FINA â Finanzierung & Finanzplanung
- Innenfinanzierung = Das Geld kommt aus der Firma selbst, ohne dass jemand von aussen Geld gibt. Wie wenn du deinen Sommerurlaub aus deinem Ersparten zahlst statt bei Freunden zu leihen.
- Gewinnthesaurierung = Verdienter Gewinn bleibt in der Firma, statt an die Besitzer ausgezahlt zu werden. Wie wenn du dein Gehalt nicht ausgibst, sondern liegen lÀsst, um spÀter etwas Grösseres davon zu kaufen.
- Abschreibung = Man rechnet Jahr fĂŒr Jahr auf, dass eine teure Sache (z.B. Maschine) an Wert verliert. Wie ein neues Auto, das jedes Jahr weniger wert ist. Wichtig: In dem Jahr fliesst kein echtes Geld ab, es wird nur auf dem Papier verrechnet.
- Buchwert = Der Wert, mit dem eine Sache in den Firmen-RechenbĂŒchern steht (nicht unbedingt der echte Verkaufspreis). Wie der Wert, den du deinem alten Handy in einer Liste gibst.
- LiquiditĂ€t = Bares Geld, das sofort verfĂŒgbar ist, um Rechnungen zu zahlen. Wie das Geld in deinem Portemonnaie und auf dem Girokonto, an das du jederzeit rankommst.
- Aussenfinanzierung = Geld kommt von aussen in die Firma, z.B. von einer Bank oder neuen MiteigentĂŒmern. Wie wenn du dir fĂŒrs Auto Geld von der Bank leihst.
- Eigenkapital = Geld, das den Besitzern der Firma gehört (ihre Einlage). Wie das eigene Ersparte, das du in ein gemeinsames Projekt einbringst.
- Fremdkapital = Geliehenes Geld, das man mit Zinsen zurĂŒckzahlen muss. Wie ein Bankkredit, den du Monat fĂŒr Monat abstotterst.
- Aktien ausgeben = Die Firma verkauft kleine Anteile an sich selbst und bekommt dafĂŒr Geld. Wer eine Aktie kauft, besitzt ein winziges StĂŒck der Firma.
- Mezzanine-Finanzierung = Eine Mischform, halb geliehenes, halb Eigen-Geld. Wie ein Freund, der dir Geld leiht, aber dafĂŒr auch ein bisschen mitreden darf. Der Name kommt vom Zwischengeschoss (Mezzanin) zwischen zwei Stockwerken.
- Wandelanleihe / Optionsanleihe = Ein Kredit an die Firma, den man spĂ€ter in Firmen-Anteile umtauschen darf. Wie ein Gutschein, den du entweder als Geld zurĂŒckbekommst oder gegen ein StĂŒck der Firma eintauschst.
- Strategische Finanzplanung = Die grosse, langfristige Geldplanung fĂŒr die nĂ€chsten 3 bis 5 Jahre. Wie wenn du planst, in 5 Jahren ein Haus zu kaufen, und ĂŒberlegst, wie du dahin kommst.
- Operative Finanzplanung = Die kurzfristige, konkrete Geldplanung fĂŒr die nĂ€chsten Wochen und Monate. Wie dein Haushaltsplan fĂŒr diesen Monat: Miete, Einkauf, Handyrechnung.
- Cashflow = Der Fluss von echtem Geld rein und raus aus der Firma. Wie ein Blick aufs Konto: Was kommt an Geld rein, was geht raus.
- Kapitalstruktur = Das MischungsverhÀltnis aus eigenem und geliehenem Geld in der Firma. Wie die Frage: Wie viel vom Auto hab ich selbst bezahlt, wie viel ist Kredit?
- RentabilitĂ€t = Ob sich etwas lohnt, also ob mehr rauskommt als reingesteckt wird. Wie bei einem Limonadenstand: Bleibt am Ende mehr ĂŒbrig, als die Zutaten gekostet haben?
- Rollierende (dynamische) Planung = Ein Plan, der immer wieder verlĂ€ngert und angepasst wird, statt ein fĂŒr alle Mal festzustehen. Wie eine Wetter-App, die stĂ€ndig die nĂ€chsten Tage neu berechnet, wenn ein Tag vorbei ist.
- Planungshorizont = Wie weit man in die Zukunft plant, also der gesamte Zeitraum. Wie beim Fernglas: Wie weit kann ich nach vorne blicken? Ein Jahr oder zehn Jahre?
- Detailgrad / Planungstiefe = Wie genau ein Plan ist. NĂ€chste Woche plant man auf den Tag genau, in 5 Jahren nur grob. Wie eine Landkarte: Die Umgebung sehr detailliert, weit entfernte Gegenden nur schemenhaft.
- Volatile MÀrkte = MÀrkte, die sich schnell und stark Àndern. Wie Aprilwetter: eben noch Sonne, gleich Regen, kaum vorhersehbar.
- Supply Chain Management = Das Steuern der ganzen Lieferkette vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt beim Kunden. Wie zu planen, dass Mehl, Backofen und Auslieferung fĂŒr eine BĂ€ckerei rechtzeitig zusammenpassen.
- Finanzbedarf / Bruttofinanzbedarf = Die gesamte Geldsumme, die die Firma braucht, bevor man abzieht, was sie schon hat. Wie die volle Rechnung fĂŒr einen Umzug, bevor du schaust, wie viel du schon gespart hast.
- Investitionsbedarf = Geld fĂŒr grössere, langlebige Anschaffungen wie Maschinen oder GebĂ€ude. Wie das Geld, das du fĂŒr eine neue KĂŒche brauchst, die 15 Jahre halten soll.
- Betriebsnotwendiger Kapitalbedarf / Working Capital = Geld fĂŒr das laufende TagesgeschĂ€ft, z.B. Material und Löhne. Wie das Geld, das ein Kiosk braucht, um stĂ€ndig neue Ware im Regal zu haben.
- Forderungen = Geld, das Kunden der Firma noch schulden, aber noch nicht gezahlt haben. Wie wenn du einem Freund 20 Euro geliehen hast, die er dir noch zurĂŒckgibt.
- VorrÀte = Ware und Material, die im Lager liegen. Wie die Vorratskammer voller Nudeln und Konserven, die Geld gekostet haben und da rumstehen.
- Verbindlichkeiten = Geld, das die Firma anderen schuldet. Wie deine offenen Rechnungen, die du noch bezahlen musst.
- Finanzierungsbedarf / Nettofinanzierungsbedarf = Was nach Abzug des schon vorhandenen Geldes noch fehlt und beschafft werden muss. Wie: Umzug kostet 3000, ich hab 1000 gespart, also muss ich noch 2000 auftreiben.
- RĂŒcklagen = ZurĂŒckgelegtes Geld der Firma fĂŒr schlechte Zeiten oder Vorhaben. Wie dein Notgroschen unter der Matratze.
- Fördermittel / Subventionen = Geld-ZuschĂŒsse vom Staat, die man oft nicht zurĂŒckzahlen muss. Wie ein Zuschuss vom Amt fĂŒr eine neue Heizung.
- Treasurer / Treasury-Abteilung = Die Person bzw. Abteilung, die sich um das Geld und die ZahlungsfĂ€higkeit der Firma kĂŒmmert. Wie der Kassenwart in einem Verein, der aufpasst, dass immer genug Geld da ist.
- Leasing = Etwas mieten statt kaufen und dafĂŒr regelmĂ€ssig zahlen. Wie ein Auto, das du monatlich least statt es auf einmal zu bezahlen.
- Factoring = Offene Kundenrechnungen an eine andere Firma verkaufen, um sofort Geld zu bekommen. Wie wenn du deinen 100-Euro-Gutschein fĂŒr sofort 90 Euro bar verkaufst, statt auf das ganze Geld zu warten.
- Kontokorrentkredit / Kreditlinie = Ein von der Bank erlaubter Geld-Puffer, den man bei Bedarf nutzen kann. Wie der Dispo auf deinem Girokonto, in den du kurz reinrutschen darfst.
- IlliquiditÀt = Kein Bargeld mehr da, um fÀllige Rechnungen zu zahlen. Wie wenn dein Auto zwar viel wert ist, du aber keinen Cent im Portemonnaie hast, um an der Kasse zu zahlen.
- Insolvenz = Die Firma kann ihre Schulden nicht mehr bezahlen und muss das offiziell melden. Umgangssprachlich: pleite.
- LiquiditÀtsabfluss = Alles Geld, das aus der Firma rausgeht. Wie alle Abbuchungen und Barzahlungen, die dein Konto leerer machen.
- Sozialabgaben = PflichtbeitrĂ€ge fĂŒr Kranken-, Renten- und Sozialversicherung, die zusĂ€tzlich zum Gehalt anfallen. Wie die AbzĂŒge, die auf deiner Gehaltsabrechnung neben dem Netto stehen.
- RĂŒckstellungen = Geld, das man schon zur Seite legt fĂŒr Kosten, die sicher kommen, aber erst spĂ€ter fĂ€llig sind. Wie wenn du jeden Monat etwas fĂŒr die erwartete Nachzahlung der Stromrechnung beiseitelegst.
- Körperschaftsteuer = Eine Steuer, die Firmen (keine Einzelpersonen) auf ihren Gewinn zahlen. Ăhnlich wie die Einkommensteuer, aber fĂŒr Unternehmen.
- Umsatzsteuer = Die 19 % (oder 7 %), die auf fast jeden Kaufpreis draufkommen. Steht auf jedem Kassenbon als 'MwSt.'.
- Gewerbesteuer = Eine Steuer, die Betriebe extra an die Stadt/Gemeinde zahlen. Wie eine OrtsgebĂŒhr dafĂŒr, dass man dort ein GeschĂ€ft betreibt.
- Dividende / GewinnausschĂŒttung = Der Teil des Gewinns, der an die Firmen-Besitzer bzw. AktionĂ€re ausgezahlt wird. Wie wenn Freunde ein gemeinsames Projekt haben und den Gewinn am Jahresende untereinander aufteilen.
- 'Profit is an opinion, cash is a fact' = Der Gewinn ist Ansichtssache (hÀngt von Rechenmethoden ab), aber das echte Geld auf dem Konto ist eine harte Tatsache. Wie: Was dein Auto 'wert ist' kann man diskutieren, aber wie viel Bargeld in deiner Tasche steckt, ist eindeutig.
- Buchhalterische Annahmen / Bilanzierungsmethoden = Rechen-Regeln und SchĂ€tzungen, mit denen man Gewinn ausrechnet und die man ein StĂŒck weit wĂ€hlen kann. Zwei Leute können so beim selben GeschĂ€ft unterschiedliche Gewinne aufs Papier bringen.
- Operativer Cashflow = Das echte Geld, das die Firma durch ihr normales TagesgeschÀft reinbekommt. Wie die tatsÀchlichen Einnahmen eines BÀckers aus dem Brötchenverkauf, nicht aus SondergeschÀften.
- Cashflow manipulieren / verzerren = Zahlen schönrechnen lassen, indem man Zahlungen zeitlich schiebt. Wie wenn du eine Rechnung absichtlich erst nÀchsten Monat bezahlst, damit dein Konto heute voller aussieht.
- Einmalerlöse = Einnahmen, die nur einmalig vorkommen und nichts mit dem normalen GeschÀft zu tun haben. Wie wenn du dein altes Sofa verkaufst - nettes Extra-Geld, aber das passiert nicht jeden Monat.
- Finanzierung aus Abschreibungen = Ein Trick, wie eine Maschine sich ĂŒber ihren Verkaufspreis quasi selbst wieder bezahlt. Der Wertverlust wird in den Produktpreis eingerechnet, und dieses Geld kommt beim Verkauf zurĂŒck in die Firma.
- Zahlungsmittelabfluss / -zufluss = Geld geht raus (Abfluss) oder kommt rein (Zufluss). Wie Wasser, das aus einem Becken abfliesst oder hineinlÀuft.
- Nutzungsdauer = Die Zeit, die eine Maschine voraussichtlich benutzt wird, bevor sie ersetzt wird. Wie die geschÀtzten 8 Jahre, die du dein Auto fÀhrst.
- Fixkostenbestandteil = Ein Kostenanteil, der immer gleich anfÀllt, egal wie viel produziert wird. Wie deine Miete, die jeden Monat gleich hoch ist, egal wie oft du zu Hause bist.
- Ersatzinvestition = Am Ende der Lebensdauer wird die alte Maschine durch eine neue ersetzt. Wie wenn dein 10 Jahre altes Auto kaputtgeht und du ein neues kaufst.
- KapazitĂ€tserweiterungseffekt / Lohmann-Ruchti-Effekt = Wenn das durch Abschreibungen angesparte Geld schon fruĂŒher fĂŒr zusĂ€tzliche Maschinen genutzt wird, kann man mehr produzieren als vorher. Wie ein Geldtopf, der schneller wieder voll ist, als man denkt, sodass man frĂŒher als geplant nochmal zuschlagen kann. (Nach den zwei Wirtschaftlern Lohmann und Ruchti benannt.)
- Schuldentilgung = Das ZurĂŒckzahlen von geliehenem Geld. Wie wenn du deinen Kredit StĂŒck fĂŒr StĂŒck abbezahlst.
- Darlehen = Ein anderes Wort fĂŒr Kredit: geliehenes Geld, das man mit Zinsen zurĂŒckzahlt. Wie ein Bankdarlehen fĂŒrs Haus.
- Tilgungsstruktur = Die Regelung, wie man einen Kredit zurĂŒckzahlt. Alles auf einmal am Ende? Oder jeden Monat ein StĂŒck? Wie die Wahl zwischen Raten oder einer Einmalzahlung.
- AnnuitÀtisch = Jeden Monat/Jahr die gleiche Rate zahlen (Zins plus Tilgung zusammen immer gleich hoch). Wie eine feste monatliche Auto-Rate, die sich nie Àndert.
- EndfĂ€llig = WĂ€hrend der Laufzeit nur Zinsen zahlen und die ganze Summe erst ganz am Schluss auf einmal zurĂŒckzahlen. Wie ein Kredit, bei dem du erst am Ende die volle Summe ablöst.
- Bereitstellungszinsen = GebĂŒhr an die Bank fĂŒr zugesagtes Geld, das man noch nicht abgeholt hat. Wie eine ReservierungsgebĂŒhr fĂŒr einen Tisch, den du dir freihalten lĂ€sst, auch wenn du noch nicht da bist.
- Sicherheiten = Wertsachen, die man der Bank als Pfand gibt, falls man den Kredit nicht zurĂŒckzahlen kann. Wie beim Pfandleiher: Du gibst die Uhr ab und bekommst sie zurĂŒck, wenn du zahlst.
- Grundpfandrecht = Das Recht der Bank, sich am GrundstĂŒck/Haus zu bedienen, falls der Kredit platzt. Bekannt als Hypothek aufs Haus.
- Covenants (Vertragsklauseln) = ZusĂ€tzliche Versprechen im Kreditvertrag, bestimmte Bedingungen einzuhalten. Wie eine Klausel: 'Solange du den Kredit hast, darf deine Verschuldung nicht ĂŒber X steigen.'
- Eigenkapitalquote = Der Anteil des eigenen Geldes am gesamten Firmengeld, in Prozent. Wie: Vom Hauspreis hab ich 30 % selbst bezahlt, 70 % ist Kredit - meine Quote ist 30 %.
- Verschuldungsgrad = Das VerhÀltnis von geliehenem zu eigenem Geld. Zeigt, wie stark eine Firma auf Pump lebt.
- Sondertilgung = Die Möglichkeit, einen Kredit ausserplanmĂ€ssig schneller zurĂŒckzuzahlen. Wie wenn du nach dem Lottogewinn einfach ein grosses StĂŒck vom Kredit auf einmal abbezahlst.
- Zinsanpassungsklausel / variabler vs. fester Zins = Fester Zins bleibt immer gleich; variabler Zins steigt und fĂ€llt mit dem Markt. Wie eine feste Monatsrate gegenĂŒber einer, die sich je nach Lage Ă€ndert.
- WACC (Weighted Average Cost of Capital) = Der durchschnittliche Preis, den eine Firma fĂŒr ihr gesamtes Geld zahlt (eigenes und geliehenes zusammen, gewichtet). Wie ein Mittelwert aus teurem und billigem Geld, der sagt: So viel kostet mich mein Kapital insgesamt.
- Barwert = Was zukĂŒnftiges Geld heute wert ist. Grund: 100 Euro in 10 Jahren sind heute weniger wert als 100 Euro jetzt. Wie ein Gutschein fĂŒr spĂ€ter, der heute weniger zĂ€hlt als Bargeld sofort.
- Abzinsen / diskontieren = ZukĂŒnftiges Geld auf seinen heutigen Wert herunterrechnen. Umgekehrtes Zinsrechnen: Man zieht die Zinsen wieder ab, um zu sehen, was der Betrag heute wert ist.
- Steuervorteil aus Fremdfinanzierung = Weil Kredit-Zinsen die Steuer senken, ist geliehenes Geld unterm Strich etwas gĂŒnstiger. Wie ein Rabatt vom Finanzamt, weil man Zinsen zahlt.
- Eigenkapitalkosten = Die Rendite, die die Firmen-Besitzer/Investoren fĂŒr ihr eingesetztes Geld erwarten. Wie: Wer dir Geld gibt, will dafĂŒr eine ordentliche Belohnung sehen, sonst legt er es woanders an.
- Fremdkapitalkosten = Die Zinsen, die man fĂŒr geliehenes Geld an die Bank zahlt. Der Preis fĂŒrs Leihen.
- Kalkulationszins = Der Prozentsatz, mit dem man zukĂŒnftige Ein- und Auszahlungen umrechnet, um zu prĂŒfen, ob sich eine Investition lohnt. Wie eine Messlatte: Bringt das Projekt mehr als diesen Prozentsatz, lohnt es sich.
- Mindestrendite = Der kleinste Gewinn-Prozentsatz, den eine Investition abwerfen muss, damit sie sich ĂŒberhaupt lohnt. Wie: Unter 3 % Zinsen lege ich mein Geld gar nicht erst an.
- Marktzinsniveau = Das allgemeine Zins-Level, das gerade ĂŒberall gilt. Wie die aktuelle Wetterlage fĂŒr Zinsen: Sind sie gerade generell hoch oder niedrig?
Themenblock zu Finanzierungsformen (Innen-/AuĂen-/Mezzanine-Finanzierung), strategischer/operativer und rollierender Finanzplanung, Finanzbedarf vs. Finanzierungsbedarf (Brutto/Netto), Cashflow und dem Grundsatz âProfit is an opinion, cash is a factâ, Finanzierung aus Abschreibungen, Darlehensgestaltung sowie WACC/Kalkulationszins. Rohleder verlangt hier prĂ€zise Fachbegriffe und die saubere Trennung nahe verwandter Begriffe.
Konzept-Intro: Die drei TeilplÀne der Finanzplanung
Hintergrund, keine Klausur-Aufgabe: Rohleder-Blog âFinanzplanung fĂŒr GrĂŒnderinnen" V5.6, Kap. 5, 6.1, 7.3 â sowie Rohleders Excel-Vorlage âBeispiel-Finanzplan" (ACME GmbH). Struktur, auf der die Klausurfragen dieses Kapitels aufbauen.*
Warum genau diese drei TeilplÀne?
Rohleder leitet die Struktur der Finanzplanung aus den âexistenziellen Fragen" des Unternehmer*innentums ab (Skript Kap. 5.1):
| Frage | Kennzahlen-Ebene | Teilplan |
|---|---|---|
| Können wir unsere Rechnungen bezahlen? | LiquiditÀt (ZahlungsfÀhigkeit) | LiquiditÀtsplan |
| Verdienen wir Geld? / Sind wir wettbewerbsfÀhig? | ProfitabilitÀt / RentabilitÀt | RentabilitÀtsvorschau |
| Wie viel Geld brauchen wir (Investitionsbudget)? | Budget, Nettokapitalbedarf | Investitionsplan |
- LiquiditÀtsplan: konsolidiert alle geplanten Einzahlungen und Auszahlungen.
- RentabilitĂ€tsvorschau: konsolidiert geplante UmsĂ€tze, Betriebsausgaben (OPEX) und Abschreibungen der Investitionen â im Kern eine geplante GuV.
- Investitionsplan: konsolidiert die einmaligen Anschaffungen (CAPEX) und daraus den Kapitalbedarf.
Als Nebenrechnungen ergĂ€nzen ĂŒblicherweise ein Umsatzplan, ein Abschreibungsplan (Anlagespiegel) und ein Umsatzsteuerplan die drei HauptplĂ€ne.
Kontrollfragen: Wann ist ein Unternehmen finanziell erfolgreich? (Skript Kap. 6.1)
- Ist das Unternehmen jederzeit zahlungsfĂ€hig, mit angemessenem LiquiditĂ€tspuffer? â LiquiditĂ€tssaldo â« 0
- Erzielt das Unternehmen UmsĂ€tze aus Verkauf? â Umsatz â« 0
- Ist das Unternehmen operativ profitabel (operativer Break-Even)? â Operatives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) â« 0
- Sind die Anfangsverluste aufgeholt â erkennbar an der Zahlung von Steuern vom Einkommen und Ertrag (âTax Break-Even", Schwelle zur nachhaltigen Gewinnerzielung)? â kumuliertes Vorsteuerergebnis (EBT) â« 0
- Generiert das Unternehmen freien Cashflow (nach Entnahme aller Zahlungen inkl. Unternehmer*innenlohn, Tilgung etc.)? â Free Cash Flow â« 0
- Optional, fĂŒr die Jahre ab dem Tax Break-Even: Ist das Unternehmen dauerhaft wettbewerbsfĂ€hig (rentabel)? â ROI, Eigenkapitalrendite und/oder GesamtkapitalrentabilitĂ€t â« 0
GeschĂ€ftsfĂ€lle bewerten â welcher Teilplan?
FĂŒr jede Zahlungsart wird geprĂŒft: enthĂ€lt sie Vorsteuer/Umsatzsteuer, ist sie zahlungswirksam (â LiquiditĂ€tsplan) und/oder erfolgswirksam (â RentabilitĂ€tsvorschau)? Beispiele aus dem Skript (Kap. 7.3.1/7.3.2):
Auszahlungen:
| Auszahlung | Vorsteuer enthalten? | Zahlungswirksam (LiquiditÀt)? | Erfolgswirksam (GuV)? | TeilplÀne |
|---|---|---|---|---|
| Investitionen (CAPEX) | Ja | Ja | Nein | Investitionsplan, LiquiditÀtsplan |
| Betriebsausgaben (OPEX) | Ja | Ja | Ja | RentabilitÀtsvorschau, LiquiditÀtsplan |
| Zinsen | Nein | Ja | Ja | RentabilitÀtsvorschau, LiquiditÀtsplan |
| Tilgung | Nein | Ja | Nein | LiquiditÀtsplan |
| Privatentnahme | Nein | Ja | Nein | RentabilitÀtsvorschau, LiquiditÀtsplan |
| Sonstiger Aufwand | Ja | Ja | Ja | RentabilitÀtsvorschau, LiquiditÀtsplan |
| Umsatzsteuer-/Vorsteuer-Saldo | â | Ja | Nein | LiquiditĂ€tsplan |
| Steuern vom Einkommen und Ertrag | Nein | Ja | Nein | RentabilitÀtsvorschau, LiquiditÀtsplan |
| Abschreibungen | Nein | Nein | Ja | RentabilitÀtsvorschau |
Einzahlungen:
| Einzahlung | Umsatzsteuer enthalten? | Zahlungswirksam? | Erfolgswirksam? | TeilplÀne |
|---|---|---|---|---|
| Umsatz der GeschÀftstÀtigkeit | Ja | Ja | Ja | RentabilitÀtsvorschau, LiquiditÀtsplan |
| Einlagen | Nein | Ja | Nein | LiquiditÀtsplan |
| Darlehen | Nein | Ja | Nein | LiquiditÀtsplan |
| ZuschĂŒsse | Nein | Ja | Nein | LiquiditĂ€tsplan |
| Sonstige | ? | Ja | Ja | RentabilitÀtsvorschau, LiquiditÀtsplan |
AuffĂ€llig: Abschreibungen erscheinen als einziger Posten nur in der RentabilitĂ€tsvorschau (nicht zahlungswirksam) â Investitionen umgekehrt zunĂ€chst nur in Investitionsplan und LiquiditĂ€tsplan (zahlungswirksam bei Beschaffung), erst ĂŒber die Abschreibung erfolgswirksam.
Struktur der drei TeilplÀne (nach Rohleders Excel-Vorlage, Beispiel ACME GmbH)
Investitionsplan: typische Positionen â Kauf GrundstĂŒck/GebĂ€ude inkl. Nebenkosten, gewerbliche Baukosten, Maschinen, Fahrzeuge/Lieferwagen, Einrichtungen/BĂŒro- und GeschĂ€ftsausstattung, Ăbernahme/Kauf von Unternehmensanteilen, einmalige Patent-/Lizenz-/ FranchisegebĂŒhr, Warenlager/Materiallager, MarkterschlieĂung. Summenbildung:
Summe Investitionen (CAPEX)
+ Summe Leasingaufwand (Zins- und Tilgungsanteile)
+ Summe Betriebsausgaben aus der RentabilitÀtsvorschau (OPEX)
= Summe Bruttokapitalbedarf (TOTEX)
LiquiditĂ€tsplan: Einzahlungen (Umsatz netto + eingenommene Umsatzsteuer, Einlagen der Gesellschafter*innen, ZuschĂŒsse, Förderdarlehen, Darlehen Hausbank, sonstige Einzahlungen) ergeben die Summe LiquiditĂ€tszugang. Auszahlungen (Investitionen netto, Wareneinsatz/ Materialkosten, Personalkosten, Raummiete, Telekommunikation, sonstige Betriebsausgaben, Leasingaufwand, Zinsaufwand, Steuern vom Einkommen und Ertrag einschl. Vorauszahlungen, gezahlte Vorsteuer, Umsatzsteuer-/Vorsteuersaldo Vormonat, Kapitaldienst der Darlehen, Privatentnahmen, sonstige Auszahlungen) ergeben die Summe LiquiditĂ€tsabgang. Differenz = LiquiditĂ€tssaldo, kumuliert das âGirokonto". Am Ende steht die Finanzierungs-Herleitung: Summe Eigenkapital + Summe Fremdkapital = Gesamtkapital.
RentabilitÀtsvorschau: im Kern eine geplante, gestaffelte GuV:
Umsatzerlöse (je Produkt/Vertriebskanal)
= Nettoumsatz
â Wareneinsatz / Materialkosten des Umsatzes ("variable Kosten")
= Rohertrag / Rohgewinn (Deckungsbeitrag I)
â Personalkosten (inkl. Lohnnebenkosten)
= Wertschöpfung (Deckungsbeitrag II)
â sonstige Betriebsausgaben (zahlungswirksame Kosten, z. B. Miete, Telekommunikation)
= Operatives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA, "Cash")
â Abschreibungen â Leasingaufwendungen (Tilgungsanteil)
= Ordentliches Betriebsergebnis (EBIT)
â Zinsaufwand ("Finanzergebnis") â Leasingaufwendungen (Zinsanteil)
â Saldo auĂerordentliche ErtrĂ€ge/Aufwendungen
= Ergebnis vor Steuern (EBT, Gewinn, Reingewinn) â auch kumuliert (Verlustvortrag beachten!)
â Steuern vom Einkommen und Ertrag
= JahresĂŒberschuss/-fehlbetrag (JĂ, EAT)
Direkt daran schlieĂt sich die Cash-Flow-BrĂŒcke an: Die Abschreibungen werden zum JĂ zurĂŒckaddiert (operativer Cashflow), danach werden der Umsatzsteuer-/Vorsteuersaldo, der Fremdkapital-Saldo (Tilgung bestehender/Einzahlung neuer Kredite) sowie Privatentnahmen, Einlagen und Gewinnanteile berĂŒcksichtigt.
Nebenrechnungen
Als separate Nebenrechnungen ĂŒblich: Umsatzsteuerplan (erhobene USt je Produkt minus abziehbare Vorsteuer je Kostenart = USt-/Vorsteuersaldo), Anlagespiegel und Abschreibungsplan (je Investition: Anschaffungsdatum, Nutzungsdauer, Abschreibungsbetrag pro Monat/Jahr) sowie Darlehens-Nebenrechnungen (Kapitaldienst = Zins- und Tilgungsanteil je Zahlungstermin, laut verbindlichem Tilgungsplan des Darlehensvertrags). Jede Kostenart wird dabei als dreispaltige Detail-Tabelle geplant: Zeitpunkt (Datum), Höhe (Betrag), Verwendung/Kommentar â pro Zahlungsart eine eigene Tabelle.
Quelle: Rohleder-Blog âFinanzplanung fĂŒr GrĂŒnder*innen" V5.6 (Kap. 5, 6.1, 7.3) sowie Excel-Vorlage âBeispiel-Finanzplan" (ACME GmbH).
1. Finanzierungsformen â Innen, AuĂen, Mezzanine (13 P)
b) Was versteht man unter AuĂenfinanzierung? Zwei Beispiele. (3 P)
c) Was versteht man unter Mezzanine-Finanzierung? (2 P)
d) Warum sind die Begriffe âInnenfinanzierungâ und âAuĂenfinanzierungâ möglicherweise missverstĂ€ndlich? Schlagen Sie ein geeigneteres Begriffspaar vor. (5 P)
a) Was versteht man unter Innenfinanzierung? Zwei Beispiele. (3 P)
Unter Innenfinanzierung versteht man die Bereitstellung von Kapital aus internen Quellen des Unternehmens, ohne externe Kapitalgeber einzubeziehen. Beispiele:
- Gewinnthesaurierung: Einbehaltung von erwirtschafteten Gewinnen im Unternehmen anstelle der AusschĂŒttung an EigentĂŒmer.
- Abschreibungen: Abschreibungen reduzieren den Buchwert von VermögensgegenstÀnden und stellen eine nicht zahlungswirksame Ausgabe dar, die jedoch LiquiditÀt freisetzt.
b) Was versteht man unter AuĂenfinanzierung? Zwei Beispiele. (3 P)
AuĂenfinanzierung bezeichnet die Beschaffung von Kapital aus externen Quellen, also von auĂerhalb des Unternehmens. Beispiele:
- Eigenfinanzierung: Einlagen von Gesellschaftern oder die Ausgabe neuer Aktien, wodurch das Eigenkapital erhöht wird.
- Fremdfinanzierung: Aufnahme von Krediten oder Darlehen bei Banken oder anderen Finanzinstituten, wodurch das Fremdkapital steigt.
c) Was versteht man unter Mezzanine-Finanzierung? (2 P)
Mezzanine-Finanzierung ist eine Mischform zwischen Eigen- und Fremdfinanzierung. Sie umfasst Finanzierungsinstrumente wie Wandelanleihen oder Optionsanleihen, die dem Unternehmen Kapital zufĂŒhren und den Kapitalgebern bestimmte Rechte einrĂ€umen, jedoch ohne eine vollstĂ€ndige Eigenkapitalbeteiligung.
d) Warum sind die Begriffe âInnenfinanzierungâ und âAuĂenfinanzierungâ möglicherweise missverstĂ€ndlich? Schlagen Sie ein geeigneteres Begriffspaar vor. (5 P)
Die Begriffe können missverstĂ€ndlich sein, da sie den Eindruck erwecken, dass die Finanzierung ausschlieĂlich innerhalb oder auĂerhalb des Unternehmens stattfindet. In Wirklichkeit beziehen sich diese Begriffe jedoch auf die Herkunft des Kapitals:
- Innenfinanzierung: Kapital, das aus dem Unternehmen selbst stammt (z. B. einbehaltene Gewinne oder Abschreibungen).
- AuĂenfinanzierung: Kapital, das von externen Quellen wie Banken oder Investoren bereitgestellt wird.
Ein geeigneteres Begriffspaar könnte daher âEigenfinanzierungâ und âFremdfinanzierungâ sein, da diese Begriffe klarer die EigentĂŒmerschaft des Kapitals widerspiegeln.
2. Strategische und operative Finanzplanung (14 P)
b) Zwei Ziele der strategischen Finanzplanung. (4 P)
c) Zwei Ziele der operativen Finanzplanung. (4 P)
a) Was bedeuten âstrategischâ und âoperativâ im Zusammenhang mit Finanzplanung? (6 P)
Strategische Finanzplanung: Bezieht sich auf die langfristige Ausrichtung der finanziellen Ressourcen eines Unternehmens, die typischerweise fĂŒr einen Zeitraum von 3 bis 5 Jahren oder lĂ€nger geplant wird. Sie umfasst die Festlegung der allgemeinen Ziele, PrioritĂ€ten und Rahmenbedingungen. Die strategische Planung zielt darauf ab, das Unternehmen auf langfristigen Erfolg auszurichten und die notwendigen finanziellen Mittel bereitzustellen (z. B. Expansion, Investitionen, MarktverĂ€nderungen).
Operative Finanzplanung: Bezieht sich im Gegensatz dazu auf kurzfristige, konkrete MaĂnahmen und Vorgaben, die auf der strategischen Planung basieren. Sie hat einen kĂŒrzeren Zeitraum (hĂ€ufig auf Jahresbasis) und konzentriert sich auf die tĂ€gliche, monatliche oder quartalsweise Planung von Einnahmen, Ausgaben, LiquiditĂ€t und Cashflow. Ziel ist es, die strategischen Ziele durch spezifische finanzielle Entscheidungen und operative MaĂnahmen zu erreichen (Kostenkontrolle, LiquiditĂ€tsmanagement, Investitionsplanung).
b) Zwei Ziele der strategischen Finanzplanung. (4 P)
- Langfristige Sicherstellung der UnternehmensliquiditĂ€t: Sicherstellen, dass das Unternehmen ĂŒber genĂŒgend Kapital und LiquiditĂ€t verfĂŒgt, um langfristige Investitionen zu tĂ€tigen, Wachstum zu finanzieren und zukĂŒnftige FinanzierungsbedĂŒrfnisse zu decken.
- Optimierung der Kapitalstruktur: Das VerhÀltnis von Eigenkapital zu Fremdkapital langfristig optimieren, um eine stabile Finanzierung zu gewÀhrleisten und Risiken zu minimieren.
c) Zwei Ziele der operativen Finanzplanung. (4 P)
- Sicherstellung der kurzfristigen LiquiditĂ€t: Sicherstellen, dass das Unternehmen kurzfristig ĂŒber ausreichende LiquiditĂ€t verfĂŒgt, um laufende Zahlungsverpflichtungen zu erfĂŒllen (z. B. GehĂ€lter, Lieferantenrechnungen, Steuern).
- Kontrolle und Steuerung der laufenden Ausgaben: Effektive Kontrolle der Betriebsausgaben, um Kosten im Griff zu behalten und unnötige finanzielle Belastungen zu vermeiden. Dies trÀgt zur Erreichung von RentabilitÀtszielen und zur Vermeidung von LiquiditÀtsengpÀssen bei.
3. Rollierende Planung (10 P)
Ablauf (3 P):
- Festlegung des Planungszeitraums: Ein Planungshorizont (z. B. 12 Monate) wird definiert.
- Erstellung der Planung: Die Planung erfolgt fĂŒr den gesamten Zeitraum.
- RegelmĂ€Ăige Aktualisierung: In bestimmten Intervallen (z. B. monatlich oder quartalsweise) wird die Planung ĂŒberprĂŒft und um eine neue Periode ergĂ€nzt.
- Detaillierung neuer Perioden: Nahe Perioden werden detaillierter geplant, weiter entfernte Perioden eher grob gehalten.
LĂ€nge Planungszeitraum (1 P): Typischerweise mittelfristig (z. B. 12, 24 oder 36 Monate), je nach Anwendungsbereich variierend. Kurze Zyklen (z. B. 3â6 Monate) eignen sich fĂŒr volatile MĂ€rkte, lĂ€ngere Zyklen (z. B. 3â5 Jahre) fĂŒr strategische Planungen.
Gliederung Planungszeitraum (2 P): Der Zeitraum wird in mehrere Intervalle mit unterschiedlichem Detaillierungsgrad und Horizont unterteilt:
- Kurzfristige Planung (0â12 Monate): hohe Detaillierung, genaue MaĂnahmenplanung.
- Mittelfristige Planung (1â3 Jahre): weniger detailliert, Fokus auf Trends und strategische Anpassungen.
- Langfristige Planung (3â5 Jahre und mehr): grobe Richtungsplanung, Visionen und Unternehmensstrategie. Je nĂ€her eine Periode rĂŒckt, desto detaillierter wird sie geplant.
Planungshorizont (1 P): Gibt den gesamten Zeitraum an, fĂŒr den eine Planung erstellt wird; kann je nach Unternehmen und Branche variieren (kurzfristig bis 1 Jahr, mittelfristig 1â3 Jahre, langfristig 3â10 Jahre). In der rollierenden Planung wird der Horizont kontinuierlich um neue Perioden erweitert.
Detailgrad (Planungstiefe) (2 P): HĂ€ngt vom Zeithorizont ab: kurzfristig sehr detailliert (konkrete MaĂnahmen, Mengen, Budgets), mittelfristig weniger detailliert (ĂŒbergeordnete Trends, Richtwerte), langfristig grob (strategische Zielsetzungen ohne operative Details). Der Detailgrad nimmt mit der NĂ€he zur Gegenwart zu.
Praktische Relevanz (1 P): Von groĂer Bedeutung in der Unternehmenssteuerung, u. a. Finanzplanung (Anpassung von Budgets, LiquiditĂ€tsmanagement, Investitionsentscheidungen), Produktionsplanung, Personalplanung und Supply Chain Management. Besonders relevant in dynamischen MĂ€rkten, in denen Unsicherheiten flexible Planung erfordern.
4. Finanzbedarf vs. Finanzierungsbedarf (10 P)
b) Finanzierungsbedarf (= Nettofinanzierungsbedarf) â Ermittlung und Deckung. (5 P)
a) Finanzbedarf (= Bruttofinanzbedarf) â Wie setzt er sich zusammen? (5 P)
Der Finanzbedarf bezeichnet den gesamten Kapitalbedarf eines Unternehmens, der zur Aufrechterhaltung oder Expansion der GeschÀftstÀtigkeit erforderlich ist. Der Bruttofinanzbedarf umfasst alle Mittel, die das Unternehmen benötigt, um Investitionen, Betriebskosten und andere Verpflichtungen zu decken. Er setzt sich in der Regel zusammen aus:
- Investitionsbedarf: Kapital fĂŒr den Erwerb von Anlagen, Maschinen, Ausstattungen oder sonstigem langfristigen Vermögenswerten.
- Betriebsnotwendiger Kapitalbedarf: Kapital fĂŒr die laufenden GeschĂ€ftsaktivitĂ€ten, etwa fĂŒr den Kauf von Rohstoffen, Löhne oder die Finanzierung von Forderungen und VorrĂ€ten.
- LiquiditĂ€tsbedarf: Geld, das notwendig ist, um kurzfristige Verpflichtungen wie Verbindlichkeiten gegenĂŒber Lieferanten oder Steuerzahlungen zu erfĂŒllen.
Der Bruttofinanzbedarf ist die Gesamtsumme an Kapital, die erforderlich ist, um das Unternehmen funktionsfÀhig zu halten oder zu erweitern.
b) Finanzierungsbedarf (= Nettofinanzierungsbedarf) â Ermittlung und Deckung. (5 P)
Der Finanzierungsbedarf (Nettofinanzierungsbedarf) bezeichnet die Differenz zwischen dem gesamten Kapitalbedarf und den bereits vorhandenen oder anderweitig bereitgestellten Mitteln. Er zeigt auf, wie viel Kapital das Unternehmen noch aufnehmen muss, um den Bruttofinanzbedarf zu decken. Ermittlung:
- Berechnung des Bruttofinanzbedarfs (wie oben).
- BerĂŒcksichtigung der bereits verfĂŒgbaren Eigenmittel und Verbindlichkeiten (z. B. RĂŒcklagen, Eigenkapital oder schon aufgenommene Kredite).
Formel:
Nettofinanzierungsbedarf = Bruttofinanzbedarf â Eigenkapital und bestehende Verbindlichkeiten
Deckung des Nettofinanzierungsbedarfs:
- Eigenkapitalerhöhung: Zufuhr von frischem Eigenkapital durch Investoren oder Anteilseigner.
- Fremdfinanzierung: Aufnahme von Krediten oder Anleihen.
- Fördermittel/Subventionen: Beantragung staatlicher Förderungen oder ZuschĂŒsse.
- Verkauf von Vermögenswerten: Liquidation nicht betriebsnotwendiger Vermögenswerte.
5. Ermittlung des Finanzbedarfs â Brutto/Netto und Treasurer (10 P)
b) Was versteht man unter dem Nettofinanzierungsbedarf? (3 P)
c) Ein erheblicher Nettofinanzierungsbedarf wurde festgestellt. Was bedeutet das fĂŒr den Treasurer? (2 P)
a) Was versteht man unter dem Bruttofinanzbedarf? (5 P)
Der Bruttofinanzbedarf beschreibt den gesamten Kapitalbedarf, den ein Unternehmen benötigt, um seine betrieblichen AktivitĂ€ten aufrechtzuerhalten und zukĂŒnftige Investitionen zu finanzieren. Er umfasst sowohl den langfristigen Kapitalbedarf (z. B. fĂŒr Investitionen in Anlagen und Maschinen) als auch den kurzfristigen Kapitalbedarf (z. B. fĂŒr die Deckung des Umlaufvermögens wie WarenbestĂ€nde oder Forderungen aus Lieferungen und Leistungen). Er setzt sich zusammen aus:
- Anlagefinanzierung: Kapitalbedarf zur Finanzierung langfristiger Investitionen in Sachanlagen, Immobilien oder immaterielle Vermögenswerte.
- Umlauffinanzierung: Kapitalbedarf zur Finanzierung des kurzfristigen Betriebskapitals (Working Capital), wie VorrÀte und Forderungen.
- Tilgungen bestehender Verbindlichkeiten: Bereits aufgenommene Kredite und deren RĂŒckzahlungen mĂŒssen ebenfalls einbezogen werden.
Der Bruttofinanzbedarf wird vor Abzug vorhandener liquider Mittel und laufender Einzahlungen berechnet. Er gibt an, wie viel Kapital insgesamt benötigt wird, um das Unternehmen handlungsfÀhig zu halten.
b) Was versteht man unter dem Nettofinanzierungsbedarf? (3 P)
Der Nettofinanzierungsbedarf ergibt sich aus dem Bruttofinanzbedarf abzĂŒglich der bereits verfĂŒgbaren liquiden Mittel sowie der erwarteten Einzahlungen aus dem operativen GeschĂ€ft.
Formel:
Nettofinanzierungsbedarf = Bruttofinanzbedarf â interne Finanzmittel
Dabei umfassen interne Finanzmittel:
- vorhandene LiquiditÀt (z. B. Kassenbestand, Bankguthaben),
- laufende und erwartete Einnahmen aus dem GeschÀftsbetrieb,
- ggf. nicht ausgeschĂŒttete Gewinne oder RĂŒcklagen.
Ein positiver Nettofinanzierungsbedarf bedeutet, dass das Unternehmen zusĂ€tzliches Kapital beschaffen muss, z. B. durch Kredite, EigenkapitalzufĂŒhrungen oder andere Finanzierungsinstrumente.
c) Ein erheblicher Nettofinanzierungsbedarf wurde festgestellt. Was bedeutet das fĂŒr den Treasurer? (2 P)
Ein hoher Nettofinanzierungsbedarf bedeutet, dass die Treasury-Abteilung MaĂnahmen ergreifen muss, um die fehlenden finanziellen Mittel zu beschaffen:
- Finanzierungsstrategie entwickeln: Aufnahme neuer Kredite oder Anleihen, Nutzung von Leasing oder Factoring zur kurzfristigen LiquiditÀtssteigerung, Einbringung von zusÀtzlichem Eigenkapital.
- LiquiditĂ€tsmanagement optimieren: ĂberprĂŒfung und Anpassung des Working Capitals (schnellere Eintreibung von Forderungen, Reduzierung von LagerbestĂ€nden), kurzfristige FinanzierungsmaĂnahmen wie Kontokorrentkredite oder Kreditlinien.
Ziel des Treasurers ist es, eine ausreichende LiquiditÀt sicherzustellen und gleichzeitig die Finanzierungskosten so gering wie möglich zu halten.
6. Cashflow â LiquiditĂ€tsabfluss eines Produktionsunternehmens (10 P)
Ein produzierendes Unternehmen muss eine Vielzahl von LiquiditĂ€tsabflĂŒssen innerhalb eines Jahres planen. Systematisch in folgende Kategorien unterteilt:
- Operative Ausgaben:
- Materialkosten: Rohstoffe, Vorprodukte, Hilfsstoffe.
- Personalkosten: GehÀlter, Sozialabgaben, Leistungen wie Urlaubsgeld.
- Fertigungskosten: Betriebskosten von Maschinen, Wartung, Energieverbrauch.
- Verwaltungskosten: BĂŒromaterial, IT-Kosten, Versicherungen.
- Logistikkosten: Transport, Lagerhaltung, Versand.
- Investitionen:
- Maschinen und Anlagen: Erwerb neuer Maschinen oder KapazitÀtserweiterung.
- GebÀude und Infrastruktur: Bau, Instandhaltung oder Erweiterung von Werks- und LagergebÀuden.
- Forschung und Entwicklung: Ausgaben fĂŒr die Entwicklung neuer Produkte oder Technologien.
- Finanzielle Verpflichtungen:
- Zinszahlungen: fĂŒr Kredite, Darlehen oder Anleihen.
- Tilgungen: RĂŒckzahlung von Fremdkapital.
- Leasingraten: fĂŒr gemietete Maschinen, Fahrzeuge oder GebĂ€ude.
- Steuern und Abgaben:
- Einkommen- und Körperschaftsteuer: basierend auf Unternehmensgewinnen.
- Umsatzsteuer: Zahlungen fĂŒr nicht erstattungsfĂ€hige Umsatzsteuer.
- Sonstige Abgaben: Gewerbesteuer, Umweltabgaben, Zölle.
- Dividenden und GewinnausschĂŒttungen: an EigentĂŒmer oder AktionĂ€re, sofern Gewinne erwirtschaftet wurden.
- Sonstige AbflĂŒsse:
- RĂŒckstellungen: Mittelabfluss fĂŒr bereits eingeplante, aber erst spĂ€ter fĂ€llige Verpflichtungen.
- EntschĂ€digungen oder BuĂgelder: fĂŒr Vertragsstrafen oder regulatorische VerstöĂe.
Eine systematische Planung all dieser AbflĂŒsse ist entscheidend, um jederzeit ausreichend liquide Mittel zur VerfĂŒgung zu haben und IlliquiditĂ€t zu vermeiden.
7. Profit vs. Cash â âProfit is an opinion, cash is a factâ (10 P)
b) Drei unternehmerische Gestaltungsmöglichkeiten, die die Aussagekraft des operativen Cashflows erheblich einschrÀnken können. (6 P)
a) Was ist mit der Aussage gemeint? (4 P)
Die Aussage verdeutlicht, dass der Gewinn (Profit) eines Unternehmens stark von buchhalterischen Annahmen, Bewertungen und Bilanzierungsmethoden abhĂ€ngt und daher interpretierbar ist. Im Gegensatz dazu ist der operative Cashflow eine konkrete, objektiv messbare GröĂe, die zeigt, wie viel Bargeld einem Unternehmen tatsĂ€chlich zur VerfĂŒgung steht. Damit bietet der Cashflow eine realistischere Grundlage, um die finanzielle StabilitĂ€t und ZahlungsfĂ€higkeit eines Unternehmens zu beurteilen.
b) Drei unternehmerische Gestaltungsmöglichkeiten, die die Aussagekraft des operativen Cashflows erheblich einschrÀnken können. (6 P)
Verschiebung von Zahlungen: Durch das gezielte Vorziehen oder Hinauszögern von Zahlungen (z. B. Lieferantenrechnungen oder ForderungseingÀngen) kann der operative Cashflow manipuliert werden, um in einem bestimmten Zeitraum besser oder schlechter auszusehen.
VerkĂ€ufe von Forderungen (Factoring): Das kurzfristige Abtreten von Forderungen an Dritte gegen Zahlung kann den Cashflow kĂŒnstlich erhöhen, obwohl dies keine nachhaltige Verbesserung der LiquiditĂ€t darstellt.
Nicht-operative EinflĂŒsse einbeziehen: Durch die Einbeziehung von Einmalerlösen oder ungewöhnlichen Transaktionen (z. B. Verkauf von VermögensgegenstĂ€nden oder RĂŒckflĂŒsse aus RĂŒckstellungen) kann der operative Cashflow verzerrt dargestellt werden, obwohl diese nicht aus dem regulĂ€ren GeschĂ€ftsbetrieb stammen.
8. Finanzierung aus Abschreibungen (8 P)
Die Frage bezieht sich auf die Unterscheidung zwischen Finanzierung aus Abschreibungen und Finanzierung aus verdienten Abschreibungen. Die Wirkungskette:
1. Investition in eine Anlage: Ein Unternehmen erwirbt z. B. eine Maschine fĂŒr die Produktion. Dieser Kauf fĂŒhrt zu einem Zahlungsmittelabfluss.
2. Nutzung der Anlage und Abschreibungen: WÀhrend der Nutzungsdauer mindert sich der Wert der Maschine durch Abnutzung und Alterung. Diese Wertminderung wird als Abschreibung erfasst und jÀhrlich als Aufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung verbucht. Wichtig: Die Abschreibung mindert zwar den Gewinn, verursacht aber keinen unmittelbaren Zahlungsmittelabfluss.
3. Produktion und Verkauf: Die Maschine wird eingesetzt, um Produkte herzustellen, die anschlieĂend verkauft werden. Der Verkauf fĂŒhrt zu ZahlungsmittelzuflĂŒssen aus Umsatzerlösen. In der Preiskalkulation sind neben variablen Kosten auch die Abschreibungen als Fixkostenbestandteil enthalten. Damit ist ein Teil des Verkaufserlöses die zuvor als Aufwand erfasste Abschreibung âverdientâ und generiert somit liquide Mittel.
4. Finanzierung aus verdienten Abschreibungen: Bezieht sich auf die liquiden Mittel, die dem Unternehmen durch den Verkauf der Produkte zuflieĂen und den Anteil der Abschreibungen enthalten. Da die Abschreibungen keinen direkten Zahlungsmittelabfluss darstellen, stehen diese Mittel dem Unternehmen zur VerfĂŒgung und können fĂŒr verschiedene Zwecke genutzt werden, z. B.:
- Ersatzinvestitionen: Am Ende der Nutzungsdauer kann das angesammelte Kapital fĂŒr den Kauf einer neuen Maschine verwendet werden.
- KapazitÀtserweiterungen: Anschaffung zusÀtzlicher Maschinen, um die Produktion zu steigern (KapazitÀtserweiterungseffekt / Lohmann-Ruchti-Effekt).
- Schuldentilgung: VerfĂŒgbare Mittel können genutzt werden, um Verbindlichkeiten zu begleichen.
Zusammenfassung: Die Finanzierung aus Abschreibungen ermöglicht es einem Unternehmen, durch die in den Verkaufspreisen enthaltenen Abschreibungsanteile liquide Mittel zu generieren, ohne dass ein direkter Zahlungsmittelabfluss stattfindet. Diese Mittel können fĂŒr verschiedene Finanzierungszwecke eingesetzt werden, was die finanzielle FlexibilitĂ€t erhöht.
9. Gestaltung von Darlehen (6 P)
- Tilgungsstruktur: Die Vereinbarung ĂŒber die RĂŒckzahlung des Kredits (z. B. annuitĂ€tisch, endfĂ€llig oder flexible Tilgungen) beeinflusst die LiquiditĂ€tsbelastung des Unternehmens wĂ€hrend der Laufzeit.
- Bereitstellungszinsen: Banken können Zinsen fĂŒr ungenutzte, aber zugesagte Kreditmittel verlangen. Diese Kosten sollten im Voraus verhandelt oder minimiert werden.
- Sicherheiten: Die Art, der Umfang und die Bewertung von Sicherheiten (z. B. Grundpfandrechte, Maschinen, Forderungen) können individuell festgelegt werden und beeinflussen die KreditverfĂŒgbarkeit und -kosten.
- Covenants (Vertragsklauseln): Verpflichtungen, bestimmte Finanzkennzahlen (z. B. Eigenkapitalquote, Verschuldungsgrad) einzuhalten, können ausgehandelt oder gelockert werden, um die FlexibilitÀt des Unternehmens zu erhöhen.
- Sondertilgungsmöglichkeiten: Die Option, den Kredit vorzeitig ganz oder teilweise zurĂŒckzuzahlen, kann vereinbart werden, um Zinskosten zu sparen, sollte sich die finanzielle Lage verbessern.
- Zinsanpassungsklauseln: Die Möglichkeit, den Zinssatz bei VerÀnderungen des Marktzinsniveaus anzupassen (z. B. variable vs. feste Zinsen), kann individuell gestaltet werden und beeinflusst die Zinssicherheit.
10. WACC â Weighted Average Cost of Capital (9 P)
b) Der WACC als Kalkulationszins â Was bringt ein Kalkulationszins ins KalkĂŒl? Drei Ăberlegungen zur Höhe. (6 P)
a) Drei alternative Möglichkeiten, den WACC zu ermitteln, je ein Satz. (3 P)
- Adjusted Present Value (APV): Bewertet den Unternehmenswert, indem der Barwert der operativen Cashflows ohne Fremdfinanzierung und der Barwert der Steuervorteile aus der Fremdfinanzierung separat berechnet werden.
- Flow to Equity (FTE): Hierbei wird der Cashflow berechnet, der den Eigenkapitalgebern nach Abzug der Fremdkapitalkosten und Steuern zur VerfĂŒgung steht, und dieser mit den Eigenkapitalkosten diskontiert.
- KapitalkostensĂ€tze fĂŒr Eigen- und Fremdkapital: Anstatt den WACC direkt zu berechnen, können die individuellen KapitalkostensĂ€tze fĂŒr Eigen- und Fremdkapital separat ermittelt und anschlieĂend gewichtet werden, um die Gesamtkapitalkosten zu bestimmen.
b) Der WACC als Kalkulationszins â Was bringt ein Kalkulationszins ins KalkĂŒl? Drei Ăberlegungen zur Höhe. (6 P)
Ein Kalkulationszins dient dazu, zukĂŒnftige Zahlungsströme auf ihren heutigen Wert abzuzinsen, und spiegelt die Mindestrendite wider, die ein Unternehmen fĂŒr Investitionen erzielen muss, um die Kapitalkosten zu decken.
Drei betriebswirtschaftliche Ăberlegungen zur Höhe des Kalkulationszinses:
- Unternehmensrisiko: Ein höheres Risiko des Unternehmens fĂŒhrt zu höheren Eigenkapitalkosten, da Investoren eine höhere Rendite fĂŒr das eingegangene Risiko verlangen.
- Kapitalstruktur: Ein höherer Anteil an Fremdkapital kann die Gesamtkapitalkosten senken, da Fremdkapital in der Regel gĂŒnstiger ist als Eigenkapital, erhöht jedoch auch das finanzielle Risiko.
- Marktzinsniveau: Das allgemeine Zinsniveau beeinflusst die Fremdkapitalkosten; steigende Zinsen erhöhen die Kosten fĂŒr Fremdfinanzierung und somit den Kalkulationszins.
Diese Ăberlegungen sind entscheidend, um den Kalkulationszins realistisch festzulegen und fundierte Investitionsentscheidungen zu treffen.
đ Original-Klausuraufgaben aus den Altmeisterklausuren â gelöst
Rohleders eigener Wortlaut aus den Klausuren 2021 bis 2024. In FINA wiederholt er anders als in seinen ĂŒbrigen FĂ€chern keine Aufgaben wortgleich, sondern stellt zu denselben Themen neue Fragen. Der grĂŒne Block sichert deshalb jeweils das ganze Thema ab, nicht nur die gestellte Frage.
b) 3 P. Was versteht man unter dem Nettofinanzierungsbedarf eines Unternehmens? ErlÀutern Sie!
c) 2 P. Ein erheblicher Nettofinanzierungsbedarf wurde festgestellt. Was bedeutet das fĂŒr die Treasurer des Unternehmens?
Vorbemerkung. Die Aufgabe verlangt ausdrĂŒcklich âdie einschlĂ€gigen Fachbegriffe". Die tragende Logik ist eine Subtraktion: Der Bruttofinanzbedarf ist der gesamte Kapitalbedarf vor Abzug eigener Mittel, der Nettofinanzierungsbedarf das, was danach noch von auĂen beschafft werden muss. Wer diese Reihenfolge erkennbar macht, hat den Kern.
a) 5 P. â Der Bruttofinanzbedarf
âš1â© Der Bruttofinanzbedarf ist der gesamte Kapitalbedarf, den ein Unternehmen benötigt, um seine betrieblichen AktivitĂ€ten aufrechtzuerhalten und geplante Investitionen zu finanzieren. Er wird vor Abzug vorhandener liquider Mittel und laufender Einzahlungen ermittelt und beantwortet damit die Frage, wie viel Kapital insgesamt gebunden werden muss, um das Unternehmen handlungsfĂ€hig zu halten.
âš2â© Der erste Bestandteil ist die Anlagefinanzierung: der langfristige Kapitalbedarf fĂŒr Investitionen in Sachanlagen, Immobilien, Maschinen und immaterielle Vermögenswerte. In der Sprache der Finanzplanung sind das die Investitionsauszahlungen (CAPEX), die im Investitionsplan zusammengefasst werden.
âš3â© Der zweite Bestandteil ist die Umlauffinanzierung: der kurzfristige Kapitalbedarf fĂŒr das Working Capital, also fĂŒr VorrĂ€te, Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe sowie Forderungen aus Lieferungen und Leistungen. Dieser Bedarf entsteht, weil zwischen Auszahlung fĂŒr Material und Einzahlung durch den Kunden eine Zeitspanne liegt, die vorfinanziert werden muss.
âš4â© Der dritte Bestandteil sind die laufenden Betriebsausgaben (OPEX) sowie die Tilgungen bestehender Verbindlichkeiten. Auch bereits aufgenommene Kredite mĂŒssen bedient werden; ihre RĂŒckzahlung ist zahlungswirksam und gehört deshalb in den Kapitalbedarf, obwohl sie erfolgsneutral ist.
âš5â© In Rohleders Finanzplan-Systematik lĂ€sst sich das als Summe schreiben: Summe Investitionen (CAPEX) + Summe Leasingaufwand (Zins- und Tilgungsanteil) + Summe Betriebsausgaben (OPEX) = Bruttokapitalbedarf (TOTEX). Der Bruttofinanzbedarf ist damit eine reine BedarfsgröĂe, noch ohne jede Aussage darĂŒber, woher das Geld kommt.
b) 3 P. â Der Nettofinanzierungsbedarf
âš1â© Der Nettofinanzierungsbedarf ergibt sich aus dem Bruttofinanzbedarf abzĂŒglich der bereits verfĂŒgbaren internen Finanzmittel. Als Formel: Nettofinanzierungsbedarf = Bruttofinanzbedarf â interne Finanzmittel.
âš2â© Zu den internen Finanzmitteln zĂ€hlen die vorhandene LiquiditĂ€t (Kassenbestand und Bankguthaben), die laufenden und erwarteten Einzahlungen aus dem operativen GeschĂ€ft sowie einbehaltene Gewinne und RĂŒcklagen. Es handelt sich also im Kern um die Mittel der Innenfinanzierung.
âš3â© Ein positiver Nettofinanzierungsbedarf bedeutet, dass eine FinanzierungslĂŒcke besteht: Das Unternehmen muss zusĂ€tzliches Kapital von auĂen beschaffen, sei es als Eigenkapital durch Einlagen und Beteiligungen oder als Fremdkapital durch Kredite und Anleihen. Der Nettofinanzierungsbedarf ist damit die eigentlich entscheidungsrelevante GröĂe, weil er den Beschaffungsauftrag beziffert.
c) 2 P. â Bedeutung fĂŒr die Treasurer
âš1â© FĂŒr die Treasury bedeutet ein erheblicher Nettofinanzierungsbedarf einen konkreten Beschaffungsauftrag: Sie muss eine Finanzierungsstrategie entwickeln und umsetzen, etwa durch die Aufnahme neuer Kredite oder Anleihen, durch Leasing und Factoring oder durch die ZufĂŒhrung zusĂ€tzlichen Eigenkapitals.
âš2â© Parallel muss sie das LiquiditĂ€tsmanagement optimieren, um den Bedarf zu verkleinern: schnellere Eintreibung von Forderungen, Reduzierung von LagerbestĂ€nden, Nutzung von Kontokorrentkrediten und Kreditlinien. Das Ziel des Treasurers ist dabei doppelt: jederzeitige ZahlungsfĂ€higkeit sicherstellen und die Finanzierungskosten so gering wie möglich halten.
âš+1â© Die Begriffsverwirrung, die Rohleder bewusst einbaut. In dieser Aufgabe heiĂt es âBruttofinanzbedarf" und âNettofinanzierungsbedarf" â einmal ohne, einmal mit dem Wortbestandteil â-ierung". Das ist kein Zufall: Finanzbedarf ist der Kapitalbedarf (wie viel Geld wird gebraucht), Finanzierungsbedarf ist die LĂŒcke (wie viel Geld muss beschafft werden). Wer diese Unterscheidung aktiv benennt, sammelt Punkte, die andere liegen lassen.
âš+2â© Die parallele Aufgabe (13.02.2023, Aufgabe 9, 10 P). Dort wird dieselbe Systematik ohne Treasurer-Bezug abgefragt, dafĂŒr mit der Zusatzfrage nach der Deckung des Finanzierungsbedarfs. Die Deckungswege sind: Eigenkapitalerhöhung, Fremdfinanzierung ĂŒber Kredit oder Anleihe, Fördermittel und Subventionen sowie der Verkauf nicht betriebsnotwendiger Vermögenswerte (Desinvestition).
âš+3â© Anschluss an die drei TeilplĂ€ne der Finanzplanung. Rohleder leitet die Planstruktur aus drei existenziellen Fragen ab: âKönnen wir unsere Rechnungen bezahlen?" fĂŒhrt zum LiquiditĂ€tsplan, âVerdienen wir Geld?" zur RentabilitĂ€tsvorschau, âWie viel Geld brauchen wir?" zum Investitionsplan. Der Bruttofinanzbedarf entsteht im Investitionsplan, der Nettofinanzierungsbedarf zeigt sich im LiquiditĂ€tsplan als negativer kumulierter Saldo.
âš+4â© Warum Abschreibungen hier nicht auftauchen. Abschreibungen sind erfolgswirksam, aber nicht zahlungswirksam; sie erscheinen nur in der RentabilitĂ€tsvorschau und nie im Kapitalbedarf. Umgekehrt sind Tilgungen zahlungswirksam, aber nicht erfolgswirksam. Diese Kreuz-Unterscheidung ist die hĂ€ufigste VerstĂ€ndnislĂŒcke bei Finanzbedarfsaufgaben und lohnt einen eigenen Satz.
âš+5â© Kapitalbindungsdauer als vertiefendes Argument. Der Umlaufkapitalbedarf lĂ€sst sich ĂŒber die Kapitalbindungsdauer erklĂ€ren: Lagerdauer plus Kundenzahlungsziel minus Lieferantenzahlungsziel ergibt die Zeit, fĂŒr die das Unternehmen in Vorleistung geht. Jede VerkĂŒrzung dieser Spanne senkt den Bruttofinanzbedarf unmittelbar â das ist der wirksamste Hebel des Treasurers, noch vor jeder Kreditaufnahme.
âš+6â© Die Rolle des Treasurers prĂ€zise fassen. Der Treasurer verantwortet LiquiditĂ€t, Finanzierung, Zins- und WĂ€hrungsrisiken sowie den Zahlungsverkehr. Er ist nicht der Controller: Der Controller fragt nach Erfolg und Abweichung, der Treasurer nach ZahlungsfĂ€higkeit und Kapitalbeschaffung. Rohleders Kompass ergĂ€nzt den Gedanken der totalen Finanzierung: Der Treasurer weiĂ beim Gesamtkapital gerade nicht, welcher Euro fĂŒr welche Anschaffung gedacht war, weil Kapital als Ganzes betrachtet wird.
âš+7â© Die Zielfunktion des Treasurers als Merksatz. LiquiditĂ€t sichern, Finanzierungskosten minimieren, Finanzierungsrisiken begrenzen und Fristenkongruenz wahren â langfristiges Vermögen wird langfristig finanziert, kurzfristiges kurzfristig. Ein VerstoĂ gegen die goldene Finanzierungsregel ist der klassische Weg in die LiquiditĂ€tskrise trotz voller AuftragsbĂŒcher.
âš+8â© Verbindung zu âProfit is an opinion, cash is a fact". Ein Unternehmen kann profitabel sein und trotzdem einen erheblichen Nettofinanzierungsbedarf haben, weil Gewinne in Forderungen und VorrĂ€ten gebunden sind. Genau deshalb ist der Finanzbedarf getrennt vom Erfolg zu planen. Dieser Satz verbindet die Aufgabe mit der Cashflow-Thematik und wirkt in jeder Umformulierung.
âš+9â© Typische Fehlerfalle. Viele Antworten setzen Bruttofinanzbedarf mit âInvestitionssumme" gleich. Das ist zu eng: Der laufende Betrieb und die Tilgungen gehören dazu. Ebenso falsch ist es, den Nettofinanzierungsbedarf als âKreditbedarf" zu bezeichnen â er kann auch durch Eigenkapital gedeckt werden.
âš+10â© Punkte-Ăkonomie. FĂŒnf Punkte in a) verlangen fĂŒnf inhaltliche Bausteine: Definition, Anlagefinanzierung, Umlauffinanzierung, laufender Betrieb und Tilgung sowie die Klarstellung âvor Abzug eigener Mittel". Drei Punkte in b) verlangen Definition, Formel und Konsequenz. Zwei Punkte in c) verlangen zwei Handlungsfelder â Beschaffung und LiquiditĂ€tsoptimierung.
Rohleders Erwartung: Er will die Subtraktionslogik sehen und die Fachbegriffe ausdrĂŒcklich verwendet wissen: Anlagefinanzierung, Umlauffinanzierung, Working Capital, Tilgung, interne Finanzmittel. In c) genĂŒgt keine Definition des Treasurers â gefragt ist, was er nun konkret tun muss.
b) 3 P. ErlĂ€utern Sie, was man unter AuĂenfinanzierung versteht! Nennen Sie zwei Beispiele.
c) 2 P. Was versteht man unter Mezzanine-Finanzierung?
d) 5 P. Warum sind die Begriffe âInnenfinanzierung" und âAuĂenfinanzierung" möglicherweise missverstĂ€ndlich bzw. nicht hilfreich? Schlagen Sie ein geeigneteres Begriffspaar vor.
Vorbemerkung. Die Aufgabe ist zweigeteilt: Die Teile a) bis c) prĂŒfen Standardwissen, Teil d) mit fĂŒnf Punkten prĂŒft Urteilsvermögen und trĂ€gt damit fast die HĂ€lfte der Punkte. Wer a) bis c) knapp und prĂ€zise abhandelt, gewinnt Zeit fĂŒr den eigentlich anspruchsvollen Teil.
a) 3 P. â Innenfinanzierung
âš1â© Unter Innenfinanzierung versteht man die Bereitstellung von Kapital aus dem Unternehmen selbst, also aus dem eigenen Umsatz- und Leistungsprozess, ohne dass externe Kapitalgeber neues Kapital zufĂŒhren. Kennzeichnend ist, dass die Mittel bereits im Unternehmen erwirtschaftet wurden und lediglich nicht abflieĂen.
âš2â© Beispiel 1 â Gewinnthesaurierung (Selbstfinanzierung): Erwirtschaftete Gewinne werden einbehalten statt an die EigentĂŒmer ausgeschĂŒttet und stehen damit fĂŒr Investitionen zur VerfĂŒgung.
âš3â© Beispiel 2 â Finanzierung aus Abschreibungen: Abschreibungen sind Aufwand ohne Auszahlung. Sind sie ĂŒber die Verkaufspreise verdient worden, verbleiben die entsprechenden BetrĂ€ge als liquide Mittel im Unternehmen, bis eine Ersatzbeschaffung ansteht. Weitere Formen sind die Finanzierung aus RĂŒckstellungen und die Desinvestition, also der Verkauf nicht betriebsnotwendigen Vermögens.
b) 3 P. â AuĂenfinanzierung
âš1â© AuĂenfinanzierung bezeichnet die Beschaffung von Kapital aus Quellen auĂerhalb des Unternehmens. Das Kapital wird dem Unternehmen von Dritten neu zugefĂŒhrt und war zuvor nicht Teil seines Vermögens.
âš2â© Beispiel 1 â Eigenfinanzierung von auĂen (Beteiligungsfinanzierung): Einlagen der Gesellschafter oder die Ausgabe neuer Aktien erhöhen das Eigenkapital; die Kapitalgeber erhalten dafĂŒr Beteiligungs- und Mitspracherechte.
âš3â© Beispiel 2 â Fremdfinanzierung von auĂen: Die Aufnahme von Bankkrediten, Darlehen oder Anleihen erhöht das Fremdkapital; die Kapitalgeber erhalten Zins- und RĂŒckzahlungsansprĂŒche, aber keine Beteiligung. Weitere Formen sind Lieferantenkredit, Leasing und Factoring.
c) 2 P. â Mezzanine-Finanzierung
âš1â© Die Mezzanine-Finanzierung ist eine Mischform zwischen Eigen- und Fremdfinanzierung. Der Name stammt aus der Architektur: das Mezzanin ist das Zwischengeschoss â das Kapital steht rechtlich und wirtschaftlich zwischen den beiden Stockwerken der Bilanz.
âš2â© Typische Instrumente sind Wandel- und Optionsanleihen, Genussrechte, stille Beteiligungen und nachrangige Darlehen. Sie fĂŒhren dem Unternehmen Kapital zu und rĂ€umen den Kapitalgebern besondere Rechte oder eine erfolgsabhĂ€ngige VergĂŒtung ein, ohne dass eine vollstĂ€ndige Eigenkapitalbeteiligung mit Stimmrecht entsteht. Wirtschaftlich stĂ€rkt Mezzanine-Kapital durch seine Nachrangigkeit die Eigenkapitalbasis, ohne die EigentĂŒmerstruktur zu verĂ€ndern.
d) 5 P. â Kritik der Begriffe und ein besseres Begriffspaar
âš1â© Die Begriffe suggerieren einen Ort der Finanzierung, gemeint ist aber eine Herkunft des Kapitals. âInnen" und âauĂen" beschreiben rĂ€umlich, was tatsĂ€chlich eine Aussage ĂŒber die Quelle ist â das fĂŒhrt bei Lernenden wie in der Praxis regelmĂ€Ăig zu Fehlvorstellungen.
âš2â© Der entscheidende Einwand: Auch das angeblich âinnen" entstandene Kapital stammt letztlich von auĂen. Thesaurierte Gewinne und verdiente Abschreibungsgegenwerte sind ĂŒber die Verkaufspreise von den Kunden bezahlt worden. Kein Unternehmen erzeugt Kapital aus sich selbst heraus; es behĂ€lt lediglich zurĂŒck, was der Markt ihm zuvor zugefĂŒhrt hat.
âš3â© Hinzu kommt eine begriffliche UnschĂ€rfe an den RĂ€ndern: RĂŒckstellungen zĂ€hlen zur Innenfinanzierung, sind aber zugleich Verpflichtungen gegenĂŒber Dritten und damit Fremdkapital. Desinvestitionen gelten als Innenfinanzierung, obwohl der Zahlungszufluss von einem externen KĂ€ufer kommt. Die Zuordnung ist also nicht trennscharf.
âš4â© SchlieĂlich sagt das Begriffspaar nichts ĂŒber die entscheidungsrelevanten Eigenschaften: Es verrĂ€t weder etwas ĂŒber die Haftungsstellung noch ĂŒber Fristigkeit, Kosten oder Mitspracherechte des Kapitals. Genau diese Merkmale interessieren aber bei jeder Finanzierungsentscheidung.
âš5â© Vorschlag: Geeigneter ist das Paar âEigenfinanzierung" und âFremdfinanzierung", weil es an der EigentĂŒmerstellung des Kapitals ansetzt und damit unmittelbar Haftung, VergĂŒtung und Mitsprache mitbestimmt. Wer die Herkunftsdimension zusĂ€tzlich benennen will, verwendet âerwirtschaftetes Kapital" gegenĂŒber âzugefĂŒhrtem Kapital" â das trifft den gemeinten Sachverhalt ohne die irrefĂŒhrende Ortsmetapher.
âš+1â© Rohleders eigene Formulierung des Denkfehlers. In seinem Kompass steht ausdrĂŒcklich: Innenfinanzierung bedeutet, dass Investitionen aus dem selbst erwirtschafteten Kapital getĂ€tigt werden â der mögliche Denkfehler sei, dass auch dieses Geld letztlich vom Kunden und damit von auĂen kommt. Wer diesen Gedanken in d) bringt, trifft exakt die erwartete Argumentation.
âš+2â© Die saubere Systematik in zwei Dimensionen. Erste Dimension Mittelherkunft: innen oder auĂen. Zweite Dimension Rechtsstellung: Eigen- oder Fremdkapital. Daraus entsteht eine Vierfeldertafel: Innen und Eigen = Selbstfinanzierung aus thesaurierten Gewinnen; innen und Fremd = Finanzierung aus RĂŒckstellungen; auĂen und Eigen = Beteiligungsfinanzierung; auĂen und Fremd = Kreditfinanzierung. Diese Tafel ist die ĂŒberzeugendste Antwort auf die Frage nach einem besseren Ordnungsschema, weil sie zeigt, dass ein einziges Begriffspaar den Sachverhalt gar nicht abbilden kann.
âš+3â© Rohleders Zuordnungstabelle zur Finanzmittelherkunft. JahresĂŒberschuss: Innenfinanzierung. Abschreibungen: Innenfinanzierung. RĂŒckstellungen: Innenfinanzierung und zugleich Fremdfinanzierung. Desinvestitionen: Innenfinanzierung. Neukreditaufnahme: Fremdfinanzierung. Eigenkapitalerhöhung: Eigenfinanzierung. Die Doppeleinordnung der RĂŒckstellungen ist genau der Beleg fĂŒr die UnschĂ€rfe, die in Teilaufgabe d) als dritter Kritikpunkt genannt wird.
âš+4â© Finanzierung aus Abschreibungen im Detail. Der Mechanismus: Abschreibungen sind kalkulatorisch in den Verkaufspreisen enthalten und flieĂen mit dem Umsatz als Einzahlung zurĂŒck, ohne dass ihnen ein Zahlungsabfluss gegenĂŒbersteht. Die Mittel stehen bis zur Ersatzbeschaffung frei zur VerfĂŒgung und erhöhen so die finanzielle Beweglichkeit. Voraussetzung ist, dass die Abschreibungen am Markt tatsĂ€chlich verdient wurden â bei Verlusten greift der Effekt nicht.
âš+5â© Der KapazitĂ€tserweiterungseffekt als Vertiefung. Werden freigesetzte Abschreibungsgegenwerte laufend reinvestiert, lĂ€sst sich die KapazitĂ€t ohne zusĂ€tzliche Kapitalzufuhr ausweiten, weil zu jedem Zeitpunkt nur ein Teil des Anlagenbestands ersetzt werden muss. Dieser Effekt ist unter dem Namen Lohmann-Ruchti-Effekt bekannt und ein starkes Argument in jeder Innenfinanzierungsfrage.
âš+6â© Warum Mezzanine ĂŒberhaupt existiert. Es schlieĂt die LĂŒcke zwischen Bank und Beteiligung: Das Unternehmen erhĂ€lt Kapital, das wegen seiner Nachrangigkeit von Kreditgebern wie Eigenkapital gewertet wird und damit die KreditwĂŒrdigkeit verbessert, ohne dass Altgesellschafter Anteile und Stimmrechte abgeben mĂŒssen. Der Preis dafĂŒr ist eine höhere Verzinsung als beim klassischen Kredit.
âš+7â© Merkmale, an denen Mezzanine-Kapital erkennbar ist. Nachrangigkeit gegenĂŒber anderen GlĂ€ubigern, befristete Laufzeit, erfolgsabhĂ€ngige VergĂŒtungsbestandteile, keine oder eingeschrĂ€nkte Mitspracherechte, hĂ€ufig keine Sicherheiten. Wer drei dieser Merkmale nennt, hat die zwei Punkte in c) sicher.
âš+8â© Die Entscheidungskriterien, die das bessere Begriffspaar sichtbar macht. Haftung, Fristigkeit, Kosten, Mitspracherechte, Auswirkung auf Bilanzkennzahlen und steuerliche Behandlung â Fremdkapitalzinsen sind abzugsfĂ€hig, GewinnausschĂŒttungen nicht. Diese Liste begrĂŒndet, warum die Unterscheidung nach Eigen- und Fremdkapital praktisch nĂŒtzlicher ist als die nach innen und auĂen.
âš+9â© Die goldene Finanzierungsregel als Anschluss. Langfristig gebundenes Vermögen ist langfristig zu finanzieren, kurzfristiges kurzfristig. Wird nach einer Bewertung der Finanzierungsarten gefragt, ist die Fristenkongruenz das tragende Kriterium â und sie ist wiederum ein Merkmal, das das Paar innen/auĂen ĂŒberhaupt nicht abbildet.
âš+10â© Die Verbindung zum Finanzbedarf. Innenfinanzierungsmittel sind genau die âinternen Finanzmittel", die vom Bruttofinanzbedarf abgezogen werden, um den Nettofinanzierungsbedarf zu erhalten. Wer diesen Bogen schlĂ€gt, verbindet die Aufgabe mit der Finanzbedarfsaufgabe und zeigt SystemverstĂ€ndnis.
âš+11â© HĂ€ufige Fehlerfalle in a) und b). âEigenkapital" ist kein Beispiel fĂŒr AuĂenfinanzierung, sondern eine Kapitalart. Verlangt sind konkrete FinanzierungsvorgĂ€nge: Gesellschaftereinlage, Aktienemission, Bankkredit, Anleihe. Umgekehrt ist âGewinn" allein zu unscharf â gemeint ist die Thesaurierung, also das Einbehalten des Gewinns.
âš+12â© HĂ€ufige Fehlerfalle in d). Viele Antworten erklĂ€ren in d) noch einmal die Definitionen aus a) und b), statt die Begriffe zu kritisieren. Gefragt sind SchwĂ€chen und ein Alternativvorschlag; die Wiederholung der Definitionen bringt keine Punkte.
âš+13â© Punkte-Ăkonomie. Drei Punkte in a) und b) bedeuten je eine Definition und zwei Beispiele. Zwei Punkte in c) bedeuten Definition und Instrumente. FĂŒnf Punkte in d) verlangen mindestens drei Kritikpunkte und einen begrĂŒndeten Vorschlag â hier gehört die meiste Schreibzeit hin.
Rohleders Erwartung: Teil d) ist die eigentliche Aufgabe. Er will hören, dass âinnen" und âauĂen" einen Ort suggerieren, wo eine Herkunft gemeint ist, und dass selbst erwirtschaftetes Kapital ursprĂŒnglich von den Kunden stammt. Ein Alternativvorschlag ohne BegrĂŒndung genĂŒgt nicht.
Kriterium â rollierende Planung (dynamische Planung)
Ablauf (3 P.)
LĂ€nge Planungszeitraum (1 P.)
Gliederung Planungszeitraum (2 P.)
Planungshorizont (1 P.)
Detailgrad (Planungstiefe) (2 P.)
Praktische Relevanz (1 P.)
Vorbemerkung. Die Aufgabe ist als Tabelle gestellt und sollte auch als Tabelle beantwortet werden â jede Zeile bekommt genau so viel Text, wie ihre Punktzahl rechtfertigt. Der Kern der rollierenden Planung ist, dass der Planungshorizont mitwandert: Mit jeder abgeschlossenen Periode wird hinten eine neue angehĂ€ngt, sodass der Blick nach vorn immer gleich weit reicht. Genau darin unterscheidet sie sich von der starren Jahresplanung, deren Horizont zum Jahresende auf null schrumpft.
a) 3 P. â Ablauf
âš1â© Planungszeitraum festlegen. ZunĂ€chst wird ein Planungshorizont definiert, beispielsweise zwölf Monate, und ein Aktualisierungsintervall bestimmt, etwa monatlich oder quartalsweise.
âš2â© Planung erstellen und regelmĂ€Ăig aktualisieren. Die Planung wird fĂŒr den gesamten Zeitraum aufgestellt und anschlieĂend in den festgelegten Intervallen ĂŒberprĂŒft, an die Ist-Entwicklung angepasst und um jeweils eine neue Periode am Ende ergĂ€nzt. Der Horizont bleibt dadurch konstant lang.
âš3â© Neue Perioden detaillieren. Mit jeder Fortschreibung rĂŒckt eine bisher grob geplante Periode nĂ€her und wird verfeinert; die neu hinzukommende Periode am Ende wird zunĂ€chst nur grob geplant. Nahe Perioden sind also stets detailliert, ferne stets grob.
b) 1 P. â LĂ€nge des Planungszeitraums
âš1â© Der Planungszeitraum ist typischerweise mittelfristig angelegt, etwa 12, 24 oder 36 Monate, und variiert je nach Anwendungsbereich: kurze Zyklen von 3 bis 6 Monaten eignen sich fĂŒr volatile MĂ€rkte, lĂ€ngere von 3 bis 5 Jahren fĂŒr strategische Planungen.
c) 2 P. â Gliederung des Planungszeitraums
âš1â© Der Zeitraum wird in mehrere Intervalle mit unterschiedlichem Detaillierungsgrad unterteilt: kurzfristig 0 bis 12 Monate mit hoher Detaillierung und genauer MaĂnahmenplanung, mittelfristig 1 bis 3 Jahre mit Fokus auf Trends und strategische Anpassungen, langfristig ab 3 bis 5 Jahren als grobe Richtungsplanung.
âš2â© Die Gliederung ist dabei nicht statisch: Je nĂ€her eine Periode an die Gegenwart rĂŒckt, desto feiner wird sie geplant. Aus einer grob geplanten Jahresscheibe werden Quartale, aus Quartalen Monate.
d) 1 P. â Planungshorizont
âš1â© Der Planungshorizont ist der gesamte Zeitraum, fĂŒr den geplant wird; er variiert nach Unternehmen und Branche zwischen kurzfristig bis 1 Jahr, mittelfristig 1 bis 3 Jahre und langfristig 3 bis 10 Jahre. Kennzeichnend fĂŒr die rollierende Planung ist, dass er kontinuierlich um neue Perioden erweitert wird und damit stets gleich weit in die Zukunft reicht.
e) 2 P. â Detailgrad (Planungstiefe)
âš1â© Der Detailgrad hĂ€ngt vom zeitlichen Abstand ab: kurzfristige Perioden werden sehr detailliert mit konkreten MaĂnahmen, Mengen und Budgets geplant, mittelfristige weniger detailliert mit ĂŒbergeordneten Trends und Richtwerten, langfristige nur grob mit strategischen Zielsetzungen ohne operative Details.
âš2â© Der Detailgrad nimmt also mit der NĂ€he zur Gegenwart zu. Ăkonomisch begrĂŒndet ist das durch das VerhĂ€ltnis von Aufwand und Nutzen: Eine detaillierte Planung ferner Perioden wĂ€re teuer und wĂŒrde durch neue Informationen ohnehin ĂŒberholt.
f) 1 P. â Praktische Relevanz
âš1â© Die rollierende Planung ist in der Unternehmenssteuerung breit verankert: in der Finanzplanung fĂŒr Budgetanpassung, LiquiditĂ€tsmanagement und Investitionsentscheidungen, in der Produktionsplanung zur Reaktion auf Nachfrageschwankungen, in der Personalplanung sowie im Supply Chain Management. Besonders relevant ist sie fĂŒr Unternehmen in dynamischen MĂ€rkten, in denen Unsicherheiten eine flexible Planung erfordern.
âš+1â© Der Kontrast, der die Tabelle erst verstĂ€ndlich macht. Starre Planung: fester Planungszeitraum, meist das Kalenderjahr; der Horizont schrumpft von zwölf Monaten im Januar auf einen Monat im Dezember. Rollierende Planung: konstanter Horizont, weil jede abgeschlossene Periode hinten durch eine neue ersetzt wird. Wer diesen einen Satz voranstellt, macht jede Zeile der Tabelle plausibel.
âš+2â© Vorteile, die hĂ€ufig als Zusatzfrage kommen. Gleichbleibender Vorausblick, frĂŒhzeitige Erkennung von Abweichungen, laufende BerĂŒcksichtigung neuer Informationen, realistischere Planwerte und höhere ReaktionsfĂ€higkeit in volatilen MĂ€rkten.
âš+3â© Nachteile, die zur VollstĂ€ndigkeit gehören. Deutlich höherer Planungsaufwand durch die stĂ€ndige Wiederholung, Gefahr der PlanungsmĂŒdigkeit bei den Beteiligten, geringere Verbindlichkeit von Zielen, weil sie laufend angepasst werden, sowie erschwerte Vergleichbarkeit zwischen den PlanstĂ€nden.
âš+4â© Der Zusammenhang zum VUCA-Umfeld. Die rollierende Planung ist die konkreteste Antwort auf die Frage, was sich durch VUCA in der Finanzplanung geĂ€ndert hat. VolatilitĂ€t und Unsicherheit entwerten eine einmal jĂ€hrlich festgeschriebene Planung; nur eine laufend fortgeschriebene bleibt entscheidungsrelevant. Diese Verbindung ist die wahrscheinlichste Umformulierung dieser Aufgabe.
âš+5â© Abgrenzung zu benachbarten Konzepten. Der Forecast ist die unterjĂ€hrige Erwartungsrechnung bis zum Jahresende, mit schrumpfendem Horizont. Beyond Budgeting verzichtet ganz auf feste Jahresbudgets zugunsten relativer Ziele. Zero-Base-Budgeting plant jede Periode von null statt fortzuschreiben. Die rollierende Planung liegt zwischen klassischem Budget und Beyond Budgeting.
âš+6â© Was rollierend geplant wird. In der Finanzplanung sind es vor allem LiquiditĂ€t, Umsatz und Kosten sowie das Investitionsbudget. Der rollierende LiquiditĂ€tsplan ist der praktisch wichtigste Fall, weil ZahlungsfĂ€higkeit die einzige GröĂe ist, deren Verfehlung unmittelbar existenzbedrohend wirkt.
âš+7â© Ein konkretes Zahlenbeispiel fĂŒr die Antwort. Ein Unternehmen plant rollierend ĂŒber zwölf Monate mit monatlicher Aktualisierung: Ende Januar wird der Januar durch Ist-Werte ersetzt, Februar bis Dezember ĂŒberarbeitet und der Januar des Folgejahres neu angehĂ€ngt. Der Vorausblick betrĂ€gt zu jedem Zeitpunkt wieder zwölf Monate. Ein solches Beispiel macht die Zeile âAblauf" unmissverstĂ€ndlich.
âš+8â© Die Verbindung zu den drei TeilplĂ€nen. Rollierend fortgeschrieben werden alle drei: LiquiditĂ€tsplan, RentabilitĂ€tsvorschau und Investitionsplan. Wichtig ist die Konsistenz zwischen ihnen â wird der Umsatz im RentabilitĂ€tsplan gesenkt, mĂŒssen die ZahlungseingĂ€nge im LiquiditĂ€tsplan mit dem entsprechenden Zahlungsziel folgen.
âš+9â© Die Voraussetzung, die in der Praxis ĂŒber Erfolg entscheidet. Rollierende Planung funktioniert nur mit belastbaren, zeitnah verfĂŒgbaren Ist-Daten und mit einem schlanken Prozess. Dauert ein Planungszyklus sechs Wochen, ist er bei monatlicher Rollierung praktisch nicht durchfĂŒhrbar. Deshalb gilt: lieber wenige TreibergröĂen hĂ€ufig als viele Details selten.
âš+10â© Punkte-Ăkonomie. Die Punktzahlen stehen in der Tabelle und geben die Textmenge exakt vor: drei Stichpunkte beim Ablauf, ein Satz bei LĂ€nge, Horizont und praktischer Relevanz, zwei Aussagen bei Gliederung und Detailgrad. Wer bei den Ein-Punkt-Zeilen ausfĂŒhrlich schreibt, verschenkt Zeit, die bei âAblauf" fehlt.
Rohleders Erwartung: Er will erkennbar sehen, dass ârollierend" das AnhĂ€ngen einer neuen Periode bei konstantem Horizont bedeutet â nicht bloĂ âregelmĂ€Ăig ĂŒberarbeiten". Zweiter Bewertungskern ist die abgestufte Planungstiefe: nah detailliert, fern grob, mit dem Aufwand-Nutzen-Argument dahinter.
b) 6 P. Der WACC ist ein Kalkulationszins. Was bringt ein Kalkulationszins zum Ausdruck bzw. ins KalkĂŒl? ErlĂ€utern Sie drei verschiedene betriebswirtschaftliche Ăberlegungen, die die Höhe des Kalkulationszinses maĂgeblich beeinflussen.
Verwendete Symbole
| Symbol | Bedeutung |
|---|---|
| , | Marktwert des Eigen- bzw. Fremdkapitals |
| Gesamtkapital, | |
| Eigenkapitalkostensatz (Renditeforderung der EigentĂŒmer) | |
| Fremdkapitalkostensatz (Zinssatz der GlÀubiger) | |
| Ertragsteuersatz |
a) 3 P. â Drei alternative Möglichkeiten der WACC-Ermittlung
âš1â© Marktwertgewichtete Kapitalkosten aus Eigen- und Fremdkapitalkostensatz. Man ermittelt beide KostensĂ€tze getrennt â den Eigenkapitalkostensatz ĂŒber ein Kapitalmarktmodell wie das CAPM, den Fremdkapitalkostensatz aus den aktuellen Konditionen der bestehenden und neu aufzunehmenden Darlehen â und gewichtet sie anschlieĂend mit den Marktwerten von Eigen- und Fremdkapital.
âš2â© Adjusted Present Value (APV). Statt einen Mischzins zu bilden, bewertet man das Projekt zunĂ€chst so, als wĂ€re es vollstĂ€ndig eigenfinanziert, und addiert den Barwert der Steuervorteile aus der Fremdfinanzierung (Tax Shield) separat â der implizite Gesamtkapitalkostensatz ergibt sich dann rechnerisch aus dem Resultat.
âš3â© Flow to Equity (FTE) beziehungsweise Ableitung aus Branchen- und Peer-Group-Daten. Beim FTE-Ansatz diskontiert man nur den den EigentĂŒmern zustehenden Cashflow mit dem Eigenkapitalkostensatz, nachdem Fremdkapitalzinsen und Steuern bereits abgezogen sind; alternativ ĂŒbernimmt ein Unternehmen ohne eigene Kapitalmarktnotierung den WACC vergleichbarer börsennotierter Wettbewerber und passt ihn an die eigene Kapitalstruktur an (Peer-Group-Ansatz, Un-/Relevering des Beta-Faktors).
b) 6 P. â Der Kalkulationszins: Bedeutung und EinflussgröĂen
âš3â© Was ein Kalkulationszins zum Ausdruck bringt. Der Kalkulationszins ist die VerzinsungshĂŒrde, an der sich jede Investition messen lassen muss. Er bringt drei Dinge ins KalkĂŒl. Erstens den Zeitwert des Geldes: Ein Euro heute ist mehr wert als ein Euro in fĂŒnf Jahren, weil er zwischenzeitlich Ertrag erwirtschaften kann. Ăber die Abzinsung mit dem Kalkulationszins werden Zahlungen unterschiedlicher Zeitpunkte ĂŒberhaupt erst vergleichbar. Zweitens die OpportunitĂ€tskosten: Das eingesetzte Kapital steht fĂŒr die beste verfĂŒgbare Alternativverwendung nicht mehr zur VerfĂŒgung. Der Kalkulationszins beziffert genau diesen entgangenen Ertrag der Alternative und stellt sicher, dass eine Investition nur dann als vorteilhaft gilt, wenn sie mehr bringt als der Verzicht kostet. Drittens den Kapitalkosten- und Risikoaspekt: Das Kapital ist nicht kostenlos â GlĂ€ubiger verlangen Zinsen, EigentĂŒmer eine Rendite, die das ĂŒbernommene unternehmerische Risiko abgilt. Ein Projekt, das den Kalkulationszins nicht erreicht, vernichtet Wert, auch wenn es einen buchhalterischen Gewinn ausweist. Genau deshalb ist der WACC als gewichteter Durchschnitt beider KapitalkostensĂ€tze der ökonomisch richtige Kalkulationszins: Er ist die Mindestrendite, ab der beide Kapitalgebergruppen zufriedengestellt sind.
Drei betriebswirtschaftliche Ăberlegungen bestimmen seine Höhe:
âš4â© 1. Das Risiko des Unternehmens und des konkreten Projekts. Je unsicherer die kĂŒnftigen Zahlungsströme, desto höhere Renditeforderungen stellen insbesondere die Eigenkapitalgeber, denn sie tragen den Residualanspruch und werden erst nach allen anderen bedient. Die Renditeforderung setzt sich aus dem risikofreien Basiszins und einer RisikoprĂ€mie zusammen, die von der KonjunkturabhĂ€ngigkeit der Branche, der Kundenkonzentration, der TechnologieabhĂ€ngigkeit und der WettbewerbsintensitĂ€t getrieben wird. Wichtig ist die Folgerung fĂŒr die Praxis: Ein Konzern darf fĂŒr ein hochriskantes Innovationsprojekt nicht denselben Kalkulationszins ansetzen wie fĂŒr eine Ersatzinvestition im KerngeschĂ€ft, sonst subventioniert er systematisch die riskanten Projekte auf Kosten der sicheren.
âš5â© 2. Die Kapitalstruktur und ihre gegenlĂ€ufigen Wirkungen. Fremdkapital ist nominal gĂŒnstiger als Eigenkapital, weil GlĂ€ubiger vorrangig bedient und meist besichert werden; zusĂ€tzlich mindern Fremdkapitalzinsen den steuerpflichtigen Gewinn und senken so die effektiven Kosten (Tax Shield, im Formelteil ). Ein höherer Fremdkapitalanteil senkt den WACC daher zunĂ€chst. Diese Wirkung kehrt sich jedoch um: Mit steigender Verschuldung wachsen das Insolvenzrisiko und die Schwankungsbreite des Ergebnisses, worauf zuerst die Eigenkapitalgeber und spĂ€ter auch die GlĂ€ubiger höhere Renditen fordern. Der WACC verlĂ€uft deshalb u-förmig ĂŒber dem Verschuldungsgrad, und es existiert eine optimale, nicht eine maximale Fremdkapitalquote. Dies ist dieselbe Logik wie bei Leverage-Chance und Leverage-Risiko.
âš6â© 3. Das allgemeine Marktzinsniveau und die Inflationserwartung. Der risikofreie Basiszins â ĂŒblicherweise abgeleitet aus der Rendite langlaufender Staatsanleihen bester BonitĂ€t â bildet die Untergrenze aller Kapitalkosten und verschiebt beide KostensĂ€tze parallel nach oben oder unten. Steigen die Leitzinsen, verteuern sich unmittelbar die Fremdkapitalkosten und mittelbar auch die Eigenkapitalkosten, weil risikoarme Alternativanlagen attraktiver werden. Der Zinsanstieg der Jahre 2022 und 2023 hat deshalb branchenĂŒbergreifend Investitionsrechnungen entwertet, die zuvor bei nahe null liegenden Zinsen positiv aussahen. Hinzu kommt: Der Kalkulationszins muss zur RechengröĂe passen â werden nominale Cashflows abgezinst, ist ein nominaler Zins zu verwenden; bei realen Cashflows ein realer.
âš+3â© Warum Marktwerte und nicht Buchwerte gewichtet werden â Rohleders eigene BegrĂŒndung. In der Praxis wird hĂ€ufig mit Buchwerten gerechnet, weil sie unmittelbar aus der Bilanz ablesbar und damit bequem verfĂŒgbar sind. Fachlich richtig sind aber die Marktwerte, und zwar wegen der Fragestellung selbst: Der WACC beantwortet die Frage, zu welchen durchschnittlichen Kosten das Unternehmen jetzt, im Analysezeitpunkt, sein Eigen- und Fremdkapital beschaffen könnte. DafĂŒr sind die heutigen Marktpreise maĂgeblich. Buchwerte spiegeln dagegen die Konditionen der Vergangenheit â zu welchen SĂ€tzen sich das Unternehmen sein Kapital tatsĂ€chlich einmal beschafft hat. Da eine Investitionsentscheidung eine Entscheidung ĂŒber die Zukunft ist, wĂ€re ein aus Vergangenheitswerten abgeleiteter Zins die falsche Messlatte. Mit Marktwerten wirken tagesaktuelle Faktoren direkt auf das Ergebnis, statt dass historische Ereignisse fortgeschrieben werden. Praktisch relevant wird der Unterschied vor allem beim Eigenkapital: Bei börsennotierten Unternehmen liegt die Marktkapitalisierung regelmĂ€Ăig weit ĂŒber dem bilanziellen Eigenkapital, sodass die Buchwertgewichtung den Eigenkapitalanteil und damit den WACC systematisch zu niedrig ansetzt.
âš+4â© Was der WACC als Diskontierungszins genau abdeckt. Rohleder stellt klar: Der WACC ist erforderlich, weil die gesamten Cashflows, die Eigen- und Fremdkapitalgebern gemeinsam zustehen, in einem Zug diskontiert werden. WĂŒrde man die Zahlungsströme beider Gruppen getrennt bewerten (wie beim Flow-to-Equity-Ansatz), brĂ€uchte man auch getrennte ZinssĂ€tze. Weil man sie aber zusammen abzinst, benötigt man einen gemeinsamen Mischzins â und das ist genau der nach der Kapitalstruktur gewichtete Durchschnitt.
âš+5â© Der Zusammenhang zum internen ZinsfuĂ. Der interne Zinssatz ist der Wert, bei dem der Kapitalwert null wird. Die Leitfrage lautet: Wie hoch dĂŒrften die durchschnittlichen Kapitalkosten höchstens sein, damit sich die Investition gerade noch trĂ€gt? Entscheidungsregel: Eine Einzelinvestition wird nur durchgefĂŒhrt, wenn ihre interne Rendite ĂŒber dem WACC liegt. Der interne ZinsfuĂ ist also der Break-even-Zins, der WACC die Messlatte, an der er sich messen lassen muss.
âš+6â© Der Eigenkapitalkostensatz nach CAPM. , mit als risikofreiem Zins, als MarktrisikoprĂ€mie und als MaĂ dafĂŒr, wie stark die Aktie im Vergleich zum Gesamtmarkt schwankt. Ein ĂŒber 1 bedeutet ĂŒberdurchschnittliches systematisches Risiko und damit einen höheren Kostensatz. Wichtig: Das CAPM vergĂŒtet nur das systematische, nicht das durch Diversifikation vermeidbare unternehmensindividuelle Risiko.
âš+7â© Typische Fehler beim WACC-Einsatz. Ein konzerneinheitlicher WACC fĂŒr GeschĂ€ftsbereiche mit völlig unterschiedlichem Risiko; Verwendung eines veralteten, vor Jahren einmal festgelegten Satzes; Vermischung nominaler Cashflows mit realem Zins; doppelte Erfassung des Steuervorteils, wenn das Tax Shield sowohl im Zins als auch im Cashflow berĂŒcksichtigt wird; Gewichtung mit der Ist-Kapitalstruktur statt mit der angestrebten Zielkapitalstruktur.
âš+8â© Die Kapitalstruktur ist eine ZielgröĂe, keine Momentaufnahme. Gewichtet werden sollte nicht die zufĂ€llige Ist-Struktur des Stichtags, sondern die angestrebte Zielkapitalstruktur ĂŒber den Planungszeitraum. Sonst schwankt der Kalkulationszins mit jeder Tilgungsrate und jeder Kursbewegung, und Investitionsentscheidungen wĂŒrden je nach Stichtag unterschiedlich ausfallen.
âš+9â© Der WACC ist keine Kennzahl der Vergangenheit. Er misst nicht, was das Kapital gekostet hat, sondern was es kosten wĂŒrde. Deshalb sind die relevanten Fremdkapitalkosten die Konditionen einer heute aufzunehmenden Finanzierung und nicht der Durchschnittszins der Altdarlehen. Unternehmen, die 2019 langfristig zu unter einem Prozent finanziert haben, dĂŒrfen mit diesem Satz kein Projekt des Jahres 2023 rechnen.
Rohleders Erwartung: In b) will er nicht die WACC-Formel, sondern das VerstĂ€ndnis, wofĂŒr ein Kalkulationszins ĂŒberhaupt da ist â Zeitwert, OpportunitĂ€t, Risiko â und drei sauber getrennte, nicht ineinander ĂŒbergehende EinflussgröĂen. Der Hinweis auf Marktwerte statt Buchwerte ist sein Lieblingspunkt zum Thema.
Beantworten Sie die Frage der Kommilitonin bzw. des Kommilitonen ausfĂŒhrlich! ErlĂ€utern Sie dazu auch die einzelnen Elemente der Wirkungskette (also die Schritte) vom Zahlungsmittelabfluss fĂŒr eine Investition bis zum Zahlungsmittelzufluss aus der AbsatztĂ€tigkeit des Unternehmens!
âš2â© Die direkte Antwort auf die Frage â und wo der Denkfehler liegt. Der Denkfehler steckt in der Formulierung âwenn man eine Anlage abschreibt, bekommt das Unternehmen Geld rein". Genau das passiert nicht. Die Abschreibung selbst bringt keinen einzigen Euro ins Unternehmen; sie ist eine reine Buchung, ein Aufwand ohne Auszahlung. Geld kommt ausschlieĂlich ĂŒber eine Quelle herein: den Verkauf von Produkten. Der Begriff âFinanzierung aus Abschreibungen" ist deshalb missverstĂ€ndlich und wird zu Recht durch âFinanzierung aus verdienten Abschreibungen" prĂ€zisiert. Das entscheidende Wort ist âverdient": Der Abschreibungsbetrag muss ĂŒber den Verkaufspreis am Markt tatsĂ€chlich erlöst worden sein. Die Abschreibung erzeugt kein Geld â sie sorgt nur dafĂŒr, dass ein Teil des ohnehin eingehenden Verkaufserlöses nicht durch einen gleichzeitigen Zahlungsmittelabfluss gebunden ist und deshalb im Unternehmen bleibt. Sie ist der Grund, warum Geld liegen bleibt, nicht die Quelle, aus der es kommt. Die Wirkungskette im Einzelnen:
âš3â© Schritt 1 â Investition: einmaliger Zahlungsmittelabfluss. Das Unternehmen kauft eine Maschine, etwa fĂŒr 100.000 EUR bei zehn Jahren Nutzungsdauer. Im Zeitpunkt der Anschaffung flieĂt der gesamte Betrag ab. Erfolgswirksam ist dieser Abfluss zunĂ€chst nicht: Aus Geld ist Anlagevermögen geworden, es handelt sich um einen bloĂen Aktivtausch in der Bilanz. Der Gewinn wird durch den Kauf also nicht gemindert.
âš4â© Schritt 2 â Abschreibung: Aufwand ohne Auszahlung. Ăber die Nutzungsdauer wird der Wertverzehr der Maschine als Abschreibung erfasst, bei linearer Abschreibung also 10.000 EUR pro Jahr. Diese Abschreibung mindert den Gewinn in der Gewinn- und Verlustrechnung, verursacht aber keinen Zahlungsmittelabfluss â das Geld ist bereits in Schritt 1 abgeflossen. Genau diese Eigenschaft, Aufwand ohne gleichzeitige Auszahlung zu sein, macht die Abschreibung fĂŒr die Finanzierung ĂŒberhaupt erst relevant.
âš5â© Schritt 3 â Kalkulation: Die Abschreibung geht in den Verkaufspreis ein. In der Kostenrechnung werden die Abschreibungen als Teil der Fixkosten auf die geplante Produktionsmenge verteilt und in die Selbstkosten einkalkuliert. Bei 10.000 EUR Abschreibung und 10.000 StĂŒck Jahresproduktion enthĂ€lt jedes StĂŒck also einen Abschreibungsanteil von 1,00 EUR. Der Verkaufspreis deckt damit rechnerisch auch den Wertverzehr der Maschine ab. Wichtig: An dieser Stelle ist noch nichts verdient â es ist zunĂ€chst nur eine Kalkulationsabsicht.
âš6â© Schritt 4 â Absatz: Zahlungsmittelzufluss, in dem der Abschreibungsanteil enthalten ist. Werden die Produkte tatsĂ€chlich zu diesem Preis verkauft und bezahlt, flieĂt der gesamte Verkaufserlös als Einzahlung zu â einschlieĂlich des einkalkulierten Abschreibungsanteils von 1,00 EUR je StĂŒck, im Beispiel also 10.000 EUR im Jahr. Erst jetzt ist die Abschreibung âverdient". Genau hier liegt der Unterschied, nach dem die Kommilitonin fragt: Wird zu billig verkauft, bleibt die Ware liegen oder zahlt der Kunde nicht, dann ist die Abschreibung zwar gebucht, aber nicht verdient â und es entsteht kein Finanzierungseffekt.
âš7â© Schritt 5 â Kapitalfreisetzung: Der Betrag bleibt liquide im Unternehmen. Von diesem Zufluss mĂŒssen die Auszahlungen fĂŒr Material, Löhne, Energie und Miete wieder abgehen. Der Abschreibungsanteil dagegen steht keinem Auszahlungsvorgang derselben Periode gegenĂŒber, denn die zugehörige Auszahlung lag in Schritt 1. Er bleibt also als frei verfĂŒgbare LiquiditĂ€t im Unternehmen zurĂŒck. Man sagt: Das im Anlagevermögen gebundene Kapital wird ĂŒber die Absatzpreise schrittweise wieder freigesetzt â daher der Begriff Kapitalfreisetzungseffekt. Buchhalterisch sichtbar wird das in der Kapitalflussrechnung, wo die Abschreibung zum JahresĂŒberschuss zurĂŒckaddiert wird, um vom Gewinn zum operativen Cashflow zu gelangen.
âš8â© Verwendung der freigesetzten Mittel und Einordnung als Innenfinanzierung. Die zurĂŒckgeflossenen BetrĂ€ge sind nicht zweckgebunden und stehen sofort zur VerfĂŒgung. Sie können erstens angesammelt und am Ende der Nutzungsdauer fĂŒr die Ersatzinvestition verwendet werden â dann hat sich die Maschine ĂŒber ihre eigenen Produkte refinanziert. Sie können zweitens sofort in zusĂ€tzliche Anlagen investiert werden, was zum KapazitĂ€tserweiterungseffekt fĂŒhrt. Sie können drittens zur Schuldentilgung oder zur Finanzierung des laufenden Betriebs eingesetzt werden â womit die ursprĂŒngliche Frage beantwortet ist: Ja, aus diesen Mitteln lassen sich laufende Betriebsausgaben bezahlen, aber eben nicht, weil abgeschrieben wurde, sondern weil verkauft wurde. Systematisch handelt es sich um Innenfinanzierung, genauer um Innenfinanzierung aus Vermögensumschichtung; es flieĂt kein Kapital von auĂen zu, und es entstehen weder Zins- noch MitspracheansprĂŒche Dritter.
âš+2â© Der KapazitĂ€tserweiterungseffekt (Lohmann-Ruchti-Effekt) im Detail. Werden die freigesetzten Abschreibungsgegenwerte nicht bis zum Ende der Nutzungsdauer angesammelt, sondern laufend in zusĂ€tzliche gleichartige Anlagen investiert, wĂ€chst der Maschinenpark, ohne dass neues Kapital zugefĂŒhrt wird. Der Grund: Die Abschreibungen flieĂen jĂ€hrlich zurĂŒck, die Ersatzbeschaffung wird aber erst nach Ablauf der Nutzungsdauer fĂ€llig â in der Zwischenzeit steht Kapital ungenutzt bereit. Entscheidend ist Rohleders PrĂ€zisierung: Erweitert wird nur die PeriodenkapazitĂ€t, nicht die KapazitĂ€t der Totalperiode. Ăber die gesamte Lebensdauer aller Anlagen hinweg lĂ€sst sich nicht mehr produzieren, weil auch die zusĂ€tzlich angeschafften Maschinen verschleiĂen; der Effekt zieht die KapazitĂ€t lediglich zeitlich nach vorn. Der KapazitĂ€tserweiterungsmultiplikator betrĂ€gt bei linearer Abschreibung und ohne Zinsen 2n/(n+1) â bei fĂŒnf Jahren Nutzungsdauer also 1,67; der oft zitierte Wert von etwa 2 ist nur der Grenzwert fĂŒr sehr lange Nutzungsdauern. Zinsen und Restwerte drĂŒcken den Faktor weiter.
âš+3â© Die PrĂ€missen, unter denen der Effekt ĂŒberhaupt funktioniert â in Rohleders ZĂ€hlung. (1) Die Abschreibungen werden am Markt verdient und flieĂen der Unternehmung in liquider Form zu â der Absatz muss stimmen und die Kunden mĂŒssen zahlen. (2) Die bilanziellen Abschreibungen entsprechen dem tatsĂ€chlichen Werteverzehr â im Kompass eine eigene PrĂŒffrage, deren Antwort schlicht âNein" lautet: Der reale Werteverzehr lĂ€uft nicht linear, und der Abschreibungszeitraum deckt sich selten mit dem Nutzungszeitraum. (3) Die Wiederbeschaffung gelingt zu unverĂ€nderten Preisen und in teilbaren Einheiten â bei Inflation reicht der abgeschriebene Anschaffungswert nicht aus (Scheingewinnproblematik). Rohleder hĂ€lt keine der Annahmen fĂŒr realistisch (âBeide Annahmen sind sehr unwahrscheinlich" zu 1 und 2, das ausdrĂŒckliche âNein" zu 2, âgerade der 3. Punkt ist sehr unwahrscheinlich"). ZusĂ€tzlich praktisch nötig: Die freigesetzten Mittel mĂŒssen sofort reinvestierbar sein, dĂŒrfen also weder ausgeschĂŒttet noch fĂŒr Tilgung verplant sein.
âš+4â© Abgrenzung zur Finanzierung aus RĂŒckstellungen und zur Gewinnthesaurierung. Alle drei sind Innenfinanzierung, wirken aber unterschiedlich. Abschreibungsfinanzierung: RĂŒckfluss bereits investierten Kapitals ĂŒber den Absatzpreis (Vermögensumschichtung). RĂŒckstellungsfinanzierung: Aufwand wird heute erfasst, die Auszahlung erfolgt erst spĂ€ter â in der Zwischenzeit steht der Betrag zur VerfĂŒgung (besonders wirksam bei langfristigen PensionsrĂŒckstellungen). Gewinnthesaurierung (Selbstfinanzierung): Erwirtschafteter Gewinn wird nicht ausgeschĂŒttet, sondern einbehalten, was zusĂ€tzlich das Eigenkapital erhöht. Nur die Thesaurierung stĂ€rkt die Eigenkapitalquote; die beiden anderen schichten lediglich um.
âš+5â© Der Steuereffekt, der oft ĂŒbersehen wird. Weil die Abschreibung den steuerpflichtigen Gewinn mindert, senkt sie die Steuerzahlung und wirkt damit ein zweites Mal liquiditĂ€tsschonend. Degressive oder Sonderabschreibungen verschieben diesen Effekt bewusst nach vorn â die Steuerersparnis ist dann ein zinsloser Kredit des Fiskus, der ĂŒber die Nutzungsdauer wieder zurĂŒckgefĂŒhrt wird (Steuerstundungseffekt).
âš+6â© Warum die Formulierung in der Frage typisch ist. Die Verwechslung entsteht, weil in der Kapitalflussrechnung die Abschreibung dem JahresĂŒberschuss hinzugerechnet wird. Das sieht aus, als brĂ€chte sie Geld. TatsĂ€chlich wird damit nur eine zuvor gewinnmindernde, aber zahlungsunwirksame Buchung wieder herausgerechnet, um vom Gewinn zum Cashflow zu kommen. Merksatz: Die Abschreibung ist im Cashflow eine KorrekturgröĂe, keine Einnahmequelle.
âš+7â© Warum die Kette an einer Stelle reiĂen kann â der Preisverfall. Sind die Marktpreise so unter Druck, dass sie nur noch die variablen Kosten decken, wird der einkalkulierte Abschreibungsanteil nicht mehr erlöst. Buchhalterisch wird weiter abgeschrieben, finanzwirtschaftlich flieĂt jedoch nichts zurĂŒck. Das Unternehmen verzehrt dann seine Substanz, ohne dass es an den Abschreibungsbuchungen erkennbar wĂ€re â ein Effekt, der sich erst Jahre spĂ€ter zeigt, wenn die Ersatzinvestition ansteht und das Geld fehlt.
âš+8â© Scheingewinne bei Inflation. Abgeschrieben wird von den historischen Anschaffungskosten. Steigen die Wiederbeschaffungspreise, reicht der zurĂŒckgeflossene Betrag fĂŒr die Ersatzbeschaffung nicht aus. Der ausgewiesene Gewinn ist insoweit ein Scheingewinn, denn er wird versteuert und möglicherweise ausgeschĂŒttet, obwohl er zur Substanzerhaltung gebraucht wĂŒrde. Betriebswirtschaftlich richtig wĂ€re eine kalkulatorische Abschreibung auf Wiederbeschaffungswerte â handelsrechtlich ist sie unzulĂ€ssig, in der Kostenrechnung aber ĂŒblich.
Rohleders Erwartung: Er will erstens die klare Ansage, dass die Abschreibung selbst kein Geld erzeugt, und zweitens die vollstĂ€ndige Kette von der Anschaffungsauszahlung ĂŒber die Einkalkulation in den Absatzpreis bis zum tatsĂ€chlichen Zahlungseingang. Das Wort âverdient" muss ausdrĂŒcklich erklĂ€rt werden, sonst ist die Frage nicht beantwortet.
b) 5 P. ErlÀutern Sie den Finanzierungsbedarf (= Nettofinanzierungbedarf) eines Unternehmens! Wie wird er ermittelt und wie lÀsst er sich grundsÀtzlich decken?
Vorbemerkung zur Begriffslogik. Die beiden Begriffe unterscheiden sich durch eine einzige Rechenoperation, und genau darauf zielt die Aufgabe. Der Finanzbedarf ist die BruttogröĂe: alles, was an Kapital gebraucht wird. Der Finanzierungsbedarf ist die NettogröĂe: das, was davon noch beschafft werden muss, weil es nicht aus eigener Kraft gedeckt ist. Die Merkformel lautet: Finanzbedarf ist ein Mittelverwendungsbegriff, Finanzierungsbedarf ein Mittelherkunftsbegriff.
a) 5 P. â Der Finanzbedarf (Bruttofinanzbedarf)
âš2â© Begriff und Wesen. Der Finanzbedarf ist der gesamte Kapitalbedarf, den ein Unternehmen in einem definierten Planungszeitraum benötigt, um seinen GeschĂ€ftsbetrieb aufrechtzuerhalten und die geplanten Vorhaben umzusetzen. Er ist eine BruttogröĂe, weil er sich ausschlieĂlich aus der Frage ergibt, wofĂŒr Geld gebraucht wird, und noch keinerlei Aussage darĂŒber trifft, woher es kommt. Ermittelt wird er aus der Finanzplanung: Aus dem Investitionsplan, dem Absatz- und Produktionsplan und der Gewinn- und Verlustplanung werden alle geplanten Auszahlungen periodengerecht abgeleitet und zeitlich verdichtet. Die Betonung liegt auf Auszahlungen und nicht auf Aufwendungen: Abschreibungen und RĂŒckstellungszufĂŒhrungen sind Aufwand, aber kein Zahlungsmittelabfluss und begrĂŒnden deshalb keinen Finanzbedarf. Wichtig ist auch die zeitliche Struktur: Nicht nur die Höhe zĂ€hlt, sondern der Zeitpunkt, denn ein Betrag, der erst in acht Monaten gebraucht wird, muss heute nicht beschafft sein. Er setzt sich aus drei Blöcken zusammen:
âš4â© Die drei Bestandteile. Erstens der Investitionsbedarf (langfristige Kapitalbindung im Anlagevermögen): Auszahlungen fĂŒr GrundstĂŒcke, GebĂ€ude, Maschinen, Fuhrpark, Betriebs- und GeschĂ€ftsausstattung, Software, Lizenzen sowie fĂŒr Beteiligungen. Kennzeichnend sind hohe EinzelbetrĂ€ge, lange Kapitalbindung und geringe ReversibilitĂ€t â deshalb sind sie fristenkongruent langfristig zu finanzieren. Zweitens der betriebsnotwendige Kapitalbedarf des Umlaufvermögens (Working Capital): Kapital, das im laufenden GeschĂ€ftsprozess gebunden ist, weil zwischen der Auszahlung fĂŒr Material, Löhne und Energie und der Einzahlung durch den Kunden Zeit vergeht. Konkret binden VorrĂ€te an Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen, unfertige und fertige Erzeugnisse sowie Forderungen aus Lieferungen und Leistungen Kapital; entlastend wirken Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, also Lieferantenkredite. Je lĂ€nger die Kapitalbindungsdauer â Lagerdauer zuzĂŒglich Kundenzahlungsziel abzĂŒglich Lieferantenzahlungsziel â, desto höher der Bedarf. Dieser Block wĂ€chst proportional mit dem Umsatz und ist deshalb der typische Grund, warum stark wachsende Unternehmen in LiquiditĂ€tsnot geraten. Drittens der Bedarf fĂŒr laufende Auszahlungen und die LiquiditĂ€tsreserve: Löhne und GehĂ€lter samt Sozialabgaben, Mieten, Energie, Versicherungen, Zins- und Tilgungsleistungen, Steuervorauszahlungen und geplante AusschĂŒttungen. Hinzu kommt ein bewusst vorgehaltener Sicherheitspuffer fĂŒr Prognosefehler, unerwartete ZahlungsausfĂ€lle und Sonderereignisse â im VUCA-Umfeld ein eigenstĂ€ndiger, nicht mehr vernachlĂ€ssigbarer Bestandteil.
âš5â© Warum die Ermittlung praktisch schwierig ist. Der Finanzbedarf ist keine ablesbare BilanzgröĂe, sondern das Ergebnis einer Prognose. Er hĂ€ngt an Annahmen ĂŒber Absatzmengen, Preise, Zahlungsverhalten der Kunden und Lieferfristen; er schwankt saisonal erheblich, weshalb ein Jahresdurchschnitt in die Irre fĂŒhrt und die Planung mindestens monatlich, in kritischen Phasen wöchentlich zu fĂŒhren ist. Und er ist teilweise gestaltbar: KĂŒrzere Zahlungsziele fĂŒr Kunden, lĂ€ngere fĂŒr Lieferanten, kleinere LagerbestĂ€nde oder Leasing statt Kauf senken den Bedarf, bevor ĂŒberhaupt ĂŒber die Beschaffung gesprochen wird.
b) 5 P. â Der Finanzierungsbedarf (Nettofinanzierungsbedarf)
âš2â© Begriff und Ermittlung. Der Finanzierungsbedarf ist der Teil des Finanzbedarfs, der nicht aus eigener Kraft gedeckt werden kann und deshalb tatsĂ€chlich am Kapitalmarkt oder bei Kapitalgebern beschafft werden muss. Er ergibt sich als Differenz:
Die abzuziehenden eigenen Mittel sind vor allem: der operative Cashflow der Planperiode, also die aus dem laufenden GeschĂ€ft erwirtschafteten EinzahlungsĂŒberschĂŒsse einschlieĂlich der verdienten Abschreibungen und der einbehaltenen Gewinne; der vorhandene Bestand an liquiden Mitteln aus Kasse, Bankguthaben und kurzfristigen Geldanlagen; sowie Desinvestitionen, also Einzahlungen aus dem Verkauf nicht betriebsnotwendiger VermögensgegenstĂ€nde. Praktisch wird der Wert nicht als Jahressumme, sondern als Zeitreihe ermittelt: Der Finanzplan stellt Ein- und Auszahlungen periodengerecht gegenĂŒber, und die kumulierte Unterdeckung an der ungĂŒnstigsten Stelle bestimmt Höhe und Zeitpunkt des Beschaffungsbedarfs. Ein rechnerisch ausgeglichener Jahresplan kann unterjĂ€hrig eine erhebliche LĂŒcke aufweisen â und genau diese ist zu finanzieren.
âš4â© Deckungsmöglichkeiten. GrundsĂ€tzlich stehen drei Wege offen, die sich nach der Herkunft der Mittel systematisieren lassen. Erstens die Innenfinanzierung: Die Mittel entstehen im Unternehmen selbst. Dazu zĂ€hlen die Selbstfinanzierung durch Gewinnthesaurierung, also den Verzicht auf AusschĂŒttung, die Finanzierung aus verdienten Abschreibungen, bei der ĂŒber die Absatzpreise gebundenes Kapital zurĂŒckflieĂt, die Finanzierung aus RĂŒckstellungen, insbesondere aus langfristigen PensionsrĂŒckstellungen, sowie die Finanzierung aus Vermögensumschichtung durch Abbau von VorrĂ€ten und Forderungen oder Verkauf nicht betriebsnotwendiger Anlagen. Vorteil: keine Zinsen, keine Sicherheiten, keine Mitspracherechte Dritter; Nachteil: begrenzte Höhe und AbhĂ€ngigkeit von der Ertragslage. Zweitens die AuĂenfinanzierung mit Eigenkapital: Einlagen der bisherigen Gesellschafter, Aufnahme neuer Gesellschafter, Kapitalerhöhung durch Ausgabe junger Aktien, Beteiligungskapital von Private-Equity- oder Venture-Capital-Gebern. Vorteil: stĂ€rkt die Eigenkapitalquote, verbessert das Rating und begrĂŒndet keine RĂŒckzahlungspflicht; Nachteil: VerwĂ€sserung der Anteile und Abgabe von Mitspracherechten, zudem teurer, weil Eigenkapitalgeber eine höhere Rendite verlangen. Drittens die AuĂenfinanzierung mit Fremdkapital: Bankdarlehen, Kontokorrentkredit als kurzfristiger Puffer, Anleihen, Schuldscheindarlehen, Lieferantenkredit, Leasing und Factoring als Sonderformen sowie Förderkredite und ZuschĂŒsse öffentlicher Stellen. Vorteil: keine Mitsprache, steuerlich abzugsfĂ€hige Zinsen und bei eine positive Hebelwirkung auf die Eigenkapitalrendite; Nachteil: feste Zins- und Tilgungspflichten unabhĂ€ngig von der Ertragslage, Sicherheiten, Covenants und steigendes Insolvenzrisiko. Zwischen beiden steht die Mezzanine-Finanzierung â Nachrangdarlehen, stille Beteiligungen, Genussrechte, Wandel- und Optionsanleihen â, die eigen- und fremdkapitalĂ€hnliche Merkmale verbindet.
âš5â© Was der Befund fĂŒr den Treasurer bedeutet. Wird ein erheblicher Nettofinanzierungsbedarf festgestellt, hat der Treasurer eine klare Aufgabe: Er muss die LĂŒcke rechtzeitig vor ihrem Eintreten schlieĂen, denn eine im Plan sichtbare Unterdeckung, die nicht gedeckt wird, fĂŒhrt zur ZahlungsunfĂ€higkeit und damit zur Insolvenzantragspflicht. Er wĂ€hlt dabei nicht nur die Höhe, sondern auch die Fristigkeit â langfristiger Bedarf ist langfristig zu finanzieren (goldene Finanzierungsregel), kurzfristige Spitzen ĂŒber Kreditlinien â, die Kosten und die Auflagen. Wichtig ist der zeitliche Vorlauf: Verhandlungen mit Banken, PrĂŒfung von Sicherheiten und gegebenenfalls eine Emission brauchen Monate. Der eigentliche Wert der Planung liegt deshalb nicht in der Zahl, sondern im Vorlauf, den sie verschafft.
âš+2â© Die drei TeilplĂ€ne der Finanzplanung und ihr Zusammenhang. Die Erfolgsplanung (Plan-GuV) zeigt, ob das GeschĂ€ftsmodell profitabel ist â sie arbeitet mit ErtrĂ€gen und Aufwendungen und ist periodisiert. Die Bilanzplanung zeigt, wie sich Vermögen und Kapital entwickeln, also wo Kapital gebunden wird und woher es stammt. Die LiquiditĂ€tsplanung zeigt, ob das Unternehmen jederzeit zahlungsfĂ€hig bleibt â sie arbeitet ausschlieĂlich mit Ein- und Auszahlungen. Die drei sind rechnerisch verbunden: Der geplante Gewinn flieĂt in das Eigenkapital der Planbilanz, die BilanzverĂ€nderungen bestimmen die Kapitalbindung, und die daraus abgeleiteten Zahlungsströme ergeben die LiquiditĂ€tsplanung. Wer nur die Erfolgsplanung fĂŒhrt, sieht die Insolvenz nicht kommen â daher der Satz âProfit is an opinion, cash is a fact".
âš+4â© Innen- gegen AuĂenfinanzierung â warum die Begriffe missverstĂ€ndlich sind. Die Bezeichnungen suggerieren einen rĂ€umlichen Ursprung, gemeint ist aber etwas anderes: ob die Mittel aus dem Umsatzprozess stammen oder von Kapitalgebern zugefĂŒhrt werden. Besonders deutlich wird die SchwĂ€che bei der Abschreibungsfinanzierung, die als Innenfinanzierung gilt, obwohl das Geld unzweifelhaft von auĂen kommt, nĂ€mlich vom Kunden. Ein treffenderes Begriffspaar wĂ€re daher umsatzbedingte gegen kapitalgeberbedingte Finanzierung oder erwirtschaftete gegen zugefĂŒhrte Mittel.
âš+6â© Die goldene Finanzierungs- und Bilanzregel. Die goldene Finanzierungsregel verlangt Fristenkongruenz: Langfristig gebundenes Vermögen ist langfristig zu finanzieren, kurzfristig gebundenes kurzfristig. Die goldene Bilanzregel konkretisiert das: Das Anlagevermögen soll im engen Sinn durch Eigenkapital, im weiten Sinn durch Eigenkapital zuzĂŒglich langfristigem Fremdkapital gedeckt sein. VerstöĂe fĂŒhren zur Fristentransformation und damit zum Anschlussfinanzierungsrisiko: Wird eine Maschine mit zehn Jahren Nutzungsdauer ĂŒber den Kontokorrent finanziert, genĂŒgt die KĂŒndigung der Kreditlinie, um das Unternehmen zahlungsunfĂ€hig zu machen.
âš+8â© Rollierende Planung als Antwort auf das VUCA-Umfeld. Statt einmal jĂ€hrlich einen starren Plan aufzustellen, wird nach jeder abgeschlossenen Periode eine neue hinten angehĂ€ngt und der Gesamtplan mit Ist-Werten aktualisiert. Der Planungshorizont bleibt dadurch konstant â typisch zwölf oder achtzehn Monate â, die Datenbasis bleibt aktuell, und Abweichungen werden frĂŒh sichtbar. Der Detailgrad nimmt mit der Entfernung ab: die nĂ€chsten Wochen taggenau, die nĂ€chsten Monate monatsgenau, die Folgejahre nur noch grob. Nachteil ist der laufende Aufwand, weshalb sich die Methode nur mit weitgehend automatisierter Datenanbindung lohnt.
âš+9â© Wie sich der Bruttofinanzbedarf aktiv senken lĂ€sst â Working-Capital-Management. VorrĂ€te reduzieren durch bedarfsnahe Beschaffung und Konsignationslager; Forderungslaufzeit verkĂŒrzen durch schnellere Rechnungsstellung, Skonto, konsequentes Mahnwesen und Factoring; Lieferantenziele verlĂ€ngern; Anzahlungen von Kunden vereinbaren; Leasing statt Kauf. Jeder dieser Hebel senkt den Kapitalbedarf, bevor ĂŒber Beschaffung gesprochen werden muss â und verbessert zugleich den ROI, weil er den Nenner verkleinert.
âš+10â© Merksatz fĂŒr die Klausur. Finanzbedarf: âWofĂŒr brauche ich Geld?" â Mittelverwendung, brutto. Finanzierungsbedarf: âWoher bekomme ich das, was mir fehlt?" â Mittelherkunft, netto. Wer beide Begriffe in einer Antwort synonym verwendet, hat die Aufgabe verfehlt, auch wenn der Inhalt im Ăbrigen stimmt.
Rohleders Erwartung: Er prĂŒft hier eine Begriffsunterscheidung, keine AufzĂ€hlung von Finanzierungsformen. Der Kern muss ausgesprochen werden: Brutto ist der gesamte Kapitalbedarf, Netto die verbleibende LĂŒcke nach Abzug der aus eigener Kraft verfĂŒgbaren Mittel. Erst danach kommen die Bestandteile und die Deckungswege.
b) 4 P. ErlÀutern Sie zwei Ziele der strategischen Finanzplanung!
c) 4 P. ErlÀutern Sie zwei Ziele der operativen Finanzplanung!
a) 6 P. â Die beiden Begriffe
âš2â© Strategische Finanzplanung. Sie ist die langfristige Ausrichtung der finanziellen Ressourcen des Unternehmens, ĂŒblicherweise ĂŒber drei bis fĂŒnf Jahre oder lĂ€nger. Gegenstand sind nicht einzelne Zahlungen, sondern Rahmenentscheidungen: Wie soll das Unternehmen wachsen, welche Investitionsschwerpunkte werden gesetzt, welche Kapitalstruktur wird angestrebt, welche Finanzierungsquellen sollen erschlossen werden? Gearbeitet wird mit GröĂenordnungen und Szenarien, nicht mit Einzelbelegen.
âš4â© Operative Finanzplanung. Sie leitet aus der Strategie die kurzfristigen, konkreten Zahlen ab, typischerweise fĂŒr ein GeschĂ€ftsjahr, heruntergebrochen auf Quartale, Monate oder bei angespannter Lage auf Wochen und Tage. Gegenstand sind die tatsĂ€chlichen Ein- und Auszahlungen: UmsatzeingĂ€nge, Lieferantenrechnungen, Löhne, Steuern, Zins und Tilgung. Ziel ist die jederzeitige ZahlungsfĂ€higkeit und die Einhaltung der Ergebnisvorgaben.
âš5â© Die Unterscheidungsmerkmale. Sie unterscheiden sich in vier Dimensionen: Zeithorizont (mehrjĂ€hrig gegen unterjĂ€hrig), Detailgrad (grobe GröĂenordnungen gegen einzelne Zahlungsströme), Aggregationsebene (Gesamtunternehmen gegen Bereiche und Konten) und ĂnderungshĂ€ufigkeit (jĂ€hrliche Fortschreibung gegen laufende Aktualisierung).
âš6â© Die Verzahnung. Beide Ebenen sind kein Gegensatz, sondern eine Kette: Die Strategie gibt den Rahmen vor, die operative Planung fĂŒllt ihn und meldet ĂŒber die Abweichungsanalyse zurĂŒck, ob der strategische Plan ĂŒberhaupt finanzierbar ist. Fehlt die RĂŒckkopplung, entsteht entweder eine Strategie ohne Zahlungsdeckung oder ein operatives Kurzfristmanagement ohne Richtung.
b) 4 P. â Zwei Ziele der strategischen Finanzplanung
âš2â© Langfristige Sicherung der FinanzierungsfĂ€higkeit. Sie soll sicherstellen, dass fĂŒr die geplanten Investitionen, fĂŒr Wachstum und fĂŒr den Kapitaldienst rechtzeitig ausreichend Kapital verfĂŒgbar ist. Dazu gehört, den Finanzbedarf mehrjĂ€hrig zu prognostizieren, Finanzierungsquellen frĂŒhzeitig zu erschlieĂen und Fristenkongruenz herzustellen: Langfristig gebundenes Vermögen ist langfristig zu finanzieren.
âš4â© Optimierung der Kapitalstruktur. Das VerhĂ€ltnis von Eigen- zu Fremdkapital soll so gestaltet werden, dass die Kapitalkosten minimiert und die RisikotragfĂ€higkeit erhalten bleiben. Solange die GesamtkapitalrentabilitĂ€t ĂŒber dem Fremdkapitalzins liegt, steigert zusĂ€tzliches Fremdkapital die Eigenkapitalrendite (Leverage-Chance); zugleich erhöht es das Risiko und verschlechtert Rating und Kreditkonditionen. Die strategische Finanzplanung muss diesen Zielkonflikt bewusst austarieren.
c) 4 P. â Zwei Ziele der operativen Finanzplanung
âš2â© Sicherstellung der jederzeitigen ZahlungsfĂ€higkeit. Vorrangiges Ziel ist die Vermeidung von IlliquiditĂ€t, denn ZahlungsunfĂ€higkeit ist ein Insolvenzgrund und fĂŒhrt zur Zerschlagung des Unternehmens â unabhĂ€ngig davon, wie profitabel es rechnerisch ist. Dazu werden Ein- und Auszahlungen zeitgenau gegenĂŒbergestellt, DeckungslĂŒcken frĂŒhzeitig erkannt und ĂŒber Kreditlinien, Zahlungszielverhandlungen oder Factoring geschlossen.
âš4â© Steuerung und Kontrolle der laufenden Zahlungen und Kosten. Die operative Planung liefert den Soll-Wert, gegen den laufend der Ist-Wert gestellt wird. Ăber die Abweichungsanalyse werden KostenĂŒberschreitungen, ausbleibende ZahlungseingĂ€nge und schleichender Aufbau von VorrĂ€ten oder Forderungen sichtbar, bevor sie liquiditĂ€tswirksam werden. Zugleich lassen sich ĂberschĂŒsse gezielt kurzfristig anlegen, statt unverzinst auf dem Konto zu liegen.
âš+2â© Die drei TeilplĂ€ne der Finanzplanung. Rohleder gliedert die Finanzplanung in Investitionsplan (welche Mittel werden langfristig gebunden?), Finanzierungsplan (woher kommen die Mittel?) und LiquiditĂ€tsplan (reicht das Geld zu jedem Zeitpunkt?). Erst alle drei zusammen beantworten die Frage, ob ein Unternehmen finanziell erfolgreich ist â RentabilitĂ€t ohne LiquiditĂ€t fĂŒhrt genauso in die Insolvenz wie umgekehrt.
âš+4â© Die taktische Zwischenebene. Zwischen Strategie und Operativem liegt in vielen Unternehmen eine taktische Ebene mit ein- bis dreijĂ€hrigem Horizont, die die Mittelfristplanung, das Budget und die Investitionsfreigabe umfasst. Wer diese Ebene benennt, zeigt, dass er die Kaskade von der Vision bis zur WochenliquiditĂ€t verstanden hat.
âš+6â© Rollierende Planung als moderne Antwort. Statt einmal jĂ€hrlich einen starren Plan aufzustellen, wird der Planungshorizont laufend um die abgelaufene Periode verlĂ€ngert und die Planung aktualisiert. Das erhĂ€lt den vollen Vorausblick, ersetzt den Jahresendeffekt durch gleichmĂ€Ăige Steuerung und passt zum volatilen VUCA-Umfeld. Preis ist der höhere Planungsaufwand.
âš+8â© Finanzbedarf gegen Finanzierungsbedarf. Der Bruttofinanzbedarf umfasst den gesamten Kapitalbedarf aus Investitionen, Working Capital und Kapitaldienst. Zieht man davon die selbst erwirtschafteten Mittel und vorhandene BestĂ€nde ab, bleibt der Nettofinanzierungsbedarf â nur dieser muss extern beschafft werden. Ein erheblicher Nettofinanzierungsbedarf ist die Arbeitsanweisung an den Treasurer.
âš+10â© Gegenstromverfahren. In der Praxis wird weder rein von oben (Top-down) noch rein von unten (Bottom-up) geplant, sondern im Gegenstrom: Vorgabe der Eckwerte durch die Leitung, Detailplanung durch die Bereiche, Abgleich und Verdichtung. Das erzeugt sowohl strategische Konsistenz als auch operative RealitĂ€tsnĂ€he und Akzeptanz.
âš+12â© Der typische Praxisfehler. Die hĂ€ufigste SchwĂ€che ist die fehlende RĂŒckkopplung: Strategiepapiere ohne Zahlungsdeckung auf der einen, LiquiditĂ€tsplanung ohne Bezug zur Strategie auf der anderen Seite. Das Symptom sind Investitionsentscheidungen, die im Nachhinein an der Finanzierung scheitern â ein gutes Schlussargument fĂŒr a).
âš+13â© Die Kontrollfragen fĂŒr finanziellen Erfolg. Rohleder prĂŒft die Finanzplanung an drei Fragen: Ist das Unternehmen jederzeit zahlungsfĂ€hig? Erwirtschaftet es eine angemessene Verzinsung des eingesetzten Kapitals? Ist die Kapitalstruktur so stabil, dass es RĂŒckschlĂ€ge ĂŒbersteht? LiquiditĂ€t, RentabilitĂ€t und StabilitĂ€t sind damit die ZielgröĂen, an denen sich beide Planungsebenen messen lassen mĂŒssen.
âš+14â© Fristenkongruenz als goldene Bilanzregel. Langfristig gebundenes Vermögen ist langfristig zu finanzieren, kurzfristiges kurzfristig. VerstöĂe dagegen â etwa die Finanzierung einer Maschine ĂŒber den Kontokorrent â sind der hĂ€ufigste strukturelle Planungsfehler und ein Standardargument in Teilaufgabe b).
Rohleders Erwartung: Bei a) verlangt das Wort âausfĂŒhrlich" mehr als zwei DefinitionssĂ€tze â er will Zeithorizont, Detailgrad, Inhalte und ausdrĂŒcklich die Verzahnung beider Ebenen. Bei b) und c) mĂŒssen die Ziele erkennbar zur jeweiligen Ebene passen; LiquiditĂ€tssicherung darf nicht zweimal auftauchen.
10 P. â Systematische Darstellung in fĂŒnf Kategorien
âš2â© Kategorie 1 â Operative Auszahlungen des laufenden Betriebs. Sie machen den gröĂten und regelmĂ€Ăigsten Block aus: Material und Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe einschlieĂlich Vorprodukten; Personalauszahlungen aus Löhnen, GehĂ€ltern, Arbeitgeberanteilen zur Sozialversicherung, Urlaubs- und Weihnachtsgeld; Fertigungsauszahlungen fĂŒr Energie, Instandhaltung, Werkzeuge und Fremdleistungen; Verwaltungs- und Vertriebsauszahlungen fĂŒr Mieten, IT, Versicherungen, Marketing und Reisen sowie Logistik fĂŒr Transport, Lagerhaltung und Versand. Charakteristisch ist die hohe Frequenz: Löhne monatlich, Lieferanten nach Zahlungsziel, Energie nach Abschlagsplan.
âš4â© Kategorie 2 â Investitionsauszahlungen. Ersatz- und Erweiterungsinvestitionen in Maschinen und Anlagen, Auszahlungen fĂŒr GebĂ€ude, Betriebs- und GeschĂ€ftsausstattung sowie Instandsetzungen mit Investitionscharakter, dazu Entwicklungsauszahlungen fĂŒr neue Produkte und Verfahren. Kennzeichnend ist die Klumpigkeit: wenige, sehr groĂe BetrĂ€ge zu terminierten Zeitpunkten, hĂ€ufig mit Anzahlungen bei Bestellung. Genau diese Zahlungen bringen die LiquiditĂ€tsplanung zum Kippen, wenn sie nicht terminiert eingeplant sind.
âš6â© Kategorie 3 â Kapitaldienst und Finanzierungsauszahlungen. Zinszahlungen auf Kontokorrent, Darlehen und Anleihen, planmĂ€Ăige und auĂerplanmĂ€Ăige Tilgungen, Leasing- und Mietkaufraten sowie Bereitstellungszinsen und Avalprovisionen. Diese Zahlungen sind vertraglich fixiert, also weder verschiebbar noch verhandelbar, und haben deshalb in der Planung Vorrang.
âš8â© Kategorie 4 â Steuern und öffentliche Abgaben. Vorauszahlungen und Abschlusszahlungen auf Körperschaft- bzw. Einkommensteuer und Gewerbesteuer, die Umsatzsteuer-Zahllast aus der Voranmeldung, Lohnsteuer und SozialversicherungsbeitrĂ€ge als Arbeitgeber sowie Zölle, Energie- und Umweltabgaben. Die Termine sind gesetzlich vorgegeben und fallen typischerweise geballt an; die SozialversicherungsbeitrĂ€ge sind bereits im drittletzten Bankarbeitstag des laufenden Monats fĂ€llig.
âš10â© Kategorie 5 â AusschĂŒttungen und sonstige, teils unplanbare AbflĂŒsse. GewinnausschĂŒttungen und Dividenden an Gesellschafter, Auszahlungen aus zuvor gebildeten RĂŒckstellungen wie Garantie-, Prozess- oder Pensionsverpflichtungen, Abfindungen bei Personalanpassungen, Vertragsstrafen, Schadenersatz und BuĂgelder sowie der Aufbau von Working Capital, wenn VorrĂ€te oder Forderungen wachsen. FĂŒr diese Gruppe ist ein LiquiditĂ€tspuffer bzw. eine ungenutzte Kreditlinie vorzuhalten, weil sie sich nicht vollstĂ€ndig terminieren lĂ€sst.
âš+2â© Die Systematik ĂŒber eine zweite Achse schĂ€rfen. Neben der sachlichen Gliederung ist die zeitliche entscheidend: monatlich wiederkehrend (Löhne, Mieten, AbschlĂ€ge), quartalsweise (Steuervorauszahlungen), jĂ€hrlich (AusschĂŒttung, Boni, Versicherungen) und einmalig terminiert (Investitionen). ZusĂ€tzlich lĂ€sst sich nach Beeinflussbarkeit sortieren â fixiert und unverschiebbar gegenĂŒber disponibel. Wer diese zweite Achse einzieht, beantwortet das Wort âsystematisch" wirklich.
âš+4â© Einordnung in die drei TeilplĂ€ne. Die operativen AbflĂŒsse gehören in den LiquiditĂ€tsplan, die Investitionsauszahlungen in den Investitionsplan, Kapitaldienst und Kapitalaufnahme in den Finanzierungsplan. Alle drei mĂŒnden in eine rollierende LiquiditĂ€tsvorschau, meist auf 13 Wochen. Damit ist die Aufgabe nicht nur eine AufzĂ€hlung, sondern in Rohleders Planungssystematik verankert.
âš+6â© Working Capital als versteckter LiquiditĂ€tsfresser. Wachstum bindet Geld: Steigende UmsĂ€tze erhöhen VorrĂ€te und Forderungen, bevor die Einzahlungen ankommen. Der Cash Conversion Cycle aus Lager-, Forderungs- und Lieferantenlaufzeit misst, wie viele Tage das Unternehmen vorfinanzieren muss. Genau hier gehen profitable Unternehmen in die Insolvenz â das ist die stĂ€rkste Verbindung zum Aufgabentext.
âš+8â© Der Insolvenzgrund prĂ€zise benennen. ZahlungsunfĂ€higkeit nach § 17 InsO liegt vor, wenn das Unternehmen fĂ€llige Zahlungspflichten nicht mehr erfĂŒllen kann; die Rechtsprechung zieht die Grenze bei einer DeckungslĂŒcke von 10 % ĂŒber mehr als drei Wochen. Daneben stehen Ăberschuldung (§ 19) und die nur vom Schuldner selbst nutzbare drohende ZahlungsunfĂ€higkeit (§ 18). Die Antragspflicht besteht spĂ€testens drei Wochen nach Eintritt.
âš+10â© Gegensteuerung, wenn eine LĂŒcke sichtbar wird. Auf der Abflussseite: Zahlungsziele verhandeln, Skonto bewusst gegen LiquiditĂ€t abwĂ€gen, Investitionen strecken, Leasing statt Kauf. Auf der Zuflussseite: Forderungsmanagement und Mahnwesen, Anzahlungen, Factoring, Abbau von BestĂ€nden. Auf der Finanzierungsseite: Kontokorrentlinie erweitern, Fristigkeiten anpassen. Ein Schlussabsatz mit diesen Hebeln rundet die Antwort ab.
Rohleders Erwartung: Er will erkennbare Systematik, nicht eine Liste â Kategorien mit Beispielen, idealerweise ergĂ€nzt um die zeitliche FĂ€lligkeit. Der Bezug zurĂŒck auf den Aufgabentext, dass IlliquiditĂ€t und nicht UnrentabilitĂ€t das Unternehmen sofort tötet, sollte im Schlusssatz stehen.
a) 4 P. ErlÀutern Sie mit eigenen Worten, was mit der Aussage gemeint ist.
b) 6 P. ErlÀutern Sie drei unternehmerische Gestaltungsmöglichkeiten, die die Aussagekraft des operativen Cashflows erheblich einschrÀnken können.
a) 4 P. â Bedeutung der Aussage
âš2â© Der Gewinn ist eine Meinung. Der JahresĂŒberschuss ist keine gemessene, sondern eine ermittelte GröĂe. Er entsteht aus Bewertungen, SchĂ€tzungen und Wahlrechten: Abschreibungsmethode und Nutzungsdauer, Höhe von RĂŒckstellungen, Bewertung von VorrĂ€ten und Forderungen, Periodenabgrenzung, Aktivierung von Entwicklungsaufwand. Zwei Bilanzierende können denselben Sachverhalt regelkonform unterschiedlich abbilden und zu deutlich verschiedenen Gewinnen kommen. Der Gewinn ist damit ein bilanzpolitisches Ergebnis und insoweit tatsĂ€chlich eine Meinung.
âš4â© Der Zahlungsstrom ist eine Tatsache. Ob Geld auf dem Konto eingegangen oder abgeflossen ist, lĂ€sst sich nicht bewerten, sondern nur feststellen; es ist durch KontoauszĂŒge objektiv belegbar. Deshalb ist der Cashflow die hĂ€rtere Beurteilungsgrundlage fĂŒr ZahlungsfĂ€higkeit und finanzielle StabilitĂ€t â und deshalb ist der Insolvenzgrund die IlliquiditĂ€t und nicht der ausgewiesene Verlust. Ein Unternehmen kann jahrelang Gewinne ausweisen und dennoch zahlungsunfĂ€hig werden; umgekehrt kann es Verluste ausweisen und liquide bleiben.
b) 6 P. â Drei Gestaltungsmöglichkeiten, die den operativen Cashflow verzerren
âš2â© Zeitliche Verschiebung von Zahlungen um den Stichtag. Werden Lieferantenrechnungen kurz vor dem Bilanzstichtag bewusst nicht bezahlt, Investitionen und Instandhaltung in das Folgejahr geschoben und gleichzeitig Kunden mit NachlĂ€ssen zur vorzeitigen Zahlung bewegt, steigt der operative Cashflow der Periode, ohne dass sich am GeschĂ€ft etwas geĂ€ndert hat. Der Effekt kehrt sich in der Folgeperiode zwingend um â der Stichtagswert ist damit fĂŒr die Beurteilung der Ertragskraft wertlos.
âš4â© Vorziehen kĂŒnftiger ZahlungseingĂ€nge durch Factoring und Forderungsverkauf. Beim Verkauf von Forderungen flieĂt Geld sofort, das ohne diese MaĂnahme erst spĂ€ter eingegangen wĂ€re. Der operative Cashflow steigt einmalig sprunghaft, obwohl weder mehr verkauft noch besser gewirtschaftet wurde; tatsĂ€chlich wird fĂŒr die vorgezogene LiquiditĂ€t ein Abschlag bezahlt. Vergleichbar wirken Sale-and-lease-back sowie umgekehrtes Factoring, bei dem Lieferantenverbindlichkeiten in Finanzverbindlichkeiten umgewandelt und damit aus dem operativen Bereich herausgehalten werden.
âš6â© Verschieben von Posten zwischen den Cashflow-Bereichen und Einbeziehen einmaliger Effekte. Der Cashflow wird in einen operativen, einen Investitions- und einen Finanzierungsbereich gegliedert; die Zuordnung einzelner Posten ist jedoch teils wahlrechtsbehaftet, etwa bei gezahlten Zinsen oder erhaltenen Dividenden. Werden zusĂ€tzlich einmalige ZuflĂŒsse aus dem Verkauf von VermögensgegenstĂ€nden, aus der Auflösung von RĂŒckstellungen oder aus VersicherungsentschĂ€digungen im operativen Bereich ausgewiesen, erscheint dieser nachhaltiger, als er ist. Auch der Abbau von VorrĂ€ten und Forderungen erhöht den operativen Cashflow einmalig â im Extremfall ist ein hoher Wert Ausdruck einer Schrumpfung und kein Erfolgssignal.
âš+2â© Rohleders eigene Kurzfassung. Im Kompass formuliert er es so: Die Bilanz lĂ€sst sich mit Werkzeugen wie den Abschreibungen so verĂ€ndern, dass der JahresĂŒberschuss höher ausfĂ€llt; der Cashflow ist gegen solche EinflĂŒsse immun. Gewinn gleich bilanzpolitischer Ermessensspielraum, Geldfluss gleich nicht gestaltbar â diese Zuspitzung sollte in der Antwort wörtlich anklingen.
âš+4â© Die konkreten Bilanzierungswahlrechte benennen. Lineare gegen degressive Abschreibung, LĂ€nge der angesetzten Nutzungsdauer, Bewertungsspielraum bei RĂŒckstellungen und Pensionsverpflichtungen, Verbrauchsfolgeverfahren bei VorrĂ€ten, Einbeziehungswahlrechte bei den Herstellungskosten, Aktivierung selbst geschaffener immaterieller VermögensgegenstĂ€nde, Umfang der Wertberichtigungen auf Forderungen. Wer drei bis vier davon nennt, belegt die These aus a) statt sie nur zu behaupten.
âš+6â© Direkte und indirekte Ermittlung des Cashflows. Direkt: Einzahlungen minus Auszahlungen der Periode. Indirekt: JahresĂŒberschuss plus Abschreibungen plus Zunahme langfristiger RĂŒckstellungen, korrigiert um BestandsverĂ€nderungen bei VorrĂ€ten und Forderungen sowie um nicht zahlungswirksame ErtrĂ€ge. Der indirekte Weg ist der ĂŒbliche â und er zeigt zugleich, dass der Cashflow indirekt eben doch am manipulierbaren Gewinn ansetzt.
âš+8â© Free Cashflow als schwerer manipulierbare GröĂe. Der Free Cashflow ist der operative Cashflow abzĂŒglich der Investitionsauszahlungen. Wer Investitionen verschiebt, um den operativen Cashflow zu schonen, verbessert den Free Cashflow gerade nicht dauerhaft, weil der Nachholbedarf sichtbar bleibt. Ăber mehrere Jahre betrachtet ist er deshalb die belastbarste Kennzahl.
âš+10â© Praktische Konsequenz fĂŒr die Analyse. Man betrachtet den Cashflow ĂŒber mehrere Perioden statt zu einem Stichtag, vergleicht ihn mit dem ausgewiesenen Gewinn (dauerhaft hoher Gewinn bei niedrigem Cashflow ist ein Warnsignal), prĂŒft die VerĂ€nderung des Working Capital und liest den Anhang zu Factoring und Sale-and-lease-back. Die Bilanzskandale von Enron bis Wirecard folgen genau diesem Muster.
Rohleders Erwartung: In a) will er die BewertungsabhĂ€ngigkeit des Gewinns gegen die NachprĂŒfbarkeit des Zahlungsstroms gestellt sehen, gern mit dem Hinweis auf IlliquiditĂ€t als Insolvenzgrund. In b) erwartet er echte unternehmerische Gestaltungen mit Wirkungsrichtung, nicht allgemeine Bilanzkritik.
6 P. â Sechs weitere Gestaltungsparameter
âš1â© Tilgungsstruktur. Ob endfĂ€llig, annuitĂ€tisch mit gleichbleibender Rate, als Ratendarlehen mit gleichbleibender Tilgung oder mit tilgungsfreien Anlaufjahren zurĂŒckgezahlt wird, bestimmt die zeitliche Verteilung der LiquiditĂ€tsbelastung. Bei einer Investition, die erst nach zwei Jahren ErtrĂ€ge abwirft, sind Tilgungsfreijahre der entscheidende Verhandlungspunkt.
âš2â© Auszahlungskurs (Disagio) und AuszahlungsmodalitĂ€ten. Wird das Darlehen unter dem Nominalbetrag ausgezahlt, liegt der Effektivzins ĂŒber dem Nominalzins, weil Zins und Tilgung auf den vollen Nennbetrag berechnet werden. Zu verhandeln sind auĂerdem Abrufplan und Auszahlungstermine, damit Mittel erst dann flieĂen, wenn sie gebraucht werden.
âš3â© Bereitstellungszinsen und GebĂŒhren. FĂŒr zugesagte, aber noch nicht abgerufene Mittel verlangen Banken Bereitstellungszinsen; hinzu kommen Bearbeitungs-, SchĂ€tz- und AvalgebĂŒhren. Verhandelbar sind Höhe, vor allem aber die bereitstellungszinsfreie Zeit â bei Bauvorhaben mit verzögertem Abruf ist das ein erheblicher Kostenblock.
âš4â© Art, Umfang und Bewertung der Sicherheiten. Grundpfandrechte, SicherungsĂŒbereignung von Maschinen, Forderungsabtretung (Zession), BĂŒrgschaften der Gesellschafter oder Förderbanken sind einzeln verhandelbar. Zu klĂ€ren sind auch die Beleihungsquote, die Freigabe von Sicherheiten bei sinkender Restschuld und die Rangfolge gegenĂŒber anderen GlĂ€ubigern.
âš5â© Covenants und Informationspflichten. Financial Covenants verpflichten zur Einhaltung von Kennzahlen wie Eigenkapitalquote, Verschuldungsgrad oder Zinsdeckungsgrad; Non-Financial Covenants regeln Berichtspflichten und Verhaltensregeln. Verhandelbar sind Auswahl und Höhe der Schwellen, PrĂŒfungsfrequenz und vor allem die Rechtsfolge bei Verletzung, damit nicht sofort eine KĂŒndigung droht.
âš6â© Sondertilgungs-, KĂŒndigungs- und Zinsanpassungsrechte. Sondertilgungsrechte erlauben, bei verbesserter Lage vorzeitig zurĂŒckzuzahlen und Zinsen zu sparen; umgekehrt ist die VorfĂ€lligkeitsentschĂ€digung bei vorzeitiger Ablösung zu klĂ€ren. Ebenso zu vereinbaren sind Zinsbindungsdauer sowie feste oder variable Verzinsung samt Referenzzinssatz und Aufschlag â sie entscheiden ĂŒber die Zinssicherheit wĂ€hrend der Laufzeit.
âš+1â© Effektivzins als gemeinsamer Nenner. Alle genannten Parameter wirken auf den Effektivzins, der als interner Zinssatz der tatsĂ€chlichen Zahlungsreihe zu ermitteln ist â in Excel ĂŒber IKV() bzw. bei Datumsbezug ĂŒber XINTZINSFUSS(). Nur er macht Angebote vergleichbar; der Nominalzins allein ist wertlos.
âš+2â© Rohleders Rechenbeispiel im Kompass. 100.000,00 EUR Kreditbetrag, 5,00 % Disagio, 5,23 % Nominalzins, 8 Jahre Laufzeit, 2 Tilgungsfreijahre. Ausgezahlt werden nur 95.000,00 EUR, verzinst und getilgt wird auf 100.000,00 EUR â der Effektivzins liegt deshalb zwingend ĂŒber 5,23 %. Der Plan ist einmal als Tilgungs- und einmal als AnnuitĂ€tendarlehen aufzustellen.
âš+3â© Rangstellung und Nachrangigkeit. Ein nachrangiges Darlehen wird im Insolvenzfall nachrangig bedient und gilt wirtschaftlich als eigenkapitalnah. Es verteuert sich dadurch, verbessert aber die Eigenkapitalquote und damit die Konditionen der ĂŒbrigen Finanzierung â der klassische Mezzanine-Gedanke.
âš+4â© Verwendungszweck und Auszahlungsnachweise. Zweckbindungen schrĂ€nken die unternehmerische FlexibilitĂ€t ein und erzwingen Verwendungsnachweise. Umgekehrt sind zweckgebundene Förderdarlehen gĂŒnstiger. Ob ein Darlehen frei verwendbar ist, ist ein eigenstĂ€ndiger Verhandlungspunkt.
âš+5â© Durchleitung von Förderdarlehen. Ăber die Hausbank lassen sich zinsverbilligte Förderkredite mit TilgungszuschĂŒssen und Haftungsfreistellung einbinden. Die Kombination aus Förder- und Hausbankdarlehen ist hĂ€ufig gĂŒnstiger als jede Einzellösung â sie muss aber aktiv verlangt werden.
âš+6â© WĂ€hrung, Konsortium und KĂŒndigungsklauseln der Bank. FremdwĂ€hrungsdarlehen können gĂŒnstiger sein, importieren aber ein Wechselkursrisiko. Bei groĂen Volumina finanziert ein Bankenkonsortium mit eigenem Regelwerk. Wichtig sind auĂerdem die auĂerordentlichen KĂŒndigungsrechte der Bank sowie Change-of-Control-Klauseln, die bei Gesellschafterwechsel greifen.
Rohleders Erwartung: Die Aufgabe sagt ânennen und erlĂ€utern" â ein Stichwort allein genĂŒgt nicht, jeder Parameter braucht einen Satz zur wirtschaftlichen Wirkung. Und es mĂŒssen sechs wirklich unterschiedliche Parameter sein; Sondertilgung und Tilgungsstruktur dĂŒrfen nicht als zwei Punkte verkauft werden, wenn sie identisch begrĂŒndet sind.
11. Drohender Zahlungsengpass: kurzfristig wirksame MaĂnahmen (8 P) â aus dem Abdeckungs-Sweep
a) 6 P. Nennen und erlĂ€utern Sie vier verschiedene MaĂnahmen, mit denen Sie die Unterdeckung tatsĂ€chlich kurzfristig â das heiĂt innerhalb der verbleibenden rund vier Wochen â abwenden können. Stellen Sie voran, an welchem Kriterium Sie âkurzfristig" messen. (2 P fĂŒr das vorangestellte Kriterium; je MaĂnahme 1 P â der Punkt wird nur vergeben, wenn Nennung und tragfĂ€hige ErlĂ€uterung stehen.)
b) 2 P. Zwei VorschlĂ€ge aus dem Kollegenkreis lauten âwir verkaufen die Lagerhalle im alten Werk" und âwir fĂŒhren jetzt Factoring ein". ErlĂ€utern Sie, warum beide VorschlĂ€ge die gestellte Aufgabe verfehlen. (Je Fehlvorschlag 1 P.)
a) 6 P. â PrĂŒfkriterium und vier kurzfristig wirksame MaĂnahmen
Vorbemerkung: das PrĂŒfkriterium. Kurzfristig ist eine MaĂnahme nur dann, wenn sie zwei Bedingungen zugleich erfĂŒllt. Erstens darf zwischen Entscheidung und Zahlungswirksamkeit höchstens eine Spanne von Tagen bis wenigen Wochen liegen, hier also weniger als die verbleibenden vier Wochen. Zweitens darf sie keinen neuen Vertragspartner voraussetzen, der erst gesucht, geprĂŒft und verhandelt werden muss â wer einen Markt, eine BonitĂ€tsprĂŒfung oder einen Notartermin braucht, steht auĂerhalb des Zeitfensters, gleichgĂŒltig wie hoch der Erlös am Ende ausfĂ€llt. Aus beiden Bedingungen folgt die praktische Faustregel, an der die vier MaĂnahmen unten ausgewĂ€hlt sind: Kurzfristig wirksam ist im Kern das, was auf bereits geschlossenen VertrĂ€gen und bereits entstandenen AnsprĂŒchen aufsetzt. Damit ist zugleich die ZielgröĂe benannt, gegen die zu rechnen ist: 900.000 EUR bis zur zweiten OktoberhĂ€lfte. âš2â©
Erste MaĂnahme: Die bestehende Kreditlinie ziehen und den Kontokorrentrahmen bei der Hausbank erweitern. Der freie Teil der Linie â bei 1,2 Mio. EUR Rahmen und zwei Dritteln Ausnutzung also rund 400.000 EUR â ist die einzige LiquiditĂ€t, die ohne jede Vorlaufzeit verfĂŒgbar ist: Der Vertrag existiert, die Sicherheiten sind gestellt, es genĂŒgt eine VerfĂŒgung. Damit ist knapp die HĂ€lfte der LĂŒcke geschlossen; die verbleibenden rund 500.000 EUR sind die eigentliche Aufgabe. FĂŒr eine darĂŒber hinausgehende Aufstockung gilt: Der Gang zur Bank muss jetzt erfolgen und nicht erst, wenn das Konto anschlĂ€gt, denn eine Rahmenerhöhung wird gegen offengelegte Zahlen â aktuelle BWA, LiquiditĂ€tsvorschau, Auftragsbestand, Nachweis der Werthaltigkeit der gestreckten Forderung â binnen weniger Tage entschieden, gegen eine bereits sichtbare Ăberziehung dagegen kaum noch. Der Preis ist hoch (Kontokorrentzins plus Ăberziehungsprovision), aber in der akuten Unterdeckung schlĂ€gt LiquiditĂ€t jede Rendite: Ein teurer Kredit kostet Zinsen, eine nicht bediente FĂ€lligkeit kostet das Unternehmen. âš3â©
Zweite MaĂnahme: Zahlungsziele bei Lieferanten aktiv verlĂ€ngern. Die VerlĂ€ngerung wirkt ab der nĂ€chsten FĂ€lligkeit, also innerhalb von Tagen, und sie ist das einzige Instrument, das den Abfluss direkt in dem Zeitfenster stoppt, in dem die LĂŒcke entsteht. Entscheidend ist das Wort âaktiv": Nicht einfach nicht zahlen, sondern die drei bis fĂŒnf gröĂten Kreditoren anrufen, den verschobenen Zahltermin verbindlich vereinbaren und ihn dann auch halten â schlicht ausbleibende Zahlungen produzieren Mahnkosten, Lieferstopps und einen Eintrag bei der Warenkreditversicherung des Lieferanten, was die Situation binnen Wochen verschĂ€rft statt entspannt. Der Skonto-Verzicht ist dabei bewusst abzuwĂ€gen und nicht nebenbei zu entscheiden: Bei â2 % Skonto binnen 10 Tagen, sonst 30 Tage netto" kostet die Streckung um 20 Tage p. a. (mit 365 Zinstagen gerechnet 37,2 % â die Konvention ist frei, sie muss nur benannt sein). Das ist der teuerste Kredit im Haus â teurer als die Kontokorrentlinie und in aller Regel auch teurer als die GebĂŒhr auf eine Factoring-Ziehung. Daraus folgt die Rangfolge nach Preis und nicht nach Bequemlichkeit: zuerst die freie Kontokorrentlinie mit rund 400.000 EUR, dann die Ziehung auf den bereits bestehenden Factoring-Rahmen, dann die zinsfreie Streckung von Zahlungszielen dort, wo ohnehin kein Skonto angeboten wird â und erst fĂŒr den danach noch offenen Rest der bewusste Skontoverzicht. Von den 500.000 EUR, die nach der Ziehung der Linie offen sind, sollte also nur der kleinere Teil ĂŒber Skontoverzicht finanziert werden. Wer die Reihenfolge umdreht, zahlt 36,7 % p. a. fĂŒr Geld, das an anderer Stelle einstellig zu haben gewesen wĂ€re. âš4â©
Dritte MaĂnahme: Den Eingang der eigenen Forderungen beschleunigen. Diese MaĂnahme wirkt am schnellsten, weil das Geld dem Unternehmen bereits zusteht und nur noch nicht geflossen ist. Konkret heiĂt das dreierlei: erstens die offene-Posten-Liste nach Betrag sortieren und die groĂen Positionen persönlich beim EinkĂ€ufer nachfassen statt Serienmahnungen an alle zu schicken â es geht um die groĂen Tickets, nicht um die Briefmarken; zweitens ausgewĂ€hlten Kunden fĂŒr sofortige Zahlung befristet Skonto anbieten, wobei derselbe Rechenweg wie oben gilt, nur mit umgekehrtem Vorzeichen: Man kauft Tage mit Marge und muss wissen, wie teuer der Tag ist; drittens den bestehenden Factoring-Rahmen höher ausnutzen â bei 1,5 Mio. EUR Rahmen und rund 40 % Ausnutzung sind vertraglich noch etwa 375.000 EUR frei, und bei laufendem Vertrag ist die Auszahlung eine Frage von Tagen, weil Rahmenvertrag, DebitorenprĂŒfung und Abtretungsanzeigen lĂ€ngst stehen. Die realistische Grenze ist dabei zu benennen: Gezogen werden kann nicht der freie Rahmen, sondern nur der Bestand ankaufsfĂ€higer Forderungen, und gerade das Limit des GroĂkunden, der eigenmĂ€chtig gestreckt hat, dĂŒrfte beim Factor beansprucht oder gesperrt sein. Flankierend gehört dazu, die eigene Fakturierung vorzuziehen: Was noch nicht berechnet ist, kann auch nicht bezahlt und nicht angedient werden. âš5â©
Vierte MaĂnahme: Auszahlungen stoppen und schieben â Investitionsstopp, Bestellstopp, Ausgabensperre. Dies ist die einzige MaĂnahme, die keinen Verhandlungspartner braucht und deshalb sofort und sicher wirkt: Jede noch nicht ausgelöste Bestellung, jede noch nicht unterschriebene Investitionsfreigabe und jede verschiebbare Instandhaltung ist eine Auszahlung, die mit einer einzigen Anweisung aus dem kritischen Zeitfenster verschwindet. Praktisch bedeutet das eine Freigabegrenze â etwa: keine Auszahlung ĂŒber 5.000 EUR ohne Unterschrift der GeschĂ€ftsfĂŒhrung â plus die Verschiebung der laufenden Ersatzinvestition ins Folgequartal. Die Grenze der MaĂnahme muss man mitnennen, sonst wird aus dem LiquiditĂ€tsschutz Substanzverzehr: Sicherheitsrelevante Instandhaltung, Personalkosten und alles, was den laufenden Auftragsdurchsatz gefĂ€hrdet, sind tabu, denn eine gestoppte Produktion erzeugt in vier Wochen genau die nĂ€chste LiquiditĂ€tslĂŒcke. âš6â©
b) 2 P. â Warum âImmobilie verkaufen" und âFactoring einfĂŒhren" die Aufgabe verfehlen
âWir verkaufen die Lagerhalle" scheitert am Zeithorizont, nicht am Betrag. Zwischen dem Entschluss und dem Geldeingang liegen Wertermittlung, KĂ€ufersuche, Due Diligence des Erwerbers, Finanzierungszusage von dessen Bank, Notartermin, Auflassungsvormerkung und KaufpreisfĂ€lligkeit â realistisch mehrere Monate bis ĂŒber ein Jahr. Die Unterdeckung besteht aber in vier Wochen, und ein Termin, den man nicht einhalten kann, wird durch die Höhe des spĂ€teren Erlöses nicht besser. Hinzu kommen zwei betriebswirtschaftliche Nebenwirkungen: Wer unter erkennbarem Zeitdruck verkauft, verhandelt aus der schwĂ€chsten denkbaren Position und realisiert einen Notverkaufsabschlag, und der Verkauf einer betriebsnotwendigen Immobilie tauscht eine einmalige Einzahlung gegen eine dauerhafte monatliche Mietauszahlung â er verbessert die LiquiditĂ€t heute und verschlechtert sie in jedem Folgemonat. Der Verkauf von Anlagevermögen ist damit eine mittelfristige StrukturmaĂnahme; Sale-and-lease-back kommt der Kurzfristigkeit am nĂ€chsten, braucht aber ebenfalls Vorlauf. âš7â©
âWir fĂŒhren jetzt Factoring ein" verwechselt Finanzierungs-Infrastruktur mit einer SofortmaĂnahme â und ĂŒbersieht, dass die Linie lĂ€ngst steht. Die EinfĂŒhrung von Factoring bedeutet: Anbieterauswahl, BonitĂ€tsprĂŒfung des eigenen Unternehmens und des Debitorenstamms durch den Factor, Verhandlung des Rahmenvertrags mit Limiten und GebĂŒhren, KlĂ€rung der Kollision mit der Globalzession der Hausbank â die Forderungen sind dieser regelmĂ€Ăig bereits abgetreten und mĂŒssen erst freigegeben werden â, Abtretungsanzeigen an die Kunden beim offenen Verfahren und die technische Anbindung der Debitorenbuchhaltung. Das sind Wochen bis Monate, nicht Tage. Erschwerend kommt hinzu, dass ein Factor ein Unternehmen, das ihm in einer akuten LiquiditĂ€tsnot gegenĂŒbersitzt, entweder ablehnt oder mit einem Risikoaufschlag bepreist, der die MaĂnahme unwirtschaftlich macht. Im vorliegenden Fall kommt der zweite Fehler dazu: Der Rahmenvertrag lĂ€uft seit zwei Jahren und ist erst zu etwa 75 % ausgeschöpft â und selbst der Rest steht sofort bereit â es ist also gar nichts einzufĂŒhren. Richtig ist damit die Unterscheidung zwischen Aufbau und Nutzung: Eine bereits bestehende Factoring-Linie höher auszuschöpfen, gehört in die dritte MaĂnahme oben und wirkt in Tagen â Factoring neu einzufĂŒhren ist eine Entscheidung ĂŒber die dauerhafte Finanzierungsstruktur und gehört in die strategische Finanzplanung. âš8â©
âš+1â© Als fĂŒnfte MaĂnahme trĂ€gt in der Praxis oft das Gesellschafterdarlehen oder die kurzfristige Einlage: schnellste denkbare Quelle, weil keine externe BonitĂ€tsprĂŒfung dazwischensteht, und in der Sache die stĂ€rkste Botschaft an die Hausbank, weil die EigentĂŒmer selbst Geld nachschieĂen. Zwei Punkte gehören dazu, sonst ist die Antwort zu vage: Die RĂŒckzahlungsforderung des Gesellschafters ist in der Insolvenz grundsĂ€tzlich nachrangig (§ 39 Abs. 1 Nr. 5 InsO) â ausgenommen der nicht geschĂ€ftsfĂŒhrende Gesellschafter mit höchstens 10 % Beteiligung (Kleinbeteiligtenprivileg, § 39 Abs. 5 InsO) und der Sanierungsfall des § 39 Abs. 4 Satz 2 InsO â, und bei mehreren Gesellschaftern ist die Gleichbehandlung zu regeln, sonst verschiebt die Rettung die BeteiligungsverhĂ€ltnisse.
âš+2â© Sauber ist auĂerdem die Systematik der Wirkungsrichtung, die man der Antwort voranstellen kann: Kurzfristige LiquiditĂ€tsmaĂnahmen wirken entweder ĂŒber den Einzahlungsstrom (Forderungen beschleunigen, Linie ziehen, Einlage), ĂŒber den Auszahlungsstrom (Zahlungsziele strecken, Ausgaben stoppen) oder ĂŒber die Bilanzstruktur (Vermögen versilbern). Nur die ersten beiden Wege sind in Tagen bedienbar â der dritte ist genau der, in dem die falschen Antworten stecken.
âš+3â© Bei aller MaĂnahmenliste gehört ein Satz zur Ursache dazu: Der Auslöser ist ein GroĂkunde, der sein Zahlungsziel eigenmĂ€chtig verdoppelt hat. Kurzfristig ist das ein LiquiditĂ€tsproblem, mittelfristig ein Vertrags- und Klumpenrisiko-Problem â Verzugszinsen geltend machen, Zahlungsbedingungen neu verhandeln, Debitorenkonzentration senken. Rohleder belohnt es, wenn die kurzfristige Feuerwehr nicht mit der Lösung des Problems verwechselt wird.
Rohleders Erwartung: Diese Aufgabe ist ein doppelter Fallenaufbau, und er hat beide Fallen selbst benannt. Zur ersten (U11): âIch habe in der Klausur mal gefragt: Sie sind von einem Zahlungsengpass bedroht â was können Sie kurzfristig machen? Und dann hieĂ es, ich kann eine Immobilie verkaufen." Zur zweiten (U16): âIch habe in einer alten Klausur mal gefragt: Nennen Sie vier oder fĂŒnf kurzfristige FinanzierungsmaĂnahmen. Da haben die Leute Factoring reingeschrieben. Nein." Das PrĂŒfkriterium ist in beiden FĂ€llen dasselbe und heiĂt Zeithorizont: Wirkt die MaĂnahme in Tagen, oder braucht sie einen Vertragspartner, eine PrĂŒfung und einen Markt? Zweitens seine Punktlogik aus U08 â âPro vernĂŒnftiger MaĂnahme drei Punkte. DafĂŒr eine fĂŒr die Idee und nochmal zwei fĂŒr eine vernĂŒnftige ErlĂ€uterung dieser Idee." Die ErlĂ€uterung wiegt bei ihm doppelt so schwer wie die Nennung; eine bloĂe AufzĂ€hlung verschenkt zwei Drittel. Wichtig fĂŒr die Erwartung an das Schema: Er rechnet nicht in Halben. U15, wörtlich: âHalbe Punkte mache ich tatsĂ€chlich nicht, da breche ich mir die HĂ€nde. [âŠ] Bei mir gibt es nur volle Punkte, hopp oder top." Praktisch heiĂt das hopp oder top je Teilleistung â eine halb ausgefĂŒhrte MaĂnahme bringt nicht den halben, sondern null Punkte. Deshalb lieber vier MaĂnahmen sauber zu Ende fĂŒhren als sechs anreiĂen. Und drittens greift U05: âFĂŒr Schlagworte [âŠ] ohne konkrete Nennung, was Sie genau meinen, gibt es keine Punkte." âWorking-Capital-Management" ist ein solches Schlagwort â âdie zehn gröĂten offenen Posten persönlich nachfassen und befristet Skonto anbieten" ist die Antwort.
12. Eigenkapitalgeber und Fremdkapitalgeber (6 P) â aus dem Abdeckungs-Sweep
Grenzen Sie die Stellung des Eigenkapitalgebers von der des Fremdkapitalgebers systematisch anhand klarer Kriterien ab und beantworten Sie damit die Frage des Gesellschafters. (6 P)
Die Antwort auf die Frage des Gesellschafters lautet: Es ist eben nicht dasselbe Geld, sondern eine völlig andere Rechtsposition.
Die Abgrenzung wird nach zwei Achsen geordnet. Die erste ist das Kriterienraster: Rechtsstellung, Haftung, Rang, VergĂŒtung, RĂŒckzahlung, Einfluss, Steuern â es macht die VollstĂ€ndigkeit auf einen Blick prĂŒfbar. Die zweite ist die Herleitungskette, die durch dieses Raster hindurchlĂ€uft: aus der Rechtsstellung folgen Haftung und Rang, aus Haftung und Rang folgt die geforderte Rendite, aus Rendite und Steuerwirkung folgt der Aufbau der Kapitalkosten. Die erste Achse ordnet, die zweite begrĂŒndet â und erst die zweite beantwortet die Frage des Gesellschafters, denn sie zeigt, dass sein Renditeaufschlag kein Zuschlag ist, sondern die Folge seiner Rangstelle.
| Kriterium | Eigenkapitalgeber | Fremdkapitalgeber |
|---|---|---|
| Rechtsstellung | Mitglied und MiteigentĂŒmer (Gesellschafter, AktionĂ€r); gesellschaftsrechtliche Bindung ĂŒber Satzung bzw. Gesellschaftsvertrag | GlĂ€ubiger; rein schuldrechtlicher Vertrag (Darlehensvertrag, Anleihebedingungen) |
| Haftung | haftet fĂŒr Verluste, mindestens mit der Einlage, bei Vollhaftern zusĂ€tzlich mit dem Privatvermögen; ist Verlustpuffer | haftet nicht; trĂ€gt nur das Ausfallrisiko des Schuldners |
| Rang in der Insolvenz | letzter Rang; wird erst nach vollstĂ€ndiger Befriedigung aller GlĂ€ubiger bedient, faktisch meist Totalverlust | InsolvenzglĂ€ubiger (§ 38 InsO), vor dem Eigenkapital; mit Kreditsicherheiten wie Grundschuld, SicherungsĂŒbereignung oder Globalzession absonderungsberechtigt (§§ 49â51 InsO) und damit vorrangig aus dem Verwertungserlös zu befriedigen |
| VergĂŒtung | Residualanspruch: Gewinnanteil bzw. Dividende, erfolgsabhĂ€ngig, nicht zugesagt, nach oben unbegrenzt | fester bzw. vertraglich definierter Zins, erfolgsunabhĂ€ngig, auch im Verlustjahr geschuldet, nach oben begrenzt |
| RĂŒckzahlungsanspruch | keiner gegen die Gesellschaft; Kapital ist unbefristet ĂŒberlassen, RĂŒckzug nur ĂŒber Anteilsverkauf oder Kapitalherabsetzung | Anspruch auf RĂŒckzahlung zum Nennbetrag nach Tilgungsplan bzw. bei FĂ€lligkeit |
| Einfluss und Stimmrechte | Stimmrecht in Gesellschafter- bzw. Hauptversammlung; Bestellung der Leitungs- und Aufsichtsorgane, Gewinnverwendung, KapitalmaĂnahmen | grundsĂ€tzlich keine Mitsprache in der GeschĂ€ftsfĂŒhrung; Einfluss vertraglich ĂŒber Covenants, Informations- und KĂŒndigungsrechte, Sicherheiten |
| Steuerliche Behandlung | Gewinnverwendung aus versteuertem Ergebnis; mindert die Bemessungsgrundlage nicht | Zinsen sind abzugsfÀhiger Betriebsaufwand und mindern das zu versteuernde Ergebnis (Tax Shield) |
Der folgende Text wiederholt die Tabelle nicht, sondern trÀgt je Kriterium das, was sie nicht sagen kann: die Herleitung, die Ausnahme und die Konsequenz.
Erstens die Rechtsstellung, aus der alles Ăbrige folgt. Der eine gehört zum Unternehmen, der andere hat eine Forderung gegen es â und daraus ergeben sich zwei völlig verschiedene Konfliktordnungen. Streit unter Gesellschaftern wird nach Gesellschaftsrecht entschieden, mit Treuepflicht und Gleichbehandlungsgebot; Streit mit der Bank entscheidet der Vertragstext. Der Eigenkapitalgeber schuldet der Gesellschaft also mehr als nur seine Einlage, der Fremdkapitalgeber schuldet ihr nach der Auszahlung gar nichts mehr. âš1â©
Zweitens Haftung und Rang in der Insolvenz, die zusammengehören. Der Rang ist keine eigenstĂ€ndige Regel, sondern die Vollstreckung der Haftungsordnung im Ernstfall: Wer im laufenden Betrieb den Verlust trĂ€gt, wird in der Insolvenz zuletzt bedient. Zwei PrĂ€zisierungen sind hier punktrelevant. Erstens der Begriff: Der Kreditgeber mit Grundschuld, SicherungsĂŒbereignung oder Globalzession ist absonderungsberechtigt und wird vorrangig aus dem Verwertungserlös befriedigt; die Aussonderung nach § 47 InsO ist demgegenĂŒber der Fall des Lieferanten mit Eigentumsvorbehalt, dessen Sache gar nicht zur Masse gehört, nicht der Fall des Darlehensgebers. Zweitens die Ausnahme, die die Systematik bestĂ€tigt: Das Gesellschafterdarlehen ist der Form nach Fremdkapital, wird in der Insolvenz aber grundsĂ€tzlich nachrangig behandelt (§ 39 Abs. 1 Nr. 5 InsO; zu den Ausnahmen siehe Aufgabe 1), weil der Gesetzgeber die wirtschaftliche NĂ€he zum Eigenkapital höher gewichtet als die vertragliche HĂŒlle. âš2â©
Drittens die VergĂŒtung â und damit die Antwort auf die Frage des Gesellschafters. Der entscheidende Unterschied ist nicht die Höhe, sondern die Asymmetrie: Verzehnfacht sich der Gewinn, bekommt die Bank keinen Cent mehr; bricht er weg, bekommt sie ihren Zins trotzdem. Der Gesellschafter steht auf beiden Seiten am Ende der Schlange. Damit ist seine Frage beantwortet: Er gibt nicht dasselbe Geld, sondern trĂ€gt das erste und gröĂte StĂŒck des unternehmerischen Risikos, und fĂŒr dieses Risiko verlangt der Markt eine PrĂ€mie â sein Renditeaufschlag ist die Folge seiner Rangstelle aus Kriterium zwei. Deshalb liegt der Eigenkapitalkostensatz im WACC systematisch ĂŒber dem Fremdkapitalkostensatz â nach Steuern noch deutlicher, weil nur das Fremdkapital mit eingeht. âš3â©
Viertens der RĂŒckzahlungsanspruch und die Ăberlassungsdauer. Die Konsequenz gehört in jede Finanzplanung: Fremdkapital erzeugt einen festen, planbaren Kapitaldienst aus Zins und Tilgung und damit ein LiquiditĂ€tsrisiko, das unabhĂ€ngig von der Ertragslage zu jedem Termin fĂ€llig wird â Eigenkapital erzeugt keinen Kapitaldienst und ist deshalb das einzige Kapital, das eine Verlustphase ohne Zahlungsdruck ĂŒbersteht. Genau das ist der Grund, warum die Eigenkapitalquote als Krisenkennzahl gelesen wird und nicht bloĂ als Bilanzrelation. âš4â©
FĂŒnftens Einfluss und Stimmrechte. Die praktische Pointe steht quer zur Tabelle: Der vertragliche Einfluss des Kreditgebers kann in der Krise deutlich schwerer wiegen als das formale Stimmrecht eines Minderheitsgesellschafters. Wer ĂŒber eine verletzte Covenant den Kredit fĂ€llig stellen kann, verhandelt stĂ€rker als wer zehn Prozent der Stimmen hĂ€lt â und er tut es, ohne je an einer Gesellschafterversammlung teilzunehmen. Rechtliche Mitsprache und faktische Macht fallen hier also auseinander. âš5â©
Sechstens die steuerliche Behandlung. Der Abzug der Zinsen ist nicht unbegrenzt: Die Zinsschranke (§ 4h EStG) deckelt ihn, und die gewerbesteuerliche Hinzurechnung von Entgelten fĂŒr Schulden (§ 8 Nr. 1 GewStG) nimmt einen Teil der Entlastung wieder zurĂŒck. Trotzdem bleibt der Befund: Fremdkapital ist nach Steuern gĂŒnstiger, als sein Nominalzins vermuten lĂ€sst â genau deshalb geht der Fremdkapitalkostensatz im WACC mit dem Faktor ein, wĂ€hrend der Eigenkapitalkostensatz ungekĂŒrzt bleibt. Die steuerliche Asymmetrie ist damit ein eigenstĂ€ndiger Grund fĂŒr Fremdfinanzierung, unabhĂ€ngig von Risiko und Rang. âš6â©
âš+1â© Der eigentliche Wert dieser Kriterientabelle zeigt sich bei Mezzanine-Kapital. Nachrangdarlehen, Genussrechte, stille Beteiligungen und Wandelanleihen sind keine dritte Kapitalart, sondern gezielte Mischungen genau dieser Kriterien: erfolgsabhĂ€ngige VergĂŒtung wie Eigenkapital, aber befristete Laufzeit wie Fremdkapital; Nachrang wie Eigenkapital, aber ohne Stimmrecht. Wer das Raster im Kopf hat, kann in der Klausur begrĂŒnden, warum ein Instrument bilanziell als Eigenkapital ausgewiesen wird und steuerlich trotzdem wie Fremdkapital behandelt werden kann.
âš+2â© Aus den Zeilen âVergĂŒtung" und âRang" folgt unmittelbar der Leverage-Effekt: Weil Fremdkapital fest verzinst ist und der Eigenkapitalgeber den Rest bekommt, hebt zusĂ€tzliches Fremdkapital die Eigenkapitalrendite, solange die Gesamtkapitalrendite ĂŒber dem Fremdkapitalzins liegt â und zieht sie ebenso zuverlĂ€ssig nach unten, sobald sie darunter fĂ€llt. Der Leverage-Effekt ist damit keine eigenstĂ€ndige Regel, sondern die rechnerische Folge der VergĂŒtungs- und Rangordnung; und weil derselbe Hebel in beide Richtungen wirkt, ist die Eigenkapitalquote zugleich das MaĂ fĂŒr Krisenfestigkeit.
âš+3â© FĂŒr die Antwort an den Gesellschafter lĂ€sst sich der ganze Sachverhalt in einem Satz verdichten, der sich als Schlusspointe eignet: Die Bank bekommt ihre 5,5 % zuerst, sicher und unabhĂ€ngig davon, wie das Jahr lĂ€uft â der Gesellschafter bekommt zuletzt, ungesichert und nur, wenn etwas ĂŒbrig bleibt. Der Renditeaufschlag ist der Preis genau dieser Reihenfolge.
Rohleders Erwartung: Hier entscheidet die Systematik, nicht die Stoffmenge. Nach U09 will er eine Herangehensweise, âdie mindestens zwei verschiedene Systematiken erkennen lĂ€sst" â geliefert werden deshalb bewusst zwei Achsen: das Kriterienraster als Ordnung und die Herleitungskette als BegrĂŒndung. Sechs Kriterien allein wĂ€ren Umfang, nicht Systematik. Nach U20 sind Strukturpunkte bei ihm real vergeben worden, und eine Tabelle mit anschlieĂender ErlĂ€uterung in ganzen SĂ€tzen macht die VollstĂ€ndigkeit auf einen Blick prĂŒfbar; dass der Text die Tabelle nicht wiederholt, sondern nur Herleitung, Ausnahme und Konsequenz trĂ€gt, ist dabei kein Stil, sondern Schreibzeit-Ăkonomie â er mahnt in U20 ausdrĂŒcklich âBitte schreiben Sie langsam in der Klausur." Der klassische Punkteverlust in dieser Aufgabe ist die vage Zwei-Zeilen-Antwort im Stil von âFremdkapital ist geliehen und muss zurĂŒckgezahlt werden, Eigenkapital gehört den EigentĂŒmern"; dazu passt sein Kommentar aus U18: âHĂ€tten Sie einen Punkt fĂŒr bekommen? Weil ich sage, es ist insgesamt zu vage." Belohnt wird, wer die Kriterien nicht nur nebeneinanderstellt, sondern sie auseinander herleitet â Haftung und Rang folgen aus der Rechtsstellung, die Renditeforderung folgt aus Haftung und Rang, der WACC-Aufbau folgt aus Renditeforderung und Steuerwirkung. Und die eingangs gestellte Frage des Gesellschafters muss am Ende ausdrĂŒcklich beantwortet sein; eine Abgrenzung, die die gestellte Frage nicht schlieĂt, lĂ€sst Punkte liegen.
13. KapazitĂ€tserweiterungseffekt nach Lohmann-Ruchti (4 P) â aus dem Abdeckungs-Sweep
a) 2 P. ErlÀutern Sie den KapazitÀtserweiterungseffekt (Lohmann-Ruchti-Effekt) und ordnen Sie ihn in die Systematik der Finanzierung ein.
b) 2 P. Nennen Sie die drei PrĂ€missen des KapazitĂ€tserweiterungseffekts nach Rohleder, geben Sie an, welche er ausdrĂŒcklich als âsehr unwahrscheinlich" markiert, und benennen Sie die Grenze des Effekts.
a) 2 P. â Der Effekt und seine Einordnung
Der KapazitĂ€tserweiterungseffekt setzt beim Kapitalfreisetzungseffekt der verdienten Abschreibungen an: Der Wertverlust einer Anlage wird als anteilige Abschreibung in die Verkaufspreise einkalkuliert und flieĂt, sobald die Produkte verkauft und bezahlt sind, als liquides Mittel zurĂŒck â obwohl in derselben Periode keine Auszahlung stattgefunden hat. Der entscheidende Zeitversatz liegt darin, dass diese RĂŒckflĂŒsse jĂ€hrlich anfallen, die Ersatzbeschaffung aber erst nach Ablauf der gesamten Nutzungsdauer fĂ€llig wird. âš1â© Werden die freigesetzten BetrĂ€ge nicht bis dahin angesammelt, sondern laufend in zusĂ€tzliche gleichartige Anlagen investiert, wĂ€chst der Anlagenbestand ohne jede Kapitalzufuhr von auĂen. Systematisch ist das Innenfinanzierung aus Kapitalfreisetzung (Abschreibungsfinanzierung). Es flieĂt kein Kapital von auĂen zu, es entstehen weder Zins- noch Tilgungs- noch MitspracheansprĂŒche Dritter. âš2â©
Terminologie: Manche LehrbĂŒcher fĂŒhren die Abschreibungsfinanzierung unter âVermögensumschichtung"; der Kompass benutzt diesen Bereich fĂŒr den Anlagenverkauf (#17â#19, nicht betriebsnotwendiges Vermögen, Sale-and-lease-back). Im Zweifel âKapitalfreisetzung" schreiben.
Querverweis: AusfĂŒhrlich hergeleitet ist der Mechanismus bereits in finanzierung-planung.md (Abschreibungsfinanzierung, âš+2â© sowie âš+4â© mit der Abgrenzung zu RĂŒckstellungs- und Selbstfinanzierung). Achtung: Die dort genannte Multiplikator-Angabe âetwa 2" ist nicht der Wert fĂŒr n = 5, sondern der Grenzwert fĂŒr n â â; maĂgeblich ist KEF = 2n/(n+1) = 1,67, siehe âš+2â©. Die Bestandsdatei wird separat korrigiert. Neu ist hier ausschlieĂlich die durchgerechnete Bestandsentwicklung im Bonus-Block.
b) 2 P. â Die drei PrĂ€missen und die Grenze
Rohleder nennt drei PrĂ€missen in fester Reihenfolge: (1) Abschreibungen werden am Markt verdient und flieĂen vollstĂ€ndig in liquider Form zu, (2) Abschreibungen entsprechen dem tatsĂ€chlichen Werteverzehr, (3) abgeschriebene InvestitionsgĂŒter können zu frĂŒheren Anschaffungs- und Herstellungskosten wiederbeschafft werden. Keine davon hĂ€lt er fĂŒr realistisch: Zu (1) und (2) hĂ€lt er fest âbeide Annahmen sind sehr unwahrscheinlich" (#08); zu (2) verneint er auf eine eigene Frage hin ausdrĂŒcklich, dass bilanzielle Abschreibungen dem tatsĂ€chlichen Werteverzehr entsprechen (#09); zu (3) schreibt er âgerade der 3. Punkt ist sehr unwahrscheinlich" (#13). Der Effekt ist damit ein Modell, kein Praxisrezept.
PrĂ€misse 1 â verdient und liquide zugeflossen. Der Effekt lebt nicht davon, dass abgeschrieben wurde, sondern davon, dass verkauft wurde. Wird auf Lager produziert, lassen sich die Preise nicht durchsetzen oder zahlen die Kunden verspĂ€tet, ist die Abschreibung zwar als Aufwand gebucht, es steht aber kein Cent zur Reinvestition bereit. In Verlustjahren und bei sinkender Auslastung bricht der Mechanismus als Erstes weg.
PrĂ€misse 2 â Abschreibung = tatsĂ€chlicher Werteverzehr. Rohleders Antwort auf seine eigene Frage lautet âNein": Der reale Werteverzehr lĂ€uft nicht linear ab â ein Neufahrzeug verliert im ersten Jahr weit mehr als im fĂŒnften â, und der bilanzielle Abschreibungszeitraum deckt sich oft nicht mit dem realen Nutzungszeitraum. Wird zu hoch abgeschrieben, ist der scheinbare KapazitĂ€tszuwachs nur eine vorgezogene Steuerverschiebung; wird zu niedrig abgeschrieben, unterzeichnet er den Effekt.
PrĂ€misse 3 â Wiederbeschaffung zu frĂŒheren Anschaffungs- und Herstellungskosten. Bei steigenden Preisen reicht der auf historischen Anschaffungskosten beruhende RĂŒckfluss nicht einmal fĂŒr den Ersatz, geschweige denn fĂŒr eine Erweiterung; die PrĂ€misse unterstellt faktisch PreisstabilitĂ€t ĂŒber die gesamte Nutzungsdauer. Sie ist diejenige, die Rohleder namentlich hervorhebt â âgerade der 3. Punkt ist sehr unwahrscheinlich". âš3â©
Die Grenze: Erweitert wird ausschlieĂlich die PeriodenkapazitĂ€t, nicht die KapazitĂ€t der Totalperiode. Ăber die Lebensdauer aller Anlagen hinweg lĂ€sst sich nicht mehr produzieren, weil auch die zusĂ€tzlich beschafften Maschinen verschleiĂen und ausscheiden; der Effekt zieht die KapazitĂ€t lediglich zeitlich nach vorn. Nach der Aufbauphase treten die ersten AbgĂ€nge ein, der Bestand lĂ€uft in einen Beharrungszustand, und das Wachstum endet von selbst. âš4â©
âš+1â© Die Bestandsentwicklung, durchgerechnet bis in den Beharrungszustand. Ein Betrieb startet mit 10 gleichartigen Maschinen zu je 10.000 ⏠(Gesamtinvestition 100.000 âŹ), Nutzungsdauer 5 Jahre, lineare Abschreibung, also 2.000 ⏠je Maschine und Jahr.
Annahmen: Kauf jeweils am Jahresende, Abschreibung der NeuzugÀnge ab dem Folgejahr, sofortige Vollreinvestition, keine Zinsen auf vorgetragene BetrÀge, Preise konstant.
| Jahr | Bestand zu Jahresbeginn | RĂŒckfluss + Vortrag | Neubeschaffung | Vortrag | Abgang am Jahresende |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 10 | 20.000 ⏠+ 0 ⏠= 20.000 ⏠| 2 | 0 ⏠| 0 |
| 2 | 12 | 24.000 ⏠+ 0 ⏠= 24.000 ⏠| 2 | 4.000 ⏠| 0 |
| 3 | 14 | 28.000 ⏠+ 4.000 ⏠= 32.000 ⏠| 3 | 2.000 ⏠| 0 |
| 4 | 17 | 34.000 ⏠+ 2.000 ⏠= 36.000 ⏠| 3 | 6.000 ⏠| 0 |
| 5 | 20 | 40.000 ⏠+ 6.000 ⏠= 46.000 ⏠| 4 | 6.000 ⏠| 10 (Erstbestand) |
| 6 | 14 | 28.000 ⏠+ 6.000 ⏠= 34.000 ⏠| 3 | 4.000 ⏠| 2 |
| 7 | 15 | 30.000 ⏠+ 4.000 ⏠= 34.000 ⏠| 3 | 4.000 ⏠| 2 |
| 8 | 16 | 32.000 ⏠+ 4.000 ⏠= 36.000 ⏠| 3 | 6.000 ⏠| 3 |
| 9 | 16 | 32.000 ⏠+ 6.000 ⏠= 38.000 ⏠| 3 | 8.000 ⏠| 3 |
| 10 | 16 | 32.000 ⏠+ 8.000 ⏠= 40.000 ⏠| 4 | 0 ⏠| 4 |
Der Spitzenwert von 20 Maschinen im fĂŒnften Jahr ist nicht der Multiplikator â er entsteht nur, weil bis dahin noch keine einzige Anlage ausgeschieden ist. Der RĂŒckfall auf 14 im sechsten Jahr ist die eigentliche Pointe: Der Spitzenwert war geliehen. Ab dem achten Jahr steht der Bestand konstant bei 16 Maschinen, also Faktor 1,6 gegenĂŒber dem Ausgangsbestand. Genau das meint âPeriodenkapazitĂ€t, nicht TotalperiodenkapazitĂ€t".
âš+2â© Der KapazitĂ€tserweiterungsfaktor â und die Probe. Der KEF setzt den Beharrungsbestand ins VerhĂ€ltnis zum Ausgangsbestand. Bei linearer Abschreibung, sofortiger Vollreinvestition und ohne Zinsen gilt
Bei fĂŒnf Jahren Nutzungsdauer sind das . Der oft zitierte Wert 2 ist nur der Grenzwert fĂŒr und damit eine Obergrenze, die keine reale Nutzungsdauer erreicht â je kĂŒrzer die Nutzungsdauer, desto deutlicher liegt der Faktor darunter.
Probe gegen die Formel: KEF = 1,67 â rechnerisch 16,67 Maschinen im Beharrungszustand. Die Tabelle liefert 16. Die Differenz von 0,67 ist die Unteilbarkeit der Maschinen, also der Vortrag, der nie zu einer ganzen Anlage reicht. Formel und Tabelle stimmen ĂŒberein.
âš+3â© Zwei Modellannahmen ĂŒber Rohleders Trias hinaus. Der Effekt setzt zusĂ€tzlich voraus, dass die zurĂŒckflieĂenden Mittel nicht anderweitig gebunden und sofort reinvestierbar sind, und dass der Anlagenpark hinreichend teilbar ist: Wer nur eine einzige groĂe Anlage betreibt, kann mit einem FĂŒnftel ihres Werts keine FĂŒnftel-Maschine kaufen. Beides gehört nicht zur Kompass-Trias â Achtung, finanzierung-planung.md âš+3â© zĂ€hlt eine abweichende Trias (verdient/zahlungswirksam · nicht anderweitig gebunden · teilbar bei konstanten Preisen). FĂŒr die Klausur gilt die Kompass-Fassung aus b); die beiden Zusatzannahmen sind ErgĂ€nzung, nicht Ersatz.
âš+4â© Abgrenzung zu den Nachbarn der Innenfinanzierung. Ein Satz genĂŒgt: Nur die Gewinnthesaurierung erhöht das Eigenkapital â Abschreibungs- und RĂŒckstellungsfinanzierung schichten lediglich um. AusfĂŒhrlich in finanzierung-planung.md âš+4â©.
Rohleders Erwartung: Er will die Kausalkette âverkauft, nicht abgeschrieben" und den Zeitversatz zwischen jĂ€hrlichem RĂŒckfluss und spĂ€terer Ersatzbeschaffung. In b) will er alle drei PrĂ€missen in seiner Reihenfolge sehen, dazu die Trennung von Perioden- und TotalperiodenkapazitĂ€t. Zwei Fallen: Erstens die Nummerierung â er hebt ausdrĂŒcklich den dritten Punkt hervor (âgerade der 3. Punkt ist sehr unwahrscheinlich"), die Aussage âdie zweite PrĂ€misse ist die unwahrscheinlichste" widerspricht ihm in seiner eigenen ZĂ€hlung. Zweitens der Umkehrschluss: Dass er (3) namentlich hervorhebt, macht die anderen beiden nicht realistisch â zu (1) und (2) schreibt er âbeide Annahmen sind sehr unwahrscheinlich" (#08) und widmet (2) mit #09 eine eigene Frage, die er mit âNein" beantwortet. Keine der drei PrĂ€missen als harmlos darstellen.
14. PensionsrĂŒckstellungen als Innenfinanzierung (4 P) â aus dem Abdeckungs-Sweep
a) 2 P. ErlĂ€utern Sie, warum PensionsrĂŒckstellungen aus einer Direktzusage finanzierungswirksam sind.
b) 1 P. Nennen Sie den zentralen Preis, den das Unternehmen dafĂŒr zahlt.
c) 1 P. Beraten Sie den Finanzvorstand: Was gewinnt und was verliert das Unternehmen, wenn es auf beitragsorientierte Zusagen umstellt oder die Verpflichtungen auslagert?
a) 2 P. â Die Finanzierungswirkung
Bei einer Direktzusage verspricht der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer die spĂ€tere Betriebsrente unmittelbar aus eigener Hand; der Arbeitnehmer hat einen direkten Anspruch gegen das Unternehmen, es steht kein externer VersorgungstrĂ€ger dazwischen. Diese unmittelbare Verpflichtung ist nach Rohleder der Grund fĂŒr die hohen PensionsrĂŒckstellungen solcher HĂ€user. Die Finanzierungswirkung entsteht aus dem Auseinanderfallen von Aufwand und Auszahlung: Die jĂ€hrliche ZufĂŒhrung ist Aufwand heute, aber keine Auszahlung heute â sie mindert den ausgewiesenen Gewinn und damit sowohl die Steuerlast als auch den ausschĂŒttungsfĂ€higen Betrag, wĂ€hrend der Betrag als liquides Mittel im Unternehmen bleibt. âš1â©
Systematisch ist das Innenfinanzierung aus RĂŒckstellungen, bei Pensionsverpflichtungen besonders wirksam, weil zwischen Zusage und erster Rentenzahlung Jahrzehnte liegen können: Kein Bankkredit stellt Kapital derart lange, ohne laufende Auszahlung, ohne Sicherheiten und ohne KĂŒndigungsrecht des GlĂ€ubigers zur VerfĂŒgung. Wichtig zur Abgrenzung: Zinslos ist diese Finanzierung nicht. Die RĂŒckstellung wird nach § 253 Abs. 2 HGB abgezinst und Jahr fĂŒr Jahr wieder aufgezinst; dieser Aufzinsungsanteil der ZufĂŒhrung ist echter Aufwand und nach § 277 Abs. 5 HGB im Finanzergebnis auszuweisen. Der Vorteil ist die Auszahlungsfreiheit, nicht die Kostenfreiheit. Hinzu kommt der personalwirtschaftliche Nebeneffekt, dass die Zusage Mitarbeiter bindet und sich ĂŒber sie Steuern und Lohnnebenkosten sparen lassen. âš2â©
b) 1 P. â Der Preis
Der zentrale Preis ist die Bilanzbelastung: Die Verpflichtung verschlechtert Verschuldungsgrad und Eigenkapitalquote und damit das Rating â dazu trĂ€gt das Unternehmen Langlebigkeits- und ZinsĂ€nderungsrisiko selbst und zahlt BeitrĂ€ge an den Pensions-Sicherungs-Verein. Der auszahlungsfreie Kredit der Mitarbeiter wird also an anderer Stelle bezahlt: ĂŒber den Aufzinsungsaufwand, ĂŒber den PSVaG-Beitrag und ĂŒber teurere Bankkonditionen wegen des schwĂ€cheren Ratings. âš3â©
c) 1 P. â Beratung des Finanzvorstands
Gewonnen wird Risikoentlastung und Bilanzoptik. Der Wechsel von der leistungsorientierten zur beitragsorientierten Zusage sagt nur noch einen Beitrag zu und verlagert das Anlagerisiko auf den Arbeitnehmer; die Auslagerung auf Pensionsfonds, UnterstĂŒtzungskasse oder Direktversicherung nimmt die Verpflichtung aus der Bilanz und fĂŒhrt nach Rohleder zu besseren Bilanzkennzahlen und einem stĂ€rkeren Rating. Verloren geht genau der Effekt aus a): Der Auszahlungsaufschub als Innenfinanzierungsquelle entfĂ€llt weitgehend, die BeitrĂ€ge flieĂen kĂŒnftig sofort ab â man kauft Planbarkeit und Rating mit einer Finanzierungsquelle zurĂŒck. Zu beachten: Ausgelagert wird der Bilanzausweis, nicht die Haftung â nach § 1 Abs. 1 S. 3 BetrAVG steht der Arbeitgeber fĂŒr die zugesagte Leistung weiter ein, wenn der externe TrĂ€ger nicht liefert (mittelbare Verpflichtung, Passivierungswahlrecht nach Art. 28 Abs. 1 EGHGB, Angabe im Anhang). Die Kennzahlen verbessern sich, das Risiko wird nur unsichtbar. âš4â©
âš+1â© Die weiteren Preise im Detail. Neben der Bilanzbelastung stehen die Langfristigkeit der Bindung (weder kĂŒndbar noch anpassbar), das Langlebigkeitsrisiko aus steigender Lebenserwartung und das ZinsĂ€nderungsrisiko: Ein sinkendes Zinsniveau erhöht den Barwert der Verpflichtung und damit den Aufwand, ohne dass sich an der Zusage etwas geĂ€ndert hĂ€tte.
âš+2â© Abzinsung prĂ€zise â ein billiger Zusatzpunkt. PensionsrĂŒckstellungen sind nach § 253 Abs. 2 S. 1â2 HGB mit dem durchschnittlichen Marktzinssatz der vergangenen zehn GeschĂ€ftsjahre abzuzinsen (nicht bloĂ âzu bewerten"). Die Zehn-Jahres-Regel gilt ausschlieĂlich fĂŒr Altersversorgungsverpflichtungen; fĂŒr sonstige RĂŒckstellungen bleibt es beim Sieben-Jahres-Durchschnitt. Diesen Kontrast in einem Halbsatz zu nennen, zeigt, dass die Norm gelesen wurde.
âš+3â© ErgĂ€nzung (im Kompass nicht belegt): Die Steuerersparnis ist kleiner, als der HGB-Aufwand suggeriert. Steuerlich ist die PensionsrĂŒckstellung nach § 6a EStG mit festen 6 % abzuzinsen und liegt dadurch regelmĂ€Ăig deutlich unter dem Handelsbilanzwert. Der Teil der ZufĂŒhrung, der ĂŒber den steuerlichen Wert hinausgeht, mindert den handelsrechtlichen Gewinn, nicht aber die Steuerlast.
âš+4â© Der PSVaG. Der Pensions-Sicherungs-Verein ist ein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit ohne Gewinnerzielungsabsicht. Er sichert im Insolvenzfall des Arbeitgebers die gesetzlich unverfallbaren Anwartschaften und die laufenden Renten.
Rohleders Erwartung: Der Kern ist der Satz âAufwand heute, Auszahlung erst in Jahrzehnten" â eine Antwort, die nur festhĂ€lt, dass RĂŒckstellungen Geld im Unternehmen lassen, beschreibt die Wirkung, ohne die Ursache zu nennen; der Zeitversatz ist die Antwort, nicht der Bestand. In b) will er die Langfristigkeit als Risiko gedacht sehen, nicht nur als Vorteil, und in c) die ehrliche Pointe: Die Auslagerung verbessert das Rating und kostet dafĂŒr genau den Finanzierungseffekt aus a). Zur Direktzusage selbst hĂ€lt er knapp fest: unmittelbarer Anspruch gegen den Arbeitgeber, Folge sind hohe PensionsrĂŒckstellungen.
15. Abbildung Zahlungsströme: Was fehlt? (2 P) â aus dem Abdeckungs-Sweep
Miete · Lebensmittel · MobilitÀt · Versicherungen · Konsum
Was fehlt in dieser Darstellung aus Sicht eines Finanzwirtschaftlers? Nennen und begrĂŒnden Sie kurz.
Erstens fehlt das Sparen beziehungsweise die Investition. Es ist kein Aufwand â das Vermögen sinkt nicht, es wechselt nur die Form (Aktivtausch). Genau deshalb gehört es in eine Zahlungsstromrechnung und fĂ€llt in jeder Aufwandsbetrachtung durchs Raster. Wird es ans Ende der Liste gestellt, wird die Altersvorsorge zur RestgröĂe, und damit ist still erklĂ€rt, die RentenlĂŒcke sei ein Problem der Zukunft. âš1â©
Zweitens fehlen Steuern und Sozialabgaben. Beim Arbeitnehmer verschwinden sie im Netto und tauchen im Haushaltsplan nie auf, obwohl sie in der Bruttobetrachtung regelmĂ€Ăig der gröĂte Einzelblock sind; beim SelbststĂ€ndigen mit Vorauszahlungen und Nachzahlungen sind sie dagegen unmittelbar zahlungswirksam â und genau daran scheitern Haushaltsplanungen. âš2â©
âš+1â© Drittens fehlt der Schuldendienst â Zins und Tilgung. Immobiliendarlehen, Autofinanzierung, Konsumentenkredit, Leasingrate: Bei vielen Haushalten ist das nach der Miete der zweitgröĂte Abfluss, und in keiner der genannten Positionen ist er enthalten. Er ist zugleich das Musterbeispiel des Themas: Die Tilgung ist eine Zahlung ohne Aufwand, taucht in keiner Aufwandsbetrachtung auf und muss trotzdem monatlich bedient werden. Er ist der dritte tragfĂ€hige Fund und in einer lĂ€ngeren Fassung der Frage Pflicht.
âš+2â© Viertens fehlt die PeriodizitĂ€t. Kfz-Steuer, Nebenkostennachzahlung, Reparaturen, Urlaub â und bei den zwar genannten Versicherungen die Tatsache, dass sie hĂ€ufig als Jahresbeitrag in einem einzigen Monat abflieĂen statt in zwölf gleichen Raten. Ohne RĂŒcklage gelten sie fĂ€lschlich als unvorhersehbare NotfĂ€lle und werden ĂŒber den Dispo finanziert. Das ist der Unterschied zwischen einer Aufwands- und einer echten Zahlungsstromrechnung: Nicht was regelmĂ€Ăig ist, gehört in den Plan, sondern alles, was tatsĂ€chlich flieĂt â zum jeweils richtigen Zeitpunkt.
Erwartung â eigene EinschĂ€tzung, nicht belegt: Zu dieser Abbildung liegt weder im Kompass noch in den Vorlesungssignalen etwas vor; die Aufgabe ist frei nach dem Muster der âWas fehlt?"-Fragen gebaut. Fachlich tragfĂ€hig und deshalb hier gewĂ€hlt: zwei substanzielle LĂŒcken mit je einem Satz BegrĂŒndung statt fĂŒnf Stichworten, und das Sparen als eigenstĂ€ndige Zahlung statt als RestgröĂe als erster Treffer. Aus der Aufgabenstellung selbst belegt ist dagegen diese Warnung: Versicherungen stehen in der Abbildung â sie als fehlend zu nennen, ist die Stelle, an der der Korrektor den Stift ansetzt. Kritisierbar ist nur ihre PeriodizitĂ€t.
16. Effektivzins und Tilgungsplan (10 P) â aus dem Abdeckungs-Sweep
a) 4 P. Erstellen Sie den Tilgungsplan der ersten drei Jahre in einer Tabelle mit den Spalten Restschuld zu Jahresbeginn, Zinsanteil, Tilgungsanteil und AnnuitÀt. Geben Sie die Rechenwege an.
b) 3 P. ErlĂ€utern Sie in ganzen SĂ€tzen, warum der Effektivzins ĂŒber dem Nominalzins liegt. Gehen Sie dabei sowohl auf das Disagio als auch auf die unterjĂ€hrige Zahlungsweise ein, wie sie in der Praxis ĂŒblich ist und in dieser Aufgabe vereinfachend ausgeklammert wurde.
c) 3 P. Berechnen Sie den Effektivzins nĂ€herungsweise. Benennen Sie die verwendete NĂ€herungsformel ausdrĂŒcklich und geben Sie den Rechenweg an.
Verwendete Symbole: = Nennbetrag (Darlehensschuld) in Euro · = Auszahlungsbetrag in Euro · = Disagio in Euro · = Disagio als Dezimalanteil des Nennbetrags · = Nominalzins p. a. · = Effektivzins p. a. · = jÀhrliche AnnuitÀt in Euro · = Restschuld in Euro · = Zinsanteil in Euro · = Tilgungsanteil in Euro · = Verteilungsdauer des Disagios in Jahren (hier die Zinsbindung).
Benannte Annahmen: Die AnnuitĂ€t bleibt ĂŒber die gesamte Zinsbindung konstant, Zins und Tilgung werden jeweils am Jahresende gezahlt, das Disagio wird gleichmĂ€Ăig ĂŒber die zehnjĂ€hrige Zinsbindung verteilt und einmalige Nebenkosten wie eine BearbeitungsgebĂŒhr fallen annahmegemÀà nicht an.
a) 4 P. â Tilgungsplan der ersten drei Jahre
Zuerst ist die AnnuitÀt zu bestimmen. Beim AnnuitÀtendarlehen wird sie aus Nominalzins und anfÀnglicher Tilgung gebildet, und zwar stets bezogen auf den Nennbetrag und nicht auf den geringeren Auszahlungsbetrag:
âš1â© Innerhalb dieser konstanten AnnuitĂ€t verschiebt sich das VerhĂ€ltnis von Jahr zu Jahr: Der Zinsanteil berechnet sich als und sinkt, weil die Restschuld sinkt; der Tilgungsanteil ergibt sich als Differenz und steigt entsprechend. âš2â©
| Jahr | Restschuld zu Jahresbeginn | Zinsanteil (5,00 %) | Tilgungsanteil | AnnuitÀt | Restschuld zum Jahresende |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 200.000,00 ⏠| 10.000,00 ⏠| 4.000,00 ⏠| 14.000,00 ⏠| 196.000,00 ⏠|
| 2 | 196.000,00 ⏠| 9.800,00 ⏠| 4.200,00 ⏠| 14.000,00 ⏠| 191.800,00 ⏠|
| 3 | 191.800,00 ⏠| 9.590,00 ⏠| 4.410,00 ⏠| 14.000,00 ⏠| 187.390,00 ⏠|
Die Rechenwege lauten im Einzelnen: Im ersten Jahr ist und damit , woraus eine Restschuld von folgt. Im zweiten Jahr ergibt sich , und . Im dritten Jahr schlieĂlich , und . âš3â©
Als Kontrolle bietet sich das Tilgungswachstum an: Der Tilgungsanteil wĂ€chst in jedem Jahr exakt mit dem Faktor , denn und . Wer diese Regel kennt, kann jede Zeile in Sekunden prĂŒfen und erkennt sofort, dass ein AnnuitĂ€tendarlehen mit nur 2,00 % Anfangstilgung sehr lange lĂ€uft: Bis zur vollstĂ€ndigen Tilgung vergehen 26 Jahre (die letzte Rate betrĂ€gt nur noch 9.546,18 âŹ), und nach den zehn Jahren Zinsbindung stehen noch 149.688,43 ⏠offen, also rund drei Viertel des ursprĂŒnglichen Betrags. âš4â©
b) 3 P. â Warum der Effektivzins ĂŒber dem Nominalzins liegt
Der Nominalzins ist lediglich der Preis, den die Bank auf die Darlehensschuld verlangt, wĂ€hrend der Effektivzins die tatsĂ€chliche jĂ€hrliche Belastung bezogen auf das Geld misst, das dem Unternehmen wirtschaftlich zur VerfĂŒgung steht. Fallen diese beiden BezugsgröĂen auseinander, weichen Nominal- und Effektivzins voneinander ab; die Richtung der Abweichung hĂ€ngt davon ab, zu wessen Gunsten sie auseinanderfallen. Wird weniger ausgezahlt als geschuldet â der Fall des Disagios â, liegt der Effektivzins ĂŒber dem Nominalzins; bei einem Agio wĂ€re es umgekehrt. Dasselbe gilt fĂŒr die zeitliche Struktur: FlieĂen die Zahlungen frĂŒher als der unterstellte Jahresrhythmus, hebt das den Effektivzins zusĂ€tzlich. âš5â©
Der erste und hier gewichtigere Grund ist das Disagio. Die Kern Metallbau GmbH schuldet der Bank 200.000,00 âŹ, ausgezahlt bekommt sie wegen des Auszahlungskurses von 98 % aber nur ; die Differenz von 4.000,00 ⏠ist ein vorweggenommener Zinsbestandteil, den die Bank sofort einbehĂ€lt. Verzinst und getilgt wird gleichwohl der volle Nennbetrag, sodass fĂŒr jeden tatsĂ€chlich erhaltenen Euro mehr Zins gezahlt wird, als der Nominalsatz vermuten lĂ€sst. Wirtschaftlich ist das Disagio damit nichts anderes als eine Zinsvorauszahlung, die den ausgewiesenen Nominalzins optisch niedrig hĂ€lt â ein Grund, warum der Vergleich zweier Kreditangebote niemals ĂŒber den Nominalzins gefĂŒhrt werden darf. âš6â©
Der zweite Grund ist die unterjĂ€hrige Zahlungsweise. In der Praxis werden AnnuitĂ€tendarlehen monatlich bedient, also mit zwölf Raten von je 1.166,67 ⏠statt einer Jahresrate von 14.000,00 âŹ. Damit flieĂt der Bank ein erheblicher Teil des Geldes bereits im Laufe des Jahres zu und kann von ihr weiter angelegt werden, wĂ€hrend der Kreditnehmer die entsprechenden BetrĂ€ge frĂŒher entbehren muss. Aus diesem Vorziehen der Zahlungsströme entsteht ein zusĂ€tzlicher Zinseffekt, der den effektiven Jahreszins ĂŒber den nominalen Jahreszins hebt â im vorliegenden Fall wĂŒrde die monatliche Zahlungsweise den Effektivzins von rund 5,29 % auf rund 5,42 % anheben. Hinzu kommt, dass einmalige Nebenkosten wie eine BearbeitungsgebĂŒhr wirtschaftlich genau wie das Disagio wirken: Sie mindern den verfĂŒgbar bleibenden Betrag, ohne die Bemessungsgrundlage fĂŒr Zins und Tilgung zu senken, und heben den Effektivzins entsprechend an. Sie sind hier annahmegemÀà ausgeschlossen. âš7â©
c) 3 P. â NĂ€herungsweise Berechnung des Effektivzinses
Verwendet wird die NĂ€herungsformel von Bösch (im Lehrbuch Formel D-8, âNĂ€herungswert fĂŒr Effektivzins bei endfĂ€lligen Krediten"). Sie setzt die gesamte jĂ€hrliche Zinsbelastung â bestehend aus dem laufenden Nominalzins und dem anteilig auf die Laufzeit verteilten Disagio â ins VerhĂ€ltnis zum tatsĂ€chlich verfĂŒgbaren Anteil der Kreditsumme. In Böschs Schreibweise, in der das Disagio als Dezimalanteil eingesetzt wird, lautet sie
Gleichwertig, und fĂŒr die Aufgabe hier bequemer, lĂ€sst sie sich in EurobetrĂ€gen schreiben, indem ZĂ€hler und Nenner mit dem Nennbetrag multipliziert werden:
âš8â© Die Bestandteile sind zunĂ€chst einzeln zu bestimmen. Der laufende Nominalzins des ersten Jahres betrĂ€gt . Das Disagio belĂ€uft sich auf . FĂŒr ist eine Entscheidung zu treffen und zu begrĂŒnden: Bösch schreibt âKreditlaufzeit", diese lĂ€uft bei nur 2,00 % Anfangstilgung jedoch 26 Jahre bis zur Volltilgung. Angesetzt wird hier die zehnjĂ€hrige Zinsbindung, weil das Disagio wirtschaftlich der Preis fĂŒr den festgeschriebenen Zinssatz ist und nach Ablauf der Zinsbindung neu verhandelt wird â das entspricht der Bankpraxis. Daraus folgt je Jahr. Die Wahl ist nicht kosmetisch: Ăber die volle Laufzeit von 26 Jahren gerechnet ergĂ€be dieselbe Formel nur 5,18 %. Der Auszahlungsbetrag betrĂ€gt . âš9â©
Eingesetzt ergibt sich
Der Effektivzins liegt damit um 0,31 Prozentpunkte ĂŒber dem Nominalzins von 5,00 %, was einer Mehrbelastung von gut 6 % gegenĂŒber dem nominalen Zinsaufwand entspricht. Zur Ehrlichkeit der Antwort gehört mehr als der Hinweis âdas ist eine NĂ€herung". Bösch definiert Formel D-8 ausdrĂŒcklich fĂŒr endfĂ€llige Kredite (Zinsdarlehen), und das aus einem mechanischen Grund: Dort bleibt die Restschuld konstant, also auch die Zinsbelastung â genau die Annahme, auf der die Formel ruht. Hier liegt jedoch ein AnnuitĂ€tendarlehen vor, dessen Zinsanteil von 10.000,00 ⏠im ersten auf 7.794,69 ⏠im zehnten Jahr sinkt. Die Formel wird also bewusst auĂerhalb ihres Geltungsbereichs eingesetzt und ĂŒberschĂ€tzt deshalb systematisch: Die exakte finanzmathematische Rechnung â Auszahlungsbetrag gleich Barwert aller RĂŒckzahlungen, also zehn AnnuitĂ€ten plus Restschuld ĂŒber die Zinsbindung â liefert 5,29 % gegenĂŒber den 5,31 % der NĂ€herung. FĂŒr eine Klausurrechnung ohne Iteration ist das nah genug; als exaktes Ergebnis verkauft, wĂ€re es falsch. âš10â©
âš+1â© Die exakte Bestimmung des Effektivzinses ist strukturell dieselbe Aufgabe wie der interne ZinsfuĂ aus der Investitionsrechnung, nur mit umgekehrtem Vorzeichen: Gesucht ist derjenige Zinssatz, bei dem der Barwert aller RĂŒckzahlungen â hier zehn AnnuitĂ€ten von 14.000,00 ⏠plus die Restschuld von 149.688,43 ⏠am Ende des zehnten Jahres â genau dem Auszahlungsbetrag von 196.000,00 ⏠entspricht. Der Horizont muss dabei benannt werden, weil er das Ergebnis verschiebt: Ăber die Zinsbindung gerechnet ergeben sich die 5,29 %, ĂŒber alle 26 Raten bis zur Volltilgung dagegen 5,20 %. Wer diese BrĂŒcke im Kopf hat, kann eine Effektivzinsaufgabe notfalls mit derselben Interpolationstechnik lösen, die er bei der Investitionsrechnung ohnehin beherrscht.
âš+2â© Die Restschuld nach der Zinsbindung lĂ€sst sich ohne vollstĂ€ndigen Tilgungsplan in einem Schritt berechnen, was in der Klausur viel Zeit spart. Es gilt mit und , also . Dieses Ergebnis stimmt mit der Fortschreibung des Tilgungsplans ĂŒber zehn Zeilen exakt ĂŒberein und eignet sich hervorragend als Kontrollrechnung.
âš+3â© FĂŒr die Beurteilung des Angebots ist entscheidend, dass ein Disagio kein Geschenk und keine Falle ist, sondern eine reine Umverteilung ĂŒber die Zeit: Die Bank verlangt einen Teil der Zinsen sofort und senkt dafĂŒr den laufenden Satz. Das kann sinnvoll sein, wenn das Unternehmen die Zinsvorauszahlung steuerlich sofort geltend machen möchte oder eine niedrige laufende Belastung braucht. Nachteilig wird es, wenn vorzeitig getilgt oder umgeschuldet werden soll: Der Vorteil des Disagios â der abgesenkte laufende Zinssatz â wirkt nur, solange der Kredit lĂ€uft, wĂ€hrend die Zinsvorauszahlung bereits vollstĂ€ndig geflossen ist. Ob und in welchem Umfang der auf die Restlaufzeit entfallende Teil bei vorzeitiger Ablösung erstattet wird, hĂ€ngt von der Vertragsgestaltung ab und ist im Vorfeld zu klĂ€ren.
Rohleders Erwartung: In a) verlangt er den vollstĂ€ndigen Tilgungsplan mit ausgewiesenen Zwischenschritten; der hĂ€ufigste Fehler ist, die AnnuitĂ€t auf den Auszahlungsbetrag von 196.000,00 ⏠statt auf den Nennbetrag zu beziehen. In b) reicht ihm nicht der Satz âwegen des Disagios" â er will beide Ursachen sauber getrennt und jeweils mit der wirtschaftlichen Wirkung begrĂŒndet sehen, in ganzen SĂ€tzen. In c) muss die Formel bei ihrem Namen genannt werden â NĂ€herungsformel von Bösch, Formel D-8 â, und zwar samt ihrem Geltungsbereich: Sie ist fĂŒr endfĂ€llige Kredite definiert, wird hier also bewusst auf ein AnnuitĂ€tendarlehen ĂŒbertragen. Der Kompass fĂŒhrt âBeurteilen Sie die NĂ€herungsformel von Bösch" als offene Frage; wer die NĂ€herung als exaktes Ergebnis verkauft oder ihren Geltungsbereich verschweigt, verliert genau dort den letzten Punkt.
17. Gleichgewichtiges Umsatzwachstum (5 P) â aus dem Abdeckungs-Sweep
a) 2 P. Definieren Sie das gleichgewichtige Umsatzwachstum und geben Sie die Bestimmungsformel an.
b) 2 P. Berechnen Sie das gleichgewichtige Umsatzwachstum der Sattler Systemtechnik GmbH. Geben Sie den Rechenweg an.
c) 1 P. Interpretieren Sie das Ergebnis in zwei bis drei SĂ€tzen und erlĂ€utern Sie, wozu die GröĂe in der Finanzplanung dient.
Verwendete Symbole: = gleichgewichtiges Umsatzwachstum · = AusschĂŒttungsquote (Lehrbuch-Konvention; die Einbehaltungs- bzw. Thesaurierungsquote ist entsprechend ) · = Nettomarge (Umsatzrendite) · = Verschuldungsgrad · = wachstumsinduzierte Aktiva je zusĂ€tzlicher Umsatzeinheit · = EigenkapitalrentabilitĂ€t · = JahresĂŒberschuss in Euro · = Eigenkapital in Euro · = Fremdkapital in Euro · = Umsatz in Euro · = Bilanzsumme in Euro.
Benannte Annahmen: Nettomarge, KapitalumschlagshĂ€ufigkeit, Verschuldungsgrad und AusschĂŒttungsquote bleiben unverĂ€ndert, die wachstumsinduzierten Aktiva je Umsatzeinheit entsprechen bei konstanter KapitalumschlagshĂ€ufigkeit dem Kehrwert des Umschlags (), und es findet keine Kapitalerhöhung von auĂen statt. Das Fremdkapital ergibt sich als Differenz aus Bilanzsumme und Eigenkapital, betrĂ€gt also ebenfalls 1.000.000,00 âŹ, woraus ein Verschuldungsgrad von folgt.
a) 2 P. â Definition und Bestimmungsformel
Das gleichgewichtige Umsatzwachstum â im Lehrbuch auch als (finanzwirtschaftlich) nachhaltiges Wachstum bezeichnet â ist diejenige Wachstumsrate, bei der zwei Bedingungen zugleich erfĂŒllt sind. Erstens bleibt der Verschuldungsgrad unverĂ€ndert, das neu aufgenommene Fremdkapital wĂ€chst also genau proportional zum thesaurierten Gewinn (). Zweitens wird die durch den Umsatzanstieg ausgelöste Erhöhung der Aktiva gerade durch die aus diesem Umsatzanstieg entstehenden Finanzmittel gedeckt â nicht mehr und nicht weniger. Auf diesem Pfad wachsen alle relevanten GröĂen proportional zum Umsatz: Eigenkapital, Fremdkapital, Anlagevermögen, Umlaufvermögen, JahresĂŒberschuss und GewinnausschĂŒttung. Das Wachstum wird damit nicht ausschlieĂlich aus Innenfinanzierung getragen â die Thesaurierung ist die treibende GröĂe, die proportionale Fremdkapitalaufnahme kommt hinzu; neues Eigenkapital von auĂen ist ausgeschlossen. Rohleder ergĂ€nzt dazu, dass bei konstantem Wachstum kein Nutzen des Leverageeffekts erfolgt: Im Gleichgewicht wird der Fremdkapitalhebel nicht als zusĂ€tzlicher Wachstumstreiber eingesetzt. âš1â©
Daraus folgt die Bestimmungsformel. Sie lautet in ihrer vollstÀndigen Form (Formel J-1)
mit = Nettomarge (Umsatzrendite), = AusschĂŒttungsquote, = Verschuldungsgrad und = wachstumsinduzierte Aktiva je zusĂ€tzlicher Umsatzeinheit (, bei konstanter KapitalumschlagshĂ€ufigkeit also der Kehrwert des Umschlags). ZĂ€hler und Nenner spiegeln unmittelbar die beiden Bedingungen: Im ZĂ€hler stehen die aus dem Wachstum entstehenden Finanzmittel â thesaurierter Gewinn zuzĂŒglich der bei konstantem Verschuldungsgrad mitwachsenden Fremdkapitalaufnahme, zusammengefasst im Faktor â, im Nenner die dafĂŒr zu deckende Kapitalbindung , vermindert um denselben ZĂ€hlerausdruck. Dieser Abzug ist der eigentliche Kern der Formel: Die finanzierenden Mittel hĂ€ngen am gewachsenen Umsatz , nicht am alten â genau dieser RĂŒckkopplung verdankt J-1 seinen Nenner, und genau sie fĂ€llt in der Kurzform J-2 weg. Weil dieser Ausdruck sperrig ist, wird er hĂ€ufig zu verkĂŒrzt (Formel J-2); diese Kurzform ist eine NĂ€herung und wird im Bonus-Block gesondert eingeordnet. âš2â©
b) 2 P. â Berechnung
Zuerst werden die vier Bestandteile der Formel einzeln bestimmt. Die Nettomarge ist mit unmittelbar gegeben. Die AusschĂŒttungsquote betrĂ€gt , die Einbehaltungsquote also . Der Verschuldungsgrad ergibt sich aus zu , sodass ist. Die wachstumsinduzierten Aktiva je Umsatzeinheit betragen bei einer KapitalumschlagshĂ€ufigkeit von gerade . âš3â©
Der ZĂ€hler ist damit , der Nenner . Eingesetzt in Formel J-1 ergibt sich
Die Probe ĂŒber die Kapitalbindung ist der eigentliche PrĂŒfstein, und sie schlieĂt unter Formel J-1 auf den Cent: Der Umsatz steigt auf , der Zuwachs betrĂ€gt also 681.818,18 âŹ, und die wachstumsinduzierte Kapitalbindung liegt bei . Dem stehen an neuen Finanzmitteln der thesaurierte Gewinn des Wachstumsjahres von und die bei konstantem Verschuldungsgrad mögliche Fremdkapitalaufnahme in gleicher Höhe gegenĂŒber â zusammen exakt 272.727,27 âŹ. Verschuldungsgrad (1.136.363,64 / 1.136.363,64 = 1,00) und KapitalumschlagshĂ€ufigkeit (5.681.818,18 / 2.272.727,27 = 2,50) bleiben unverĂ€ndert, das Gleichgewicht ist also tatsĂ€chlich erfĂŒllt. Rechnet man dagegen mit der verkĂŒrzten Formel J-2, so erhĂ€lt man ; dahinter steht die Unterstellung, dass das Wachstum aus dem Gewinn des Vorjahres finanziert wird (120.000,00 ⏠statt der im Wachstumsjahr tatsĂ€chlich anfallenden 134.400,00 âŹ). Genau darin besteht die Vereinfachung, und genau deshalb fĂ€llt ihr Ergebnis um 1,64 Prozentpunkte zu niedrig aus. âš4â©
c) 1 P. â Interpretation und Nutzen in der Finanzplanung
Die Sattler Systemtechnik GmbH kann aus eigener Kraft um 13,64 % im Jahr wachsen; die angestrebten 20,00 % ĂŒbersteigen diese Grenze um 6,36 Prozentpunkte, sodass der Prokurist recht hat. FĂŒr die Differenz muss das Unternehmen entweder Kapital von auĂen zufĂŒhren â durch eine Einlage der Gesellschafter, durch eine Erhöhung des Verschuldungsgrads ĂŒber die bisherige Relation hinaus oder durch eine Senkung der AusschĂŒttung â, oder es muss die Kapitalbindung senken, etwa durch kĂŒrzere Zahlungsziele, geringere Vorratsreichweite oder Leasing statt Kauf. In der Finanzplanung dient die Kennzahl damit als FrĂŒhwarn- und PlausibilitĂ€tsmaĂ: Sie zeigt vor der Aufstellung des Finanzplans, ob ein Umsatzziel ĂŒberhaupt aus eigener Kraft tragfĂ€hig ist, und macht das in der Praxis verbreitete PhĂ€nomen greifbar, dass Unternehmen nicht an Verlusten, sondern an zu schnellem Wachstum scheitern, weil der LiquiditĂ€tsbedarf des Wachstums schneller steigt als die Innenfinanzierungskraft. Die Kennzahl wirkt dabei in beide Richtungen: Liegt das tatsĂ€chliche Wachstum unter der gleichgewichtigen Rate, entstehen umgekehrt finanzielle SpielrĂ€ume, die fĂŒr eine höhere AusschĂŒttung, fĂŒr Kredittilgung oder fĂŒr den LiquiditĂ€tsaufbau genutzt werden können. Auch fĂŒr AuĂenstehende â insbesondere kreditgebende Banken â ist der Vergleich beider Raten aufschlussreich, weil er sofort sichtbar macht, womit sich das Management vorrangig beschĂ€ftigen muss. AusdrĂŒcklich zu betonen ist allerdings, dass die Gleichgewichtigkeit allein aus finanzieller Perspektive beurteilt wird: Ob genĂŒgend Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter fĂŒr dieses Wachstum vorhanden sind, ist eine andere Frage, die die Kennzahl nicht beantwortet. âš5â©
âš+1â© Die Stellschrauben der Formel lassen sich am Beispiel unmittelbar quantifizieren, was in einer ErlĂ€uterungsaufgabe stark wirkt. WĂŒrde die AusschĂŒttungsquote von 40 % auf 20 % gesenkt, stiege nach J-1 auf ; wĂŒrde stattdessen die Nettomarge von 4,00 % auf 5,00 % verbessert, ergĂ€be sich ; bei vollstĂ€ndigem Verzicht auf die AusschĂŒttung wĂ€ren es . Damit lĂ€sst sich die Frage des GeschĂ€ftsfĂŒhrers direkt beantworten: Sein Ziel von 20,00 % ist ohne externes Kapital genau dann erreichbar, wenn die AusschĂŒttungsquote auf 16,67 % () gesenkt wird â denn dann ist .
âš+2â© Wichtig ist die Rangfolge der beiden Formeln, weil sie oft vertauscht wird. Exakt ist â im Beispiel und damit identisch mit dem Ergebnis aus Formel J-1, was beide Wege gegenseitig bestĂ€tigt. Die gelĂ€ufige Kurzform entsteht daraus durch Streichen des Nenners und ist folglich die NĂ€herung, nicht die Grundformel. Bösch begrĂŒndet die Streichung damit, dass der Nenner ânahe bei 1" liege â das trifft fĂŒr kleine Wachstumsraten zu, hier aber nur bedingt: Bei ist der Nenner 0,88, und die Vereinfachung drĂŒckt das Ergebnis von 13,64 % auf 12,00 %. Ein Nebeneffekt derselben Algebra: Die Kurzform ist genau dann exakt, wenn die EigenkapitalrentabilitĂ€t auf das Eigenkapital zu Periodenbeginn bezogen wird, die lange Form dagegen, wenn auf das Eigenkapital am Periodenende bezogen wird. Wer beide Formeln nennt und sagt, welche er verwendet, ist gegen jede Erwartungshaltung abgesichert.
âš+3â© Die Zerlegung zeigt, dass in der Kurzform dieselben vier GröĂen stecken wie in Formel J-1: Einbehaltungsquote, Umsatzrendite, KapitalumschlagshĂ€ufigkeit und Kapitalstrukturfaktor, wobei gilt. Daran schlieĂt der Bezug zum Leverage-Effekt an: Das gleichgewichtige Wachstum unterstellt einen konstanten Verschuldungsgrad und blendet damit aus, dass sich Wachstum auch durch bewusste Erhöhung des Verschuldungsgrads beschleunigen lĂ€sst, solange die GesamtkapitalrentabilitĂ€t ĂŒber dem Fremdkapitalzins liegt. Diese Beschleunigung erkauft man sich jedoch mit höherem Kapitalstrukturrisiko â das gleichgewichtige Wachstum ist insofern die konservative, das Leverage-KalkĂŒl die offensive Sicht auf dieselbe Frage.
Rohleders Erwartung: In a) will er eine echte Definition mit den beiden benannten Bedingungen â konstanter Verschuldungsgrad und exakte Deckung der wachstumsinduzierten Kapitalbindung durch die wachstumsinduziert verfĂŒgbaren Finanzmittel â und die Formel, nicht die Umschreibung âso schnell wie das Unternehmen wachsen kann". Wer âausschlieĂlich aus Innenfinanzierung" schreibt, hat die zweite Bedingung ĂŒbersehen: Das Fremdkapital wĂ€chst mit. In b) achtet er darauf, dass die Bestandteile , , und einzeln ausgewiesen sind, statt nur die Endzahl zu nennen â und dass, wer die Kurzform benutzt, sie ausdrĂŒcklich als NĂ€herung kennzeichnet. In c) belohnt er den Bezug zur Praxis: dass die Kennzahl eine Planungsgrenze in beide Richtungen markiert, dass gesundes Wachstum an der LiquiditĂ€t scheitern kann, obwohl Gewinne erzielt werden, und dass die Aussage allein finanzwirtschaftlich gilt.
18. Kapitalerhöhung, Bezugsrecht und AktienrĂŒckkauf (10 P)
a) 3 P. ErlĂ€utern Sie die Motive einer Kapitalerhöhung (finanziell und strategisch) sowie das zentrale Problem, das jede Kapitalerhöhung fĂŒr die Altgesellschafter aufwirft. Definieren Sie dabei den Begriff der VerwĂ€sserung.
b) 5 P. Zeigen Sie am Zahlenbeispiel, dass der nicht teilnehmende AltaktionĂ€r durch den Wert des Bezugsrechts vor einem Vermögensnachteil geschĂŒtzt ist. Rechnen Sie Mischkurs, Bezugsrechtswert sowie Anfangs- und Endvermögen vor.
c) 2 P. Unter welchen Voraussetzungen ist ein AktienrĂŒckkauf zulĂ€ssig, und welche zwei GrĂŒnde sprechen aus Unternehmenssicht dafĂŒr?
Verwendete Symbole: K = Kurs der Altaktie in ⏠· E = Ausgabepreis der jungen Aktie in ⏠· a : n = BezugsverhÀltnis (alte zu neuen Aktien).
a) 3 P. â Motive und zentrales Problem
Rohleder trennt die Motive in zwei Gruppen. Finanzielle Motive: Es werden schlicht Mittel gebraucht â fĂŒr Investitionen, die Erhöhung des Working Capital oder die Tilgung von Krediten (Mehrnutzung), oder um LĂŒcken zu schlieĂen, wenn rĂŒcklĂ€ufige Finanzierungskomponenten nicht durch Gewinn, Kredite oder Desinvestitionen gedeckt werden können. âš1â© Strategische Motive: Hier geht es nicht um den Geldbedarf, sondern um die Struktur â Ersetzen von Fremd- durch Eigenkapital (Anpassung des Verschuldungsgrads), Neuausrichtung des Unternehmens mit hohem Investitionsbedarf oder das Erweitern des Gesellschafterkreises um einen Investor mit wichtigen GeschĂ€ftsbeziehungen und Erfahrung. âš2â© Zentrales Problem: Bei jeder Kapitalerhöhung verschieben sich die GeschĂ€ftsanteile, und investierte Personen können dadurch Nachteile erleiden, etwa beim Einfluss auf das Unternehmen. VerwĂ€sserung ist das Sinken der relativen GeschĂ€ftsanteile eines Gesellschafters durch eine Kapitalerhöhung â und zwar dann, wenn er prozentual weniger beigetragen hat, als sein GeschĂ€ftsanteil zuvor war. Schutz bieten Vereinbarungen im Gesellschaftsvertrag und bei der AG die gesetzlichen Regelungen, allen voran das Bezugsrecht. âš3â©
b) 5 P. â Das Zahlenbeispiel
Ausgangsvermögen des AltaktionĂ€rs: . âš4â© Nach der Erhöhung sind teure alte und gĂŒnstige junge Aktien im Umlauf; der Mischkurs ist der gewichtete Durchschnitt:
âš5â© Der Wert eines Bezugsrechts ist der Kursabschlag der Altaktie: , allgemeingĂŒltig ĂŒber . (Der verbreitete Merksatz âMischkurs minus Ausgabepreis" liefert nur beim VerhĂ€ltnis 1:1 denselben Wert â bei 2:1 wĂ€re er doppelt so hoch wie richtig.) âš6â© Der AltaktionĂ€r verkauft seine 5 Bezugsrechte: ; seine 5 behaltenen Aktien stehen zum Mischkurs bei . âš7â© Endvermögen: = Ausgangsvermögen â der KursrĂŒckgang von 11,00 ⏠auf 8,00 ⏠wird durch den Bezugsrechtserlös exakt ausgeglichen, der nicht teilnehmende AltaktionĂ€r erleidet keinen Vermögensnachteil. Genau das ist die Schutzfunktion des Bezugsrechts. âš8â©
c) 2 P. â AktienrĂŒckkauf
Voraussetzungen (Rohleder zitiert Bösch, S. 133): RĂŒckkaufprogramme sind nur zulĂ€ssig, wenn die Unternehmung ĂŒber ausreichend freie RĂŒcklagen oder einen entsprechend hohen Bilanzgewinn verfĂŒgt â damit ist sichergestellt, dass die Mittel auch fĂŒr Dividenden vorhanden gewesen wĂ€ren; zusĂ€tzlich muss die Hauptversammlung den RĂŒckkauf genehmigen (nach § 71 AktG: ErmĂ€chtigung auf höchstens 5 Jahre befristet, Bestand eigener Aktien maximal 10 % des Grundkapitals). âš9â© Zwei GrĂŒnde: Erstens die FlexibilitĂ€t gegenĂŒber der Dividende samt Signalwirkung â der RĂŒckkauf stĂŒtzt und stabilisiert den Aktienkurs, ohne eine dauerhafte AusschĂŒttungserwartung zu wecken. Zweitens strategische Nutzung: weniger Aktien im Umlauf und eigene Aktien als AkquisitionswĂ€hrung bei Fusionen und Ăbernahmen. âš10â©
âš+1â© Die weiteren Formen der Kapitalerhöhung als Abgrenzungs-Dreier: Genehmigtes Kapital â Beschluss auf Vorrat fĂŒr bis zu 5 Jahre, gibt der Leitung FlexibilitĂ€t beim Zeitpunkt; bedingte Kapitalerhöhung â an konkrete Bedingungen geknĂŒpft, die den Vorstand einschrĂ€nken und den Zweck garantieren; Erhöhung aus Gesellschaftsmitteln â keine Mittel von auĂen, GewinnrĂŒcklagen werden in gezeichnetes Kapital umgewandelt. Der Aktiensplit ist dagegen gar keine Kapitalerhöhung: Er senkt nur den Marktwert je Aktie und vergröĂert so den KĂ€ufermarkt.
âš+2â© Kompass-Warnung fĂŒr die Klausur: Rohleders eigener AntwortschlĂŒssel rechnet in diesem Beispiel mit fehlerhaften Zwischenwerten (Mischkurs 7,00 statt 8,00; Bezugsrecht 2,00 statt 3,00) und landet nur wegen zweier sich kompensierender Fehler ebenfalls bei 55,00 âŹ. Die hier gezeigten Zwischenschritte sind die fachlich richtigen â wer sie sauber ausweist, ist auf der sicheren Seite, egal welche Musterlösung aufliegt.
Rohleders Erwartung: Die Aufgabe #06 seines Kompasses verlangt wörtlich ein âeigenes Zahlenbeispiel" â er will die vollstĂ€ndige Kette Ausgangsvermögen â Mischkurs â Bezugsrechtswert â Endvermögen mit dem Schluss-Satz âkein Nachteil" sehen, nicht nur die Bezugsrechtsformel. In a) zĂ€hlt die saubere Trennung finanziell/strategisch, in c) das Bösch-Zitat-Wissen (freie RĂŒcklagen/Bilanzgewinn + Hauptversammlung).
19. Selbstfinanzierung offen und still â und Factoring (8 P)
a) 3 P. Grenzen Sie offene und stille Selbstfinanzierung voneinander ab.
b) 3 P. Beurteilen Sie die stille Selbstfinanzierung aus drei Blickwinkeln: Management, Eigenkapital und Volkswirtschaft.
c) 2 P. Was ist Factoring? Nennen Sie je zwei Vorteile und zwei Nachteile.
a) 3 P. â Offene vs. stille Selbstfinanzierung
Selbstfinanzierung ist Finanzierung aus dem eigenen Unternehmen â durch Thesaurierung oder das Einbehalten stiller Reserven aus BewertungsspielrĂ€umen. Der Unterschied liegt in der Erkennbarkeit. âš1â© Offene Selbstfinanzierung ist anhand der Bilanz erkennbar: Gewinne werden nicht ausgeschĂŒttet und erscheinen als GewinnrĂŒcklagen. âš2â© Stille Selbstfinanzierung ist von auĂen nicht zu erkennen: Sie beruht auf stillen Reserven â durch Unterbewertung von Aktiva (z. B. unterbewertetes Anlagevermögen) ebenso wie durch Ăberbewertung von Passiva (z. B. zu hoch bemessene RĂŒckstellungen); wird das Vermögen spĂ€ter verĂ€uĂert oder die RĂŒckstellung aufgelöst, entsteht ein höherer Gewinn, als die Bilanz auswies. Merksatz: offen = sichtbar (GewinnrĂŒcklagen), still = verborgen (BewertungsspielrĂ€ume auf beiden Bilanzseiten). âš3â©
b) 3 P. â Drei Blickwinkel
Management-Sicht: Ăber erhöhte Abschreibungen gelingt es, Gewinne still und unbemerkt unversteuert im Unternehmen zu belassen â daher der Name. Der operative Cashflow steigt in Höhe der in die Zukunft verschobenen Steuerzahlungen, von Rohleder mit rund 30,00 % als SchĂ€tzung angesetzt. âš4â© Eigenkapital-Sicht: Es kommt zur Mehrung des Eigenkapitals â die einbehaltenen Mittel stĂ€rken die Haftungsbasis, ohne dass neue Gesellschafter oder GlĂ€ubiger beteiligt werden mĂŒssen. âš5â© Volkswirtschaftliche Sicht: Unternehmen, die vermeintlich weniger Gewinn erwirtschaften, sparen Steuern; diese Gelder werden der Allgemeinheit erst spĂ€ter zugefĂŒhrt. Zugleich sind einige Unternehmen durch massive stille Reserven stark unterbewertet â die Bilanz verliert an Aussagekraft. âš6â©
c) 2 P. â Factoring
Factoring ist der Kauf kurzfristiger Forderungen: Das Unternehmen erhĂ€lt sofort die finanziellen Mittel und zahlt dafĂŒr einen Abschlag an die Bank (den Factor). Drei Funktionen: Finanzierung (sofortige LiquiditĂ€t), Delkredere (beim echten Factoring ĂŒbernimmt der Factor das Ausfallrisiko â beim unechten bleibt es beim VerkĂ€ufer, wirtschaftlich dann ein Kredit) und Dienstleistung (Debitorenmanagement, Mahnwesen). Rohleder ordnet es als langfristige strategische Entscheidung ein â kontinuierlicher Geldstrom durch regelmĂ€Ăigen Verkauf aller Forderungen, nicht Einmal-LiquiditĂ€t. âš7â© Vorteile: schnelle LiquiditĂ€t und (beim echten Factoring) Wegfall des Ausfallrisikos; dazu keine EintreibungsaufwĂ€nde, kĂŒrzere Bilanz, höhere BonitĂ€t. Nachteile: die Kosten des Factors (Abschlag) und es entsteht kein langfristiges Kapital â Factoring finanziert das Umlaufvermögen, nicht die Investition. âš8â©
âš+1â© Die U16-Systematik komplett macht Eindruck: Innenfinanzierung speist sich aus Selbstfinanzierung (offen/still), Abschreibungsgegenwerten (Kapitel-Aufgabe 13, Lohmann-Ruchti), RĂŒckstellungen (Kapitel-Aufgabe 14, PensionsrĂŒckstellungen) und der Innenfinanzierung aus dem Vermögen (Desinvestitionen, Factoring). Eine Innenfinanzierungsquote ĂŒber 100 % ist dabei kein Rechenfehler: Sie bedeutet, dass die Innenfinanzierung die Investitionen ĂŒbersteigt â das Unternehmen könnte aus eigener Kraft zusĂ€tzlich Schulden tilgen oder ausschĂŒtten.
Rohleders Erwartung: Die drei Sichten in b) sind exakt seine Kompass-Fragen #04â#06 â er will die Management-Sicht mit dem Steuerstundungs-Mechanismus und der 30-%-SchĂ€tzung, nicht nur âdas Unternehmen spart Steuern". Bei Factoring zitiert sein Kompass ein IHK-Merkblatt; die Einordnung âstrategisch, kontinuierlich, bei guten Kunden eher unwahrscheinlich" hebt die Antwort ĂŒber die reine Definition.
Rechtsformen in Zahlen â Welche Unternehmens-Eigenschaften determiniert die Rechtsform? (#01)
Rohleders Kompass, FINA U13 · Eigenfinanzierung 1 (Rechtsformen, AG, Eigenkapital)
- Rohleder nennt sieben Eigenschaften, die durch die Rechtsform determiniert werden
- Jede als Gegensatzpaar: Personengesellschaften/Einzelunternehmen vs. Kapitalgesellschaften
- 1. Haftung â Privatvermögen (Personenges.) vs. beschrĂ€nkte Haftung (Kapitalges.)
- 2. Kapitalbeschaffung â einfache EK-Aufnahme (AG) vs. begrenzte Möglichkeiten (GmbH)
- 3. Entscheidungsbefugnis â Alleinentscheidungen (Einzelunternehmen) vs. Organstrukturen (AG, GmbH)
- 4. Gewinnverteilung â nach Anteilen (Kapitalges.) oder nach Vereinbarung (Personenges.)
- 5. Besteuerung â Einkommensteuer (Personenges.) vs. Körperschaftsteuer (Kapitalges.)
- 6. BuchfĂŒhrungspflicht â strenger fĂŒr Kapitalgesellschaften als fĂŒr Einzelunternehmen
- 7. GrĂŒndungsaufwand â hoher Aufwand (AG) vs. einfache GrĂŒndung (GbR, Einzelunternehmen)
- Merkhilfe: Ha-Ka-En-Ge-Be-Bu-Gr
- Rechtsform = die rechtliche 'Verpackung' einer Firma. Sie legt fest, wer haftet, wer entscheidet, wie Steuern gezahlt werden. Beispiele: Einzelunternehmen, GmbH, AG.
- determiniert = festgelegt/bestimmt. Die gewĂ€hlte Firmen-Verpackung entscheidet automatisch ĂŒber diese sieben Punkte, man kann sie nicht frei aussuchen.
- Personengesellschaft = Firma, die von einer oder mehreren Personen getragen wird, die mit ihrem eigenen Geld geradestehen (z. B. GbR, OHG).
- Kapitalgesellschaft = Firma, die als eigenes 'kĂŒnstliches Rechtswesen' gilt (z. B. GmbH, AG). Nicht die EigentĂŒmer persönlich, sondern die Firma haftet.
- Haftung = wer muss zahlen, wenn die Firma Schulden macht. 'Privatvermögen' heisst: das eigene Haus/Konto ist dran. 'BeschrÀnkte Haftung' heisst: nur das Geld, das in der Firma steckt.
- Kapitalbeschaffung = wie leicht kann die Firma an frisches Geld kommen, um zu wachsen.
- Entscheidungsbefugnis = wer darf bestimmen. 'Alleinentscheidung' = einer sagt alles. 'Organstruktur' = feste Gremien (mehrere Leute/AusschĂŒsse) entscheiden gemeinsam.
- Einkommensteuer vs. Körperschaftsteuer = zwei verschiedene Steuerarten. Bei Personengesellschaften zahlen die Menschen dahinter Steuer, bei Kapitalgesellschaften zahlt die Firma selbst eine eigene Firmensteuer.
- BuchfĂŒhrungspflicht = wie genau man alle Geldbewegungen aufschreiben und offenlegen muss. FĂŒr grosse Firmen strenger.
- GrĂŒndungsaufwand = wie viel MĂŒhe, Papierkram und Geld die GrĂŒndung kostet.
Rohleder nennt sieben Eigenschaften, die durch die Wahl der Rechtsform festgelegt (determiniert) werden. Jede Eigenschaft steht als Gegensatzpaar zwischen Personengesellschaften/Einzelunternehmen und Kapitalgesellschaften.
- Haftung â Privatvermögen (Personengesellschaften) vs. beschrĂ€nkte Haftung (Kapitalgesellschaften).
- Kapitalbeschaffung â Einfache Eigenkapitalaufnahme (AG) vs. begrenzte Möglichkeiten (GmbH).
- Entscheidungsbefugnis â Alleinentscheidungen (Einzelunternehmen) vs. Organstrukturen (AG, GmbH).
- Gewinnverteilung â Nach Anteilen (Kapitalgesellschaften) oder nach Vereinbarung (Personengesellschaften).
- Besteuerung â Einkommensteuer (Personengesellschaften) vs. Körperschaftsteuer (Kapitalgesellschaften).
- BuchfĂŒhrungspflicht â Strenger fĂŒr Kapitalgesellschaften als fĂŒr Einzelunternehmen.
- GrĂŒndungsaufwand â Hoher Aufwand (AG) vs. einfache GrĂŒndung (GbR, Einzelunternehmen).
Merkhilfe: Die sieben Punkte lassen sich als Ha-Ka-En-Ge-Be-Bu-Gr einprĂ€gen (Haftung, Kapital, Entscheidung, Gewinn, Besteuerung, BuchfĂŒhrung, GrĂŒndung).
Begriffe und AbkĂŒrzungen aus Tabelle B-3 (#02)
Rohleders Kompass, FINA U13
- Rohleder erlĂ€utert fĂŒnf Begriffe/AbkĂŒrzungen
- Gesamtschuldnerisch â mehrere Schuldner haften gemeinsam, jeder fĂŒr die gesamte Schuld
- KomplementĂ€r â Vollhafter einer KG, haftet unbeschrĂ€nkt mit Privatvermögen, fĂŒhrt GeschĂ€fte
- Kommanditist â Teilhafter einer KG, haftet nur mit Einlage, i. d. R. kein Mitspracherecht
- vR (verdeckte RĂŒcklage) â nicht explizit in der Bilanz, entsteht durch stille Reserven/Unterbewertung
- Thesaurierte Gewinne â einbehalten statt ausgeschĂŒttet, um Eigenkapital zu stĂ€rken
- Gegensatzpaar: KomplementĂ€r = Vollhafter + fĂŒhrt; Kommanditist = Teilhafter, nur Einlage, fĂŒhrt nicht
- Schuldner = jemand, der Geld schuldet. Verbindlichkeit = eine offene Schuld, die noch bezahlt werden muss.
- Gesamtschuldnerisch = wenn mehrere zusammen Schulden haben, kann der GlĂ€ubiger sich EINEN aussuchen und von dem die GANZE Summe verlangen. Der muss dann zahlen und sich das Geld von den anderen zurĂŒckholen.
- KG (Kommanditgesellschaft) = eine Firmenform mit zwei Sorten von Teilhabern: einer haftet voll, die anderen nur mit ihrem eingezahlten Geld.
- KomplementÀr = der 'Chef mit vollem Risiko': er leitet die Firma und haftet auch mit seinem privaten Geld/Haus.
- Kommanditist = der 'stille Geldgeber': er zahlt nur einen Betrag ein und kann maximal diesen verlieren, redet aber beim FĂŒhren der Firma nicht mit.
- Einlage = das Geld, das ein Teilhaber in die Firma einzahlt.
- RĂŒcklage = zurĂŒckgelegtes Geld/Werte der Firma fĂŒr schlechte Zeiten, eine Art Sparpolster.
- Bilanz = die grosse Ăbersichtstabelle, die zeigt, was die Firma besitzt und was sie schuldet.
- Verdeckte RĂŒcklage / stille Reserven = 'verstecktes' Vermögen: etwas ist in Wirklichkeit mehr wert, als in der Bilanz steht. Der Puffer ist da, aber nicht sichtbar aufgeschrieben.
- Thesaurierte Gewinne = Gewinne, die die Firma NICHT an die EigentĂŒmer auszahlt, sondern behĂ€lt, um sich selbst finanziell zu stĂ€rken.
- AusschĂŒtten = Gewinn an die EigentĂŒmer/AktionĂ€re auszahlen.
Rohleder erlĂ€utert fĂŒnf Begriffe bzw. AbkĂŒrzungen:
- Gesamtschuldnerisch â Mehrere Schuldner haften gemeinsam fĂŒr eine Verbindlichkeit, d. h. jeder kann fĂŒr die gesamte Schuld in Anspruch genommen werden.
- KomplementĂ€r â Vollhafter einer Kommanditgesellschaft (KG), der unbeschrĂ€nkt mit seinem Privatvermögen haftet und die GeschĂ€ftsfĂŒhrung ĂŒbernimmt.
- Kommanditist â Teilhafter einer KG, der nur mit seiner Einlage haftet und in der Regel kein Mitspracherecht in der GeschĂ€ftsfĂŒhrung hat.
- vR (verdeckte RĂŒcklage) â RĂŒcklage, die nicht explizit in der Bilanz ausgewiesen ist, sondern sich durch stille Reserven oder Unterbewertung von Vermögenswerten ergibt.
- Thesaurierte Gewinne â Gewinne, die im Unternehmen einbehalten und nicht ausgeschĂŒttet werden, um das Eigenkapital zu stĂ€rken.
Gegensatzpaar merken: KomplementĂ€r = Vollhafter + fĂŒhrt; Kommanditist = Teilhafter + haftet nur mit Einlage + fĂŒhrt nicht.
/6.3 Idealtypischer Wachstumspfad der Rechtsformen (#03)
Rohleders Kompass, FINA U13
- Szenario: Einzelunternehmen wird erfolgreich, soll wachsen, will zusÀtzliches Eigenkapital von Dritten
- 1. Einzelunternehmen (Start) â einfache GrĂŒndung, volle Kontrolle, unbegrenzte persönliche Haftung
- 2. GbR oder OHG â bei GeschĂ€ftspartnern, einfache Struktur, weiterhin persönliche Haftung
- 3. KG â Aufnahme von Investoren (Kommanditisten), die nur mit Einlage haften
- 4. GmbH â HaftungsbeschrĂ€nkung auf Gesellschaftsvermögen, bessere KreditwĂŒrdigkeit
- 5. AG (bei grossem Wachstum) â Kapitalaufnahme durch Aktien, Kapitalmarktzugang, hohe Anforderungen
- Roter Faden: sinkende persönliche Haftung, steigende FÀhigkeit zur Aufnahme externen Eigenkapitals, steigender Aufwand
- Idealtypisch = das Muster-Beispiel, der typische Lehrbuch-Ablauf. In der RealitÀt kann es abweichen.
- Eigenkapital von Dritten = frisches Geld von aussenstehenden Leuten, die dafĂŒr MiteigentĂŒmer werden (nicht geliehen, sondern eingebracht).
- Einzelunternehmen = eine Person macht die Firma allein. Einfach zu starten, aber sie haftet mit allem Privaten.
- GbR = die einfachste Form, wenn sich mehrere zusammentun (z. B. zwei Freunde grĂŒnden was). OHG = Ă€hnlich, aber fĂŒr richtige HandelsgeschĂ€fte; alle haften voll mit Privatvermögen.
- KG (Kommanditgesellschaft) = erlaubt es, Geldgeber reinzuholen, die nur ihren eingezahlten Betrag riskieren und sonst nichts.
- GmbH = ab hier haftet nur noch das Firmenvermögen, nicht mehr das private. Das macht die Firma fĂŒr Geldgeber und Banken attraktiver.
- KreditwĂŒrdigkeit = wie gern Banken der Firma Geld leihen, weil sie ihr zutrauen, es zurĂŒckzuzahlen.
- AG (Aktiengesellschaft) = Firma, die in viele kleine Anteile (Aktien) zerlegt ist. Diese kann man an der Börse verkaufen und so von sehr vielen Leuten Geld einsammeln.
- Kapitalmarkt = der grosse 'Marktplatz', an dem Firmen und Anleger Geld gegen Anteile/Papiere tauschen (z. B. die Börse).
- Roter Faden = je weiter man in der Kette geht, desto weniger riskiert man privat, desto leichter kommt man an fremdes Geld, aber desto mehr Vorschriften und Aufwand gibt es.
Szenario: Man grĂŒndet ein Einzelunternehmen, das erfolgreich ist und wachsen soll, wozu zusĂ€tzliches Eigenkapital von Dritten genutzt werden soll. Idealtypisch durchlĂ€uft das Unternehmen dann folgende Rechtsformen:
- Einzelunternehmen (Start) â Einfache GrĂŒndung, volle Kontrolle, aber unbegrenzte persönliche Haftung.
- GbR (Gesellschaft bĂŒrgerlichen Rechts) oder OHG (Offene Handelsgesellschaft) â Falls GeschĂ€ftspartner hinzukommen: einfache Struktur, aber weiterhin persönliche Haftung.
- KG (Kommanditgesellschaft) â Ermöglicht die Aufnahme von Investoren (Kommanditisten), die nur mit ihrer Einlage haften.
- GmbH (Gesellschaft mit beschrĂ€nkter Haftung) â HaftungsbeschrĂ€nkung auf das Gesellschaftsvermögen, bessere KreditwĂŒrdigkeit, attraktiver fĂŒr Investoren.
- AG (Aktiengesellschaft), bei grossem Wachstum â Ermöglicht Kapitalaufnahme durch Aktien, Zugang zum Kapitalmarkt, aber hohe gesetzliche Anforderungen.
Roter Faden: Mit jeder Stufe sinkt die persönliche Haftung und steigt die FĂ€higkeit, externes Eigenkapital (Eigenkapital von Dritten) aufzunehmen â im Gegenzug steigen Aufwand und gesetzliche Anforderungen.
Börsennotierte AG â Vorteile von Aktien (#04)
Rohleders Kompass, FINA U13
- Rohleder trennt die Aktien-Vorteile nach zwei Perspektiven
- EigentĂŒmer (AktionĂ€re): Gewinnbeteiligung (Dividenden), Kurssteigerung, hohe LiquiditĂ€t, Risikostreuung
- Management: einfache Kapitalbeschaffung, Wachstumsmöglichkeiten, Motivation durch Aktienoptionen
- Börsennotierte AG = eine Aktiengesellschaft, deren Aktien offiziell an der Börse gehandelt werden können.
- Aktie = ein kleiner Miteigentums-Anteil an einer Firma. Wer eine Aktie hat, dem gehört ein winziges StĂŒck der Firma.
- AktionĂ€r = die Person, die Aktien besitzt, also Mit-EigentĂŒmer der Firma ist.
- Dividende = der Anteil am Firmengewinn, der an die AktionĂ€re ausgezahlt wird, eine Art jĂ€hrliche Belohnung fĂŒrs Miteigentum.
- Kurssteigerung = wenn die Aktie mit der Zeit mehr wert wird und man sie teurer verkaufen kann als man sie gekauft hat.
- LiquiditÀt = wie schnell/leicht man etwas wieder zu Geld machen kann. Aktien sind sehr liquide, man kann sie fast jederzeit verkaufen.
- Risikostreuung / Diversifikation = nicht alles Geld in eine Firma stecken, sondern auf viele verteilen, damit ein einzelner Reinfall nicht alles kostet.
- Management = die FĂŒhrungsleute, die die Firma leiten (Chefetage).
- Kapitalbeschaffung = das Einsammeln von frischem Geld fĂŒr die Firma.
- Aktienoption = ein Versprechen an FĂŒhrungskrĂ€fte, spĂ€ter Aktien gĂŒnstig kaufen zu dĂŒrfen, als Anreiz, damit sie sich fĂŒr den Firmenerfolg anstrengen.
Rohleder trennt die Vorteile von Aktien nach zwei Perspektiven:
Aus Sicht der EigentĂŒmer (AktionĂ€re):
- Gewinnbeteiligung (Dividenden)
- Kurssteigerung
- Hohe LiquiditÀt (Aktien sind leicht handelbar)
- Risikostreuung (Diversifikation ĂŒber mehrere Aktien möglich)
Aus Sicht des Managements:
- Einfache Kapitalbeschaffung
- Wachstumsmöglichkeiten
- Motivation durch Aktienoptionen (Anreizwirkung fĂŒr FĂŒhrungskrĂ€fte)
Vorteile und Nachteile der Börsennotierung; Verpflichtungen einer AG (#05, #06, #07)
Rohleders Kompass, FINA U13
- #05 Vorteile: leichter Kapitalzugang, höhere Bekanntheit, bessere KreditwĂŒrdigkeit, handelbare Aktien, attraktivere MitarbeitervergĂŒtung
- #06 Nachteile: hohe Kosten, Transparenzpflichten, Ăbernahmegefahr, AktionĂ€rsdruck auf kurzfristige Gewinne, KursabhĂ€ngigkeit
- #07 Verpflichtungen: regelmÀssige Finanzberichte, Ad-hoc-Mitteilungen, Veröffentlichung von Insiderinformationen, Corporate Governance, Investor Relations
- Merken: Vor- und Nachteile teils zwei Seiten derselben Medaille (Transparenz kostet, schafft aber Bekanntheit/KreditwĂŒrdigkeit)
- Börsennotierung = die Firma lÀsst ihre Aktien offiziell an der Börse zu, damit jeder sie dort kaufen/verkaufen kann.
- Kapitalzugang = wie leicht die Firma an frisches Geld kommt. An der Börse geht das besonders einfach, weil viele Anleger mitmachen.
- Transparenzpflicht = die Firma MUSS viel ĂŒber sich offenlegen (Zahlen, PlĂ€ne). Das kostet Aufwand, schafft aber Vertrauen.
- Ăbernahmegefahr = das Risiko, dass jemand heimlich viele Aktien aufkauft und so die Kontrolle ĂŒber die Firma an sich reisst.
- AktionÀrsdruck auf kurzfristige Gewinne = die Anteilseigner wollen schnell viel Rendite sehen, das drÀngt die Firma zu kurzfristigem Denken statt langfristiger Planung.
- KursabhÀngigkeit = die Firma ist stÀndig davon betroffen, wie sich der Aktienpreis entwickelt, auch wenn das operative GeschÀft gut lÀuft.
- Ad-hoc-Mitteilung = 'sofort'-Meldung. Wenn etwas Wichtiges passiert, das den Kurs beeinflussen könnte, muss die Firma es umgehend öffentlich bekanntgeben.
- Insiderinformation = wichtige Nachricht, die noch nicht öffentlich ist. Wer sie kennt, hÀtte einen unfairen Vorteil, deshalb muss sie veröffentlicht werden.
- Corporate Governance = die Regeln fĂŒr eine saubere, verantwortungsvolle FirmenfĂŒhrung und -kontrolle.
- Investor Relations = die 'Beziehungspflege' zu den Geldgebern: die Firma informiert und beantwortet Fragen der Anleger.
- Zwei Seiten derselben Medaille = ein und dieselbe Sache ist gleichzeitig Nach- und Vorteil. Das viele Offenlegen kostet Aufwand, macht die Firma aber bekannter und vertrauenswĂŒrdiger.
#05 Vorteile der Börsennotierung:
- Leichter Kapitalzugang
- Höhere Bekanntheit
- Bessere KreditwĂŒrdigkeit
- Handelbare Aktien
- Attraktivere MitarbeitervergĂŒtung
#06 Nachteile der Börsennotierung:
- Hohe Kosten
- Transparenzpflichten
- Ăbernahmegefahr
- AktionÀrsdruck auf kurzfristige Gewinne
- KursabhÀngigkeit
#07 Verpflichtungen einer AG:
- RegelmÀssige Finanzberichte
- Ad-hoc-Mitteilungen
- Veröffentlichung von Insiderinformationen
- Corporate Governance
- Investor Relations
Merken: Vorteile und Nachteile sind teils zwei Seiten derselben Medaille â die Transparenzpflichten (Nachteil: Kosten/Aufwand) erzeugen zugleich Bekanntheit und KreditwĂŒrdigkeit (Vorteil).
Börsenhandel und Börsensegmente (#08 bis #11)
Rohleders Kompass, FINA U13
- #08 Regulierter Markt â EU-reguliert, hohe Zulassungs-/PublizitĂ€tspflichten, zwei Transparenzlevel
- General Standard = gesetzliche Mindestanforderungen; Prime Standard = höhere Transparenz + englische Berichterstattung
- #09 Transparenzlevel nach Zielgruppe: Prime = höchste Offenlegung, international; General = Basis, national
- #10 Open Market â Freiverkehr, erleichterte Zulassung, fĂŒr kleinere Unternehmen, weniger Regulierung
- #11 Entry Standard â geringe Transparenz, 2017 durch Scale ersetzt (strenger); Ziel: mehr Vertrauen der Investoren
- Einordnung: Regulierter Markt (streng) vs. Open Market/Freiverkehr (locker); Entry Standard war Freiverkehr, heute Scale
- Börsensegment = ein 'Bereich' oder eine 'Liga' an der Börse. Je nach Liga gelten strengere oder lockerere Regeln fĂŒrs Mitmachen.
- Regulierter Markt = die streng ĂŒberwachte Börsen-Liga mit vielen Pflichten, von der EU vorgegeben.
- Zulassungspflicht = die Bedingungen, die eine Firma erfĂŒllen muss, um ĂŒberhaupt in diese Liga aufgenommen zu werden.
- PublizitÀtspflicht = die Pflicht, regelmÀssig Zahlen und Infos zu veröffentlichen.
- Transparenzlevel = wie viel eine Firma offenlegen muss. Höheres Level = mehr Offenlegung.
- General Standard = das Basis-Level, erfĂŒllt nur das gesetzlich Nötige.
- Prime Standard = das Top-Level mit mehr Offenlegung und Berichten auch auf Englisch, gedacht fĂŒr internationale Anleger.
- Open Market / Freiverkehr = die lockere Börsen-Liga mit weniger Regeln, gedacht fĂŒr kleinere Firmen, einfacher reinzukommen.
- Entry Standard = ein frĂŒheres, lockeres Segment mit wenig Offenlegung; wurde 2017 abgelöst, weil es zu lasch war.
- Scale = das Nachfolge-Segment vom Entry Standard, mit strengeren Regeln, damit Anleger mehr Vertrauen fassen.
#08 Regulierter Markt â EU-regulierter Börsenplatz mit hohen Zulassungs- und PublizitĂ€tspflichten. Er kennt zwei Transparenzlevel:
- General Standard: ErfĂŒllt die gesetzlichen Mindestanforderungen.
- Prime Standard: Höhere Transparenz, Pflicht zur englischen Berichterstattung.
#09 Transparenzlevel â die zwei Level nochmals nach Zielgruppe:
- Prime Standard: Höchste Offenlegungspflichten, ausgerichtet auf internationale Investoren.
- General Standard: Basisanforderungen fĂŒr nationale Unternehmen.
#10 Open Market â Freiverkehr mit erleichterten Zulassungsbedingungen, fĂŒr kleinere Unternehmen. Weniger Regulierung als der regulierte Markt.
#11 Entry Standard â Segment mit geringen Transparenzanforderungen; wurde wegen Kritik 2017 durch Scale ersetzt, das strengere Offenlegungspflichten hat. Ziel von Scale: mehr Vertrauen der Investoren.
Einordnung: Regulierter Markt (streng) mit General/Prime Standard steht dem Open Market/Freiverkehr (locker) gegenĂŒber; Entry Standard war ein Freiverkehr-Segment und ist heute Scale.
Corporate Governance â Definition, Stakeholder-Rollen, DCGK, monistisch vs. dualistisch
Rohleders Kompass, FINA U13
- Corporate Governance = Regelwerk zur verantwortungsvollen UnternehmensfĂŒhrung und -ĂŒberwachung im Interesse der Stakeholder
- Rollen (deutsche AG): AktionĂ€re wĂ€hlen Aufsichtsrat, dieser kontrolliert Vorstand, der fĂŒhrt; weitere Stakeholder indirekt
- DCGK empfiehlt bewĂ€hrte Management- und Kontrollstandards fĂŒr börsennotierte Unternehmen
- Papiertiger-Kritik: keine rechtliche Bindung, teils unverbindliche Empfehlungen, geringe Sanktionen
- Monistisch = Verwaltungsrat fĂŒhrt UND kontrolliert; Dualistisch = Trennung Vorstand (fĂŒhrt) / Aufsichtsrat (kontrolliert)
- Begriffe: Vorstand = Executive Board, Aufsichtsrat = Supervisory Board, Hauptversammlung = General Meeting
- Deutschland folgt dem dualistischen Modell
- Corporate Governance = die Spielregeln, nach denen eine Firma anstĂ€ndig gefĂŒhrt und kontrolliert wird, damit niemand Schindluder treibt.
- Stakeholder = alle, die ein Interesse an der Firma haben: EigentĂŒmer, Mitarbeiter, Kunden, Geldgeber. 'Anspruchsgruppen'.
- AktionĂ€re = die EigentĂŒmer (haben Aktien). Bei einer AG wĂ€hlen sie die Kontrolleure.
- Aufsichtsrat = das Kontroll-Gremium. Es prĂŒft und ĂŒberwacht die Chefetage, leitet aber selbst nicht.
- Vorstand = die eigentliche Chefetage, die die Firma tĂ€glich fĂŒhrt.
- 'Indirekt beeinflussen' = Mitarbeiter und Kunden sitzen nicht mit am Steuer, wirken aber trotzdem auf die Firma ein (z. B. durch ihr Verhalten).
- DCGK (Deutscher Corporate Governance Kodex) = eine offizielle Sammlung von Empfehlungen fĂŒr gute FirmenfĂŒhrung börsennotierter Firmen. Kein hartes Gesetz, eher ein Regel-Ratgeber.
- Papiertiger = etwas, das streng aussieht, aber keine echte Beisskraft hat. Kritik: der Kodex hat kaum Strafen und ist nicht rechtlich bindend.
- Sanktion = Strafe/Konsequenz, wenn man sich nicht an die Regeln hÀlt.
- Monistisch = EIN einziges Gremium fĂŒhrt UND kontrolliert die Firma zugleich (alles in einer Hand).
- Dualistisch = ZWEI getrennte Gremien: eines fĂŒhrt (Vorstand), ein anderes kontrolliert (Aufsichtsrat). Deutschland macht es so.
- Hauptversammlung = das grosse jÀhrliche Treffen aller AktionÀre, wo sie abstimmen und Entscheidungen treffen.
Was ist Corporate Governance? Regelwerk zur verantwortungsvollen UnternehmensfĂŒhrung und -ĂŒberwachung im Interesse der Stakeholder.
Rollen der Stakeholder einer deutschen AG? Die AktionĂ€re wĂ€hlen den Aufsichtsrat, dieser kontrolliert den Vorstand, der das Unternehmen fĂŒhrt. Weitere Stakeholder (Mitarbeiter, Kunden) beeinflussen indirekt.
Was ist der Deutsche Corporate Governance Kodex (DCGK)? Er empfiehlt bewĂ€hrte Management- und Kontrollstandards fĂŒr börsennotierte Unternehmen.
Warum wird der DCGK als âPapiertigerâ kritisiert? Kritik: keine rechtliche Bindung, teils unverbindliche Empfehlungen, geringe Sanktionen bei Nichteinhaltung.
Monistisch vs. dualistisch:
| Modell | Struktur |
|---|---|
| Monistisch | Verwaltungsrat ĂŒbernimmt FĂŒhrung und Kontrolle (in einem Organ) |
| Dualistisch | Trennung von Vorstand (FĂŒhrung) und Aufsichtsrat (Kontrolle) |
Deutsche/englische Begriffe der Corporate Governance:
| Deutsch | Englisch | Funktion |
|---|---|---|
| Vorstand | Executive Board | Unternehmensleitung |
| Aufsichtsrat | Supervisory Board | Kontrolle |
| Hauptversammlung | General Meeting | AktionÀrsversammlung |
Deutschland folgt dem dualistischen Modell (getrennter Vorstand und Aufsichtsrat).
Komponenten des bilanziellen Eigenkapitals; Agio/Disagio; GewinnrĂŒcklagen
Rohleders Kompass, FINA U13
- Bilanzielles EK = gezeichnetes Kapital, KapitalrĂŒcklagen, GewinnrĂŒcklagen, Gewinn-/VerlustvortrĂ€ge, JahresĂŒberschuss/-fehlbetrag
- Agio (Aufgeld): Ausgabe ĂŒber Nennwert, wird in die KapitalrĂŒcklage gebucht
- Disagio (Abgeld): unĂŒblich, meist als Aufwand verbucht
- GewinnrĂŒcklagen nach HGB: gesetzliche, satzungsmĂ€ssige und andere RĂŒcklagen; dienen StabilitĂ€t + EK-StĂ€rkung
- SatzungsmĂ€ssige RĂŒcklagen reduzieren ausschĂŒttungsfĂ€hige Gewinne und stĂ€rken das EK gemĂ€ss Satzung
- Eigenkapital = das Geld/Vermögen, das der Firma wirklich selbst gehört (nicht geliehen). 'Bilanziell' = so wie es in der offiziellen Bilanz-Tabelle steht.
- Komponenten = die einzelnen Bausteine, aus denen sich etwas zusammensetzt.
- Gezeichnetes Kapital = das Grundkapital, das die EigentĂŒmer bei GrĂŒndung fest zugesagt und eingebracht haben (der offizielle Grundstock).
- KapitalrĂŒcklage = zusĂ€tzliches Geld, das ĂŒber den Grundstock hinaus in die Firma geflossen ist (z. B. das Aufgeld beim Aktienverkauf).
- GewinnrĂŒcklage = Gewinne aus frĂŒheren Jahren, die die Firma nicht ausgezahlt, sondern zurĂŒckgelegt hat.
- Gewinn-/Verlustvortrag = ein Rest aus dem Vorjahr, der 'mitgenommen' wird: ĂŒbrig gebliebener Gewinn oder ein noch offener Verlust.
- JahresĂŒberschuss/-fehlbetrag = das Ergebnis des Jahres: Ăberschuss = Gewinn, Fehlbetrag = Verlust.
- Nennwert = der aufgedruckte 'offizielle' Grundwert einer Aktie (z. B. 1 Euro), nicht der Börsenpreis.
- Agio (Aufgeld) = wenn eine Aktie teurer verkauft wird als ihr Nennwert. Der Aufpreis wandert in die KapitalrĂŒcklage.
- Disagio (Abgeld) = das Gegenteil: Verkauf unter Nennwert. Selten, wird meist als Kosten/Aufwand verbucht.
- HGB = Handelsgesetzbuch, das deutsche Gesetz, das vorschreibt, wie Firmen buchhalten mĂŒssen.
- Satzung = das 'Grundgesetz' der Firma, ihre eigenen festgelegten Regeln. SatzungsmĂ€ssige RĂŒcklagen sind RĂŒcklagen, die diese Firmenregeln vorschreiben.
- AusschĂŒttungsfĂ€hige Gewinne = der Teil des Gewinns, der ĂŒberhaupt an die EigentĂŒmer ausgezahlt werden darf. RĂŒcklagen bilden verkleinert diesen Teil.
Komponenten des bilanziellen Eigenkapitals: Das bilanzielle Eigenkapital besteht aus
- gezeichnetem Kapital,
- KapitalrĂŒcklagen,
- GewinnrĂŒcklagen,
- Gewinn-/VerlustvortrÀgen und
- JahresĂŒberschuss/-fehlbetrag.
Agio und Disagio: Ein Agio (Aufgeld) entsteht, wenn Aktien ĂŒber ihrem Nennwert ausgegeben werden. Es wird in die KapitalrĂŒcklage gebucht. Ein Disagio (Abgeld) ist unĂŒblich und wird meist als Aufwand verbucht.
GewinnrĂŒcklagen nach HGB: GewinnrĂŒcklagen bestehen aus gesetzlichen, satzungsmĂ€ssigen und anderen RĂŒcklagen. Sie dienen der finanziellen StabilitĂ€t und der EigenkapitalstĂ€rkung.
Wirkung satzungsmĂ€ssiger RĂŒcklagen: Sie reduzieren die ausschĂŒttungsfĂ€higen Gewinne und stĂ€rken das Eigenkapital gemĂ€ss den Unternehmensstatuten (der Satzung).
Aufteilung und Verwendung des JahresĂŒberschusses (JUE) (#22)
Rohleders Kompass, FINA U13
- Verwendung des JUE folgt nach HGB einer festen Reihenfolge
- 1. ZĂŒrst Deckung von VerlustvortrĂ€gen
- 2. Anschliessend Zuweisung zu gesetzlichen und satzungsmĂ€ssigen RĂŒcklagen
- 3. Verbleibender Betrag: Dividende an AktionĂ€re ausschĂŒtten ODER als Gewinnvortrag ins nĂ€chste GeschĂ€ftsjahr
- Merksatz: VerlustvortrĂ€ge decken, RĂŒcklagen bilden, dann erst ausschĂŒtten/vortragen
- JahresĂŒberschuss (JUE) = der Gewinn, der am Ende eines GeschĂ€ftsjahres ĂŒbrig bleibt.
- Verwendung = was mit diesem Gewinn passiert, wohin er verteilt wird.
- Feste Reihenfolge = das Gesetz schreibt vor, in welcher Rangfolge der Gewinn eingesetzt werden muss, man darf nicht willkĂŒrlich zĂŒrst ausschĂŒtten.
- Verlustvortrag = ein alter Verlust aus frĂŒheren Jahren, der noch 'offen' ist. Der wird zĂŒrst mit dem neuen Gewinn ausgeglichen (wie ein altes Minus auf dem Konto ausbĂŒgeln).
- RĂŒcklagen bilden / Zuweisung zu RĂŒcklagen = einen Teil des Gewinns zur Seite legen als Polster, statt ihn auszuzahlen.
- Gesetzliche RĂŒcklage = ein Sparpolster, das das Gesetz vorschreibt. SatzungsmĂ€ssige RĂŒcklage = eines, das die eigenen Firmenregeln vorschreiben.
- Dividende = die Auszahlung an die AktionÀre.
- Gewinnvortrag = der Rest, den man nicht ausschĂŒttet, sondern ins nĂ€chste Jahr 'mitnimmt'.
- Merksatz-Logik = erst alte Verluste ausgleichen, dann Polster anlegen, und erst was dann noch ĂŒbrig ist, darf ausgezahlt oder aufgehoben werden.
Die Verwendung des JahresĂŒberschusses (JUE) folgt nach HGB einer festen Reihenfolge:
- ZĂŒrst wird der JUE zur Deckung von VerlustvortrĂ€gen genutzt.
- Anschliessend erfolgt die Zuweisung zu gesetzlichen und satzungsmĂ€ssigen RĂŒcklagen.
- Der verbleibende Betrag kann entweder
- als Dividende an die AktionĂ€re ausgeschĂŒttet oder
- als Gewinnvortrag ins nĂ€chste GeschĂ€ftsjahr ĂŒbernommen werden.
Die Reihenfolge ist prĂŒfungsrelevant: VerlustvortrĂ€ge decken, RĂŒcklagen bilden, dann erst ausschĂŒtten/vortragen.
Buchwert, Marktwert und Aktienkennzahlen
Rohleders Kompass, FINA U13
- Buchwert = bilanzielles Eigenkapital; Marktwert = Börsenwert des Unternehmens
- Grosse Differenz: Marktwert = Zukunftserwartungen/Wachstumspotenzial/InvestoreneinschÀtzung; Buchwert = vergangenheitsorientiert
- Gewinnrendite meist höher als Dividendenrendite: nicht der gesamte Gewinn wird ausgeschĂŒttet (Thesaurierung)
- EK-Rendite vs. Gewinnrendite: unterschiedliche Bezugsgrössen â EK-Rendite auf bilanzielles EK, Gewinnrendite auf Marktwert der Aktie
- Kleines KGV ist kein Beleg fĂŒr Unterbewertung: kann auf geringe Wachstumsaussichten/Risiken hindeuten
- PEG-Wert setzt KGV ins VerhÀltnis zum Gewinnwachstum (korrigiert die KGV-SchwÀche, Wachstum zu ignorieren)
- Buchwert = der Wert der Firma laut ihren eigenen BĂŒchern/der Bilanz. Er zeigt, was rechnerisch an Eigenkapital da ist.
- Marktwert / Börsenwert = was die Firma an der Börse wert ist, also was alle Aktien zusammen kosten. Das bestimmen Angebot und Nachfrage der Anleger.
- Vergangenheitsorientiert = der Buchwert schaut zurĂŒck (was ist tatsĂ€chlich passiert und aufgeschrieben). Der Marktwert schaut nach vorn (was erwartet man kĂŒnftig).
- Zukunftserwartungen/Wachstumspotenzial = die Hoffnung der Anleger, dass die Firma kĂŒnftig mehr verdient. Deshalb zahlen sie oft mehr, als der Buchwert sagt.
- Rendite = der 'Ertrag im VerhĂ€ltnis zum Einsatz', meist in Prozent. Zeigt, wie viel man fĂŒr sein Geld herausbekommt.
- Dividendenrendite = wie viel Prozent Auszahlung (Dividende) man bezogen auf den Aktienpreis bekommt.
- Gewinnrendite = wie viel Prozent Gewinn (nicht nur die ausgezahlte Dividende) die Firma bezogen auf den Aktienpreis erzielt. Meist höher, weil ein Teil des Gewinns im Unternehmen bleibt (Thesaurierung).
- Thesaurierung = Gewinn im Unternehmen behalten statt ausschĂŒtten.
- Eigenkapitalrendite = Gewinn im VerhÀltnis zum Eigenkapital (Buchwert). Andere Bezugsgrösse als die Gewinnrendite, daher andere Zahl. 'Bezugsgrösse im Nenner' = die Zahl, durch die man teilt.
- KGV (Kurs-Gewinn-VerhĂ€ltnis) = Aktienpreis geteilt durch den Gewinn pro Aktie. Zeigt, wie viele Jahresgewinne man fĂŒr die Aktie bezahlt.
- Unterbewertet = die Aktie ist an der Börse gĂŒnstiger, als sie eigentlich wert wĂ€re, also ein vermeintliches SchnĂ€ppchen.
- Kleines KGV ist kein Beweis fĂŒr ein SchnĂ€ppchen = billig kann auch bedeuten, dass die Firma kaum wĂ€chst oder riskant ist, deshalb will niemand mehr zahlen.
- PEG-Wert = das KGV noch geteilt durch das erwartete Gewinnwachstum. BerĂŒcksichtigt also, wie schnell die Firma wĂ€chst, was das reine KGV ignoriert.
Buchwert vs. Marktwert: Der Buchwert entspricht dem bilanziellen Eigenkapital, wÀhrend der Marktwert den Börsenwert des Unternehmens widerspiegelt.
Warum ist die Differenz oft so deutlich? Der Marktwert basiert auf Zukunftserwartungen, Wachstumspotenzial und InvestoreneinschÀtzungen, wÀhrend der Buchwert vergangenheitsorientiert ist.
Warum ist die Gewinnrendite im Regelfall höher als die Dividendenrendite? Weil nicht der gesamte Gewinn als Dividende ausgeschĂŒttet wird â ein Teil bleibt im Unternehmen (Thesaurierung). Die Dividende ist also kleiner als der Gewinn, daher ist die auf die Dividende bezogene Rendite kleiner.
Warum unterscheiden sich Eigenkapitalrendite und Gewinnrendite? Die Eigenkapitalrendite bezieht sich auf das bilanzielle Eigenkapital (Buchwert), die Gewinnrendite auf den Marktwert der Aktie. Sie haben also unterschiedliche Bezugsgrössen im Nenner.
Warum ist ein kleines KGV kein Indikator fĂŒr eine unterbewertete AG? Ein niedriges KGV kann auch auf geringe Wachstumsaussichten oder Risiken hindeuten â nicht zwingend auf Unterbewertung.
Was ist der PEG-Wert? Der PEG-Wert setzt das Kurs-Gewinn-VerhÀltnis (KGV) ins VerhÀltnis zum Gewinnwachstum, um die Bewertung besser einzuschÀtzen. Er korrigiert damit die SchwÀche des reinen KGV, das Wachstum zu ignorieren.
Aktientypen einer Aktiengesellschaft
Rohleders Kompass, FINA U13
- Nachteil Vorzugsaktien (Anlegersicht): meist kein Stimmrecht, kein Einfluss auf Unternehmensentscheidungen
- Vorteil vinkulierte Namensaktien (Unternehmenssicht): Aktienbesitz kontrollierbar, Ăbertragung nur mit Zustimmung der Gesellschaft
- Vorzug StĂŒckaktie vs. Nennwertaktie: kein fester Nennwert, prozentualer Anteil am Grundkapital, mehr FlexibilitĂ€t
- Drei Achsen: Stimmrecht (Stamm/Vorzug), Ăbertragbarkeit (Inhaber/Namens/vinkuliert), Zerlegung (Nennwert/StĂŒck)
- Aktientyp = eine bestimmte Sorte Aktie mit eigenen Rechten (z. B. mit oder ohne Mitbestimmung).
- Stimmrecht = das Recht, bei der AktionĂ€rsversammlung mitzĂŒntscheiden (mit abzustimmen). Wer es hat, redet mit; wer es nicht hat, ist nur Geldgeber.
- Stammaktie = die 'normale' Aktie mit Stimmrecht.
- Vorzugsaktie = eine Aktie ohne Stimmrecht, dafĂŒr bekommt man meist bevorzugt/mehr Dividende. Nachteil aus Anlegersicht: kein Mitreden.
- Inhaberaktie = gehört einfach dem, der sie gerade hat (wie Bargeld), leicht weiterzugeben, Firma weiss nicht, wer der Besitzer ist.
- Namensaktie = auf einen Namen eingetragen, die Firma weiss, wem sie gehört.
- Vinkulierte Namensaktie = eine Namensaktie, die man nur mit ausdrĂŒcklicher Erlaubnis der Firma weiterverkaufen darf. Vorteil fĂŒr die Firma: sie kontrolliert, wer MiteigentĂŒmer wird.
- Ăbertragung = der Verkauf/das Weitergeben einer Aktie an jemand anderen.
- Grundkapital = das gesamte Startkapital der AG, das in Aktien aufgeteilt ist.
- Nennwertaktie = Aktie mit festem aufgedrucktem Betrag (z. B. 5 Euro Anteil).
- StĂŒckaktie = Aktie ohne festen Betrag, sie steht einfach fĂŒr einen prozentualen Anteil am Grundkapital (z. B. 'ein Tausendstel der Firma'), das ist flexibler.
Nachteil von Vorzugsaktien (aus Anleger*innensicht): Vorzugsaktien haben meist kein Stimmrecht, sodass Anleger keinen Einfluss auf Unternehmensentscheidungen haben. (Im Gegenzug bieten sie in der Regel einen Vorzug bei der Dividende â der Kompass betont hier aber ausdrĂŒcklich den Stimmrechts-Nachteil.)
Besonderer Vorteil vinkulierter Namensaktien (aus Unternehmenssicht): Das Unternehmen kann den Aktienbesitz kontrollieren, da eine Ăbertragung nur mit Zustimmung der Gesellschaft möglich ist.
Wesentlicher Vorzug der StĂŒckaktie gegenĂŒber der Nennwertaktie: StĂŒckaktien haben keinen festen Nennwert, sondern reprĂ€sentieren einen prozentualen Anteil am Grundkapital, was FlexibilitĂ€t bietet.
Zusammengefasst â drei Unterscheidungsachsen von Aktien:
| Achse | Typen | Kernpunkt laut Kompass |
|---|---|---|
| Stimmrecht | Stammaktie vs. Vorzugsaktie | Vorzugsaktie: meist kein Stimmrecht |
| Ăbertragbarkeit | Inhaber-/Namens-/vinkulierte Namensaktie | vinkuliert: Ăbertragung nur mit Zustimmung der Gesellschaft |
| Zerlegung des Kapitals | Nennwertaktie vs. StĂŒckaktie | StĂŒckaktie: kein Nennwert, prozentualer Anteil, flexibel |
Motive einer Kapitalerhöhung (#01 finanziell | #02 strategisch)
Rohleders Kompass, FINA U14 · Eigenfinanzierung 2 (Kapitalerhöhung, Dividende, AktienrĂŒckkauf)
- Rohleder trennt finanzielle (#01) und strategische (#02) Motive
- Finanziell = es werden finanzielle Mittel gebraucht
- Mehrnutzung der Mittel: Investitionen tÀtigen, Working Capital erhöhen oder Kredite tilgen
- LĂŒckenschliessung: bei rĂŒcklĂ€ufigen Finanzierungskomponenten, die nicht durch Gewinn, Kredite oder Desinvestitionen gedeckt werden können
- Strategisch = nicht der Geldbedarf, sondern die Struktur
- Ersetzen von FK durch EK -> Anpassung des Verschuldungsgrads
- Neuausrichtung des Unternehmens -> EK-Erhöhung nötig, da oft mit hohen Investitionen verbunden
- Erweitern des Gesellschafterkreises -> Konstellation verÀndern (z. B. Investor mit wichtigen GeschÀftsbeziehungen, Erfahrung)
- Kapitalerhöhung = die Firma beschafft sich neues Geld, indem sie neue Anteile (Aktien) an Leute verkauft. Wie wenn ein Verein neue Mitglieds-Anteile ausgibt, um Geld reinzubekommen.
- Eigenkapital (EK) = das Geld, das den EigentĂŒmern selbst gehört und in der Firma steckt. Kein geliehenes Geld, muss nicht zurĂŒckgezahlt werden.
- Fremdkapital (FK) = geliehenes Geld, z. B. ein Bankkredit. Muss mit Zinsen zurĂŒckgezahlt werden.
- Working Capital = das Geld, das die Firma fĂŒr den laufenden Alltag braucht (Ware einkaufen, Löhne zahlen, bevor die Kunden bezahlen). 'Erhöhen' heisst: mehr Puffer fĂŒr den Tagesbetrieb.
- Kredite tilgen = Schulden zurĂŒckzahlen. Man nimmt das neue Geld, um alte Schulden loszuwerden.
- Desinvestition = das Gegenteil von Investieren: man verkauft etwas, das man besitzt (z. B. eine Maschine oder ein GebÀude), um Geld reinzuholen.
- LĂŒckenschliessung = ein Loch im Geldfluss stopfen. Wenn woanders Geld wegbricht und weder Gewinn noch Kredit noch Verkauf das ausgleichen, holt man es ĂŒber neue Anteile rein.
- Verschuldungsgrad = das VerhÀltnis von geliehenem Geld zu eigenem Geld. Viel Kredit im VerhÀltnis zum Eigenen = hoher Verschuldungsgrad. 'FK durch EK ersetzen' senkt ihn.
- Gesellschafterkreis = die Gruppe der MiteigentĂŒmer der Firma. 'Erweitern' heisst: neue Mit-EigentĂŒmer reinholen, z. B. einen erfahrenen Investor mit guten Kontakten.
Rohleder trennt die Motive einer Eigenkapitalerhöhung in finanzielle und strategische Motive.
Finanzielle Motive (#01) â es geht darum, dass finanzielle Mittel gebraucht werden:
- Mehrnutzung der Mittel: Mit den gewonnenen finanziellen Mitteln kann die Unternehmung Investitionen tÀtigen, das Working Capital erhöhen oder Kredite tilgen.
- LĂŒckenschliessung: Bei rĂŒcklĂ€ufigen Finanzierungskomponenten, die nicht etwa durch Gewinn, Kredite oder Desinvestitionen gedeckt werden können.
Strategische Motive (#02) â hier geht es nicht primĂ€r um den Geldbedarf, sondern um die Struktur:
- Ersetzen von FK durch EK â zur Anpassung des Verschuldungsgrads.
- Neuausrichtung des Unternehmens â eine EK-Erhöhung ist notwendig, da eine Neuausrichtung oft mit hohen Investitionen verbunden ist.
- Erweitern des Gesellschafterkreises â durch die EK-Aufnahme kann die Konstellation des Gesellschafterkreises verĂ€ndert werden (Beispiel: Aufnahme eines Investors mit wichtigen GeschĂ€ftsbeziehungen, Erfahrungen etc.).
Zentrales Problem & VerwÀsserung (#03 Problem | #04 VerwÀsserung + Schutz)
Rohleders Kompass, FINA U14
- Zentrales Problem (#03): bei einer Kapitalerhöhung verschieben sich die GeschÀftsanteile
- Die investierten Personen könnten dadurch einen Nachteil erleiden (z. B. beim Einfluss auf das Unternehmen)
- VerwÀsserung (#04): Sinken der relativen GeschÀftsanteile eines Gesellschafters, ausgelöst durch eine Kapitalerhöhung
- und zwar dann, wenn der Gesellschafter prozentual weniger beigetragen hat, als sein GeschÀftsteil zuvor war
- Schutz: zuvor getroffene Vereinbarungen in den GesellschaftsvertrÀgen
- Schutz: gesetzliche Regelungen bei AGs
- Darin wird geklÀrt, welche Form die Erhöhungen haben und wie die Preise der Anteile ermittelt werden
- GeschĂ€ftsanteil = wie gross dein StĂŒck vom Kuchen 'Firma' ist. Wer mehr Anteile hat, dem gehört mehr und der hat mehr Mitsprache.
- 'Anteile verschieben sich' = wenn neue Anteile dazukommen, wird jedes alte StĂŒck im VerhĂ€ltnis kleiner, obwohl die StĂŒckzahl gleich bleibt. Wie wenn man den Kuchen in mehr StĂŒcke schneidet.
- Einfluss auf das Unternehmen = Mitbestimmungsrecht. Bei Abstimmungen zÀhlt, wie gross dein Anteil ist. Kleinerer Anteil = weniger zu sagen.
- VerwĂ€sserung = dein prozentualer Anteil an der Firma schrumpft, weil neue Anteile ausgegeben wurden und du nicht genug mitgezogen hast. 'Relativ' heisst: dein StĂŒck in Prozent, nicht in Euro.
- 'prozentual weniger beigetragen als sein GeschÀftsteil zuvor war' = einfach gesagt: du hast bei der neuen Runde nicht genauso viel mitgekauft wie dein alter Anteil gross war, deshalb wird dein Prozent-Anteil kleiner.
- Altgesellschafter = die Leute, die schon vorher MiteigentĂŒmer waren (im Gegensatz zu den neuen, die jetzt dazukommen).
- Gesellschaftsvertrag = das Regelwerk der Firma, in dem steht, wer welche Rechte hat. Hier können Schutzregeln fĂŒr die Alt-EigentĂŒmer festgelegt sein.
- AG (Aktiengesellschaft) = eine Firmenform, bei der die Anteile Aktien heissen und gehandelt werden können. FĂŒr AGs gibt es zusĂ€tzlich Gesetze zum Schutz.
Zentrales Problem aller Kapitalerhöhungen (#03):
Bei einer Kapitalerhöhung verschieben sich die GeschĂ€ftsanteile. Die investierten Personen könnten dadurch einen Nachteil erleiden â beispielsweise bei ihrem Einfluss auf das Unternehmen.
VerwÀsserung (#04):
VerwĂ€sserung ist das Sinken der relativen GeschĂ€ftsanteile eines Gesellschafters, welches durch eine Kapitalerhöhung ausgelöst wurde â und zwar dann, wenn der Gesellschafter prozentual weniger beigetragen hat, als sein GeschĂ€ftsteil zuvor war.
Schutz der Altgesellschafter*innen:
- Zuvor getroffene Vereinbarungen in den GesellschaftsvertrÀgen.
- Gesetzliche Regelungen bei AGs.
Darin wird geklÀrt, welche Form die Erhöhungen haben und wie die Preise der Anteile ermittelt werden.
Bezugsrecht und Bezugsrechtshandel (#05)
Rohleders Kompass, FINA U14
- AltaktionĂ€re erhalten das Bezugsrecht fĂŒr neu ausgegebene Aktien im VerhĂ€ltnis ihrer bisherigen GeschĂ€ftsanteile
- Sie entscheiden selbst: neue Aktien kaufen (StimmrechtsverhÀltnisse behalten) oder Bezugsrechte verkaufen
- Durch den Handel realisiert kein AltaktionÀr einen Vermögensnachteil durch zu niedrige Ausgabepreise
- Denn er hat das Anrecht, die neuen Aktien zu diesem Preis zu erwerben
- oder das Bezugsrecht fĂŒr die Differenz aus Marktwert der alten und neuen Aktien zu verkaufen
- AltaktionÀr = jemand, der schon vor der neuen Ausgabe Aktien der Firma besitzt.
- Bezugsrecht = ein Vorkaufs-Gutschein. Wer schon Aktien hat, darf die neuen Aktien zĂŒrst und zum festgelegten Preis kaufen, bevor Fremde drankommen.
- 'im VerhÀltnis ihrer bisherigen GeschÀftsanteile' = wer schon viel besitzt, bekommt entsprechend viele solche Gutscheine. Wer 10 Prozent hat, darf auch 10 Prozent der neuen Aktien kaufen.
- StimmrechtsverhÀltnisse behalten = seinen gleichen Anteil an Mitsprache behalten. Wenn man die neuen Aktien mitkauft, bleibt der eigene Prozent-Anteil gleich gross.
- Bezugsrecht verkaufen = wenn man selbst nicht mitkaufen will, kann man den Vorkaufs-Gutschein an jemand anderen verkaufen und bekommt Geld dafĂŒr.
- Ausgabepreis = der (oft gĂŒnstige) Preis, zu dem die neuen Aktien angeboten werden.
- Vermögensnachteil = ein echter Geld-Verlust. Der Trick: durch den Verkauf des Gutscheins bekommt man genau so viel Geld, wie der Kurs durch die gĂŒnstigen neuen Aktien sinkt. Unterm Strich also kein Verlust.
- Marktwert = der Preis, den eine Aktie gerade an der Börse wert ist (nicht der festgelegte Ausgabepreis).
Bezugsrecht und Bezugsrechtshandel (#05):
AltaktionĂ€re erhalten das Bezugsrecht fĂŒr neu ausgegebene Aktien im VerhĂ€ltnis ihrer bisherigen GeschĂ€ftsanteile. Damit können sie selbst entscheiden, ob sie
- die neuen Aktien kaufen (und damit ihre StimmrechtsverhÀltnisse behalten), oder
- die Bezugsrechte verkaufen.
Durch den Handel ist sichergestellt, dass kein AltaktionĂ€r einen Vermögensnachteil durch zu niedrige Ausgabepreise realisiert: Er hat ja das Anrecht, die neuen Aktien zu diesem Preis zu erwerben â oder das Bezugsrecht fĂŒr die Differenz aus Marktwert der alten und der neuen Aktien zu verkaufen.
Zahlenbeispiel: Schutz vor Vermögensnachteil durch das Bezugsrecht (#06)
Rohleders Kompass, FINA U14
- Aufgabe (#06): am eigenen Zahlenbeispiel zeigen, dass nicht teilnehmende AltaktionĂ€re durch den Wert des Bezugsrechts vor einem Vermögensnachteil geschĂŒtzt sind
- Annahmen: AltaktionÀr hÀlt 5 von 10 Altaktien; Erhöhung um 10 Aktien (danach 20 gesamt)
- Nennwert/Ausgabepreis neue Aktien 5,00 Euro; Marktwert alte Aktien 11,00 Euro
- Ausgangsvermögen: 5 x 11,00 = 55,00 Euro
- Mischkurs = (10 x 11,00 + 10 x 5,00) / 20 = 160,00 / 20 = 8,00 Euro
- Wert eines Bezugsrechts = Mischkurs minus Ausgabepreis = 8,00 minus 5,00 = 3,00 Euro
- 5 Bezugsrechte verkauft: 5 x 3,00 = 15,00 Euro
- Behaltene 5 Aktien zum Mischkurs: 5 x 8,00 = 40,00 Euro
- Endvermögen: 40,00 + 15,00 = 55,00 Euro = Ausgangsvermögen -> kein Nachteil
- ACHTUNG: Rohleders Kompass schreibt abweichende (fehlerhafte) Zwischenwerte: Mischkurs 7,00 statt 8,00; Bezugsrecht 2,00 statt 3,00; 5 x 7 als 45,00 statt korrekt 5 x 8 = 40,00
- Beide Wege enden bei 55,00 Euro, aber nur die korrigierten Zwischenschritte sind fachlich richtig
- Nennwert = der aufgedruckte 'offizielle' Grundwert einer Aktie (hier gleich dem Ausgabepreis 5 Euro). Nicht zu verwechseln mit dem Börsen-/Marktwert (hier 11 Euro).
- Mischkurs = der neue Durchschnittspreis pro Aktie, NACHDEM teure alte und gĂŒnstige neue Aktien zusammengeworfen werden. Man rechnet: (alle alten mal ihr Preis + alle neuen mal ihr Preis) geteilt durch die Gesamtzahl.
- Rechnung Mischkurs Schritt fĂŒr Schritt: 10 alte Aktien mal 11 Euro = 110. 10 neue mal 5 Euro = 50. Zusammen 160 Euro. Geteilt durch 20 Aktien insgesamt = 8 Euro pro Aktie.
- Wert eines Bezugsrechts = wie viel der Vorkaufs-Gutschein wert ist. Hier: Mischkurs 8 Euro minus Ausgabepreis 5 Euro = 3 Euro. Das ist der Vorteil, den der Gutschein einem verschafft.
- BezugsverhÀltnis 1:1 = auf jede alte Aktie kommt eine neue. Deshalb steht in der Formel (11 - 5) geteilt durch (1+1) = 3.
- Ausgangsvermögen = was der AktionÀr vorher besass: 5 Aktien mal 11 Euro = 55 Euro. Endvermögen = was er nachher hat. Gleich 55 Euro bedeutet: nichts verloren.
- 'kompensierende Fehler' = zwei Rechenfehler, die sich zufÀllig gegenseitig aufheben, sodass am Ende trotzdem die richtige Summe rauskommt. Trotzdem falsch gerechnet.
- Kern zum Merken: das Endvermögen (55 Euro) ist genau gleich dem Ausgangsvermögen (55 Euro). Der verkaufte Gutschein gleicht den Kursverlust exakt aus. In der Klausur die KORREKTEN Zwischenwerte nehmen: Mischkurs 8, Bezugsrecht 3, behaltene Aktien 40.
Aufgabenstellung (#06): An einem eigenen Zahlenbeispiel zeigen, dass âAltaktionĂ€re, die nicht an der Kapitalerhöhung teilnehmen, durch den Wert des Bezugsrechts vor einem Vermögensnachteil geschĂŒtzt werden."
Annahmen des Kompass:
| Grösse | Wert |
|---|---|
| Altaktien gesamt | 10 StĂŒck |
| davon AltaktionĂ€r | 5 StĂŒck |
| Erhöhung um | 10 Aktien (danach 20 gesamt) |
| Nennwert/Ausgabepreis neue Aktien | 5,00 Euro/StĂŒck |
| Marktwert alte Aktien | 11,00 Euro/StĂŒck |
Fachlich korrekte Schritt-fĂŒr-Schritt-Rechnung (nachgerechnet):
- Vermögen des AltaktionÀrs vorher: 5 Aktien x 11,00 Euro = 55,00 Euro.
- Marktwert (Mischkurs) nach der Kapitalerhöhung: (10 x 11,00 Euro + 10 x 5,00 Euro) / 20 = 160,00 Euro / 20 = 8,00 Euro.
- Verkaufswert eines Bezugsrechts: allgemeingĂŒltig B = Kurs der Altaktie minus Mischkurs = 11,00 ⏠â 8,00 ⏠= 3,00 Euro, gleichwertig ĂŒber die Formel B = (K â E)/(a/n + 1) = (11,00 â 5,00)/(1 + 1) = 3,00 Euro. Achtung Merksatz-Falle: âMischkurs minus Ausgabepreis" liefert nur beim BezugsverhĂ€ltnis 1:1 zufĂ€llig denselben Wert (bei 2:1 wĂ€ren es fĂ€lschlich 4,00 statt korrekt 2,00 Euro) â nicht als Regel lernen.
- Der AltaktionÀr hÀlt 5 Bezugsrechte -> Verkaufserlöse: 5 x 3,00 Euro = 15,00 Euro.
- Marktwert seiner behaltenen 5 Aktien: 5 x 8,00 Euro = 40,00 Euro.
- Endvermögen: Marktwert der Aktien + Verkaufserlöse = 40,00 Euro + 15,00 Euro = 55,00 Euro.
Ergebnis / Kernaussage: Das Endvermögen (55,00 Euro) entspricht exakt dem Ausgangsvermögen (55,00 Euro). Der nicht teilnehmende AltaktionĂ€r erleidet also keinen Vermögensnachteil â der Wert des verkauften Bezugsrechts gleicht den Kursabschlag durch den gĂŒnstigeren Ausgabepreis der neuen Aktien genau aus.
Wichtiger PrĂŒfhinweis (Kompass enthĂ€lt Rechen-Slips): Rohleders Kompass-Text schreibt drei fehlerhafte Zwischenwerte, die man kennen sollte:
| Schritt | Kompass (wörtlich) | Fachlich korrekt |
|---|---|---|
| Mischkurs 160,00 / 20 | 7,00 Euro | 8,00 Euro |
| Bezugsrecht | 2,00 Euro | 3,00 Euro |
| Behaltene Aktien 5 x Mischkurs | 45,00 Euro (als 5 x 7) | 40,00 Euro (5 x 8) |
Dass die Endsumme im Kompass ebenfalls 55,00 Euro ergibt (45,00 + 10,00), liegt an sich kompensierenden Fehlern, nicht an einer sauberen Rechnung. Zusatz: Der Kompass-Zusatz âBezugsrecht = Differenz aus Markt- und Nennwert" ergĂ€be 11,00 â 5,00 = 6,00 Euro und passt weder zu 2,00 noch zum korrekten 3,00 â die allgemeingĂŒltige Definition ist Kurs der Altaktie minus Mischkurs (bzw. B = (K â E)/(a/n + 1)); âMischkurs minus Ausgabepreis" stimmt nur beim VerhĂ€ltnis 1:1. FĂŒr die Klausur: die korrekten Zwischenwerte reproduzieren; die Kernaussage (Ausgangsvermögen = Endvermögen = 55,00 Euro, kein Nachteil) trĂ€gt in beiden Fassungen.
Ausschluss des Bezugsrechts (#07)
Rohleders Kompass, FINA U14
- Ausschluss möglich bzw. ĂŒblich, falls die Erhöhung nicht sehr hoch ist
- dann kaum ein Verfall des Vermögens (der AltaktionĂ€re) zu befĂŒrchten
- Grenze 1: maximal 10 % Erhöhung des Kapitals
- Grenze 2: Bezugskurs maximal 5 % unter dem Börsenwert
- Ausschluss des Bezugsrechts = die Firma streicht ausnahmsweise den Vorkaufs-Gutschein fĂŒr die Alt-AktionĂ€re. Die neuen Aktien gehen dann direkt an andere.
- 'falls die Erhöhung nicht sehr hoch ist' = solange nur wenige neue Aktien dazukommen, schrumpft der Anteil der Alten kaum, also ist der Schaden gering und der Gutschein weniger nötig.
- Verfall des Vermögens = spĂŒrbarer Wertverlust fĂŒr die Alt-AktionĂ€re. Wenn nur wenig Neues dazukommt, fĂ€llt der kaum ins Gewicht.
- Grenze 'maximal 10 % Erhöhung des Kapitals' = es dĂŒrfen höchstens 10 Prozent zusĂ€tzliche Aktien ausgegeben werden, damit der Ausschluss erlaubt ist.
- Bezugskurs = der Preis, zu dem die neuen Aktien ausgegeben werden. 'Maximal 5 % unter dem Börsenwert' heisst: die neuen dĂŒrfen nur ein kleines bisschen billiger sein als der aktuelle Börsenpreis, nicht viel gĂŒnstiger.
Wann ist ein Ausschluss des Bezugsrechts möglich bzw. ĂŒblich? (#07)
Ein Ausschluss ist möglich bzw. ĂŒblich, falls die Erhöhung nicht sehr hoch ist und damit kaum ein Verfall des Vermögens (der AltaktionĂ€re) zu befĂŒrchten ist. Die im Kompass genannten Grenzen:
- Maximal 10 % Erhöhung des Kapitals.
- Bezugskurs maximal 5 % unter dem Börsenwert.
Weitere Formen der Kapitalerhöhung (#08 genehmigt | #09 bedingt | #10 aus Gesellschaftsmitteln | #11 Aktiensplit)
Rohleders Kompass, FINA U14
- Genehmigtes Kapital (#08): Beschluss der Erhöhung innerhalb von 5 Jahren, unabhĂ€ngig von der tatsĂ€chlichen DurchfĂŒhrung
- Vorteil: gibt der Unternehmensleitung mehr FlexibilitĂ€t, einen gĂŒnstigen Zeitpunkt zu finden
- Bedingte Kapitalerhöhung (#09): an konkrete Bedingungen geknĂŒpft, die den Vorstand einschrĂ€nken und den Zweck garantieren
- Unterschied: genehmigtes Kapital lĂ€sst dem Vorstand offenen Spielraum bei Zeitpunkt/DurchfĂŒhrung
- Aus Gesellschaftsmitteln (#10): keine Mittel von aussen, stattdessen werden Gewinne in Eigenkapital umgewandelt
- Aktiensplit (#11): reduzierter Marktwert je Aktie -> mehr Menschen können eine Aktie erwerben -> KÀufermarkt vergrössert sich
- Genehmigtes Kapital = die Firmenleitung bekommt vorab eine Erlaubnis (fĂŒr bis zu 5 Jahre), spĂ€ter neue Aktien auszugeben, wann immer der Zeitpunkt gĂŒnstig ist. Wie ein Vorrats-Freibrief.
- Unternehmensleitung / Vorstand = die Chefs, die die Firma im TagesgeschĂ€ft fĂŒhren und solche Entscheidungen treffen.
- 'gĂŒnstigen Zeitpunkt finden' = z. B. warten, bis der Aktienkurs hoch steht, damit die neuen Aktien mehr Geld einbringen.
- Bedingte Kapitalerhöhung = eine Erhöhung, die nur unter festen Vorbedingungen passieren darf (z. B. nur wenn bestimmte Leute ihr Recht einlösen). Der Vorstand ist dabei stark eingeschrÀnkt.
- Unterschied genehmigt vs. bedingt: 'genehmigt' = Vorstand hat freie Hand beim Wann und Wie. 'bedingt' = an eine feste Bedingung gebunden, kaum Spielraum.
- Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln = kein frisches Geld von aussen. Die Firma bucht nur eigene angesammelte Gewinne intern in Eigenkapital um. Es kommt real kein Euro mehr rein.
- Aktiensplit = eine Aktie wird in mehrere kleinere aufgeteilt. Der Preis pro StĂŒck sinkt dadurch, der Gesamtwert bleibt gleich. Wie einen 100-Euro-Schein in zwei 50er tauschen.
- KÀufermarkt vergrössert sich = weil eine einzelne Aktie jetzt billiger ist, können sich mehr Leute eine leisten, also gibt es mehr potenzielle KÀufer.
Genehmigtes Kapital â Vorteil (#08):
Beim genehmigten Kapital wird die Erhöhung innerhalb von 5 Jahren beschlossen, unabhĂ€ngig von der tatsĂ€chlichen DurchfĂŒhrung der Erhöhung. Das gibt der Unternehmensleitung mehr FlexibilitĂ€t, einen gĂŒnstigen Zeitpunkt zu finden.
Bedingte Kapitalerhöhung â Abgrenzung zum genehmigten Kapital (#09):
Die bedingte Kapitalerhöhung ist an konkrete Bedingungen geknĂŒpft. Diese Bedingungen schrĂ€nken den Vorstand ein und garantieren den Zweck der Kapitalerhöhung. (Im Unterschied dazu lĂ€sst das genehmigte Kapital dem Vorstand offenen Spielraum bei Zeitpunkt und DurchfĂŒhrung.)
Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln (#10):
Hierbei kommen keine Mittel von aussen â stattdessen werden Gewinne in Eigenkapital umgewandelt.
Aktiensplit â GrĂŒnde (#11):
Durch den reduzierten Marktwert der einzelnen Aktie haben mehr Menschen die Möglichkeit, eine Aktie zu erwerben. Dadurch vergrössert sich der KÀufermarkt.
DividendenausschĂŒttung: Entscheidung & cum/ex (#12 | #13)
Rohleders Kompass, FINA U14
- Entscheidung ĂŒber die Höhe (#12): die Mitglieder der Gesellschafterversammlung entscheiden
- Bei AGs kann der Vorstand zusammen mit dem Aufsichtsrat bis zu 50 % des JahresĂŒberschusses (JĂ) als RĂŒcklagen einbehalten
- Vorstand schlÀgt vor, Hauptversammlung stimmt zu
- cum/ex (#13): Dividende bekommt der AktionÀr am Tag der Hauptversammlung auf sein Depot
- cum: wird die Aktie zuvor gehandelt, so wird sie samt des Anrechts auf Dividende gehandelt
- ex: danach wird sie ohne dieses Anrecht gehandelt (bzw. mit Anrecht erst fĂŒr die nĂ€chste Runde)
- Dividende = der Teil des Firmengewinns, der an die AktionĂ€re ausgezahlt wird. Wie eine jĂ€hrliche Belohnung fĂŒrs Mit-Besitzen.
- AusschĂŒttung = das Auszahlen dieses Gewinnanteils an die EigentĂŒmer.
- Gesellschafterversammlung = das Treffen aller MiteigentĂŒmer, bei dem wichtige Entscheidungen (z. B. Höhe der Dividende) beschlossen werden.
- Aufsichtsrat = ein Kontrollgremium, das den Vorstand ĂŒberwacht. Bei AGs vorgeschrieben.
- JahresĂŒberschuss (JUE) = der Gewinn, den die Firma in einem Jahr ĂŒbrig hat, nachdem alle Kosten und Steuern abgezogen sind.
- RĂŒcklagen einbehalten = einen Teil des Gewinns NICHT auszahlen, sondern in der Firma als Reserve zurĂŒcklegen. 'Bis zu 50 %' heisst: höchstens die HĂ€lfte darf so einbehalten werden.
- Hauptversammlung = bei einer AG das grosse jÀhrliche Treffen aller AktionÀre. Der Vorstand macht VorschlÀge, die AktionÀre stimmen ab.
- cum = lateinisch fĂŒr 'mit'. Kauft man die Aktie vor dem Stichtag, ist der Anspruch auf die Dividende noch mit dabei.
- ex = lateinisch fĂŒr 'ohne'. Kauft man die Aktie nach dem Stichtag, gibt es diese Dividende nicht mehr dazu - man geht diese Runde leer aus.
- Depot = das 'Konto', auf dem die eigenen Aktien und die ausgezahlten Dividenden liegen.
Entscheidung ĂŒber die Höhe der DividendenausschĂŒttung (#12):
Die Mitglieder der Gesellschafterversammlung entscheiden. Bei AGs kann der Vorstand zusammen mit dem Aufsichtsrat bis zu 50 % des JahresĂŒberschusses (JĂ) als RĂŒcklagen einbehalten. Der Vorstand schlĂ€gt vor, die Hauptversammlung stimmt zu.
Begriffe cum und ex (#13):
Die Dividende bekommt der AktionĂ€r am Tag der Hauptversammlung auf sein Depot ausgeschĂŒttet.
- cum: Wird die Aktie zuvor gehandelt, so wird sie samt des Anrechts auf Dividende gehandelt.
- ex: Danach wird sie ohne dieses Anrecht gehandelt (bzw. mit dem Anrecht erst fĂŒr die nĂ€chste Runde).
Dividendenabschlag & Besteuerung (#14 | #15)
Rohleders Kompass, FINA U14
- Dividendenabschlag (#14): der Wertverlust einer Aktie nach Auszahlung der Dividende
- Besteuerung (#15, Einkommensteuer): 25,00 % Abgeltungssteuer
- zzgl. Soli bzw. Kirchensteuer
- abzĂŒglich 1.000,00 Euro Freibetrag
- Dividendenabschlag = der Kurs der Aktie fÀllt genau um den ausgezahlten Betrag, sobald die Dividende raus ist. Logisch: das Geld ist ja jetzt beim AktionÀr statt in der Firma.
- Besteuerung = der Staat will einen Teil deiner Gewinne. Von Kursgewinnen und Dividenden muss man Steuer zahlen.
- Kursgewinn = der Gewinn, wenn du eine Aktie teurer verkaufst, als du sie gekauft hast.
- Abgeltungssteuer 25 % = ein fester Steuersatz von 25 Prozent auf solche Kapitalgewinne. 'Abgeltung' heisst: damit ist die Steuer erledigt.
- Soli (SolidaritÀtszuschlag) = ein kleiner Aufschlag zusÀtzlich zur Steuer. Kirchensteuer = zusÀtzliche Steuer, wenn man Kirchenmitglied ist.
- Freibetrag 1.000 Euro = ein steuerfreier Sockel. Die ersten 1.000 Euro Gewinn pro Jahr bleiben steuerfrei, erst was darĂŒber liegt wird besteuert.
Dividendenabschlag (#14):
Der Dividendenabschlag ist der Wertverlust einer Aktie nach Auszahlung der Dividende.
Besteuerung von Kursgewinnen und Dividenden in Deutschland (Einkommensteuer, #15):
- 25,00 % Abgeltungssteuer
- zzgl. Soli bzw. Kirchensteuer
- abzĂŒglich 1.000,00 Euro Freibetrag
AusschĂŒttungsquote, Dividendenrendite, Dividendenaktie (#16 | #17 | #18 | #19)
Rohleders Kompass, FINA U14
- AusschĂŒttungsquote (#16): Quotient zwischen Dividende und Gewinn je Aktie
- Formel: AusschĂŒttungsquote = Dividende je Aktie / Gewinn je Aktie
- Dividendenrendite (#17): Verzinsung des eingesetzten Kapitals
- Formel: Dividendenrendite = Dividende / Aktienkurs
- Dividendenaktie (#18): eine Aktie, die Dividenden ausschĂŒttet
- Ist eine hohe Dividendenrendite gut (#19)? HĂ€ngt von drei Ăberlegungen ab:
- Ziel der Anlage: konstante Rendite oder Wachstum?
- Finanzierungsbedarf: braucht das Unternehmen die finanziellen Mittel?
- Entscheidungsgewalt: Entscheidung des AktionÀrs oder des Vorstands?
- AusschĂŒttungsquote = wie grosser Anteil des Gewinns als Dividende rausgeht. Formel: Dividende je Aktie geteilt durch Gewinn je Aktie. Beispiel: von 4 Euro Gewinn 1 Euro Dividende = Quote 25 %.
- Quotient = einfach das Ergebnis einer Teilung (das eine geteilt durch das andere).
- je Aktie = pro einzelne Aktie gerechnet. So kann man Firmen unabhÀngig von ihrer Grösse vergleichen.
- Dividendenrendite = wie viel Prozent Ertrag dein eingesetztes Geld bringt. Formel: Dividende geteilt durch Aktienkurs. Beispiel: 2 Euro Dividende bei 40 Euro Kurs = 5 %.
- Verzinsung des eingesetzten Kapitals = wie stark sich das Geld, das du in die Aktie gesteckt hast, 'verzinst' - Àhnlich wie Zinsen aufs Sparbuch.
- Dividendenaktie = eine Aktie einer Firma, die regelmÀssig Dividende auszahlt (statt Gewinne komplett zu behalten).
- 'Ist hohe Dividendenrendite gut?' hĂ€ngt ab von: (1) willst du stetige AusschĂŒttung oder lieber, dass die Firma wĂ€chst; (2) braucht die Firma das Geld selbst zum Wachsen; (3) wer entscheidet ĂŒber die Auszahlung - du oder der Vorstand.
- Wachstum = die Firma behÀlt den Gewinn, um grösser zu werden. Dann steigt eher der Aktienkurs, statt dass viel ausgezahlt wird - ein Gegensatz zu hoher Dividende.
AusschĂŒttungsquote (#16):
Quotient zwischen Dividende und Gewinn je Aktie:
AusschĂŒttungsquote = Dividende je Aktie / Gewinn je Aktie
Dividendenrendite (#17):
Die Verzinsung des eingesetzten Kapitals:
Dividendenrendite = Dividende / Aktienkurs
Dividendenaktie (#18):
Eine Aktie, die Dividenden ausschĂŒttet.
Ist eine hohe Dividendenrendite gut? Relevante Ăberlegungen (#19):
Ob eine hohe Dividendenrendite gut ist, hĂ€ngt von drei Ăberlegungen ab:
- Ziel der Anlage: konstante Rendite oder Wachstum?
- Finanzierungsbedarf: Braucht das Unternehmen die finanziellen Mittel (selbst)?
- Entscheidungsgewalt: Liegt die Entscheidung beim AktionÀr oder beim Vorstand?
AktienrĂŒckkauf: Voraussetzungen, Urteil, GrĂŒnde (#20 | #21 | #22)
Rohleders Kompass, FINA U14
- Voraussetzungen (#20), Zitat Bösch S.133: AktienrĂŒckkaufprogramme nur zulĂ€ssig, wenn die Unternehmung ĂŒber ausreichend freie RĂŒcklagen oder einen entsprechend hohen Bilanzgewinn verfĂŒgt
- Damit ist sichergestellt, dass die erforderlichen Finanzmittel auch fĂŒr Dividendenzahlungen vorhanden gewesen wĂ€ren
- ZusĂ€tzlich: die Hauptversammlung muss den RĂŒckkauf genehmigen
- Urteil (#21): eine Option, die neben Dividendenzahlungen in Betracht gezogen werden sollte
- Vorteile: FlexibilitÀt der Zahlung; Signalwirkung steigender Aktienkurse; stabilisiert den Aktienkurs
- ACHTUNG Kompass-Widerspruch: Kompass schreibt bei #21 '(mehr Aktien im Umlauf)' â ein RĂŒckkauf reduziert aber den Umlauf (vgl. #22/#24 'weniger Aktien'), vermutlich Tippfehler
- Strategische GrĂŒnde (#22): Masse an Anlegern reduzieren (weniger Aktien im Umlauf)
- Nutzung als AkquisitionswĂ€hrung bei Fusionen/Ăbernahmen
- plus dieselben GrĂŒnde, die fĂŒr Dividenden sprechen (Verwendung ĂŒberschĂŒssigen Kapitals)
- AktienrĂŒckkauf = die Firma kauft ihre eigenen Aktien vom Markt zurĂŒck. Sie gibt also Geld an die AktionĂ€re aus, um Anteile zurĂŒckzuholen.
- freie RĂŒcklagen = angesparte Reserven der Firma, die frei verfĂŒgbar sind (nicht fĂŒr etwas Bestimmtes festgelegt).
- Bilanzgewinn = der Gewinn, der laut Jahresabrechnung (Bilanz) zur Verteilung ĂŒbrig bleibt. Nur wenn genug davon da ist, darf zurĂŒckgekauft werden.
- Sinn der Voraussetzung: die Firma darf nur zurĂŒckkaufen, wenn sie das Geld genauso gut als Dividende hĂ€tte auszahlen können - also nicht auf Pump.
- Signalwirkung = der RĂŒckkauf sendet ein Zeichen an den Markt: 'wir halten unsere eigene Aktie fĂŒr gĂŒnstig / glauben an uns'. Das kann den Kurs steigen lassen.
- FlexibilitĂ€t der Zahlung = anders als bei der Dividende, die man ungern kĂŒrzt, kann die Firma RĂŒckkĂ€ufe je nach Kassenlage starten oder lassen.
- 'Aktien im Umlauf' = die Anzahl der Aktien, die gerade draussen bei den Anlegern sind. Ein RĂŒckkauf holt welche rein, also SINKT der Umlauf. (Der Kompass schreibt hier fĂ€lschlich 'mehr' - richtig ist 'weniger'.)
- AkquisitionswĂ€hrung = die eigenen zurĂŒckgekauften Aktien als 'Zahlungsmittel' benutzen, um eine andere Firma zu kaufen (statt mit Bargeld).
- Fusion / Ăbernahme = zwei Firmen verschmelzen (Fusion) oder eine kauft die andere (Ăbernahme).
Voraussetzungen fĂŒr einen AktienrĂŒckkauf (#20):
Rohleder zitiert Bösch (S. 133): âAktienrĂŒckkaufprogramme sind nur zulĂ€ssig, wenn die Unternehmung ĂŒber ausreichend freie RĂŒcklagen oder einen entsprechend hohen Bilanzgewinn verfĂŒgt. Damit wird sichergestellt, dass die fĂŒr den Erwerb eigener Anteile erforderlichen Finanzmittel auch fĂŒr Dividendenzahlungen vorhanden gewesen wĂ€ren."
ZusĂ€tzlich: Die Hauptversammlung muss den RĂŒckkauf genehmigen.
Beurteilung / Urteil (#21):
Es handelt sich um eine Option, die sicherlich neben Dividendenzahlungen in Betracht gezogen werden sollte. Vorteile sind beispielsweise:
- die FlexibilitÀt der Zahlung,
- die Signalwirkung der steigenden Aktienkurse,
- stabilisiert den Aktienkurs.
Hinweis (Kompass-Inkonsistenz): Der Kompass ergĂ€nzt hier wörtlich â(Mehr Aktien im Umlauf)". Das ist fachlich widersprĂŒchlich, da ein RĂŒckkauf den Umlauf reduziert (so auch #22 und #24: âweniger Aktien im Umlauf"). Sachlich richtig ist die kursstabilisierende Wirkung durch weniger Aktien im Umlauf.
Strategische GrĂŒnde fĂŒr einen RĂŒckkauf (#22):
- Mit der Methode kann die Masse an Anlegern reduziert werden (da weniger Aktien im Umlauf).
- Nutzung als AkquisitionswĂ€hrung bei Fusionen/Ăbernahmen.
- Plus dieselben GrĂŒnde, die fĂŒr Dividenden sprechen (Verwendung des ĂŒberschĂŒssigen Kapitals).
Verwendung eigener Aktien & Vernichtung (#23 | #24)
Rohleders Kompass, FINA U14
- Verwendungsmöglichkeiten (#23):
- Vernichtung: Reduktion der Aktienanzahl insgesamt und somit auch des Grundkapitals
- Fusion und Ăbernahmen: Nutzung als Zahlungsmittel
- VergĂŒtungsinstrument: Anteile an Belegschaftsmitglieder oder Management vergeben
- Ăberlegungen zur Vernichtung (#24):
- weniger Aktien im Umlauf -> kleinerer Kreis der AktionÀre, höherer Gewinn je Aktie
- neuer Verschuldungsgrad durch reduzierten EK-Anteil
- Schutz gegen feindliche Ăbernahmen, da sich die im Umlauf befindlichen Aktien reduzieren
- besonders jene von verkaufswilligen AktionĂ€ren (die verkaufen am ehesten bei einer RĂŒckkaufaktion)
- eigene Aktien = die Aktien, die die Firma von sich selbst zurĂŒckgekauft hat und jetzt besitzt. Damit kann sie verschiedene Dinge tun.
- Vernichtung (von Aktien) = die zurĂŒckgekauften Aktien werden ersatzlos gelöscht. Es gibt sie dann nicht mehr, die Gesamtzahl sinkt dauerhaft.
- Grundkapital = das feste Eigenkapital-GrundgerĂŒst einer AG, aufgeteilt in Aktien. Werden Aktien vernichtet, schrumpft auch dieses Grundkapital.
- VergĂŒtungsinstrument = die Aktien als Belohnung/Bezahlung an Mitarbeiter oder Chefs geben (z. B. als Bonus statt oder zusĂ€tzlich zum Gehalt).
- höherer Gewinn je Aktie = wenn der gleiche Gewinn auf weniger Aktien verteilt wird, entfÀllt auf jede einzelne Aktie mehr. Wie eine Pizza, die auf weniger Personen aufgeteilt wird - jeder bekommt mehr.
- neuer Verschuldungsgrad = durch den RĂŒckkauf sinkt das Eigenkapital, dadurch verschiebt sich das VerhĂ€ltnis von Schulden zu eigenem Geld.
- feindliche Ăbernahme = wenn ein Aussenstehender gegen den Willen der Firmenleitung genug Aktien aufkauft, um die Kontrolle zu bekommen.
- 'Schutz gegen feindliche Ăbernahme' = holt man verkaufswillige Aktien vom Markt, sind weniger Aktien frei kaufbar, also schwerer fĂŒr einen Angreifer, die Mehrheit einzusammeln. Verkaufswillige = Leute, die ihre Aktien eh am liebsten loswerden wollen.
Verwendungsmöglichkeiten fĂŒr die eigenen Aktien (#23):
- Vernichtung: Reduktion der Aktienanzahl insgesamt und somit auch des Grundkapitals.
- Fusion und Ăbernahmen: Nutzung als âZahlungsmittel" fĂŒr Fusionen und Ăbernahmen.
- VergĂŒtungsinstrument: Anteile können an Belegschaftsmitglieder oder das Management vergeben werden.
Ăberlegungen zur Vernichtung eigener Aktien (#24):
- Weniger Aktien im Umlauf -> kleinerer Kreis der AktionÀre, höherer Gewinn je Aktie.
- Neuer Verschuldungsgrad durch reduzierten EK-Anteil.
- Schutz gegen feindliche Ăbernahmen, da sich die im Umlauf befindlichen Aktien reduzieren â besonders jene, die von verkaufswilligen AktionĂ€ren gehalten wurden. Diese verkaufen schliesslich am ehesten bei einer solchen RĂŒckkaufaktion.
Working Capital als Bestandteil der Innenfinanzierung (#01)
Rohleders Kompass, FINA U15 · Innenfinanzierung · Abschreibungsgegenwerte
- Working Capital wird zur Innenfinanzierung, sobald Anlagevermögen zu Umlaufvermögen wird
- Kernbedingung laut Kompass: Umschichtung vom Anlage- ins Umlaufvermögen
- Working Capital = das Geld, das im laufenden Betrieb steckt (VorrÀte, offene Kundenrechnungen minus offene Lieferantenrechnungen). Also das, was du kurzfristig zum Wirtschaften brauchst.
- Innenfinanzierung = das Unternehmen finanziert sich aus eigener Kraft, aus dem was es selbst erwirtschaftet, statt sich Geld von aussen (Bank, Investor) zu holen.
- Anlagevermögen = Dinge, die lange im Betrieb bleiben und nicht schnell zu Geld werden: Maschinen, GebÀude, Fuhrpark.
- Umlaufvermögen = Dinge, die schnell zu Geld werden oder schon fast Geld sind: VorrÀte, Forderungen, Bargeld auf dem Konto.
- Umschichtung vom Anlage- ins Umlaufvermögen = etwas Langfristiges (z.B. eine Maschine) wird verkauft und daraus wird Geld, das schnell wieder verfĂŒgbar ist. Genau dann entsteht der Finanzierungs-Effekt.
- gebundenes Vermögen = Geld, das in etwas fest steckt und gerade nicht frei nutzbar ist. Wird es zu Umlaufvermögen, wird es wieder greifbar.
Das Working Capital wird laut Kompass genau dann Bestandteil der Innenfinanzierung, sobald Anlagevermögen zu Umlaufvermögen wird. Die Umschichtung von gebundenem Anlagevermögen hin zu liquiditÀtsnÀherem Umlaufvermögen ist die Bedingung, unter der dieser Effekt der Innenfinanzierung zuzurechnen ist.
Vermögensumschichtung / Kapitalfreisetzung (#02)
Rohleders Kompass, FINA U15
- Kapitalfreisetzung = Variante der Innenfinanzierung
- Gebundenes Vermögen wird in liquide Mittel umgewandelt
- Kein zusÀtzliches Kapital wird geschaffen
- Wege: Verkauf von VermögensgegenstÀnden, Abschreibungen etc.
- Reduziert die AbhÀngigkeit von Fremdkapital
- Kapitalfreisetzung = Geld, das irgendwo gebunden war, wird wieder frei und verfĂŒgbar. Wie Geld aus einer Spardose holen, statt neues zu verdienen.
- liquide Mittel = Geld, das sofort verfĂŒgbar ist: Bargeld oder Guthaben auf dem Konto.
- kein zusĂ€tzliches Kapital geschaffen = es kommt kein neues Geld dazu, vorhandener Wert wird nur in eine flŃessigere Form gebracht.
- Verkauf von VermögensgegenstĂ€nden = man verkauft z.B. eine alte Maschine oder ein GrundstĂŒck und hat dafĂŒr Geld auf dem Konto.
- Fremdkapital = Geld, das dem Unternehmen nicht selbst gehört, sondern geliehen ist (z.B. ein Bankkredit, den man mit Zinsen zurĂŒckzahlen muss).
- AbhÀngigkeit von Fremdkapital reduziert = weil man eigenes Geld freimacht, muss man sich weniger bei der Bank verschulden.
Die Kapitalfreisetzung ist eine Variante der Innenfinanzierung von Unternehmen. Gebundenes Vermögen wird in liquide Mittel umgewandelt, ohne dass zusĂ€tzliches Kapital geschaffen wird. Den Unternehmen stehen mehrere Möglichkeiten zur Kapitalfreisetzung zur VerfĂŒgung, beispielsweise der Verkauf von VermögensgegenstĂ€nden, Abschreibungen etc. Durch diese Art von Innenfinanzierung wird die AbhĂ€ngigkeit von Fremdkapital reduziert.
Operativer Cash Flow (OCF) (#03)
Rohleders Kompass, FINA U15
- OCF (Operating Cashflow) = liquide Mittel aus der normalen GeschÀftstÀtigkeit einer Periode
- Zeigt Finanzmittel, auf die kein Stakeholder unmittelbaren Anspruch erhebt
- FĂŒr Geldgeber (z. B. Banken) sehr relevante Kennzahl
- Zeigt: erwirtschaftet das Unternehmen operativ ĂberschĂŒsse?
- Cashflow = wie viel echtes Geld tatsÀchlich rein- und rausfliesst (nicht der rechnerische Gewinn, sondern das reale Geld in der Kasse).
- operativer Cashflow (OCF) = das Geld, das durch das ganz normale TagesgeschĂ€ft reinkommt (verkaufen, produzieren) minus dem, was dafĂŒr rausgeht.
- normale GeschĂ€ftstĂ€tigkeit = das KerngeschĂ€ft, wofĂŒr die Firma da ist (Autos bauen, Brot backen) - nicht Sonderdinge wie GrundstĂŒck verkaufen.
- Stakeholder = jeder, der einen berechtigten Anspruch oder ein Interesse an der Firma hat: Bank, Mitarbeiter, Lieferanten, EigentĂŒmer.
- kein Stakeholder erhebt unmittelbaren Anspruch = dieses Geld muss man gerade nicht sofort an jemanden weiterreichen, es steht der Firma frei zur VerfĂŒgung.
- Kennzahl = eine einzelne Mess-Zahl, an der man schnell etwas ĂŒber den Zustand der Firma ablesen kann.
- ĂberschĂŒsse erzielen = am Ende bleibt mehr Geld ĂŒbrig, als man ausgegeben hat.
Der Zusammenhang mit dem Umsatzprozess: Durch den Umsatzprozess flieĂen der Unternehmung teilweise Finanzmittel zu, auf die kein Stakeholder einen unmittelbaren Anspruch erhebt.
Mit dem operativen Cashflow, im Englischen auch Operating Cashflow (OCF), kann ein Unternehmen ermitteln, welche liquiden Mittel es aus seiner normalen GeschĂ€ftstĂ€tigkeit innerhalb einer bestimmten Zeitspanne erwirtschaftet. FĂŒr potenzielle Geldgeber (zum Beispiel Banken) ist die Kennzahl von groĂer Relevanz. Sie liefert erste Erkenntnisse, wie erfolgreich das Unternehmen mit den laufenden GeschĂ€ften ist, also ob es in der Lage ist, mit seinen operativen TĂ€tigkeiten ĂberschĂŒsse zu erzielen.
JahresĂŒberschuss und Bilanzgewinn (#04, #05)
Rohleders Kompass, FINA U15
- Aufgabe im Kompass: Definition JahresĂŒberschuss bei Bösch vs. Wikipedia vergleichen
- Folgerung: es ist immer zu beachten, welche Definition/Abgrenzung zugrunde liegt
- Bilanzgewinn separat definieren (Wikipedia-Artikel zu Ende lesen)
- Gewinn- und VerlustvortrÀge beachten
- JahresĂŒberschuss = der Gewinn eines ganzen GeschĂ€ftsjahres: alle Einnahmen minus alle Ausgaben (inkl. Steuern) am Jahresende.
- Bilanzgewinn = der Betrag, der am Ende wirklich zum AusschĂŒtten/Verteilen ĂŒbrig bleibt - kann anders sein als der JahresĂŒberschuss, weil noch alte Reste dazugerechnet oder abgezogen werden.
- Definition/Abgrenzung = die genaue Festlegung, was ein Begriff umfasst und was nicht. Wichtig, weil verschiedene Quellen denselben Begriff leicht anders fassen können.
- Bösch / Wikipedia = zwei Quellen (ein Lehrbuch-Autor und die Online-EnzyklopÀdie), deren Definitionen hier verglichen werden sollen.
- Gewinnvortrag = Gewinn aus einem frĂŒheren Jahr, der nicht ausgeschĂŒttet wurde und ins neue Jahr mitgenommen wird.
- Verlustvortrag = ein Verlust aus einem frĂŒheren Jahr, der ins neue Jahr mitgeschleppt wird und den aktuellen Gewinn schmĂ€lert.
- Rechercheaufgabe = hier gibt der Lernstoff keine fertige Antwort vor, man soll sie selbst in den Quellen nachschlagen.
Der Kompass stellt hier eine Vergleichs- und Rechercheaufgabe, ohne die Definitionen im Foliensatz auszuformulieren:
- Die Definition des JahresĂŒberschusses bei Bösch ist mit der in der Wikipedia zu vergleichen; folglich ist immer zu beachten, auf welche Definition/Abgrenzung man sich bezieht.
- Der Bilanzgewinn ist gesondert zu definieren (der genannte Wikipedia-Artikel ist dazu zu Ende zu lesen).
- ZusĂ€tzlich sind Gewinn- bzw. VerlustvortrĂ€ge zu berĂŒcksichtigen.
Hinweis: Der Kompass gibt an dieser Stelle bewusst keine ausformulierten Definitionstexte vor. Die konkreten Definitionen sind aus Bösch bzw. dem Wikipedia-Artikel zu ĂŒbernehmen.
Verdiente Abschreibungen und Abschreibungsarten (#06, #07)
Rohleders Kompass, FINA U15
- Verdiente Abschreibungen = Teil der Erlöse in Höhe der Abschreibungen
- Liegen in Geldform vor, nutzbar zur Reinvestition
- 3 Abschreibungsarten: kalkulatorisch, bilanziell, steuerlich
- Kalkulatorisch: tatsÀchliche Abnutzung + Preis der Neuanschaffung als Mindestforderung im Produkt
- Zweck: alle AufwÀnde abdecken
- Achtung: kalkulierte Preisuntergrenze ggf. nicht wettbewerbsfÀhig -> Abschreibungen dann nicht verdient
- Abschreibung = eine Maschine kostet z.B. 10.000 Euro und hÀlt 10 Jahre. Statt die Kosten einmal zu buchen, verteilt man sie: pro Jahr gelten 1.000 Euro als Kosten (der jÀhrliche Wertverlust).
- verdiente Abschreibungen = der Teil vom Verkaufspreis der Produkte, der genau diesen Wertverlust wieder reinholt. Das Geld kommt ĂŒber die Kunden zurĂŒck in die Kasse.
- in Geldform vorliegen = es ist echtes Geld auf dem Konto (nicht nur eine Zahl in der Buchhaltung), das man wieder ausgeben kann.
- Reinvestition = das zurĂŒckgeflossene Geld nutzen, um wieder etwas Neues anzuschaffen (z.B. eine neue Maschine).
- kalkulatorische Abschreibung = die intern gerechnete Variante fĂŒr die eigene Preiskalkulation - orientiert sich am echten Verschleiss und am Preis einer neuen Maschine.
- bilanzielle Abschreibung = die Variante nach Buchhaltungsregeln, die in der offiziellen Bilanz steht.
- steuerliche Abschreibung = die Variante nach den Vorgaben des Finanzamts, um zu berechnen, wie viel Steuern man zahlt.
- Mindestforderung / Preisuntergrenze = der niedrigste Preis, den man verlangen MUSS, damit alle Kosten gedeckt sind. Liegt der ĂŒber dem, was der Markt zahlt, verkauft man zu teuer und verdient die Abschreibungen nicht.
Verdiente Abschreibungen sind der Teil der Erlöse, der der Höhe der Abschreibungen entspricht. Sie liegen in Geldform vor und können zum Zwecke der Reinvestition verwendet werden.
Es werden drei Abschreibungsarten unterschieden: kalkulatorische, bilanzielle und steuerliche Abschreibungen. Bei der kalkulatorischen Abschreibung werden die tatsĂ€chliche Abnutzung in der Zeit und der Preis der Neuanschaffung als Mindestforderung fĂŒr das Produkt angesetzt, um alle AufwĂ€nde abzudecken.
Vorsicht: Die so kalkulierte Preisuntergrenze ist gegebenenfalls nicht wettbewerbsfÀhig (aus dem Markt kalkuliert). In diesem Fall werden die Abschreibungen nicht verdient.
Beispiel Tabelle C-2 â Praxisrelevanz (#08)
Rohleders Kompass, FINA U15
- Aussage: Diese Investition hÀtte in der Praxis nie stattgefunden
- Nur möglich unter zwei Annahmen
- Annahme 1: Abschreibungen werden am Markt verdient und fliessen liquide zu
- Annahme 2: bilanzielle Abschreibungen = tatsĂ€chlicher Werteverzehr (keine ĂŒberhöhten/zu geringen)
- Diese Annahmen sind sehr unwahrscheinlich
- Zudem: kein Gewinn und keine Steuererhöhung
- Investition = Geld ausgeben, um etwas Grösseres anzuschaffen, das lÀnger genutzt wird (z.B. eine Maschine).
- am Markt verdient = die Kosten kommen ĂŒber die Verkaufspreise wirklich wieder rein, weil Kunden diesen Preis zahlen.
- fliessen liquide zu = das Geld landet tatsĂ€chlich als verfĂŒgbares Guthaben auf dem Konto.
- tatsÀchlicher Werteverzehr = wie viel eine Maschine in einem Jahr wirklich an Wert verliert (durch echten Verschleiss).
- ĂŒberhöhte Abschreibungen = man rechnet mehr Wertverlust an, als real passiert - dann sieht der Gewinn kleiner aus, als er ist.
- zu geringe Abschreibungen = man rechnet weniger Wertverlust an, als real passiert.
- kein Gewinn und keine Steuererhöhung = im Beispiel bleibt unterm Strich nichts ĂŒbrig, deshalb fĂ€llt auch keine zusĂ€tzliche Steuer an - unrealistisch fĂŒr die Praxis.
BegrĂŒndung, warum die Investition aus dem Beispiel in Tabelle C-2 in der Praxis nie stattgefunden hĂ€tte: Sie ist nur unter engen Annahmen möglich.
- Die Abschreibungen werden am Markt verdient und flieĂen der Unternehmung in liquider Form zu.
- Die bilanziellen Abschreibungen entsprechen dem tatsĂ€chlichen Werteverzehr, d. h. es werden keine ĂŒberhöhten oder zu geringen Abschreibungen vorgenommen.
Beide Annahmen sind sehr unwahrscheinlich. Zudem entstehen im Beispiel kein Gewinn und keine Steuererhöhung.
Hinweis: Die konkreten Zahlen der Tabelle C-2 sind im Kompass-Text nicht abgedruckt und daher hier nicht nachgerechnet.
Bilanzielle Abschreibungen vs. tatsÀchlicher Werteverzehr (#09)
Rohleders Kompass, FINA U15
- Nein â bilanzielle Abschreibung entspricht in der RealitĂ€t nicht dem tatsĂ€chlichen Werteverzehr
- Grund 1: tatsÀchlicher Werteverzehr lÀuft nicht linear ab
- Grund 2: Abschreibungszeitraum stimmt oft nicht mit realem Nutzungszeitraum ĂŒberein
- bilanzielle Abschreibung = der Wertverlust, wie er nach Buchhaltungsregeln in der Bilanz steht (oft gleichmÀssig verteilt).
- tatsÀchlicher Werteverzehr = der echte Wertverlust, der real passiert (manchmal am Anfang viel, spÀter wenig).
- nicht linear = nicht in gleich grossen Schritten. Ein neues Auto verliert im 1. Jahr viel mehr Wert als im 5. - das ist nicht-linear.
- linear (gemeint als Gegenteil) = in immer gleich grossen Schritten, z.B. jedes Jahr genau 1.000 Euro.
- Abschreibungszeitraum = die Anzahl Jahre, ĂŒber die man den Wertverlust in der Buchhaltung verteilt (z.B. laut Vorgabe 8 Jahre).
- realer Nutzungszeitraum = wie lange man die Maschine wirklich benutzt (vielleicht 12 Jahre statt 8) - passt oft nicht zum buchhalterischen Zeitraum.
Nein. In der RealitĂ€t entsprechen die bilanziellen Abschreibungen nicht dem tatsĂ€chlichen Werteverzehr wie in Annahme 2 gefordert, da der tatsĂ€chliche Werteverzehr nicht linear ablĂ€uft. AuĂerdem stimmt der Abschreibungszeitraum oft nicht mit dem realen Nutzungszeitraum ĂŒberein.
Abschreibungen ĂŒber Kosteneinsparungen verdienen (#10)
Rohleders Kompass, FINA U15
- Investition kann das Unternehmen effizienter machen
- Dadurch weniger Kosten, z. B. bei Personal und Material
- Diese Einsparung kompensiert / verdient die Abschreibungen
- Abschreibungen verdienen = das Geld fĂŒr den Wertverlust einer Maschine wieder reinholen - hier nicht ĂŒber höhere Preise, sondern ĂŒber gesparte Kosten.
- effizienter arbeiten = mit weniger Aufwand (weniger Zeit, weniger Leute, weniger Material) dasselbe oder mehr schaffen.
- Kosten beim Personal = Lohnkosten. Wenn eine neue Maschine Arbeit abnimmt, braucht man weniger Arbeitsstunden.
- Kosten beim Material = Ausgaben fĂŒr Rohstoffe. Eine bessere Maschine verschwendet z.B. weniger Material.
- kompensieren = ausgleichen. Die Ersparnis gleicht den Wertverlust der Maschine aus, so dass sie sich rechnet.
Abschreibungen lassen sich auch ĂŒber Kosteneinsparungen am Markt verdienen: Wenn man eine Investition tĂ€tigt, die dafĂŒr sorgt, dass das Unternehmen effizienter arbeitet und dadurch zum Beispiel weniger Kosten beim Personal und Material hat, können darĂŒber die Abschreibungen kompensiert werden.
Kapitalfreisetzungseffekt und KapazitÀtserweiterungseffekt (#11, #12)
Rohleders Kompass, FINA U15
- Kapitalfreisetzungseffekt = im Kern Abschreibungsfinanzierung
- Wertverlust des Guts wird in die Verkaufspreise einkalkuliert
- Fliesst als liquide Mittel zurĂŒck -> Kapital wird freigesetzt
- KapazitÀtserweiterungseffekt: anteilige Abschreibungen werden zahlungswirksam vereinnahmt und in Anlagen investiert
- Erweitert die PeriodenkapazitÀt, NICHT die KapazitÀt der Totalperiode
- Kapitalfreisetzungseffekt = ĂŒber die Verkaufspreise fliesst das Geld fĂŒr den Wertverlust zurĂŒck und wird wieder frei nutzbar.
- Abschreibungsfinanzierung = sich selbst finanzieren mit dem Geld, das ĂŒber die eingerechneten Abschreibungen zurĂŒckkommt.
- in die Verkaufspreise einkalkuliert = der Wertverlust der Maschine wird auf den Produktpreis draufgerechnet, so dass der Kunde ihn mitbezahlt.
- KapazitĂ€t = wie viel eine Firma produzieren kann (z.B. wie viele StĂŒck pro Jahr).
- KapazitĂ€tserweiterungseffekt = mit dem zurĂŒckgeflossenen Abschreibungsgeld kauft man neue Anlagen - dadurch kann man MEHR produzieren als vorher.
- zahlungswirksam vereinnahmt = das Geld kommt wirklich als Zahlung rein (nicht nur rechnerisch), man hat es echt zur VerfĂŒgung.
- PeriodenkapazitÀt = wie viel man in einem einzelnen Zeitraum (z.B. einem Jahr) produzieren kann - die steigt.
- KapazitĂ€t der Totalperiode = die gesamte Produktionsmenge ĂŒber die komplette Lebensdauer aller Anlagen zusammen - die steigt NICHT, weil die Anlagen ja auch wieder verschleissen.
Kapitalfreisetzungseffekt der verdienten Abschreibungen: Der Kapitalfreisetzungseffekt ist Abschreibungsfinanzierung. Der Wert, den das betroffene Gut verliert, wird in die Verkaufspreise der Unternehmensprodukte einkalkuliert und flieĂt somit als liquide Mittel ins Unternehmen zurĂŒck. Das Kapital wird so freigesetzt.
KapazitÀtserweiterungseffekt der Abschreibungen: Der KapazitÀtserweiterungseffekt entsteht, wenn die in den Absatzpreisen enthaltenen, anteiligen Abschreibungen tatsÀchlich zahlungswirksam vereinnahmt und in entsprechende Anlagen investiert werden. Dadurch wird die PeriodenkapazitÀt, nicht jedoch die KapazitÀt der Totalperiode, erweitert. Der KapazitÀtserweiterungseffekt ermöglicht also eine Erweiterung der KapazitÀt durch eine Investition in Anlagen.
Drei PrÀmissen des KapazitÀtserweiterungseffekts und der Multiplikator (#13, #14)
Rohleders Kompass, FINA U15
- PrÀmisse 1: Abschreibungen werden am Markt verdient und fliessen vollstÀndig liquide zu
- PrÀmisse 2: Abschreibungen entsprechen dem tatsÀchlichen Werteverzehr
- PrĂ€misse 3: abgeschriebene GĂŒter zu frĂŒheren Anschaffungs-/Herstellungskosten wiederbeschaffbar
- Gerade PrÀmisse 3 ist sehr unwahrscheinlich
- Multiplikator (Kompass): KapazitÀt erweitern ohne weiteren Aufwand; freigesetzte Abschreibungs-Mittel werden reinvestiert
- PrĂ€misse = eine Voraussetzung, die erfĂŒllt sein muss, damit etwas funktioniert. Wie eine Bedingung im Kleingedruckten.
- vollstĂ€ndig in liquider Form zufliessen = das komplette Geld landet wirklich verfĂŒgbar auf dem Konto (kein Teil bleibt nur auf dem Papier).
- tatsÀchlicher Werteverzehr = der echte Wertverlust der Anlage - die gebuchte Abschreibung soll genau dem entsprechen.
- Anschaffungskosten = was man beim Kauf fĂŒr die Maschine bezahlt hat.
- Herstellungskosten = was es kostet, ein Gut selbst herzustellen (falls man es nicht kauft, sondern baut).
- zu frĂŒheren Kosten wiederbeschaffbar = man könnte dieselbe Maschine spĂ€ter nochmal zum alten Preis kaufen. Unrealistisch, weil Preise durch Inflation meist steigen.
- Multiplikator = ein Faktor, der zeigt, um wie viel sich etwas vervielfacht. Hier: wie stark man die KapazitÀt ausweiten kann, indem man das freigewordene Geld immer wieder neu investiert.
- ohne weiteren Aufwand = ohne zusĂ€tzliches Geld von aussen aufnehmen zu mĂŒssen - allein aus dem selbst zurĂŒckgeflossenen Abschreibungsgeld.
Der KapazitĂ€tserweiterungseffekt funktioniert genau dann, wenn seine drei PrĂ€missen erfĂŒllt sind:
- Abschreibungen werden am Markt verdient und flieĂen der Unternehmung vollstĂ€ndig in liquider Form zu.
- Abschreibungen entsprechen dem tatsÀchlichen Werteverzehr.
- Abgeschriebene InvestitionsgĂŒter können zu frĂŒheren Anschaffungs- und Herstellungskosten wiederbeschafft werden.
Gerade der 3. Punkt ist sehr unwahrscheinlich.
Zum KapazitÀtserweiterungsmultiplikator hÀlt der Kompass fest: Der KapazitÀtserweiterungseffekt ermöglicht es Unternehmen, ihre KapazitÀt zu erweitern, ohne weiteren Aufwand zu betreiben. Dabei werden liquide Mittel durch Abschreibungen freigesetzt, die dann in die Erweiterung investiert werden.
Hinweis: Der Kompass gibt an dieser Stelle keine Multiplikator-Formel an; er beschreibt nur die Wirkung. Eine konkrete Berechnungsformel wÀre aus der Vorlesung zu ergÀnzen und ist hier bewusst nicht erfunden worden.
Ăberhöhte Abschreibungen â Folgejahre, Marketing und Vertrieb (#15, #16)
Rohleders Kompass, FINA U15
- OCF-Wirkung ĂŒberhöhter Abschreibungen entspricht der Steuerersparnis t · ĂŒA
- Folgejahre: Steuerersparnis wird zurĂŒckgezahlt, d. h. spĂ€ter weniger ausgeprĂ€gt
- Effekt = Verlagerung der Steuerzahlung: LiquiditÀt am Anfang, spÀter höhere Steuern
- Vorteil: lÀnger höherer Bestand an liquiden Mitteln + Inflationsvorteil
- Vertrieb muss ĂŒberteuerte Waren verkaufen -> ggf. Wettbewerbsnachteil
- Marketing muss dies und die spÀter korrigierten Preise rechtfertigen
- ĂŒberhöhte Abschreibungen (ĂŒA) = man bucht mehr Wertverlust, als real passiert. Der Gewinn sieht dann kĂŒnstlich kleiner aus.
- OCF = operativer Cashflow, das echte Geld aus dem TagesgeschÀft (siehe #03).
- Steuersatz t = der Prozentsatz, den man vom Gewinn als Steuer zahlt (z.B. 30 Prozent = t = 0,30).
- Formel t mal ĂŒA = Steuersatz multipliziert mit der ĂŒberhöhten Abschreibung. Ergebnis = wie viel Steuern man sich in diesem Jahr spart. Beispiel: 30% von 1.000 Euro extra Abschreibung = 300 Euro weniger Steuer.
- Steuerersparnis wird zurĂŒckgezahlt = der Steuervorteil ist nur geborgt. Weil man frĂŒher weniger Steuern zahlte, muss man spĂ€ter mehr zahlen - unterm Strich gleicht es sich aus.
- Verlagerung der Steuerzahlung = man zahlt nicht weniger insgesamt, sondern nur spĂ€ter. Erst mehr Geld in der Kasse, dafĂŒr spĂ€ter höhere Steuer.
- Inflationsvorteil = weil Geld mit der Zeit an Wert verliert, ist es besser, eine Zahlung spÀter zu leisten - die spÀtere Steuer 'tut weniger weh'.
- Vertrieb = die Abteilung, die die Produkte verkauft. Muss hier zu teure Ware losbekommen.
- Wettbewerbsnachteil = man ist schlechter dran als Konkurrenten, hier weil die eigenen Preise zu hoch sind.
- Marketing = die Abteilung, die die Produkte bewirbt und den Preis gegenĂŒber Kunden rechtfertigen muss.
Die Wirkung von ĂŒberhöhten Abschreibungen auf den OCF entspricht der Steuerersparnis t · ĂŒA (Steuersatz t multipliziert mit der ĂŒberhöhten Abschreibung ĂŒA).
Steuerlich in den Folgejahren: Die Steuerersparnis wird zurĂŒckgezahlt, das heiĂt sie ist in den Folgejahren weniger ausgeprĂ€gt. Es handelt sich um eine Verlagerung der Steuerzahlung: LiquiditĂ€t am Anfang, dafĂŒr spĂ€ter höhere Steuern. Vorteil ist ein lĂ€nger höherer Bestand an liquiden Mitteln sowie ein Inflationsvorteil.
Bedeutung ĂŒberhöhter Abschreibungen in der ersten Periode fĂŒr Marketing und Vertrieb: Der Vertrieb muss ĂŒberteuerte Waren verkaufen, was gegebenenfalls einen Wettbewerbsnachteil bedeutet. Das Marketing muss dies rechtfertigen sowie die dann korrigierten Preise in den Folgejahren.
Offene vs. stille Selbstfinanzierung (#01)
Rohleders Kompass, FINA U16 · Innenfinanzierung · Selbstfinanzierung, RĂŒckstellungen
- Selbstfinanzierung = Finanzierung aus dem eigenen Unternehmen: Thesaurierung oder Einbehalten stiller Reserven (aus BewertungsspielrÀumen)
- Offen: anhand der Bilanz erkennbar, Gewinne werden nicht ausgeschĂŒttet, erscheinen als GewinnrĂŒcklagen
- Still: nicht zu erkennen; beruht auf stillen Reserven = Unterbewertung von Anlagevermögen
- Bei spĂ€terer VerĂ€uĂerung erzielt dieses Vermögen höheren Gewinn als in der Bilanz verbucht
- Merksatz: offen sichtbar (GewinnrĂŒcklagen), still verborgen (unterbewertetes Anlagevermögen)
- Selbstfinanzierung = die Firma bezahlt Neues aus eigenem Geld, das sie selbst verdient hat, statt einen Kredit aufzunehmen oder neue Geldgeber zu holen.
- Thesaurierung = verdienten Gewinn NICHT an die EigentĂŒmer auszahlen, sondern in der Firma lassen. Wie wenn man seinen Lohn nicht ausgibt, sondern aufs Firmenkonto legt.
- Bilanz = eine grosse Liste, die zeigt, was die Firma besitzt und was sie schuldet. Aussenstehende können darin lesen.
- GewinnrĂŒcklagen = ein Topf in dieser Liste, in dem einbehaltene Gewinne offen gesammelt werden. Jeder sieht: hier liegt Geld.
- Stille Reserven = verstecktes Vermögen. Etwas ist in Wirklichkeit mehr wert, als in den Papieren steht. Steht nirgends offen.
- Anlagevermögen = Dinge, die die Firma langfristig nutzt (Maschinen, GebĂ€ude, GrundstĂŒcke), nicht zum schnellen Weiterverkauf.
- Unterbewertung = etwas wird absichtlich zu billig in die Papiere geschrieben. Ein GrundstĂŒck fĂŒr 100.000 gekauft, aber nur mit 60.000 notiert.
- VerÀussern = verkaufen. Beim spÀteren Verkauf kommt dann mehr Geld rein, als in den Papieren stand - der Zusatzgewinn war vorher versteckt.
Selbstfinanzierung ist nach Rohleder eine Finanzierung aus dem eigenen Unternehmen â entweder durch Thesaurierung oder durch das Einbehalten stiller Reserven, die sich aus BewertungsspielrĂ€umen ergeben.
Der Unterschied zwischen offener und stiller Selbstfinanzierung liegt in der Erkennbarkeit:
Offene Selbstfinanzierung
- Ist anhand der Bilanz erkennbar.
- Gewinne werden nicht ausgeschĂŒttet.
- Sie erscheinen in der Bilanz als GewinnrĂŒcklagen.
Stille Selbstfinanzierung
- Ist nicht zu erkennen.
- Sie beruht auf stillen Reserven, also einer Unterbewertung von Anlagevermögen. Wird dieses Vermögen spĂ€ter verĂ€uĂert, erzielt es einen höheren Gewinn, als in der Bilanz verbucht ist.
Merksatz: Offen = sichtbar in der Bilanz (GewinnrĂŒcklagen). Still = verborgen (unterbewertetes Anlagevermögen).
Bildung stiller Reserven und Wirkung auf den OCF (#02, #03)
Rohleders Kompass, FINA U16
- Hebel zur Bildung stiller Reserven: (1) ĂŒberhöhte Abschreibungen (ĂŒA), (2) zu hoch angesetzte RĂŒckstellungen
- Ăberhöhter Abschreibungsbetrag = neu gebildeter Betrag der stillen Reserven
- Abschreibung = nicht zahlungswirksamer Aufwand: drĂŒckt den Gewinn, ohne Geldabfluss
- Folge: weniger Steuern, operativer Cashflow steigt
- Rohleder (14.2): OCF erhöht sich in Höhe der in die Zukunft verschobenen Steuerzahlungen
- Hebel = hier gemeint als Trick/Methode, wie man das versteckte Vermögen aufbaut.
- Abschreibung = der jĂ€hrliche Wertverlust einer Maschine wird als Kosten verbucht. Ein 10.000-Auto ĂŒber 10 Jahre = 1.000 Kosten pro Jahr.
- Ăberhöhte Abschreibungen (ĂŒA) = man tut so, als verliere die Maschine schneller an Wert als echt. Man bucht mehr Kosten als nötig.
- RĂŒckstellungen = Geld, das man fĂŒr eine kĂŒnftige Rechnung zurĂŒcklegt, deren genaue Höhe man noch nicht kennt (z.B. eine erwartete Reparatur). Zu hoch angesetzt = man legt mehr zurĂŒck als nötig.
- Nicht zahlungswirksamer Aufwand = Kosten, bei denen KEIN echtes Geld die Kasse verlÀsst. Es steht nur als Kostenposten auf dem Papier.
- Gewinn drĂŒcken = den ausgewiesenen Gewinn kleiner rechnen. Kleinerer Gewinn = weniger Steuern.
- OCF (operativer Cashflow) = das echte Geld, das durch das normale TagesgeschÀft reinkommt. Weniger Steuern zahlen heisst: mehr Geld bleibt in der Kasse.
- In die Zukunft verschobene Steuerzahlungen = man zahlt die Steuer nicht weg, nur spÀter. Solange behÀlt die Firma das Geld und kann damit arbeiten.
Die beiden Hebel zur Bildung stiller Reserven (#02)
Rohleder nennt als Beispiel, wie stille Reserven gebildet werden können, die ĂŒberhöhten Abschreibungen (ĂŒA). Der ĂŒberhöhte Abschreibungsbetrag ist zugleich der neu gebildete Betrag der stillen Reserven. Als weiteren Hebel nennt er zu hoch angesetzte RĂŒckstellungen (im Kompass: âDies können ĂŒberhöhte Abschreibungen, zu hoch angesetzte RĂŒckstellungen usw. sein").
Die beiden Hebel sind also:
- Ăberhöhte Abschreibungen
- Zu hoch angesetzte RĂŒckstellungen
Wirkung stiller Reserven auf den OCF (#03)
Der ĂŒberhöhte Abschreibungsbetrag erhöht die stillen Reserven. Da Abschreibungen ein nicht zahlungswirksamer Aufwand sind, drĂŒcken sie den ausgewiesenen Gewinn, ohne dass Geld abflieĂt â dadurch sinkt die Steuerlast und der operative Cashflow steigt. Rohleder formuliert diese Wirkung ausdrĂŒcklich in der Management-Sicht (14.2): Der operative Cashflow erhöht sich in Höhe der in die Zukunft verschobenen Steuerzahlungen.
Beurteilung der Selbstfinanzierung â drei Sichten (#04, #05, #06)
Rohleders Kompass, FINA U16
- Management-Sicht: still/unbemerkt Gewinne unversteuert im Unternehmen belassen -> daher âstille" Selbstfinanzierung
- OCF steigt in Höhe der in die Zukunft verschobenen Steuerzahlungen (ca. 30,00 % als SchÀtzung)
- Eigenkapital-Sicht: Mehrung des Eigenkapitals
- Volkswirtschaftliche Sicht: Unternehmen sparen Steuern, Gelder erst spĂ€ter der Allgemeinheit zugefĂŒhrt
- Durch massive stille Reserven sind einige Unternehmen stark unterbewertet
- Management-Sicht = wie die Firmenleitung/Chefs die Sache sehen und was ihnen das bringt.
- Still und unbemerkt Gewinne unversteuert belassen = Geld in der Firma halten, ohne dass es auffÀllt, und darauf (vorerst) keine Steuer zahlen.
- ca. 30 % = grobe Faustregel, wie viel Steuer normalerweise auf Gewinn anfÀllt. Diese 30 % bleiben vorerst in der Firma.
- Eigenkapital = das eigene Geld der Firma (nicht geliehen). Mehrung des Eigenkapitals = das eigene Polster wÀchst.
- Volkswirtschaftliche Sicht = Blick auf die ganze Gesellschaft/den Staat, nicht nur auf die einzelne Firma.
- Der Allgemeinheit erst spĂ€ter zugefĂŒhrt = der Staat bekommt seine Steuern spĂ€ter, also fehlt das Geld erstmal fĂŒr öffentliche Dinge (Schulen, Strassen).
- Unterbewertet = die Firma ist auf dem Papier weniger wert, als sie in Wirklichkeit ist, weil das versteckte Vermögen nicht sichtbar auftaucht.
Rohleder bewertet die (stille) Selbstfinanzierung aus drei Blickwinkeln.
Management-Sicht (#04)
Durch die erhöhten Abschreibungen gelingt es der Unternehmung still und unbemerkt, Gewinne unversteuert in der Unternehmung zu belassen. Deshalb wird diese Form der Innenfinanzierung auch als stille Selbstfinanzierung bezeichnet. Der operative Cashflow erhöht sich dabei in Höhe der in die Zukunft verschobenen Steuerzahlungen â von Rohleder mit ca. 30,00 % als SchĂ€tzung angesetzt.
Eigenkapital-Sicht (#05)
Mehrung des Eigenkapitals.
Volkswirtschaftliche Sicht (#06)
- Unternehmen, die vermeintlich weniger Gewinn erwirtschaften, sparen Steuern. Diese Gelder werden der Allgemeinheit erst spĂ€ter zugefĂŒhrt.
- Durch massive stille Reserven sind einige Unternehmen stark unterbewertet.
Innenfinanzierungsquote ĂŒber 100 % (#07)
Rohleders Kompass, FINA U16
- Formel: Innenfinanzierungsquote = Innenfinanzierung / Bruttoinvestitionen x 100 %
- Zeigt: wie viel Prozent der Investitionen durch Thesaurierung und/oder Eigenkapital finanziert werden
- Ăber 100,00 % = Innenfinanzierung ist höher als die Bruttoinvestitionen
- -> Investitionen vollstĂ€ndig aus eigener Kraft finanziert, zusĂ€tzlich Mittel ĂŒbrig
- Innenfinanzierung = die Firma finanziert Neues aus selbst erwirtschaftetem Geld, ohne Kredit oder neue Geldgeber von aussen.
- Quote = ein VerhÀltnis in Prozent. Zeigt, welcher Anteil von etwas durch etwas anderes gedeckt ist.
- Formel Innenfinanzierung / Bruttoinvestitionen x 100: oben das selbst erwirtschaftete Geld, unten die geplanten Ausgaben fĂŒr Neues, mal 100 damit Prozent rauskommt.
- Bruttoinvestitionen = alles, was die Firma neu anschafft (Maschinen, GebĂ€ude usw.), der gesamte Ausgabebetrag dafĂŒr.
- Ăber 100 % = die Firma hat mehr eigenes Geld erwirtschaftet, als sie fĂŒr Neuanschaffungen braucht. Alles selbst bezahlt UND noch was ĂŒbrig.
- Aus eigener Kraft finanziert = ohne fremde Hilfe (kein Bankkredit, keine neuen Investoren) bezahlt.
Die Innenfinanzierungsquote setzt die Innenfinanzierung ins VerhÀltnis zu den Bruttoinvestitionen:
Innenfinanzierungsquote = Innenfinanzierung / Bruttoinvestitionen x 100 %
Bedeutung der Kennzahl: Sie zeigt, wie viel Prozent der Investitionen durch Thesaurierung und/oder Eigenkapital finanziert werden.
Was heiĂt ĂŒber 100,00 %? Ein Wert von ĂŒber 100,00 % bedeutet, dass die Innenfinanzierung höher ist als die Bruttoinvestitionen. Das Unternehmen finanziert seine Investitionen also vollstĂ€ndig aus eigener Kraft und hat darĂŒber hinaus noch weitere Mittel aus der Innenfinanzierung zur VerfĂŒgung.
Innenfinanzierung durch RĂŒckstellungen (#08)
Rohleders Kompass, FINA U16
- RĂŒckstellung = zum Bildungszeitpunkt nicht zahlungswirksamer Aufwand der entsprechenden Periode
- Dadurch sinken: ausgewiesener Gewinn, Steuerzahlungen, GewinnausschĂŒttungen
- Aufwand gebucht, aber kein Geldabfluss in dieser Periode
- -> Mittel bleiben als Finanzierungsquelle im Unternehmen
- RĂŒckstellung = Geld zurĂŒcklegen fĂŒr eine kĂŒnftige Zahlung, deren genaue Höhe/Zeitpunkt noch offen ist (z.B. eine drohende Gerichtsstrafe oder Reparatur).
- Bildungszeitpunkt = der Moment, in dem man die RĂŒckstellung anlegt/verbucht.
- Nicht zahlungswirksamer Aufwand = es wird als Kosten gebucht, aber es fliesst noch kein echtes Geld ab. Die Kasse bleibt erstmal voll.
- Periode = ein Abrechnungszeitraum, meist ein GeschÀftsjahr.
- Ausgewiesener Gewinn = der Gewinn, der offiziell in den Papieren steht. Durch die gebuchten Kosten wird er kleiner.
- GewinnausschĂŒttungen = die Auszahlung von Gewinn an die Eigentaner. Kleinerer Gewinn = weniger wird ausgeschĂŒttet, mehr bleibt drin.
- Als Finanzierungsquelle im Unternehmen = das nicht ausgegebene Geld bleibt liegen und kann bis zur echten Zahlung fĂŒr anderes genutzt werden.
Die Finanzierungswirkung von RĂŒckstellungen besteht darin, dass sie zum Bildungszeitpunkt einen nicht zahlungswirksamen Aufwand der entsprechenden Periode darstellen.
Dadurch sinken:
- der ausgewiesene Gewinn,
- die Steuerzahlungen,
- die GewinnausschĂŒttungen.
Kern: Es wird Aufwand gebucht, ohne dass in dieser Periode Geld abflieĂt. Weil dadurch weniger Steuern und weniger AusschĂŒttungen anfallen, verbleiben die entsprechenden Mittel als Finanzierungsquelle im Unternehmen.
PensionsrĂŒckstellungen: Anteil, Direktzusage, Bedeutung, Finanzierung (#09â#12)
Rohleders Kompass, FINA U16
- #09 Anteil der PensionsrĂŒckstellungen an den RĂŒckstellungen: im Kompass ohne Zahl -> offen, nicht erfinden
- #10 Direktzusage: Form der bAV; Arbeitnehmer hat unmittelbaren Anspruch gegen den Arbeitgeber; AG zahlt im Ruhestand eine Betriebsrente
- #11 Bedeutung der Direktzusagen: hohe PensionsrĂŒckstellungen
- #12 Finanzierung (S. 185): im Kompass ohne Antwort -> aus der Quelle nachtragen, nicht raten
- PensionsrĂŒckstellungen = zurĂŒckgelegtes Geld fĂŒr die spĂ€teren Betriebsrenten der eigenen Mitarbeiter.
- Kompass = das Lern-/Kursmaterial, aus dem diese Fragen stammen. Wenn dort keine Zahl steht, soll man keine erfinden.
- Betriebliche Altersvorsorge (bAV) = zusÀtzliche Rente vom Arbeitgeber, obendrauf zur normalen gesetzlichen Rente.
- Direktzusage = der Chef verspricht dem Mitarbeiter direkt: Ich zahle dir spÀter selbst eine Betriebsrente. Kein Versicherer dazwischen.
- Unmittelbarer Anspruch gegen den Arbeitgeber = der Mitarbeiter darf das Geld direkt vom Arbeitgeber verlangen, nicht von einer fremden Firma.
- Hoher Bestand an PensionsrĂŒckstellungen = weil der Arbeitgeber selbst zahlen muss, sammelt sich viel zurĂŒckgelegtes Geld dafĂŒr an.
- S. 185 / Antwort offen = im Material fehlt die Antwort. Ehrlich nachtragen statt raten.
Anteil der PensionsrĂŒckstellungen an den RĂŒckstellungen (#09)
Zu dieser Frage enthĂ€lt der Kompass keine ausformulierte Zahl â die Antwort ist offen gelassen. Hier lohnt Nachfragen bzw. ein Blick ins Skript/Buch, statt einen Wert zu erfinden.
Direktzusage (#10)
Eine Direktzusage ist eine Form der betrieblichen Altersvorsorge (bAV). Dabei hat der Arbeitnehmer einen unmittelbaren Anspruch auf Versorgungsleistungen vom Arbeitgeber. Der Arbeitgeber verpflichtet sich, dem Arbeitnehmer im Ruhestand eine Betriebsrente auszuzahlen.
Bedeutung der Direktzusagen (#11)
Rohleder hĂ€lt dazu knapp fest: hohe PensionsrĂŒckstellungen. Die Direktzusage fĂŒhrt also zu einem hohen Bestand an PensionsrĂŒckstellungen.
Wer finanziert die PensionsrĂŒckstellungen (#12, S. 185)
Die Frage ist im Kompass gestellt, aber ohne ausformulierte Antwort. Den konkreten Inhalt aus S. 185 der Quelle nachtragen, nicht raten.
Unmittelbarer Vorteil aus einer PensionsrĂŒckstellung (#13)
Rohleders Kompass, FINA U16
- #13 unmittelbarer Vorteil des Unternehmens: im Kompass leere Folie (Seite 10) -> Antwort offen
- Inhaltlich Anschluss an #08: nicht zahlungswirksamer Aufwand senkt Gewinn, Steuern und AusschĂŒttungen und bindet Mittel im Unternehmen
- Konkreten Wortlaut aus Skript/Buch nachtragen, nichts erfinden
- Unmittelbarer Vorteil = der direkte, sofortige Nutzen fĂŒr die Firma.
- Leere Folie / Antwort offen = im Material steht nichts dazu. Also nichts erfinden, sondern spÀter aus dem Buch ergÀnzen.
- Anschluss an #08 = der Vorteil ist derselbe wie bei RĂŒckstellungen allgemein.
- Nicht zahlungswirksamer Aufwand = auf dem Papier Kosten, aber noch kein echter Geldabfluss. Deshalb weniger Gewinn, weniger Steuern, weniger AusschĂŒttung.
- Bindet Mittel im Unternehmen = das zurĂŒckgelegte Geld bleibt vorerst in der Firma und kann arbeiten, bis die Rente wirklich fĂ€llig wird.
Die Frage nach dem unmittelbaren Vorteil des Unternehmens aus einer PensionsrĂŒckstellung ist im Kompass gestellt, aber nicht ausformuliert beantwortet (leere Folie, Seite 10).
Treu zum Kompass bleibt hier nur: Antwort offen. Inhaltlich schlieĂt die Frage an die allgemeine Finanzierungswirkung von RĂŒckstellungen (#08) an â nicht zahlungswirksamer Aufwand, der Gewinn, Steuern und AusschĂŒttungen senkt und damit Mittel im Unternehmen bindet. Den konkreten Wortlaut fĂŒr #13 aus dem Skript/Buch ergĂ€nzen, damit nichts erfunden wird.
Pensions-Sicherungs-Verein (#14)
Rohleders Kompass, FINA U16
- PSVaG = deutscher Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit
- Zweck: sichert bei Insolvenz des Arbeitgebers die gesetzlich unverfallbaren Anwartschaften und laufenden Renten der Mitarbeiter/Rentner
- Gegenseitige Versicherung ohne Gewinnerzielungsabsicht
- Pensions-Sicherungs-Verein (PSVaG) = eine Einrichtung, die einspringt, wenn ein Arbeitgeber pleite ist, damit die versprochenen Betriebsrenten trotzdem gezahlt werden.
- Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit = viele Firmen zahlen gemeinsam ein und sichern sich damit gegenseitig ab. Kein Konzern, der Gewinn machen will.
- Insolvenzverfahren = das offizielle Verfahren, wenn eine Firma pleite ist und ihre Schulden nicht mehr zahlen kann.
- Unverfallbare Anwartschaften = bereits erworbene RentenansprĂŒche, die dem Mitarbeiter nicht mehr weggenommen werden können, auch wenn er die Firma verlĂ€sst.
- Laufende Renten = die Renten von Leuten, die schon in Rente sind und aktuell Geld bekommen.
- Ohne Gewinnerzielungsabsicht = der Verein will keinen Profit machen, nur die Renten absichern.
Der Pensions-Sicherungs-Verein (PSVaG) ist ein deutscher Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit. Sein Betriebszweck besteht darin, Mitarbeitern und Rentnern von Unternehmen, ĂŒber deren Vermögen oder Nachlass das Insolvenzverfahren eröffnet worden ist, die gesetzlich unverfallbaren Anwartschaften und die laufenden Renten zu sichern.
Zwei Kernmerkmale nach Rohleder:
- Er springt im Insolvenzfall ein und sichert die gesetzlich unverfallbaren Anwartschaften sowie die laufenden Renten.
- Es handelt sich um eine gegenseitige Versicherung ohne Gewinnerzielungsabsicht.
Beurteilung von Direktzusagen (#15)
Rohleders Kompass, FINA U16
- Arbeitnehmersicht: Direktzusage immer prĂŒfen und annehmen; i.d.R. lohnende bAV, gerade wenn der Arbeitnehmer BeitrĂ€ge aus eigener Tasche zahlt
- Unternehmenssicht: bindet Mitarbeiter, BeitrÀge stÀrken die LiquiditÀt, Steuern und Lohnnebenkosten lassen sich sparen
- Hinweis: Kompass schreibt âauch der Arbeitnehmer profitiert", beschreibt aber die Arbeitgeber-Vorteile -> gemeint sind beide Seiten
- Arbeitnehmersicht = wie das Ganze aus Sicht des Angestellten aussieht - lohnt es sich fĂŒr ihn?
- Direktzusage prĂŒfen und annehmen = das Angebot des Chefs auf Betriebsrente sollte man als Angestellter ernst nehmen und meist zusagen.
- BeitrÀge aus eigener Tasche = ein Teil vom eigenen Gehalt wird in die Betriebsrente gesteckt. Das lohnt sich oft wegen Steuervorteilen.
- Unternehmenssicht = wie es fĂŒr die Firma aussieht - was hat der Arbeitgeber davon?
- Mitarbeiter binden = die Leute bleiben lÀnger in der Firma, weil sie die zugesagte Rente nicht verlieren wollen.
- BeitrÀge stÀrken die LiquiditÀt = das eingezahlte Rentengeld liegt erstmal in der Firma und verbessert die ZahlungsfÀhigkeit.
- Lohnnebenkosten = zusÀtzliche Kosten obendrauf zum Lohn (z.B. Sozialabgaben). Bei Betriebsrente lassen sich davon welche sparen.
Rohleders prÀgnante Beurteilung fÀllt klar positiv aus.
Aus Arbeitnehmersicht: Eine Direktzusage sollte man als Arbeitnehmer immer prĂŒfen und annehmen. In der Regel ist es eine lohnende Form der betrieblichen Altersvorsorge â gerade dann, wenn der Arbeitnehmer BeitrĂ€ge aus der eigenen Tasche zahlt.
Aus Unternehmenssicht: Auch das Unternehmen profitiert, weil die Direktzusage die Mitarbeiter an das Unternehmen bindet, die BeitrÀge die LiquiditÀt des Unternehmens stÀrken und sich Steuern und Lohnnebenkosten sparen lassen.
Hinweis zur Vorlage: Im Kompass ist der zweite Absatz mit âDoch auch der Arbeitnehmer profitiert..." eingeleitet, die anschlieĂende BegrĂŒndung (Mitarbeiterbindung, LiquiditĂ€t, Steuer-/Lohnnebenkosten-Ersparnis) beschreibt jedoch den Vorteil des Arbeitgebers/Unternehmens. Inhaltlich sind damit beide Seiten gemeint: Vorteil fĂŒr den Arbeitnehmer UND fĂŒr das Unternehmen.
Auslagerung von PensionsrĂŒckstellungen (#16)
Rohleders Kompass, FINA U16
- Auslagerung der Pensionsverpflichtungen ist in vielen FĂ€llen sinnvoll
- FĂŒhrt zu besseren Bilanzkennzahlen und einem stĂ€rkeren Rating
- Grund: Pensionsverpflichtungen belasten die Bilanz
- Auslagerung = die Rentenverpflichtungen an einen externen Dienstleister (z.B. eine Versicherung/Pensionsfonds) abgeben, statt sie selbst in der Bilanz zu tragen.
- Pensionsverpflichtungen = die Versprechen, spÀter Betriebsrenten zu zahlen. Sie stehen als Schuld in den Papieren.
- Belasten die Bilanz = sie stehen als grosse Schuld in der Liste und lassen die Firma finanziell schwerer/schlechter aussehen.
- Bilanzkennzahlen = Messzahlen, die aus den Firmenpapieren berechnet werden und zeigen, wie gesund die Firma dasteht.
- Rating = eine Note fĂŒr die KreditwĂŒrdigkeit. Besseres Rating = Banken geben leichter und gĂŒnstiger Kredit.
- Werden sie ausgelagert = ist die Schuld weg aus der eigenen Bilanz, sieht die Firma gesunder aus und bekommt eine bessere Note.
Warum lagern viele Unternehmen ihre PensionsrĂŒckstellungen mittlerweile lieber aus?
In vielen FĂ€llen ist es sinnvoll, die Pensionsverpflichtungen auszulagern. Das kann zu besseren Bilanzkennzahlen und einem stĂ€rkeren Rating fĂŒhren.
Kerngedanke: Pensionsverpflichtungen belasten die Bilanz. Werden sie ausgelagert, verbessern sich die Bilanzkennzahlen, und das Unternehmen erhÀlt ein besseres Rating.
Innenfinanzierung aus dem Anlagevermögen (#17, #18, #19)
Rohleders Kompass, FINA U16
- #17 nicht betriebsnotwendiges Vermögen: ungenutztes umgehend verkaufen; fehlt dem Betrieb nicht -> unkritische LiquiditÀtsquelle
- #18 Sale-and-lease-back: verkaufen und wieder anmieten; kurzfristige Kapitalbeschaffung, GebĂŒhren an den Vermieter -> (teures) Fremdkapital
- #19 betriebsnotwendiges Vermögen: letzter Ausweg um solvent zu bleiben; Verzicht auf zukĂŒnftige ErtrĂ€ge des Anlageguts
- Einordnung nach Eingriffstiefe: nicht betriebsnotwendig zĂŒrst, dann Sale-and-lease-back, zuletzt betriebsnotwendiges Vermögen
- Anlagevermögen = langfristig genutzte Dinge der Firma (Maschinen, GebĂ€ude, GrundstĂŒcke, Fahrzeuge).
- Nicht betriebsnotwendiges Vermögen = Dinge, die die Firma besitzt, aber fĂŒr den Betrieb gar nicht braucht (z.B. ein leerstehendes GrundstĂŒck).
- Liquide Mittel = sofort verfĂŒgbares Geld, Bargeld auf dem Konto.
- Sale-and-lease-back = die Firma verkauft z.B. eine Maschine und mietet sie danach vom KĂ€ufer sofort wieder zurĂŒck. Man nutzt sie weiter, hat aber sofort Geld bekommen.
- GebĂŒhren an den Vermieter = die Miete, die man nun fĂŒr das frĂŒher eigene Ding zahlt. Deshalb teuer.
- Fremdkapital = geliehenes Geld, das man zurĂŒckzahlen/verzinsen muss. Das Gegenteil von eigenem Geld.
- Betriebsnotwendiges Vermögen = Dinge, die die Firma zum Arbeiten wirklich braucht. Verkauft man die, kann man weniger produzieren.
- Solvent bleiben = zahlungsfÀhig bleiben, seine Rechnungen noch bezahlen können. Letzter Ausweg = nur wenn es gar nicht mehr anders geht.
- Eingriffstiefe = wie stark eine Massnahme das Unternehmen schwĂ€cht. ĂberflĂŒssiges verkaufen ist harmlos, das Wichtigste verkaufen tut weh.
Rohleder bewertet drei InnenfinanzierungsmaĂnahmen aus dem Anlagevermögen.
Verkauf von nicht betriebsnotwendigem Vermögen (#17)
Vermögen, welches nicht genutzt wird, sollte umgehend verkauft werden. Da es dem Betrieb nicht fehlt, ist dies eine unproblematische Quelle liquider Mittel.
Sale-and-lease-back (#18)
Hierbei wird Vermögen verkauft und anschlieĂend wieder angemietet. Es handelt sich um kurzfristige Kapitalbeschaffung, die aber durch die GebĂŒhren an den Vermieter bezahlt werden muss. Es handelt sich also um (teures) Fremdkapital.
Verkauf von betriebsnotwendigem Vermögen (#19)
Betriebsnotwendiges Vermögen zu verkaufen ist der letzte Ausweg, um solvent zu bleiben. Hierbei wird auf die ErtrÀge in der Zukunft verzichtet, die das Anlagegut erbringen könnte.
Einordnung der drei MaĂnahmen nach Eingriffstiefe: nicht betriebsnotwendiges Vermögen zĂŒrst (unkritisch), Sale-and-lease-back als teure Fremdkapital-Lösung, Verkauf betriebsnotwendigen Vermögens als letzter Ausweg.
Factoring â Definition und Bewertung (#20, #21)
Rohleders Kompass, FINA U16
- Factoring = Kauf kurzfristiger Forderungen; Unternehmen erhÀlt sofort die Mittel und zahlt einen Abschlag an die Bank
- Bank treibt das Geld ein und trÀgt das Ausfallrisiko
- Einordnung: langfristige strategische Entscheidung; bei guten Kunden eher unwahrscheinlich; kontinuierlicher Geldstrom mit hoher Cash-Orientierung, regelmĂ€Ăiger Verkauf aller Forderungen
- Vorteile: schnelle LiquiditĂ€t, kein Risiko mehr, keine Eintreibungs-AufwĂ€nde (Profis), kĂŒrzere Bilanz, höhere BonitĂ€t
- Nachteile: Kosten der Banken, kein langfristiges Kapital
- Quelle laut Kompass: IHK-NĂŒrnberg-Merkblatt zum Thema Factoring
- Forderungen = Geld, das Kunden der Firma noch schulden (offene Rechnungen, die noch nicht bezahlt sind).
- Factoring = die Firma verkauft diese offenen Rechnungen an eine Bank und bekommt dafĂŒr sofort Geld, statt aufs Zahlen der Kunden zu warten.
- Abschlag = die Bank zahlt etwas weniger als den vollen Rechnungsbetrag. Die Differenz ist ihr Verdienst/GebĂŒhr.
- Ausfallrisiko = die Gefahr, dass ein Kunde gar nicht zahlt. Beim Factoring trÀgt dieses Risiko die Bank, nicht mehr die Firma.
- Kontinuierlicher Geldstrom = regelmÀssig, immer wieder Geld reinbekommen - nicht nur einmalig.
- Cash-Orientierung = der Fokus liegt darauf, möglichst schnell an echtes Bargeld zu kommen.
- KĂŒrzere Bilanz = weniger offene Posten in den Papieren, die Firma sieht schlanker/gesĂŒnder aus.
- BonitĂ€t = die KreditwĂŒrdigkeit, also wie zahlungsfĂ€hig und vertrauenswĂŒrdig die Firma bei Banken gilt.
- Kein langfristiges Kapital = Factoring bringt nur schnelles Geld fĂŒr jetzt, keine dauerhafte Finanzierung fĂŒr grosse Zukunftsprojekte.
Was ist Factoring? (#20)
Es handelt sich um den Kauf von kurzfristigen Forderungen von Unternehmen. Das Unternehmen erhĂ€lt dadurch sofort die finanziellen Mittel und zahlt dafĂŒr einen Abschlag an die Bank, die nun das Geld eintreiben muss und das Risiko fĂŒr AusfĂ€lle trĂ€gt.
Rohleder ergÀnzt zur Einordnung:
- Es ist eine langfristige strategische Entscheidung.
- Bei guten Kunden ist Factoring eher unwahrscheinlich.
- Es geht nicht um schnelle Einmal-LiquiditĂ€t, sondern um einen kontinuierlichen Geldstrom mit hoher Cash-Orientierung â durch den regelmĂ€Ăigen Verkauf aller Forderungen.
Vor- und Nachteile (#21)
Vorteile:
- Schnelle LiquiditÀt
- Kein Risiko mehr (Ausfallrisiko liegt bei der Bank)
- Keine AufwĂ€nde fĂŒr die Eintreibung; Profis kĂŒmmern sich um die Forderungen
- KĂŒrzere Bilanz
- Höhere BonitÀt
Nachteile:
- Kosten der Banken
- Kein langfristiges Kapital
(Quelle laut Kompass: IHK-NĂŒrnberg-Merkblatt zum Thema Factoring.)
Weitere Innenfinanzierung aus dem Umlaufvermögen (#22)
Rohleders Kompass, FINA U16
- Bestandsreduktion: LagerbestÀnde (Rohstoffe, Zwischenprodukte usw.) möglichst gering halten -> mehr freie Mittel
- Ănderung der Zahlungsziele (Skonto): kĂŒrzere Zahlungshorizonte -> schnellere LiquiditĂ€t
- Haken beim Skonto: GeschÀftspartner könnten dies langfristig in ihre Preise einkalkulieren
- Umlaufvermögen = Dinge, die schnell wechseln/verbraucht werden: VorrÀte im Lager, Waren, offene Kundenrechnungen. Gegenteil vom langlebigen Anlagevermögen.
- Bestandsreduktion = weniger im Lager liegen haben, VorrÀte klein halten.
- Kapital im Lager gebunden = im Lager liegendes Material ist bezahltes Geld, das dort feststeckt und nicht anders genutzt werden kann. Weniger Lager = mehr freies Geld.
- Zahlungsziele = die Frist, bis wann ein Kunde eine Rechnung bezahlen muss (z.B. 30 Tage). KĂŒrzer = das Geld kommt frĂŒher rein.
- Skonto = ein kleiner Preisnachlass, wenn der Kunde besonders schnell zahlt. Anreiz, damit das Geld eher fliesst.
- Haken beim Skonto = die GeschÀftspartner rechnen den Rabatt auf Dauer einfach in ihre Preise ein, dann verpufft der Vorteil.
Neben Factoring bietet das Umlaufvermögen zwei weitere Innenfinanzierungs-Hebel.
Bestandsreduktion
LagerbestÀnde (Rohstoffe, Zwischenprodukte usw.) sollten möglichst gering gehalten werden. Eine Reduktion bedeutet mehr freie Mittel, weil weniger Kapital im Lager gebunden ist.
Ănderung der Zahlungsziele (Skonto)
KĂŒrzere Zahlungshorizonte bedeuten schnellere LiquiditĂ€t. Der Haken: GeschĂ€ftspartner könnten dies aber langfristig in ihre Preise einkalkulieren.
Einordnung der KreditwĂŒrdigkeit â Fremdfinanzierung & die drei PrĂŒfungsarten
Rohleders Kompass, FINA U17 · Fremdfinanzierung Kredite 1 (KreditwĂŒrdigkeit, Zinsstruktur, Rating, Sicherheiten)
- Fremdfinanzierung (#01): Finanzmittel extern ĂŒber GlĂ€ubiger (Bankkredit), RĂŒckzahlungspflicht plus Zinsen, Regelung in einem Vertrag
- Bilanzbasiert (#02): Kreditinstitute ziehen Jahresabschluss bzw. Vermögensstatus mit ergÀnzenden Angaben heran; weitere KreditgewÀhrung von dieser Vorlage abhÀngig
- Objektbasiert/aktivabasiert (#03): je werthaltiger das Objekt im VerhÀltnis zum Kredit, desto risikoloser; im Vordergrund Werthaltigkeit + Verwertbarkeit des Objekts, nicht der Schuldner; Beispiel Containerschiff
- Projektbasiert (#04): sehr komplexe Konstruktion, VertrĂ€ge zwischen vielen Beteiligten; im Vordergrund Cashflow des Projekts, Schuldner wird zusĂ€tzlich beurteilt; Gleiches gilt fĂŒr Objektfinanzierungen
- Merkachse: bilanzbasiert = Schuldner, objektbasiert = Objekt, projektbasiert = Cashflow
- Fremdfinanzierung = du besorgst dir Geld von jemand anderem (meist Bank), musst es zurĂŒckzahlen plus einen Aufschlag (Zinsen). Gegenteil: du nimmst dein eigenes Geld.
- GlĂ€ubiger = derjenige, der dir das Geld leiht und es zurĂŒckbekommen will (die Bank). Du selbst bist der Schuldner.
- KreditwĂŒrdigkeitsprĂŒfung = die Bank checkt vorher, ob du das geliehene Geld wahrscheinlich zurĂŒckzahlen kannst, bevor sie es dir gibt.
- Bilanzbasiert = die Bank schaut auf deine Zahlen-Ăbersicht (Jahresabschluss). Sie beurteilt DICH als Person/Firma. Bekommst du weiter Kredit, hĂ€ngt davon ab, dass du diese Ăbersicht vorlegst.
- Jahresabschluss / Vermögensstatus = eine Art jÀhrlicher Kassensturz: was die Firma besitzt und was sie schuldet, schwarz auf weiss.
- Objektbasiert (aktivabasiert) = die Bank schaut nicht auf dich, sondern auf die gekaufte SACHE. Beispiel: ein Containerschiff. Ist die Sache mehr wert als der Kredit, kann die Bank sie zur Not verkaufen und ist abgesichert.
- Werthaltigkeit = wie viel Geld die Sache wirklich wert ist. Verwertbarkeit = wie leicht man sie wieder zu Geld machen (verkaufen) kann.
- Projektbasiert = bei einem grossen Vorhaben (z.B. Bau) schaut die Bank vor allem, ob das Projekt selbst genug Geld einspielt, um den Kredit zu bedienen.
- Cashflow = das Geld, das tatsÀchlich rein- und wieder rausfliesst. Vereinfacht: kommt genug Bares rein, um die Raten zu zahlen?
- Merkachse: bilanzbasiert = schaut auf den Schuldner, objektbasiert = schaut auf die Sache, projektbasiert = schaut aufs eingespielte Geld.
#01 Fremdfinanzierung. Nach Rohleder werden die notwendigen Finanzmittel extern ĂŒber einen GlĂ€ubiger beschafft (Bankkredit). Kennzeichnend sind die RĂŒckzahlungspflicht zuzĂŒglich Zinsen sowie die Regelung in einem Vertrag.
#02 Bilanzbasierte KreditwĂŒrdigkeitsprĂŒfung. Die Kreditinstitute sind verpflichtet, zur Bilanzanalyse die JahresabschlĂŒsse bzw. einen Vermögensstatus mit ergĂ€nzenden Angaben heranzuziehen, und die weitere KreditgewĂ€hrung von einer solchen Vorlage abhĂ€ngig zu machen.
#03 Objektbasierte KreditwĂŒrdigkeitsprĂŒfung â Abgrenzung zur bilanzbasierten. Sie funktioniert ganz anders. Rohleders Beispiel: Ein Bankkredit fĂŒr den Kauf eines Containerschiffs. Je werthaltiger das Objekt im VerhĂ€ltnis zum beantragten Kredit ist, desto risikoloser ist die Kreditvergabe, weil das Objekt ausreichend Sicherheit bietet. Bei der objektbasierten bzw. aktivabasierten PrĂŒfung stehen die Werthaltigkeit und die Verwertbarkeit des Objekts im Vordergrund und nicht der Schuldner.
#04 Projektbasierte KreditwĂŒrdigkeitsprĂŒfung. Projektfinanzierungen sind sehr komplexe Konstruktionen, bei denen VertrĂ€ge und Vereinbarungen zwischen vielen Beteiligten geschlossen werden mĂŒssen. Bei jeder Projektfinanzierung steht der Cashflow des Projekts im Vordergrund, doch wird auch der Schuldner beurteilt, mit dem der Kredit abgeschlossen werden soll. Gleiches gilt fĂŒr Objektfinanzierungen.
Merkhilfe zur Abgrenzung â worauf jede PrĂŒfung primĂ€r schaut:
| PrĂŒfungsart | PrĂŒf-Fokus |
|---|---|
| bilanzbasiert | Jahresabschluss / Vermögensstatus (Schuldner) |
| objektbasiert (aktivabasiert) | Werthaltigkeit + Verwertbarkeit des Objekts, nicht der Schuldner |
| projektbasiert | Cashflow des Projekts (Schuldner zusÀtzlich beurteilt) |
Einordnung der Fremdkapitalgeber â Unternehmensverbund & dominierende Geber
Rohleders Kompass, FINA U17
- Kreditvergabe im Unternehmensverbund (#05): spielt mit 26,20 % der Bilanzsumme eine wichtige Rolle
- Passivposten steht bei den kreditgebenden Unternehmungen ein Ausweis auf der Aktivseite gegenĂŒber (Forderung gegen verbundene Unternehmungen)
- Instrument fĂŒr die Besorgung der LiquiditĂ€t bei Konzernschwestern
- Dominierende Fremdkapitalgeber (#06): im Kompass-Text KEIN Antwortsatz â Antwort steckt in Abbildung D-2; einziger Textanker Stichwort Institutionen und MĂ€rkte; an Originalfolie nacharbeiten
- Fremdkapitalgeber = alle, die einer Firma Geld leihen (Banken, aber auch andere Firmen).
- Unternehmensverbund / Konzern = mehrere Firmen, die zusammengehören (Mutter + Töchter, wie eine Familie). Konzernschwestern = Firmen im gleichen Verbund.
- Kreditvergabe im Verbund = Firmen derselben Familie leihen sich untereinander Geld, statt zur Bank zu gehen.
- 26,20 % der Bilanzsumme = mehr als jeder vierte Euro der geliehenen Gelder kommt aus dem eigenen Firmenverbund. Also ziemlich viel.
- Bilanzsumme = die Gesamtsumme aller Werte in der Zahlen-Ăbersicht einer Firma.
- Passivseite = die Seite der Ăbersicht, wo Schulden stehen (woher das Geld kam). Aktivseite = die Seite, wo steht, was die Firma besitzt (wo das Geld steckt).
- Forderung gegen verbundene Unternehmungen = wenn Firma A der Schwester B Geld leiht, dann hat A einen Anspruch auf RĂŒckzahlung. Das steht bei A als Besitz-Posten.
- LiquiditĂ€t = flĂŒssiges Geld, das sofort verfĂŒgbar ist, um Rechnungen zu zahlen.
- Wichtig: Zu Frage #06 gibt es im Text KEINE fertige Antwort. Die Lösung steckt nur in einem Bild (Abbildung D-2), das hier fehlt. Also an der Original-Folie nacharbeiten, nicht raten.
#05 Rolle der Kreditvergabe innerhalb eines Unternehmensverbunds. Die Kreditvergabe innerhalb des jeweiligen Unternehmensverbunds spielt mit 26,20 % der Bilanzsumme eine wichtige Rolle. Diesem Posten auf der Passivseite steht auf Seite der kreditgebenden Unternehmungen ein entsprechender Ausweis auf der Aktivseite gegenĂŒber (Forderung gegen verbundene Unternehmungen). Sie ist ein Instrument fĂŒr die Besorgung der LiquiditĂ€t bei Konzernschwestern.
#06 Dominierende Fremdkapitalgeber laut Abbildung D-2 und ihre Kreditarten. Zu dieser Frage enthĂ€lt der Kompass keinen ausformulierten Antworttext â die Antwort steckt in Abbildung D-2, die im vorliegenden Textauszug nicht wiedergegeben ist. Als einziger Textanker steht dort das Stichwort âInstitutionen und MĂ€rkteâ. Hinweis zum Lernen: Diesen Punkt anhand der Original-Folie / Abbildung D-2 nacharbeiten, da hier nichts erfunden werden soll.
Die Zinsstrukturkurve â Definition, Formen & Einfluss der BonitĂ€t
Rohleders Kompass, FINA U17
- Zinsstrukturkurve (#07): Zeitpunktbetrachtung â zu einem Zeitpunkt tatsĂ€chliche Kredite nach Laufzeit auf X-Achse, zugehöriger Zinssatz auf Y-Achse
- Abbildung D-3 ist idealtypisch, real besteht die Kurve nur aus einzelnen Punkten
- Kompass benennt keine Kurvenformen namentlich â Formen ergeben sich aus Abbildung D-3
- BonitĂ€t (#08) = Synonym fĂŒr KreditwĂŒrdigkeit: je kreditwĂŒrdiger, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass Zins- und Tilgungsverpflichtungen nicht erfĂŒllt werden
- Faktoren der Darlehensvergabe laut Kompass: BonitÀt und VertragslÀnge
- Zinssatz = der Aufschlag in Prozent, den du fĂŒrs Leihen zahlst. Bei 5 % Zins zahlst du fĂŒr 100 Euro geliehenes Geld 5 Euro extra pro Jahr.
- Laufzeit = wie lange du das Geld behalten darfst, bevor du es zurĂŒckzahlen musst (z.B. 2 Jahre, 10 Jahre).
- Zinsstrukturkurve = eine Momentaufnahme, die zeigt: wie hoch ist der Zins bei kurzer, mittlerer und langer Laufzeit? Man trÀgt Laufzeit (unten) gegen Zinssatz (seitlich) auf.
- X-Achse = die waagerechte Linie unten im Diagramm (hier: die Laufzeit). Y-Achse = die senkrechte Linie links (hier: der Zinssatz).
- Zeitpunktbetrachtung = das Bild gilt fĂŒr EINEN einzigen Moment, wie ein Foto. Morgen kann die Kurve schon anders aussehen.
- idealtypisch = eine glatte, saubere Musterkurve. In echt sind es nur einzelne verstreute Punkte, keine durchgezogene Linie.
- BonitĂ€t = ein anderes Wort fĂŒr KreditwĂŒrdigkeit. Wie zuverlĂ€ssig zahlt jemand seine Schulden zurĂŒck?
- Tilgung = das ZurĂŒckzahlen der eigentlichen Schuld (ohne die Zinsen). Zins- und Tilgungsverpflichtungen = die Pflicht, sowohl den Aufschlag als auch die Schuld selbst zu bezahlen.
- Kernaussage: je zuverlÀssiger jemand zahlt (hohe BonitÀt), desto unwahrscheinlicher, dass er ausfÀllt. Zwei Faktoren bei der Kreditvergabe: BonitÀt und VertragslÀnge.
#07 Zinsstrukturkurve und ihre Formen. Die Zinsstrukturkurve ist eine Zeitpunktbetrachtung: Zu einem bestimmten Zeitpunkt werden die tatsÀchlichen Kredite nach ihrer Laufzeit auf der X-Achse sortiert und ihr dazugehöriger Zinssatz auf der Y-Achse abgetragen. Die Darstellung in Abbildung D-3 ist idealtypisch zu verstehen, da in Wirklichkeit die Zinsstrukturkurve nur aus einzelnen Punkten besteht.
Hinweis: Rohleder benennt im Kompass-Text keine konkreten Kurvenformen namentlich (die âFormenâ ergeben sich aus Abbildung D-3). Nur so wiedergeben, wie im Kompass belegt.
#08 Einfluss der BonitĂ€t auf den Zinssatz. BonitĂ€t ist ein Synonym fĂŒr âKreditwĂŒrdigkeitâ. Je kreditwĂŒrdiger ein Schuldner ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er seinen zukĂŒnftigen Zins- und Tilgungsverpflichtungen nicht nachkommt. Als Faktoren, die die Vergabe eines Darlehens beeinflussen, nennt der Kompass die BonitĂ€t und die VertragslĂ€nge.
Ausfallwahrscheinlichkeit, KreditrisikoprÀmie & Rating
Rohleders Kompass, FINA U17
- Ausfallwahrscheinlichkeit (#09): Wahrscheinlichkeit, dass der Ausfall eintritt (Ausfallrisiko) â eines der wichtigsten RisikomaĂe fĂŒr die AbschĂ€tzung des Ausfallrisikos aus Sicht des Kreditgebers
- Kreditausfall bedeutet nicht notwendig Insolvenz, verdeutlicht aber die erhebliche GefĂ€hrdung des wirtschaftlichen Ăberlebens
- Wirkmechanismus höhere PD fĂŒhrt zu höherer KreditrisikoprĂ€mie: im Kompass nicht explizit ausformuliert, greifbar ĂŒber erwarteten Verlust (18.5) und Zinszusammensetzung (#13)
- Ratingagenturen (#10): HauptbetÀtigungsfeld BonitÀtsbeurteilung von Unternehmungen und Staaten; Untersuchung + Einteilung in Risiko-/Ratingklassen = Ratingverfahren/Ratingprozess
- Abgrenzung: Schufa fĂŒr Privathaushalte, Ratingagenturen fĂŒr Unternehmen und Staaten
- Ausfall = der Schuldner zahlt nicht (mehr) zurĂŒck. Ausfallwahrscheinlichkeit = wie hoch die Chance ist, dass genau das passiert.
- RisikomaĂ = eine Kennzahl, mit der man das Risiko in Zahlen fasst, statt nur zu ahnen.
- Kreditgeber = die Bank, aus deren Sicht hier gerechnet wird (sie will wissen, wie riskant der Kredit ist).
- Insolvenz = ZahlungsunfÀhigkeit, umgangssprachlich Pleite. Wichtig: ein Kreditausfall bedeutet nicht automatisch Pleite, zeigt aber, dass es dem Schuldner wirtschaftlich sehr schlecht geht.
- KreditrisikoprÀmie = der Extra-Aufschlag auf den Zins, den die Bank verlangt, weil ein Risiko besteht, dass sie ihr Geld nicht wiedersieht. Je riskanter, desto höher dieser Aufschlag.
- PD (spĂ€ter genutzt) = die englische AbkĂŒrzung fĂŒr die Ausfallwahrscheinlichkeit (Probability of Default).
- Ratingagentur = eine Firma, deren Job es ist, andere Firmen und ganze Staaten zu benoten, wie kreditwĂŒrdig sie sind (Ă€hnlich wie Schulnoten).
- Ratingklassen = Schubladen von 'sehr sicher' bis 'sehr riskant', in die Schuldner einsortiert werden.
- Schufa = macht dasselbe fĂŒr Privatpersonen (Privathaushalte). Merksatz: Schufa = Privatleute, Ratingagenturen = Firmen und Staaten.
#09 Ausfallwahrscheinlichkeit und Einfluss auf die KreditrisikoprĂ€mie. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Ausfall eintritt (Ausfallrisiko), ist eines der wichtigsten RisikomaĂe fĂŒr die AbschĂ€tzung des Ausfallrisikos aus Sicht des Kreditgebers. Ein Kreditausfall bedeutet dabei nicht notwendigerweise die Insolvenz eines Schuldners, er verdeutlicht aber die erhebliche GefĂ€hrdung seines wirtschaftlichen Ăberlebens.
Hinweis: Den konkreten Wirkmechanismus âhöhere Ausfallwahrscheinlichkeit â höhere KreditrisikoprĂ€mieâ formuliert der Kompass an dieser Stelle nicht explizit aus; er wird ĂŒber den erwarteten Verlust (18.5) und die Zusammensetzung des Kreditzinses (#13: Risikofreier Zins + KreditrisikoprĂ€mie) greifbar.
#10 Rolle der Ratingagenturen bei der Kreditvergabe. Ratingagenturen haben als HauptbetĂ€tigungsfeld die BonitĂ€tsbeurteilung von Unternehmungen und Staaten. Das Verfahren, die Kreditnehmer auf ihre KreditwĂŒrdigkeit hin zu untersuchen und in Risiko- bzw. Ratingklassen einzuteilen, wird als Ratingverfahren bzw. Ratingprozess bezeichnet. Abgrenzung laut Kompass: Die Schufa fĂŒr Privathaushalte, Ratingagenturen fĂŒr Unternehmen und Staaten.
Erwarteter Verlust bei Kreditvergabe (EL = PD Ă EAD Ă LGD)
Rohleders Kompass, FINA U17
- Erwarteter Verlust (#11) = Produkt aus drei GröĂen
- Ausfallwahrscheinlichkeit = Probability of Default (PD)
- Positionswert im Ausfallzeitpunkt = Exposure at Default (EAD)
- Verlustquote bei Ausfall = Loss Given Default (LGD)
- Formel: EL = PD Ă EAD Ă LGD
- Rechenschema (Zahlen NICHT aus Kompass, sondern aus Klausuraufgabe): PD 2,00 % = 0,02, EAD 100.000,00 EUR, LGD 45,00 % = 0,45 ergibt EL = 900,00 EUR
- Erwarteter Verlust (EL) = wie viel Geld die Bank im Schnitt bei einem Kredit voraussichtlich verliert. Nicht sicher, sondern ein statistischer Durchschnittswert.
- PD (Probability of Default) = Ausfallwahrscheinlichkeit. Wie wahrscheinlich zahlt der Kunde nicht? Als Prozentzahl, z.B. 2 %.
- EAD (Exposure at Default) = wie viel Geld noch offen ist, genau in dem Moment, wo der Kunde ausfÀllt. Also die Summe, die im Risiko steht, z.B. 100.000 Euro.
- LGD (Loss Given Default) = falls der Kunde wirklich ausfĂ€llt, welcher Anteil ist dann endgĂŒltig weg? Z.B. 45 % bedeutet: von jedem offenen Euro sind 45 Cent verloren (der Rest kommt z.B. ĂŒber Sicherheiten zurĂŒck).
- Die Formel EL = PD Ă EAD Ă LGD heisst einfach: die drei Zahlen malnehmen. Wahrscheinlichkeit x offene Summe x Verlustanteil.
- Prozent in Dezimal umrechnen: 2 % durch 100 = 0,02; 45 % durch 100 = 0,45. Das braucht man, um sauber malzunehmen.
- Rechenbeispiel: 0,02 Ă 100.000 Ă 0,45 = 900 Euro. So viel Verlust kalkuliert die Bank im Schnitt fĂŒr diesen Kredit ein.
- Merke: die konkreten Zahlen stehen NICHT im Lehrtext, sondern kommen in der Klausur aus der Aufgabe. Nur das Rechen-Muster muss man können.
#11 Berechnung des erwarteten Verlusts bei einer Kreditvergabe. Der erwartete Verlust ist das Produkt aus drei GröĂen:
- Ausfallwahrscheinlichkeit â Probability of Default (PD)
- Positionswert im Ausfallzeitpunkt â Exposure at Default (EAD)
- Verlustquote bei Ausfall â Loss Given Default (LGD)
Als Formel:
Erwarteter Verlust = Ausfallwahrscheinlichkeit Ă Positionswert im Ausfallzeitpunkt Ă Verlustquote bei Ausfall
bzw. mit den englischen KĂŒrzeln:
EL = PD Ă EAD Ă LGD
Rechnerische Anwendung (Schema, falls in der Klausur Werte gegeben sind â die konkreten Zahlen kommen aus der Aufgabe, nicht aus dem Kompass): Sind z. B. PD = 2,00 %, EAD = 100.000,00 EUR und LGD = 45,00 % gegeben, ergibt sich Schritt fĂŒr Schritt:
- PD als Dezimalwert: 2,00 % = 0,02
- LGD als Dezimalwert: 45,00 % = 0,45
- EL = 0,02 Ă 100.000,00 EUR Ă 0,45 = 900,00 EUR
So wird sichtbar, wie jede der drei GröĂen multiplikativ in den erwarteten Verlust eingeht.
Sicherheiten, Kreditzins & Gesetz der groĂen Zahlen (Kapitel 18, Fortsetzung)
Rohleders Kompass, FINA U17
- Sicherheiten (#12): verringern das Kreditrisiko, weil sie dem Kreditgeber im Ausfall einen gewissen Wert bieten; z. B. Immobilien oder Wertpapiere; im EL-Modell wirken sie senkend auf die LGD
- Kreditzins-Faktoren (#13): persönliche Situation des Kreditnehmers und aktueller Leitzins; zusÀtzlich abhÀngig von Darlehenshöhe und Darlehenslaufzeit
- Kompass nennt als Zins-Bestandteile zudem: Risikofreier Zins und KreditrisikoprÀmie
- Gesetz der groĂen Zahlen (#14): Grenzwertsatz der Wahrscheinlichkeitslehre â relative HĂ€ufigkeit hn(A) nĂ€hert sich der theoretischen Wahrscheinlichkeit P(A), wenn das Experiment oft genug durchgefĂŒhrt wird
- Differenz geht fĂŒr unendlich viele DurchgĂ€nge gegen null; Bezug Kreditvergabe: erst ĂŒber ein groĂes Portfolio nĂ€hern sich die tatsĂ€chlichen AusfĂ€lle der kalkulierten Ausfallwahrscheinlichkeit an
- Sicherheit = ein Pfand, das der Schuldner hinterlegt (z.B. eine Immobilie oder Wertpapiere). Zahlt er nicht, kann die Bank das Pfand verwerten und holt sich so wenigstens einen Teil zurĂŒck.
- Wertpapiere = handelbare Geldanlagen wie Aktien oder Anleihen, die einen Geldwert haben und verkauft werden können.
- Wirkung von Sicherheiten: sie drĂŒcken die LGD (den Verlustanteil, siehe 18.5). Weil die Bank ja das Pfand hat, ist im Ausfall weniger endgĂŒltig weg.
- Leitzins = der Basiszins, den die Zentralbank festlegt. Er ist der Ausgangspunkt, an dem sich alle anderen Kreditzinsen orientieren. Steigt er, werden Kredite teurer.
- Kreditzins-Faktoren: deine persönliche Lage (wie sicher zahlst du?), der aktuelle Leitzins, dazu Höhe und Laufzeit des Darlehens.
- Risikofreier Zins = der Grundzins ganz ohne Risiko-Aufschlag (was man auch bei einer völlig sicheren Anlage bekÀme). Darauf kommt die KreditrisikoprÀmie oben drauf.
- Gesetz der groĂen Zahlen = je öfter man etwas ausprobiert, desto nĂ€her kommt das tatsĂ€chliche Ergebnis an den erwarteten Wert. Beispiel Muenzwurf: bei 10 WĂŒrfen selten genau 50:50, bei 10.000 WĂŒrfen fast exakt.
- Relative HĂ€ufigkeit hn(A) = wie oft ein Ereignis A in echt eingetreten ist, geteilt durch die Anzahl der Versuche. Theoretische Wahrscheinlichkeit P(A) = der rechnerisch erwartete Wert (beim Muenzwurf 0,5).
- Bezug zum Kredit: bei einem einzelnen Kredit kann alles passieren. Erst ĂŒber viele Kredite zusammen (grosses Portfolio) treffen die kalkulierten Ausfallquoten wirklich zu.
- Portfolio = die gesamte Sammlung aller Kredite, die eine Bank vergeben hat, zusammengenommen.
#12 Wie Sicherheiten den erwarteten Verlust beeinflussen. Sicherheiten verringern das Kreditrisiko, indem sie dem Kreditgeber im Fall eines Kreditausfalls einen gewissen Wert bieten. Diese können aus verschiedensten Vermögenswerten bestehen, wie Immobilien oder Wertpapiere. (Im EL-Modell aus 18.5 wirken Sicherheiten senkend auf die Verlustquote bei Ausfall / LGD.)
#13 Faktoren, die die Höhe des Kreditzinses beeinflussen. Wie hoch die Kreditzinsen ausfallen, hĂ€ngt einerseits von der persönlichen Situation des Kreditnehmers und andererseits vom aktuellen Leitzins ab. DarĂŒber hinaus kann der Zinssatz abhĂ€ngig von der Darlehenshöhe und der Darlehenslaufzeit variieren. Der Kompass nennt als Bestandteile zudem: Risikofreier Zins und KreditrisikoprĂ€mie.
#14 Gesetz der groĂen Zahlen im Kontext der Kreditvergabe. Das Gesetz der groĂen Zahlen ist ein Grenzwertsatz aus der Wahrscheinlichkeitslehre mit groĂer praktischer Bedeutung. Es beschreibt im einfachsten Fall, dass sich die relative HĂ€ufigkeit hn(A) eines Zufallsereignisses A an die theoretische Wahrscheinlichkeit P(A) dieses Ereignisses annĂ€hert, wenn das Zufallsexperiment nur oft genug durchgefĂŒhrt wird. In anderen Worten: Die Differenz zwischen der beobachteten relativen HĂ€ufigkeit und der theoretischen Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses geht fĂŒr unendlich viele DurchgĂ€nge des Zufallsexperiments gegen null. FĂŒr eine sehr groĂe Anzahl an Wiederholungen weicht die beobachtete relative HĂ€ufigkeit nicht mehr bedeutend von der wahren Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses ab. (Bezug zur Kreditvergabe: erst ĂŒber ein groĂes Kreditportfolio nĂ€hern sich die tatsĂ€chlichen AusfĂ€lle der kalkulierten Ausfallwahrscheinlichkeit an.)
Sicherungsinstrumente â Personal- vs. Sachsicherheiten, akzessorisch vs. fiduziarisch
Rohleders Kompass, FINA U17
- Personalsicherheiten (#15): persönlicher, schuldrechtlicher Anspruch des Sicherungsnehmers (z. B. kreditgebende Bank) gegen einen Sicherungsgeber, in eigenem Besicherungsvertrag dokumentiert
- Kreditgeber erhÀlt zusÀtzlich zum bestehenden Anspruch an den Kreditnehmer einen weiteren, unabhÀngigen Anspruch an einen zusÀtzlichen Sicherungsgeber
- Sachsicherheiten (Realsicherheiten): dingliches Recht an Sicherungsmitteln, die im Insolvenzfall aus der Insolvenzmasse ausgesondert und gesondert verwertet werden
- Akzessorisch (#16, angelehnt): unmittelbar mit der Forderung verknĂŒpft, weder allein begrĂŒndbar noch ĂŒbertragbar, existiert nur solange die Forderung besteht; gleiche Einreden wie Hauptschuldner (VerjĂ€hrung, Gegenaufrechnung); separater Vertrag
- Fiduziarisch (GegenstĂŒck): Garantie (#19) und SicherungsĂŒbereignung (#25) â losgelöst von der Hauptschuld, weiterreichbar
- Sicherungsnehmer = wer die Sicherheit BEKOMMT, meist die Bank. Sicherungsgeber = wer die Sicherheit STELLT (bĂŒrgt oder ein Pfand gibt).
- Personalsicherheit = eine zweite PERSON verspricht, einzuspringen und zu zahlen, falls der Schuldner ausfĂ€llt (z.B. eine BĂŒrgschaft). Die Bank hat dann einen zweiten Zahler.
- schuldrechtlicher Anspruch = ein Anspruch gegen eine bestimmte Person, dass sie etwas tut (hier: zahlt). Er richtet sich gegen einen Menschen, nicht gegen eine Sache.
- Sachsicherheit (Realsicherheit) = statt einer Person haftet eine SACHE (z.B. ein Auto, ein GrundstĂŒck). Die Bank kann im Notfall direkt auf die Sache zugreifen.
- dingliches Recht = ein Recht direkt an einer Sache, das gegenĂŒber jedermann gilt. Die Bank darf sich an genau diesem Gegenstand bedienen.
- Insolvenzmasse = alles, was einem pleitegegangenen Schuldner noch gehört und unter den GlÀubigern verteilt wird. Aussondern = eine Sache da herausnehmen, weil sie schon der Bank als Sicherheit zusteht.
- akzessorisch = die Sicherheit hĂ€ngt fest am Kredit dran, wie mit einem Band verbunden. Ist der Kredit zurĂŒckgezahlt, verschwindet automatisch auch die Sicherheit. Man kann sie nicht getrennt weitergeben.
- Einrede = ein Gegenargument, mit dem man die Zahlung (vorĂŒbergehend) verweigern darf. VerjĂ€hrung = wenn eine Forderung zu alt ist, muss man nicht mehr zahlen.
- fiduziarisch (Gegenteil von akzessorisch) = die Sicherheit steht auf eigenen Beinen, unabhĂ€ngig vom Kredit, und kann weitergereicht werden. Beispiele: Garantie und SicherungsĂŒbereignung.
#15 Unterschied Personalsicherheiten vs. Sachsicherheiten.
Personalsicherheiten: Das Sicherungsrecht stellt einen persönlichen, schuldrechtlichen Anspruch des Sicherungsnehmers (z. B. der kreditgebenden Bank) gegen einen Sicherungsgeber dar. Dieses Recht wird in einem eigenen Besicherungsvertrag dokumentiert. Der Kreditgeber erhÀlt neben dem aus dem Kreditvertrag abgeleiteten, bereits bestehenden Anspruch an den Kreditnehmer einen weiteren, davon unabhÀngigen Anspruch an einen zusÀtzlich auftretenden Sicherungsgeber.
Sachsicherheiten (hÀufig Realsicherheiten genannt): Der Sicherungsnehmer erhÀlt ein dingliches Recht an Sicherungsmitteln, die im Insolvenzfalle aus der Insolvenzmasse ausgesondert und gesondert verwertet werden.
#16 Akzessorische vs. fiduziarische Sicherheiten. Einige Sicherungsinstrumente sind unmittelbar mit den besicherten Forderungen verknĂŒpft; man nennt sie deshalb akzessorisch (angelehnt). Sie sind weder allein begrĂŒndbar noch ĂŒbertragbar. Vielmehr existieren die Sicherheiten nur, solange es die zugrundeliegenden Forderungen gibt. Bei akzessorischen Sicherheiten kann der Sicherungsgeber grundsĂ€tzlich die gleichen Einreden geltend machen wie der Hauptschuldner (VerjĂ€hrung, Gegenaufrechnung von Forderungen usw.); es besteht ein separater Vertrag.
Zur fiduziarischen Seite gibt der Kompass die Gegen-Beispiele an anderer Stelle: Garantie (#19) und SicherungsĂŒbereignung (#25) sind fiduziarisch â sie existieren losgelöst von der Hauptschuld und können weitergereicht werden.
BĂŒrgschaft â Ausfall- vs. selbstschuldnerisch & Einrede der Vorausklage
Rohleders Kompass, FINA U17
- Ausfall- vs. selbstschuldnerische BĂŒrgschaft (#17): im Textauszug KEIN ausformulierter Antworttext â reine Bild-/Tabellen-Folie
- Einziger Textanker: die Unterschiede in der BĂŒrgschaft ergeben sich aus der Möglichkeit der Einrede der Vorausklage; an Originalfolie nacharbeiten
- Einrede der Vorausklage (#18): Recht des BĂŒrgen, die Zahlung an den GlĂ€ubiger zu verweigern, bis der GlĂ€ubiger erfolglos in das Vermögen des Hauptschuldners zwangsvollstreckt hat
- Kompass-Verweis: BĂŒrgschaft als akzessorisches Sicherungsrecht, §§ 765 ff. BGB
- BĂŒrgschaft = jemand (der BĂŒrge) verspricht der Bank: 'Wenn der Schuldner nicht zahlt, zahle ich.' Ein klassisches Beispiel: Eltern bĂŒrgen fĂŒr den Kredit ihres Kindes.
- BĂŒrge = die Person, die dieses Versprechen gibt und im Notfall einspringen muss.
- AusfallbĂŒrgschaft vs. selbstschuldnerische BĂŒrgschaft = zwei Spielarten, die sich darin unterscheiden, wie schnell die Bank auf den BĂŒrgen zugreifen darf. Achtung: der genaue Unterschied steht hier NICHT im Text, nur in der Original-Folie.
- Einrede der Vorausklage = das Recht des BĂŒrgen zu sagen: 'Erst versuchst du (Bank) alles beim eigentlichen Schuldner. Solange das nicht erfolglos war, zahle ich nicht.'
- Zwangsvollstreckung = wenn der Staat (Gerichtsvollzieher) zwangsweise das Vermögen des Schuldners pfÀndet, weil er freiwillig nicht zahlt.
- Hauptschuldner = derjenige, der den Kredit eigentlich aufgenommen hat und in erster Linie zahlen muss (nicht der BĂŒrge).
- §§ 765 ff. BGB = die Paragraphen im BĂŒrgerlichen Gesetzbuch, die die BĂŒrgschaft regeln. 'ff.' heisst 'und die folgenden'.
- Die BĂŒrgschaft ist akzessorisch = sie hĂ€ngt am Kredit; ist der Kredit weg, ist auch die BĂŒrgschaft weg (siehe 20.1).
#17 Hauptunterschied AusfallbĂŒrgschaft vs. selbstschuldnerische BĂŒrgschaft. Zu dieser Frage enthĂ€lt der Textauszug des Kompass keinen ausformulierten Antworttext â sie steht auf einer reinen Bild-/Tabellen-Folie. Der einzige begleitende Textanker ist Rohleders Hinweis, dass sich die Unterschiede in der BĂŒrgschaft aus der Möglichkeit der Einrede der Vorausklage ergeben. Diesen Punkt an der Originalfolie nacharbeiten; hier wird bewusst nichts ergĂ€nzt, was nicht im Kompass belegt ist.
#18 Rolle der Einrede der Vorausklage bei der BĂŒrgschaft. Die Einrede der Vorausklage gibt dem BĂŒrgen das Recht, die Zahlung an den GlĂ€ubiger so lange zu verweigern, bis der GlĂ€ubiger versucht hat, seine Forderung durch Zwangsvollstreckung in das Vermögen des Hauptschuldners zu realisieren, und diese erfolglos geblieben ist. Der Kompass verweist dabei auf die BĂŒrgschaft als akzessorisches Sicherungsrecht (§§ 765 ff. BGB).
Garantie â Abgrenzung zur BĂŒrgschaft & Mindestanforderungen
Rohleders Kompass, FINA U17
- BĂŒrgschaft vs. Garantie (#19): Garantien sind im Gegensatz zu BĂŒrgschaften fiduziarisch â existieren losgelöst von einer Hauptschuld und können daher weitergereicht werden
- Garantien hĂ€ufig bei öffentlichen Ausschreibungen und im AuĂenhandel (z. B. Exporteur stellt die Garantie); Kompass-Satz bricht dort ab
- Mindestanforderungen (#20): Garantie in Deutschland nicht gesetzlich geregelt, Garantieversprechen folgt der Vertragsfreiheit
- Elemente: verbindliches, abstraktes Zahlungsversprechen des Garanten ĂŒber eine bestimmte Geldsumme gegenĂŒber dem Garantienehmer, plus Beschreibung der Garantieart im Rahmen eines zu beschreibenden GrundgeschĂ€fts
- Garantie = ein eigenstĂ€ndiges Zahlungsversprechen. Der Garant zahlt eine feste Summe, wenn ein vereinbarter Fall eintritt, egal wie es um die ursprĂŒngliche Schuld steht.
- Garant = derjenige, der die Garantie abgibt und im Ernstfall zahlt. Garantienehmer = derjenige, zu dessen Gunsten die Garantie besteht.
- fiduziarisch = im Gegensatz zur BĂŒrgschaft hĂ€ngt die Garantie NICHT am ursprĂŒnglichen Kredit. Sie steht fĂŒr sich allein und kann weitergegeben werden.
- öffentliche Ausschreibung = wenn z.B. eine Behörde einen Auftrag öffentlich vergibt und Firmen sich bewerben. Da wird oft eine Garantie als Absicherung verlangt.
- AuĂenhandel = GeschĂ€fte ĂŒber Landesgrenzen hinweg (Import/Export). Exporteur = die Firma, die Waren ins Ausland verkauft und dabei eine Garantie stellen kann.
- nicht gesetzlich geregelt = es gibt in Deutschland keinen eigenen Gesetzestext fĂŒr die Garantie. Man darf sie deshalb frei ausgestalten.
- Vertragsfreiheit = der Grundsatz, dass zwei Parteien einen Vertrag inhaltlich frei vereinbaren dĂŒrfen, solange nichts Verbotenes drinsteht.
- abstraktes Zahlungsversprechen = das Versprechen zu zahlen gilt losgelöst vom GrundgeschÀft, also unabhÀngig davon, was hinter dem GeschÀft eigentlich steckt.
- GrundgeschĂ€ft = das eigentliche GeschĂ€ft im Hintergrund (z.B. der Warenkauf), fĂŒr das die Garantie als Absicherung dient.
#19 Wesentlicher Unterschied BĂŒrgschaft vs. Garantie. Garantien sind im Gegensatz zu BĂŒrgschaften fiduziarisch, d. h. sie existieren losgelöst von einer Hauptschuld und können daher auch weitergereicht werden. Garantien findet man hĂ€ufig bei öffentlichen Ausschreibungen und im AuĂenhandel, etwa wenn ein Exporteur die Garantie stellt. (Der Kompass-Satz bricht an dieser Stelle ab.)
#20 Mindestanforderungen an eine Garantie. Die Garantie ist in Deutschland nicht gesetzlich geregelt. Beim Garantieversprechen handelt es sich daher um einen Vertrag, der den GrundsÀtzen der Vertragsfreiheit folgt. Eine Garantie sollte mindestens folgende Elemente beinhalten:
- ein verbindliches, abstraktes Zahlungsversprechen des Garanten ĂŒber
- eine bestimmte Geldsumme gegenĂŒber dem Garantienehmer, sowie
- eine Beschreibung der Garantieart im Rahmen eines zu beschreibenden GrundgeschÀfts.
Forderungsabtretung (Zession) und Covenants (20.4 & 20.5)
Rohleders Kompass, FINA U17
- Offene vs. stille Zession (#21): im Textauszug KEIN ausformulierter Antworttext â reine Bild-/Folien-Seite; an Originalfolie nacharbeiten
- Covenants (#22): dienen der Risikovorsorge und Risikobegrenzung; unterschieden werden Financial und Non-Financial Covenants
- Financial Covenants enthalten insbesondere Regelungen zur Einhaltung bestimmter betriebswirtschaftlicher Kennzahlen und Informationspflichten
- Financial Covenants (#23): Sammelbegriff fĂŒr zusĂ€tzliche Vertragsklauseln/Nebenabreden in Kredit- und AnleihevertrĂ€gen mit Unternehmen; legen einzuhaltende Finanzkennzahlen fest
- Kennzahlen betreffen hÀufig Verschuldung, LiquiditÀt oder RentabilitÀt
- Forderung = ein Anspruch auf Geld, das dir noch jemand schuldet (z.B. eine offene Kundenrechnung).
- Zession / Forderungsabtretung = du ĂŒbertrĂ€gst so eine offene Forderung an einen anderen (z.B. die Bank). Ab dann steht das Geld der Bank zu, als Sicherheit fĂŒr deinen Kredit.
- offene vs. stille Zession = Unterschied liegt darin, ob der Kunde davon erfÀhrt oder nicht. Achtung: der genaue Wortlaut fehlt hier im Text, nur in der Original-Folie.
- Covenants = zusÀtzliche Spielregeln im Kreditvertrag, an die sich der Schuldner halten muss. Wie Auflagen: 'Du bekommst den Kredit, aber nur wenn du dich an X, Y, Z hÀltst.'
- Risikovorsorge und Risikobegrenzung = die Bank baut vor, damit ein möglicher Schaden gar nicht erst gross wird.
- Financial Covenants = Auflagen zu Finanz-Kennzahlen. Der Schuldner muss bestimmte Zahlen einhalten (siehe nÀchster Punkt).
- Non-Financial Covenants = Auflagen, die NICHT direkt Zahlen betreffen, sondern z.B. Berichtspflichten oder Verhaltensregeln.
- Kennzahl = eine Messgrösse, die den Zustand einer Firma in einer Zahl ausdrĂŒckt.
- Verschuldung = wie viele Schulden die Firma hat. LiquiditĂ€t = ob genug flĂŒssiges Geld da ist. RentabilitĂ€t = ob die Firma unterm Strich Gewinn macht. Das sind die typischen Bereiche, die Covenants ĂŒberwachen.
- Anleihevertrag = ein Vertrag ĂŒber eine Anleihe, das ist eine Art verbriefter Kredit, den eine Firma sich am Kapitalmarkt von vielen Geldgebern leiht.
#21 Offene vs. stille Zession bei der Forderungsabtretung. Zu dieser Frage enthĂ€lt der Textauszug des Kompass keinen ausformulierten Antworttext â sie steht auf einer reinen Bild-/Folien-Seite. An der Originalfolie nacharbeiten; hier wird nichts ergĂ€nzt, was der Kompass nicht belegt.
#22 Arten von Covenants und ihr Zweck. Covenants dienen der Risikovorsorge und Risikobegrenzung. Dabei werden Financial und Non-Financial Covenants unterschieden. Financial Covenants enthalten insbesondere Regelungen zur Einhaltung bestimmter betriebswirtschaftlicher Kennzahlen und Informationspflichten.
#23 Financial Covenants und ihre Nutzung. Der Begriff ist ein Sammelbegriff fĂŒr zusĂ€tzliche Vertragsklauseln oder Nebenabreden in Kredit- und AnleihevertrĂ€gen mit Unternehmen. Mit Vereinbarungen ĂŒber Covenants werden den Kreditnehmern bzw. Schuldnern bestimmte Verpflichtungen auferlegt. Finanzielle Covenants sind vertragliche Vereinbarungen zwischen Kreditgebern und Kreditnehmern, die spezifische finanzielle Kennzahlen festlegen, die das Unternehmen einhalten muss, um die Kreditbedingungen zu erfĂŒllen. Diese Kennzahlen beziehen sich hĂ€ufig auf Aspekte wie Verschuldung, LiquiditĂ€t oder RentabilitĂ€t.
Eigentumsvorbehalt, SicherungsĂŒbereignung vs. VerpfĂ€ndung (20.6 & 20.7)
Rohleders Kompass, FINA U17
- Eigentumsvorbehalt (#24): Rechtsinstitut als zusÀtzlicher Bestandteil eines Kaufvertrages
- SchĂŒtzt die Rechte des VerkĂ€ufers fĂŒr den Fall, dass der KĂ€ufer den Kaufpreis nicht zahlt
- SicherungsĂŒbereignung (#25): fiduziarisch, nicht explizit gesetzlich geregelt; statt PfandĂŒbergabe bleibt der Sicherungsgeber im Besitz und kann das Gut nutzen
- Vorteil fĂŒr den GlĂ€ubiger: freihĂ€ndige Verwertung, nicht mehr den strengen Regelungen des Pfandrechts unterworfen
- VerpfĂ€ndung: Besitz geht an den GlĂ€ubiger ĂŒber
- Eigentumsvorbehalt = der VerkÀufer sagt: 'Die Ware bleibt so lange mein Eigentum, bis du sie voll bezahlt hast.' Der KÀufer darf sie zwar nutzen, gehört ihm aber erst nach der letzten Rate.
- Rechtsinstitut = eine feste, im Recht anerkannte Gestaltungsform, ein 'Baustein' des Rechts.
- Kaufpreis = der vereinbarte Preis fĂŒr die Ware. Der Eigentumsvorbehalt schĂŒtzt den VerkĂ€ufer, falls dieser Preis nicht gezahlt wird.
- SicherungsĂŒbereignung = du ĂŒbergibst der Bank das EIGENTUM an einer Sache als Sicherheit, darfst sie aber weiter behalten und benutzen. Beispiel: dein Firmen-Maschine gehört formal der Bank, steht aber weiter bei dir und lĂ€uft.
- fiduziarisch = die Sicherung steht auf eigenen Beinen (siehe 20.1). Nicht explizit gesetzlich geregelt = kein eigener Gesetzestext, wird frei vereinbart.
- VerpfÀndung = das Gegenmodell: du musst die Sache tatsÀchlich HERGEBEN, sie wandert zum GlÀubiger (wie beim Pfandleiher). Nutzen kannst du sie dann nicht mehr.
- Besitz vs. Eigentum: Besitz = wer die Sache tatsĂ€chlich in HĂ€nden hat und nutzt. Eigentum = wem sie rechtlich gehört. Bei der SicherungsĂŒbereignung fĂ€llt das auseinander.
- freihĂ€ndige Verwertung = die Bank darf die Sache im Notfall einfach frei verkaufen, ohne die strengen Zwangs-Regeln des Pfandrechts einhalten zu mĂŒssen. Das ist bequemer und meist teurer im Ergebnis.
- Pfandrecht = die gesetzlichen, ziemlich strengen Regeln, wie ein hinterlegtes Pfand verwertet werden muss.
#24 Funktion und Bedeutung des Eigentumsvorbehalts. Der Eigentumsvorbehalt ist ein Rechtsinstitut, das als zusĂ€tzlicher Bestandteil eines Kaufvertrages vereinbart werden kann. Es soll die Rechte eines VerkĂ€ufers fĂŒr den Fall schĂŒtzen, dass der KĂ€ufer seiner Verpflichtung zur Zahlung des Kaufpreises nicht nachkommt.
#25 SicherungsĂŒbereignung vs. VerpfĂ€ndung. Die SicherungsĂŒbereignung ist fiduziarisch und nicht explizit gesetzlich geregelt. Anstelle der Ăbergabe des Pfands wird eine Verabredung getroffen, nach der der Sicherungsgeber weiterhin im Besitz des Sicherungsguts bleibt und es nutzen kann. Der Vorteil fĂŒr den GlĂ€ubiger ist, dass die Verwertung freihĂ€ndig erfolgen kann und nicht mehr den strengen Regelungen des Pfandrechts unterliegt. Bei der VerpfĂ€ndung dagegen geht der Besitz an den GlĂ€ubiger ĂŒber.
GegenĂŒberstellung:
| Merkmal | SicherungsĂŒbereignung | VerpfĂ€ndung |
|---|---|---|
| Besitz des Sicherungsguts | bleibt beim Sicherungsgeber (nutzbar) | geht an den GlĂ€ubiger ĂŒber |
| rechtliche Einordnung | fiduziarisch, nicht explizit gesetzlich geregelt | dem strengen Pfandrecht unterliegend |
| Verwertung | freihÀndig möglich | nach den strengen Pfandrecht-Regeln |
Grundpfandrechte â Hypothek vs. Grundschuld & Bedeutung des Rangs
Rohleders Kompass, FINA U17
- Hypothek vs. Grundschuld (#26): gröĂter Unterschied â Hypothek erlischt mit vollstĂ€ndiger Tilgung des Darlehens automatisch, Grundschuld bleibt unabhĂ€ngig vom Darlehen bestehen
- Hypothek ist zwingend an das Darlehen gekoppelt und reduziert sich parallel zur Restschuld; Grundschuld ist nicht an ein bestimmtes Darlehen gebunden
- Rang (#27): Position in der zeitlichen Reihenfolge der eingetragenen GlÀubiger
- Verwertungserlöse der Zwangsvollstreckung flieĂen kaskadenartig: ĂŒbersteigt der Erlös die Forderung von Rang 1, wird Rang 2 bedient, ĂberschĂŒsse dann Rang 3 usw.
- ErfahrungsgemÀà sinken die Chancen auf Verwertungserlöse nach dem ersten Rang sehr stark
- Grundpfandrecht = eine Sicherheit, die an einer Immobilie (GrundstĂŒck/Haus) hĂ€ngt. Zahlt der Schuldner nicht, darf die Bank die Immobilie verwerten.
- Hypothek = eine Immobilien-Sicherheit, die fest am Darlehen klebt. Zahlst du den Kredit ab, schrumpft die Hypothek mit und verschwindet am Ende von selbst.
- Grundschuld = ebenfalls eine Immobilien-Sicherheit, aber unabhĂ€ngig vom einzelnen Kredit. Sie bleibt in voller Höhe eingetragen, auch wenn der Kredit lĂ€ngst getilgt ist, und kann fĂŒr einen neuen Kredit wiederverwendet werden.
- Tilgung / Restschuld = das Abzahlen der Schuld bzw. der noch offene Rest. Die Hypothek folgt der Restschuld nach unten, die Grundschuld nicht.
- Rang = die Reihenfolge, in der die GlĂ€ubiger im Grundbuch eingetragen sind. Wer zĂŒrst eingetragen ist, steht auf Rang 1 und wird zĂŒrst bedient.
- Grundbuch = das amtliche Verzeichnis, in dem steht, wem ein GrundstĂŒck gehört und welche Rechte (z.B. Hypotheken) darauf lasten.
- Zwangsversteigerung / Zwangsvollstreckung = die Immobilie wird zwangsweise verkauft, wenn der Schuldner nicht zahlt. Aus dem Erlös werden die GlÀubiger bezahlt.
- kaskadenartig = wie ein Wasserfall von Stufe zu Stufe: erst wird Rang 1 komplett bedient, was ĂŒbrig bleibt fliesst zu Rang 2, dann der Rest zu Rang 3 usw.
- Praxis-Hinweis: nach Rang 1 bleibt oft kaum noch etwas ĂŒbrig. Deshalb ist ein hoher Rang (Rang 1) fĂŒr die Bank viel wertvoller als ein niedriger.
#26 Unterschied Hypothek vs. Grundschuld. Der gröĂte Unterschied besteht darin, dass die Hypothek mit der vollstĂ€ndigen Tilgung des Darlehens automatisch erlischt, wĂ€hrend die Grundschuld unabhĂ€ngig vom aufgenommenen Darlehen bestehen bleibt. Die Hypothek ist zwingend an das Darlehen gekoppelt und reduziert sich parallel zur Restschuld, wĂ€hrend die Grundschuld nicht an ein bestimmtes Darlehen gebunden ist.
| Merkmal | Hypothek | Grundschuld |
|---|---|---|
| Kopplung an Darlehen | zwingend an das Darlehen gekoppelt | nicht an ein bestimmtes Darlehen gebunden |
| Verlauf | reduziert sich parallel zur Restschuld | bleibt bestehen |
| bei vollstÀndiger Tilgung | erlischt automatisch | bleibt weiter bestehen |
#27 Rolle des Rangs bei der Verwertung von Grundpfandrechten. Die Position in der zeitlichen Reihenfolge der eingetragenen GlĂ€ubiger wird Rang genannt. Die Verwertungserlöse im Zuge der Zwangsvollstreckung flieĂen dabei kaskadenartig auf die einzelnen RĂ€nge. Ăbersteigt der Verwertungserlös die Forderungen des GlĂ€ubigers mit Rang 1, wird Rang 2 bedient. Etwaige VerwertungsĂŒberschĂŒsse flieĂen dann in Rang 3 usw. ErfahrungsgemÀà sinken aber die Chancen auf mögliche Verwertungserlöse nach dem ersten Rang sehr stark.
Kreditarten â Kategorien von Kreditnehmern (#01)
Rohleders Kompass, FINA U18 · Fremdfinanzierung Kredite 2 (Kreditarten, Nominal- vs. Effektivzins, Tilgung)
- Gliederungsmerkmal = allein der Kreditnehmer (wer bekommt den Kredit), nicht Laufzeit/Verzinsung
- Interbankenkredit = Kredit zwischen Banken
- Gewerblicher Kredit = Bankkredit an eine Unternehmung
- Kommunalkredit = Kredit an öffentliche Kreditnehmer
- Konsumentenkredit = Kredit an private Haushalte, meist fĂŒr langlebige KonsumgĂŒter
- Kredit = geliehenes Geld, das man spĂ€ter mit Zinsen zurĂŒckzahlt. Wie wenn dir jemand Geld leiht und du am Ende etwas obendrauf gibst.
- Kreditnehmer = die Person oder Firma, die sich das Geld leiht (nicht die Bank, die es gibt).
- Gliederungsmerkmal = die eine Frage, nach der man sortiert. Hier: 'Wer leiht sich das Geld?' Nur danach werden die Sorten geordnet, egal wie lange oder zu welchem Zins.
- Interbankenkredit = 'inter' heisst 'zwischen'. Also: eine Bank leiht einer anderen Bank Geld.
- Gewerblicher Kredit = Geld fĂŒr eine Firma (ein Gewerbe = ein GeschĂ€ft/Betrieb).
- Kommunalkredit = Geld fĂŒr die öffentliche Hand, also z. B. eine Stadt oder Gemeinde ('Kommune' = Gemeinde).
- Konsumentenkredit = Geld fĂŒr normale Privatleute, oft um teure Dinge zu kaufen, die lange halten (Auto, KĂŒche). 'Konsument' = Verbraucher, also du und ich.
- Laufzeit = wie lange man das Geld behĂ€lt, bis man es zurĂŒckzahlt. Verzinsung = wie der Zins berechnet wird. Beides ist hier NICHT das Sortierkriterium.
Rohleder ordnet die Kreditarten nach dem Kreditnehmer, also danach, wer den Kredit erhÀlt. Aus diesem einen Unterscheidungskriterium ergeben sich im Kompass vier Kategorien:
| Kategorie | Kreditnehmer laut Kompass |
|---|---|
| Interbankenkredit | Kredit zwischen Banken |
| Gewerblicher Kredit | Bankkredit an eine Unternehmung |
| Kommunalkredit | Kredit an öffentliche Kreditnehmer |
| Konsumentenkredit | Kredit an private Haushalte (meist fĂŒr langlebige KonsumgĂŒter) |
Merke: Das gliedernde Merkmal ist ausschliesslich der Kreditnehmer, nicht z. B. die Laufzeit oder die Verzinsung. Wer den Kredit aufnimmt, bestimmt die Kategorie.
Verzinsungsformen â Festzins- vs. variabel verzinste Kredite (#02)
Rohleders Kompass, FINA U18
- Unterscheidungskriterium: Àndert sich der Zinssatz wÀhrend der Laufzeit?
- Festzinskredit = feste, wÀhrend der Vertragslaufzeit unverÀnderte Zinsen
- Festzins ist laut Rohleder die ĂŒbliche Form von Bankkrediten
- Variable Verzinsung = Zinssatz wird in regelmÀssigen AbstÀnden angepasst
- Bezug ĂŒblicherweise an die Höhe der zukĂŒnftigen Geldmarktzinsen gekoppelt
- Zinssatz = der Prozentsatz, den du extra zahlst fĂŒrs Leihen. Bei 5 % zahlst du auf 100 Euro 5 Euro obendrauf.
- Festzinskredit = der Zinssatz wird zu Beginn festgelegt und bleibt bis zum Schluss gleich. Du weisst von Anfang an genau, was du zahlst.
- 'ĂŒbliche Form von Bankkrediten' = das ist der Normalfall, so machen es Banken meistens.
- Variable Verzinsung = 'variabel' heisst 'verÀnderlich'. Der Zinssatz wird immer mal wieder neu angepasst, mal höher, mal niedriger.
- 'in regelmÀssigen AbstÀnden angepasst' = zu festen Zeitpunkten (z. B. alle 3 Monate) schaut man neu, wie hoch der Zins jetzt ist.
- Geldmarktzins = der aktuelle Zins, zu dem sich Banken gerade untereinander kurzfristig Geld leihen. Steigt der, steigt auch dein variabler Zins. 'gekoppelt' = daran fest gebunden.
Der Kompass stellt zwei Verzinsungsformen gegenĂŒber; das Unterscheidungskriterium ist, ob sich der Zinssatz wĂ€hrend der Laufzeit Ă€ndert.
Festzinskredit: Bank und Kreditnehmer vereinbaren feste Zinsen, also Zinsen, die sich wĂ€hrend der Vertragslaufzeit nicht Ă€ndern. Das ist laut Rohleder die ĂŒbliche Form von Bankkrediten.
Kredit mit variabler Verzinsung: Die Vertragspartner vereinbaren, dass der Zinssatz in regelmĂ€ssigen AbstĂ€nden angepasst wird. Ăblicherweise wird der Zinssatz an die Höhe der zukĂŒnftigen Geldmarktzinsen gekoppelt.
| Merkmal | Festzinskredit | Variabel verzinst |
|---|---|---|
| Zinssatz wÀhrend Laufzeit | konstant | wird regelmÀssig angepasst |
| Bezugsgrösse | fest vereinbart | zukĂŒnftige Geldmarktzinsen |
| Verbreitung | ĂŒbliche Form von Bankkrediten | â |
Tilgungsformen â endfĂ€llig, Tilgungs-, AnnuitĂ€tendarlehen (#03)
Rohleders Kompass, FINA U18
- Merk-SchlĂŒssel: in jeder Form bleibt etwas anderes konstant
- EndfĂ€lliges Darlehen (= Zinsdarlehen): RĂŒckzahlung am Laufzeitende in einem Betrag, Zinszahlungen konstant
- Tilgungsdarlehen (= Abzahlungsdarlehen): feste, gleichbleibende Tilgungsraten, dadurch sinken die Zinszahlungen
- AnnuitÀtendarlehen: Summe aus Tilgung + Zins bleibt konstant (= AnnuitÀt)
- Folge beim AnnuitÀtendarlehen: Tilgungsanteil steigt, Zinsanteil sinkt
- Tilgung = das ZurĂŒckzahlen der geliehenen Summe selbst (ohne die Zinsen). Zins und Tilgung sind zwei verschiedene Sachen: Zins = Miete fĂŒrs Geld, Tilgung = das Geld selbst zurĂŒckgeben.
- Darlehen = einfach ein anderes Wort fĂŒr Kredit.
- 'in jeder Form bleibt etwas anderes konstant' = konstant heisst 'immer gleich, Àndert sich nicht'. Merk-Trick: bei jeder Sorte ist eine andere Zahl die, die gleich bleibt.
- EndfĂ€lliges Darlehen (= Zinsdarlehen) = du zahlst wĂ€hrend der Laufzeit nur die Zinsen und gibst die ganze geliehene Summe erst ganz am Ende auf einen Schlag zurĂŒck. Deshalb bleibt die Zinszahlung gleich (die Schuld schrumpft ja nie zwischendurch).
- Tilgungsdarlehen (= Abzahlungsdarlehen) = du zahlst jedes Jahr den gleichen StĂŒck-Betrag der Schuld zurĂŒck. Weil die Restschuld dadurch schrumpft, wird auch der Zins jedes Jahr kleiner.
- Restschuld = der Teil des geliehenen Geldes, den du noch nicht zurĂŒckgezahlt hast. Zinsen fallen immer nur auf diesen Rest an.
- AnnuitÀt = die immer gleiche Gesamtzahlung pro Jahr (Zins + Tilgung zusammen). Deine jÀhrliche Rate bleibt gleich, aber innen verschiebt es sich: anfangs viel Zins/wenig Tilgung, spÀter wenig Zins/viel Tilgung.
Der Kompass unterscheidet drei Tilgungsformen. Der SchlĂŒssel zum Merken: In jeder Form bleibt etwas anderes konstant.
EndfĂ€lliges Darlehen (auch Zinsdarlehen genannt): Die RĂŒckzahlung erfolgt am Laufzeitende in einem einmaligen Betrag. Die Zinszahlungen bleiben wĂ€hrend der Kreditlaufzeit konstant (weil die geschuldete Summe bis zum Ende unverĂ€ndert bleibt).
Tilgungsdarlehen (auch Abzahlungsdarlehen genannt): Es erfolgen regelmÀssig Tilgungszahlungen in festen, gleichbleibenden BetrÀgen. Dadurch sinken die Zinszahlungen wÀhrend der Laufzeit (die Restschuld, auf die Zinsen anfallen, wird laufend kleiner).
AnnuitÀtendarlehen: Die Summe aus Tilgung und Zinszahlung bleibt wÀhrend der Kreditlaufzeit konstant. Diese konstante Summe ist die AnnuitÀt.
| Darlehensart | Was bleibt konstant | Folge |
|---|---|---|
| EndfÀllig / Zinsdarlehen | Zinszahlung | Tilgung erst am Ende, in einem Betrag |
| Tilgungsdarlehen / Abzahlungsdarlehen | Tilgungsbetrag | Zinszahlungen sinken im Zeitverlauf |
| AnnuitÀtendarlehen | Summe aus Tilgung + Zins (AnnuitÀt) | Tilgungsanteil steigt, Zinsanteil sinkt |
Nominalzins vs. Effektivzins (#04)
Rohleders Kompass, FINA U18
- Nominalwert = Betrag, der zur Zinsberechnung und KreditrĂŒckzahlung herangezogen wird
- Nominalzins bezieht sich auf diesen Nominalwert (reine Rechenbasis)
- Banken sind gesetzlich gezwungen, den Effektivzins bei Krediterteilung zu ermitteln und zu benennen
- Effektivzins kann nicht ohne weiteres selbst errechnet werden
- Es gibt eine Formel zur nĂ€herungsweisen Ermittlung fĂŒr Zinsdarlehen (NĂ€herungsformel Bösch)
- Nominalwert = der 'auf dem Papier'-Betrag des Kredits, mit dem gerechnet wird (Zinsen berechnen und zurĂŒckzahlen). 'nominal' heisst 'dem Namen nach'.
- Nominalzins = der Zins, den man auf diesen Papier-Betrag rechnet. Reine Rechenbasis, sagt aber noch nicht, was der Kredit dich wirklich kostet.
- Effektivzins = der Zins, der die WIRKLICHEN Kosten zeigt, inklusive Nebenkosten und Tricks. 'effektiv' heisst 'in Wirklichkeit'. Das ist die ehrliche Vergleichszahl.
- 'gesetzlich gezwungen' = das Gesetz schreibt der Bank vor, dass sie diesen Effektivzins ausrechnen und dir nennen MUSS, damit du Angebote fair vergleichen kannst.
- 'kann nicht ohne weiteres selbst errechnet werden' = du kannst den Effektivzins nicht schnell im Kopf ausrechnen, dafĂŒr braucht es eine kompliziertere Rechnung.
- NÀherungsformel = eine vereinfachte Rechnung, die ein Ergebnis liefert, das fast stimmt (nah dran, aber nicht 100 % genau). 'Bösch' ist der Name des Autors, von dem diese Formel stammt.
Der Kompass grenzt Nominal- und Effektivzins wie folgt ab:
Nominalwert / Nominalzins: Der Nominalwert eines Kredits ist der Betrag, der zur Zinsberechnung und KreditrĂŒckzahlung herangezogen wird. Der Nominalzins bezieht sich also auf diesen Nominalwert.
Effektivzins: Banken sind gesetzlich gezwungen, den Effektivzins bei der Krediterteilung zu ermitteln und zu benennen. Wichtig laut Rohleder: Er kann nicht ohne weiteres selbst errechnet werden. Es gibt aber eine Berechnungsformel, mit der der Effektivzins nĂ€herungsweise fĂŒr Zinsdarlehen ermittelt werden kann (die im Kompass spĂ€ter als NĂ€herungsformel von Bösch aufgegriffen wird, siehe Excel-Sektion).
Kernaussage fĂŒr die Klausur: Der Effektivzins ist die pflichtgemĂ€ss auszuweisende, aussagekrĂ€ftige Grösse; der Nominalzins ist nur die Rechenbasis fĂŒr Zinsen und RĂŒckzahlung.
Lieferantenkredit & Skonto (#05)
Rohleders Kompass, FINA U18
- Lieferantenkredit = Instrument der Absatzförderung und Preispolitik
- Lieferant gewÀhrt Fristverschiebung der Rechnungsstellung, FÀlligkeit spÀter
- Auch Handelskredit oder Warenkredit genannt
- Ermöglicht Preisdifferenzierung, kann saisonale Nachfrageschwankungen ausgleichen
- Skonto = Preisnachlass fĂŒr schnelle Zahlung; wird das Zahlungsziel (der Kredit) genutzt, entfĂ€llt der Skontoabzug
- Lieferantenkredit = kein Geld-Kredit, sondern: der Lieferant liefert dir die Ware jetzt und du darfst erst spÀter bezahlen. Das spÀtere Zahlen ist der 'Kredit'.
- Absatzförderung = Massnahmen, um mehr zu verkaufen ('Absatz' = Verkauf). Wer spÀter zahlen darf, kauft leichter.
- Preispolitik = wie eine Firma ihre Preise gestaltet, um Kunden zu gewinnen.
- 'Fristverschiebung der Rechnungsstellung / FÀlligkeit' = FÀlligkeit ist der Tag, an dem du zahlen musst. Dieser Tag wird nach hinten geschoben, du hast also lÀnger Zeit.
- Handelskredit / Warenkredit = andere Wörter fĂŒr dasselbe (Kredit in Form von Ware statt Geld).
- Preisdifferenzierung = fĂŒr verschiedene Kunden oder Situationen unterschiedliche Preise verlangen.
- Saisonale Nachfrageschwankungen ausgleichen = mal wollen viele kaufen, mal wenige (je nach Jahreszeit). Mit Zahlungszielen kann man diese Wellen glÀtten.
- Skonto = ein Preisnachlass (Rabatt), wenn du schnell zahlst. Zahlst du sofort, bekommst du z. B. 2 % Abzug. Nutzt du das spÀtere Zahlen voll aus, fÀllt dieser Rabatt weg.
- Zahlungsziel = die Frist, bis wann du spÀtestens zahlen musst. Das Ziel voll auszunutzen heisst: bis zum letzten erlaubten Tag warten.
Was ist ein Lieferantenkredit? Laut Kompass ist er ein Instrument der Absatzförderung und Preispolitik, bei dem der Lieferant dem Kunden eine Fristverschiebung der Rechnungsstellung gewÀhrt. Die FÀlligkeit wird auf ein in der Zukunft liegendes Datum verschoben, sodass der Kunde seine Rechnung zu einem spÀteren Zeitpunkt begleichen kann.
Der Lieferantenkredit wird auch als Handelskredit oder Warenkredit bezeichnet. Er ermöglicht Preisdifferenzierung und kann saisonale Nachfrageschwankungen ausgleichen.
Rolle des Skonto: Der Kompass verknĂŒpft den Lieferantenkredit mit dem Skonto ĂŒber die Preispolitik (die konkrete Vorteilhaftigkeit des Skonto wird im nĂ€chsten Punkt, #07, als Zahlenbeispiel behandelt). Das Skonto ist der Preisnachlass fĂŒr schnelle Zahlung und damit die Kehrseite des Zahlungsziels: Nutzt der Kunde das Zahlungsziel (den Lieferantenkredit) voll aus, verzichtet er auf den Skontoabzug.
Akzeptkredit (#06)
Rohleders Kompass, FINA U18
- Akzeptkredit = Kreditanleihe: Kreditinstitut verpflichtet sich, an einem bestimmten Datum ein durch einen Wechsel festgelegtes GeschÀft abzuwickeln
- Kurzfristige Fremdfinanzierungsmöglichkeit, die das Unternehmen von einer Bank erhÀlt
- Nur Unternehmen mit erstklassiger KreditwĂŒrdigkeit bewilligt
- Vor allem im Aussenhandel zur Finanzierung von ImportgeschÀften verwendet
- Wechsel = ein altmodisches Zahlungs-Dokument, ein Zettel mit dem Versprechen, an einem bestimmten Tag eine bestimmte Summe zu zahlen. Fast wie ein datierter Schuldschein.
- Akzeptkredit = die Bank setzt ihren Namen unter so einen Wechsel und verspricht damit, das GeschĂ€ft zum genannten Datum abzuwickeln. Der Name der Bank macht den Zettel vertrauenswĂŒrdig.
- 'akzeptieren' eines Wechsels = unterschreiben und damit zusagen, dass man zahlt. Deshalb heisst die Bank hier 'Akzeptant'.
- Kurzfristige Fremdfinanzierung = Geld bzw. Zahlungssicherheit, die man sich von aussen (der Bank, nicht aus eigener Kasse) fĂŒr kurze Zeit holt. 'Fremd' = nicht das eigene Geld.
- Erstklassige KreditwĂŒrdigkeit / BonitĂ€t = die Bank glaubt fest, dass die Firma sicher zurĂŒckzahlen kann. Nur solchen sehr zuverlĂ€ssigen Firmen gibt sie diesen Kredit.
- Aussenhandel / ImportgeschÀfte = Handel mit dem Ausland; Import = Ware aus dem Ausland einkaufen. Hier hilft die Bank, solche Auslands-KÀufe abzusichern.
Was ist ein Akzeptkredit und wie funktioniert er? Laut Kompass ist ein Akzeptkredit eine Kreditanleihe, bei der sich ein Kreditinstitut dazu verpflichtet, an einem bestimmten Datum ein durch einen Wechsel festgelegtes GeschÀft abzuwickeln.
Eigenschaften laut Rohleder:
- Es ist eine kurzfristige Fremdfinanzierungsmöglichkeit, die das Unternehmen von einer Bank erhÀlt.
- Der Akzeptkredit wird nur Unternehmen bewilligt, die ĂŒber eine erstklassige KreditwĂŒrdigkeit verfĂŒgen.
- Akzeptkredite werden vor allem im Aussenhandel zur Finanzierung von ImportgeschÀften verwendet.
Die Bank tritt hier als Akzeptant eines Wechsels auf und wickelt das festgelegte GeschÀft zum vereinbarten Datum ab; Voraussetzung ist die erstklassige BonitÀt des Unternehmens.
Vorteilhaftigkeit der Skonto-Nutzung / Effektivzins Skonto (#07)
Rohleders Kompass, FINA U18
- Aufgabe: an einem Zahlenbeispiel zeigen, dass Skonto-Nutzung praktisch immer vorteilhaft ist
- Kernaussage: Skonto-Nutzung ist praktisch immer vorteilhaft
- Im Kompass-Text KEINE ausformulierte Lösung â nur Verweis auf Quelle Bösch S. 494
- Rechenlogik: Skontosatz auf effektiven Jahreszins des Lieferantenkredits umrechnen (Original bei Bösch S. 494 nachschlagen)
- 'Skonto-Nutzung ist vorteilhaft' = es lohnt sich fast immer, den Skonto-Rabatt mitzunehmen (also schnell zu zahlen), statt das spÀtere Zahlen auszureizen.
- Warum es sich lohnt (Grundgedanke): Verzichtest du auf z. B. 2 % Rabatt, nur um ein paar Wochen spĂ€ter zu zahlen, ist das aufs Jahr hochgerechnet ein sehr teurer 'Zins' fĂŒr diese kurze Wartezeit.
- 'Skontosatz auf effektiven Jahreszins umrechnen' = man rechnet aus, wieviel Prozent Zins pro Jahr es entspricht, wenn man den Rabatt sausen lÀsst. Meist ist das erschreckend viel.
- Zahlenbeispiel = eine Aufgabe mit konkreten Zahlen zum Vorrechnen. Wichtig: im Lernmaterial steht dieses Vorrechnen NICHT ausgeschrieben, es verweist nur aufs Buch (Bösch, Seite 494).
- 'zur Treue' / nichts erfinden = der Verfasser hÀlt sich streng ans Vorhandene und erfindet keine Zahlen, wo im Text keine stehen.
Der Kompass stellt hier die Aufgabe: âZeigen Sie an einem Zahlenbeispiel, dass die Nutzung von Skonto praktisch immer vorteilhaft ist."
Wichtiger Hinweis zur Treue: Im Text des Kompass ist zu dieser Aufgabe keine ausformulierte Lösung enthalten â die Folie verweist lediglich auf die Quelle BOESCH, S. 494. Der eigentliche Rechenweg (Zahlenbeispiel) liegt dort bzw. als Folien-Bild vor und ist im vorliegenden Kompass-Text nicht ausgeschrieben.
Damit hier nichts erfunden wird, halte ich mich strikt an das, was der Kompass sagt: Die Kernaussage ist, dass die Skonto-Nutzung praktisch immer vorteilhaft ist. FĂŒr den beweisfĂŒhrenden Zahlenweg (Umrechnung des Skontosatzes auf einen effektiven Jahreszins des Lieferantenkredits) ist die genannte Quelle Bösch S. 494 die massgebliche Grundlage. Diese Seite sollte fĂŒr die exakte Rechnung im Original nachgeschlagen werden.
Excel-Ăbungen: Tilgungsformen & AnnuitĂ€t (#08, #09)
Rohleders Kompass, FINA U18
- Beides Excel-ĂbungsauftrĂ€ge: Arbeitsmappe hochladen, Ergebnisse mit Hashtags beschriften
- #08 Beispiel Bösch: Tilgungsdarlehen und AnnuitÀtendarlehen aus Tabelle D-6 in Excel nachvollziehen
- #09: AnnuitÀt desselben Beispiels mit der Tabellenblattfunktion RMZ() ermitteln
- RMZ() liefert bei gegebenem Zinssatz, Laufzeit und Kreditbetrag die konstante Zahlung (= AnnuitÀt)
- Konkrete Ergebniswerte stehen nicht im Kompass-Text (liegen als Excel-Folien vor)
- Excel = das Tabellen-Programm am Computer, in dem man in KĂ€stchen rechnet.
- Arbeitsmappe = die Excel-Datei selbst (eine Mappe kann mehrere TabellenblÀtter enthalten).
- 'mit Hashtags beschriften' = die Ergebnisse mit einem Kennzeichen (dem #-Zeichen plus Nummer) markieren, damit man weiss, welche Zahl zu welcher Aufgabe gehört.
- Tabelle D-6 = eine bestimmte, nummerierte Beispiel-Tabelle aus dem Buch von Bösch, die man nachbauen soll.
- Cashflow / Tilgungsverlauf = die Ăbersicht, welche Zahlung in welchem Jahr fliesst (wieviel Zins, wieviel Tilgung, wieviel Restschuld). 'Cashflow' = Geldfluss.
- 'Zeile fĂŒr Zeile nachbauen' = jedes Jahr eine Zeile in Excel, so wie im Buch, mit eigenen Rechen-Formeln.
- RMZ() = eine fertige Excel-Funktion ('RegelmÀssige Zahlung'). Du gibst Zinssatz, Laufzeit und Kreditbetrag ein, und sie spuckt automatisch die immer gleiche Jahresrate (die AnnuitÀt) aus.
- 'Ergebniswerte stehen nicht im Text' = die fertigen Zahlen liegen als Folien/Bilder vor, im Lerntext selbst sind sie nicht ausgeschrieben.
Dieser Teil des Kompass sind Excel-ĂbungsauftrĂ€ge (Arbeitsmappe hochladen, Ergebnisse mit Hashtags beschriften). Der Kompass-Text nennt nur die Aufgaben, nicht die fertigen Zahlen-Lösungen (diese liegen als Excel-Folien vor).
#08 â Beispiel Bösch: Das Tilgungsdarlehen und das AnnuitĂ€tendarlehen aus Tabelle D-6 sollen in Excel nachvollzogen werden. Gemeint ist, den jeweiligen Cashflow-/Tilgungsverlauf Zeile fĂŒr Zeile in Excel nachzubauen.
#09 â AnnuitĂ€t mit RMZ(): Die AnnuitĂ€t desselben Beispiels soll mit der Excel-Tabellenblattfunktion RMZ() ermittelt werden. RMZ() ist die deutsche Excel-Funktion, die bei gegebenem Zinssatz, Laufzeit und Kreditbetrag die konstante regelmĂ€ssige Zahlung (= AnnuitĂ€t) berechnet.
Hinweis zur Treue: Konkrete Ergebniswerte sind im Kompass-Text nicht ausgeschrieben; hier steht die Aufgabenstellung im Vordergrund. Der Rechenkern ist das Bösch-Beispiel (Tabelle D-6).
Excel-Ăbungen: Effektiver Jahreszins â NĂ€herung, IKV, XINTZINSFUSS (#10-#14)
Rohleders Kompass, FINA U18
- Excel-ĂbungsauftrĂ€ge; #13 und #14 sind Bewertungsfragen ohne ausformulierte Kompass-Antwort
- #10: effektiver Jahreszins aus der Ăbung S. 242 mit der NĂ€herungsformel von Bösch
- #11: derselbe Effektivzins mit IKV() (interner Zinsfuss) aus der Zahlungsreihe
- #12: Modellierung so anpassen, dass XINTZINSFUSS() nutzbar ist
- #13 Frage: Vorteil XINTZINSFUSS() ggĂŒ. IKV()? Denkanstoss â XINTZINSFUSS() arbeitet mit konkreten Datumsangaben, IKV() mit gleich langen Perioden
- #14 Frage: NĂ€herungsformel von Bösch beurteilen â NĂ€herungswert (#10) mit exaktem Wert (IKV/XINTZINSFUSS) vergleichen
- Effektiver Jahreszins = die ehrliche Kosten-Zahl pro Jahr (siehe #04): was der Kredit dich wirklich jÀhrlich kostet.
- NÀherungsformel von Bösch = die vereinfachte Rechnung, die ein Ergebnis liefert, das nah dran, aber nicht 100 % exakt ist.
- Zahlungsreihe = die Liste aller Ein- und Auszahlungen ĂŒber die Jahre (was du bekommst, was du zurĂŒckzahlst). Aus dieser Liste kann Excel den echten Zins ausrechnen.
- IKV() = Excel-Funktion 'Interner Zinsfuss'. Sie findet aus der Zahlungsreihe den Zins heraus, bei dem am Ende alles genau aufgeht. Setzt gleich lange ZeitabstÀnde voraus (z. B. immer genau ein Jahr).
- Interner Zinsfuss = einfach ein Fachbegriff fĂŒr 'der Zinssatz, der genau passt, damit die Rechnung stimmt'. 'Zinsfuss' = altes Wort fĂŒr Zinssatz.
- XINTZINSFUSS() = die gleiche Idee wie IKV(), aber sie rechnet mit echten Kalenderdaten. Damit gehen auch ungleich lange AbstÀnde (z. B. eine Zahlung nach 5 Monaten, die nÀchste nach 7).
- 'Vorteil XINTZINSFUSS gegenĂŒber IKV' = weil sie mit konkreten Datumsangaben arbeitet, ist sie genauer, wenn die Zahlungen nicht schön gleichmĂ€ssig verteilt sind. Diese Antwort steht im Text nicht ausgeschrieben, ist selbst zu erarbeiten.
- 'NĂ€herungsformel beurteilen' = prĂŒfen, wie gut die vereinfachte Rechnung ist: den ungefĂ€hren Wert (aus #10) mit dem exakten Wert (aus IKV/XINTZINSFUSS) vergleichen und schauen, wie weit sie auseinanderliegen.
Auch das sind Excel-ĂbungsauftrĂ€ge. Der Kompass nennt die Aufgaben und zwei Bewertungsfragen; ausformulierte Antworten zu #13 und #14 sind im Text nicht enthalten (Lösung als Excel-/Bild-Folie).
#10 â NĂ€herungsformel von Bösch: Der effektive Jahreszins aus der Ăbung auf S. 242 soll in Excel mit der NĂ€herungsformel von Bösch ermittelt werden (die im Punkt #04 erwĂ€hnte NĂ€herungsformel fĂŒr Zinsdarlehen).
#11 â IKV(): Derselbe effektive Jahreszins soll mit der Excel-Funktion IKV() (Interner Zinsfuss / interne Verzinsung) aus der Zahlungsreihe ermittelt werden.
#12 â XINTZINSFUSS(): Die Modellierung soll so angepasst werden, dass der effektive Jahreszins mit XINTZINSFUSS() bestimmbar ist.
#13 â Frage (im Text ohne Antwort): âWelchen Vorteil bietet XINTZINSFUSS() gegenĂŒber IKV()?" â Der Kompass stellt diese Frage als PrĂŒfungsauftrag; eine ausgeschriebene Antwort steht nicht im Text. Der Denkanstoss liegt im Funktionsnamen: XINTZINSFUSS() arbeitet mit konkreten Datumsangaben der Zahlungen, IKV() mit gleich langen Perioden. Diesen Unterschied gilt es in der Lösung selbst herauszuarbeiten (Bewertungsfrage).
#14 â Frage (im Text ohne Antwort): âBeurteilen Sie die NĂ€herungsformel von Bösch." â Ebenfalls ein offener Beurteilungsauftrag ohne ausgeschriebene Kompass-Antwort. Erwartet wird ein Vergleich des NĂ€herungswerts (aus #10) mit dem exakten Wert aus IKV()/XINTZINSFUSS(), um Genauigkeit und Grenzen der NĂ€herung einzuschĂ€tzen.
Hinweis zur Treue: Zu #13 und #14 gebe ich bewusst nur den im Kompass angelegten Denkrahmen wieder und keine erfundene Musterantwort.
Praxis-Kreditbeispiel: Tilgungsplan & Effektivzins mit Disagio (#15-#17)
Rohleders Kompass, FINA U18
- Vorgaben: Kreditbetrag 100.000,00 Euro, Disagio 5,00 %, Nominalzins 5,23 %, Laufzeit 8 Jahre, 2 Tilgungsfreijahre
- Disagio 5,00 % -> Auszahlung nur 95.000,00 Euro, Zins und Tilgung aber auf 100.000,00 Euro
- 2 Tilgungsfreijahre = in Jahr 1 und 2 nur Zins, keine Tilgung
- #15: Cashflow als Tilgungsdarlehen UND als AnnuitÀtendarlehen planen
- #16: Effektivzins beider Varianten mit IKV(); liegt wegen Disagio ĂŒber 5,23 %
- #17: Modellierung fĂŒr XINTZINSFUSS() (datumsgestĂŒtzt) anpassen
- Konkrete Jahreszeilen/Ergebniszahlen stehen nicht im Kompass-Text (Excel-/Bild-Folien)
- Kreditbetrag 100.000 Euro = die Summe, die auf dem Papier vereinbart ist und auf die Zins und Tilgung berechnet werden.
- Disagio 5 % = ein Abschlag bei der Auszahlung. Vereinbart sind 100.000 Euro, ausgezahlt bekommst du aber nur 95.000 Euro (5 % = 5.000 Euro werden gleich einbehalten). ZurĂŒckzahlen und verzinsen musst du trotzdem die vollen 100.000. Das macht den Kredit in Wirklichkeit teurer.
- Nominalzins 5,23 % = der 'Papier-Zins' (siehe #04). Wegen des Disagios liegt der ehrliche Effektivzins höher.
- Laufzeit 8 Jahre = ĂŒber so viele Jahre lĂ€uft der Kredit.
- Tilgungsfreijahre = Jahre, in denen du noch nichts von der Schuld zurĂŒckzahlst, sondern nur Zinsen. Hier die ersten 2 Jahre: nur Zins, keine Tilgung.
- Tilgungsplan = eine Tabelle, die Jahr fĂŒr Jahr zeigt: wieviel Zins, wieviel Tilgung, wieviel Restschuld. Er soll einmal als Tilgungsdarlehen (gleiche Tilgung) und einmal als AnnuitĂ€tendarlehen (gleiche Gesamtrate) aufgestellt werden.
- Effektivzins mit IKV() ermitteln = aus den tatsĂ€chlichen Zahlungen (nur 95.000 rein, aber volle Zins- und Tilgungszahlungen raus) den echten Jahreszins rechnen lassen. Der liegt ĂŒber 5,23 %, genau das soll gezeigt werden.
- XINTZINSFUSS() (datumsgestĂŒtzt) = dieselbe Effektivzins-Rechnung, aber mit echten Kalenderdaten der Zahlungen.
- 'Ergebniszahlen stehen nicht im Text' = die fertig ausgerechneten Tabellen liegen als Excel-/Bild-Folien vor; im Lerntext geht es nur um das saubere Vorgehen.
Der Kompass gibt einen konkreten Praxisfall vor (Kredit der Hausbank):
| Vorgabe | Wert |
|---|---|
| Kreditbetrag | 100.000,00 Euro |
| Disagio | 5,00 % |
| Nominalzins | 5,23 % |
| Laufzeit | 8 Jahre |
| Tilgungsfreijahre | 2 |
Daraus ergeben sich drei Aufgaben. Der Kompass-Text nennt die AuftrÀge; die ausgerechneten TilgungsplÀne und Effektivzinswerte liegen als Excel-/Bild-Folien vor und sind im Text nicht ausgeschrieben.
#15 â Tilgungsplan (Cashflow): Der Cashflow des Darlehens soll als Tilgungsdarlehen und als AnnuitĂ€tendarlehen geplant werden. Zu beachten sind dabei die Besonderheiten des Falls: das Disagio von 5,00 % (die Auszahlung liegt unter dem Nominalbetrag â hier werden also 95.000,00 Euro ausgezahlt, wĂ€hrend Zins und Tilgung sich auf den Nominalbetrag von 100.000,00 Euro beziehen) und die 2 Tilgungsfreijahre (in den ersten beiden Jahren wird nur der Zins gezahlt, noch nicht getilgt).
#16 â Effektivzins mit IKV(): FĂŒr beide Varianten (Tilgungs- und AnnuitĂ€tendarlehen) soll jeweils der Effektivzins mit IKV() aus der tatsĂ€chlichen Zahlungsreihe ermittelt werden. Weil das Disagio die Auszahlung mindert, liegt der Effektivzins ĂŒber dem Nominalzins von 5,23 % â der Nachweis dafĂŒr ist gerade der Sinn der Ăbung.
#17 â Effektivzins mit XINTZINSFUSS(): Die Modellierung soll so angepasst werden, dass der effektive Jahreszins jeweils mit XINTZINSFUSS() (datumsgestĂŒtzt) ermittelt werden kann.
Hinweis zur Treue: Die konkreten Jahreszeilen und Ergebniszahlen des Tilgungsplans sind im Kompass-Text nicht enthalten; hier ist die saubere Aufgaben- und Vorgehenslogik das Lernziel.
#01 Verbriefung â Begriff und Nutzen
Rohleders Kompass, FINA U19 · Fremdfinanzierung Kapitalmarkt (Anleihen, Wandel-/Optionsanleihen)
- Verbriefung = Emission von Wertpapieren (Anleihen), die eine Forderung gegen das Unternehmen darstellen
- Verkaufserlös des Wertpapiers fliesst der Unternehmung zu
- Aus Unternehmenssicht Fremdkapital, weil der KÀufer zum GlÀubiger wird
- Vorteil 1: Zugang zu LiquiditÀt
- Vorteil 2: Risiko (Forderungsausfall) wird auf den GlÀubiger abgewÀlzt
- Vorteil 3: gĂŒnstigere Kapitalbeschaffung durch bessere Bewertung (Folge der Risikoallokation)
- Wertpapier = ein handelbares Papier (heute meist digital), das ein Recht verbrieft. Man kann es kaufen und weiterverkaufen wie eine Eintrittskarte, die einen Wert hat.
- Verbriefung = das Unternehmen packt einen Kredit in so ein handelbares Papier. Statt bei einer Bank zu leihen, verkauft es viele kleine Schuldscheine an viele Leute.
- Emission = das erstmalige Herausgeben/Verkaufen dieser Papiere. Wie wenn ein Verein Gutscheine neu druckt und verkauft.
- Anleihe = ein Schuldschein-Papier. Wer es kauft, leiht dem Unternehmen Geld und bekommt es spĂ€ter mit Zinsen zurĂŒck.
- Forderung gegen das Unternehmen = der KĂ€ufer hat einen Anspruch, sein Geld zurĂŒckzubekommen. Das Unternehmen schuldet ihm etwas.
- Fremdkapital = geliehenes Geld, das zurĂŒckgezahlt werden muss (Gegenteil: Eigenkapital = eigenes Geld der Firma). Weil das Papier geliehenes Geld ist, ist es Fremdkapital.
- GlÀubiger = derjenige, dem Geld geschuldet wird. Der KÀufer des Papiers wird also zum Kreditgeber der Firma.
- LiquiditĂ€t = flĂŒssiges, sofort verfĂŒgbares Geld. Durch den Verkauf der Papiere bekommt die Firma frisches Geld in die Kasse.
- Risiko auf den GlĂ€ubiger abwĂ€lzen = die Gefahr, dass das Geld nicht zurĂŒckgezahlt wird, trĂ€gt jetzt der KĂ€ufer, nicht mehr allein die Firma.
- Bewertung = wie gut/sicher andere die Firma einschĂ€tzen. Bessere EinschĂ€tzung = die Firma kommt gĂŒnstiger an Geld (niedrigere Zinsen).
Unter Verbriefung versteht Rohleder die Emission von Wertpapieren (konkret: Anleihen), die eine Forderung gegen das Unternehmen darstellen. Der Verkaufserlös des Wertpapiers fliesst der Unternehmung zu. Aus Unternehmenssicht handelt es sich um Fremdkapital, denn der KÀufer des Wertpapiers wird zum GlÀubiger.
Genutzt wird das Instrument wegen dreier Vorteile:
- Zugang zu LiquiditÀt
- Risiko wird auf den GlĂ€ubiger abgewĂ€lzt â konkret das Risiko des Forderungsausfalls
- gĂŒnstigere Kapitalbeschaffung durch eine bessere Bewertung, die wiederum aus der Risikoallokation resultiert
âš+1â© Der Perspektivwechsel ist einen Satz wert: Was fĂŒr das Unternehmen Fremdkapitalbeschaffung ist, ist aus Anlegersicht die klassische festverzinsliche Finanzanlage aus U06 #01, dieselbe Anleihe steht also je nach Blickrichtung auf der Passivseite des Emittenten oder im Depot des GlĂ€ubigers.
#02 Ausstattungsmerkmale einer Anleihe
Rohleders Kompass, FINA U19
- Sechs grundlegende Ausstattungsmerkmale bestimmen die Anleihebedingungen
- 1. Emittent (BonitÀt)
- 2. Laufzeit
- 3. WĂ€hrung
- 4. Tilgung
- 5. Verzinsung / Ausgabepreis
- 6. Zusatzrechte / Sicherheiten
- Ausstattungsmerkmale = die Eckdaten/Konditionen des Schuldscheins. Wie die Details bei einem Handyvertrag: Laufzeit, Preis, was drin ist.
- Emittent = derjenige, der das Papier herausgibt (das Unternehmen). BonitĂ€t = wie kreditwĂŒrdig / zahlungsfĂ€hig diese Firma ist.
- Laufzeit = wie lange das Geld verliehen wird, bis es zurĂŒckgezahlt werden muss.
- Tilgung = die RĂŒckzahlung des geliehenen Betrags. Also wann und wie das Geld zurĂŒckkommt.
- Verzinsung / Ausgabepreis = wie viel Zinsen es gibt und zu welchem Preis das Papier verkauft wird.
- Zusatzrechte / Sicherheiten = Extra-Rechte fĂŒr den KĂ€ufer oder PfĂ€nder, die ihn absichern, falls die Firma nicht zahlen kann.
Die Bedingungen einer Anleihe werden nach Rohleder durch sechs grundlegende Ausstattungsmerkmale bestimmt:
- Emittent (BonitÀt)
- Laufzeit
- WĂ€hrung
- Tilgung
- Verzinsung / Ausgabepreis
- Zusatzrechte / Sicherheiten
âš+1â© Die Liste ist zugleich die Landkarte der Folgefragen: Emittent und BonitĂ€t fĂŒhren zum Rating (#08), Verzinsung und Ausgabepreis zum Disagio (#03), die Zusatzrechte zu Wandel- und Optionsanleihe (#12/#14) und die Sicherheiten zur Nachrangfrage (#16).
#03 Disagio â Wirkung auf Ausgabepreis und Effektivverzinsung
Rohleders Kompass, FINA U19
- Beispiel: Nominalwert 1.000,00 EUR, Ausgabepreis (Kurs) 98,00 %
- TatsÀchlich gezahlt: 1.000,00 EUR x 98,00 % = 980,00 EUR
- Disagio steigert die Effektivverzinsung, weil der Kaufpreis unter dem Nominalwert liegt
- Zinsen und RĂŒckzahlung beziehen sich auf den vollen Nominalwert, eingezahlt wurde weniger
- Disagio = Einpreisen der kĂŒnftigen Inflation
- Unternehmenssicht: aufwandswirksam in der Gewinnermittlung, schafft FlexibilitÀt in der Bilanz
- Nominalwert = der aufgedruckte Wert des Papiers (hier 1.000 EUR). Das ist der Betrag, auf den sich Zinsen und RĂŒckzahlung beziehen.
- Ausgabepreis / Kurs in Prozent = zu wie viel Prozent des Nominalwerts das Papier verkauft wird. 98 % heisst: man zahlt nur 98 % des aufgedruckten Werts.
- Rechnung 1.000 EUR x 98 % = 980 EUR: man zahlt beim Kauf nur 980 EUR, bekommt aber spĂ€ter die vollen 1.000 EUR zurĂŒck. Die 20 EUR Differenz sind ein Bonus.
- Disagio = genau dieser Abschlag beim Kauf (Papier wird unter Nominalwert verkauft). Man zahlt weniger als draufsteht.
- Effektivverzinsung = die tatsĂ€chliche Rendite, wenn man alles einrechnet. Weil man weniger eingezahlt hat, aber Zinsen und RĂŒckzahlung auf den vollen Betrag bekommt, ist der echte Ertrag höher.
- Einpreisen der kĂŒnftigen Inflation = man rechnet schon ein, dass Geld spĂ€ter weniger wert ist, und gleicht das ĂŒber den Abschlag aus.
- aufwandswirksam in der Gewinnermittlung = das Disagio zĂ€hlt fĂŒr die Firma als Kosten und senkt so den ausgewiesenen Gewinn (und damit oft die Steuer).
- FlexibilitĂ€t in der Bilanz = die Firma kann diese Kosten geschickt ĂŒber die Zeit verteilen; die Bilanz ist die Ăbersicht ĂŒber Vermögen und Schulden der Firma.
Rohleder erklÀrt das Disagio an einem konkreten Zahlenbeispiel:
- Nominalwert der Anleihe: 1.000,00 âŹ
- Ausgabepreis (Kurs): 98,00 %
- tatsĂ€chlich gezahlter Kaufpreis: 1.000,00 ⏠à 98,00 % = 980,00 âŹ
Daraus ergeben sich folgende Wirkungen:
- Durch das Disagio steigt die Effektivverzinsung der Anleihe, da der Kaufpreis (980,00 âŹ) niedriger ist als der Nominalwert (1.000,00 âŹ). Der Anleger erhĂ€lt seine Zinsen und die RĂŒckzahlung bezogen auf den vollen Nominalwert, hat aber weniger eingezahlt.
- Das Disagio ist ein Einpreisen der kĂŒnftigen Inflation.
- Unternehmenssicht: Das Disagio ist aufwandswirksam in der Gewinnermittlung zu verwenden und schafft dadurch FlexibilitÀt in der Bilanz.
âš+1â© Die allgemeine Regel dahinter bringt den Zusatzpunkt: Kaufkurs und Effektivverzinsung bewegen sich gegenlĂ€ufig, denn wer unter pari kauft, verzinst denselben Kupon auf weniger eingesetztes Kapital und erhĂ€lt zusĂ€tzlich die Differenz zur vollen RĂŒckzahlung.
#04 Hauptunterschiede Anleiheemission vs. Bankdarlehen
Rohleders Kompass, FINA U19
- Im Kompass steht hier nur ein leerer Platzhalter-Punkt â keine ausgearbeitete Antwort
- Treu zum Kompass wird nichts ergÀnzt
- LĂŒcke aus Vorlesung bzw. mit Julian nachtragen
- Thematisch anschlussfĂ€hig: Frage #05 (Vorteile Anleihe ggĂŒ. Bankkredit) ist im Kompass beantwortet
- Anleiheemission = das Ausgeben von Schuldschein-Papieren an viele Anleger (siehe #01).
- Bankdarlehen = ein klassischer Kredit von genau einer Bank.
- Kompass = die offizielle Antwort-Sammlung des Dozenten Rohleder. Platzhalter-Punkt = hier steht absichtlich noch keine Antwort, die LĂŒcke wird spĂ€ter gefĂŒllt.
- Merke: Diese Frage hat im Lernmaterial keine ausformulierte Antwort. FĂŒr den Inhalt hilft die nĂ€chste Frage #05 weiter.
Zu dieser Frage (Hauptunterschiede zwischen einer Anleiheemission und einem Bankdarlehen aus Unternehmenssicht) enthĂ€lt Rohleders Kompass keine ausgearbeitete Antwort â an dieser Stelle steht nur ein leerer Platzhalter-Punkt.
Damit gibt der Kompass hier keinen autoritativen AntwortschlĂŒssel vor. Diese LĂŒcke ist bewusst so markiert und sollte aus der Vorlesung bzw. mit Julian nachgetragen werden â treu zum Kompass wird hier nichts ergĂ€nzt.
Hinweis zur PrĂŒfungsvorbereitung: Die inhaltlich sehr nahe Frage #05 (»Welche Vorteile bietet die Emission von Anleihen im Vergleich zu Bankkrediten?«) ist im Kompass beantwortet und liefert die Stichworte, die hier thematisch hineinspielen.
âš+1â© Aus #05 lassen sich die Unterschiede treu ableiten: Die Anleihe unterscheidet sich vom Bankdarlehen durch das höhere erzielbare Volumen, die geringeren Einwirkungsmöglichkeiten der GlĂ€ubiger und den fest zugesagten Zins, wĂ€hrend die Bank als einzelner GlĂ€ubiger deutlich stĂ€rker mitredet.
#05 Vorteile der Anleiheemission gegenĂŒber Bankkrediten
Rohleders Kompass, FINA U19
- Höheres Kreditvolumen
- Geringe Einwirkungsmöglichkeiten der GlÀubiger (AnleiheglÀubiger reden weniger hinein als eine Bank)
- Gleichbleibende Höhe der Zinsen und dadurch Planungssicherheit
- Kreditvolumen = die Gesamtsumme, die man leihen kann. Ăber Anleihen (viele kleine KĂ€ufer) bekommt man oft mehr Geld zusammen als von einer einzelnen Bank.
- Einwirkungsmöglichkeiten der GlÀubiger = wie stark die Geldgeber mitreden können. Eine Bank stellt oft Bedingungen und kontrolliert; viele Anleihe-KÀufer reden kaum rein.
- Gleichbleibende Höhe der Zinsen = der Zinssatz ist fest und Àndert sich nicht. Das gibt Planungssicherheit, weil die Firma genau weiss, was sie jedes Jahr zahlen muss.
Die Emission von Anleihen bietet nach Rohleder im Vergleich zu Bankkrediten drei Vorteile:
- Höheres Kreditvolumen
- Geringe Einwirkungsmöglichkeiten der GlÀubiger (die AnleiheglÀubiger reden dem Unternehmen weniger hinein als eine Bank)
- Gleichbleibende Höhe der Zinsen und dadurch Planungssicherheit
âš+1â© Wer mehr nennen kann, greift auf #01 zurĂŒck: Dort stehen mit dem LiquiditĂ€tszugang, der AbwĂ€lzung des Ausfallrisikos auf die GlĂ€ubiger und der gĂŒnstigeren Kapitalbeschaffung drei weitere Argumente mit derselben StoĂrichtung.
#06 Festlegung des Anleihezinssatzes â risikoloser Zinssatz
Rohleders Kompass, FINA U19
- Zentrale Grösse: risikoloser Zinssatz r(f,T)
- Definition: Rendite, die weder Emittentenrisiko noch Rendite- bzw. WĂ€hrungsschwankungen unterliegt
- Bildet die Basis der Zinsfestlegung; darauf kommt die KreditrisikoprÀmie (#07)
- Quellenverweis im Kompass: Wikipedia Risikofreier Zinssatz
- Zinssatz = wie viel Prozent Miete man fĂŒr geliehenes Geld zahlt bzw. bekommt.
- risikoloser Zinssatz = der Zins, den man ganz ohne Risiko bekommen wĂŒrde (z. B. bei einer als völlig sicher geltenden Anlage). Er ist der Ausgangspunkt fĂŒr jeden anderen Zins.
- r(f,T) = nur eine Kurzschreibweise/AbkĂŒrzung dafĂŒr: f steht fĂŒr risikofrei (englisch free), T fĂŒr die Laufzeit (englisch Time). Also der risikofreie Zins fĂŒr eine bestimmte Laufzeit.
- Rendite = der Ertrag/Gewinn einer Geldanlage in Prozent.
- Emittentenrisiko = die Gefahr, dass ausgerechnet die herausgebende Firma nicht zahlen kann. Beim risikolosen Zins ist diese Gefahr gedanklich null.
- WÀhrungsschwankungen = WertÀnderungen durch wechselnde Wechselkurse (z. B. Euro gegen Dollar). Beim risikolosen Zins wird auch das ausgeklammert.
- Aufschlag / Basis = auf diesen sicheren Grundzins kommt spĂ€ter noch ein Extra-Zins fĂŒr das Risiko obendrauf (siehe #07).
Bei der Festlegung des Zinssatzes einer Anleihe stellt Rohleder den risikolosen Zinssatz in den Mittelpunkt, notiert als r(f,T).
- r(f,T) â risikoloser Zinssatz
- Definition: die Rendite, die weder Emittentenrisiko noch Rendite- bzw. WĂ€hrungsschwankungen unterliegt
Dieser risikolose Zinssatz bildet die Basis der Zinsfestlegung; auf ihn wird die KreditrisikoprÀmie (siehe #07) aufgeschlagen. (Quellenverweis im Kompass: Wikipedia »Risikofreier Zinssatz«.)
âš+1â© Als Merkformel verdichtet: Anleihezins = risikoloser Zinssatz r(f,T) plus KreditrisikoprĂ€mie (#07), und weil r(f,T) laufzeitabhĂ€ngig ist, gehört die Laufzeit T ausdrĂŒcklich mit in die Basis.
#07 KreditrisikoprĂ€mie â Begriff
Rohleders Kompass, FINA U19
- PrĂ€mie, die ein Anleger fĂŒr das Eingehen eines Risikos beim Wertpapierkauf zusĂ€tzlich erhĂ€lt
- Aufschlag zusÀtzlich zum risikolosen Zinssatz r(f,T)
- Höhe hÀngt massgeblich vom Rating des Emittenten ab (#08)
- Kompass gibt keine explizite Berechnungsformel, nur qualitative Beschreibung
- PrĂ€mie = hier ein Zusatz-Entgelt / eine Belohnung. Man bekommt extra Geld dafĂŒr, dass man ein Risiko eingeht.
- KreditrisikoprĂ€mie = der Extra-Zins obendrauf, weil die Gefahr besteht, dass die Firma das Geld nicht zurĂŒckzahlt. Belohnung fĂŒrs Risiko.
- Aufschlag zusÀtzlich zum risikolosen Zins = man nimmt den sicheren Grundzins (#06) und legt diesen Risiko-Extra-Zins darauf.
- Rating = eine BonitĂ€ts-Note (Schulnote fĂŒr ZahlungsfĂ€higkeit) einer Firma. Je schlechter die Note, desto höher der geforderte Extra-Zins (siehe #08).
- qualitativ statt Formel = das Material erklĂ€rt nur in Worten, was die PrĂ€mie ist, gibt aber keine Rechenformel dafĂŒr an.
Die KreditrisikoprĂ€mie ist nach Rohleder die PrĂ€mie, die ein Anleger fĂŒr das Eingehen eines Risikos beim Wertpapierkauf zusĂ€tzlich erhĂ€lt.
Sie ist also der Aufschlag, den der Anleger zusÀtzlich zum risikolosen Zinssatz r(f,T) (siehe #06) bekommt, weil er beim Kauf des Wertpapiers ein Risiko trÀgt. Wie hoch dieser Aufschlag ausfÀllt, hÀngt massgeblich vom Rating des Emittenten ab (siehe #08).
Anmerkung zum Kompass: Die Frage lautet »⊠und wie wird sie berechnet?«. Eine explizite Berechnungsformel gibt der Kompass an dieser Stelle nicht an; er beschreibt die PrÀmie qualitativ als Risiko-Zusatzentgelt.
âš+1â© Wo die Formel fehlt, hilft die rechnerische Umkehrung der Definition: Als Aufschlag ist die PrĂ€mie die Differenz zwischen dem Zins der riskanten Anleihe und dem risikolosen Zinssatz r(f,T), womit sie sich aus beobachtbaren Marktzinsen ablesen lĂ€sst.
#08 Rolle der Ratingagenturen bei der Zinsfestlegung
Rohleders Kompass, FINA U19
- Vor allem bei grossen und internationalen Emissionen werden Ratingagenturen beauftragt
- Sie bewerten die Anleihen mit einer Note â analog zur Beurteilung der BonitĂ€t
- Diese Note ist entscheidend fĂŒr die KreditrisikoprĂ€mie, die das Unternehmen zahlen muss
- Schlechtere Note = höhere PrÀmie = höhere Finanzierungskosten (abgeleitete Folge)
- Ratingagentur = eine Firma, die die ZahlungsfĂ€higkeit anderer bewertet und dafĂŒr Noten vergibt (bekannte: S&P, Moody's, Fitch). Wie ein TĂV fĂŒr KreditwĂŒrdigkeit.
- Emission = die Herausgabe der Anleihe; grosse/internationale Emissionen = besonders hohe Summen, oft in mehreren LĂ€ndern.
- Note bewerten = die Agentur vergibt Zeichen wie AAA (sehr sicher) bis D (Ausfall). Das ist die Einstufung, wie wahrscheinlich das Geld zurĂŒckkommt.
- BonitĂ€t = ZahlungsfĂ€higkeit/KreditwĂŒrdigkeit der Firma.
- entscheidend fĂŒr die KreditrisikoprĂ€mie = die Note bestimmt direkt, wie hoch der Risiko-Extra-Zins (#07) ist, den die Firma zahlen muss.
- Finanzierungskosten = was die Firma insgesamt fĂŒrs Leihen zahlt. Schlechtere Note = höhere Zinsen = teurere Finanzierung.
Ratingagenturen spielen nach Rohleder folgende Rolle:
- Vor allem bei grossen und internationalen Emissionen werden Ratingagenturen beauftragt, die Anleihen mit einer Note zu bewerten â analog zur Beurteilung der BonitĂ€t.
- Diese Note ist entscheidend fĂŒr die KreditrisikoprĂ€mie, die das Unternehmen zahlen muss.
Das Rating schlĂ€gt also unmittelbar auf den Aufschlag durch: eine schlechtere Note bedeutet eine höhere KreditrisikoprĂ€mie und damit höhere Finanzierungskosten fĂŒr den Emittenten.
âš+1â© Der Zeitbezug aus #09 ergĂ€nzt die Antwort: Das Rating ist keine einmalige Festlegung, sondern eine der GröĂen, deren VerĂ€nderung die KreditrisikoprĂ€mie im Zeitverlauf schwanken lĂ€sst, eine Herabstufung verteuert also auch kĂŒnftige Emissionen desselben Unternehmens.
#09 Schwankungen von KreditrisikoprÀmien im Zeitverlauf
Rohleders Kompass, FINA U19
- VerÀndertes Ausfallrisiko des Emittenten = schuldnerspezifisches Kreditrisiko
- Allgemeine wirtschaftliche Lage = systemisches Kreditrisiko
- systemisch abhÀngig von Erwartung der Anleger und von der VerÀnderung der Staatsanleihen
- Weitere Einflussgrössen: Rating (BonitĂ€t), Inflationserwartung, konjunkturelle Erwartung, Staatsverschuldung, zukĂŒnftige Risiken bei der Budgetierung (Forderung von anderen LĂ€ndern)
- Im Zeitverlauf schwanken = der Risiko-Extra-Zins bleibt nicht gleich, sondern steigt und fÀllt mit der Zeit.
- Ausfallrisiko = die Gefahr, dass die Firma nicht zahlen kann. schuldnerspezifisch = betrifft nur diese eine Firma (den Schuldner).
- systemisches Kreditrisiko = Risiko, das die gesamte Wirtschaft betrifft, nicht nur eine Firma (z. B. eine Rezession, die alle trifft).
- Erwartung der Anleger = was die Geldgeber ĂŒber die Zukunft glauben. Sind sie pessimistisch, verlangen sie mehr Risiko-Zins.
- Staatsanleihen = Schuldscheine von Staaten, gelten als Vergleichsmassstab fĂŒr sicher. Ăndert sich deren Zins, verschieben sich auch die Zinsen der Firmen.
- Inflationserwartung = die Vermutung, wie stark Geld kĂŒnftig an Wert verliert. Hohe erwartete Inflation = höhere geforderte Zinsen.
- konjunkturelle Erwartung = die Vermutung, ob die Wirtschaft insgesamt wÀchst oder schrumpft.
- Staatsverschuldung / Budgetierung = wie hoch die Schulden eines Staates sind und wie er plant. Hohe Schulden können das allgemeine Risiko erhöhen.
Die Schwankungen von KreditrisikoprÀmien im Zeitverlauf werden nach Rohleder durch folgende Faktoren beeinflusst:
- VerĂ€ndertes Ausfallrisiko des Emittenten â das schuldnerspezifische Kreditrisiko
- Allgemeine wirtschaftliche Lage â das systemische Kreditrisiko
- abhĂ€ngig von der Erwartung der Anleger (bezĂŒglich zukĂŒnftiger Entwicklungen)
- dadurch auch abhÀngig von der VerÀnderung der Staatsanleihen
ErgÀnzend nennt der Kompass weitere Einflussgrössen:
- Rating (BonitÀt) des Unternehmens
- Inflationserwartung
- Konjunkturelle Erwartung
- Staatsverschuldung
- ZukĂŒnftige Risiken bei der Budgetierung (Forderung von anderen LĂ€ndern)
âš+1â© Die Doppelspitze der Liste liefert direkt die Systematik von #10: Das verĂ€nderte Ausfallrisiko des Emittenten ist das unsystematische, die allgemeine wirtschaftliche Lage das systematische Kreditrisiko, und alle weiteren EinflussgröĂen lassen sich einer der beiden Klassen zuordnen.
#10 Systematisches vs. unsystematisches Kreditrisiko
Rohleders Kompass, FINA U19
- Unsystematisches Kreditrisiko = schuldnerspezifisch, nur auf den Emittenten bezogen
- Systematisches Kreditrisiko = gesamtwirtschaftlich, z. B. Finanzkrisen, Inflation, StaatsĂŒberschuldung
- Zuordnung deckt sich mit #09
- unsystematisches Risiko = Risiko, das nur eine einzelne Firma betrifft (z. B. dieser eine Betrieb geht pleite). Man könnte es durch Streuung auf viele Firmen abmildern.
- schuldnerspezifisch = bezogen nur auf den einzelnen Schuldner (die eine Firma).
- systematisches Risiko = Risiko, das die ganze Wirtschaft/den ganzen Markt trifft. Dem kann man nicht ausweichen, egal wie breit man streut.
- gesamtwirtschaftlich = betrifft alle zusammen, z. B. eine Finanzkrise, hohe Inflation oder ein ĂŒberschuldeter Staat.
- Merke die Paarung: unsystematisch = einzelne Firma; systematisch = die ganze Wirtschaft. Deckt sich mit #09.
Rohleder unterscheidet die beiden Kreditrisiko-Arten so:
- Unsystematisches Kreditrisiko â schuldnerspezifisch â es ist nur auf den Emittenten bezogen.
- Systematisches Kreditrisiko â gesamtwirtschaftlich â z. B. Finanzkrisen, Inflation, StaatsĂŒberschuldung.
Die Zuordnung deckt sich mit #09: das schuldnerspezifische (unsystematische) Risiko betrifft das Ausfallrisiko des einzelnen Emittenten, das systematische (systemische) Risiko die allgemeine wirtschaftliche Lage.
âš+1â© Die Anlegerkonsequenz aus der Begriffsliste bringt den Zusatzpunkt: Das unsystematische Risiko lĂ€sst sich durch Streuung ĂŒber viele Emittenten abmildern (U07 #12), dem systematischen Risiko entgeht dagegen auch das breiteste Portfolio nicht.
#11 Mezzaninkapital â Begriff und Eigenschaften
Rohleders Kompass, FINA U19
- Mischung aus Eigenkapital und Fremdkapital â exakte Trennung nicht möglich
- Flexibel vertraglich gestaltbar, kombiniert idealerweise Vorteile von EK und FK
- Nachrangig ggĂŒ. reinem FK, aber vorrangig ggĂŒ. reinem EK
- Zeitlich befristet
- VerzinsungsansprĂŒche liegen zwischen EK und FK
- Wenig bis kein Mitspracherecht
- Funktion: Zwischenfinanzierung
- Mezzaninkapital = eine Mischform zwischen eigenem Geld und geliehenem Geld. Der Name kommt vom Zwischengeschoss (Mezzanin) - es liegt genau dazwischen.
- Eigenkapital (EK) = das eigene Geld der Firma / der EigentĂŒmer. Fremdkapital (FK) = geliehenes Geld, das zurĂŒckgezahlt werden muss.
- exakte Trennung nicht möglich = man kann nicht sauber sagen, ob es eigenes oder geliehenes Geld ist; es hat von beidem etwas.
- vertraglich flexibel gestaltbar = die genauen Bedingungen kann man frei im Vertrag aushandeln, es gibt kein festes Standard-Schema.
- nachrangig / vorrangig = bei einer Pleite gibt es eine Reihenfolge, wer zĂŒrst Geld bekommt. Nachrangig = kommt spĂ€ter dran als normale Kreditgeber, aber vor den EigentĂŒmern.
- zeitlich befristet = es ist nur fĂŒr eine bestimmte Zeit ĂŒberlassen, nicht dauerhaft.
- Verzinsungsanspruch = wie viel Zinsen zustehen. Hier liegt es zwischen dem, was Eigen- und Fremdkapital ĂŒblich bringen.
- Mitspracherecht = ob man in der Firma mitentscheiden darf. Hier: wenig bis gar nicht.
- Zwischenfinanzierung = Geld, das eine LĂŒcke fĂŒr eine Ăbergangszeit ĂŒberbrĂŒckt, bis eine dauerhafte Lösung da ist.
Mezzaninkapital ist nach Rohleder eine Mischung aus Eigenkapital (EK) und Fremdkapital (FK) â eine exakte Trennung ist nicht möglich.
Es ist flexibel vertraglich gestaltbar und kombiniert idealerweise die Vorteile von EK und FK. Die Eigenschaften im Einzelnen:
- Nachrangig gegenĂŒber reinem Fremdkapital, aber vorrangig gegenĂŒber reinem Eigenkapital
- Zeitlich befristet
- VerzinsungsansprĂŒche liegen zwischen EK und FK
- Wenig bis kein Mitspracherecht
Die Funktion: Mezzaninkapital dient als Zwischenfinanzierung.
âš+1â© Ein Beispiel aus dem eigenen Fragenkreis sichert den Zusatzpunkt: Der Genussschein (#17) zeigt genau dieses Mezzanin-Profil, denn er trĂ€gt EK- wie FK-Charakteristiken und schlieĂt Stimmrechte aus, womit sich Definition und Beispiel gegenseitig belegen.
#12 Wandelanleihe â Funktionsweise und Vorteile
Rohleders Kompass, FINA U19
- Zu Beginn eine normale Anleihe
- Zu einem bestimmten Zeitpunkt und UmtauschverhÀltnis in Aktien umwandelbar
- Vorteil: Anleger profitiert von steigenden Aktienkursen
- Zugleich abgesichert durch Anleihezinsen und RĂŒckzahlung bei Nicht-Wandlung
- Freiheit des Anlegers: Entscheidung (wandeln oder nicht) hÀngt vom Aktienkurs ab
- Anleihe = Schuldschein-Papier (siehe #01): Firma leiht Geld, zahlt Zinsen, zahlt zurĂŒck.
- Aktie = ein Anteilsschein an der Firma. Wer Aktien hat, ist Mit-EigentĂŒmer und profitiert, wenn die Firma mehr wert wird.
- Wandelanleihe = ein Schuldschein, der spÀter freiwillig in Firmenanteile (Aktien) umgetauscht werden darf. Erst Kredit, kann aber zu Beteiligung werden.
- UmtauschverhĂ€ltnis = die feste Regel, wie viele Aktien man fĂŒr eine Anleihe bekommt (z. B. 1 Anleihe = 10 Aktien).
- profitiert von steigenden Aktienkursen = steigt der Aktienwert, kann man umtauschen und gewinnt mit; Aktienkurs = der aktuelle Preis einer Aktie.
- abgesichert = tut man nichts oder fĂ€llt der Kurs, bleibt es ein normaler Schuldschein: man bekommt weiter Zinsen und am Ende sein Geld zurĂŒck. Man hat also einen Boden nach unten.
- Freiheit des Anlegers = man darf selbst entscheiden, ob man umtauscht oder nicht - je nachdem, was gĂŒnstiger ist.
Eine Wandelanleihe funktioniert nach Rohleder so:
- Zu Beginn ist sie eine normale Anleihe.
- Aber: Zu einem bestimmten Zeitpunkt kann sie â zu einem bestimmten UmtauschverhĂ€ltnis â in Aktien umgewandelt werden.
Vorteil: Der Anleger profitiert von steigenden Aktienkursen, ist aber zugleich abgesichert durch die Anleihezinsen und die RĂŒckzahlung der Anleihe im Falle der Nicht-Wandlung. Das ergibt eine Freiheit des Anlegers: Seine Entscheidung (wandeln oder nicht) hĂ€ngt vom Aktienkurs ab.
âš+1â© Der analytische Unterbau steht in #13: Der Wert der Wandelanleihe zerfĂ€llt in den aktienkursabhĂ€ngigen Wert des Wandlungsrechts und den davon unabhĂ€ngigen Wert der ZuflĂŒsse, und genau diese Zweiteilung erklĂ€rt die Absicherung nach unten bei gleichzeitiger Chance nach oben.
#13 Wert des Wandlungsrechts vs. Wert der ZuflĂŒsse
Rohleders Kompass, FINA U19
- Wert des Wandlungsrechts = Differenz zwischen aktuellem Aktienkurs und Wandlungspreis
- Wandlungspreis = Preis, zu dem die Anleihe in Aktien umgewandelt werden kann
- Wert der ZuflĂŒsse = basiert auf den Zahlungen an den Anleger, unabhĂ€ngig vom Aktienkurs
- ZuflĂŒsse konkret: regelmĂ€ssige Zinsen und RĂŒckzahlung am Laufzeitende
- Wandlungsrecht = aktienkursabhĂ€ngiger Teil, ZuflĂŒsse = aktienkurs-unabhĂ€ngiger Teil
- Wandlungsrecht = das Recht, den Schuldschein in Aktien umzutauschen. Es hat selbst einen Wert, weil es eine Chance auf Gewinn bietet.
- Wandlungspreis = der festgelegte Preis, zu dem man beim Umtausch die Aktien rechnerisch bekommt.
- Differenz Aktienkurs minus Wandlungspreis = liegt der echte Aktienpreis ĂŒber dem Wandlungspreis, ist der Umtausch bares Geld wert; genau dieser Abstand ist der Wert des Rechts.
- aktienkursabhÀngig = dieser Teil steigt und fÀllt mit dem Aktienkurs.
- Wert der ZuflĂŒsse = der Wert des Geldes, das ohnehin fliesst: die regelmĂ€ssigen Zinsen und die RĂŒckzahlung am Ende. Das kommt unabhĂ€ngig davon, was die Aktie macht.
- Laufzeitende = der Zeitpunkt, an dem der Kredit ablĂ€uft und zurĂŒckgezahlt wird.
- Kern: ein Teil des Werts hĂ€ngt an der Aktie (Chance), der andere Teil ist der sichere Zins-/RĂŒckzahlungs-Anteil.
Rohleder trennt bei der Wandelanleihe zwei Werte:
- Wert des Wandlungsrechts â die Differenz zwischen aktuellem Aktienkurs und Wandlungspreis (der Wandlungspreis ist der Preis, zu dem die Anleihe in Aktien umgewandelt werden kann).
- Wert der ZuflĂŒsse einer Wandelanleihe â dieser Wert basiert auf den Zahlungen an den Anleger und ist unabhĂ€ngig vom Aktienkurs. Konkret sind das die regelmĂ€ssigen Zinsen und die RĂŒckzahlung am Laufzeitende.
Kernaussage: Das Wandlungsrecht ist der aktienkursabhĂ€ngige Teil, die ZuflĂŒsse sind der aktienkurs-unabhĂ€ngige (anleihetypische) Teil.
âš+1â© Die Entscheidungsregel folgt direkt aus der Differenz: Nur wenn der aktuelle Aktienkurs ĂŒber dem Wandlungspreis liegt, ist das Wandlungsrecht werthaltig und die Wandlung lohnend, andernfalls behĂ€lt der Anleger die Anleihe und nimmt Zinsen und RĂŒckzahlung mit.
#14 Unterschied Wandelanleihe vs. Optionsanleihe
Rohleders Kompass, FINA U19
- Optionsanleihe: bietet zusÀtzlich ein Aktien-Bezugsrecht (Anzahl und Preis begrenzt = Optionsrecht)
- Wandelanleihe: festgelegter Zeitpunkt, ab dem in Aktien getauscht werden kann
- Wandelanleihe: falls nicht gewandelt wird, mutiert sie zur normalen Anleihe (Tilgung am Laufzeitende)
- Optionsanleihe: muss am Laufzeitende stets zurĂŒckgezahlt werden
- Kern: bei der Wandelanleihe ersetzt die Wandlung die RĂŒckzahlung; bei der Optionsanleihe tritt das Bezugsrecht neben die stets zu tilgende Anleihe
- Optionsanleihe = ein Schuldschein mit einem zusĂ€tzlichen Gutschein, spĂ€ter Aktien zu einem festen Preis kaufen zu dĂŒrfen. Der Schuldschein bleibt, der Gutschein kommt obendrauf.
- Bezugsrecht = das Recht, neue Aktien der Firma zu kaufen (zu vorher festgelegten Bedingungen).
- Optionsrecht = dieses Kauf-Recht mit begrenzter Anzahl und festem Preis. Man darf, muss aber nicht kaufen.
- Wandelanleihe (zur Erinnerung) = der Schuldschein selbst wird in Aktien verwandelt; der Schuldschein verschwindet dabei.
- mutiert zur normalen Anleihe = wenn man bei der Wandelanleihe nicht umtauscht, bleibt sie einfach ein gewöhnlicher Kredit und wird am Ende zurĂŒckgezahlt.
- stets zurĂŒckgezahlt = die Optionsanleihe wird am Ende IMMER getilgt, egal ob man den Aktien-Gutschein nutzt oder nicht.
- Kernunterschied: bei der Wandelanleihe ERSETZT der Aktientausch die RĂŒckzahlung; bei der Optionsanleihe kommt das Aktien-Kaufrecht ZUSAETZLICH zur trotzdem fĂ€lligen RĂŒckzahlung.
Der Unterschied zwischen den beiden Anleihetypen nach Rohleder:
Optionsanleihen:
- Bieten zusĂ€tzlich ein Aktien-Bezugsrecht fĂŒr das jeweilige Unternehmen (Anzahl und Preis begrenzt â Optionsrecht).
Unterschied zur Wandelanleihe:
- Wandelanleihe: Es gibt einen festgelegten Zeitpunkt, ab dem in Aktien getauscht werden kann. Falls nicht gewandelt wird, mutiert sie zu einer normalen Anleihe (Tilgung am Laufzeitende).
- Optionsanleihe: Sie muss am Laufzeitende stets zurĂŒckgezahlt werden.
Kerngedanke: Bei der Wandelanleihe ersetzt die Wandlung die RĂŒckzahlung (Anleihe wird zu Aktien); bei der Optionsanleihe tritt das Bezugsrecht neben die Anleihe, die unabhĂ€ngig davon immer getilgt wird.
âš+1â© Die Emittenten-Folge liefert den Zusatzpunkt: Bei der Wandlung tauscht das Unternehmen Schuld gegen neue Aktien und erspart sich die Tilgung, wĂ€hrend beim Optionsrecht die Anleihe zurĂŒckzuzahlen bleibt und die AusĂŒbung zusĂ€tzlich frisches Eigenkapital zu den vorab fixierten Bedingungen bringt (#15).
#15 GrĂŒnde eines Unternehmens fĂŒr die Emission einer Optionsanleihe
Rohleders Kompass, FINA U19
- Niedrige Zinsen â im Vergleich zu Bankkrediten oder klassischen Festzinsanleihen
- Geringes Risiko: Optionsrechte legen die Bedingungen fĂŒr eine zukĂŒnftige Kapitalerhöhung fest
- Daher werden höhere Bezugsrechte vorgesehen, als aus heutiger Sicht möglich
- Falls der Aktienkurs nicht ausreichend steigt, profitiert das Unternehmen von der gĂŒnstigen Finanzierung
- niedrige Zinsen = weil der KĂ€ufer den attraktiven Aktien-Gutschein dazubekommt, gibt er sich mit weniger Zinsen zufrieden. Die Firma leiht also billiger.
- Festzinsanleihe = eine klassische Anleihe mit festem Zinssatz und ohne Aktien-Extra.
- Kapitalerhöhung = wenn die Firma neue Aktien ausgibt, um frisches Eigenkapital einzusammeln.
- Optionsrechte legen Bedingungen fest = ĂŒber die Gutscheine steht schon heute fest, zu welchem Preis kĂŒnftig neue Aktien verkauft werden könnten.
- höhere Bezugsrechte als heute möglich = man plant Spielraum ein fĂŒr mehr Aktien, als aktuell realistisch wĂ€re - fĂŒr den Fall, dass es gut lĂ€uft.
- Aktienkurs steigt nicht genug = dann nutzt niemand die Gutscheine. FĂŒr die Firma nicht schlimm: sie behĂ€lt einfach den billigen Kredit. Also geringes Risiko.
Ein Unternehmen profitiert nach Rohleder aus folgenden GrĂŒnden von der Emission einer Optionsanleihe:
- Niedrige Zinsen â im Vergleich zu Bankkrediten oder klassischen Festzinsanleihen.
- Geringes Risiko: Die Optionsrechte legen die Bedingungen fĂŒr eine zukĂŒnftige Kapitalerhöhung fest.
- Daher werden höhere Bezugsrechte vorgesehen, als aus heutiger Sicht möglich.
- Falls der Aktienkurs nicht ausreichend steigt, profitiert das Unternehmen von der gĂŒnstigen Finanzierung (die Optionen werden dann nicht gezogen, das Unternehmen behĂ€lt aber die niedrig verzinste Anleihe).
âš+1â© Das Spiegelbild-Argument rundet ab: Die niedrigen Zinsen sind kein Geschenk der Anleger, sondern der Preis fĂŒr das mitgelieferte Optionsrecht, denn die eingekaufte Aktienchance ersetzt einen Teil der ZinsvergĂŒtung.
#16 Nachrangige Schuldverschreibungen
Rohleders Kompass, FINA U19
- Werden bei Insolvenz nachrangig zu allen anderen GlĂ€ubigern behandelt (andere zĂŒrst bedient)
- Zum Ausgleich fĂŒr das höhere Risiko: höhere Verzinsung
- Schuldverschreibung = anderes Wort fĂŒr Anleihe / Schuldschein-Papier.
- Insolvenz = die Pleite; die Firma kann ihre Schulden nicht mehr zahlen und ihr Restvermögen wird verteilt.
- nachrangig zu allen anderen GlÀubigern = bei der Pleite steht man ganz hinten in der Schlange. Erst werden alle anderen Kreditgeber bedient, danach - falls noch Geld da ist - man selbst.
- zĂŒrst bedient = die normalen (vorrangigen) GlĂ€ubiger bekommen ihr Geld vor den nachrangigen; oft bleibt fĂŒr die hinten in der Reihe nichts.
- höhere Verzinsung als Ausgleich = weil das Risiko grösser ist, gibt es zur EntschÀdigung mehr Zinsen. Mehr Risiko, mehr Belohnung.
Nachrangige Schuldverschreibungen unterscheiden sich nach Rohleder von klassischen Anleihen durch zwei Punkte:
- Sie werden bei Insolvenz nachrangig zu allen anderen GlĂ€ubigern behandelt (die anderen GlĂ€ubiger werden zĂŒrst bedient).
- Zum Ausgleich fĂŒr dieses höhere Risiko gibt es eine höhere Verzinsung.
âš+1â© Die Rangfolge lĂ€sst sich mit #11 zur Skala ausbauen: Bei der Insolvenz stehen erst die klassischen GlĂ€ubiger, dann Nachrang- und Mezzanine-Geber und ganz am Ende die Eigenkapitalgeber, und je weiter hinten die Position, desto höher die verlangte Verzinsung.
#17 Genussscheine â Eigenschaften
Rohleders Kompass, FINA U19
- Entweder EK-Ă€hnlich (Gewinnbeteiligung usw.) oder FK-Ă€hnlich (Zins und Tilgung usw.)
- Stimmrechte in der Hauptversammlung sind ausgeschlossen
- Emissionsbedingungen i. d. R.: Zins und Tilgung / Gewinn- und Verlustbeteiligung / Haftung und Liquidationserlös / Laufzeit
- Hat sowohl EK- als auch FK-Charakteristiken (Verzinsung / Tilgung)
- Genussschein = ein besonderes Wertpapier, das dem KÀufer bestimmte Vermögensrechte gibt (z. B. Anteil am Gewinn), aber kein Mitbestimmungsrecht.
- EK-Àhnlich = verhÀlt sich wie eigenes Geld der Firma, z. B. mit Gewinnbeteiligung (man verdient mit, wenn die Firma Gewinn macht).
- FK-Ă€hnlich = verhĂ€lt sich wie geliehenes Geld, z. B. mit festen Zinsen und RĂŒckzahlung (Tilgung).
- Stimmrecht in der Hauptversammlung = das Recht, beim jÀhrlichen AktionÀrstreffen mitzustimmen. Bei Genussscheinen ist das ausgeschlossen - man darf nicht mitentscheiden.
- Emissionsbedingungen = die im Vertrag festgelegten Regeln des Papiers (was man bekommt, wie lange, wofĂŒr man haftet).
- Gewinn- und Verlustbeteiligung = man teilt nicht nur Gewinne, sondern kann auch an Verlusten beteiligt werden (dann sinkt der eigene Anspruch).
- Haftung und Liquidationserlös = ob man im Pleitefall mithaftet und was man bekommt, wenn die Firma aufgelöst und ihr Vermögen verkauft (liquidiert) wird.
- Laufzeit = wie lange das Papier gilt.
- sowohl EK- als auch FK-Charakteristiken = ein Genussschein kann gleichzeitig ZĂŒge von eigenem und geliehenem Geld haben (Verzinsung wie Kredit, Gewinnanteil wie Beteiligung).
Genussscheine zeichnen sich nach Rohleder durch folgende Eigenschaften aus:
- Sie sind entweder EK-Ă€hnlich (Gewinnbeteiligung usw.) oder FK-Ă€hnlich (Zins und Tilgung usw.).
- Stimmrechte in der Hauptversammlung sind ausgeschlossen.
- Die Emissionsbedingungen beziehen sich in der Regel auf:
- Zins und Tilgung
- Gewinn- und Verlustbeteiligung
- Haftung und Liquidationserlös
- Laufzeit
- Der Genussschein hat sowohl EK- als auch FK-Charakteristiken (Verzinsung / Tilgung).
âš+1â© Zwei Anschlussfragen liefern die Bewertung gleich mit: Steuerlich kann der FK-Charakter zum Betriebsausgabenabzug fĂŒhren (#19), auf der Gegenseite steht die Zurechnung zum grauen Kapitalmarkt mit fehlender Regulierung und Transparenz (#20).
#18 Voraussetzungen fĂŒr die Bilanzierung von Genussscheinen als Eigenkapital
Rohleders Kompass, FINA U19
- Im Kompass steht hier nur ein leerer Platzhalter-Punkt â keine ausgearbeitete Antwort
- Treu zum Kompass wird nichts aus eigenem Fachwissen ergÀnzt
- LĂŒcke aus Vorlesung bzw. mit Julian nachtragen
- Thematisch anschlussfÀhig: #17 (EK-/FK-Charakter, Stimmrechte ausgeschlossen) und #19 (steuerliche Behandlung als FK)
- Bilanzierung = wie etwas in der Bilanz (der Vermögens- und Schulden-Ăbersicht der Firma) eingeordnet und ausgewiesen wird.
- als Eigenkapital bilanzieren = den Genussschein in der Bilanz als eigenes Geld der Firma zeigen statt als Schuld. Das lÀsst die Firma finanziell stabiler aussehen.
- Kompass-Platzhalter = im Lernmaterial steht hier keine ausgearbeitete Antwort; die LĂŒcke ist absichtlich offen und wird spĂ€ter gefĂŒllt.
- Anschluss: #17 (Genussschein hat EK- oder FK-Charakter, kein Stimmrecht) und #19 (Steuer-Behandlung als geliehenes Geld) liefern inhaltlich den Zusammenhang.
Zu dieser Frage (Unter welchen Voraussetzungen können Genussscheine als Eigenkapital bilanziert werden?) enthĂ€lt Rohleders Kompass keine ausgearbeitete Antwort â an dieser Stelle steht nur ein leerer Platzhalter-Punkt.
Der Kompass gibt hier also keinen autoritativen AntwortschlĂŒssel vor. Treu zum Kompass wird an dieser Stelle nichts aus eigenem Fachwissen ergĂ€nzt; die LĂŒcke sollte aus der Vorlesung bzw. mit Julian nachgetragen werden.
Hinweis zur PrĂŒfungsvorbereitung: Thematisch anschlussfĂ€hig sind #17 (Genussscheine haben EK- oder FK-Charakter, Stimmrechte in der HV ausgeschlossen) und #19 (steuerliche Behandlung als Fremdkapital) â dort liefert der Kompass Substanz.
âš+1â© Ein treuer Denkanker aus #19 hilft trotzdem: Steuerlich kippt der FK-Charakter genau dann, wenn Gewinnbeteiligung und Beteiligung am Liquidationserlös zusammen vorliegen, dieselben zwei Merkmale sind also der natĂŒrliche Startpunkt fĂŒr die Frage, wann bilanziell Eigenkapital vorliegt.
#19 Steuerlicher Vorteil: Genussscheine als Fremdkapital
Rohleders Kompass, FINA U19
- Vorteilhaft, weil sich die AusschĂŒttungen an die Inhaber als Betriebsaufwand einordnen lassen
- Betriebsausgabenabzug möglich bei Gewinnbeteiligung ODER Beteiligung am Liquidationserlös
- Achtung: Falls BEIDES gegeben ist, ist der Betriebsausgabenabzug nicht möglich
- Merksatz: entweder-oder erlaubt den Abzug, beides zusammen schliesst ihn aus
- als Fremdkapital behandeln = den Genussschein als geliehenes Geld einordnen (statt als eigenes Geld der Firma).
- AusschĂŒttung = die Zahlung, die der Inhaber des Genussscheins bekommt (sein Ertrag/Gewinnanteil).
- Betriebsaufwand / Betriebsausgabe = Kosten des GeschÀftsbetriebs. Solche Kosten senken den steuerpflichtigen Gewinn - die Firma zahlt dadurch weniger Steuern.
- Betriebsausgabenabzug = genau dieses Abziehen der Zahlungen vom Gewinn, um Steuern zu sparen.
- Gewinnbeteiligung = der Inhaber bekommt einen Anteil am Gewinn der Firma.
- Beteiligung am Liquidationserlös = der Inhaber bekommt bei Auflösung der Firma einen Anteil vom Verkaufserlös des Firmenvermögens.
- Merksatz entweder-oder erlaubt / beides verbietet: liegt nur EINES von beiden vor (Gewinn- ODER Liquidations-Beteiligung), darf abgezogen werden. Liegen BEIDE zusammen vor, gilt es steuerlich als eigenes Geld und der Abzug fÀllt weg.
Aus steuerlicher Sicht ist es nach Rohleder vorteilhaft, Genussscheine als Fremdkapital zu behandeln, weil:
- die AusschĂŒttungen an die Inhaber der Genussscheine sich als Betriebsaufwand einordnen lassen.
DafĂŒr gilt eine wichtige Bedingung mit einer Ausnahme:
- Der Betriebsausgabenabzug ist möglich, wenn eine Gewinnbeteiligung oder eine Beteiligung am Liquidationserlös vorliegt.
- Achtung â Ausnahme: Falls beides gegeben ist (Gewinnbeteiligung und Beteiligung am Liquidationserlös), ist der Betriebsausgabenabzug nicht möglich.
Das ist der prĂŒfungsrelevante Merksatz: entweder-oder erlaubt den Abzug, beides zusammen schliesst ihn aus.
âš+1â© Die ökonomische Pointe aus der Begriffsliste gehört dazu: Als Betriebsaufwand mindern die AusschĂŒttungen den steuerpflichtigen Gewinn, wĂ€hrend AusschĂŒttungen auf Eigenkapital aus dem bereits versteuerten Gewinn flieĂen, weshalb die Einordnungsfrage bares Geld wert ist.
#20 Genussscheine und der graue Kapitalmarkt
Rohleders Kompass, FINA U19
- Werden nicht an Börsen gehandelt
- Bedingungen variieren bzw. sind z. T. unklar â fehlende Transparenz
- Fehlende bzw. geringe Regulierung (im Vergleich zu Aktien und Anleihen)
- Kapitalmarkt = der Ort/Bereich, an dem Geldanlagen wie Aktien und Anleihen gehandelt werden.
- grauer Kapitalmarkt = der kaum kontrollierte, unregulierte Teil davon. Nicht verboten (das wĂ€re schwarz), aber ohne strenge Aufsicht - also riskanter fĂŒr Anleger.
- nicht an Börsen gehandelt = man kann sie nicht einfach an einem offiziellen Marktplatz kaufen/verkaufen; es gibt keinen laufenden offenen Preis.
- Bedingungen variieren / unklar = jeder Genussschein kann völlig andere Regeln haben, und die sind oft schwer zu durchschauen.
- Transparenz = wie klar und nachvollziehbar die Informationen sind. Fehlende Transparenz = man sieht schlecht, worauf man sich einlÀsst.
- Regulierung = gesetzliche Aufsicht und Schutzregeln. Fehlende Regulierung heisst: weniger Schutz als bei Aktien und Anleihen.
Dass Genussscheine dem grauen Kapitalmarkt zugerechnet werden, bedeutet nach Rohleder:
- Sie werden nicht an Börsen gehandelt.
- Ihre Bedingungen variieren bzw. sind zum Teil unklar â es besteht fehlende Transparenz.
- Es gibt eine fehlende bzw. geringe Regulierung (im Vergleich zu Aktien und Anleihen).
âš+1â© Die Risikoliste aus #21 folgt Punkt fĂŒr Punkt aus diesen Merkmalen: Ohne Börsenhandel wird das Kapital gebunden, ohne Regulierung variieren die Rechte, und ohne Transparenz erkennt der Anleger beides erst, wenn es zu spĂ€t ist.
#21 Spezielle Risiken von Genussscheinen
Rohleders Kompass, FINA U19
- Nachrangiges Kapital -> wenig GlÀubigerschutz
- Schlecht verkaufbar (nicht börsengehandelt) -> gebundenes Kapital (LiquiditÀtsrisiko)
- Keine feste Verzinsung oder Dividenden -> Gewinnbeteiligung etc. variieren oft
- Keine Mitbestimmungsrechte
- Fehlende Regulierung -> stark unterschiedliche Regelungen und Rechte
- Quellentipp im Kompass: finanztip.de/genussscheine
- nachrangiges Kapital = im Pleitefall steht man hinten in der Schlange; erst werden alle anderen bedient (siehe #16).
- GlĂ€ubigerschutz = die Sicherheiten/Rechte, die einen Geldgeber schĂŒtzen. Wenig GlĂ€ubigerschutz = im Notfall ist man schlecht abgesichert.
- schlecht verkaufbar = weil nicht an der Börse handelbar, findet man nur schwer einen KÀufer, wenn man aussteigen will.
- gebundenes Kapital / LiquiditĂ€tsrisiko = das eingesetzte Geld steckt fest und ist nicht schnell wieder verfĂŒgbar. LiquiditĂ€t = schnelle VerfĂŒgbarkeit von Geld.
- keine feste Verzinsung oder Dividende = es gibt keinen garantierten festen Ertrag. Dividende = die GewinnausschĂŒttung an Anteilseigner. Hier hĂ€ngt der Ertrag oft vom Gewinn ab und schwankt.
- Mitbestimmungsrecht = mitentscheiden dĂŒrfen in der Firma - bei Genussscheinen gibt es das nicht.
- fehlende Regulierung = kaum gesetzliche Aufsicht (siehe #20), daher sehr unterschiedliche und teils undurchsichtige Regeln von Papier zu Papier.
Genussscheine tragen nach Rohleder folgende speziellen Risiken (Quellentipp im Kompass: finanztip.de/genussscheine):
- Nachrangiges Kapital â wenig GlĂ€ubigerschutz
- Schlecht verkaufbar (weil nicht an der Börse gehandelt) â gebundenes Kapital (LiquiditĂ€tsrisiko)
- Keine feste Verzinsung oder Dividenden â Gewinnbeteiligung etc. variieren oft
- Keine Mitbestimmungsrechte
- Fehlende Regulierung â stark unterschiedliche Regelungen und Rechte
âš+1â© Der Kontrast zu U07 #06 schĂ€rft das Urteil: WĂ€hrend ETF-Anleger durch Sondervermögen und Börsenhandel geschĂŒtzt und liquide bleiben, vereinen Genussscheine Nachrang, schwere VerkĂ€uflichkeit und RegulierungslĂŒcke und stehen damit am entgegengesetzten Ende der Anlegerschutz-Skala.
Formel-Ăberblick: Finanzierung
Aus der Formel-Referenz â Aufbau, Einsatz, StĂ€rken/SchwĂ€chen je Formel. Rundung: erst am Ende, 2 Nachkommastellen.
| Formel | Aufbau | Was sie leistet | Wann benutzen | â StĂ€rke / â SchwĂ€che | Nachschlagen |
|---|---|---|---|---|---|
| Leverage-Effekt | EK-Rendite steigt mit Verschuldung, solange | Wirkung von Fremdkapital auf die EK-Rendite; Kehrseite: Hebel wirkt auch nach unten | â zeigt den EK-Hebel transparent · â wirkt symmetrisch nach unten; i steigt mit der Verschuldung | Leverage | |
| Effektivzins-NĂ€herung (Bösch D-8) | Effektivzins bei Disagio ĂŒberschlagen | Nur endfĂ€llige Darlehen; exakt = IKV der Zahlungsreihe | â Kopfrechnung statt Iteration · â nur endfĂ€llige Darlehen; NĂ€herung liegt ĂŒber dem exakten Wert | Effektivzins | |
| Gleichgewichtiges Wachstum (Bösch J-1) | Maximales Wachstum aus eigener Kraft | m=Marge, b=AusschĂŒttungsquote, VG=FK/EK, a=Kapitalbindung je Umsatz-âŹ; Kurzform nur als NĂ€herung kennzeichnen | â exakte Selbstfinanzierungs-Grenze · â PrĂ€missen konstant (m, b, VG, a); Kurzform J-2 unterschĂ€tzt | Gleichgewichtiges Umsatzwachstum | |
| KapazitĂ€tserweiterung (Lohmann-Ruchti) | Faktor der KapazitĂ€tsausweitung aus Abschreibungs-Reinvestition | n = Nutzungsdauer; bei n=5: 1,67 â âetwa 2" nur als Grenzwert | â macht den Effekt rechenbar · â PrĂ€missen unrealistisch â Rohleder hĂ€lt keine fĂŒr haltbar | Lohmann-Ruchti | |
| Selbstfinanzierungsgrad u. Ă. | Anteil Innenfinanzierung | Finanzierungsstruktur beurteilen | â Innenfinanzierung sichtbar · â bilanzpolitisch gestaltbar | Innenfinanzierung |