgrad, Zinsdeckungsgrad) — siehe #23.
- Non-Financial Covenants: nicht-zahlenbasierte Pflichten, u. a.:
- Affirmative / Positive Covenants (Handlungspflichten: regelmäßige Berichterstattung/Informationspflichten, Versicherung, Erhalt der Geschäftstätigkeit),
- Negative Covenants (Unterlassungspflichten: keine weitere Verschuldung ohne Zustimmung, Negativerklärung/Pari-passu, keine Veräußerung wesentlicher Vermögensteile, Dividendenbeschränkung),
- oft auch Cross-Default- und Change-of-Control-Klauseln.
Quelle: Bösch, Finanzwirtschaft, 5. Aufl. 2022, Abschnitt Covenants.
VERWANDTE FRAGEN:
- Was passiert bei einem Covenant-Bruch (Covenant Breach)? → es liegt ein Vertragsverstoß / Kündigungsgrund vor; typische Folgen: Sonderkündigungs-/Fälligstellungsrecht, Pflicht zur Nachbesicherung, Zinsanpassung (Margenerhöhung) oder Nachverhandlung.
- Worin unterscheiden sich affirmative und negative Covenants? → affirmative = Handlungspflichten (etwas tun: berichten, versichern); negative = Unterlassungspflichten (etwas nicht tun: keine weitere Verschuldung, keine Vermögensveräußerung).
WARUM: Covenants sind ein Agency-/Moral-Hazard-Instrument; Rohleder fragt gerne nach der Systematik (financial vs. non-financial, positive vs. negative) und der Folge eines Bruchs.
#23 Was sind Financial Covenants und wie werden sie genutzt?
ANTWORT: Financial Covenants sind Covenants, die die Einhaltung bestimmter Finanzkennzahlen während der Kreditlaufzeit vorschreiben. Der Kreditnehmer verpflichtet sich, definierte Schwellenwerte nicht zu unter- bzw. überschreiten; die Einhaltung wird regelmäßig (z. B. quartalsweise) überprüft (Compliance-Test).
Typische Kennzahlen:
- Eigenkapitalquote (Mindestwert),
- Verschuldungsgrad / Net Debt / EBITDA (Höchstwert, „Leverage Ratio“),
- Zinsdeckungsgrad (Interest Coverage = EBIT/Zinsaufwand) (Mindestwert),
- Liquiditätskennzahlen, ggf. Mindest-Cashflow oder Schuldendienstdeckungsgrad (DSCR).
Nutzung:
- Frühwarnsystem: Verschlechtert sich die Bonität, schlägt der Covenant an, bevor der Schuldner tatsächlich ausfällt.
- Eingriffsrecht: Bei Bruch erhält der Gläubiger Rechte (Nachbesicherung, Margenerhöhung, Sonderkündigung/Fälligstellung).
- Disziplinierung: hält das Management innerhalb definierter Risikogrenzen → senkt Moral Hazard und damit das Kreditrisiko (kann den Zins senken).
Quelle: Bösch, Finanzwirtschaft, 5. Aufl. 2022, Abschnitt Covenants/Financial Covenants.
VERWANDTE FRAGEN:
- Nennen Sie drei typische Financial Covenants und was sie begrenzen. → Eigenkapitalquote (Mindest-Risikopuffer), Net Debt/EBITDA (max. Verschuldung relativ zur Ertragskraft), Zinsdeckungsgrad EBIT/Zinsen (Fähigkeit, Zinsen zu tragen).
- Warum können Financial Covenants den Kreditzins für den Schuldner senken? → sie reduzieren das Kreditrisiko (Frühwarnung + Eingriffsrechte → geringerer erwarteter Verlust) → die Bank verlangt eine niedrigere Risikoprämie.
WARUM: Konkretisiert #22; Rohleder verlangt häufig Beispiel-Kennzahlen und den Zusammenhang Covenant → geringeres Risiko → niedrigerer Zins.
20.6 Eigentumsvorbehalt
#24 Wie funktioniert ein Eigentumsvorbehalt, und warum ist er wichtig?
ANTWORT: Beim Eigentumsvorbehalt (EV, § 449 BGB) verkauft und übergibt der Verkäufer eine Ware, behält sich aber das Eigentum bis zur vollständigen Bezahlung des Kaufpreises vor. Der Käufer erhält zunächst nur Besitz (darf die Ware nutzen), das Eigentum geht erst mit vollständiger Zahlung über (aufschiebend bedingte Übereignung, § 158 BGB).
- Zahlt der Käufer nicht, kann der Verkäufer vom Vertrag zurücktreten und die Ware als Eigentümer herausverlangen / aussondern (in der Insolvenz: Aussonderungsrecht).
- Warum wichtig: Der EV ist die zentrale Sicherheit des Lieferanten (Lieferantenkredit) — er sichert die Kaufpreisforderung ohne zusätzliche Sicherheit, da der Lieferant bis zur Zahlung Eigentümer bleibt und im Ausfall bevorzugt zugreifen kann.
Erweiterte Formen:
- Verlängerter EV: der Käufer darf die Ware weiterverarbeiten/weiterveräußern, tritt aber im Voraus die Forderung aus dem Weiterverkauf an den Lieferanten ab (Verbindung mit Sicherungszession).
- Erweiterter EV: Eigentumsübergang erst, wenn alle (auch andere) Forderungen des Verkäufers beglichen sind (Kontokorrentvorbehalt).
Quelle: Bösch, Finanzwirtschaft, 5. Aufl. 2022, Abschnitt Eigentumsvorbehalt; § 449 BGB, § 158 BGB.
VERWANDTE FRAGEN:
- Was ist der Unterschied zwischen verlängertem und erweitertem Eigentumsvorbehalt? → verlängert: Käufer darf weiterverarbeiten/weiterverkaufen und tritt die Weiterverkaufsforderung im Voraus ab; erweitert: Eigentum geht erst über, wenn sämtliche Forderungen des Verkäufers (nicht nur die aus diesem Geschäft) bezahlt sind.
- Welches Recht hat der Vorbehaltsverkäufer in der Insolvenz des Käufers? → ein Aussonderungsrecht (die Sache gehört noch ihm) — er kann sie herausverlangen, sie fällt nicht in die Insolvenzmasse.
WARUM: EV ist die Standard-Lieferantensicherheit; Rohleder fragt gerne die erweiterten/verlängerten Formen ab und das Aussonderungsrecht.
20.7 Verpfändung, Lombardkredit und Sicherungsübereignung
#25 Wie unterscheidet sich die Sicherungsübereignung von der Verpfändung?
ANTWORT: Beide dienen der Besicherung mit beweglichen Sachen, unterscheiden sich aber in Eigentums-/Besitzverhältnissen und Rechtsnatur:
| Merkmal | Verpfändung (Pfandrecht) | Sicherungsübereignung |
|---|---|---|
| Rechtsnatur | akzessorisch (an Forderung gebunden) | fiduziarisch/abstrakt (Sicherungsabrede) |
| Eigentum | bleibt beim Schuldner | geht auf den Gläubiger über (treuhänderisch) |
| Besitz | Übergabe an den Gläubiger nötig (Faustpfandprinzip, § 1205 BGB) | bleibt beim Schuldner (Besitzkonstitut, § 930 BGB) |
| Praxistauglichkeit | unpraktisch, wenn Schuldner die Sache nutzen muss | praxisüblich, da Schuldner die Sache weiter nutzen kann |
| Beispiel | Wertpapier-/Warenlombard | Maschinen, Fahrzeuge, Warenlager |
Kernunterschied: Bei der Verpfändung bleibt der Schuldner Eigentümer, muss die Sache aber dem Gläubiger übergeben (Faustpfand) — er kann sie nicht mehr nutzen. Bei der Sicherungsübereignung wird der Gläubiger Eigentümer, der Schuldner behält jedoch den Besitz (über ein Besitzkonstitut) und kann die Sache weiter nutzen (z. B. die finanzierte Maschine produktiv einsetzen). Deshalb ist die Sicherungsübereignung im Unternehmensgeschäft der Regelfall.
Quelle: Bösch, Finanzwirtschaft, 5. Aufl. 2022, Abschnitt Verpfändung/Sicherungsübereignung; §§ 1204 ff., 1205 BGB (Pfand), §§ 929, 930 BGB (Sicherungsübereignung/Besitzkonstitut).
VERWANDTE FRAGEN:
- Was ist ein Lombardkredit und welche Sicherheit liegt ihm zugrunde? → kurzfristiger Kredit gegen Verpfändung marktgängiger Sicherheiten (v. a. Wertpapiere, auch Waren/Edelmetalle); Beleihung nur bis zu einem Bruchteil des Werts (Beleihungsgrenze).
- Warum ist die Sicherungsübereignung für ein Unternehmen praktischer als die Verpfändung? → der Schuldner behält den Besitz und kann die Sache (Maschine, Fuhrpark, Lager) weiter wirtschaftlich nutzen, während sie zugleich als Sicherheit dient — bei der Verpfändung müsste er sie herausgeben.
WARUM: Das Besitz-/Eigentums-Schema ist die Pointe — Rohleder fragt nach dem Faustpfandprinzip vs. Besitzkonstitut und warum die Sicherungsübereignung praxisüblich ist.
20.8 Die Grundpfandrechte: Hypothek und Grundschuld
#26 Was ist der Unterschied zwischen einer Hypothek und einer Grundschuld?
ANTWORT: Beide sind Grundpfandrechte (Sicherheiten an Grundstücken/Immobilien, im Grundbuch eingetragen), unterscheiden sich aber in der Akzessorietät:
| Merkmal | Hypothek | Grundschuld |
|---|---|---|
| Akzessorietät | akzessorisch — an eine bestimmte Forderung gebunden | nicht-akzessorisch/abstrakt — von der Forderung unabhängig |
| Bestand | besteht nur, soweit die Forderung besteht; sinkt mit der Tilgung | besteht unabhängig von der Forderung weiter |
| Wiederverwendung | an eine konkrete Forderung gebunden, schwer wiederverwendbar | wiederverwendbar für neue/wechselnde Forderungen (revolvierend) |
| Verbindung zur Forderung | gesetzlich (automatisch) | über die Sicherungsabrede (Sicherungsvertrag) |
| Praxis | seltener | Regelfall der Immobilienfinanzierung |
Kernunterschied: Die Hypothek ist akzessorisch — sie ist fest an eine bestimmte Forderung gekoppelt und verringert sich automatisch mit der Tilgung. Die Grundschuld ist abstrakt — sie besteht unabhängig von der gesicherten Forderung und ist daher flexibler und wiederverwendbar (z. B. bei Umschuldung/neuen Krediten), weshalb Banken sie in der Praxis bevorzugen. Die Zweckbindung erfolgt bei der Grundschuld über die Sicherungsabrede, die dem Sicherungsgeber nach Tilgung einen Rückgewähranspruch sichert.
Quelle: Bösch, Finanzwirtschaft, 5. Aufl. 2022, Abschnitt Grundpfandrechte; §§ 1113 ff. BGB (Hypothek), §§ 1191 ff. BGB (Grundschuld).
VERWANDTE FRAGEN:
- Warum bevorzugen Banken in der Praxis die Grundschuld? → weil sie abstrakt/wiederverwendbar ist: kein automatisches Absinken mit der Tilgung, nutzbar für Folge-/Umschuldungskredite, weniger Verwaltungsaufwand; die Hypothek müsste je Forderung neu angepasst werden.
- Was sichert die Sicherungsabrede dem Eigentümer bei der Grundschuld? → den Rückgewähranspruch (Löschung/Rückübertragung der Grundschuld nach vollständiger Tilgung) und die Zweckbindung der Verwertung — verhindert, dass die Bank die abstrakte Grundschuld nach Tilgung behält.
WARUM: Hypothek vs. Grundschuld ist die Musteranwendung von akzessorisch/abstrakt (#16) — fast sicher klausurrelevant; Rohleder fragt nach Grund der Bankpräferenz.
#27 Welche Rolle spielt der Rang bei der Verwertung von Grundpfandrechten?
ANTWORT: Der Rang bestimmt die Reihenfolge der Befriedigung, wenn mehrere Grundpfandrechte auf demselben Grundstück lasten und das Grundstück verwertet (zwangsversteigert) wird. Es gilt das Prioritätsprinzip: das erstrangige Grundpfandrecht wird zuerst aus dem Verwertungserlös bedient, danach das zweitrangige usw.
- Der Rang richtet sich nach der Eintragung im Grundbuch (Reihenfolge/Datum); maßgeblich ist die Rangstelle, nicht der Zeitpunkt der Kreditvergabe allein.
- Folge für nachrangige Gläubiger: Reicht der Erlös nicht aus, gehen nachrangige Grundpfandgläubiger ganz oder teilweise leer aus → ein nachrangiges Recht ist risikoreicher und wird daher i. d. R. mit einem höheren Zins/Risikoaufschlag belegt.
- Deshalb fordern Banken meist eine erstrangige Eintragung (bestmögliche Rangstelle), und die Beleihungsgrenze orientiert sich am Rang.
Quelle: Bösch, Finanzwirtschaft, 5. Aufl. 2022, Abschnitt Grundpfandrechte/Rang; Prioritätsprinzip § 879 BGB, Zwangsversteigerung (ZVG).
VERWANDTE FRAGEN:
- Warum ist ein nachrangiges Grundpfandrecht für die Bank teurer/riskanter? → es wird erst nach den vorrangigen Rechten aus dem Erlös bedient; reicht der Erlös nicht, fällt es (teilweise) aus → höheres LGD/Risiko → höherer Zins.
- Wonach richtet sich der Rang mehrerer Grundpfandrechte? → nach der Reihenfolge der Eintragung im Grundbuch (Prioritätsprinzip, § 879 BGB); frühere Rangstelle = vorrangige Befriedigung.
WARUM: Der Rang verknüpft Sicherheit, LGD und Zins (Brücke zu #08/#12) — Rohleder testet das Prioritätsprinzip und seine Folge für den Risikoaufschlag (nachrangig → höheres LGD → höherer Zins).
3 Klärungsbedarf und offene Fragen
(persönlich — selbst ausfüllen)
Priorisierung der Punkte #01–#27 (Endziffer: 0 = alles klar, 1 = Detail-Klärungsbedarf, 2 = Klärungsbedarf, 3 = völlig unklar) sowie konkrete Rückfragen sind individuell zu setzen. Empfehlung: die noch zu ergänzenden Punkte (insb. #05 Schwerpunkt, #06 Abbildung D-2, #20 Mindestanforderungen sowie die Seitenzahlen) zuerst gegen Buch/Skript abgleichen.
4 Vorschläge, Wünsche und Anregungen
(persönlich — selbst ausfüllen)
- Sonstige Frage: …
- Hinweis (z. B. toter Link): …
- Bitte: …
- Vorschlag: …
- Lob: …
- Kritik: …
Quellenübersicht
- Bösch, Finanzwirtschaft. Investition, Finanzierung, Finanzplanung und -kontrolle, 5. Aufl., Vahlen 2022 (Hauptquelle laut Aufgabenblatt; konkrete Seitenzahlen/Abbildungen sind gegen Buch/Skript zu ergänzen).
- BGB (öffentliche Sachquelle, gesetze-im-internet.de): §§ 158, 311, 398 ff. (Zession), 449 (Eigentumsvorbehalt), 765 ff. / 771 / 773 (Bürgschaft), 879 (Rang), 929/930 (Sicherungsübereignung/Besitzkonstitut), 1113 ff. (Hypothek), 1191 ff. (Grundschuld), 1204 ff. (Pfandrecht); HGB § 349 (Handelsbürgschaft).
- Basel-Terminologie zum erwarteten Verlust (EL = PD · LGD · EAD) als allgemein anerkannte Fachkonvention.
- Im Aufgabenblatt verlinkter ChatGPT-Beispieldialog: https://chatgpt.com/share/68ca7a93-f2f4-8003-980a-6bcefbd76069
Erstellt mit Unterstützung generativer KI (Claude/Anthropic), eigenständig zu überarbeiten. Sachquellen siehe oben.