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⚖️ Leverage & Rentabilität

FINA — Finanzwirtschaft · Prof. Rohleder · 90 P · stark theorielastig

Financial Leverage, ROI, Rentabilität & Gewinngrößen

💡 Für Fachfremde — Begriffe & Formeln in Alltagssprache
  • Eigenkapital (EK) = das eigene Geld, das dir selbst gehört und das du in die Firma steckst. Wie dein eigenes Erspartes, das du in ein Haus steckst.
  • Fremdkapital (FK) = geliehenes Geld, das du zurückzahlen musst, z.B. ein Bankkredit. Wie der Teil vom Hauskauf, den du dir bei der Bank leihst.
  • Gesamtkapital (GK) = alles Geld zusammen, das in der Firma arbeitet: dein eigenes plus das geliehene. Beim Haus also Erspartes + Kredit zusammen.
  • Rendite / Rentabilität = wie viel Gewinn du im Verhältnis zum eingesetzten Geld machst, in Prozent. Legst du 100 Euro ein und bekommst 10 Euro Gewinn, sind das 10 Prozent.
  • Eigenkapitalrendite (rEK) = wie stark sich dein EIGENES Geld verzinst. Nur auf dein Erspartes bezogen: 10 Euro Gewinn auf 100 Euro eigenes Geld = 10 Prozent.
  • Gesamtkapitalrendite (rGK) = wie stark sich das GESAMTE Geld (eigenes + geliehenes) verzinst. Der Gewinn geteilt durch alles Geld, das in der Firma steckt.
  • Fremdkapitalzins (iFK) = der Preis fürs geliehene Geld, den du der Bank als Zins zahlst. Bei 5 Prozent Zins auf 750 Euro Kredit zahlst du 37,50 Euro im Jahr.
  • Financial Leverage / Hebel = geliehenes Geld wie eine Hebelstange nutzen, um mit deinem eigenen Geld mehr Gewinn zu machen. Solange das Geliehene mehr einbringt, als es an Zins kostet, verdienst du an fremdem Geld mit.
  • Leverage-Chance = die gute Seite des Hebels: Wenn die Firma pro Euro mehr verdient (z.B. 10 Prozent), als der Kredit an Zins kostet (z.B. 5 Prozent), bleibt der Rest bei dir und deine eigene Rendite steigt. Beispiel in der Datei: 10 Prozent statt 25 Prozent nur durch mehr Schulden.
  • Leverage-Risiko = die schlechte Seite des Hebels: Wenn die Firma pro Euro WENIGER verdient, als der Kredit kostet, machst du auf das geliehene Geld drauf und deine eigene Rendite bricht ein. Der Hebel wirkt dann gegen dich.
  • Verschuldungsgrad (FK/EK) = wie viel geliehenes Geld auf jeden Euro eigenes Geld kommt. Bei 750 Euro Kredit und 250 Euro eigenem Geld ist das 3 – also dreimal so viel Schulden wie Eigenes.
  • EK-Quote = wie viel Prozent vom gesamten Geld dein eigenes ist. 25 Prozent EK-Quote heisst: von 1.000 Euro sind 250 Euro dein eigenes, der Rest geliehen.
  • Die Leverage-Formel rEK = rGK + FK/EK * (rGK − iFK) ist nur eine Abkürzung, um die Eigenkapitalrendite direkt auszurechnen. In Worten: Grundrendite plus (Schulden-Verhältnis mal Abstand zwischen dem, was die Firma bringt, und dem, was der Kredit kostet). Ist dieser Abstand positiv, steigt deine Rendite; ist er negativ, fällt sie.
  • GE = Geldeinheiten, ein Platzhalter für Euro (oder eine beliebige Währung) in Rechenbeispielen. Man schreibt GE, damit die Rechnung für jede Währung gilt.
  • 2 NKS = zwei Nachkommastellen, also auf zwei Ziffern hinter dem Komma genau gerechnet, z.B. 37,50 statt gerundet 38.
  • Wichtiger Rechen-Stolperstein in der Aufgabe: 5 Prozent Zinssatz ist NICHT 5 Euro Zinsbetrag. Der Zinssatz ist die Prozentzahl, der Zinsbetrag ist das Geld in Euro. 5 Prozent von 750 Euro Kredit = 37,50 Euro. Die Musterlösung hat hier fälschlich mit 5 Euro gerechnet, das Endergebnis 25 Prozent stimmt aber trotzdem.
  • ROI (Return on Investment) = wie viel eine EINZELNE Investition oder ein Projekt einbringt, im Verhältnis zum Geld, das man dafür ausgegeben hat. Wie die Frage: Diese eine neue Maschine hat 1.000 Euro gekostet – bringt sie mir genug zurück?
  • Unterschied ROI vs. Gesamtkapitalrentabilität: Gesamtkapitalrentabilität schaut auf die ganze Firma auf einmal, der ROI auf ein einzelnes Projekt. Wie Gesamtnote im Zeugnis gegenüber der Note in einem einzelnen Fach.
  • Warum bei der ROI-Rechnung die FK-Zinsen wieder dazugerechnet werden: Man will wissen, wie gut das Projekt an sich läuft – egal ob mit eigenem oder geliehenem Geld bezahlt. Die Zinsen hängen nur von der Finanzierung ab, also nimmt man sie raus (rechnet sie zum Gewinn zurück), damit zwei Projekte fair vergleichbar sind.
  • Betriebsnotwendiges Kapital = das Geld, das die Firma wirklich zum Arbeiten braucht (Maschinen, Vorräte usw.), ohne unnötige Nebensachen. Nur der Teil des Geldes, der fürs eigentliche Geschäft im Einsatz ist.
  • GuV = Gewinn-und-Verlust-Rechnung, eine Aufstellung von oben nach unten: ganz oben die Einnahmen, dann Schritt für Schritt alle Kosten abgezogen, unten bleibt der Gewinn. Wie ein Kassenzettel, der zeigt, was am Ende übrig bleibt.
  • Umsatzerlöse / Umsatz = das gesamte Geld, das durch Verkaufen reinkommt, bevor irgendwelche Kosten abgezogen sind. Wie alles Geld in der Kasse am Tagesende, vor Miete und Einkauf.
  • Betriebliche Aufwendungen / Aufwand = alle Kosten, die beim normalen Geschäft anfallen: Material, Löhne, Miete. Alles, was man ausgeben muss, um verkaufen zu können.
  • EBIT / Betriebsergebnis = der Gewinn aus dem eigentlichen Geschäft, BEVOR Zinsen und Steuern abgezogen sind. Zeigt, wie gut das Kerngeschäft läuft, unabhängig davon, wie die Firma finanziert ist. (EBIT ist Englisch für 'Gewinn vor Zinsen und Steuern'.)
  • Operatives Ergebnis / bereinigtes EBIT = das EBIT, aber ohne einmalige Sonder-Effekte (z.B. ein Grundstücksverkauf, der nur einmal Geld bringt). So sieht man, was die Firma DAUERHAFT normal verdient, ohne Ausreisser.
  • Aussergewöhnliche Erträge/Aufwendungen = einmalige, untypische Geld-Zuflüsse oder -Abflüsse, die nichts mit dem Alltagsgeschäft zu tun haben. Wie ein Lottogewinn oder ein Wasserschaden – passiert nicht jeden Monat.
  • EBT / Vorsteuergewinn = der Gewinn, NACHDEM Zinsen abgezogen sind, aber BEVOR Steuern abgezogen sind. Was übrig ist, wenn der Kredit bedient wurde, das Finanzamt aber noch nichts bekommen hat. (EBT ist Englisch für 'Gewinn vor Steuern'.)
  • Zinsaufwand = die Zinsen, die man für eigene Kredite zahlt (Geld raus). Zinsertrag = Zinsen, die man selbst bekommt, weil man Geld angelegt oder verliehen hat (Geld rein).
  • Nachsteuergewinn / Jahresüberschuss / Nettogewinn = das, was ganz am Ende wirklich übrig bleibt, nachdem auch die Steuern bezahlt sind. Das echte 'unterm-Strich'-Geld, das den Eigentümern gehört – wie der Betrag, der nach allen Abzügen auf deinem Konto landet.
  • Ertragssteuern = Steuern, die die Firma auf ihren Gewinn ans Finanzamt zahlen muss. Wie die Steuer, die vom Lohn abgezogen wird, nur eben auf den Firmengewinn.
  • Merksatz Profitabilität vs. Rentabilität: Profitabilität/Gewinngrösse = ein Geldbetrag in Euro (z.B. 100 Euro Gewinn). Rentabilität = dieser Betrag im VERHAELTNIS zum eingesetzten Geld, in Prozent (z.B. 100 Euro Gewinn auf 1.000 Euro = 10 Prozent). Erst durch das Teilen wird aus einer Euro-Zahl eine Prozent-Zahl.
  • Liquidität = genug Bargeld auf dem Konto, um laufende Rechnungen sofort bezahlen zu können. Eine Firma kann auf dem Papier Gewinn machen und trotzdem pleitegehen, wenn gerade kein Bargeld da ist – wie jemand mit teurem Haus, aber leerem Geldbeutel an der Kasse.
  • KPI = 'Key Performance Indicator', eine wichtige Kennzahl, an der man ablesen kann, wie gut es läuft. Wie die paar Zahlen auf dem Auto-Armaturenbrett (Tempo, Tank), die man ständig im Blick hat.
  • Marktrisiken / Disruption = die Gefahr, dass sich der Markt ändert und die Kunden wegbleiben, z.B. durch neue Technik. Wie Kutschenbauer, als das Auto kam – vorher profitabel, dann plötzlich nicht mehr gebraucht.
  • Bruttoanlagewerte = was Maschinen/Gebäude ursprünglich beim Kauf gekostet haben, ohne Berücksichtigung, dass sie mit der Zeit an Wert verlieren. Der alte Kaufpreis auf der Rechnung von damals.
  • Abschreibung = der jährliche Wertverlust von Maschinen/Gebäuden durch Alter und Benutzung, den man rechnerisch abzieht. Wie ein Auto, das jedes Jahr weniger wert ist, je älter es wird.
  • Nettoanlagewerte / Buchwert = der aktuelle Wert von Maschinen/Gebäuden, NACHDEM der bisherige Wertverlust abgezogen ist. Also das, was der Kram heute noch wert ist – wie der jetzige Gebrauchtwagen-Wert deines Autos, nicht der Neupreis von damals.

FINA – Finanzwirtschaft (Prof. Rohleder, TH Bingen). Rechnerische + kennzahlennahe Themen aus 6 Altklausuren. Rechenaufgaben selbst nachgerechnet (2 NKS).


Konzept-Intro

Profitabilität — Rohleders 10-Punkte-Kennzahlenkritik

Bevor man mit Rentabilitäts- oder Leverage-Rechnungen weitermacht, warnt Rohleder: Profitabilität (ein reiner Euro-Betrag „Gewinn") ist eine schwache Kennzahl. Kritikpunkte:

  1. Profitabel ist ein Unternehmen bereits ab 1 EUR Gewinn — eine sehr niedrige Hürde.
  2. Die dafür nötige Kapitalbindung und das eingegangene Risiko spielen keine Rolle.
  3. „Gewinn" meint in Deutschland üblicherweise das Vorsteuerergebnis (EBT) — wird aber oft mit dem Jahresüberschuss (EAT) verwechselt.
  4. Unklar bleibt, ob auf das EBT noch Steuern zu zahlen sind oder Verlustvorträge bestehen.
  5. Unklar bleibt, ob der Gewinn im Kerngeschäft (ordentliches Betriebsergebnis, EBIT) erzielt wurde oder aus Einmaleffekten (z. B. Hebung stiller Reserven, spekulative Finanzgeschäfte).
  6. Der Gewinn stammt aus dem Jahresabschluss — oft mit erheblicher Verzögerung erstellt, also ein „Blick in den Rückspiegel" (historisch).
  7. Selbst Kerngeschäfts-Gewinn sagt nichts über künftige Profitabilität aus (Nachhaltigkeit, Innovationsfähigkeit, alternative Geschäftsmodelle).
  8. Profite verschiedener Unternehmen zu vergleichen ergibt daher wenig Sinn (Vergleichbarkeit).
  9. Profitabilität lässt sich kurzfristig leicht „pushen", um die Kennzahl aufzuhübschen (Manipulationsanfälligkeit).
  10. Sie ist daher für Steuerungszwecke und Incentivierung (Bemessung von Boni) weitgehend ungeeignet.

→ Aussagen zur Profitabilität müssen daher immer kritisch hinterfragt werden. Die Rentabilität (Gewinn im Verhältnis zum eingesetzten Kapital) heilt Kritikpunkt 2, die Punkte 3–10 bleiben aber bestehen — und der neu hinzukommende Nenner (gebundenes Kapital) ist mangels Standards selbst eine zusätzliche Fehlerquelle.

Quelle: Rohleder-Blog „Profitabilität, Rentabilität und der ROI" V1.2 (Kap. 1.1–1.2, 2).

Financial Leverage (Leverage-Chance)

Die Leverage-Chance: Die Eigenkapitalrendite lässt sich durch Aufnahme von Fremdkapital steigern, solange der Fremdkapitalzins kleiner als die Gesamtkapitalrentabilität ist.

rGK=EBITGKrEK=EBITFKiFKEKr_{GK} = \frac{EBIT}{GK} \qquad r_{EK} = \frac{EBIT - FK \cdot i_{FK}}{EK}

Leverage-Formel (äquivalent):

rEK=rGK+FKEK(rGKiFK)r_{EK} = r_{GK} + \frac{FK}{EK}\,\bigl(r_{GK} - i_{FK}\bigr)

  • rGKr_{GK} = Gesamtkapitalrendite, rEKr_{EK} = Eigenkapitalrendite
  • GKGK = Gesamtkapital (Bilanzsumme), EKEK = Eigenkapital, FKFK = Fremdkapital, iFKi_{FK} = FK-Zins
  • Solange rGK>iFKr_{GK} > i_{FK}: mehr FK → höhere EK-Rendite (Hebel wirkt positiv). Kehrt sich um, wenn rGK<iFKr_{GK} < i_{FK}Leverage-Risiko.
EK-Rendite rEK Verschuldungsgrad FK / EK → rGK iFK iFK < rGK → Hebel wirkt positiv iFK > rGK → Risiko
Der Hebel schneidet in beide Richtungen. Am Startpunkt (kein FK) ist die EK-Rendite gleich der Gesamtkapitalrendite rGK. Nimmt man Fremdkapital auf: liegt der FK-Zins unter rGK, hebelt jeder Euro Schulden die EK-Rendite nach oben (grün) — liegt er darüber, zieht er sie nach unten (rot). Je höher der Verschuldungsgrad, desto steiler beide Effekte. Vertiefung: Bösch (2022), Finanzwirtschaft, Leverage-Effekt/-formel (S. 23 f., 399 f.).

ROI vs. Gesamtkapitalrentabilität

  • Gesamtkapitalrentabilität: Rentabilität des gesamten eingesetzten Kapitals.
  • ROI: kann projekt-/investitionsspezifisch definiert werden → präzisere Steuerungsgröße für Einzelinvestitionen. Beide zusammen = differenzierte Entscheidungsgrundlage.
  • Für die ROI-Berechnung werden FK-Zinsen zum Betriebsgewinn addiert (siehe unten), weil der ROI die Rentabilität des gesamten eingesetzten Kapitals unabhängig von der Finanzierung messen soll.
  • Begriffliche Abgrenzung GKR vs. ROI (Rohleder): Die (deutsche) GKR ist im Zähler eine Betrachtung nach Steuern auf Ebene der Gesamtunternehmung. Der (amerikanische) ROI ist im Zähler eine Betrachtung vor Steuern auf Ebene des Betriebs (Kerngeschäft, ordentliches Betriebsergebnis/EBIT).
  • WARNUNG (Rohleder): Vielen Darstellungen in vorgeblichen Fachbüchern und im Internet (insb. YouTube) sind diese elementaren Unterschiede nicht zu entnehmen — GKR und ROI werden dort oft unreflektiert vermischt oder gleichgesetzt.
  • Rohleders bevorzugte „saubere" ROI-Definition — konzeptionell klar, praktisch nicht immer trivial zu ermitteln, dafür aber bizarrerweise ungebräuchlich: ROI=EBITgebundenes, betriebsnotwendiges Kapital\text{ROI} = \frac{EBIT}{\text{gebundenes, betriebsnotwendiges Kapital}} So definiert zeigt der ROI die reine Kerngeschäftsrentabilität und ist eine wertvolle Ergänzung zur Gesamtkapitalrentabilität. Kritik an den gebräuchlicheren ROI-Definitionen (z. B. „Jahresüberschuss + Steuern + FK-Zinsen" durch Gesamtkapital): Ihnen fehlt der ROI-typische Bezug zum EBIT, und das Gesamtkapital im Nenner enthält praktisch immer auch nicht-betriebsnotwendige Anteile, die den ROI verzerren.

Quelle: Rohleder-Blog „Profitabilität, Rentabilität und der ROI" V1.2 (Kap. 3, 4.1, 4.5–4.6).

Gewinngrößen (Reihenfolge der GuV)

Gewinngröße Synonym Kurz
Betriebsergebnis EBIT (operativ) Umsatzerlöse − betriebliche Aufwendungen; ohne Zinsen/Steuern
Operatives Ergebnis bereinigtes EBIT Betriebsergebnis ± außergewöhnliche Erträge/Aufwendungen
Vorsteuergewinn EBT EBIT − Zinsaufwand + Zinsertrag
Nachsteuergewinn Jahresüberschuss, Nettogewinn EBT − Ertragssteuern
Umsatz − Aufwand EBIT − Zinsen EBT − Steuern Jahres-Ü.
Von oben nach unten wird abgezogen. Aus den Umsatzerlösen bleibt nach betrieblichem Aufwand das EBIT (Betriebsergebnis), nach Zinsen der EBT (Vorsteuergewinn), nach Steuern der Jahresüberschuss. Merke für Rohleders „Profitabilität ≠ Rentabilität": diese Gewinngrößen sind absolute Beträge (GuV-Ebenen) — eine Rentabilität entsteht erst, wenn man eine davon ins Verhältnis zum eingesetzten Kapital setzt.

Aufgaben

Aufgabe (13.02.2023, Aufg. 4 · 6 P) — Financial Leverage (RECHENAUFGABE)

Frage: Zeigen Sie die Leverage-Chance am Zahlenbeispiel: ermitteln Sie für U1 und U2 jeweils Gesamtkapital- und Eigenkapitalrendite.

  • U1: Kapital (Bilanzsumme) 1.000 GE, 100 % eigenkapitalfinanziert, EBIT 100 GE
  • U2: Kapital 1.000 GE, EK-Quote 25 %, ⌀-FK-Zins 5 %, EBIT 100 GE

Musterlösung (eingetippt):

  • U1: GK-Rendite 10 % (100/1.000), EK-Rendite 10 % (100/1.000)
  • U2: GK-Rendite 10 % (100/1.000); EK-Rendite 25 % — Text: „100 GE EBIT − 5 GE Zinsen = 95 GE / 250 GE Eigenkapital“
  • Fazit: EK-Rendite U2 (25 %) > U1 (10 %) bei gleicher GK-Rendite → positive Hebelwirkung, da FK-Zins (5 %) < GK-Rendite (10 %).

Eigene Nachrechnung (geprüft, 2 NKS):

Größe U1 U2
EK 1.000,00 250,00 (25 % × 1.000)
FK 0,00 750,00
EBIT 100,00 100,00
FK-Zinsen (FK5%FK \cdot 5\%) 0,00 37,50 (750 × 0,05)
Gewinn nach Zinsen 100,00 62,50
GK-Rendite (EBIT/GKEBIT/GK) 10,00 % 10,00 %
EK-Rendite 10,00 % 25,00 % (62,50/250)

Gegenprobe Leverage-Formel: rEK=10%+750250(10%5%)=10%+35%=25%r_{EK}=10\% + \frac{750}{250}(10\%-5\%)=10\%+3\cdot5\%=25\,\%

[prüfen] — Fehler in der eingetippten Zwischenrechnung: Der Endwert 25 % ist korrekt, aber die notierte Zwischenrechnung „100 GE EBIT − 5 GE Zinsen = 95 GE / 250 GE“ ist falsch. Die FK-Zinsen betragen 37,50 GE (5 % von 750 GE FK), nicht 5 GE; der Gewinn nach Zinsen ist 62,50 GE, nicht 95 GE. Mit 95/250 käme man auf 38 %, nicht auf die (richtig angegebenen) 25 %. Die „5 GE“ verwechseln den Zinssatz (5 %) mit dem Zinsbetrag. Korrekt: Zinsen 37,50 GE → 62,50 GE / 250 GE = 25 %.

Cross-Check mit Steuern (Rohleders Excel-Beispiel „GKR-EKR-Leverage"):

Das Excel-Beispiel rechnet praktisch dasselbe Zahlenbeispiel (Kapital 1.000 GE, EBIT 100 GE, 100 % EK vs. EK-Quote 25 % / FK-Zins 5 %) zusätzlich nach Steuern durch (Steuersatz 30 %) und macht damit einen weiteren Effekt sichtbar, der in der reinen Vorsteuer-Betrachtung oben verborgen bleibt:

Größe Nur EK EK 25 % / FK 75 %
EBIT 100,00 100,00
Zinsaufwand (5 % × FK) 0,00 37,50
Vorsteuergewinn (EBT) 100,00 62,50
Steuern vom Einkommen und Ertrag (30 %) 30,00 18,75
Jahresüberschuss (JÜ, EAT) 70,00 43,75
GKR vor Steuern (EBIT/GKEBIT/GK) 10,00 % 10,00 %
EKR vor Steuern (EBT/EKEBT/EK) 10,00 % 25,00 %
GKR nach Steuern, ROA ((JÜ+FK-Zinsen)/GK(JÜ+\text{FK-Zinsen})/GK) 7,00 % 8,13 %
EKR nach Steuern, ROE (JÜ/EKJÜ/EK) 7,00 % 17,50 %

Erkenntnis: Vor Steuern ist die GKR beider Unternehmen identisch (10 %) — die Formel neutralisiert die Finanzierung erfolgreich. Nach Steuern ist die GKR des FK-finanzierten Unternehmens dagegen höher (8,13 % > 7,00 %), obwohl Kapitaleinsatz und EBIT gleich sind: Die FK-Zinsen mindern den steuerpflichtigen Gewinn und senken damit die Steuerlast (Tax Shield). Genau deshalb müssen die FK-Zinsen bei der GKR-Ermittlung zum JÜ addiert werden — sonst hätte das stärker fremdfinanzierte Unternehmen allein wegen des geringeren JÜ eine niedrigere GKR, obwohl seine tatsächliche Kapitalrentabilität nicht schlechter ist. Der Zähler heißt deshalb korrekt „Return" (Ertrag), nicht JÜ: JÜ=ReturnFK-ZinsenJÜ = \text{Return} - \text{FK-Zinsen}.

Quelle: Rohleder-Excel „Gesamtkapitalrentabilität, GKR, EKR, Leverage" V1.1.


Aufgabe (13.02.2023, Aufg. 8 · 9 P) — ROI-Ermittlung

Frage a) (4 P): Warum ist es sinnvoll, den ROI anders als die Gesamtkapitalrentabilität zu definieren und beide als zentrale KPIs zu nutzen?

Antwort a):

  • Unterschiedliche Perspektive: Gesamtkapitalrentabilität misst das gesamte eingesetzte Kapital; der ROI ist auf einzelne Investitionen/Projekte ausgerichtet.
  • Klarere Zieldefinition: ROI = präzise Kennzahl für Projekt-Rentabilität; Gesamtkapitalrentabilität betrifft das Gesamtunternehmen.
  • Strategische Entscheidungsfindung: Gesamtkapitalrentabilität = Überblick; ROI = Bewertung einzelner Investitionen. Zusammen differenzierte Entscheidungsgrundlage.

Frage b) (5 P): Warum müssen bei der ROI-Ermittlung die Zinsen für die anteilige Fremdfinanzierung des betriebsnotwendigen Kapitals zum Betriebsgewinn addiert werden?

Antwort b):

  • Fremdkapitalzinsen als Kosten: Zinsen sind echte Kosten der Finanzierung; für eine korrekte Rentabilitätsbewertung müssen sie zum Betriebsgewinn hinzugefügt werden.
  • Betriebsgewinn ohne Finanzierungseffekte: Der Betriebsgewinn berücksichtigt keine Finanzierungskosten; zur genauen ROI-Berechnung sind die Zinsen einzubeziehen, um die Rentabilität des gesamten eingesetzten Kapitals abzubilden.
  • Trennung operativer und finanzieller Rentabilität: Ohne Zinskorrektur würde der ROI das Unternehmen je nach Finanzierung zu positiv oder negativ darstellen.

Aufgabe (19.07.2022, Aufg. 7 · 10 P) — Profitabilität und Rentabilität

Frage a) (6 P): Drei Gründe, warum Profitabilität keine hinreichende Bedingung für den dauerhaften Fortbestand eines Unternehmens ist.

Antwort a):

  1. Liquiditätsprobleme: Ein Unternehmen kann profitabel sein, aber Zahlungsengpässe haben, wenn Gewinne nicht in liquide Mittel umgesetzt werden.
  2. Marktrisiken: Selbst profitable Unternehmen können durch Marktveränderungen (technologische Disruptionen, veränderte Kundenpräferenzen) bedroht werden.
  3. Managementfehler: Fehlentscheidungen, ineffiziente Ressourcennutzung oder schlechte strategische Ausrichtung gefährden trotz Profitabilität den Fortbestand.

Frage b) (4 P): Unterschied zwischen Brutto- und Nettoanlagewerten bei der ROI-Berechnung.

Antwort b):

  • Bruttoanlagewerte: ursprüngliche Anschaffungskosten der Vermögenswerte ohne Berücksichtigung von Abschreibungen.
  • Nettoanlagewerte: berücksichtigen die Abschreibungen und stellen den aktuellen Buchwert dar.
  • Die Wahl beeinflusst den ROI (unterschiedliche Perspektiven aufs eingesetzte Kapital). Bruttowerte = ursprüngliche Investitionskosten; Nettowerte = aktueller Wert nach Abschreibung. In der Praxis oft Nettoanlagewerte, da sie das aktuell gebundene Kapital besser widerspiegeln.

Aufgabe (19.05.2021, Aufg. 5 · 15 P) — Gewinngrößen

Wöhe (2016): ROI = Gewinngröße G ins Verhältnis zum Gesamtkapital GK. Vier Konkretisierungen: Betriebsergebnis, operatives Ergebnis, Nachsteuergewinn, Vorsteuergewinn.

Frage a) (6 P): Zusammenhang der vier Gewinngrößen + gängige Synonyme.

Antwort a):

  1. Betriebsergebnis (EBIT): Umsatzerlöse − betriebliche Aufwendungen; Ertragskraft des operativen Geschäfts ohne Zinsen und Steuern.
  2. Operatives Ergebnis: aus dem Betriebsergebnis, bereinigt um außergewöhnliche Erträge/Aufwendungen → nachhaltige operative Ertragskraft.
  3. Vorsteuergewinn (EBT): aus EBIT durch Abzug von Zinsaufwendungen + Addition von Zinserträgen; Gewinn vor Steuern, aussagekräftig bei unterschiedlicher Finanzierung.
  4. Nachsteuergewinn (Jahresüberschuss, Nettogewinn): aus EBT nach Abzug der Ertragssteuern; für Investitionen, Ausschüttungen oder Rücklagen verfügbar.

Frage b) (1 P): Ursprünglich richtige Gewinngröße für den ROI?

Antwort b): Das Betriebsergebnis (EBIT), da es die operative Ertragskraft unabhängig von Finanzierungs- und Steueraspekten misst.

Frage c) (8 P): Welche konkrete Frage beantwortet jede Gewinngröße?

Antwort c):

  • Betriebsergebnis (EBIT): Wie profitabel ist das Kerngeschäft unabhängig von Finanzierung und Steuern?
  • Operatives Ergebnis: Wie entwickelt sich der operative Gewinn unter Bereinigung von Sondereinflüssen?
  • Vorsteuergewinn (EBT): Wie wirkt sich die Finanzierungsstruktur auf den Gewinn aus?
  • Nachsteuergewinn: Wie viel Gewinn bleibt nach Steuern für die Eigentümer/Aktionäre übrig?

📜 Original-Klausuraufgaben aus den Altmeisterklausuren — gelöst

Rohleders eigener Wortlaut aus den Klausuren 2021 bis 2024. In FINA wiederholt er anders als in seinen übrigen Fächern keine Aufgaben wortgleich, sondern stellt zu denselben Themen neue Fragen. Der grüne Block sichert deshalb jeweils das ganze Thema ab, nicht nur die gestellte Frage.

Aufgabe #001 · 15 P. · Vier Gewinngrößen und ihre Aussagekraft für den ROI · Original-AufgabenstellungBei der Ermittlung des ROI spricht Wöhe (2016) davon, dass man „eine Gewinngröße G ins Verhältnis zum Gesamtkapital GK" setzt. Für praktische Zwecke ist der Begriff der Gewinngröße allerdings zu vage. Vier Konkretisierungen kommen in Betracht: Betriebsergebnis, operatives Ergebnis, Nachsteuergewinn und Vorsteuergewinn.
a) 6 P. Zeigen Sie anhand eines geeigneten, vereinfachten Schemas den Zusammenhang zwischen den vier genannten Gewinngrößen. Nennen Sie dabei auch gängige Synonyme der vier Begriffe.
b) 1 P. Welche der eingangs genannten Gewinngrößen ist die ursprünglich richtige für die Ermittlung des ROI?
c) 8 P. Jede der vier Gewinngrößen hat ihre Berechtigung, denn sie beantwortet eine konkrete, betriebswirtschaftlich wichtige Frage. Wie lauten diese vier Fragen?

Vorbemerkung. Die vier Gewinngrößen sind keine Alternativen zueinander, sondern Stufen derselben Gewinn- und Verlustrechnung. Wer sie als Staffel von oben nach unten darstellt, hat den geforderten Zusammenhang bereits gezeigt. Das verlangte „vereinfachte Schema" ist genau diese Staffel.

a) 6 P. – Schema und Synonyme der vier Gewinngrößen

⟨1⟩ Das Schema folgt der gestaffelten GuV und lautet vereinfacht: Umsatzerlöse − betriebliche Aufwendungen = Betriebsergebnis (EBIT); korrigiert um außergewöhnliche Erträge und Aufwendungen = operatives Ergebnis; − Zinsaufwand + Zinsertrag = Vorsteuergewinn (EBT); − Ertragsteuern = Nachsteuergewinn. Jede Stufe entsteht also aus der vorherigen durch genau einen Rechenschritt.

⟨2⟩ Betriebsergebnis, Synonym EBIT (Earnings Before Interest and Taxes), auch „ordentliches Betriebsergebnis". Es ergibt sich aus den Umsatzerlösen abzüglich der betrieblichen Aufwendungen und zeigt die Ertragskraft des operativen Geschäfts, bevor Finanzierung und Besteuerung wirken.

⟨3⟩ Operatives Ergebnis, Synonyme bereinigtes EBIT, „adjusted EBIT", „Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit". Es entsteht aus dem Betriebsergebnis, indem außergewöhnliche und einmalige Effekte herausgerechnet werden, etwa der Gewinn aus einem Grundstücksverkauf oder Restrukturierungsaufwand.

⟨4⟩ Vorsteuergewinn, Synonyme EBT (Earnings Before Taxes), Ergebnis vor Steuern, Reingewinn vor Steuern. Er entsteht aus dem EBIT durch Abzug der Zinsaufwendungen und Hinzurechnung der Zinserträge, enthält also erstmals die Wirkung der Finanzierungsstruktur.

⟨5⟩ Nachsteuergewinn, Synonyme Jahresüberschuss, Nettogewinn, EAT (Earnings After Taxes), „bottom line". Er entsteht aus dem EBT nach Abzug der Steuern vom Einkommen und Ertrag und ist der Betrag, über den die Eigentümer verfügen können.

⟨6⟩ Der Zusammenhang lässt sich als Trichter beschreiben: Von oben nach unten kommen nacheinander die Sondereffekte, die Finanzierung und schließlich die Besteuerung hinzu. Je weiter unten eine Größe steht, desto vollständiger bildet sie die tatsächliche Lage ab, desto schlechter eignet sie sich aber für Vergleiche zwischen Unternehmen mit unterschiedlicher Kapitalstruktur und Steuersituation.

b) 1 P. – Die richtige Gewinngröße für den ROI

⟨1⟩ Das Betriebsergebnis (EBIT), weil der ROI die Rentabilität des gesamten eingesetzten Kapitals unabhängig von Finanzierung und Besteuerung messen soll.

c) 8 P. – Die vier betriebswirtschaftlichen Fragen

⟨1⟩ Betriebsergebnis (EBIT): Wie profitabel ist das Kerngeschäft unabhängig von Finanzierung und Steuern?

⟨2⟩ Diese Frage interessiert das operative Management und jeden Vergleich mit Wettbewerbern, weil sie Unterschiede in Verschuldung und Steuersitz ausblendet und damit die reine Leistungsfähigkeit des Geschäftsmodells sichtbar macht.

⟨3⟩ Operatives Ergebnis: Wie entwickelt sich der Gewinn, wenn man Sondereinflüsse herausrechnet?

⟨4⟩ Sie zielt auf die nachhaltige Ertragskraft und damit auf die Prognosefähigkeit: Nur bereinigte Ergebnisse lassen sich sinnvoll in die Zukunft fortschreiben, weil einmalige Effekte sich definitionsgemäß nicht wiederholen.

⟨5⟩ Vorsteuergewinn (EBT): Wie wirkt sich die Finanzierungsstruktur auf den Gewinn aus?

⟨6⟩ Der Abstand zwischen EBIT und EBT ist das Finanzergebnis und damit der Preis der Fremdfinanzierung. Die Frage ist die Kernfrage des Financial Leverage: Trägt das operative Geschäft die Zinslast, und bleibt darüber hinaus etwas übrig?

⟨7⟩ Nachsteuergewinn: Wie viel Gewinn bleibt nach Steuern für die Eigentümer beziehungsweise Aktionäre übrig?

⟨8⟩ Sie ist die Frage der Eigenkapitalgeber, denn nur aus dieser Größe können Ausschüttung, Rücklagenbildung und Selbstfinanzierung bedient werden. Sie ist zugleich die Bezugsgröße der Eigenkapitalrentabilität.

Über die geforderten Punkte hinaus

⟨+1⟩ Rohleders Kernunterscheidung GKR gegen ROI. Die deutsche Gesamtkapitalrentabilität betrachtet im Zähler eine Größe nach Steuern auf Ebene der Gesamtunternehmung; der amerikanische ROI betrachtet eine Größe vor Steuern auf Ebene des Betriebs, also des Kerngeschäfts. Er warnt ausdrücklich davor, dass viele Lehrbücher und Internetquellen beides unreflektiert vermischen. Diese Warnung ist prüfungsrelevantes Eigengut und sollte in einer ROI-Antwort auftauchen.

⟨+2⟩ Seine bevorzugte, „saubere" ROI-Definition. ROI = EBIT geteilt durch das gebundene, betriebsnotwendige Kapital. Begründung: Das Gesamtkapital im Nenner enthält praktisch immer auch nicht betriebsnotwendige Bestandteile, die den ROI verzerren; und den gebräuchlichen Definitionen über den Jahresüberschuss fehlt der ROI-typische EBIT-Bezug. So definiert misst der ROI die reine Kerngeschäftsrentabilität.

⟨+3⟩ Warum bei der ROI-Berechnung Fremdkapitalzinsen zurückaddiert werden. Wenn der Nenner das gesamte Kapital enthält, muss der Zähler auch die Vergütung des gesamten Kapitals enthalten. Die Zinsen sind die Vergütung der Fremdkapitalgeber und gehören deshalb hinzugerechnet, sonst misst man einen Zähler nach Fremdkapitalvergütung gegen einen Nenner vor Fremdkapitalvergütung. Genau diese Konsistenz ist der Grund, warum das EBIT die richtige Ausgangsgröße ist.

⟨+4⟩ Profitabilität ist nicht Rentabilität. Die vier Gewinngrößen sind absolute Beträge und beschreiben Profitabilität. Eine Rentabilität entsteht erst, wenn eine dieser Größen ins Verhältnis zu einem Kapitaleinsatz gesetzt wird. Rohleder fragt diese Unterscheidung wiederholt ab, unter anderem 19.07.2022 mit der Frage, warum Profitabilität keine hinreichende Bedingung für den dauerhaften Fortbestand ist – Antwort dort: Liquiditätsprobleme, Marktrisiken und Managementfehler.

⟨+5⟩ EBITDA als fünfte Stufe, die gerne nachgefragt wird. Oberhalb des EBIT liegt das EBITDA, also das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Es beantwortet die Frage: Erwirtschaftet das Geschäft überhaupt Zahlungsmittelüberschüsse, bevor Investitionsentscheidungen der Vergangenheit über die Abschreibung durchschlagen? In Rohleders Finanzplan ist das EBITDA die Zeile „operativer Break-Even".

⟨+6⟩ Die Cashflow-Brücke aus dem Schema heraus. Vom Jahresüberschuss gelangt man zum operativen Cashflow, indem die Abschreibungen zurückaddiert werden, weil sie erfolgs-, aber nicht zahlungswirksam sind. Dieser eine Satz verbindet die Gewinngrößen-Aufgabe mit jeder Cashflow-Frage und mit „Profit is an opinion, cash is a fact".

⟨+7⟩ Der Leverage-Anschluss mit Zahlen (13.02.2023, Aufgabe 4). Unternehmen 1: Kapital 1.000 GE, vollständig Eigenkapital, EBIT 100 GE. Gesamtkapitalrendite = 100 / 1.000 = 10,00 %; Eigenkapitalrendite ebenfalls 10,00 %. Unternehmen 2: Kapital 1.000 GE, Eigenkapitalquote 25 %, also EK = 250 GE und FK = 750 GE, Fremdkapitalzins 5 %. Zinsaufwand = 750 × 0,05 = 37,50 GE; Gewinn nach Zinsen = 100 − 37,50 = 62,50 GE. Gesamtkapitalrendite = 100 / 1.000 = 10,00 %, Eigenkapitalrendite = 62,50 / 250 = 25,00 %. Die Leverage-Chance wirkt, solange die Gesamtkapitalrendite über dem Fremdkapitalzins liegt.

⟨+8⟩ Brutto- oder Nettoanlagewerte im Nenner (19.07.2022, Aufgabe 7). Bruttoanlagewerte sind die ursprünglichen Anschaffungskosten ohne Abschreibungen, Nettoanlagewerte der aktuelle Buchwert. Die Wahl verändert den ROI erheblich: Mit fortschreitender Abschreibung sinkt der Nenner, der ROI steigt optisch, ohne dass sich operativ etwas verbessert hätte. In der Praxis werden meist Nettowerte verwendet, weil sie das aktuell gebundene Kapital besser abbilden.

⟨+9⟩ Die häufigste Fehlerfalle in a). Viele Antworten stellen die vier Größen als Liste nebeneinander, statt den geforderten Zusammenhang zu zeigen. Verlangt ist eine Rechenkette mit Übergängen. Wer nur definiert, verliert die Hälfte der sechs Punkte, selbst wenn jede Definition richtig ist.

⟨+10⟩ Zweite Fehlerfalle: die Synonyme werden vergessen. Sie sind ausdrücklich Teil der Aufgabenstellung. Vier Größen mit je einem gängigen Synonym sind Pflicht: EBIT, bereinigtes EBIT, EBT, Jahresüberschuss.

⟨+11⟩ Warum das EBIT und nicht das operative Ergebnis für den ROI gilt. Das operative Ergebnis ist eine bereinigte Größe, deren Bereinigung im Ermessen des Unternehmens liegt. Für eine Rentabilitätskennzahl, die vergleichbar sein soll, ist eine ermessensabhängige Größe ungeeignet – deshalb bleibt es beim EBIT.

⟨+12⟩ Vertiefung zur Frage in c) für den Vorsteuergewinn. Der EBT ist auch die Größe, an der sich die Fristenkongruenz der Finanzierung zeigt: Ein Unternehmen mit hohem EBIT und niedrigem EBT lebt operativ gut, aber finanziell auf Kante. Diese Beobachtung hebt die Antwort über die reine Frageformulierung hinaus.

⟨+13⟩ Vertiefung zur Frage in c) für den Nachsteuergewinn. Steuerquote gleich Steueraufwand geteilt durch EBT: Diese Kennzahl beantwortet die Anschlussfrage, wie stark die Besteuerung das Ergebnis mindert, und macht internationale Standortunterschiede sichtbar.

⟨+14⟩ Formulierungshilfe für c). Rohleder verlangt ausdrücklich Fragen, keine Definitionen. Die Antwort sollte deshalb wörtlich in Frageform stehen, also „Wie profitabel ist das Kerngeschäft unabhängig von Finanzierung und Steuern?" – und danach in einem Satz begründen, wer diese Frage stellt und warum.

⟨+15⟩ Punkte-Ökonomie. Acht Punkte auf vier Fragen bedeuten je zwei Punkte: eine Frage und eine Begründung. Sechs Punkte in a) bedeuten Schema plus vier Größen plus Synonyme. Der eine Punkt in b) ist ein einziges Wort – dort keine Zeit investieren.

Rohleders Erwartung: Er will die Staffel sehen, nicht vier isolierte Definitionen, und er will die Synonyme, weil sie in der Praxis die eigentliche Verständigungshürde sind. In c) muss klar werden, dass jede Stufe eine andere Adressatenfrage beantwortet – Kerngeschäft, Nachhaltigkeit, Finanzierung, Eigentümer.

Aufgabe #002 · 10 P. · Profitabilität als unzureichendes Erfolgsmaß und Brutto- gegen Nettoanlagewerte · Original-Aufgabenstellunga) 6 P. Erläutern Sie drei verschiedene, wichtige Gründe, warum Profitabilität keine hinreichende Bedingung für den dauerhaften Fortbestand eines Unternehmens ist.
b) 4 P. Zur Ermittlung des ROI werden bei der Berechnung des investierten Kapitals in der Praxis sowohl Brutto- als auch Nettoanlagewerte verwendet. Erläutern Sie den Unterschied!

Vorbemerkung zur Begriffsschärfe. Profitabilität ist eine absolute Größe: ein Gewinn in Euro. Rentabilität ist eine relative Größe: dieser Gewinn im Verhältnis zum eingesetzten Kapital, in Prozent. Profitabel ist ein Unternehmen bereits ab einem Euro Gewinn – eine denkbar niedrige Hürde. Die Frage lautet, warum diese Hürde für den dauerhaften Fortbestand nicht genügt.

a) 6 P. – Drei Gründe, warum Profitabilität nicht hinreicht

⟨2⟩ Grund 1: Gewinn ist nicht Liquidität – man geht an Zahlungsunfähigkeit zugrunde, nicht an fehlendem Gewinn. Der Gewinn ist eine periodisierte Rechengröße aus der Gewinn- und Verlustrechnung, kein Bestand an Zahlungsmitteln. Erträge werden bereits mit der Rechnungsstellung erfasst, das Geld fließt aber erst mit dem Zahlungseingang – bei langen Zahlungszielen Monate später oder bei Forderungsausfall nie. Umgekehrt binden wachsende Vorräte und Forderungen Liquidität, ohne den Gewinn zu mindern. Ein stark wachsendes, hochprofitables Unternehmen kann deshalb genau wegen seines Wachstums illiquide werden, weil es Material, Löhne und Vorfinanzierung zahlen muss, bevor die Kunden zahlen. Insolvenzgrund nach der Insolvenzordnung ist die Zahlungsunfähigkeit, nicht der fehlende Gewinn. Deshalb gilt der Satz „Profit is an opinion, cash is a fact": Der Gewinn hängt von Bewertungs- und Periodisierungsentscheidungen ab, der Kontostand nicht.

⟨4⟩ Grund 2: Der Gewinn ist ein Vergangenheitswert und sagt nichts über die Zukunftsfähigkeit. Der ausgewiesene Gewinn stammt aus dem Jahresabschluss, wird oft erst mit erheblicher Verzögerung aufgestellt und ist damit ein Blick in den Rückspiegel. Er enthält keinerlei Aussage darüber, ob das Geschäftsmodell tragfähig bleibt. Technologische Umbrüche, veränderte Kundenpräferenzen, neue Wettbewerber oder regulatorische Eingriffe können ein bis dahin hochprofitables Modell binnen weniger Jahre entwerten – die klassischen Beispiele reichen von der Kutschenherstellung über Fotofilm bis zum Verbrennungsmotor. Hinzu kommt: Ein hoher Gewinn kann sogar dadurch erkauft sein, dass Investitionen in Forschung, Entwicklung, Instandhaltung und Personal unterlassen wurden. Der Gewinn steigt dann kurzfristig, genau während die Substanz verzehrt wird. Profitabilität lässt sich also kurzfristig „pushen" und ist deshalb manipulationsanfällig und für Steuerungs- und Bonuszwecke nur eingeschränkt geeignet.

⟨6⟩ Grund 3: Die absolute Gewinngröße blendet Kapitaleinsatz und Risiko vollständig aus. Ein Gewinn von einer Million Euro ist hervorragend, wenn dafür fünf Millionen Kapital gebunden sind, und miserabel, wenn es hundert Millionen sind. Ohne den Bezug zum eingesetzten Kapital ist keine Aussage über die Vorteilhaftigkeit möglich, und ohne Vergleich mit den Kapitalkosten (WACC) ist nicht erkennbar, ob überhaupt Wert geschaffen oder vernichtet wurde: Ein Unternehmen, das eine Million Gewinn erwirtschaftet, während seine Kapitalgeber auf hundert Millionen eine Verzinsung von acht Prozent erwarten, ist zwar profitabel, vernichtet aber jährlich sieben Millionen Euro an Wert. Ebenso wenig ist erkennbar, welches Risiko für den Gewinn eingegangen wurde und ob er aus dem Kerngeschäft oder aus Einmaleffekten stammt – etwa aus der Auflösung stiller Reserven oder einem Grundstücksverkauf. Ein Vergleich der Profite verschiedener Unternehmen ist daher wenig sinnvoll. Die Rentabilität heilt immerhin den fehlenden Kapitalbezug, alle übrigen Kritikpunkte bleiben jedoch bestehen – und der neu hinzukommende Nenner ist mangels einheitlicher Standards selbst eine zusätzliche Fehlerquelle. Genau darum geht es in Teil b).

b) 4 P. – Brutto- gegen Nettoanlagewerte im ROI-Nenner

⟨1⟩ Bruttoanlagewerte. Angesetzt werden die historischen Anschaffungs- oder Herstellungskosten der Anlagegüter, also der ursprüngliche Kaufpreis ohne jeden Abzug von Abschreibungen. Der Wert bleibt über die gesamte Nutzungsdauer konstant, solange das Gut im Betrieb ist.

⟨2⟩ Nettoanlagewerte. Angesetzt wird der Buchwert, also die Anschaffungskosten abzüglich der bis zum Stichtag kumulierten Abschreibungen. Der Wert sinkt mit jedem Jahr der Nutzung und läuft am Ende der Nutzungsdauer gegen null beziehungsweise gegen einen Erinnerungswert.

⟨4⟩ Wirkung auf den ROI und Konsequenz für die Steuerung. Weil die Anlagewerte im Nenner stehen, ergibt derselbe Betriebsgewinn bei Nettoanlagewerten einen höheren ROI als bei Bruttoanlagewerten – und dieser Effekt verstärkt sich Jahr für Jahr, weil der Buchwert sinkt. Daraus folgt ein doppeltes Problem. Erstens die Scheinverbesserung: Ein Bereich mit alten, weitgehend abgeschriebenen Anlagen weist allein durch Zeitablauf einen glänzenden ROI aus, obwohl sich operativ nichts verbessert hat. Zweitens der Fehlanreiz: Wird der Bereichsleiter am ROI gemessen, hat er ein Interesse daran, notwendige Ersatzinvestitionen hinauszuzögern, weil jede Neuanschaffung den Nenner sofort erhöht und den ROI einbrechen lässt – die Kennzahl bestraft also genau das Verhalten, das die Zukunftsfähigkeit sichert. Bruttoanlagewerte vermeiden diese Verzerrung und machen Bereiche unterschiedlichen Anlagenalters vergleichbar; sie überzeichnen dafür das tatsächlich noch gebundene Kapital und führen zu einem systematisch niedrigeren ROI. In der Praxis dominieren Nettoanlagewerte, weil sie unmittelbar aus der Bilanz ablesbar sind und das aktuell gebundene Kapital abbilden. Entscheidend ist in jedem Fall: Die Methode muss offengelegt und über Zeit und Bereiche hinweg einheitlich angewandt werden, sonst sind ROI-Werte schlicht nicht vergleichbar.

Über die geforderten Punkte hinaus

⟨+2⟩ Rohleders Zehn-Punkte-Kritik an der Profitabilität – die vollständige Liste. (1) Profitabel ist man schon ab einem Euro Gewinn. (2) Kapitalbindung und Risiko bleiben unberücksichtigt. (3) „Gewinn" meint in Deutschland üblicherweise den Vorsteuergewinn (EBT), wird aber ständig mit dem Jahresüberschuss verwechselt. (4) Unklar bleibt, ob auf das EBT noch Steuern anfallen oder Verlustvorträge bestehen. (5) Unklar bleibt, ob der Gewinn aus dem Kerngeschäft oder aus Einmaleffekten stammt. (6) Der Wert stammt aus dem verzögert erstellten Jahresabschluss, ist also historisch. (7) Auch ein Kerngeschäftsgewinn sagt nichts über die künftige Ertragskraft. (8) Der Vergleich zwischen Unternehmen ist deshalb kaum aussagekräftig. (9) Profitabilität lässt sich kurzfristig manipulieren. (10) Für Steuerung und Bonusbemessung ist sie damit weitgehend ungeeignet. Merken sollte man vor allem: Die Rentabilität heilt nur Punkt 2, die Punkte 3 bis 10 bleiben.

⟨+4⟩ Die Gewinngrößen in der richtigen Reihenfolge – Grundlage jeder Rentabilitätsdiskussion. Umsatzerlöse minus betriebliche Aufwendungen ergeben das Betriebsergebnis (EBIT), also die Ertragskraft des operativen Geschäfts ohne Zinsen und Steuern. Bereinigt man das EBIT um außergewöhnliche Erträge und Aufwendungen, erhält man das operative Ergebnis (bereinigtes EBIT) als nachhaltige Größe. Zieht man Zinsaufwand ab und addiert Zinserträge, ergibt sich der Vorsteuergewinn (EBT). Nach Abzug der Ertragsteuern bleibt der Jahresüberschuss (EAT, Nettogewinn). Wer in einer Klausur „Gewinn" schreibt, ohne zu sagen welche Stufe gemeint ist, hat den Kern der Kritik nicht verstanden.

⟨+6⟩ Weitere Gründe, die man in a) alternativ anführen kann. (a) Managementfehler und Governance: Fehlallokation von Kapital, überteuerte Zukäufe oder eine verfehlte strategische Ausrichtung können ein profitables Unternehmen ruinieren. (b) Klumpenrisiken: Abhängigkeit von einem Großkunden, einem Lieferanten oder einem einzigen Absatzmarkt macht den bisherigen Gewinn wertlos, sobald diese Beziehung endet. (c) Kapitalstruktur und Refinanzierung: Ein profitables, aber hoch verschuldetes Unternehmen scheitert, wenn eine Anschlussfinanzierung nicht zustande kommt oder Covenants gerissen werden. (d) Externe Schocks und Regulierung: Pandemie, Energiepreise, Sanktionen oder ein Verbrennerverbot wirken unabhängig von der bisherigen Profitabilität.

⟨+8⟩ Wie sich die Kritik operationalisieren lässt: der Residualgewinn. Statt nur zu fragen, ob ein Gewinn erzielt wurde, zieht man vom Betriebsergebnis die kalkulatorischen Kapitalkosten ab: Residualgewinn=EBIT(gebundenes KapitalWACC)\text{Residualgewinn} = EBIT - (\text{gebundenes Kapital} \cdot WACC). Erst ein positiver Wert bedeutet Wertschaffung. Diese Größe – im angelsächsischen Sprachgebrauch EVA – heilt gleich zwei der genannten Schwächen: Sie stellt den Kapitaleinsatz in Rechnung und macht das Risiko über den WACC sichtbar. Zudem beseitigt sie den Unterinvestitionsanreiz relativer Kennzahlen, weil jedes Projekt oberhalb der Kapitalkosten den Wert erhöht.

⟨+9⟩ Der Zusammenhang zur Insolvenzordnung. Die Insolvenzgründe sind Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung – ein fehlender Gewinn ist ausdrücklich kein Insolvenzgrund. Das ist der juristische Beleg für Grund 1: Profitabilität und Fortbestand sind rechtlich wie ökonomisch zwei verschiedene Dinge.

⟨+10⟩ Praktische Konsequenz für die Kennzahlensteuerung. Eine einzelne Kennzahl ist immer manipulierbar; erst ein kleines, widerspruchsfreies Set bildet die Realität ab. Sinnvoll ist die Kombination aus einer Ertragsgröße (EBIT-Marge), einer Rentabilitätsgröße (ROI oder ROCE), einer Liquiditätsgröße (operativer Cashflow, Reichweite der liquiden Mittel) und einer Strukturgröße (Eigenkapitalquote, Verschuldungsgrad). Rohleders Punkt ist nicht, dass Kennzahlen wertlos wären, sondern dass jede einzelne für sich genommen in die Irre führt.

Rohleders Erwartung: In a) will er drei verschiedene Gründe, die nicht Varianten desselben Arguments sind – die Kombination Liquidität, Zukunftsfähigkeit und fehlender Kapital-/Risikobezug trifft genau seine Vorlesungslogik. In b) genügt ihm die Definition nicht; er will die Wirkung auf den ROI und den daraus folgenden Fehlanreiz.

Aufgabe #003 · 6 P. · Leverage-Chance am Zahlenbeispiel – Gesamt- und Eigenkapitalrendite zweier Unternehmen · Original-AufgabenstellungDie sogenannte „Leverage-Chance" beschreibt eine positive Hebelwirkung von Fremdkapital: Die Rendite des Eigenkapitals lässt sich durch die Aufnahme von Fremdkapital steigern, solange der Fremdkapitalzins kleiner als die Gesamtkapitalrentabilität ist.
Zeigen Sie die Leverage-Chance an folgendem Zahlenbeispiel, indem Sie für Unternehmen 1 (U1) und Unternehmen 2 (U2) jeweils die Gesamtkapitalrendite und die Eigenkapitalrendite ermitteln!
· U1: Kapital (Bilanzsumme) 1.000 GE, 100% eigenkapitalfinanziert, EBIT 100 GE
· U2: Kapital (Bilanzsumme) 1.000 GE, EK-Quote: 25%, ⌀-FK-Zins 5%, EBIT 100 GE
· GE: Geldeinheiten, z.B. Mio. EUR

Verwendete Symbole und Formeln

Symbol Bedeutung
GKGK Gesamtkapital (Bilanzsumme)
EKEK Eigenkapital
FKFK Fremdkapital, FK=GKEKFK = GK - EK
EBITEBIT Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern
iFKi_{FK} durchschnittlicher Fremdkapitalzinssatz
ZZ Zinsaufwand in Geldeinheiten, Z=FKiFKZ = FK \cdot i_{FK}
rGKr_{GK} Gesamtkapitalrendite
rEKr_{EK} Eigenkapitalrendite

⟨1⟩ Die verwendeten Formeln.

rGK=EBITGKrEK=EBITFKiFKEKr_{GK} = \frac{EBIT}{GK} \qquad\qquad r_{EK} = \frac{EBIT - FK \cdot i_{FK}}{EK}

Leverage-Formel als Gegenprobe:

rEK=rGK+FKEK(rGKiFK)r_{EK} = r_{GK} + \frac{FK}{EK} \cdot \left( r_{GK} - i_{FK} \right)

Der Zähler der Gesamtkapitalrendite ist das EBIT, also der Erfolg vor Zinsen, weil das Gesamtkapital beiden Kapitalgebergruppen zusammen dient und die Kennzahl deshalb finanzierungsneutral sein muss. Der Zähler der Eigenkapitalrendite ist das EBIT nach Abzug der Fremdkapitalzinsen, weil den Eigentümern nur der Rest zusteht, der nach Bedienung der Gläubiger verbleibt.

⟨3⟩ Unternehmen 1 (U1) – vollständig eigenfinanziert.

Kapitalaufteilung: EK=1.000,00EK = 1.000,00 GE, FK=0,00FK = 0,00 GE, Z=0,00Z = 0,00 GE.

rGK=100,001.000,00=0,1000=10,00%r_{GK} = \frac{100,00}{1.000,00} = 0,1000 = 10,00\ \%

rEK=100,000,001.000,00=0,1000=10,00%r_{EK} = \frac{100,00 - 0,00}{1.000,00} = 0,1000 = 10,00\ \%

Ohne Fremdkapital fallen beide Renditen zusammen – es gibt keinen Hebel, weil kein fremdes Kapital arbeitet.

⟨5⟩ Unternehmen 2 (U2) – Eigenkapitalquote 25 Prozent.

Kapitalaufteilung:

EK=25%1.000,00=250,00 GEFK=1.000,00250,00=750,00 GEEK = 25\ \% \cdot 1.000,00 = 250,00 \text{ GE} \qquad FK = 1.000,00 - 250,00 = 750,00 \text{ GE}

Zinsaufwand:

Z=FKiFK=750,000,05=37,50 GEZ = FK \cdot i_{FK} = 750,00 \cdot 0,05 = 37,50 \text{ GE}

Gesamtkapitalrendite:

rGK=100,001.000,00=0,1000=10,00%r_{GK} = \frac{100,00}{1.000,00} = 0,1000 = 10,00\ \%

Gewinn nach Zinsen:

EBITZ=100,0037,50=62,50 GEEBIT - Z = 100,00 - 37,50 = 62,50 \text{ GE}

Eigenkapitalrendite:

rEK=62,50250,00=0,2500=25,00%r_{EK} = \frac{62,50}{250,00} = 0,2500 = 25,00\ \%

Gegenprobe mit der Leverage-Formel:

rEK=10,00%+750,00250,00(10,00%5,00%)=10,00%+35,00%=25,00%r_{EK} = 10,00\ \% + \frac{750,00}{250,00} \cdot (10,00\ \% - 5,00\ \%) = 10,00\ \% + 3 \cdot 5,00\ \% = 25,00\ \%

⟨6⟩ Ergebnis und Deutung der Leverage-Chance.

Größe U1 U2
Gesamtkapital GKGK 1.000,00 GE 1.000,00 GE
Eigenkapital EKEK 1.000,00 GE 250,00 GE
Fremdkapital FKFK 0,00 GE 750,00 GE
EBITEBIT 100,00 GE 100,00 GE
Zinsaufwand ZZ 0,00 GE 37,50 GE
Gewinn nach Zinsen 100,00 GE 62,50 GE
Gesamtkapitalrendite rGKr_{GK} 10,00 % 10,00 %
Eigenkapitalrendite rEKr_{EK} 10,00 % 25,00 %

rEKU1=10,00%<rEKU2=25,00%\boxed{r_{EK}^{U1} = 10,00\ \% \quad < \quad r_{EK}^{U2} = 25,00\ \%}

Beide Unternehmen arbeiten mit demselben Kapital und erwirtschaften dasselbe Betriebsergebnis; ihre Gesamtkapitalrendite ist deshalb identisch. Der Unterschied entsteht ausschließlich aus der Finanzierungsstruktur: Das Gesamtkapital verdient 10,00 Prozent, das Fremdkapital kostet aber nur 5,00 Prozent. Die Differenz von 5,00 Prozentpunkten auf 750,00 GE Fremdkapital – das sind 37,50 GE – verbleibt vollständig bei den Eigentümern und wird auf ein Eigenkapital von nur 250,00 GE bezogen. Genau das ist die Leverage-Chance: Solange iFK<rGKi_{FK} < r_{GK}, hebt jede zusätzliche Einheit Fremdkapital die Eigenkapitalrendite, und zwar umso stärker, je höher der Verschuldungsgrad FK/EKFK/EK ist. Der Hebel wirkt allerdings in beide Richtungen: Fällt das EBIT so weit, dass rGK<iFKr_{GK} < i_{FK}, dreht sich das Vorzeichen des Klammerterms und die Eigenkapitalrendite bricht überproportional ein – dies ist das Leverage-Risiko.

Über die geforderten Punkte hinaus

⟨+2⟩ Das Leverage-Risiko am selben Beispiel durchgerechnet. Angenommen, das EBIT bricht von 100,00 auf 40,00 GE ein, alles andere bleibt gleich. Dann ist rGK=40,00/1.000,00=4,00%r_{GK} = 40,00/1.000,00 = 4,00\ \% und liegt damit unter dem Fremdkapitalzins von 5,00 Prozent.

Größe U1 (nur EK) U2 (EK-Quote 25 %)
EBITEBIT 40,00 GE 40,00 GE
Zinsaufwand 0,00 GE 37,50 GE
Gewinn nach Zinsen 40,00 GE 2,50 GE
rGKr_{GK} 4,00 % 4,00 %
rEKr_{EK} 4,00 % 1,00 %

Gegenprobe: rEK=4,00%+3(4,00%5,00%)=4,00%3,00%=1,00%r_{EK} = 4,00\ \% + 3 \cdot (4,00\ \% - 5,00\ \%) = 4,00\ \% - 3,00\ \% = 1,00\ \%. Bei einem EBIT von nur 37,50 GE wäre die Eigenkapitalrendite von U2 exakt null, darunter negativ – während U1 noch immer schwarze Zahlen schriebe. Der Hebel vervielfacht also nicht nur die Chance, sondern in gleichem Maße die Schwankungsbreite. Genau deshalb ist ein hoher Verschuldungsgrad kein „kostenloses" Renditeinstrument, sondern eine Risikoentscheidung.

⟨+4⟩ Die Betrachtung nach Steuern – der Tax Shield. Rechnet man dasselbe Beispiel mit einem Ertragsteuersatz von 30 Prozent durch, wird ein zweiter Effekt sichtbar:

Größe U1 U2
EBITEBIT 100,00 100,00
Zinsaufwand 0,00 37,50
Vorsteuergewinn (EBT) 100,00 62,50
Steuern (30 %) 30,00 18,75
Jahresüberschuss 70,00 43,75
Gesamtkapitalrendite nach Steuern, (JÜ+Z)/GK(J\ddot{U} + Z)/GK 7,00 % 8,13 %
Eigenkapitalrendite nach Steuern, JÜ/EKJ\ddot{U}/EK 7,00 % 17,50 %

Vor Steuern ist die Gesamtkapitalrendite beider Unternehmen identisch – die Kennzahl neutralisiert die Finanzierung erfolgreich. Nach Steuern liegt sie beim fremdfinanzierten Unternehmen höher (8,13 gegenüber 7,00 Prozent), obwohl Kapitaleinsatz und EBIT gleich sind: Die Fremdkapitalzinsen mindern den steuerpflichtigen Gewinn und senken damit die Steuerlast. Genau deshalb müssen bei der Gesamtkapitalrendite nach Steuern die Fremdkapitalzinsen zum Jahresüberschuss hinzuaddiert werden – sonst hätte das stärker verschuldete Unternehmen allein wegen seines niedrigeren Jahresüberschusses die schlechtere Kennzahl, obwohl seine Kapitalrentabilität nicht schlechter ist. Der Zähler heißt deshalb korrekt „Return", nicht „Jahresüberschuss".

⟨+5⟩ Die klassische Rechenfalle in dieser Aufgabe. Der Fremdkapitalzins beträgt 5 Prozent, nicht 5 Geldeinheiten. Wer „100 GE EBIT minus 5 GE Zinsen = 95 GE, geteilt durch 250 GE" rechnet, kommt auf 38,00 Prozent und damit auf ein falsches Ergebnis. Richtig sind 5 Prozent von 750,00 GE Fremdkapital, also 37,50 GE Zinsaufwand und ein Gewinn nach Zinsen von 62,50 GE. Zinssatz und Zinsbetrag sind sauber zu trennen – die Gegenprobe über die Leverage-Formel deckt genau diesen Fehler auf.

⟨+6⟩ Warum der Hebel in der Praxis Grenzen hat. Rein rechnerisch ließe sich die Eigenkapitalrendite beliebig steigern, indem man das Eigenkapital gegen null fährt. Tatsächlich passiert dreierlei: Banken verlangen mit steigendem Verschuldungsgrad höhere Zinsen, weil ihr Ausfallrisiko wächst – iFKi_{FK} ist also keine Konstante, sondern steigt mit FK/EKFK/EK. Zweitens sinkt der Abstand (rGKiFK)(r_{GK} - i_{FK}) dadurch von selbst und kann negativ werden. Drittens steigt mit sinkender Eigenkapitalquote die Insolvenzwahrscheinlichkeit, weil ein kleinerer Verlustpuffer zur Verfügung steht; Kreditverträge enthalten deshalb regelmäßig Covenants zur Mindesteigenkapitalquote. Der Hebel hat damit ein Optimum, kein Maximum – dieselbe Logik wie beim u-förmigen Verlauf des WACC über dem Verschuldungsgrad.

Rohleders Erwartung: Er will die beiden Renditen für beide Unternehmen sauber gerechnet, mit korrektem Zinsbetrag von 37,50 GE, und danach den ausgesprochenen Befund: gleiche Gesamtkapitalrendite, unterschiedliche Eigenkapitalrendite, Ursache allein die Finanzierungsstruktur. Der Zusatz, dass der Hebel bei rGK<iFKr_{GK} < i_{FK} umschlägt, gehört zur vollständigen Antwort.

Aufgabe #004 · 9 P. · ROI und Gesamtkapitalrentabilität – zwei getrennte Kennzahlen und die Zinskorrektur · Original-Aufgabenstellunga) 4 P. Die meisten Entscheidungsträger*innen unterscheiden nicht zwischen Gesamtkapitalrentabilität und ROI. Warum ist es sinnvoll, den ROI (wie ursprünglich vorgesehen) anders als die Gesamtkapitalrentabilität zu definieren und beide Werte als zentrale Erfolgsgrößen (KPIs) zu nutzen?
b) 5 P. Warum müssen bei der Ermittlung des ROI die Zinsen für die anteilige Fremdfinanzierung des betriebsnotwendigen Kapitals zum Betriebsgewinn addiert werden?

Die beiden Kennzahlen im Vergleich

Gesamtkapitalrentabilität (GKR) Return on Investment (ROI)
Herkunft deutsche Bilanzanalyse amerikanisches Controlling (DuPont)
Ebene Gesamtunternehmen Betrieb, Geschäftsbereich, Einzelinvestition
Zähler Jahresüberschuss zuzüglich Fremdkapitalzinsen, also nach Steuern Betriebsergebnis (EBIT), also vor Steuern
Nenner gesamtes Kapital (Bilanzsumme) gebundenes betriebsnotwendiges Kapital
Aussage Verzinsung des gesamten investierten Kapitals Rentabilität des Kerngeschäfts

GKR=JÜ+FK-ZinsenGKROI=EBITbetriebsnotwendiges Kapital\text{GKR} = \frac{J\ddot{U} + \text{FK-Zinsen}}{GK} \qquad\qquad \text{ROI} = \frac{EBIT}{\text{betriebsnotwendiges Kapital}}

a) 4 P. – Warum die Trennung sinnvoll ist und beide als KPI dienen

⟨2⟩ Die Kennzahlen beantworten zwei verschiedene Fragen. Die Gesamtkapitalrentabilität ist eine Gesamtunternehmenskennzahl nach Steuern: Sie beantwortet die Frage, wie sich das gesamte in der Bilanz gebundene Kapital – gleich ob betriebsnotwendig oder nicht, gleich ob aus dem Kerngeschäft oder aus Beteiligungen und Finanzanlagen stammend – für alle Kapitalgeber zusammen verzinst hat. Sie ist damit die richtige Größe für Eigentümer, Kapitalgeber und externe Analysten und der richtige Maßstab für den Vergleich mit dem WACC. Der ROI in seiner ursprünglichen Konzeption ist dagegen eine Steuerungskennzahl des Betriebs vor Steuern: Er beantwortet die Frage, wie rentabel das Kerngeschäft mit dem dafür tatsächlich eingesetzten Kapital arbeitet. Weil er auf das Betriebsergebnis und das betriebsnotwendige Kapital abstellt, blendet er Finanzergebnis, Einmaleffekte, Steuersituation und nicht betriebsnotwendiges Vermögen aus – genau jene Größen, die der Bereichsleiter nicht beeinflussen kann. Werden beide gleichgesetzt, geht diese Trennung verloren und man erhält eine Zahl, die weder die Eigentümerfrage noch die Steuerungsfrage sauber beantwortet.

⟨4⟩ Warum beide nebeneinander gebraucht werden. Erst im Zusammenspiel entsteht ein vollständiges Bild, und zwar aus vier Gründen. Erstens die Verantwortungszurechnung: Der ROI ist auf Bereiche, Produktlinien und Einzelinvestitionen herunterbrechbar und macht damit dezentrale Steuerung und Investitionsentscheidungen überhaupt erst möglich; die Gesamtkapitalrentabilität lässt sich nicht sinnvoll auf eine einzelne Maschine anwenden. Zweitens die Diagnosefähigkeit: Fallen die beiden Kennzahlen auseinander, ist das eine wertvolle Information. Ein hoher ROI bei niedriger Gesamtkapitalrentabilität deutet darauf hin, dass ein gesundes Kerngeschäft durch nicht betriebsnotwendiges Vermögen, Verluste aus Beteiligungen, hohe Zinslasten oder eine ungünstige Steuersituation aufgezehrt wird. Der umgekehrte Fall deutet auf Einmalerträge hin, die ein schwaches operatives Geschäft überdecken. Drittens die Vergleichbarkeit: Weil der ROI vor Steuern und vor Finanzierung ansetzt, sind Bereiche und Unternehmen mit unterschiedlicher Kapitalstruktur und unterschiedlichem Steuerstatus vergleichbar; die Gesamtkapitalrentabilität ist dagegen die Größe, die tatsächlich beim Kapitalgeber ankommt. Viertens die Manipulationskontrolle: Zwei unabhängig definierte Kennzahlen lassen sich schwerer gleichzeitig schönrechnen als eine einzelne. Wichtig ist Rohleders Warnung: In Fachbüchern und erst recht in Internetquellen werden GKR und ROI unreflektiert vermischt oder gleichgesetzt, obwohl sie sich in Zähler-Ebene (vor gegen nach Steuern) und Nenner-Abgrenzung (gesamtes gegen betriebsnotwendiges Kapital) systematisch unterscheiden.

b) 5 P. – Warum die Fremdkapitalzinsen zum Betriebsgewinn addiert werden

⟨2⟩ Das Kongruenzgebot zwischen Zähler und Nenner. Der entscheidende Grund ist ein rechnerisch zwingender: Zähler und Nenner einer Rentabilitätskennzahl müssen sich auf dieselbe Kapitalbasis beziehen. Im Nenner des ROI steht das gesamte gebundene betriebsnotwendige Kapital – und dieses ist anteilig mit Eigenkapital und mit Fremdkapital finanziert. Der Zähler muss folglich den Erfolg ausweisen, der diesem gesamten Kapital zuzurechnen ist, also den Erfolg vor jeder Verteilung an die Kapitalgeber. Ein Gewinn, aus dem die Fremdkapitalzinsen bereits abgeflossen sind, steht nur noch den Eigenkapitalgebern zu und passt damit nicht zu einem Nenner, der auch das Fremdkapital enthält. Werden die Zinsen zurückaddiert, misst der Zähler wieder den vollständigen Ertrag des eingesetzten Kapitals: Der eine Teil davon wird als Zins an die Gläubiger ausgeschüttet, der andere verbleibt bei den Eigentümern – für die Frage, wie produktiv das Kapital gearbeitet hat, ist diese Aufteilung ohne Belang. Wird der Kapitalbegriff also weit gefasst, muss auch der Erfolgsbegriff weit gefasst werden.

⟨4⟩ Finanzierungsneutralität und Vergleichbarkeit – die betriebswirtschaftliche Konsequenz. Fremdkapitalzinsen sind Finanzierungskosten, nicht Kosten des Betriebs. Sie sagen etwas über die Kapitalstruktur aus, nichts über die Leistungsfähigkeit des Kerngeschäfts. Unterbliebe die Zinskorrektur, hinge der ROI unmittelbar davon ab, wie eine Investition finanziert wurde: Zwei technisch und wirtschaftlich völlig identische Werke, von denen eines eigen- und das andere fremdfinanziert ist, wiesen unterschiedliche ROI-Werte aus – das eigenfinanzierte sähe besser aus, obwohl es operativ nichts besser macht. Die Kennzahl würde damit Finanzierungsentscheidungen der Konzernzentrale den Betriebsleitern zurechnen, die darauf keinen Einfluss haben. Erst die Rückaddition macht den ROI finanzierungsneutral und damit vergleichbar: zwischen Bereichen mit unterschiedlicher Kapitalausstattung, zwischen Perioden mit veränderter Verschuldung und zwischen Unternehmen mit unterschiedlicher Kapitalstruktur, etwa im Branchenvergleich oder beim Benchmarking. Genau dies ist auch der Grund, warum bereits der Zähler des ROI das EBIT ist, also das Ergebnis vor Zinsen und Steuern: Nur so bleibt die Aussage auf das Kerngeschäft beschränkt.

⟨5⟩ Die praktische Konsequenz und der Bezug zum Leverage-Effekt. Ohne Zinskorrektur führte die Kennzahl zu falschen Entscheidungen. Ein hoch fremdfinanzierter Bereich würde systematisch schlechtgerechnet und in der internen Mittelzuteilung benachteiligt; umgekehrt könnte ein Bereich seinen ROI verbessern, indem er Fremdkapital gegen konzerninternes Eigenkapital tauscht, ohne einen einzigen Euro mehr zu verdienen. Derselbe Mechanismus zeigt sich beim Leverage-Effekt: Dort ist die Gesamtkapitalrendite beider Unternehmen mit identischem EBIT und identischem Kapital gleich hoch, obwohl das eine vollständig eigen- und das andere zu drei Vierteln fremdfinanziert ist – genau weil im Zähler das EBIT vor Zinsen steht. Nur die Eigenkapitalrendite darf und soll die Finanzierung abbilden. Der Zähler des ROI trägt deshalb korrekt die Bezeichnung „Return" (Ertrag des Kapitals) und nicht „Gewinn", denn es gilt: Jahresüberschuss = Return abzüglich Fremdkapitalzinsen.

Über die geforderten Punkte hinaus

⟨+2⟩ Rohleders bevorzugte ROI-Definition und seine Kritik an den gebräuchlichen. Er hält ROI=EBIT/gebundenes betriebsnotwendiges Kapital\text{ROI} = EBIT / \text{gebundenes betriebsnotwendiges Kapital} für die konzeptionell saubere Fassung: Sie zeigt die reine Kerngeschäftsrentabilität und ergänzt die Gesamtkapitalrentabilität sinnvoll. Praktisch ist sie nicht immer leicht zu ermitteln und deshalb bizarrerweise ungebräuchlich. Die verbreiteteren Varianten – etwa „Jahresüberschuss zuzüglich Steuern zuzüglich Fremdkapitalzinsen, geteilt durch Gesamtkapital" – kritisiert er aus zwei Gründen: Ihnen fehlt der ROI-typische Bezug zum EBIT, und das Gesamtkapital im Nenner enthält praktisch immer auch nicht betriebsnotwendige Bestandteile (nicht genutzte Grundstücke, Wertpapierbestände, überhöhte Liquidität), die den ROI verzerren und ihn seiner Steuerungsfunktion berauben.

⟨+4⟩ Das DuPont-Schema – die Zerlegung, aus der der ROI stammt. Der ROI lässt sich in zwei Treiber zerlegen:

ROI=GewinnUmsatzUmsatzrendite×Umsatzeingesetztes KapitalKapitalumschlag\text{ROI} = \underbrace{\frac{\text{Gewinn}}{\text{Umsatz}}}_{\text{Umsatzrendite}} \times \underbrace{\frac{\text{Umsatz}}{\text{eingesetztes Kapital}}}_{\text{Kapitalumschlag}}

Das ist der eigentliche Grund für die Bedeutung der Kennzahl: Sie zeigt, dass es zwei völlig unterschiedliche Wege zu einer guten Rentabilität gibt – hohe Marge bei geringem Umschlag (Luxusgüter, Spezialmaschinenbau) oder niedrige Marge bei hohem Umschlag (Lebensmitteleinzelhandel, Discounter). Für die Steuerung folgt daraus die konkrete Frage: Soll die Marge verbessert oder das gebundene Kapital gesenkt werden? Letzteres gelingt über Vorrats- und Forderungsabbau, Verkauf nicht betriebsnotwendiger Anlagen oder Leasing statt Kauf.

⟨+6⟩ Die bekannten Schwächen des ROI als Steuerungsgröße. Erstens der Unterinvestitionsanreiz: Ein Bereich mit einem aktuellen ROI von 20 Prozent lehnt ein Projekt mit 15 Prozent ab, weil es seinen Durchschnitt senkt – obwohl es bei Kapitalkosten von 8 Prozent Wert schaffen würde. Der Residualgewinn beziehungsweise EVA (Gewinn abzüglich kalkulatorischer Kapitalkosten) vermeidet diesen Fehlanreiz, weil er absolut und nicht relativ misst. Zweitens die Altersverzerrung über die Wahl von Brutto- oder Nettoanlagewerten: Nettowerte lassen alte Anlagen glänzen und bestrafen Ersatzinvestitionen. Drittens die Kurzfristorientierung: Kürzungen bei Instandhaltung, Forschung und Marketing heben den ROI sofort und schaden erst später.

⟨+8⟩ Die weiteren Rentabilitätskennzahlen zur sauberen Abgrenzung. Eigenkapitalrentabilität (ROE) = Jahresüberschuss geteilt durch Eigenkapital: die Sicht der Eigentümer, bewusst nicht finanzierungsneutral. Umsatzrentabilität = Gewinn geteilt durch Umsatz: die Margensicht. ROCE (Return on Capital Employed) = EBIT geteilt durch das eingesetzte Kapital, definiert als Gesamtkapital abzüglich der zinslosen kurzfristigen Verbindlichkeiten: international die gebräuchlichste Annäherung an Rohleders ROI-Verständnis. ROA (Return on Assets) = die Gesamtkapitalrentabilität nach Steuern in angelsächsischer Schreibweise.

⟨+9⟩ Der Merksatz für die Klausur. Wer das Kapital ungeteilt in den Nenner schreibt, muss den Erfolg ungeteilt in den Zähler schreiben. Zinsen sind Ausschüttung an eine Kapitalgebergruppe, kein Aufwand des Betriebs.

Rohleders Erwartung: In a) will er die beiden Unterscheidungsdimensionen ausdrücklich benannt sehen – Betrieb gegen Gesamtunternehmen und vor gegen nach Steuern – und den Nutzen, beide nebeneinander zu führen. In b) genügt „Zinsen sind Kosten" nicht; im Gegenteil, genau das ist der Fehler. Er will die Kongruenz von Zähler und Nenner und die Finanzierungsneutralität.

1. Drei Annahmen hinter der Gesamtkapitalrentabilität (3 P) — aus dem Abdeckungs-Sweep

Aufgabe #005 · 3 P. · Drei Annahmen hinter der Gesamtkapitalrentabilität · 3 Punkte · Kennzahlen / RentabilitätEin Analyst vergleicht zwei Unternehmen derselben Branche anhand der Gesamtkapitalrentabilität

GKR = (Gewinn + Fremdkapitalzinsen) / Gesamtkapital

und stellt fest, dass Unternehmen A mit 11,2 % deutlich besser abschneidet als Unternehmen B mit 6,8 %. Nennen Sie drei vereinfachende Annahmen, die in dieser Kennzahl stecken, und geben Sie zu jeder Annahme in einem Satz an, welche Fehlinterpretation des Vorsprungs von A aus ihr folgen kann.

⚠️ Beleg-Status: Böschs Original-Trias zu Kompass #20 liegt nicht vor — der Kompass lässt das Feld ausdrücklich leer („nichts erfinden"). Die folgenden drei Annahmen sind eigenständig hergeleitet und fachlich tragfähig, aber nicht als Böschs Formulierung belegt. Vor der Klausur mit der Vorlesungsfolie abgleichen. Die Aufgabenstellung ist bewusst so geschnitten, dass sie ohne Bösch-Wortlaut beantwortbar bleibt.

Verwendete Symbole: GKR = Gesamtkapitalrentabilität (Return on Assets) · FK = Fremdkapital · EK = Eigenkapital · JÜ = Jahresüberschuss · EBIT = Ergebnis vor Zinsen und Steuern · i = Fremdkapitalzinssatz · t = Steuersatz.

Zähler-Varianten im Kompass: #11 EBIT · #13 Jahresüberschuss vor Zinsen · Rechenaufgabe #02 (Gewinn + FK-Zinsen). In der Klausur die in der Aufgabenstellung genannte Variante übernehmen und den gewählten Ansatz in einem Halbsatz benennen — Rohleder rechnet selbst mit mehreren.

Die GKR soll die Ertragskraft des gesamten eingesetzten Kapitals zeigen und dabei finanzierungsneutral bleiben: Weil Fremdkapitalzinsen Aufwand sind und den Gewinn mindern, werden sie im Zähler wieder hinzugerechnet — nur so werden unterschiedlich finanzierte Unternehmen vergleichbar. Diese Einfachheit ist mit mindestens drei stillschweigenden Annahmen erkauft, und jede davon kann die 4,4 Prozentpunkte Vorsprung von A erzeugen, ohne dass A besser wirtschaftet.

Erste Annahme: Das Gesamtkapital war über die gesamte Periode gleichmäßig gebunden. Der Zähler ist eine Stromgröße über zwölf Monate, der Nenner eine Bestandsgröße — deshalb setzt Rohleder in #11 selbst das durchschnittliche Gesamtkapital an. Die Annahme betrifft damit die vereinfachte Stichtagsvariante, wie sie in der Aufgabenstellung und in Klausur-Rechenaufgaben (Kompass #02: GKR = (Gewinn + FK-Zinsen) / Bilanzsumme) verwendet wird — und genau dort ist sie die verwundbarste Stelle. Auf den Fall bezogen: Baut A kurz vor dem Stichtag Vorräte ab und führt Kredite zurück, während B durchfinanziert bleibt, entsteht ein Teil der 4,4 Prozentpunkte allein im Nenner, ohne dass das Kapital einen Tag besser gearbeitet hätte. ⟨1⟩

Zweite Annahme: Der Periodengewinn ist repräsentativ für die dauerhafte Ertragskraft. Ein einzelnes Geschäftsjahr wird stellvertretend für die Normalleistung genommen. Auf den Fall bezogen: Hat A ein Grundstück verkauft oder eine Rückstellung aufgelöst, sitzt der Vorsprung im Zähler und ist im Folgejahr verschwunden; umgekehrt kann B mitten in einer Anlaufphase stecken, deren Investitionen erst später Erträge tragen. Ein Ein-Jahres-Vergleich kann beides nicht unterscheiden — dafür braucht es eine Mehrjahresreihe. ⟨2⟩

Dritte Annahme: Buchwerte bilden das gebundene Kapital zutreffend ab. Das Gesamtkapital steht zu fortgeführten Anschaffungskosten in der Bilanz, nicht zu Markt- oder Wiederbeschaffungswerten. Auf den Fall bezogen: Betreibt A einen alten, weitgehend abgeschriebenen Anlagenpark und hat B gerade modernisiert, ist der Nenner von A künstlich klein — die Kennzahl belohnt dann exakt das Investitionsunterlassen, das A langfristig schadet. Von allen drei Annahmen ist diese die wahrscheinlichste Erklärung für einen Vorsprung dieser Größenordnung innerhalb derselben Branche. ⟨3⟩

Über die geforderten Punkte hinaus

⟨+1⟩ Vorsteuer oder Nachsteuer — die vierte Vergleichbarkeitsfrage. Bösch definiert die Gesamtkapitalrendite als Vorsteuerrendite, Rohleder bevorzugt sie als Nachsteuergröße. Die Vorsteuerbetrachtung ist richtig, wenn Unternehmen aus verschiedenen Ländern verglichen werden, weil die Leistung dann nicht durch unterschiedliche Steuersysteme verzerrt wird; die Nachsteuerbetrachtung zeigt die tatsächliche Rentabilität und ist für den Anleger maßgeblich, der Anlagen gegeneinander abwägt. Vor jedem Vergleich zweier GKR-Werte ist also zu klären, ob beide nach derselben Definition gerechnet sind.

⟨+2⟩ Die Nachsteuer-Identität (Kompass #22). Zu zeigen ist

+iFK(1t)EK+FK=EBIT(1t)EK+FK\frac{\text{JÜ} + i \cdot FK \cdot (1-t)}{EK + FK} = \frac{EBIT \cdot (1-t)}{EK + FK}

Schritt 1: Der Nenner ist beidseitig die Bilanzsumme EK + FK. Schritt 2: JÜ = (EBIT − i·FK)·(1−t) = EBIT·(1−t) − i·FK·(1−t). Schritt 3: beidseitig i·FK·(1−t) addieren ⇒ JÜ + i·FK·(1−t) = EBIT·(1−t). Schritt 4: durch (EK + FK) teilen. Die im Zähler gemeinten FK-Zinsen sind also die Zinsen nach Steuern.

Erwartung — eigene Einschätzung, nicht belegt: Im Kompass ist das Antwortfeld zu #20 leer; wie Rohleder diese Frage bewertet, ist nicht dokumentiert. Fachlich tragfähig und deshalb hier gewählt: je Annahme ein Satz mit Konsequenz statt drei Stichworten — „Buchwerte" allein ist nach seiner eigenen Bullshit-Bingo-Regel (U05) unkonkret, „Buchwerte lassen einen abgeschriebenen Anlagenpark rentabler aussehen, als er ist" ist die Antwort. Vor der Klausur mit Bösch bzw. der Vorlesungsfolie abgleichen.


2. Leverage-Effekt (8 P) — Original-Klausur 26.02.2025 (8)

Aufgabe #006 · 8 P. · Original: Leverage-EffektEin Unternehmen verfügt über eine Eigenkapitalquote von 25 % bei einem Gesamtkapital von 5.000.000 €. Aufgrund einer expansiven Ausrichtung des Unternehmens werden zusätzlich 10 % Fremdkapital bei einer Bank aufgenommen (Fremdkapitalzins 3 %).
a) 6 P. Lohnt sich die Aufnahme des Fremdkapitals für die Kapitaleigner, wenn die Gesamtkapitalrendite vor der Kapitalaufnahme 15 % beträgt?
b) 2 P. Welche Bedingung muss gegeben sein, damit der Leverage-Effekt eintritt?

Verwendete Symbole: GK = Gesamtkapital · EK = Eigenkapital · FK = Fremdkapital · rGKr_{GK} = Gesamtkapitalrendite (Gewinn vor Fremdkapitalzinsen bezogen auf das Gesamtkapital) · rEKr_{EK} = Eigenkapitalrendite (Gewinn nach Fremdkapitalzinsen bezogen auf das Eigenkapital) · ii = Fremdkapitalzinssatz · V = Verschuldungsgrad = FK / EK.

a) 6 P. – Lohnt sich die Fremdkapitalaufnahme für die Kapitaleigner?

Ausgangswerte und Annahmen. Aus der Eigenkapitalquote von 25 % folgt EK=0,255.000.000,00=1.250.000,00EK = 0{,}25 \cdot 5.000.000{,}00\ € = 1.250.000{,}00\ € und FK=3.750.000,00FK = 3.750.000{,}00\ €. Die Angabe „zusätzlich 10 % Fremdkapital" wird als 10 % des bisherigen Gesamtkapitals gelesen, also als Kreditaufnahme von 0,105.000.000,00=500.000,000{,}10 \cdot 5.000.000{,}00\ € = 500.000{,}00\ €; der Fremdkapitalzins von 3,00 % wird vereinfachend auf das gesamte Fremdkapital angewandt, und das zusätzliche Kapital erwirtschaftet annahmegemäß dieselbe Gesamtkapitalrendite von 15,00 % wie das vorhandene (fehlende Angaben sind laut Deckblatt durch plausible, naheliegende Annahmen zu ergänzen). ⟨1⟩

Situation vor der Kapitalaufnahme. Der Gewinn vor Zinsen beträgt 0,155.000.000,00=750.000,000{,}15 \cdot 5.000.000{,}00\ € = 750.000{,}00\ €. Davon gehen die Fremdkapitalzinsen 0,033.750.000,00=112.500,000{,}03 \cdot 3.750.000{,}00\ € = 112.500{,}00\ € ab, sodass den Eigenkapitalgebern 750.000,00112.500,00=637.500,00750.000{,}00\ € - 112.500{,}00\ € = 637.500{,}00\ € verbleiben. ⟨2⟩ Die Eigenkapitalrendite vor der Aufnahme beträgt damit

rEKvorher=637.500,001.250.000,00=51,00%r_{EK}^{vorher} = \frac{637.500{,}00\ €}{1.250.000{,}00\ €} = 51{,}00\ \%

⟨3⟩

Situation nach der Kapitalaufnahme. Das Gesamtkapital steigt auf 5.500.000,005.500.000{,}00\ €, das Fremdkapital auf 4.250.000,004.250.000{,}00\ €; das Eigenkapital bleibt unverändert bei 1.250.000,001.250.000{,}00\ €. Der Gewinn vor Zinsen beträgt nun 0,155.500.000,00=825.000,000{,}15 \cdot 5.500.000{,}00\ € = 825.000{,}00\ €, die Fremdkapitalzinsen 0,034.250.000,00=127.500,000{,}03 \cdot 4.250.000{,}00\ € = 127.500{,}00\ €, der Gewinn der Eigenkapitalgeber also 697.500,00697.500{,}00\ €. ⟨4⟩ Daraus folgt

rEKnachher=697.500,001.250.000,00=55,80%r_{EK}^{nachher} = \frac{697.500{,}00\ €}{1.250.000{,}00\ €} = 55{,}80\ \%

Die Gegenprobe über die Leverage-Formel bestätigt das Ergebnis: Mit dem neuen Verschuldungsgrad V=4.250.000,00/1.250.000,00=3,40V = 4.250.000{,}00 / 1.250.000{,}00 = 3{,}40 ergibt sich rEK=rGK+V(rGKi)=15,00%+3,40(15,00%3,00%)=15,00%+40,80%=55,80%r_{EK} = r_{GK} + V \cdot (r_{GK} - i) = 15{,}00\ \% + 3{,}40 \cdot (15{,}00\ \% - 3{,}00\ \%) = 15{,}00\ \% + 40{,}80\ \% = 55{,}80\ \%. ⟨5⟩

vorher nachher
Gesamtkapital 5.000.000,00 € 5.500.000,00 €
Fremdkapital 3.750.000,00 € 4.250.000,00 €
Gewinn vor Zinsen (15,00 %) 750.000,00 € 825.000,00 €
Fremdkapitalzinsen (3,00 %) 112.500,00 € 127.500,00 €
Gewinn der Eigenkapitalgeber 637.500,00 € 697.500,00 €
Eigenkapitalrendite 51,00 % 55,80 %

Antwort. Ja, die Aufnahme lohnt sich für die Kapitaleigner: Die Eigenkapitalrendite steigt von 51,00 % auf 55,80 %, also um 4,80 Prozentpunkte. Ökonomisch erwirtschaftet jeder zusätzlich geliehene Euro 15,00 % und kostet nur 3,00 %; die Differenz von 12,00 Prozentpunkten auf 500.000,00 € (das sind 0,12500.000,00=60.000,000{,}12 \cdot 500.000{,}00\ € = 60.000{,}00\ € Zusatzgewinn) fließt vollständig den Eigenkapitalgebern zu, weil deren Kapitaleinsatz unverändert bleibt. ⟨6⟩

b) 2 P. – Bedingung für den (positiven) Leverage-Effekt

Der positive Leverage-Effekt (die Leverage-Chance) tritt ein, wenn die Gesamtkapitalrendite über dem Fremdkapitalzinssatz liegt: rGK>ir_{GK} > i. Nur dann verdient das Unternehmen mit dem geliehenen Kapital mehr, als es dafür an Zinsen zahlt, und der Überschuss hebelt die Eigenkapitalrendite mit steigendem Verschuldungsgrad nach oben. ⟨7⟩ Kehrt sich die Relation um (rGK<ir_{GK} < i), wirkt derselbe Hebel als Leverage-Risiko in die Gegenrichtung: Die Zinsen übersteigen den Ertrag des Fremdkapitals, die Differenz geht zulasten der Eigenkapitalgeber, und die Eigenkapitalrendite sinkt mit jedem zusätzlichen Euro Verschuldung, bis hin zu negativen Werten. Die Bedingung muss dabei dauerhaft gelten, denn der Fremdkapitalzins ist vertraglich fixiert, während die Gesamtkapitalrendite konjunkturell schwankt. ⟨8⟩

Über die geforderten Punkte hinaus

⟨+1⟩ Alternative Lesart der 10 %: Versteht man „zusätzlich 10 % Fremdkapital" als 10 % des bisherigen Fremdkapitals, beträgt der Kredit 0,103.750.000,00=375.000,000{,}10 \cdot 3.750.000{,}00\ € = 375.000{,}00\ €. Dann ergibt sich nach der Aufnahme ein Gewinn der Eigenkapitalgeber von 806.250,00123.750,00=682.500,00806.250{,}00\ € - 123.750{,}00\ € = 682.500{,}00\ € und eine Eigenkapitalrendite von 54,60 %. Die Antwort bleibt qualitativ identisch (Anstieg von 51,00 % auf 54,60 %, die Aufnahme lohnt sich). Wichtig ist allein, die gewählte Lesart als Annahme zu benennen; das Deckblatt verlangt genau dieses Vorgehen bei fehlenden Angaben.

⟨+2⟩ Realitäts-Einordnung, die er gern hört: Eine Eigenkapitalrendite von 51,00 % ist didaktisch überzeichnet; die Zahlen sollen den Hebel sichtbar machen. In der Realität begrenzen zwei Effekte den Hebel: Mit steigendem Verschuldungsgrad verlangen die Banken höhere Zinsen (das Ausfallrisiko wächst, ii ist nicht konstant), und die Gesamtkapitalrendite ist unsicher. Bricht sie in der Rezession unter den Zinssatz, schlägt die Leverage-Chance abrupt ins Leverage-Risiko um, während der Kapitaldienst unverändert weiterläuft. Daraus folgt die Frage nach dem optimalen Verschuldungsgrad, die Rohleder in U14 (WS25/26) ausdrücklich mit Handlungsspielräumen und Bankenmitsprache verknüpft hat.

⟨+3⟩ Querverbindungen im Lernmaterial: Das Parallel-Beispiel mit denselben Strukturzahlen (Eigenkapitalquote 25 %, Zwei-Unternehmen-Vergleich, Ergebnis 10,00 % gegenüber 25,00 %) ist in leverage-rentabilitaet.md gelöst; die begriffliche Basis (Leverage-Chance, Leverage-Risiko, Verschuldungsgrad) steht dort in der Formelsammlung. Denselben Hebel wendet Rohleder in der 6er-Sammlung (Aufgabe „Staatsverschuldung") auf den Staat an: Staatsverschuldung gilt als akzeptabel, solange die Rendite der schuldenfinanzierten Investitionen über den Finanzierungskosten liegt, was strukturell exakt die Bedingung aus b) ist.

⟨+4⟩ Dreh-Variante abgesichert: Falls er die Aufgabe umdreht und zu einer vorgegebenen Ziel-Eigenkapitalrendite den nötigen Verschuldungsgrad sucht, wird die Leverage-Formel nach V umgestellt: V=rEKrGKrGKiV = \frac{r_{EK} - r_{GK}}{r_{GK} - i}. Soll mit den Werten dieser Aufgabe (rGK=15,00%r_{GK} = 15{,}00\ \%, i=3,00%i = 3{,}00\ \%) eine Eigenkapitalrendite von 60,00 % erreicht werden, folgt V=60,00%15,00%15,00%3,00%=45,0012,00=3,75V = \frac{60{,}00\ \% - 15{,}00\ \%}{15{,}00\ \% - 3{,}00\ \%} = \frac{45{,}00}{12{,}00} = 3{,}75, bei unverändertem Eigenkapital von 1.250.000,00 € also ein Fremdkapital von 3,751.250.000,00=4.687.500,003{,}75 \cdot 1.250.000{,}00\ € = 4.687.500{,}00\ €. Die Gegenprobe über das Zahlengerüst bestätigt das Ergebnis: Gewinn vor Zinsen 0,155.937.500,00=890.625,000{,}15 \cdot 5.937.500{,}00\ € = 890.625{,}00\ €, Fremdkapitalzinsen 0,034.687.500,00=140.625,000{,}03 \cdot 4.687.500{,}00\ € = 140.625{,}00\ €, Gewinn der Eigenkapitalgeber 750.000,00750.000{,}00\ € und damit 750.000,00/1.250.000,00=60,00%750.000{,}00\ € / 1.250.000{,}00\ € = 60{,}00\ \%. Voraussetzung der Umstellung ist rGK>ir_{GK} > i, und je höher der Zielwert gesetzt wird, desto stärker greifen die in ⟨+2⟩ genannten Grenzen des Hebels.

Rohleders Erwartung: Nachvollziehbarer Rechenweg mit definierten Symbolen, betriebswirtschaftliche Rundung auf zwei Nachkommastellen und die explizit benannte Annahme zur Bezugsbasis der 10 % (das Deckblatt fordert plausible Annahmen bei fehlenden Angaben, und genau hier prüft er das). In a) will er den Vorher-Nachher-Vergleich der Eigenkapitalrendite mit sauberem Zahlengerüst sehen, nicht nur die eingesetzte Leverage-Formel; in b) genügt die Formel rGK>ir_{GK} > i allein nicht, er erwartet den Begründungssatz, warum die Differenz den Eigenkapitalgebern zufließt und was bei umgekehrter Relation passiert.


Dubletten: Abweichungs-Blöcke mit Querverweis

Die folgenden sechs Aufgaben sind in altmeister-geloest.md (Klausur vom 11.07.2025) bereits vollständig auf Zielniveau gelöst. Hier nur die Abweichungen der Fassung vom 26.02.2025.


Grundbegriffe: Unternehmung, Stakeholder, Manager (#01–#03)

Rohleders Kompass, FINA U11 · Fundamente 1 (Stakeholder, Bilanz/GuV, GKR/EKR, Leverage, Cashflow)

Aufgabe #007 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · #01–#03Erkläre in eigenen Worten: Grundbegriffe: Unternehmung, Stakeholder, Manager — Rohleders Antwortschlüssel (FINA U11) steht darunter.
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • #01 Unternehmung = wirtschaftlich-rechtlich organisiertes Gebilde, Ziel: nachhaltig ertragbringende Leistung
  • je nach Art: Gewinnmaximierung ODER Angemessenheitsprinzip der Gewinnerzielung
  • rechtlich bedeutsam: Verfasstheit — v.a. Kapitalgesellschaft vs. Personengesellschaft (Quelle: Gabler)
  • #02 Stakeholder = Anspruchsgruppen: alle internen UND externen Personengruppen
  • betroffen von unternehmerischen Tätigkeiten — gegenwärtig oder zukünftig, direkt oder indirekt
  • #03 Manager = leitende Angestellte ODER geschäftsführende Eigentümer (Eigentümerunternehmer)
  • Merke: Manager muss nicht zwingend Angestellter sein
💡 Für Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Unternehmung = jede Firma, die planmässig organisiert ist und dauerhaft mehr einnehmen will, als sie ausgibt. Also nicht ein einzelner Verkauf, sondern ein auf Dauer angelegter Betrieb.
  • wirtschaftlich-rechtlich organisiertes Gebilde = die Firma hat zwei Seiten: eine wirtschaftliche (sie will Geld verdienen) und eine rechtliche (sie hat eine feste Rechtsform, ist z.B. beim Amt angemeldet).
  • nachhaltig ertragbringende Leistung = die Firma soll über lange Zeit hinweg etwas herstellen oder anbieten, das mehr Geld bringt als kostet — nicht nur einmalig.
  • Gewinnmaximierung = so viel Gewinn wie möglich herausholen. Angemessenheitsprinzip = es reicht ein 'genug guter', vertretbarer Gewinn, nicht das absolute Maximum (z.B. bei Genossenschaften oder gemeinnützigen Betrieben).
  • Verfasstheit = die Rechtsform, also in welcher rechtlichen 'Verpackung' die Firma läuft.
  • Kapitalgesellschaft = Firma, bei der man Geld einlegt und im Notfall nur dieses Geld verliert (z.B. GmbH, AG). Personengesellschaft = Firma, bei der die Inhaber persönlich, also auch mit Privatvermögen, geradestehen.
  • Stakeholder / Anspruchsgruppen = alle Menschen und Gruppen, die irgendwie mit der Firma zu tun haben oder von ihr betroffen sind — Mitarbeiter, Kunden, Nachbarn, Lieferanten, Staat.
  • intern/extern = drinnen (z.B. Angestellte, Eigentümer) und draussen (z.B. Kunden, Behörden). Direkt/indirekt = unmittelbar betroffen oder nur über Umwege.
  • Manager = Person, die die Firma leitet. Wichtig: Das kann ein angestellter Chef sein ODER der Eigentümer selbst, der zugleich die Firma führt (Eigentümerunternehmer).
  • geschäftsführender Eigentümer = jemand, dem die Firma gehört UND der sie gleichzeitig selbst leitet (typischer Fall: Inhaber eines Familienbetriebs).

#01 Unternehmung. Eine Unternehmung ist ein wirtschaftlich-rechtlich organisiertes Gebilde, in dem auf eine nachhaltig ertragbringende Leistung gezielt wird. Je nach Art der Unternehmung erfolgt dies nach dem Prinzip der Gewinnmaximierung oder nach dem Angemessenheitsprinzip der Gewinnerzielung. Rechtlich bedeutsam ist die Ausdifferenzierung nach der verschiedenartig möglichen Verfasstheit des Unternehmens, insbesondere als Kapitalgesellschaft oder als Personengesellschaft. (Der Kompass stützt sich hier auf das Gabler Wirtschaftslexikon.)

#02 Stakeholder. Stakeholder (Anspruchsgruppen) sind alle internen und externen Personengruppen, die von den unternehmerischen Tätigkeiten gegenwärtig oder in Zukunft, direkt oder indirekt betroffen sind. Entscheidend sind beide Achsen: intern/extern sowie gegenwärtig/zukünftig bzw. direkt/indirekt.

#03 Manager. Als Manager werden leitende Angestellte oder geschäftsführende Eigentümer (Eigentümerunternehmer) eines Unternehmens bezeichnet. Manager müssen also nicht zwingend Angestellte sein — auch ein geschäftsführender Eigentümer fällt unter den Begriff.


Eigenkapital- vs. Fremdkapitalgeber (#04) — Kompass-Lücke

Rohleders Kompass, FINA U11

Aufgabe #008 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · FINA U11Erkläre in eigenen Worten: Eigenkapital- vs. Fremdkapitalgeber (#04) — Kompass-Lücke — Rohleders Antwortschlüssel (FINA U11) steht darunter.
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • Aufgabe: EK- und FK-Geber tabellarisch anhand geeigneter Kriterien abgrenzen
  • ACHTUNG: Kompass liefert KEINE ausgefüllte Tabelle — nur Quellenverweis (Fremdkapital-Definition, Lexware)
  • nichts erfinden, nichts als 'Rohleders Antwort' ausgeben
  • Tabelle selbst aus Bösch/Vorlesung erstellen
  • mögliche Kriterien (mit Bösch abgleichen): Haftung, Mitsprache-/Stimmrecht, Vergütung (Dividende/Gewinnbeteiligung vs. fester Zins), Laufzeit, Insolvenzrang, Risiko
  • bestätigter Baustein aus #07: EK-Geber haften alleinig für die Entscheidungen
💡 Für Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Eigenkapitalgeber = Leute, die der Firma ihr eigenes Geld geben und dafür Miteigentümer werden (z.B. der Inhaber, Aktionäre). Sie tragen das Risiko, bekommen aber auch am Gewinn Anteil.
  • Fremdkapitalgeber = Leute, die der Firma Geld leihen (z.B. eine Bank). Sie bekommen feste Zinsen und ihr Geld zurück, sind aber keine Miteigentümer.
  • tabellarisch abgrenzen = die Unterschiede beider Gruppen in einer Tabelle gegenüberstellen, Kriterium für Kriterium.
  • Kompass-Lücke = im Lernmaterial fehlt hier die fertige Antwort; man darf keine erfinden, sondern muss sie selbst aus dem Lehrbuch (Bösch) holen.
  • Haftung = wer im Pleitefall mit seinem Geld geradesteht. Eigenkapitalgeber haften; Fremdkapitalgeber wollen nur ihr geliehenes Geld zurück.
  • Mitsprache-/Stimmrecht = darf man bei Firmen-Entscheidungen mitreden und abstimmen. Eigentümer ja, Kreditgeber normalerweise nein.
  • Vergütung = wie man fürs eingesetzte Geld bezahlt wird: Eigentümer bekommen Gewinnanteil/Dividende (schwankt), Kreditgeber festen Zins (immer gleich).
  • Dividende = Teil des Gewinns, der an die Eigentümer/Aktionäre ausgezahlt wird.
  • Insolvenzrang = Reihenfolge, in der bei Pleite ausgezahlt wird. Kreditgeber kommen zürst dran, Eigentümer zuletzt — also höheres Risiko für Eigentümer.
  • Laufzeit/Überlassungsdauer = wie lange das Geld in der Firma bleibt. Eigenkapital meist unbefristet, Kredite haben ein Rückzahldatum.

Die Aufgabe lautet: Grenzen Sie Eigenkapital- und Fremdkapitalgeber tabellarisch anhand geeigneter Kriterien voneinander ab.

Wichtiger Hinweis — Lücke im Kompass: An dieser Stelle liefert der Kompass KEINE ausgefüllte Vergleichstabelle. Im Dokument steht lediglich ein Quellenverweis (Fremdkapital-Definition, Lexware) und sonst kein Antwortinhalt. Es wäre unseriös, hier eine Tabelle zu erfinden und als Rohleders Antwort auszugeben.

Was zu tun ist: Die Tabelle aus Bösch bzw. der Vorlesungsunterlage selbst erstellen. Gängige Kriterien für eine solche Gegenüberstellung (vor der Übernahme mit der Bösch-Quelle abgleichen):

  • Haftung
  • Mitsprache- bzw. Stimmrecht
  • Art der Vergütung (Dividende/Gewinnbeteiligung vs. fester Zins)
  • Laufzeit/Überlassungsdauer
  • Rang im Insolvenzfall
  • getragenes Risiko

Diese Kriterien sind ein Gerüst, NICHT die Kompass-Antwort. Der Anker #07 bestätigt immerhin einen Baustein: Die Eigenkapitalgeber haften alleinig für die Entscheidungen.


Ziele der Unternehmung (#05–#08)

Rohleders Kompass, FINA U11

Aufgabe #009 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · #05–#08Erkläre in eigenen Worten: Ziele der Unternehmung — Rohleders Antwortschlüssel (FINA U11) steht darunter.
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • #05 Warum Ziele? 5 Gründe: (1) Richtung vorgeben, (2) Fokus, (3) Verantwortlichkeiten, (4) Motivation, (5) Erfolg bewerten
  • #06 Oberziel (Bösch): Entscheidungshilfe für wichtige Unternehmensentscheidungen
  • mehrere gleichrangige Ziele → Zielkonflikte → daher Hierarchie nötig
  • Oberziel muss eindeutig und messbar sein
  • bei grossen Kapitalgesellschaften: auch durch Mitarbeitervertreter (Betriebsrat) besetzt
  • #07 EK-Geber bestimmen Oberziel, weil sie alleinig für die Entscheidungen haften
  • #08 Wertmaximierung = dynamisch, langer Horizont, Unternehmenswert bei moderatem Risiko steigern
  • #08 Gewinnmaximierung = statisch, kurzer Horizont, max. Gewinn mit gegebenen Mitteln, langfristige Entwicklung zurückgestellt
  • offene Frage (ohne Antwort): Unternehmenswert = Aktienwert/Zerschlagungswert/Bilanzwert/Zukunftswert?
💡 Für Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Ziele = klare Vorgaben, was die Firma erreichen will — wie ein Zielort, auf den alle hinarbeiten.
  • Verantwortlichkeiten = klare Zuständigkeit, wer für welches Ziel geradesteht.
  • Oberziel = das eine wichtigste Ziel, das über allen anderen steht und bei Streitfragen den Ausschlag gibt.
  • Zielkonflikt = zwei Ziele, die sich gegenseitig behindern (z.B. 'billig anbieten' UND 'viel verdienen' gehen schlecht zusammen). Deshalb braucht man eine Rangordnung.
  • Hierarchie der Ziele = Rangordnung: welches Ziel ist wichtiger, wenn zwei sich widersprechen.
  • eindeutig und messbar = das Ziel muss so klar sein, dass man am Ende zweifelsfrei prüfen kann, ob es erreicht wurde (z.B. eine Zahl, kein vages 'besser werden').
  • Betriebsrat = gewählte Vertretung der Mitarbeiter, die bei bestimmten Entscheidungen mitreden darf.
  • Eigenkapitalgeber bestimmen das Oberziel, weil sie alleinig haften = wer im Pleitefall sein Geld verliert, darf auch sagen, wohin es geht — Risiko und Bestimmungsrecht gehören zusammen.
  • Wertmaximierung = dynamisch, langer Horizont = man denkt langfristig und will den Gesamtwert der Firma über Jahre steigern, auch mit überschaubarem Risiko.
  • Gewinnmaximierung = statisch, kurzer Horizont = man will jetzt sofort mit dem, was da ist, den grössten Gewinn machen — Zukunft wird hintangestellt.
  • moderates Risiko = ein mittleres, vertretbares Risiko — nicht zu zocken, aber auch nicht übervorsichtig.
  • Zerschlagungswert / Bilanzwert / Zukunftswert = verschiedene Arten, den 'Wert' einer Firma zu messen: was man beim Verkauf einzeln bekäme, was in den Büchern steht, oder was sie künftig einbringt.

#05 Warum braucht man Ziele? Der Kompass nennt fünf Gründe:

  1. Ziele geben die Richtung vor.
  2. Ziele geben Fokus.
  3. Ziele erzeugen Verantwortlichkeiten.
  4. Ziele helfen, motiviert zu bleiben.
  5. Ziele ermöglichen es, Erfolg zu bewerten.

#06 Oberziel (Bösch). Ein Oberziel sieht Bösch insbesondere als Entscheidungshilfe für wichtige Unternehmensentscheidungen. Mehrere Ziele mit gleicher Bedeutung führen zu Zielkonflikten, daher sollte es eine Hierarchie geben. Das Oberziel muss zudem eindeutig und messbar sein. Ergänzend: Bei grossen Kapitalgesellschaften muss das Oberziel auch durch Vertreter der Mitarbeiter (Betriebsrat) besetzt werden.

#07 Warum bestimmen die Eigenkapitalgeber das Oberziel? Weil sie auch alleinig für die Entscheidungen haften.

#08 Gewinnmaximierung vs. Wertmaximierung. Die Wertmaximierung ist eine dynamische Strategie mit langem Zeithorizont und dem Ziel, den Unternehmenswert bei moderatem Risiko zu steigern. Die Gewinnmaximierung hingegen ist eine statische Strategie mit kurzem Zeithorizont; die langfristige Entwicklung wird dabei zurückgestellt, um mit gegebenen Mitteln maximalen Gewinn einzustreichen.

Offene Frage (ohne Kompass-Antwort): Was ist der Unternehmenswert — Aktienwert, Zerschlagungswert, Wert laut Bilanz oder Zukunftswert? Diese Frage steht im Kompass ohne ausformulierte Lösung und ist selbst zu beantworten.


Zielkonflikte, Shareholder Valü & Opportunitätskosten (#09–#11)

Rohleders Kompass, FINA U11

Aufgabe #010 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · #09–#11Erkläre in eigenen Worten: Zielkonflikte, Shareholder Valü & Opportunitätskosten — Rohleders Antwortschlüssel (FINA U11) steht darunter.
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • #09 Kritik am Shareholder-Valü (Rappaport): Unternehmenswert für EK-Geber, bei AGs im Aktienkurs sichtbar
  • Wert besteht aus Kapitalgewinnen + Dividendenzahlungen
  • Maximierung des Shareholder Valü vernachlässigt restliche Stakeholder = der Kritikpunkt (Quelle: Spiegel-Artikel)
  • #10 Lösungsansätze (Bösch): viele Meinungen + Kontrollen einbeziehen; Management mit allen Interessengruppen verknüpft
  • Governance: Steuerungswirkung der Eigentümer aufs Management; Druckmittel Kapital → kaum Vereigenständigung
  • Mitbestimmungsinstrumente: Mitarbeitende einbeziehen; über gesetzliche Organe hinaus verbindlich festsetzen
  • Staat/FK-Geber: Ziele klar durch Verträge/Recht geregelt
  • #11 Messlatte in der BWL = Opportunitätskosten (entgangene maximale Rendite bei Fokusverschiebung)
💡 Für Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Shareholder Valü = der Wert der Firma aus Sicht der Anteilseigner (Aktionäre). Bei börsennotierten Firmen sieht man ihn am Aktienkurs.
  • Aktienkurs = der aktuelle Preis, zu dem ein Firmenanteil (Aktie) an der Börse gehandelt wird.
  • Kapitalgewinne = Wertzuwachs, wenn die Aktie mehr wert wird (man könnte sie teurer verkaufen, als man sie gekauft hat).
  • Kritikpunkt am Shareholder Valü = wenn man nur die Aktionäre reich machen will, kommen alle anderen (Mitarbeiter, Umwelt, Kunden) zu kurz — das ist der Vorwurf.
  • Governance = die Steuerungs- und Kontrollregeln einer Firma: wer entscheidet was und wer kontrolliert die Chefs.
  • sich vereigenständigen (Management) = wenn die angestellten Chefs eigene Suppe kochen und nicht mehr im Sinne der Eigentümer handeln. Weil die Eigentümer das Geld kontrollieren, können sie das verhindern.
  • Mitbestimmungsinstrumente = feste Regeln, mit denen Mitarbeiter bei Entscheidungen mitreden dürfen.
  • gesetzlich vorgeschriebene Organe = Gremien, die per Gesetz sein müssen (z.B. Aufsichtsrat) — darüber hinaus kann man weitere Mitsprache vereinbaren.
  • Aufsichtsorgane = Kontrollgremien, die die Geschäftsführung überwachen (z.B. Aufsichtsrat).
  • Opportunitätskosten = der Gewinn, den man verpasst, weil man sich für etwas anderes entschieden hat. Also die 'entgangene beste Alternative'.
  • Rendite = wie viel Prozent Ertrag man auf sein eingesetztes Geld bekommt (z.B. 5% Rendite = 5 Euro auf 100 Euro Einsatz).
  • Messlatte in der BWL = der Vergleichsmassstab, an dem man eine Entscheidung misst — hier: was man hätte verdienen können.

#09 Kritik am Shareholder-Valü-Ansatz (Rappaport). Der Unternehmenswert ist für die Eigenkapitalgeber, bei Aktiengesellschaften in Form des Aktienkurses, sichtbar. Er besteht aus Kapitalgewinnen und Dividendenzahlungen. Eine Maximierung des Shareholder Valü vernachlässigt die restlichen Stakeholder — und genau das ist zugleich der Kritikpunkt am Konzept. (Ausgangsquelle: Spiegel-Artikel zum Abschied vom Shareholder Valü.)

#10 Lösungsansätze für Interessenkonflikte (Bösch). Die Lösungsansätze zielen auf das Einbeziehen vieler Meinungen und Kontrollen ab. Das Management ist mit allen Interessengruppen verknüpft — sei es durch Mitarbeiter-Mitbestimmungsinstrumente, Eigentümerversammlungen oder Aufsichtsorgane. Der Kompass differenziert drei Ebenen:

  • Governance: Bestimmt die Steuerungswirkung der Eigentümer auf das Management und regelt klar, welche Entscheidungen wie und durch wen getroffen werden. Da die Eigentümer das Druckmittel des Kapitals haben, kann sich das Management kaum vereigenständigen.
  • Mitbestimmungsinstrumente: Beziehen Mitarbeitende in Entscheidungen mit ein. Müssen neben den gesetzlich vorgeschriebenen Organen verbindlich festgesetzt werden.
  • Staat / Fremdkapitalgeber: Deren Ziele sind klar durch Verträge bzw. Recht geregelt.

#11 Wie heisst die Messlatte in der BWL? Bei einer Abweichung vom Fokus auf den maximalen Shareholder Valü entstehen Opportunitätskosten für die Anleger. Die Messlatte ist demnach die maximale Rendite, von der durch die Fokusverschiebung abgewichen wird. Der gesuchte Begriff sind die Opportunitätskosten (die entgangene maximale Rendite).


Güter- und Investitionskreislauf (#12–#14)

Rohleders Kompass, FINA U11

Aufgabe #011 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · #12–#14Erkläre in eigenen Worten: Güter- und Investitionskreislauf — Rohleders Antwortschlüssel (FINA U11) steht darunter.
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • #12 Investitionen = erster Schritt im Güterkreislauf, daher sehr wichtig
  • ohne Investitionen keine Bewegung — im Kompass gleichgesetzt mit Konjunktur
  • #13 Innenfinanzierung = Investitionen aus selbst erwirtschaftetem Kapital statt von aussen (EK/FK)
  • Denkfehler/Missverständnis: auch dieses Geld kommt letztlich vom Kunden = von aussen
  • #14 Messpunkte-Konzept = Momentaufnahmen aus dem Güterkreislauf festhalten
  • anhand dieser Momentaufnahmen wird der unternehmerische Status verifiziert
💡 Für Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Guterkreislauf = der ständige Kreislauf in einer Wirtschaft: Geld wird eingesetzt, Waren werden hergestellt und verkauft, daraus kommt wieder Geld — wie ein sich drehendes Rad.
  • Investition = Geld ausgeben, um damit später mehr zu erwirtschaften (z.B. eine Maschine kaufen, die Produkte herstellt).
  • Konjunktur = wie gut die Wirtschaft gerade läuft. Kernaussage: ohne Investitionen bewegt sich nichts, die Wirtschaft stockt.
  • Innenfinanzierung = die Firma bezahlt neue Investitionen aus eigenem, selbst verdientem Geld — nicht mit frischem Geld von aussen.
  • Aussenfinanzierung = neues Geld kommt von aussen: entweder von Eigentümern (Eigenkapital) oder als Kredit (Fremdkapital).
  • der Denkfehler bei innen/aussen = auch das 'selbst verdiente' Geld stammt ursprünglich von Kunden (also von aussen) — die Begriffe können deshalb verwirren.
  • Messpunkte / Momentaufnahmen = wie ein Foto vom laufenden Kreislauf zu einem festen Zeitpunkt, um zu prüfen, wie die Firma gerade dasteht.
  • unternehmerischen Status verifizieren = überprüfen, in welchem Zustand die Firma ist (gesund? schwach?) — anhand dieser Momentaufnahmen.

#12 Rolle der Investitionen im Güterkreislauf. Investitionen sind der erste Schritt im Güterkreislauf und daher sehr wichtig. Ohne Investitionen gibt es keine Bewegung — der Kompass setzt das mit Konjunktur gleich (ohne Investitionen keine Konjunktur).

#13 Innen- vs. Aussenfinanzierung. Innenfinanzierung bedeutet, dass Investitionen aus dem selbst erwirtschafteten Kapital getätigt werden, statt von aussen durch Eigen- oder Fremdkapital. Der mögliche Denkfehler: Auch dieses selbst erwirtschaftete Geld kommt letztlich vom Kunden und damit von aussen — das kann irritieren und die Begriffe innen/aussen missverständlich erscheinen lassen.

#14 Messpunkte-Konzept. Es werden Momentaufnahmen aus dem Güterkreislauf festgehalten, und anhand dieser Momentaufnahmen wird der unternehmerische Status verifiziert. (Kerngedanke: der laufende Kreislauf wird an definierten Punkten festgehalten, um den Zustand des Unternehmens zu prüfen.)


Die Bilanz & Working Capital (#15–#16)

Rohleders Kompass, FINA U11

Aufgabe #012 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · #15–#16Erkläre in eigenen Worten: Die Bilanz & Working Capital — Rohleders Antwortschlüssel (FINA U11) steht darunter.
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • Bilanz/GuV: Wdh. aus EXRE — Auskunftsfähigkeit sicherstellen
  • #15 Working Capital = Kapital, das das Unternehmen für den Betrieb nutzt
  • Working Capital = Umlaufvermögen − Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
  • #16 Nutzen: Aussagen zu Liquiditätssituation und Kreditwürdigkeit
  • positiv → Anlagevermögen kann langfristig durch Fremdkapital finanziert werden (Kompass-Wortlaut)
  • #16 Grenzen: zu hoch = zu viel gebundenes Kapital; sehr beschränkter Blick, weitere Kennzahlen nötig
  • Beispiel-Grenze: keine Info über Herkunft des langfristig im Anlagevermögen gebundenen Kapitals
💡 Für Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Bilanz = eine Übersicht, die zu einem Stichtag zeigt, was die Firma besitzt und wie das bezahlt wurde (woher das Geld dafür kam).
  • GuV (Gewinn- und Verlustrechnung) = die Aufstellung, die zeigt, ob die Firma in einem Zeitraum Gewinn oder Verlust gemacht hat (Einnahmen minus Ausgaben).
  • Auskunftsfähigkeit sicherstellen = so gut Bescheid wissen, dass man in der Prüfung Fragen dazu beantworten kann.
  • Umlaufvermögen = die Firmen-Besitztümer, die sich schnell zu Geld machen lassen oder bald verbraucht sind (z.B. Kassenbestand, Vorräte, offene Kundenrechnungen).
  • Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen = Rechnungen, die die Firma selbst noch bezahlen muss (Schulden bei Lieferanten für erhaltene Ware).
  • Working Capital = das Geld, das im laufenden Betrieb 'arbeitet'. Man rechnet: kurzfristiges Vermögen minus kurzfristige Lieferantenschulden.
  • Formel Working Capital = Umlaufvermögen − Lieferanten-Schulden: 'Was ich bald zu Geld machen kann' minus 'Was ich bald zahlen muss'. Bleibt was übrig, ist das gut.
  • Liquidität = ob die Firma genug Bargeld/flüssige Mittel hat, um ihre fälligen Rechnungen zu bezahlen.
  • Kreditwürdigkeit = wie gut die Firma dasteht, um einen Kredit zu bekommen (kann sie ihn zurückzahlen?).
  • Anlagevermögen = langfristiger Besitz, der lange in der Firma bleibt (z.B. Gebäude, Maschinen).
  • positives Working Capital heisst langfristig finanziert = bleibt Geld übrig, ist die Firma solide aufgestellt und kann ihre langlebigen Sachen (Maschinen) auch mit langfristigem Geld bezahlen.
  • zu viel gebundenes Kapital = zu viel Geld steckt in Vorräten/offenen Rechnungen fest, statt sinnvoll genutzt zu werden — auch nicht gut.
  • beschränkter Blick / weitere Kennzahlen nötig = eine einzelne Zahl sagt zu wenig; man muss mehrere Messwerte zusammen anschauen.

Zur Bilanz und GuV verweist der Kompass auf die Wiederholung aus EXRE (Auskunftsfähigkeit sicherstellen); inhaltlich vertieft wird hier das Working Capital.

#15 Definition Working Capital. Working Capital ist das Kapital, das das Unternehmen für den Betrieb nutzt. Man erhält es, indem man vom Umlaufvermögen die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen subtrahiert:

Working Capital = Umlaufvermögen − Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen

(So steht es im Kompass — in der Klausur genau an dieser Formulierung orientieren.)

#16 Kennzahl WC — Nutzen und Grenzen. Bösch nennt den Begriff bedeutsam und nützlich, ohne das auszuführen; der Kompass holt das nach.

Nutzen: Das Working Capital gibt bedeutsame Aussagen zur Liquiditätssituation und Kreditwürdigkeit eines Unternehmens. Ist es positiv, weiss man, dass das Anlagevermögen langfristig durch Fremdkapital finanziert werden kann.

Grenzen: Ein zu hohes Working Capital deutet auf zu viel gebundenes Kapital hin. Insgesamt ist es ein sehr beschränkter Blick auf das Unternehmen und muss durch weitere Kennzahlen ergänzt werden. Konkretes Beispiel aus dem Kompass: Die Kennzahl gibt keinerlei Information über die Herkunft des langfristig im Anlagevermögen gebundenen Kapitals.


GuV, Abschreibungen & Gewinngleichung/Tax Shield (#17–#19)

Rohleders Kompass, FINA U11

Aufgabe #013 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · #17–#19Erkläre in eigenen Worten: GuV, Abschreibungen & Gewinngleichung/Tax Shield — Rohleders Antwortschlüssel (FINA U11) steht darunter.
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • #17 Fehlende Fachbegriffe in Abbildung A-5 (Zusammensetzung Jahresüberschuss) — Kompass listet sie NICHT auf, nur aus Abbildung/Vorlesung ergänzbar, nichts erfinden
  • #18 Unschärfe: Abschreibungen mit AfA gleichgesetzt — AfA ist nur Teilmenge
  • weitere Abschreibungsarten: AfaA (aussergewöhnliche Abnutzung), AfS (Substanzverringerung), Teilwertabschreibungen, Sonderabschreibungen
  • AfA = Abschreibung für Abnutzung, in Handels- und Steuerbilanz, planmässige Abschreibung
  • weitere Zuordnungen: bilanzielle, handelsrechtliche, kalkulatorische sowie ausserplanmässige Abschreibungen
  • #19 Gewinngleichung: Jahresüberschuss = (EBIT − Zins x FK) x (1 − Steuersatz)
  • EBIT = Ergebnis vor Zinsen und Steuern; Zins x FK = FK-Zinsen; (1 − Steuersatz) = Besteuerungsfaktor
  • Tax Shield: Zinssatz für FK ist um den Steuersatz gemindert; FK-Zinsen sind Betriebsausgabe, mindern Betriebsergebnis → Steuervorteil
💡 Für Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Jahresüberschuss = das, was am Ende des Jahres wirklich als Gewinn übrig bleibt — nachdem alle Kosten, Zinsen und Steuern abgezogen sind.
  • Abschreibung = ein Anschaffungswert (z.B. Maschine) wird nicht sofort, sondern über mehrere Jahre verteilt als Kosten verbucht, weil sie sich nach und nach abnutzt.
  • AfA (Abschreibung für Abnutzung) = die planmässige Standard-Abschreibung über die erwartete Nutzungsdauer. Sie ist nur EINE Art von Abschreibung, nicht alle.
  • Oberbegriff vs. Teilmenge = 'Abschreibungen' ist der grosse Sammelbegriff, 'AfA' ist nur ein Teil davon — wie 'Obst' (Oberbegriff) und 'Apfel' (ein Teil).
  • AfaA / AfS / Teilwert- / Sonderabschreibungen = weitere Sonderformen der Abschreibung für besondere Fälle (z.B. ausserplanmässige Abnutzung, Wertverlust) — Details muss man hier nicht auswendig können, nur wissen: es gibt mehr als AfA.
  • Handelsbilanz vs. Steuerbilanz = zwei Versionen der Buchhaltung: eine nach Handelsrecht (für Öffentlichkeit/Gläubiger), eine fürs Finanzamt (für die Steuer).
  • EBIT = Ergebnis vor Zinsen und Steuern = der Gewinn aus dem reinen Geschäft, BEVOR Zinsen für Kredite und Steuern abgezogen werden. Zeigt, wie gut das Kerngeschäft läuft.
  • Zins x FK = Fremdkapitalzinsen = Zinssatz mal Kreditbetrag = das Geld, das die Firma für ihre Kredite an die Bank zahlt.
  • (1 − Steuersatz) = der Anteil vom Gewinn, der nach der Steuer übrig bleibt. Beispiel: bei 30% Steuer bleiben 70%, also der Faktor 0,7.
  • Gewinngleichung Jahresüberschuss = (EBIT − Zins x FK) x (1 − Steuersatz) = 'Geschäftsgewinn minus Kreditzinsen, davon der nach-Steuer-Anteil' — so kommt man vom Rohgewinn zum echten Nettogewinn.
  • Tax Shield (Steuerschild) = ein Steuervorteil durch Kredite: Weil Kreditzinsen als Betriebsausgabe den Gewinn drücken, zahlt man weniger Steuer — der Kredit kostet dadurch effektiv weniger.
  • Betriebsausgabe = eine Ausgabe fürs Geschäft, die man vom Gewinn abziehen darf, sodass darauf keine Steuer anfällt.

#17 Fehlende Fachbegriffe in Abbildung A-5. Aufgabe: in Abbildung A-5 (Zusammensetzung des Jahresüberschusses) fehlende Fachbegriffe ergänzen.

Lücke im Kompass: Der Kompass listet die zu ergänzenden Begriffe NICHT auf — die Lösung ergibt sich nur aus der Abbildung selbst bzw. der Vorlesung. Hier ist nichts zu erfinden; diese Stelle ist mit der Original-Abbildung A-5 abzuarbeiten.

#18 Unschärfe: Abschreibungen mit AfA gleichgesetzt. Bei der Beschreibung des Betriebsergebnisses werden die Abschreibungen mit AfA gleichgesetzt. Neben der AfA gibt es weitere Abschreibungsarten: AfaA (Absetzung für aussergewöhnliche Abnutzung — im Kompass als aussergewöhnliche Abschreibungen bezeichnet; fachlich korrekt ist Abnutzung), AfS (Absetzung für Substanzverringerung), Teilwertabschreibungen und Sonderabschreibungen. Abschreibungen ist also der Oberbegriff, AfA nur eine Teilmenge.

Zur Einordnung der AfA nennt der Kompass:

  • AfA = Abschreibung für Abnutzung
  • kommt in Handelsbilanz und Steuerbilanz vor
  • ist die planmässige Abschreibung

Weiter genannte Zuordnungen: bilanzielle, handelsrechtliche, kalkulatorische sowie ausserplanmässige Abschreibungen.

#19 Gewinngleichung und Tax Shield. Die Gewinngleichung lautet:

Jahresüberschuss = (EBIT − Zins x FK) x (1 − Steuersatz)

Bestandteile:

  • EBIT = Ergebnis vor Zinsen und Steuern (operatives Ergebnis)
  • Zins x FK = Fremdkapitalzinsen (Zinssatz mal Fremdkapitalbestand)
  • (1 − Steuersatz) = Faktor, der die Besteuerung abbildet

Tax Shield: Stellt man die Gleichung um, wird ersichtlich, dass der Zinssatz für das Fremdkapital um den Steuersatz gemindert ist — das ist der Tax Shield, d. h. die Steuern mindern die Kosten des Fremdkapitals. Der Grund: Der Tax Shield ist ein Steuervorteil, weil die Fremdkapitalzinsen als Betriebsausgabe angegeben werden dürfen; sie mindern dann das Betriebsergebnis und damit die Steuerlast.


Operativer Erfolg, GKR & EKR (#20–#22)

Rohleders Kompass, FINA U11

Aufgabe #014 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · #20–#22Erkläre in eigenen Worten: Operativer Erfolg, GKR & EKR — Rohleders Antwortschlüssel (FINA U11) steht darunter.
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • #20 Drei vereinfachende Annahmen von Bösch — im Kompass LEER, aus Bösch/Vorlesung nachzutragen, nichts erfinden
  • #21 Bösch definiert GKR als Vorsteuerrendite; Rohleder bevorzugt GKR als Nachsteuergrösse (BLOG-Quelle)
  • Vorsteuer: richtig für Ländervergleich — Leistung ohne Verzerrung durch (unterschiedliche) Steuern
  • Nachsteuer: zeigt tatsächliche Rentabilität, wichtig für Anleger, der Anlagen vergleicht
  • #22 zu zeigen: (Jahresüberschuss + FK-Zinsen) / Bilanzsumme = EBIT x (1 − t) / (EK + FK)
  • Nenner: Bilanzsumme = EK + FK (beidseitig identisch)
  • Gewinngleichung ausmultiplizieren: JUE = EBIT x (1 − t) − i x FK x (1 − t)
  • beidseitig i x FK x (1 − t) addieren → JUE + i x FK x (1 − t) = EBIT x (1 − t), dann durch (EK+FK) teilen
  • im Zähler gemeinte FK-Zinsen = nach Steuern, also i x FK x (1 − t)
💡 Für Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • operativer Erfolg = wie gut das eigentliche Tagesgeschäft läuft (ohne Zinsen und Steuern gerechnet).
  • vereinfachende Annahmen = bewusste Vereinfachungen, damit eine Rechnung überschaubar bleibt (man lässt Nebeneffekte weg). Im Material fehlen sie hier — selbst nachtragen.
  • GKR (Gesamtkapitalrendite) = wie viel Ertrag die Firma auf ihr gesamtes eingesetztes Kapital (Eigen- UND Fremdkapital zusammen) erwirtschaftet, in Prozent.
  • EKR (Eigenkapitalrendite) = wie viel Ertrag nur auf das Eigenkapital (das Geld der Eigentümer) kommt.
  • Vorsteuerrendite = die Rendite VOR Abzug der Steuern gerechnet. Gut, um Firmen aus verschiedenen Ländern fair zu vergleichen, weil Steuern überall anders sind.
  • Nachsteuergrösse = die Rendite NACH Abzug der Steuern. Zeigt, was der Anleger wirklich übrig hat — gut zum Vergleich verschiedener Geldanlagen.
  • Verzerrung durch Steuern = unterschiedliche Steuern in verschiedenen Ländern können den Vergleich verfälschen; vor Steuern gerechnet fällt das weg.
  • Bilanzsumme = die Gesamtsumme aller Werte in der Bilanz. Sie ist gleich EK + FK (das gesamte Kapital, das in der Firma steckt).
  • Identität zeigen = beweisen, dass zwei verschieden geschriebene Ausdrücke in Wahrheit dasselbe ergeben (linke Seite = rechte Seite).
  • ausmultiplizieren = eine Klammer auflösen, indem man jeden Teil einzeln durchmultipliziert (z.B. (a−b)xc = axc − bxc).
  • auf beiden Seiten dasselbe addieren = ein Umform-Trick: man fügt links UND rechts denselben Betrag hinzu, dann bleibt die Gleichung gültig — so kann man sie in die gewünschte Form bringen.
  • t = Abkürzung für den Steuersatz. i = Abkürzung für den Zinssatz. FK-Zinsen nach Steuern = i x FK x (1−t) = Kreditzinsen, um den Steuervorteil bereits gemindert.

#20 Drei vereinfachende Annahmen von Bösch.

Lücke im Kompass: An dieser Stelle sind im Kompass KEINE Annahmen ausformuliert — das Feld ist leer. Die drei Annahmen sind aus Bösch bzw. der Vorlesung nachzutragen; hier wird nichts erfunden.

#21 GKR als Vorsteuer- oder Nachsteuergrösse. Bösch definiert die Gesamtkapitalrendite (GKR) als Vorsteuerrendite. Rohleder bevorzugt die GKR als Nachsteuergrösse (Verweis auf BLOG Profitabilität, Rentabilität und der ROI.pdf). Zuordnung:

  • Vorsteuer: richtig für den Vergleich von Unternehmen aus verschiedenen Ländern — so kann die Leistung ohne Verzerrung durch (unterschiedliche) Steuern verglichen werden.
  • Nachsteuer: zeigt die tatsächliche Rentabilität und ist daher wichtig für den Anleger, der Anlagen miteinander vergleicht.

#22 Herleitung der Identität (GKR nach Steuern). Zu zeigen ist unter den Annahmen von Bösch:

(Jahresüberschuss + FK-Zinsen) / Bilanzsumme = EBIT x (1 − t) / (EK + FK)

Schritt für Schritt:

  1. Nenner: Bilanzsumme = EK + FK. Damit ist der Nenner auf beiden Seiten identisch.
  2. Gewinngleichung ausmultiplizieren: Jahresüberschuss = (EBIT − i x FK) x (1 − t) = EBIT x (1 − t) − i x FK x (1 − t). (Dabei ist i x FK = Zins x FK die Fremdkapitalzinsen; t = Steuersatz.)
  3. Auf beiden Seiten die Fremdkapitalzinsen nach Steuern i x FK x (1 − t) addieren: Jahresüberschuss + i x FK x (1 − t) = EBIT x (1 − t).
  4. Beide Seiten durch die Bilanzsumme (EK + FK) teilen: (Jahresüberschuss + FK-Zinsen) / Bilanzsumme = EBIT x (1 − t) / (EK + FK).

Damit ist die Identität gezeigt. Die linke Seite ist die Gesamtkapitalrendite als Nachsteuergrösse: der um die (nach Steuern betrachteten) FK-Zinsen bereinigte Jahresüberschuss, bezogen auf das gesamte eingesetzte Kapital. Hinweis zur Notation: Die im Zähler genannten FK-Zinsen sind hier die Fremdkapitalzinsen nach Steuern, also i x FK x (1 − t).


Leverage-Effekt, Verschuldungsgrad & Leverage-Risiko (#23–#25)

Rohleders Kompass, FINA U11

Aufgabe #015 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · #23–#25Erkläre in eigenen Worten: Leverage-Effekt, Verschuldungsgrad & Leverage-Risiko — Rohleders Antwortschlüssel (FINA U11) steht darunter.
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • #23 Leverageformel zeigt: höheres Fremdkapital → höhere Eigenkapitalrendite (Leverage-Effekt)
  • #24 Verschuldungsgrad = Verhältnis Fremdkapital zu Eigenkapital, in Prozent
  • je höher der Verschuldungsgrad, desto mehr Fremdkapital im Unternehmen; wirkt über Leverage-Effekt auf EK-Rendite
  • #25 Leverage-Risiko: durch FK-Einsatz Gefahr eines hohen Verlusts — nicht nur des Eigenkapitals
  • Randnotiz Kompass: Cashflow betrifft Investitionen (Maschinen, Marketing) — alles was nicht Betriebsausgabe ist, ist Cashflow
💡 Für Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Leverage-Effekt (Hebeleffekt) = wenn geliehenes Geld günstiger ist, als die Firma damit verdient, steigt die Rendite der Eigentümer — der Kredit wirkt wie ein Hebel, der den eigenen Gewinn vergrössert.
  • Leverageformel = die Rechnung, die zeigt, wie sich mehr Fremdkapital auf die Eigenkapitalrendite auswirkt.
  • Eigenkapitalrendite = wie viel Prozent Ertrag die Eigentümer auf ihr eigenes eingesetztes Geld bekommen.
  • Verschuldungsgrad = das Verhältnis von geliehenem Geld zu eigenem Geld (Fremdkapital geteilt durch Eigenkapital), in Prozent. Hoch = viel Kredit im Verhältnis zum Eigenen.
  • je höher der Verschuldungsgrad = je mehr die Firma mit geliehenem statt eigenem Geld arbeitet. Das verstärkt den Hebeleffekt — in beide Richtungen.
  • Leverage-Risiko = die Kehrseite des Hebels: läuft es schlecht, wirkt der Kredit auch nach unten und kann Verluste vergrössern — nicht nur das Eigenkapital ist dann weg, es kann noch schlimmer kommen.
  • Verlust nicht nur des Eigenkapitals = im schlechten Fall reicht das eigene Geld nicht, um die Kreditschulden zu decken — man kann mehr verlieren, als man selbst eingelegt hat.
  • Cashflow = der tatsächliche Geldfluss (rein/raus). Randnotiz: betrifft z.B. Ausgaben für Maschinen und Marketing (Investitionen), also alles, was über die laufenden Betriebsausgaben hinausgeht.

#23 Was zeigt die Leverageformel? Höheres Fremdkapital führt zu einer höheren Eigenkapitalrendite (Leverage-Effekt).

#24 Bedeutung des Verschuldungsgrads für die Eigenkapitalrendite. Der Verschuldungsgrad bezeichnet das Verhältnis von Fremdkapital zu Eigenkapital, ausgedrückt in Prozent. Je höher der Verschuldungsgrad, desto mehr Fremdkapital befindet sich im Unternehmen. Über den Leverage-Effekt (siehe #23) wirkt ein steigender Verschuldungsgrad auf die Eigenkapitalrendite.

#25 Leverage-Risiko. Durch den Einsatz von Fremdkapital besteht die Gefahr eines hohen Verlusts — und zwar nicht nur des Eigenkapitals.

Randnotiz im Kompass (Überleitung zum Cashflow): Cashflow betrifft Investitionen wie Maschinen und Marketing — alles, was nicht Betriebsausgabe ist, ist Cashflow. Diese Notiz leitet zu Abschnitt 2.6 über.


Cashflow: Definition, Cash, OCF/CFI vs. CAPEX/OPEX (#26–#28)

Rohleders Kompass, FINA U11

Aufgabe #016 · Original-Frage (Rohleder-Kompass) · #26–#28Erkläre in eigenen Worten: Cashflow: Definition, Cash, OCF/CFI vs. CAPEX/OPEX — Rohleders Antwortschlüssel (FINA U11) steht darunter.
⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren
  • #26 Cashflow = Geldfluss innerhalb eines bestimmten Zeitraums
  • #27 Cash = alle liquiden Mittel (Kompass: Fussnote bei Bösch beachten)
  • #28 CAPEX und OPEX = lediglich die Ausgaben
  • OCF und CFI = Stromgrössen, die auch die den Ausgaben zugeordneten Einnahmen einkalkulieren
  • OPEX/OCF: OPEX = Betriebskosten; OCF = Zahlungsflüsse des Betriebs
  • CAPEX/CFI: CAPEX = Investitionsausgaben (langfristig); CFI = Zahlungsflüsse aus Investitionen
  • Merksatz: CAPEX/OPEX = reine Ausgabenseite; OCF/CFI = Ausgaben und zugehörige Einnahmen zusammen
💡 Für Fachfremde — Begriffe in Alltagssprache
  • Cashflow = wie viel echtes Geld in einem Zeitraum tatsächlich rein- und rausfliesst. Anders als 'Gewinn' zählt hier nur bares Geld, nicht rechnerische Grössen.
  • Cash = alle flüssigen Mittel = Geld, das sofort verfügbar ist (Bargeld, Bankguthaben) — nicht Maschinen oder Vorräte.
  • OPEX (Operating Expenditure) = die laufenden Betriebskosten fürs Tagesgeschäft (z.B. Löhne, Miete, Material).
  • CAPEX (Capital Expenditure) = grössere, langfristige Investitionsausgaben (z.B. Maschine, Gebäude), die lange genutzt werden.
  • OCF (Operating Cashflow) = der Geldfluss aus dem laufenden Betrieb — also nicht nur die Betriebskosten, sondern auch die Einnahmen, die daraus kommen, zusammengerechnet.
  • CFI (Cashflow aus Investitionen) = der Geldfluss rund um Investitionen — sowohl das Geld, das man ausgibt, als auch das, was durch Investitionen wieder reinkommt.
  • Stromgrösse = eine Grösse, die einen Fluss über einen Zeitraum misst (rein minus raus), nicht nur eine einzelne Ausgabe.
  • Kernunterschied = CAPEX und OPEX sind nur die Ausgaben-Seite (nur das Rausgehende). OCF und CFI rechnen die zugehörigen Einnahmen mit dazu = das Netto, was unterm Strich übrig bleibt.
  • Fussnote bei Bösch beachten = im Lehrbuch gibt es dazu eine Anmerkung am Seitenrand/unten, die man mitlesen soll, weil sie wichtig ist.

#26 Cashflow allgemein. Der Cashflow ist der Geldfluss innerhalb eines bestimmten Zeitraums.

#27 Was ist Cash? Cash sind alle liquiden Mittel. (Der Kompass verweist ausdrücklich auf die Fussnote bei Bösch — diese im Original mitlesen.)

#28 OCF und CFI in Beziehung zu CAPEX und OPEX. Der entscheidende Unterschied: CAPEX und OPEX sind lediglich die Ausgaben. OCF und CFI hingegen sind Stromgrössen, die auch die den Ausgaben zugeordneten Einnahmen einkalkulieren. Im Detail:

  • OPEX / OCF: OPEX betrachtet die Betriebskosten; OCF (Operating Cashflow) betrachtet die Zahlungsflüsse des Betriebs.
  • CAPEX / CFI: CAPEX betrachtet die Investitionsausgaben (langfristig); CFI (Cashflow aus Investitionen) betrachtet die Zahlungsflüsse aus den Investitionen.

Merksatz: CAPEX/OPEX = reine Ausgabenseite; OCF/CFI = Nettoströme (Ausgaben und zugehörige Einnahmen zusammen).