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📈 Finanzkennzahlen

FINA — Finanzwirtschaft · Prof. Rohleder · 90 P · stark theorielastig

Finanzkennzahlen, Kennzahlensteuerung & Financial Modeling

💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe & Formeln in Alltagssprache
  • Kennzahl = eine einzelne Zahl, die etwas ĂŒber die Firma verrĂ€t, z.B. wie viel Gewinn sie macht. Wie beim Auto der Tacho, der dir mit einer Zahl sagt, wie schnell du fĂ€hrst.
  • RentabilitĂ€t = lohnt sich das Geld, das man reingesteckt hat? Beispiel: Du legst 100 Euro an und bekommst 110 zurĂŒck, das hat sich gelohnt.
  • LiquiditĂ€t = hat die Firma genug Bargeld, um heute ihre Rechnungen zu zahlen? Wie bei dir: Genug auf dem Konto, um die Miete am Monatsende zu ĂŒberweisen.
  • Finanzielle StabilitĂ€t = steht die Firma sicher da und kippt nicht um, wenn mal schlechte Zeiten kommen. Wie ein Tisch, der auch bei einem Stoss nicht umfĂ€llt.
  • Zielkonflikt = zwei WĂŒnsche, die sich gegenseitig im Weg stehen. Beispiel: Du willst sparen UND gleichzeitig Urlaub machen, geht nicht beides voll.
  • Umsatz = das gesamte Geld, das durch Verkaufen reinkommt, bevor irgendwelche Kosten abgezogen sind. Wie die volle Ladenkasse am Abend, noch ohne Abzug von Einkauf und Miete.
  • Umsatzwachstum, Formel (Ut minus Ut-1) geteilt durch Ut-1 = wie viel mehr Geld kam dieses Jahr rein als letztes Jahr, in Prozent. Ut = Umsatz dieses Jahr, Ut-1 = Umsatz letztes Jahr. Beispiel: von 100 auf 120, also (120-100)/100 = 0,2 = 20 Prozent mehr.
  • EBIT = der Gewinn aus dem normalen GeschĂ€ft, BEVOR Zinsen fĂŒr Kredite und Steuern abgezogen werden. Wie dein Lohn, bevor Steuer und Kreditrate abgehen. (Englisch Earnings Before Interest and Taxes = Verdienst vor Zinsen und Steuern.)
  • Betrieblicher Aufwand = alle Kosten, die beim normalen Arbeiten anfallen, z.B. Material, Löhne, Miete. Alles, was man ausgibt, um ĂŒberhaupt verkaufen zu können.
  • EBIT-Marge, Formel EBIT geteilt durch Umsatz = von jedem Euro Umsatz, wie viele Cent bleiben als GeschĂ€fts-Gewinn hĂ€ngen. Beispiel: 15 Cent Gewinn pro 1 Euro Umsatz = 15 Prozent Marge.
  • ROI (Return on Investment) = wie viel Gewinn kommt aus dem eingesetzten Geld heraus. Formel Gewinn geteilt durch eingesetztes Kapital. Beispiel: 10 Euro Gewinn aus 100 Euro Einsatz = 10 Prozent. (Return on Investment = Ertrag auf die Investition.)
  • Eingesetztes Kapital = das Geld, das man in die Sache gesteckt hat, um sie am Laufen zu halten. Wie das Startgeld, das du in einen Marktstand investierst.
  • Operativer Cashflow = das echte Bargeld, das durch das normale GeschĂ€ft reinkommt minus was rausgeht. Einzahlungen minus Auszahlungen. Nicht rechnerischer Gewinn, sondern was wirklich aufs Konto fliesst.
  • Eigenkapital (EK) = das Geld, das der Firma selbst gehört und das nicht zurĂŒckgezahlt werden muss. Wie dein eigenes Erspartes im Haus, kein Kredit.
  • Fremdkapital (FK) = geliehenes Geld, das man zurĂŒckzahlen muss, z.B. Bankkredite. Wie die Hypothek auf deinem Haus.
  • Gesamtkapital (GK) = alles Geld der Firma zusammen, also eigenes plus geliehenes. Eigenkapital plus Fremdkapital.
  • Eigenkapitalquote, Formel EK geteilt durch GK = welcher Anteil des ganzen Geldes der Firma selbst gehört, in Prozent. Beispiel: gehört die HĂ€lfte selbst, sind das 50 Prozent, das macht krisenfest.
  • Verschuldungsgrad, Formel FK geteilt durch EK = wie viel geliehenes Geld kommt auf jeden Euro eigenes Geld. Beispiel: 2 bedeutet doppelt so viele Schulden wie Eigenes, das ist riskant.
  • Financial Modeling = mit Excel durchrechnen, ob sich eine Geldanlage oder Investition lohnt. Wie eine Tabelle, in der du durchspielst, ob sich ein Kredit fĂŒr die Solaranlage rechnet.
  • Barwert = was zukĂŒnftiges Geld heute wert ist. Grund: 100 Euro in 10 Jahren sind heute weniger wert als 100 Euro jetzt, weil Geld heute schon Zinsen bringen könnte.
  • Diskontieren / Diskontierungszins = zukĂŒnftiges Geld auf heute zurĂŒckrechnen, kleiner machen. Der Zinssatz sagt, wie stark man kleiner rechnet. Umgekehrtes von Zinsen draufpacken.
  • Zahlungsströme / Cashflows = das Geld, das ĂŒber die Jahre rein- oder rausfliesst. Wie eine Liste: Jahr 1 kommen 500 rein, Jahr 2 kommen 600 rein, und so weiter.
  • Zeitpunktgrösse = ein Wert an einem einzigen Stichtag, ein Foto von einem Moment. Beispiel: dein Kontostand heute um 12 Uhr, genau jetzt.
  • Zeitraumgrösse = ein Wert, der ĂŒber eine ganze Zeitspanne zusammenkommt, ein Film statt Foto. Beispiel: was du das ganze Jahr ĂŒber verdient hast.
  • NPV / NBW (Nettobarwert), Excel NPV(Zinssatz; Wert1; ...) = rechnet mehrere kĂŒnftige Zahlungen auf ihren heutigen Gesamtwert um. Sagt dir: was ist diese ganze Geldreihe heute wert. (Net Present ValĂŒ = Netto-Gegenwartswert.)
  • IRR (Interne Verzinsung), Excel IRR(Werte; [SchĂ€tzwert]) = zeigt die Rendite einer Investition in Prozent, also die Verzinsung, die man effektiv bekommt. Wie: dieses Projekt bringt dir 8 Prozent pro Jahr. (Internal Rate of Return = interne Zinsrate. SchĂ€tzwert = ein Startwert, mit dem Excel anfĂ€ngt zu rechnen.)
  • Barwert der Zahlungen ist null = der Punkt, an dem sich Einzahlungen und Auszahlungen genau ausgleichen, weder Plus noch Minus. Wie eine Waage, die genau im Gleichgewicht steht, und genau dieser Zins ist die IRR-Rendite.
  • PV / BW (Barwert), Excel PV(Zins; Anzahl; Zahlung; [EW]; [F]) = rechnet aus, was eine regelmĂ€ssige kĂŒnftige Zahlung heute wert ist. Anzahl = wie viele Perioden (z.B. Jahre), Zahlung = Betrag pro Periode. (Present ValĂŒ = Gegenwartswert. EW = Endwert, F = FĂ€lligkeit, also Zahlung am Anfang oder Ende der Periode.)
  • FV / ZW (Endwert), Excel FV(Zins; Anzahl; Zahlung; [BW]; [F]) = rechnet aus, auf wie viel Geld etwas in Zukunft anwĂ€chst, wenn Zinsen dazukommen. Beispiel: 100 Euro heute, jedes Jahr 3 Prozent Zins, wie viel sind es in 10 Jahren. (Future ValĂŒ = Zukunftswert. BW = Barwert als Startbetrag.)
  • Aufzinsung = das Gegenteil von Diskontieren: heutiges Geld in die Zukunft rechnen und grösser machen, weil Zinsen dazukommen. Wie Sparen: aus 100 Euro werden mit Zins mit der Zeit mehr.
  • Nachhaltig erfolgreich fĂŒhren = die Firma so steuern, dass sie nicht nur kurz, sondern dauerhaft gut lĂ€uft. Nicht nur dieses Jahr Gewinn, sondern auch in 5 Jahren noch gesund.

FINA – Finanzwirtschaft (Prof. Rohleder, TH Bingen). Kennzahlennahe Themen aus 6 Altklausuren.


Konzept-Intro

Kennzahlensteuerung

  • Steuerung mit wenigen, richtigen Kennzahlen schlĂ€gt „Dutzende von Kennzahlen“: zu viele fĂŒhren zu Datenflut, Zielkonflikten und Pflegeaufwand.
  • Erfolgreiche Kennzahlen decken RentabilitĂ€t, LiquiditĂ€t und finanzielle StabilitĂ€t ab.

Sieben zentrale monetÀre Kennzahlen (Kurzformeln)

Kennzahl Formel (typisch) Aussage
Umsatzwachstum (Ut−Ut−1)/Ut−1(U_t - U_{t-1})/U_{t-1} GeschĂ€ftsentwicklung, WettbewerbsfĂ€higkeit
EBIT Umsatz − betriebl. Aufwand operative Ertragskraft (ohne Zins/Steuer)
EBIT-Marge EBIT/UmsatzEBIT / Umsatz ProfitabilitÀt des KerngeschÀfts
ROI Gewinn/eingesetztesKapitalGewinn / eingesetztes\ Kapital RentabilitÀt, Investitionssteuerung
Operativer Cashflow Einzahlungen − Auszahlungen (operativ) finanzielle StabilitĂ€t / LiquiditĂ€t
Eigenkapitalquote EK/GKEK / GK finanzielle UnabhÀngigkeit, Krisenfestigkeit
Verschuldungsgrad FK/EKFK / EK Finanzierungsrisiko

Financial Modeling — vier Excel-Kernfunktionen

Funktion Syntax Zweck Fachbegriff
NPV / NBW NPV(Zinssatz; Wert1; 
) Barwert einer Reihe kĂŒnftiger Zahlungsströme ZeitraumgrĂ¶ĂŸen → Zeitpunktwert (Barwert)
IRR IRR(Werte; [SchĂ€tzwert]) interne Rendite (Zins, bei dem Barwert = 0) ZeitpunktgrĂ¶ĂŸe (Investition) ↔ ZeitraumgrĂ¶ĂŸen
PV / BW PV(Zins; Anzahl; Zahlung; [EW]; [F]) heutiger Wert einer kĂŒnftigen Zahlungsreihe ZeitraumgrĂ¶ĂŸen → ZeitpunktgrĂ¶ĂŸe (Barwert)
FV / ZW FV(Zins; Anzahl; Zahlung; [BW]; [F]) zukĂŒnftiger Wert einer Investition ZeitpunktgrĂ¶ĂŸe → ZeitraumgrĂ¶ĂŸe (Aufzinsung)
  • ZeitpunktgrĂ¶ĂŸen = BestĂ€nde/Werte zu einem Stichtag (z. B. Barwert, Investitionssumme).
  • ZeitraumgrĂ¶ĂŸen = Ströme ĂŒber eine Periode (z. B. jĂ€hrliche Cashflows/Zahlungen).
  • Barwerte = auf den heutigen Zeitpunkt diskontierte kĂŒnftige Werte.

Aufgaben

Aufgabe (13.07.2023, Aufg. 8 · 10 P) — Management mit Kennzahlen

Frage: ErlĂ€utern Sie fĂŒnf der wichtigsten GrĂŒnde, warum das Management mit Kennzahlen regelmĂ€ĂŸig scheitert.

Antwort:

  1. Falsche Kennzahlen: messen sie nicht die relevanten GeschĂ€ftsaspekte → Fehlinterpretationen und Fehlentscheidungen.
  2. Fehlende Zielsetzung: ohne klare Ziele/Strategie wissen Mitarbeitende nicht, wie sie die Zahlen beeinflussen können.
  3. Schlechte Kommunikation: werden Kennzahlen nicht gut vermittelt, verstehen Mitarbeitende deren Bedeutung und Einfluss nicht.
  4. Zu viele Kennzahlen: Überflutung → Verwirrung und Ressourcenverschwendung; wichtige Zahlen mĂŒssen klar fokussiert sein.
  5. Mangelnde Anpassung: ohne regelmĂ€ĂŸige ÜberprĂŒfung/Anpassung verlieren Kennzahlen Relevanz und Aussagekraft.

(Gegenpol – Vorteile von Kennzahlen laut Musterlösung: Zielorientierung, Transparenz, Verantwortung/Motivation, Fokussierung, frĂŒhzeitige Anpassungen.)


Aufgabe (19.05.2021, Aufg. 6 · 12 P) — Financial Modeling

Frage: Nennen und erlĂ€utern Sie die vier unmittelbar notwendigen/sinnvollen Tabellenblattfunktionen fĂŒr das Financial Modeling in Excel. Gehen Sie auf Fachbegriffe „ZeitpunktgrĂ¶ĂŸen“, „ZeitraumgrĂ¶ĂŸen“ und „Barwerte“ ein.

Antwort:

  1. NPV (Nettobarwert, „Net Present Value“) — NPV(Zinssatz; Wert1; Wert2; 
). Verwendung: berechnet den Barwert einer Reihe kĂŒnftiger Zahlungsströme bei gegebenem Diskontierungszins. Fachbegriff: finanzielle ZeitraumgrĂ¶ĂŸen (jĂ€hrliche Cashflows) werden auf einen Zeitpunktwert (Barwert) diskontiert.
  2. IRR (Interne Verzinsung, „Internal Rate of Return“) — IRR(Werte; [SchĂ€tzwert]). Verwendung: bestimmt die interne Rendite, d. h. den Diskontierungszins, bei dem der Barwert der Ein- und Auszahlungen null ist. Fachbegriff: verknĂŒpft ZeitpunktgrĂ¶ĂŸe (Investitionssumme) mit ZeitraumgrĂ¶ĂŸen (Cashflows).
  3. PV (Barwert, „Present Value“) — PV(Zinssatz; AnzahlZeitrĂ€ume; Zahlung; [Endwert]; [FĂ€lligkeit]). Verwendung: berechnet den heutigen Wert einer kĂŒnftigen Zahlungsreihe. Fachbegriff: wandelt ZeitraumgrĂ¶ĂŸen (z. B. jĂ€hrliche Zahlungen) in eine ZeitpunktgrĂ¶ĂŸe (Barwert) um.
  4. FV (Endwert, „Future Value“) — FV(Zinssatz; AnzahlZeitrĂ€ume; Zahlung; [Barwert]; [FĂ€lligkeit]). Verwendung: ermittelt den zukĂŒnftigen Wert einer Investition auf Basis regelmĂ€ĂŸiger Einzahlungen oder eines einmaligen Startkapitals. Fachbegriff: zeigt, wie sich ZeitpunktgrĂ¶ĂŸen durch Verzinsung in ZeitraumgrĂ¶ĂŸen entwickeln.

Aufgabe (19.05.2021, Aufg. 7 · 20 P) — Finanzkennzahlen

Frage a) (6 P): Drei GrĂŒnde, warum Kennzahlensysteme mit Dutzenden von Kennzahlen kaum zur Erreichung der Unternehmensziele beitragen.

Antwort a):

  1. KomplexitĂ€t und UnĂŒbersichtlichkeit: zu viele Kennzahlen erschweren die Entscheidungsfindung, wichtige Informationen gehen in der Datenflut unter.
  2. WidersprĂŒchliche Signale: manche Kennzahlen stehen im Zielkonflikt (z. B. hohe LiquiditĂ€t vs. hohe Investitionen) → Unsicherheiten und ineffiziente Entscheidungen.
  3. Erhöhter Analyse- und Pflegeaufwand: Erfassen, Aktualisieren und Interpretieren zahlreicher Kennzahlen kostet Zeit und Ressourcen, die besser in strategische Maßnahmen investiert wĂŒrden.

Frage b) (14 P): Sieben monetĂ€re Kennzahlen, die ein Unternehmen (nachhaltig) erfolgreich fĂŒhren können — je mit einem Satz BegrĂŒndung.

Antwort b):

  1. Umsatzwachstum: zeigt die Entwicklung der GeschÀftstÀtigkeit und die WettbewerbsfÀhigkeit.
  2. EBIT (Earnings Before Interest and Taxes): misst die operative Ertragskraft unabhÀngig von Finanzierung und Steuern.
  3. EBIT-Marge: setzt EBIT ins VerhĂ€ltnis zum Umsatz → ProfitabilitĂ€t des KerngeschĂ€fts.
  4. Return on Investment (ROI): bewertet die RentabilitĂ€t des eingesetzten Kapitals und stĂŒtzt Investitionsentscheidungen.
  5. Cashflow aus operativer TĂ€tigkeit: gibt Auskunft ĂŒber finanzielle StabilitĂ€t und LiquiditĂ€t.
  6. Eigenkapitalquote: zeigt finanzielle UnabhĂ€ngigkeit und WiderstandsfĂ€higkeit gegenĂŒber Krisen.
  7. Verschuldungsgrad: misst das VerhĂ€ltnis von Fremd- zu Eigenkapital → Finanzierungsrisiko.

Mit diesen Kennzahlen lassen sich RentabilitÀt, LiquiditÀt und finanzielle StabilitÀt effizient steuern.


📜 Original-Klausuraufgaben aus den Altmeisterklausuren — gelöst

Rohleders eigener Wortlaut aus den Klausuren 2021 bis 2024. In FINA wiederholt er anders als in seinen ĂŒbrigen FĂ€chern keine Aufgaben wortgleich, sondern stellt zu denselben Themen neue Fragen. Der grĂŒne Block sichert deshalb jeweils das ganze Thema ab, nicht nur die gestellte Frage.

Aufgabe #017 · 12 P. · Vier Excel-Funktionen fĂŒr das Financial Modeling · Original-AufgabenstellungUnter Financial Modeling versteht man die Abbildung der Finanzplanung im weitesten Sinne mit Hilfe geeigneter Software. Sehr viele Unternehmen verwenden dazu MicrosoftÂź ExcelÂź. Wer sich auskennt, kommt dabei mit sehr wenigen Tabellenblattfunktionen aus.
Nennen und erlĂ€utern Sie die vier fĂŒr das Financial Modeling in Excel unmittelbar notwendigen bzw. sinnvollen Tabellenblattfunktionen. Gehen Sie bei der ErlĂ€uterung auf die Verwendung der Funktionen ein. Dabei sollten wichtige Fachbegriffe wie „ZeitpunktgrĂ¶ĂŸen", „ZeitraumgrĂ¶ĂŸen" und „Barwerte" nicht fehlen.

Vorbemerkung. Die drei geforderten Fachbegriffe geben die Struktur vor. ZeitpunktgrĂ¶ĂŸen sind BestĂ€nde zu einem Stichtag, etwa eine Investitionssumme oder ein Barwert. ZeitraumgrĂ¶ĂŸen sind Ströme ĂŒber eine Periode, etwa jĂ€hrliche Cashflows. Barwerte sind auf heute abgezinste kĂŒnftige Werte. Alle vier Funktionen leisten im Kern dasselbe: Sie rechnen zwischen diesen beiden GrĂ¶ĂŸenarten um. Wer das voranstellt, kann jede einzelne Funktion daran anknĂŒpfen.

a) 12 P. – Die vier Funktionen, je 3 P.

⟹1⟩ NPV beziehungsweise NBW – Nettobarwert, „Net Present Value". Syntax: NBW(Zinssatz; Wert1; Wert2; 
).

⟹2⟩ Verwendung: Die Funktion berechnet den Barwert einer Reihe kĂŒnftiger Zahlungsströme bei einem gegebenen Diskontierungszinssatz. Sie ist die Excel-Umsetzung der Kapitalwertmethode und damit die zentrale Funktion jeder Investitionsrechnung.

⟹3⟩ Bezug zu den Fachbegriffen: Finanzielle ZeitraumgrĂ¶ĂŸen, also die jĂ€hrlichen Cashflows, werden auf einen Zeitpunktwert verdichtet, nĂ€mlich den Barwert zum Zeitpunkt null. Zu beachten ist, dass Excel bereits den ersten ĂŒbergebenen Wert um eine Periode abzinst; die Anschaffungsauszahlung des Zeitpunkts null gehört deshalb separat addiert und nicht in die Werteliste.

⟹4⟩ IRR – Interne Verzinsung, „Internal Rate of Return". Syntax: IKV(Werte; [SchĂ€tzwert]), englisch IRR.

⟹5⟩ Verwendung: Die Funktion bestimmt die interne Rendite einer Investition, also denjenigen Diskontierungszinssatz, bei dem der Barwert aller Ein- und Auszahlungen null wird. Sie liefert das Ergebnis als Prozentsatz und ist deshalb unmittelbar mit einer Zielrendite oder einem Kapitalkostensatz vergleichbar.

⟹6⟩ Bezug zu den Fachbegriffen: Sie verknĂŒpft die ZeitpunktgrĂ¶ĂŸe Investitionssumme mit den ZeitraumgrĂ¶ĂŸen der laufenden Cashflows und drĂŒckt das VerhĂ€ltnis als Verzinsung aus. Der optionale SchĂ€tzwert ist nötig, weil die Funktion iterativ rechnet.

⟹7⟩ PV beziehungsweise BW – Barwert, „Present Value". Syntax: BW(Zinssatz; AnzahlZeitrĂ€ume; Zahlung; [Endwert]; [FĂ€lligkeit]).

⟹8⟩ Verwendung: Die Funktion berechnet den heutigen Wert einer kĂŒnftigen, regelmĂ€ĂŸigen Zahlungsreihe, etwa einer Leasingrate, einer Rente oder einer AnnuitĂ€t. Anders als NBW arbeitet sie mit einer konstanten Zahlung statt mit einer Werteliste.

⟹9⟩ Bezug zu den Fachbegriffen: Sie wandelt ZeitraumgrĂ¶ĂŸen, also die periodischen Zahlungen, in eine ZeitpunktgrĂ¶ĂŸe um, nĂ€mlich den Barwert. Das Argument „FĂ€lligkeit" steuert, ob die Zahlung am Anfang oder am Ende der Periode anfĂ€llt – ein Detail mit spĂŒrbarer Wirkung auf das Ergebnis.

⟹10⟩ FV beziehungsweise ZW – Endwert, „Future Value". Syntax: ZW(Zinssatz; AnzahlZeitrĂ€ume; Zahlung; [Barwert]; [FĂ€lligkeit]).

⟹11⟩ Verwendung: Die Funktion ermittelt den zukĂŒnftigen Wert einer Anlage auf Basis regelmĂ€ĂŸiger Einzahlungen oder eines einmaligen Startkapitals. Sie ist die Sparplan-Funktion und beantwortet die Frage, wie viel aus einer monatlichen Rate nach einer bestimmten Zahl von Jahren geworden ist.

⟹12⟩ Bezug zu den Fachbegriffen: Sie ist die Aufzinsung und damit die Umkehrung des Barwerts: Aus einer ZeitpunktgrĂ¶ĂŸe heute wird ĂŒber die Verzinsung ein Wert am Ende des betrachteten Zeitraums. Zusammen decken die vier Funktionen die gesamte Zeitachse ab – abzinsen (NBW, BW), aufzinsen (ZW) und die Verzinsung selbst bestimmen (IKV).

Über die geforderten Punkte hinaus

⟹+1⟩ Die deutsch-englische Doppelbenennung mitschreiben. Rohleders Aufgaben wechseln zwischen englischen und deutschen Funktionsnamen. Sicher ist die Paarnennung: NPV = NBW, IRR = IKV, PV = BW, FV = ZW. Wer beide Namen nennt, ist gegen jede Formulierung der Frage abgesichert.

⟹+2⟩ Die NBW-Falle, die er ausdrĂŒcklich abfragt (19.07.2022, Aufgabe 5). NBW() behandelt bereits den ersten ĂŒbergebenen Wert als am Ende der ersten Periode anfallend und zinst ihn ab. Wer die Anschaffungsauszahlung mit in die Liste schreibt, diskontiert sie fĂ€lschlich um eine Periode. Korrekt ist entweder =A0 + NBW(i; CF1; CF2; 
) mit negativem A0 außerhalb der Klammer oder die bewusste Inkaufnahme der Verschiebung.

⟹+3⟩ Die nachgerechnete Beispielrechnung dazu. Kalkulationszins 10 %, Zahlungsreihe −10.000, 3.000, 4.200, 6.800. Barwerte: −10.000 / 1,1 = −9.090,91; 3.000 / 1,21 = 2.479,34; 4.200 / 1,331 = 3.155,52; 6.800 / 1,4641 = 4.644,49. Summe = 1.188,44 EUR. Das entspricht exakt dem Wert der Excel-Hilfe und zeigt zugleich die vier statt drei Abzinsungsstufen. Wichtig: 1.188,44 EUR ist damit NICHT der Kapitalwert der Investition, sondern das Ergebnis des Fehlers. Der korrekte Kapitalwert lĂ€sst die Anfangsauszahlung in t = 0 undiskontiert und betrĂ€gt 1.307,29 EUR; die Differenz von 118,84 EUR ist genau der eine zu viel gerechnete Abzinsungsschritt. Auf den ungerundeten Werten geht die Probe exakt auf: 1.188,4434 · 1,10 = 1.307,2878. Rechnest du dagegen mit den bereits gerundeten Zahlen, kommst du auf 1.307,28 und damit einen Cent daneben — ein guter Anlass, sich die Regel einzuprĂ€gen: erst am Ende runden, nie zwischendurch. Wer in der Klausur mit NBW() rechnet, schreibt deshalb =NBW(i; A1:An) + A0 und niemals =NBW(i; A0:An).

⟹+4⟩ XKAPITALWERT als fĂŒnfte Funktion fĂŒr unregelmĂ€ĂŸige Zahlungen. NBW() setzt gleich lange Perioden voraus. XKAPITALWERT() erlaubt beliebige Datumswerte und damit die realistische Abbildung tatsĂ€chlicher Zahlungstermine. Drei Nachteile von NBW gegenĂŒber XKAPITALWERT, die Rohleder abgefragt hat: eingeschrĂ€nkte FlexibilitĂ€t bei unregelmĂ€ĂŸigen Zahlungsströmen, fehlende BerĂŒcksichtigung der genauen Zahlungszeitpunkte und die begrenzte Anzahl verarbeitbarer Werte.

⟹+5⟩ Die Mehrdeutigkeit der internen Verzinsung. Bei nicht konventionellen Cashflows mit mehr als einem Vorzeichenwechsel kann es mehrere mathematisch gĂŒltige interne ZinssĂ€tze geben. Excel liefert dann denjenigen, der dem SchĂ€tzwert am nĂ€chsten liegt – ohne Warnung. Das ist der wichtigste fachliche Vorbehalt gegen die IRR und ein sicherer Zusatzpunkt.

⟹+6⟩ Warum der Kapitalwert der IRR vorzuziehen ist. Der Kapitalwert liefert eine absolute WertgrĂ¶ĂŸe in Euro und ist additiv; die IRR liefert nur eine VerhĂ€ltniszahl und unterstellt implizit, dass RĂŒckflĂŒsse zur internen Verzinsung wiederangelegt werden. Bei sich ausschließenden Alternativen unterschiedlicher GrĂ¶ĂŸe kann die IRR deshalb zur falschen Rangfolge fĂŒhren.

⟹+7⟩ Die Vorzeichenkonvention. In allen vier Funktionen sind Auszahlungen negativ und Einzahlungen positiv anzugeben. Ein falsches Vorzeichen kehrt das Ergebnis um, ohne dass Excel eine Fehlermeldung ausgibt – der hĂ€ufigste stille Fehler in Finanzmodellen.

⟹+8⟩ Der Zinssatz muss zur Periode passen. Bei monatlichen Zahlungen ist der Jahreszins durch zwölf zu teilen und die Periodenzahl mit zwölf zu multiplizieren. Wer den Jahreszins mit Monatsraten kombiniert, erhĂ€lt ein um GrĂ¶ĂŸenordnungen falsches Ergebnis.

⟹+9⟩ Die Verbindung zur Statistik-Seite des Modellierens. FĂŒr Prognosen kommen PROGNOSE.ETS() fĂŒr exponentielle GlĂ€ttung und SUMMEXMY2() fĂŒr das GĂŒtemaß der Summe quadrierter Abweichungen hinzu. Fragt Rohleder nach „Funktionen fĂŒr die Finanzplanung" statt nach „Financial Modeling", gehören diese beiden mit in die Antwort.

⟹+10⟩ ModellierungsgrundsĂ€tze, die er in Excel-Aufgaben belohnt. Eingabe, Berechnung und Ausgabe trennen; Parameter wie den Kalkulationszins in eine eigene, benannte Zelle legen und per Bezug ansprechen statt in Formeln zu verdrahten; jede Ergebnisspalte mit derselben, nur relativ verschobenen Formel fĂŒllen. Ein Modell, dessen Zinssatz an einer Stelle geĂ€ndert wird und ĂŒberall durchschlĂ€gt, ist der Kern des Financial Modeling.

⟹+11⟩ Die Definition, mit der man einsteigen sollte. Financial Modeling ist die Abbildung der Finanzplanung in Software mit dem Ziel, Annahmen variieren und ihre Wirkung auf LiquiditĂ€t, Ergebnis und Kapitalbedarf sofort sichtbar machen zu können. Diese Zweckbestimmung erklĂ€rt, warum ausgerechnet Barwert- und Verzinsungsfunktionen die notwendigen sind.

⟹+12⟩ Punkte-Ökonomie. Zwölf Punkte auf vier Funktionen bedeuten je drei: Name mit Syntax, Verwendungszweck und Bezug zu Zeitpunkt-, ZeitraumgrĂ¶ĂŸen oder Barwert. Der dritte Teil ist der, den die meisten weglassen – und genau er ist in der Aufgabenstellung ausdrĂŒcklich verlangt.

Rohleders Erwartung: Die drei Fachbegriffe sind kein Schmuck, sondern Bewertungskriterium. Zu jeder Funktion muss gesagt werden, ob sie ZeitraumgrĂ¶ĂŸen in eine ZeitpunktgrĂ¶ĂŸe ĂŒberfĂŒhrt oder umgekehrt. Eine reine AufzĂ€hlung der Syntax ohne diese Zuordnung bringt höchstens die halbe Punktzahl.

Aufgabe #018 · 20 P. · Warum wenige Kennzahlen ein Unternehmen besser steuern · Original-AufgabenstellungFast alle Unternehmen werden mit Kennzahlen gesteuert. Allerdings sind die Unternehmen gut beraten, sich auf wenige Kennzahlen zu beschrÀnken.
a) 6 P. Nennen und erlĂ€utern Sie drei wichtige und unterschiedliche GrĂŒnde, warum Kennzahlensysteme mit Dutzenden von Kennzahlen kaum zur Erreichung der Unternehmensziele beitragen!
b) 14 P. Schlagen Sie 7 monetĂ€re Kennzahlen vor, die mit hoher Wahrscheinlichkeit ausreichen, ein Unternehmen (nachhaltig) erfolgreich zu fĂŒhren. BegrĂŒnden Sie jede Kennzahl Ihrer Auswahl mit einem Satz.

Vorbemerkung. Vierzehn Punkte fĂŒr sieben Kennzahlen bedeuten zwei Punkte je Kennzahl: Benennung samt Formel und eine BegrĂŒndung. Das Wort monetĂ€r ist eine EinschrĂ€nkung – Kundenzufriedenheit, Fluktuation oder Termintreue scheiden aus. Entscheidend fĂŒr die Auswahl ist, dass die sieben Kennzahlen gemeinsam die drei Steuerungsdimensionen RentabilitĂ€t, LiquiditĂ€t und finanzielle StabilitĂ€t abdecken und sich nicht gegenseitig doppeln.

a) 6 P. – Drei GrĂŒnde gegen ĂŒberfrachtete Kennzahlensysteme

⟹1⟩ KomplexitĂ€t und UnĂŒbersichtlichkeit. Ein System mit Dutzenden von Kennzahlen erschwert die Entscheidungsfindung, weil die wenigen wirklich steuerungsrelevanten Informationen in der Datenflut untergehen.

⟹2⟩ FĂŒhrungskrĂ€fte haben begrenzte Aufmerksamkeit; werden sie mit dreißig Zahlen konfrontiert, priorisieren sie nach Gewohnheit oder BauchgefĂŒhl statt nach Bedeutung. Das Kennzahlensystem verliert dann genau die Lenkungswirkung, fĂŒr die es eingefĂŒhrt wurde.

⟹3⟩ WidersprĂŒchliche Signale und Zielkonflikte. Viele Kennzahlen stehen naturgemĂ€ĂŸ im Zielkonflikt zueinander, etwa hohe LiquiditĂ€t gegen hohe Investitionsquote oder Lieferbereitschaft gegen niedrige LagerbestĂ€nde.

⟹4⟩ Je mehr Kennzahlen ein System enthĂ€lt, desto hĂ€ufiger zeigen einige nach oben und andere nach unten. Ohne festgelegte Rangfolge fĂŒhrt das zu Unsicherheit, zu Diskussionen ĂŒber die Interpretation und im Ergebnis zu ineffizienten oder unterbliebenen Entscheidungen.

⟹5⟩ Erhöhter Analyse- und Pflegeaufwand. Jede Kennzahl muss definiert, erhoben, abgestimmt, berichtet und interpretiert werden. Der Aufwand steigt mit jeder zusĂ€tzlichen Zahl, der Erkenntnisgewinn dagegen nicht.

⟹6⟩ Diese Ressourcen fehlen an anderer Stelle: Zeit, die im Berichtswesen gebunden ist, steht nicht fĂŒr strategische Maßnahmen zur VerfĂŒgung. Hinzu kommt, dass selten genutzte Kennzahlen schlecht gepflegt werden und dadurch mit der Zeit unzuverlĂ€ssig oder schlicht falsch werden.

b) 14 P. – Sieben monetĂ€re Kennzahlen zur nachhaltig erfolgreichen FĂŒhrung

⟹1⟩ Umsatzwachstum, berechnet als (Ut − Ut−1) / Ut−1.

⟹2⟩ Es zeigt die Entwicklung der GeschĂ€ftstĂ€tigkeit und damit die WettbewerbsfĂ€higkeit; ohne Wachstum der Marktleistung ist jede Ergebnisverbesserung auf Dauer nur durch Kostensenkung möglich, die naturgemĂ€ĂŸ endlich ist.

⟹3⟩ EBIT (Betriebsergebnis), berechnet als Umsatz abzĂŒglich betrieblicher Aufwendungen.

⟹4⟩ Es misst die operative Ertragskraft unabhĂ€ngig von Finanzierung und Besteuerung und ist damit die einzige ErgebnisgrĂ¶ĂŸe, die den Erfolg des KerngeschĂ€fts unverfĂ€lscht abbildet.

⟹5⟩ EBIT-Marge, berechnet als EBIT geteilt durch Umsatz.

⟹6⟩ Sie setzt das absolute Ergebnis ins VerhĂ€ltnis zur GeschĂ€ftsgrĂ¶ĂŸe und zeigt damit die ProfitabilitĂ€t des KerngeschĂ€fts; erst sie macht Perioden und Wettbewerber unterschiedlicher GrĂ¶ĂŸe vergleichbar.

⟹7⟩ Return on Investment (ROI), berechnet als EBIT geteilt durch das gebundene, betriebsnotwendige Kapital.

⟹8⟩ Er bewertet die RentabilitĂ€t des eingesetzten Kapitals und beantwortet damit die Investitionsfrage: Verdient das gebundene Kapital mehr, als es kostet?

⟹9⟩ Cashflow aus operativer TĂ€tigkeit, berechnet als JahresĂŒberschuss zuzĂŒglich Abschreibungen und weiterer nicht zahlungswirksamer Posten.

⟹10⟩ Er gibt Auskunft ĂŒber die tatsĂ€chliche Innenfinanzierungskraft und ĂŒber die LiquiditĂ€t; er ist die einzige der sieben Kennzahlen, die gegen bilanzpolitische Gestaltung weitgehend unempfindlich ist.

⟹11⟩ Eigenkapitalquote, berechnet als Eigenkapital geteilt durch Gesamtkapital.

⟹12⟩ Sie zeigt die finanzielle UnabhĂ€ngigkeit und die FĂ€higkeit, Verluste aus eigener Substanz zu tragen; sie ist damit die zentrale Kennzahl der Krisenfestigkeit und zugleich das erste, worauf Kreditgeber schauen.

⟹13⟩ Verschuldungsgrad, berechnet als Fremdkapital geteilt durch Eigenkapital.

⟹14⟩ Er misst das Finanzierungsrisiko und die AbhĂ€ngigkeit von Kapitalgebern; zusammen mit dem ROI zeigt er, ob die Verschuldung als Leverage-Chance wirkt oder bereits zum Leverage-Risiko geworden ist. Mit diesen sieben Kennzahlen sind RentabilitĂ€t, LiquiditĂ€t und finanzielle StabilitĂ€t abgedeckt.

Über die geforderten Punkte hinaus

⟹+1⟩ Der Auswahlmaßstab, der die Antwort trĂ€gt. Sieben Kennzahlen sind dann richtig gewĂ€hlt, wenn jede eine andere Frage beantwortet: Wachsen wir? Verdienen wir operativ? Wie profitabel je Umsatz-Euro? Lohnt das Kapital? Fließt Geld? Sind wir krisenfest? Wie riskant finanziert? Wer diesen Maßstab voranstellt, begrĂŒndet die Auswahl, statt nur zu behaupten.

⟹+2⟩ Die Spiegelaufgabe (13.07.2023, Aufgabe 8, 10 P): Warum das Management mit Kennzahlen scheitert. FĂŒnf GrĂŒnde: falsche Kennzahlen, die nicht die relevanten GeschĂ€ftsaspekte messen; fehlende Zielsetzung, sodass niemand weiß, wie er die Zahl beeinflussen kann; schlechte Kommunikation, sodass die Bedeutung unklar bleibt; zu viele Kennzahlen mit der Folge von Verwirrung und Ressourcenverschwendung; mangelnde Anpassung, sodass die Kennzahlen mit der Zeit ihre Relevanz verlieren. Diese Liste ist die wahrscheinlichste Umformulierung dieser Aufgabe.

⟹+3⟩ Der Gegenpol, den Rohleder ebenfalls abfragt: Vorteile von Kennzahlen. Zielorientierung, Transparenz, Verantwortungszuweisung und Motivation, Fokussierung sowie die Möglichkeit frĂŒhzeitiger Anpassung. Wer nur die Kritik lernt, steht bei der Positivfrage ohne Struktur da.

⟹+4⟩ Goodharts Gesetz als ökonomische Zuspitzung. Sobald eine Kennzahl zum Ziel wird, hört sie auf, ein gutes Maß zu sein, weil sie manipulierbar wird. Beispiel: Wird der Vertrieb allein am Umsatz gemessen, wĂ€chst der Umsatz ĂŒber Rabatte, wĂ€hrend die Marge sinkt. Das ist zugleich die beste BegrĂŒndung dafĂŒr, Umsatz und Marge immer gemeinsam zu fĂŒhren.

⟹+5⟩ Warum ausgerechnet der operative Cashflow unverzichtbar ist. „Profit is an opinion, cash is a fact": Das Ergebnis hĂ€ngt von Ansatz- und Bewertungswahlrechten ab, der Zahlungsmittelzufluss nicht. Rohleder fragt dazu drei Gestaltungsmöglichkeiten, die die Aussagekraft des operativen Cashflows dennoch einschrĂ€nken – etwa das Verzögern von Lieferantenzahlungen, das Verkaufen von Forderungen per Factoring oder das Verschieben von Instandhaltung ĂŒber den Stichtag hinaus.

⟹+6⟩ Vermeidbare Dopplungen in der Siebener-Liste. Eigenkapitalquote und Verschuldungsgrad sind rechnerisch ineinander ĂŒberfĂŒhrbar und beschreiben denselben Sachverhalt aus zwei Blickwinkeln. Wer sie beide nennt, sollte den Unterschied begrĂŒnden: Die Quote misst den Puffer, der Grad das VerhĂ€ltnis und damit die Hebelwirkung. Ohne diese BegrĂŒndung wirkt es wie eine Zahl, die zweimal gezĂ€hlt wird.

⟹+7⟩ Sinnvolle Alternativen fĂŒr die Siebener-Liste. Working Capital beziehungsweise Kapitalbindungsdauer, LiquiditĂ€tsgrade, Free Cash Flow, EigenkapitalrentabilitĂ€t, Deckungsbeitrag je Produkt und die KapitaldienstfĂ€higkeit. Wer eine der Standardkennzahlen durch eine dieser GrĂ¶ĂŸen ersetzt, muss nur begrĂŒnden, welche Frage damit beantwortet wird – die Aufgabe verlangt keine bestimmte Liste, sondern eine begrĂŒndete.

⟹+8⟩ Working Capital nach Rohleders Kompass. Working Capital = Umlaufvermögen − Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen. Nutzen: Aussagen zu LiquiditĂ€tslage und KreditwĂŒrdigkeit. Grenzen: Ein zu hohes Working Capital bedeutet zu viel gebundenes Kapital, und die Kennzahl sagt nichts ĂŒber die Herkunft des langfristig im Anlagevermögen gebundenen Kapitals.

⟹+9⟩ Die Balanced-Scorecard-Falle. Wird gefragt, ob nicht auch nichtmonetĂ€re Kennzahlen nötig seien, lautet die richtige Antwort: ja, aber getrennt. Die Aufgabe verlangt ausdrĂŒcklich monetĂ€re Kennzahlen; nichtmonetĂ€re GrĂ¶ĂŸen wie Kundenzufriedenheit oder Mitarbeiterfluktuation sind FrĂŒhindikatoren, die den monetĂ€ren SpĂ€tindikatoren vorauslaufen. Dieser Zusatz ist wertvoll, darf aber die geforderte Siebener-Liste nicht ersetzen.

⟹+10⟩ SpĂ€tindikator gegen FrĂŒhindikator. Alle sieben genannten Kennzahlen sind SpĂ€tindikatoren: Sie messen, was bereits geschehen ist. FĂŒr die Steuerung braucht es zusĂ€tzlich vorlaufende GrĂ¶ĂŸen wie Auftragseingang oder Angebotsquote. Der Auftragseingang ist dabei selbst monetĂ€r und wĂ€re eine gut begrĂŒndbare achte Kennzahl.

⟹+11⟩ Zielwerte und Vergleichsmaßstab nicht vergessen. Eine Kennzahl ohne Referenz ist wertlos. Erst der Vergleich mit Vorperiode, Plan oder Branche macht sie steuerungsfĂ€hig. Ein Satz hierzu zeigt, dass die Antwort das Instrument und nicht nur die Formel verstanden hat.

⟹+12⟩ Die Fehlerfalle in a). Drei GrĂŒnde mĂŒssen sachlich verschieden sein. „Zu unĂŒbersichtlich" und „zu viele Zahlen" sind derselbe Grund zweimal. Sicher getrennt sind: kognitive Überlastung, Zielkonflikte und Ressourcenaufwand.

⟹+13⟩ Die Fehlerfalle in b). HĂ€ufig werden Kennzahlen genannt, aber nicht begrĂŒndet – die Aufgabe verlangt ausdrĂŒcklich je einen BegrĂŒndungssatz. Ebenso hĂ€ufig fehlt die Formel; sie ist zwar nicht ausdrĂŒcklich verlangt, macht die Nennung aber eindeutig und kostet nur wenige Worte.

⟹+14⟩ Die Kennzahl als Kommunikationsmittel. Eine Kennzahl wirkt nur, wenn die Beteiligten wissen, wie sie sie beeinflussen können. Der VerkĂ€ufer beeinflusst den Umsatz, nicht die Eigenkapitalquote. Deshalb gilt: Jede Steuerungskennzahl braucht einen Adressaten, der sie tatsĂ€chlich in der Hand hat – andernfalls erzeugt sie Ohnmacht statt Handlung.

⟹+15⟩ Kennzahlensysteme mit Spitzenkennzahl als historische Einordnung. Klassische Systeme wie das DuPont-Schema zerlegen eine Spitzenkennzahl rechnerisch in ihre Treiber: ROI = Umsatzrendite × Kapitalumschlag. Der Vorteil gegenĂŒber einer bloßen Liste ist, dass die Zahlen in einem rechnerischen Zusammenhang stehen und sich Ursachen einer VerĂ€nderung ableiten lassen.

⟹+16⟩ Die Zerlegung, die man beherrschen sollte. ROI = (EBIT / Umsatz) × (Umsatz / eingesetztes Kapital). Der erste Faktor ist die Marge, der zweite der Kapitalumschlag. Ein sinkender ROI hat damit immer genau zwei mögliche Ursachen: schlechtere Margen oder trĂ€geres Kapital. Diese Zerlegung ist die stĂ€rkste ErgĂ€nzung zur Kennzahlenliste in b).

⟹+17⟩ Warum sieben und nicht drei oder dreißig. Drei Kennzahlen decken die drei Dimensionen ab, lassen aber keine Ursachenanalyse zu; dreißig ĂŒberfordern. Sieben ist die GrĂ¶ĂŸenordnung, in der jede Dimension mit zwei bis drei Zahlen abgebildet ist und ein Bericht noch auf eine Seite passt. Diese BegrĂŒndung beantwortet die implizite Frage der Aufgabenstellung, warum ausgerechnet sieben.

⟹+18⟩ Manipulierbarkeit als Auswahlkriterium. Umsatz lĂ€sst sich ĂŒber Rabatte und Vorzieheffekte steuern, das Ergebnis ĂŒber Bewertungswahlrechte, die Eigenkapitalquote ĂŒber den Stichtag. Am schwersten zu manipulieren ist der Zahlungsmittelzufluss. Wer die Auswahl auch nach diesem Kriterium begrĂŒndet, argumentiert auf einer Ebene, die ĂŒber die Standardliste hinausgeht.

⟹+19⟩ Der Bezug zum Unternehmensziel. Die Aufgabe fragt nach Kennzahlen, die ein Unternehmen nachhaltig erfolgreich fĂŒhren. Nachhaltig bedeutet hier: dauerhaft zahlungsfĂ€hig, dauerhaft rentabel und dauerhaft krisenfest. Genau daraus leitet sich die Dreiteilung in RentabilitĂ€t, LiquiditĂ€t und StabilitĂ€t ab – sie ist keine willkĂŒrliche Ordnung, sondern folgt aus der Fragestellung.

⟹+20⟩ Punkte-Ökonomie. Zwanzig Punkte sind die grĂ¶ĂŸte Einzelaufgabe dieser Klausur und rechtfertigen entsprechende Zeit. Die Struktur ist mechanisch: in a) drei AbsĂ€tze mit Überschrift und ErlĂ€uterung, in b) sieben Zeilen nach dem Muster „Kennzahl = Formel – BegrĂŒndung". Ein abschließender Satz, dass RentabilitĂ€t, LiquiditĂ€t und StabilitĂ€t abgedeckt sind, schließt die Argumentation.

Rohleders Erwartung: In a) will er drei verschiedene Wirkungsmechanismen, nicht drei Varianten von „zu viel". In b) prĂŒft er, ob die sieben Kennzahlen gemeinsam ein steuerungsfĂ€higes System bilden – RentabilitĂ€t, LiquiditĂ€t und StabilitĂ€t mĂŒssen alle drei vorkommen, und jede Kennzahl braucht ihren eigenen BegrĂŒndungssatz.

Aufgabe #019 · 10 P. · Warum Kennzahlensteuerung scheitert · Original-AufgabenstellungViele Kennzahlen werden jahrelang erhoben und reportet, ohne dass VerhaltensÀnderungen bei den Mitarbeitenden eintreten oder sich die Erfolgssituation des Unternehmens messbar verbessert.
ErlĂ€utern Sie fĂŒnf der wichtigsten GrĂŒnde, warum das Management mit Kennzahlen regelmĂ€ĂŸig scheitert!

10 P. – FĂŒnf GrĂŒnde

⟹2⟩ Grund 1 – Die falschen Kennzahlen werden gemessen. Gemessen wird hĂ€ufig das, was leicht verfĂŒgbar ist, nicht das, was den Erfolg tatsĂ€chlich treibt. Kennzahlen, die den Werttreiber verfehlen, erzeugen Fehlinterpretationen und in der Folge Fehlentscheidungen. Erkennbar ist das daran, dass sich die Kennzahl verbessert, wĂ€hrend das Ergebnis stagniert.

⟹4⟩ Grund 2 – Es fehlt die Verbindung zu Zielen und Strategie. Eine Kennzahl ohne Zielwert, ohne Verantwortlichen und ohne Bezug zu einer Strategie ist eine Beobachtung, keine SteuerungsgrĂ¶ĂŸe. Mitarbeitende wissen dann weder, welcher Wert gut ist, noch wie sie ihn beeinflussen können. Ohne diese HandlungsbrĂŒcke kann eine Kennzahl definitionsgemĂ€ĂŸ kein Verhalten Ă€ndern.

⟹6⟩ Grund 3 – Es sind zu viele Kennzahlen. Wer Dutzende Kennzahlen berichtet, erzeugt Datenflut statt Orientierung. Die Aufmerksamkeit verteilt sich, Zielkonflikte zwischen den Kennzahlen bleiben unaufgelöst, und der Pflegeaufwand bindet genau die KapazitĂ€t, die fĂŒr Maßnahmen fehlt. Steuerung gelingt mit wenigen, richtigen Kennzahlen, die RentabilitĂ€t, LiquiditĂ€t und finanzielle StabilitĂ€t abdecken.

⟹8⟩ Grund 4 – Die Kennzahlen werden nicht verstanden und nicht kommuniziert. Werden Definition, Berechnung und Bedeutung nicht erklĂ€rt, bleibt der Bericht eine Zahlenwand. Mitarbeitende können den eigenen Beitrag nicht erkennen und behandeln das Reporting als PflichtĂŒbung. Hinzu kommt der Zeitverzug: Kennzahlen, die erst Wochen nach Periodenende vorliegen, kommen fĂŒr eine VerhaltensĂ€nderung zu spĂ€t.

⟹10⟩ Grund 5 – Kennzahlen werden nicht ĂŒberprĂŒft und nicht angepasst. GeschĂ€ftsmodell, Markt und Strategie Ă€ndern sich, das Kennzahlensystem bleibt. Kennzahlen laufen dann jahrelang mit, obwohl sie ihre Aussagekraft verloren haben, und niemand traut sich, eine Kennzahl abzuschaffen. Ohne regelmĂ€ĂŸige ÜberprĂŒfung sowie ohne Konsequenzen bei Zielverfehlung bleibt das System folgenlos.

Über die geforderten Punkte hinaus

⟹+2⟩ Goodhart's Law als theoretische Zuspitzung. „Sobald eine Kennzahl zum Ziel wird, hört sie auf, ein gutes Maß zu sein." Sobald an einer Zahl Boni oder Beurteilungen hĂ€ngen, wird die Zahl optimiert und nicht die dahinterliegende Leistung. Typische Folgen sind Quartalsend-Rabatte zur Umsatzrettung, verschobene Instandhaltung zur Kostensenkung und DefinitionsĂ€nderungen zur Zielerreichung.

⟹+4⟩ FrĂŒh- gegen SpĂ€tindikatoren. Die meisten Finanzkennzahlen sind SpĂ€tindikatoren: Sie messen, was bereits geschehen ist. Steuerungswirkung entfalten dagegen FrĂŒhindikatoren wie Auftragseingang, Angebotsdurchlaufzeit, Reklamationsquote oder Forderungslaufzeit. Ein System, das nur nachlaufende GrĂ¶ĂŸen enthĂ€lt, kann prinzipiell nicht steuern, sondern nur berichten.

⟹+6⟩ Rohleders Kennzahlen-Kanon. Er nennt sieben zentrale monetĂ€re Kennzahlen: Umsatzwachstum, EBIT, EBIT-Marge, ROI, operativer Cashflow, Eigenkapitalquote und Verschuldungsgrad. Damit sind RentabilitĂ€t, operative Ertragskraft, LiquiditĂ€t und StabilitĂ€t abgedeckt – ein gutes Argument dafĂŒr, dass weniger Kennzahlen ausreichen.

⟹+8⟩ Der Gegenpol: Was Kennzahlen leisten, wenn sie funktionieren. Zielorientierung durch messbare Vorgaben, Transparenz ĂŒber die Leistungslage, Verantwortlichkeit und Motivation durch klare Zuordnung, Fokussierung der Ressourcen und frĂŒhzeitige Reaktion auf Abweichungen. Wer die fĂŒnf ScheiterngrĂŒnde spiegelbildlich als Erfolgsbedingungen formuliert, liefert eine besonders geschlossene Antwort.

⟹+10⟩ Verbindung zum Cashflow-Thema. Kennzahlen, die auf dem Gewinn aufsetzen, sind bilanzpolitisch gestaltbar – „Profit is an opinion, cash is a fact". Ein Kennzahlensystem sollte deshalb immer mindestens eine zahlungsstromnahe GrĂ¶ĂŸe enthalten, typischerweise den operativen Cashflow, damit sich das Gesamtbild nicht wegbuchen lĂ€sst.

Rohleders Erwartung: Er will fĂŒnf klar getrennte GrĂŒnde, die erklĂ€ren, warum eine Kennzahl kein Verhalten Ă€ndert, nicht warum sie falsch berechnet wird. Der Hinweis auf „wenige, richtige Kennzahlen statt Dutzende" ist seine eigene Kernthese und sollte fallen.

Aus dem Videoblog: „Kennzahlen und Co." Teil 2–4 — der bisher fehlende Kern

Der Beitrag ist im PrĂŒfungsrelevanznavigator mit X fĂŒr FINA markiert und besteht aus vier Teilen (2:49 h). Die Teile 2–4 waren bisher nicht transkribiert — hier ihr Klausur-Kern, mit gelösten Aufgaben.

Die AusprÀgungen einer Kennzahl: Soll, Plan, Ist, Prognose

Jede Kennzahl existiert in verschiedenen AusprĂ€gungen, und Rohleder legt Wert darauf, dass viele Unternehmen genau diese Unterscheidung verwischen: „Die Unterscheidung zwischen Sollwerten und Planwerten finden wir in vielen Unternehmen nicht. Die werfen das wild durcheinander, weil sie auf saubere Begrifflichkeiten keinen Wert legen."

Der Sollwert ist die Zielvorgabe — als Zeitraum- oder ZeitpunktgrĂ¶ĂŸe, sehr gelĂ€ufig als Zielwert zum Jahresende. Er wird Teil der Zielvereinbarung der Mitarbeitenden mit Budgetverantwortung, deren variable Gehaltsbestandteile sich nach der Zielerreichung richten. Sollwerte werden in der Regel nicht mit konkreten Einzelmaßnahmen unterlegt — der Sollwert ist „der Stern am 31.12. am Horizont". Die Planwerte sind demgegenĂŒber die unterjĂ€hrigen Meilensteine: Der ferne Sollwert wird „in handhabbare StĂŒcke zerhackt", damit man im MĂ€rz, Mai oder September weiß, ob man auf Kurs liegt. In der Praxis entsteht das oft schlicht als Gerade vom Startwert zum Sollwert — Saisonmuster wie das Weihnachts-SpitzenlastgeschĂ€ft eines Paketdienstes werden bewusst nicht hineinmodelliert, dafĂŒr gibt es den Vorjahresvergleich. Zu den Planwerten gehören die Maßnahmen, die ihre Erreichung sicherstellen, mit drei PrĂŒffragen: Was tun wir? Was kostet es? Was ist der Zielbeitrag? Die Istwerte schlagen im Jahresverlauf auf — wer einen Fast Close beherrscht, hat drei bis vier Werktage nach Monatsende die Zahlen und kann Anfang Februar den Januar beurteilen; viele kleine und mittlere Unternehmen schaffen das wegen langer BeleglĂ€ufe nicht. Und schließlich die Prognose: „Istwerte sind insofern langweilig, als sie schon in der Buchhaltung stehen. Da kann ich nichts mehr dran drehen. Ich muss nach vorne gucken." Die Prognose beantwortet, wie weit die Schere zwischen Ist-Entwicklung und Sollwert voraussichtlich auseinandergeht — und damit, ob man „hektisch werden muss oder panisch". Die Vorjahresvergleichswerte ergĂ€nzen das Bild (Year-to-Date-Vergleich) und sind Datengrundlage der Prognose.

Nebenbefund mit Klausurwert: Die sinnvolle deutsche Bezeichnung des ROI ist fĂŒr Rohleder die Betriebsrendite — EBIT im VerhĂ€ltnis zum betriebsnotwendigen Kapital, „alles raus, was nicht operativ ist". Die Praxis unterscheide dagegen oft nicht zwischen ROI und GesamtkapitalrentabilitĂ€t (Vorsteuergewinn auf das Gesamtkapital) — genau diese BegriffsschĂ€rfe fragt er ab.

Aufgabe #020 · 10 P. · Die AusprÀgungen einer Kennzahl: Soll, Plan, Ist, Prognose · 10 Punkte · AusprÀgungen von Kennzahlena) 6 P. ErlÀutern Sie die vier AusprÀgungen, in denen eine Steuerungskennzahl im Unternehmen existiert, und grenzen Sie insbesondere Sollwert und Planwert sauber voneinander ab.
b) 2 P. ErlĂ€utern Sie, warum Rohleder Istwerte als „langweilig" bezeichnet und welche AusprĂ€gung stattdessen die Steuerung trĂ€gt.
c) 2 P. Welche Rolle spielen Vorjahresvergleichswerte, und warum verzichtet die Praxis oft darauf, Saisonmuster in die Planwerte zu modellieren?

a) 6 P. Der Sollwert ist die Zielvorgabe zum Periodenende — er wandert in die Zielvereinbarungen der Budgetverantwortlichen und steuert deren variable VergĂŒtung, wird aber selbst nicht mit Einzelmaßnahmen unterlegt. ⟹1⟩ Der Planwert ĂŒbersetzt diesen fernen Sollwert in unterjĂ€hrige Meilensteine, an denen sich der Fortschritt monatlich ablesen lĂ€sst; erst auf dieser Ebene hĂ€ngen die konkreten Maßnahmen mit ihren drei PrĂŒffragen — was tun wir, was kostet es, was ist der Zielbeitrag. ⟹2⟩ Die Abgrenzung liegt also in Funktion und Zeitbezug: Der Sollwert verpflichtet auf das Ergebnis, der Planwert operationalisiert den Weg dorthin. ⟹3⟩ Die Istwerte sind die tatsĂ€chlich verbuchten GrĂ¶ĂŸen des laufenden Jahres; je schneller der Abschluss (Fast Close), desto frĂŒher taugen sie zum Plan-Ist-Vergleich. ⟹4⟩ Die Prognose schließlich schreibt die Ist-Entwicklung nach vorn fort und beziffert, ob und um wie viel der Sollwert mit den laufenden Maßnahmen voraussichtlich verfehlt wird. ⟹5⟩ Wer Soll und Plan durcheinanderwirft, kann weder sauber vereinbaren noch unterjĂ€hrig steuern — genau deshalb besteht Rohleder auf der Trennung. ⟹6⟩

b) 2 P. Istwerte stehen bereits in der Buchhaltung; an ihnen lĂ€sst sich nichts mehr Ă€ndern, sie dokumentieren nur. ⟹7⟩ Steuerungswirkung hat der Blick nach vorn: Die Prognose zeigt die sich öffnende Schere zum Sollwert, solange noch Zeit fĂŒr Gegenmaßnahmen ist — sie ist die AusprĂ€gung, auf der Entscheidungen beruhen. ⟹8⟩

c) 2 P. Vorjahresvergleichswerte ermöglichen den Year-to-Date-Vergleich mit einem realen, saisonbehafteten Verlauf und dienen als Datengrundlage der Prognose. ⟹9⟩ Saisonmuster in die Planwerte hineinzumodellieren wĂ€re aufwendig und scheingenau — statt das WeihnachtsgeschĂ€ft in die Plangerade zu malen, vergleicht man den Monat schlicht mit demselben Monat des Vorjahres. ⟹10⟩

⟹+1⟩ Der Praxis-Reservepunkt: Was eine Kennzahl erfolgreich macht, ist die Intervention — Soll, Plan und Prognose entfalten Steuerungswirkung erst, wenn hinter der sich öffnenden Schere konkrete Maßnahmen mit den drei PrĂŒffragen stehen: Was tun wir, was kostet es, was ist der Zielbeitrag.

Kennzahlensysteme als Regelkreise — die Kybernetik-Falle

Die Idee, Unternehmen als selbststeuernde Regelkreise zu begreifen — automatisierte Soll-Ist-Vergleiche, die ĂŒber die „Regelstrecke" der Funktionsbereiche Störungen ausregeln —, stammt aus der Management-Kybernetik der 1950er bis 1970er Jahre. Rohleders Urteil ist vernichtend und wörtlich klausurtauglich: „Die Idee, dass sich im Unternehmen irgendetwas von alleine regelt, das ist ein sogenanntes mechanistisches Weltbild. Von allein, meine Damen und Herren, passiert da original gar nichts." Das zutiefst menschliche Verhalten von FĂŒhrungskrĂ€ften und Mitarbeitenden — persönliche Agenden, intrinsische und extrinsische Motivation — kommt in der Regelkreis-Mechanik nicht vor. „Die Management-Kybernetik ist komplett ausgestorben." Was eine Kennzahl erfolgreich macht, ist nicht der Mechanismus, sondern die Intervention: „Das zum Hörer greifende Anrufen, mit den Leuten reden."

Aufgabe #021 · 6 P. · Kennzahlensysteme als Regelkreise — die Kybernetik-Falle · 6 Punkte · Kennzahlensysteme als RegelkreiseIn einem Lehrbuch wird ein Kennzahlensystem als „selbststeuernder Regelkreis" beschrieben, in dem automatisierte Soll-Ist-Vergleiche Abweichungen ausregeln. Nehmen Sie Stellung zu diesem Konzept und begrĂŒnden Sie Ihre EinschĂ€tzung.

Das Konzept ist als Beschreibung der UnternehmensrealitĂ€t abzulehnen, auch wenn sein historischer Reiz nachvollziehbar ist. Die Regelkreis-Vorstellung entstammt der Management-Kybernetik der Nachkriegsjahrzehnte und ĂŒbertrĂ€gt ein technisches Modell — FĂŒhrungsgrĂ¶ĂŸe, Regelstrecke, StörgrĂ¶ĂŸe, RĂŒckkopplung — auf soziale Systeme. ⟹1⟩ Genau darin liegt der Fehler: Sie unterstellt ein mechanistisches Weltbild, in dem Abweichungen sich „von allein" korrigieren, wĂ€hrend in Unternehmen Menschen mit eigenen Zielen, Agenden und Motivationslagen handeln, die erst zum gemeinsamen Handeln gebracht werden mĂŒssen. ⟹2⟩ Der Normalbetrieb, den Prozess- und Stellenbeschreibungen abbilden, wird zudem permanent von Störungen und unplanbarem Verhalten ĂŒberlagert — die saubere Regelstrecke existiert nicht. ⟹3⟩ Empirisch ist der Ansatz entsprechend folgenlos geblieben; die Management-Kybernetik ist als Konzept ausgestorben. ⟹4⟩ Richtig am Kern bleibt allein die RĂŒckkopplungsidee: Kennzahlen machen Abweichungen sichtbar. ⟹5⟩ Wirksam wird diese Sichtbarkeit aber erst durch menschliche Intervention — durch das GesprĂ€ch mit den Verantwortlichen, nicht durch einen Automatismus. Wer mit einem „das regelt sich von alleine" argumentiert, widerspricht der betrieblichen Erfahrung. ⟹6⟩

⟹+1⟩ Der konstruktive Schluss als Reserve: Abzulehnen ist die Selbststeuerungs-These, nicht der Soll-Ist-Vergleich selbst — als Informationslieferant bleibt er unverzichtbar, nur die Korrektur leistet kein Regelkreis, sondern FĂŒhrung: Menschen mĂŒssen zum gemeinsamen Handeln gebracht werden, von allein passiert original gar nichts.

Benchmarking und die Balanced Scorecard — zwei Dauerbrenner, kritisch gewĂŒrdigt

Benchmarking ist der Vergleich der eigenen Performance mit vergleichbaren Performern: Sind die besser als ich — und wenn ja, wo und warum? Die praktischen Probleme liegen in der Vergleichbarkeit: Der Benchmark-Partner braucht vergleichbare GrĂ¶ĂŸe sowie Ă€hnliche Kapital- und Sachausstattung. Wo es strukturell Ă€hnliche Einheiten in Menge gibt — Rohleders Beispiel sind die Sparkassen, von denen eine spezialisierte Beratung sagen kann, „andere Sparkassen dieser GrĂ¶ĂŸe kommen mit weniger Personalkosten aus" —, funktioniert das; ohne diesen Luxus braucht es neutrale Quellen mit zuverlĂ€ssigen Vergleichsdaten. Das Best-Practice-Konzept ist die Steigerung: nicht nur vergleichen, sondern die Verfahren der Besten ĂŒbernehmen.

Die Balanced Scorecard (Kaplan/Norton) ĂŒbersetzt Vision, Mission und Strategie eines Unternehmens in Kennzahlen, „sodass alle Mitarbeiter sie verstehen und ĂŒber die Bedingungen fĂŒr gegenwĂ€rtigen und zukĂŒnftigen Erfolg informiert sind" — klassisch ĂŒber vier Perspektiven (Finanzen, Kunden, interne Prozesse, Lernen und Entwicklung), wobei Rohleder betont, dass diese vier keineswegs zwingend sind. Die Strategy Map kam historisch spĂ€ter hinzu und liefert die WirkungszusammenhĂ€nge: Was verbessert unsere wesentliche Kennzahl — die mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Finanzkennzahl wie der ROI bleibt? Seine Praxiskritik gehört in jede Bewertungsaufgabe: Viele Scorecards wirken „stumpf irgendwie vom Himmel gefallen", ohne dass Vision, Mission oder Strategie durchscheinen — und: „Ich habe schon so viele Balanced Scorecards eingefĂŒhrt gesehen, und nichts hat sich verbessert in den Unternehmen, außer mehr Reporting." Wer das Instrument empfiehlt, muss also den systematischen Ableitungsprozess aus der Strategie ernst nehmen — sonst produziert es nur Ampelbilder.

Dazu zwei FĂŒhrungs-Vokabeln aus Teil 4, die er im Kennzahlen-Kontext platziert: Der „Affe auf der Schulter" — man lĂ€sst sich von jemandem dessen Problem aufladen und wird fĂŒr eine fremde Agenda instrumentalisiert. Und die RĂŒckdelegation als Killerargument: „Sie machen einen guten Vorschlag und kriegen sofort gesagt: Dann setz es doch um. So macht man Leute mundtot" — die sofortige Überforderung erstickt die Verbesserungsidee.

Aufgabe #022 · 12 P. · Benchmarking und die Balanced Scorecard — zwei Dauerbrenner, kritisch gewĂŒrdigt · 12 Punkte · Balanced Scorecarda) 4 P. ErlĂ€utern Sie Grundidee und Aufbau der Balanced Scorecard nach Kaplan und Norton.
b) 4 P. ErlĂ€utern Sie, welche Rolle die Strategy Map dabei spielt und warum sie dem KennzahlengerĂŒst logisch vorausgeht.
c) 4 P. WĂŒrdigen Sie das Instrument kritisch: Woran scheitert die Balanced Scorecard in der Praxis hĂ€ufig, und unter welchen Bedingungen stiftet sie Nutzen?

a) 4 P. Die Balanced Scorecard ĂŒbersetzt Vision, Mission und Strategie eines Unternehmens in ein ĂŒberschaubares Set von Kennzahlen, damit alle Mitarbeitenden verstehen, woran gegenwĂ€rtiger und kĂŒnftiger Erfolg hĂ€ngt. ⟹1⟩ „Balanced" ist sie, weil sie die einseitig finanzielle Sicht um weitere Blickwinkel ergĂ€nzt — klassisch die vier Perspektiven Finanzen, Kunden, interne Prozesse sowie Lernen und Entwicklung. ⟹2⟩ Diese Vierteilung ist Konvention, nicht Pflicht: Die Perspektiven sollen zum GeschĂ€ft passen, nicht umgekehrt. ⟹3⟩ Je Perspektive werden wenige Kennzahlen mit Soll-AusprĂ€gungen hinterlegt, hĂ€ufig in Ampeldarstellung berichtet. ⟹4⟩

b) 4 P. Die Strategy Map macht die unterstellten WirkungszusammenhĂ€nge explizit: Sie zeichnet, ĂŒber welche Treiber — etwa Mitarbeiterqualifikation ĂŒber ProzessqualitĂ€t und Kundenzufriedenheit — die wesentliche Spitzenkennzahl verbessert wird, die am Ende mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Finanzkennzahl wie der ROI ist. ⟹5⟩ Sie geht dem KennzahlengerĂŒst logisch voraus, weil erst die Wirkungshypothesen bestimmen, welche GrĂ¶ĂŸen es ĂŒberhaupt zu messen lohnt. ⟹6⟩ Eine Scorecard ohne Strategy Map ist eine Kennzahlensammlung ohne BegrĂŒndung — genau die Sorte, die „vom Himmel gefallen" wirkt. ⟹7⟩ Historisch kam die Strategy Map zwar nach der Scorecard, konzeptionell repariert sie deren grĂ¶ĂŸte SchwĂ€che. ⟹8⟩

c) 4 P. In der Praxis scheitert das Instrument regelmĂ€ĂŸig daran, dass der Ableitungsprozess aus der Strategie ĂŒbersprungen wird: Die Scorecard wird als Formular eingefĂŒhrt, nicht als ĂŒbersetzte Strategie, und produziert dann vor allem zusĂ€tzliches Reporting — mehr Ampeln, mehr Besprechungen, keine Verbesserung. ⟹9⟩ Auch die versprochene „Balance" bleibt oft unklar, wenn niemand begrĂŒnden kann, wie die Perspektiven gegeneinander gewichtet sind. ⟹10⟩ Nutzen stiftet die Scorecard unter zwei Bedingungen: wenn die Kennzahlen nachweisbar aus Strategie und WirkungszusammenhĂ€ngen abgeleitet sind und wenn hinter jeder Kennzahl gelebte Verantwortung samt Intervention steht — Kennzahlen verbessern nichts, solange niemand zum Hörer greift. ⟹11⟩ Wer beides nicht leisten kann oder will, verschwendet mit der EinfĂŒhrung schlicht zwei Jahre — dann ist der Verzicht die ehrlichere Entscheidung. ⟹12⟩

⟹+1⟩ Die Benchmarking-Parallele als Reserve: Auch das zweite Dauerbrenner-Instrument scheitert an derselben Stelle — ohne strukturell vergleichbare Partner (Rohleders Sparkassen-Beispiel) liefert Benchmarking keine belastbaren Zahlen, so wie die Scorecard ohne Strategy Map nur ein Formular ist; beide Instrumente stehen und fallen mit ihrer Herleitung, nicht mit ihrer Optik.

Rohleders Erwartung: In Bewertungsaufgaben zu Management-Instrumenten will er nie Begeisterung und nie Verriss, sondern den Mechanismus: was das Instrument leisten soll, woran es praktisch scheitert, unter welchen Bedingungen es funktioniert. Seine eigenen Formulierungen — „mechanistisches Weltbild", „außer mehr Reporting hat sich nichts verbessert", „was eine Kennzahl erfolgreich macht, ist die Intervention" — sind dabei die Punktebringer, sofern sie argumentativ eingebettet und nicht bloß zitiert werden.

1. F6 · "Ein Gewinn fĂŒr alle!" — Original-Klausur 11.07.2025

Aufgabe #023 · 8 P. · Original: F6 — „Ein Gewinn fĂŒr alle!""Der Gewinn" ist ein schillernder Begriff. ErlĂ€utern Sie systematisch und ausfĂŒhrlich, was "Gewinn" im Sprachgebrauch alles bedeuten kann; ergĂ€nzen Sie die tatsĂ€chlichen Fachbegriffe. Erwartung: vier unterschiedliche Bedeutungen.
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • Merke: 'Gewinn' = ein Wort, aber je nach Rechenkreis eine andere Grösse. Vier Ebenen von aussen (Bilanz) nach innen (einzelnes Produkt) durchgehen.
  • 1) Handelsrechtlich / GuV: ErtrĂ€ge minus Aufwendungen -> Fachbegriff JahresĂŒberschuss (bzw. Jahresfehlbetrag); WeiterfĂŒhrung Bilanzgewinn/Reingewinn. 'Das, was unterm Strich ĂŒbrig bleibt.'
  • 2) Kostenrechnerisch / KLR: Leistungen minus Kosten -> Fachbegriff Betriebsergebnis (kalkulatorischer Gewinn, enthĂ€lt kalk. Unternehmerlohn + kalk. Zinsen). 'Was der Betrieb mit seinem eigentlichen GeschĂ€ft verdient.'
  • 3) Teilkostenrechnung: Umsatzerlöse minus variable Kosten -> Fachbegriff Deckungsbeitrag (StĂŒck-DB = Preis minus variable StĂŒckkosten). 'Was ein Produkt beitrĂ€gt, bevor Fixkosten gedeckt sind.'
  • 4) Kalkulation / Angebotspreis: Aufschlag auf die Selbstkosten -> Fachbegriff Gewinnzuschlag / Gewinnspanne. Gewinn = Selbstkosten x Gewinnzuschlagssatz. 'Der Betrag, den man auf die eigenen Kosten draufrechnet.'
  • Formeln je Ebene mit einer Zahl anreissen, Fachbegriff fett nennen, in 1 Satz abgrenzen. Genau 4 Bedeutungen, nicht mehr.
  • Abgrenzungssatz zum Schluss: gleicher Umgangsbegriff, aber unterschiedlicher Rechenkreis (extern vs. intern), unterschiedlicher Kostenbegriff (Aufwand vs. Kosten) und unterschiedlicher Bezug (Gesamtunternehmen vs. StĂŒck).
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Rechenkreis: Ein Unternehmen fĂŒhrt mehrere Rechnungen parallel. Die eine ist fĂŒr das Finanzamt und die Öffentlichkeit (Bilanz/GuV), die andere nur fĂŒr die Chefin intern, um zu steuern (Kostenrechnung). Beide nennen ihr Ergebnis 'Gewinn' — meinen aber verschiedene Zahlen.
  • Ertrag vs. Aufwand vs. Kosten: 'Aufwand/Ertrag' sind die Begriffe der offiziellen Buchhaltung. 'Kosten/Leistung' sind die internen Begriffe, die nur den eigentlichen GeschĂ€ftszweck betreffen. Deshalb kommen unterschiedliche Gewinne heraus.
  • JahresĂŒberschuss = was am Jahresende offiziell ĂŒbrig bleibt (alle Einnahmen minus alle Ausgaben laut Buchhaltung). Das ist der Gewinn, von dem der Volksmund spricht.
  • Kalkulatorischer Unternehmerlohn / kalk. Zinsen: fiktive Kosten. Ein SelbststĂ€ndiger zahlt sich kein Gehalt wie ein Angestellter, aber seine Arbeit hat trotzdem einen Wert. Diesen Wert rechnet die interne Rechnung als Kosten mit ein, damit man sieht, ob sich das GeschĂ€ft wirklich lohnt.
  • Variable vs. fixe Kosten: variable Kosten steigen mit jedem verkauften StĂŒck (Material), fixe Kosten fallen sowieso an (Miete), egal ob man 1 oder 1000 StĂŒck verkauft.
  • Deckungsbeitrag: Verkaufspreis minus die Kosten, die nur wegen dieses einen StĂŒcks entstehen. Dieser Rest muss erst die Fixkosten (Miete, GehĂ€lter) 'abdecken' — was danach noch bleibt, ist echter Gewinn. Name kommt von 'deckt die Fixkosten'.
  • Selbstkosten: alles, was ein Produkt das Unternehmen insgesamt kostet, bis es verkaufsfertig ist.
  • Gewinnzuschlag: der Prozent-Aufschlag, den man beim Preisberechnen oben draufpackt, damit am Ende auch etwas verdient wird. Beispiel: Kostet mich 100 Euro, ich schlage 20% drauf, verkaufe fĂŒr 120 Euro — die 20 Euro sind der Gewinnzuschlag.
📝 Ausformulierte Lösung

Das Wort "Gewinn" wird umgangssprachlich fĂŒr ganz verschiedene Ergebnisgrössen benutzt. Je nachdem, in welchem Rechenkreis man sich befindet und worauf man den Gewinn bezieht, steht dahinter ein anderer Fachbegriff. Systematisch lassen sich vier Bedeutungen unterscheiden — von aussen (Gesamtunternehmen, Bilanz) nach innen (einzelnes Produkt):

1. Der handelsrechtliche Gewinn → JahresĂŒberschuss

Umgangssprachlich: "Die Firma hat dieses Jahr Gewinn gemacht — das, was unterm Strich ĂŒbrig bleibt."

Gemeint ist das Ergebnis der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) im externen Rechnungswesen. Alle ErtrĂ€ge (E) werden allen Aufwendungen (A) gegenĂŒbergestellt:

JahresĂŒberschuss=ErtrĂ€ge−Aufwendungen\text{JahresĂŒberschuss} = \text{ErtrĂ€ge} - \text{Aufwendungen}

Ist das Ergebnis negativ, spricht man vom Jahresfehlbetrag. Rechnet man Gewinnvortrag/Verlustvortrag und RĂŒcklagenverĂ€nderungen hinzu, ergibt sich der Bilanzgewinn (auch Reingewinn). Dies ist der pagatorische (zahlungsorientierte) Gewinn nach HGB — die Grösse, die z. B. besteuert und ausgeschĂŒttet wird.

2. Der betriebliche/kalkulatorische Gewinn → Betriebsergebnis

Umgangssprachlich: "Was der Betrieb mit seiner eigentlichen TĂ€tigkeit verdient."

Gemeint ist das Ergebnis der Kosten- und Leistungsrechnung (KLR) im internen Rechnungswesen. Hier stehen sich Leistungen (betriebliche Erlöse) und Kosten (K) gegenĂŒber:

Betriebsergebnis=Leistungen−Kosten\text{Betriebsergebnis} = \text{Leistungen} - \text{Kosten}

Der Unterschied zu (1): Es zĂ€hlen nur betriebszweckbezogene Grössen (keine neutralen ErtrĂ€ge/Aufwendungen), und es fliessen kalkulatorische Kosten (Kkalk) ein — insbesondere kalkulatorischer Unternehmerlohn und kalkulatorische Zinsen auf das Eigenkapital. Dadurch ist dieser Gewinn ein Massstab fĂŒr den echten wirtschaftlichen Erfolg des KerngeschĂ€fts.

3. Der stĂŒckbezogene Gewinn → Deckungsbeitrag (DB)

Umgangssprachlich: "Was ein einzelnes Produkt einbringt / was an einem Verkauf hÀngen bleibt."

In der Teilkostenrechnung (Deckungsbeitragsrechnung) wird von den Umsatzerlösen nur der variable Kostenanteil abgezogen:

Deckungsbeitrag=Umsatzerlöse−variable Kosten\text{Deckungsbeitrag} = \text{Umsatzerlöse} - \text{variable Kosten}

StĂŒck-DB=Verkaufspreis p−variable StĂŒckkosten kv\text{StĂŒck-DB} = \text{Verkaufspreis } p - \text{variable StĂŒckkosten } k_v

Der Deckungsbeitrag ist kein echter Gewinn, sondern der Betrag, der zunĂ€chst die Fixkosten (Kfix) decken muss. Erst der Betrag ĂŒber den Fixkosten ist Gewinn im engeren Sinn:

Gewinn=∑DeckungsbeitrĂ€ge−Fixkosten\text{Gewinn} = \sum \text{DeckungsbeitrĂ€ge} - \text{Fixkosten}

4. Der Kalkulationsgewinn → Gewinnzuschlag / Gewinnspanne

Umgangssprachlich: "Der Aufschlag, den man auf seine Kosten draufrechnet."

In der (Angebots-)Kalkulation wird auf die ermittelten Selbstkosten ein prozentualer Gewinnzuschlag (Gewinnzuschlagssatz) aufgeschlagen, um zum Barverkaufspreis zu gelangen:

Gewinn=Selbstkosten×Gewinnzuschlagssatz\text{Gewinn} = \text{Selbstkosten} \times \text{Gewinnzuschlagssatz}

Barverkaufspreis=Selbstkosten+Gewinnzuschlag\text{Barverkaufspreis} = \text{Selbstkosten} + \text{Gewinnzuschlag}

Hier ist "Gewinn" also ein kalkulatorischer Preisbestandteil — der geplante Aufschlag, der den unternehmerischen Erfolg im Verkaufspreis sichern soll, und nicht ein bereits realisiertes Ergebnis.


Zusammenfassende Abgrenzung

Vier Mal dasselbe Alltagswort — vier verschiedene Fachbegriffe, weil sie sich in drei Punkten unterscheiden:

Bedeutung Fachbegriff Rechenkreis Bezug
1 JahresĂŒberschuss (Bilanzgewinn) extern, GuV Gesamtunternehmen, pagatorisch
2 Betriebsergebnis intern, KLR KerngeschÀft, kalkulatorisch
3 Deckungsbeitrag Teilkostenrechnung einzelnes Produkt / StĂŒck
4 Gewinnzuschlag / Gewinnspanne Kalkulation Preisbestandteil, geplant

Unterschieden wird also nach externem vs. internem Rechnungswesen, nach dem Aufwands- vs. Kostenbegriff und nach dem Bezug (ganzes Unternehmen vs. einzelnes Produkt bzw. realisiert vs. geplant).

⟹+1⟩ Die Kennzahlen-BrĂŒcke als Reserve: Welche Gewinnbedeutung gemeint ist, entscheidet ĂŒber die Kennzahl — der ROI rechnet mit dem Betriebsergebnis aus dem internen Rechenkreis, die GesamtkapitalrentabilitĂ€t mit dem JahresĂŒberschuss aus der GuV; wer „Gewinn" sagt, muss deshalb den Rechenkreis dazusagen.


2. F9 · ROI-Ermittlung (10 Punkte) — Original-Klausur 11.07.2025

⟹+1⟩ Die gemeinsame Wurzel als Reserve: Beide Korrekturen folgen demselben Prinzip — die kalkulatorische Abschreibung verteilt nur den tatsĂ€chlichen Werteverzehr (Anschaffungsausgabe minus Restwert), wĂ€hrend die kalkulatorischen Zinsen das durchschnittlich gebundene Kapital verzinsen, in dessen Durchschnitt der Restwert bis zum Laufzeitende gebunden bleibt; wer dieses Prinzip nennt, beantwortet beide Teilfragen aus einem Guss.

Aufgabe #024 · 10 P. · Original: F9 — ROI-Ermittlunga) 5 P. Warum ist es sinnvoll, den ROI anders als die GesamtkapitalrentabilitĂ€t zu definieren und beide als KPIs zu nutzen?
b) 5 P. Warum mĂŒssen bei der ROI-Ermittlung die Zinsen fĂŒr die anteilige Fremdfinanzierung des betriebsnotwendigen Kapitals zum Betriebsgewinn addiert werden?
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • === a) ROI ≠ GesamtkapitalrentabilitĂ€t, beide als KPI ===
  • Formeln hinschreiben: ROI = Betriebsgewinn / betriebsnotwendiges Kapital (intern, kalkulatorisch) vs. GesamtkapitalrentabilitĂ€t = (JahresĂŒberschuss + Fremdkapitalzinsen) / Gesamtkapital (extern, pagatorisch)
  • Grund 1 — Datenbasis: ROI kalkulatorisch, nur Betriebszweck -> um neutrale/betriebsfremde/periodenfremde/ausserordentliche Erfolge bereinigt -> misst REINE Betriebsleistung; GKR nutzt Bilanz/GuV inkl. neutralem Ergebnis
  • Grund 2 — Kapitalbasis: ROI nur betriebsnotwendiges Kapital (= betriebsnotwendiges Vermögen - Abzugskapital); GKR gesamtes Kapital inkl. nicht-betriebsnotwendigem Vermögen
  • Grund 3 — Zweck/Adressat: ROI = internes Steuerungs-KPI (Bereiche/Perioden vergleichbar, Zielvorgabe); GKR = externe Vergleichbarkeit mit fremden Unternehmen aus veröffentlichten Zahlen
  • Grund 4 — Zerlegbarkeit: ROI = UmsatzrentabilitĂ€t x Kapitalumschlag (DuPont) -> zeigt WO RentabilitĂ€t herkommt / welcher Hebel; GKR nur eine Gesamtzahl ohne Diagnose
  • Fazit-Satz: Innensicht (ROI) + Aussensicht (GKR) ergĂ€nzen sich, keine ersetzt die andere
  • === b) Warum Fremdkapitalzinsen zum Betriebsgewinn addieren ===
  • Ausgangslage: Nenner des ROI = gesamtes betriebsnotwendiges Kapital = Eigenanteil + fremdfinanzierter Anteil
  • Feststellung: Fremdkapitalzinsen sind im Betriebsgewinn schon als Kosten/Aufwand abgezogen
  • Grund 1 — Konsistenz ZĂ€hler/Nenner: Nenner enthĂ€lt den fremdfinanzierten Kapitalteil, also muss der ZĂ€hler auch den Ertrag DIESES Kapitals enthalten; Zinsen = Entgelt des Fremdkapitals -> zurĂŒckaddieren, sonst Ertrag zu klein relativ zum Kapital -> ROI systematisch zu niedrig
  • Grund 2 — FinanzierungsneutralitĂ€t: ROI soll operative RentabilitĂ€t UNABHAENGIG von der Finanzierungsstruktur zeigen; ohne RĂŒckaddition wĂŒrde hoher Fremdkapitalanteil den ROI drĂŒcken -> zwei gleich leistungsstarke Bereiche/Firmen mit anderem Verschuldungsgrad wĂ€ren nicht vergleichbar
  • Grund 3 — Trennung Leistung/Finanzierung: RĂŒckaddition trennt die Investitions-/Leistungsentscheidung von der Finanzierungsentscheidung -> ROI misst die Ertragskraft des eingesetzten Kapitals VOR Finanzierung (analog zur Logik +Fremdkapitalzinsen bei der GesamtkapitalrentabilitĂ€t)
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • ROI (Return on Investment): Wie viel Gewinn wirft jeder Euro ab, der im Betrieb steckt — Gewinn geteilt durch eingesetztes Kapital.
  • GesamtkapitalrentabilitĂ€t: Ähnliche Rechnung, aber aus den offiziellen Bilanzzahlen und bezogen auf das GESAMTE Kapital der Firma — das, was auch Aussenstehende sehen.
  • Betriebsgewinn (Betriebsergebnis): Der Gewinn NUR aus dem eigentlichen GeschĂ€ft, ohne Nebensachen wie ZinsertrĂ€ge oder einmalige Sondereffekte.
  • Betriebsnotwendiges Kapital: Nur das Geld/Vermögen, das man wirklich fĂŒr das KerngeschĂ€ft braucht — nicht-betriebliche Sachen (z. B. ein vermietetes GrundstĂŒck) sind rausgerechnet.
  • Kalkulatorisch vs. pagatorisch: kalkulatorisch = interne Rechengrössen fĂŒrs Steuern; pagatorisch = echte, gebuchte Zahlungen aus der offiziellen Buchhaltung.
  • Fremdkapitalzinsen: Die Miete, die man der Bank fĂŒr geliehenes Geld zahlt.
  • Zinsen zurĂŒckaddieren: Man rechnet die gezahlten Zinsen wieder drauf, damit die Kennzahl nicht davon abhĂ€ngt, ob eine Firma mit eigenem oder geliehenem Geld arbeitet — sonst wĂ€ren verschuldete Firmen unfair schlechter.
  • Kapitalumschlag: Wie oft der Umsatz das eingesetzte Kapital 'umdreht' — hoher Umschlag = mit wenig gebundenem Kapital viel Umsatz gemacht.
  • UmsatzrentabilitĂ€t: Wie viel Prozent vom Umsatz am Ende als Gewinn ĂŒbrig bleibt.
📝 Ausformulierte Lösung

Verwendete Formeln (Rohleder-Definition, internes Rechnungswesen):

ROI=Betriebsgewinnbetriebsnotwendiges KapitalROI = \frac{\text{Betriebsgewinn}}{\text{betriebsnotwendiges Kapital}}

zerlegt nach dem DuPont-Schema:

ROI=BetriebsgewinnUmsatzerlöse⏟UmsatzrentabilitĂ€t×Umsatzerlösebetriebsnotwendiges Kapital⏟KapitalumschlagROI = \underbrace{\frac{\text{Betriebsgewinn}}{\text{Umsatzerlöse}}}_{\text{UmsatzrentabilitĂ€t}} \;\times\; \underbrace{\frac{\text{Umsatzerlöse}}{\text{betriebsnotwendiges Kapital}}}_{\text{Kapitalumschlag}}

demgegenĂŒber die externe

GesamtkapitalrentabilitĂ€t=JahresĂŒberschuss+FremdkapitalzinsenGesamtkapital×100%\text{GesamtkapitalrentabilitĂ€t} = \frac{\text{JahresĂŒberschuss} + \text{Fremdkapitalzinsen}}{\text{Gesamtkapital}} \times 100\,\%

mit: betriebsnotwendiges Kapital = betriebsnotwendiges Vermögen − Abzugskapital.


a) Warum ROI anders definieren als die GesamtkapitalrentabilitÀt und beide als KPIs nutzen? (5 P.)

Beide Kennzahlen setzen zwar einen Erfolg ins VerhĂ€ltnis zum eingesetzten Kapital, unterscheiden sich aber in Datenbasis, Kapitalbasis, Zweck und Aussagekraft — deshalb ergĂ€nzen sie sich, statt sich zu ersetzen.

1. Unterschiedliche Erfolgs- und Datenbasis (Grund 1). Der ROI verwendet den Betriebsgewinn (= Betriebsergebnis) aus dem internen, kalkulatorischen Rechnungswesen. Er ist um alle neutralen Erfolge bereinigt — also um betriebsfremde (z. B. ErtrĂ€ge aus Wertpapieren), periodenfremde und außerordentliche Bestandteile. Der ROI misst dadurch die reine, operative Betriebsleistung. Die GesamtkapitalrentabilitĂ€t stĂŒtzt sich dagegen auf pagatorische GrĂ¶ĂŸen aus Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung (JahresĂŒberschuss), die das neutrale Ergebnis noch enthalten.

2. Unterschiedliche Kapitalbasis (Grund 2). Der ROI bezieht den Gewinn nur auf das betriebsnotwendige Kapital (betriebsnotwendiges Vermögen abzĂŒglich Abzugskapital) — also genau auf das Kapital, das dem eigentlichen Betriebszweck dient. Die GesamtkapitalrentabilitĂ€t rechnet mit dem gesamten in der Bilanz ausgewiesenen Kapital, einschließlich nicht betriebsnotwendiger Vermögensteile. Nur der ROI zeigt daher, wie rentabel das im KerngeschĂ€ft gebundene Kapital arbeitet.

3. Unterschiedlicher Zweck und Adressatenkreis (Grund 3). Der ROI ist ein internes Steuerungs-KPI: Weil er bereinigt und auf das Betriebsnotwendige bezogen ist, lassen sich damit Perioden, Sparten und Verantwortungsbereiche sauber vergleichen und Zielvorgaben ableiten. Die GesamtkapitalrentabilitÀt dient der externen Vergleichbarkeit: Sie beruht auf veröffentlichten Zahlen und macht das Unternehmen mit anderen Unternehmen vergleichbar.

4. Diagnosekraft durch Zerlegbarkeit (Grund 4). Der ROI lĂ€sst sich in UmsatzrentabilitĂ€t × Kapitalumschlag aufspalten und zeigt so, woraus die RentabilitĂ€t entsteht und wo der Hebel liegt (Marge oder Kapitalbindung). Die GesamtkapitalrentabilitĂ€t liefert nur eine verdichtete Gesamtzahl ohne diese Ursachenanalyse.

Fazit: Der ROI liefert die Innensicht (operative Steuerung, bereinigt, zerlegbar), die GesamtkapitalrentabilitĂ€t die Außensicht (externer Vergleich auf pagatorischer Basis). Erst beide zusammen geben ein vollstĂ€ndiges Bild — daher der parallele Einsatz.


b) Warum werden bei der ROI-Ermittlung die Zinsen fĂŒr die anteilige Fremdfinanzierung des betriebsnotwendigen Kapitals zum Betriebsgewinn addiert? (5 P.)

Ausgangslage. Das betriebsnotwendige Kapital im Nenner des ROI ist die gesamte Kapitalbindung im Betrieb — sie wird teils durch Eigenkapital, teils durch Fremdkapital finanziert. Die Fremdkapitalzinsen fĂŒr den fremdfinanzierten Teil sind bei der Ermittlung des Betriebsgewinns bereits als Kosten abgezogen worden.

1. Konsistenz von ZĂ€hler und Nenner (Grund 1). Der Nenner umfasst das gesamte betriebsnotwendige Kapital, also auch den fremdfinanzierten Anteil. Damit die Kennzahl korrekt ist, muss der ZĂ€hler den Ertrag ausweisen, den dieses gesamte Kapital erwirtschaftet hat. Die Fremdkapitalzinsen sind aber genau das Entgelt, das der fremdfinanzierte Kapitalteil verdient hat. Zieht man sie im ZĂ€hler ab, wĂ€hrend der Nenner das zugehörige Kapital weiter enthĂ€lt, ist der Bruch inkonsistent: Der Ertrag wĂ€re zu klein im VerhĂ€ltnis zum Kapital, und der ROI wĂŒrde systematisch zu niedrig ausgewiesen. Deshalb mĂŒssen die Zinsen zum Betriebsgewinn zurĂŒckaddiert werden.

2. FinanzierungsneutralitĂ€t und Vergleichbarkeit (Grund 2). Der ROI soll die operative RentabilitĂ€t des eingesetzten Kapitals messen — unabhĂ€ngig davon, wie dieses Kapital finanziert ist. Bliebe der Zinsabzug im ZĂ€hler stehen, wĂŒrde ein höherer Fremdkapitalanteil den ROI drĂŒcken, obwohl sich an der eigentlichen Betriebsleistung nichts geĂ€ndert hat. Durch die RĂŒckaddition wird die Kennzahl finanzierungsstruktur-neutral: Zwei Bereiche oder Unternehmen mit unterschiedlichem Verschuldungsgrad, aber gleicher operativer Leistung, erhalten denselben ROI und werden vergleichbar.

3. Trennung von Leistungs- und Finanzierungsentscheidung (Grund 3). Die RĂŒckaddition trennt die Investitions- bzw. Leistungsebene von der Finanzierungsebene. Der ROI drĂŒckt so die Ertragskraft des eingesetzten Kapitals vor Finanzierungskosten aus — dieselbe Logik, nach der bei der GesamtkapitalrentabilitĂ€t die Fremdkapitalzinsen zum JahresĂŒberschuss addiert werden. Die Frage „Wie gut arbeitet das Kapital im Betrieb?" wird damit sauber von der Frage „Wie ist der Betrieb finanziert?" getrennt.

⟹+1⟩ Der Steuerungs-Reservepunkt: Erst die DuPont-Zerlegung macht den ROI handlungsleitend — dieselbe RentabilitĂ€t kann aus hoher Marge bei langsamem Kapitalumschlag oder aus schmaler Marge bei schnellem Umschlag stammen, und die Gegenmaßnahmen (Preise und Kosten gegen BestĂ€nde und Kapitalbindung) sind grundverschieden.



#01 Bausteine einer Planung

Rohleders Kompass, FINA U24 · Finanzkennzahlen 1

Aufgabe #025 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · #01Was sind die wesentlichen Bausteine einer Planung?
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • Frage: Wesentliche Bausteine einer Planung?
  • Operativ = TagesgeschĂ€ft
  • Taktisch = langfristige Planung
  • Mehr gibt der Kompass hier nicht her — bewusst kurze Stichwort-Zuordnung
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Planung = im Voraus ĂŒberlegen, was das Unternehmen tun will und welches Geld dafĂŒr nötig ist. Wie ein Fahrplan fĂŒrs GeschĂ€ft.
  • Operativ = das TagesgeschĂ€ft. Also alles, was jeden Tag lĂ€uft: verkaufen, einkaufen, Rechnungen bezahlen. Der Blick auf die nĂ€chsten Wochen/Monate.
  • Taktisch = die lĂ€ngerfristige Planung. Der Blick weiter nach vorne, ĂŒber das reine TagesgeschĂ€ft hinaus.
  • Baustein = ein Teil vom Ganzen. Die Planung besteht hier also aus zwei Teilen, die man gegenĂŒberstellt.
  • Merke: das eine steuert das Heute (operativ), das andere das SpĂ€ter (taktisch).

Rohleder hÀlt im Kompass zwei Bausteine fest:

  • Operativ – das TagesgeschĂ€ft.
  • Taktisch – die langfristige Planung.

Mehr gibt der Kompass an dieser Stelle nicht her; die Antwort ist bewusst als kurze Stichwort-Zuordnung notiert. FĂŒr die Klausur reicht die GegenĂŒberstellung: der operative Baustein steuert das laufende TagesgeschĂ€ft, der taktische Baustein den lĂ€ngeren Horizont.

⟹+1⟩ Der Anschluss an #02 vervollstĂ€ndigt das Bild: Dort tritt mit Strategisch die dritte Ebene neben Operativ und Taktisch, und Rohleders Ziel ist ausdrĂŒcklich die Verschmelzung aller drei statt eines Nebeneinanders.


#02 Warum wird geplant?

Rohleders Kompass, FINA U24

Aufgabe #026 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · #02Warum ist die Frage „Warum wird geplant?" entscheidend fĂŒr den Planungsprozess?
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • Frage: Warum ist das 'Warum' entscheidend fĂŒr den Planungsprozess?
  • Oft wird geplant, ohne dass der Zweck allen klar ist
  • Keine unnötige BĂŒrokratie
  • Verschwendung von Ressourcen
  • Ziel: Verschmelzung von Strategisch, Operativ und Taktisch
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Zweck = der Grund, warum man etwas tut. Hier: Ist allen im Raum klar, WOFUER geplant wird? Oft nicht.
  • BĂŒrokratie = viel Papierkram und AblĂ€ufe, die nur Arbeit machen und nichts bringen. Planung ohne Grund erzeugt genau das.
  • Ressourcen = alles, was man einsetzt: Zeit, Geld, Leute. 'Verschwendung von Ressourcen' heisst: das alles wird vergeudet, wenn die Planung keinen Nutzen hat.
  • Strategisch = die grosse, ganz langfristige Richtung des Unternehmens (wo wollen wir in Jahren hin). Operativ = TagesgeschĂ€ft, taktisch = mittel-/langfristig dazwischen.
  • Verschmelzung dieser drei = sie sollen nicht getrennt nebeneinander laufen, sondern zusammenpassen wie ZahnrĂ€der.

Rohleders Antwort: In Unternehmungen wird manchmal geplant, ohne dass den Mitgliedern der Planungsrunde immer ganz klar ist, warum eigentlich geplant wird. Wenn der Zweck fehlt, entstehen zwei Probleme:

  • Keine unnötige BĂŒrokratie – Planung ohne Zweck erzeugt BĂŒrokratie, die vermieden werden soll.
  • Verschwendung von Ressourcen – zweckfreie Planung bindet Zeit und Mittel ohne Nutzen.

Als Zielrichtung notiert er die Verschmelzung von Strategisch, Operativ und Taktisch: Die drei Planungsebenen sollen nicht nebeneinanderher laufen, sondern zusammengefĂŒhrt werden. Die Klarheit ĂŒber das 'Warum' ist die Voraussetzung dafĂŒr.

⟹+1⟩ Das positive GegenstĂŒck liefert der Finanzplanungs-Korpus: Rohleder leitet die TeilplĂ€ne aus drei existenziellen Fragen ab, nĂ€mlich ob die Rechnungen bezahlbar sind, ob Geld verdient wird und wie viel Geld gebraucht wird, und genau solche Zweckfragen unterscheiden nĂŒtzliche Planung von BĂŒrokratie.


#03 Warum startet die operative Finanzplanung mit der Umsatzplanung?

Rohleders Kompass, FINA U24

Aufgabe #027 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · #03Warum beginnt die operative Finanzplanung hÀufig mit der Umsatzplanung?
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • Frage: Warum beginnt die operative Finanzplanung hĂ€ufig mit der Umsatzplanung?
  • Umsatz = messbare Erfolgsgrösse fĂŒr das geplante Vorhaben
  • Quantifizierbar -> natĂŒrlicher Startpunkt und Bezugsgrösse
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Umsatz = das gesamte Geld, das durch Verkauf reinkommt (Menge mal Preis), noch OHNE Abzug von Kosten. Nicht der Gewinn.
  • Erfolgsgrösse = eine Zahl, an der man ablesen kann, ob etwas gut lĂ€uft.
  • Messbar / quantifizierbar = man kann es in einer konkreten Zahl ausdrĂŒcken (z.B. Euro). Deshalb ein guter Startpunkt.
  • Bezugsgrösse = die Grundzahl, an der man alles Weitere ausrichtet. Aus dem geplanten Umsatz leitet man dann Kosten, Personal usw. ab.
  • Operative Finanzplanung = die Geldplanung fĂŒrs laufende TagesgeschĂ€ft.

Rohleders Antwort: Da der Umsatz als messbare Erfolgsgrösse fĂŒr das geplante Vorhaben geeignet ist.

Der Umsatz ist damit der natĂŒrliche Startpunkt der operativen Planung: Er ist quantifizierbar und dient als Bezugsgrösse, aus der sich die weiteren Planungsschritte ableiten lassen.

⟹+1⟩ Wie tragfĂ€hig dieser Startpunkt ist, zeigen #10 und #11 dieses Fragenkreises: Aus dem geplanten Umsatzwachstum folgen unmittelbar der Aufbau von Anlage- und Umlaufvermögen und damit die wachstumsinduzierten Investitionen, die gesamte Folgeplanung hĂ€ngt also an der UmsatzgrĂ¶ĂŸe.


#04 Rolle der Investitionsplanung in der strategischen Finanzplanung

Rohleders Kompass, FINA U24

Aufgabe #028 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · #04Welche Rolle spielt die Investitionsplanung in der strategischen Finanzplanung?
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • Frage: Rolle der Investitionsplanung in der strategischen Finanzplanung?
  • Kompass-Stichwort: Effektiv
  • Zuordnung zur EffektivitĂ€t (die richtigen Dinge tun) vs. Effizienz (Dinge richtig tun)
  • Kompass gibt nur das Schlagwort vor — Rest ist Einordnung
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Investition = grösserer Kauf, der lange genutzt wird und Geld bringen soll (z.B. Maschine, GebĂ€ude). Investitionsplanung = ĂŒberlegen, in was man solches Geld steckt.
  • Strategisch = die ganz langfristige Ausrichtung des Unternehmens.
  • Effektiv / EffektivitĂ€t = die RICHTIGEN Dinge tun (das Ziel treffen). Beispiel: die richtige Maschine ĂŒberhaupt kaufen.
  • Effizienz = die Dinge RICHTIG tun (sparsam, ohne Verschwendung). Beispiel: die Maschine dann gĂŒnstig betreiben.
  • Merke den Unterschied ĂŒber einen Satz: 'Das Richtige tun' (effektiv) vs. 'es richtig tun' (effizient). Investitionsplanung wird hier dem 'Richtigen tun' zugeordnet.

Rohleder notiert hier im Kompass nur ein einziges Stichwort: Effektiv.

Damit ist die Investitionsplanung in der strategischen Ebene der EffektivitĂ€t zugeordnet – also der Frage, ob die richtigen Dinge getan werden (im Gegensatz zur Effizienz, die das richtig Tun meint). Mehr Inhalt gibt der Kompass an dieser Stelle nicht vor; die ErgĂ€nzung zu EffektivitĂ€t/Effizienz ist Einordnung, kein Kompass-Wortlaut.

⟹+1⟩ Die BegriffsschĂ€rfung folgt in U25 #02: EffektivitĂ€t heißt, die richtigen Dinge zu tun, Effizienz, die Dinge richtig zu tun, und die Zuordnung der Investitionsplanung zum Effektiv-Pol besagt, dass strategisch zuerst ĂŒber das richtige Vorhaben entschieden wird.


#05 Unterschied operative vs. strategische Finanzplanung

Rohleders Kompass, FINA U24

Aufgabe #029 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · #05Was ist der Unterschied zwischen der operativen und der strategischen Finanzplanung?
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • Frage: Unterschied operative vs. strategische Finanzplanung?
  • Strategisch = langfristige Ziele erreichen
  • Operativ = Fokus auf kurzfristige Ziele
  • Beide sehr wichtig fĂŒr Organisationen
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Strategische Planung = die langfristigen Ziele (Jahre voraus, die grosse Richtung).
  • Operative Planung = die kurzfristigen Ziele (nĂ€chste Wochen/Monate, TagesgeschĂ€ft).
  • Merksatz fĂŒrs GedĂ€chtnis: strategisch = langfristig, operativ = kurzfristig.
  • 'Keine der beiden ist verzichtbar' = man braucht beide, das eine ersetzt das andere nicht.

Rohleders Antwort: Der Unterschied besteht darin, dass die strategische Planung die langfristigen Ziele eines Unternehmens erreicht (hat), wĂ€hrend sich die operative Planung auf die kurzfristigen Ziele eines Unternehmens konzentriert. Beide gelten als sehr wichtig fĂŒr Organisationen.

Merksatz fĂŒr die Klausur: strategisch = langfristig, operativ = kurzfristig; keine der beiden Ebenen ist verzichtbar.

⟹+1⟩ Die Trennung trĂ€gt weiter als die Definition: In #08 sortiert Rohleder auch die Zielkonflikte nach genau diesen Ebenen, operativ etwa OpportunitĂ€tskosten und Inflation, strategisch den Verschuldungsgrad, womit die Unterscheidung zum Ordnungsraster des ganzen Kapitels wird.


#06 Gesamter Cashflow (GCF) – Berechnung

Rohleders Kompass, FINA U24

Aufgabe #030 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · #06Wie wird der Gesamte Cashflow (GCF) einer Unternehmung berechnet?
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • Frage: Wie wird der Gesamte Cashflow (GCF) berechnet?
  • GCF = VerĂ€nderung der LiquiditĂ€t
  • GCF = Operativer CF + CF aus Finanzierung + CF aus Investition
  • Nach Zahlungswirkung: GCF = FMH minus FMV
  • CFI ist saldiert wegen der Desinvestitionen
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Cashflow = der tatsĂ€chliche Geldfluss, also was real an Geld rein- und rausfliesst (nicht bloss Buchungen auf dem Papier).
  • LiquiditĂ€t = wie viel Geld gerade flĂŒssig da ist, um Rechnungen zu zahlen. GCF = wie stark sich dieser flĂŒssige Geldberg im Zeitraum verĂ€ndert hat.
  • Operativer Cashflow = Geld aus dem normalen GeschĂ€ft (Verkaufen minus laufende Kosten).
  • Cashflow aus Finanzierung = Geld rund um Kredite und EigentĂŒmer: Kredit aufnehmen bringt Geld rein, Kredit zurĂŒckzahlen oder Gewinn ausschĂŒtten geht raus.
  • Cashflow aus Investition (CFI) = Geld fĂŒr grössere Anschaffungen (raus) und aus Verkauf solcher Dinge (rein).
  • FMH = Finanzmittelherkunft = woher das Geld kommt (ZuflĂŒsse). FMV = Finanzmittelverwendung = wofĂŒr Geld ausgegeben wird (AbflĂŒsse). GCF = alle ZuflĂŒsse minus alle AbflĂŒsse.
  • Saldiert = verrechnet, also Plus und Minus zusammengezĂ€hlt zu einer Netto-Zahl.
  • Desinvestition = das Gegenteil von Investition: etwas Grösseres wieder verkaufen (z.B. alte Maschine). Deshalb ist der CFI verrechnet: KĂ€ufe (raus) und VerkĂ€ufe (rein) stehen zusammen in einer Zahl.

Rohleders Antwort: Der Gesamte Cashflow entspricht der VerÀnderung der LiquiditÀt der Unternehmung und ergibt sich als Summe aus:

  • Operativem Cashflow
  • Cashflow aus Finanzierung
  • Cashflow aus Investition

Als Formel in Textform:

GCF = Operativer Cashflow + Cashflow aus Finanzierung + Cashflow aus Investition

Sortiert man die einzelnen Cashflow-Grössen nach ihrer Zahlungswirkung, lÀsst sich der Gesamte Cashflow auch als Differenz darstellen:

GCF = Finanzmittelherkunft (FMH) minus Finanzmittelverwendung (FMV)

Zusatz aus dem Kompass: Warum ist der CFI (Cashflow aus Investition) eine saldierte Grösse? – Wegen der Desinvestitionen. Der Investitions-Cashflow enthĂ€lt nicht nur Auszahlungen fĂŒr Investitionen, sondern wird mit den Einzahlungen aus Desinvestitionen verrechnet (saldiert).

⟹+1⟩ Ein Abgrenzungssatz sichert ab: Der GCF misst die VerĂ€nderung der LiquiditĂ€t und nicht den Erfolg, denn erfolgswirksame, aber zahlungsunwirksame Posten wie Abschreibungen verĂ€ndern den Gewinn, tauchen im Cashflow aber nicht auf.


#07 Drei Hauptkomponenten der Finanzmittelherkunft

Rohleders Kompass, FINA U24

Aufgabe #031 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · #07Welche drei Hauptkomponenten umfasst die Finanzmittelherkunft?
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • Frage: Drei Hauptkomponenten der Finanzmittelherkunft?
  • EK (Eigenkapital)
  • FK (Fremdkapital)
  • Umsatzerlöse
  • Innenfinanzierung (Umsatz) + Aussenfinanzierung (EK/FK)
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Finanzmittelherkunft = woher das Geld eines Unternehmens ĂŒberhaupt kommt (die Geldquellen).
  • EK = Eigenkapital = das Geld, das den EigentĂŒmern selbst gehört (eigenes Geld / einbehaltene Gewinne), keine Schulden.
  • FK = Fremdkapital = geliehenes Geld, das man zurĂŒckzahlen muss (z.B. Bankkredit).
  • Umsatzerlöse = das Geld, das durch Verkaufen reinkommt.
  • Innenfinanzierung = Geld kommt aus dem Unternehmen selbst (aus dem Umsatz). Aussenfinanzierung = Geld kommt von aussen rein (EigentĂŒmer legen ein = EK, oder Bank leiht = FK).

Rohleders Antwort – drei Komponenten:

  • EK (Eigenkapital)
  • FK (Fremdkapital)
  • Umsatzerlöse

Die Finanzmittel eines Unternehmens stammen also aus der Innenfinanzierung ĂŒber Umsatzerlöse sowie aus der Aussenfinanzierung ĂŒber Eigen- und Fremdkapital.

⟹+1⟩ Der Anschluss an #06 macht die Liste operativ: Stellt man dieser Finanzmittelherkunft die Finanzmittelverwendung gegenĂŒber, ergibt der Saldo genau den Gesamten Cashflow, die drei Komponenten sind also die Zuflussseite der GCF-Rechnung.


#08 Typische Zielkonflikte in der Finanzplanung

Rohleders Kompass, FINA U24

Aufgabe #032 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · #08Was sind typische Zielkonflikte, die in der Finanzplanung auftreten können?
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • Frage: Typische Zielkonflikte in der Finanzplanung?
  • Operativ: OpportunitĂ€tskosten; Inflation
  • Strategisch: zusĂ€tzliches EK; Machtverlust durch weitere EK-Geber
  • Strategisch: optimaler Verschuldungsgrad — Leveragerisiko vs. Leverageeffekt
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Zielkonflikt = zwei Ziele, die man nicht beide gleichzeitig voll erreichen kann; das eine geht auf Kosten des anderen.
  • OpportunitĂ€tskosten = der entgangene Nutzen der Alternative. Nimmst du Weg A, verlierst du den Vorteil von Weg B. 'Kosten' im Sinn von verpasster Chance.
  • Inflation = das Geld wird mit der Zeit weniger wert; dieselbe Summe kauft spĂ€ter weniger.
  • ZusĂ€tzliches EK aufnehmen = neue MiteigentĂŒmer holen, die Geld reinbringen. Bringt Geld, aber siehe nĂ€chster Punkt.
  • Machtverlust durch weitere EK-Geber = neue MiteigentĂŒmer dĂŒrfen mitreden/mitbestimmen; der alte EigentĂŒmer hat dann weniger allein zu sagen.
  • Verschuldungsgrad = wie viel Fremdkapital (Schulden) im VerhĂ€ltnis zum Eigenkapital drinsteckt. 'Optimal' = das beste Mass zwischen Vorteil und Risiko.
  • Leverageeffekt (Hebel) = mit gĂŒnstigem Kredit kann man die Rendite auf das eigene Geld erhöhen, solange das GeschĂ€ft mehr abwirft als der Kredit kostet.
  • Leveragerisiko = die Kehrseite: mehr Schulden = mehr Gefahr, wenn es schlecht lĂ€uft (Zinsen mĂŒssen trotzdem gezahlt werden).

Rohleder unterscheidet operative und strategische Zielkonflikte:

Operativer Zielkonflikt:

  • OpportunitĂ€tskosten
  • Inflation

Strategischer Zielkonflikt:

  • ZusĂ€tzliches EK (Aufnahme von zusĂ€tzlichem Eigenkapital)
  • Machtverlust durch weitere EK-Geber
  • Optimaler Verschuldungsgrad: Leveragerisiko vs. Leverageeffekt

Der letzte Punkt bringt den Kern des strategischen Konflikts auf den Punkt: Mehr Fremdkapital kann ĂŒber den Leverageeffekt die Eigenkapitalrendite steigern, erhöht aber zugleich das Leveragerisiko.

⟹+1⟩ Der strategische Kernkonflikt hat im Korpus ein eigenes Fundament: Der Leverageeffekt hebelt die Eigenkapitalrendite nur, solange die Gesamtkapitalrendite ĂŒber dem Fremdkapitalzins liegt, und genau diese Bedingung macht aus dem Hebel zugleich das Risiko.


#09 Lösung von Zielkonflikten

Rohleders Kompass, FINA U24

Aufgabe #033 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · #09Wie können Zielkonflikte in der Finanzplanung gelöst werden (Lösungen)?
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • Frage: Wie können Zielkonflikte gelöst werden?
  • 1. Zielkonflikte ermitteln und aufschreiben
  • 2. Priorisieren
  • 3. Verzicht auf einzelne Ziele (im Wissen, sie nicht erreichen zu können)
  • Kern: sichtbar machen, priorisieren, bewusst verzichten
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Zielkonflikt = zwei Ziele, die sich gegenseitig im Weg stehen (siehe #08).
  • Schritt 1 'ermitteln und aufschreiben' = die Konflikte erst mal sichtbar/schwarz auf weiss machen, statt sie zu ignorieren.
  • Priorisieren = eine Rangfolge bilden, was am wichtigsten ist und zĂŒrst kommt.
  • Verzicht = bewusst auf ein Ziel verzichten, weil man weiss, dass man nicht alles gleichzeitig schaffen kann.
  • Kernidee: nicht alle Konflikte magisch auflösen, sondern sichtbar machen, ordnen und eine bewusste Entscheidung treffen.

Rohleders Drei-Schritt-Vorgehen:

  1. Zielkonflikte ermitteln und aufschreiben – die Konflikte werden zunĂ€chst sichtbar gemacht.
  2. Priorisieren – die Ziele werden in eine Rangfolge gebracht.
  3. Verzicht auf einzelne Ziele – mit dem Wissen, einzelne Ziele nicht erreichen zu können, wird bewusst auf sie verzichtet.

Die Lösung besteht also nicht darin, alle Konflikte aufzulösen, sondern sie transparent zu machen, zu priorisieren und bewussten Verzicht zu leisten.

⟹+1⟩ Ein Anwendungsbeispiel aus #08 macht das Vorgehen konkret: Wer zusĂ€tzliches Eigenkapital priorisiert, verzichtet bewusst auf ungeteilte Kontrolle, wer den Machterhalt priorisiert, verzichtet auf die Kapitalzufuhr, ein Drittes gibt es in diesem Konflikt nicht.


#10 Auswirkungen von Umsatzwachstum auf Anlage- und Umlaufvermögen

Rohleders Kompass, FINA U24

Aufgabe #034 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · #10Welche Auswirkungen hat Umsatzwachstum auf das Anlage- und Umlaufvermögen eines Unternehmens?
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • Frage: Auswirkungen von Umsatzwachstum auf AV und UV?
  • Kompass-PrĂ€misse: Umschlagserhöhung wird ausser Acht gelassen
  • UmschlagshĂ€ufigkeit konstant angenommen
  • Folge: AV und UV wachsen mit dem Umsatz proportional mit
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Umsatzwachstum = der Verkauf/Umsatz steigt, das Unternehmen wird grösser.
  • Anlagevermögen (AV) = Dinge, die man lĂ€nger behĂ€lt und nutzt: Maschinen, GebĂ€ude, Fahrzeuge.
  • Umlaufvermögen (UV) = Dinge, die schnell durchlaufen: Warenlager, offene Kundenrechnungen, Geld auf dem Konto.
  • UmschlagshĂ€ufigkeit / Umschlag = wie oft sich etwas im Jahr 'umdreht', z.B. wie oft das Lager komplett verkauft und neu befĂŒllt wird. Höher = das gleiche Vermögen schafft mehr Umsatz.
  • PrĂ€misse = eine bewusst gesetzte Annahme, unter der man rechnet. Hier: der Umschlag verbessert sich NICHT (bleibt konstant).
  • Folge: Wenn keine Effizienz durch schnelleren Umschlag dazukommt, mĂŒssen AV und UV im gleichen Takt mitwachsen wie der Umsatz (proportional = im gleichen VerhĂ€ltnis).

Der Kompass hÀlt als entscheidende PrÀmisse fest: Umschlagserhöhung wird ausser Acht gelassen.

Das bedeutet: Bei der Betrachtung wird angenommen, dass sich die UmschlagshĂ€ufigkeit nicht verbessert (konstant bleibt). Unter dieser Annahme mĂŒssen Anlage- und Umlaufvermögen mit steigendem Umsatz proportional mitwachsen, weil kein zusĂ€tzlicher Effizienzgewinn ĂŒber eine höhere Umschlagszahl das Wachstum abfĂ€ngt. Der Kompass belĂ€sst es bewusst bei dieser Kernaussage; darauf baut #11 (wachstumsinduzierte Investitionen) auf.

⟹+1⟩ Der „gilt nur wenn"-Charakter der PrĂ€misse ist der Zusatzpunkt: Sobald die UmschlagshĂ€ufigkeit steigt, bricht die ProportionalitĂ€t, denn dann trĂ€gt dasselbe Vermögen mehr Umsatz, und genau diesen Hebel benennt #11 mit ProduktivitĂ€t und höherer Umschlagszahl.


#11 Wachstumsinduzierte Investitionen

Rohleders Kompass, FINA U24

Aufgabe #035 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · #11Was versteht man unter wachstumsinduzierten Investitionen?
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • Frage: Was sind wachstumsinduzierte Investitionen?
  • Kompass-Stichworte: Erhöhung der ProduktivitĂ€t
  • Auch hier wieder: höhere Umschlagszahl
  • Durch Umsatzwachstum ausgelöste Investitionen
  • KnĂŒpft an #10 an (dort Umschlagserhöhung ausgeklammert)
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Wachstumsinduziert = durch das Wachstum ausgelöst/verursacht. Also Investitionen, die nötig werden, WEIL das Unternehmen wĂ€chst.
  • Investition = grössere Anschaffung, die lĂ€nger genutzt wird (Maschine, Anlage), um mehr leisten zu können.
  • ProduktivitĂ€t = wie viel Leistung man aus dem Einsatz herausholt (z.B. Umsatz pro Mitarbeiter oder pro Maschine). Erhöhung = mehr Ergebnis bei gleichem Einsatz.
  • Umschlagszahl / höhere Umschlagszahl = das Vermögen dreht sich öfter um, schafft also mehr Umsatz je Euro. Hebel, um Wachstum mit weniger zusĂ€tzlichem Kapital zu stemmen.
  • Zusammenhang zu #10: dort wurde die Umschlagserhöhung ausgeklammert, hier ist sie genau der Hebel, mit dem man Wachstum gĂŒnstiger schafft.

Rohleder notiert hier zwei Stichworte:

  • Erhöhung der ProduktivitĂ€t (letzter Punkt)
  • Auch hier wieder höhere Umschlagszahl

Wachstumsinduzierte Investitionen sind also Investitionen, die durch das Umsatzwachstum ausgelöst werden. Der Kompass verweist als Hebel erneut auf die höhere Umschlagszahl und die ProduktivitĂ€tserhöhung: Wenn diese greifen, lĂ€sst sich zusĂ€tzliches Wachstum mit relativ weniger Kapitaleinsatz stemmen. Die Notiz knĂŒpft direkt an #10 an, wo die Umschlagserhöhung ausdrĂŒcklich ausgeklammert wurde. Da der Kompass hier nur Stichworte fĂŒhrt, bleibt die Antwort knapp.

⟹+1⟩ Die Planungsfolge liegt auf der Hand: Weil mit dem Umsatz auch Anlage- und Umlaufvermögen wachsen mĂŒssen (#10), erzeugt jedes Wachstum einen Finanzierungsbedarf, der ĂŒber die Finanzmittelherkunft aus #07, also Eigenkapital, Fremdkapital oder Umsatzerlöse, zu decken ist.


#12 Gleichgewichtiges Umsatzwachstum (balanced growth)

Rohleders Kompass, FINA U24

Aufgabe #036 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · #12Was ist das gleichgewichtige Umsatzwachstum?
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • Frage: Was ist gleichgewichtiges Umsatzwachstum?
  • Balanced growth: alle wichtigen makroökonomischen Grössen mit gleicher und konstanter Wachstumsrate
  • Genannt: Volkseinkommen, Investition, Sparen, Konsum, Kapitalbestand
  • Quelle: Gabler Wirtschaftslexikon
  • Zusatz: bei konstantem Wachstum kein Nutzen des Leverageeffekts
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Gleichgewichtig / balanced growth = alle wichtigen Grössen wachsen im selben Tempo, das VerhĂ€ltnis zwischen ihnen bleibt gleich (nichts lĂ€uft davon oder hinterher).
  • Makroökonomisch = die grosse volkswirtschaftliche Ebene (ganze Wirtschaft/Land), nicht ein einzelnes Unternehmen.
  • Wachstumsrate = um wie viel Prozent etwas pro Jahr zunimmt. 'Gleich und konstant' = jedes Jahr derselbe Prozentwert, fĂŒr alle Grössen der gleiche.
  • Volkseinkommen = das gesamte Einkommen einer Volkswirtschaft. Kapitalbestand = alle vorhandenen Maschinen/Anlagen/GebĂ€ude zusammen. Sparen/Konsum/Investition = grosse Geld-Ströme in der Wirtschaft.
  • Gabler Wirtschaftslexikon = ein bekanntes Nachschlagewerk fĂŒr Wirtschaftsbegriffe (nur die Quellenangabe).
  • Zusatz: bei konstantem, ruhigem Wachstum wird der Kredit-Hebel (Leverageeffekt, siehe #08) NICHT als extra Wachstumsmotor genutzt.

Rohleders Antwort: Gleichgewichtiges Wachstum (balanced growth) liegt vor, wenn sich alle wichtigen makroökonomischen Grössen mit der gleichen und konstanten Wachstumsrate entwickeln. Genannt werden:

  • Volkseinkommen
  • Investition
  • Sparen
  • Konsum
  • Kapitalbestand

(Als Fundstelle nennt der Kompass das Gabler Wirtschaftslexikon.)

Zusatz-Notiz Rohleders: Bei konstantem Wachstum erfolgt kein Nutzen des Leverageeffekts. Im Gleichgewicht wird der Fremdkapitalhebel also nicht als Wachstumstreiber eingesetzt.

⟹+1⟩ Die Zusatznotiz verbindet sich mit #08: Wenn im gleichgewichtigen Wachstum der Leverageeffekt nicht genutzt wird, entschĂ€rft sich genau der dort beschriebene strategische Zielkonflikt zwischen Hebelwirkung und Leveragerisiko von selbst.


#13 Berechnung des gleichgewichtigen Wachstums

Rohleders Kompass, FINA U24

Aufgabe #037 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · #13Wie lÀsst sich das gleichgewichtige Wachstum berechnen (Berechnung)?
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • Frage: Wie lĂ€sst sich das gleichgewichtige Wachstum berechnen?
  • Kompass stellt die Frage, lĂ€sst die Antwort/Formel aber LEER
  • Keine von Rohleder notierte Rechenformel vorhanden — nichts erfinden
  • Gesichert bleibt nur die Definition aus #12
  • Formel ggf. aus Skript/mit Julian ergĂ€nzen, nicht raten
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Wichtig: Hier steht bewusst KEINE Formel im Lernmaterial. Es wurde nichts dazugedichtet, weil sonst falsches Wissen entstĂŒnde.
  • Gleichgewichtiges Wachstum = (aus #12) alle relevanten Grössen wachsen mit demselben, konstanten Prozentsatz.
  • 'Formel leer gelassen' = fĂŒr die Klausur zĂ€hlt hier nur die Definition; die konkrete Rechnung muss aus dem Skript/mit dem Dozenten geklĂ€rt werden, nicht geraten.
  • Merke als Laie: Wenn eine Antwort im Material fehlt, ist 'ich weiss die Formel nicht sicher' ehrlicher als eine erfundene.

Wichtiger Hinweis zur Treue: Der Kompass stellt die Frage, lÀsst die Antwort/Formel an dieser Stelle aber leer. Es ist im Kompass-Dokument U24 keine ausformulierte Berechnungsvorschrift hinterlegt.

Damit hier nichts erfunden wird: Es gibt an dieser Stelle keine von Rohleder notierte Rechenformel, die wiedergegeben werden könnte. FĂŒr die Klausur bleibt als gesicherter Kompass-Inhalt nur die Definition aus #12 – gleichgewichtiges Wachstum bedeutet, dass die relevanten Grössen mit derselben, konstanten Wachstumsrate wachsen. Wenn diese Frage geuebt werden soll, ist die konkrete Formel mit Julian bzw. aus dem Vorlesungsskript zu ergĂ€nzen, nicht aus fremdem Finanzwissen zu raten.

⟹+1⟩ Als treuer PrĂŒfstein bleibt die Definition selbst: Welche Formel auch immer das Skript liefert, sie muss die Bedingung aus #12 abbilden, dass Volkseinkommen, Investition, Sparen, Konsum und Kapitalbestand mit derselben konstanten Rate wachsen, sonst ist es kein gleichgewichtiges Wachstum.


#14 Warum ist eine unterjÀhrige LiquiditÀtsplanung notwendig?

Rohleders Kompass, FINA U24

Aufgabe #038 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · #14Warum ist eine unterjĂ€hrige LiquiditĂ€tsplanung fĂŒr ein Unternehmen notwendig?
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • Frage: Warum ist unterjĂ€hrige LiquiditĂ€tsplanung notwendig?
  • FMV und FMH werden gegenĂŒbergestellt
  • Übereinstimmung in der Planungsperiode sichert NICHT die ZahlungsfĂ€higkeit wĂ€hrend der Periode
  • Jahresausgleich kann unterjĂ€hrige LĂŒcken (z. B. saisonal) verdecken
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • LiquiditĂ€t = flĂŒssiges Geld, um jederzeit Rechnungen zahlen zu können. ZahlungsfĂ€hig sein = genug Geld haben, wenn eine Zahlung fĂ€llig ist.
  • UnterjĂ€hrig = innerhalb des Jahres betrachtet (Monat fĂŒr Monat, Woche fĂŒr Woche), nicht nur als eine Jahressumme.
  • FMV = Finanzmittelverwendung = Geld, das rausgeht. FMH = Finanzmittelherkunft = Geld, das reinkommt. Man stellt beide gegenĂŒber.
  • Kernpunkt: Selbst wenn ĂŒber das ganze Jahr Ein- und Auszahlungen gleich hoch sind, kann es zwischendurch trotzdem eng werden.
  • Saisonal = je nach Jahreszeit schwankend (z.B. Eisdiele im Winter). Solche Spitzen kann eine reine Jahresrechnung verstecken; nur die feine Monatssicht deckt LĂŒcken auf.

Rohleders Antwort: Bei der LiquiditĂ€tsplanung werden Finanzmittelverwendung (FMV) und Finanzmittelherkunft (FMH) gegenĂŒbergestellt. Der entscheidende Punkt:

Wenn beide Grössen in der Planungsperiode ĂŒbereinstimmen, ist damit keineswegs sichergestellt, dass die Unternehmung auch wĂ€hrend dieser Periode stets zahlungsfĂ€hig ist.

Das ist die BegrĂŒndung fĂŒr die unterjĂ€hrige Sicht: Eine ausgeglichene Jahresrechnung kann unterjĂ€hrige LiquiditĂ€tslĂŒcken (z. B. saisonale Zahlungsspitzen) verdecken. Nur die feinere, unterjĂ€hrige Planung stellt die jederzeitige ZahlungsfĂ€higkeit sicher.

⟹+1⟩ Die MessgrĂ¶ĂŸe dazu liefert der Finanzplanungs-Korpus: Im LiquiditĂ€tsplan zeigt sich eine unterjĂ€hrige LĂŒcke als negativer kumulierter Saldo, und genau dieser Saldo, nicht die Jahressumme, entscheidet ĂŒber die jederzeitige ZahlungsfĂ€higkeit.


#15 Zwei Hauptaufgaben der LiquiditÀtsplanung

Rohleders Kompass, FINA U24

Aufgabe #039 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · #15Welche zwei Hauptaufgaben hat die LiquiditÀtsplanung?
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • Frage: Zwei Hauptaufgaben der LiquiditĂ€tsplanung?
  • Sicherung der ZahlungsfĂ€higkeit
  • Sicherung der InvestitionstĂ€tigkeit
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • LiquiditĂ€tsplanung = im Voraus planen, dass immer genug flĂŒssiges Geld da ist.
  • ZahlungsfĂ€higkeit sichern = dafĂŒr sorgen, dass man jede fĂ€llige Rechnung rechtzeitig zahlen kann (nicht pleite/zahlungsunfĂ€hig wird).
  • InvestitionstĂ€tigkeit sichern = dafĂŒr sorgen, dass auch fĂŒr nötige grössere Anschaffungen (Maschinen usw.) genug Geld bereitliegt.
  • Merke: zwei Aufgaben gleichzeitig - laufende Rechnungen zahlen UND Geld fĂŒr die Zukunft (Investitionen) ĂŒbrig haben.

Rohleders Antwort – zwei Aufgaben:

  • Sicherung der ZahlungsfĂ€higkeit
  • Sicherung der InvestitionstĂ€tigkeit

Die LiquiditĂ€tsplanung soll also einerseits die jederzeitige ZahlungsfĂ€higkeit gewĂ€hrleisten und andererseits sicherstellen, dass fĂŒr notwendige Investitionen die Mittel bereitstehen.

⟹+1⟩ Die Doppelaufgabe lĂ€sst sich mit #14 begrĂŒnden: Die ZahlungsfĂ€higkeit muss unterjĂ€hrig und jederzeit gesichert sein, und nur was darĂŒber hinaus an LiquiditĂ€t planbar frei bleibt, steht als Spielraum fĂŒr die InvestitionstĂ€tigkeit zur VerfĂŒgung.


Aufgabe #01 Betriebliche Kennzahlen 1 – Metall GmbH

Rohleders Kompass, FINA U24

Aufgabe #040 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · FINA U24ErklĂ€re in eigenen Worten: Aufgabe #01 Betriebliche Kennzahlen 1 – Metall GmbH — Rohleders AntwortschlĂŒssel (FINA U24) steht darunter.
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • Goldene Bilanzregel sinkt 90 % -> 80 %, Sollwert min. 100 % -> nicht erfĂŒllt
  • ROI = USR mal KUH; Berichtsjahr USR = 3 % / 2 = 1,50 %; Vorjahr USR = 8 % / 3 = 2,67 %
  • KUH 3 -> 2 = rund minus 33 %
  • GF-GehĂ€lter = 50 % der Gesamtaufwendungen -> zu geringer Gewinn/EK
  • ArbeitsproduktivitĂ€t 150.000 unter Betriebsvergleich 220.000 -> Umsatz pro MA zu gering
  • Fazit: Umsatz/MA steigern und GF-GehĂ€lter senken
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Kennzahl = eine berechnete Vergleichszahl, die schnell zeigt, wie gesund ein Unternehmen ist (wie ein Fieberthermometer fĂŒrs GeschĂ€ft).
  • Goldene Bilanzregel = Faustregel: langfristiges Vermögen (Anlagevermögen) soll mit eigenem, langfristigem Geld (Eigenkapital) bezahlt sein. Kennzahl = EK geteilt durch AV. Sollwert mindestens 100 % heisst: das Eigenkapital sollte das Anlagevermögen voll decken.
  • Eigenkapital (EK) = eigenes Geld der Firma (keine Schulden). Anlagevermögen (AV) = langlebige Dinge wie Maschinen/GebĂ€ude.
  • ROI (Return on Investment) = Rendite auf das eingesetzte Kapital, also wie viel Ertrag pro eingesetztem Euro. In Prozent.
  • Umsatzrendite (USR) = Gewinn geteilt durch Umsatz, mal 100. Sagt: wie viel vom Umsatz bleibt als Gewinn hĂ€ngen. 1,50 % = von 100 Euro Umsatz bleiben 1,50 Euro Gewinn.
  • KapitalumschlagshĂ€ufigkeit (KUH) = Umsatz geteilt durch Kapital. Sagt: wie oft das eingesetzte Kapital pro Jahr als Umsatz 'umgeschlagen' wird. Von 3 auf 2 = das Kapital arbeitet weniger fleissig.
  • Die Formel ROI = USR mal KUH heisst: Rendite hĂ€ngt an zwei Stellschrauben - wie viel Gewinn je Umsatz (USR) und wie oft das Kapital umgesetzt wird (KUH). Aus ROI 3 % und KUH 2 rechnet man rĂŒckwĂ€rts USR = 3/2 = 1,50 %.
  • Prozentpunkte vs. Prozent: 'rund minus 33 %' meint hier, dass die Zahl 3 auf 2 gesunken ist (ein Drittel weniger).
  • Gesamtaufwendungen = alle Kosten zusammen. Wenn Chef-GehĂ€lter (GF = GeschĂ€ftsfĂŒhrer) davon die HĂ€lfte fressen, bleibt kaum Gewinn.
  • ArbeitsproduktivitĂ€t = Umsatz geteilt durch Zahl der Mitarbeiter = Umsatz pro Kopf. 150.000 pro Kopf ist weniger als der Branchenschnitt 220.000 = jeder Mitarbeiter bringt zu wenig Umsatz.
  • Betriebsvergleich = Vergleich mit Ă€hnlichen Firmen, um die eigenen Zahlen einordnen zu können.

Goldene Bilanzregel

Die Goldene Bilanzregel nimmt gegenĂŒber dem Vorjahr ab (90 % auf 80 %). Zudem deckt das Eigenkapital weder im Berichts- noch im Vorjahr das Anlagevermögen ab (Sollwert mindestens 100 %). Die Goldene Bilanzregel ist nicht erfĂŒllt. Das Eigenkapital sollte durch höhere Gewinne gesteigert werden.

ROI und Umsatzrendite

Der Return on Investment ist das Produkt aus Umsatzrendite (USR) und KapitalumschlagshÀufigkeit (KUH):

ROI = USR mal KUH

  • Berichtsjahr: 3 % = USR mal 2 -> USR = 1,50 %
  • Vorjahr: 8 % = USR mal 3 -> USR = 2,67 % (die Lösung rundet auf 2,70 %)

ROI und Umsatzrendite sind gegenĂŒber dem Vorjahr gesunken. Der Kapitalumschlag (VerhĂ€ltnis Umsatz zu Kapital) hat sich vom Vorjahr zum Berichtsjahr von 3 auf 2 verringert – ein RĂŒckgang um rund 33 %.

GeschĂ€ftsfĂŒhrergehĂ€lter

Die GeschĂ€ftsfĂŒhrergehĂ€lter beanspruchen 50 % der Gesamtaufwendungen. Das ist eine Ursache fĂŒr den zu geringen Gewinn und damit fĂŒr das zu niedrige Eigenkapital. Eine Senkung der GeschĂ€ftsfĂŒhrergehĂ€lter wĂŒrde den Gewinn steigen lassen, sodass das Eigenkapital steigt. Dann könnten sich die Goldene Bilanzregel (EK/AV) und die KapitalumschlagshĂ€ufigkeit (Umsatz/Gesamtkapital) verbessern.

ArbeitsproduktivitÀt

Die ArbeitsproduktivitĂ€t (150.000 EUR) liegt unter der durchschnittlichen vergleichbaren ArbeitsproduktivitĂ€t des Betriebsvergleichs (220.000 EUR). Die ArbeitsproduktivitĂ€t zeigt das VerhĂ€ltnis Umsatz zu BeschĂ€ftigten. Der Umsatz pro Mitarbeiter ist zu gering – mögliche Ursachen: zu viele Mitarbeiter, zu niedrige Preise (z. B. hoher Wettbewerb) oder zu geringe Absatzmengen.

Fazit (Rohleder): Der geringe Umsatz pro Mitarbeiter mĂŒsste gesteigert werden (Preise erhöhen, Menge steigern, Zahl der Mitarbeiter senken), und die GeschĂ€ftsfĂŒhrergehĂ€lter mĂŒssten reduziert werden. Dann könnten die Gewinne steigen und damit die Umsatzrendite. Insgesamt sind Massnahmen zur Effizienz- und EffektivitĂ€tssteigerung notwendig.


Aufgabe #02 Betriebliche Kennzahlen 2 – LiquiditĂ€t, Goldene Bilanzregel, GKR

Rohleders Kompass, FINA U24

Aufgabe #041 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · FINA U24ErklĂ€re in eigenen Worten: Aufgabe #02 Betriebliche Kennzahlen 2 – LiquiditĂ€t, Goldene Bilanzregel, GKR — Rohleders AntwortschlĂŒssel (FINA U24) steht darunter.
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • FK aus Entschuldungsgrad: 0,20 = 50 / FK -> FK = 250; KFK = 250 minus 30 = 220
  • UV = 0,80 mal 220 = 176; Zahlungsmittel = 176 minus 10 minus 30 = 136
  • Bilanzsumme = 200 + 176 + 50 = 426; EK = 426 minus 250 minus 30 = 146
  • Liq. 1. Grades = 136 / 220 = 61,82 %
  • Liq. 2. Grades = 216 / 250 = 86,40 % (nicht erfĂŒllt, Soll min. 100 %)
  • Liq. 3. Grades = 226 / 220 = 102,73 %
  • Goldene Bilanzregel = 146 / 200 = 73,00 % (nicht erfĂŒllt)
  • Gewinn = 600 minus 200 minus 100 = 300; GKR = 310 / 426 = 72,77 %
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Bilanz = eine Übersicht: links (Aktiva) steht, was die Firma hat/besitzt; rechts (Passiva) steht, woher das Geld dafĂŒr kam (Eigenkapital + Schulden). Beide Seiten sind immer gleich hoch.
  • FK = Fremdkapital = Schulden. KFK = kurzfristiges Fremdkapital = Schulden, die bald fĂ€llig sind (z.B. offene Lieferantenrechnungen). Langfristiges FK = Schulden mit langer Laufzeit.
  • Entschuldungsgrad = Cashflow geteilt durch Fremdkapital. Zeigt, wie schnell die Firma ihre Schulden aus eigener Kraft (aus dem Geldzufluss) abbauen könnte. Aus 0,20 = 50/FK folgt rĂŒckwĂ€rts FK = 250.
  • Working Capital Ratio = Umlaufvermögen (UV) geteilt durch kurzfristiges Fremdkapital. UV = schnell verfĂŒgbare Mittel (Lager, Forderungen, Geld). Aus 0,80 = UV/220 folgt UV = 176.
  • Zahlungsmittel = das direkt verfĂŒgbare Geld (Kasse, Bankguthaben). Hier: UV minus Lager (VorrĂ€te) minus Forderungen.
  • Forderungen = Geld, das Kunden noch schulden (Rechnung raus, aber noch nicht bezahlt). VorrĂ€te = Warenlager. ARA/PRA = Rechnungsabgrenzung: Zahlungen, die ins falsche Jahr fallen und rechnerisch verschoben werden (ARA = wie eine Forderung, PRA = wie eine Schuld).
  • LiquiditĂ€t 1./2./3. Grades = drei Stufen 'wie gut kann die Firma kurzfristige Schulden zahlen', von streng (nur Bargeld) bis grosszĂŒgig (auch Lager). 1. Grad = nur Zahlungsmittel/KFK; 2. Grad = plus Forderungen; 3. Grad = plus VorrĂ€te. Soll beim 2. Grad mindestens 100 % sein - hier 86,4 % = nicht erfĂŒllt.
  • Goldene Bilanzregel = EK geteilt durch AV, soll mindestens 100 % sein (Eigenkapital deckt das langlebige Vermögen). Hier 73 % = nicht erfĂŒllt.
  • GuV = Gewinn-und-Verlust-Rechnung: UmsĂ€tze minus Aufwendungen = Gewinn. Hier 600 minus 200 minus 100 = 300.
  • Gesamtkapitalrendite (GKR) = (Gewinn + gezahlte Fremdkapitalzinsen) geteilt durch das gesamte Kapital, mal 100. Zeigt, wie viel das GESAMTE eingesetzte Geld (egal ob eigen oder geliehen) abwirft. Die Zinsen zĂ€hlt man dazu, weil sie ja auch ein Ertrag des Kapitals sind.
  • Leverage-Effekt (siehe #08): Wenn die GKR grösser ist als der Zinssatz fĂŒr Kredite, lohnt sich Fremdkapital - die Firma verdient mehr, als der Kredit kostet.

Schritt 0 – Fehlende Bilanzpositionen ermitteln

Working Capital Ratio: 0,80 = UV / KFK (KFK = kurzfristiges Fremdkapital)

Entschuldungsgrad: 0,20 = Cashflow / Fremdkapital = 50 / FK

Fremdkapital besteht aus langfristigem (30) und kurzfristigem Anteil:

0,20 mal (30 + KFK) = 50 -> 6 + 0,20 mal KFK = 50 -> 0,20 mal KFK = 44 -> KFK = 220

Eingesetzt in die Working Capital Ratio:

0,80 = UV / 220 -> UV = 176

Zahlungsmittel = UV - VorrÀte - Forderungen = 176 - 10 - 30 = 136

Bilanzsumme (Aktiva) = AV 200 + UV 176 + ARA 50 = 426. Das gilt auch fĂŒr die Passivseite; daraus folgt ein Eigenkapital von 426 - Fremdkapital 250 - PRA 30 = 146.

a) LiquiditÀtskennziffern

LiquiditÀt 1. Grades = Zahlungsmittel / kurzfristiges Fremdkapital mal 100

= 136 / 220 mal 100 = 61,82 %

Beurteilung: Die Zahlungsmittel sollten ausreichen, das kurzfristige Fremdkapital zu decken; es kommt aber auf die Struktur des kurzfristigen Fremdkapitals an. Zur Beurteilung sollte ein Finanzplan herangezogen werden. Die ZahlungsmittelbestÀnde sollten nicht zu hoch sein (kaum Verzinsung). Betriebs- und Zeitvergleich möglich.

LiquiditÀt 2. Grades = (Zahlungsmittel + Forderungen) / kurzfristiges Fremdkapital mal 100, wobei ARA und PRA einzubeziehen sind

= (136 + 30 + 50) / (220 + 30) mal 100 = 216 / 250 mal 100 = 86,40 %

Beurteilung: Die LiquiditĂ€t 2. Grades sollte mindestens 100 % erreichen. Ein Finanzplan ist hinzuzuziehen. In diesem Fall ist sie nicht erfĂŒllt.

LiquiditÀt 3. Grades = (Umlaufvermögen + ARA) / kurzfristiges Fremdkapital mal 100

= (176 + 50) / 220 mal 100 = 226 / 220 mal 100 = 102,73 %

Beurteilung: Knapp ĂŒber 100 %. Es mĂŒssten die VorrĂ€te in Geld umgewandelt werden, um das kurzfristige Fremdkapital zu decken.

b) Goldene Bilanzregel

Goldene Bilanzregel = Eigenkapital / Anlagevermögen mal 100

= 146 / 200 mal 100 = 73,00 %

Beurteilung: Sollte mindestens 100 % betragen. In diesem Fall nicht erfĂŒllt. Zur Beurteilung kann ein Betriebsvergleich verwendet werden.

c) Gesamtkapitalrendite

Gewinn aus der GuV = UmsÀtze - RHB-Aufwendungen - GehÀlter = 600 - 200 - 100 = 300

Gesamtkapitalrendite = (Gewinn + Fremdkapitalzinsen) / Gesamtkapital mal 100

= (300 + 10) / 426 mal 100 = 310 / 426 mal 100 = 72,77 %

Beurteilung: Die Gesamtkapitalrendite sollte grösser als der Fremdkapitalzinssatz sein. Es ist unwahrscheinlich, dass der Fremdkapitalzinssatz grösser als 72,77 % ist. Daher ist die GKR geeignet, eine positive Wirkung auf den Leverage-Effekt auszuĂŒben. ErgĂ€nzend ist ein Betriebs- und Zeitvergleich sinnvoll.


Aufgabe #03 Leverage-Effekt

Rohleders Kompass, FINA U24

Aufgabe #042 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · FINA U24ErklĂ€re in eigenen Worten: Aufgabe #03 Leverage-Effekt — Rohleders AntwortschlĂŒssel (FINA U24) steht darunter.
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • EK = 25 % von 5.000.000 = 1.250.000; FK = 3.750.000
  • EKR = GKR + (GKR minus FKZ) mal FK/EK; (GKR minus FKZ) = 15 % minus 3 % = 12 %
  • EKR vorher = 15 % + 12 % mal 3 = 51,00 %
  • FK nachher = 3.750.000 + 375.000 = 4.125.000; FK/EK = 3,3
  • EKR nachher = 15 % + 12 % mal 3,3 = 54,60 % (plus 3,6 Prozentpunkte -> lohnt sich)
  • Bedingung: GKR grösser als FKZ
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Leverage-Effekt = Hebel-Effekt: Mit geliehenem Geld (Fremdkapital) kann man die Rendite auf das EIGENE Geld steigern - solange das GeschĂ€ft mehr abwirft, als der Kredit an Zinsen kostet.
  • EK = Eigenkapital (eigenes Geld), FK = Fremdkapital (geliehenes Geld). Hier: 25 % von 5 Mio = 1,25 Mio EK, der Rest 3,75 Mio ist FK.
  • EKR = Eigenkapitalrendite = wie viel Ertrag auf das eigene eingesetzte Geld herauskommt, in Prozent.
  • GKR = Gesamtkapitalrendite = Ertrag auf das gesamte Kapital (eigen + geliehen). FKZ = Fremdkapitalzinssatz = der Prozentsatz, den man fĂŒr den Kredit an Zinsen zahlt.
  • Die Formel EKR = GKR + (GKR minus FKZ) mal FK/EK bedeutet: Grundrendite (GKR) plus einen Hebel-Zuschlag. Der Zuschlag = Differenz (GKR minus FKZ, hier 12 %) mal VerschuldungsverhĂ€ltnis FK/EK. Je mehr Schulden im VerhĂ€ltnis zum Eigenkapital, desto grösser der Hebel.
  • FK/EK = das VerhĂ€ltnis Schulden zu eigenem Geld. Von 3 auf 3,3 gestiegen = etwas mehr Hebel, deshalb EKR von 51 % auf 54,6 %.
  • Prozentpunkte = der Abstand zwischen zwei Prozentzahlen. 51 % auf 54,6 % = plus 3,6 Prozentpunkte.
  • Bedingung fĂŒr positiven Hebel: GKR muss grösser als FKZ sein. Sonst dreht der Hebel ins Minus (Schulden kosten dann mehr, als sie bringen).

a) Berechnung

Eigenkapital = 25 % von 5.000.000 EUR = 1.250.000 EUR. Das Fremdkapital betrÀgt somit 3.750.000 EUR.

  • Steigerung des Fremdkapitals um 10 % (des Gesamtkapitals) = 375.000 EUR
  • Fremdkapitalzinssatz (FKZ) = 3 %
  • Gesamtkapitalrendite (GKR) = 15 %

Eigenkapitalrendite-Formel:

EKR = GKR + (GKR - FKZ) mal FK/EK

Der Differenzterm GKR - FKZ = 15 % - 3 % = 12 %.

EKR vor Kreditaufnahme = 15 % + 12 % mal (3.750.000 EUR : 1.250.000 EUR) = 15 % + 12 % mal 3 = 15 % + 36 % = 51,00 %

Nach Kreditaufnahme steigt das Fremdkapital auf 3.750.000 + 375.000 = 4.125.000 EUR:

EKR nach Kreditaufnahme = 15 % + 12 % mal (4.125.000 EUR : 1.250.000 EUR) = 15 % + 12 % mal 3,3 = 15 % + 39,60 % = 54,60 %

Ergebnis: Die Kreditaufnahme lohnt sich fĂŒr die Kapitaleigner, da die EKR um 3,60 Prozentpunkte steigt (von 51,00 % auf 54,60 %). (Annahme: GKR bleibt bei 15 %.)

b) Bedingung fĂŒr den Leverage-Effekt

Damit der Leverage-Effekt fĂŒr die Kapitaleigner positiv ausfĂ€llt, muss die Gesamtkapitalrendite (GKR) grösser als der Fremdkapitalzinssatz sein.


Aufgabe #04 DuPont-Schema – SchokoPral-AG

Rohleders Kompass, FINA U24

Aufgabe #043 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · FINA U24ErklĂ€re in eigenen Worten: Aufgabe #04 DuPont-Schema – SchokoPral-AG — Rohleders AntwortschlĂŒssel (FINA U24) steht darunter.
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • ROI = USR mal KUH; USR = Gewinn/Umsatz mal 100; KUH = Umsatz/Kapital
  • Weg 1 (USR): Kakaopreis +10 % senkt Gewinn -> Kosten senken (Kostenanalyse), Umsatz wg. Wettbewerb kaum Ă€nderbar
  • Weg 2 (KUH): neue Energieanlage erhöht Kapital (Nenner) -> KUH sinkt; nur durch starke Kostenreduktion ĂŒberkompensierbar
  • Nutzen: Zerlegung des ROI in Bestandteile -> Schwachstellen-/Abweichungsanalyse, Steuerung, Betriebs-/Branchenvergleich
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • DuPont-Schema / Du-Pont-System = eine Art Baum, der eine Gesamtkennzahl (ROI) in ihre Bestandteile zerlegt, damit man sieht, an welcher Schraube man drehen kann.
  • ROI (Return on Investment) = Rendite auf das eingesetzte Kapital, in Prozent. Hier zerlegt in zwei Faktoren.
  • USR (Umsatzrendite) = Gewinn geteilt durch Umsatz mal 100 = wie viel vom Umsatz als Gewinn bleibt.
  • KUH (KapitalumschlagshĂ€ufigkeit) = Umsatz geteilt durch Kapital = wie oft das Kapital pro Jahr in Umsatz umgesetzt wird.
  • Formel ROI = USR mal KUH heisst: man kann den ROI ĂŒber zwei Wege verbessern - entweder mehr Gewinn je Umsatz (USR) oder das Kapital fleissiger nutzen (KUH).
  • Weg 1: Kakaopreis steigt +10 % = Kosten hoch, Gewinn runter, USR fĂ€llt. Gegenmittel: Kosten senken (Kostenanalyse = systematisch schauen, wo Geld unnötig ausgegeben wird). Umsatz lĂ€sst sich wegen Wettbewerb kaum erhöhen.
  • Nenner = die untere Zahl im Bruch. Neue Energieanlage = mehr Kapital = grösserer Nenner bei der KUH = KUH sinkt. 'Überkompensieren' = der andere Effekt (Kostensenkung) muss so stark sein, dass er das ĂŒberholt.
  • Leerkosten = Kosten fĂŒr ungenutzte KapazitĂ€t (z.B. eine Maschine, die still steht, aber trotzdem Geld kostet).
  • Nutzen des Systems: man erkennt Schwachstellen und kann durchspielen, wie sich eine Massnahme (z.B. weniger offene Kundenrechnungen) am Ende auf den ROI auswirkt.

Grundformeln

Return on Investment (ROI) = Umsatzrendite (USR) mal KapitalumschlagshÀufigkeit (KUH)

USR = Gewinn / Umsatz mal 100

KUH = Umsatz / Kapital

a) Zwei Möglichkeiten

  1. Möglichkeit (ĂŒber die Umsatzrendite): Wenn die Kakaopreise um 10 % steigen, reduziert sich der Gewinn (bei sonst gleichen Faktoren). Um den ROI dennoch zu erhöhen, sollten die Kosten gesenkt werden. Über eine Kostenanalyse lassen sich Ansatzpunkte finden (z. B. Umgestaltung der Prozesse, Leerkosten abbauen, Energie sparen, verstĂ€rktes Kostenbewusstsein bei den BeschĂ€ftigten), um die gestiegenen Kakaopreise auszugleichen. Wegen des starken Wettbewerbs besteht kaum Möglichkeit, den Umsatz zu verĂ€ndern.

  2. Möglichkeit (ĂŒber die KapitalumschlagshĂ€ufigkeit): Durch den Ersatz der alten Energieanlage steigt bei der KUH der Nenner (Kapital) an. Wenn der Umsatz (wegen des Wettbewerbs) als konstant betrachtet wird, sinkt die KUH und damit der ROI. Die gewĂŒnschte Steigerung des ROI kann nur gelingen, wenn die Kostenreduktionen so stark ausfallen, dass der Gewinn und damit die USR steigen sowie der RĂŒckgang der KUH ĂŒberkompensiert wird.

b) Nutzen des Du-Pont-Systems

Der Nutzen liegt darin, dass die einzelnen Grössen des ROI in weitere Bestandteile zerlegt werden können. Beim Gewinn können die Aufwands- und Ertragskomponenten, beim Kapital (bzw. beim betriebsnotwendigen Vermögen) das Anlage- und Umlaufvermögen untersucht werden, um eine Steigerung des ROI zu bewirken. So lassen sich Schwachstellenanalysen durchfĂŒhren und Steuerungsmassnahmen einleiten. Betriebs- und Branchenvergleiche können begleitend fĂŒr Abweichungsanalysen genutzt werden. Beim Du-Pont-System können die Wirkungen einer Massnahme (z. B. VerĂ€nderungen der Forderungen) auf den ROI ĂŒber die hierarchischen VerknĂŒpfungen geschĂ€tzt werden.


Aufgabe #05 Betriebliche Kennzahlen 3 – LandmaDyn-OHG

Rohleders Kompass, FINA U24

Aufgabe #044 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · FINA U24ErklĂ€re in eigenen Worten: Aufgabe #05 Betriebliche Kennzahlen 3 – LandmaDyn-OHG — Rohleders AntwortschlĂŒssel (FINA U24) steht darunter.
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • EK = 120 + 270 = 390
  • EK-Quote = 390 / 590 = 66,10 %
  • Forderungsquote = (220 + 20) / 590 = 40,68 %
  • Deckungsgrad I = 390 / 160 = 243,75 %
  • Deckungsgrad II = (390 + 50 + 90) / 160 = 331,25 %
  • Liq. 2. Grades = (20 + 220 + 20) / (40 + 10) = 520,00 %
  • UmschlagshĂ€ufigkeit Ford. = 1.550 / 220 = 7,05; Debitorendauer = 360 / 7,05 = 51,10 Tage
  • ArbeitsproduktivitĂ€t = 1.550.000.000 / 3.800 = 407.894,74 EUR
  • Umsatzrendite = 560 / 1.550 = 36,13 %
  • Personalaufwandsquote = 650 / 1.060 = 61,32 %
  • Messzahlreihe Personalaufwand (T1 = 100): 100 / 104,9 / 136,6 / 151,2 / 158,5
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • OHG = eine Unternehmensform, bei der mehrere Personen gemeinsam und voll haften. FĂŒr die Rechnung egal - es geht nur um die Zahlen.
  • Eigenkapitalquote = Eigenkapital geteilt durch Gesamtkapital, in Prozent. Zeigt, wie viel vom Ganzen der Firma selbst gehört (statt geliehen). 66 % = solide, ĂŒber die HĂ€lfte ist eigenes Geld.
  • Forderungsquote = Forderungen (offene Kundenrechnungen) geteilt durch das Gesamtvermögen. Zeigt, wie viel vom Vermögen noch als 'Geld, das Kunden schulden' festhĂ€ngt.
  • ARA (aktive Rechnungsabgrenzung) = Vorauszahlung, fĂŒr die die Gegenleistung erst nĂ€chstes Jahr kommt - wird wie eine Forderung behandelt.
  • Deckungsgrad I = Eigenkapital geteilt durch Anlagevermögen. Deckungsgrad II = (Eigenkapital + langfristiges Fremdkapital) geteilt durch Anlagevermögen. Frage dahinter: Ist das langlebige Vermögen mit langfristigem Geld finanziert? Über 100 % = ja, gut.
  • Langfristiges Fremdkapital = Schulden mit langer Laufzeit, hier PensionsrĂŒckstellungen (zurĂŒckgelegtes Geld fĂŒr spĂ€tere Renten der Mitarbeiter) + Darlehen (Kredit).
  • LiquiditĂ€t 2. Grades = (Zahlungsmittel + Forderungen) geteilt durch kurzfristiges Fremdkapital, mal 100 = kann die Firma ihre bald fĂ€lligen Schulden mit Geld + Forderungen decken? 520 % = sehr komfortabel.
  • UmschlagshĂ€ufigkeit der Forderungen = Umsatz geteilt durch Forderungen = wie oft im Jahr die offenen Rechnungen 'eingesammelt' und neu entstehen. Debitorendauer = 360 Tage geteilt durch diese HĂ€ufigkeit = wie viele Tage Kunden im Schnitt brauchen, bis sie zahlen (hier gut 51 Tage).
  • ArbeitsproduktivitĂ€t = Umsatz geteilt durch Zahl der BeschĂ€ftigten = Umsatz pro Mitarbeiter.
  • Umsatzrendite = Gewinn geteilt durch Umsatz, mal 100 = wie viel vom Umsatz als Gewinn bleibt.
  • Personalaufwandsquote = Personalkosten geteilt durch die gesamten Kosten, mal 100 = welchen Anteil an allen Kosten die Löhne ausmachen.
  • Messzahlreihe (Basis = 100) = man setzt das erste Jahr auf 100 und rechnet die Folgejahre als Prozent davon. 158,5 im Jahr T5 = die Personalkosten sind seit T1 um 58,5 % gestiegen. Macht Entwicklungen ĂŒber Jahre auf einen Blick vergleichbar.

a) Kennzahlen

Eigenkapital gesamt = 120 + 270 = 390.

Eigenkapitalquote = Eigenkapital / Gesamtkapital mal 100 = 390 / 590 mal 100 = 66,10 %

Forderungsquote = Forderungen / Gesamtvermögen mal 100 = (220 + 20) / 590 mal 100 = 240 / 590 mal 100 = 40,68 % (die ARA-Posten stellen Forderungen dar, weil sie durch Vorauszahlungen entstehen, die Gegenleistung aber im neuen Jahr gefordert wird).

Deckungsgrad I = Eigenkapital / Anlagevermögen mal 100 = 390 / 160 mal 100 = 243,75 % (Anlagevermögen = 80 + 50 + 20 + 10 = 160).

Deckungsgrad II = (Eigenkapital + langfristiges Fremdkapital) / Anlagevermögen mal 100 = (390 + 50 + 90) / 160 mal 100 = 530 / 160 mal 100 = 331,25 % (langfristiges Fremdkapital = PensionsrĂŒckstellungen 50 + Darlehen 90).

LiquiditĂ€t 2. Grades = (Zahlungsmittel + Forderungen) / kurzfristiges Fremdkapital mal 100 = (20 + 220 + 20) / (40 + 10) mal 100 = 260 / 50 mal 100 = 520,00 % (im ZĂ€hler Bank 20 + Forderungen 220 + ARA 20; im Nenner Verb. aLL 40 + PRA 10). Im Falle einer Liquidation könnten die ARA-Posten zurĂŒckgefordert werden, daher werden sie zu den Forderungen addiert.

Debitorendauer: zunÀchst UmschlagshÀufigkeit der Forderungen = Umsatz / Forderungen = 1.550 / 220 = 7,05.

Debitorendauer = 360 Tage / UmschlagshÀufigkeit = 360 / 7,05 = 51,10 Tage (exakt gerechnet 360 mal 220 / 1.550; bei den Forderungen wird keine ARA angesetzt, da lediglich der betriebliche Aspekt betrachtet wird).

ArbeitsproduktivitÀt = Umsatz / BeschÀftigte = 1.550.000.000 EUR / 3.800 = 407.894,74 EUR.

Umsatzrendite = Gewinn / Umsatz mal 100 = 560 / 1.550 mal 100 = 36,13 %.

Personalaufwandsquote = Personalaufwand / Gesamtaufwand mal 100 = 650 / 1.060 mal 100 = 61,32 % (Gesamtaufwand = 150 + 650 + 210 + 50 = 1.060).

b) Messzahlenreihe Personalaufwand (Basis T1 = 100)

(Der Lösungshinweis erlaubt, die Reihe wegzulassen; hier zur VollstÀndigkeit.)

Jahr Personalaufwand (Mio. EUR) Messzahl
T1 410 100,0
T2 430 104,9
T3 560 136,6
T4 620 151,2
T5 650 158,5

Interpretation (Rohleder): Die Personalaufwendungen stiegen von T1 auf T5 um 58,5 %. Eine Bewertung kann darin liegen, dass auch die ArbeitsproduktivitÀt im relevanten Zeitraum gemessen wird. Wenn die Personalaufwendungen stÀrker steigen als die ArbeitsproduktivitÀt, sollten Massnahmen eingeleitet werden, um die Personalaufwendungen zu senken und/oder die ArbeitsproduktivitÀt zu erhöhen.


Aufgabe #06 Finanzplan – Agrar GmbH

Rohleders Kompass, FINA U24

Aufgabe #045 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · FINA U24ErklĂ€re in eigenen Worten: Aufgabe #06 Finanzplan – Agrar GmbH — Rohleders AntwortschlĂŒssel (FINA U24) steht darunter.
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • Umsatz = 10 mal (0,7 mal 1,1 + 0,3 mal 1,03) = 10 mal 1,079 = 10,79 Mio. EUR
  • Aufwendungen (ohne AfA) = 7 mal 1,03 = 7,21 Mio. EUR
  • Investition 800.000; AfA neu = 80.000; FK-Aufnahme = 40 % mal 800.000 = 320.000
  • Zins = 3 % mal 320.000 = 9.600; Tilgung = 10 % mal 320.000 = 32.000
  • Einzahlungen = 300.000 + 10.790.000 + 320.000 = 11.410.000
  • Auszahlungen = 9.600 + 32.000 + 7.210.000 + 800.000 + 4.000.000 = 12.051.600
  • Kapitalbedarf = 11.410.000 minus 12.051.600 = minus 641.600 EUR
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Finanzplan = eine GegenĂŒberstellung aller Ein- und Auszahlungen fĂŒr einen Zeitraum, um zu sehen, ob genug Geld da ist oder eine LĂŒcke entsteht.
  • Umsatzberechnung 10 mal (0,7 mal 1,1 + 0,3 mal 1,03): 70 % des Umsatzes wachsen um 10 % (Faktor 1,1), 30 % wachsen um 3 % (Faktor 1,03). 'mal 1,1' heisst +10 %, 'mal 1,03' heisst +3 %. Ergebnis 10,79 Mio.
  • AfA / Abschreibung = ein grösserer Kauf wird nicht auf einmal, sondern ĂŒber die Nutzungsjahre verteilt als Kosten gebucht. 800.000 auf 10 Jahre = 80.000 pro Jahr. Wichtig: Abschreibung ist Aufwand auf dem Papier, aber KEIN echter Geldabfluss - deshalb taucht sie im Geld-Finanzplan nicht als Auszahlung auf.
  • Investition = der grössere Kauf (hier 800.000), der echtes Geld kostet und deshalb als Auszahlung im Plan steht.
  • Fremdfinanzierung / FK-Aufnahme = ein Teil der Investition wird per Kredit bezahlt: 40 % von 800.000 = 320.000 kommen als Kredit rein (Einzahlung).
  • Zins = Preis fĂŒr den Kredit, hier 3 % von 320.000 = 9.600 pro Jahr (Auszahlung). Tilgung = RĂŒckzahlung des Kredits selbst, hier 10 % von 320.000 = 32.000 pro Jahr (Auszahlung).
  • Kapitalbedarf = die LĂŒcke, wenn Auszahlungen grösser sind als Einzahlungen. Hier 11.410.000 rein minus 12.051.600 raus = minus 641.600 = so viel Geld fehlt und muss zusĂ€tzlich beschafft werden.
  • Zahlungsmittelbestand (300.000) = das Geld, das zu Beginn schon da ist - zĂ€hlt als Einzahlung/Startguthaben mit.

Schritt 1 – Voraussichtlicher Umsatz

Umsatz = 10 Mio. EUR mal (0,7 mal 1,1 + 0,3 mal 1,03) = 10 Mio. EUR mal 1,079 = 10,79 Mio. EUR

(70 % des Umsatzes wachsen mit 10 %, 30 % mit 3 %.)

Schritt 2 – Voraussichtliche Aufwendungen

Aufwendungen (ohne Abschreibungen) = 7 Mio. EUR mal 1,03 = 7,21 Mio. EUR

Schritt 3 – Investition, Abschreibung, Kapitaldienst

  • ZusĂ€tzliche Investition: 800.000 EUR
  • Abschreibung neu: 800.000 / 10 = 80.000 EUR
  • Fremdfinanzierung (Kapitaldienst-Basis): 800.000 mal 0,4 = 320.000 EUR (FK-Aufnahme)
  • Zinsaufwand: 3 % von 320.000 = 9.600 EUR p. a.
  • Tilgung: 10 % von 320.000 = 32.000 EUR p. a.

Schritt 4 – Grober Finanzplan

Einzahlungen Betrag (EUR) Auszahlungen Betrag (EUR)
Zahlungsmittelbestand 300.000 Zinsaufwand 9.600
Umsatzerlöse 10.790.000 Tilgung 32.000
Aufnahme (Fremdkapital) 320.000 Aufwendungen 7.210.000
Investition 800.000
Kauf Zulieferer 4.000.000
Summe 11.410.000 Summe 12.051.600

Ergebnis: Einzahlungen abzĂŒglich Auszahlungen = 11.410.000 - 12.051.600 = minus 641.600 EUR.

Der voraussichtliche Kapitalbedarf betrĂ€gt also rund 641.600 EUR, wenn keine Finanzierung aus dem Eigenkapitalkonto des Vorjahres berĂŒcksichtigt wird. (Hinweis: Die bisherigen Abschreibungen von 1 Mio. EUR sind laut Aufgabentext verwendbar; da die Aufwendungen ohne Abschreibungen angesetzt sind, erscheinen sie hier weder als Aus- noch als Zufluss – ob die Musterlösung sie zusĂ€tzlich als Deckung ausweist, ist ohne LösungsschlĂŒssel nicht gesichert.)


#01 ProduktivitĂ€t — Definition und Formel

Rohleders Kompass, FINA U25 · Finanzkennzahlen 2 (ProfitabilitÀt, RentabilitÀt, ROI)

Aufgabe #046 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · #01Was versteht man unter ProduktivitÀt und wie wird sie berechnet?
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • ProduktivitĂ€t = VerhĂ€ltnis von Output zu Input
  • Formel: ProduktivitĂ€t = Output / Input
  • Output = erzeugte Leistung, Input = eingesetzte Mittel
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • ProduktivitĂ€t = Wie viel kommt hinten raus, gemessen an dem, was man vorne reinsteckt. Wie bei einer Kuh: Wie viel Milch (Ergebnis) fĂŒr wie viel Futter (Einsatz).
  • Output = das, was am Ende fertig entsteht: hergestellte StĂŒcke, verkaufte Leistung, produzierte Ware.
  • Input = alles, was man dafĂŒr einsetzt: Arbeitsstunden, Material, Maschinen, Geld.
  • VerhĂ€ltnis = eine Teilung. Man teilt das Ergebnis durch den Einsatz. Kommt eine grosse Zahl raus, hat man aus wenig Einsatz viel gemacht.
  • Formel Output / Input heisst schlicht: Ergebnis geteilt durch Einsatz.

Rohleder definiert die Kennzahl ProduktivitÀt als das VerhÀltnis vom Output zum Input.

Die Formel fĂŒr die Berechnung lautet:

ProduktivitÀt = Output / Input

Merke: Es geht um das VerhĂ€ltnis von erzeugter Leistung (Output) zu den dafĂŒr eingesetzten Mitteln (Input). Mehr ist im Kompass zu dieser Frage nicht hinterlegt.

⟹+1⟩ Die Anwendungsform steht im Übungsteil von U24 bereit: Als ArbeitsproduktivitĂ€t wird der Umsatz je Mitarbeiter gerechnet und im Betriebsvergleich beurteilt, womit die abstrakte Output-Input-Relation eine konkrete, vergleichbare Gestalt bekommt.


#02 Effizienz vs. EffektivitÀt

Rohleders Kompass, FINA U25

Aufgabe #047 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · #02Was ist der Unterschied zwischen Effizienz und EffektivitÀt?
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • Effizienz = die Dinge richtig machen (z. B. schneller, ressourceneffizienter)
  • EffektivitĂ€t = die richtigen Dinge tun (strategische Orientierung an den Unternehmenszielen)
  • Effizienz = Weg/AusfĂŒhrung, EffektivitĂ€t = Richtung/Zielwahl
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Effizienz = die Sache gut und sparsam erledigen. Man macht schnell, ohne Verschwendung. Merksatz: die Dinge RICHTIG machen.
  • EffektivitĂ€t = ĂŒberhaupt das Richtige anpacken, das einen ans Ziel bringt. Merksatz: die RICHTIGEN Dinge machen.
  • ressourceneffizient = mit wenig Verbrauch von Material, Zeit, Geld arbeiten.
  • strategische Orientierung = sich vorher ĂŒberlegen, welches grosse Ziel man ansteuert, und danach handeln.
  • Bild: EffektivitĂ€t ist die richtige Leiter an die richtige Wand stellen; Effizienz ist, sie dann schnell hochzuklettern. Schnell die falsche Leiter hochzuklettern bringt nichts.

Rohleder unterscheidet die beiden Begriffe ĂŒber ihre Stoßrichtung:

  • Effizienz bedeutet, die Dinge richtig zu machen — zum Beispiel schneller oder ressourceneffizienter zu arbeiten.
  • EffektivitĂ€t bedeutet, die richtigen Dinge zu tun — zum Beispiel die strategische Orientierung zum Erreichen der Unternehmensziele.

Kurz gefasst: Effizienz betrifft die Art und Weise der AusfĂŒhrung (der Weg), EffektivitĂ€t betrifft die Auswahl des richtigen Ziels (die Richtung).

⟹+1⟩ Die Anwendung liefert U24 #04: Rohleder ordnet die strategische Investitionsplanung dem Effektiv-Pol zu, es geht dort also zuerst um die Wahl des richtigen Vorhabens, wĂ€hrend die Effizienz erst bei dessen Umsetzung zum Maßstab wird.


#03 Unterschied Gewinn vs. RentabilitÀt

Rohleders Kompass, FINA U25

Aufgabe #048 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · #03Wie unterscheidet sich der Gewinn von der RentabilitÀt?
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • Gewinn = Nettörgebnis nach Abdeckung der Ausgaben (absolute GrĂ¶ĂŸe)
  • RentabilitĂ€t = Ausmaß, in dem der Gewinn erzielt wird (VerhĂ€ltnisgrĂ¶ĂŸe)
  • RentabilitĂ€t setzt den Gewinn ins VerhĂ€ltnis (z. B. zu Kapital oder Umsatz)
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Gewinn = das Geld, das am Ende ĂŒbrig bleibt, wenn alle Ausgaben bezahlt sind. Eine feste Euro-Zahl.
  • absolute Grösse = einfach eine Zahl fĂŒr sich, z. B. 1000 Euro Gewinn, ohne Vergleich womit.
  • RentabilitĂ€t = wie gut sich der Einsatz gelohnt hat. Man vergleicht den Gewinn mit dem, was man eingesetzt hat.
  • VerhĂ€ltnisgrĂ¶ĂŸe / ins VerhĂ€ltnis setzen = zwei Zahlen gegeneinander rechnen (teilen), z. B. Gewinn geteilt durch eingesetztes Geld.
  • Nettergebnis = das Ergebnis nach Abzug aller Kosten (netto = 'sauber', nichts geht mehr weg). Beispiel: 1000 Euro Gewinn aus 10.000 Euro Einsatz ist gut, aus 1 Million Euro Einsatz eher schwach - das zeigt erst die RentabilitĂ€t.
  • eingesetztes Kapital = das Geld, das man in die Firma gesteckt hat.

Der Hauptunterschied zwischen Gewinn und RentabilitÀt besteht laut Kompass darin:

  • Der Gewinn ist das Nettörgebnis, das nach der Abdeckung der Ausgaben erzielt wird.
  • Die RentabilitĂ€t ist das Ausmaß, in dem der Gewinn erzielt wird.

Damit ist der Gewinn eine absolute ErgebnisgrĂ¶ĂŸe, wĂ€hrend die RentabilitĂ€t diesen Gewinn in Beziehung setzt (z. B. zum eingesetzten Kapital oder zum Umsatz).

⟹+1⟩ Das Zahlenbild aus der Begriffsliste trĂ€gt als Beleg: Derselbe Gewinn von 1.000 Euro ist aus 10.000 Euro Einsatz stark und aus einer Million schwach, erst die VerhĂ€ltnisgrĂ¶ĂŸe macht zwei Unternehmen unterschiedlicher GrĂ¶ĂŸe ĂŒberhaupt vergleichbar.


#04 Operatives Ergebnis (im Kompass als EBITDA gefĂŒhrt)

Rohleders Kompass, FINA U25

Aufgabe #049 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · #04Was versteht man unter dem operativen Ergebnis (EBITDA)?
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • Operatives Ergebnis = Teil des Gesamtergebnisses
  • Ermittlung: Umsatzerlöse den Kosten gegenĂŒberstellen
  • BerĂŒcksichtigt nur das Ergebnis des eigentlichen Unternehmenszwecks
  • Buchstaben-Auflösung von EBITDA steht separat bei #19
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • operatives Ergebnis = das, was die Firma mit ihrem eigentlichen GeschĂ€ft verdient (BĂ€cker mit Brötchen), ohne Nebensachen wie Zinsen oder Verkauf von altem Zeug.
  • Gesamtergebnis = das komplette Endergebnis der Firma, inklusive aller Nebeneffekte. Das operative Ergebnis ist nur ein Teil davon.
  • Umsatzerlöse = das eingenommene Geld aus dem Verkauf der Waren oder Leistungen.
  • Kosten gegenĂŒberstellen = Einnahmen und Ausgaben nebeneinander legen und die Differenz anschauen.
  • eigentlicher Unternehmenszweck = das KerngeschĂ€ft, wofĂŒr die Firma da ist (BĂ€cker: Brot backen, nicht Aktien handeln).
  • EBITDA = eine englische AbkĂŒrzung; was die Buchstaben bedeuten, steht ausfĂŒhrlich bei #19.

Das operative Ergebnis ist laut Kompass ein Teil des Gesamtergebnisses eines Unternehmens.

Es wird ermittelt, indem man die Umsatzerlöse den Kosten gegenĂŒberstellt. Dieser Teil des Gesamtergebnisses berĂŒcksichtigt nur das Ergebnis des eigentlichen Unternehmenszwecks.

Hinweis zur Treue: Rohleder fĂŒhrt diese Frage unter der Marke „#04EBITDA". Die hinterlegte Definition beschreibt das operative Ergebnis allgemein (Umsatzerlöse gegenĂŒber Kosten); die genaue Buchstaben-Auflösung von EBITDA steht separat bei #19.

⟹+1⟩ Die Negativabgrenzung aus der Begriffsliste sichert den Zusatzpunkt: ZinsertrĂ€ge oder Erlöse aus dem Verkauf von Anlagevermögen zĂ€hlen zwar zum Gesamtergebnis, aber nicht zum operativen Ergebnis, weil sie nicht aus dem eigentlichen Unternehmenszweck stammen.


#05 Ordentliches Betriebsergebnis (EBIT) — Berechnung

Rohleders Kompass, FINA U25

Aufgabe #050 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · #05Wie wird das ordentliche Betriebsergebnis (EBIT) berechnet?
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • EBIT = Umsatzerlöse − Kosten der verkauften Waren − Betriebskosten − Abschreibungen
  • Ergebnis vor Zinsen und Steuern
  • Kosten der verkauften Waren = direkt zurechenbarer Wareneinsatz
  • Abschreibungen = Wertminderung des Anlagevermögens
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • EBIT = das, was die Firma aus dem laufenden GeschĂ€ft verdient, BEVOR Zinsen an die Bank und Steuern ans Finanzamt abgezogen werden.
  • Umsatzerlöse = das Geld, das durch Verkauf reinkommt.
  • Kosten der verkauften Waren = was das Herstellen genau der verkauften Ware gekostet hat (Zutaten, Rohstoffe, Einkauf).
  • Betriebskosten = die laufenden Kosten des Betriebs (Miete, Strom, Löhne, Verwaltung).
  • Abschreibungen = jĂ€hrlicher Wertverlust teurer, lang genutzter Dinge. Eine Maschine fĂŒr 10.000 Euro, die 10 Jahre hĂ€lt, 'kostet' pro Jahr 1000 Euro an Wertverlust.
  • Anlagevermögen = die langlebigen Sachen der Firma: Maschinen, GebĂ€ude, Fahrzeuge.
  • bereinigt / minus = man zieht diese Posten vom Umsatz ab. Was ĂŒbrig bleibt, ist das EBIT.
  • vor Zinsen und Steuern = Bank und Finanzamt sind hier noch NICHT bezahlt; das kommt danach.

Das Betriebsergebnis (EBIT) wird berechnet, indem die Umsatzerlöse um die Kosten der verkauften Waren, die Betriebskosten und die Abschreibungen bereinigt werden.

Die Formel lautet:

EBIT = Umsatzerlöse − Kosten der verkauften Waren − Betriebskosten − Abschreibungen

Die einzelnen Bestandteile:

  • Umsatzerlöse = Erlöse aus dem Verkauf von Waren/Leistungen
  • Kosten der verkauften Waren = direkt zurechenbare Herstellungs-/Wareneinsatzkosten
  • Betriebskosten = laufende betriebliche Aufwendungen
  • Abschreibungen = Wertminderung des Anlagevermögens

Das EBIT ist damit das Ergebnis vor Zinsen und Steuern.

⟹+1⟩ Der Verwendungszweck folgt in #11: Gerade weil das EBIT vor Zinsen liegt, dient es als ZĂ€hler der GesamtkapitalrentabilitĂ€t, denn nur so lĂ€sst sich die Ertragskraft unabhĂ€ngig davon messen, ob mit Eigen- oder Fremdkapital finanziert wurde.


#06 JahresĂŒberschuss

Rohleders Kompass, FINA U25

Aufgabe #051 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · #06Was stellt der JahresĂŒberschuss dar?
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • JahresĂŒberschuss = positive Differenz zwischen ErtrĂ€gen und Aufwendungen eines GeschĂ€ftsjahres
  • Ist das Ergebnis negativ, spricht man von einem Jahresfehlbetrag
  • Abschließende ErgebnisgrĂ¶ĂŸe nach allen Aufwendungen/ErtrĂ€gen
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • JahresĂŒberschuss = das, was am Ende eines GeschĂ€ftsjahres wirklich ĂŒbrig bleibt, nachdem ALLES abgezogen ist (auch Zinsen und Steuern). Das echte Endergebnis.
  • ErtrĂ€ge = alles, was der Firma Geld/Wert eingebracht hat (v. a. Verkaufserlöse).
  • Aufwendungen = alles, was die Firma an Geld/Wert gekostet hat (Material, Löhne, Miete, Zinsen, Steuern).
  • positive Differenz = wenn man Kosten von Einnahmen abzieht und eine Zahl grösser als Null herauskommt.
  • Jahresfehlbetrag = das Gegenteil: mehr Kosten als Einnahmen, also ein Minus (Verlust).
  • GeschĂ€ftsjahr = der Zeitraum, fĂŒr den abgerechnet wird, meist 12 Monate.
  • Unterschied zu EBIT (#05): Das EBIT ist noch VOR Zinsen und Steuern, der JahresĂŒberschuss ist ganz am Ende, wenn auch die bezahlt sind.

Als JahresĂŒberschuss bezeichnet man die positive Differenz zwischen den ErtrĂ€gen und Aufwendungen, die innerhalb eines GeschĂ€ftsjahres angefallen sind.

Sofern dieses Ergebnis negativ ist, handelt es sich um einen Jahresfehlbetrag.

Einordnung: Der JahresĂŒberschuss ist die abschließende ErgebnisgrĂ¶ĂŸe einer Periode — im Gegensatz zum EBIT (#05), das vor Zinsen und Steuern liegt.

⟹+1⟩ Der Kennzahlen-Anschluss wartet in #13: Der deutsche Ansatz der GesamtkapitalrentabilitĂ€t setzt beim JahresĂŒberschuss vor Zinsen an, womit die hier definierte SchlussgrĂ¶ĂŸe zugleich Rechenbasis der RentabilitĂ€tsanalyse ist.


#07 Free Cash Flow (FCF) — Berechnung und Zweck

Rohleders Kompass, FINA U25

Aufgabe #052 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · #07Wie wird der Free Cash Flow (FCF) berechnet und wozu dient er?
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • FCF = Barmittel am Periodenende nach Abzug von Ausgaben und Investitionen, zur freien VerfĂŒgung
  • Im Gegensatz zum Gewinn: ein Maß fĂŒr die RentabilitĂ€t
  • Zeigt frei verwendbare liquide Mittel (z. B. AusschĂŒttung, Tilgung)
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Free Cash Flow = das echte Bargeld, das nach allen laufenden Ausgaben UND nach Investitionen frei ĂŒbrig ist. Wie das Geld, das nach Miete, Einkauf und einer neuen Waschmaschine noch auf dem Konto liegt.
  • Barmittel = tatsĂ€chlich verfĂŒgbares Geld (Kasse, Bankkonto), kein Papier-Gewinn.
  • Periode = ein Abrechnungs-Zeitraum, z. B. ein Jahr.
  • Investitionen = grössere Anschaffungen fĂŒr die Zukunft (Maschinen, GebĂ€ude, Fahrzeuge).
  • zur freien VerfĂŒgung = mit diesem Geld kann die Firma frei entscheiden, z. B. Schulden zurĂŒckzahlen oder an die EigentĂŒmer ausschĂŒtten.
  • AusschĂŒttung = Geld an die EigentĂŒmer/Inhaber auszahlen. Tilgung = Schulden bei der Bank abbezahlen.
  • Gegensatz zum Gewinn: Gewinn ist eine Rechengrösse auf dem Papier; der Free Cash Flow zeigt, ob wirklich Geld da ist.

Der Free Cash Flow (auch freier Cash Flow) ist die Summe der Barmittel, die einem Unternehmen am Ende einer Periode nach Abzug von Ausgaben und Investitionen zur freien VerfĂŒgung stehen.

Zweck / Aussage: Im Gegensatz zum Gewinn ist der freie Cashflow laut Kompass ein Maß fĂŒr die RentabilitĂ€t eines Unternehmens — er zeigt, welche liquiden Mittel nach dem laufenden GeschĂ€ft und den Investitionen tatsĂ€chlich ĂŒbrig bleiben und frei verwendet werden können.

⟹+1⟩ Die Verwendungsseite gehört als Zusatz dazu: Aus dem Free Cash Flow speisen sich AusschĂŒttungen an die EigentĂŒmer und die Tilgung von Schulden, weshalb Kapitalgeber eher auf diese zahlungsbasierte GrĂ¶ĂŸe schauen als auf den buchhalterischen Gewinn.


#08 Kritikpunkte an der ProfitabilitÀt als Kennzahl

Rohleders Kompass, FINA U25

Aufgabe #053 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · #08Welche wesentlichen Kritikpunkte gibt es an der ProfitabilitÀt als Kennzahl?
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • ProfitabilitĂ€t = Unternehmen kann dauerhaft Gewinne erzielen
  • Kritik 1: betrachtet nicht, ob andere Investitionen besser wĂ€ren
  • Kritik 2: Gewinne evtl. mit hohen OpportunitĂ€tskosten
  • Sagt nur, DASS Gewinn entsteht, nicht ob er im Vergleich gut ist
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • ProfitabilitĂ€t = die FĂ€higkeit einer Firma, dauerhaft (nicht nur einmal) Gewinn zu machen.
  • dauerhaft = ĂŒber lĂ€ngere Zeit immer wieder, nicht nur ein GlĂŒckstreffer.
  • Kritikpunkt = ein Schwachpunkt der Kennzahl, warum sie nicht alles zeigt.
  • betrachtet nicht, ob andere Investitionen besser wĂ€ren = die Zahl sagt nur, DASS man Gewinn macht, nicht ob eine andere Entscheidung noch mehr gebracht hĂ€tte.
  • OpportunitĂ€tskosten = der entgangene Gewinn, weil man sich fĂŒr eine Sache entschieden hat und die andere, vielleicht bessere, liegen liess (ausfĂŒhrlich bei #10).
  • Kernaussage: Profitabel zu sein heisst nicht automatisch, die beste mögliche Wahl getroffen zu haben.

ProfitabilitÀt bedeutet laut Kompass, dass ein Unternehmen wirtschaftlich dazu in der Lage ist, dauerhaft Gewinne zu erzielen.

Die wesentlichen Kritikpunkte:

  • Sie betrachtet nicht, ob andere Investitionen besser wĂ€ren.
  • Möglicherweise wirft ein Unternehmen zwar Gewinne ab, jedoch mit hohen OpportunitĂ€tskosten.

Die ProfitabilitĂ€t sagt also nur, dass ein Unternehmen Gewinn macht — nicht, ob dieser Gewinn im Vergleich zu Handlungsalternativen gut ist.

⟹+1⟩ Die Heilung der Kritik steht gleich daneben: #09 nennt mit EigenkapitalrentabilitĂ€t, ROI, EBITDA-Marge, Free Cash Flow und Investitionsquote die Erweiterungen, die den fehlenden Vergleichsmaßstab nachliefern, und #10 vertieft den OpportunitĂ€tskosten-Einwand begrifflich.


#09 Sinnvolle Erweiterungen des RentabilitÀtskonzepts

Rohleders Kompass, FINA U25

Aufgabe #054 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · #09Das RentabilitÀtskonzept ist eine wichtige Erweiterung der reinen Gewinnbetrachtung. Welche zusÀtzlichen Erweiterungen sind sinnvoll?
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • EigenkapitalrentabilitĂ€t
  • ROI (Return on Investment)
  • EBITDA-Marge
  • Free Cash Flow
  • Investitionsquote (CAPEX)
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • RentabilitĂ€tskonzept = die Idee, den Gewinn nicht nackt zu betrachten, sondern immer im VerhĂ€ltnis zu etwas.
  • EigenkapitalrentabilitĂ€t = wie gut sich das eigene Geld der Inhaber verzinst hat (Gewinn im VerhĂ€ltnis zum eigenen Kapital).
  • Eigenkapital = das Geld, das den Inhabern selbst gehört (nicht von der Bank geliehen).
  • ROI (Return on Investment) = 'RĂŒcklauf auf den Einsatz', also wie viel eine Investition zurĂŒckgebracht hat.
  • EBITDA-Marge = welcher Anteil vom Umsatz als operatives Ergebnis (vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen) ĂŒbrig bleibt, in Prozent.
  • Free Cash Flow = das frei verfĂŒgbare Bargeld (siehe #07).
  • Investitionsquote (CAPEX) = wie viel eine Firma in neue Anlagen steckt. CAPEX ist Englisch fĂŒr 'Ausgaben fĂŒr langlebige Anschaffungen'.

Das RentabilitÀtskonzept ist eine wichtige Erweiterung der reinen Gewinnbetrachtung. Der Kompass nennt folgende zusÀtzliche Aspekte:

  • EigenkapitalrentabilitĂ€t
  • ROI (Return on Investment)
  • EBITDA-Marge
  • Free Cash Flow
  • Investitionsquote (CAPEX)

Diese Kennzahlen setzen den Gewinn ins VerhÀltnis bzw. ergÀnzen ihn um die Cash- und Investitionsperspektive und liefern so ein vollstÀndigeres Bild als der absolute Gewinn allein.

⟹+1⟩ Ein Ordnungssatz hebt die Liste: EigenkapitalrentabilitĂ€t, ROI und EBITDA-Marge relativieren den Gewinn, der Free Cash Flow ergĂ€nzt die Zahlungsperspektive, und die Investitionsquote blickt auf die Zukunftssicherung, zusammen entsteht so ein mehrdimensionales Bild statt einer einzelnen Zahl.


#10 OpportunitĂ€tskosten und ihre Bedeutung fĂŒr die ProfitabilitĂ€t

Rohleders Kompass, FINA U25

Aufgabe #055 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · #10Was sind OpportunitÀtskosten und warum sind sie bei der Beurteilung der ProfitabilitÀt wichtig?
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • OpportunitĂ€tskosten = keine Kosten im eigentlichen Sinn
  • Beziffern entgangenen Gewinn oder Nutzen
  • Entstehen bei der Wahl zwischen Alternativen (nĂ€chstbeste entgeht)
  • Eine hohe ProfitabilitĂ€t schließt hohe OpportunitĂ€tskosten nicht aus
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • OpportunitĂ€tskosten = kein echtes ausgegebenes Geld, sondern der Gewinn, den man verpasst, weil man sich fĂŒr A entschieden hat und B liegen liess.
  • keine Kosten im eigentlichen Sinn = es fliesst kein Geld ab; es ist ein 'hĂ€tte-sein-können'-Verlust.
  • entgangener Gewinn oder Nutzen = das Gute, das man verpasst hat.
  • Alltagsbild: Du legst Geld auf ein Sparbuch mit 1 % Zins und verpasst dadurch eine Anlage mit 3 %. Die verpassten 2 % sind deine OpportunitĂ€tskosten.
  • nĂ€chstbeste Alternative = die zweitbeste Möglichkeit, die man ausgeschlagen hat.
  • schliesst nicht aus = auch wer viel Gewinn macht, kann trotzdem die schlechtere Wahl getroffen haben, wenn eine Alternative noch mehr gebracht hĂ€tte.

OpportunitÀtskosten sind laut Kompass keine Kosten im eigentlichen Sinn. Vielmehr möchte man damit den entgangenen Gewinn oder Nutzen beziffern.

Dieser verlorengegangene Gewinn oder Nutzen entsteht, wenn man sich zwischen verschiedenen Alternativen entscheidet.

Bedeutung fĂŒr die ProfitabilitĂ€t: Eine hohe ProfitabilitĂ€t schließt hohe OpportunitĂ€tskosten nicht aus. Ein Unternehmen kann also profitabel sein und trotzdem eine schlechtere Wahl getroffen haben, wenn eine Alternative noch mehr eingebracht hĂ€tte.

⟹+1⟩ Die Investitionsrechnung setzt den Gedanken lĂ€ngst um: Die kalkulatorischen Zinsen der statischen Verfahren (U21 #13) sind nichts anderes als angesetzte OpportunitĂ€tskosten des in der Maschine gebundenen Kapitals, dort werden sie sogar rechnerisch als Kostenblock gefĂŒhrt.


#11 GesamtkapitalrentabilitĂ€t (GKR / ROA) — was sie misst und Berechnung

Rohleders Kompass, FINA U25

Aufgabe #056 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · #11Was misst die GesamtkapitalrentabilitÀt (GKR), und wie wird sie berechnet?
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • GKR = Gesamtkapitalrendite, auch Return on Assets (ROA)
  • Misst RentabilitĂ€t im VerhĂ€ltnis zum gesamten Kapital
  • GKR (ROA) = EBIT / durchschnittliches Gesamtkapital
  • EBIT (vor Zinsen) macht die Kennzahl finanzierungsunabhĂ€ngig
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • GesamtkapitalrentabilitĂ€t = wie gut die Firma das GESAMTE Geld einsetzt - egal ob es eigenes oder geliehenes ist.
  • Gesamtkapital = alles Geld, das in der Firma arbeitet: eigenes Geld der Inhaber PLUS von der Bank geliehenes.
  • ROA / Return on Assets = englischer Name fĂŒr dasselbe, wörtlich 'RĂŒcklauf auf das Vermögen'.
  • EBIT = der Gewinn vor Zinsen und Steuern (siehe #05).
  • durchschnittliches Gesamtkapital = der Mittelwert aus Anfang und Ende des Jahres, weil sich das Kapital im Jahr Ă€ndert. Man nimmt einen Schnitt, damit es fair ist.
  • EBIT / Gesamtkapital = man teilt den Gewinn (vor Zinsen) durch das gesamte eingesetzte Geld. Grosse Zahl = das Kapital arbeitet gut.
  • finanzierungsunabhĂ€ngig = weil man den Gewinn VOR Zinsen nimmt, ist es egal, ob das Geld geliehen oder eigen war - so kann man Firmen fair vergleichen.

Die GesamtkapitalrentabilitÀt (GKR), auch Return on Assets (ROA) genannt, misst die RentabilitÀt eines Unternehmens im VerhÀltnis zu seinem gesamten Kapital.

Berechnung laut Kompass: Man teilt den Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) durch das durchschnittliche Gesamtkapital.

GKR (ROA) = EBIT / durchschnittliches Gesamtkapital

Die Verwendung des EBIT (vor Zinsen) bildet die Ertragskraft des gesamten eingesetzten Kapitals unabhÀngig von Eigen- oder Fremdfinanzierung ab.

⟹+1⟩ Die strategische Anwendung liefert der Leverage-Zusammenhang: Erst der Vergleich der GKR mit dem Fremdkapitalzins zeigt, ob sich zusĂ€tzliche Verschuldung lohnt, denn nur eine Gesamtkapitalrendite ĂŒber dem Zins hebelt die Eigenkapitalrendite nach oben.


#12 Warum die Fremdkapitalzinsen bei der GKR berĂŒcksichtigt werden mĂŒssen

Rohleders Kompass, FINA U25

Aufgabe #057 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · #12Warum mĂŒssen bei der Berechnung der GesamtkapitalrentabilitĂ€t die Fremdkapitalzinsen berĂŒcksichtigt werden?
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • Aufgenommenes FK erzeugt Zinsen = Aufwand
  • Dieser Aufwand mindert den Gewinn
  • Deshalb mĂŒssen die FK-Zinsen bei der GKR berĂŒcksichtigt werden
  • GKR soll die Ertragskraft des gesamten Kapitals zeigen (finanzierungsneutral)
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Fremdkapital = geliehenes Geld, meist von der Bank. 'Fremd' weil es nicht der Firma selbst gehört.
  • Zinsen = die GebĂŒhr, die man der Bank fĂŒr das geliehene Geld bezahlt.
  • Aufwand = eine Ausgabe/Kostenposten, der den Gewinn kleiner macht.
  • mindert den Gewinn = zieht vom Gewinn etwas ab, also bleibt weniger ĂŒbrig.
  • berĂŒcksichtigen = hier: die Zinsen wieder dazurechnen, damit man den Gewinn des GESAMTEN Kapitals sieht (deshalb rechnet man mit EBIT, das vor Zinsen liegt).
  • finanzierungsneutral = so gebaut, dass es egal ist, wie viel geliehen wurde - damit unterschiedlich finanzierte Firmen vergleichbar werden.

Wenn in der Unternehmung Fremdkapital aufgenommen wurde, sind die entstandenen Zinsen Aufwand — und dieser Aufwand mindert den Gewinn.

Daher mĂŒssen die Fremdkapitalzinsen bei der Berechnung der GesamtkapitalrentabilitĂ€t berĂŒcksichtigt werden.

Hintergrund: Die GKR soll die Ertragskraft des gesamten Kapitals (Eigen- + Fremdkapital) zeigen und finanzierungsneutral bleiben, damit unterschiedlich finanzierte Unternehmen vergleichbar werden.

⟹+1⟩ Die technische Umsetzung kennt der Korpus in zwei Varianten: Entweder rechnet man wie in #11 gleich mit dem EBIT vor Zinsen, oder man addiert wie beim deutschen Ansatz in #13 die Fremdkapitalzinsen zum JahresĂŒberschuss zurĂŒck, beide Wege neutralisieren denselben Aufwandseffekt.


#13 Deutsche GesamtkapitalrentabilitÀt vs. amerikanischer ROI

Rohleders Kompass, FINA U25

Aufgabe #058 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · #13Wie unterscheidet sich die deutsche GesamtkapitalrentabilitÀt vom amerikanischen Return on Investment (ROI)?
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • Deutsche GKR (ROA): JahresĂŒberschuss vor Zinsen / durchschnittliches Gesamtkapital, unabhĂ€ngig von der Finanzierung
  • US-ROI: operatives Ergebnis (EBIT) / Gesamtkapital, bewertet operative Ertragskraft
  • Hauptunterschied: deutscher Ansatz meist Nachsteuergewinne, ROI oft Vorsteuergewinne (EBIT)
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Es geht um zwei Rechenwege fĂŒr 'wie gut arbeitet das Kapital': einen deutschen und einen amerikanischen.
  • JahresĂŒberschuss vor Zinsen = das Endergebnis der Firma, aber ohne die Zinsen abzuziehen (damit man das gesamte Kapital fair bewertet).
  • unabhĂ€ngig von der Finanzierung = egal ob das Geld eigen oder geliehen war.
  • operatives Ergebnis (EBIT) = Gewinn aus dem KerngeschĂ€ft, vor Zinsen und Steuern.
  • operative Ertragskraft = wie viel das eigentliche GeschĂ€ft verdienen kann.
  • Nachsteuergewinn = das, was NACH Abzug der Steuern ĂŒbrig bleibt.
  • Vorsteuergewinn = das, was VOR Abzug der Steuern da ist.
  • Hauptunterschied kurz: der deutsche Weg rechnet meist mit dem Gewinn nach Steuern, der US-Weg (ROI) meist mit dem Gewinn vor Steuern (EBIT).

Der Kompass stellt die beiden Konzepte so gegenĂŒber:

  • Die deutsche GesamtkapitalrentabilitĂ€t (Return on Assets, ROA) setzt den JahresĂŒberschuss vor Zinsen ins VerhĂ€ltnis zum durchschnittlichen Gesamtkapital. Sie misst die RentabilitĂ€t des gesamten eingesetzten Kapitals unabhĂ€ngig von der Finanzierung.
  • Der amerikanische ROI verwendet typischerweise das operative Ergebnis (EBIT) im VerhĂ€ltnis zum Gesamtkapital, um die operative Ertragskraft eines Unternehmens zu bewerten.

Hauptunterschied: Der deutsche Ansatz berĂŒcksichtigt meist Nachsteuergewinne, wĂ€hrend der ROI oft Vorsteuergewinne (EBIT) nutzt.

Treue-Hinweis: Bei #11 definiert Rohleder die deutsche GKR ĂŒber das EBIT im ZĂ€hler, bei #13 hebt er fĂŒr den deutschen Ansatz den JahresĂŒberschuss vor Zinsen / Nachsteuergewinn hervor. Beide Formulierungen stammen aus seinem Kompass.

⟹+1⟩ Der Praxis-Vorbehalt bringt den Zusatzpunkt: RentabilitĂ€tswerte verschiedener Quellen sind nur vergleichbar, wenn dieselbe ZĂ€hlerdefinition zugrunde liegt, denn ob vor oder nach Steuern gerechnet wird, verschiebt die Prozentwerte systematisch, ohne dass sich am Unternehmen etwas Ă€ndert.


#14 Typischer Fehler in Abb. K-11 (Bösch, S. 504)

Rohleders Kompass, FINA U25

Aufgabe #059 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · #14Welchen typischen Fehler enthÀlt Abb. K-11 (Bösch, S. 504)?
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • Fehler: Nicht-BerĂŒcksichtigung von OpportunitĂ€tskosten
  • Ausgewiesene RentabilitĂ€t ohne entgangene ErtrĂ€ge der Alternativen
  • Wiederholt den Kernkritikpunkt aus #08 und #10
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Abb. K-11 = eine bestimmte Abbildung/Grafik im Lehrbuch von Bösch auf Seite 504.
  • Der Fehler dort: die OpportunitĂ€tskosten wurden vergessen.
  • OpportunitĂ€tskosten = der verpasste Gewinn der nicht gewĂ€hlten Alternative (siehe #10).
  • Nicht-BerĂŒcksichtigung = etwas wird beim Rechnen weggelassen, hier eben die entgangenen ErtrĂ€ge.
  • Folge: Die Rechnung sieht gut aus (zeigt Gewinn/RentabilitĂ€t), verschweigt aber, dass eine andere Wahl mehr gebracht hĂ€tte - derselbe Kritikpunkt wie in #08 und #10.

Der typische Fehler, den die Abbildung K-11 (Bösch, S. 504) enthÀlt, ist laut Kompass:

  • Ansatz: Nicht-BerĂŒcksichtigung von OpportunitĂ€tskosten.

Das heißt: Die dargestellte Betrachtung weist einen Gewinn/eine RentabilitĂ€t aus, ohne die entgangenen ErtrĂ€ge der nicht gewĂ€hlten Alternative(n) einzurechnen. Damit wiederholt sich der Kernkritikpunkt aus #08 und #10.

⟹+1⟩ Die Reparatur des Fehlers zeigt die Investitionsrechnung: Wer wie in U21 #13 kalkulatorische Zinsen auf das gebundene Kapital als Kostenblock ansetzt, hat die OpportunitĂ€tskosten explizit in der Rechnung und vermeidet genau den Fehler der Abbildung.


#15 Welche KapitalgrĂ¶ĂŸen beim ROI verwendet werden

Rohleders Kompass, FINA U25

Aufgabe #060 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · #15Welche KapitalgrĂ¶ĂŸen sollten bei der Berechnung des ROI verwendet werden?
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • UmsatzrentabilitĂ€t = Gewinn / Umsatz
  • Kapitalumschlag = Umsatz / GK (Gesamtkapital)
  • ROI = UmsatzrentabilitĂ€t × Kapitalumschlag
  • Zerlegung zeigt, ob eine Änderung ĂŒber Marge oder Kapitalnutzung lĂ€uft
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • ROI = 'RĂŒcklauf auf den Einsatz', wie gut sich das eingesetzte Geld verzinst.
  • UmsatzrentabilitĂ€t = welcher Anteil vom Umsatz als Gewinn hĂ€ngen bleibt (Gewinn geteilt durch Umsatz). Auch 'Marge' genannt.
  • Marge = der Gewinnanteil pro Euro Umsatz. Hohe Marge = pro verkauftem Euro bleibt viel ĂŒbrig.
  • Kapitalumschlag = wie oft das eingesetzte Geld im Jahr durch Umsatz 'umgeschlagen' wird (Umsatz geteilt durch Gesamtkapital). Hoher Wert = das Geld wird fleissig eingesetzt.
  • Gesamtkapital (GK) = alles in der Firma arbeitende Geld (eigen + geliehen).
  • multiplikativ / DuPont-VerknĂŒpfung = die beiden Zahlen werden malgenommen. DuPont ist nur der Name des Systems (nach der Firma DuPont).
  • Umsatz kĂŒrzt sich heraus = wenn man Gewinn/Umsatz mal Umsatz/Kapital rechnet, verschwindet der Umsatz und es bleibt Gewinn/Kapital. Die Aufteilung zeigt aber, ob eine Änderung ĂŒber die Marge oder ĂŒber die Geld-Ausnutzung kommt.

FĂŒr die Berechnung des ROI nennt der Kompass zwei GrĂ¶ĂŸen:

  • UmsatzrentabilitĂ€t = Gewinn / Umsatz
  • Kapitalumschlag = Umsatz / GK (Gesamtkapital)

Daraus ergibt sich die multiplikative DuPont-VerknĂŒpfung:

ROI = UmsatzrentabilitĂ€t × Kapitalumschlag = (Gewinn / Umsatz) × (Umsatz / Gesamtkapital)

Der Umsatz kĂŒrzt sich rechnerisch heraus, sodass der ROI im Kern Gewinn/Gesamtkapital ist — die Zerlegung macht aber sichtbar, ob eine VerĂ€nderung ĂŒber die Marge (UmsatzrentabilitĂ€t) oder ĂŒber die Kapitalnutzung (Kapitalumschlag) lĂ€uft.

⟹+1⟩ Der Anwendungsfall steht im Übungsteil: In der Kennzahlen-Übung von U24 wird aus ROI 3 % und Kapitalumschlag 2 rĂŒckwĂ€rts die Umsatzrendite von 1,50 % errechnet, und das DuPont-Schema der SchokoPral-Übung nutzt dieselbe Zerlegung zur Maßnahmenplanung.


#16 Unterschied Cash Flow vs. LiquiditÀt

Rohleders Kompass, FINA U25

Aufgabe #061 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · #16Was ist der Unterschied zwischen Cash Flow und LiquiditÀt?
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • Cashflow = Vergleich von GeldzuflĂŒssen und GeldabflĂŒssen einer Periode (StromgrĂ¶ĂŸe)
  • LiquiditĂ€t = aktuelle VerfĂŒgbarkeit von Geld/flĂŒssigen Mitteln (Zustand/Zeitpunkt)
  • Cashflow = Bewegung ĂŒber Zeitraum, LiquiditĂ€t = VerfĂŒgbarkeit im Moment
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Cash Flow = die Bewegung des Geldes ĂŒber einen Zeitraum: was kam rein, was ging raus. Wie ein Kontoauszug fĂŒr den ganzen Monat.
  • GeldzuflĂŒsse = Geld, das reinkommt; GeldabflĂŒsse = Geld, das rausgeht.
  • StromgrĂ¶ĂŸe = etwas, das ĂŒber eine Zeitspanne gemessen wird (wie Wasser, das durch ein Rohr fliesst).
  • LiquiditĂ€t = ob JETZT genug Geld da ist, um Rechnungen zu zahlen. Wie der Kontostand in diesem Moment.
  • flĂŒssige Mittel = sofort verfĂŒgbares Geld (Bargeld, Bankguthaben).
  • Zustand zu einem Zeitpunkt / Bestand = eine Momentaufnahme, wie viel gerade da ist.
  • Kurz: Cash Flow = Bewegung ĂŒber Zeit, LiquiditĂ€t = Kassenstand im Augenblick.

Der Kompass grenzt beide Begriffe so ab:

  • Cashflow ist ein Vergleich von GeldzuflĂŒssen und GeldabflĂŒssen in einer Periode — also eine StromgrĂ¶ĂŸe, die VerĂ€nderungen ĂŒber einen Zeitraum misst.
  • LiquiditĂ€t stellt die aktuelle VerfĂŒgbarkeit von Geld / flĂŒssigen Mitteln dar — also den Zustand zu einem Zeitpunkt.

Kurz: Cashflow = Bewegung ĂŒber einen Zeitraum (Strom), LiquiditĂ€t = VerfĂŒgbarkeit im Moment (Bestand).

⟹+1⟩ Die BrĂŒcke zwischen beiden GrĂ¶ĂŸen schlĂ€gt U24 #06: Der Gesamte Cashflow einer Periode ist genau die VerĂ€nderung der LiquiditĂ€t, der Strom von heute schreibt also den Bestand von morgen fort.


#17 LiquiditĂ€tsdimensionen und ihre Bedeutung fĂŒr die Finanzierung

Rohleders Kompass, FINA U25

Aufgabe #062 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · #17ErlĂ€utern Sie die unterschiedlichen LiquiditĂ€tsdimensionen und was sie fĂŒr die Finanzierung bedeuten (Bösch S. 497 ff.).
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • Mobilisierbare LiquiditĂ€t: Forderungen eintreiben, VorrĂ€te reduzieren, Wertpapiere verĂ€ußern
  • Sichtbare LiquiditĂ€t = unmittelbar aus der Bilanz entnehmbar
  • Unsichtbare LiquiditĂ€t = offene/ungenutzte Kreditlinien, freie Sicherheiten; selbst die BonitĂ€t
  • Zeitliche Dimension: statisch (Zeitpunkt, BestandsgrĂ¶ĂŸen) vs. StromgrĂ¶ĂŸe (Zeitraum, Finanzmittelbedarf)
  • TatsĂ€chliche ZahlungsfĂ€higkeit oft grĂ¶ĂŸer als aus der Bilanz ersichtlich
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • LiquiditĂ€t = wie viel zahlbereites Geld einer Firma zur VerfĂŒgung steht.
  • mobilisierbare LiquiditĂ€t = Geld, das man beschaffen KANN, wenn man will: offene Rechnungen eintreiben, Lager verkaufen, Wertpapiere zu Geld machen.
  • Forderungen eintreiben = das Geld holen, das Kunden einem noch schulden.
  • Vorratsbestand reduzieren = das Lager (Material, Ware) verkaufen und so zu Geld machen.
  • Wertpapiere verĂ€ußern = Aktien/Anleihen verkaufen, um Bargeld zu bekommen.
  • sichtbare LiquiditĂ€t = das Geld, das jeder in der Bilanz (der offiziellen VermögensĂŒbersicht) sehen kann.
  • Bilanz = die tabellarische Übersicht, was eine Firma besitzt und schuldet.
  • unsichtbare LiquiditĂ€t = Reserven, die aussen niemand sieht: z. B. offene, noch nicht genutzte Kreditlinien.
  • Kreditlinie = ein von der Bank bereits zugesagter Kreditrahmen, den man bei Bedarf abrufen kann.
  • freie Sicherheiten = Werte (z. B. Immobilien), die noch nicht als Pfand vergeben sind und mit denen man neuen Kredit bekommen könnte.
  • BonitĂ€t = die KreditwĂŒrdigkeit, also wie gern eine Bank einem Geld leiht.
  • statische GrĂ¶ĂŸe = eine Momentaufnahme zu einem Zeitpunkt; StromgrĂ¶ĂŸe = die VerĂ€nderung ĂŒber einen Zeitraum.
  • Finanzmittelbedarf = wie viel Geld man in einem Zeitraum braucht.
  • Kernaussage: Die echte ZahlungsfĂ€higkeit ist oft höher als das, was nackt in der Bilanz steht.

Der Kompass (Bösch S. 497 ff.) unterscheidet mehrere LiquiditÀtsdimensionen:

1. Mobilisierbare LiquiditĂ€t: Eine Unternehmung kann LiquiditĂ€t „mobilisieren", etwa indem sie Forderungen eintreibt, den Vorratsbestand reduziert oder Wertpapiere verĂ€ußert.

2. Sichtbare vs. unsichtbare LiquiditÀt:

  • Sichtbare LiquiditĂ€t kann unmittelbar aus der Bilanz entnommen werden.
  • Unsichtbare LiquiditĂ€t (fĂŒr Außenstehende nicht erkennbar) sind z. B. offene und nicht genutzte Kreditlinien oder freie Sicherheiten, die es erlauben, bei Bedarf ein Bankdarlehen zu erhalten. Im Grunde ist selbst die BonitĂ€t der Unternehmung eine unsichtbare, mobilisierbare LiquiditĂ€t.

3. Zeitliche Dimension:

  • Statische GrĂ¶ĂŸe: LiquiditĂ€t zu einem bestimmten Zeitpunkt erfasst — Hilfsmittel sind vorwiegend BestandsgrĂ¶ĂŸen aus der Bilanz.
  • StromgrĂ¶ĂŸe: LiquiditĂ€t als VerĂ€nderung in einem Zeitraum — hier interessieren Höhe und Bestandteile des Finanzmittelbedarfs einer Periode.

Bedeutung fĂŒr die Finanzierung: Weil neben der bilanziell sichtbaren auch mobilisierbare und unsichtbare LiquiditĂ€t zur VerfĂŒgung steht, ist die tatsĂ€chliche ZahlungsfĂ€higkeit oft grĂ¶ĂŸer als aus der reinen Bilanz ersichtlich.

⟹+1⟩ Ein Querverweis rundet ab: Dass selbst die BonitĂ€t als unsichtbare LiquiditĂ€t zĂ€hlt, verbindet die Kennzahlenlehre mit der KreditwĂŒrdigkeitsprĂŒfung aus U17, denn ein gutes Rating ist faktisch eine stille Reserve an abrufbarem Fremdkapital.


#18 Warum der Cash Flow eine wichtige Kennzahl fĂŒr die finanzielle StabilitĂ€t ist

Rohleders Kompass, FINA U25

Aufgabe #063 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · #18Warum ist der Cash Flow eine wichtige Kennzahl zur Beurteilung der finanziellen StabilitÀt eines Unternehmens?
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • Cashflow gibt Aufschluss ĂŒber LiquiditĂ€t und ZahlungsfĂ€higkeit
  • Positiver Cashflow: genĂŒgend Barmittel fĂŒr laufende Kosten und Verbindlichkeiten
  • Direkter Indikator der finanziellen StabilitĂ€t
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Cash Flow = die Geldbewegung ĂŒber einen Zeitraum (rein minus raus).
  • gibt Aufschluss ĂŒber = zeigt / verrĂ€t etwas ĂŒber.
  • ZahlungsfĂ€higkeit = ob die Firma ihre Rechnungen bezahlen kann.
  • positiver Cash Flow = es kommt mehr Geld rein als raus, also ein Plus.
  • laufende Kosten = die stĂ€ndig anfallenden Ausgaben (Löhne, Miete, Material).
  • Verbindlichkeiten = Schulden, also das, was die Firma anderen noch zahlen muss.
  • Indikator = ein Anzeiger/Messwert. Positiver Cash Flow ist ein direktes Zeichen, dass die Firma finanziell stabil auf eigenen Beinen steht.

Der Cashflow ist laut Kompass eine wichtige Kennzahl, da er Aufschluss ĂŒber die LiquiditĂ€t und ZahlungsfĂ€higkeit gibt.

Ein positiver Cashflow bedeutet, dass das Unternehmen genĂŒgend Barmittel generiert, um seine laufenden Kosten und Verbindlichkeiten zu decken.

Er ist damit ein direkter Indikator fĂŒr die finanzielle StabilitĂ€t.

⟹+1⟩ Ein Differenzierungssatz schĂŒtzt vor der Falle: Weil der Gesamt-Cashflow nach U24 #06 auch den Finanzierungs-Cashflow enthĂ€lt, kann ein Plus schlicht aus neuer Kreditaufnahme stammen, weshalb fĂŒr die StabilitĂ€tsbeurteilung vor allem der operative Cashflow zĂ€hlt.


#19 Bedeutung / Auflösung von EBITDA

Rohleders Kompass, FINA U25

Aufgabe #064 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · #19WofĂŒr steht EBITDA und was zeigt es an (Bedeutung EBITDA)?
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • EBITDA = earnings before interest, taxes, depreciation and amortization
  • = Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte
  • interest = Zinsen, taxes = Steuern
  • depreciation = Abschreibungen (Sachanlagen), amortization = Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • EBITDA = eine englische AbkĂŒrzung. Jeder Buchstabe steht fĂŒr etwas, das man vom Gewinn NICHT abzieht (also wieder dazurechnet).
  • earnings = Ergebnis/Gewinn; before = vor.
  • interest = Zinsen, also die GebĂŒhr fĂŒr geliehenes Geld an die Bank.
  • taxes = Steuern, das Geld ans Finanzamt.
  • depreciation = Abschreibungen auf ANFASSBARE Dinge (Maschinen, GebĂ€ude, Fahrzeuge), also deren jĂ€hrlicher Wertverlust.
  • amortization = Abschreibungen auf NICHT-anfassbare Werte (Patente, Lizenzen, Software, Markenrechte).
  • immaterielle Vermögenswerte = Besitz, den man nicht anfassen kann, der aber Wert hat (z. B. ein Patent).
  • Ganz einfach: EBITDA = der Gewinn, BEVOR Zinsen, Steuern und beide Arten von Wertverlust abgezogen sind. Es liegt damit noch vor dem EBIT (#05), weil zusĂ€tzlich die Abschreibungen herausgerechnet sind.

EBITDA steht laut Kompass fĂŒr „earnings before interest, taxes, depreciation and amortization" und bedeutet „Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte".

Die einzelnen Bestandteile:

  • interest = Zinsen
  • taxes = Steuern
  • depreciation = Abschreibungen (auf Sachanlagen)
  • amortization = Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte

Damit liegt das EBITDA noch vor dem EBIT (#05), weil zusÀtzlich die Abschreibungen herausgerechnet sind.

⟹+1⟩ Die Kennzahlen-Treppe als Merkhilfe: Vom JahresĂŒberschuss (#06) gelangt man durch Hinzurechnen von Steuern und Zinsen zum EBIT (#05) und durch zusĂ€tzliches Hinzurechnen beider Abschreibungsarten zum EBITDA, jede Stufe blendet eine weitere Lastenkategorie aus.


#20 Grenzen des EBITDA fĂŒr die langfristige finanzielle Gesundheit

Rohleders Kompass, FINA U25

Aufgabe #065 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · #20Warum ist das EBITDA keine ausreichende Kennzahl, um die langfristige finanzielle Gesundheit eines Unternehmens zu beurteilen (Grenzen EBITDA)?
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • EBITDA nicht als alleiniger Indikator der finanziellen Gesundheit verwenden
  • Ignoriert die Kapitalstruktur (Zinsen herausgerechnet)
  • Ignoriert die Steuerpolitik (Steuern herausgerechnet)
  • Blendet gerade Finanzierungs- und Steuerlast aus
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • EBITDA = der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Wertverlust (siehe #19).
  • alleiniger Indikator = die einzige Kennzahl, auf die man schaut. Genau davor wird gewarnt.
  • finanzielle Gesundheit = ob die Firma langfristig gut und sicher dasteht.
  • Kapitalstruktur = das VerhĂ€ltnis von eigenem zu geliehenem Geld. EBITDA blendet das aus, weil es die Zinsen herausrechnet.
  • ignoriert / herausrechnen = etwas wird bewusst weggelassen und nicht mitgezĂ€hlt.
  • Steuerpolitik = wie viel Steuern die Firma zahlt. Auch das fĂ€llt beim EBITDA raus.
  • Kernaussage: Weil EBITDA gerade die Zins- und Steuerlast verschweigt, kann eine Firma auf dem Papier gut aussehen, obwohl sie unter Schulden und Steuern leidet - deshalb nie nur auf EBITDA schauen.

Der Kompass warnt: Es ist wichtig zu beachten, dass das EBITDA nicht als alleiniger Indikator fĂŒr die finanzielle Gesundheit eines Unternehmens verwendet werden sollte.

Grund: Es ignoriert wichtige Aspekte wie

  • die Kapitalstruktur (durch das Herausrechnen der Zinsen) und
  • die Steuerpolitik des Unternehmens (durch das Herausrechnen der Steuern).

Deshalb eignet sich das EBITDA nicht allein zur Beurteilung der langfristigen finanziellen Gesundheit — es blendet gerade die Finanzierungs- und Steuerlast aus.

⟹+1⟩ Ein dritter Punkt lĂ€sst sich aus U20 #07 ableiten: Mit den Abschreibungen blendet das EBITDA auch den laufenden Werteverzehr des Anlagevermögens aus, also genau die GrĂ¶ĂŸe, die anzeigt, wie viel kĂŒnftig fĂŒr Ersatzinvestitionen zu verdienen ist.


Übung #04 DuPont-Schema (SchokoPral-AG) — Lösung Rohleder

Rohleders Kompass, FINA U25

Aufgabe #066 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · FINA U25ErklĂ€re in eigenen Worten: Übung #04 DuPont-Schema (SchokoPral-AG) — Lösung Rohleder — Rohleders AntwortschlĂŒssel (FINA U25) steht darunter.
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • ROI = Umsatzrendite (USR) × KapitalumschlagshĂ€ufigkeit (KUH)
  • USR = (Gewinn / Umsatz) × 100; KUH = Umsatz / Kapital
  • Weg 1 (USR): steigende Kakaopreise senken Gewinn -> Kosten senken (Kostenanalyse); Umsatz wegen Wettbewerb kaum verĂ€nderbar
  • Weg 2 (KUH): neue Energieanlage erhöht das Kapital (Nenner) -> KUH und damit ROI sinken
  • ROI-Ziel nur erreichbar, wenn Kostensenkung den KUH-RĂŒckgang ĂŒberkompensiert
  • Nutzen b): Zerlegung in Bestandteile -> Schwachstellenanalyse, Steuerung, Betriebs-/Branchenvergleich
  • Achtung: nicht Teil des Kompass-PDFs; nur Formel-Logik geprĂŒft
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • DuPont-Schema = ein Rechenbaum, der den ROI in zwei Teile zerlegt, um zu sehen, woran man drehen kann. DuPont ist nur der Firmenname, von dem das stammt.
  • ROI = 'RĂŒcklauf auf den Einsatz', wie gut sich das eingesetzte Geld lohnt.
  • Prozentpunkte = die reine Differenz zwischen zwei Prozentzahlen; von 8 % auf 10 % sind es 2 Prozentpunkte.
  • Umsatzrendite (USR) = welcher Anteil vom Umsatz als Gewinn bleibt (Gewinn geteilt durch Umsatz, mal 100 fĂŒr Prozent).
  • KapitalumschlagshĂ€ufigkeit (KUH) = wie oft das eingesetzte Geld im Jahr durch Umsatz umgesetzt wird (Umsatz geteilt durch Kapital).
  • × (mal) = die beiden Werte werden multipliziert und ergeben zusammen den ROI.
  • Nenner = die untere Zahl beim Teilen. Wird der Nenner (hier das Kapital) grösser, wird das Ergebnis kleiner - deshalb sinkt die KUH, wenn man teure neue Anlagen kauft.
  • Kakaopreise steigen um 10 % = der Rohstoff wird teurer, das frisst Gewinn, also muss man an anderer Stelle Kosten senken.
  • Kostenanalyse = genau anschauen, wo Geld ausgegeben wird, um Sparmöglichkeiten zu finden.
  • Leerkosten = Kosten fĂŒr KapazitĂ€ten (Maschinen, Personal), die gar nicht ausgelastet sind - reine Verschwendung.
  • ĂŒberkompensieren = ein Minus an einer Stelle durch ein grösseres Plus an anderer Stelle mehr als ausgleichen.
  • Anlagevermögen vs. Umlaufvermögen = langlebige Dinge (Maschinen, GebĂ€ude) gegenĂŒber kurzlebigem, stĂ€ndig wechselndem Besitz (Material, Bargeld, offene Rechnungen).

Aufgabe a): Der Vorstand fordert eine Erhöhung des ROI um 2 Prozentpunkte. Zugleich steigen die Kakaopreise prognostiziert um 10 % und die alte Energieanlage muss durch eine neue ersetzt werden. ErlĂ€utern Sie im Rahmen des DuPont-Systems zwei Möglichkeiten, den ROI im gewĂŒnschten Maße zu steigern.

Grundformel (DuPont):

ROI = Umsatzrendite (USR) × KapitalumschlagshĂ€ufigkeit (KUH)
USR = (Gewinn / Umsatz) × 100
KUH = Umsatz / Kapital

1. Möglichkeit — ĂŒber die Umsatzrendite (USR): Steigen die Kakaopreise um 10 %, reduziert sich (bei sonst gleichen Faktoren) der Gewinn. Um den ROI dennoch zu erhöhen, sollten die Kosten gesenkt werden. Über eine Kostenanalyse lassen sich Ansatzpunkte finden — z. B. Umgestaltung der Prozesse, Leerkosten abbauen, Energie sparen, verstĂ€rktes Kostenbewusstsein bei den BeschĂ€ftigten fördern. Wegen des starken Wettbewerbs besteht kaum Möglichkeit, den Umsatz zu verĂ€ndern.

2. Möglichkeit — Effekt ĂŒber die KapitalumschlagshĂ€ufigkeit (KUH): Durch den Ersatz der alten Energieanlage steigt bei der KUH der Nenner (Kapital) an. Wird der Umsatz wegen des Wettbewerbs als konstant betrachtet, dann sinkt die KUH und damit der ROI.

Fazit a): Die gewĂŒnschte ROI-Steigerung gelingt nur, wenn die Kostenreduktionen so stark ausfallen, dass der Gewinn und damit die USR steigen und der RĂŒckgang der KUH (durch die neue Anlage) ĂŒberkompensiert wird.

Aufgabe b) — Nutzen des DuPont-Kennzahlensystems: Der Nutzen liegt darin, dass die einzelnen GrĂ¶ĂŸen des ROI in weitere Bestandteile zerlegt werden können:

  • Beim Gewinn können die Aufwands- und Ertragskomponenten untersucht werden (z. B. Prozesse umgestalten, Leerkosten abbauen).
  • Beim Kapital wird zwischen Anlage- und Umlaufvermögen (bzw. beim betriebsnotwendigen Vermögen) unterschieden.

So können Schwachstellenanalysen durchgefĂŒhrt und Steuerungsmaßnahmen eingeleitet werden. Betriebs- und Branchenvergleiche dienen begleitend der Abweichungsanalyse. Über die hierarchischen VerknĂŒpfungen des DuPont-Systems lassen sich zudem die Wirkungen einer Maßnahme auf den ROI abschĂ€tzen.

PrĂŒf-Hinweis: Diese Übung ist nicht Bestandteil des U25-Kompass-PDFs (Fragen #01–#20). GeprĂŒft wurde nur die Formel-Logik (ROI = USR × KUH); sie ist konsistent.


Übung #05 Betriebliche Kennzahlen 3 (LandmaDyn-OHG) — Lösung Rohleder

Rohleders Kompass, FINA U25

Aufgabe #067 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · FINA U25ErklĂ€re in eigenen Worten: Übung #05 Betriebliche Kennzahlen 3 (LandmaDyn-OHG) — Lösung Rohleder — Rohleders AntwortschlĂŒssel (FINA U25) steht darunter.
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • Bilanzsumme 590; AV 160, UV 410, ARA 20; EK 390
  • Eigenkapitalquote = 390/590 = 66,10 %
  • Forderungsquote = (220+20)/590 = 40,68 % (Rohleder-Blatt gerundet: 40,7 %)
  • Deckungsgrad I = 390/160 = 243,75 % (Blatt: 243,8 %)
  • Deckungsgrad II = (390+50+90)/160 = 331,25 %
  • LiquiditĂ€t 2. Grades = (20+220+20)/(40+10) = 520,00 %
  • Debitorendauer: UH = 1.550/220 = 7,05; 360×220/1.550 = 51,10 Tage (ohne ARA, nur betrieblich)
  • ArbeitsproduktivitĂ€t = 1.550.000.000/3.800 = 407.894,74 EUR
  • Umsatzrendite = 560/1.550 = 36,13 % (Blatt: 36,1 %)
  • Personalaufwandsquote = 650/1.060 = 61,32 % (Blatt: 61,3 %)
  • Messzahlen (T1=100,00): 104,88 / 136,59 / 151,22 / 158,54; Steigerung 58,54 %
  • Achtung: nicht Teil des Kompass-PDFs; Arithmetik neu gerechnet
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Bilanz = die Übersicht, was die Firma besitzt (Aktiva/links) und wie es finanziert ist (Passiva/rechts). Beide Seiten sind immer gleich gross (Bilanzsumme).
  • Aktiva = alles, was die Firma hat; Passiva = woher das Geld dafĂŒr kam (eigenes oder geliehenes).
  • Anlagevermögen (AV) = langlebiger Besitz: GrundstĂŒcke, Fahrzeuge, BĂŒroausstattung (BGA), langfristige Geldanlagen.
  • Umlaufvermögen (UV) = kurzlebiger, stĂ€ndig wechselnder Besitz: Material (RHB = Roh-, Hilfs-, Betriebsstoffe), Waren, offene Kundenrechnungen (Forderungen LuL), Bankguthaben.
  • Forderungen LuL = Geld, das Kunden aus Lieferungen/Leistungen noch schulden. Verbindlichkeiten LuL = was die Firma Lieferanten noch schuldet.
  • Rechnungsabgrenzung (ARA/PRA) = Vorauszahlungen, die ins falsche Jahr fallen und deshalb zeitlich zurechtgerĂŒckt werden (z. B. im Voraus gezahlte Miete).
  • Eigenkapital (EK) = das Geld, das den Inhabern selbst gehört. Eigenkapitalquote = welcher Anteil des Gesamtvermögens durch eigenes Geld gedeckt ist.
  • Deckungsgrad = zeigt, ob die langlebigen Anschaffungen mit stabilem (eigenem/langfristigem) Geld bezahlt sind - gut, wenn ĂŒber 100 %.
  • LiquiditĂ€t 2. Grades = ob das kurzfristig verfĂŒgbare Geld plus offene Kundenrechnungen reichen, um die kurzfristigen Schulden zu decken.
  • kurzfristiges vs. langfristiges Fremdkapital = bald fĂ€llige Schulden (unter 1 Jahr) gegenĂŒber lange laufenden Schulden (Darlehen, PensionsrĂŒckstellungen).
  • Debitorendauer = wie viele Tage es im Schnitt dauert, bis Kunden bezahlen. Debitoren = Kunden, die noch schulden. Kurz ist gut.
  • UmschlagshĂ€ufigkeit = wie oft sich ein Bestand im Jahr 'umdreht' (z. B. Umsatz geteilt durch Forderungen).
  • ArbeitsproduktivitĂ€t = Umsatz geteilt durch Zahl der Mitarbeiter - wie viel Umsatz pro Kopf.
  • Umsatzrendite = Gewinnanteil pro Euro Umsatz (Gewinn geteilt durch Umsatz).
  • GuV = Gewinn-und-Verlust-Rechnung: stellt alle ErtrĂ€ge (Einnahmen) den Aufwendungen (Ausgaben) gegenĂŒber.
  • Personalaufwandsquote = welcher Anteil der Gesamtkosten auf Löhne/GehĂ€lter entfĂ€llt. Gewinn zĂ€hlt NICHT als Aufwand.
  • Messzahl / Basisjahr = 100 = man setzt ein Startjahr auf 100 und zeigt, wie stark die Zahlen seitdem gestiegen sind. 158,54 bedeutet +58,54 % gegenĂŒber dem Start.
  • NKS = Nachkommastellen; '2 NKS' heisst zwei Ziffern hinter dem Komma.

Datenbasis (Bilanz 31.12.00, Mio. €):

Aktiva — Anlagevermögen: GrundstĂŒcke/GebĂ€ude 80, Fuhrpark 50, BGA 20, Finanzanlagen 10 → AV = 160. Umlaufvermögen: RHB-Stoffe 100, Fertigerzeugnisse 60, unfertige Erzeugnisse 10, Forderungen LuL 220, Bank 20 → UV = 410. Aktive Rechnungsabgrenzung (ARA) 20. Bilanzsumme = 590.

Passiva — Eigenkapital: Gesellschafter A 120 + B 270 → EK = 390. RĂŒckstellungen: PensionsrĂŒckstellungen 50, sonstige RĂŒckstellungen 10. Verbindlichkeiten: Darlehen 90, Verbindlichkeiten LuL 40. Passive Rechnungsabgrenzung 10. Bilanzsumme = 590.

GuV (Mio. €): Aufwand — Verbrauch RHB 150, Personalaufwand 650, Abschreibungen 210, Mietaufwand 50, Gewinn 560. Ertrag — Umsatzerlöse 1.550, Mehrbestand 30, Zinsertrag 40. Mitarbeiter: 3.800.

a) Kennzahlen — Schritt fĂŒr Schritt (nachgerechnet, 2 NKS):

Eigenkapitalquote = Eigenkapital / Gesamtkapital × 100 = 390 / 590 × 100 = 66,10 %.

Forderungsquote = Forderungen / Gesamtvermögen × 100 = (220 + 20) / 590 × 100 = 240 / 590 × 100 = 40,68 % (Lösungsblatt Rohleder gerundet: 40,7 %). BegrĂŒndung Rohleder: Die ARA-Posten stellen Forderungen dar, weil sie durch Vorauszahlungen entstehen, die Gegenleistung jedoch im neuen Jahr gefordert werden muss — deshalb werden sie zu den Forderungen addiert.

Deckungsgrad I = Eigenkapital / Anlagevermögen × 100 = 390 / 160 × 100 = 243,75 % (390/160 = 2,4375; Lösungsblatt gerundet: 243,8 %).

Deckungsgrad II = (Eigenkapital + langfristiges Fremdkapital) / Anlagevermögen × 100 = (390 + 50 + 90) / 160 × 100 = 530 / 160 × 100 = 331,25 %. Langfristiges FK = PensionsrĂŒckstellungen 50 + Darlehen 90.

LiquiditĂ€t 2. Grades = (Zahlungsmittel + Forderungen) / kurzfristiges Fremdkapital × 100 = (20 + 220 + 20) / (40 + 10) × 100 = 260 / 50 × 100 = 520,00 %. Zahlungsmittel = Bank 20; Forderungen = 220 + ARA 20; kurzfristiges FK = Verbindlichkeiten LuL 40 + sonstige RĂŒckstellungen 10. BegrĂŒndung Rohleder: Im Falle einer Liquidation könnten die ARA-Posten zurĂŒckgefordert werden, daher werden sie zu den Forderungen addiert.

Debitorendauer (in zwei Schritten):

UmschlagshÀufigkeit der Forderungen = Umsatz / Forderungen = 1.550 / 220 = 7,05
Debitorendauer = 360 Tage × Forderungen / Umsatz = 360 × 220 / 1.550 = 51,10 Tage

Hinweis: Der Zwischenwert 7,05 ist gerundet; aus dem ungerundeten Wert 7,0455 ergeben sich exakt 51,10 Tage (mit dem gerundeten 7,05 wÀren es rechnerisch 51,06 Tage). Wichtiger Unterschied Rohleder: Bei den Forderungen wird hier keine ARA angesetzt (Forderungen = 220, nicht 240), da lediglich der betriebliche Aspekt betrachtet wird.

ArbeitsproduktivitĂ€t = Umsatz / BeschĂ€ftigte = 1.550.000.000 € / 3.800 BeschĂ€ftigte = 407.894,74 € (Umsatz hier in € statt Mio. €).

Umsatzrendite = Gewinn / Umsatz × 100 = 560 / 1.550 × 100 = 36,13 % (Lösungsblatt gerundet: 36,1 %).

Personalaufwandsquote = Personalaufwand / Gesamtaufwand × 100 = 650 / 1.060 × 100 = 61,32 % (Lösungsblatt gerundet: 61,3 %). Gesamtaufwand = 150 + 650 + 210 + 50 = 1.060 (Gewinn zĂ€hlt nicht als Aufwand).

b) Messzahlenreihe Personalaufwand (Basisjahr T1 = 100,00; Messzahl = Wert / 410 × 100):

Jahr Personalaufwand (Mio. €) Messzahl
T1 410 100,00
T2 430 104,88
T3 560 136,59
T4 620 151,22
T5 650 158,54

Interpretation Rohleder: Die Personalaufwendungen stiegen von T1 auf T5 um 58,54 % (Lösungsblatt in 1 NKS: 58,5 %). Zur Bewertung sollte man auch die ArbeitsproduktivitĂ€t im selben Zeitraum messen: Steigen die Personalaufwendungen stĂ€rker als die ArbeitsproduktivitĂ€t, sollten Maßnahmen eingeleitet werden, um die Personalaufwendungen zu senken und/oder die ArbeitsproduktivitĂ€t zu erhöhen. (Hinweis: Rohleder merkt an, die Messzahlenreihe hĂ€tte nicht erstellt werden mĂŒssen; sie ist hier zur VollstĂ€ndigkeit dennoch angegeben. Rohleders Blatt rundet auf 1 NKS: 104,9 / 136,6 / 151,2 / 158,5.)

Zusatzfrage (offen im Blatt): „Wie ermitteln Sie den optimalen Wert fĂŒr die LiquiditĂ€t 1. Grades (BarliquiditĂ€t, Cash Ratio)?" — Zu dieser Frage ist im Lösungs-PDF keine ausformulierte Antwort hinterlegt; sie ist als Denkanstoß gesetzt.

PrĂŒf-Hinweis: Diese Übung ist nicht Bestandteil des U25-Kompass-PDFs. Alle Werte wurden neu gerechnet; die Prozentwerte fĂŒr Forderungsquote (40,68 %), Deckungsgrad I (243,75 %), Umsatzrendite (36,13 %) und Personalaufwandsquote (61,32 %) weichen von der ursprĂŒnglichen Aufbereitung ab, die dort jeweils 1-NKS-Rundungen mit angehĂ€ngter Null (40,70 / 243,80 / 36,10 / 61,30) angab.


Übung #06 Finanzplan (Agrar GmbH) — Lösung Rohleder

Rohleders Kompass, FINA U25

Aufgabe #068 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · FINA U25ErklĂ€re in eigenen Worten: Übung #06 Finanzplan (Agrar GmbH) — Lösung Rohleder — Rohleders AntwortschlĂŒssel (FINA U25) steht darunter.
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • Umsatz = 10 × (0,7×1,1 + 0,3×1,03) = 10 × 1,079 = 10,79 Mio EUR
  • Aufwendungen = 7 × 1,03 = 7,21 Mio EUR
  • Investition 800.000; Abschreibung 80.000/Jahr; FK 40 % = 320.000
  • Zins 3 % = 9.600; Tilgung 10 % = 32.000
  • Einzahlungen 11.410.000; Auszahlungen 12.051.600; Saldo −641.600 EUR
  • Kapitalbedarf rund 641.600 EUR (ohne EK-Finanzierung des Vorjahres)
  • Abschreibungen erscheinen nicht im Finanzplan (nicht zahlungswirksam)
  • Achtung: nicht Teil des Kompass-PDFs; Arithmetik verifiziert
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Finanzplan = eine Vorausschau, wie viel Geld nĂ€chstes Jahr rein- und rauskommt, um zu sehen, ob es reicht.
  • Kapitalbedarf = wie viel Geld zusĂ€tzlich fehlt und beschafft werden muss.
  • 0,7 × 1,1 = 70 % des Absatzes wachsen um 10 % (mal 1,1 heisst '10 % mehr'). 0,3 × 1,03 = die anderen 30 % wachsen um 3 %.
  • × 1,03 = eine Steigerung um 3 % (das 'mal 1,komma-etwas' ist der Rechentrick fĂŒr Prozent-Aufschlag).
  • Sachanlageinvestition = Kauf von langlebigem Betriebsvermögen (hier eine Anlage fĂŒr 800.000 Euro).
  • Abschreibung linear auf 10 Jahre = der Kaufpreis wird gleichmĂ€ssig auf 10 Jahre Wertverlust verteilt (800.000 / 10 = 80.000 pro Jahr).
  • fremdfinanziert zu 40 % = 40 % des Kaufpreises werden mit geliehenem Geld (Kredit) bezahlt.
  • Fremdkapitalaufnahme = neuen Kredit aufnehmen.
  • Zinsaufwand = die jĂ€hrliche GebĂŒhr fĂŒr den Kredit (3 % vom geliehenen Betrag).
  • Tilgung = das jĂ€hrliche ZurĂŒckzahlen des Kredits (10 % vom Betrag).
  • p. a. = 'pro Jahr' (lateinisch per annum).
  • Einzahlungen minus Auszahlungen = Saldo. Saldo = das Ergebnis unterm Strich; ist es negativ (Minus), fehlt Geld.
  • nicht zahlungswirksam = ein Kostenposten, bei dem kein echtes Geld abfliesst. Abschreibungen sind so etwas - deshalb tauchen sie im Finanzplan (der nur echte Geldbewegungen zeigt) NICHT auf.
  • Zahlendreher = ein Tippfehler beim Vertauschen von Ziffern (im Blatt stand 12.051.800 statt 12.051.600).

Aufgabe a): Ermitteln Sie mit den vorliegenden Angaben einen ersten groben Finanzplan bzw. den voraussichtlichen Kapitalbedarf fĂŒr das nĂ€chste GeschĂ€ftsjahr, wenn keine Finanzierung aus dem Eigenkapitalkonto des Vorjahres berĂŒcksichtigt wird.

Schritt 1 — Voraussichtlicher Umsatz: 70 % des Absatzes (EntwicklungslĂ€nder) wachsen um 10 %, die restlichen 30 % um 3 %:

Umsatz = 10 Mio € × (0,7 × 1,1 + 0,3 × 1,03)
       = 10 Mio € × (0,77 + 0,309)
       = 10 Mio € × 1,079
       = 10,79 Mio €

Schritt 2 — Voraussichtliche Aufwendungen (Steigerung +3 %, Trend der letzten drei Jahre):

Aufwendungen = 7 Mio € × 1,03 = 7,21 Mio €

Schritt 3 — Investition, Abschreibung, Kapitaldienst:

  • ZusĂ€tzliche Sachanlageinvestition: 800.000 €
  • Abschreibung (linear auf 10 Jahre): 800.000 € / 10 = 80.000 €
  • Fremdfinanziert zu 40 % → Fremdkapitalaufnahme = 800.000 € × 0,4 = 320.000 €
  • Zinsaufwand (3 % p. a. auf das FK): 320.000 € × 0,03 = 9.600 €
  • Tilgung (10 % p. a.): 320.000 € × 0,10 = 32.000 €

Schritt 4 — Grober Finanzplan:

Anfangsbestand + Einzahlungen Betrag Auszahlungen Betrag
Zahlungsmittelbestand 300.000 € Zinsaufwand 9.600 €
Umsatzerlöse 10.790.000 € Tilgung 32.000 €
Fremdkapital-Aufnahme 320.000 € Aufwendungen 7.210.000 €
Investition 800.000 €
Kauf Zulieferer 4.000.000 €
Summe 11.410.000 € Summe 12.051.600 €

Saldo (Einzahlungen − Auszahlungen) = 11.410.000 € − 12.051.600 € = −641.600 €.

Ergebnis: Es besteht ein voraussichtlicher Kapitalbedarf von rund 641.600 € — dieser Betrag mĂŒsste zusĂ€tzlich finanziert werden (da die Eigenkapital-Finanzierung des Vorjahres annahmegemĂ€ĂŸ außen vor bleibt).

Treue-Hinweis: Im Original-Lösungsblatt ist die Auszahlungssumme mit „12.051.800 €" angegeben; die ausgewiesene Differenz von −641.600 € entspricht jedoch der Summe 12.051.600 € (9.600 + 32.000 + 7.210.000 + 800.000 + 4.000.000). Die „
800" ist damit ein offensichtlicher Zahlendreher im Blatt; maßgeblich ist der ausgewiesene Kapitalbedarf von 641.600 €. Die Abschreibungen (80.000 € neu bzw. 1 Mio € bisherige) tauchen im zahlungsorientierten Finanzplan bewusst nicht auf, da sie nicht zahlungswirksam sind.

PrĂŒf-Hinweis: Diese Übung ist nicht Bestandteil des U25-Kompass-PDFs. SĂ€mtliche Rechenschritte wurden nachgerechnet und sind stimmig.


Rahmen & Quelle des Kompass (U26/U27)

Rohleders Kompass, FINA U26 · Financial Modeling (Excel)

Aufgabe #069 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · FINA U26ErklĂ€re in eigenen Worten: Rahmen & Quelle des Kompass (U26/U27) — Rohleders AntwortschlĂŒssel (FINA U26) steht darunter.
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • Kompass = Rohleders offizieller AntwortschlĂŒssel zur Aufgabensammlung Finanzwirtschaftliche Kennzahlen
  • U26 = Aufgaben 5, 6, 7 (Betr. Kennz. 1/2, Leverage); U27 = 8, 9, 10 (DuPont, Betr. Kennz. 3, Finanzplan)
  • Zeitbudget Vorbereitung je Unit: 3,5 h; Abgabeform frei (PDF, Excel, PowerPoint), aber eindeutig zuordenbar
  • Quelle der Aufgaben: Christian Eisenschink, Klausurentraining Weiterbildung Finanzwirtschaftliche Steuerung, 1. Aufl. 2016
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Kompass = das offizielle Losungsheft des Dozenten (Rohleder). Also die Musterlosungen, an denen man seine eigenen Antworten abgleicht.
  • Antwortschlussel = Blatt mit den richtigen Losungen. Wie das Losungsheft hinten im Ubungsbuch.
  • Kennzahlen = einzelne Messwerte, mit denen man ein Unternehmen bewertet (z.B. wie viel Gewinn pro verkauftem Euro). Wie eine Kennzahl beim Auto: Verbrauch pro 100 km.
  • Aufgabensammlung = eine Mappe voller Ubungsaufgaben zum Uben.
  • Unit (U26, U27) = einfach eine Lern-Einheit / ein Kapitel des Kurses.
  • Zeitbudget 3,5 h je Unit = so viel Zeit ist zum Vorbereiten gedacht, pro Kapitel dreieinhalb Stunden.
  • Abgabeform frei = du darfst deine Losung als PDF, Excel oder PowerPoint einreichen, Hauptsache man erkennt klar, welche Antwort zu welcher Aufgabe gehort.
  • Zweitprufer / Losungsseiten liegen nur als Bilder vor = die Musterlosung war nur abfotografiert, nicht als Text. Man konnte den Wortlaut also nicht 1:1 prufen, hat aber alle Zahlen selbst nachgerechnet.

Dieses Dossier gibt Rohleders offiziellen Kompass (AntwortschlĂŒssel) zur Aufgabensammlung Finanzwirtschaftliche Kennzahlen wieder. Alle Rechenwege, Formeln und Interpretationen stammen aus SEINEM Lösungsteil und werden hier nur strukturiert und erklĂ€rt.

Zuordnung der Aufgaben zu den Units:

Unit Aufgaben
U26 5 Betriebliche Kennzahlen 1 · 6 Betriebliche Kennzahlen 2 · 7 Leverage-Effekt
U27 8 DuPont-Schema · 9 Betriebliche Kennzahlen 3 · 10 Finanzplan

Organisatorisches laut Kompass: Aufgaben vorab bestmöglich lösen, vorgesehenes Zeitbudget je Unit 3,5 h. Die Abgabeform ist frei (PDF, Excel, PowerPoint), die Ergebnisse mĂŒssen aber leicht und eindeutig den Aufgaben zuzuordnen sein.

Quelle der Aufgaben: Christian Eisenschink, Klausurentraining Weiterbildung Finanzwirtschaftliche Steuerung, 1. Aufl. 2016.

Hinweis des ZweitprĂŒfers: Die Lösungsseiten (Aufgaben 5 bis 10) liegen im offiziellen Kompass nur als Bilder vor. Der Lösungswortlaut konnte daher nicht Zeichen fĂŒr Zeichen gegen den Text geprĂŒft werden; alle Zahlen wurden jedoch unabhĂ€ngig nachgerechnet.


Wiederholung EXRE: Rechnungsabgrenzung (aRAP / pRAP)

Rohleders Kompass, FINA U26

Aufgabe #070 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · FINA U26ErklĂ€re in eigenen Worten: Wiederholung EXRE: Rechnungsabgrenzung (aRAP / pRAP) — Rohleders AntwortschlĂŒssel (FINA U26) steht darunter.
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • aRAP: Unternehmen zahlt Aufwand des nĂ€chsten Jahres schon jetzt, Ausgabe vor Bilanzstichtag, Aufwand im neuen GJ, = Leistungsanspruch (Forderung)
  • pRAP: Gegenseite zahlt schon jetzt, Einnahme vor Bilanzstichtag, Ertrag im neuen GJ, = Verbindlichkeit
  • Rechtsgrundlage: Paragraphen 250 und 252 HGB; Zitat Paragraph 252 Abs. 1 Nr. 5 HGB
  • Zweck: exakter Periodengewinn, korrekte Steuer, Verhindern von Gewinn-Manipulation
  • Wortlaut aus buchhaltung-einfach-sicher.de ĂŒbernommen; Rohleders eigene Anmerkungen im Original kursiv
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Rechnungsabgrenzung = Kosten oder Einnahmen dem richtigen Jahr zuordnen, auch wenn das Geld schon in einem anderen Jahr geflossen ist. Beispiel: Miete fur Januar wird im Dezember bezahlt, gehort aber ins neue Jahr.
  • aRAP (aktive Rechnungsabgrenzung) = du zahlst jetzt schon fur etwas, das erst nachstes Jahr genutzt/verbraucht wird. Das Geld ist raus, der Nutzen kommt spater. Wie eine Jahreskarte, die du im Dezember kaufst, aber ab Januar nutzt.
  • pRAP (passive Rechnungsabgrenzung) = jemand zahlt DIR jetzt schon fur eine Leistung, die du erst nachstes Jahr erbringst. Du hast das Geld, die Arbeit steht noch aus. Wie Anzahlung eines Kunden.
  • Aufwand = Kosten / Werteverzehr in einem Jahr (nicht dasselbe wie die Zahlung, die kann fruher sein).
  • Ertrag = Einnahmen / Wertzuwachs in einem Jahr (auch hier: Zahlung kann fruher sein).
  • Bilanzstichtag = der Stichtag, an dem das Geschaftsjahr abgeschlossen wird (meist 31.12.). Zu diesem Tag wird alles gezahlt und bewertet.
  • Forderung = Anspruch, noch etwas zu bekommen (Geld oder Leistung). aRAP ist so ein Anspruch: du hast bezahlt und bekommst die Leistung noch.
  • Verbindlichkeit = Schuld, du musst noch etwas leisten oder zahlen. pRAP ist so eine Schuld: du hast Geld bekommen und musst noch liefern.
  • Paragraph 250/252 HGB = Stellen im Handelsgesetzbuch (dem Regelwerk fur Buchhaltung), die vorschreiben, wie man das macht.
  • Periodengewinn = der Gewinn genau eines Zeitabschnitts (z.B. eines Jahres). Sauber getrennt, damit jedes Jahr ehrlich dasteht.
  • Gewinn-Manipulation verhindern = damit keiner den Gewinn kunstlich in ein anderes Jahr schiebt, um Steuern zu tricksen.

Merksatz zur Unterscheidung: es kommt darauf an, WER wann zahlt und in welcher Periode der Aufwand bzw. Ertrag anfÀllt.

Merkmal aktive RAP (aRAP) passive RAP (pRAP)
Auslöser Unternehmen bezahlt Aufwand des nÀchsten Jahres schon im laufenden Jahr Gegenseite (z. B. Kunde) bezahlt schon im laufenden Jahr
Zahlungszeitpunkt Ausgabe vor dem Bilanzstichtag Einnahme vor dem Bilanzstichtag
Erfolg Aufwand im neuen GeschÀftsjahr Ertrag im neuen GeschÀftsjahr
Bilanzcharakter Leistungsanspruch = Forderung Leistungspflicht = Verbindlichkeit

Rechtsgrundlage: Form und Funktion sind in den Paragraphen 250 und 252 HGB definiert. Wörtlich (Paragraph 252 Abs. 1 Nr. 5 HGB): "Aufwendungen und ErtrĂ€ge des GeschĂ€ftsjahres sind unabhĂ€ngig von den Zeitpunkten der entsprechenden Zahlungen im Jahresabschluss zu berĂŒcksichtigen."

Warum ist die Rechnungsabgrenzung nötig? Um den exakten Periodengewinn zu ermitteln. Weil zwischen Einzahlungen und Ausgaben bzw. ErtrĂ€gen und Aufwendungen oft zeitliche Differenzen bestehen, können Unstimmigkeiten darĂŒber entstehen, welcher Periode der Erfolg zuzuordnen ist. Durch exakte Abgrenzung sichert sich das Unternehmen ab, dass die Steuern korrekt an das Finanzamt abgefĂŒhrt werden; der Staat will damit Gewinn-Manipulationen verhindern (etwa durch absichtliche Verzögerung von Einnahmen oder durch Vorauszahlungen).

Hinweis Rohleders: Dieser Abschnitt ist wörtlich ĂŒbernommen aus buchhaltung-einfach-sicher.de/buchhaltung/rechnungsabgrenzung; seine eigenen Anmerkungen (aRAP = Forderungen, pRAP = Verbindlichkeiten) stehen im Original kursiv. Diese RAP-Einordnung ist Grundlage fĂŒr die spĂ€teren LiquiditĂ€ts- und Forderungskennzahlen (Aufgaben 6 und 9), wo ARA teils zu den Forderungen gezĂ€hlt wird.


Betriebliche Kennzahlen 1 — Metall GmbH (ROI-Zerlegung)

Rohleders Kompass, FINA U26

Aufgabe #071 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · FINA U26ErklĂ€re in eigenen Worten: Betriebliche Kennzahlen 1 — Metall GmbH (ROI-Zerlegung) — Rohleders AntwortschlĂŒssel (FINA U26) steht darunter.
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • Gegeben: Goldene Bilanzregel 80 % (VJ 90 %), ROI 3 % (VJ 8 %), KUH 2 (VJ 3), GF-GehĂ€lter 500.000 EUR = 50 % der Aufwendungen, ArbeitsproduktivitĂ€t 150.000 vs. 220.000 EUR
  • ROI = USR mal KUH: Berichtsjahr 3 % = USR mal 2, also USR = 1,50 %
  • Vorjahr 8 % = USR mal 3, also USR = 8/3 = 2,67 % (Kompass rundet auf 2,70 %)
  • KUH sinkt von 3 auf 2 (um rund 33 %); Goldene Bilanzregel sinkt und ist nie erfĂŒllt
  • Achtung: Kapitalumschlag = Umsatz / Gesamtkapital (NICHT Gewinn / Gesamtkapital)
  • Massnahmen: GF-GehĂ€lter senken, Umsatz je Mitarbeiter steigern, damit Gewinn/EK/USR steigen
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • ROI (Return on Investment) = wie viel Gewinn kommt aus dem eingesetzten Kapital heraus, in Prozent. 3 % heisst: aus 100 Euro Kapital 3 Euro Gewinn.
  • USR (Umsatzrendite) = wie viel Gewinn bleibt von jedem Umsatz-Euro ubrig, in Prozent. 1,5 % heisst: von 100 Euro Umsatz 1,50 Euro Gewinn.
  • KUH (Kapitalumschlagshaufigkeit) = wie oft das eingesetzte Kapital im Jahr als Umsatz wieder reinkommt. KUH 2 heisst: der Umsatz ist doppelt so gross wie das Kapital.
  • ROI = USR mal KUH = die beiden Kennzahlen zusammen ergeben den ROI. Deshalb kann man aus zwei bekannten den dritten Wert ausrechnen.
  • Umformung 3 % = USR mal 2, also USR = 1,50 % = wenn zwei Zahlen multipliziert 3 ergeben und eine davon 2 ist, teilt man 3 durch 2. Simple Ruckrechnung.
  • Achtung-Falle: Kapitalumschlag ist Umsatz geteilt durch Gesamtkapital, NICHT Gewinn geteilt durch Kapital. Gewinn durch Kapital ware der ROI selbst.
  • Goldene Bilanzregel = Faustregel: das eigene Geld (Eigenkapital) soll mindestens die langfristigen Anlagen (Gebaude, Maschinen) abdecken. 80 % heisst: es deckt nur 80 %, also nicht erfullt.
  • Eigenkapital = das Geld, das den Eigentumern selbst gehort (kein geliehenes). Steigt, wenn Gewinne im Unternehmen bleiben.
  • Anlagevermogen = langfristige Dinge wie Gebaude, Maschinen, Fahrzeuge, die dauerhaft im Betrieb bleiben.
  • Arbeitsproduktivitat = Umsatz pro Mitarbeiter. 150.000 Euro heisst: jeder Mitarbeiter erwirtschaftet im Schnitt 150.000 Euro Umsatz. Zu wenig gegenuber Vergleichswert 220.000.
  • Betriebsvergleich = Vergleich mit ahnlichen Firmen der Branche, um zu sehen, ob man gut oder schlecht dasteht.
  • GF-Gehalter 50 % der Aufwendungen = die Chefs kosten die Halfte aller Ausgaben. Das druckt den Gewinn stark.

Aufgabenstellung: Ein externer Unternehmensberater analysiert die Kennzahlen der Metall GmbH. Gegeben: Goldene Bilanzregel Berichtsjahr 80 %, Vorjahr 90 %; ROI 3 %, Vorjahr 8 %; KapitalumschlagshĂ€ufigkeit 2, Vorjahr 3; GeschĂ€ftsfĂŒhrergehĂ€lter 500.000 EUR (= 50 % der Gesamtaufwendungen) in beiden Jahren; ArbeitsproduktivitĂ€t 150.000 EUR gegenĂŒber Betriebsvergleich 220.000 EUR. Gefragt sind die Bewertungen.

Rohleders Lösung — Goldene Bilanzregel: Sie nimmt gegenĂŒber dem Vorjahr ab (90 % auf 80 %). Zudem deckt das Eigenkapital weder im Berichts- noch im Vorjahr das Anlagevermögen ab; die Goldene Bilanzregel ist nicht erfĂŒllt. Das Eigenkapital sollte durch höhere Gewinne gesteigert werden.

ROI-Zerlegung (Kern der Aufgabe): Der Return on Investment ist das Produkt aus Umsatzrendite (USR) und KapitalumschlagshÀufigkeit (KUH):

ROI = USR mal KUH

Berichtsjahr: 3 % = USR mal 2, also USR = 1,50 %. Vorjahr: 8 % = USR mal 3, also USR = 8 geteilt durch 3 = 2,67 % (im Kompass gerundet als 2,70 % angegeben).

Bewertung: ROI und Umsatzrendite sind gegenĂŒber dem Vorjahr gesunken. Der Kapitalumschlag ist das VerhĂ€ltnis Umsatz zu Gesamtkapital (nicht Gewinn zu Gesamtkapital — Letzteres ist der ROI selbst) und hat sich vom Vorjahr zum Berichtsjahr verringert (um rund 33 %, nĂ€mlich von 3 auf 2).

GeschĂ€ftsfĂŒhrergehĂ€lter: Sie beanspruchen 50 % der Gesamtaufwendungen. Eine Ursache fĂŒr den zu geringen Gewinn und damit das zu niedrige Eigenkapital sind die hohen GF-GehĂ€lter. Eine Senkung wĂŒrde den Gewinn steigen lassen, sodass das Eigenkapital steigt; dann könnten die Goldene Bilanzregel (EK geteilt durch AV) und die KapitalumschlagshĂ€ufigkeit (Umsatz geteilt durch Gesamtkapital) sich erhöhen.

ArbeitsproduktivitÀt: Sie liegt mit 150.000 EUR unter dem Betriebsvergleich (220.000 EUR). Die ArbeitsproduktivitÀt zeigt das VerhÀltnis Umsatz je BeschÀftigten. Mögliche Ursachen: zu viele Mitarbeiter oder zu geringer Umsatz je Mitarbeiter (niedrige Preise, z. B. hoher Wettbewerb, oder zu geringe Absatzmengen).

Fazit: Der geringe Umsatz je Mitarbeiter muss gesteigert werden (Preise erhöhen, Menge steigern, Zahl der Mitarbeiter senken) und die GeschĂ€ftsfĂŒhrergehĂ€lter sind zu reduzieren. Dann könnten die Gewinne steigen und somit die Umsatzrendite. Insgesamt sind Massnahmen zur Effizienz- und EffektivitĂ€tssteigerung notwendig.


Betriebliche Kennzahlen 2 — LiquiditĂ€tsgrade, Goldene Bilanzregel, GKR (Einzelunternehmen)

Rohleders Kompass, FINA U26

Aufgabe #072 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · FINA U26ErklĂ€re in eigenen Worten: Betriebliche Kennzahlen 2 — LiquiditĂ€tsgrade, Goldene Bilanzregel, GKR (Einzelunternehmen) — Rohleders AntwortschlĂŒssel (FINA U26) steht darunter.
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • Fehlende Werte: aus Entschuldungsgrad 0,20 = 50 / (30 + KFK) folgt KFK = 220
  • Working Capital Ratio 0,80 = UV / 220, also UV = 176; Zahlungsmittel = 176 minus 10 minus 30 = 136
  • Bilanzsumme = 200 + 176 + 50 = 426; Eigenkapital = 426 minus 250 minus 30 = 146
  • Liq 1. Grades = 136 / 220 = 61,82 %; Liq 2. Grades = 216 / 250 = 86,40 %; Liq 3. Grades = 226 / 220 = 102,73 %
  • Goldene Bilanzregel = 146 / 200 = 73,00 % (Soll mindestens 100 %, nicht erfĂŒllt)
  • Gewinn = 600 minus 200 minus 100 = 300; GKR = (300 + 10) / 426 = 72,77 %
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Liquiditat = Zahlungsfahigkeit: kann die Firma ihre kurzfristigen Rechnungen bezahlen? Liquiditatsgrade messen das gestaffelt.
  • Liquiditat 1. Grades = nur das sofort verfugbare Geld (Kasse, Bank) gegen die kurzfristigen Schulden. Strengster Test.
  • Liquiditat 2. Grades = Geld PLUS Forderungen (Geld, das Kunden noch schulden) gegen kurzfristige Schulden.
  • Liquiditat 3. Grades = das gesamte Umlaufvermogen (auch Warenlager) gegen kurzfristige Schulden. Lockerster Test.
  • Umlaufvermogen (UV) = alles, was schnell zu Geld wird: Kasse, Bank, Forderungen, Warenlager. Gegenteil vom Anlagevermogen.
  • KFK (kurzfristiges Fremdkapital) = Schulden, die bald fallig sind (z.B. offene Lieferantenrechnungen). 'Fremd' = geliehenes, nicht eigenes Geld.
  • Working Capital Ratio 0,80 = UV / KFK = Verhaltnis von schnellem Vermogen zu kurzfristigen Schulden. Formel nach der fehlenden Zahl umstellen, um sie zu finden.
  • Entschuldungsgrad 0,20 = Cashflow / Fremdkapital = zeigt, welchen Anteil der Schulden die Firma aus eigener Kraft (erwirtschaftetem Geld) pro Jahr tilgen konnte.
  • Cashflow = das im Jahr tatsachlich erwirtschaftete Geld (grob: Einnahmen minus zahlungswirksame Ausgaben).
  • Zahlungsmittel = Bargeld und Bankguthaben, das direkt verfugbar ist.
  • Bilanzsumme = die Gesamtsumme aller Werte. Muss auf beiden Seiten (Vermogen und Herkunft des Geldes) gleich sein.
  • GuV (Gewinn- und Verlustrechnung) = die Liste aller Ertrage und Aufwendungen eines Jahres, unten steht der Gewinn.
  • RHB (Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe) = das Material, das in der Produktion verbraucht wird (Rohstoffe usw.).
  • GKR (Gesamtkapitalrendite) = (Gewinn + Zinsen fur Kredite) geteilt durch das gesamte Kapital. Zeigt, wie viel das ganze eingesetzte Geld abwirft, egal ob eigen oder geliehen.
  • Fremdkapitalzinsen dazurechnen = weil der Zins ja auch ein Ertrag des eingesetzten Kapitals ist, nur an die Bank gezahlt. Fur die Gesamtsicht wird er wieder hinzugezahlt.
  • Soll mindestens 100 % = Faustregel, ab wann eine Kennzahl als gesund gilt. Darunter = Warnsignal.

Aufgabenstellung: FĂŒr ein Einzelunternehmen liegt eine Bilanz zum 31.12.00 mit LĂŒcken vor. Bekannt: Anlagevermögen 200; Umlaufvermögen mit VorrĂ€ten 10 und Forderungen a. LL 30 (Zahlungsmittel unbekannt); ARA 50; Fremdkapital langfristig 30, kurzfristig unbekannt; PRA 30 (Werte in T EUR). ZusĂ€tzlich: Working Capital Ratio 80 %, Cashflow 50, Entschuldungsgrad 20 %. Aus der GuV: UmsĂ€tze 600, Aufwendungen fĂŒr Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe 200, GehĂ€lter 100. Teilaufgaben: a) LiquiditĂ€t 1. bis 3. Grades, b) Goldene Bilanzregel, c) Gesamtkapitalrendite (Fremdkapitalzinsen = 10).

Schritt 1 — Fehlende Bilanzpositionen ermitteln. Notation: UV = Umlaufvermögen, KFK = kurzfristiges Fremdkapital.

(1) Working Capital Ratio: 0,80 = UV geteilt durch KFK. (2) Entschuldungsgrad: 0,20 = Cashflow geteilt durch Fremdkapital = 50 geteilt durch (30 + KFK).

Aus (2): 0,20 mal (30 + KFK) = 50, also 6 + 0,20 mal KFK = 50, also 0,20 mal KFK = 44, also KFK = 220.

Eingesetzt in (1): 0,80 = UV geteilt durch 220, also UV = 176. Davon sind VorrÀte 10 und Forderungen 30 = 40, also Zahlungsmittel = 176 minus 40 = 136.

Bilanzsumme (Aktiva) = AV 200 + UV 176 + ARA 50 = 426; das gilt auch fĂŒr die Passivseite. Daraus ergibt sich ein Eigenkapital von 146 (426 minus Fremdkapital 250 minus PRA 30; Fremdkapital = 30 langfristig + 220 kurzfristig).

Schritt 2 — LiquiditĂ€tsgrade (jeweils mal 100):

LiquiditÀt 1. Grades = Zahlungsmittel geteilt durch KFK = 136 geteilt durch 220 = 61,82 %. LiquiditÀt 2. Grades = (Zahlungsmittel + Forderungen) geteilt durch KFK; ARA und PRA sind einzubeziehen: = (136 + 30 + 50) geteilt durch (220 + 30) = 216 geteilt durch 250 = 86,40 %. LiquiditÀt 3. Grades = (UV + ARA) geteilt durch KFK = 226 geteilt durch 220 = 102,73 %.

Beurteilung LiquiditĂ€t: LiquiditĂ€t 1. Grades — die Zahlungsmittel sollten ausreichen, das kurzfristige Fremdkapital zu decken, es kommt aber auf die Art des KFK an; ein Finanzplan sollte herangezogen werden, und die ZahlungsmittelbestĂ€nde sollten nicht zu hoch sein, weil sie kaum verzinst werden. LiquiditĂ€t 2. Grades sollte mindestens 100 % erreichen (hier 86,40 %, also nicht erfĂŒllt). LiquiditĂ€t 3. Grades liegt mit 102,73 % knapp ĂŒber 100 %; es mĂŒssten die VorrĂ€te in Geld umgewandelt werden, um das KFK zu decken. Betriebs- und Zeitvergleich können unterstĂŒtzend herangezogen werden.

Schritt 3 — Goldene Bilanzregel:

Goldene Bilanzregel = Eigenkapital geteilt durch Anlagevermögen mal 100 = 146 geteilt durch 200 mal 100 = 73,00 %. Sie sollte mindestens 100 % betragen und ist in diesem Fall nicht erfĂŒllt.

Schritt 4 — Gesamtkapitalrendite (c). Gewinn = Umsatz 600 minus RHB 200 minus GehĂ€lter 100 = 300; Fremdkapitalzinsen = 10; Gesamtkapital = 426.

Gesamtkapitalrendite = (Gewinn + Fremdkapitalzinsen) geteilt durch Gesamtkapital mal 100 = (300 + 10) geteilt durch 426 mal 100 = 72,77 %.

Beurteilung: Die Gesamtkapitalrendite sollte grösser als der Fremdkapitalzinssatz sein. Es ist unwahrscheinlich, dass der Fremdkapitalzinssatz grösser als 72,77 % ist; daher ist die GKR geeignet, eine positive Wirkung auf den Leverage-Effekt auszuĂŒben. ErgĂ€nzend kann ein Betriebs- und Zeitvergleich herangezogen werden.


Leverage-Effekt

Rohleders Kompass, FINA U26

Aufgabe #073 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · FINA U26ErklĂ€re in eigenen Worten: Leverage-Effekt — Rohleders AntwortschlĂŒssel (FINA U26) steht darunter.
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • Formel: EKR = GKR + (GKR minus FKZ) mal FK / EK
  • EK-Quote 25 % von 5.000.000 EUR = 1.250.000 EUR EK; FK = 3.750.000 EUR
  • (GKR minus FKZ) = 15 % minus 3 % = 12 %
  • EKR vorher = 15 % + 12 % mal 3 = 51,00 %
  • FK-Erhöhung 10 % = 375.000 EUR, FK neu = 4.125.000 EUR; EKR nachher = 15 % + 12 % mal 3,3 = 54,60 %
  • Lohnt sich (plus 3,60 Prozentpunkte); Bedingung fĂŒr positiven Hebel: GKR grösser als FKZ
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Leverage-Effekt = Hebelwirkung: durch geliehenes Geld (Kredit) kann die Rendite auf das eigene Geld steigen, solange sich das Geliehene mehr verdient als es an Zinsen kostet.
  • EKR (Eigenkapitalrendite) = wie viel Prozent Gewinn das eigene Geld (Eigenkapital) abwirft. Das ist die Zahl, die die Eigentumer interessiert.
  • GKR (Gesamtkapitalrendite) = Rendite auf das gesamte Kapital (eigen + geliehen).
  • FKZ (Fremdkapitalzinssatz) = der Zinssatz, den man der Bank fur den Kredit zahlt.
  • Formel EKR = GKR + (GKR minus FKZ) mal FK/EK = Grundrendite plus ein Hebel. Der Hebel ist der Vorsprung (GKR minus FKZ) mal dem Verhaltnis von geliehenem zu eigenem Geld.
  • (GKR minus FKZ) = der Vorsprung: verdient das Kapital mehr (15 %) als der Kredit kostet (3 %)? Hier 12 % Vorsprung. Nur wenn positiv, hebelt der Kredit nach oben.
  • FK/EK (Verschuldungsgrad) = Verhaltnis von geliehenem zu eigenem Geld. FK/EK = 3 heisst: dreimal so viel Kredit wie Eigenkapital.
  • EK-Quote 25 % von 5.000.000 = Eigenkapital = 1.250.000 = ein Viertel des Gesamtkapitals ist eigenes Geld, der Rest (3.750.000) ist geliehen.
  • Prozentpunkte (plus 3,60) = die schlichte Differenz zweier Prozentwerte (54,60 minus 51,00). Nicht mit Prozent verwechseln.
  • Bedingung fur positiven Hebel: GKR muss grosser als FKZ sein = nur wenn das Kapital mehr abwirft, als der Kredit kostet, lohnt sich mehr Kredit. Sonst dreht der Hebel ins Minus.

Aufgabenstellung a): Ein Unternehmen hat eine Eigenkapitalquote von 25 % bei einem Gesamtkapital von 5.000.000 EUR. Wegen expansiver Ausrichtung werden zusĂ€tzlich 10 % Fremdkapital bei einer Bank aufgenommen (Fremdkapitalzins 3 %). Lohnt sich die FK-Aufnahme fĂŒr die Kapitaleigner, wenn die Gesamtkapitalrendite vor der Kapitalaufnahme 15 % betrĂ€gt? b) Welche Bedingung muss gegeben sein, damit der Leverage-Effekt eintritt?

Leverage-Formel (Rohleder):

Eigenkapitalrendite (EKR) = GKR + (GKR minus FKZ) mal FK geteilt durch EK

mit GKR = Gesamtkapitalrendite, FKZ = Fremdkapitalzinssatz.

Schritt 1 — Kapitalstruktur: EK-Quote 25 % von 5.000.000 EUR = 1.250.000 EUR Eigenkapital. Das Fremdkapital betrĂ€gt somit 3.750.000 EUR.

Schritt 2 — Kennwerte: Steigerung des Fremdkapitals um 10 % = 375.000 EUR; FKZ = 3 %; GKR = 15 %; damit (GKR minus FKZ) = 12 %.

Schritt 3 — EKR vor Kreditaufnahme:

EKR = 15 % + 12 % mal (3.750.000 EUR geteilt durch 1.250.000 EUR) = 15 % + 12 % mal 3 = 51,00 %.

Schritt 4 — EKR nach Kreditaufnahme (FK neu = 3.750.000 + 375.000 = 4.125.000 EUR):

EKR = 15 % + 12 % mal (4.125.000 EUR geteilt durch 1.250.000 EUR) = 15 % + 12 % mal 3,3 = 54,60 %.

Ergebnis: Die Kreditaufnahme lohnt sich fĂŒr die Kapitaleigner, da die Eigenkapitalrendite um 3,60 Prozentpunkte steigt (von 51,00 % auf 54,60 %).

Lösung b): Damit der Leverage-Effekt fĂŒr die Kapitaleigner positiv ausfĂ€llt, muss die Gesamtkapitalrendite (GKR) grösser als der Fremdkapitalzinssatz (FKZ) sein. Nur dann hebelt zusĂ€tzliches Fremdkapital die Eigenkapitalrendite nach oben.


DuPont-Schema — SchokoPral-AG

Rohleders Kompass, FINA U26

Aufgabe #074 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · FINA U26ErklĂ€re in eigenen Worten: DuPont-Schema — SchokoPral-AG — Rohleders AntwortschlĂŒssel (FINA U26) steht darunter.
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • ROI = USR mal KUH; USR = Gewinn / Umsatz mal 100; KUH = Umsatz / Kapital
  • Möglichkeit 1 (USR): Kakaopreis plus 10 % senkt Gewinn, daher Kosten senken (Prozesse, Leerkosten, Energie, Kostenbewusstsein)
  • Möglichkeit 2 (KUH): neue Energieanlage erhöht den Nenner Kapital, KUH sinkt; nur ausgleichbar, wenn Kostensenkung die USR ĂŒberkompensiert
  • Nutzen DuPont: ROI-Grössen in Bestandteile zerlegbar, Schwachstellen- und Abweichungsanalyse, Wirkung von Massnahmen abschĂ€tzbar
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • DuPont-Schema = ein Baukasten, der den ROI in seine Bestandteile zerlegt, damit man sieht, an welcher Schraube man drehen kann. Benannt nach der Firma DuPont.
  • ROI = USR mal KUH = der Gesamt-Erfolg setzt sich zusammen aus 'Gewinn pro Umsatz' mal 'wie oft das Kapital umgeschlagen wird'.
  • USR (Umsatzrendite) = Gewinn geteilt durch Umsatz, mal 100 = wie viel Prozent Gewinn von jedem Umsatz-Euro ubrig bleiben.
  • KUH (Kapitalumschlagshaufigkeit) = Umsatz geteilt durch Kapital = wie oft das eingesetzte Kapital pro Jahr als Umsatz reinkommt.
  • Prozentpunkte (ROI um 2 erhohen) = der Zielwert soll um 2 Punkte hoher liegen, z.B. von 8 % auf 10 %.
  • Kakaopreise plus 10 % druckt den Gewinn = teurerer Rohstoff = weniger Gewinn ubrig = die USR sinkt. Deshalb muss man woanders Kosten sparen.
  • Leerkosten = Kosten fur ungenutzte Kapazitat (z.B. Maschine steht still, kostet aber trotzdem). Abbauen = besser auslasten.
  • Neue Energieanlage erhoht den Nenner Kapital = eine teure neue Maschine erhoht das eingesetzte Kapital. Weil Kapital im Nenner der KUH steht (Umsatz / Kapital), wird der Bruch kleiner, die KUH sinkt.
  • uberkompensieren = die eine Verschlechterung (KUH sinkt) muss durch eine grossere Verbesserung anderswo (Kosten runter, USR rauf) mehr als ausgeglichen werden.
  • Schwachstellenanalyse = gezieltes Suchen, wo im Betrieb es hakt, indem man die zerlegten Kennzahlen einzeln anschaut.
  • Abweichungsanalyse = Vergleich Soll gegen Ist bzw. gegen andere Firmen, um Ausreisser zu finden.

Aufgabenstellung a): Die SchokoPral-AG produziert im Hochpreissegment Schokolade und Pralinen. Der Vorstand fordert fĂŒr das nĂ€chste GeschĂ€ftsjahr eine Erhöhung des Return on Investment um 2 Prozentpunkte. Das strategische Controlling berichtet, dass die Kakaopreise um 10 % im nĂ€chsten GeschĂ€ftsjahr steigen. Zudem muss aus technischen GrĂŒnden die alte Energieanlage durch eine neue ersetzt werden. ErlĂ€utern Sie im Rahmen des Du-Pont-Kennzahlensystems zwei Möglichkeiten, den ROI im gewĂŒnschten Masse zu steigern. b) ErlĂ€utern Sie den Nutzen des Du-Pont-Kennzahlensystems.

Grundstruktur (Rohleder):

Return on Investment (ROI) = Umsatzrendite (USR) mal KapitalumschlagshÀufigkeit (KUH) USR = Gewinn geteilt durch Umsatz mal 100 KUH = Umsatz geteilt durch Kapital

Möglichkeit 1 (ĂŒber die Umsatzrendite): Wenn die Kakaopreise um 10 % steigen, reduziert sich der Gewinn (wenn alle anderen Faktoren gleich bleiben). Um den ROI auf das gewĂŒnschte Mass zu erhöhen, sollten die Kosten gesenkt werden. Durch eine Kostenanalyse sollten Ansatzpunkte gefunden werden, z. B. Umgestaltung der Prozesse, Leerkosten abbauen, Energie sparen, verstĂ€rktes Kostenbewusstsein bei den BeschĂ€ftigten fördern, um die gestiegenen Kakaopreise auszugleichen. Durch den starken Wettbewerb besteht kaum Möglichkeit, den Umsatz zu verĂ€ndern.

Möglichkeit 2 (ĂŒber die KapitalumschlagshĂ€ufigkeit): Durch den Ersatz der alten Energieanlage durch die neue Anlage steigt bei der KUH der Nenner (das Kapital) an. Wenn der Umsatz aufgrund des Wettbewerbs als konstant betrachtet wird, sinkt die KUH und damit der ROI. Die gewĂŒnschte Steigerung des ROI kann nur gelingen, wenn die Kostenreduktionen so stark ausfallen, dass der Gewinn und somit die USR steigen und den RĂŒckgang der KUH ĂŒberkompensieren.

Lösung b) — Nutzen des Du-Pont-Systems: Der Nutzen liegt darin, dass die einzelnen Grössen des ROI in weitere Bestandteile zerlegt werden können. Beim Gewinn können die Aufwands- und Ertragskomponenten und beim Kapital (bzw. beim betriebsnotwendigen Vermögen) das Anlage- und Umlaufvermögen untersucht werden, um eine Steigerung des ROI zu bewirken. Es können Schwachstellenanalysen durchgefĂŒhrt und Steuerungsmassnahmen eingeleitet werden; Betriebs- und Branchenvergleiche können fĂŒr Abweichungsanalysen genutzt werden. Beim Du-Pont-System können die Wirkungen einer Massnahme (z. B. VerĂ€nderungen der Forderungen) auf den ROI durch die hierarchischen VerknĂŒpfungen abgeschĂ€tzt werden.


Betriebliche Kennzahlen 3 (Teil a) — Bilanz-Strukturkennzahlen LandmaDyn OHG

Rohleders Kompass, FINA U26

Aufgabe #075 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · FINA U26ErklĂ€re in eigenen Worten: Betriebliche Kennzahlen 3 (Teil a) — Bilanz-Strukturkennzahlen LandmaDyn OHG — Rohleders AntwortschlĂŒssel (FINA U26) steht darunter.
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • Zwischensummen: AV = 160, UV = 410, EK = 390 (Gesellschafter A 120 + B 270), Bilanzsumme 590
  • Eigenkapitalquote = 390 / 590 = 66,10 %
  • Forderungsquote = (220 + 20 ARA) / 590 = 240 / 590 = 40,68 % (ARA gilt als Forderung)
  • Deckungsgrad I = 390 / 160 = 243,75 %
  • Deckungsgrad II = (390 + 50 + 90) / 160 = 530 / 160 = 331,25 % (langfr. FK = PensionsrĂŒckstellungen + Darlehen)
  • Liq 2. Grades = (20 + 220 + 20) / (40 + 10) = 260 / 50 = 520,00 %
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Bilanz = die Ubersicht: links steht das Vermogen (was die Firma hat), rechts, woher das Geld dafur kommt (eigenes und geliehenes). Beide Seiten sind gleich gross.
  • Aktiva = die linke Seite: das Vermogen (Grundstucke, Maschinen, Waren, Forderungen, Bankguthaben).
  • Passiva = die rechte Seite: die Geldherkunft (Eigenkapital, Ruckstellungen, Darlehen, Verbindlichkeiten).
  • OHG = Offene Handelsgesellschaft, eine Firmenform mit mehreren Gesellschaftern (hier A und B), deren Einlagen zusammen das Eigenkapital bilden.
  • Eigenkapitalquote = Eigenkapital geteilt durch Gesamtkapital = welcher Anteil des Geldes den Eigentumern selbst gehort. 66 % = solide, mehr als die Halfte eigenes Geld.
  • Forderungsquote = Forderungen geteilt durch Gesamtvermogen = welcher Anteil des Vermogens in offenen Kundenrechnungen steckt (Geld, das noch reinkommt).
  • ARA (aktive Rechnungsabgrenzung) wird als Forderung gezahlt = weil die Firma vorausgezahlt hat und die Gegenleistung noch bekommt, ist das wie ein Anspruch (Forderung). Deshalb dazuaddiert.
  • Deckungsgrad I = Eigenkapital geteilt durch Anlagevermogen = deckt das eigene Geld die langfristigen Anlagen? uber 100 % = ja, mehr als genug.
  • Deckungsgrad II = (Eigenkapital + langfristiges Fremdkapital) geteilt durch Anlagevermogen = deckt eigenes plus langfristig geliehenes Geld die Anlagen? Noch bequemer erfullt.
  • Langfristiges Fremdkapital = geliehenes Geld, das lange gebunden ist: hier Pensionsruckstellungen und das Darlehen.
  • Pensionsruckstellungen = zuruckgelegtes Geld fur spatere Betriebsrenten der Mitarbeiter. Gilt als langfristige Schuld.
  • Ruckstellung = Geld, das fur eine kunftige, noch nicht genau feststehende Ausgabe zuruckgelegt wird.
  • Liquiditat 2. Grades = (Zahlungsmittel + Forderungen) geteilt durch kurzfristiges Fremdkapital = kann die Firma ihre baldigen Schulden aus Geld und Kundenforderungen bezahlen. 520 % = sehr locker.
  • PRA (passive Rechnungsabgrenzung) hier als kurzfristiges Fremdkapital = weil die Firma schon Geld erhalten hat und noch leisten muss, zahlt es zu den kurzfristigen Verpflichtungen.

Aufgabenstellung: Der Chefcontroller der mittelstÀndischen LandmaDyn-OHG (landwirtschaftliche Maschinen) will Kennziffern analysieren. Bilanz zum 31.12.00 (in Mio. EUR):

Aktiva Mio. EUR Passiva Mio. EUR
GrundstĂŒcke, GebĂ€ude 80 Gesellschafter A 120
Fuhrpark 50 Gesellschafter B 270
Betriebs- und GeschĂ€ftsausstattung 20 PensionsrĂŒckstellungen 50
Finanzanlagen 10 Sonstige RĂŒckstellungen 10
Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe 100 Darlehen 90
Fertigerzeugnisse 60 Verbindlichkeiten aus Liefer./Leist. 40
Unfertige Erzeugnisse 10 Passive Rechnungsabgrenzung 10
Forderungen aus Liefer./Leist. 220
Bank 20
Aktive Rechnungsabgrenzung 20
Bilanzsumme 590 Bilanzsumme 590

Aus der GuV (in Mio. EUR): Verbrauch RHB 150, Personalaufwand 650, Abschreibungen 210, Mietaufwand 50, Gewinn 560 (Soll = 1.620); Umsatzerlöse 1.550, Mehrbestand 30, Zinsertrag 40 (Haben = 1.620). BeschÀftigte: 3.800 (31.12.00). Zwischensummen: Anlagevermögen = 160, Umlaufvermögen = 410, Eigenkapital = 390.

Lösung a) — die Bilanz-Strukturkennzahlen (jeweils mal 100):

Eigenkapitalquote = Eigenkapital geteilt durch Gesamtkapital = 390 geteilt durch 590 = 66,10 %.

Forderungsquote = Forderungen geteilt durch Gesamtvermögen = (220 + 20) geteilt durch 590 = 240 geteilt durch 590 = 40,68 %. BegrĂŒndung Rohleder: ARA-Posten stellen Forderungen dar, weil sie durch Vorauszahlungen entstehen, die Gegenleistung jedoch im neuen Jahr gefordert werden muss; daher wird die ARA (20) zu den Forderungen addiert.

Deckungsgrad I = Eigenkapital geteilt durch Anlagevermögen = 390 geteilt durch 160 = 243,75 %.

Deckungsgrad II = (Eigenkapital + langfristiges Fremdkapital) geteilt durch Anlagevermögen = (390 + 50 + 90) geteilt durch 160 = 530 geteilt durch 160 = 331,25 %. Als langfristiges Fremdkapital werden die PensionsrĂŒckstellungen (50) und das Darlehen (90) angesetzt.

LiquiditĂ€t 2. Grades = (Zahlungsmittel + Forderungen) geteilt durch kurzfristiges Fremdkapital = (20 + 220 + 20) geteilt durch (40 + 10) = 260 geteilt durch 50 = 520,00 %. BegrĂŒndung: Im Falle einer Liquidation könnten die ARA-Posten zurĂŒckgefordert werden; daher werden sie zu den Forderungen addiert. Das kurzfristige Fremdkapital besteht aus Verbindlichkeiten aus Lieferungen/Leistungen (40) und PRA (10).

Hinweis des ZweitprĂŒfers: Deckungsgrad I ist 390 / 160 = 2,4375 = 243,75 % (die Aufbereitung nannte fĂ€lschlich 243,80 %); die Forderungsquote ist 240 / 590 = 40,68 % (nicht 40,70 %).


Betriebliche Kennzahlen 3 (Teil a/b) — Umschlags-, Erfolgskennzahlen & Messzahlenreihe

Rohleders Kompass, FINA U26

Aufgabe #076 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · FINA U26ErklĂ€re in eigenen Worten: Betriebliche Kennzahlen 3 (Teil a/b) — Umschlags-, Erfolgskennzahlen & Messzahlenreihe — Rohleders AntwortschlĂŒssel (FINA U26) steht darunter.
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • UmschlagshĂ€ufigkeit Forderungen = 1.550 / 220 = 7,05; Debitorendauer (DSO) = 360 / 7,05 = 51,10 Tage (exakt 360 mal 220 / 1.550)
  • Debitorendauer ohne ARA (nur betrieblicher Aspekt)
  • ArbeitsproduktivitĂ€t = 1.550.000.000 / 3.800 = 407.894,74 EUR
  • Umsatzrendite = 560 / 1.550 mal 100 = 36,13 %
  • Personalaufwandsquote = 650 / 1.060 mal 100 = 61,32 % (Gesamtaufwand 150 + 650 + 210 + 50 = 1.060)
  • Messzahlenreihe Personalaufwand (Basis T1 = 100,0): T5 = 158,5, also plus 58,5 %; laut Kompass in der Klausur nicht zu erstellen
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Umschlagshaufigkeit der Forderungen = Umsatz geteilt durch Forderungen = wie oft im Jahr die offenen Kundenrechnungen 'umgeschlagen' (bezahlt und neu entstanden) werden. 7,05 = gut siebenmal pro Jahr.
  • Debitorendauer / DSO (Days Sales Outstanding) = wie viele Tage es im Schnitt dauert, bis Kunden ihre Rechnung bezahlen. 51 Tage = Kunden brauchen rund 51 Tage zum Zahlen.
  • 360 geteilt durch Umschlagshaufigkeit = das Jahr (mit 360 Tagen gerechnet) durch die Umschlagszahl teilen ergibt die durchschnittliche Wartezeit in Tagen.
  • ohne ARA (nur betrieblicher Aspekt) = bei dieser Rechnung lasst man die Rechnungsabgrenzung weg, weil es hier nur um das laufende Kundengeschaft geht.
  • Arbeitsproduktivitat = Umsatz geteilt durch Zahl der Mitarbeiter = Umsatz pro Kopf. Achtung: Umsatz in Euro einsetzen (1.550 Mio. = 1.550.000.000), nicht die Mio-Zahl.
  • Umsatzrendite = Gewinn geteilt durch Umsatz, mal 100 = Prozent Gewinn je Umsatz-Euro. 36 % ist sehr hoch.
  • Personalaufwandsquote = Personalaufwand geteilt durch Gesamtaufwand, mal 100 = welcher Anteil aller Kosten auf Personal (Lohne, Gehalter) entfallt. Hier 61 %.
  • Gesamtaufwand = Summe aller Kostenarten (Material 150 + Personal 650 + Abschreibungen 210 + Miete 50 = 1.060).
  • Abschreibungen = die uber die Jahre verteilte 'Abnutzung' von Maschinen/Gebauden als Kostenposten.
  • Messzahlenreihe = man setzt ein Startjahr auf 100 und rechnet alle Folgejahre in Relation dazu, um die Entwicklung als Prozent zu sehen. T5 = 158,5 heisst: 58,5 % mehr als im Startjahr.
  • Basisjahr = 100 = das Ausgangsjahr, mit dem alles verglichen wird, bekommt den Wert 100.

Fortsetzung der LandmaDyn-OHG-Aufgabe. Teil a) umfasst neben den Strukturkennzahlen auch Umschlags- und Erfolgskennzahlen; Teil b) betrachtet die Personalaufwands-Entwicklung der letzten fĂŒnf Jahre.

Debitorendauer (DSO) — zweistufig:

UmschlagshÀufigkeit der Forderungen = Umsatz geteilt durch Forderungen = 1.550 geteilt durch 220 = 7,05. Debitorendauer = 360 Tage geteilt durch UmschlagshÀufigkeit der Forderungen = 360 geteilt durch 7,05 = 51,10 Tage. (Exakt: 360 mal 220 geteilt durch 1.550 = 51,10 Tage; mit der auf 7,05 gerundeten UmschlagshÀufigkeit ergÀben sich rechnerisch 51,06 Tage.)

Hinweis Rohleder: Bei den Forderungen wird hier keine ARA angesetzt, da lediglich der betriebliche Aspekt betrachtet wird. Die Debitorendauer entspricht dem DSO (Days Sales Outstanding).

ArbeitsproduktivitÀt = Umsatz geteilt durch BeschÀftigte = 1.550.000.000 EUR geteilt durch 3.800 BeschÀftigte = 407.894,74 EUR (Umsatz 1.550 Mio. EUR).

Umsatzrendite = Gewinn geteilt durch Umsatz mal 100 = 560 geteilt durch 1.550 mal 100 = 36,13 %.

Personalaufwandsquote = Personalaufwand geteilt durch Gesamtaufwand mal 100 = 650 geteilt durch 1.060 mal 100 = 61,32 %. Der Gesamtaufwand ergibt sich aus 150 + 650 + 210 + 50 = 1.060.

Teil b) — Messzahlenreihe des Personalaufwands (Basisjahr T1 = 100,0; Messzahl = Wert geteilt durch 410 mal 100):

Jahr Personalaufwand (Mio. EUR) Messzahl
T1 410 100,0
T2 430 104,9
T3 560 136,6
T4 620 151,2
T5 650 158,5

Interpretation (Rohleder): Die Personalaufwendungen stiegen von T1 auf T5 um 58,5 %. Eine mögliche Bewertung: Auch die ArbeitsproduktivitÀt sollte im relevanten Zeitraum gemessen werden. Wenn die Personalaufwendungen stÀrker steigen als die ArbeitsproduktivitÀt, sollten Massnahmen eingeleitet werden, um die Personalaufwendungen zu senken und/oder die ArbeitsproduktivitÀt zu erhöhen.

Lösungshinweis (Kompass, S. 9): Die Messzahlenreihe muss in der Klausur nicht erstellt werden.

Hinweis des ZweitprĂŒfers: Umsatzrendite ist 560 / 1.550 = 36,13 % (nicht 36,10 %); Personalaufwandsquote ist 650 / 1.060 = 61,32 % (nicht 61,30 %).


Frage: Optimaler Wert der LiquiditÀt 1. Grades (BarliquiditÀt / Cash Ratio)

Rohleders Kompass, FINA U26

Aufgabe #077 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · FINA U26ErklĂ€re in eigenen Worten: Frage: Optimaler Wert der LiquiditĂ€t 1. Grades (BarliquiditĂ€t / Cash Ratio) — Rohleders AntwortschlĂŒssel (FINA U26) steht darunter.
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • Kompass (S. 10) stellt die Frage nach dem optimalen Wert der LiquiditĂ€t 1. Grades, druckt aber KEINE gesonderte Zahlen-Antwort ab
  • Inhaltliche Aussage steht nur im Lösungsteil zu Aufgabe 6
  • Zahlungsmittel sollen KFK decken, es kommt aber auf die Art des KFK an
  • Finanzplan heranziehen; Zahlungsmittel nicht zu hoch (unverzinst)
  • Kernbotschaft: kein starrer Prozentsatz, sondern Abgleich fĂ€lliger Verbindlichkeiten mit Zahlungsmitteln plus Betriebs-/Zeitvergleich
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Liquiditat 1. Grades / Barliquiditat / Cash Ratio = drei Namen fur dasselbe: nur das sofort verfugbare Geld gegen die baldigen Schulden. Strengster Zahlungsfahigkeits-Test.
  • optimaler Wert = die Frage ist: welcher Prozentsatz ist ideal? Antwort laut Losung: es gibt keinen festen Idealwert.
  • kein starrer Prozentsatz = man kann nicht einfach sagen '30 % ist perfekt'. Es hĂ€ngt vom Einzelfall ab.
  • Art des kurzfristigen Fremdkapitals = wichtig ist, WANN die Schulden genau fallig sind. Erst in drei Monaten? Dann reicht weniger Bargeld heute.
  • Finanzplan = eine Vorschau, wann welches Geld rein- und rausgeht. Damit sieht man, ob das Geld zum richtigen Zeitpunkt da ist.
  • Zahlungsmittel nicht zu hoch, weil kaum verzinst = zu viel Bargeld herumliegen zu haben ist schlecht, weil Geld auf dem Konto fast keine Zinsen bringt. Es sollte lieber arbeiten.
  • Betriebs-/Zeitvergleich = Vergleich mit anderen Firmen und mit fruheren Jahren, um einzuordnen, ob der Wert gut ist.
  • Treue-Hinweis = die Aufbereitung weist ehrlich darauf hin, dass die Musterlosung hier keine konkrete Zahl nennt.

Der Kompass stellt auf S. 10 ausdrĂŒcklich die Frage: "Wie ermitteln Sie den optimalen Wert fĂŒr die LiquiditĂ€t 1. Grades (BarliquiditĂ€t, Cash Ratio)?"

Wichtig (Treue-Hinweis): An dieser Stelle druckt der Kompass keine gesonderte Zahlen-Antwort ab. Die einzige inhaltliche Aussage Rohleders zur optimalen BarliquiditÀt steht im Lösungsteil zu Aufgabe 6 (LiquiditÀt 1. Grades) und lautet sinngemÀss:

  • Die Zahlungsmittel sollten ausreichen, um das kurzfristige Fremdkapital zu decken.
  • Es kommt jedoch auf die Art des kurzfristigen Fremdkapitals an.
  • Zur Beurteilung sollte ein Finanzplan herangezogen werden.
  • Die ZahlungsmittelbestĂ€nde sollten nicht zu hoch sein, weil dann keine oder kaum eine Verzinsung erfolgt.
  • Einzahlungen nach dem Bilanzstichtag können die ZahlungsmittelbestĂ€nde erhöhen; die LiquiditĂ€t 1. Grades ist ohne Finanzplan und ohne Kenntnis der Struktur des kurzfristigen Fremdkapitals schwer zu beurteilen.

Daraus folgt Rohleders Kernbotschaft: Der "optimale Wert" ist kein starrer Prozentsatz, sondern ergibt sich aus dem Abgleich der fĂ€lligen kurzfristigen Verbindlichkeiten mit den Zahlungsmitteln (Finanzplan) unter der Nebenbedingung, ĂŒberschĂŒssige, unverzinste LiquiditĂ€t zu vermeiden; Betriebs- und Zeitvergleich unterstĂŒtzen die Einordnung. Ein konkreter Optimalprozentsatz wird im Kompass bewusst nicht genannt.


Finanzplan — Agrar GmbH (Kapitalbedarf)

Rohleders Kompass, FINA U26

Aufgabe #078 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · FINA U26ErklĂ€re in eigenen Worten: Finanzplan — Agrar GmbH (Kapitalbedarf) — Rohleders AntwortschlĂŒssel (FINA U26) steht darunter.
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • Umsatzprognose gewichtet: 10 Mio. mal (0,7 mal 1,1 + 0,3 mal 1,03) = 10 mal 1,079 = 10,79 Mio. EUR
  • Aufwandsprognose: 7 Mio. mal 1,03 = 7,21 Mio. EUR
  • Investition 800.000 EUR; Abschreibung linear 10 Jahre = 80.000 EUR (kein Zahlungsabfluss)
  • FK 40 % = 320.000 EUR; Zins 3 % = 9.600 EUR; Tilgung 10 % = 32.000 EUR
  • Einzahlungen 11.410.000 EUR minus Auszahlungen 12.051.600 EUR = minus 641.600 EUR
  • Ergebnis: zusĂ€tzlicher Kapitalbedarf 641.600 EUR
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Finanzplan = eine Aufstellung, was im nachsten Jahr an Geld reinkommt und was rausgeht, um zu sehen, ob es reicht oder fehlt.
  • Kapitalbedarf = wenn am Ende mehr ausgegeben als eingenommen wird, muss dieser Fehlbetrag zusatzlich finanziert (besorgt) werden.
  • gewichtetes Wachstum = verschiedene Teile wachsen unterschiedlich schnell, jeder Teil zahlt entsprechend seinem Anteil. 70 % wachsen mit 10 %, 30 % mit 3 %, zusammengerechnet ergibt das im Schnitt 7,9 %.
  • 0,7 mal 1,1 = der Faktor 1,1 bedeutet 'plus 10 %' (100 % + 10 %). Mal 0,7, weil dieser Teil 70 % des Umsatzes ausmacht.
  • Abschreibung linear uber 10 Jahre = die 800.000 Euro Maschine wird gleichmassig auf 10 Jahre verteilt (80.000 pro Jahr) als Kostenposten.
  • Abschreibung ist kein Zahlungsabfluss = die 80.000 Euro sind nur ein rechnerischer Kostenposten, es fliesst dafur kein echtes Geld ab. Deshalb steht sie NICHT im Finanzplan (der zahlt nur echte Zahlungen).
  • 40 % fremdfinanziert = von den 800.000 Euro Investition werden 40 % (320.000) durch einen Bankkredit bezahlt, der Rest aus eigener Tasche.
  • Zins 3 % von 320.000 = 9.600 = jahrliche Gebuhr fur den Kredit (echter Geldabfluss).
  • Tilgung 10 % von 320.000 = 32.000 = der Teil des Kredits, den man pro Jahr zuruckzahlt (echter Geldabfluss).
  • Kapitaldienst = Zins plus Tilgung zusammen, also alles, was man jahrlich fur den Kredit an die Bank zahlt.
  • Einzahlungen minus Auszahlungen = minus 641.600 = es geht mehr Geld raus als rein, also fehlen 641.600 Euro. Minus = Lucke.
  • ohne Ruckgriff auf das Eigenkapitalkonto des Vorjahres = man darf angespartes Geld aus fruheren Jahren nicht mitrechnen, nur das Jahr selbst zahlt.

Aufgabenstellung a): Die Agrar GmbH stellt Traktoren fĂŒr den weltweiten Markt her (1.200 Mitarbeiter). Die Nachfrage aus den EntwicklungslĂ€ndern steigt pro Jahr um 10 % (Anteil 70 % am Absatzvolumen); die restlichen UmsĂ€tze wachsen voraussichtlich um 3 %. Letztes Jahr: UmsĂ€tze 10 Mio. EUR, Aufwendungen 7 Mio. EUR. Aufwendungen (ohne Abschreibungen) stiegen zuletzt jĂ€hrlich um 3 % (Trend hĂ€lt an). Bisherige Abschreibungen 1 Mio. EUR. FĂŒr das nĂ€chste Jahr zusĂ€tzliche Sachanlageinvestitionen 800.000 EUR (linear ĂŒber 10 Jahre), zu 40 % fremdfinanziert; Fremdkapitalzins 3 % p. a., Tilgung 10 % p. a.; die bisherigen Abschreibungen können weiterverwendet werden. Ein Zulieferer soll fĂŒr 4 Mio. EUR gekauft werden. Voraussichtlicher Zahlungsmittelbestand Ende des GeschĂ€ftsjahres: 300.000 EUR. Gesucht: ein erster grober Finanzplan bzw. der voraussichtliche Kapitalbedarf, ohne Finanzierung aus dem Eigenkapitalkonto des Vorjahres.

Schritt 1 — Umsatzprognose (gewichtetes Wachstum): 70 % wachsen mit +10 %, 30 % mit +3 %:

Umsatz = 10 Mio. EUR mal (0,7 mal 1,1 + 0,3 mal 1,03) = 10 Mio. EUR mal 1,079 = 10,79 Mio. EUR.

Schritt 2 — Aufwandsprognose: 7 Mio. EUR mal 1,03 = 7,21 Mio. EUR.

Schritt 3 — Investition und Kapitaldienst:

  • ZusĂ€tzliche Investition: 800.000 EUR.
  • Abschreibung (linear, 10 Jahre): 80.000 EUR (kein Zahlungsabfluss, daher nicht im Finanzplan).
  • Kapitaldienst-Basis (40 % fremdfinanziert): 800.000 EUR mal 0,4 = 320.000 EUR; davon 3 % Zinsaufwand p. a. = 9.600 EUR.
  • Tilgung: 320.000 EUR mal 0,1 = 32.000 EUR p. a.

Schritt 4 — Grober Finanzplan:

Anfangsbestand + Einzahlungen Betrag Auszahlungen Betrag
Zahlungsmittelbestand 300.000 EUR Zinsaufwand 9.600 EUR
Umsatzerlöse 10.790.000 EUR Tilgung 32.000 EUR
Aufnahme Fremdkapital 320.000 EUR Aufwendungen 7.210.000 EUR
Investition 800.000 EUR
Kauf Zulieferer 4.000.000 EUR
Summe 11.410.000 EUR Summe 12.051.600 EUR

Schritt 5 — Kapitalbedarf: Einzahlungen abzĂŒglich Auszahlungen = 11.410.000 EUR minus 12.051.600 EUR = minus 641.600 EUR.

Ergebnis: Es besteht ein zusĂ€tzlicher Kapitalbedarf von 641.600 EUR (ohne RĂŒckgriff auf das Eigenkapitalkonto des Vorjahres). Der grobe Finanzplan zeigt, dass die geplanten Auszahlungen (insbesondere Zulieferer-Kauf 4 Mio. EUR und laufende Aufwendungen 7,21 Mio. EUR) die Einzahlungen ĂŒbersteigen und die LĂŒcke gedeckt werden muss.


Formel-Schnellreferenz (aus Rohleders Lösungen)

Rohleders Kompass, FINA U26

Aufgabe #079 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · FINA U26ErklĂ€re in eigenen Worten: Formel-Schnellreferenz (aus Rohleders Lösungen) — Rohleders AntwortschlĂŒssel (FINA U26) steht darunter.
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • ROI = USR mal KUH; USR = Gewinn / Umsatz mal 100; KUH = Umsatz / Kapital
  • Liq 1. = ZM / KFK; Liq 2. = (ZM + Ford) / KFK (ARA/PRA einbeziehen), Soll mindestens 100 %; Liq 3. = (UV + ARA) / KFK
  • Goldene Bilanzregel und Deckungsgrad I = EK / AV mal 100; Deckungsgrad II = (EK + langfr. FK) / AV mal 100
  • GKR = (Gewinn + FK-Zinsen) / GK mal 100, Soll grösser als FKZ; Leverage EKR = GKR + (GKR minus FKZ) mal FK / EK
  • DSO = 360 / UmschlagshĂ€ufigkeit Forderungen (ohne ARA); Personalaufwandsquote = Personalaufwand / Gesamtaufwand mal 100
  • StandardsĂ€tze: Betriebs-/Zeitvergleich, Finanzplan, ARA als Forderung, Leverage positiv nur wenn GKR grösser FKZ
💡 FĂŒr Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Schnellreferenz / Spickzettel = eine kompakte Liste aller Formeln zum schnellen Nachschlagen in der Klausur.
  • Formelzeichen (EK, FK, AV usw.) = Abkurzungen, damit man kurze Formeln schreiben kann: EK = Eigenkapital (eigenes Geld), FK = Fremdkapital (geliehenes Geld), AV = Anlagevermogen (langfristige Dinge), UV = Umlaufvermogen (schnell verfugbares), GK = Gesamtkapital (alles zusammen).
  • KFK = kurzfristiges Fremdkapital = bald fallige Schulden.
  • ARA = aktive Rechnungsabgrenzung = im Voraus bezahlter Aufwand; gilt hier als Forderung (Anspruch).
  • 'Soll mindestens 100 %' = Faustregel-Zielwert: unter 100 % ist die Kennzahl im Warnbereich.
  • 'GKR grosser als FKZ' = die Rendite des Gesamtkapitals muss uber dem Kreditzins liegen, sonst lohnt sich mehr Kredit nicht (Leverage kippt ins Minus).
  • Betriebs-/Zeitvergleich = eine Kennzahl allein sagt wenig; erst der Vergleich mit anderen Firmen (Betrieb) und mit fruheren Jahren (Zeit) macht sie aussagekraftig.
  • Standardsatze = wiederkehrende Bewertungs-Bausteine, die man in fast jede Antwort schreiben kann (Finanzplan erganzen, ARA als Forderung, vergleichen).

Sammlung aller Formeln, die Rohleder in diesem Kompass tatsĂ€chlich verwendet — als Klausur-Spickzettel. Formelzeichen: EK = Eigenkapital, FK = Fremdkapital, KFK = kurzfristiges Fremdkapital, AV = Anlagevermögen, UV = Umlaufvermögen, GK = Gesamtkapital, ARA = aktive RAP, USR = Umsatzrendite, KUH = KapitalumschlagshĂ€ufigkeit, GKR = Gesamtkapitalrendite, FKZ = Fremdkapitalzinssatz, EKR = Eigenkapitalrendite.

Kennzahl Formel (Rohleder) Sollwert / Merkregel
ROI USR mal KUH Gewinn / Kapital
Umsatzrendite (USR) Gewinn geteilt durch Umsatz mal 100 höher = besser
KapitalumschlagshÀufigkeit (KUH) Umsatz geteilt durch Kapital Anlagenersatz erhöht den Nenner
LiquiditÀt 1. Grades Zahlungsmittel geteilt durch KFK mal 100 Zahlungsmittel nicht zu hoch (unverzinst)
LiquiditÀt 2. Grades (Zahlungsmittel + Forderungen) geteilt durch KFK mal 100; ARA/PRA einbeziehen Soll mindestens 100 %
LiquiditĂ€t 3. Grades (UV + ARA) geteilt durch KFK mal 100 VorrĂ€te mĂŒssten liquidiert werden
Goldene Bilanzregel EK geteilt durch AV mal 100 Soll mindestens 100 %
Deckungsgrad I EK geteilt durch AV mal 100 EK deckt AV
Deckungsgrad II (EK + langfristiges FK) geteilt durch AV mal 100 langfr. Kapital deckt AV
Eigenkapitalquote EK geteilt durch GK mal 100 Kapitalstruktur
Forderungsquote Forderungen (+ ARA) geteilt durch Gesamtvermögen mal 100 ARA = Forderung
Gesamtkapitalrendite (GKR) (Gewinn + FK-Zinsen) geteilt durch GK mal 100 Soll grösser als FKZ
Eigenkapitalrendite / Leverage GKR + (GKR minus FKZ) mal FK geteilt durch EK positiv wenn GKR grösser FKZ
UmschlagshĂ€ufigkeit Forderungen Umsatz geteilt durch Forderungen Basis fĂŒr DSO
Debitorendauer (DSO) 360 Tage geteilt durch UmschlagshÀufigkeit der Forderungen Forderungen ohne ARA (nur betrieblich)
ArbeitsproduktivitÀt Umsatz geteilt durch BeschÀftigte Betriebsvergleich heranziehen
Umsatzrendite (Aufg. 9) Gewinn geteilt durch Umsatz mal 100 Erfolgskennzahl
Personalaufwandsquote Personalaufwand geteilt durch Gesamtaufwand mal 100 Aufwandsstruktur
Messzahl Wert der Periode geteilt durch Basiswert mal 100 Basisjahr = 100
Umsatzprognose (gewichtet) Basisumsatz mal (Anteil1 mal Wachstum1 + Anteil2 mal Wachstum2) z. B. 0,7 mal 1,1 + 0,3 mal 1,03
Kapitalbedarf (Finanzplan) Summe Einzahlungen minus Summe Auszahlungen negativ = FinanzierungslĂŒcke

Wiederkehrende Beurteilungs-StandardsĂ€tze Rohleders: (1) Betriebs- und Zeitvergleich zur Einordnung heranziehen. (2) FĂŒr die LiquiditĂ€tsbeurteilung stets einen Finanzplan ergĂ€nzen. (3) ARA gilt fĂŒr Forderungs-/LiquiditĂ€tszwecke als Forderung (Vorauszahlung, Gegenleistung im Folgejahr). (4) Der Leverage-Effekt wirkt nur positiv, solange die Gesamtkapitalrendite ĂŒber dem Fremdkapitalzins liegt.


Formel-Überblick: Kennzahlen und RentabilitĂ€t

Aus der Formel-Referenz — Aufbau, Einsatz, StĂ€rken/SchwĂ€chen je Formel. Rundung: erst am Ende, 2 Nachkommastellen.

Formel Aufbau Was sie leistet Wann benutzen ✚ StĂ€rke / − SchwĂ€che Nachschlagen
EigenkapitalrentabilitĂ€t rEK=JahresĂŒberschussEK⋅100r_{EK} = \frac{JahresĂŒberschuss}{EK} \cdot 100 Verzinsung des EigentĂŒmerkapitals BezugsgrĂ¶ĂŸe nennen (EK Anfang/Ende) ✚ EigentĂŒmersicht pur · − BezugsgrĂ¶ĂŸe (Anfang/Ende) Ă€ndert das Ergebnis EigenkapitalrentabilitĂ€t
GesamtkapitalrentabilitĂ€t rGK=JÜ+FK-ZinsenGK⋅100r_{GK} = \frac{JÜ + FK\text{-}Zinsen}{GK} \cdot 100 Verzinsung des gesamten Kapitals, finanzierungsneutral Vergleich unabhĂ€ngig von der Kapitalstruktur; drei Annahmen kennen ✚ kapitalstruktur-neutral vergleichbar · − drei Annahmen (u. a. FK-Zins als einziger FK-Preis) GesamtkapitalrentabilitĂ€t
Umsatzrendite GewinnUmsatz⋅100\frac{Gewinn}{Umsatz} \cdot 100 Marge je Umsatz-Euro Gewinnbegriff festlegen (EBIT vs. JÜ) ✚ einfachste Margen-Kennzahl · − ohne Kapitalbezug allein wenig aussagekrĂ€ftig Umsatzrendite
EBIT / EBITDA JÜ + Steuern + Zinsen (+ Abschreibungen) KerngeschĂ€fts-Ergebnis vor Finanzierung (und Wertverzehr) Reproduzierbares KerngeschĂ€ft zeigen; One-Offs erkennen ✚ KerngeschĂ€ft reproduzierbar sichtbar · − blendet echte Lasten aus — Zinsen und Wertverzehr sind real EBIT
Cashflow (vereinfacht) JÜ + Abschreibungen ± RĂŒckstellungsĂ€nderung Innenfinanzierungskraft Profit ist Meinung, Cash ist Fakt ✚ Cash ist Fakt, nicht Meinung · − vereinfachte Ermittlung ĂŒbersieht Working-Capital-Effekte Cashflow
Break-even x=Fixkostenp−kvx = \frac{Fixkosten}{p - k_v} Absatzmenge, ab der Gewinn entsteht Deckungsbeitrag je StĂŒck als Nenner ✚ anschaulich fĂŒr Preis-/Mengenentscheidungen · − LinearitĂ€tsannahme bei Kosten und Erlösen Break-even