Die Nachholklausur wird neu gestellt — aber diese sieben Aufgaben zeigen Rohleders aktuelle Handschrift: bekannte Themen, geprüft auf der Begriffs- und Abgrenzungsebene, Rechnung mit Konzeptfrage huckepack. Jede Aufgabe hier ist vollständig gelöst, inklusive der Stellen, an denen im Erstversuch Punkte liegen blieben. Der Lückentext (Klausur-Aufgabe 1) hat sein eigenes Kapitel: die Lückentext-Zentrale direkt hinter diesem Kapitel.
1. SEK-Hebelkalkulation — 100 € werden 229 €
Schlagworte: Hebelwirkung, Wirtschaftlichkeit, Proportionalisierung
SEK der Fertigung sind Einzelkosten: Sie gehen ohne Gemeinkostenzuschlag 1:1 in die Herstellkosten. Aber ALLES, was danach kommt, rechnet prozentual weiter (Beispielsätze):
| Schritt | Rechnung | Effekt der +100 € |
|---|---|---|
| Sondereinzelkosten Fertigung | +100,00 | +100,00 |
| = Herstellkosten | +100 (kein GK-Zuschlag auf SEK) | +100,00 |
| + VwGK 15 % auf HK | 100 · 0,15 | +15,00 |
| + VtGK 10 % auf HK | 100 · 0,10 | +10,00 |
| = Selbstkosten | +125,00 | |
| + Gewinn 20 % | 125 · 0,20 | +25,00 |
| = Barverkaufspreis | +150,00 | |
| + Skonto 3 % im Hundert | 150 ÷ 0,97 | +154,64 |
| + Rabatt 33 % im Hundert | 154,64 ÷ 0,675 | ≈ +229 |
Hebelfaktor ≈ 2,29 — jeder zusätzliche Einzelkosten-Euro wird auf dem Weg zum Listenpreis mit ~2,3 multipliziert. (Die konkreten Sätze der Klausur können abweichen; der Mechanismus — Prozent auf Prozent, Skonto/Rabatt „im Hundert" — ist der Punkt.)
b) Hebelwirkung erläutern
Die 100 € durchlaufen eine multiplikative Kette: erst prozentuale Gemeinkostenzuschläge auf die erhöhte Basis, dann Gewinnzuschlag auf die erhöhten Selbstkosten, dann Skonto und Rabatt im Hundert (Division durch <1 wirkt stärker als Aufschlag). Kein einziger dieser Folge-Euros ist durch die SEK tatsächlich verursacht — nach den 100 € (z. B. eine Spezialvorrichtung) entsteht in Verwaltung und Vertrieb kein Cent Mehraufwand.
c) Bewertung: Ist das wirtschaftlich? (die gefragte Antwort)
Kernantwort: Nein — so pauschal ist die Umlage nicht verursachungsgerecht.
- Proportionalisierungsfehler: Die Zuschlagskalkulation unterstellt, Gemeinkosten wüchsen proportional zu den Einzelkosten. VwGK/VtGK sind aber überwiegend fix — die +25 € GK sind geschlüsselt, nicht verursacht.
- Prozent-auf-Prozent-Hebel: Gewinn, Skonto und Rabatt hebeln zusätzlich — reine Rechenmechanik ohne Kostenhintergrund. Von den ~129 € „Aufschlag" auf die 100 € ist kein Euro echter Ressourcenverbrauch.
- Marktfolge: Aufträge mit hohen (Sonder-)Einzelkosten werden systematisch zu teuer angeboten (Auftragsverlustgefahr trotz auskömmlichem Deckungsbeitrag), einzelkostenarme zu billig (Quersubventionierung) — klassische Fehlsteuerung der Vollkostenrechnung.
- Verursachungsgerechte Alternative: SEK als durchlaufenden Posten ohne GK-Hebel einrechnen (allenfalls mit Gewinnaufschlag); Preisuntergrenze über Deckungsbeitrag/ Grenzkosten prüfen; für fertigungsnahe GK differenzierte Basen (Maschinenstundensatz, Prozesskostenrechnung).
- Pro-Seite (fürs „Begründen" nötig): Kommen die Zuschlagssätze aus echten Ist-Zahlen und trägt der Markt den Preis, sichert das Schema langfristig Vollkostendeckung und ist einfach und einheitlich. Der Fehler liegt nicht im Schema, sondern darin, es unreflektiert auf jeden zusätzlichen Einzelkosten-Euro anzuwenden.
Merksatz: Die Kalkulation ist rechnerisch konsistent, aber entscheidungsorientiert falsch — für die Frage „Auftrag annehmen? Preis senken?" zählt der Deckungsbeitrag, nicht der gehebelte Vollkostenpreis.
Direkt verbunden mit Klausur-Aufgabe 8 (Kritik an der Kostenrechnung): Dieser Hebel IST Kritikpunkt Nr. 1 (Fixkosten-Proportionalisierung / Schlüsselung). In der Überarbeitung beide Aufgaben verlinken.
2. Halb-/Fertigfabrikate + bewertete Lagerbewegung
Schlagworte: mehrstufige Division, Kostenwälzung, Bestandsbewertung zu HK
Stufe 1 — Halbfabrikat:
HK Halbfabrikat je Stück = variable Stückkosten + Fixblock ÷ hergestellte Menge
Lesart A (900 hergestellt): 32 + 13.000/900 = 32 + 14,44 = 46,44 €/Stk
Lesart B (750 hergestellt): 32 + 13.000/750 = 32 + 17,33 = 49,33 €/Stk
Die Falle: Der Fixblock wird durch die hergestellte Menge der Stufe geteilt — nicht durch die weiterverarbeitete und erst recht nicht durch die verkaufte.
Stufe 2 — Fertigfabrikat (600 Stück weiterverarbeitet):
Stufenkosten je Stück = 18 + 9.000/600 = 18 + 15 = 33 €/Stk
HK Fertigfabrikat = HK Halbfabrikat + Stufenkosten je Stück
Lesart A: 46,44 + 33 = 79,44 €/Stk Lesart B: 49,33 + 33 = 82,33 €/Stk
Das Halbfabrikat geht mit seinen vollen Herstellkosten in die nächste Stufe ein (Kostenwälzung) — die Stufe 2 rechnet nicht bei null los.
b) Lagerbewegungen bewerten
| Lager | Bewegung | Bewertung | Wert (Lesart A) |
|---|---|---|---|
| Halbfabrikate | hergestellt − weiterverarbeitet = 900 − 600 = +300 (B: 750−600=+150) | zu HK Halbfabrikat | 300 · 46,44 = 13.933 € (B: 150 · 49,33 = 7.400 €) |
| Fertigfabrikate | hergestellt − verkauft = 600 − 540 = +60 | zu HK Fertigfabrikat | 60 · 79,44 = 4.767 € (B: 60 · 82,33 = 4.940 €) |
Die Bewertungsregeln, auf die es ankommt:
- Bestände werden zu Herstellkosten bewertet — NIE zu Selbstkosten: Verwaltungs-/ Vertriebskosten dürfen nicht in den Bestand „aktiviert" werden, sie gehören der Periode.
- Halbfabrikate zu HK ihrer Stufe, Fertigfabrikate zu den gewälzten Gesamt-HK.
- In der Erfolgsrechnung tragen nur die 540 verkauften Stück Umsatzkosten (540 · HK Fertigfabrikat); die Bestandsmehrungen (+300 HF, +60 FF) neutralisieren die Kosten der auf Lager gegangenen Stücke (GKV: „Bestandserhöhung" als Ertragsposition; UKV: gar nicht erst als Aufwand erfasst).
⟨Begriffs-Huckepack, Rohleder-Dreh⟩ Warum überhaupt bewerten? Ohne bewertete Bestandsveränderung würde eine Periode, die auf Lager produziert, künstlich schlecht aussehen (alle Kosten, wenig Umsatz) — die Bewertung zu HK periodisiert den Aufwand verursachungsgerecht. Das ist derselbe Gedanke wie „Doppik zeigt Ressourcenverbrauch".
3. Kalkulatorische Abschreibung & Restwert
Schlagworte: Wiederbeschaffungswert, Nutzungsdauer-Konzepte, Schwierigkeiten
Wie kalkuliert man?
kalkulatorische Abschreibung pro Jahr = (Wiederbeschaffungswert − Restwert) ÷ Nutzungsdauer
Die drei bewussten Abweichungen von der bilanziellen AfA:
- Basis Wiederbeschaffungswert statt Anschaffungskosten — die KLR will die Substanzerhaltung sichern: Verdient werden muss, was die ERSATZ-Maschine kosten wird, nicht was die alte gekostet hat.
- Betriebliche (tatsächliche) Nutzungsdauer statt steuerlicher AfA-Tabelle — kalkuliert wird über die real erwartete Nutzung; die AfA-Tabelle ist eine steuerpolitische Setzung.
- Restwert wird abgezogen — nur der tatsächliche Werteverzehr (Anschaffung minus das, was am Ende noch erlösbar ist) ist Kosten. Wird über die Nutzungsdauer hinaus genutzt, wird kalkulatorisch trotzdem weiter abgeschrieben? Nein — voll abgeschriebene, weiter genutzte Anlagen verursachen keine kalk. Abschreibung mehr (wohl aber kalk. Zinsen auf den Restbuchwert, solange Kapital gebunden ist).
Die gefragten Schwierigkeiten (der Punktekatalog)
- Wiederbeschaffungswert ist eine Prognose: Preisentwicklung, Technologiesprünge (die Ersatzmaschine ist oft ein ANDERES, besseres Modell — was ist dann „Wiederbeschaffung"?), Inflation. Jede Schätzung verschiebt die Stückkosten.
- Nutzungsdauer ist unsicher: technische Lebensdauer ≠ wirtschaftliche Nutzungsdauer (optimaler Ersatzzeitpunkt!) ≠ steuerliche AfA-Dauer — drei Konzepte, drei Zahlen. Zu kurz geschätzt → Stückkosten zu hoch → Preise zu hoch; zu lang → Substanzverzehr.
- Restwert ist doppelt unsicher: Er hängt vom Gebrauchtmarkt am ENDE der Nutzungsdauer ab (Marktlage in ferner Zukunft) und von der Streitfrage, ob Schrottwert, Verkaufserlös oder null anzusetzen ist. Hoher Restwert senkt die Abschreibung — Gestaltungsspielraum.
- Scheingenauigkeit und Zirkularität: Die „exakte" Jahresabschreibung beruht auf drei geschätzten Größen; zugleich beeinflusst die Abschreibungshöhe Preise und damit Absatz und damit die tatsächliche Nutzungsdauer.
- Abweichung zur Bilanz erzeugt Erklärungsbedarf: kalkulatorischer ≠ bilanzieller Wertansatz (Anderskosten) — zwei „Wahrheiten" über dieselbe Maschine, die man auseinanderhalten und überleiten können muss.
⟨Gegenrichtungs-Frage, vorbereiten⟩ „Warum nicht einfach die bilanzielle AfA in der KLR verwenden?" → Weil sie Substanzerhaltung verfehlt (historische AK), steuerpolitisch verzerrt ist (Sonder-AfA, degressive Wahlrechte) und mit dem Restwert-/Nutzungsdauer-Ermessen der Steuer nichts über den echten betrieblichen Werteverzehr sagt.
4. Mehrstufige DBR mit gruppenfixen Kosten
Schlagworte: DB-Stufen, 4 Optimierungs-Überlegungen, Prüfkette Eliminierung
je Produkt: Umsatz
− variable Kosten
= DB I (Beitrag zur Fixkostendeckung)
− erzeugnisfixe Kosten
= DB II (P1 neg. · P2 neg. · P3 pos.)
Gruppe P2+P3: DB II(P2) + DB II(P3)
− gruppenfixe Kosten
= DB III (Gruppe)
Betrieb: DB II(P1) + DB III(Gruppe)
− unternehmensfixe Kosten
= Betriebsergebnis
Klassische Rechenfalle: Die gruppenfixen Kosten dürfen NUR einmal auf Gruppenebene abgezogen werden — nicht anteilig auf P2/P3 geschlüsselt (dann wäre es keine Deckungsbeitragsrechnung mehr, sondern verdeckte Vollkostenrechnung).
b) Die vier Überlegungen (der gefragte Katalog — „streichen" allein ist Überlegung 1 von 4, und selbst die nur mit Prüfkette)
1. Eliminierung — aber nur mit Prüfkette, nicht per Blick auf DB II: Ein negativer DB II rechtfertigt die Streichung nur, wenn
- die erzeugnisfixen Kosten tatsächlich abbaubar sind (Kostenremanenz! Miete, Abschreibungen, Personal fallen kurzfristig nicht weg). Sind sie NICHT abbaubar, ist der Streichungseffekt = −DB I. Bei positivem DB I verschlechtert die Streichung dann das Betriebsergebnis — das Produkt deckte ja noch Fixkosten mit.
- der Gruppeneffekt gerechnet wurde: Fällt P2 weg, trägt P3 die gruppenfixen Kosten allein weiter — sie verschwinden nicht. Prüfen: Ist DB III der Gruppe nach der Streichung noch positiv? (Genau hier lag der Fehler der Schnellantwort „P1 und P2 weg".)
2. Deckungsbeiträge verbessern statt Produkte streichen: Preis erhöhen (wenn Preiselastizität es zulässt), Absatzmenge steigern (Auslastung), variable Stückkosten senken (Einkaufspreise, Ausschuss, Prozesszeiten) — jede dieser Stellschrauben hebt DB I aller betroffenen Produkte, ohne Kapazität zu vernichten.
3. Fixkostenblöcke direkt angreifen — auf jeder Ebene: erzeugnisfixe Kosten (produktspezifische Werbung, Werkzeuge, Lizenzen) abbauen, gruppenfixe Kosten (gemeinsame Anlage/Linie) besser auslasten oder verschlanken, unternehmensfixe Kosten (Verwaltung) senken. Die DBR zeigt genau, WELCHER Block auf WELCHER Ebene entscheidungsrelevant ist.
4. Sortiments- und Verbundperspektive: Verbundkäufe prüfen (zieht P1 Kunden, die auch P3 kaufen? Komplementärgüter, Sortimentsvollständigkeit), Ersatz-/Nachfolgeprodukt statt ersatzloser Streichung, freiwerdende Kapazität für DB-stärkere Produkte nutzen — bei Engpass zählt der relative DB (DB je Engpasseinheit), nicht der absolute.
⟨+ Bonus-Überlegung 5⟩ Kurzfristig vs. langfristig trennen: Kurzfristig gilt „jeder positive DB I hilft" (Fixkosten sind da), langfristig müssen ALLE Kosten verdient werden — dann ist ein dauerhaft negativer DB II sehr wohl ein Streichungsgrund, sobald die Fixkosten mit Vorlauf abbaubar sind.
Warum „P1 und P2 streichen" zu wenig war
Die Antwort übersprang: (1) Abbaubarkeits-Prüfung der erzeugnisfixen Kosten, (2) den Gruppeneffekt (gruppenfixe Kosten wandern komplett zu P3), (3) jede Alternative zur Streichung (Preis/Menge/Kosten), (4) die Verbund-/Kapazitätsperspektive. Rohleders Muster auch hier: die Rechenaufgabe trägt eine Begriffs-/Konzeptfrage huckepack — er will sehen, dass man weiß, WARUM die DBR gestuft ist, nicht nur dass man subtrahieren kann.
5. Divisionskalkulation & klassische Zuschlagskalkulation
Schlagworte: Mengenbasen, Schema, im Hundert, Zuschlagsbasen
Divisionskalkulation
Klausur-Zuschnitt: einstufig oder mehrstufig, Stückkosten ermitteln.
einstufig: k = Gesamtkosten ÷ produzierte Menge
zweistufig: k = Herstellkosten ÷ produzierte Menge + VwVt-Kosten ÷ abgesetzte Menge
mehrstufig: je Stufe Stufenkosten ÷ Stufenmenge, dann Kostenwälzung (siehe Halbfabrikate-Nachbau)
Punktefallen:
- Produzierte vs. abgesetzte Menge: Herstellkosten auf die PRODUZIERTE Menge, Verwaltungs-/Vertriebskosten auf die ABGESETZTE — wer alles durch eine Menge teilt, verliert die Struktur-Punkte (und genau dafür gibt es die zweistufige Form).
- Anwendungsvoraussetzung nennen können (Begriffs-Huckepack): Divisionskalkulation nur bei Ein-Produkt-Fertigung / homogener Massenfertigung zulässig. Bei artverwandten Produkten → Äquivalenzziffern; bei heterogener Serien-/Einzelfertigung → Zuschlags- kalkulation. Diese Abgrenzung ist eine typische Zusatzfrage.
- Bestandsveränderungen (auf Lager produziert) → sofort das Halbfabrikate-Schema denken.
Zuschlagskalkulation klassisch (FEK → FGK → HK → Gewinn → Endpreis)
Das Schema, vollständig — in der Klausur kam die verkürzte Fertigungs-Strecke:
Materialeinzelkosten (MEK)
+ Materialgemeinkosten (MGK, % auf MEK)
+ Fertigungseinzelkosten (FEK)
+ Fertigungsgemeinkosten (FGK, % auf FEK)
+ Sondereinzelkosten der Fertigung (SEK, ohne Zuschlag)
= HERSTELLKOSTEN (HK)
+ Verwaltungsgemeinkosten (% auf HK)
+ Vertriebsgemeinkosten (% auf HK)
+ Sondereinzelkosten des Vertriebs
= SELBSTKOSTEN (SK)
+ Gewinnzuschlag (% auf SK)
= Barverkaufspreis
+ Skonto (IM HUNDERT: ÷ (1 − Skontosatz))
= Zielverkaufspreis
+ Rabatt (IM HUNDERT: ÷ (1 − Rabattsatz))
= Listenverkaufspreis
Punktefallen:
- Skonto und Rabatt „im Hundert" rechnen (dividieren, nicht aufschlagen) — der Klassiker; wer aufschlägt, landet beim falschen Listenpreis.
- Reihenfolge: erst Skonto, dann Rabatt (Rabatt auf den Zielverkaufspreis).
- SEK ohne Gemeinkostenzuschlag — aber Vorsicht: alles NACH den HK hebelt trotzdem prozentual weiter (→ Hebelkalkulations-Nachbau; dieselbe Klausur hat das als eigene Aufgabe geprüft — die beiden Aufgaben sind zwei Seiten derselben Medaille).
- Zuschlagsbasis benennen: MGK auf MEK, FGK auf FEK, VwGK/VtGK auf HK — falsche Basis ist der häufigste Flüchtigkeitsfehler unter Zeitdruck.
6. Kritik an der Kostenrechnung + Teil B
Schlagworte: 6-Punkte-Katalog, Teil-B-Varianten
a) Kritikpunkte an der (traditionellen Vollkosten-)Kostenrechnung
- Fixkosten-Proportionalisierung / Schlüsselung: Gemeinkosten werden über prozentuale Zuschläge so verteilt, als wüchsen sie proportional zu den Einzelkosten. Real sind sie überwiegend fix — die Verteilung ist Willkür mit Rechenschein. (Live-Beweis in derselben Klausur: die SEK-Hebelaufgabe, 100 € → 229 €.)
- Entscheidungsirrelevanz der Vollkosten: Für kurzfristige Entscheidungen (Zusatzauftrag, Preisuntergrenze, Eigenfertigung/Fremdbezug, Sortiment) sind nur variable Kosten bzw. Deckungsbeiträge relevant. Wer mit Vollkosten entscheidet, lehnt profitable Aufträge ab und subventioniert quer.
- Subjektive kalkulatorische Ansätze: Kalkulatorische Abschreibung (Wiederbeschaffungs- wert? Nutzungsdauer? Restwert?), kalkulatorische Zinsen (welcher Zinssatz?), Unternehmerlohn, Wagnisse — jeder Ansatz enthält Ermessen; das Ergebnis wirkt exakt, ist aber gestaltbar. (Anschluss an die Abschreibungs-/Restwert-Aufgabe derselben Klausur.)
- Vergangenheitsorientierung: Ist-Kostenrechnung dokumentiert, was war — sie steuert nicht, was kommt. Ohne Plan-/Sollgrößen keine Abweichungsanalyse, keine Vorschau.
- Veraltete Zuschlagsbasen bei wachsendem Gemeinkostenblock: Automatisierung verschiebt Kosten von Fertigungslohn (klassische Basis) zu Gemeinkosten (Planung, Rüsten, Qualität, IT). Zuschlagssätze von mehreren hundert Prozent machen die Kalkulation instabil — Antwort: Maschinenstundensätze, Prozesskostenrechnung.
- Aufwand und Scheingenauigkeit / Verhaltenswirkung: Hoher Erfassungs- und Pflegeaufwand, zweistellige Nachkommastellen suggerieren Präzision, die die Schlüsselung längst zerstört hat; Budget-Logik erzeugt taktisches Verhalten („Dezemberfieber": Budget ausgeben, damit es nicht gekürzt wird).
b) Teil B — wahrscheinlichste Varianten (vorbereiten!)
Rohleders Muster: Auf die Kritik folgt die Konsequenz-Frage. Kandidaten:
- „Wie begegnet man diesen Schwächen?" → Teilkostenrechnung/DBR (entscheidungs- orientiert), Plankostenrechnung (zukunftsorientiert, Abweichungsanalyse), Prozesskostenrechnung (verursachungsgerechte GK), Maschinenstundensätze (differenzierte Basen).
- „Warum betreibt man sie trotzdem?" → Vollkostendeckung langfristig nötig, Bestandsbewertung braucht HK, Preisrechtfertigung (öffentliche Aufträge), Einfachheit und Einheitlichkeit, Kontrollfunktion.
- „Beispiel für eine Fehlsteuerung" → Zusatzauftrag über variablen Kosten aber unter Vollkosten abgelehnt; Produkt mit positivem DB I gestrichen.
Lehre aus der Klausur: Bei jeder Theorie-Aufgabe SOFORT prüfen, ob ein Teil B auf der Seite/Rückseite steht — der übersehene Teil B hat hier Punkte gekostet, nicht das Wissen.