Investitionsrechnung: Kapitalwert & statische Verfahren
- Investitionsrechnung = Vorab-Ausrechnen, ob sich eine grosse Anschaffung lohnt. Wie wenn du vor dem Kauf einer teuren Kaffeemaschine fĂŒrs BĂŒro durchrechnest, ob sie ĂŒber die Jahre mehr einbringt als sie kostet.
- Statisch vs. dynamisch = zwei Rechen-Genauigkeiten. Statisch = grob und schnell (ein Durchschnittsjahr, egal wann das Geld fliesst). Dynamisch = genau (jede Zahlung wird einzeln betrachtet und WANN sie kommt zÀhlt mit). Wie 'Pi mal Daumen' gegen 'mit Taschenrechner nachrechnen'.
- Zeitwert des Geldes = 100 Euro heute sind mehr wert als 100 Euro in einem Jahr, weil du das Geld heute schon anlegen oder ausgeben könntest. Wie: lieber die Torte jetzt als das Versprechen auf Torte nÀchstes Jahr.
- Diskontierung / Abzinsen = kĂŒnftiges Geld auf den heutigen Wert kleinrechnen. Man fragt: 'Wie viel mĂŒsste ich HEUTE hinlegen, damit daraus spĂ€ter dieser Betrag wird?' Aufzinsen ist das Gegenteil (heute in Zukunft hochrechnen).
- Cashflow / Ein-/Auszahlung = echtes Geld, das tatsĂ€chlich rein- oder rausfliesst. EinzahlungsĂŒberschuss = was am Ende UEBRIG bleibt (Einnahmen minus Ausgaben in dem Jahr). Wie der Betrag, der abends wirklich mehr in der Kasse liegt.
- Kalkulatorische Kosten = 'Rechen-Kosten', die man nur auf dem Papier ansetzt, ohne dass echtes Geld fliesst. Beispiel: du rechnest dir Miete fĂŒr dein eigenes BĂŒro an, obwohl du niemandem Miete zahlst - nur um den 'echten' Aufwand sichtbar zu machen.
- Kapitalwert (KW / NBW / Net Present ValĂŒ) = am Ende eine einzige Euro-Zahl, die sagt: bringt die Investition unterm Strich mehr als sie kostet (nachdem alles auf heute umgerechnet ist)? Ăber 0 = lohnt sich. Wie ein Kassenbon-Endbetrag fĂŒr das ganze Projekt.
- Die Formel KW = -A0 + Summe(CFt / (1+i)^t) heisst in Alltagssprache: nimm die Anschaffung als Minus, rechne jede kĂŒnftige Einnahme auf heute klein, zĂ€hl alles zusammen. A0 = das, was du am Anfang bezahlst (t=0 = Zeitpunkt jetzt). t = das jeweilige Jahr (t=1 erstes Jahr usw.). Das grosse Sigma-Zeichen (Summe) heisst nur 'alle Jahre zusammenzĂ€hlen'.
- Kalkulationszinssatz i = die Mess-Latte in Prozent, die deine Investition schlagen muss (z.B. 10 %). UngefÀhr: 'so viel könnte ich sonst mit dem Geld verdienen'. Verwechsle ihn nicht mit dem Abzinsungsfaktor - das ist die daraus errechnete Klein-Rechen-Zahl 1/(1+i)^t (bei 10 % im ersten Jahr etwa 0,909).
- Nutzungsdauer n = wie viele Jahre die Anschaffung genutzt wird und Geld bringt, z.B. eine Maschine 4 Jahre lang. Danach ist Schluss mit dem Mitrechnen.
- Barwert = der auf heute heruntergerechnete Wert einer kĂŒnftigen Zahlung. Im Bild: der hellgrĂŒne Balken ist der volle kĂŒnftige Betrag, der dunkelgrĂŒne (kleinere) ist derselbe Betrag 'in heutigem Geld'. Je weiter in der Zukunft, desto stĂ€rker schrumpft er.
- ROI (Return on Investment) = einfache Rendite-Quote in Prozent: 'wie viel bringt das erste Jahr im VerhĂ€ltnis zum Kaufpreis?'. EZĂ1 (EinzahlungsĂŒberschuss Jahr 1) geteilt durch A0 (Kaufpreis) mal 100. Wie: 200 Euro Gewinn auf 1000 Euro Einsatz = 20 %.
- Excel NBW() und XKAPITALWERT() = fertige Tabellen-Rechenknöpfe fĂŒr den Kapitalwert. NBW() nur wenn die Zahlungen in gleichmĂ€ssigen AbstĂ€nden kommen (jedes Jahr einmal); XKAPITALWERT() auch bei krummen Terminen (mal nach 3 Monaten, mal nach 8). Du gibst Zins und BetrĂ€ge ein, Excel rechnet.
- Wichtige NBW()-Falle: Excel behandelt schon den ERSTEN eingegebenen Wert so, als kĂ€me er erst am Ende des ersten Jahres - zinst ihn also einmal ab. Deshalb erscheinen in der PrĂŒf-Tabelle vier Abzinsungs-Stufen statt drei, obwohl es nur drei Ertragsjahre gibt.
- IRR / Interner Zinsfuss = der Zinssatz, bei dem sich die Investition gerade so trÀgt (Kapitalwert genau 0). Wie die Verzinsung, die das Projekt 'von innen heraus' abwirft. Problem: bei ungewöhnlichen Zahlungsreihen (Geld fliesst mal rein, mal raus, mal wieder rein) kann es mehrere solcher Zahlen geben - dann weiss man nicht, welche gilt.
- Nicht-konventionelle Cashflows / mehrfacher Vorzeichenwechsel = die Zahlungsreihe springt mehr als einmal zwischen Minus (Ausgabe) und Plus (Einnahme) hin und her. Beispiel: erst zahlen, dann verdienen, dann nochmal grosse Ausgabe. Genau das macht den IRR mehrdeutig.
- Kostenvergleichsrechnung = simples Verfahren: 'welche von zwei Maschinen kostet pro Jahr weniger?'. Sie zÀhlt bewusst auch Rechen-Kosten (kalkulatorische Abschreibung + Zinsen) mit, wÀhrend der Kapitalwert nur echtes Geld nimmt - deshalb tauchen dieselben Posten mal auf, mal nicht.
- Kalkulatorische Abschreibung = der jĂ€hrlich verteilte Wertverlust der Anschaffung (Maschine wird pro Jahr ein StĂŒck weniger wert). Im Kapitalwert steckt der Kaufpreis aber schon komplett als A0 drin - ihn nochmal als Abschreibung anzusetzen wĂ€re doppelt gezĂ€hlt.
- OpportunitÀtskosten (bei kalkulatorischen Zinsen) = der entgangene Gewinn, weil dein Geld in der Maschine steckt statt woanders Zinsen zu bringen. Wie: der Zins, den du verpasst, weil das Geld nicht auf dem Sparkonto liegt.
- Amortisation(sdauer) = wie lange es dauert, bis eine Anschaffung sich durch ihre RĂŒckflĂŒsse selbst bezahlt hat. Kurz = Geld schnell wieder drin. Nachteil laut Text: wer immer nur auf 'schnell zurĂŒck' schielt, verpasst grosse, aber langsamer lohnende Projekte.
- KMU = kleine und mittlere Unternehmen (Klein- und Mittelbetriebe), also keine Grosskonzerne. FĂŒr die sind die einfachen (statischen) Verfahren praktisch, weil sie schnell gehen und keine Spezialisten brauchen.
- Kapitalbindung / LiquiditĂ€tsbelastung = Geld ist in Anschaffungen 'gefesselt' und steht nicht frei zur VerfĂŒgung. Wie wenn dein Guthaben in lauter GerĂ€ten steckt und du fĂŒr Unerwartetes nichts mehr flĂŒssig hast.
- 'NKS' in der Tabelle = Nachkommastellen. '2 NKS' heisst nur: auf zwei Stellen hinterm Komma gerundet (z.B. 1.188,44 Euro).
FINA â Finanzwirtschaft (Prof. Rohleder, TH Bingen). Lern-Kapitel aus 6 Altklausuren. Grundlage sind die eingetippten Musterlösungen; hier strukturiert (Frage â Antwort) und rechnerisch geprĂŒft.
Konzept-Intro
Dynamische vs. statische Investitionsrechnung
| Statisch | Dynamisch | |
|---|---|---|
| Zeitbezug | einperiodig, Durchschnittswerte | mehrperiodig, alle Zahlungen einzeln |
| Zeitwert des Geldes | wird ignoriert (keine Diskontierung) | wird berĂŒcksichtigt (Ab-/Aufzinsung) |
| RechengröĂen | Kosten/Erlöse (kalkulatorisch) | tatsĂ€chliche Ein-/Auszahlungen (Cashflows) |
| Datenbedarf | gering | hoch |
| Verfahren | Kostenvergleich, Gewinnvergleich, RentabilitÀt, statische Amortisation | Kapitalwert (KW/NBW), Interner Zinsfuà (IRR), AnnuitÀt, dyn. Amortisation |
Kapitalwert (Net Present Value)
- = Anschaffungsauszahlung in , = Cashflow (EinzahlungsĂŒberschuss) der Periode
- = Kalkulationszinssatz, = Nutzungsdauer
- Entscheidungsregel: â Investition vorteilhaft (verzinst sich ĂŒber ).
- Der Abzinsungsfaktor (Diskontfaktor) ist â nicht der Zinssatz selbst.
ROI als statische Kennzahl
- = EinzahlungsĂŒberschuss im ersten Jahr (), = Anschaffungsauszahlung ().
Excel-Bezug
NBW(Zins; Wert1; Wert2; âŠ)= Kapitalwert bei regelmĂ€Ăigen Zahlungen; alle Werte werden auf eine Periode zurĂŒck verschoben behandelt (erster Wert = Ende Periode 1).XKAPITALWERT()= Kapitalwert bei unregelmĂ€Ăigen Zahlungen zu frei wĂ€hlbaren Datumswerten.
Aufgaben
Aufgabe (13.07.2023, Aufg. 6 · 6 P) â Praktische Probleme der Kapitalwertmethode
Frage: ErlĂ€utern Sie drei verschiedene praktische Probleme bei der Ermittlung des ârichtigenâ Kapitalwerts einer Investition (Kapitalwert- bzw. Interne-Zinssatz-Methode).
Antwort:
- Diskontierungssatz: Der richtige Diskontierungssatz ist schwer festzulegen und beeinflusst den Kapitalwert stark. Eine falsche Wahl kann zu verzerrten Ergebnissen fĂŒhren. Vorteil des KW: bietet dennoch eine klare Entscheidungsgrundlage, da er den heutigen Wert zukĂŒnftiger Cashflows widerspiegelt.
- Unsicherheit bei Cashflows: Die zukĂŒnftigen Cashflows sind schwer vorhersehbar und können durch Marktschwankungen beeinflusst werden, was die Genauigkeit beeintrĂ€chtigt. Vorteil: objektive Möglichkeit, Investitionen zu vergleichen und PrioritĂ€ten zu setzen.
- Mehrdeutigkeit beim IRR: Bei nicht-konventionellen Cashflows (mehrfacher Vorzeichenwechsel) kann es mehrere IRR-Werte geben â Unsicherheit bei der Interpretation. Vorteil: Der IRR ist eine verstĂ€ndliche RentabilitĂ€ts-Kennzahl und hilft bei der Projektauswahl.
Aufgabe (19.07.2022, Aufg. 5 · 9 P) â Kapitalwertmethode mit Excel NBW()
Frage a) (3 P): Nennen Sie drei konkrete Nachteile der Funktion NBW() gegenĂŒber XKAPITALWERT().
Antwort a):
- EingeschrÀnkte FlexibilitÀt bei Zahlungsströmen:
NBW()verlangt regelmĂ€Ăige, periodische Zahlungen; unregelmĂ€Ăige Zahlungsströme lassen sich nicht direkt abbilden.XKAPITALWERT()erlaubt Zahlungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten. - Fehlende BerĂŒcksichtigung von Zahlungszeitpunkten:
NBW()unterstellt implizit, dass alle Zahlungen am Ende der jeweiligen Periode erfolgen.XKAPITALWERT()erlaubt die Angabe des genauen Datums jeder Zahlung â prĂ€zisere Berechnung. - Begrenzte Anzahl von Zahlungsströmen:
NBW()kann bis zu 254 Zahlungsströme verarbeiten;XKAPITALWERT()bietet hier mehr KapazitÀt/FlexibilitÀt.
Frage b) (6 P): Auszug aus der Excel-Online-Hilfe zu NBW() â streichen Sie betriebswirtschaftlich falsche/ungenaue Beschreibungen und schreiben Sie die korrekte daneben.
Excel-Beispieldaten der Aufgabe:
| Zelle | Wert | Beschreibung (Excel-Hilfe) |
|---|---|---|
| A2 | 0,1 | JĂ€hrlicher Abzinsungsfaktor |
| A3 | â10000 | Anlagekosten der Investition in einem Jahr ab heute |
| A4 | 3000 | Rendite vom ersten Jahr |
| A5 | 4200 | Rendite vom zweiten Jahr |
| A6 | 6800 | Rendite vom dritten Jahr |
| â | =NBW(A2;A3;A4;A5;A6) |
Der Nettobarwert dieser Investition â 1.188,44 ⏠|
Hinweis [prĂŒfen]: Auf Seite f-32 ist nur die Teil-a)-Lösung eingetippt; die korrigierten Beschreibungen (Teil b) stehen dort nicht. Fachlich richtig wĂ€ren u. a.: â0,1 = jĂ€hrlicher Kalkulationszinssatz (10 %), nicht Abzinsungsfaktorâ (Abzinsungsfaktor = 1/1,1 â 0,909); ââ10000 = Anschaffungsauszahlung; da
NBW()auch den ersten Wert um eine Periode abzinst, wird sie fĂ€lschlich als in einem Jahr anfallend behandelt â korrekt gehört zum Zeitpunkt t=0 (nicht diskontieren / separat addieren)â; âRendite â RĂŒckfluss / EinzahlungsĂŒberschussâ.
Rechnerische Verifikation des NBW-Ergebnisses (geprĂŒft, 2 NKS):
| Zahlung | Abzinsung | Barwert | |
|---|---|---|---|
| 1 | â10.000 | /1,1 | â9.090,91 |
| 2 | 3.000 | /1,21 | 2.479,34 |
| 3 | 4.200 | /1,331 | 3.155,52 |
| 4 | 6.800 | /1,4641 | 4.644,49 |
| Σ | 1.188,44 ⏠|
â stimmt mit der Musterlösung (1.188,44 âŹ) ĂŒberein. â (Achtung: NBW() behandelt den ersten Wert bereits als Periode 1, deshalb die vier statt drei Diskontierungsstufen.)
Der korrekte Kapitalwert ist ein anderer â diese Zahl solltest du kennen. 1.188,44 ⏠ist das Ergebnis der Excel-Hilfe einschlieĂlich ihres Fehlers, nicht der Kapitalwert der Investition. Bleibt die Anschaffungsauszahlung richtig in stehen, ergibt sich:
Zahlung Abzinsung Barwert 0 â10.000 â â10.000,00 1 3.000 /1,1 2.727,27 2 4.200 /1,21 3.471,07 3 6.800 /1,331 5.108,94 ÎŁ 1.307,29 ⏠Die Differenz von 118,85 ⏠ist genau der eine zu viel gerechnete Abzinsungsschritt: 1.188,44 · 1,10 = 1.307,29. Merksatz fĂŒr die Klausur:
=NBW(i; A1:An) + A0â niemals=NBW(i; A0:An). Genau diese Unterscheidung ist der Kern der Aufgabe.
Aufgabe (03.02.2022, Aufg. 3 · 10 P) â ROI in der Investitionsrechnung
Frage a) (4 P): ErlÀutern Sie die wesentlichen Eigenschaften der statischen Investitionsrechnung.
Antwort a):
- Einperiodige Betrachtung: typischerweise wird eine durchschnittliche Periode betrachtet, ohne die zeitliche Verteilung der Zahlungsströme.
- VernachlÀssigung des Zeitwerts des Geldes: Zinseszinseffekte werden nicht einbezogen.
- Geringer Informationsbedarf: ĂŒberwiegend Durchschnittswerte aus Kosten-/Erlösrechnung â geringer Daten- und Rechenaufwand.
- Einfache Anwendbarkeit: simple Methodik, leicht verstĂ€ndlich und schnell durchfĂŒhrbar.
Frage b) (6 P): Definieren Sie einen fĂŒr die Beurteilung der Vorteilhaftigkeit einer Einzelinvestition geeigneten ROI. Symbole: = Return on Investment, = Anschaffungsauszahlung (), = EinzahlungsĂŒberschuss ().
Antwort b):
- = EinzahlungsĂŒberschuss im ersten Jahr (), berechnet als Differenz aus jĂ€hrlichen Einzahlungen und Auszahlungen.
- = Anschaffungsauszahlung zum Zeitpunkt (anfÀngliche Investitionssumme).
Der ROI gibt die RentabilitÀt als Prozentsatz an und ermöglicht den Vergleich mit anderen Investitionen oder dem geforderten Mindestzins.
Aufgabe (03.02.2022, Aufg. 4 · 5 P) â Kapitalwert vs. Kostenvergleichsrechnung
Frage: Eine Kommilitonin fragt, wieso bei der Ermittlung des Kapitalwerts die kalkulatorischen Abschreibungen und kalkulatorischen Zinsen nicht zu den Auszahlungen gehören, obwohl sie bei der Kostenvergleichsrechnung berĂŒcksichtigt wurden.
Antwort: Kapitalwertmethode und Kostenvergleichsrechnung sind zwei unterschiedliche Verfahren mit verschiedener Methodik und Zielsetzung.
- Kapitalwertmethode (dynamisch): erfasst alle mit der Investition verbundenen tatsĂ€chlichen Zahlungen (Ein- und Auszahlungen) und zinst sie ab. Kalkulatorische Abschreibungen und Zinsen sind keine tatsĂ€chlichen Zahlungsströme und werden deshalb nicht berĂŒcksichtigt.
- Kostenvergleichsrechnung (statisch): vergleicht die jÀhrlichen Kosten von Investitionsalternativen und bezieht kalkulatorische Kosten bewusst ein: kalkulatorische Abschreibungen erfassen den Werteverzehr, kalkulatorische Zinsen die OpportunitÀtskosten des eingesetzten Kapitals.
- Zusammenfassung: Der Kapitalwert fokussiert auf tatsĂ€chliche Zahlungsströme (kalk. Kosten bleiben auĂen vor); die Kostenvergleichsrechnung bezieht kalk. Kosten ein, um die Kostenstruktur vollstĂ€ndig abzubilden.
Fachlicher Kernpunkt: Doppelerfassung vermeiden â die kalk. Abschreibung ist die periodisierte Anschaffungsauszahlung, die im KW bereits als (Zahlung in ) steckt; die kalk. Zinsen stecken implizit im Diskontierungssatz .
Aufgabe (14.02.2024, Aufg. 8 · 6 P) â Statische Investitionsrechnung fĂŒr KMU
Frage: ErlĂ€utern Sie, warum die statische Investitionsrechnung gerade fĂŒr KMU ihre Berechtigung hat (drei Argumente, Vorteile gegenĂŒber dynamischen Verfahren).
Antwort:
- Einfache Anwendbarkeit und VerstĂ€ndlichkeit: keine komplexen Berechnungen wie Diskontierungen nötig â vorteilhaft fĂŒr KMU ohne spezialisiertes Personal.
- Geringer Datenbedarf: weniger detaillierte, langfristige Daten erforderlich (z. B. nur Durchschnittswerte) â reduziert den Aufwand bei begrenzter DatenerhebungskapazitĂ€t.
- Schnelle Entscheidungsfindung: statische Verfahren sind schneller durchfĂŒhrbar und ermöglichen zĂŒgige Entscheidungen, um flexibel auf MarktverĂ€nderungen zu reagieren.
Aufgabe (14.02.2024, Aufg. 9 · 6 P) â Nachteile kurzer Amortisationsdauern
Frage: ErlÀutern Sie drei Nachteile, wenn Unternehmen systematisch Investitionen mit kurzen Nutzungs-/Amortisationsdauern bevorzugen.
Antwort:
- Verpasste Wachstumschancen: Fokus auf schnell rentable Projekte â langfristig ertragreichere Investitionen und Innovationen werden ĂŒbersehen.
- Höherer Investitionsaufwand und kontinuierliche Kapitalbindung: hĂ€ufigeres Nachinvestieren zum Erhalt/Ausbau der KapazitĂ€t â konstanter Kapitalbedarf, höhere LiquiditĂ€tsbelastung, ggf. höhere Verschuldung.
- Technologische RĂŒckstĂ€ndigkeit: Investition nur in kurzfristig amortisierbare Technik â fortschrittlichere, langfristig effizientere Technologien werden gemieden â Wettbewerbsnachteile.
đ Original-Klausuraufgaben aus den Altmeisterklausuren â gelöst
Rohleders eigener Wortlaut aus den Klausuren 2021 bis 2024. In FINA wiederholt er anders als in seinen ĂŒbrigen FĂ€chern keine Aufgaben wortgleich, sondern stellt zu denselben Themen neue Fragen. Der grĂŒne Block sichert deshalb jeweils das ganze Thema ab, nicht nur die gestellte Frage.
a) 4 P. ErlÀutern Sie die wesentlichen Eigenschaften der statischen Investitionsrechnung!
b) 6 P. Definieren Sie einen fĂŒr die Beurteilung der Vorteilhaftigkeit einer Einzelinvestition geeigneten ROI als Instrument einer statischen Investitionsrechnung. Verwenden Sie dazu folgende Symbole:
ROI = Return in Investment
A0 = Anschaffungsauszahlung zum Zeitpunkt t = 0
EZĂ1 = EinzahlungsĂŒberschuss zum Zeitpunkt t = 1
Vorbemerkung. Die Aufgabe gibt die Symbole vor und verlangt damit eine Formel, keine verbale Umschreibung. Der Satz âder ROI ist eher ein Konzept als eine Kennzahl" ist der SchlĂŒssel: Er bedeutet, dass ZĂ€hler und Nenner je nach Fragestellung anders zu besetzen sind â hier fĂŒr eine Einzelinvestition und im Rahmen eines statischen, also einperiodigen Verfahrens.
a) 4 P. â Wesentliche Eigenschaften der statischen Investitionsrechnung
âš1â© Einperiodige Betrachtung. Die statische Investitionsrechnung betrachtet typischerweise eine einzige, durchschnittliche Periode. Die zeitliche Verteilung der Zahlungsströme ĂŒber die Nutzungsdauer bleibt unberĂŒcksichtigt; ob ein RĂŒckfluss im ersten oder im fĂŒnften Jahr anfĂ€llt, macht rechnerisch keinen Unterschied.
âš2â© VernachlĂ€ssigung des Zeitwerts des Geldes. Es wird weder ab- noch aufgezinst, Zins- und Zinseszinseffekte bleiben auĂen vor. Damit wird implizit unterstellt, ein Euro heute sei so viel wert wie ein Euro in fĂŒnf Jahren â der zentrale methodische Unterschied zu den dynamischen Verfahren.
âš3â© Geringer Informationsbedarf. Verwendet werden ĂŒberwiegend Durchschnittswerte aus der Kosten- und Erlösrechnung, also GröĂen, die im Rechnungswesen ohnehin vorliegen. Der Daten- und Rechenaufwand ist entsprechend niedrig, und es werden KostengröĂen statt ZahlungsgröĂen verarbeitet.
âš4â© Einfache Anwendbarkeit. Die Verfahren â Kostenvergleichs-, Gewinnvergleichs-, RentabilitĂ€tsvergleichsrechnung und statische Amortisationsrechnung â sind leicht verstĂ€ndlich, schnell durchfĂŒhrbar und ohne Spezialkenntnisse kommunizierbar. Das erklĂ€rt ihre anhaltende Verbreitung besonders in kleinen und mittleren Unternehmen.
b) 6 P. â Definition eines geeigneten ROI
âš1â© Formel: ROI = EZĂâ / Aâ Ă 100 %.
âš2â© EZĂâ ist der EinzahlungsĂŒberschuss zum Zeitpunkt t = 1, also die Differenz zwischen den Einzahlungen und den Auszahlungen des ersten Nutzungsjahres. Es handelt sich um eine ZeitraumgröĂe und um eine reine ZahlungsgröĂe; kalkulatorische Positionen gehen nicht ein.
âš3â© Aâ ist die Anschaffungsauszahlung zum Zeitpunkt t = 0, also die anfĂ€ngliche Investitionssumme einschlieĂlich der Anschaffungsnebenkosten. Es handelt sich um eine ZeitpunktgröĂe, die das gebundene Kapital der Einzelinvestition abbildet.
âš4â© Aussage: Der so definierte ROI gibt an, welcher Prozentsatz der eingesetzten Investitionssumme im ersten Jahr als Ăberschuss zurĂŒckflieĂt. Er ist damit eine Verzinsung des in der Einzelinvestition gebundenen Kapitals und unmittelbar mit einem geforderten Mindestzins vergleichbar.
âš5â© Entscheidungsregel: Die Investition ist vorteilhaft, wenn der ROI den geforderten Mindestzinssatz beziehungsweise die Kapitalkosten ĂŒbersteigt. Bei mehreren sich ausschlieĂenden Alternativen ist diejenige mit dem höchsten ROI zu wĂ€hlen, sofern die Anschaffungsauszahlungen vergleichbar sind.
âš6â© Warum diese Konkretisierung zur Aufgabe passt: Sie ist einperiodig und damit statisch, sie bezieht sich auf eine einzelne Investition statt auf das Gesamtkapital des Unternehmens, und sie verwendet mit Aâ und EZĂâ genau die vorgegebenen Symbole. Der Kehrwert der Formel, also Aâ / EZĂâ, ergibt zugleich die statische Amortisationsdauer in Jahren â beide Kennzahlen sind dieselbe Aussage in unterschiedlicher Einheit.
âš+1â© Warum âROI ist ein Konzept" die eigentliche Aussage der Aufgabe ist. Es gibt nicht den ROI. ZĂ€hler und Nenner mĂŒssen zur Fragestellung passen: FĂŒr das Gesamtunternehmen EBIT durch gebundenes betriebsnotwendiges Kapital, fĂŒr eine Einzelinvestition der EinzahlungsĂŒberschuss durch die Anschaffungsauszahlung. Wer diesen Satz voranstellt, beantwortet die implizite Frage der Aufgabenstellung mit.
âš+2â© Rohleders begriffliche Warnung. Die deutsche GesamtkapitalrentabilitĂ€t rechnet im ZĂ€hler nach Steuern auf Ebene der Gesamtunternehmung, der amerikanische ROI vor Steuern auf Ebene des Betriebs. Er weist ausdrĂŒcklich darauf hin, dass viele LehrbĂŒcher und Internetquellen beides unreflektiert gleichsetzen. Diese Unterscheidung ist prĂŒfungsrelevantes Eigengut.
âš+3â© Die vier statischen Verfahren mit ihrer ZielgröĂe. Kostenvergleichsrechnung: geringste Jahreskosten. Gewinnvergleichsrechnung: höchster Jahresgewinn. RentabilitĂ€tsvergleichsrechnung: höchste Rendite auf das durchschnittlich gebundene Kapital. Statische Amortisationsrechnung: kĂŒrzeste Wiedergewinnungszeit. Wird nach âden Verfahren" gefragt, ist das die vollstĂ€ndige Liste.
âš+4â© Das durchschnittlich gebundene Kapital als Alternative im Nenner. In der klassischen RentabilitĂ€tsvergleichsrechnung steht im Nenner nicht Aâ, sondern das durchschnittlich gebundene Kapital, ĂŒblicherweise Aâ / 2 bei linearer Abschreibung ohne Restwert. Der ROI verdoppelt sich dadurch rechnerisch. Wer die Alternative kennt und begrĂŒndet, warum die Aufgabe wegen der vorgegebenen Symbole Aâ verlangt, zeigt echtes VerstĂ€ndnis.
âš+5â© Die SchwĂ€che der Ein-Jahres-Betrachtung offen benennen. Der ROI auf Basis von EZĂâ unterstellt, das erste Jahr sei reprĂ€sentativ. Bei Anlaufkurven, saisonalen Effekten oder steigenden RĂŒckflĂŒssen ist das falsch. Sauberer wĂ€re der durchschnittliche EinzahlungsĂŒberschuss ĂŒber die Nutzungsdauer â die Aufgabe gibt jedoch EZĂâ vor, weshalb die EinschrĂ€nkung als Hinweis und nicht als Abweichung zu formulieren ist.
âš+6â© Statisch gegen dynamisch als Tabelle im Kopf. Zeitbezug: einperiodig gegen mehrperiodig. Zeitwert des Geldes: ignoriert gegen berĂŒcksichtigt. RechengröĂen: Kosten und Erlöse gegen Ein- und Auszahlungen. Datenbedarf: gering gegen hoch. Verfahren: Kostenvergleich und Co. gegen Kapitalwert, interner ZinsfuĂ, AnnuitĂ€t und dynamische Amortisation.
âš+7â© Warum statische Verfahren fĂŒr KMU ihre Berechtigung haben (14.02.2024, Aufgabe 8). Erstens einfache Anwendbarkeit ohne spezialisiertes Personal; zweitens geringer Datenbedarf, weil Durchschnittswerte genĂŒgen; drittens schnelle Entscheidungsfindung, was FlexibilitĂ€t gegenĂŒber MarktverĂ€nderungen ermöglicht. Diese drei Argumente sind die hĂ€ufigste Anschlussfrage zu Teilaufgabe a).
âš+8â© Die Kehrseite kurzer Amortisationsdauern (14.02.2024, Aufgabe 9). Wer systematisch nur schnell amortisierende Investitionen wĂ€hlt, verpasst langfristig ertragreichere Projekte, muss hĂ€ufiger nachinvestieren mit entsprechender Kapitalbindung und LiquiditĂ€tsbelastung und bleibt technologisch zurĂŒck. Da der ROI aus dieser Aufgabe der Kehrwert der Amortisationsdauer ist, ist diese Kritik unmittelbar anschlussfĂ€hig.
âš+9â© Rechenbeispiel fĂŒr die eigene Kontrolle. Anschaffungsauszahlung Aâ = 120.000,00 EUR, Einzahlungen im ersten Jahr 95.000,00 EUR, Auszahlungen 65.000,00 EUR. Dann ist EZĂâ = 95.000,00 â 65.000,00 = 30.000,00 EUR und ROI = 30.000,00 / 120.000,00 Ă 100 % = 25,00 %. Die statische Amortisationsdauer betrĂ€gt 120.000,00 / 30.000,00 = 4,00 Jahre. Liegt der geforderte Mindestzins bei 10 %, ist die Investition vorteilhaft.
âš+10â© Formalia, die Rohleder erwartet. Formel zuerst hinschreiben, alle Symbole definieren, Zwischenergebnisse auf zwei Nachkommastellen runden und Einheiten mitfĂŒhren. Bei Prozentangaben gehört das Multiplizieren mit 100 % sichtbar in die Formel, damit Einheit und Ergebnis zusammenpassen.
Rohleders Erwartung: In b) will er eine Formel mit definierten Symbolen sehen, nicht eine Beschreibung. Er prĂŒft, ob verstanden wurde, dass eine statische Kennzahl einperiodig sein muss und dass sie sich auf die Einzelinvestition und nicht auf das Gesamtkapital bezieht.
Beantworten Sie die Frage der Kommilitonin bzw. des Kommilitonen ausfĂŒhrlich!
Vorbemerkung. Die Frage ist als E-Mail gestellt, die Antwort sollte deshalb erklĂ€rend und vollstĂ€ndig sein. Der Kern ist eine Vermeidung von Doppelerfassung: Beide Positionen stecken im KapitalwertkalkĂŒl bereits an anderer Stelle. Wer nur âdas eine ist dynamisch, das andere statisch" schreibt, beschreibt den Unterschied, erklĂ€rt ihn aber nicht.
a) 5 P. â Antwort an die Kommilitonin
âš1â© Die beiden Verfahren verfolgen unterschiedliche Zielsetzungen und arbeiten deshalb mit unterschiedlichen RechengröĂen. Die Kapitalwertmethode ist ein dynamisches Verfahren: Sie erfasst alle mit der Investition verbundenen tatsĂ€chlichen Zahlungen ĂŒber die gesamte Nutzungsdauer und zinst sie auf den Entscheidungszeitpunkt ab. Die Kostenvergleichsrechnung ist ein statisches Verfahren: Sie vergleicht die durchschnittlichen Jahreskosten zweier Alternativen.
âš2â© Kalkulatorische Abschreibungen und kalkulatorische Zinsen sind keine Zahlungen. Sie sind RechengröĂen, denen kein Zahlungsmittelabfluss gegenĂŒbersteht. Da der Kapitalwert ausschlieĂlich aus Ein- und Auszahlungen gebildet wird, haben sie dort systematisch keinen Platz â unabhĂ€ngig davon, wie sinnvoll sie in einer Kostenrechnung sind.
âš3â© Die kalkulatorische Abschreibung wĂ€re im Kapitalwert eine Doppelerfassung. Sie ist nichts anderes als die auf die Nutzungsjahre verteilte Anschaffungsauszahlung. Diese Auszahlung ist im Kapitalwert aber bereits vollstĂ€ndig als Aâ zum Zeitpunkt t = 0 enthalten. WĂŒrde man zusĂ€tzlich die jĂ€hrliche Abschreibung abziehen, wĂŒrde dieselbe Ausgabe zweimal gezĂ€hlt und der Kapitalwert systematisch zu niedrig ausgewiesen.
âš4â© Die kalkulatorischen Zinsen stecken bereits im Kalkulationszinssatz. Der Kapitalwert diskontiert alle Zahlungen mit dem Zinssatz i; genau darin ist die Verzinsungsforderung des eingesetzten Kapitals â also die OpportunitĂ€tskosten â vollstĂ€ndig abgebildet. Ein zusĂ€tzlicher Abzug kalkulatorischer Zinsen wĂŒrde die Kapitalkosten ein zweites Mal berĂŒcksichtigen.
âš5â© Warum die Kostenvergleichsrechnung sie umgekehrt braucht. Sie kennt weder eine Anschaffungsauszahlung in t = 0 noch einen Diskontierungszins, weil sie einperiodig rechnet. Damit die einmalige Anschaffung und die Kapitalbindung ĂŒberhaupt in den Jahresvergleich eingehen, mĂŒssen sie als kalkulatorische Abschreibung und kalkulatorische Zinsen ersatzweise angesetzt werden. Beide Verfahren erfassen also dieselben ökonomischen Sachverhalte, nur an unterschiedlicher Stelle: der Kapitalwert direkt ĂŒber Aâ und i, die Kostenvergleichsrechnung indirekt ĂŒber kalkulatorische Kosten.
âš+1â© Der Merksatz, der die ganze Antwort trĂ€gt. Kapitalwert: Aâ plus Zinssatz i ersetzen Abschreibung und kalkulatorische Zinsen. Kostenvergleich: kalkulatorische Abschreibung plus kalkulatorische Zinsen ersetzen Aâ und i. Es ist dieselbe Information in zwei Verfahrenssprachen â und deshalb darf sie nie gleichzeitig in beiden Formen auftauchen. In der Kostenvergleichsrechnung werden die kalkulatorischen Zinsen ĂŒblicherweise als i Ă (Aâ + Restwert) / 2 angesetzt, also als Verzinsung des durchschnittlich gebundenen Kapitals.
âš+2â© Die Ausnahme, die man kennen sollte: Steuern und Restwert. Abschreibungen sind nicht zahlungswirksam, mindern aber den steuerpflichtigen Gewinn und damit die Steuerzahlung. In einer Kapitalwertrechnung nach Steuern wirkt die Abschreibung deshalb sehr wohl â nicht als Auszahlung, sondern ĂŒber den steuerlichen Abschreibungseffekt. Ebenfalls kein Widerspruch ist der Liquidationserlös am Ende der Nutzungsdauer: Er ist eine echte Einzahlung und gehört abgezinst in den Kapitalwert, anders als der bloĂ buchhalterische Restbuchwert.
âš+3â© Das Kreuz, an dem dieselbe Logik immer wieder geprĂŒft wird. Tilgung ist zahlungswirksam, aber nicht erfolgswirksam; Abschreibung ist erfolgswirksam, aber nicht zahlungswirksam; RĂŒckstellungsbildung ist Aufwand ohne Auszahlung, ihre Inanspruchnahme Auszahlung ohne Aufwand. In den Kapitalwert gehören Anschaffungsauszahlung, laufende Ein- und Auszahlungen, Ersatzinvestitionen, VerĂ€nderungen des Working Capital und der Liquidationserlös â nicht dagegen kalkulatorische Abschreibung, kalkulatorische Zinsen, kalkulatorischer Unternehmerlohn und kalkulatorische Miete.
âš+4â© Ergebnisinterpretation und praktische Probleme. Nach Rohleders Kompass bedeutet ein positiver Kapitalwert, dass das Investment einen Mehrwert generiert und damit profitabel ist; genauer: Die Investition verdient den Kalkulationszinssatz auf das jeweils gebundene Kapital zurĂŒck und erwirtschaftet zusĂ€tzlich den Kapitalwert als heutigen Ăberschuss â der BarwertĂŒberschuss IST diese Mehrverzinsung, keine zweite GröĂe daneben. Als praktische Probleme des ârichtigen" Kapitalwerts nennt er die schwierige Festlegung des Diskontierungssatzes, die Unsicherheit kĂŒnftiger Cashflows und die Mehrdeutigkeit des internen ZinsfuĂes bei nicht konventionellen Cashflows.
âš+5â© Warum Rohleder diese Frage stellt, und wie man antwortet. Sie ist der Test, ob der Unterschied zwischen Kostenrechnung und Investitionsrechnung verstanden wurde: Die Kostenrechnung will Perioden erfolgsgerecht belasten, die Investitionsrechnung will Zahlungsströme bewerten. Da die Aufgabe eine E-Mail zitiert, ist eine direkt erklĂ€rende Antwortform angemessen â erst die Unterscheidung der Verfahren, dann die beiden GrĂŒnde fĂŒr das Weglassen, dann die BegrĂŒndung, warum die Kostenvergleichsrechnung sie umgekehrt braucht. FĂŒnf Punkte rechtfertigen etwa eine halbe Seite.
Rohleders Erwartung: Er will nicht nur hören, dass kalkulatorische GröĂen keine Zahlungen sind, sondern warum sie im Kapitalwert ĂŒberflĂŒssig wĂ€ren: Die Anschaffung steckt in Aâ, die Kapitalkosten stecken im Zinssatz i. Das Stichwort ist Doppelerfassung.
a) 3 P. Nennen Sie drei konkrete und relevante Nachteile der Funktion NBW() gegenĂŒber XKAPITALWERT().
b) 6 P. Nachfolgend sehen Sie einen Auszug aus der Excel Online-Hilfe zu NBW(). Streichen Sie sÀmtliche Beschreibungen, die betriebswirtschaftlich falsch oder ungenau sind und schreiben Sie die korrekte Beschreibung daneben. (Quelle: MicrosoftŸ, https://support.office.com/, zuletzt abgerufen 2022-07-15)

Verwendete Symbole
| Symbol | Bedeutung |
|---|---|
| Kapitalwert (Net Present Value) | |
| Anschaffungsauszahlung im Zeitpunkt | |
| Cashflow bzw. EinzahlungsĂŒberschuss der Periode | |
| Kalkulationszinssatz | |
| Nutzungsdauer in Perioden |
a) 3 P. â Drei Nachteile von NBW() gegenĂŒber XKAPITALWERT()
Gefordert ist âNennen", also Stichworte mit kurzer PrĂ€zisierung.
âš1â© Nur Ă€quidistante Perioden. NBW() unterstellt Zahlungen in exakt gleichen ZeitabstĂ€nden. UnregelmĂ€Ăige Zahlungstermine, wie sie in realen Investitionsprojekten die Regel sind (Anzahlung, Teilrechnungen, Schlusszahlung), lassen sich nicht abbilden. XKAPITALWERT() arbeitet mit echten Datumswerten.
âš2â© Keine Angabe des Zahlungszeitpunkts, Verschiebung um eine Periode. NBW() behandelt bereits den ersten ĂŒbergebenen Wert als Zahlung am Ende der ersten Periode und zinst ihn ab. Wer die Anschaffungsauszahlung mit in die Werteliste schreibt, verschiebt sie damit fĂ€lschlich um ein Jahr in die Zukunft. XKAPITALWERT() datiert jede Zahlung taggenau und rechnet auf das erste Datum ab.
âš3â© Kein unterjĂ€hriger und kein taggenauer Bezug, begrenzte Argumentzahl. NBW() kennt nur die Periode als Einheit; unterjĂ€hrige Zahlungen (monatlich, quartalsweise) und Schaltjahreffekte lassen sich nicht sauber erfassen. Zudem ist die Zahl der Einzelargumente auf 254 begrenzt, wĂ€hrend XKAPITALWERT() zwei Bereiche (Werte und Datumsangaben) beliebiger LĂ€nge verarbeitet.
b) 6 P. â Korrektur der betriebswirtschaftlich falschen Beschreibungen
| Zelle | Wert | Beschreibung laut Excel-Hilfe | Korrektur |
|---|---|---|---|
| A2 | 0,1 | JĂ€hrlicher Kalkulationszinssatz (10 %) | |
| A3 | â10000 | Anschaffungsauszahlung im Zeitpunkt , also heute | |
| A4 | 3000 | EinzahlungsĂŒberschuss (RĂŒckfluss, Cashflow) des ersten Jahres | |
| A5 | 4200 | EinzahlungsĂŒberschuss des zweiten Jahres | |
| A6 | 6800 | EinzahlungsĂŒberschuss des dritten Jahres | |
| =NBW(A2;A3;A4;A5;A6) | Der Nettobarwert dieser Investition: 1.188,44 ⏠| Kapitalwert â aber nur unter der falschen Zeitannahme; korrekt 1.307,29 ⏠|
âš2â© Korrektur 1: âAbzinsungsfaktor" ist falsch, gemeint ist der Kalkulationszinssatz. Der Wert 0,1 ist der Zinssatz , mit dem abgezinst wird. Der Abzinsungsfaktor (Diskontfaktor) ist etwas anderes, nĂ€mlich
Zinssatz und Abzinsungsfaktor sind also nicht dasselbe: Der eine betrĂ€gt 0,10, der andere 0,91. Wer beides verwechselt, rechnet mit einem Zinssatz von 91 Prozent oder einem Faktor von 0,10 â beides fĂŒhrt zu grob falschen Kapitalwerten. Betriebswirtschaftlich korrekt heiĂt die GröĂe Kalkulationszinssatz und drĂŒckt die Mindestverzinsung aus, die die Investition erwirtschaften muss.
âš4â© Korrektur 2: Die Anschaffungsauszahlung fĂ€llt heute an, nicht âin einem Jahr". Die Beschreibung âAnlagekosten der Investition in einem Jahr ab heute" beschreibt nicht die Betriebswirtschaft, sondern kaschiert einen Konstruktionsfehler der Funktion: NBW() zinst jeden ĂŒbergebenen Wert ab, auch den ersten. Betriebswirtschaftlich gehört die Anschaffungsauszahlung aber in den Zeitpunkt und darf gerade nicht abgezinst werden. Richtig lautet die Beschreibung: Anschaffungsauszahlung zum Zeitpunkt . Die korrekte Excel-Umsetzung ist deshalb
=NBW(A2;A4:A6)+A3
also: nur die RĂŒckflĂŒsse in die Funktion, die Anschaffungsauszahlung separat und undiskontiert addieren.
âš6â© Korrektur 3: âRendite" ist falsch, gemeint sind RĂŒckflĂŒsse. Eine Rendite ist eine relative GröĂe in Prozent (Ertrag im VerhĂ€ltnis zum eingesetzten Kapital). Die Werte 3.000, 4.200 und 6.800 sind dagegen absolute ZahlungsgröĂen in Euro. Betriebswirtschaftlich korrekt heiĂen sie EinzahlungsĂŒberschuss, RĂŒckfluss oder Cashflow der jeweiligen Periode. Die Verwechslung von absoluter GewinngröĂe und relativer RentabilitĂ€tskennzahl ist derselbe Fehler, den Rohleder auch bei âProfitabilitĂ€t gegen RentabilitĂ€t" abprĂŒft. Ebenso ungenau ist âNettobarwert": Im deutschen Sprachgebrauch heiĂt die GröĂe Kapitalwert; âBarwert" allein wĂ€re die Summe der abgezinsten RĂŒckflĂŒsse ohne Abzug von .
Rechnerischer Nachweis (2 Nachkommastellen).
Was Excel mit =NBW(A2;A3;A4;A5;A6) tatsĂ€chlich rechnet â alles um eine Periode verschoben:
| Zahlung | Abzinsung | Barwert | |
|---|---|---|---|
| 1 | â10.000,00 | â9.090,91 | |
| 2 | 3.000,00 | 2.479,34 | |
| 3 | 4.200,00 | 3.155,52 | |
| 4 | 6.800,00 | 4.644,49 | |
| Summe | 1.188,44 |
Betriebswirtschaftlich richtig mit in :
| Zahlung | Abzinsung | Barwert | |
|---|---|---|---|
| 0 | â10.000,00 | â | â10.000,00 |
| 1 | 3.000,00 | 2.727,27 | |
| 2 | 4.200,00 | 3.471,07 | |
| 3 | 6.800,00 | 5.108,94 | |
| Summe | 1.307,29 |
Die Differenz von 118,85 EUR entspricht genau einem zusĂ€tzlichen Abzinsungsschritt: . In beiden FĂ€llen ist der Kapitalwert positiv, die Investition also vorteilhaft â aber die Höhe ist falsch, und bei knappen Entscheidungen kehrt sich das Vorzeichen um.
âš+1â© Die Entscheidungsregel und was sie wirklich aussagt. bedeutet nicht âdas Projekt bringt Gewinn", sondern: Das Projekt verzinst das eingesetzte Kapital ĂŒber dem Kalkulationszins und erwirtschaftet darĂŒber hinaus noch einen BarwertĂŒberschuss in Höhe des Kapitalwerts. heiĂt: Es verzinst sich exakt zum Kalkulationszins â die Investition ist gerade noch akzeptabel, denn die geforderte Mindestverzinsung ist erreicht.
âš+3â© PrĂ€missen der Kapitalwertmethode, die Rohleder gern abfragt. (a) Vollkommener Kapitalmarkt: Soll- und Habenzins sind identisch und beliebige BetrĂ€ge sind zu diesem Zins anlegbar und aufnehmbar. (b) WiederanlageprĂ€misse: Alle RĂŒckflĂŒsse werden bis zum Planungsende zum Kalkulationszins wiederangelegt. (c) Sicherheit der Zahlungsreihe: Höhe und Zeitpunkt aller Cashflows gelten als bekannt. Alle drei PrĂ€missen sind in einem VUCA-Umfeld unrealistisch, was die Methode nicht wertlos macht, aber SensitivitĂ€tsanalysen erzwingt.
âš+5â© Die typischen praktischen Probleme. Der Kapitalwert ist nur so gut wie seine Eingangsdaten. Die Prognose der Cashflows ĂŒber die gesamte Nutzungsdauer ist der gröĂte Unsicherheitsfaktor; die Festlegung des Kalkulationszinses ist eine Ermessensentscheidung mit erheblicher Hebelwirkung auf das Ergebnis; ein Restwert am Ende der Nutzungsdauer ist kaum verlĂ€sslich schĂ€tzbar; nicht monetĂ€re Effekte (QualitĂ€t, Mitarbeiterzufriedenheit, strategische Optionen) fallen ganz heraus. Wichtig ist auch: Der Kapitalwert ist eine absolute GröĂe und deshalb bei unterschiedlich groĂen Investitionen nicht direkt vergleichbar â dafĂŒr braucht man die AnnuitĂ€t oder den Kapitalwertquotienten.
âš+7â© Die weiteren dynamischen Verfahren im Ăberblick. Interner ZinsfuĂ: der Zinssatz, bei dem wird, also die tatsĂ€chliche Verzinsung des gebundenen Kapitals; Entscheidungsregel: interner Zins > Kalkulationszins (bzw. > WACC). AnnuitĂ€tenmethode: der Kapitalwert wird in eine gleich hohe jĂ€hrliche Zahlung umgerechnet und macht so Projekte unterschiedlicher Laufzeit vergleichbar. Dynamische Amortisationsrechnung: der Zeitpunkt, zu dem die kumulierten Barwerte die Anschaffungsauszahlung erreichen.
âš+8â© Die passenden Excel-Funktionen. NBW() = Kapitalwert bei regelmĂ€Ăigen Perioden; XKAPITALWERT(Zins; Werte; Datumsangaben) = Kapitalwert bei taggenauen, unregelmĂ€Ăigen Zahlungen; IKV() = interner ZinsfuĂ bei regelmĂ€Ăigen Perioden; XINTZINSFUSS() = interner ZinsfuĂ bei unregelmĂ€Ăigen Terminen; RMZ() = AnnuitĂ€t. Merkregel: Die Funktionen mit vorangestelltem X arbeiten mit echten Datumswerten und sind deshalb betriebswirtschaftlich die saubereren.
âš+9â© Warum der ausgewiesene Wert dennoch oft âstimmt". Viele Praktiker geben die Anschaffungsauszahlung bewusst als ersten Wert mit und akzeptieren die Verschiebung, weil sie beide Verfahren konsistent auf alle Projekte anwenden und damit die Rangfolge unverĂ€ndert bleibt. FĂŒr eine Rangfolge ist das vertretbar, fĂŒr die absolute Vorteilhaftigkeit und fĂŒr die Kommunikation an Kapitalgeber nicht â dort steht eine um eine Zinsperiode falsche Zahl im Bericht.
Rohleders Erwartung: Er will in b) sehen, dass man den Unterschied zwischen Zinssatz und Abzinsungsfaktor, zwischen Zeitpunkt t=0 und t=1 und zwischen absoluter ZahlungsgröĂe und relativer Rendite sicher beherrscht. Es geht ihm nicht um Excel-Bedienung, sondern darum, dass man einer verbreiteten, aber fachlich schlampigen Quelle widersprechen kann.
6 P. â Drei praktische Probleme
âš2â© Problem 1 â Die Wahl des Kalkulationszinssatzes. Der Kapitalwert reagiert auĂerordentlich empfindlich auf den Diskontierungssatz , weil dieser potenziert in den Nenner eingeht und spĂ€te Zahlungen ĂŒberproportional trifft. Welcher Satz ârichtig" ist, lĂ€sst sich in der Praxis aber nicht objektiv bestimmen: Man kann die Fremdkapitalzinsen, die gewichteten Gesamtkapitalkosten (WACC), eine geforderte Mindestverzinsung oder einen risikoangepassten Satz ansetzen. Da schon ein Prozentpunkt Unterschied das Vorzeichen des Kapitalwerts drehen kann, entscheidet faktisch eine Annahme ĂŒber die Vorteilhaftigkeit der Investition.
âš4â© Problem 2 â Unsicherheit und Manipulierbarkeit der kĂŒnftigen Cashflows. Die Zahlungsreihe muss ĂŒber die gesamte Nutzungsdauer geschĂ€tzt werden, hĂ€ufig ĂŒber fĂŒnf bis fĂŒnfzehn Jahre. Absatzmengen, Preise, Materialkosten und Restwert sind aber nicht bekannt, sondern Planwerte. Hinzu kommt ein Verhaltensproblem: Wer die Investition durchsetzen will, setzt die Cashflows tendenziell optimistisch an. Ein Kapitalwert auf zwei Nachkommastellen suggeriert damit eine Genauigkeit, die die zugrunde liegenden Daten nie hergeben.
âš6â© Problem 3 â Mehrdeutigkeit und Fehlsteuerung beim internen Zinssatz. Bei nicht-konventionellen Zahlungsreihen, also bei mehr als einem Vorzeichenwechsel â etwa wenn am Ende der Nutzungsdauer eine RĂŒckbau- oder Entsorgungsauszahlung anfĂ€llt â, kann die Bestimmungsgleichung mehrere mathematisch gĂŒltige interne ZinssĂ€tze liefern oder gar keinen. ZusĂ€tzlich unterstellt die Methode, dass zwischenzeitliche RĂŒckflĂŒsse zum internen Zinssatz wiederangelegt werden können, was bei hohen Werten unrealistisch ist. Beim Vergleich unterschiedlich groĂer oder unterschiedlich langer Projekte fĂŒhrt die interne Zinssatzmethode deshalb regelmĂ€Ăig zu einer anderen Rangfolge als der Kapitalwert.
âš+2â© Weitere Problemfelder, falls mehr verlangt wird. Die Bestimmung der wirtschaftlichen Nutzungsdauer und des Restwerts ist hĂ€ufig willkĂŒrlich; nicht zahlungswirksame und schwer quantifizierbare Effekte wie Imagegewinn, Mitarbeiterbindung oder strategische Optionen fallen ganz aus der Rechnung; und die Zurechnung von Gemeinkosten sowie von Verbundeffekten zu einem einzelnen Investitionsobjekt ist bei Erweiterungsinvestitionen kaum sauber möglich.
âš+4â© Gegenmittel in der Praxis. SensitivitĂ€tsanalyse (welcher Parameter kippt das Ergebnis?), Szenariorechnung mit Best-, Base- und Worst-Case, kritische Werte ĂŒber die Zielwertsuche und die Angabe einer Bandbreite statt einer Punktzahl. Damit wird aus einer scheingenauen Zahl eine belastbare Entscheidungsgrundlage â genau das ist die erwartete Schlussfolgerung.
âš+6â© Excel-Fallstricke, die Rohleder gern abfragt. NBW() behandelt den ersten ĂŒbergebenen Wert als Zahlung am Ende der ersten Periode; die Anschaffungsauszahlung darf deshalb nicht mit in den Bereich, sondern muss separat addiert werden. NBW() setzt auĂerdem gleich lange Perioden voraus; bei unregelmĂ€Ăigen Terminen ist XKAPITALWERT() zu verwenden, analog IKV() gegenĂŒber XINTZINSFUSS().
âš+7â© Umkehr-Frage abgesichert â falls er die Aufgabe gedreht recycelt: Sollte stattdessen gefragt werden, warum die Kapitalwertmethode trotz dieser Probleme als ĂŒberlegenes Standardverfahren gilt, tragen drei StĂ€rken die Antwort. Sie berĂŒcksichtigt den Zeitwert des Geldes ĂŒber die Abzinsung, sie erfasst sĂ€mtliche Zahlungen ĂŒber die gesamte Nutzungsdauer statt einer Durchschnittsperiode oder eines Amortisationsstichtags, und sie liefert mit dem BarwertĂŒberschuss eine absolute Vermögensmehrung in Euro samt eindeutiger Entscheidungsregel, dass jedes Projekt mit positivem Kapitalwert vorteilhaft ist. Die drei Probleme der Aufgabe betreffen dabei die Eingangsdaten, die StĂ€rken betreffen das KalkĂŒl selbst; genau diese Trennung macht die gedrehte Antwort rund.
Rohleders Erwartung: Er will drei sauber getrennte Probleme mit ökonomischer BegrĂŒndung, nicht drei Umschreibungen von âdie Zukunft ist unsicher". Der Hinweis, dass der Kalkulationszins eine Annahme und keine MessgröĂe ist, ist der Kern der Aufgabe.
ErlĂ€utern Sie, warum die statische Investitionsrechnung gerade fĂŒr KMU ihre Berechtigung hat, indem Sie z.B. Vorteile gegenĂŒber den dynamischen Investitionsrechnungsverfahren aufzeigen. Insgesamt sollten Sie drei verschiedene Argumente ausfĂŒhren.
6 P. â Drei Argumente
âš2â© Argument 1 â Einfache Anwendbarkeit und Nachvollziehbarkeit. Statische Verfahren kommen ohne Diskontierung, ohne Kalkulationszinssatz und ohne mehrperiodige Zahlungsreihen aus; gerechnet wird mit Durchschnittswerten einer Periode. In KMU trifft die Investitionsentscheidung hĂ€ufig die Inhaberin oder der Inhaber selbst, ohne Controlling-Abteilung. Ein Verfahren, dessen Ergebnis die entscheidende Person versteht und dessen Annahmen sie selbst beurteilen kann, ist praktisch mehr wert als ein formal ĂŒberlegenes Verfahren, das als Blackbox akzeptiert werden mĂŒsste. Nachvollziehbarkeit ist zudem die Voraussetzung dafĂŒr, das Ergebnis gegenĂŒber Bank und Mitgesellschaftern zu vertreten.
âš4â© Argument 2 â Geringer Datenbedarf und geringere Scheingenauigkeit. Dynamische Verfahren verlangen periodengenaue Cashflows ĂŒber die gesamte Nutzungsdauer sowie einen begrĂŒndeten Kalkulationszinssatz. Diese Daten liegen im KMU meist nicht vor und mĂŒssten geschĂ€tzt werden. Eine aufwendige Barwertrechnung auf Basis frei geschĂ€tzter Eingangsdaten erzeugt keine bessere Entscheidung, sondern nur eine prĂ€ziser aussehende â der Aufwand steht in keinem VerhĂ€ltnis zum Erkenntnisgewinn. Bei den typischen Investitionsvolumina und Nutzungsdauern von wenigen Jahren fĂ€llt der Zinseffekt zudem kaum ins Gewicht.
âš6â© Argument 3 â Schnelligkeit und Passung zur Entscheidungssituation. KMU mĂŒssen Gelegenheiten kurzfristig nutzen, etwa ein befristetes Maschinenangebot oder einen unerwarteten GroĂauftrag. Ein Kostenvergleich oder eine Amortisationsrechnung lĂ€sst sich in kurzer Zeit erstellen und liefert eine belastbare Erstentscheidung. Die Amortisationsdauer beantwortet dabei genau die Frage, die im Mittelstand am wichtigsten ist: Wie lange ist Kapital gebunden und wann ist der Einsatz wieder hereingeholt? FĂŒr viele Ersatz- und Rationalisierungsinvestitionen mit klarer Kostenersparnis ist das die sachgerechte Methode.
âš+2â© Die vier statischen Verfahren benennen können. Kostenvergleichsrechnung (nur Kosten, Erlöse werden ignoriert), Gewinnvergleichsrechnung (Kosten und Erlöse), RentabilitĂ€tsrechnung bzw. ROI (Gewinn ins VerhĂ€ltnis zum eingesetzten Kapital) und Amortisationsrechnung (Zeit bis zur RĂŒckgewinnung des Kapitaleinsatzes). Die drei Grundprinzipien lauten VollstĂ€ndigkeit, Zeiteinheitlichkeit und Erfolgsrechnung.
âš+4â© Die Grenzen ehrlich benennen. Statische Verfahren ignorieren den Zeitwert des Geldes, arbeiten mit einer reprĂ€sentativen Durchschnittsperiode statt mit dem tatsĂ€chlichen Verlauf und blenden bei der Amortisationsrechnung alle Zahlungen nach dem Amortisationszeitpunkt aus. Wer die Grenzen nennt und daraus die Einsatzregel ableitet, argumentiert stĂ€rker als wer sie verschweigt.
âš+6â© Die klare Einsatzregel als Schlusssatz. Statisch rechnen bei kurzen Nutzungsdauern, kleinen Volumina, gut vergleichbaren Alternativen und Ersatzinvestitionen; dynamisch rechnen bei langen Laufzeiten, groĂen BetrĂ€gen, stark ungleich verteilten Zahlungen und bei Investitionen, die extern finanziert oder gegenĂŒber Kapitalgebern begrĂŒndet werden mĂŒssen. Die Verfahren stehen nicht im Wettbewerb, sondern haben verschiedene Anwendungsbereiche.
Rohleders Erwartung: Er will nicht hören, dass statische Verfahren âschlechter, aber einfacher" sind, sondern warum sie im KMU-Kontext die sachgerechte Wahl sein können. Der Punkt Scheingenauigkeit â bessere Methode bei gleich schlechten Daten bringt nichts â trifft seine Argumentation am genauesten.
ErlĂ€utern Sie drei konkrete und verschiedene Nachteile fĂŒr Unternehmen, wenn diese systematisch Investitionen mit kurzen Nutzungsdauern bevorzugen.
6 P. â Drei Nachteile
âš2â© Nachteil 1 â Systematische Auswahl der falschen Projekte. Die Amortisationsdauer bewertet nur den Zeitraum bis zur RĂŒckgewinnung des Kapitaleinsatzes und blendet alles aus, was danach geschieht. Ein Projekt, das nach drei Jahren amortisiert ist und dann endet, wird einem Projekt vorgezogen, das fĂŒnf Jahre benötigt, aber anschlieĂend zwölf Jahre lang hohe ĂberschĂŒsse liefert â obwohl dessen Kapitalwert um ein Vielfaches höher ist. Wer dieses Kriterium systematisch anwendet, wĂ€hlt daher regelmĂ€Ăig die Alternative mit dem geringeren Gesamtwert. Betroffen sind vor allem Forschung, Entwicklung, MarkterschlieĂung und Qualifizierung, also genau die Investitionen, die kĂŒnftige ErtrĂ€ge begrĂŒnden.
âš4â© Nachteil 2 â Höherer Kapitalbedarf durch hĂ€ufigere Ersatzinvestitionen. Kurze Nutzungsdauern bedeuten kurze Wiederbeschaffungszyklen. Das Unternehmen muss hĂ€ufiger investieren, um dieselbe KapazitĂ€t aufrechtzuerhalten, und trĂ€gt jedes Mal erneut Anschaffungs-, Installations-, Anlauf- und Schulungskosten. Der Kapitalbedarf bleibt dauerhaft hoch, die LiquiditĂ€t ist stĂ€ndig belastet, und die Finanzierung muss immer wieder neu beschafft werden. Ăber die gesamte Lebensdauer betrachtet ist die vermeintlich vorsichtige Variante damit hĂ€ufig die teurere.
âš6â© Nachteil 3 â Technologischer RĂŒckstand und Verlust strategischer HandlungsfĂ€higkeit. Anlagen mit kurzer Amortisation sind typischerweise die kleineren, konventionellen und weniger leistungsfĂ€higen Lösungen. Wer sie systematisch bevorzugt, verzichtet auf Automatisierungs-, Digitalisierungs- und EffizienzsprĂŒnge, die hohe Anfangsauszahlungen erfordern und sich erst ĂŒber viele Jahre rechnen. Der RĂŒckstand verstĂ€rkt sich selbst: Sinkende ProduktivitĂ€t senkt die ErtrĂ€ge, geringere ErtrĂ€ge verkĂŒrzen den finanziellen Spielraum weiter, was die PrĂ€ferenz fĂŒr kurze Amortisationsdauern noch verstĂ€rkt. Gleichzeitig gehen Kompetenzen und Lieferantenbeziehungen fĂŒr die neue Technologie verloren.
âš+2â© Die Amortisationsrechnung sauber definieren. Statisch: Amortisationsdauer = Anschaffungsauszahlung Ă· durchschnittlicher jĂ€hrlicher RĂŒckfluss, wobei der RĂŒckfluss aus Gewinn zuzĂŒglich Abschreibungen besteht. Dynamisch: derjenige Zeitpunkt, zu dem die kumulierten Barwerte der RĂŒckflĂŒsse die Anschaffungsauszahlung erstmals erreichen. Die dynamische Variante behebt den Zinsfehler, nicht aber den Grundmangel, dass Zahlungen nach dem Stichtag ignoriert werden.
âš+4â© Warum die Kennzahl trotzdem sinnvoll ist. Die Amortisationsdauer ist kein RentabilitĂ€ts-, sondern ein RisikomaĂ: Sie misst, wie lange das Unternehmen dem Prognoserisiko ausgesetzt ist. In unsicheren Zeiten ist es rational, dieses Risiko zu begrenzen. Richtig ist deshalb die Verwendung als Nebenbedingung â Kapitalwert als Auswahlkriterium, Amortisationsdauer als Obergrenze â und nicht als alleiniges Entscheidungskriterium. Diese Differenzierung ist der stĂ€rkste Punkt der Aufgabe.
âš+6â© Die makroökonomische Folge und der Ausweg. Werden Investitionen flĂ€chendeckend nach dieser Regel ausgewĂ€hlt, entsteht ein Investitionsstau: Der Kapitalstock veraltet, die ProduktivitĂ€t wĂ€chst nicht mehr, und die WettbewerbsfĂ€higkeit des Standorts sinkt â die direkte BrĂŒcke zur Aufgabe âFinanzstandort Deutschland". Als Ausweg bieten sich stufenweise Investitionen mit bewusst offengehaltenen Erweiterungsoptionen, Leasing- und Mietmodelle sowie Fördermittel an, die den Anfangsbetrag senken und damit auch langfristige Projekte in den akzeptierten Amortisationskorridor bringen.
Rohleders Erwartung: Er will erkennen, dass Sie den methodischen Kern des Problems benennen â die Amortisationsrechnung ignoriert alle Zahlungen nach dem Amortisationszeitpunkt. Ein Satz dazu, dass die Kennzahl als RisikomaĂ sinnvoll, als alleiniges Auswahlkriterium aber falsch ist, rundet die Antwort ab.
1. Finanzierung innerhalb der Investitionsrechnung? (3 P) â aus dem Abdeckungs-Sweep
a) 2 P. ErlĂ€utern Sie, warum die Darlehenszinsen im Kapitalwert nicht als eigene Zahlungsreihe auftauchen dĂŒrfen.
b) 1 P. Welche Alternativen gibt es, die Finanzierung in der Investitionsrechnung zu berĂŒcksichtigen? Ordnen Sie sie.
Verwendete Symbole: KW = Kapitalwert · Aâ = Anschaffungsauszahlung im Zeitpunkt t = 0 · CFt = EinzahlungsĂŒberschuss der Periode t · i = Kalkulationszinssatz · n = Nutzungsdauer · WACC = gewichtete durchschnittliche Kapitalkosten · APV = Adjusted Present Value · VOFI = vollstĂ€ndiger Finanzplan.
a) 2 P. â Warum die Darlehenszinsen nicht in die Zahlungsreihe gehören
Der Kapitalwert lautet
Die Zahlungsreihe enthĂ€lt ausschlieĂlich die leistungswirtschaftlichen Ein- und Auszahlungen der Investition. Die Finanzierung steckt nicht in dieser Reihe, sondern vollstĂ€ndig im Kalkulationszinssatz : Er ist die geforderte Mindestverzinsung und wird aus den Fremdkapitalzinsen, dem WACC oder einer risikoangepassten Renditeforderung abgeleitet â die Kapitalkosten und damit die OpportunitĂ€tskosten sind darin bereits abgebildet. Wer die Darlehenszinsen zusĂ€tzlich als Auszahlung eintrĂ€gt, berĂŒcksichtigt die Kapitalkosten zweimal und rechnet das Projekt systematisch schlecht. âš1â©
Es ist der analoge Fehler zur kalkulatorischen Abschreibung, nur an anderer Stelle: Dort wird die Anschaffung doppelt gezĂ€hlt, weil sie bereits als dasteht; hier werden die Kapitalkosten doppelt gezĂ€hlt, weil sie bereits im Zinssatz stecken. Merksatz: und ersetzen im Kapitalwert genau die beiden kalkulatorischen Positionen der Kostenvergleichsrechnung. (Der Abschreibungsfall ist als Original-Klausuraufgabe in investition-kapitalwert.md gelöst â âWarum kalkulatorische Abschreibungen und Zinsen im Kapitalwert nichts zu suchen haben", 5 P; hier bewusst nicht nacherzĂ€hlt.)
Ăkonomisch dahinter steht die Trennung von Investitions- und Finanzierungsentscheidung: Unter der PrĂ€misse eines vollkommenen Kapitalmarkts â Soll- und Habenzins identisch, beliebige BetrĂ€ge anlegbar und aufnehmbar â ist fĂŒr die Vorteilhaftigkeit gleichgĂŒltig, aus welcher Quelle das Geld stammt. Deshalb darf zuerst âlohnt sich das Projekt?" und erst danach âwie finanziere ich es?" gefragt werden. Ein positiver Kapitalwert bedeutet dann: Das Projekt verzinst das eingesetzte Kapital zum Kalkulationszins und wirft darĂŒber hinaus einen Ăberschuss ab, dessen Barwert genau dem Kapitalwert entspricht â die Finanzierungskosten sind darin schon verdient. âš2â©
b) 1 P. â Die Alternativen, nach zunehmender Verletzung der Kapitalmarkt-PrĂ€misse geordnet
Stufe 1 â Finanzierung im Zinssatz (Normalfall). Die Kapitalkosten werden vollstĂ€ndig in abgebildet, typischerweise als WACC; bei ausgeprĂ€gten Steuerwirkungen trennt der APV-Ansatz den Wert des unverschuldeten Projekts vom Wert des Steuervorteils. Die Zahlungsreihe bleibt finanzierungsfrei.
Stufe 2 â differenzierte Soll- und Habenzinsen. Fallen Anlage- und Aufnahmezins auseinander, trĂ€gt ein einheitliches nicht mehr; man rechnet mit getrennten SĂ€tzen bzw. bestimmt ĂŒber die Kapitalbudgetierung nach Dean, welche Projekte aus welcher Finanzierungsstufe noch tragfĂ€hig sind.
Stufe 3 â vollstĂ€ndiger Finanzplan (VOFI). Bei begrenzten Kreditlinien, zinsvergĂŒnstigten Förderdarlehen, konkreten TilgungsplĂ€nen oder finanzierungsabhĂ€ngigen Steuerwirkungen wird jede Periode tabellarisch abgebildet: Projektzahlungen, konkrete Finanzierung, Tilgung, Verzinsung und Wiederanlagesatz. ZielgröĂe ist dann nicht mehr der Kapitalwert, sondern das Endvermögen am Planungshorizont â der VOFI presst nichts mehr in einen einzigen Zinssatz, sondern macht jede Annahme einzeln sichtbar und diskutierbar. âš3â©
âš+1â© Die Kontrollfrage als Reserve: Ob eine Position in die Zahlungsreihe gehört, entscheidet der Test âIst das eine leistungswirtschaftliche Zahlung des Projekts?" â kalkulatorische GröĂen und Finanzierungszahlungen scheitern daran beide: die einen, weil sie keine Zahlungen sind, die anderen, weil sie bereits im Kalkulationszins stecken.
Erwartung â eigene EinschĂ€tzung, nicht belegt: Im Kompass U22 (Abschnitt 28.2, âInvestitionsentscheidung und Finanzierung") ist das Antwortfeld leer; wie Rohleder diese Frage bewertet, ist nicht dokumentiert. Fachlich tragfĂ€hig und deshalb hier gewĂ€hlt: fĂŒr a) der Satz âder Kalkulationszins ist die Finanzierung" samt ausdrĂŒcklich benannter DoppelzĂ€hlung, fĂŒr b) der Plural der Frage â drei Stufen statt nur des VOFI, weil âAlternativen" mehrere verlangt. Vor der Klausur mit dem Original-Skript FINA WS24 U22 abgleichen.
2. Dynamische Investitionsrechnung komplett (12 P) â aus dem Abdeckungs-Sweep
a) 5 P. Berechnen Sie den Kapitalwert der Investition. Stellen Sie dazu eine vollstÀndige Barwerttabelle auf, in der jeder Abzinsungsfaktor einzeln ausgewiesen ist, und beurteilen Sie die Vorteilhaftigkeit. Geben Sie die Rechenwege an.
b) 2 P. Berechnen Sie die AnnuitÀt der Investition. Weisen Sie den verwendeten AnnuitÀtenfaktor gesondert aus und erlÀutern Sie in einem Satz, was die AnnuitÀt wirtschaftlich aussagt.
c) 3 P. Bestimmen Sie den internen ZinsfuĂ nĂ€herungsweise durch lineare Interpolation. Rechnen Sie dazu den Kapitalwert fĂŒr zwei Probier-ZinssĂ€tze aus und geben Sie beide Kapitalwerte an.
d) 2 P. Berechnen Sie die dynamische Amortisationsdauer ĂŒber die kumulierten Barwerte und erlĂ€utern Sie in einem Satz, warum sie lĂ€nger ist als die statische.
Verwendete Symbole: = Anschaffungsauszahlung in Euro · = EinzahlungsĂŒberschuss der Periode in Euro (im Skript auch ) · = Kalkulationszinssatz p. a. · = Zinsfaktor · = Abzinsungsfaktor der Periode · = Barwert der Periode · = Kapitalwert in Euro (in manchen LehrbĂŒchern oder NPV) · = Kapitalwiedergewinnungsfaktor (AnnuitĂ€tenfaktor) · = interner Zinsfuà · = Nutzungsdauer in Jahren.
Benannte Annahmen: Alle EinzahlungsĂŒberschĂŒsse fallen jeweils am Jahresende an (nachschĂŒssige Betrachtung), die Anschaffungsauszahlung fĂ€llt vollstĂ€ndig im Zeitpunkt an, der Kalkulationszins bleibt ĂŒber die gesamte Nutzungsdauer konstant bei 8,00 % und Steuern sowie Inflation bleiben unberĂŒcksichtigt.
a) 5 P. â Kapitalwert mit vollstĂ€ndiger Barwerttabelle
Der Kapitalwert ist die Summe aller auf den Zeitpunkt abgezinsten EinzahlungsĂŒberschĂŒsse abzĂŒglich der Anschaffungsauszahlung. Die Grundformel lautet
Entscheidend ist dabei ein Punkt, an dem in Klausuren regelmĂ€Ăig Punkte verloren gehen: Die Anschaffungsauszahlung wird nicht abgezinst, weil sie definitionsgemÀà bereits im Bezugszeitpunkt anfĂ€llt; abgezinst werden ausschlieĂlich die kĂŒnftigen ĂberschĂŒsse der Perioden 1 bis 4. âš1â©
ZunĂ€chst werden die Zinsfaktoren und die zugehörigen Abzinsungsfaktoren einzeln bestimmt. Es gilt und damit , , sowie . Der Abzinsungsfaktor ist jeweils der Kehrwert, also . âš2â©
| Jahr | EinzahlungsĂŒberschuss | Zinsfaktor | Abzinsungsfaktor | Barwert |
|---|---|---|---|---|
| 1 | 120.000,00 ⏠| 1,080000 | 0,925926 | 111.111,11 ⏠|
| 2 | 140.000,00 ⏠| 1,166400 | 0,857339 | 120.027,43 ⏠|
| 3 | 150.000,00 ⏠| 1,259712 | 0,793832 | 119.074,84 ⏠|
| 4 | 130.000,00 ⏠| 1,360489 | 0,735030 | 95.553,88 ⏠|
| Summe | 540.000,00 ⏠| â | â | 445.767,26 ⏠|
Die einzelnen Rechenschritte lauten ausgeschrieben , , und . Wichtig ist, wĂ€hrend der Rechnung mit mindestens sechs Nachkommastellen der Abzinsungsfaktoren weiterzuarbeiten und erst das Endergebnis auf zwei Nachkommastellen zu runden. Die GröĂenordnung lĂ€sst sich beziffern: Bei sechs Nachkommastellen bleibt die Abweichung der Barwertsumme unter zwei Cent (445.767,28 ⏠statt 445.767,26 âŹ), bei vier Nachkommastellen sind es bereits rund 17 ⏠und bei zwei Nachkommastellen ĂŒber 900 âŹ. Wer die Faktoren also auf vier Stellen kĂŒrzt â was intuitiv âgenau genug" wirkt â, verfehlt den Kapitalwert schon im zweistelligen Eurobereich. âš3â©
Damit ergibt sich der Kapitalwert als
âš4â© Der Kapitalwert ist deutlich positiv, die Investition ist also vorteilhaft. Inhaltlich bedeutet das: Die Anlage verzinst das eingesetzte Kapital nicht nur mit den geforderten 8,00 % p. a., sondern erwirtschaftet darĂŒber hinaus einen heutigen Vermögenszuwachs von 45.767,26 âŹ. Bezogen auf die Anschaffungsauszahlung entspricht das einem Puffer von 11,44 % auf der Preisseite (45.767,26 ⏠/ 400.000,00 âŹ). Auf der Einzahlungsseite ist der Puffer etwas kleiner: Erst wenn alle vier EinzahlungsĂŒberschĂŒsse gleichmĂ€Ăig um 10,27 % unter der Planung bleiben, kippt der Kapitalwert auf null. Ein Prognosefehler in dieser GröĂenordnung ist bei einer Vierjahresrechnung nicht exotisch â die Investition ist vorteilhaft, aber nicht unangreifbar, und genau diese Unterscheidung zwischen Preis- und Mengenpuffer gehört in die Beurteilung. âš5â©
b) 2 P. â AnnuitĂ€t der Investition
Die AnnuitĂ€t verteilt den Kapitalwert gleichmĂ€Ăig auf die vier Nutzungsjahre. Dazu wird der Kapitalwert mit dem Kapitalwiedergewinnungsfaktor multipliziert:
âš6â© Daraus folgt
Wirtschaftlich sagt die AnnuitĂ€t aus, dass die Investition ĂŒber ihre gesamte Nutzungsdauer jedes Jahr einen Ăberschuss von 13.818,09 ⏠abwirft, der ĂŒber die geforderte Verzinsung von 8,00 % hinausgeht. Die typische Falle liegt hier darin, den Kapitalwert einfach durch die vier Jahre zu teilen (das ergĂ€be 11.441,82 âŹ); dieser Weg ist falsch, weil er den Zinseffekt der zeitlichen Verteilung ignoriert. âš7â©
c) 3 P. â Interner ZinsfuĂ durch lineare Interpolation
Der interne ZinsfuĂ ist derjenige Zinssatz, bei dem der Kapitalwert genau null wird. Da der Kapitalwert bei 8,00 % noch klar positiv ist, muss der interne ZinsfuĂ deutlich darĂŒber liegen; als Probier-ZinssĂ€tze werden daher 12,00 % und 14,00 % gewĂ€hlt. âš8â©
| Jahr | bei 12,00 % | bei 12,00 % | bei 14,00 % | bei 14,00 % | |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 120.000,00 ⏠| 0,892857 | 107.142,86 ⏠| 0,877193 | 105.263,16 ⏠|
| 2 | 140.000,00 ⏠| 0,797194 | 111.607,14 ⏠| 0,769468 | 107.725,45 ⏠|
| 3 | 150.000,00 ⏠| 0,711780 | 106.767,04 ⏠| 0,674972 | 101.245,73 ⏠|
| 4 | 130.000,00 ⏠| 0,635518 | 82.617,35 ⏠| 0,592080 | 76.970,44 ⏠|
| Summe Barwerte | 408.134,39 ⏠| 391.204,78 ⏠| |||
| Kapitalwert | +8.134,39 ⏠| â8.795,22 ⏠|
Damit liegen ein positiver und ein negativer Kapitalwert vor, der interne Zinsfuà muss also zwischen den beiden Probier-ZinssÀtzen liegen. Die lineare Interpolation lautet
âš9â© Eingesetzt ergibt sich
Die Investition verzinst das gebundene Kapital also mit rund 12,96 % p. a. und liegt damit erheblich ĂŒber der geforderten Mindestverzinsung von 8,00 %; erst wenn der Kalkulationszins ĂŒber knapp 13 % stiege, wĂŒrde sie unvorteilhaft. Zur Einordnung gehört der Hinweis, dass es sich um eine NĂ€herung handelt: Die Kapitalwertkurve verlĂ€uft konvex, weshalb die Sehne zwischen den beiden StĂŒtzstellen oberhalb der tatsĂ€chlichen Kurve liegt und die Interpolation den internen ZinsfuĂ systematisch leicht ĂŒberschĂ€tzt â der exakte Wert betrĂ€gt hier 12,94 %. Je enger die beiden Probier-ZinssĂ€tze gewĂ€hlt werden, desto kleiner wird dieser Fehler. âš10â©
d) 2 P. â Dynamische Amortisationsdauer
Die dynamische Amortisationsdauer ist der Zeitpunkt, zu dem die kumulierten Barwerte der EinzahlungsĂŒberschĂŒsse die Anschaffungsauszahlung erstmals erreichen. Sie wird ĂŒber die kumulierte Spalte der Barwerte aus Aufgabenteil a) bestimmt. âš11â©
| Jahr | Barwert | Kumulierter Barwert | Noch offener Betrag ( â kumuliert) |
|---|---|---|---|
| 0 | â | 0,00 ⏠| 400.000,00 ⏠|
| 1 | 111.111,11 ⏠| 111.111,11 ⏠| 288.888,89 ⏠|
| 2 | 120.027,43 ⏠| 231.138,54 ⏠| 168.861,46 ⏠|
| 3 | 119.074,84 ⏠| 350.213,38 ⏠| 49.786,62 ⏠|
| 4 | 95.553,88 ⏠| 445.767,26 ⏠| vollstÀndig gedeckt |
Nach drei Jahren sind noch 49.786,62 ⏠offen, im vierten Jahr kommen 95.553,88 ⏠an Barwert hinzu. Bei unterstellter gleichmĂ€Ăiger Verteilung des vierten JahresĂŒberschusses ergibt sich
Das entspricht rund drei Jahren und sechs Monaten (0,5210 · 12 = 6,25 Monate). Die dynamische Amortisationsdauer ist stets lĂ€nger als die statische, weil sie zusĂ€tzlich zur reinen RĂŒckgewinnung des eingesetzten Betrags auch die Verzinsung des jeweils noch gebundenen Kapitals verlangt: Statisch wĂ€ren die 400.000,00 ⏠bereits nach 2 + 140.000/150.000 = 2,93 Jahren wieder eingespielt, dynamisch erst nach 3,52 Jahren. âš12â©
âš+1â© Die drei dynamischen Verfahren fĂŒhren hier zwangslĂ€ufig zum selben Urteil, und dieser Zusammenhang ist prĂŒfungsrelevant: Ist der Kapitalwert positiv, so ist die AnnuitĂ€t ebenfalls positiv und der interne ZinsfuĂ liegt ĂŒber dem Kalkulationszins â alle drei Kriterien sind bei einer Einzelinvestition mit normalem Zahlungsprofil Ă€quivalent. Unterschiede entstehen erst beim Vergleich mehrerer Investitionen, wenn Anschaffungsauszahlung oder Nutzungsdauer voneinander abweichen; dann ist die AnnuitĂ€t das richtige VergleichsmaĂ bei unterschiedlicher Nutzungsdauer â Rohleders eigene BegrĂŒndung dafĂŒr ist, dass die Alternativen so nicht auf die kĂŒrzeste gemeinsame Laufzeit repliziert werden mĂŒssen â, wĂ€hrend der interne ZinsfuĂ bei unterschiedlicher Investitionshöhe zu Fehlentscheidungen fĂŒhren kann.
âš+2â© In Excel wĂ€ren die Aufgabenteile jeweils eine einzige Funktion: =NBW(8%;120000;140000;150000;130000)-400000 liefert die 45.767,26 ⏠des Kapitalwerts, =RMZ(8%;4;-45767,26) die AnnuitĂ€t von 13.818,09 ⏠und =IKV(A1:A5) mit den fĂŒnf Zahlungen â400.000, 120.000, 140.000, 150.000, 130.000 in A1 bis A5 den exakten internen ZinsfuĂ von 12,94 %. Zu beachten ist, dass NBW (englisch NPV) die Anschaffungsauszahlung nicht mit einschlieĂt und daher gesondert abgezogen werden muss, wĂ€hrend IKV (englisch IRR) sie als erstes Element der Reihe erwartet â genau diese Asymmetrie ist die hĂ€ufigste Fehlerquelle beim Ăbertragen der Handrechnung in die Tabellenkalkulation.
âš+3â© Die SensitivitĂ€t der Entscheidung lĂ€sst sich mit einer Zeile beantworten und wirkt in der Klausur souverĂ€n: Der kritische Kalkulationszins ist der interne ZinsfuĂ von 12,94 %, und die kritische Anschaffungsauszahlung ist die Summe der Barwerte, also 445.767,26 ⏠â bis zu diesem Preis wĂ€re die Anlage gerade noch vorteilhaft. Der Verhandlungsspielraum gegenĂŒber dem Anlagenbauer betrĂ€gt damit 45.767,26 âŹ.
Rohleders Erwartung: Er will in a) die vollstĂ€ndige Barwerttabelle mit einzeln ausgewiesenen Abzinsungsfaktoren sehen, nicht nur das Endergebnis â der Rechenweg ist hier der ĂŒberwiegende Teil der Punkte. Die beiden Klassiker, die er sofort anstreicht, sind das fĂ€lschliche Abzinsen der Anschaffungsauszahlung und die AnnuitĂ€t als schlichter Quotient . In c) genĂŒgt ihm die NĂ€herung, aber beide Kapitalwerte mĂŒssen ausgewiesen sein und das Vorzeichen muss wechseln, sonst ist die Interpolation unzulĂ€ssig. In d) achtet er darauf, dass mit kumulierten Barwerten und nicht mit nominalen ĂberschĂŒssen gearbeitet wird.
3. F4 · CAPEX â Aussage richtigstellen (6 Punkte) â Original-Klausur 11.07.2025
- Wahrer Kern (richtig): CAPEX werden aktiviert und erhöhen das Anlagevermögen auf der Aktivseite â im Ausgabezeitpunkt erfolgsneutral (Aktivtausch bzw. BilanzverlĂ€ngerung), kein Sofort-Aufwand.
- Falsch ist 'CAPEX-Kosten': CAPEX (Capital Expenditures = Investitionsausgaben) sind im Ausgabezeitpunkt gerade KEIN Aufwand/keine Kosten â anders als OPEX (Operational Expenditures = laufende Betriebsausgaben, sofort aufwandswirksam).
- Zu pauschal ist 'langfristig abgeschrieben': Nur ABNUTZBARE AnlagegĂŒter werden planmĂ€Ăig ĂŒber ihre betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer abgeschrieben; nicht abnutzbare GĂŒter (z. B. GrundstĂŒcke) und Finanzanlagen nicht.
- Erst die planmĂ€Ăige Abschreibung verteilt die ursprĂŒngliche Ausgabe periodengerecht als Aufwand (Matching-Prinzip).
- Fertigungsgemeinkosten / Gemeinkosten-Einordnung der Abschreibung â das ist Kostenrechnung, nicht Bilanzierung; gehört nicht in die Richtigstellung dieser FINA-Bilanzierungsfrage und wurde entfernt.
- AusfĂŒhrliche Pleonasmus-/Sprachanalyse ('doppelt falsch') â nice-to-know, aber kein punkterelevanter Sachfehler; auf eine Nebenbemerkung reduziert.
Zu prĂŒfende Aussage: âMit den CAPEX-Kosten erhöhen sich die bilanzierten Aktiva, die langfristig abgeschrieben werden."
Die Aussage hat einen richtigen Kern, enthĂ€lt aber zwei fehlerhafte Teile. Ich stelle sie Teil fĂŒr Teil richtig.
1. Fehler im Begriff âCAPEX-Kosten"
CAPEX = Capital Expenditures = Investitionsausgaben, also Auszahlungen fĂŒr die Beschaffung, Erweiterung oder Erneuerung langfristig nutzbarer VermögensgegenstĂ€nde (Sachanlagen, immaterielle VermögensgegenstĂ€nde).
Der Begriff âCAPEX-Kosten" ist der sachliche Kernfehler: CAPEX sind im Ausgabezeitpunkt gerade keine Kosten / kein Aufwand. Genau das unterscheidet sie von den OPEX (Operational Expenditures = laufende Betriebsausgaben), die sofort erfolgswirksam als Aufwand verbucht werden. CAPEX werden stattdessen aktiviert. (Nebenbei ist âCAPEX-Kosten" auch sprachlich schief, weil âExpenditures" bereits âAusgaben" heiĂt.)
2. Wahrer Kern: âerhöhen sich die bilanzierten Aktiva" â richtig
Dieser Teil stimmt. Weil CAPEX aktiviert (statt sofort als Aufwand verrechnet) werden, erhöhen sie das Anlagevermögen auf der Aktivseite der Bilanz. Im Ausgabezeitpunkt ist das ein erfolgsneutraler Vorgang â je nach Finanzierung ein Aktivtausch (z. B. Bank â Maschine) oder eine BilanzverlĂ€ngerung (Maschine gegen Verbindlichkeit). Der Gewinn wird dadurch noch nicht gemindert.
3. Fehler im Zusatz âdie langfristig abgeschrieben werden"
Dieser Teil ist zu pauschal:
- Nur abnutzbare AnlagegĂŒter werden planmĂ€Ăig abgeschrieben â und zwar ĂŒber ihre betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer, nicht einfach âlangfristig".
- Nicht abnutzbare VermögensgegenstĂ€nde (v. a. GrundstĂŒcke) sowie Finanzanlagen werden nicht planmĂ€Ăig abgeschrieben, obwohl auch sie ĂŒber CAPEX aktiviert werden können. (Bei immateriellen VermögensgegenstĂ€nden gilt die planmĂ€Ăige Abschreibung ebenfalls nur bei bestimmter Nutzungsdauer.)
- Entscheidend: Erst die planmĂ€Ăige Abschreibung verteilt die ursprĂŒngliche Ausgabe periodengerecht als Aufwand ĂŒber die Nutzungsjahre (Matching-Prinzip â der Werteverzehr wird dort erfasst, wo der Vermögensgegenstand Nutzen stiftet).
Beispiel lineare Abschreibung:
Korrigierte, richtige Fassung
CAPEX (Capital Expenditures, dt. Investitionsausgaben) sind Auszahlungen fĂŒr langfristig nutzbare VermögensgegenstĂ€nde. Sie werden im Ausgabezeitpunkt nicht als Aufwand erfasst, sondern aktiviert und erhöhen dadurch das Anlagevermögen auf der Aktivseite der Bilanz. Die abnutzbaren unter ihnen werden anschlieĂend planmĂ€Ăig ĂŒber ihre betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer abgeschrieben â erst diese Abschreibung wirkt (periodisiert) als Aufwand. Nicht abnutzbare GĂŒter (z. B. GrundstĂŒcke) werden nicht planmĂ€Ăig abgeschrieben.
Kurz: Richtig ist, dass CAPEX die Aktiva erhöhen. Falsch ist der Begriff âKosten" (es sind Ausgaben, die aktiviert statt aufwandswirksam gebucht werden), und zu pauschal ist âlangfristig abgeschrieben" (nur abnutzbare GĂŒter, und zwar ĂŒber die Nutzungsdauer).
âš+1â© Die Bilanzwirkung als Reserve: Weil CAPEX im Ausgabezeitpunkt erfolgsneutral aktiviert werden, verbessert eine Verschiebung von OPEX zu CAPEX kurzfristig den ausgewiesenen Gewinn â genau deshalb ist die Abgrenzung bilanzpolitisch sensibel und die saubere Begriffsverwendung mehr als Wortklauberei.
4. F7 · Kapitalrationierung (15 Punkte) â Original-Klausur 11.07.2025
a) 4 P. Warum eignet sich der Kapitalwert nicht als Kriterium fĂŒr die Reihenfolgebildung bei knappem Investitionsbudget?
b) 3 P. ErlÀutern Sie ein alternatives, geeigneteres Entscheidungskriterium.
c) 8 P. Sie sind alleinverantwortlich als GF (500 Mio. EUR Umsatz); Ihnen liegen die nach b) bewerteten InvestitionswĂŒnsche vor. Wie legen Sie das optimale CAPEX-Budget fest?
- a) Genau 4 GrĂŒnde sammeln, warum der Kapitalwert (KW) als Reihenfolge-Kriterium bei knappem Budget versagt: (1) Absolutgrösse statt Relativgrösse -> misst nicht Wert je eingesetztem Euro; (2) Grössenverzerrung -> bevorzugt systematisch kapitalintensive Projekte; (3) unterstellt unbegrenztes Kapital (KW>0 = immer durchfĂŒhren) -> Budgetrestriktion nicht abgebildet; (4) keine Kombinations-/Ausschöpfungsaussage -> Restbudget bleibt evtl. ungenutzt.
- b) Alternatives Kriterium = Kapitalwertrate (KWR) = KW / Anschaffungsauszahlung I0. Drei ErlĂ€uterungspunkte: Formel nennen; Interpretation 'Wertbeitrag je eingesetztem Budget-Euro' (macht Projekte verschiedener Grösse vergleichbar); Anwendung: Rangfolge nach fallender KWR, Budget top-down auffĂŒllen -> maximiert Gesamt-KW bei gegebenem Budget (exakt nur bei Teilbarkeit).
- c) Kern: Budget ist NICHT exogen vorgegeben, sondern endogen zu bestimmen (Dean-Modell). Schritte: (1) als allein verantwortlicher GF kein willkĂŒrlicher CAPEX-Deckel; (2) Projekte nach fallender KWR / internem Zinsfuss ordnen -> fallende Kapitalnachfragekurve (Grenzertragskurve); (3) steigende Kapitalangebotskurve = Grenzkosten des Kapitals (Innenfinanzierung gĂŒnstig -> FK -> EK teurer); (4) Optimum im Schnittpunkt: Grenzrendite der letzten Investition = Grenzkosten des Kapitals; (5) optimales CAPEX-Budget = Summe der I0 aller Projekte links des Schnittpunkts -> maximiert Unternehmenswert; (6) Praxis-Nebenbedingungen abziehen (LiquiditĂ€t, Covenants, RisikotragfĂ€higkeit, Muss-Investitionen); wenn dadurch real knapp -> Verteilung ĂŒber KWR aus b).
- Kleines Zahlenbeispiel fĂŒr c) bereithalten (Projekte A-E nach KWR sortiert, kumulierter Kapitalbedarf gegen Grenzkapitalkosten), um Schnittpunkt-Logik konkret zu zeigen.
- Kapitalwert = 'Was bringt mir das Projekt in heutigem Geld unterm Strich, nachdem ich meine Wunsch-Verzinsung schon abgezogen habe?' Ist er positiv, lohnt sich das Projekt.
- Kapitalwertrate = Kapitalwert geteilt durch den Einsatz. Also: 'Wie viel Gewinn pro investiertem Euro?' Damit vergleicht man ein kleines und ein grosses Projekt fair - wie 'Preis pro Kilo' statt 'Gesamtpreis'.
- CAPEX = das Geld, das die Firma fĂŒr grössere Anschaffungen (Maschinen, GebĂ€ude, Anlagen) ausgibt. 'Investitionstopf'.
- Kapitalrationierung = der Investitionstopf ist gedeckelt, es passt nicht jedes lohnende Projekt hinein - man muss auswÀhlen.
- Grenzkosten des Kapitals = was der jeweils NAECHSTE aufgenommene Euro kostet. Die ersten Euro sind billig (eigenes Geld), spÀter wird Geld teurer (Kredite, dann neue Anteilseigner).
- Dean-Modell = einfache Faustregel fĂŒr die richtige Topf-Grösse: Investiere so lange, wie das nĂ€chste Projekt mehr abwirft, als der dafĂŒr nötige Euro kostet. Beim Gleichstand ist Schluss - das ist die optimale Grenze.
- GF = GeschĂ€ftsfĂŒhrer, hier: die Person, die allein ĂŒber das Budget entscheidet - also keinen fremden Deckel aufgezwungen bekommt.
AbkĂŒrzungen (durchgĂ€ngig ausgeschrieben): KW = Kapitalwert · KWR = Kapitalwertrate · = Anschaffungsauszahlung (Anfangsinvestition) · CAPEX = Capital Expenditures = Investitionsbudget fĂŒr Sachanlagen · IRR = interner ZinsfuĂ (Effektivverzinsung eines Projekts) · GF = GeschĂ€ftsfĂŒhrer.
a) Warum eignet sich der Kapitalwert nicht zur Reihenfolgebildung bei knappem Budget? (4 P â genau 4 GrĂŒnde)
Grund 1 â AbsolutgröĂe statt RelativgröĂe. Der Kapitalwert ist ein absoluter Euro-Betrag (). Er sagt, wie viel Wert ein Projekt schafft, aber nicht, wie viel Wert je eingesetztem Euro des knappen Budgets entsteht. Genau diese Ergiebigkeit des knappen Faktors Kapital ist bei Rationierung aber das entscheidende MaĂ.
Grund 2 â systematische GröĂenverzerrung. Weil der Kapitalwert mit dem Projektvolumen skaliert, erhĂ€lt ein groĂes, kapitalintensives Projekt tendenziell einen höheren absoluten Kapitalwert als mehrere kleine â obwohl die kleinen zusammen bei gleichem Budgeteinsatz mehr Wert schaffen können. Die reine Kapitalwert-Rangfolge bevorzugt also groĂe Projekte, ohne dass diese effizienter wĂ€ren.
Grund 3 â die Budgetrestriktion wird nicht abgebildet. Die Kapitalwert-Regel âfĂŒhre jedes Projekt mit durch" unterstellt implizit unbegrenzt verfĂŒgbares Kapital zum Kalkulationszins. Bei Kapitalrationierung ist genau diese Annahme verletzt; das begrenzte Budget als Nebenbedingung taucht im Kriterium ĂŒberhaupt nicht auf.
Grund 4 â keine Aussage zur bestmöglichen Budget-Ausschöpfung (Kombinationsproblem). Die Kapitalwert-Rangfolge sagt nichts darĂŒber, welche Kombination von Projekten das Budget optimal ausnutzt. Zwei hohe Kapitalwerte können das Budget schlecht ausfĂŒllen und teures Restbudget ungenutzt lassen, wĂ€hrend eine andere Kombination das Budget voll nutzt und in Summe mehr Wert erzeugt.
b) Geeigneteres Entscheidungskriterium (3 P)
Geeignet ist die Kapitalwertrate (KWR) â der Kapitalwert bezogen auf den Kapitaleinsatz:
1. Was sie misst: Die Kapitalwertrate gibt den Wertbeitrag je eingesetztem Euro Budget an. Sie relativiert den absoluten Kapitalwert um den Kapitaleinsatz und behebt damit direkt die GröĂenverzerrung aus a).
2. Warum sie passt: Projekte unterschiedlicher GröĂe werden vergleichbar; nicht der absolute Beitrag, sondern die Ergiebigkeit des knappen Kapitals entscheidet â genau das, was bei einem Budgetlimit zĂ€hlt.
3. Anwendung: Alle Projekte nach fallender Kapitalwertrate ordnen und das Budget von oben nach unten auffĂŒllen, bis es erschöpft ist. Bei beliebiger Teilbarkeit der Projekte maximiert diese Rangfolge nachweislich den Gesamt-Kapitalwert unter der Budgetrestriktion. (EinschrĂ€nkung: Bei unteilbaren Projekten kann Restbudget entstehen; dann ist die KWR-Reihenfolge eine sehr gute NĂ€herung, das exakte Optimum ist ein ganzzahliges Auswahlproblem.)
c) Festlegung des optimalen CAPEX-Budgets als allein verantwortlicher GF (8 P)
Zentrale Einsicht: Das Budget ist keine vorgegebene Zahl, sondern das Ergebnis der Entscheidung. Als allein verantwortlicher GeschĂ€ftsfĂŒhrer unterliege ich keiner von auĂen aufgezwungenen Rationierung â ich lege das CAPEX-Budget selbst fest. Ein willkĂŒrlich vorab gesetzter Deckel wĂ€re ökonomisch falsch: Er wĂŒrde entweder werthaltige Projekte abschneiden oder unrentable erzwingen. Die richtige Frage lautet daher nicht âWie verteile ich ein fixes Budget?", sondern âWie hoch soll das Budget sein?". Das Budget wird endogen bestimmt (Grundgedanke des Dean-Modells).
Schritt 1 â Investitionsnachfrage aufstellen (Kapitalnachfragekurve). Alle InvestitionswĂŒnsche nach fallender Kapitalwertrate bzw. fallendem internem ZinsfuĂ ordnen. TrĂ€gt man auf der x-Achse den kumulierten Kapitalbedarf und auf der y-Achse die Grenzrendite ab, entsteht eine fallende Kurve (Grenzertragskurve des Kapitals): das rentabelste Projekt zĂŒrst, dann absteigend.
Schritt 2 â Kapitalangebot aufstellen (Grenzkosten des Kapitals). Die Grenzkosten des Kapitals steigen mit dem Finanzierungsvolumen: zĂŒrst gĂŒnstige Innenfinanzierung (thesaurierte Gewinne, freier Cashflow), dann Fremdkapital zu steigenden Zinsen (höherer Verschuldungsgrad = höheres Risiko = höhere Zinsforderung), schlieĂlich teures zusĂ€tzliches Eigenkapital. Das ergibt eine steigende Kapitalangebotskurve.
Schritt 3 â Optimum im Schnittpunkt. Das optimale Investitionsvolumen liegt dort, wo
Alle Projekte links des Schnittpunkts haben eine Rendite oberhalb ihrer Finanzierungskosten (positiver Kapitalwert zum relevanten Grenzzins) â durchfĂŒhren. Alle Projekte rechts davon kosten mehr Kapital, als sie einbringen â ablehnen.
Schritt 4 â Entscheidungsregel / Ergebnis. Das optimale CAPEX-Budget ist die Summe der Anschaffungsauszahlungen aller Projekte links des Schnittpunkts. Dieses Volumen maximiert den Unternehmenswert (Summe der Kapitalwerte), weil jeder aufgenommene Euro mehr Rendite bringt, als er an Grenzkapitalkosten verursacht â und der erste Euro darĂŒber hinaus wĂŒrde bereits Wert vernichten.
Illustratives Zahlenbeispiel (Projekte nach Kapitalwertrate/interner Verzinsung sortiert):
| Projekt | (Mio. âŹ) | Rendite | kumuliertes Budget | Grenzkosten Kapital |
|---|---|---|---|---|
| A | 10 | 18 % | 10 | 7 % |
| B | 15 | 14 % | 25 | 8 % |
| C | 12 | 11 % | 37 | 9 % |
| D | 8 | 10 % | 45 | 10 % â Schnittpunkt |
| E | 10 | 7 % | 55 | 12 % |
â A, B, C, D werden durchgefĂŒhrt (Rendite â„ Grenzkapitalkosten), E fĂ€llt heraus (7 % < 12 %). Optimales CAPEX-Budget = 10 + 15 + 12 + 8 = 45,00 Mio. âŹ.
Schritt 5 â praktische Nebenbedingungen (RealitĂ€tscheck fĂŒr ein Unternehmen mit 500 Mio. ⏠Umsatz). Das theoretische Dean-Optimum ist die Obergrenze. In der Praxis begrenzen zusĂ€tzlich:
- LiquiditĂ€t / Cashflow-Deckung â das Investitionsvolumen muss finanzierbar bleiben, ohne die ZahlungsfĂ€higkeit zu gefĂ€hrden;
- Bilanzrelationen / Covenants â Verschuldungsgrenzen aus KreditvertrĂ€gen;
- RisikotragfÀhigkeit und ManagementkapazitÀt (nicht beliebig viele Projekte gleichzeitig steuerbar);
- Muss-Investitionen (Ersatz, Compliance, Sicherheit) vorab abziehen â sie stehen nicht zur Disposition.
FĂŒhren diese Restriktionen zu einem real knapperen Budget als dem Dean-Optimum, wird das dann tatsĂ€chlich knappe Budget nach der Kapitalwertrate aus b) auf die Projekte verteilt. So greifen die drei Teilaufgaben ineinander: b) liefert das Ranking, c) bestimmt die optimale Budgethöhe â und nur wenn Ă€uĂere Grenzen darunterliegen, kehrt die Rationierung ĂŒberhaupt zurĂŒck.
âš+1â© Ein Kriterien-Vorbehalt als Reserve: Wird statt der Kapitalwertrate der interne ZinsfuĂ zum Ranking benutzt, ist Vorsicht geboten â bei Zahlungsreihen mit mehr als einem Vorzeichenwechsel ist er nicht eindeutig, und seine implizite WiederanlageprĂ€misse ĂŒberzeichnet die Vorteilhaftigkeit; die Kapitalwertrate umgeht beide Probleme, weil sie auf dem Kapitalwert aufsetzt.
âš+2â© Dreh-Variante abgesichert: Falls er die Aufgabe umdreht und fragt, nach welchem Kriterium bei unbegrenztem Budget zu entscheiden wĂ€re, gilt wieder die einfache Kapitalwert-Regel: Jedes Projekt mit positivem Kapitalwert wird durchgefĂŒhrt, denn ohne Budgetrestriktion ist die in a) kritisierte Annahme unbegrenzt verfĂŒgbaren Kapitals zum Kalkulationszins gerade erfĂŒllt. Eine Rangfolge wird dann ĂŒberflĂŒssig, weil sich die Projekte nicht mehr gegenseitig um knappes Kapital verdrĂ€ngen, und die Kapitalwertrate verliert ihre Funktion als Verteilungskriterium. Der Kapitalwert misst als absolute GröĂe genau das, was bei unbegrenztem Kapital maximiert werden soll, nĂ€mlich den gesamten Wertzuwachs des Unternehmens.
5. F8 · Statische Investitionsrechnung (6 P.) â Original-Klausur 11.07.2025
b) 3 P. Warum muss fĂŒr die kalkulatorischen Zinsen der Restwert zur Anschaffungsausgabe addiert werden?
- a) Abschreibung = Wertverzehr (Werteverbrauch) des Objekts ĂŒber die Nutzungsdauer â nur der TATSAECHLICH verbrauchte Teil darf als Kosten verrechnet werden.
- a) Der Restwert geht NICHT verloren â er bleibt am Ende erhalten und lĂ€sst sich realisieren (Verkauf/Liquidation) â kein Wertverzehr, gehört nicht in die Abschreibungsbasis.
- a) Abschreibungsbasis = Anschaffungsausgabe MINUS Restwert, verteilt auf n Jahre: Abschr. = (A0 â Rn)/n. Ohne Abzug wĂŒrde man Kosten zu hoch ansetzen (man schreibt Wert ab, der gar nicht verloren geht).
- b) Kalk. Zinsen = Verzinsung / OpportunitÀtskosten des im Objekt gebundenen Kapitals.
- b) Das gebundene Kapital sinkt (bei linearer Abschreibung) von A0 am Anfang auf Rn am Ende â es fĂ€llt NICHT auf 0, weil der Restwert bis Nutzungsende im Objekt gebunden bleibt.
- b) Durchschnittlich gebundenes Kapital = Mittel aus Anfangs- und Endwert = (A0 + Rn)/2 â deshalb Restwert ADDIEREN. Kalk. Zinsen = ((A0 + Rn)/2) · i. Ohne Restwert wĂ€re der Endwert 0 und man rechnete mit zu wenig Kapital.
- Kalkulatorische Abschreibung = der jĂ€hrliche Wertverlust einer Anschaffung, den man als Kosten mitrechnet. Bsp.: Eine Maschine fĂŒr 10.000 EUR nutzt sich in 5 Jahren ab â pro Jahr ein StĂŒck 'Verschleiss', das kostet.
- Restwert = das, was die Maschine am Ende noch wert ist bzw. beim Verkauf noch bringt. Dieser Teil geht NICHT kaputt/verloren â man bekommt ihn zurĂŒck.
- Gebundenes Kapital = das Geld, das in der Maschine 'feststeckt' und deshalb nicht anderweitig angelegt werden kann. Am Anfang steckt der volle Kaufpreis drin, am Ende nur noch der Restwert.
- Kalkulatorische Zinsen / OpportunitĂ€tskosten = der entgangene Gewinn dafĂŒr, dass das Geld in der Maschine gebunden ist statt z. B. auf der Bank Zinsen zu bringen. Man rechnet ihn als fiktive Kosten mit ein.
- Durchschnittlich gebundenes Kapital = Mittelwert aus 'Geld am Anfang' und 'Geld am Ende' â vergleichbar mit dem Durchschnittsstand eines Sparbuchs, das sich langsam leert.
Verwendete Grössen: = Anschaffungsausgabe (Kaufpreis der Investition), = Restwert (Rest-/Liquidationserlös am Ende der Nutzung), = Nutzungsdauer (Jahre), = kalkulatorischer Zinssatz.
a) Warum wird der Restwert bei den kalkulatorischen Abschreibungen subtrahiert? (3 Punkte)
Formel der kalkulatorischen Abschreibung (linear):
Grund 1 â Abschreibung bildet den Wertverzehr ab. Die kalkulatorische Abschreibung soll den tatsĂ€chlichen Werteverbrauch (Wertverzehr) des Investitionsobjekts ĂŒber die Nutzungsdauer als Kosten erfassen. Verrechnet werden darf nur der Teil des Anschaffungswerts, der wirklich verbraucht wird.
Grund 2 â Der Restwert geht nicht verloren. Am Ende der Nutzungsdauer besitzt das Objekt noch den Restwert . Dieser Betrag wird nicht verbraucht, sondern bleibt erhalten und kann realisiert werden (z. B. durch Verkauf oder Liquidation). Er stellt somit keinen Wertverzehr dar.
Grund 3 â Abschreibungsbasis = nur der verbrauchte Teil. TatsĂ€chlich verbraucht wird also nur die Differenz . WĂŒrde man den Restwert nicht abziehen und den vollen Anschaffungswert abschreiben, wĂŒrde man Kosten fĂŒr einen Wertverzehr ansetzen, der gar nicht eintritt â die Kosten der Investition wĂ€ren ĂŒberhöht und das Verfahren rechnete falsch. Deshalb wird der Restwert von der Anschaffungsausgabe subtrahiert.
b) Warum wird der Restwert bei den kalkulatorischen Zinsen addiert? (3 Punkte)
Formel der kalkulatorischen Zinsen (auf das durchschnittlich gebundene Kapital):
Grund 1 â Zinsen verzinsen das gebundene Kapital. Die kalkulatorischen Zinsen erfassen die Verzinsung bzw. die OpportunitĂ€tskosten des Kapitals, das im Investitionsobjekt gebunden ist (das Geld steht fĂŒr keine andere Anlage zur VerfĂŒgung).
Grund 2 â Das gebundene Kapital sinkt, aber nur bis auf den Restwert. Durch die laufende Abschreibung nimmt das gebundene Kapital im Zeitverlauf ab: Es startet zu Beginn beim vollen Anschaffungswert und sinkt (bei linearer Abschreibung) bis zum Ende der Nutzungsdauer auf den Restwert â nicht auf null, weil der Restwert bis zum Nutzungsende im Objekt gebunden bleibt.
Grund 3 â Durchschnitt aus Anfangs- und Endwert. FĂŒr die Zinsberechnung wird das durchschnittlich gebundene Kapital verwendet, also das Mittel aus Anfangswert und Endwert :
Weil der Endwert eben nicht 0, sondern ist, muss der Restwert zur Anschaffungsausgabe addiert werden. WĂŒrde man ihn weglassen (also von auf 0 rechnen: ), setzte man ein zu geringes durchschnittliches Kapital an und wiese zu niedrige kalkulatorische Zinsen aus.
Kurz gegenĂŒbergestellt: Bei der Abschreibung geht es um den verbrauchten Wert â Restwert raus (subtrahieren). Bei den Zinsen geht es um das durchschnittlich gebundene Kapital â Restwert als Endbestand rein (addieren).
âš+1â© Die Abgrenzung zur dynamischen Rechnung als Reserve: Beide Restwert-Korrekturen gelten nur fĂŒr die statischen Verfahren, denn in der Kapitalwertmethode haben kalkulatorische Abschreibungen und kalkulatorische Zinsen nichts zu suchen â dort steckt die Anschaffungsausgabe vollstĂ€ndig als im Zeitpunkt , die Kapitalbindungskosten stecken im Diskontierungszinssatz, und der Restwert erscheint als echte, mit abgezinste Einzahlung am Ende der Nutzungsdauer und gerade nicht als KorrekturgröĂe in einer Durchschnittsformel.
Cashflow aus Investitionen â Brutto- vs. Nettoinvestitionen (#01)
Rohleders Kompass, FINA U12 · Fundamente 2 (Cashflow-Arten, Zinssatz, Barwert & Kapitalwert, Risiko)
- Frage: Warum zwischen Brutto- und Nettoinvestitionen unterscheiden?
- Nettoinvestition = Bruttoinvestition befreit von den Abschreibungen der bestehenden GĂŒter
- Zeigt daher, wie viel Kapital tatsÀchlich NEU investiert wird
- In der Bruttoinvestition steckt auch der blosse Ersatz abgeschriebener/verbrauchter GĂŒter
- Cashflow = das echte Geld, das im Unternehmen rein- und rausfliesst. Nicht der Gewinn auf dem Papier, sondern was wirklich auf dem Konto bewegt wird.
- Investition = Geld ausgeben, um etwas Langfristiges anzuschaffen (Maschine, Fahrzeug, GebÀude), das spÀter Nutzen bringt.
- Bruttoinvestition = alles Geld, das fĂŒr neue Anschaffungen ausgegeben wurde. 'Brutto' heisst hier: die volle, ungekĂŒrzte Summe.
- Abschreibung = die jĂ€hrliche 'Wertverbrauch-Portion' einer Maschine. Beispiel: eine Maschine fĂŒr 10.000 Euro hĂ€lt 10 Jahre, also 'verbraucht' sie pro Jahr 1.000 Euro an Wert. Das ist die Abschreibung.
- Nettoinvestition = Bruttoinvestition minus dieser Wertverbrauch. 'Netto' heisst: nur der Teil, der wirklich zusÀtzlich neu dazukommt.
- Ersatz abgeschriebener GĂŒter = kaputte oder verbrauchte Maschinen einfach durch gleichwertige ersetzen. Das ist kein Wachstum, nur Loch-Stopfen. Deshalb rechnet man es raus, um zu sehen, was echt NEU dazukommt.
Frage (#01): Warum muss zwischen Bruttoinvestitionen und Nettoinvestitionen unterschieden werden?
Rohleders Antwort: Die Nettoinvestitionen sind von den Abschreibungen der bestehenden GĂŒter befreit und zeigen daher an, wie viel Kapital tatsĂ€chlich neu investiert wird.
Der Kerngedanke: In der Bruttoinvestition steckt auch der blosse Ersatz bereits abgeschriebener (verbrauchter) GĂŒter. Rechnet man die Abschreibungen heraus, bleibt der Anteil ĂŒbrig, der wirklich zusĂ€tzlich neu ins Unternehmen investiert wurde â das ist die Nettoinvestition.
Cashflow aus Finanzierung â Zinsaufwand im OCF (#02)
Rohleders Kompass, FINA U12
- Frage: Was spricht dafĂŒr, den Zinsaufwand unter den OCF zu subsumieren?
- Anlagevermögen ist fremdkapital-finanziert (FK-finanziert)
- Zinsen sind damit indirekt am operativen GeschÀft beteiligt
- Sollten daher mit einkalkuliert werden -> in den OCF
- Zinsaufwand = die Miete fĂŒrs geliehene Geld. Wer einen Kredit hat, zahlt der Bank regelmĂ€ssig Zinsen dafĂŒr.
- OCF (Operativer Cashflow) = das Geld, das durch das eigentliche KerngeschÀft rein- und rausfliesst (Verkaufen der Produkte, Löhne zahlen usw.). 'Operativ' = der normale Tagesbetrieb.
- subsumieren = einordnen unter. Die Frage ist: Soll man die Zinskosten in den Topf 'Tagesbetrieb' stecken?
- Anlagevermögen = die langlebigen Sachen der Firma (Maschinen, Hallen, Fahrzeuge), mit denen ĂŒberhaupt gearbeitet wird.
- Fremdkapital-finanziert (FK-finanziert) = mit geliehenem Geld bezahlt. 'Fremd' weil das Geld jemand anderem gehört (der Bank), nicht der Firma selbst.
- Gedankengang: Wenn die Maschinen fĂŒrs TagesgeschĂ€ft mit Kredit gekauft wurden, dann gehören die Zinsen fĂŒr diesen Kredit wirtschaftlich auch zum TagesgeschĂ€ft dazu.
Frage (#02): Was spricht dafĂŒr, den Zinsaufwand unter den Operativen Cashflow zu subsumieren?
Rohleders Antwort: Das Anlagevermögen ist fremdkapital-finanziert (FK-finanziert) und die Zinsen sind damit indirekt am operativen GeschÀft beteiligt. Sie sollten daher auch mit einkalkuliert werden.
Die Argumentationslinie: Weil das Anlagevermögen, mit dem das operative GeschĂ€ft ĂŒberhaupt betrieben wird, ĂŒber Fremdkapital finanziert ist, gehören die dafĂŒr anfallenden Zinsen wirtschaftlich zum laufenden Betrieb dazu â und damit in den Operativen Cashflow.
Operativer Cashflow â Vereinfachung in Abbildung A-7 (#03)
Rohleders Kompass, FINA U12
- Frage: Welche erhebliche Vereinfachung enthalten Abb. A-7 und die OCF-AusfĂŒhrungen?
- ACHTUNG: Im Kompass KEINE Musterantwort hinterlegt â nur die Frage
- Nichts aus eigenem Wissen ausfĂŒllen, um Kompass-Treue zu wahren
- To-do: konkrete Vereinfachung im Vorlesungsskript nachschlagen
- OCF (Operativer Cashflow) = das Geld aus dem normalen KerngeschÀft (siehe vorher).
- Abbildung A-7 = eine bestimmte Grafik im Vorlesungsskript. Ohne das Skript kann man hier nichts sehen.
- Vereinfachung = wenn man in einem Modell absichtlich etwas weglÀsst oder glattzieht, damit die Rechnung einfacher wird, aber dadurch etwas ungenauer.
- Warum hier keine Antwort steht: In der Lernvorlage ('Kompass') ist bewusst keine Musterlösung hinterlegt. Es wird nichts erfunden, um nichts Falsches zu lernen.
- To-do = offene Aufgabe: die konkrete Vereinfachung selbst im Skript nachschlagen.
Frage (#03): Abbildung A-7 und die AusfĂŒhrungen zum OCF enthalten eine erhebliche Vereinfachung â welche?
Hinweis zur Treue: Zu dieser Frage ist im Kompass-Dokument selbst keine ausformulierte Musterantwort hinterlegt â nur die Frage mit Verweis auf Abbildung A-7. Hier wird bewusst nichts aus eigenem Wissen ergĂ€nzt, damit nichts Falsches oder dem Kompass Widersprechendes entsteht.
To-do fĂŒrs Lernen: Die konkrete Vereinfachung aus Abbildung A-7 im Vorlesungsskript nachschlagen und hier eintragen.
Zwei Wege zur Ermittlung des OCF (#04)
Rohleders Kompass, FINA U12
- Frage: ErlÀutern Sie die beiden Wege zur Ermittlung des OCF.
- Weg 1 (Prinzip): vom JahresĂŒberschuss alle Positionen eliminieren, die zwar Aufwand/Ertrag, aber noch nicht zahlungswirksam sind
- Weg 2 (Rechnung): JUE + AfA + RĂŒckstellungen (senken JUE, aber kein Cashflow)
- Weg 2: Erhöhung der Forderungen subtrahieren (noch nicht gezahlt)
- Beide Wege fĂŒhren zum selben Ergebnis
- JahresĂŒberschuss (JUE) = der Gewinn eines Jahres auf dem Papier: alle ErtrĂ€ge minus alle Aufwendungen. Das ist der Startpunkt.
- zahlungswirksam = da fliesst wirklich Geld. 'Nicht zahlungswirksam' = steht zwar in der Buchhaltung, aber es wurde kein echtes Geld bewegt.
- Prinzip Weg 1: Man nimmt den Papier-Gewinn und wirft alle Posten raus, bei denen kein echtes Geld geflossen ist. Ăbrig bleibt der echte Geldfluss.
- AfA = AbkĂŒrzung fĂŒr 'Absetzung fĂŒr Abnutzung', also die Abschreibung (Wertverbrauch der Maschinen). Sie senkt den Gewinn auf dem Papier, aber es fliesst dabei kein Geld ab. Darum wird sie beim OCF wieder draufgerechnet.
- RĂŒckstellungen = Geld, das man fĂŒr eine kĂŒnftige, noch unsichere Zahlung zurĂŒcklegt (z.B. fĂŒr einen erwarteten Prozess oder eine Reparatur). Auf dem Papier drĂŒcken sie den Gewinn, aber es ist noch kein Geld abgeflossen -> wieder draufrechnen.
- Erhöhung der Forderungen = die Firma hat verkauft und die Rechnung gebucht, aber der Kunde hat noch NICHT bezahlt. Der Gewinn steigt, das Geld ist aber noch nicht da -> darum abziehen.
- Beide Wege, ein Ergebnis: Weg 1 sagt allgemein 'alles ohne echtes Geld raus', Weg 2 macht genau das mit konkreten Zahlen (+AfA +RĂŒckstellungen -Forderungen).
Frage (#04): ErlÀutern Sie die beiden Wege zur Ermittlung des OCF.
Rohleders Antwort â Weg 1: Ausgehend vom JahresĂŒberschuss werden alle Positionen eliminiert, die zwar Aufwand bzw. Ertrag sind, aber noch nicht zahlungswirksam wurden.
Rohleders Antwort â Weg 2: Dem JahresĂŒberschuss werden AfA (Abschreibungen) und RĂŒckstellungen addiert, da diese Positionen den JahresĂŒberschuss senken, aber keinen Cashflow kreieren. Dasselbe gilt fĂŒr die Erhöhung der Forderungen, die wiederum subtrahiert werden muss, da sie noch nicht gezahlt wurde.
Als Schema gelesen (Weg 2):
| Position | Wirkung |
|---|---|
| JahresĂŒberschuss (JUE) | Ausgangswert |
| + AfA | zurĂŒckaddieren (senkt JUE, aber kein Geldabfluss) |
| + Erhöhung RĂŒckstellungen | zurĂŒckaddieren (kein Geldabfluss) |
| - Erhöhung Forderungen | abziehen (Ertrag gebucht, aber noch nicht gezahlt) |
| = Operativer Cashflow |
Beide Wege fĂŒhren zum selben Ergebnis: Weg 1 formuliert das Prinzip (nicht-zahlungswirksame Posten raus), Weg 2 ist die konkrete Rechenanwendung davon.
OCF als Indikator (#05) + Rabattgaben
Rohleders Kompass, FINA U12
- Frage: Was zeigt der OCF an (OCF als Indikator)?
- Zeigt, ob das Unternehmen im KerngeschÀft mehr Geld erwirtschaftet als es ausgibt
- Ăberschuss ist fĂŒr Tilgungen oder Investitionen nutzbar
- Zusatz Rohleder: Rabattgaben = vorgezogener Umsatz; Rabattaktionen manipulieren den Cashflow
- Indikator = Anzeiger. Eine Kennzahl, die einem etwas ĂŒber den Zustand der Firma verrĂ€t.
- KerngeschÀft = das, womit die Firma eigentlich ihr Geld verdient (z.B. Autos bauen, Brot backen).
- Tilgung = das ZurĂŒckzahlen eines Kredits (die Schulden abbauen), im Unterschied zu den Zinsen.
- Kernaussage: Ein positiver OCF heisst, die Firma nimmt im Alltag mehr ein als sie ausgibt. Der Ăberschuss kann Schulden abbauen oder in Neues investiert werden.
- Rabatt = Preisnachlass. 'Vorgezogener Umsatz' = durch einen Rabatt kaufen Kunden frĂŒher (jetzt statt spĂ€ter). Der Umsatz erscheint frĂŒher.
- Manipulieren des Cashflows = durch Rabattaktionen sieht der Geldfluss in dieser Periode besser aus, als er dauerhaft ist. Man leiht sich quasi Umsatz aus der Zukunft und schönt so das aktuelle Bild.
Frage (#05): Was zeigt der OCF an (OCF als Indikator)?
Rohleders Antwort: Ob ein Unternehmen im KerngeschĂ€ft mehr Geld erwirtschaftet als es ausgibt und somit fĂŒr Tilgungen oder Investitionen genutzt werden kann.
Zusatz-Notiz Rohleder (zu Rabatten): Rabattgaben sind vorgezogener Umsatz â Rabattaktionen sind nur dazu da, den Cashflow zu "manipulieren". Das heisst: Ein durch Rabattaktionen kĂŒnstlich nach vorn gezogener Umsatz lĂ€sst den Cashflow einer Periode besser aussehen, als er nachhaltig ist.
'Profit is an opinion â Cash is fact' (#06)
Rohleders Kompass, FINA U12
- Frage: ErlĂ€utern Sie 'Profit is an opinion â Cash is fact.'
- Bilanz lÀsst sich so verÀndern, dass der JUE höher ausfÀllt (Werkzeuge wie Abschreibungen etc.)
- Der Cashflow hingegen ist gegen solche EinflĂŒsse immun
- Gewinn = bilanzpolitischer Ermessensspielraum (opinion); Geldfluss = nicht gestaltbar (fact)
- Profit = Gewinn (der Ăberschuss auf dem Papier). 'Opinion' = Meinung/Ansichtssache.
- Cash = das echte Bargeld/Kontoguthaben. 'Fact' = Tatsache, unstrittig.
- Bilanz = die grosse Aufstellung, was die Firma besitzt und was sie schuldet (Vermögen und Schulden zu einem Stichtag).
- bilanzpolitischer Ermessensspielraum = legale Wahlmöglichkeiten in der Buchhaltung. Man kann z.B. bei der Abschreibung schneller oder langsamer abschreiben und damit den ausgewiesenen Gewinn hoch- oder runterdrĂŒcken.
- immun = unangreifbar. Der echte Geldfluss lÀsst sich nicht durch solche Buchungstricks schönrechnen.
- Kernsatz: Der Gewinn hÀngt davon ab, wie man bucht (verhandelbar), das echte Geld ist einfach da oder nicht (nicht verhandelbar).
Frage (#06): "Profit is an opinion â Cash is fact." ErlĂ€utern Sie!
Rohleders Antwort: Es gibt Möglichkeiten, eine Bilanz so zu verĂ€ndern, dass der JahresĂŒberschuss höher ausfĂ€llt (Werkzeuge wie Abschreibungen etc.). Der Cashflow hingegen ist gegen solche EinflĂŒsse immun.
Kern: Der ausgewiesene Gewinn hÀngt von bilanzpolitischen ErmessensspielrÀumen ab (daher "opinion"), wÀhrend der tatsÀchliche Geldfluss nicht so gestaltet werden kann (daher "fact").
Definition Freier Cashflow (#07)
Rohleders Kompass, FINA U12
- Frage: Wie ist der Freie Cashflow definiert?
- Freier Cashflow = Operativer Cashflow + Cashflow aus Investitionen
- Zeigt die liquiden Mittel, um aus eigener Kraft zu agieren (Investieren, Mittel an Kapitalgeber geben etc.)
- Cashflow aus Investitionen ist bei Investitionen negativ -> zieht vom OCF ab
- Freier Cashflow (FCF) = das Geld, das am Ende wirklich frei ĂŒbrig bleibt, nachdem der Alltagsbetrieb bezahlt und die nötigen Anschaffungen gemacht sind.
- Cashflow aus Investitionen = das Geld, das durch Kauf oder Verkauf langlebiger Dinge (Maschinen usw.) fliesst. Beim Kaufen fliesst Geld raus (negativ), beim Verkaufen rein (positiv).
- liquide Mittel = sofort verfĂŒgbares Geld (Bargeld/Kontoguthaben), mit dem man direkt etwas machen kann.
- 'aus eigener Kraft agieren' = etwas tun können, ohne sich neues Geld leihen zu mĂŒssen (z.B. investieren oder Geld an die Geldgeber ausschĂŒtten).
- Formel einfach: FCF = Geld aus dem TagesgeschĂ€ft + Geld aus Investitionen. Weil das Investitions-Geld beim Kaufen negativ ist, wird es vom TagesgeschĂ€ft abgezogen. Ăbrig bleibt der frei verfĂŒgbare Rest.
Frage (#07): Wie ist der Freie Cashflow definiert?
Rohleders Antwort: Der Freie Cashflow ist die Summe aus Operativem Cashflow und Cashflow aus Investitionen und zeigt die liquiden Mittel auf, die einem Unternehmen zur VerfĂŒgung stehen, um aus eigener Kraft agieren zu können (z.B. Investieren, Mittel an Kapitalgeber geben etc.).
Formel (als Text):
Freier Cashflow = Operativer Cashflow + Cashflow aus Investitionen
Wichtig: Der Cashflow aus Investitionen ist bei Investitionen negativ, zieht also vom OCF ab. Ăbrig bleibt der Betrag, ĂŒber den das Unternehmen frei verfĂŒgen kann.
Drei StÀrken des FCF (#08)
Rohleders Kompass, FINA U12
- Frage: Welche drei StÀrken hat der Freie Cashflow?
- 1. Geringe Manipulierbarkeit
- 2. Zeigt den finanziellen Spielraum (HandlungsfÀhigkeit)
- 3. Langfristig konstant positiver FCF -> Hinweis auf langfristige RentabilitÀt
- FCF = Freier Cashflow, das echte frei ĂŒbrige Geld (siehe vorher).
- Manipulierbarkeit = wie leicht sich eine Kennzahl durch Buchungstricks schönrechnen lĂ€sst. 'Gering manipulierbar' = schwer zu fĂ€lschen, darum vertrauenswĂŒrdig.
- finanzieller Spielraum / HandlungsfĂ€higkeit = wie viel Luft die Firma hat, aktiv etwas zu tun (investieren, Schulden zahlen), statt nur zu ĂŒberleben.
- RentabilitĂ€t = ob sich die Firma auf Dauer lohnt, also ob echt Geld ĂŒbrigbleibt. Wenn der FCF ĂŒber viele Jahre positiv ist, spricht das dafĂŒr, dass das GeschĂ€ft dauerhaft trĂ€gt.
Frage (#08): Welche drei StÀrken hat der Freie Cashflow?
Rohleders Antwort:
- Geringe Manipulierbarkeit.
- Zeigt den finanziellen Spielraum eines Unternehmens (Ist es handlungsfÀhig?).
- Ein ĂŒber einen langen Zeitraum konstant positiver FCF deutet auf langfristige RentabilitĂ€t hin.
FCF als Indikator â was er anzeigt (#09)
Rohleders Kompass, FINA U12
- Frage: Was zeigt der Freie Cashflow an (FCF als Indikator)?
- Wie viel Geld nach Abzug aller operativen Kosten und notwendigen Investitionen ĂŒbrig bleibt = liquide Mittel
- Nutzbar bei der Bank, um Fremdkapital (FK) zu beschaffen und den Leverage-Effekt zu nutzen
- Kurzform (2. Kompass-Stelle): LiquiditÀt · HandlungsfÀhigkeit · RentabilitÀt (bei langem Betrachtungszeitraum)
- Indikator = Anzeiger/Kennzahl, die etwas ĂŒber die Firma verrĂ€t.
- operative Kosten = die laufenden Kosten des Tagesbetriebs (Löhne, Material, Miete usw.).
- notwendige Investitionen = Anschaffungen, die man machen MUSS, um weiterarbeiten zu können (z.B. eine kaputte Maschine ersetzen).
- Fremdkapital (FK) beschaffen = sich Geld leihen, meist bei der Bank. Ein guter FCF ist ein Argument gegenĂŒber der Bank, weil er zeigt, dass man den Kredit bedienen kann.
- Leverage-Effekt = Hebel-Wirkung. Vereinfacht: mit geliehenem Geld arbeiten, um die eigene Rendite zu vergrössern. Solange das Geliehene mehr einbringt als es an Zinsen kostet, verstÀrkt der Hebel den Gewinn (funktioniert aber auch andersherum als Risiko).
- Drei Stichworte zusammengefasst: LiquiditÀt (habe ich Geld?), HandlungsfÀhigkeit (kann ich damit was tun?), RentabilitÀt (lohnt es sich langfristig?).
Frage (#09): Was zeigt der Freie Cashflow an (FCF als Indikator)?
Rohleders Antwort (ausfĂŒhrlich): Der Freie Cashflow zeigt an, wie viel Geld einem Unternehmen nach Abzug aller operativen Kosten und notwendigen Investitionen ĂŒbrig bleibt. Er gibt somit an, wie viel liquide Mittel zur VerfĂŒgung stehen. Dies kann dann bei der Bank genutzt werden, um Fremdkapital zu beschaffen und den Leverage-Effekt zu nutzen.
Rohleders Antwort (Kurzform, zweite Kompass-Stelle) â drei Stichworte:
- LiquiditÀt des Unternehmens
- HandlungsfÀhigkeit des Unternehmens
- RentabilitÀt (bei langem Betrachtungszeitraum)
GCF-Gleichung: Finanzmittelherkunft & -verwendung (#10)
Rohleders Kompass, FINA U12
- Frage: ErlÀutern Sie Finanzmittelherkunft und -verwendung anhand der GCF-Gleichung.
- Herkunft (Zufluss): JUE (bereinigt um AfA + RĂŒckstellungen), Desinvestitionen, EK-Erhöhung, Neukreditaufnahme
- Herkunft-Anteile zeigen: GCF durch GeschĂ€ftsbetrieb oder sonstige ZuflĂŒsse?
- Verwendung (Abfluss): Working Capital (Reinvestitionen), Tilgung der Kredite, GewinnausschĂŒttung
- Verwendung zeigt insbesondere die Ziele des Unternehmens
- GCF (Gesamter Cashflow) = das gesamte Geld, das im Betrachtungszeitraum insgesamt bewegt wurde. Eine Gleichung stellt gegenĂŒber: woher kam das Geld = wofĂŒr ging es raus.
- Finanzmittelherkunft (Zufluss) = woher das Geld GEKOMMEN ist.
- Finanzmittelverwendung (Abfluss) = wofĂŒr das Geld AUSGEGEBEN wurde.
- Desinvestitionen = das Gegenteil von Investition: man verkauft langlebige Dinge (z.B. eine nicht mehr gebrauchte Maschine) und bekommt dafĂŒr Geld rein.
- EK-Erhöhung = Eigenkapital-Erhöhung: die EigentĂŒmer schiessen neues eigenes Geld nach (oder es kommen neue MiteigentĂŒmer mit Geld dazu).
- Neukreditaufnahme = frisch einen neuen Kredit aufnehmen -> Geld kommt rein.
- Working Capital = das Geld, das im laufenden Betrieb gebunden ist (z.B. in LagerbestÀnden und offenen Kundenrechnungen). 'Reinvestitionen' hier = Geld, das wieder in den laufenden Betrieb hineinfliesst.
- GewinnausschĂŒttung = ein Teil des Gewinns wird an die EigentĂŒmer ausgezahlt.
- Kern: Die Herkunftsseite zeigt, WOHER das Geld kam (KerngeschÀft oder andere Quellen). Die Verwendungsseite zeigt, WOFUER es genutzt wurde, und verrÀt damit die Ziele der Firma.
Frage (#10): ErlÀutern Sie die Finanzmittelherkunft und die Finanzmittelverwendung anhand der GCF-Gleichung (Gesamter Cashflow).
Rohleders Antwort â Herkunft: JahresĂŒberschuss (bereinigt von AfA und RĂŒckstellungen), Desinvestitionen, EK-Erhöhung und Neukreditaufnahme zeigen den Zufluss an finanziellen Mitteln. Die jeweiligen Anteile geben Auskunft darĂŒber, ob der GCF durch den GeschĂ€ftsbetrieb oder durch sonstige ZuflĂŒsse gewĂ€hrleistet ist.
Rohleders Antwort â Verwendung: Working Capital (also Reinvestitionen), Tilgung der Kredite oder GewinnausschĂŒttung. Gibt insbesondere Auskunft ĂŒber die Ziele des Unternehmens.
Als GegenĂŒberstellung:
| Finanzmittelherkunft (Zufluss) | Finanzmittelverwendung (Abfluss) |
|---|---|
| JUE (bereinigt um AfA + RĂŒckstellungen) | Working Capital / Reinvestitionen |
| Desinvestitionen | Tilgung der Kredite |
| EK-Erhöhung | GewinnausschĂŒttung |
| Neukreditaufnahme |
Interpretation: Die Herkunftsseite zeigt, WOHER das Geld kommt (KerngeschĂ€ft vs. sonstige Quellen); die Verwendungsseite zeigt, WOFUER es eingesetzt wird â und verrĂ€t damit die Ziele des Unternehmens.
Finanzierungsarten den FMH-Summanden zuordnen (#11)
Rohleders Kompass, FINA U12
- Frage: Ordnen Sie die Finanzierungsarten der Mittelherkunft den FMH-Summanden zu.
- JUE -> Innenfinanzierung
- AfA -> Innenfinanzierung
- RST (RĂŒckstellungen) -> Innenfinanzierung / Fremdfinanzierung
- Desinvestitionen -> Innenfinanzierung
- Neukreditaufnahme -> Fremdfinanzierung
- EK-Erhöhung -> Eigenfinanzierung
- Hinweis: zusammenfassende Abbildung A-14 beachten
- FMH = Finanzmittelherkunft (woher das Geld kam). 'Summanden' = die einzelnen Posten, die zusammengezÀhlt werden.
- Finanzierungsart = die Frage, WOHER genau das Geld stammt (aus der Firma selbst, von EigentĂŒmern, oder von Fremden wie der Bank).
- Innenfinanzierung = das Geld kommt aus der Firma selbst heraus, aus dem eigenen Wirtschaften (z.B. erwirtschafteter Gewinn), ohne dass jemand von aussen Geld reinsteckt.
- Eigenfinanzierung = das Geld kommt von den EigentĂŒmern (Eigenkapital), also von den 'Chefs'/Anteilseignern selbst.
- Fremdfinanzierung = das Geld kommt von aussen als Schulden (z.B. Bankkredit), das man zurĂŒckzahlen muss.
- JUE (JahresĂŒberschuss) und AfA (Abschreibung) zĂ€hlen zur Innenfinanzierung, weil sie aus dem eigenen Wirtschaften der Firma stammen.
- RĂŒckstellungen (RST) stehen in beiden Spalten: Sie entstehen im Unternehmen selbst (innen), sind aber gleichzeitig eine kĂŒnftige Zahlung an Dritte (fremd) -> darum die Doppel-Einordnung.
- Abbildung A-14 = eine zusammenfassende Grafik im Skript, die man dazu anschauen soll.
Frage (#11): Ordnen Sie die Finanzierungsarten der Mittelherkunft den Summanden der FMH-Gleichung (Finanzmittelherkunft) zu.
Rohleders Antwort:
| Summand (Mittelherkunft) | Finanzierungsart |
|---|---|
| JUE (JahresĂŒberschuss) | Innenfinanzierung |
| AfA (Abschreibungen) | Innenfinanzierung |
| RST (RĂŒckstellungen) | Innenfinanzierung / Fremdfinanzierung |
| Desinvestitionen | Innenfinanzierung |
| Neukreditaufnahme | Fremdfinanzierung |
| EK-Erhöhung | Eigenfinanzierung |
Hinweis Rohleder: Beachten Sie die zusammenfassende Abbildung A-14. (ErlĂ€uterung, nicht im Kompass verbatim:) Die Doppeleinordnung der RĂŒckstellungen lĂ€sst sich damit erklĂ€ren, dass sie aus dem Unternehmen selbst entstehen (innen), aber zugleich eine Verpflichtung gegenĂŒber Dritten darstellen (fremd).
Warum gibt es Zinsen? â drei GrĂŒnde (#12)
Rohleders Kompass, FINA U12
- Frage: Warum gibt es Zinsen (drei GrĂŒnde)?
- 1. GegenwĂ€rtiger Konsum wird höher eingeschĂ€tzt als zukĂŒnftiger
- 2. Inflation
- 3. Risiko
- Zinsen = der Preis fĂŒrs Geldleihen. Wer Geld verleiht, will dafĂŒr eine Belohnung; wer es leiht, zahlt dafĂŒr.
- Grund 1 â ZeitprĂ€ferenz: Menschen wollen lieber jetzt gleich etwas haben als spĂ€ter. Wer aufs Jetzt-Ausgeben verzichtet und stattdessen verleiht, will dafĂŒr entschĂ€digt werden.
- Konsum = einfach 'Geld ausgeben, um sich etwas zu gönnen/zu kaufen'.
- Grund 2 â Inflation: Geld wird mit der Zeit weniger wert (fĂŒr den gleichen Betrag bekommt man spĂ€ter weniger). Diesen Kaufkraftverlust will man ausgeglichen bekommen.
- Grund 3 â Risiko: Es ist unsicher, ob man das verliehene Geld ĂŒberhaupt (ganz) zurĂŒckbekommt. FĂŒr diese Unsicherheit will man extra belohnt werden.
Frage (#12): Warum gibt es Zinsen (drei GrĂŒnde)?
Rohleders Antwort:
- GegenwĂ€rtiger Konsum wird höher eingeschĂ€tzt als zukĂŒnftiger (Konsumverzicht muss entschĂ€digt werden).
- Inflation (Kaufkraftverlust ĂŒber die Zeit).
- Risiko (Unsicherheit, das Geld nicht oder nicht vollstĂ€ndig zurĂŒckzĂŒrhalten).
Weitere Funktion des Zinses (#13)
Rohleders Kompass, FINA U12
- Frage: Welche weitere Funktion ĂŒbernimmt der Zins?
- Eine Bewertung der drei GrĂŒnde von oben
- Der Zins bepreist/bewertet ZeitprÀferenz, Inflation und Risiko in einem Wert
- Zins = der Preis fĂŒrs Geldleihen (siehe vorher).
- Funktion = welche Aufgabe/Rolle etwas hat. Gefragt ist: was leistet der Zins noch, ausser Preis zu sein?
- 'Bewertung der drei GrĂŒnde' = der Zins bringt ZeitprĂ€ferenz, Inflation und Risiko auf einen gemeinsamen Preis. Er packt diese drei unsichtbaren Dinge in EINE Zahl.
- bepreisen/bewerten = mit einem konkreten Preis/Wert versehen. Der Zinssatz drĂŒckt in Prozent aus, wie stark diese drei Faktoren zusammen ins Gewicht fallen.
Frage (#13): Welche weitere Funktion ĂŒbernimmt der Zins?
Rohleders Antwort: Eine Bewertung der drei GrĂŒnde von oben.
Das heisst: Der Zinssatz ist nicht nur eine abstrakte Grösse, sondern er bepreist / bewertet die drei Ursachen aus #12 (ZeitprĂ€ferenz fĂŒr Konsum, Inflation, Risiko) und fasst sie in einem Wert zusammen.
Unrealistische PrÀmissen beim Auf-/Abzinsen (#14)
Rohleders Kompass, FINA U12
- Frage: Welche wichtigen, aber unrealistischen PrÀmissen werden beim Auf- und Abzinsen hÀufig gesetzt?
- 1. Möglichkeit des Totalausfalls wird nicht berechnet
- 2. Kaufkraftverlust durch Inflation kann maximal geschÀtzt werden
- 3. Der Zinssatz ist fix
- PrĂ€misse = eine Annahme, die man vorher setzt, damit die Rechnung ĂŒberhaupt funktioniert. 'Unrealistisch' = in Wirklichkeit stimmt sie so nicht ganz.
- Aufzinsen = ausrechnen, was heutiges Geld in der Zukunft wert wÀre, wenn es Zinsen sammelt (nach vorne in der Zeit rechnen).
- Abzinsen = das Gegenteil: was ist zukĂŒnftiges Geld heute wert (zurĂŒck in die Gegenwart rechnen). ZukĂŒnftiges Geld ist heute weniger wert.
- Totalausfall = der schlimmste Fall: man bekommt gar nichts zurĂŒck (Schuldner pleite). In der einfachen Rechnung wird diese Möglichkeit ausgeblendet.
- 'Kaufkraftverlust kann maximal geschÀtzt werden' = wie stark das Geld durch Inflation an Wert verliert, weiss man vorher nie genau, man kann es nur ungefÀhr raten.
- 'Zinssatz ist fix' = man tut so, als bliebe der Zins die ganze Zeit gleich. In Wirklichkeit schwankt er stÀndig.
Frage (#14): Welche wichtigen, aber unrealistischen PrÀmissen werden beim Auf- und Abzinsen hÀufig gesetzt?
Rohleders Antwort:
- Die Möglichkeit des Totalausfalls wird nicht berechnet.
- Der Kaufkraftverlust durch die Inflation kann maximal geschÀtzt werden.
- Der Zinssatz ist fix.
Alle drei Annahmen vereinfachen die Rechnung, weichen aber von der RealitÀt ab: In Wirklichkeit gibt es Ausfallrisiko, unsichere Inflation und schwankende ZinssÀtze.
Betriebswirtschaftliche Bedeutung des Barwerts (#15)
Rohleders Kompass, FINA U12
- Frage: ErlÀutern Sie die betriebswirtschaftliche Bedeutung des Barwerts.
- Der zu investierende Betrag, um bei fixem Zeithorizont und Zins eine Auszahlung Zn zu erhalten
- Umgekehrt: heutiger Wert einer zukĂŒnftigen Zahlung -> macht Investitionen bewertbar
- Veranschaulichung: Wert bei sofortiger Zahlung statt Raten (ohne Inflation/Ausfallrisiko); dafĂŒr Rabatt nötig
- = heutiger Wert eines zukĂŒnftigen Geldbetrages
- Barwert = was eine erst spÀter fliessende Zahlung HEUTE wert ist. Weil Geld in der Zukunft weniger wert ist, ist der heutige Wert kleiner als die spÀtere Summe.
- Zn = die kĂŒnftige Auszahlung nach n Jahren (das 'Z' steht fĂŒr die Zahlung, das kleine 'n' fĂŒr den Zeitpunkt/das Jahr).
- 'fixer Zeithorizont und Zins' = man legt fest: wie viele Jahre und welcher Zinssatz. Damit kann man zurĂŒckrechnen.
- Beispiel Raten vs. sofort: Wer statt in Raten alles sofort bezahlt, gibt der Firma das Geld frĂŒher. DafĂŒr bekommt er einen Rabatt, weil frĂŒheres Geld mehr wert ist als spĂ€teres.
- Nutzen: Der Barwert macht Investitionen vergleichbar. Man kann fragen 'Was ist mir eine kĂŒnftige Einnahme heute wert?' und so verschiedene Angebote auf denselben Zeitpunkt herunterrechnen.
Frage (#15): ErlÀutern Sie die betriebswirtschaftliche Bedeutung des Barwerts.
Rohleders Antwort: Es ist der zu investierende Betrag, um bei fixem Zeithorizont und Zins eine Auszahlung Zn zu erhalten. Dadurch lassen sich umgekehrt der heutige Wert einer zukĂŒnftigen Zahlung bestimmen und somit Investitionen bewerten.
Rohleders Veranschaulichung: Der Barwert ist der Wert, den eine Dienstleistung oder Ware hat, wenn sie jetzt sofort gezahlt wird, anstatt ĂŒber eine Periode in "Raten" â unter Entfall von Inflation und Ausfallrisiko. HierfĂŒr muss dem KĂ€ufer ein Rabatt gewĂ€hrt werden. Es ist also der heutige Wert eines zukĂŒnftigen Geldbetrages.
Kurz: Der Barwert beantwortet die Frage "Was ist eine erst in der Zukunft fliessende Zahlung Zn heute wert?" â und macht dadurch Investitionen vergleichbar/bewertbar.
Was ist eine Zahlungsreihe? (#16)
Rohleders Kompass, FINA U12
- Frage: Was ist eine Zahlungsreihe?
- Grösse, die den Barwert vieler aufeinanderfolgender Einzahlungen kumuliert
- Dadurch nicht nur auf Einmalinvestitionen, sondern auch auf SparplÀne etc. anwendbar
- = mehrere aufeinanderfolgende Zahlungen jeweils auf heute abgezinst und aufsummiert
- Barwert = der heutige Wert einer spÀteren Zahlung (siehe vorher).
- Zahlungsreihe = mehrere Zahlungen, die nacheinander in verschiedenen Jahren fliessen (z.B. jedes Jahr eine Einzahlung).
- kumulieren = aufsummieren, alles zusammenzÀhlen.
- Einmalinvestition = man zahlt/bekommt nur einmal einen Betrag. Ein Sparplan dagegen = viele Zahlungen ĂŒber die Zeit.
- Kern: Statt nur eine kĂŒnftige Zahlung auf heute umzurechnen, rechnet man jede der vielen Zahlungen einzeln auf heute um und addiert sie. So kann man auch SparplĂ€ne o.Ă€. bewerten.
Frage (#16): Was ist eine Zahlungsreihe?
Rohleders Antwort: Es ist eine Grösse, die den Barwert vieler aufeinanderfolgender Einzahlungen kumuliert und dadurch nicht nur auf Einmalinvestitionen, sondern auch auf SparplÀne etc. anwendbar ist.
Kern: Statt nur einer einzelnen kĂŒnftigen Zahlung werden mehrere aufeinanderfolgende Zahlungen jeweils auf heute abgezinst und aufsummiert.
Definition Kapitalwert (#17)
Rohleders Kompass, FINA U12
- Frage: Wie ist der Kapitalwert definiert?
- Durch eine Zahlungsreihe, bestehend aus den Barwerten jeder Investition
- = kumulierte Zahlungsreihe der auf heute abgezinsten Einzelzahlungen einer Investition
- Kapitalwert = der heutige Gesamtwert aller Ein- und Auszahlungen, die zu einer Investition gehören, zusammengerechnet auf heute.
- Barwert = der heutige Wert einer einzelnen kĂŒnftigen Zahlung (siehe vorher).
- Zahlungsreihe = alle Zahlungen einer Investition ĂŒber die Jahre nacheinander.
- 'auf heute abgezinst' = jede kĂŒnftige Zahlung wird auf ihren heutigen Wert zurĂŒckgerechnet.
- Kern: Man nimmt bei einer Investition alle einzelnen Zahlungen, rechnet jede auf heute um und zÀhlt sie zusammen. Das Ergebnis ist der Kapitalwert.
Frage (#17): Wie ist der Kapitalwert definiert?
Rohleders Antwort: Durch eine Zahlungsreihe, bestehend aus den Barwerten jeder Investition.
Der Kapitalwert ist also die (kumulierte) Zahlungsreihe der auf heute abgezinsten Einzelzahlungen, die zu einer Investition gehören.
Positiver Kapitalwert â Interpretation (#18)
Rohleders Kompass, FINA U12
- Frage: Wie ist ein positiver Kapitalwert betriebswirtschaftlich zu interpretieren?
- Das Investment generiert einen Mehrwert
- -> ist damit profitabel
- Kapitalwert = der auf heute gerechnete Gesamtwert einer Investition (siehe vorher).
- positiv = grösser als null, also die Investition bringt unterm Strich mehr rein als sie kostet.
- Mehrwert generieren = es bleibt echt etwas ĂŒbrig, die Investition schafft zusĂ€tzlichen Wert.
- profitabel = lohnend, es lohnt sich finanziell. Ein positiver Kapitalwert = Daumen hoch fĂŒr die Investition.
Frage (#18): Wie ist ein positiver Kapitalwert betriebswirtschaftlich zu interpretieren?
Rohleders Antwort: Ein positiver Kapitalwert bedeutet, dass das Investment einen Mehrwert generiert und damit profitabel ist.
Was versteht man unter einer AnnuitÀt? (#19)
Rohleders Kompass, FINA U12
- Frage: Was versteht man unter einer AnnuitÀt?
- Eine konstante Zahlung oder Einnahme
- die in Intervallen (z.B. jÀhrlich) auftritt
- AnnuitÀt = eine immer gleich hohe Zahlung, die regelmÀssig wiederkehrt (z.B. jedes Jahr derselbe Betrag).
- konstant = die Höhe Àndert sich nicht, es ist jedes Mal dieselbe Summe.
- in Intervallen = in gleichen ZeitabstÀnden (z.B. jÀhrlich, monatlich). Alltagsbeispiel: die immer gleiche monatliche Kreditrate.
Frage (#19): Was versteht man unter einer AnnuitÀt?
Rohleders Antwort: Beschreibt eine konstante Zahlung oder Einnahme, die in Intervallen (z.B. jÀhrlich) auftritt.
Besonderheit der Ewigen Rente (#20)
Rohleders Kompass, FINA U12
- Frage: Was ist das Besondere an einer Ewigen Rente (Kapitalwert einer konstanten, unendlichen Einzahlungsreihe)?
- Die Laufzeit der Zahlungsreihe ist unendlich bei konstanten Zahlungen
- Unendliche Laufzeit ist nicht real, aber hohe Laufzeit kommt der Ewigen Rente oft nah
- -> als Vereinfachung zur Bewertung einer Investition nutzbar
- Ewige Rente = eine gleich hohe Zahlung, die theoretisch ohne Ende immer weiter fliesst (unendlich lange).
- Laufzeit = wie lange die Zahlungen fliessen. 'Unendlich' = ohne festes Ende.
- konstante Zahlungen = jedes Mal derselbe Betrag (siehe AnnuitÀt).
- 'nicht real, aber NÀherung' = wirklich unendlich gibt es nichts, aber bei sehr langer Laufzeit ist der Unterschied so klein, dass man so tun kann als wÀre es ewig. Das macht die Rechnung viel einfacher.
- Nutzen: Diese Vereinfachung hilft, eine Investition mit sehr langer Laufzeit trotzdem leicht zu bewerten.
Frage (#20): Was ist das Besondere an einer Ewigen Rente (Kapitalwert einer konstanten, unendlichen Einzahlungsreihe)?
Rohleders Antwort: Die Laufzeit der Zahlungsreihe ist unendlich bei konstanten Zahlungen. Auch wenn eine unendliche Laufzeit nicht real ist, kommt man mit einer hohen Laufzeit oft nah an die Ewige Rente heran und kann diese daher als Vereinfachung zur Bewertung einer Investition heranziehen.
Definition Risiko + upside/downside (#21)
Rohleders Kompass, FINA U12
- Frage: Wie ist Risiko in der Finanzwirtschaft definiert (inkl. upside/downside)?
- Risiko = Abweichung von einem erwarteten Ereignis
- Abweichung nach oben (upside) UND nach unten (downside) zÀhlt als Risiko
- Klausur-Merker: Risiko ist NICHT nur die negative Abweichung
- Risiko (hier finanzwirtschaftlich) = jede Abweichung vom erwarteten Ergebnis, egal in welche Richtung. Nicht nur 'es geht schief'.
- erwartetes Ereignis = das, womit man vorher gerechnet hat (der geplante/erwartete Wert).
- upside = die Abweichung nach OBEN, es lÀuft besser als erwartet.
- downside = die Abweichung nach UNTEN, es lÀuft schlechter als erwartet.
- Klausur-Merker: Wichtig ist die ungewohnte Definition. Im Alltag denkt man bei 'Risiko' nur an Gefahr. In der Finanzwelt zĂ€hlt auch die positive Ăberraschung als Risiko, weil es eben von der Erwartung abweicht.
Frage (#21): Wie ist Risiko in der Finanzwirtschaft definiert? Gehen Sie auch auf die Begriffe "upside" und "downside" ein.
Rohleders Antwort: Risiko ist die Abweichung von einem erwarteten Ereignis. Diese Abweichung kann sowohl nach oben (upside) als auch nach unten (downside) als Risiko bezeichnet werden.
Wichtig fĂŒr die Klausur: In der Finanzwirtschaft ist Risiko NICHT nur die negative Abweichung â auch eine Abweichung nach oben zĂ€hlt zum Risikobegriff.
Erwartungswertbildung & VolatilitÀt (#22, #23)
Rohleders Kompass, FINA U12
- Frage: ErlÀutern Sie Erwartungswertbildung und VolatilitÀt.
- Beide prognostizieren aus Vergangenheitsbetrachtungen die Zukunft
- Erwartungswertbildung: Durchschnittswerte als zu erwartende Werte
- VolatilitÀt: Standardabweichung als Schwankungsbreite der Anlage
- VolatilitÀt = starkes Schwanken der Kurse; bedeutet NICHT automatisch Risiko (niedriger Kurs kann schnell wieder steigen)
- Erwartungswertbildung = aus den Werten der Vergangenheit einen Durchschnitt bilden und annehmen, dass es kĂŒnftig ungefĂ€hr so weitergeht. Der Durchschnitt ist der 'erwartete' Wert.
- Durchschnittswert = alle Werte zusammengezÀhlt und durch ihre Anzahl geteilt (Mittelwert).
- VolatilitÀt = wie stark ein Kurs/Preis hin und her schwankt. Hohe VolatilitÀt = starke AusschlÀge hoch und runter.
- Standardabweichung = ein Mass dafĂŒr, wie weit die einzelnen Werte im Schnitt vom Durchschnitt entfernt liegen. Kurz: die Schwankungsbreite in einer Zahl.
- Kurs = der aktuelle Preis eines Wertpapiers (z.B. einer Aktie) an der Börse.
- Wichtige Feinheit: Starkes Schwanken heisst NICHT automatisch Gefahr. Ein tiefer Kurs kann genauso schnell wieder nach oben schnellen, das kann fĂŒr den Anleger sogar eine Chance sein.
Frage (#22 & #23): ErlÀutern Sie die Konzepte Erwartungswertbildung und VolatilitÀt.
Rohleders Antwort (gemeinsam): Beide Konzepte sollen anhand von Vergangenheitsbetrachtungen die Zukunft prognostizieren. Hierzu werden Durchschnittswerte als zu erwartende Werte genutzt und die Standardabweichung als VolatilitÀt der Anlage.
Rohleders Antwort (VolatilitĂ€t speziell): VolatilitĂ€t heisst, dass die Kurse fĂŒr Aktien und andere Wertpapiere an den FinanzmĂ€rkten sehr stark schwanken. Dies bedeutet aber nicht gleichzeitig, dass der Investor ein Risiko eingeht. Stark schwankend bedeutet nĂ€mlich auch, dass ein niedriger Kurs sehr schnell zu einem steigenden Kurs tendieren kann.
Zuordnung der Begriffe:
| Konzept | Statistische Grösse | Aussage |
|---|---|---|
| Erwartungswertbildung | Durchschnittswert | der zu erwartende (kĂŒnftige) Wert |
| VolatilitÀt | Standardabweichung | Schwankungsbreite der Anlage |
GrundsÀtzliche Risiköinstellungen (#24)
Rohleders Kompass, FINA U12
- Frage: ErlÀutern Sie die grundsÀtzlichen Risiköinstellungen.
- Risikofreudig: Risiko ist wichtiger als der Erwartungswert
- Risikoneutral: immer der höhere Erwartungswert wird gewÀhlt
- Risikoavers: bei gleichem Erwartungswert wird das geringere Risiko gewÀhlt
- Risiköinstellung = die persönliche Haltung eines Anlegers zum Risiko, also wie viel Schwankung/Unsicherheit er in Kauf nimmt.
- Erwartungswert = der erwartete (durchschnittliche) Ertrag einer Anlage.
- Risikofreudig = jemand, dem der Nervenkitzel/die Chance wichtiger ist als der sichere Durchschnittsertrag. Nimmt gern mehr Risiko fĂŒr die Möglichkeit auf mehr.
- Risikoneutral = jemandem ist das Risiko egal, er nimmt einfach immer die Anlage mit dem höheren erwarteten Ertrag.
- Risikoavers = risikoscheu. Bei zwei gleich guten Anlagen (gleicher erwarteter Ertrag) wÀhlt er die mit dem geringeren Risiko, also die ruhigere/sicherere.
Frage (#24): ErlÀutern Sie die grundsÀtzlichen Risiköinstellungen.
Rohleders Antwort:
| Einstellung | Entscheidungsregel |
|---|---|
| Risikofreudig | Risiko ist wichtiger als der Erwartungswert |
| Risikoneutral | Immer der höhere Erwartungswert wird gewÀhlt |
| Risikoavers | Bei gleichem Erwartungswert wird das geringere Risiko gewÀhlt |
Wozu dient der Variationskoeffizient? (#25)
Rohleders Kompass, FINA U12
- Frage: Wozu dient der Variationskoeffizient?
- Stellt die VolatilitĂ€t der erwarteten Rendite gegenĂŒber
- Ermöglicht Vergleich von Anlagen, die sich weder im Erwartungswert noch im Risiko identisch sind
- = setzt Risiko (VolatilitÀt) ins VerhÀltnis zur erwarteten Rendite
- Variationskoeffizient = eine Kennzahl, die Risiko und erwarteten Ertrag ins VerhÀltnis setzt: wie viel Schwankung 'kostet' mich eine Einheit Ertrag?
- VolatilitÀt = die Schwankungsbreite (das Risiko) einer Anlage (siehe vorher).
- Rendite = der Ertrag/Gewinn einer Anlage, meist in Prozent des eingesetzten Geldes.
- 'gegenĂŒberstellen / ins VerhĂ€ltnis setzen' = die eine Zahl durch die andere teilen, um sie vergleichbar zu machen.
- Nutzen: Zwei Anlagen mit ganz unterschiedlichem Ertrag UND unterschiedlichem Risiko lassen sich sonst schwer vergleichen. Der Variationskoeffizient macht sie ĂŒber diese eine VerhĂ€ltniszahl doch vergleichbar (Risiko pro Ertrag).
Frage (#25): Wozu dient der Variationskoeffizient?
Rohleders Antwort: Er stellt die VolatilitĂ€t der erwarteten Rendite gegenĂŒber und lĂ€sst damit Vergleiche von Anlagen zu, die sich weder im Erwartungswert noch im Risiko identisch sind.
Kern: Der Variationskoeffizient setzt Risiko (VolatilitÀt) ins VerhÀltnis zur erwarteten Rendite und macht dadurch selbst solche Anlagen vergleichbar, die in beiden Grössen unterschiedlich sind.
Operatives Risiko & Finanzstrukturrisiko â Zusammenhang (Abb. A-25) (#26)
Rohleders Kompass, FINA U12
- Frage: ErlÀutern Sie anhand von Abb. A-25 die Begriffe und ihren Zusammenhang.
- UmsatzĂ€nderung / EBIT-Ănderung / GewinnĂ€nderung = Ergebnisse der Risiken, geprĂ€gt durch interne Strukturen (Hebel)
- Operativer Hebel (OH) / Finanzierungsbedingter Hebel (FH) = messen Auswirkung des operativen bzw. finanzbedingten Risikos auf die Ergebnisgrössen
- Umsatz-/Operatives/Finanzstrukturrisiko = Ergebnisse des marktwirtschaftlichen Handelns
- Umsatzrisiko ergibt sich aus dem Kundenverhalten am Markt
- Kette: Umsatzrisiko -> OH -> operatives Risiko (EBIT) -> FH -> Finanzstrukturrisiko (Gewinn)
- Umsatz = die gesamten Einnahmen aus dem Verkauf (Menge mal Preis), bevor irgendwelche Kosten abgezogen sind.
- EBIT = der Gewinn aus dem TagesgeschÀft, BEVOR Zinsen und Steuern abgezogen werden (englisch: 'Earnings Before Interest and Taxes'). Also das operative Ergebnis.
- Gewinn = was ganz am Ende ĂŒbrig bleibt, nachdem auch Zinsen und Steuern abgezogen sind.
- Hebel (englisch 'Leverage') = ein VerstÀrker. Eine kleine VerÀnderung am Anfang (z.B. beim Umsatz) wird durch die Kostenstruktur zu einer grösseren VerÀnderung weiter unten (beim Gewinn).
- Operativer Hebel (OH) = verstÀrkt, wie stark sich eine UmsatzÀnderung auf den operativen Gewinn (EBIT) auswirkt. HÀngt an den fixen Betriebskosten.
- Finanzierungsbedingter Hebel (FH) = verstĂ€rkt, wie stark sich eine EBIT-Ănderung auf den Endgewinn auswirkt. HĂ€ngt an den Zinskosten aus Schulden.
- Umsatzrisiko = die Unsicherheit beim Umsatz, weil man nie sicher weiss, wie viel die Kunden kaufen (hÀngt am Kundenverhalten am Markt).
- operatives Risiko = die Schwankung des EBIT, die aus dem Umsatzrisiko ĂŒber den operativen Hebel entsteht.
- Finanzstrukturrisiko = die Schwankung des Endgewinns, die zusÀtzlich durch die Schulden/Zinsen (finanziellen Hebel) verstÀrkt wird.
- Kette zum Merken: Kunden kaufen mal mehr mal weniger (Umsatzrisiko) -> der operative Hebel verstÀrkt das zum EBIT-Schwanken -> der finanzielle Hebel verstÀrkt es weiter bis zum Endgewinn. Die zwei Hebel messen, wie stark der Anfangswackler durchschlÀgt.
Frage (#26): ErlÀutern Sie anhand von Abbildung A-25 in eigenen Worten die folgenden Begriffe und ihren Zusammenhang.
Rohleders Antwort â UmsatzĂ€nderung, EBIT-Ănderung, GewinnĂ€nderung: Diese Grössen sind die Ergebnisse der Risiken einer GeschĂ€ftstĂ€tigkeit und massgeblich durch die internen Strukturen geprĂ€gt (= Hebel, s.u.).
Rohleders Antwort â Operativer Hebel (OH), Finanzierungsbedingter Hebel (FH): Messung der Auswirkungen des operativen bzw. finanzbedingten Risikos auf die Ergebnisgrössen.
Rohleders Antwort â Umsatzrisiko, Operatives Risiko, Finanzstrukturrisiko: Die Risiken sind Ergebnisse aus dem marktwirtschaftlichen Handeln des Unternehmens. Das Umsatzrisiko ergibt sich aus dem Verhalten der Kunden am Markt und kann durch die Strukturen des operativen GeschĂ€fts und die Finanzstruktur unterschiedliche Auswirkungen auf den Gewinn haben.
Zusammenhang als Kette:
| Ebene | Grösse | Rolle |
|---|---|---|
| Ursache am Markt | UmsatzÀnderung / Umsatzrisiko | entsteht aus dem Kundenverhalten |
| Hebel 1 | Operativer Hebel (OH) | ĂŒbersetzt UmsatzĂ€nderung in EBIT-Ănderung (operatives Risiko) |
| Hebel 2 | Finanzierungsbedingter Hebel (FH) | ĂŒbersetzt EBIT-Ănderung in GewinnĂ€nderung (Finanzstrukturrisiko) |
Merksatz: Ein Umsatzrisiko am Markt schlĂ€gt ĂŒber die beiden Hebel (operative Struktur und Finanzstruktur) unterschiedlich stark bis auf den Gewinn durch â die Hebel messen genau diese Durchschlagswirkung.
#01 Grundlegendes Ziel von Investitionen
Rohleders Kompass, FINA U20 · Investitionsrechnung · Bedeutung & Planung
- Zwei Ziele: rentablen Verbleib am Markt sichern
- Bereitstellung von Ressourcen (Kapital) fĂŒr Neuentwicklungen
- Bedeutung fĂŒr technischen Fortschritt: wer Kapital fĂŒr Neues bereitstellt, ermöglicht Fortschritt und sichert die Marktstellung
- Investition = Geld ausgeben, um damit spÀter mehr zu verdienen. Man kauft heute etwas (Maschine, Fahrzeug), das im Betrieb Nutzen bringt.
- rentabler Verbleib am Markt = das GeschÀft lÀuft nur weiter, wenn am Ende mehr reinkommt als rausgeht. Sonst ist man irgendwann pleite.
- rentabel wirtschaften = so arbeiten, dass unterm Strich Gewinn ĂŒbrig bleibt, nicht nur die Kosten gedeckt sind.
- Ressourcen (Kapital) = Geld und Mittel, die man einsetzen kann. Kapital ist hier einfach das Geld, mit dem man etwas Neues anfangen kann.
- Neuentwicklungen = neue Produkte oder Verfahren, die es vorher noch nicht gab.
- technischer Fortschritt = dass Technik immer besser/moderner wird. Wer Geld fĂŒr Neues gibt, treibt das voran und bleibt selbst vorne dabei.
- Marktstellung = welchen Platz man im Wettbewerb hat, also ob man ein wichtiger Anbieter bleibt oder von anderen ĂŒberholt wird.
Rohleder nennt zwei grundlegende Ziele von Investitionen:
- Den rentablen Verbleib am Markt sichern â das Unternehmen bleibt nur dann dauerhaft am Markt, wenn es rentabel wirtschaftet.
- Bereitstellung von Ressourcen (Kapital) fĂŒr Neuentwicklungen â Investitionen schaffen die Mittel, mit denen Neues entwickelt werden kann.
Daraus folgt ihre Bedeutung fĂŒr den technischen Fortschritt: Wer Kapital fĂŒr Neuentwicklungen bereitstellt, ermöglicht Fortschritt und sichert zugleich die eigene Marktstellung.
âš+1â© Die Gegenprobe aus #02/#03 verschĂ€rft die Antwort: Wer nicht oder zum falschen Zeitpunkt investiert, riskiert den Anschluss an die Konkurrenz oder sitzt auf unausgereifter Technik, das Ziel Marktverbleib wird also von beiden Seiten bedroht.
#02 Risiken bei Fehlinvestitionen
Rohleders Kompass, FINA U20
- Verlust der investierten Ressourcen
- Teil- oder Komplettverlust
- im schlimmsten Fall Insolvenz
- Fehlinvestition = man hat Geld in etwas gesteckt, das sich nicht auszahlt. Der Kauf war ein Fehlgriff.
- investierte Ressourcen = das Geld (und die Mittel), die man reingesteckt hat. Die können weg sein.
- Teilverlust = ein Teil des Geldes ist verloren. Komplettverlust = das ganze eingesetzte Geld ist weg.
- Insolvenz = ZahlungsunfÀhigkeit, also die Firma kann ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen und muss aufgeben (umgangssprachlich pleite).
- Existenz gefÀhrden = im schlimmsten Fall geht es nicht nur um Geld, sondern die ganze Firma steht auf dem Spiel.
Bei Fehlinvestitionen bestehen laut Kompass folgende Risiken:
- Verlust der investierten Ressourcen
- Teil- oder Komplettverlust â im schlimmsten Fall bis zur Insolvenz.
Die Investition kann also nicht nur teilweise, sondern vollstÀndig verloren gehen und im Extremfall die Existenz des Unternehmens gefÀhrden.
âš+1â© Die typische Ursache lĂ€sst sich aus #03 nachschieben: Fehlinvestitionen entstehen oft nicht aus dem falschen Objekt, sondern aus dem falschen Zeitpunkt, sei es als first mover disadvantage oder als last mover disadvantage.
#03 Warum der Investitionszeitpunkt kritisch ist
Rohleders Kompass, FINA U20
- "ob und wann" investieren = grundlegende strategische Entscheidung
- Chancen, aber auch Risiken - sorgfÀltige AbwÀgung nötig
- zu frĂŒh = first mover disadvantage: teure, unausgereifte Produkte, hohe Abschreibungen
- zu spÀt = last mover disadvantage: Konkurrenz nutzt die ausgereifte/billige Technik lÀngst als Wettbewerbsvorteil
- ob und wann investieren = zwei Fragen: Soll ich ĂŒberhaupt Geld reinstecken? Und wenn ja, zu welchem Zeitpunkt?
- strategische Entscheidung = eine wichtige Weichenstellung mit langer Wirkung, kein kleines Alltags-Ding.
- Chancen und Risiken abwÀgen = das Gute (möglicher Gewinn) und das Schlechte (möglicher Verlust) gegeneinander halten und dann entscheiden.
- first mover disadvantage = Nachteil des Ersten. Wer als Erster eine ganz neue Technik kauft, zahlt viel und bekommt oft noch unausgereifte Ware.
- Abschreibungen = der eingeplante Wertverlust einer teuren Anschaffung, den man rechnerisch verteilt. Hohe Abschreibungen heisst: eine teure Sache verliert schnell viel an Wert, was auf einem lastet.
- last mover disadvantage = Nachteil des Letzten. Wer zu lange wartet, verpasst den Anschluss, weil die Konkurrenz die dann gĂŒnstige Technik schon nutzt.
- Wettbewerbsvorteil = ein Pluspunkt, den man gegenĂŒber Konkurrenten hat und mit dem man Kunden gewinnt.
FĂŒr den Unternehmer ist die Frage, ob und wann investiert werden sollte, eine der grundlegenden strategischen Entscheidungen. Investitionen bringen Chancen, bergen aber auch Risiken und erfordern eine sorgfĂ€ltige AbwĂ€gung der verschiedenen Faktoren.
Man kann dabei zu frĂŒh oder zu spĂ€t sein:
- âfirst mover disadvantage": Wer zu frĂŒh in eine innovative Technologie investiert, riskiert teure, unausgereifte Produkte und âsitzt dann auf hohen Abschreibungen" bzw. Preisen, um diese zu verdienen.
- âlast mover disadvantage": Wer zu lange wartet, bis die Technik ausgereift und billig ist, wird von der Konkurrenz ĂŒberholt, die diese Technik lĂ€ngst zu ihrem (Wettbewerbs-)Vorteil nutzt.
âš+1â© Ăber den Einzelfall hinaus wirkt derselbe Mechanismus gesamtwirtschaftlich: Ob viele Unternehmen das Wagnis gerade eingehen, bĂŒndelt das Investitionsklima (#19), das damit zum Indikator dafĂŒr wird, wie die Wirtschaft die Chancen-Risiko-AbwĂ€gung aktuell beantwortet.
#04 Brutto- vs. Nettoinvestitionen
Rohleders Kompass, FINA U20
- Bruttoinvestitionen = alle Ausgaben einer Periode fĂŒr Investitionen (Aktiva zur dauerhaften betrieblichen Nutzung, Anlagevermögen)
- Nettoinvestition = Bruttoinvestition minus Abschreibungen (minus Desinvestitionen)
- Periode = ein bestimmter Zeitabschnitt in der Buchhaltung, meist ein Jahr (oder Quartal).
- Bruttoinvestition = die volle Summe, die man in einem Zeitraum fĂŒr Anschaffungen ausgibt, ohne etwas abzuziehen.
- Aktiva = Dinge/Vermögen, die der Firma gehören und in der Bilanz auf der Besitz-Seite stehen.
- zur dauerhaften betrieblichen Nutzung = Sachen, die man lÀnger im Betrieb benutzt (Maschinen, Fahrzeuge), nicht schnell verbraucht.
- Anlagevermögen = das langfristige Vermögen der Firma, das dauerhaft im Einsatz bleibt (Gegenteil: Sachen, die schnell verbraucht/verkauft werden).
- Abschreibungen = der rechnerische Wertverlust dieser Sachen ĂŒber die Zeit (eine Maschine wird jedes Jahr weniger wert).
- Nettoinvestition = die Bruttoinvestition minus diesem Wertverlust. Also nur der Teil, der wirklich zusÀtzlich hinzukommt, nachdem der Verschleiss abgezogen ist.
- Desinvestitionen = das Gegenteil von Investition: man verkauft/stösst Sachen ab. Wird ebenfalls abgezogen.
- Merksatz Netto = Brutto minus Abschreibung (minus VerkÀufe): so viel ist nach Abzug von Verschleiss und AbgÀngen unterm Strich wirklich neu dazugekommen.
Der Unterschied nach Rohleder:
- Bruttoinvestitionen: Alle Ausgaben einer Periode fĂŒr Investitionen â also Aktiva zur dauerhaften betrieblichen Nutzung (Anlagevermögen).
- Nettoinvestition: Bruttoinvestition minus Abschreibungen (und minus Desinvestitionen).
Als Formel-Merksatz:
Nettoinvestition = Bruttoinvestition â Abschreibungen (â Desinvestitionen)
âš+1â© Die Interpretationsregel bringt den Zusatzpunkt: Ist die Nettoinvestition positiv, baut das Unternehmen Substanz auf, ist sie negativ, ersetzt es nicht einmal den laufenden Werteverzehr und lebt von der Substanz.
#05 CAPEX und der Zusammenhang mit Brutto-/Nettoinvestitionen
Rohleders Kompass, FINA U20
- CAPEX (capital expenditure) = Investitionsbudget einer Periode
- Frage: Wie viel Geld kann ich in der laufenden (nÀchsten) Periode investieren?
- NICHT: Wie viel Cash brauche ich dafĂŒr? - das wĂ€re CFI
- "Alles, was nicht Betriebsausgabe ist" - Betriebsausgabenbudget = OPEX (Plankosten, run the business)
- bei Betriebsausgaben: LiquiditÀts- und Erfolgswirkung zeitlich eng beisammen, i. d. R. gleiche Periode
- CAPEX i. d. R. geringer als Summe der InvestitionswĂŒnsche - daher Kapitalrationierung nötig
- Budget fĂŒr Bruttoinvestitionen einer Periode = CAPEX
- CAPEX (capital expenditure) = das Budget, also der Geldtopf, den man in einem Zeitraum fĂŒr grössere Anschaffungen ausgeben darf.
- Budget = ein festgelegter Betrag, den man höchstens ausgeben darf. Wie ein Limit auf dem Konto fĂŒr einen bestimmten Zweck.
- laufende (nĂ€chste) Periode = der aktuelle bzw. kommende Zeitabschnitt (meist das Jahr), fĂŒr den geplant wird.
- Cash = Bargeld/verfĂŒgbares Geld auf dem Konto. Die Frage 'wie viel Cash brauche ich' ist eine andere als 'wie viel darf ich investieren'.
- CFI (Cash Flow aus InvestitionstÀtigkeit) = die tatsÀchlichen Geldbewegungen durch Investieren (was raus- und reingeht). CAPEX ist die Planung, CFI das echte Geld-Fliessen.
- OPEX = das Budget fĂŒr den laufenden Betrieb (Löhne, Material, Miete) - also 'die Firma am Laufen halten', nicht grösse Anschaffungen.
- Plankosten = die im Voraus geplanten Kosten des normalen Betriebs.
- run the business = englisch fĂŒr 'den Laden am Laufen halten', also der Alltagsbetrieb.
- LiquiditÀtswirkung = wann das Geld tatsÀchlich abfliesst. Erfolgswirkung = wann es sich im Gewinn/Verlust zeigt. Bei laufenden Ausgaben passiert beides fast gleichzeitig.
- Kostenstellenverantwortliche = die Chefs einzelner Abteilungen, die jeweils WĂŒnsche anmelden, was sie gern kaufen wollen.
- Kapitalrationierung = das Geld reicht nicht fĂŒr alle WĂŒnsche, also muss verteilt/priorisiert werden - nur ein Teil der WĂŒnsche bekommt Geld.
CAPEX (capital expenditure) ist das Investitionsbudget einer Periode:
- Es beantwortet: Wie viel Geld kann ich in der laufenden (nÀchsten) Periode investieren?
- NICHT: Wie viel Cash brauche ich dafĂŒr? â das wĂ€re der CFI (Cash Flow aus InvestitionstĂ€tigkeit).
- Merksatz: âAlles, was nicht Betriebsausgabe ist." Das Betriebsausgabenbudget heiĂt OPEX (Plankosten, ârun the business"). Bei Betriebsausgaben liegen LiquiditĂ€tswirkung und Erfolgswirkung zeitlich eng beisammen, im Regelfall in der gleichen Periode.
- Der/das CAPEX ist im Regelfall geringer als die Summe der InvestitionswĂŒnsche der Kostenstellenverantwortlichen. Daher ist eine Kapitalrationierung erforderlich.
Zusammenhang: Das Budget fĂŒr Bruttoinvestitionen einer Periode = CAPEX (Investitionsausgabenbudget).
âš+1â© Ein Abgrenzungssatz mit PrĂŒfungswert: CAPEX wird im Ausgabezeitpunkt erfolgsneutral aktiviert, OPEX belastet sofort den Gewinn, weshalb eine Verschiebung von OPEX zu CAPEX den ausgewiesenen Gewinn kurzfristig verbessert und die saubere Trennung bilanzpolitisch sensibel ist.
#06 Das magische Dreieck bei Investitionen
Rohleders Kompass, FINA U20
- magisches Dreieck: Gewinn, Kapitaleinsatz, Risiko
- Kapitaleinsatz steigt (bei Nettoinvestitionen jedenfalls)
- Risiko steigt (Möglichkeit einer Fehlinvestition)
- zusĂ€tzlicher Gewinn muss zusĂ€tzlichen Kapitaleinsatz + zusĂ€tzliches Risiko ĂŒbersteigen = gute Investition
- Bewertung: Berechnung der Renditen ĂŒber Zinsen, dann Vergleich mit anderen Branchen-Unternehmen mit Ă€hnlichem Kapitaleinsatz
- magisches Dreieck = ein Bild fĂŒr drei Ziele, die man gleichzeitig im Blick behalten muss und die sich gegenseitig beeinflussen. 'Magisch', weil man selten alle drei gleichzeitig perfekt bekommt.
- Gewinn = was am Ende ĂŒbrig bleibt, wenn man von den Einnahmen die Kosten abzieht.
- Kapitaleinsatz = wie viel Geld man reinsteckt/gebunden hat.
- Risiko = die Gefahr, dass es schiefgeht (Fehlinvestition).
- zusĂ€tzlicher Gewinn muss zusĂ€tzlichen Einsatz und Risiko ĂŒbersteigen = die Investition lohnt sich nur, wenn das Plus an Gewinn grösser ist als das zusĂ€tzliche Geld und die zusĂ€tzliche Gefahr, die man eingeht.
- Rendite = der prozentuale Ertrag auf das eingesetzte Geld, also wie viel Prozent Gewinn man auf sein Kapital macht (z. B. 5 Prozent).
- Renditen ĂŒber Zinsen berechnen = man rechnet den Ertrag in einen Prozentsatz um, Ă€hnlich wie Zinsen beim Sparbuch, um verschiedene Anlagen vergleichbar zu machen.
- Vergleich mit Branche = man schaut, wie Àhnliche Firmen mit Àhnlichem Geldeinsatz abschneiden, um zu beurteilen ob die eigene Investition gut ist.
Investieren berĂŒhrt das âmagische Dreieck" von Gewinn, Kapitaleinsatz und Risiko â und zwar an allen Ecken:
- Der Kapitaleinsatz steigt (bei Nettoinvestitionen jedenfalls).
- Das Risiko steigt (Möglichkeit einer Fehlinvestition).
- Der zusĂ€tzliche Gewinn muss also den zusĂ€tzlichen Kapitaleinsatz und das zusĂ€tzliche Risiko ĂŒbersteigen â dann ist es eine âgute Investition".
Wie werden diese Ziele bewertet? Durch Berechnung der Renditen ĂŒber Zinsen und anschlieĂenden Vergleich mit anderen Unternehmen der Branche mit Ă€hnlichem Kapitaleinsatz.
âš+1â© Der Branchenvergleich hat einen Namen im Kennzahlen-Teil: Er setzt den OpportunitĂ€tskosten-Gedanken aus U25 #10 um, denn eine Investition ist erst dann gut, wenn ihre Rendite auch den Vergleich mit der nĂ€chstbesten Verwendung des Kapitals besteht.
#07 Wirkung der Abschreibung auf den Gewinn
Rohleders Kompass, FINA U20
- durch InvestitionstÀtigkeit gelangen abschreibungsfÀhige/-pflichtige Aktiva ins Unternehmen
- werden als Anlagevermögen aktiviert - Wert des Anlagevermögens steigt
- gleichzeitig beginnt der Wertverlust des Aktivums/Investitionsobjekts
- Abschreibung bildet diesen einsetzenden Wertverlust ab
- Abschreibung = der geplante Wertverlust einer Anschaffung, den man rechnerisch ĂŒber die Nutzungsjahre verteilt (eine Maschine wird jedes Jahr etwas weniger wert).
- abschreibungsfÀhig/-pflichtig = Sachen, die man abschreiben darf bzw. muss, weil sie sich mit der Zeit abnutzen.
- Aktiva = VermögensgegenstÀnde der Firma, die auf der Besitz-Seite der Bilanz stehen.
- aktivieren = etwas in die Bilanz als Vermögen eintragen (es 'zÀhlt' offiziell als Besitz der Firma).
- Anlagevermögen = das langfristig genutzte Vermögen (Maschinen, GebÀude, Fahrzeuge). Kauft man so etwas, steigt dieser Posten.
- Wertverlust beginnt sofort = ab dem Moment der Nutzung wird die Sache abgenutzt und weniger wert; die Abschreibung bildet genau diesen Wertverlust in Zahlen ab.
- Investitionsobjekt = die Sache, in die man investiert hat (z. B. die gekaufte Maschine).
Durch die InvestitionstÀtigkeit gelangen abschreibungsfÀhige oder -pflichtige Aktiva ins Unternehmen:
- Sie werden als Anlagevermögen aktiviert, der Wert des Anlagevermögens steigt entsprechend.
- Gleichzeitig beginnt der Wertverlust des Aktivums / Investitionsobjekts.
Die Abschreibung bildet diesen einsetzenden Wertverlust ab.
âš+1â© Der Merksatz aus dem Finanzplanungs-Teil gehört hierher: Abschreibungen sind erfolgswirksam, aber nicht zahlungswirksam, sie senken also den Gewinn, ohne dass im Abschreibungsjahr Geld abflieĂt, denn gezahlt wurde bereits bei der Anschaffung.
#08 Beitrag der Abschreibung zur Amortisation
Rohleders Kompass, FINA U20
- Abschreibungen schmÀlern den Gewinn
- dadurch sinkt die Steuerzahlung
- geringere Steuerlast hilft, die Investition zurĂŒckzuverdienen (Amortisation)
- Amortisation = das ZurĂŒckverdienen des eingesetzten Geldes. Eine Investition ist amortisiert, wenn sie ihren Kaufpreis wieder eingespielt hat.
- Abschreibung schmÀlert den Gewinn = weil der Wertverlust als Kosten zÀhlt, sieht der Gewinn auf dem Papier kleiner aus.
- Steuerzahlung = das Geld, das man an den Staat abgeben muss. Sie richtet sich nach dem Gewinn: weniger Gewinn auf dem Papier = weniger Steuern.
- Steuerlast = die gesamte Belastung durch Steuern. Sinkt sie, bleibt mehr Geld in der Firma.
- Zusammenhang = die durch Abschreibung gesparte Steuer ist wie zusÀtzliches Geld, das hilft, die Investition schneller wieder reinzuholen.
Die Kalkulation von Abschreibungen trÀgt zur Amortisation von Investitionen bei, indem sie den Gewinn schmÀlern und damit die Steuerzahlung senken.
Weniger versteuerter Gewinn bedeutet geringere Steuerlast â dieser Effekt hilft, die Investition zurĂŒckzuverdienen.
âš+1â© Ein âgilt nur wenn"-Vorbehalt sichert ab: Der Amortisationsbeitrag entsteht nur, solange ĂŒberhaupt zu versteuernder Gewinn vorhanden ist, denn wo keine Steuer anfĂ€llt, kann die Abschreibung auch keine Steuerzahlung senken.
#09 Partielle Finanzierung
Rohleders Kompass, FINA U20
- Annahme: vorhandenes oder zu beschaffendes Kapital wird jeweils in einen ganz bestimmten Vermögensgegenstand investiert
- Zurechnung Vermögensposition zu konkreter FinanzierungsmaĂnahme
- typisch fĂŒr Kleinunternehmen sowie ungeplante Investitionen groĂer Unternehmen
- Bsp. 1: Handwerkerin finanziert Lieferwagen per Bankdarlehen, mit dem Lieferwagen besichert
- Bsp. 2: GroĂfeuer - Lagerhalle neu errichten, Versicherungssumme reicht nicht, zusĂ€tzliches Kapital nötig
- Finanzierung = woher das Geld fĂŒr eine Anschaffung kommt (eigenes Geld oder z. B. ein Kredit).
- partiell = teilweise, auf ein einzelnes StĂŒck bezogen. Hier: jeder Geldbetrag gehört genau zu einer bestimmten Anschaffung.
- Vermögensgegenstand = ein konkretes Ding, das man kauft/besitzt (z. B. ein Lieferwagen).
- Zurechnung zu einer Finanzierungsmassnahme = man kann klar sagen 'dieser Kredit ist genau fĂŒr dieses eine Ding'. Geld und gekaufte Sache hĂ€ngen direkt zusammen.
- Kleinunternehmen = kleine Firmen. Bei ihnen ist so eine 1-zu-1-Zuordnung typisch, weil sie wenige, ĂŒberschaubare Anschaffungen haben.
- ungeplante Investitionen = Anschaffungen, die man nicht vorhergesehen hat (z. B. nach einem Schaden), auch grosse Firmen machen die manchmal 'partiell'.
- Bankdarlehen = ein Kredit von der Bank, den man in Raten zurĂŒckzahlt.
- besichert = die gekaufte Sache dient als Pfand: zahlt man den Kredit nicht, darf die Bank sie sich holen.
- Versicherungssumme = der Betrag, den die Versicherung nach einem Schaden auszahlt. Reicht er nicht, braucht man zusÀtzliches Geld.
Bei partieller Finanzierung geht man davon aus, dass das vorhandene oder noch zu beschaffende Kapital jeweils in einen ganz bestimmten Vermögensgegenstand investiert wird.
Die Zurechnung einer Vermögensposition zu einer konkreten FinanzierungsmaĂnahme ist typisch fĂŒr Kleinunternehmen sowie fĂŒr ungeplante Investitionen groĂer Unternehmen.
- Beispiel 1: Die Handwerkerin finanziert ihren neuen Lieferwagen mit einem Bankdarlehen, das mit dem Lieferwagen besichert wird.
- Beispiel 2: Aufgrund eines GroĂfeuers muss die Lagerhalle eines groĂen Unternehmens schnellstmöglich neu errichtet und ausgestattet werden. Weil die Versicherungssumme dafĂŒr nicht ausreicht, wird zusĂ€tzliches Kapital benötigt.
âš+1â© Die BrĂŒcke zu #11 liegt bereit: Genau weil die partielle Finanzierung Kapital und Vermögensgegenstand eins zu eins verknĂŒpft, lassen sich hier objektbezogene Regeln wie die Goldene Bilanzregel und Besicherungen am finanzierten Objekt ĂŒberhaupt sinnvoll anwenden.
#10 Totale Finanzierung (Abgrenzung zur partiellen)
Rohleders Kompass, FINA U20
- keine Zurechnung zu einzelnen VermögensgegenstÀnden
- Treasurer weiĂ weder, ob das Geld als OPEX oder CAPEX eingeplant wurde,
- noch fĂŒr welche konkreten Produkte oder Investitionen es ausgegeben wird
- Kapital wird als Ganzes betrachtet
- totale Finanzierung = das ganze Geld der Firma wird als ein grosser Topf gesehen, nicht auf einzelne Anschaffungen aufgeteilt.
- keine Zurechnung = man kann nicht mehr sagen, welcher Euro fĂŒr welches Ding da ist. Das Geld ist zusammengeworfen.
- Treasurer = die Person in einer Firma, die das Geld/die Finanzen verwaltet (eine Art Finanz-Verwalter).
- OPEX oder CAPEX = laufender Betrieb (OPEX) oder grösse Anschaffung (CAPEX). Der Treasurer weiss beim Gesamttopf gar nicht, in welche Schublade das Geld gedacht war.
- als Ganzes betrachtet = das Kapital wird als eine gemeinsame Masse behandelt, aus der alles bezahlt wird - Gegenteil der 1-zu-1-Zuordnung aus #09.
Die totale Finanzierung unterscheidet sich von der partiellen dadurch, dass keine Zurechnung zu einzelnen VermögensgegenstÀnden erfolgt:
Der oder die Treasurer weiĂ weder, ob das Geld als OPEX oder CAPEX eingeplant wurde, noch fĂŒr welche konkreten Produkte oder Investitionen es ausgegeben wird.
Das Kapital wird also als Ganzes betrachtet und nicht â wie bei der partiellen Finanzierung â einem bestimmten Objekt zugeordnet.
âš+1â© Die Konsequenz fĂŒr die Investitionsrechnung steht in U22 #04: Wird Kapital als Gesamttopf betrachtet, gibt es keinen objektbezogenen Zins mehr, sondern die gewichteten Gesamtkapitalkosten WACC als kalkulatorischen Mischsatz fĂŒr alle Projekte.
#11 Goldene Bilanzregel in der partiellen Finanzierung
Rohleders Kompass, FINA U20
- Goldene Bilanzregel (enge Fassung): Anlagevermögen von Eigenkapital + langfristigem Fremdkapital gedeckt
- stellt direkte Beziehung zwischen speziellen Kapitalpositionen und einzelnen Vermögensteilen her - obwohl diese i. d. R. nicht besteht
- GrĂŒnde der Anwendung: Unternehmen langfristig erfolgreich halten
- keine Ăberschuldung
- keine kurzfristigen Forderungen, die zu LiquiditĂ€tsengpĂ€ssen fĂŒhren
- Bilanz = die Ăbersicht, was eine Firma besitzt (Vermögen) und woher das Geld dafĂŒr kam (Kapital). Zwei Seiten, die gleich gross sein mĂŒssen.
- Goldene Bilanzregel = eine Faustregel: langfristiges Vermögen soll mit langfristigem Geld finanziert sein (nicht mit kurzfristigen Schulden).
- enge Fassung = die strenge Version der Regel.
- Anlagevermögen = das langfristig genutzte Vermögen (Maschinen, GebÀude).
- Eigenkapital = das Geld, das der Firma selbst gehört (kein Kredit, muss nicht zurĂŒckgezahlt werden).
- langfristiges Fremdkapital = geliehenes Geld, das erst spĂ€ter zurĂŒckgezahlt werden muss (langlaufender Kredit).
- gedeckt sein = es soll genug langfristiges Geld da sein, um die langfristigen Anschaffungen zu bezahlen.
- direkte Beziehung, die es real oft nicht gibt = die Regel tut so, als gehöre ein bestimmter Geldtopf zu bestimmten Sachen - in Wirklichkeit ist Geld meist vermischt.
- Ăberschuldung = mehr Schulden als Vermögen; ein gefĂ€hrlicher Zustand, den man vermeiden will.
- kurzfristige Forderungen/LiquiditĂ€tsengpĂ€sse = wenn plötzlich viel Geld fĂ€llig wird und man gerade nicht genug flĂŒssig hat, um zu zahlen. LiquiditĂ€t = verfĂŒgbares Geld.
Kennzahlen wie die âGoldene Bilanzregel" â sie fordert in ihrer engen Fassung, dass das Anlagevermögen von Eigenkapital und langfristigem Fremdkapital gedeckt wird â stellen eine direkte Beziehung zwischen speziellen Kapitalpositionen und einzelnen Vermögensteilen her, obwohl diese im Regelfall nicht besteht.
Warum sie in der partiellen Finanzierung angewendet wird:
- Um das Unternehmen langfristig erfolgreich zu halten
- Keine Ăberschuldung
- Keine kurzfristigen Forderungen, die zu LiquiditĂ€tsengpĂ€ssen fĂŒhren (so im Kompass formuliert)
Die Regel passt zur partiellen Sichtweise, weil sie â wie die partielle Finanzierung â Kapital und Vermögen direkt aufeinander bezieht.
âš+1â© Der Kern der Regel lĂ€sst sich als Fristenprinzip formulieren: Langfristig gebundenes Vermögen darf nicht an kurzfristig fĂ€lligem Kapital hĂ€ngen, weil sonst mitten in der Nutzungsdauer eine RĂŒckzahlung fĂ€llig wird, die nur ein Notverkauf oder eine teure Anschlussfinanzierung decken könnte.
#12 Investitionsdefinition von Bösch â was ungewöhnlich ist
Rohleders Kompass, FINA U20
- Kompass gibt nur den Kernsatz an: Umlaufvermögen sind normale Betriebsausgaben
- ungewöhnlich/wenig hilfreich, wenn eine Investitionsdefinition auch Umlaufvermögen umfasst
- Umlaufvermögen hat OPEX-Charakter, keine Investition im engeren Sinn
- keine weitere Ausformulierung im Kompass
- Investitionsdefinition = wie man festlegt, was ĂŒberhaupt als Investition zĂ€hlt.
- Umlaufvermögen = Vermögen, das schnell verbraucht oder verkauft wird (Material, Waren im Lager), Gegenteil vom dauerhaften Anlagevermögen.
- Betriebsausgaben = normale laufende Kosten des Alltagsbetriebs (Material, Löhne), keine langfristige Anschaffung.
- OPEX-Charakter = gehört zum laufenden Betrieb, nicht zu den grosse Investitionen.
- ungewöhnlich/wenig hilfreich = die Kritik ist: eine Definition, die auch schnell verbrauchtes Material zur Investition erklÀrt, verwischt den Unterschied und stiftet Verwirrung.
- Investition im engeren Sinn = wirklich langfristige Anschaffungen, nicht der tÀgliche Verbrauch.
- Kompass = das verwendete Lehrmaterial/Skript; hier gibt es dazu nur diesen einen Kernsatz und keine weitere ErklÀrung.
Zur Frage, was an der Investitionsdefinition von Bösch ungewöhnlich und ggf. nicht hilfreich ist, gibt der Kompass als Antwort nur den Kernpunkt an:
Umlaufvermögen sind normale Betriebsausgaben.
Gemeint ist: Wenn eine Investitionsdefinition auch das Umlaufvermögen umfasst, ist das ungewöhnlich bzw. wenig hilfreich, weil Umlaufvermögen als normale Betriebsausgaben (OPEX-Charakter) zu behandeln ist und nicht als Investition im engeren Sinne.
(Hinweis: Der Kompass liefert hier keine weitere Ausformulierung â treu wiedergegeben ist nur dieser eine Kernsatz.)
âš+1â© Dieselbe Kritik kehrt in #16 wieder: Auch bei der Frage, ob VorrĂ€te wirklich Sachinvestitionen sind, lĂ€uft die Antwort auf die OPEX-Einordnung des Umlaufvermögens hinaus, die beiden Fragen stĂŒtzen sich also gegenseitig.
#13 Warum Investitionen fĂŒr den langfristigen Erfolg entscheidend sind
Rohleders Kompass, FINA U20
- RentabilitÀt und Investitionen = entscheidende Erfolgsfaktoren
- hohe RentabilitÀt zeigt: Unternehmen arbeitet effizient und erzielt Gewinne
- Investitionen nötig, um Unternehmen weiterzĂŒntwickeln und Wachstum zu ermöglichen
- RentabilitÀt = ob sich das Wirtschaften lohnt, also ob genug Gewinn im VerhÀltnis zum Einsatz herauskommt.
- hohe RentabilitÀt = die Firma holt viel Ertrag aus ihrem eingesetzten Geld heraus, arbeitet also sparsam und gewinnbringend.
- effizient arbeiten = mit möglichst wenig Aufwand möglichst viel erreichen, kein Geld verschwenden.
- Investitionen = Geld in die Zukunft stecken (neue Maschinen, Produkte), damit die Firma sich weiterentwickelt.
- Wachstum ermöglichen = grösser werden, mehr verkaufen, neue Bereiche erschliessen - das geht nur, wenn man vorher investiert.
- langfristiger Erfolg = dauerhaft gut dastehen, nicht nur ein gutes Jahr haben.
Die RentabilitĂ€t und Investitionen sind entscheidende Faktoren fĂŒr den Erfolg eines Unternehmens:
- Eine hohe RentabilitÀt zeigt an, dass das Unternehmen effizient arbeitet und Gewinne erzielt.
- Investitionen sind notwendig, um das Unternehmen weiterzĂŒntwickeln und Wachstum zu ermöglichen.
Beides zusammen sichert den langfristigen Erfolg.
âš+1â© Die Messfrage prĂ€zisiert U25 #03: Nicht der absolute Gewinn, sondern die RentabilitĂ€t als VerhĂ€ltnis von Gewinn zu eingesetztem Kapital zeigt die Effizienz, weshalb beide Erfolgsfaktoren ĂŒber dieselbe Kennzahlenlogik zusammenhĂ€ngen.
#14 PrimÀres Ziel von Investitionen aus Sicht der Eigenkapitalgeber
Rohleders Kompass, FINA U20
- Verzinsung (des eingesetzten Eigenkapitals)
- Mehrung des Unternehmenswertes
- Eigenkapitalgeber = Menschen, die der Firma ihr eigenes Geld gegeben haben und dadurch Mit-EigentĂŒmer sind (z. B. Gesellschafter, AktionĂ€re). Sie bekommen keinen festen Zins, sondern sind am Erfolg beteiligt.
- primÀres Ziel = das wichtigste Ziel, was ihnen am meisten am Herzen liegt.
- Verzinsung des eingesetzten Eigenkapitals = sie wollen, dass ihr reingestecktes Geld sich vermehrt - eine Art 'Belohnung' fĂŒrs Bereitstellen des Geldes.
- Mehrung des Unternehmenswertes = die Firma soll insgesamt mehr wert werden, damit ihr Anteil daran auch mehr wert wird.
Aus der Perspektive der Eigenkapitalgeber ist das primÀre Ziel von Investitionen:
- Verzinsung (des eingesetzten Eigenkapitals)
- Mehrung des Unternehmenswertes
Eigenkapitalgeber erwarten also eine Verzinsung ihres Kapitals und eine Steigerung des Unternehmenswerts.
âš+1â© Die Verbindung zu #18 zeigt die Systematik: Genau dieses Zielpaar kehrt dort als PrĂŒfstein guter Entscheidungsregeln wieder, denn deren erstes Kriterium fragt, ob eine Investition dem ĂŒbergeordneten Ziel der Wertsteigerung der Unternehmung förderlich ist.
#15 Arten von Investitionen
Rohleders Kompass, FINA U20
- Kompass gibt nur Stichworte:
- Finanzinvestitionen - strategische Ziele, Lieferanten, GeschÀftsbedingungen
- IT / EDV / Infrastruktur / Software
- keine ausformulierte Systematik im Kompass
- Investitionsarten = verschiedene Sorten von Investitionen, je nachdem worin man das Geld steckt.
- Finanzinvestitionen = Geld in Geldanlagen oder Beteiligungen stecken (z. B. Anteile an anderen Firmen), statt in Maschinen. Hier auch mit strategischen Zielen wie Bindung an Lieferanten verbunden.
- strategische Ziele = langfristige Absichten, z. B. sich einen wichtigen Lieferanten sichern oder bessere Konditionen bekommen.
- IT / EDV = alles rund um Computer und Datenverarbeitung (EDV = elektronische Datenverarbeitung, altes Wort fĂŒr Computertechnik).
- Infrastruktur / Software = die technische Grundausstattung (Netzwerke, Server) und die Programme, die darauf laufen.
- Hinweis: Der Kompass listet hier nur Stichworte, keine fertige, geordnete Systematik - man soll das nicht ĂŒberinterpretieren.
Zur Unterscheidung der Investitionsarten fĂŒhrt der Kompass an dieser Stelle nur Stichworte auf:
- Finanzinvestitionen â strategische Ziele, Lieferanten, GeschĂ€ftsbedingungen
- IT / EDV / Infrastruktur / Software
(Hinweis: Der Kompass gibt hier keine ausformulierte Systematik vor â treu wiedergegeben sind nur diese Kategorien-Stichworte.)
âš+1â© Zur Ordnung der Stichworte hilft die Zweiteilung aus U06 #01: Sach- und Finanzinvestitionen bilden die Hauptachsen, IT und Software liegen quer dazu, und die Grenzfrage, ob auch VorrĂ€te dazugehören, behandelt #16 gesondert.
#16 Sind VorrÀte wirklich Sachinvestitionen?
Rohleders Kompass, FINA U20
- Vorratsvermögen = GĂŒter fĂŒr Verkauf oder Weiterverarbeitung (Roh-, Hilfs-, Betriebsstoffe, unfertige/fertige Erzeugnisse, Waren)
- Ja, wenn sie absehbar ĂŒberdurchschnittlich im Preis steigen - weit ĂŒber die ĂŒbliche Inflation
- Nein, da diese VorrÀte nur dem Konsum des Unternehmens dienen
- Einordnung hÀngt von Wertsteigerungsmotiv vs. Verbrauchszweck ab
- VorrÀte / Vorratsvermögen = die Sachen, die im Lager liegen: Material zum Verarbeiten und Waren zum Verkaufen.
- Sachinvestition = Geld in reale Dinge stecken (GegenstĂŒck zur Finanzinvestition in Geldanlagen). Frage ist, ob Lagerware dazuzĂ€hlt.
- Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe = Rohstoffe sind das Hauptmaterial im Produkt; Hilfsstoffe sind kleine Zutaten (z. B. Schrauben, Leim); Betriebsstoffe werden fĂŒr den Betrieb verbraucht (z. B. Strom, Schmieröl).
- unfertige/fertige Erzeugnisse = halb fertige und ganz fertige Produkte der eigenen Herstellung.
- ĂŒberdurchschnittlich im Preis steigen = deutlich mehr an Wert gewinnen als sonst ĂŒblich.
- Inflation = die allgemeine Teuerung, dass Geld ĂŒber die Zeit an Kaufkraft verliert und Preise generell steigen. 'Weit ĂŒber die Inflation' heisst: viel stĂ€rker als diese normale Teuerung.
- Wertsteigerungsmotiv = man hÀlt die VorrÀte, weil sie wertvoller werden (dann Investitionscharakter). Verbrauchszweck = man hÀlt sie nur, um sie normal zu benutzen (dann bloss Betriebsausgabe).
- Konsum des Unternehmens = die Firma verbraucht die VorrÀte selbst im normalen Betrieb, sie sind kein Wertspeicher.
Vorratsvermögen ist ein wichtiger Bestandteil der Bilanz eines Unternehmens. Es umfasst alle GĂŒter, die fĂŒr den Verkauf oder die Weiterverarbeitung bestimmt sind â z. B. Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, unfertige und fertige Erzeugnisse sowie Waren.
Ob VorrÀte Sachinvestitionen sind, beantwortet der Kompass abwÀgend:
- Ja, wenn diese in absehbarer Zukunft ĂŒberdurchschnittlich im Preis steigen â weit ĂŒber die ĂŒbliche Inflation.
- Nein, da diese VorrÀte nur dem Konsum des Unternehmens dienen.
Die Einordnung hÀngt also davon ab, ob ein Wertsteigerungsmotiv (Investitionscharakter) oder reiner Verbrauchszweck (Betriebsausgabencharakter) vorliegt.
âš+1â© Der Ja-Fall lĂ€sst sich zuspitzen: Wer Rohstoffe nur deshalb hortet, weil er Preissteigerungen weit ĂŒber der Inflation erwartet, betreibt der Sache nach eine Spekulation auf Vorratsebene, und erst dieses Wertsteigerungsmotiv verleiht dem Lagerbestand Investitionscharakter.
#17 Phasen des Investitionsentscheidungsprozesses
Rohleders Kompass, FINA U20
- Kompass (Kap. 26.4) stellt die Frage, gibt aber keine ausformulierte Antwort
- Antwort mĂŒsste aus Vorlesung/Skript ergĂ€nzt werden
- wird hier bewusst nicht erfunden
- Investitionsentscheidungsprozess = die Schritte, die man durchlĂ€uft, bis man 'ja' oder 'nein' zu einer Investition sagt (Idee, PrĂŒfung, Entscheidung, Umsetzung).
- Phasen = die einzelnen Abschnitte/Etappen dieses Ablaufs.
- Kompass (Kap. 26.4) = die Fundstelle im Lehrmaterial. Wichtig hier: dort steht nur die Frage, aber keine ausformulierte Antwort.
- bewusst nicht erfunden = ehrlicher Hinweis, dass die Antwort fehlt und aus Vorlesung/Skript ergĂ€nzt werden mĂŒsste - nichts wird erfunden.
Der Kompass stellt die Frage nach den Phasen des Investitionsentscheidungsprozesses (Kapitel 26.4), gibt an dieser Stelle jedoch keine ausformulierte Antwort an.
(Treu wiedergegeben: An dieser Stelle ist im Kompass kein Antworttext hinterlegt â hier mĂŒsste die Antwort aus Vorlesung/Skript ergĂ€nzt werden; sie wird hier bewusst nicht erfunden.)
âš+1â© Zwei Nachbarfragen umreiĂen den Prozess treu: #03 markiert mit dem âob und wann" den Anfang der Entscheidung, #18 mit den Kriterien guter Entscheidungsregeln ihren MaĂstab, dazwischen liegt die im Skript nachzuschlagende Phasenfolge.
#18 Kriterien guter Entscheidungsregeln fĂŒr Investitionen
Rohleders Kompass, FINA U20
- 1. beantwortet, ob die geplante Investition dem ĂŒbergeordneten Ziel der Wertsteigerung förderlich ist (ist die beste Alternative gut genug?)
- 2. möglichst auf alle Investitionsarten und -zwecke anwendbar
- 3. konsistent - gleiche Sachverhalte gleich bewerten
- 4. unterschiedlichen zeitlichen Kapitalbedarf konkurrierender Projekte adĂ€quat berĂŒcksichtigen
- Entscheidungsregel = eine feste Methode/Faustregel, nach der man beurteilt, ob eine Investition gut ist (statt aus dem Bauch zu entscheiden).
- Kriterien = die Anforderungen, die so eine Regel erfĂŒllen sollte, damit sie taugt.
- ĂŒbergeordnetes Ziel der Wertsteigerung = das oberste Ziel: die Firma soll mehr wert werden. Die Regel soll prĂŒfen, ob die Investition dazu beitrĂ€gt.
- postuliert = vorher als gĂŒltig festgelegt/vorausgesetzt.
- 'Ist die beste Alternative gut genug?' = selbst die beste Option unter mehreren muss noch einen Mindest-Nutzen bringen, sonst lÀsst man es lieber ganz.
- auf alle Investitionsarten anwendbar = die Regel soll fĂŒr jede Sorte Investition funktionieren, nicht nur fĂŒr einen Spezialfall.
- konsistent = widerspruchsfrei und gleichbleibend: gleiche FĂ€lle werden gleich bewertet, nicht mal so, mal so.
- unterschiedlicher zeitlicher Kapitalbedarf = verschiedene Projekte binden Geld zu verschiedenen Zeitpunkten und unterschiedlich lange; eine gute Regel muss das fair berĂŒcksichtigen.
- konkurrierende Investitionsprojekte = mehrere Vorhaben, die um dasselbe Geld konkurrieren - man kann nicht alle machen.
Eine gute Entscheidungsregel sollte laut Rohleder folgende vier Kriterien erfĂŒllen:
- Sie sollte beantworten, ob die DurchfĂŒhrung einer geplanten Investition dem eingangs postulierten, ĂŒbergeordneten Ziel der Wertsteigerung der Unternehmung förderlich ist â also: Ist die beste Alternative gut genug?
- Sie sollte auf möglichst alle Investitionsarten und Investitionszwecke anwendbar sein.
- Sie sollte konsistent sein und gleiche Sachverhalte gleich bewerten.
- Sie sollte den unterschiedlichen zeitlichen Kapitalbedarf von konkurrierenden Investitionsprojekten adĂ€quat berĂŒcksichtigen.
âš+1â© Der Praxistest der Kriterien folgt in U21/U22: Die statischen Verfahren scheitern mit ihren Durchschnittswerten gerade am vierten Kriterium des unterschiedlichen zeitlichen Kapitalbedarfs, das erst die dynamischen Verfahren mit der Diskontierung erfĂŒllen.
#19 Was ist das Investitionsklima?
Rohleders Kompass, FINA U20
- Zusammenwirken aller Einflussfaktoren, die die Gewinnerwartungen der Investoren beeinflussen
- angebotsseitig: erwartete Produktionskosten (Löhne, Zinsen, Steuern), bĂŒrokratische Hemmnisse
- nachfrageseitig: gesamtwirtschaftliche Nachfrage, absolute/relative Preise; bei starker ExportabhÀngigkeit auch Welthandel, Wechselkurse, effektive Protektion
- wirtschaftspolitisch: nur kontinuierliche Wirtschaftspolitik sichert Basis fĂŒr langfristige Investitionsentscheidungen
- Investitionsklima = die allgemeine Stimmung/Grosswetterlage fĂŒr Investitionen: ob die Bedingungen gerade gĂŒnstig sind, um Geld zu investieren.
- Zusammenwirken aller Einflussfaktoren = viele Dinge wirken zusammen und ergeben in Summe das Klima.
- Gewinnerwartungen der Investoren = wie viel Gewinn die Geldgeber sich erhoffen. Ist die Erwartung gut, investieren sie eher.
- angebotsseitig = alles, was mit dem Herstellen/Anbieten zu tun hat, also die Kosten der Produktion.
- Produktionskosten (Löhne, Zinsen, Steuern) = was das Herstellen kostet: GehÀlter, Kreditzinsen und Abgaben an den Staat.
- bĂŒrokratische Hemmnisse = HĂŒrden durch Vorschriften und Verwaltung, die das Investieren erschweren.
- nachfrageseitig = alles, was mit den Kunden/dem Absatz zu tun hat, also ob genug gekauft wird.
- gesamtwirtschaftliche Nachfrage = wie viel insgesamt in der ganzen Wirtschaft gekauft/nachgefragt wird.
- absolute und relative Preise = wie hoch Preise sind (absolut) und wie sie im VerhĂ€ltnis zĂŒinander stehen (relativ).
- ExportabhÀngigkeit = wenn eine Firma stark vom Verkauf ins Ausland lebt; dann zÀhlen auch Welthandel und Wechselkurse.
- Wechselkurse = das UmtauschverhĂ€ltnis zwischen WĂ€hrungen (z. B. Euro zu Dollar); es beeinflusst, wie teuer/gĂŒnstig Exporte sind.
- effektive Protektion = wie stark der Staat die heimische Wirtschaft vor auslĂ€ndischer Konkurrenz schĂŒtzt (z. B. durch Zölle).
- kontinuierliche Wirtschaftspolitik = eine verlÀssliche, gleichmÀssige Politik ohne stÀndige Kehrtwenden; nur so kann man langfristig planen.
Das Investitionsklima ist das Zusammenwirken aller Einflussfaktoren, welche die Gewinnerwartungen der Investoren beeinflussen. Dazu zÀhlen insbesondere:
- Angebotsseitige EinflĂŒsse, wie die erwartete Entwicklung der Produktionskosten (Löhne, Zinsen, Steuern) oder der bĂŒrokratischen Hemmnisse.
- Nachfrageseitige EinflĂŒsse, etwa Erwartungen ĂŒber die Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage oder der absoluten und relativen Preise â sowie bei starker ExportabhĂ€ngigkeit darĂŒber hinaus Erwartungen ĂŒber die Entwicklung des Welthandels sowie der Wechselkurse und effektiven Protektion.
- Wirtschaftspolitische EinflĂŒsse, da nur eine kontinuierliche Wirtschaftspolitik gewĂ€hrleistet, dass eine Basis fĂŒr langfristige und in die Zukunft reichende Investitionsentscheidungen vorhanden ist.
âš+1â© Die drei Einflussebenen lassen sich mit #20/#21 sofort anwenden: Geopolitische Verwerfungen treffen die Nachfrageseite ĂŒber den Welthandel, Energie- und Inflationsschock die Kostenseite, womit die aktuelle EintrĂŒbung beide Seiten des Klimas zugleich erfasst.
#20 / #21 Aktuelles Investitionsklima in Deutschland â Beispiele und GrĂŒnde
Rohleders Kompass, FINA U20
- schwache Weltwirtschaft aufgrund geopolitischer Konflikte und Verwerfungen hat die Wirtschaftsperspektiven in Deutschland fĂŒr 2024 eingetrĂŒbt
- dazu: nachlassende, aber noch wirkende Belastungen durch Energie- und Inflationsschock
- Quellen: FTD (ftd.de), ifo-Institut (gesunkene Investitionserwartungen), IW (drohende Rezession in Industrie und Bauindustrie)
- schwache Weltwirtschaft = die Wirtschaft weltweit lÀuft schlecht, es wird weniger gekauft und produziert.
- geopolitische Konflikte und Verwerfungen = Spannungen und Streit zwischen LĂ€ndern (Kriege, Handelsstreit), die die Wirtschaft durcheinanderbringen.
- Wirtschaftsperspektiven eingetrĂŒbt = die Aussichten fĂŒr die Zukunft sind schlechter geworden, man erwartet weniger.
- Energieschock = plötzlich stark gestiegene Energiepreise (Gas, Strom), die alles teurer machen.
- Inflationsschock = eine plötzliche, starke Teuerung, bei der Geld schnell an Kaufkraft verliert.
- nachlassend, aber noch wirkend = die Belastung wird langsam weniger, ist aber immer noch spĂŒrbar.
- ifo-Institut = ein bekanntes deutsches Wirtschaftsforschungs-Institut, das u. a. die Stimmung in Firmen misst.
- Investitionserwartungen gesunken = die Firmen planen weniger zu investieren als vorher.
- Institut der deutschen Wirtschaft (IW) = ein weiteres Forschungsinstitut, das die Wirtschaft beobachtet.
- Rezession = ein lÀngerer Abschwung, in dem die Wirtschaft schrumpft statt zu wachsen. Hier drohend in Industrie und Bau.
- FTD (ftd.de) = eine Quelle (Wirtschaftsmedium), auf die sich das Material beruft.
Als Beispiel und BegrĂŒndung fĂŒr das aktuelle Investitionsklima in Deutschland nennt der Kompass:
- Die schwache Entwicklung der Weltwirtschaft aufgrund der geopolitischen Konflikte und Verwerfungen hat die Wirtschaftsperspektiven in Deutschland fĂŒr das Jahr 2024 eingetrĂŒbt.
- Dazu kommen die zwar nachlassenden, aber immer noch wirkenden Belastungen durch den Energie- und Inflationsschock.
Der Kompass verweist dabei auf Quellen wie FTD (ftd.de), das ifo-Institut (gesunkene Investitionserwartungen) und das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) mit Blick auf eine drohende Rezession in Industrie und Bauindustrie.
âš+1â© Die RĂŒckbindung an #19 liefert den Struktur-Punkt: Gesunkene ifo-Investitionserwartungen und die IW-Rezessionswarnung sind nichts anderes als MessgröĂen der Gewinnerwartungen, die das Investitionsklima definitionsgemÀà bĂŒndelt.
#01 Gemeinsame Merkmale der statischen Verfahren
Rohleders Kompass, FINA U21 · Investitionsrechnung · Statische Verfahren
- Drei Grundprinzipien der statischen Investitionsrechnung
- VollstĂ€ndigkeit: alle zukĂŒnftigen Zahlungsströme berĂŒcksichtigen
- Zeiteinheitlichkeit: gleiche Zeiteinheiten, meist jÀhrlich
- Erfolgsrechnung: Vergleich von Gesamteinnahmen und Gesamtausgaben
- Gemeinsamer Nenner der vier Verfahren (Kosten-, Gewinn-, RentabilitÀts-, Amortisationsrechnung)
- Investitionsrechnung = das Durchrechnen VOR einer grösseren Anschaffung, ob sie sich lohnt. Man vergleicht: Was kostet mich das Ding, was bringt es mir?
- statisch (bei 'statische Verfahren') = die einfache Methode: man rechnet mit festen Durchschnittswerten pro Jahr, ohne dass man berĂŒcksichtigt, dass Geld heute mehr wert ist als in 10 Jahren. GegenstĂŒck wĂ€ren 'dynamische' Verfahren, die das mitrechnen.
- Zahlungsströme = alles Geld, das rein- oder rausfliesst: Ausgaben (fĂŒr die Maschine, Strom, Lohn) und Einnahmen (Verkaufserlöse).
- Prinzip der VollstĂ€ndigkeit = man darf keine Geldbewegung vergessen, alle kĂŒnftigen Ein- und Auszahlungen mĂŒssen rein in die Rechnung.
- Prinzip der Zeiteinheitlichkeit = man rechnet alles auf denselben Zeitabschnitt um, meistens pro Jahr, damit man Ăpfel mit Ăpfeln vergleicht.
- Prinzip der Erfolgsrechnung = 'Erfolg' heisst hier schlicht: was am Ende ĂŒbrig bleibt. Man stellt alle Einnahmen allen Ausgaben gegenĂŒber.
- Die vier Verfahren (Kosten-, Gewinn-, RentabilitĂ€ts-, Amortisationsrechnung) = vier verschiedene Blickwinkel auf dieselbe Frage 'lohnt sich das?' - einmal nur ĂŒber die Kosten, einmal ĂŒber den Gewinn, einmal ĂŒber die Verzinsung, einmal ĂŒber die Dauer bis es sich rechnet.
Rohleder nennt drei Grundprinzipien, die alle statischen Investitionsrechnungsverfahren gemeinsam haben:
- Prinzip der VollstĂ€ndigkeit: Alle zukĂŒnftigen Zahlungsströme einer Investition mĂŒssen berĂŒcksichtigt werden.
- Prinzip der Zeiteinheitlichkeit: Die betrachteten Zahlungsströme werden in gleichen Zeiteinheiten (meist jÀhrlich) betrachtet.
- Prinzip der Erfolgsrechnung: Die Erfolgsrechnung erfolgt durch Vergleich der Gesamteinnahmen und Gesamtausgaben.
Diese drei Prinzipien sind der gemeinsame Nenner der vier Verfahren, die anschlieĂend behandelt werden (Kostenvergleich, Gewinnvergleich, RentabilitĂ€ts- und Amortisationsrechnung).
âš+1â© Die Abgrenzung aus der Begriffsliste gehört als Sicherheitsnetz dazu: Statisch heiĂt, mit festen Durchschnittswerten ohne den Zeitwert des Geldes zu rechnen, wĂ€hrend die dynamischen Verfahren (U22) genau diese zeitliche Struktur ĂŒber die Diskontierung einfangen.
#02 Kostenvergleichsrechnung
Rohleders Kompass, FINA U21
- Beurteilt Investition allein anhand des Kostenaufwandes
- FĂŒr jede Alternative Gesamtkosten ermitteln und gegenĂŒberstellen
- Entscheidung: Alternative mit den geringsten Kosten
- Erlösseite bewusst ausgeklammert = zentrale SchwÀche (siehe #06)
- Kostenvergleichsrechnung = man schaut NUR, welche Anschaffung im Jahr am wenigsten kostet, und nimmt die gĂŒnstigste. Was sie einbringt, wird bewusst ignoriert.
- Kostenaufwand = die Summe aller Ausgaben, die die Anschaffung pro Jahr verursacht (z.B. Strom, Lohn, Abnutzung).
- Investitionsalternative = eine von mehreren Möglichkeiten, zwischen denen man wÀhlt - z.B. drei verschiedene Maschinen-Angebote.
- Erlösseite / Erlöse = das Geld, das durch den Verkauf der produzierten Sachen reinkommt. Genau das lÀsst diese Methode weg - das ist ihre SchwÀche.
- durchschnittliche jĂ€hrliche Gesamtkosten = man nimmt einen typischen Jahreswert der Kosten, nicht die Kosten ĂŒber die ganze Laufzeit.
Rohleders Kernaussage:
Die Kostenvergleichsrechnung beurteilt eine Investition anhand des Kostenaufwandes. FĂŒr verschiedene Investitionsalternativen ermittelt das Unternehmen die Kosten und stellt diese gegenĂŒber.
Das Verfahren betrachtet also ausschlieĂlich die Kostenseite. FĂŒr jede Investitionsalternative werden die (durchschnittlichen jĂ€hrlichen) Gesamtkosten berechnet und einander gegenĂŒbergestellt; gewĂ€hlt wird die Alternative mit den geringsten Kosten. Die Erlösseite wird bewusst nicht einbezogen - das ist zugleich die zentrale SchwĂ€che (siehe #06).
âš+1â© Der âgilt nur wenn"-Vorbehalt bringt den Zusatzpunkt: AussagekrĂ€ftig ist der reine Kostenvergleich nur, wenn die Alternativen auf der Erlösseite gleichwertig sind, andernfalls muss die Gewinnvergleichsrechnung (#03) ĂŒbernehmen.
#03 Gewinnvergleichsrechnung
Rohleders Kompass, FINA U21
- Baut auf Kostenvergleich auf, bezieht zusÀtzlich die Erlöse ein
- Formel: G = Erlöse - Kosten
- Entscheidungsregel: Investition mit dem höchsten Gewinn G wÀhlen
- Erfasst Unterschiede in Menge, QualitĂ€t oder Absatzpreis ĂŒber die Erlöse
- Gewinnvergleichsrechnung = wie der Kostenvergleich, aber jetzt zieht man auch das Geld dazu, das reinkommt. Man vergleicht den Gewinn statt nur die Kosten.
- Erlöse = Einnahmen aus dem Verkauf (StĂŒckzahl mal Verkaufspreis).
- Formel G = Erlöse - Kosten: G steht fĂŒr Gewinn. Man nimmt das eingenommene Geld und zieht alle Kosten ab. Was ĂŒbrig bleibt, ist der Gewinn.
- Entscheidungsregel 'höchster Gewinn' = man wĂ€hlt einfach die Variante, bei der am meisten Geld ĂŒbrig bleibt.
- Ausbringungsmenge = wie viele StĂŒck die Maschine produziert. Wenn zwei Maschinen unterschiedlich viel herstellen, sieht man den Unterschied erst am Gewinn, nicht an den reinen Kosten.
- Absatzpreis = der Preis, zu dem man das produzierte StĂŒck verkauft.
Die Gewinnvergleichsrechnung erweitert die Kostenvergleichsrechnung um die Erlösseite. Rohleder:
Die Gewinnvergleichsrechnung baut auf der Kostenvergleichsrechnung auf, jedoch werden nun auch die Erlöse aus der Investition mitberĂŒcksichtigt.
Formel:
G = Erlöse - Kosten
Entscheidungsregel: WÀhle die Investition mit dem höchsten Gewinn G.
GegenĂŒber dem reinen Kostenvergleich ist damit auch eine Aussage möglich, wenn sich die Alternativen in Ausbringungsmenge, QualitĂ€t oder Absatzpreis unterscheiden und dadurch unterschiedliche Erlöse erzielen.
âš+1â© Die verbleibende LĂŒcke fĂŒhrt direkt zu #04: Auch der Gewinnvergleich ignoriert, wie viel Kapital fĂŒr den Gewinn eingesetzt werden musste, weshalb erst die RentabilitĂ€tsrechnung zwei gleich hohe Gewinne mit unterschiedlichem Kapitaleinsatz sauber unterscheidet.
#04 RentabilitÀtsrechnung (ROI)
Rohleders Kompass, FINA U21
- Statisches Verfahren, misst i.d.R. die zeitliche Durchschnittsverzinsung
- Kennzahl: Return on Investment (ROI)
- Setzt Erfolg ins VerhÀltnis zum durchschnittlich gebundenen Kapital, als Prozentsatz
- Gleicht aus, dass Kosten-/Gewinnvergleich die Höhe des Kapitaleinsatzes ignorieren
- Kompass nennt nur ROI als Konzept; Bruch-Formel erst in der Ăbung (#15)
- RentabilitÀt = wie gut sich das eingesetzte Geld verzinst - also wie viel Prozent Ertrag man auf sein eingesetztes Geld bekommt, Àhnlich wie Zinsen beim Sparbuch.
- Return on Investment (ROI) = englisch fĂŒr 'RĂŒcklauf auf die Investition'. Eine Prozentzahl, die sagt: FĂŒr 100 Euro Einsatz bekomme ich X Euro Ertrag.
- Durchschnittsverzinsung = der Prozentsatz, mit dem sich das Geld im Schnitt pro Jahr verzinst.
- durchschnittlich gebundenes Kapital = das Geld, das im Schnitt in der Anschaffung 'festhĂ€ngt' und nicht anderweitig genutzt werden kann. Weil die Maschine ĂŒber die Jahre an Wert verliert, nimmt man einen Mittelwert.
- Warum ROI nötig ist: Kosten- und Gewinnvergleich sagen nicht, WIE VIEL Geld man einsetzen musste. Zwei Maschinen mit gleichem Gewinn sind unterschiedlich gut, wenn eine viel weniger gekostet hat. Der ROI stellt Gewinn ins VerhÀltnis zum Einsatz.
- Kennzahl = eine einzelne Zahl, die etwas auf den Punkt bringt (hier: die Verzinsung in Prozent).
- Bruch-Formel = die Rechnung, bei der man eine Zahl durch eine andere teilt (Gewinn geteilt durch eingesetztes Kapital) - kommt erst spÀter in #15.
Rohleders Definition:
RentabilitÀtsrechnung ist ein statisches Verfahren der Investitionsrechnung, das i.d.R. die zeitliche Durchschnittsverzinsung eines Investitionsprojektes mit Hilfe der Kennzahl Return on Investment (ROI) misst.
Die RentabilitĂ€tsrechnung setzt den (durchschnittlichen) Erfolg einer Investition ins VerhĂ€ltnis zum eingesetzten bzw. durchschnittlich gebundenen Kapital und drĂŒckt ihn als Prozentsatz aus - die Durchschnittsverzinsung des Projekts. Damit wird der Nachteil ausgeglichen, dass Kosten- und Gewinnvergleich die absolute Höhe des Kapitaleinsatzes nicht berĂŒcksichtigen: Zwei Alternativen mit gleichem Gewinn, aber unterschiedlichem Kapitaleinsatz sind unterschiedlich rentabel.
Hinweis: Der Kompass nennt hier nur die Kennzahl ROI als Konzept. Die konkrete Bruch-Formel (Gewinn bezogen auf durchschnittlich gebundenes Kapital) wird in der Ăbungsaufgabe angewandt - siehe Sektion #15.
âš+1â© Der Anwendungsbeleg steht in #15: Dort liefert die Bruch-Formel fĂŒr die drei Ăbungsobjekte Durchschnittsverzinsungen zwischen 76,76 % und 86,52 %, und die Rangfolge nach ROI bestĂ€tigt dasselbe Siegerobjekt wie Kosten- und Gewinnvergleich.
#05 Amortisationszeitraum (Amortisationsrechnung)
Rohleders Kompass, FINA U21
- Amortisationsdauer = Zeitraum, in dem sich die Investition rentiert
- RĂŒckverdienung durch AfA (Abschreibung) und ErtrĂ€ge
- JĂ€hrlicher RĂŒckfluss = Gewinn + kalkulatorische Abschreibung
- RisikoprÀferenz: geringe Amortisationszeit = geringeres Risiko
- Zukunftsaussichten (Regierungsbildung, Wirtschaftslage) beeinflussen die Beurteilung
- Kein alleiniges Entscheidungskriterium - nur ErgÀnzung
- amortisieren / Amortisationsdauer = wie lange es dauert, bis die Anschaffung ihr eigenes Anschaffungsgeld wieder eingespielt hat. 'Nach 2 Jahren hat sich die Maschine bezahlt gemacht.'
- sich rentieren = sich lohnen, das eingesetzte Geld wieder reinholen.
- AfA (Abschreibung) = die Art, wie man den Wertverlust einer Maschine ĂŒber die Jahre auf dem Papier verteilt. Kostet z.B. eine Maschine 100.000 und hĂ€lt 10 Jahre, 'verbraucht' man 10.000 pro Jahr. AfA = 'Absetzung fĂŒr Abnutzung'.
- Ertrag / ErtrÀge = das, was reinkommt - hier grob das eingenommene Geld.
- jĂ€hrlicher RĂŒckfluss = Gewinn + kalkulatorische Abschreibung: das Geld, das pro Jahr real 'zurĂŒckfliesst'. Man addiert zum Gewinn die Abschreibung dazu, weil die Abschreibung zwar als Kosten galt, aber kein echtes Geld rausfliesst - es bleibt im Betrieb.
- kalkulatorische Abschreibung = die rechnerisch angesetzte jÀhrliche Wertminderung (kalkulatorisch = 'zur Berechnung angesetzt', nicht unbedingt real ausgegeben).
- RisikoprÀferenz = die Vorliebe, möglichst wenig Risiko einzugehen. Kurze Amortisationszeit = Geld schnell wieder frei = weniger Risiko.
- kein alleiniges Entscheidungskriterium = man sollte nicht nur nach der Amortisationsdauer entscheiden, sie ist nur eine Zusatzinfo neben den anderen Verfahren.
Rohleder beschreibt den Amortisationszeitraum so:
Mit der Amortisationsdauer wird der Zeitraum festgelegt, in dem sich eine Investition rentiert. FĂŒr die Ermittlung der Amortisationsdauer wird eine Methode der Investitionsrechnung angewandt. Zu diesen Verfahren gehört auch die Amortisationsrechnung.
Entscheidend ist der Zusatz: Die Amortisationsdauer ergibt sich aus der RĂŒckverdienung durch AfA (Abschreibung) und ErtrĂ€ge. Der jĂ€hrliche RĂŒckfluss besteht also aus Gewinn plus kalkulatorischer Abschreibung.
Rohleders Bewertung des Kriteriums (Folie 8):
- RisikoprÀferenz: Eine geringe Amortisationszeit signalisiert ein geringeres Risiko (das Kapital ist schneller wieder frei).
- Zukunftsaussichten: Rahmenbedingungen wie Regierungsbildung und Wirtschaftslage beeinflussen die Beurteilung.
- Kein alleiniges Entscheidungskriterium: Die Amortisationsrechnung darf nicht allein ĂŒber die Investition entscheiden - sie ist eine ErgĂ€nzung, kein Ersatz fĂŒr die ĂŒbrigen Verfahren.
âš+1â© Die Abgrenzung zu U22 #14 sichert einen Punkt: Neben dieser statischen Durchschnittsrechnung existiert die dynamische Amortisationszeit, die mit abgezinsten RĂŒckflĂŒssen arbeitet und so den Zeitwert des Geldes in die Risikobeurteilung holt.
#06 SchwÀchen der statischen Verfahren
Rohleders Kompass, FINA U21
- Fehlende Erlösseite beim Kostenvergleich schrÀnkt Einsatzbereich naturgemÀà ein
- ReprĂ€sentativitĂ€ts-Annahme: Durchschnittswerte gelten fĂŒr alle Folgeperioden
- Diese Annahme problematisch bei langer Nutzungsdauer oder schwankenden Werten
- SchwÀchen der Verfahren = die Punkte, an denen diese einfache Rechenweise ungenau oder unbrauchbar wird.
- NichtberĂŒcksichtigung der Erlösseite = die Kostenvergleichsrechnung schaut nur auf Kosten und blendet aus, was reinkommt - deshalb kann man sie nur einsetzen, wenn die Einnahmen bei allen Varianten gleich (oder egal) sind.
- naturgemĂ€ss eingeschrĂ€nkt = 'liegt in der Natur der Sache' - weil die Methode Einnahmen weglĂ€sst, taugt sie eben nur fĂŒr begrenzte FĂ€lle.
- Durchschnittswerte = ein einziger typischer Jahreswert, den man stellvertretend fĂŒr alle Jahre nimmt.
- ReprĂ€sentativitĂ€ts-Annahme = die Unterstellung, dass dieser eine Durchschnittswert wirklich fĂŒr JEDES kommende Jahr stimmt. Problem: bei langer Nutzung oder schwankenden Preisen stimmt das oft nicht.
- Nutzungsdauer = wie viele Jahre man die Maschine benutzt.
- schwankende Kosten/Erlöse = wenn Ausgaben oder Einnahmen von Jahr zu Jahr stark auf und ab gehen - dann ist ein fester Durchschnittswert irrefĂŒhrend.
Rohleder benennt als zentrale SchwÀche:
NichtberĂŒcksichtigung der Erlösseite bei Kostenvergleichsrechnung: Die Einsetzbarkeit der Kostenvergleichsrechnung bei Investitionsentscheidungen ist naturgemÀà wegen der NichtberĂŒcksichtigung der Erlösseite eingeschrĂ€nkt. Ferner mĂŒssen wir unterstellen, dass die angesetzten Durchschnittswerte reprĂ€sentativ fĂŒr alle nachfolgenden Perioden sind.
Zwei Kritikpunkte stehen also explizit im Kompass:
- Fehlende Erlösseite (bei der Kostenvergleichsrechnung) - dadurch ist ihr Einsatzbereich naturgemÀà eingeschrÀnkt.
- ReprĂ€sentativitĂ€ts-Annahme - es wird unterstellt, dass die angesetzten Durchschnittswerte fĂŒr alle nachfolgenden Perioden gelten. Diese Annahme ist bei lĂ€ngeren Nutzungsdauern oder schwankenden Kosten/Erlösen problematisch.
âš+1â© Als dritte SchwĂ€che lĂ€sst sich #05 anfĂŒhren: Auch die Amortisationsrechnung taugt ausdrĂŒcklich nicht als alleiniges Entscheidungskriterium, womit keines der statischen Verfahren fĂŒr sich genommen eine vollstĂ€ndige Investitionsentscheidung trĂ€gt.
#07 Wann statische Verfahren dennoch sinnvoll sind
Rohleders Kompass, FINA U21
- Kleine Investitionen ohne zurechenbare Erlöswirkungen
- Beispiele: KopiergerĂ€t, BĂŒro-Bestuhlung, Standard-Software, neuer Laster
- Direkter Anbieter- und Kostenvergleich reicht aus
- Kosten der ersten Periode als reprĂ€sentativ fĂŒr Folgejahre ansehbar
- Dort verlieren die SchwÀchen aus #06 an Gewicht
- 'Kleine' Investitionen = Anschaffungen, die nicht viel kosten und keinen direkt zurechenbaren Extra-Umsatz bringen (ein Kopierer verkauft nichts).
- ohne zurechenbare Erlöswirkungen = man kann dem Ding keine eigenen Einnahmen zuordnen - ein BĂŒrostuhl bringt kein messbares Geld rein, er verursacht nur Kosten.
- Leistungsmerkmale (bei Software mit vorgegebenen Leistungsmerkmalen) = was die Software können soll ist fix vorgegeben, es geht nur noch um den Preis.
- Anbietervergleich = man vergleicht schlicht die Angebote verschiedener VerkÀufer nach Preis.
- reprĂ€sentativ fĂŒr die Folgejahre = der Kostenwert des ersten Jahres gilt vernĂŒnftigerweise auch fĂŒr die nĂ€chsten Jahre, weil sich wenig Ă€ndert.
- dynamische Verfahren = die aufwendigere Rechenweise, die auch den Zeitwert des Geldes einbezieht. Bei kleinen Anschaffungen wĂ€re dieser Aufwand ĂŒbertrieben.
Rohleder grenzt die sinnvollen AnwendungsfÀlle konkret ab:
âKleine" Investitionen ohne zurechenbare Erlöswirkungen wie der Kauf eines neuen KopiergerĂ€ts, eine neue Bestuhlung fĂŒr BĂŒros, der Einsatz einer neuen Software mit vorgegebenen Leistungsmerkmalen, ein neuer Laster sind Beispiele hierfĂŒr. Hier ist ein direkter Vergleich der Anbieter und Kosten durchaus ausreichend und die Kosten der ersten Periode können durchaus als reprĂ€sentativ fĂŒr die Folgejahre angesehen werden.
Kernaussage: Genau dort, wo sich keine eigenstĂ€ndigen Erlöse zurechnen lassen und die Kosten ĂŒber die Jahre stabil bleiben, verlieren die unter #06 genannten SchwĂ€chen an Gewicht. Dann genĂŒgt ein direkter Kosten-/Anbietervergleich, und der Aufwand komplexer dynamischer Verfahren wĂ€re unverhĂ€ltnismĂ€Ăig.
âš+1â© Die KMU-Perspektive aus #08 verlĂ€ngert das Argument: Wo keine groĂe Finanzabteilung existiert, sprechen zusĂ€tzlich Einfachheit, geringe Kosten und Tempo fĂŒr die statischen Verfahren, der sinnvolle Einsatzbereich ist also nicht nur objekt-, sondern auch unternehmensabhĂ€ngig.
#08 FĂŒnf GrĂŒnde, warum statische Investitionsrechnung fĂŒr KMU Berechtigung hat
Rohleders Kompass, FINA U21
- 1. Einfache Anwendbarkeit und VerstÀndlichkeit - keine komplexen Modelle nötig
- 2. Geringe Kosten - keine teure Software/Berater, einfache Kalkulation/Tabelle
- 3. Schnelle Entscheidungsmöglichkeiten - zĂŒgige erste EinschĂ€tzung
- 4. Praktisch fĂŒr kurzfristige Investitionen mit geringem Risiko
- 5. Einfacher Vergleich von Alternativen (z.B. Amortisationsdauer, Gewinnvergleich)
- Hinweis: laut Kompass mit ChatGPT erzeugt, aber als Rohleders Antwort gesetzt
- KMU = 'kleine und mittlere Unternehmen' - Betriebe, die nicht riesig sind und meist keine eigene grosse Finanzabteilung haben.
- Berechtigung hat = 'ihren Sinn hat', gute GrĂŒnde, sie zu benutzen.
- RentabilitĂ€t prĂŒfen = checken, ob sich eine Anschaffung finanziell lohnt.
- komplexe Modelle = komplizierte Rechenverfahren, fĂŒr die man Spezialwissen oder teure Software braucht.
- Kalkulation / Tabelle = eine einfache Rechnung, z.B. in Excel.
- kurzfristige Investitionen mit geringem Risiko = Anschaffungen, die sich schnell bezahlt machen und bei denen wenig schiefgehen kann - da reicht die einfache Rechnung.
- Kennzahlen (wie Amortisationsdauer oder Gewinnvergleich) = einzelne Vergleichszahlen, mit denen man Angebote schnell gegenĂŒberstellen kann.
- 'mit ChatGPT erzeugt' = der Hinweis heisst nur: diese Antwortliste stammt ursprĂŒnglich von einem KI-Tool, wird hier aber als die gĂŒltige Antwort verwendet.
Rohleder listet fĂŒnf GrĂŒnde (Antwort laut Kompass mit ChatGPT erzeugt, aber als seine Kompass-Antwort gesetzt):
Einfache Anwendbarkeit und VerstĂ€ndlichkeit Die statische Investitionsrechnung ist einfach und schnell zu verstehen und anzuwenden. KMU, die oft keine umfangreichen Finanzabteilungen haben, können mit einfachen Kennzahlen und Berechnungen die RentabilitĂ€t einer Investition prĂŒfen, ohne komplexe Modelle verwenden zu mĂŒssen.
Geringe Kosten Investitionsentscheidungen sind bei KMU hĂ€ufig mit begrenzten finanziellen Mitteln verbunden. Das Verfahren erfordert keine hohen Kosten fĂŒr Software oder externe Berater und lĂ€sst sich mit einfachen Kalkulationen oder Tabellen durchfĂŒhren - ein Vorteil bei knappen Ressourcen.
Schnelle Entscheidungsmöglichkeiten KMU mĂŒssen oft schnell entscheiden. Die statische Rechnung liefert zĂŒgig eine erste EinschĂ€tzung der InvestitionsrentabilitĂ€t, ohne lange Berechnungsprozesse.
Praktische Anwendung fĂŒr kurzfristige Investitionen Besonders geeignet fĂŒr kurzfristige Projekte ohne langfristige Planung oder groĂe Risiken. KMU tĂ€tigen hĂ€ufig Investitionen, die sich schnell amortisieren und deren Nutzen kurzfristig sichtbar ist - dann ist die statische Betrachtung ausreichend.
Einfacher Vergleich von Alternativen Bei mehreren Investitionsmöglichkeiten ermöglicht das Verfahren einen einfachen, ĂŒbersichtlichen Vergleich anhand einfacher Kennzahlen wie Amortisationsdauer oder Gewinnvergleich.
âš+1â© Der Geltungsvorbehalt gehört in die Antwort: Alle fĂŒnf GrĂŒnde tragen nur fĂŒr kurzfristige, risikoarme Vorhaben, denn bei langlaufenden GroĂinvestitionen schlagen die SchwĂ€chen aus #06 durch, und dann fĂŒhrt auch fĂŒr KMU kein Weg an den dynamischen Verfahren vorbei.
Ăbungsaufgabe Metallbau GmbH - Aufgabenstellung & Ausgangsdaten (#09, #10, #11, #12)
Rohleders Kompass, FINA U21
- #09: Beispiel Tabelle F-3 (Gewinn-, RentabilitÀts-, Amortisationsvergleich) in Excel nachvollziehen
- #10: Kostenvergleich als zusÀtzliches Kriterium ergÀnzen
- #11: Rangfolgen je Kriterium mit RANG.GLEICH() bilden
- #12: Entscheidung - welche Alternative und warum
- Metallbau GmbH Prignitz, Bearbeitungszentrum, drei Angebote
- Gemeinsam: 10 Jahre, 50.000 StĂŒck/Jahr, 80 % Auslastung, i = 6,0 %, 10 EUR/StĂŒck, Material 60.000 EUR
- Sollamortisationszeit: 3 Jahre
- Lösung stammt aus Excel-Mappe, nicht aus dem Kompass
- Bearbeitungszentrum = eine grosse Maschine, die Metallteile automatisch bearbeitet (frÀst, bohrt usw.). Hier geht es darum, welches von drei Angeboten man kauft.
- RANG.GLEICH() = ein Excel-Befehl, der automatisch eine Rangliste bildet (Platz 1, 2, 3) - z.B. wer die niedrigsten Kosten hat.
- Anschaffungsausgabe = der Kaufpreis der Maschine, das Geld, das man einmalig ausgibt.
- Restwert = was die Maschine am Ende der Nutzungszeit (nach 10 Jahren) noch wert ist, z.B. beim Verkauf als Altmetall oder gebraucht.
- Fixkosten (sonstige Fixkosten p.a.) = Kosten, die immer gleich anfallen, egal wie viel produziert wird (z.B. Miete). 'p.a.' = pro Jahr (lateinisch per annum).
- Fertigungslohn = Lohn fĂŒr die Arbeiter, die an der Maschine produzieren.
- variable Kosten = Kosten, die mit der Produktionsmenge steigen oder fallen (mehr StĂŒck = mehr Strom, mehr Material). '(100 %)' heisst: der Wert gilt bei voller Auslastung.
- Nennleistung = wie viel die Maschine bei Vollbetrieb maximal schaffen könnte (50.000 StĂŒck/Jahr).
- Auslastungsgrad 80 % = die Maschine lÀuft nicht voll, sondern nur zu 80 % - also produziert sie 80 % ihrer Maximalmenge.
- Kalkulatorischer Zinssatz i = 6,0 % = ein angesetzter Zinssatz, der ausdrĂŒckt: hĂ€tte man das Geld nicht in die Maschine gesteckt, könnte es 6 % Zinsen bringen. Dieser 'entgangene Zins' wird als Kosten mitgerechnet. 'i' ist das ĂŒbliche KĂŒrzel fĂŒr den Zinssatz.
- Sollamortisationszeit 3 Jahre = die Vorgabe der Chefetage: die Maschine muss sich spÀtestens in 3 Jahren bezahlt machen.
Die Excel-Ăbung besteht aus zwei Meta-Aufgaben plus der eigentlichen Rechenaufgabe:
- #09: Das Beispiel âTabelle F-3: Gewinn-, RentabilitĂ€ts- und Amortisationsvergleich" in Excel nachvollziehen.
- #10: Einen Kostenvergleich als zusĂ€tzliches Kriterium hinzufĂŒgen.
- #11: Zu allen Kriterien Rangfolgen mit RANG.GLEICH() bilden.
- #12: Entscheidung: Welche Alternative und warum?
Sachverhalt: Die Metallbau GmbH, Prignitz, plant die Anschaffung eines Bearbeitungszentrums. Der Einkauf hat drei Angebote vorgelegt (Quelle: Krause/Krause, Finanzierung und Investition, S. 62, mit eigenen ErgÀnzungen).
Objektspezifische Daten:
| GröĂe | Objekt 1 | Objekt 2 | Objekt 3 |
|---|---|---|---|
| Anschaffungsausgabe | 250.000 EUR | 300.000 EUR | 280.000 EUR |
| Restwert | 25.000 EUR | 10.000 EUR | 5.000 EUR |
| Sonstige Fixkosten p.a. | 120.500 EUR | 110.000 EUR | 129.600 EUR |
| Fertigungslohn (100 %) | 100.000 EUR | 70.000 EUR | 80.000 EUR |
| Energie (100 %) | 12.000 EUR | 8.000 EUR | 7.000 EUR |
| Sonstige variable Kosten (100 %) | 7.000 EUR | 9.000 EUR | 9.000 EUR |
FĂŒr alle drei Objekte gemeinsam:
| GröĂe | Wert |
|---|---|
| Nutzungsdauer | 10 Jahre |
| Nennleistung | 50.000 StĂŒck/Jahr |
| Auslastungsgrad | 80 % |
| Kalkulatorischer Zinssatz i | 6,0 % |
| Verkaufspreis | 10 EUR/StĂŒck |
| Material (variabel, 100 %) | 60.000 EUR |
Gesucht ist mit Kostenvergleich (#13), Gewinnvergleich (#14), RentabilitÀtsvergleich (#15) und statischer Amortisationsrechnung (#16), welches Objekt am vorteilhaftesten ist. Sollamortisationszeit: 3 Jahre.
Hinweis zur Treue: Der Kompass gibt hier nur Aufgabenstellung und Daten vor - die Zahlen-Lösung lag in der hochzuladenden Excel-Mappe. Die folgenden Sektionen wenden Rohleders eigene Verfahren Schritt fĂŒr Schritt auf seine Daten an. Konventions-Entscheidungen (Zins- und ROI-Basis, Amortisations-Basis) sind darin markiert und sollten gegen Rohleders Excel-Musterlösung abgeglichen werden.
#13 Kostenvergleichsrechnung - Lösung Schritt fĂŒr Schritt
Rohleders Kompass, FINA U21
- Variable Kosten (100 %): O1 179.000, O2 147.000, O3 156.000 EUR
- Skaliert auf 80 %: O1 143.200,00, O2 117.600,00, O3 124.800,00 EUR
- Kalk. AfA (linear, mit Restwert): O1 22.500, O2 29.000, O3 27.500 EUR
- Kalk. Zinsen i mal (A+R)/2: O1 8.250, O2 9.300, O3 8.550 EUR
- Gesamtkosten: O1 294.450,00, O2 265.900,00, O3 290.450,00 EUR
- Ergebnis: O2 am gĂŒnstigsten; Reihenfolge O2 kleiner O3 kleiner O1
- skalieren (mit 0,80) = umrechnen auf die tatsÀchliche Menge. Weil nur 80 % produziert wird, nimmt man 80 % der variablen Kosten (mal 0,80).
- O1 / O2 / O3 = Kurzform fĂŒr Objekt 1, Objekt 2, Objekt 3 - die drei Maschinen-Angebote.
- kalkulatorische Abschreibung (linear) = der jÀhrliche Wertverlust, gleichmÀssig verteilt. 'linear' = jedes Jahr gleich viel. Formel (Kaufpreis - Restwert) / Jahre: man verteilt den Wertverlust auf die Nutzungsjahre.
- kalkulatorische Zinsen = der oben erwÀhnte 'entgangene Zins' auf das in der Maschine steckende Geld, als Kosten angesetzt.
- durchschnittlich gebundenes Kapital / (Anschaffung + Restwert)/2 = Mittelwert aus Kaufpreis und Restwert. Weil der Wert am Anfang hoch und am Ende (Restwert) niedrig ist, nimmt man die Mitte als 'im Schnitt gebundenes' Geld.
- Durchschnittswertmethode = genau dieser Trick, den Mittelwert aus Anfangs- und Endwert zu nehmen.
- Gesamtkosten = alle Kostenblöcke zusammen: feste Kosten + Wertverlust + Zinsen + mengenabhÀngige Kosten. Wer hier den kleinsten Wert hat, gewinnt den Kostenvergleich (hier Objekt 2).
Schritt 1 - Variable Kosten bei 80 % Auslastung. Die variablen Kostenwerte sind bei 100 % angegeben und mit dem Auslastungsgrad 0,80 zu skalieren. Material (60.000) gilt fĂŒr alle Objekte.
Variable Kosten bei 100 %:
- O1: 100.000 + 60.000 + 12.000 + 7.000 = 179.000,00 EUR
- O2: 70.000 + 60.000 + 8.000 + 9.000 = 147.000,00 EUR
- O3: 80.000 + 60.000 + 7.000 + 9.000 = 156.000,00 EUR
Variable Kosten bei 80 % (mal 0,80):
- O1: 179.000 Ă 0,80 = 143.200,00 EUR
- O2: 147.000 Ă 0,80 = 117.600,00 EUR
- O3: 156.000 Ă 0,80 = 124.800,00 EUR
Schritt 2 - Kalkulatorische Abschreibung (linear): AfA = (Anschaffungsausgabe - Restwert) / Nutzungsdauer
- O1: (250.000 - 25.000) / 10 = 22.500,00 EUR
- O2: (300.000 - 10.000) / 10 = 29.000,00 EUR
- O3: (280.000 - 5.000) / 10 = 27.500,00 EUR
Schritt 3 - Kalkulatorische Zinsen auf das durchschnittlich gebundene Kapital: Zinsen = i Ă (Anschaffungsausgabe + Restwert) / 2 (Konvention: Durchschnittswertmethode)
- O1: 0,06 Ă (250.000 + 25.000)/2 = 0,06 Ă 137.500 = 8.250,00 EUR
- O2: 0,06 Ă (300.000 + 10.000)/2 = 0,06 Ă 155.000 = 9.300,00 EUR
- O3: 0,06 Ă (280.000 + 5.000)/2 = 0,06 Ă 142.500 = 8.550,00 EUR
Schritt 4 - Gesamtkosten = sonstige Fixkosten + AfA + Zinsen + variable Kosten:
| Kostenblock | Objekt 1 | Objekt 2 | Objekt 3 |
|---|---|---|---|
| Sonstige Fixkosten | 120.500,00 | 110.000,00 | 129.600,00 |
| + Kalk. Abschreibung | 22.500,00 | 29.000,00 | 27.500,00 |
| + Kalk. Zinsen | 8.250,00 | 9.300,00 | 8.550,00 |
| + Variable Kosten (80 %) | 143.200,00 | 117.600,00 | 124.800,00 |
| = Gesamtkosten | 294.450,00 | 265.900,00 | 290.450,00 |
Ergebnis: Objekt 2 hat mit 265.900,00 EUR die geringsten Gesamtkosten und ist im reinen Kostenvergleich am vorteilhaftesten. Reihenfolge: O2 vor O3 vor O1 (265.900,00 kleiner 290.450,00 kleiner 294.450,00).
âš+1â© Die Pointe des Zahlenbilds ist einen Satz wert: Objekt 2 gewinnt den Kostenvergleich trotz der höchsten Anschaffungsausgabe von 300.000,00 EUR, weil seine niedrigen variablen Kosten und Fixkosten die höhere Abschreibung und Zinslast mehr als ausgleichen.
#14 Gewinnvergleichsrechnung - Lösung Schritt fĂŒr Schritt
Rohleders Kompass, FINA U21
- Absatzmenge = 50.000 mal 0,80 = 40.000 StĂŒck/Jahr
- Erlöse = 40.000 mal 10 = 400.000,00 EUR (fĂŒr alle Objekte gleich)
- Gewinn G = Erlöse - Gesamtkosten
- O1 105.550,00; O2 134.100,00; O3 109.550,00 EUR
- Ergebnis: O2 höchster Gewinn; Reihenfolge O2 vor O3 vor O1
- Gleiche Erlöse -> selbe Rangfolge wie Kostenvergleich (invers)
- Absatzmenge = die Zahl der StĂŒck, die man verkauft (hier gleich der produzierten Menge): 50.000 mal 0,80 = 40.000 StĂŒck.
- Ausbringung = Fachwort fĂŒr die produzierte Menge.
- Erlöse = Umsatz = verkaufte StĂŒck mal Preis: 40.000 mal 10 Euro = 400.000 Euro. Bei allen drei Maschinen gleich, weil Menge und Preis gleich sind.
- Gewinn G = Erlöse - Gesamtkosten: vom eingenommenen Geld die gesamten Kosten (aus #13) abziehen. Was bleibt, ist der Gewinn.
- Rangfolge invers = weil die Einnahmen bei allen gleich sind, gewinnt automatisch die Maschine mit den niedrigsten Kosten auch beim Gewinn - nur eben 'andersherum' gedacht (niedrigste Kosten = höchster Gewinn).
Schritt 1 - Absatzmenge und Erlöse. Ausbringung = Nennleistung Ă Auslastungsgrad = 50.000 Ă 0,80 = 40.000 StĂŒck/Jahr. Da Menge und Preis (10 EUR/StĂŒck) fĂŒr alle Objekte gleich sind, sind die Erlöse identisch:
Erlöse = 40.000 Ă 10 = 400.000,00 EUR (fĂŒr O1, O2, O3 gleich).
Schritt 2 - Gewinn G = Erlöse - Gesamtkosten (Gesamtkosten aus Sektion #13):
| GröĂe | Objekt 1 | Objekt 2 | Objekt 3 |
|---|---|---|---|
| Erlöse | 400.000,00 | 400.000,00 | 400.000,00 |
| - Gesamtkosten | 294.450,00 | 265.900,00 | 290.450,00 |
| = Gewinn G | 105.550,00 | 134.100,00 | 109.550,00 |
Ergebnis: Objekt 2 erzielt mit 134.100,00 EUR den höchsten Gewinn. Nach Rohleders Entscheidungsregel (höchster Gewinn gewinnt) ist Objekt 2 vorteilhaft. Reihenfolge: O2 vor O3 vor O1.
Weil die Erlöse hier fĂŒr alle Objekte gleich sind, fĂŒhrt der Gewinnvergleich zwangslĂ€ufig zur selben Rangfolge wie der Kostenvergleich (nur mit umgekehrtem Vorzeichen der Differenzen).
âš+1â© Der Umkehrschluss ist der PrĂŒfungspunkt: Sobald sich die Objekte in Ausbringungsmenge, QualitĂ€t oder Absatzpreis unterscheiden, fallen Kosten- und Gewinnrangfolge auseinander, und dann ist allein der Gewinnvergleich aussagekrĂ€ftig.
#15 RentabilitĂ€tsvergleichsrechnung (ROI) - Lösung Schritt fĂŒr Schritt
Rohleders Kompass, FINA U21
- Ă gebundenes Kapital = (Anschaffung + Restwert)/2
- O1 137.500; O2 155.000; O3 142.500 EUR
- ROI = Gewinn / Ă Kapital mal 100
- O1 76,76 %; O2 86,52 %; O3 76,88 %
- Ergebnis: O2 höchste Durchschnittsverzinsung; Reihenfolge O2 vor O3 vor O1
- Edge-Case: Variante mit +kalk. Zinsen (82,76/92,52/82,88 %) - O2 bleibt vorn
- Ă gebundenes Kapital = 'durchschnittlich gebundenes Kapital' (Ă = das Durchschnitts-Zeichen). Mittelwert aus Kaufpreis und Restwert - das im Schnitt in der Maschine steckende Geld.
- ROI = Gewinn / Ă Kapital mal 100 = man teilt den Gewinn durch das eingesetzte Durchschnittsgeld und macht daraus Prozent (mal 100). Ergebnis: wie viel Prozent Ertrag pro eingesetztem Euro.
- 76,76 % ROI = fĂŒr je 100 Euro, die durchschnittlich in Objekt 1 stecken, kommen rund 77 Euro Gewinn im Jahr zurĂŒck.
- höchste Durchschnittsverzinsung = die Maschine, die das eingesetzte Geld am besten verzinst (hier Objekt 2 mit 86,52 %) ist beim ROI die beste.
- Edge-Case / Konventions-Hinweis = ein Sonderfall bzw. eine andere gĂ€ngige Rechenweise. Manche BĂŒcher zĂ€hlen die Zinsen zum Gewinn dazu, bevor sie den ROI rechnen. Wichtig fĂŒr Laien: das Ă€ndert die konkreten Prozentzahlen, aber Objekt 2 bleibt trotzdem vorn - das Ergebnis ist 'robust', also stabil.
Schritt 1 - Durchschnittlich gebundenes Kapital = (Anschaffungsausgabe + Restwert) / 2:
- O1: (250.000 + 25.000)/2 = 137.500,00 EUR
- O2: (300.000 + 10.000)/2 = 155.000,00 EUR
- O3: (280.000 + 5.000)/2 = 142.500,00 EUR
Schritt 2 - ROI = Gewinn / durchschnittlich gebundenes Kapital Ă 100 (Gewinn aus #14):
- O1: 105.550 / 137.500 = 0,7676 -> 76,76 %
- O2: 134.100 / 155.000 = 0,8652 -> 86,52 %
- O3: 109.550 / 142.500 = 0,7688 -> 76,88 %
| GröĂe | Objekt 1 | Objekt 2 | Objekt 3 |
|---|---|---|---|
| Gewinn G | 105.550,00 | 134.100,00 | 109.550,00 |
| Ă gebundenes Kapital | 137.500,00 | 155.000,00 | 142.500,00 |
| ROI | 76,76 % | 86,52 % | 76,88 % |
Ergebnis: Objekt 2 hat mit 86,52 % die höchste Durchschnittsverzinsung und ist im RentabilitÀtsvergleich am vorteilhaftesten. Reihenfolge: O2 vor O3 vor O1.
Konventions-Hinweis (Edge-Case, mit Julian/Excel-Lösung abgleichen): Manche LehrbĂŒcher rechnen die kalkulatorischen Zinsen zum Gewinn hinzu (ROI = (Gewinn + kalk. Zinsen) / Ă Kapital), weil die Zinsen zuvor als Kosten abgezogen wurden. Auch mit dieser Variante bleibt Objekt 2 vorn (O1 82,76 %, O2 92,52 %, O3 82,88 %) - die Rangfolge ist robust. Der Kompass gibt die genaue ZĂ€hler-Konvention nicht vor.
âš+1â© Der MaĂstab ist im Datensatz mitgeliefert: Der kalkulatorische Zinssatz von 6,0 % markiert die Alternativverzinsung des Kapitals, und weil alle drei Objekte ihn mit Durchschnittsverzinsungen ĂŒber 76 % weit ĂŒbertreffen, sind sie absolut vorteilhaft und nicht nur relativ zu ordnen.
#16 Statische Amortisationsrechnung - Lösung Schritt fĂŒr Schritt
Rohleders Kompass, FINA U21
- JĂ€hrlicher RĂŒckfluss = Gewinn + kalk. Abschreibung
- O1 128.050,00; O2 163.100,00; O3 137.050,00 EUR
- Amortisationsdauer = Anschaffungsausgabe / RĂŒckfluss
- O1 1,95 J; O2 1,84 J; O3 2,04 J
- Ergebnis: O2 amortisiert am schnellsten; Reihenfolge O2 kleiner O1 kleiner O3
- Alle drei unter der Sollamortisationszeit von 3 Jahren
- Achtung: hier O1 vor O3 (2. und 3. Platz gegenĂŒber den anderen Kriterien getauscht)
- jĂ€hrlicher RĂŒckfluss (Cashflow) = das echte Geld, das pro Jahr zurĂŒckkommt = Gewinn + Abschreibung. 'Cashflow' ist englisch fĂŒr 'Geldfluss'. Man addiert die Abschreibung dazu, weil sie zwar als Kosten galt, aber real im Betrieb bleibt.
- Amortisationsdauer = Anschaffungsausgabe / RĂŒckfluss = Kaufpreis geteilt durch das, was jĂ€hrlich zurĂŒckkommt. Ergebnis: nach wie vielen Jahren ist der Kaufpreis wieder drin.
- 1,84 Jahre = nach knapp zwei Jahren hat Objekt 2 sein Kaufgeld wieder eingespielt - das ist die schnellste der drei.
- Sollamortisationszeit 3 Jahre = die Vorgabe 'muss sich in 3 Jahren rechnen' - alle drei Maschinen schaffen das, also sind alle zulÀssig.
- Platz 2 und 3 vertauscht = kleiner Hinweis: bei diesem Kriterium liegt Objekt 1 vor Objekt 3, bei den anderen drei Kriterien war es umgekehrt. FĂŒr die Empfehlung egal, weil Objekt 2 ĂŒberall Erster ist.
- Restwert abziehen (Edge-Case) = andere Rechenweise, bei der man nur (Kaufpreis minus Restwert) amortisieren muss. Ăndert die Jahreszahlen, aber nicht den Sieger.
Schritt 1 - JĂ€hrlicher RĂŒckfluss (Cashflow). Rohleder: RĂŒckverdienung durch AfA und ErtrĂ€ge, also RĂŒckfluss = Gewinn + kalkulatorische Abschreibung (AfA aus #13, Gewinn aus #14):
- O1: 105.550 + 22.500 = 128.050,00 EUR
- O2: 134.100 + 29.000 = 163.100,00 EUR
- O3: 109.550 + 27.500 = 137.050,00 EUR
Schritt 2 - Amortisationsdauer = Anschaffungsausgabe / durchschnittlicher RĂŒckfluss:
- O1: 250.000 / 128.050 = 1,95 Jahre
- O2: 300.000 / 163.100 = 1,84 Jahre
- O3: 280.000 / 137.050 = 2,04 Jahre
| GröĂe | Objekt 1 | Objekt 2 | Objekt 3 |
|---|---|---|---|
| Gewinn G | 105.550,00 | 134.100,00 | 109.550,00 |
| + Kalk. Abschreibung | 22.500,00 | 29.000,00 | 27.500,00 |
| = JĂ€hrl. RĂŒckfluss | 128.050,00 | 163.100,00 | 137.050,00 |
| Anschaffungsausgabe | 250.000,00 | 300.000,00 | 280.000,00 |
| Amortisationsdauer | 1,95 J | 1,84 J | 2,04 J |
Ergebnis: Objekt 2 amortisiert sich mit 1,84 Jahren am schnellsten. Alle drei Objekte liegen unter der von der GeschĂ€ftsfĂŒhrung geforderten Sollamortisationszeit von 3 Jahren und sind damit hinsichtlich dieses Kriteriums zulĂ€ssig. Reihenfolge: O2 vor O1 vor O3 (1,84 kleiner 1,95 kleiner 2,04).
Wichtig: Die Amortisation ist das einzige der vier Kriterien, bei dem Platz 2 und 3 vertauscht sind - hier liegt O1 (1,95 J) vor O3 (2,04 J), wĂ€hrend bei Kosten, Gewinn und RentabilitĂ€t O3 vor O1 rangiert. FĂŒr die Empfehlung ist das ohne Belang, da O2 in allen Kriterien Rang 1 belegt.
Konventions-Hinweis (Edge-Case): Hier ist die volle Anschaffungsausgabe als zu amortisierender Betrag angesetzt. Einige Darstellungen ziehen den Restwert ab ((Anschaffung - Restwert) / RĂŒckfluss). Die Rangfolge (O2 vorn) Ă€ndert sich dadurch nicht; die absoluten Jahreswerte schon. Gegen Rohleders Excel-Musterlösung prĂŒfen.
âš+1â© Der RĂŒckfluss-Begriff bestĂ€tigt #05: Amortisiert wird ĂŒber Gewinn plus Abschreibung, weil die Abschreibung als nicht zahlungswirksamer Kostenblock im Unternehmen verbleibt, und genau deshalb fĂ€llt jede Amortisationsdauer kĂŒrzer aus, als der Gewinn allein erwarten lieĂe.
#11 Rangfolgen & #12 Entscheidung
Rohleders Kompass, FINA U21
- Rang-Richtung: bei Kosten und Amortisationsdauer ist der kleinste Wert Rang 1
- Bei Gewinn und RentabilitĂ€t ist der gröĂte Wert Rang 1
- O2 belegt in allen vier Kriterien Rang 1
- Gesamtrang: O2 = 1, O3 = 2, O1 = 3
- Entscheidung #12: Objekt 2 wÀhlen
- O2 erfĂŒllt (wie O1 und O3) die Sollamortisationszeit von 3 Jahren
- Einstimmigkeit macht die Empfehlung robust; Amortisation allein wÀre kein hinreichendes Kriterium (#05)
- Rang-Richtung = die Frage, ob der kleinste oder der grösste Wert Platz 1 bekommt. Bei Kosten und Amortisationsdauer ist klein = gut (Platz 1). Bei Gewinn und RentabilitÀt ist gross = gut (Platz 1).
- RANG.GLEICH() = der Excel-Befehl, der automatisch Platz 1, 2, 3 vergibt.
- Gesamtrang = man addiert die Platzziffern aus allen vier Kriterien; wer in Summe die kleinste Zahl hat, ist insgesamt der Beste (Objekt 2 = 1+1+1+1 = 4).
- Einstimmigkeit = alle vier Rechenmethoden zeigen dieselbe Maschine als Sieger. Das macht die Empfehlung sicher - egal, welche Methode oder Rechenkonvention man bevorzugt, es bleibt Objekt 2.
- robust = das Ergebnis ist stabil und hÀngt nicht an einer einzelnen Annahme oder einem einzelnen Kriterium.
- kein hinreichendes Entscheidungskriterium (Amortisation allein) = die Amortisationszeit allein wĂŒrde nicht ausreichen, um sicher zu entscheiden - hier stĂŒtzen aber alle Verfahren zusammen dieselbe Wahl.
#11 Rangfolgen werden in Excel mit RANG.GLEICH() je Kriterium gebildet. Wichtig ist die Rang-Richtung: Bei Kosten und Amortisationsdauer ist der kleinste Wert Rang 1; bei Gewinn und RentabilitĂ€t der gröĂte Wert Rang 1.
| Kriterium | Objekt 1 | Objekt 2 | Objekt 3 | Rang 1 |
|---|---|---|---|---|
| Gesamtkosten | 294.450,00 | 265.900,00 | 290.450,00 | O2 |
| Gewinn | 105.550,00 | 134.100,00 | 109.550,00 | O2 |
| RentabilitÀt (ROI) | 76,76 % | 86,52 % | 76,88 % | O2 |
| Amortisationsdauer | 1,95 J | 1,84 J | 2,04 J | O2 |
| Gesamtrang | 3 | 1 | 2 | O2 |
Zum Gesamtrang: Bildet man je Kriterium die RĂ€nge 1-3 und summiert, ergibt sich O1 = 3+3+3+2 = 11, O2 = 1+1+1+1 = 4, O3 = 2+2+2+3 = 9. Damit ist O2 Gesamtrang 1, O3 Gesamtrang 2 und O1 Gesamtrang 3. (Beim Kriterium Amortisation ist O1 zweitbester, O3 letzter - ĂŒber alle Kriterien bleibt O3 wegen der besseren RĂ€nge bei Kosten/Gewinn/RentabilitĂ€t dennoch vor O1.)
#12 Entscheidung: Objekt 2 ist zu wĂ€hlen. Es belegt in allen vier Kriterien Rang 1 - geringste Gesamtkosten, höchster Gewinn, höchste RentabilitĂ€t und kĂŒrzeste Amortisationsdauer. ZusĂ€tzlich erfĂŒllt es (wie auch O1 und O3) die von der GeschĂ€ftsfĂŒhrung vorgegebene Sollamortisationszeit von 3 Jahren.
Besonders ĂŒberzeugend ist die Einstimmigkeit: Weil alle vier statischen Verfahren dieselbe Alternative an die Spitze setzen, ist die Empfehlung robust und nicht von der Wahl eines einzelnen Kriteriums oder einer Rechenkonvention abhĂ€ngig. ErgĂ€nzend gilt Rohleders Hinweis aus #05: Die Amortisationszeit allein wĂ€re kein hinreichendes Entscheidungskriterium - hier stĂŒtzt aber der volle Verfahrenskanon dieselbe Wahl.
âš+1â© Die Robustheits-Klammer verdient den Schlusssatz: Weil Objekt 2 in allen vier Kriterien Rang 1 belegt, ĂŒberlebt die Empfehlung sogar die in #15 und #16 markierten Konventions-Varianten, die einzelne Zahlenwerte, aber nie den Sieger verĂ€ndern.
#01 Grundidee der dynamischen Investitionsbewertungsverfahren
Rohleders Kompass, FINA U22 · Investitionsrechnung · Dynamische Verfahren (WACC, Kapitalwert, AnnuitÀt, IZF)
- Dynamische Verfahren: ermöglichen dem Unternehmer, den KapitalrĂŒckfluss ĂŒber mehrere Perioden relativ genau zu berechnen
- Kernmechanismus: Auf- bzw. Abzinsung macht Zahlungen verschiedener Zeitpunkte vergleichbar
- Gegensatz zu statischen Verfahren: Zeitwert des Geldes wird berĂŒcksichtigt â Diskontieren/Aufzinsen auf gemeinsamen Bezugszeitpunkt
- Investition = wenn eine Firma jetzt viel Geld ausgibt (z.B. fĂŒr eine Maschine), damit sie spĂ€ter mehr Geld zurĂŒckbekommt. Man legt heute etwas hin, um kĂŒnftig zu ernten.
- KapitalrĂŒckfluss = das Geld, das durch die Investition nach und nach wieder in die Kasse zurĂŒckkommt. Also: was von dem investierten Geld ĂŒber die Jahre zurĂŒckfliesst.
- Periode = ein Zeitabschnitt, meist ein Jahr. 'Ăber mehrere Perioden' heisst einfach: verteilt ĂŒber mehrere Jahre.
- Auf- bzw. Abzinsen = umrechnen, damit GeldbetrĂ€ge aus verschiedenen Jahren vergleichbar werden. Abzinsen = einen kĂŒnftigen Betrag auf 'was ist er heute wert' herunterrechnen. Aufzinsen = einen heutigen Betrag hochrechnen auf 'was wĂ€re er spĂ€ter wert'.
- Zeitwert des Geldes = die Idee, dass 100 Euro heute mehr wert sind als 100 Euro in fĂŒnf Jahren. Heutiges Geld kann man sofort nutzen oder anlegen, kĂŒnftiges nicht.
- Statische Verfahren = einfachere Rechenmethoden, die so tun, als wÀren alle GeldbetrÀge gleich viel wert, egal wann sie anfallen. Die 'dynamischen' Verfahren machen es genauer, weil sie den Zeitpunkt mit einrechnen.
- Diskontieren = anderes Wort fĂŒr Abzinsen: einen spĂ€teren Betrag auf den heutigen Wert zurĂŒckrechnen.
- Bezugszeitpunkt = ein gemeinsamer Stichtag (meist heute), auf den alle BetrÀge umgerechnet werden, damit man sie fair miteinander vergleichen kann.
Rohleder beschreibt die Grundidee so: Dynamische Investitionsrechnungen ermöglichen es dem Unternehmer, den KapitalrĂŒckfluss innerhalb mehrerer Perioden relativ genau berechnen zu können.
Der entscheidende Mechanismus dahinter ist das Auf- bzw. Abzinsen: Zahlungen können durch Auf- bzw. Abzinsung mit Zahlungen eines anderen Zeitpunkts vergleichbar gemacht werden.
Kerngedanke also: Anders als bei statischen Verfahren wird der Zeitwert des Geldes berĂŒcksichtigt â Zahlungen, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten anfallen, werden erst durch das Diskontieren (bzw. Aufzinsen) auf einen gemeinsamen Bezugszeitpunkt gebracht und dadurch untereinander vergleichbar.
âš+1â© Der RĂŒckbezug auf U20 #18 adelt die Grundidee: Erst die Auf- und Abzinsung erfĂŒllt das dort geforderte Kriterium, den unterschiedlichen zeitlichen Kapitalbedarf konkurrierender Projekte adĂ€quat zu berĂŒcksichtigen, an dem die statischen Verfahren scheitern.
#02 Zeitachse (Tabelle F-4, S. 300) â Zeitpunkte, ZeitrĂ€ume, nachschĂŒssige Zahlungen
Rohleders Kompass, FINA U22
- Frage verlangt: Unterschied Zeitpunkt/Zeitraum + Bedeutung nachschĂŒssiger Zahlungen
- Kompass-Antwort setzt bei nachschĂŒssiger Zahlung an: Nutzung des Investitionsgutes ist gegeben, damit die Möglichkeit, mit der Investition die nötige Tilgung zu erwirtschaften, da zum Monatsende die fĂ€llige Tilgung zu entrichten ist
- NachschĂŒssig = Zahlung am ENDE der Periode fĂ€llig (Standardfall der Finanzmathematik)
- Zeitpunkt = einzelner Moment (t=0, t=1); Zeitraum = Spanne zwischen zwei Zeitpunkten (Periode) â dieser Teil ist im Kompass-Antworttext nicht ausformuliert
- Zeitpunkt = ein einzelner Moment auf dem Zeitstrahl, z.B. 'jetzt' oder 'in einem Jahr'. t=0 heisst 'heute', t=1 heisst 'nach einem Jahr'.
- Zeitraum (Periode) = die Spanne ZWISCHEN zwei solchen Momenten, also z.B. das ganze Jahr von heute bis in einem Jahr.
- NachschĂŒssig = die Zahlung ist erst am ENDE des Zeitabschnitts fĂ€llig, nicht am Anfang. Beispiel Miete, die erst am Monatsende gezahlt wird.
- Finanzmathematik = die Rechenregeln fĂŒr Geld ĂŒber die Zeit (Zinsen, Raten, Umrechnungen). 'Standardfall' heisst: so rechnet man normalerweise.
- Tilgung = das ZurĂŒckzahlen eines geliehenen Betrags (der Kredit-Anteil, den man abstottert), im Gegensatz zu den Zinsen.
- Investitionsgut = der gekaufte Gegenstand selbst, z.B. die Maschine oder das Fahrzeug, in das investiert wurde.
- Erwirtschaften = durch die Nutzung Geld verdienen. Gedanke hier: erst benutzt man die Maschine ein Jahr lang, dadurch kommt Geld rein, und erst damit kann man am Ende die Rate zahlen - deshalb zahlt man am Ende, nicht am Anfang.
Die Frage verlangt zwei Dinge: den Unterschied zwischen Zeitpunkten und ZeitrĂ€umen sowie die Bedeutung des Konzepts nachschĂŒssiger Zahlungen in der Finanzmathematik.
Rohleders hinterlegte Antwort setzt beim Konzept der nachschĂŒssigen Zahlung an: Die Nutzung des Investitionsgutes ist gegeben und somit die Möglichkeit, mit der Investition die notwendige Tilgung zu erwirtschaften, da zum Monatsende die fĂ€llige Tilgung zu entrichten ist.
Kern nach Rohleder: NachschĂŒssig bedeutet, dass die Zahlung am ENDE des betrachteten Zeitraums (der Periode) fĂ€llig wird â nicht zu Beginn. Das ist finanzmathematisch der Standardfall, weil das Investitionsgut wĂ€hrend der Periode genutzt wird und erst dadurch die Mittel (z. B. fĂŒr die am Periodenende fĂ€llige Tilgung) erwirtschaftet werden.
Hinweis zur VollstĂ€ndigkeit: Der ausdrĂŒcklich mitgefragte Unterschied Zeitpunkt (ein einzelner Moment auf der Achse, z. B. t=0, t=1) versus Zeitraum (die Spanne zwischen zwei Zeitpunkten, also eine Periode) wird im Kompass-Antworttext selbst nicht weiter ausformuliert; die Zeitachse aus Tabelle F-4 (Skript S. 300) ist dafĂŒr die Bezugsgrundlage.
âš+1â© Die Zeitachsen-Konvention zahlt sich in #07 direkt aus: Weil die Anschaffung im Zeitpunkt t=0 liegt und die nachschĂŒssigen RĂŒckflĂŒsse an den Periodenenden t=1 bis t=n, muss nur die RĂŒckflussseite abgezinst werden, der Investitionsbetrag nie.
#03 Finanzierung in der Investitionsrechnung â Alternativen
Rohleders Kompass, FINA U22
- Frage (Abschnitt 28.2): Welche Alternativen gibt es bei der BerĂŒcksichtigung der Finanzierung in der Investitionsrechnung?
- Im Kompass U22 ist zu dieser Frage KEINE Antwort hinterlegt â Antwortfeld leer
- Keine Antwort erfinden; LĂŒcke aus dem Original-Skript (FINA WS24 U22, 28.2) schlieĂen
- Finanzierung = woher das Geld fĂŒr die Investition kommt: eigenes Geld der Firma oder geliehenes Geld (Kredit).
- Investitionsrechnung = das Durchrechnen, ob sich eine geplante Anschaffung lohnt oder nicht.
- 'Antwortfeld ist leer' = im Lernmaterial steht hier schlicht keine Antwort. Das heisst fĂŒr dich: nicht selbst raten, sondern diese LĂŒcke aus dem Original-Skript nachschlagen.
- 'Alternativen bei der BerĂŒcksichtigung der Finanzierung' = es geht um die Frage, auf welche verschiedenen Arten man die Geldherkunft in die Rechnung einbaut - diese Frage ist hier nur gestellt, aber nicht beantwortet.
Rohleder stellt in Abschnitt 28.2 die Frage: Welche Alternativen gibt es bei der BerĂŒcksichtigung der Finanzierung in der Investitionsrechnung?
Wichtig und ehrlich: Im Kompass U22 ist zu dieser Frage KEINE Antwort hinterlegt â das Antwortfeld ist leer. Es wĂ€re gegen die Treue-Vorgabe, hier eine Antwort zu erfinden.
Empfehlung fĂŒrs Lernen: Diese LĂŒcke gezielt aus dem Original-Skript schlieĂen (FINA WS24 U22, Abschnitt 28.2 Investitionsentscheidung und Finanzierung) und die dortige Antwort direkt ergĂ€nzen. Das ist eine der Stellen, an denen der Kompass allein nicht ausreicht.
âš+1â© Ein treuer Denkanker aus U20 #09/#10 liegt nahe: Dort unterscheidet Rohleder bereits die partielle Zurechnung der Finanzierung auf einzelne Objekte von der totalen Betrachtung des Kapitals als Ganzem, und diese Alternative kehrt in der Investitionsrechnung als Frage nach dem richtigen Kalkulationszins wieder (#04/#06).
#04 WACC â Was ist er und wie wird er berechnet?
Rohleders Kompass, FINA U22
- Gesamtkapital = Eigenkapital + Fremdkapital
- Mit den gewichteten Kapitalkosten (WACC) ermittelt die UnternehmensfĂŒhrung, mit welchen durchschnittlichen Kapitalkosten sie rechnen muss â aufgeteilt nach Eigenkapital- und Fremdkapitalkosten
- WACC = nach Kapitalstruktur gewichteter Durchschnitt aus EK- und FK-Kosten
- Kompass nennt keine ausgeschriebene Formel/Zahlenbeispiel â konkrete Gewichtung aus dem Skript
- Eigenkapital = das Geld, das der Firma selbst gehört (von den EigentĂŒmern eingelegt oder erwirtschaftet). Kein geliehenes Geld.
- Fremdkapital = geliehenes Geld, also Kredite von Banken oder anderen. Muss zurĂŒckgezahlt werden und kostet Zinsen.
- Gesamtkapital = alles Geld, mit dem die Firma arbeitet = Eigenkapital + Fremdkapital zusammen.
- Kapitalkosten = der Preis dafĂŒr, dass man Geld benutzt. Fremdkapital kostet Zinsen; Eigenkapital 'kostet' auch etwas, nĂ€mlich die Rendite, die die EigentĂŒmer erwarten.
- WACC = englische AbkĂŒrzung fĂŒr 'gewichtete durchschnittliche Kapitalkosten'. Einfach: was kostet das Geld der Firma im Schnitt, wenn man Eigen- und Fremdkapital zusammen betrachtet.
- Gewichtet = die beiden Kostenarten zÀhlen nicht gleich viel, sondern je nach ihrem Anteil. Wenn die Firma zu 80% mit Krediten und 20% mit eigenem Geld arbeitet, zÀhlen die Kreditkosten stÀrker mit.
- Kapitalstruktur = das MischungsverhÀltnis zwischen Eigenkapital und Fremdkapital - also wie viel eigenes und wie viel geliehenes Geld die Firma hat.
Rohleder erklĂ€rt den WACC (Weighted Average Cost of Capital) ĂŒber die Kapitalstruktur:
Das Gesamtkapital eines Unternehmens setzt sich aus dem Eigenkapital und dem Fremdkapital zusammen.
Mit Hilfe der gewichteten Kapitalkosten (WACC) kann die UnternehmensfĂŒhrung ermitteln, mit welchen durchschnittlichen Kapitalkosten sie rechnen muss â und zwar aufgeteilt nach Eigenkapitalkosten und Fremdkapitalkosten.
Merksatz nach Rohleder: Der WACC ist der nach der Kapitalstruktur GEWICHTETE Durchschnitt aus Eigenkapital- und Fremdkapitalkosten. Er beantwortet die Frage, was das Kapital des Unternehmens im Mittel kostet.
Hinweis: Der Kompass nennt an dieser Stelle keine ausgeschriebene Formel mit Zahlenbeispiel; die konkrete Gewichtungsformel (Anteile von EK und FK am Gesamtkapital multipliziert mit den jeweiligen KostensÀtzen) ist im Skript zu entnehmen.
âš+1â© Der Verwendungszweck gehört als Zusatz dazu: Der WACC dient als Diskontierungszins der Cash Flows (#06), und ein positiver Kapitalwert bei WACC-Diskontierung heiĂt dann genau, dass die Investition mehr verdient, als das eingesetzte Kapital im Durchschnitt kostet.
#05 WACC â Warum Marktwerte statt Buchwerte?
Rohleders Kompass, FINA U22
- In der Praxis oft Buchwerte, weil leichter verfĂŒgbar und direkt aus der Bilanz entnehmbar
- Analysefrage: zu welchen durchschnittlichen Kosten könnte die Unternehmung JETZT (Analysezeitpunkt) ihr EK und FK beschaffen? â Marktpreise relevant
- Buchwerte spiegeln nur die Kosten der VERGANGENHEIT wider
- Marktwerte ermöglichen genauere Berechnung: tagesaktuelle Faktoren wirken direkt, nicht vergangene Ereignisse
- Buchwert = der Wert, der offiziell in den BĂŒchern/der Bilanz der Firma steht. Oft ein alter Wert von damals, als etwas gekauft wurde.
- Bilanz = die offizielle Aufstellung, was die Firma besitzt und wem was gehört (Vermögen und Schulden). Aus ihr kann man Buchwerte direkt ablesen.
- Marktwert = der Wert, den etwas heute am Markt tatsĂ€chlich hat - also was man aktuell dafĂŒr zahlen oder bekommen wĂŒrde.
- Analysezeitpunkt = der Moment, an dem man gerade rechnet ('jetzt'). Die Frage ist: was wĂŒrde das Geld die Firma HEUTE kosten, nicht damals.
- Kapital beschaffen = sich Geld besorgen, z.B. einen neuen Kredit aufnehmen oder neues Eigenkapital einsammeln.
- Kern der Sache: Buchwerte sagen, was das Geld frĂŒher gekostet hat (Vergangenheit). Marktwerte sagen, was es heute kosten wĂŒrde - und weil man eine aktuelle Entscheidung trifft, sind die heutigen Preise die ehrlicheren.
Rohleder erklĂ€rt zunĂ€chst, warum in der Praxis oft trotzdem Buchwerte genommen werden: In der betrieblichen Praxis werden hĂ€ufig Buchwerte verwendet, da sie viel leichter verfĂŒgbar sind und unmittelbar aus der Bilanz einer Unternehmung entnommen werden können.
Die BegrĂŒndung fĂŒr Marktwerte setzt an der eigentlichen Analysefrage an: Bei der Ermittlung der durchschnittlichen Kapitalkosten stellen wir uns die Frage, zu welchen durchschnittlichen Kosten eine Unternehmung JETZT â zum Analysezeitpunkt â ihr vorhandenes Eigen- und Fremdkapital beschaffen könnte. HierfĂŒr sind die Marktpreise relevant.
Der Kontrast: Wenn wir die Buchwerte verwenden, dann spiegeln die durchschnittlichen Kapitalkosten die Kosten wieder, zu denen sich die Unternehmung ihr Kapital in der VERGANGENHEIT tatsÀchlich beschafft hat.
Fazit nach Rohleder: Mit den Marktwerten lÀsst sich eine genauere Berechnung erstellen, da tagesaktuelle Faktoren hier einen direkten Einfluss haben und nicht Ereignisse aus der Vergangenheit.
âš+1â© Die Konsequenz zeigt #09: Weil der Kapitalwert am Diskontierungszins hĂ€ngt, schlĂ€gt jede tagesaktuelle VerĂ€nderung der Marktkapitalkosten direkt auf die Vorteilhaftigkeit durch, wĂ€hrend Buchwert-Kosten dieselbe Investition mit dem Zinsniveau von gestern bewerten wĂŒrden.
#06 WACC als Diskontierungszins â was wird berĂŒcksichtigt?
Rohleders Kompass, FINA U22
- Mit WACC ist der Kapitalzins gemeint, der zur Diskontierung der Cash Flows verwendet wird
- Bedingung: Wenn die Cash Flows an EK- und FK-Geber NICHT separiert diskontiert werden, muss ein gewichtetes Mittel aus EK- und FK-Zins angesetzt werden
- Gemeinsame Diskontierung aller Cash Flows â ein gemischter Zins nötig = WACC
- Diskontierungszins = der Prozentsatz, mit dem man kĂŒnftige GeldbetrĂ€ge auf heute herunterrechnet. Je höher der Zins, desto weniger ist kĂŒnftiges Geld heute wert.
- Cash Flow = der Geldstrom, also das Geld, das tatsÀchlich rein- oder rausfliesst. Hier: das Geld, das die Investition spÀter abwirft.
- Eigenkapitalgeber = die Leute, die der Firma ihr eigenes Geld gegeben haben (EigentĂŒmer/Investoren). Sie bekommen einen Teil der ErtrĂ€ge.
- Fremdkapitalgeber = die, die der Firma Geld geliehen haben (z.B. Banken). Sie bekommen Zinsen und ihr Geld zurĂŒck.
- Separiert diskontieren = jede Gruppe (Eigen- und Fremdkapitalgeber) getrennt durchrechnen. 'Nicht separiert' heisst: alles zusammen in einem Rutsch rechnen.
- Gewichtetes Mittel = ein Durchschnitt, bei dem die Teile je nach ihrem Anteil unterschiedlich stark zÀhlen (siehe WACC). Wenn man alle Geldströme gemeinsam abzinst, braucht man auch EINEN gemeinsamen Mischzins - und das ist der WACC.
Rohleder stellt klar, was der WACC als Diskontierungszins abdeckt:
Mit WACC ist der Kapitalzins gemeint, der zur Diskontierung der Cash Flows verwendet wird.
Die Bedingung fĂŒr seinen Einsatz: Wenn die Cash Flows sowohl an die Eigenkapitalgeber als auch an die Fremdkapitalgeber NICHT separiert diskontiert werden, muss ein gewichtetes Mittel aus Eigenkapital- und Fremdkapitalzins angesetzt werden.
Merksatz: Weil man die gesamten Cash Flows (die beiden Kapitalgebergruppen gemeinsam zustehen) in einem Rutsch diskontiert, braucht man auch EINEN gemischten Zins â und das ist genau der WACC als gewichtetes Mittel beider KapitalkostensĂ€tze.
âš+1â© Der Umkehrschluss der Bedingung sichert den Zusatzpunkt: WĂŒrden die Zahlungen an Eigen- und Fremdkapitalgeber getrennt diskontiert, wĂ€re je Gruppe ihr eigener Kostensatz anzusetzen, der WACC ist also ausschlieĂlich das Werkzeug der gemeinsamen, unseparierten Betrachtung.
#07 Kapitalwert â Berechnung und Aussage
Rohleders Kompass, FINA U22
- Summe der RĂŒckflĂŒsse bilden
- Liquidationserlös addieren
- Investitionsbetrag subtrahieren
- Wichtig: Der Anschaffungsbetrag muss NICHT auf- oder abgezinst werden (fÀllt in t=0)
- Kapitalwert = Summe der RĂŒckflĂŒsse + Liquidationserlös â Investitionsbetrag
- Kapitalwert (KW) = das Endergebnis der Rechnung: sagt in einer Zahl, ob sich die Investition lohnt. Vereinfacht: was bringt die Investition unterm Strich, alles auf heute umgerechnet.
- RĂŒckflĂŒsse = die GeldbetrĂ€ge, die ĂŒber die Jahre durch die Investition zurĂŒck in die Kasse kommen.
- Liquidationserlös = das Geld, das man am Ende noch bekommt, wenn man die Maschine/das Investitionsgut verkauft oder verschrottet (Restwert-Verkauf).
- Investitionsbetrag / Anschaffungsbetrag = der Preis, den man am Anfang fĂŒr die Investition bezahlt hat.
- Abgezinst = auf den heutigen Wert heruntergerechnet (siehe Diskontieren). KĂŒnftige RĂŒckflĂŒsse werden vor dem ZusammenzĂ€hlen auf heute umgerechnet.
- Warum der Anschaffungsbetrag NICHT abgezinst wird: er wird ja schon heute (Zeitpunkt t=0) bezahlt. Was heute anfÀllt, ist bereits ein heutiger Wert - da gibt es nichts umzurechnen.
- Barwert = der heutige Wert eines kĂŒnftigen Geldbetrags. 'Barwertrechnung' = alles auf den Wert von heute bringen.
Rohleder beschreibt die Ermittlung des Kapitalwerts (KW) in drei Schritten:
- Man bildet die Summe der RĂŒckflĂŒsse.
- Zu dieser Summe addiert man den Liquidationserlös.
- Von diesem Ergebnis subtrahiert man den Investitionsbetrag.
Wichtiger Zusatz von Rohleder: Der Anschaffungsbetrag fĂŒr eine Investition muss NICHT auf- oder abgezinst werden.
Als Formel-Logik in Textform:
Kapitalwert = Summe der (abgezinsten) RĂŒckflĂŒsse + Liquidationserlös â Investitionsbetrag
Hinweis: Der Kompass-Wortlaut sagt nur "Summe der RĂŒckflĂŒsse"; der Zusatz "(abgezinsten)" ist eine fachlich korrekte Klarstellung, da im dynamischen Verfahren die RĂŒckflĂŒsse spĂ€terer Perioden vor dem Summieren abgezinst werden.
Hintergrund zur Nicht-Abzinsung des Anschaffungsbetrags: Er fĂ€llt im Zeitpunkt t=0 an und liegt damit bereits auf dem Bezugszeitpunkt der Barwertrechnung â deshalb bleibt er unverĂ€ndert.
âš+1â© Die Interpretation aus #08 vervollstĂ€ndigt die Rechnung: Der so ermittelte Kapitalwert beziffert unmittelbar die Unternehmenswertsteigerung durch die Investition, ein Kapitalwert von 100 heiĂt also 100 mehr Unternehmenswert zum heutigen Tag.
#08 Entscheidungsregeln der Kapitalwertmethode
Rohleders Kompass, FINA U22
- Vergleich von Alternativen: wĂ€hle die mit dem HĂHEREN Kapitalwert
- Beste Alternative darf die Bedingung KW positiv (gröĂer 0) nicht verletzen
- Nur bei Investitionsprojekten mit Einzahlungswirkung anwendbar
- KW=100 (heutige Investition) = 100 Unternehmenswertsteigerung; KW sollte deutlich positiv sein
- Reine Kosteninvestitionen: wÀhle die Alternative mit dem GERINGSTEN negativen Kapitalwert
- Kapitalwertmethode = die Vorgehensweise, bei der man den Kapitalwert (siehe oben) ausrechnet, um zu entscheiden, ob und welche Investition sich lohnt.
- KW > 0 (Kapitalwert positiv) = die Investition bringt mehr rein, als sie kostet (auf heute gerechnet). Positiv = gut, lohnt sich; negativ = VerlustgeschÀft.
- Einzahlungswirkung = die Investition bringt tatsĂ€chlich Geld ein (Einnahmen). Manche Investitionen bringen nur Kosten und kein direktes Geld zurĂŒck.
- Unternehmenswertsteigerung = um so viel wird die Firma insgesamt mehr wert. KW = 100 heisst: die Firma ist durch diese Investition 100 wertvoller geworden.
- Kosteninvestition = eine Anschaffung, die kein Geld einbringt, sondern nur kostet (z.B. eine gesetzlich vorgeschriebene Anlage). Weil kein Geld reinkommt, ist der Kapitalwert immer negativ.
- Regel bei reinen Kosten: Wenn alle Varianten Minus machen, wĂ€hlt man die mit dem kleinsten Minus - also die gĂŒnstigste Lösung, das 'am wenigsten schlechte' Ergebnis.
Rohleder nennt die Entscheidungsregeln in mehreren Stufen.
Vergleich von Investitionsalternativen: Wir wĂ€hlen die Alternative mit dem HĂHEREN Kapitalwert. Die beste Alternative darf dabei die Bedingung KW > 0 nicht verletzen. Diese Entscheidungsregel können wir nur bei Investitionsprojekten mit Einzahlungswirkung anwenden.
Interpretation eines konkreten Werts: Bei einem Kapitalwert von 100 (heutige Investition) sind diese 100 die Unternehmenswertsteigerung durch die Investition. Der Kapitalwert sollte deutlich gröĂer als 0 sein. (Der Kompass-Text ist an dieser Stelle knapp/verkĂŒrzt notiert; gemeint ist: KW = 100 bedeutet +100 Unternehmenswert.)
Sonderfall reine Kosteninvestitionen: Hier gibt es keine Einzahlungswirkung; daraus folgt (Herleitung, nicht wörtlich im Kompass), dass alle Kapitalwerte negativ sind. Die im Kompass genannte Entscheidungsregel lautet daher: WÀhle die Investitionsalternative, die den GERINGSTEN negativen Kapitalwert hat.
âš+1â© Der Vorbehalt aus #09 gehört an jede Regel: Die Rangfolge nach Kapitalwert gilt immer nur fĂŒr den gewĂ€hlten Diskontierungszins, bei anderem Zinsniveau kann die zweite Alternative die erste ĂŒberholen, weshalb der Zinssatz Teil der Entscheidung ist.
#09 Warum Àndert sich die Vorteilhaftigkeit bei unterschiedlichen DiskontierungssÀtzen?
Rohleders Kompass, FINA U22
- Der Kapitalwert Àndert sich mit dem verwendeten Diskontierungszins (= mit den durchschnittlichen Kapitalkosten)
- Grund: Kapitalbindung und Kapitalfreisetzung verlaufen bei alternativen Projekten völlig unterschiedlich
- Deshalb kann sich die Vorteilhaftigkeit einer Alternative mit dem Diskontierungszins Àndern
- Folge: Rangfolge zweier Projekte ist nicht zinsstabil
- Vorteilhaftigkeit = wie lohnenswert eine Investition ist, bzw. welche von mehreren die beste ist.
- Diskontierungssatz / Diskontierungszins = der Prozentsatz zum Herunterrechnen kĂŒnftiger BetrĂ€ge auf heute (siehe oben). Hier gleichgesetzt mit den durchschnittlichen Kapitalkosten.
- Kapitalbindung = wie lange und wie viel Geld in der Investition 'festhĂ€ngt' und nicht anderweitig verfĂŒgbar ist.
- Kapitalfreisetzung = wann das gebundene Geld wieder frei wird und zurĂŒckfliesst.
- Zahlungsprofil / zeitlicher Zahlungsverlauf = das Muster, WANN wie viel Geld rein- und rausgeht. Bei einem Projekt kommt frĂŒh viel zurĂŒck, bei einem anderen erst spĂ€t.
- Kernidee: Je nachdem, ob Geld frĂŒh oder spĂ€t zurĂŒckkommt, reagiert ein Projekt anders auf eine ZinsĂ€nderung. Deshalb kann bei niedrigem Zins Projekt A besser sein, bei hohem Zins aber Projekt B.
- Zinsstabil / Rangfolge nicht zinsstabil = die Reihenfolge 'welches Projekt ist das beste' bleibt NICHT immer gleich, sondern kann sich Àndern, wenn sich der Zins Àndert.
Rohleder begrĂŒndet die ZinsabhĂ€ngigkeit der Vorteilhaftigkeit so:
Der Kapitalwert einer Investition Àndert sich mit dem verwendeten Diskontierungszins, d. h. mit den durchschnittlichen Kapitalkosten.
Der eigentliche Grund liegt in den unterschiedlichen Zahlungsprofilen: Weil Kapitalbindung und Kapitalfreisetzung bei alternativen Investitionsprojekten völlig unterschiedlich verlaufen können, ist es durchaus vorstellbar, dass sich die Vorteilhaftigkeit einer Investitionsalternative mit dem verwendeten Diskontierungszins Àndert.
Merksatz: Zwei Projekte mit unterschiedlichem zeitlichem Zahlungsverlauf reagieren unterschiedlich stark auf eine ZinsĂ€nderung. Deshalb kann Projekt A bei niedrigem Zins vorne liegen und Projekt B bei hohem Zins â die Rangfolge ist nicht zinsstabil.
âš+1â© Als Faustregel lĂ€sst sich ableiten: Je spĂ€ter die RĂŒckflĂŒsse eines Projekts liegen, desto hĂ€rter trifft sie ein steigender Diskontierungszins, weshalb Projekte mit spĂ€ter Kapitalfreisetzung bei Zinsanstiegen gegen solche mit frĂŒhen RĂŒckflĂŒssen zurĂŒckfallen.
#10 AnnuitĂ€tenmethode â Funktion und Verwendung
Rohleders Kompass, FINA U22
- Baut auf der Kapitalwertmethode auf: zunÀchst den Kapitalwert ermitteln
- Danach den Kapitalwert in eine AnnuitĂ€t verteilen: gleichbleibende, gleich hohe, periodische Zahlung ĂŒber die Lebensdauer des Projekts
- Ergebnis: statt einmaligem Barwert eine periodische GröĂe (Jahresbetrag)
- Konkreter AnnuitÀten-/Kapitalwiedergewinnungsfaktor ist im Kompass nicht ausgeschrieben
- AnnuitĂ€t = ein gleichbleibender Betrag, der Jahr fĂŒr Jahr gezahlt wird. Wie eine feste Jahresrate, die immer gleich hoch ist (Ă€hnlich einer Kreditrate).
- AnnuitĂ€tenmethode = man rechnet zĂŒrst den Kapitalwert aus und verteilt ihn dann gleichmĂ€ssig auf jedes Jahr der Laufzeit - so bekommt man einen 'pro Jahr'-Betrag.
- 'Baut auf der Kapitalwertmethode auf' = man braucht erst das Ergebnis der vorherigen Methode (den Kapitalwert), bevor man diese hier rechnen kann.
- Lebensdauer / Projektlaufzeit = wie viele Jahre das Investitionsprojekt lÀuft bzw. genutzt wird.
- Barwert = der auf heute umgerechnete Gesamtwert (der Kapitalwert). Statt dieser einen grossen Zahl fĂŒr heute bekommt man mit der AnnuitĂ€t eine gleichmĂ€ssige Jahreszahl.
- AnnuitÀtenfaktor / Kapitalwiedergewinnungsfaktor = die Rechengrösse, mit der man den Gesamtwert in gleiche JahresbetrÀge umrechnet. Hier nicht ausgeschrieben - nur der Name.
Rohleder beschreibt die AnnuitÀtenmethode als Aufbaumethode:
Die AnnuitĂ€tenmethode baut auf der Kapitalwertmethode auf. Wir mĂŒssen daher zunĂ€chst wieder den Kapitalwert einer Investition ermitteln.
AnschlieĂend verteilen wir den Kapitalwert in eine AnnuitĂ€t, d. h. in eine gleichbleibende, gleich hohe, periodische Zahlung ĂŒber die betrachtete Lebensdauer des Investitionsprojekts.
Kern: Die AnnuitĂ€t ist also der Kapitalwert, umgerechnet in eine Reihe gleich hoher jĂ€hrlicher BetrĂ€ge ĂŒber die Projektlaufzeit. Statt eines einmaligen Barwerts (Kapitalwert) erhĂ€lt man eine periodische GröĂe.
Hinweis: Der Kompass nennt hier den konkreten Umrechnungsfaktor (AnnuitÀtenfaktor / Kapitalwiedergewinnungsfaktor) nicht ausgeschrieben; er ist bei Bedarf aus dem Skript zu ergÀnzen.
âš+1â© Der Hauptzweck steht in #11 bereit: Die Umrechnung in gleiche JahresbetrĂ€ge macht Projekte mit unterschiedlichen Laufzeiten direkt vergleichbar, ohne dass sie auf eine gemeinsame Laufzeit repliziert werden mĂŒssen.
#11 Wann ist die AnnuitĂ€tenmethode der Kapitalwertmethode ĂŒberlegen?
Rohleders Kompass, FINA U22
- GroĂer Vorteil: Investitionsalternativen mĂŒssen NICHT auf die kĂŒrzeste gemeinsame Laufzeit repliziert werden
- Kapitalwertmethode mĂŒsste unterschiedliche Laufzeiten erst vergleichbar machen (z. B. ĂŒber kleinstes gemeinsames Vielfaches replizieren)
- AnnuitĂ€tenmethode rechnet jedes Projekt auf eine gleich hohe JahresgröĂe herunter â auch bei unterschiedlichen Laufzeiten direkt vergleichbar
- Laufzeit = die Anzahl Jahre, die ein Projekt lÀuft. Zwei Projekte können unterschiedlich lange laufen (z.B. 3 Jahre vs. 5 Jahre).
- Replizieren = kĂŒnstlich wiederholen/verlĂ€ngern, damit zwei unterschiedlich lange Projekte auf die gleiche Gesamtdauer kommen und fair vergleichbar werden.
- KĂŒrzeste gemeinsame Laufzeit / kleinstes gemeinsames Vielfaches = ein Trick, um verschieden lange Projekte auf eine gemeinsame Dauer zu bringen (z.B. beide auf 15 Jahre, wenn eins 3 und eins 5 Jahre lĂ€uft). AufwĂ€ndig.
- Der Vorteil der AnnuitÀtenmethode: Sie rechnet jedes Projekt einfach auf einen Jahresbetrag herunter. JahresbetrÀge kann man direkt vergleichen, egal wie lange die Projekte laufen - das lÀstige VerlÀngern fÀllt weg.
- Periodische Grösse = ein Betrag pro Zeitabschnitt (hier: pro Jahr), im Gegensatz zu einer einmaligen Gesamtsumme.
Rohleder nennt als zentralen Ăberlegenheitspunkt:
Der groĂe Vorteil besteht darin, dass die Investitionsalternativen nicht auf die kĂŒrzeste gemeinsame Laufzeit repliziert werden mĂŒssen.
Hintergrund: Bei der reinen Kapitalwertmethode mĂŒsste man Projekte mit unterschiedlicher Laufzeit erst vergleichbar machen (z. B. ĂŒber das kleinste gemeinsame Vielfache der Laufzeiten replizieren). Die AnnuitĂ€tenmethode umgeht das, weil sie jedes Projekt auf eine gleich hohe periodische GröĂe (AnnuitĂ€t pro Jahr) herunterrechnet â und diese JahresgröĂen sind auch bei unterschiedlichen Laufzeiten direkt gegenĂŒberstellbar.
âš+1â© Ein Konsistenz-Satz rundet ab: Bei gleicher Laufzeit fĂŒhren AnnuitĂ€ten- und Kapitalwertmethode zwingend zum selben Urteil, denn die AnnuitĂ€t ist nur der ĂŒber die Jahre verteilte Kapitalwert, ihr Mehrwert entsteht ausschlieĂlich beim Laufzeitunterschied.
#12 Interner Zinssatz â Definition und Ermittlung
Rohleders Kompass, FINA U22
- Gesucht ist der Wert des WACC, bei dem der Kapitalwert null wird
- Leitfrage: Wie hoch dĂŒrfen die durchschnittlichen Kapitalkosten sein, damit KW genau null wird?
- Der so ermittelte Zinssatz = interne Rendite der Investition
- Entscheidungsregel (interne ZinsfuĂmethode): Einzelinvestition nur durchfĂŒhren, wenn die interne Rendite ĂBER den durchschnittlichen Kapitalkosten liegt
- Break-even-Zins: bei ihm ist KW = 0
- Interner Zinssatz / interne Rendite = der Zinssatz, bei dem die Investition genau plusminus null aufgeht - also weder Gewinn noch Verlust bringt. Eine Art 'Schmerzgrenze' fĂŒr den Zins.
- Nullstelle des Kapitalwerts = der Punkt, an dem der Kapitalwert genau 0 ist. Man sucht: bei welchem Zins wird das Ergebnis weder positiv noch negativ.
- WACC = die durchschnittlichen Kapitalkosten der Firma (siehe #04). Hier: man sucht, wie hoch dieser Zins höchstens sein dĂŒrfte, damit sich die Sache gerade noch trĂ€gt.
- Break-even-Zins = 'break even' heisst 'die Null erreichen / kostendeckend'. Der Break-even-Zins ist genau der Zins, bei dem nichts ĂŒbrig bleibt und nichts fehlt.
- Interne Zinsfussmethode = die Entscheidungsregel dazu: Mach die Investition nur, wenn ihre interne Rendite HOEHER ist als das, was dein Kapital tatsÀchlich kostet (der WACC). Sonst zahlst du drauf.
- Merkbild: Verdient das Projekt mehr Prozent, als dein Geld kostet -> lohnt sich. Verdient es weniger -> Finger weg.
Rohleder definiert den internen Zinssatz ĂŒber die Nullstelle des Kapitalwerts:
Es wird der Wert des WACC gesucht, bei dem der Kapitalwert null wird. Die Leitfrage lautet: Wie hoch können die durchschnittlichen Kapitalkosten sein, damit der Kapitalwert der Investition genau null wird? Der so ermittelte Zinssatz wird als interne Rendite der Investition bezeichnet.
Entscheidungsregel (interne ZinsfuĂmethode): Nach der internen ZinsfuĂmethode darf eine Einzelinvestition nur dann durchgefĂŒhrt werden, wenn die interne Rendite des Projekts ĂBER den durchschnittlichen Kapitalkosten der Unternehmung liegt.
Merksatz: Der interne Zinssatz ist der Break-even-Zins â genau bei ihm ist KW = 0. Liegt der tatsĂ€chliche Kapitalkostensatz (WACC) darunter, ist das Projekt vorteilhaft; liegt er darĂŒber, nicht.
âš+1â© Praktisch wird der Zinssatz iterativ als Nullstelle gesucht, und der Korpus liefert das Werkzeug gleich mit: In der Tilgungsplan-Ăbung von U18 #17 ĂŒbernimmt die Excel-Funktion XINTZINSFUSS() genau diese datumsgestĂŒtzte Effektivzins-Ermittlung.
#13 Probleme der internen ZinsfuĂmethode
Rohleders Kompass, FINA U22
- Zentrale Schwierigkeit: Mehrdeutigkeit â es können mehrere ZinssĂ€tze existieren, bei denen der Kapitalwert null wird
- Unkritischer Fall: normale Investitionsprojekte (zu Beginn Auszahlungen, danach EinzahlungsĂŒberschĂŒsse) â Problem tritt nicht auf
- Kritischer Auslöser: Vorzeichenwechsel der EinzahlungsĂŒberschĂŒsse â multiple Nullstellen
- Mehrfache Vorzeichenwechsel â mehrere interne ZinssĂ€tze, keine eindeutige Aussage mehr
- Mehrdeutigkeit = es gibt nicht nur EINE Antwort, sondern mehrere mögliche - hier: mehrere ZinssÀtze, bei denen der Kapitalwert null wird. Dann weiss man nicht mehr, welcher gilt.
- Normales Investitionsprojekt = der ĂŒbliche Fall: am Anfang zahlt man (Geld raus, Minus), danach kommt nur noch Geld rein (Plus). In diesem Fall gibt es genau eine klare Antwort.
- EinzahlungsĂŒberschuss = wenn in einem Jahr mehr Geld reinkommt als rausgeht - unterm Strich ein Plus in diesem Jahr.
- Vorzeichenwechsel = wenn der Geldstrom mal Plus, mal Minus ist. Z.B. erst Ausgaben, dann Einnahmen, dann wieder eine grosse Ausgabe (etwa fĂŒr eine Reparatur oder Entsorgung).
- Multiple Nullstellen = mehrere Punkte, an denen der Kapitalwert null wird - also mehrere gĂŒltige interne ZinssĂ€tze gleichzeitig. Dann liefert die Methode keine eindeutige Antwort mehr.
- Kernregel: Einmal Minus am Anfang und danach nur Plus = harmlos, eine klare Lösung. Mehrfaches Hin und Her zwischen Plus und Minus = die Methode kann versagen.
Rohleder benennt als zentrale Schwierigkeit die Mehrdeutigkeit:
Bei der Beurteilung von Einzelinvestitionen kann das Problem entstehen, dass wir mehrere ZinssÀtze finden, bei denen der Kapitalwert null wird.
Abgrenzung des unkritischen Falls: Bei normalen Investitionsprojekten â d. h. bei Investitionen, die zu Beginn Auszahlungen und anschlieĂend EinzahlungsĂŒberschĂŒsse generieren â tritt dieses Problem nicht auf.
Auslöser des kritischen Falls: Wenn allerdings die Vorzeichen der EinzahlungsĂŒberschĂŒsse wechseln, kann es zu multiplen Nullstellen kommen.
Merksatz: Ein einmaliger Vorzeichenwechsel (Minus am Anfang, danach nur Plus) ist harmlos â es gibt genau einen internen Zinssatz. Mehrfache Vorzeichenwechsel im Zahlungsstrom können dagegen mehrere gĂŒltige interne ZinssĂ€tze erzeugen, sodass das Verfahren keine eindeutige Aussage mehr liefert.
âš+1â© Ein zweites Problem aus dem Altklausur-Korpus gehört dazu: Die interne ZinsfuĂmethode unterstellt implizit die Wiederanlage der RĂŒckflĂŒsse zum internen Zins und ĂŒberzeichnet damit die Vorteilhaftigkeit, weshalb beim Ranking konkurrierender Projekte die Kapitalwertmethode vorzuziehen ist.
#14 Dynamische Amortisationszeit â Ermittlung
Rohleders Kompass, FINA U22
- Bedingung: Summe der abgezinsten RĂŒckflĂŒsse ĂŒbersteigt die Investitionskosten
- Formel-Logik: Summe ( RĂŒckfluss geteilt durch (1 + i) hoch t ) ĂŒbersteigt Investitionskosten; i = Diskontierungszins, t = Periodenindex
- Definition: Zeitperiode, bis das investierte Kapital UND die angefallenen Zinsen vollstĂ€ndig zurĂŒckgeflossen sind
- Unterschied zur statischen Amortisation: RĂŒckflĂŒsse werden vor dem Kumulieren abgezinst
- Amortisation = der Punkt, an dem das ausgegebene Geld durch die RĂŒckflĂŒsse wieder vollstĂ€ndig hereingeholt ist. 'Amortisationszeit' = wie lange das dauert.
- Dynamisch = hier: die RĂŒckflĂŒsse werden vorher auf den heutigen Wert umgerechnet (abgezinst), bevor man sie zusammenzĂ€hlt. Beim einfacheren 'statischen' Verfahren lĂ€sst man das weg.
- Abgezinste RĂŒckflĂŒsse = die zurĂŒckfliessenden BetrĂ€ge, jeweils auf 'was sind sie heute wert' heruntergerechnet (siehe Diskontieren).
- Die Formel 'RĂŒckfluss geteilt durch (1+i) hoch t': i = der Zinssatz als Kommazahl (z.B. 0,05 fĂŒr 5%). t = das wievielte Jahr (1, 2, 3 ...). Teilen durch (1+i) hoch t macht einen kĂŒnftigen Betrag kleiner, je weiter er in der Zukunft liegt - genau das ist das Abzinsen.
- Summenzeichen (Summe von ...) = alle abgezinsten Jahres-RĂŒckflĂŒsse zusammenzĂ€hlen, Jahr fĂŒr Jahr, bis die Summe die Anschaffungskosten ĂŒbersteigt.
- Investitionskosten ĂŒbersteigen = so lange aufaddieren, bis das zurĂŒckgeflossene Geld grösser ist als das, was man ausgegeben hat - ab dann hat sich die Investition bezahlt gemacht.
- Kern: dynamisch heisst, dass nicht nur der reine Kaufpreis wieder drin sein muss, sondern auch die 'Kosten des Wartens' (die Zinsen) mit abgedeckt sind.
Rohleder gibt die dynamische Amortisationsrechnung (auch: dynamische Amortisationsdauer) so an:
Formel-Logik in Textform: Amortisationsdauer (in Jahren) â bestimmt ĂŒber die Bedingung, dass die Summe der abgezinsten RĂŒckflĂŒsse die Investitionskosten ĂŒbersteigt:
Summe ( RĂŒckfluss geteilt durch (1 + i) hoch t ) > Investitionskosten
Dabei ist i der Diskontierungszins und t der jeweilige Periodenindex; die RĂŒckflĂŒsse werden also Periode fĂŒr Periode abgezinst und aufsummiert, bis die Summe die Investitionskosten ĂŒbersteigt.
Definition nach Rohleder: Es ist die Zeitperiode, die vergeht, bis das investierte Kapital UND die angefallenen Zinsen vollstĂ€ndig wieder zurĂŒckgeflossen sind.
Unterschied zur statischen Amortisation: Das entscheidende Wort ist dynamisch â die RĂŒckflĂŒsse werden abgezinst, bevor sie kumuliert werden. Dadurch werden auch die angefallenen Zinsen mit erwirtschaftet, nicht nur der nominale Kapitalbetrag.
âš+1â© Die Kontrollrelation ist einen Satz wert: Weil abgezinste RĂŒckflĂŒsse stets kleiner sind als nominale, fĂ€llt die dynamische Amortisationsdauer nie kĂŒrzer aus als die statische aus U21 #16, der Unterschied ist genau der Zinseffekt.
#15 Interpretation der dynamischen Amortisationszeit
Rohleders Kompass, FINA U22
- Eine schnelle Amortisationszeit ist GUT
- Bedeutet einen schnelleren KapitalrĂŒckfluss
- Sorgt fĂŒr frĂŒher gestiegene LiquiditĂ€t, die fĂŒr neue Investitionen zur VerfĂŒgung steht
- Je kĂŒrzer die Amortisationsdauer, desto schneller ist das Kapital (samt Zinsen) wieder verfĂŒgbar â weniger Risiko, frĂŒher Spielraum fĂŒr Folgeinvestitionen
- Amortisationszeit = die Dauer, bis das eingesetzte Geld (plus Zinsen) wieder zurĂŒckgeflossen ist. 'Schnelle' oder 'kurze' Amortisationszeit = das Geld ist rasch wieder da.
- KapitalrĂŒckfluss = das ZurĂŒckkommen des investierten Geldes in die Kasse. 'Schneller RĂŒckfluss' = das Geld ist frĂŒh wieder verfĂŒgbar.
- LiquiditĂ€t = wie viel Geld die Firma gerade flĂŒssig/verfĂŒgbar hat, um es auszugeben. Hohe LiquiditĂ€t = man hat Bargeld/Guthaben zur Hand.
- Folgeinvestitionen = weitere Investitionen, die man mit dem zurĂŒckgeflossenen Geld anschliessend machen kann.
- Kern: Je frĂŒher das Geld zurĂŒck ist, desto besser - man hat schneller wieder Spielraum fĂŒr Neues und trĂ€gt weniger Risiko (weil das Geld nicht so lange 'im Feuer' steht).
Rohleder interpretiert die dynamische Amortisationszeit knapp und eindeutig:
- Eine schnelle Amortisationszeit ist GUT.
- Sie bedeutet einen schnelleren KapitalrĂŒckfluss.
- Sie sorgt fĂŒr frĂŒher gestiegene LiquiditĂ€t, die fĂŒr neue Investitionen zur VerfĂŒgung steht.
Merksatz: Je kĂŒrzer die Amortisationsdauer, desto schneller ist das eingesetzte Kapital (samt Zinsen) wieder verfĂŒgbar â das senkt das Risiko und schafft frĂŒher Spielraum fĂŒr Folgeinvestitionen.
âš+1â© Der Vorbehalt aus U21 #05 gilt unverĂ€ndert: Auch die dynamische Amortisationszeit ist nur ein Risiko- und LiquiditĂ€tsindikator und kein alleiniges Entscheidungskriterium, die Vorteilhaftigkeitsentscheidung selbst trĂ€gt der Kapitalwert.
Formel-Ăberblick: Investitionsrechnung
Aus der Formel-Referenz â Aufbau, Einsatz, StĂ€rken/SchwĂ€chen je Formel. Rundung: erst am Ende, 2 Nachkommastellen.
| Formel | Aufbau | Was sie leistet | Wann benutzen | â StĂ€rke / â SchwĂ€che | Nachschlagen |
|---|---|---|---|---|---|
| Kapitalwert | Alle Zahlungen auf tâ normiert | Vorteilhaftigkeit: KW > 0 = lohnt; Reihenfolge-Kriterium bei Kapitalrationierung ist er NICHT | â theoretisch sauberstes Kriterium · â hĂ€ngt am Kalkulationszins; bei Rationierung kein Reihenfolgekriterium | Kapitalwert | |
| Interner ZinsfuĂ (Interpolation) | Zins, bei dem KW = 0 | Zwei Probierzinsen, dann linear interpolieren | â Rendite intuitiv vergleichbar · â mehrdeutig bei Vorzeichenwechseln; Wiederanlageannahme | Interner ZinsfuĂ | |
| AnnuitĂ€t | (KWF) | Kapitalwert in gleiche Jahresraten ĂŒbersetzt | Vergleich unterschiedlich langer Projekte | â macht ungleiche Laufzeiten vergleichbar · â erbt alle Kapitalwert-Annahmen | AnnuitĂ€t |
| Dynamische Amortisation | erstes t mit kumuliertem Barwert â„ 0 | Wann ist die Anschaffung barwertig zurĂŒckverdient | RisikomaĂ; immer spĂ€ter als statisch | â RisikomaĂ mit Zeitwert · â ignoriert alles nach dem Break-even | Amortisationsdauer |
| Statische Amortisation | Nominale RĂŒckverdienzeit | Schnellcheck ohne Abzinsung | â schneller Ăberschlag · â keine Abzinsung, DurchschnittsgröĂen | Statische Investitionsrechnung | |
| ROI | Rendite des eingesetzten Kapitals, zerlegbar | DuPont-Analyse; welche Stellschraube wirkt | â zerlegbar in Stellschrauben (DuPont) · â Gewinnbegriff und Buchwerte verzerren | ROI |
Merkregeln zum Schluss: Symbole immer definieren (steht in den Formalia â sonst Punktabzug). Rechenweg zeigen, nicht nur Endzahl. Bei âgegeben fehlt": plausible Annahme treffen und hinschreiben. Erst am Ende runden â die Klausur vom 11.07.2025 warnt an zwei Stellen selbst davor, mit gerundeten Zwischenwerten weiterzurechnen.
Optimale Nutzungsdauer â wann ist Schluss? (8 P)
a) 2 P. ErlĂ€utern Sie das Entscheidungskriterium fĂŒr die optimale Nutzungsdauer einer einmaligen Investition.
b) 4 P. Bestimmen Sie rechnerisch die optimale Nutzungsdauer.
c) 2 P. PrĂŒfen Sie das Ergebnis ĂŒber die Grenzbetrachtung des letzten Jahres und interpretieren Sie.
Verwendete Symbole: Aâ = Anschaffungsauszahlung · et = EinzahlungsĂŒberschuss im Jahr t · Rn = Restwert bei Verkauf nach n Jahren · i = Kalkulationszins · KW(n) = Kapitalwert bei Nutzungsdauer n.
a) 2 P. â Das Kriterium
Bei einer einmaligen Investition ist die optimale Nutzungsdauer diejenige, die den Kapitalwert maximiert: FĂŒr jede mögliche Dauer n wird der Kapitalwert aus den abgezinsten ĂberschĂŒssen der Jahre 1 bis n plus dem abgezinsten Restwert Rn gebildet â der Restwert gehört zwingend in jede Variante, denn beim frĂŒheren Verkauf flieĂt er als Einzahlung zurĂŒck. âš1â© Wichtig fĂŒr die Abgrenzung: Bei wiederholten Investitionen (Ersatzketten) genĂŒgt der Kapitalwert-Vergleich nicht, weil unterschiedliche Laufzeiten verglichen wĂŒrden â dann entscheidet die AnnuitĂ€t der jeweiligen Kette (vgl. die AnnuitĂ€tenmethode fĂŒr unterschiedlich lange Projekte). âš2â©
b) 4 P. â Die Rechnung
| n | abgezinste ĂberschĂŒsse kumuliert | + abgezinster Restwert | KW(n) |
|---|---|---|---|
| 1 | 45.454,55 | 54.545,45 | 0,00 |
| 2 | 78.512,40 | 33.057,85 | 11.570,25 |
| 3 | 101.051,84 | 18.782,87 | 19.834,71 |
| 4 | 109.248,00 | 5.464,11 | 14.712,11 |
âš3â© Der Kapitalwert steigt bis n = 3 und fĂ€llt danach: Die optimale Nutzungsdauer betrĂ€gt 3 Jahre mit KW = 19.834,71 âŹ. âš4â© Nach einem Jahr wĂ€re die Investition gerade verlustfrei (KW = 0), das vierte Betriebsjahr vernichtet gegenĂŒber dem Verkauf nach drei Jahren wieder gut 5.100 ⏠Barwert. âš5â© Der Rechenweg zeigt die typische Klausurfalle: Wer den Restwert vergisst oder ihn nur bei n = 4 ansetzt, bekommt systematisch zu lange Nutzungsdauern. âš6â©
c) 2 P. â Grenzbetrachtung
Ein weiteres Jahr lohnt sich, solange sein Grenzbeitrag positiv ist: Ăberschuss des Jahres plus RestwertĂ€nderung minus Zinsen auf den gebundenen Restwert des Vorjahres, also . FĂŒr Jahr 3: â Jahr 3 lohnt. âš7â© FĂŒr Jahr 4: â Jahr 4 vernichtet Wert, der Betrieb endet nach Jahr 3. Ăkonomisch heiĂt das: Der laufende Ăberschuss muss den Restwertverzehr und die OpportunitĂ€tskosten des noch gebundenen Kapitals decken â sonst ist Verkaufen besser als Weiterbetreiben. âš8â©
âš+1â© Die BrĂŒcke, die im Kompass U15 als eigene PrĂŒffrage steht: Nutzungsdauer ist nicht Abschreibungsdauer. Die bilanzielle Abschreibungsdauer folgt AfA-Tabellen und muss weder mit dem tatsĂ€chlichen Werteverzehr noch mit der hier berechneten ökonomisch optimalen Nutzungsdauer ĂŒbereinstimmen â drei verschiedene Konzepte, die Rohleder gern gegeneinander abfragt.
âš+2â© Dreh-Absicherung Ersatzkette: Wird die Anlage nach dem Ende identisch ersetzt, vergleicht man die AnnuitĂ€ten: a(n) = KW(n) · KWF(i; n). Hier: a(2) = 11.570,25 · 0,5762 = 6.666,78 âŹ, a(3) = 19.834,71 · 0,4021 = 7.975,80 âŹ, a(4) = 14.712,11 · 0,3155 = 4.641,45 ⏠â auch in der Kette bleibt n = 3 optimal, aber das muss nicht so sein: Bei Ketten verschiebt sich das Optimum tendenziell zu kĂŒrzeren Laufzeiten, weil frĂŒherer Ersatz frĂŒhere Neu-Kapitalwerte bringt.
Rohleders Erwartung: Das Thema stand im Skript zur dynamischen Investitionsrechnung und laut GedĂ€chtnisprotokoll in der Klausur. Er will in a) das Kriterium MIT der Restwert-Logik, in b) die vollstĂ€ndige Tabelle mit Rechenweg (nicht nur das Ergebnis) und in c) die ökonomische Interpretation der Grenzbetrachtung â âWeiterbetrieb muss Restwertverzehr plus Kapitalkosten verdienen" ist der Satz, der den Unterschied macht.