đł Kochrezepte â Schritt fĂŒr Schritt durch jede Rechenaufgabe
FĂŒr die Open-Book-Klausur: das richtige Verfahren erkennen, Rezept aufschlagen, Schritt fĂŒr Schritt abarbeiten. Jedes Rezept: WANN erkenne ich diesen Aufgabentyp · SCHRITTE in Reihenfolge · FALLE, an der die meisten scheitern · Mini-Zahlenbeispiel.
đ Verfahren erkennen â welches Rezept brauche ich?
| Im Aufgabentext steht ⊠| â Rezept |
|---|---|
| ZuschlagssÀtze in % (MGK, FGK, VwGK, VtGK), Angebotspreis/Selbstkosten/Skonto/Rabatt gesucht | 1. Zuschlagskalkulation |
| Ein einziges homogenes Produkt (Wein, Zement, Strom), Kosten Ă· Menge, evtl. mehrere Fertigungsstufen mit Schwund | 2. Divisionskalkulation |
| Mehrere Sorten/Varianten desselben Produkts (Biere, Ziegel, Papiere), âĂquivalenzzifferâ genannt | 3. Ăquivalenzziffernkalkulation |
| Eine einzelne Maschine mit Anschaffungswert/Laufzeit/Energie, âMaschinenstundensatzâ gesucht | 4. Maschinenstundensatzrechnung |
| BAB-Tabelle mit mehreren Kostenstellen, Vorkostenstellen sollen umgelegt werden | 5. BAB â Stufenleiterverfahren |
| âDeckungsbeitragâ, Preis minus variable Kosten, Rangfolge/Produktionsprogramm gefragt | 6. Deckungsbeitragsrechnung + Engpass |
| Mehrere Produkte, gestaffelte Fixkosten (erzeugnisfix/gruppenfix/unternehmensfix), DB I/II/III | 7. Mehrstufige DBR |
| Tabelle mit Menge + Gesamtkosten ĂŒber mehrere Perioden, âMischkostenâ, Kostenfunktion gesucht | 8. Kostenauflösung |
| Plan-/IstbeschĂ€ftigung, Verrechnungssatz, âSollkostenâ, Abweichungen gesucht | 9. Flexible Plankostenrechnung |
| Produktions- â Absatzmenge, Betriebsergebnis auf zwei Wegen nachweisen | 10. UKV vs. GKV |
| Anschaffungswert/Nutzungsdauer/Restwert/Zinssatz einer Anlage, âkalkulatorische Zinsenâ | 11. Kalkulatorische Zinsen |
| Schwankende Schadens-/Verlustwerte ĂŒber mehrere Jahre, âWagnisâ genannt | 12. Kalkulatorische Wagnisse |
| Preis, variable StĂŒckkosten, Fixkosten, Gewinnziel gegeben â Kennzahlen gesucht | 13. Break-Even & ErfolgsgröĂen |
| âKuppelprodukteâ, âgemeinsamer Prozess mehrere Produkte gleichzeitigâ | 14. Kuppelkalkulation (nur Konzept) |
- âIm Hundertâ vs. âvom Hundertâ bei Skonto/Rabatt-RĂŒckrechnung â die mit Abstand gröĂte Einzel-Fehlerquelle, 40â50 % der Klausuren scheitern daran. RĂŒckrechnung (Ziel- oder Listenverkaufspreis aus einem kleineren Betrag) ist IMMER âim Hundertâ: Basis Ă· (1 â Satz), nie Ă (1 + Satz). Siehe Rezept 1.
- Produktelimination auf Vollkostenbasis rechnen. FĂ€llt ein Produkt weg, verschwinden nur seine variablen Kosten â die geschlĂŒsselten Fixkosten bleiben und belasten die ĂŒbrigen Produkte weiter. Formel: neues Betriebsergebnis = altes Betriebsergebnis â wegfallender Deckungsbeitrag (NIE minus wegfallende Selbstkosten). Siehe Rezept 6/7.
1. Zuschlagskalkulation
- Erkennungszeichen: ZuschlagssÀtze in % (MGK auf MEK, FGK auf FEK, VwGK/VtGK auf Herstellkosten), gesucht ist ein Angebotspreis, die Selbstkosten oder ein Gewinn/Verlust aus einem bereits gezahlten Rechnungsbetrag.
- Drei Varianten: Vorkalkulation (Kosten bekannt, Preis gesucht), Nachkalkulation (Preis/Erlös bekannt, Gewinn/Verlust gesucht), RĂŒckwĂ€rtskalkulation (fertiges Blatt, ein Zuschlagssatz fehlt).
đ Die Grundidee in einem Satz: Ein Produkt verursacht direkt zurechenbare Kosten (Material, Löhne = Einzelkosten) und nicht direkt zurechenbare Kosten (Miete, Strom, Verwaltung = Gemeinkosten). Weil man Gemeinkosten nicht pro StĂŒck messen kann, schlĂ€gt man sie als Prozentsatz auf die Einzelkosten drauf â Stufe fĂŒr Stufe, bis am Ende der Verkaufspreis steht. Du baust also von unten (reine Herstellkosten) nach oben (Preis mit Gewinn, Skonto, Rabatt, Steuer) einen Turm.
đ§± Die Bausteine (jede AbkĂŒrzung einmal im Klartext):
| KĂŒrzel | Bedeutung | Woher |
|---|---|---|
| MEK | Materialeinzelkosten â das Material, das direkt ins Produkt geht | gegeben |
| MGK | Materialgemeinkosten â Lager, Einkauf, Materialverwaltung | = MEK Ă MGK-Satz |
| FEK | Fertigungseinzelkosten â Löhne der Leute, die direkt am Produkt arbeiten | gegeben |
| FGK | Fertigungsgemeinkosten â Maschinen, Hallenmiete, Meister | = FEK Ă FGK-Satz |
| SEK-F | Sondereinzelkosten der Fertigung â z. B. Spezialwerkzeug nur fĂŒr diesen Auftrag | gegeben, nur addieren |
| HK | Herstellkosten â alles, was das Produkt bis âfertig im Lagerâ kostet | = MK + FK |
| VwGK / VtGK | Verwaltungs- / Vertriebsgemeinkosten â BĂŒro, Chef, Buchhaltung / Marketing, AuĂendienst | = HK Ă Satz |
| SK | Selbstkosten â was das Produkt das Unternehmen insgesamt kostet | = HK + VwGK + VtGK (+ SEK-V) |
Schritte (Vorkalkulation â von den Kosten zum Bruttoangebotspreis). Beispielzahlen laufen durch alle Schritte durch:
- Materialeinzelkosten (MEK) hinschreiben â steht in der Aufgabe. Beispiel: MEK = 200,00 âŹ.
- Materialgemeinkosten (MGK) = MEK Ă MGK-Satz. Warum mal Prozent? Weil man den Lager-/Einkaufsaufwand nicht pro Schraube messen kann â Erfahrung sagt âauf 1 ⏠Material kommen X Cent Materialgemeinkostenâ. Bei 20 %: MGK = 200 Ă 0,20 = 40,00 âŹ. â Materialkosten (MK) = MEK + MGK = 240,00 âŹ.
- Fertigungseinzelkosten (FEK) hinschreiben (gegeben) â die direkten Arbeitslöhne. FEK = 300,00 âŹ.
- Fertigungsgemeinkosten (FGK) = FEK Ă FGK-Satz. Bei 150 %: FGK = 300 Ă 1,50 = 450,00 ⏠(ZuschlagssĂ€tze ĂŒber 100 % sind normal â Maschinen/Halle kosten oft mehr als der reine Lohn). Sondereinzelkosten der Fertigung (SEK-F) (z. B. 50,00 âŹ) nur addieren, nie mit % belegen. â Fertigungskosten (FK) = FEK + FGK + SEK-F = 300 + 450 + 50 = 800,00 âŹ.
- Herstellkosten (HK) = MK + FK = 240 + 800 = 1.040,00 âŹ. Das ist der âdas Produkt liegt fertig im Lagerâ-Wert â noch ohne Verwaltung, Vertrieb, Gewinn.
- Verwaltungsgemeinkosten (VwGK) = HK Ă Satz und Vertriebsgemeinkosten (VtGK) = HK Ă Satz â beide auf die Herstellkosten, nicht nacheinander aufeinander. Bei VwGK 10 % und VtGK 5 %: VwGK = 1.040 Ă 0,10 = 104,00 âŹ, VtGK = 1.040 Ă 0,05 = 52,00 âŹ. SEK-V (z. B. 20,00 âŹ) addieren, falls gegeben.
- Selbstkosten (SK) = HK + VwGK + VtGK + SEK-V = 1.040 + 104 + 52 + 20 = 1.216,00 âŹ. Jetzt hat das Produkt alle Kosten gesammelt.
- Gewinnzuschlag = SK Ă Gewinn-%, dann Barverkaufspreis (BVP) = SK + Gewinn. Das ist âauf Hundertâ rechnen: die SK sind die 100 %, der Gewinn kommt oben drauf. Bei 15 %: Gewinn = 1.216 Ă 0,15 = 182,40 ⏠â BVP = 1.216 + 182,40 = 1.398,40 âŹ.
- Skonto rĂŒckwĂ€rts: Zielverkaufspreis (ZVP) = BVP Ă· (1 â Skontosatz). Bei 2 %: ZVP = 1.398,40 Ă· 0,98 = 1.426,94 âŹ. Skontobetrag = ZVP â BVP = 28,54 âŹ. (Warum Ă· und nicht Ă? â siehe Fehler-Kasten unten, das ist DIE Klausurfalle.)
- Rabatt/Provision rĂŒckwĂ€rts: Listenverkaufspreis (LVP) = ZVP Ă· (1 â Rabattsatz). Bei 10 %: LVP = 1.426,94 Ă· 0,90 = 1.585,49 âŹ. Rabattbetrag = LVP â ZVP = 158,55 âŹ.
- Verpackung/Versand addieren, falls angegeben (ohne Gewinnmarge, nur kostendeckend). + 15,00 ⏠â Nettoangebotspreis = 1.600,49 âŹ.
- Umsatzsteuer = Nettoangebotspreis Ă USt-Satz (auf Hundert, kommt oben drauf). Bei 19 %: USt = 1.600,49 Ă 0,19 = 304,09 ⏠â Bruttoangebotspreis = Netto + USt = 1.904,58 âŹ. Privatkunde â bis Brutto rechnen; Gewerbekunde â oft nur bis Netto gefragt.
đą Das ganze Schema als Block (so sieht die saubere Klausur-Darstellung aus):
| Zeile | Rechnung | Betrag |
|---|---|---|
| MEK | gegeben | 200,00 ⏠|
| + MGK | 200 à 20 % | 40,00 ⏠|
| = MK | 240,00 ⏠| |
| FEK | gegeben | 300,00 ⏠|
| + FGK | 300 à 150 % | 450,00 ⏠|
| + SEK-F | gegeben | 50,00 ⏠|
| = FK | 800,00 ⏠| |
| = HK | MK + FK | 1.040,00 ⏠|
| + VwGK | 1.040 à 10 % | 104,00 ⏠|
| + VtGK | 1.040 à 5 % | 52,00 ⏠|
| + SEK-V | gegeben | 20,00 ⏠|
| = SK | 1.216,00 ⏠| |
| + Gewinn | 1.216 à 15 % | 182,40 ⏠|
| = Barverkaufspreis | 1.398,40 ⏠| |
| = Zielverkaufspreis | ÷ 0,98 (2 % Skonto) | 1.426,94 ⏠|
| = Listenverkaufspreis | ÷ 0,90 (10 % Rabatt) | 1.585,49 ⏠|
| + Verpackung/Versand | gegeben | 15,00 ⏠|
| = Nettoangebotspreis | 1.600,49 ⏠| |
| + USt | 1.600,49 à 19 % | 304,09 ⏠|
| = Bruttoangebotspreis | 1.904,58 ⏠|
đ Nachkalkulation (Preis bekannt, Gewinn/Verlust gesucht): Selbstkosten wie in Schritt 1â7 hochrechnen. Der Rechnungsbetrag ist bei Privatkunden brutto â Netto-Erlös = Rechnungsbetrag Ă· (1 + USt-Satz) (die Steuer rausrechnen). Gewinn/Verlust = Netto-Erlös â Selbstkosten. Umsatzrendite = Gewinn Ă· Netto-Erlös.
đ RĂŒckwĂ€rtskalkulation (Blatt fertig, ein Zuschlagssatz fehlt): fehlender Satz = Zuschlagsbetrag Ă· zugehörige Basis. Beispiele: FGK-Satz = FGK-Betrag Ă· FEK; Skonto-Satz = Skontobetrag Ă· ZVP; Rabatt-Satz = Rabattbetrag Ă· LVP; USt-Satz = USt-Betrag Ă· Nettoangebotspreis. (Immer durch die GröĂe teilen, auf die der Satz sich bezieht.)
- Das Problem (40â50 % der Durchfaller): Skonto und Rabatt zieht der Kunde vom gröĂeren Betrag ab â der Zielverkaufspreis bzw. Listenverkaufspreis ist seine 100 %, der Barverkaufspreis ist das, was nach Abzug ĂŒbrig bleibt.
- Warum Ă· (1 â Satz) und nicht Ă (1 + Satz)? Es gilt: BVP = ZVP Ă (1 â Skontosatz), denn der Skonto sind 2 % von ZVP. Du kennst BVP und suchst ZVP â nach ZVP umstellen: ZVP = BVP Ă· (1 â Satz). Rechnest du stattdessen BVP Ă 1,02, nimmst du 2 % vom kleineren BVP â falsche Basis, Ergebnis zu niedrig.
- Gegenprobe (immer machen): 2 % von 1.426,94 = 28,54; 1.426,94 â 28,54 = 1.398,40 = BVP. â Passt. Bei Ă 1,02 kĂ€me 1.426,37 raus â Gegenprobe scheitert.
- Merksatz: âauf Hundertâ = Aufschlag kommt oben drauf, Basis ist das Kleinere (Gewinn, USt) â Ă (1 + Satz). âim Hundertâ = Abschlag ist schon im GroĂen drin, Basis ist das GröĂere (Skonto, Rabatt) â Ă· (1 â Satz).
- Weitere Fallen: VwGK und VtGK beide auf die Herstellkosten (VtGK nicht auf âHK + VwGKâ). SEK-F/SEK-V bekommen nie einen %-Zuschlag, nur addieren. RegelmĂ€Ăiger Schwund gehört in die Kalkulation, einmaliger (geplatzter Schlauch) lĂ€uft ĂŒber den Gewinn.
2. Divisionskalkulation
- Erkennungszeichen: EIN homogenes Produkt (Einprodukt-/Massenfertigung â Wein, Zement, Strom), Kosten sollen durch die Menge geteilt werden. Es gibt keine ZuschlagssĂ€tze in % â das unterscheidet dieses Rezept von der Zuschlagskalkulation.
- LĂ€uft die Herstellung ĂŒber mehrere Stufen mit unterschiedlicher Durchlaufmenge je Stufe (Schwund, Bestandsaufbau), wird es mehrstufig: addierend (gleiche Einheit auf jeder Stufe, z. B. ĂŒberall Liter) oder durchwĂ€lzend (Einheit wechselt, z. B. mehrere Einzelteile â 1 Endprodukt).
đ Die Grundidee in einem Satz: Wenn ein Betrieb nur ein einziges, immer gleiches Produkt herstellt, trĂ€gt jedes StĂŒck genau denselben Kostenanteil â also kannst du einfach die gesamten Kosten durch die gesamte Menge teilen, ohne mĂŒhsam nach Material, Löhnen und Gemeinkosten zu trennen. Genau das macht die Divisionskalkulation: eine einzige Division. Alles darĂŒber hinaus (mehrere Stufen, Schwund, Einheitenwechsel) ist nur eine Wiederholung derselben Division pro Fertigungsstufe â plus etwas Buchhaltung, welche Menge zu welcher Stufe gehört.
đ§± Die Bausteine (jede AbkĂŒrzung einmal im Klartext):
| KĂŒrzel | Bedeutung in Alltagsdeutsch | Woher |
|---|---|---|
| K | Gesamtkosten der Periode â alle Kosten zusammen | gegeben |
| x | Menge â wie viele StĂŒck/Liter in der Periode durchgelaufen sind | gegeben |
| k | StĂŒckkosten â was ein einzelnes StĂŒck/Liter kostet | = K Ă· x |
| Ki | Stufenkosten â die Kosten nur der Fertigungsstufe i (z. B. nur das Keltern) | gegeben |
| xi | Bezugsmenge der Stufe i â die Menge, die durch diese Stufe geflossen ist | gegeben |
| ki | StĂŒckkosten der Stufe i â was diese eine Stufe pro Einheit gekostet hat | = Ki Ă· xi |
| f | Umrechnungsfaktor â wie viele Vorprodukte in 1 Endprodukt stecken (nur durchwĂ€lzend) | = Vorprodukt-Menge Ă· Endprodukt-Menge |
| HK | Herstellkosten â bestandsfĂ€higer Wert âfertig im Lager" (nur beim zweistufigen Sonderfall Produktion â Absatz) | gegeben/errechnet |
Schritte â einstufig (der einfachste Fall):
- Gesamtkosten der Periode notieren. Das ist die Zahl, die oben in der Aufgabe steht â alle Kosten zusammen. Illustration mit den Keltern-Zahlen: K = 17.500,00 âŹ.
- Durch die Menge teilen â weil bei nur einem Produkt jedes StĂŒck gleich viel kostet, ist der Durchschnitt zugleich der exakte StĂŒckwert: Bei x = 15.000 L: k = 17.500 Ă· 15.000 = 1,17 âŹ/L. Das ist die ganze Rechnung â mehr passiert bei einstufig nicht.
- Sonderfall Produktionsmenge â Absatzmenge (zweistufig): Manche Kosten hĂ€ngen an der Produktion (alles, was zum Herstellen anfĂ€llt und bestandsfĂ€hig ist), andere an dem, was du verkaufst (Verwaltung/Vertrieb). Deshalb: Herstellkosten Ă· Produktionsmenge, restliche Kosten Ă· Absatzmenge â getrennt rechnen, dann die beiden StĂŒckwerte addieren. Warum getrennt? Weil Verwaltungs-/Vertriebskosten nicht am Lagerbestand hĂ€ngen, sondern nur an den tatsĂ€chlich verkauften StĂŒcken.
Schritte â mehrstufig addierend (gleiche Einheit auf allen Stufen, z. B. ĂŒberall Liter):
- FĂŒr jede Stufe: Stufenkosten Ki Ă· Bezugsmenge dieser Stufe xi. Ganz wichtig: die eigene Durchlaufmenge der Stufe, nicht die Endmenge. Warum? Weil durch Stufe 1 vielleicht 15.000 L liefen, durch Stufe 3 aber nur noch 8.000 L (Rest ist Schwund/verkauft/gelagert) â jede Stufe hat ihre eigene âPortionsgröĂe", auf die sich ihre Kosten verteilen. Keltern: 17.500 Ă· 15.000 = 1,17 âŹ/L · Lagern: 5.000 Ă· 13.800 = 0,36 âŹ/L · AbfĂŒllen: 12.500 Ă· 8.000 = 1,56 âŹ/L · Verkauf: 1.200 Ă· 6.000 = 0,20 âŹ/L.
- Alle Stufenwerte aufaddieren â weil derselbe Liter nacheinander durch alle Stufen lĂ€uft und in jeder Stufe zusĂ€tzlich Kosten aufgeladen bekommt: 1,17 + 0,36 + 1,56 + 0,20 = 3,29 âŹ/L.
- Zwischenbewertung (z. B. âwas ist der gelagerte Bestand wert, der noch nicht abgefĂŒllt wurde?"): nur die bis dahin durchlaufenen Stufen aufsummieren. Ein Liter im Lager hat Keltern + Lagern durchlaufen, aber noch nicht AbfĂŒllen â sein Wert ist 1,17 + 0,36 = 1,53 âŹ/L, nicht 3,29.
- Rechenprobe: mit ungerundeten Werten rechnen, erst am Ende auf 2 Nachkommastellen runden (siehe Fehler-Kasten unten).
Schritte â mehrstufig durchwĂ€lzend (Einheitenwechsel, z. B. 15 Einzelteile â 1 Endprodukt):
- Stufe 1: kâ = Kâ Ă· xâ â Kosten der ersten Stufe geteilt durch ihre Menge, noch in der alten Einheit (z. B. âŹ/Teil). Stufe I: 42.000 Ă· 22.500 = 1,87 âŹ/Teil.
- Umrechnungsfaktor f bestimmen = wie viele Vorprodukte stecken in 1 Endprodukt. 22.500 Teile Ă· 1.500 fertige Krokodile â f = 15, also 15 Teile pro Krokodil.
- FĂŒr jede weitere Stufe i: erst den StĂŒckwert der Vorstufe mit f auf die neue Einheit hochrechnen, dann die eigenen Stufenkosten dazuaddieren: Die knifflige Stelle ist das Ă f: kâ ist âpro Teil", aber in ein Krokodil gehen 15 Teile â also kostet allein das Material-aus-Stufe-1 pro Krokodil das 15-Fache. Stufe II: 1,8667 Ă 15 + 10.000 Ă· 1.500 = 28,00 + 6,67 = 34,67 âŹ/Krok.
- Letzte Stufe liefert die vollen StĂŒckkosten des Endprodukts â ab hier bleibt die Einheit gleich (Krok), deshalb kein Ă f mehr, nur noch addieren. Stufe III: 34,67 + 5.000 Ă· 1.500 = 34,67 + 3,33 = 38,00 âŹ/Krok.
đą Vollbeispiel als Block (addierend â sauber durchgerechnet):
| Stufe | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Keltern | 17.500 Ă· 15.000 L | 1,17 âŹ/L |
| Lagern | 5.000 Ă· 13.800 L | 0,36 âŹ/L |
| AbfĂŒllen | 12.500 Ă· 8.000 L | 1,56 âŹ/L |
| Verkauf | 1.200 Ă· 6.000 L | 0,20 âŹ/L |
| = StĂŒckkosten gesamt | 1,17 + 0,36 + 1,56 + 0,20 | 3,29 âŹ/L |
đą Vollbeispiel als Block (durchwĂ€lzend â sauber durchgerechnet):
| Stufe | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Umrechnungsfaktor f | 22.500 Teile Ă· 1.500 Krok | f = 15 |
| Stufe I (kâ) | 42.000 Ă· 22.500 | 1,87 âŹ/Teil |
| Stufe II (kâ) | 1,8667 Ă 15 + 10.000 Ă· 1.500 = 28,00 + 6,67 | 34,67 âŹ/Krok |
| Stufe III (kâ) | 34,67 + 5.000 Ă· 1.500 = 34,67 + 3,33 | 38,00 âŹ/Krok |
- Der gefĂ€hrlichste Fehler â jede Stufe durch die Endmenge statt durch ihre eigene Durchlaufmenge teilen. Warum ist das falsch? Durch Stufe âAbfĂŒllen" liefen nur noch 8.000 L, nicht die 15.000 L vom Keltern. Teilst du die AbfĂŒll-Kosten trotzdem durch 15.000, verteilst du sie auf Liter, die dort gar nicht mehr waren â der StĂŒckwert wird kĂŒnstlich zu niedrig. Gegenprobe: Rechne 12.500 Ă· 8.000 = 1,56 (richtig) gegen 12.500 Ă· 15.000 = 0,83 (falsch) â der Unterschied schleppt sich in die Endsumme. Merksatz: âJede Stufe teilt durch das, was durch SIE hindurchgeflossen ist."
- Einheitenwechsel ĂŒbersehen (durchwĂ€lzend): Ohne das Ă f multiplizierst du âpro Teil" mit âpro Krokodil" durcheinander. Rechnest du bei Stufe II nur 1,87 + 6,67 = 8,54 statt 28,00 + 6,67 = 34,67, fehlen dir 14 von 15 Portionen Material. Merksatz: âBeim Einheitenwechsel erst hochrechnen (Ă f), dann addieren."
- Schwund richtig verstehen: Schwund ist keine eigene Kostenposition. Er senkt nur die Bezugsmenge einer Stufe â dadurch STEIGEN die StĂŒckkosten dieser Stufe automatisch (dieselben Kosten verteilen sich auf weniger ĂŒberlebende Einheiten). Nicht extra âSchwundkosten" ansetzen.
- Nicht zu frĂŒh runden: Bei mehrstufigen Rechnungen entstehen sonst Cent- bis Euro-Abweichungen â mit ungerundeten Werten weiterrechnen, erst am Ende auf 2 Nachkommastellen. Einheit IMMER mit Stufenbezeichnung angeben (z. B. â1,17 âŹ/Liter Stufe 1"), weil derselbe Liter je nach Stufe unterschiedlich viel gekostet hat.
3. Ăquivalenzziffernkalkulation (Sortenfertigung)
- Erkennungszeichen: mehrere artgleiche Sorten/Varianten aus demselben Prozess (Biersorten, ZiegelgröĂen, PapierqualitĂ€ten), jede mit einer âĂquivalenzziffer" (KostenverhĂ€ltnis zur Standardsorte). Das Wort âĂquivalenzziffer" im Aufgabentext ist das sichere Signal.
- Ist ein Sonderfall der Divisionskalkulation: Du kannst nicht einfach âKosten Ă· Menge" rechnen, weil die Sorten unterschiedlich teuer pro StĂŒck sind â die Ăquivalenzziffer macht sie erst vergleichbar.
đ Die Grundidee in einem Satz: Wenn ein Betrieb mehrere Sorten desselben Grundprodukts herstellt (z. B. Leichtbier, Vollbier, Bockbier), verbraucht die âteurere" Sorte pro StĂŒck mehr Ressourcen als die âbilligere" â mit der Ăquivalenzziffer rechnest du alle Sorten in eine gemeinsame KunstwĂ€hrung (âRecheneinheiten") um, teilst die Kosten fair auf diese Recheneinheiten auf und rechnest anschlieĂend wieder in echte StĂŒckkosten je Sorte zurĂŒck. Die Ăquivalenzziffer 1,0 ist der âWechselkurs-Anker": alle anderen Sorten werden relativ dazu ausgedrĂŒckt (0,8 = 80 % so teuer, 1,6 = 60 % teurer).
đ§± Die Bausteine (jede AbkĂŒrzung einmal im Klartext):
| KĂŒrzel | Bedeutung in Alltagsdeutsch | Woher |
|---|---|---|
| ĂZ | Ăquivalenzziffer â KostenverhĂ€ltnis einer Sorte zur Standardsorte (die hat ĂZ = 1,0) | gegeben |
| Menge | StĂŒckzahl/Menge dieser Sorte (z. B. hl Bier) | gegeben |
| RE | Recheneinheiten â die gemeinsame âKunstwĂ€hrung", in der alle Sorten vergleichbar werden | = Menge Ă ĂZ |
| Summe RE | alle RE-Werte zusammengezĂ€hlt â die Gesamtzahl der KunstwĂ€hrungs-Einheiten | = ÎŁ (Menge Ă ĂZ) |
| kRE | Kosten je Recheneinheit â was eine einzige KunstwĂ€hrungs-Einheit kostet | = Gesamtkosten Ă· Summe RE |
| k(Sorte) | StĂŒckkosten einer Sorte â was ein echtes StĂŒck dieser Sorte kostet | = kRE Ă ĂZ |
| K(Sorte) | Gesamtkosten einer Sorte â was die ganze Sorte zusammen kostet | = k(Sorte) Ă Menge |
Schritte (die Zahlen laufen durch alle Schritte durch):
- Bezugssorte festlegen (ĂZ = 1,0), die anderen ĂZ ablesen. Die Bezugssorte ist der âNormalfall", an dem sich alles misst â meist schon in der Aufgabe markiert, alle ĂZ sind gegeben. Beispiel: Leichtbier 0,8 · Vollbier 1,0 (Bezugssorte) · Export 1,2 · Bock 1,6.
- Recheneinheiten je Sorte: RE = Menge Ă ĂZ. Hier ĂŒbersetzt du echte Mengen in die KunstwĂ€hrung â eine âteure" Sorte zĂ€hlt pro StĂŒck mehr RE. Leichtbier: 12.500 Ă 0,8 = 10.000 RE · Vollbier: 20.000 Ă 1,0 = 20.000 RE · Export: 10.000 Ă 1,2 = 12.000 RE · Bock: 5.000 Ă 1,6 = 8.000 RE.
- Summe RE bilden. Alle RE-Werte addieren â das ist die Gesamtzahl der KunstwĂ€hrungs-Einheiten, auf die gleich die Kosten verteilt werden. AusdrĂŒcklich nicht die reale Mengensumme (47.500 hl) nehmen! 10.000 + 20.000 + 12.000 + 8.000 = 50.000 RE.
- Kosten je Recheneinheit â jetzt die simple Division: Gesamtkosten fair auf die KunstwĂ€hrung verteilen: kRE = 2.250.000 Ă· 50.000 = 45,00 âŹ/RE.
- StĂŒckkosten je Sorte: k(Sorte) = kRE Ă ĂZ. RĂŒckĂŒbersetzung aus der KunstwĂ€hrung in echte âŹ/StĂŒck â die âteure" Sorte bekommt mehr aufgeladen. Leichtbier: 45,00 Ă 0,8 = 36,00 âŹ/hl · Vollbier: 45,00 Ă 1,0 = 45,00 âŹ/hl · Export: 45,00 Ă 1,2 = 54,00 âŹ/hl · Bock: 45,00 Ă 1,6 = 72,00 âŹ/hl.
- Gesamtkosten je Sorte: K(Sorte) = k(Sorte) Ă Menge (gleichwertig: kRE Ă RE der Sorte). Leichtbier: 36,00 Ă 12.500 = 450.000 ⏠· Vollbier: 45,00 Ă 20.000 = 900.000 ⏠· Export: 54,00 Ă 10.000 = 540.000 ⏠· Bock: 72,00 Ă 5.000 = 360.000 âŹ.
- Rechenprobe: Summe aller K(Sorte) muss die vorgegebenen Gesamtkosten ergeben â sonst steckt ein Fehler drin. 450.000 + 900.000 + 540.000 + 360.000 = 2.250.000 ⏠â = vorgegebene Gesamtkosten.
đą Vollbeispiel als Block (sauber durchgerechnet):
| Zeile | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Leichtbier RE | 12.500 Ă 0,8 | 10.000 RE |
| Vollbier RE | 20.000 Ă 1,0 | 20.000 RE |
| Export RE | 10.000 Ă 1,2 | 12.000 RE |
| Bock RE | 5.000 Ă 1,6 | 8.000 RE |
| = Summe RE | 10.000 + 20.000 + 12.000 + 8.000 | 50.000 RE |
| kRE | 2.250.000 Ă· 50.000 | 45,00 âŹ/RE |
| Leichtbier k | 45,00 Ă 0,8 | 36,00 âŹ/hl |
| Vollbier k | 45,00 Ă 1,0 | 45,00 âŹ/hl |
| Export k | 45,00 Ă 1,2 | 54,00 âŹ/hl |
| Bock k | 45,00 Ă 1,6 | 72,00 âŹ/hl |
| K Leichtbier | 36,00 à 12.500 | 450.000 ⏠|
| K Vollbier | 45,00 à 20.000 | 900.000 ⏠|
| K Export | 54,00 à 10.000 | 540.000 ⏠|
| K Bock | 72,00 à 5.000 | 360.000 ⏠|
| Rechenprobe ÎŁ K | 450.000 + 900.000 + 540.000 + 360.000 | 2.250.000 ⏠â |
- Der gefĂ€hrlichste Fehler â in Schritt 4 durch die reale Mengensumme (47.500 hl) teilen statt durch die Summe der Recheneinheiten (50.000 RE). Warum ist das falsch? Die realen Mengen sind gerade NICHT vergleichbar â ein hl Bockbier verbraucht mehr Ressourcen als ein hl Leichtbier. Genau deshalb hast du sie ja erst in RE umgerechnet. Teilst du wieder durch die rohe Menge, wirfst du die ganze Umrechnung weg und alle Sorten bekĂ€men fĂ€lschlich denselben StĂŒckwert. Gegenprobe: Rechne die K(Sorte) aus Schritt 6 zusammen â kommt nicht exakt die vorgegebene Gesamtkostensumme (2.250.000 âŹ) raus, hast du durch die falsche Zahl geteilt. Merksatz: âVerteilt wird auf die KunstwĂ€hrung (RE), nicht auf die echten StĂŒcke."
- kRE ist noch nicht der StĂŒckpreis einer Sorte. kRE (45,00 âŹ) ist der Preis je Recheneinheit â die echten StĂŒckkosten je Sorte gibt es erst NACH Multiplikation mit der ĂZ dieser Sorte (Schritt 5). Wer kRE direkt als StĂŒckkosten hinschreibt, gibt jeder Sorte denselben Preis â Sinn der Rechnung verfehlt.
- Modellannahme hinterfragen: Ăquivalenzziffern unterstellen, dass sich die Sorten NUR in der einen gewĂ€hlten BezugsgröĂe unterscheiden (z. B. StammwĂŒrze/Gewicht). Andere Kostentreiber â etwa Vertriebskosten, die eher an der StĂŒckzahl als am Gewicht hĂ€ngen â werden ignoriert. In einer Argumentationsfrage ist das der Kritikpunkt.
4. Maschinenstundensatzrechnung
- Erkennungszeichen: eine einzelne Maschine mit Wiederbeschaffungswert, Nutzungsdauer, Energie-/Instandhaltungs-/Raumkosten; gesucht ist ein âMaschinenstundensatz" (âŹ/h) und/oder die Herstellkosten eines konkreten Auftrags.
- Hintergrund: In der klassischen Zuschlagskalkulation stecken die Maschinenkosten pauschal in den Fertigungsgemeinkosten. Sobald eine teure Maschine den Löwenanteil verursacht, ist das zu ungenau â deshalb rechnet man ihre Kosten separat pro Stunde ab und lĂ€sst nur den Rest ĂŒber einen kleinen FGK-Zuschlag laufen.
đ Die Grundidee in einem Satz: Statt die Maschinenkosten grob als Prozent-Zuschlag auf den Lohn zu schĂ€tzen, sammelst du alle Kosten, die diese eine Maschine pro Jahr verursacht (Abschreibung, Zinsen, Strom, Wartung, Stellplatz), und teilst sie durch die Jahres-Laufstunden â so bekommst du einen ehrlichen Preis pro Maschinenstunde, den du jedem Auftrag exakt nach seiner Bearbeitungszeit in Rechnung stellen kannst. Der Rest der Fertigungskosten (Handarbeit + kleiner Restzuschlag) und das Material kommen normal obendrauf, bis die Herstellkosten des Auftrags stehen.
đ§± Die Bausteine (jede AbkĂŒrzung einmal im Klartext):
| KĂŒrzel | Bedeutung in Alltagsdeutsch | Woher |
|---|---|---|
| WBW | Wiederbeschaffungswert â was die Maschine heute neu kosten wĂŒrde (Basis der kalk. Abschreibung) | gegeben |
| ND | Nutzungsdauer â wie viele Jahre die Maschine lĂ€uft | gegeben |
| i | Zinssatz â kalkulatorischer Zinssatz aufs gebundene Kapital | gegeben |
| WBW Ă· 2 | durchschnittlich gebundenes Kapital â im Mittel steckt ĂŒber die Laufzeit nur der halbe Wert in der Maschine | Rechnung |
| P | Anschlussleistung der Maschine in kW (Stromhunger) | gegeben |
| tM | Maschinenlaufzeit pro Jahr in Stunden | gegeben |
| MStS | Maschinenstundensatz â Preis fĂŒr eine Stunde Maschinenlaufzeit | = maschinenabh. Kosten/Jahr Ă· tM |
| MEK | Materialeinzelkosten â Material, das direkt in den Auftrag geht | gegeben |
| MGK | Materialgemeinkosten â Lager/Einkauf, als Zuschlag auf MEK | = MEK Ă Zuschlagssatz |
| Rest-FGK | Rest-Fertigungsgemeinkosten â der Teil der Fertigungs-GK, der NICHT ĂŒber die Maschine lĂ€uft, als Zuschlag auf den Restlohn | = Restfertigungslohn Ă Rest-FGK-Satz |
| HK | Herstellkosten des Auftrags â Material + Fertigung zusammen | = Materialkosten + Fertigungskosten |
Schritte (die Zahlen laufen durch alle Schritte durch):
- Kalkulatorische Abschreibung/Jahr = WBW Ă· ND. Der jĂ€hrliche Wertverzehr â die Maschine âverbraucht sich" gleichmĂ€Ăig ĂŒber ihre Nutzungsdauer. 300.000 Ă· 10 = 30.000 âŹ.
- Kalkulatorische Zinsen/Jahr = (WBW Ă· 2) Ă i. In der Maschine steckt gebundenes Kapital, das anderswo Zinsen brĂ€chte â diese entgangene Rendite ist ein echter Kostenfaktor. Warum halber Wert? Weil die Maschine ĂŒber die Jahre von vollem Wert auf ~null abschmilzt, ist im Durchschnitt nur die HĂ€lfte gebunden. (300.000 Ă· 2) Ă 0,08 = 150.000 Ă 0,08 = 12.000 âŹ.
- Energiekosten/Jahr = Anschlussleistung P Ă Maschinenlaufzeit tM Ă Strompreis. So viele Stunden zieht die Maschine so viele kW zu diesem Preis. 20 kW Ă 2.000 h Ă 0,30 âŹ/kWh = 12.000 âŹ.
- Instandhaltungskosten/Jahr â Wartung, Reparaturen, meist direkt in der Aufgabe gegeben, nur ĂŒbernehmen. 6.000 âŹ.
- Raumkosten/Jahr = belegte FlĂ€che Ă Miete je mÂČ und Monat Ă 12. Die Maschine belegt HallenflĂ€che, die Geld kostet. Die Ă 12 nicht vergessen â die Miete ist fast immer pro Monat angegeben. 40 mÂČ Ă 12,50 âŹ/Monat Ă 12 = 6.000 âŹ.
- Alle fĂŒnf Positionen addieren = maschinenabhĂ€ngige Kosten pro Jahr. 30.000 + 12.000 + 12.000 + 6.000 + 6.000 = 66.000 âŹ.
- Maschinenstundensatz = maschinenabhĂ€ngige Jahreskosten Ă· Maschinenlaufzeit pro Jahr. Jetzt die Kernzahl: Jahreskosten auf die Jahresstunden verteilen. Im Nenner steht die Jahres-Laufzeit (viele Stunden), nicht die kleine Auftrags-Bearbeitungszeit. MStS = 66.000 Ă· 2.000 h = 33,00 âŹ/h.
- FĂŒr einen konkreten Auftrag: Maschinenkosten = MStS Ă Bearbeitungszeit des Auftrags. Erst hier kommt die kleine Auftragszeit ins Spiel â z. B. lĂ€uft die Maschine fĂŒr diesen Auftrag nur wenige Stunden.
- Rest-Fertigungsgemeinkosten = Restfertigungslohn Ă Rest-FGK-Zuschlagssatz. Dieser Zuschlag lĂ€uft NUR auf den Restlohn (die Handarbeit), NIE auf die Maschinenkosten â die sind ja ĂŒber den MStS schon vollstĂ€ndig erfasst.
- Fertigungskosten des Auftrags = Restfertigungslohn + Rest-FGK + Maschinenkosten. Alle drei Fertigungsbausteine zusammen.
- Materialkosten des Auftrags = MEK + MGK (MGK = MEK Ă Zuschlagssatz) â genau wie in der Zuschlagskalkulation.
- Herstellkosten des Auftrags = Materialkosten + Fertigungskosten. Der Endwert âfertig im Lager".
đą Vollbeispiel als Block (Maschinenstundensatz sauber durchgerechnet):
| Position | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Kalk. Abschreibung/Jahr | 300.000 ÷ 10 | 30.000 ⏠|
| Kalk. Zinsen/Jahr | (300.000 ÷ 2) à 0,08 = 150.000 à 0,08 | 12.000 ⏠|
| Energiekosten/Jahr | 20 kW à 2.000 h à 0,30 | 12.000 ⏠|
| Instandhaltung/Jahr | gegeben | 6.000 ⏠|
| Raumkosten/Jahr | 40 mÂČ Ă 12,50 ⏠à 12 | 6.000 ⏠|
| = maschinenabh. Kosten/Jahr | 30.000 + 12.000 + 12.000 + 6.000 + 6.000 | 66.000 ⏠|
| = Maschinenstundensatz | 66.000 Ă· 2.000 h | 33,00 âŹ/h |
- Der gefĂ€hrlichste Fehler â den Rest-FGK-Zuschlag auch auf die Maschinenkosten rechnen. Warum ist das falsch? Die Maschinenkosten sind ĂŒber den Maschinenstundensatz bereits vollstĂ€ndig erfasst (Abschreibung, Zinsen, Strom, Wartung, Raum stecken schon drin). Der Rest-FGK-Zuschlag deckt nur den ĂŒbrigen Fertigungsgemeinkosten-Teil ab, der NICHT an der Maschine hĂ€ngt â er darf ausschlieĂlich auf den Restfertigungslohn laufen. Legst du ihn auch auf die Maschinenkosten, zĂ€hlst du dieselben Maschinenkosten ein zweites Mal â Herstellkosten kĂŒnstlich zu hoch. Gegenprobe: Frag dich bei jedem Euro âist der ĂŒber den MStS schon abgerechnet?" â wenn ja, kein Zuschlag mehr drauf. Merksatz: âZuschlag nur auf den Lohn, nie auf die Maschine."
- Kalkulatorische Zinsen auf den halben Wert: Immer (WBW Ă· 2) Ă i (durchschnittlich gebundenes Kapital), nicht den vollen WBW verzinsen â sonst sind die Zinsen doppelt so hoch wie richtig.
- Raumkosten Ă 12 nicht vergessen: Die Miete ist meist pro Monat angegeben. Ohne Ă 12 rechnest du nur einen Monat Stellplatz statt eines ganzen Jahres.
- Jahres-Laufzeit vs. Auftragszeit nicht verwechseln: Im Nenner von Schritt 7 steht die groĂe Jahres-Maschinenlaufzeit (hier 2.000 h), im Auftrag spĂ€ter die viel kleinere Bearbeitungszeit des Einzelauftrags. Die eine bildet den Stundensatz, die andere multipliziert ihn.
5. BAB â Stufenleiterverfahren (+ Anbau-/Gleichungsverfahren kurz)
- Erkennungszeichen: Betriebsabrechnungsbogen (BAB) mit primĂ€ren Gemeinkosten je Kostenstelle, Vorkostenstellen (Hilfsstellen) sollen auf Endkostenstellen (Hauptstellen) umgelegt werden. Meist als LĂŒckentext, oft schon teilweise vorausgefĂŒllt.
- Am Ende sind fast immer die vier ZuschlagssĂ€tze (MGK, FGK, VwGK, VtGK) gesucht â die Umlage ist nur das Mittel dahin.
đ Die Grundidee in einem Satz: Gemeinkosten kann man keinem StĂŒck direkt zuordnen, deshalb sammelt man sie erst in Kostenstellen â aber manche Stellen (Fuhrpark, Strom, âAllgemeine", Fertigungshilfe) arbeiten nicht am Produkt, sondern versorgen andere Stellen; ihre Kosten mĂŒssen also Stufe fĂŒr Stufe âdie Treppe hinunter" auf die Endkostenstellen (Material, Fertigung, Verwaltung, Vertrieb) weitergereicht werden, bis nur noch dort Kosten stehen â denn nur von den Endkostenstellen kommt man spĂ€ter ĂŒber ZuschlagssĂ€tze ans einzelne Produkt.
đ§± Die Bausteine (jede AbkĂŒrzung im Klartext):
| KĂŒrzel | Bedeutung Alltagsdeutsch | Woher |
|---|---|---|
| BAB | Betriebsabrechnungsbogen â die groĂe Tabelle: Zeilen = Kostenarten/Umlagen, Spalten = Kostenstellen | Aufgabenblatt |
| PrimĂ€re GK | âvon auĂen" direkt in eine Stelle gebuchte Gemeinkosten (Miete, Strom, Hilfslöhne) | gegeben |
| SekundÀre GK | Gemeinkosten, die eine Stelle von einer anderen Kostenstelle als Umlage erhÀlt | = erhaltene Umlage |
| Vorkostenstelle (Hilfsstelle) | Stelle, die nicht am Produkt arbeitet, sondern andere Stellen versorgt (z. B. âAllgemeine", Fertigungshilfe FHK) | gegeben |
| Endkostenstelle (Hauptstelle) | Stelle, die am Produkt arbeitet: Material, Fertigung A/B, Verwaltung, Vertrieb | gegeben |
| Umlage | der Geldbetrag, den eine Vorkostenstelle komplett auf ihre EmpfÀnger verteilt | = berechnet |
| VerteilungsschlĂŒssel | VerhĂ€ltniszahlen (z. B. 3:7), nach denen die Umlage aufgeteilt wird | gegeben, ganzzahlig gekĂŒrzt |
| MEK | Materialeinzelkosten â Basis (Nenner) fĂŒr den MGK-Satz | gegeben |
| Fertigungslöhne (FEK) | direkte Löhne â Basis (Nenner) fĂŒr den FGK-Satz | gegeben |
| HK | Herstellkosten â Basis (Nenner) fĂŒr VwGK- und VtGK-Satz | berechnet |
| MGK / FGK / VwGK / VtGK | die vier Gemeinkosten-ZuschlagssÀtze in %, die am Schluss rauskommen sollen | Ergebnis |
| q | Verrechnungspreis je Leistungseinheit (z. B. âŹ/kWh) â nur im Gleichungsverfahren | berechnet |
Schritte (Stufenleiterverfahren). Die Zahlen des Mini-Beispiels laufen durch alle Schritte:
- Reihenfolge der Vorkostenstellen festlegen. WAS: entscheiden, welche Hilfsstelle zuerst abgerechnet wird. WARUM: die Stufenleiter lĂ€uft nur einmal von oben nach unten durch â die Reihenfolge legt fest, wer an wen abgeben darf. Faustregel: die Stelle, die am meisten an andere Hilfsstellen abgibt (und selbst am wenigsten empfĂ€ngt), kommt nach oben. Beispiel: erst âAllgemeine", dann âFertigungshilfe (FHK)".
- Spaltensumme der ersten Vorkostenstelle bilden = primÀre GK + evtl. schon erhaltene Umlagen. Beispiel: Allgemeine = 31.672,50 ⏠(sie steht ganz oben, bekommt von niemandem etwas, also nur primÀr).
- VerteilungsschlĂŒssel dieser Zeile bestimmen â alle EmpfĂ€ngeranteile durch ihren kleinsten gemeinsamen Teiler kĂŒrzen, bis ganzzahlig und teilerfremd. Beispiel-SchlĂŒssel FHK : Material : Fertigung A : Fertigung B : Verwaltung : Vertrieb = 6 : 15 : 10 : 8 : 6 : 5. Anteilssumme = 6+15+10+8+6+5 = 50 Teile.
- Die Summe nur nach unten/rechts verteilen (an alle noch nicht abgerechneten Stellen), nie zurĂŒck nach oben. WIE: Wert je Teil = Spaltensumme Ă· Teilesumme, dann Ă Anteil je EmpfĂ€nger. 31.672,50 Ă· 50 = 633,45 ⏠je Teil. Damit:
| EmpfÀnger | Anteil | Umlage |
|---|---|---|
| FHK | 6 | 6 à 633,45 = 3.800,70 ⏠|
| Material | 15 | 15 à 633,45 = 9.501,75 ⏠|
| Fertigung A | 10 | 10 à 633,45 = 6.334,50 ⏠|
| Fertigung B | 8 | 8 à 633,45 = 5.067,60 ⏠|
| Verwaltung | 6 | 6 à 633,45 = 3.800,70 ⏠|
| Vertrieb | 5 | 5 à 633,45 = 3.167,25 ⏠|
| Summe | 50 | 31.672,50 ⏠â |
Der FHK-Wert 3.800,70 ⏠deckt sich mit der Vorgabe. Warum nur nach unten und nie zurĂŒck? Sobald âAllgemeine" komplett verteilt ist, steht sie auf 0 und wird in diesem einen Durchlauf nicht mehr angefasst. WĂŒrde eine spĂ€tere Stelle (FHK) etwas an âAllgemeine" zurĂŒckgeben, lĂ€ge dort wieder ein Betrag, der nie weiterverteilt wird â dieses Geld ginge in der Rechnung verloren und die Rechenprobe (Schritt 8) wĂŒrde platzen. Der Preis dafĂŒr: die Leistung, die FHK tatsĂ€chlich fĂŒr âAllgemeine" erbringt, wird ignoriert â eine bewusst hingenommene kleine Ungenauigkeit, damit die Rechnung in einem Durchgang aufgeht. 5. NĂ€chste Vorkostenstelle: neue Spaltensumme = eigene primĂ€re GK + erhaltene Umlage. FHK: primĂ€r 82.940,00 ⏠+ 3.800,70 ⏠(aus Schritt 4) = 86.740,70 ⏠(deckt sich mit der Vorgabe). Neuen SchlĂŒssel bilden â jetzt nur noch die echten Endkostenstellen als EmpfĂ€nger, âAllgemeine" ist raus. SchlĂŒssel Fertigung A : Fertigung B = 3 : 7 (10 Teile). Wert je Teil = 86.740,70 Ă· 10 = 8.674,07 âŹ:
| EmpfÀnger | Anteil | Umlage |
|---|---|---|
| Fertigung A | 3 | 3 à 8.674,07 = 26.022,21 ⏠|
| Fertigung B | 7 | 7 à 8.674,07 = 60.718,49 ⏠|
| Summe | 10 | 86.740,70 ⏠â |
- Nach der letzten Vorkostenstelle stehen auf allen Endkostenstellen die vollstĂ€ndigen Gemeinkosten (primĂ€r + sekundĂ€r). Fertigung A hat jetzt: eigene primĂ€re GK + 6.334,50 ⏠(von Allgemeine) + 26.022,21 ⏠(von FHK); Fertigung B analog + 5.067,60 ⏠+ 60.718,49 âŹ.
- ZuschlagssĂ€tze bilden â jeder Satz = Gemeinkosten der Endstelle Ă· ihre Bezugsbasis:
- MGK-Satz = Material-GK Ă· MEK
- FGK-Satz = Fertigungs-GK ÷ Fertigungslöhne (je Fertigungsstelle einzeln, falls A und B getrennt gefragt)
- VwGK-Satz = Verwaltungs-GK Ă· Herstellkosten
- VtGK-Satz = Vertriebs-GK Ă· Herstellkosten
(Zahlen-Illustration zur Formel: stĂŒnden auf Material am Ende 120.000 ⏠GK bei MEK 480.000 âŹ, wĂ€re MGK-Satz = 120.000 Ă· 480.000 = 25 %.) 8. Rechenprobe: Summe aller Gemeinkosten auf den Endkostenstellen muss der Summe aller primĂ€ren Gemeinkosten entsprechen â durch die Umlage wird nichts erzeugt oder vernichtet, nur verschoben.
Anbauverfahren (kurz, einfachste Variante): Jede Hilfsstelle wird nur auf die Hauptstellen umgelegt, der gegenseitige Austausch der Hilfsstellen wird komplett ignoriert (weder ZÀhler noch Nenner). Umlagesatz = primÀre GK der Hilfsstelle ÷ Leistungseinheiten nur an Hauptstellen. Einfachste, aber ungenaueste Methode.
Gleichungsverfahren (kurz, exakteste Variante): FĂŒr jede Hilfsstelle eine Unbekannte (Verrechnungspreis q, z. B. âŹ/kWh) einfĂŒhren. Je Hilfsstelle eine Gleichung: Mengegesamt Ă q = eigene primĂ€re GK + Wert der von der anderen Hilfsstelle bezogenen Menge. Gleichungssystem lösen (Einsetzverfahren), dann nur die an Hauptstellen gelieferten Mengen mit q bewerten. Erfasst den wechselseitigen Austausch exakt.
đą Vollbeispiel als Block (nur die Umlage-Treppe, komplett durchgerechnet):
| Kostenstelle â | Allgemeine | FHK | Material | Fert. A | Fert. B | Verwaltung | Vertrieb |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Spaltensumme Allgemeine | 31.672,50 | ||||||
| Umlage Allgemeine (6:15:10:8:6:5) | â31.672,50 | +3.800,70 | +9.501,75 | +6.334,50 | +5.067,60 | +3.800,70 | +3.167,25 |
| Spaltensumme FHK (82.940,00 primÀr + Umlage) | 0 | 86.740,70 | |||||
| Umlage FHK (3:7 auf A und B) | â86.740,70 | +26.022,21 | +60.718,49 | ||||
| SekundÀr erhalten (Σ) | 0 | 0 | 9.501,75 | 32.356,71 | 65.786,09 | 3.800,70 | 3.167,25 |
Verteilte Summen: Allgemeine 31.672,50 ⏠und FHK 86.740,70 ⏠sind beide restlos (auf 0) verteilt â die Treppe ist sauber durchgelaufen.
- Der gefĂ€hrlichste Fehler mechanisch: Man legt die Kosten einer Vorkostenstelle *auch auf eine bereits abgerechnete* Stelle zurĂŒck (z. B. FHK gibt etwas an âAllgemeine"). Das ist falsch, weil eine abgerechnete Stelle in diesem Durchlauf nicht mehr besucht wird â der zurĂŒckgelegte Betrag bleibt dort liegen und taucht auf keiner Endkostenstelle mehr auf. Ergebnis: die ZuschlagssĂ€tze werden zu niedrig, Geld âverschwindet".
- Gegenprobe (immer machen): Summe der Gemeinkosten auf allen Endkostenstellen = Summe aller primĂ€ren Gemeinkosten? Wenn nein, wurde meist zurĂŒck umgelegt oder eine Umlage nicht restlos verteilt. Im Beispiel mĂŒssen 31.672,50 ⏠+ 86.740,70 ⏠(+ ĂŒbrige PrimĂ€rkosten) exakt wieder auf den Endstellen ankommen.
- Merksatz: âDie Treppe geht nur runter." Wer oben abgerechnet ist, bekommt nichts mehr â auch keinen Cent zurĂŒck.
- SchlĂŒssel falsch gekĂŒrzt: immer durch den kleinsten gemeinsamen Betrag teilen, die Glieder mĂŒssen ganzzahlig sein. Format folgt der Spaltenreihenfolge des BAB.
- 0-EintrĂ€ge in einer Zeile gehören mit einer 0 in den SchlĂŒssel, wenn danach gefragt ist.
- Genauigkeits-Rangfolge merken: Anbauverfahren (ignoriert Austausch, ungenauest) < Stufenleiterverfahren (einseitig, feste Reihenfolge) < Gleichungsverfahren (wechselseitig exakt, aufwendigst). Die Kostensumme bleibt bei allen drei gleich, nur die Verteilung/ZuschlagssÀtze weichen ab.
- VwGK und VtGK werden beide auf die Herstellkosten bezogen, nicht auf Material-Einzelkosten.
6. Deckungsbeitragsrechnung + Engpass (relativer DB)
- Erkennungszeichen: âDeckungsbeitrag" genannt, Preis minus variable StĂŒckkosten, Produktionsprogramm/Rangfolge mehrerer Produkte gesucht.
- Sobald eine knappe Ressource (Maschinenstunden, Material, kg) genannt ist, die nicht fĂŒr alle Produkte reicht â Engpassfall, und das Rangfolge-Kriterium wechselt (siehe unten).
đ Die Grundidee in einem Satz: Statt jedem Produkt anteilig Fixkosten aufzubĂŒrden (das wĂ€re Vollkostenrechnung), fragt die Deckungsbeitragsrechnung nur: Was bleibt von einem verkauften StĂŒck ĂŒbrig, nachdem seine eigenen variablen Kosten bezahlt sind? â dieser Rest (der Deckungsbeitrag) âdeckt" zuerst die gemeinsamen Fixkosten, alles darĂŒber ist Gewinn; fĂŒr Entscheidungen zĂ€hlt allein der Deckungsbeitrag, weil die Fixkosten kurzfristig ohnehin anfallen, egal was man produziert.
đ§± Die Bausteine (jede AbkĂŒrzung im Klartext):
| KĂŒrzel | Bedeutung Alltagsdeutsch | Woher |
|---|---|---|
| p | Preis je StĂŒck (Verkaufspreis) | gegeben |
| kv | variable StĂŒckkosten â Kosten, die nur durch dieses eine StĂŒck entstehen (Material, Akkordlohn) | gegeben |
| db | StĂŒck-Deckungsbeitrag â was ein StĂŒck zur Fixkostendeckung beitrĂ€gt | = p â kv |
| DB | Gesamt-Deckungsbeitrag eines Produkts | = db Ă Menge |
| Kv | variable Gesamtkosten eines Produkts | = kv Ă Menge |
| Kf | Fixkosten â fallen mengenunabhĂ€ngig an (Miete, GehĂ€lter) | gegeben |
| Engpassressource | die knappe GröĂe, die nicht fĂŒr alle Produkte reicht (z. B. kg Material, Maschinenminuten) | gegeben |
| relativer DB | Deckungsbeitrag je Einheit der Engpassressource â das Rangkriterium im Engpass | = db Ă· Verbrauch je StĂŒck |
| Betriebsergebnis | Gewinn/Verlust der Periode | = ÎŁ DB â Kf |
Schritte (ohne Engpass):
- StĂŒck-Deckungsbeitrag je Produkt: db = p â kv. WARUM nur variable Kosten abziehen: alles, was fix ist, fĂ€llt sowieso an â es hilft bei der Produktauswahl nicht, es mitzuschleppen.
- Gesamt-DB je Produkt = db Ă Menge (oder direkt Erlös â variable Gesamtkosten).
- Rangfolge nach dem absoluten Gesamt-DB â und dazuschreiben, worauf sich die Rangfolge bezieht, weil StĂŒck-DB und Gesamt-DB verschiedene Reihenfolgen liefern können.
- Betriebsergebnis = ÎŁ Gesamt-DB â Fixkosten.
Schritte (mit Engpass â knappe Ressource reicht nicht fĂŒr alle Produkte). Zahlen des Mini-Beispiels laufen durch:
- Verbrauch der Engpassressource je StĂŒck ermitteln. Produkt A: 7 kg/StĂŒck · Produkt B: 5 kg/StĂŒck. Die StĂŒck-DeckungsbeitrĂ€ge sind gegeben: db(A) = 25 âŹ/StĂŒck, db(B) = 29 âŹ/StĂŒck.
- Relativer DB = StĂŒck-DB Ă· Verbrauch je StĂŒck. WARUM durch den Verbrauch teilen: knapp ist nicht das Produkt, sondern das kg. Also muss man fragen, welches Produkt aus 1 kg den meisten Deckungsbeitrag herausholt. relativer DB(A) = 25 Ă· 7 = 3,57 âŹ/kg · relativer DB(B) = 29 Ă· 5 = 5,80 âŹ/kg.
- Nach höchstem relativem DB ordnen und zuerst beliefern. B (5,80 âŹ/kg) schlĂ€gt A (3,57 âŹ/kg) â B zuerst, obwohl A einen absolut gar nicht so weit entfernten StĂŒck-DB hat.
- Grenzprodukt (bei dem der Engpass genau ausgeht) nur anteilig einplanen.
- Betriebsergebnis = ÎŁ ProduktdeckungsbeitrĂ€ge des so bestimmten Programms â Fixkosten.
Warum RELATIVER und nicht absoluter DB? Mechanischer Beweis: Nimm eine feste, knappe Menge â illustrativ 350 kg (glatt durch 7 und 5 teilbar):
- Alles in A: 350 Ă· 7 = 50 StĂŒck Ă db 25 ⏠= 1.250 ⏠DB
- Alles in B: 350 Ă· 5 = 70 StĂŒck Ă db 29 ⏠= 2.030 ⏠DB
Aus denselben 350 kg holt B 780 ⏠mehr heraus â genau weil B je kg mehr beitrĂ€gt (5,80 statt 3,57). Der höhere absolute StĂŒck-DB von⊠hier hat B ihn ohnehin; entscheidend ist: sobald ein Produkt zwar den höheren StĂŒck-DB, aber den niedrigeren DB je kg hĂ€tte, wĂŒrde die Wahl nach dem StĂŒck-DB aus der knappen Ressource weniger Gesamt-DB pressen. Der Engpass zwingt die Betrachtung âpro knapper Einheit" auf.
đą Vollbeispiel als Block (Engpassentscheidung, illustrative KapazitĂ€t 350 kg):
| GröĂe | Produkt A | Produkt B |
|---|---|---|
| StĂŒck-DB (db) | 25,00 âŹ/StĂŒck | 29,00 âŹ/StĂŒck |
| Verbrauch Engpass | 7 kg/StĂŒck | 5 kg/StĂŒck |
| relativer DB = db Ă· Verbrauch | 25/7 = 3,57 âŹ/kg | 29/5 = 5,80 âŹ/kg |
| Rang | 2. | 1. |
| DB aus 350 kg, wenn alles hierher | 50 à 25 = 1.250 ⏠| 70 à 29 = 2.030 ⏠|
| Programm-Entscheidung | Rest / gar nicht | zuerst voll beliefern |
Betriebsergebnis = Deckungsbeitrag des gewĂ€hlten Programms â Kf.
- Der gefĂ€hrlichste Fehler mechanisch: Man sieht db(B) = 29 > db(A) = 25 und sortiert nach diesem absoluten Wert â bei Ă€hnlichen StĂŒck-DB und sehr unterschiedlichem Ressourcenverbrauch fĂŒhrt das prompt zur falschen Reihenfolge. Falsch ist es, weil der StĂŒck-DB die knappe Ressource ignoriert: ein Produkt kann pro StĂŒck viel bringen, aber pro knappem kg wenig, wenn es viel Ressource frisst.
- Gegenprobe (immer machen): Rechne das ganze Programm *einmal* mit dem relativen DB und *einmal* mit dem falschen Kriterium durch und vergleiche die Gesamt-DB â das falsche Kriterium liefert nachweisbar weniger (in Rohleders Beispielrechnung 7.328 ⏠statt korrekt 10.800 âŹ). Wer das nicht rechnet, merkt den Fehler nie.
- Merksatz: âKnapp ist das kg, nicht das StĂŒck â also DB je kg." Absoluter DB entscheidet nur, wenn nichts knapp ist.
- Vorher immer prĂŒfen, ob ĂŒberhaupt ein Engpass vorliegt: ohne Engpass zĂ€hlt der (Gesamt-)DB fĂŒrs Produktionsprogramm, mit Engpass wechselt das Kriterium auf den DB je Engpasseinheit.
- Selbstkosten statt variable Kosten abziehen ist falsch: der DB enthĂ€lt nur variable Kosten, keine (geschlĂŒsselten) Fixkosten.
7. Mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung (Fixkostenstufen)
- Erkennungszeichen: mehrere Produkte, Fixkosten sind in Ebenen aufgeteilt (erzeugnisfix / erzeugnisgruppenfix / unternehmensfix), DB I/II/III genannt, oder Frage nach Produktelimination.
đ Die Grundidee in einem Satz: Fixkosten sind nicht alle âgleich fix" â manche gehören klar zu einem Produkt (Spezialmaschine nur fĂŒr P1), manche zu einer Produktgruppe (Hallenmiete einer Sparte), manche zum ganzen Unternehmen (GeschĂ€ftsfĂŒhrung); die mehrstufige DBR zieht sie genau in dieser Reihenfolge schichtweise vom Deckungsbeitrag ab, damit man sieht, welches Produkt und welche Gruppe sich nach jeder Schicht noch selbst trĂ€gt.
đ§± Die Bausteine (jede AbkĂŒrzung im Klartext):
| KĂŒrzel | Bedeutung Alltagsdeutsch | Woher |
|---|---|---|
| Erlöse | Umsatz eines Produkts (Preis à Menge) | gegeben |
| variable Kosten | mengenabhÀngige Kosten des Produkts | gegeben |
| DB I | Deckungsbeitrag Stufe I â was nach Abzug der variablen Kosten bleibt | = Erlöse â variable Kosten |
| Erzeugnisfixkosten | Fixkosten, die nur diesem einen Produkt zurechenbar sind (fielen mit ihm weg) | gegeben |
| DB II | Deckungsbeitrag Stufe II â Beitrag des Produkts nach seinen eigenen Fixkosten | = DB I â Erzeugnisfixkosten |
| Erzeugnisgruppenfixkosten | Fixkosten einer ganzen Produktgruppe (nicht einem Einzelprodukt zurechenbar) | gegeben |
| DB III | Deckungsbeitrag Stufe III â Beitrag der Gruppe nach ihren Gruppenfixkosten | = ÎŁ DB II der Gruppe â Gruppenfix |
| Unternehmensfixkosten | Fixkosten des Gesamtbetriebs (GeschĂ€ftsfĂŒhrung, Zentrale) | gegeben |
| Betriebsergebnis | Gewinn/Verlust der Periode | = ÎŁ DB III â Unternehmensfix |
Schritte. Die Zahlen des Mini-Beispiels (P1, P2) laufen durch:
- DB I = Erlöse â variable Kosten je Produkt. P1: DB I = 250.000 ⏠· P2: DB I = 224.000 âŹ.
- DB II = DB I â Erzeugnisfixkosten (nur diesem Produkt zurechenbar). P1: 250.000 â 150.000 = 100.000 ⏠· P2: 224.000 â 75.000 = 149.000 âŹ. Beachte die Umkehrung: P1 hatte den höheren DB I, aber nach Abzug seiner eigenen (hohen) Erzeugnisfixkosten den niedrigeren DB II.
- DB II der Produkte einer Gruppe aufsummieren, dann DB III = ÎŁ DB II â Erzeugnisgruppenfixkosten. Nimm P1 und P2 als eine Gruppe: ÎŁ DB II = 100.000 + 149.000 = 249.000 âŹ. Gruppenfix (illustrativ ergĂ€nzt) 60.000 ⏠â DB III = 189.000 âŹ.
- Betriebsergebnis = ÎŁ DB III aller Gruppen â Unternehmensfixkosten. Unternehmensfix (illustrativ ergĂ€nzt) 90.000 ⏠â Betriebsergebnis = 189.000 â 90.000 = 99.000 âŹ.
- Kontrolle: Summe aller Teil-Fixkosten (Erzeugnisfix + Gruppenfix + Unternehmensfix) muss der insgesamt angegebenen Fixkostensumme entsprechen; zusĂ€tzlich ÎŁ DB I â ÎŁ Fixkosten = Erlöse â Selbstkosten. Hier: 150.000 + 75.000 + 60.000 + 90.000 = 375.000 ⏠Fixkosten; ÎŁ DB I 474.000 â 375.000 = 99.000 ⏠= Betriebsergebnis â.
- Entscheidungskriterium fĂŒrs Produktionsprogramm ohne Engpass ist DB II (nicht DB I, nicht die volle Staffel). Mit Engpass wechselt das Kriterium auf den StĂŒck-DB II (DB II Ă· StĂŒckzahl).
- Ist ein Produkt als einziges in seiner Gruppe, ist die Erzeugnisgruppenfix-Schicht fĂŒr dieses Produkt 0 (diese Kosten sind dann schon Erzeugnisfixkosten).
- Produktelimination: neues Betriebsergebnis = altes Betriebsergebnis â wegfallender Deckungsbeitrag der maĂgeblichen Stufe. NIE die vollen (Voll-)Selbstkosten des wegfallenden Produkts abziehen.
Warum bei Elimination NIE die vollen Selbstkosten abziehen? Mechanischer Beweis mit den Beispielzahlen: Angenommen, P1 (DB II = 100.000 âŹ, positiv) soll wegfallen und seine Erzeugnisfixkosten sind abbaubar â maĂgebliche Stufe ist DB II. Regel: neues Betriebsergebnis = 99.000 â 100.000 = â1.000 ⏠â es wird also schlechter. Gegenprobe von unten: bleibt nur P2, dann DB II(P2) 149.000 â Gruppenfix 60.000 â Unternehmensfix 90.000 = â1.000 ⏠â. Die 60.000 ⏠Gruppenfix und 90.000 ⏠Unternehmensfix verschwinden nicht â sie lasten jetzt allein auf P2. Genau das ist die Falle: Wer P1 auf Vollkostenbasis âunrentabel" rechnet und meint, durch Streichen falle die ganze geschlĂŒsselte Kostenlast weg, ĂŒbersieht, dass P1 mit seinem positiven DB II noch 100.000 ⏠zur Deckung eben dieser bleibenden Fixkosten beigetragen hat.
đą Vollbeispiel als Block (Stufen-Schema, illustrative Gruppen-/Unternehmensfixkosten):
| Stufe | P1 | P2 | Gruppe / Gesamt |
|---|---|---|---|
| DB I | 250.000 ⏠| 224.000 ⏠| Σ 474.000 ⏠|
| â Erzeugnisfixkosten | 150.000 ⏠| 75.000 ⏠| |
| = DB II | 100.000 ⏠| 149.000 ⏠| Σ 249.000 ⏠|
| â Erzeugnisgruppenfixkosten (illustrativ) | 60.000 ⏠| ||
| = DB III | 189.000 ⏠| ||
| â Unternehmensfixkosten (illustrativ) | 90.000 ⏠| ||
| = Betriebsergebnis | 99.000 ⏠|
Rangfolge nach DB II: P2 (149.000) vor P1 (100.000) â obwohl P1 den höheren DB I hatte.
- Der gefĂ€hrlichste Fehler mechanisch: Man zieht bei einer Elimination die vollen (Voll-)Selbstkosten des Produkts ab â inkl. der ihm nur *geschlĂŒsselten* Gruppen- und Unternehmensfixkosten. Es sieht dann so aus, als stiege das Betriebsergebnis. TatsĂ€chlich fallen nur die variablen Kosten (und bei Abbaubarkeit die Erzeugnisfixkosten) weg; die geschlĂŒsselten höheren Fixkostenschichten bleiben und drĂŒcken jetzt auf die ĂŒbrigen Produkte. Rohleder nennt das ausdrĂŒcklich âbrandgefĂ€hrlich".
- Gegenprobe (immer machen): das Programm nach der Elimination von Grund auf neu durchrechnen (DB II der Bleiber â alle noch bestehenden Fixkostenschichten). Kommt weniger heraus als âalt â wegfallender DB II", wurde zu viel abgezogen. Im Beispiel: 99.000 â 100.000 = â1.000 âŹ, und die Neurechnung mit nur P2 bestĂ€tigt â1.000 âŹ.
- Merksatz: âBeim Streichen fĂ€llt der Deckungsbeitrag weg, nicht die ganze Kostenlast." Ein Produkt mit positivem DB II zu streichen macht das Ergebnis schlechter, nicht besser.
- Fixkostenschichten nicht vermischen: erst Erzeugnisfix, dann Gruppenfix, dann Unternehmensfix â nicht in einem Schritt abziehen.
- Rangfolge nach Gesamt-DB, StĂŒck-DB und mehrstufiger DBR (DB II) kann jeweils unterschiedlich ausfallen â immer angeben, welches Kriterium gemeint ist.
- Bei der Fixkosten-Abbaubarkeits-Frage kritisch einschrĂ€nken: die Aussage âBetriebsergebnis sinkt nur um X" gilt nur, wenn die Erzeugnisfixkosten tatsĂ€chlich vollstĂ€ndig und kurzfristig abbaubar sind (in der Praxis meist unrealistisch).
8. Kostenauflösung (Kostenspaltung) + Prognose
- Erkennungszeichen: Tabelle mit Menge und Gesamtkosten ĂŒber mehrere Perioden, âMischkostenâ genannt, gesucht sind variable StĂŒckkosten kv und Fixkosten Kf bzw. eine Kostenprognose fĂŒr eine neue Menge.
- Zwei Wege: mathematisch (Zwei-Punkte-/Hoch-Tief-Verfahren, mit Taschenrechner) und statistisch (lineare Regression, nur ĂŒber Excel). Steht eine Formel/âzwei Periodenâ dabei â mathematisch. Steht âalle Datenpunkteâ/âRegressionâ/âRÂČâ dabei â Excel.
đ Die Grundidee in einem Satz: Die Gesamtkosten sind eine Mischung aus einem festen Sockel, der auch bei Menge 0 anfĂ€llt (Fixkosten â Miete, Meistergehalt), und einem mengenabhĂ€ngigen Teil, der mit jedem produzierten StĂŒck mitwĂ€chst (variable Kosten â Material, Akkordlohn). Kostenauflösung heiĂt: aus beobachteten (Menge, Kosten)-Paaren die zwei Bausteine wieder auseinanderrechnen, also die Gerade durch die Punkte legen â dann kannst du fĂŒr jede Menge die Kosten vorhersagen.
đ§± Die Bausteine (jede AbkĂŒrzung im Klartext):
| KĂŒrzel | Bedeutung Alltagsdeutsch | Woher |
|---|---|---|
| x | BeschĂ€ftigung / Ausbringungsmenge einer Periode (StĂŒck) | gegeben (Tabelle) |
| K | Gesamtkosten (Mischkosten) einer Periode â Fix + variabel zusammen | gegeben (Tabelle) |
| kv | variable StĂŒckkosten â was ein zusĂ€tzliches StĂŒck extra kostet; das ist die Steigung der Kostengeraden | = (Kâ â Kâ) Ă· (xâ â xâ) |
| Kf | Fixkosten â der Kostensockel bei Menge 0; das ist der Achsenabschnitt der Geraden | = Kâ â kv · xâ |
| xâ, Kâ | Menge/Kosten der ersten gewĂ€hlten Periode (bei Hoch-Tief: der Tiefpunkt) | gegeben |
| xâ, Kâ | Menge/Kosten der zweiten gewĂ€hlten Periode (bei Hoch-Tief: der Hochpunkt) | gegeben |
| RÂČ | BestimmtheitsmaĂ â misst 0âŠ1, wie gut die Gerade zu allen Punkten passt (1 = perfekt) | Excel =BESTIMMTHEITSMASS(...) |
Schritte (mathematische Methode = Zwei-Punkte-/Hoch-Tief-Verfahren). Beispielzahlen laufen durch alle Schritte durch:
Ausgangsdaten des Beispiels: Periode 1 â 14.300 StĂŒck / 7.902,00 ⏠· Periode 4 â 16.250 StĂŒck / 8.750,50 âŹ.
- Die zwei Perioden auswĂ€hlen. WAS: zwei (Menge, Kosten)-Paare aus der Tabelle herausgreifen. WARUM: zwei Punkte legen eine Gerade eindeutig fest â mehr brauchst du fĂŒr die Handrechnung nicht. WIE: Steht in der Aufgabe ânutzen Sie Periode 1 und 4â, nimmst du genau die (die Punktwahl verĂ€ndert das Ergebnis, siehe Fehler-Kasten). Bei freier Wahl: die Periode mit der kleinsten und der gröĂten Menge (daher âHoch-Tiefâ). Beispiel: P1 (xâ = 14.300; Kâ = 7.902,00 âŹ) und P4 (xâ = 16.250; Kâ = 8.750,50 âŹ).
- Variable StĂŒckkosten kv = Steigung berechnen: WARUM: Von P1 nach P4 sind die Kosten um 848,50 ⏠gestiegen, weil 1.950 StĂŒck mehr produziert wurden â der reine Fixsockel hat sich nicht verĂ€ndert. Also stammt der ganze Zuwachs von den variablen Kosten. Kostenzuwachs Ă· Mengenzuwachs = Kosten pro zusĂ€tzlichem StĂŒck. WIE/Beispiel: kv = (8.750,50 â 7.902,00) Ă· (16.250 â 14.300) = 848,50 Ă· 1.950 = 0,4351 âŹ/StĂŒck (ungerundet 0,435128âŠ).
- Fixkosten Kf = Achsenabschnitt berechnen: WARUM: In Kâ steckt Fix und variabel. Der variable Anteil bei 14.300 StĂŒck ist kv · xâ. Ziehst du den ab, bleibt der Sockel ĂŒbrig, der auch bei 0 StĂŒck da wĂ€re. WIE/Beispiel: Kf = 7.902,00 â 0,435128⊠à 14.300 = 7.902,00 â 6.222,33 = 1.679,67 âŹ. (Hier bewusst mit dem ungerundeten kv rechnen â sonst kippt Kf, siehe Fehler-Kasten.)
- Kontrolle mit der anderen Periode. WAS: Kf ein zweites Mal aus P4 berechnen. WARUM: Beide Perioden liegen auf derselben Geraden â derselbe Sockel muss herauskommen; sonst hast du dich verrechnet. WIE/Beispiel: Kf = 8.750,50 â 0,435128⊠à 16.250 = 8.750,50 â 7.070,83 = 1.679,67 ⏠â identisch. â
- Kostenfunktion aufstellen: K = Kf + kv · x. Beispiel: K = 1.679,67 + 0,4351 · x. Das ist dein âKostenrechnerâ fĂŒr beliebige Mengen.
- Prognose: geplante Menge einsetzen. WAS: die gefragte Zukunftsmenge x in die Funktion einsetzen. WARUM: Du liest die erwarteten Kosten fĂŒr diese Menge von der Geraden ab. WIE: Liegt die Menge innerhalb des beobachteten Bereichs (hier 14.300âŠ16.250) â Interpolation, verlĂ€sslich. Liegt sie auĂerhalb â Extrapolation, riskant (die Gerade gilt vielleicht dort nicht mehr). Beispiel: geplante 15.000 StĂŒck â K = 1.679,67 + 0,435128 Ă 15.000 = 1.679,67 + 6.526,92 = 8.206,59 ⏠(Interpolation, weil 15.000 zwischen 14.300 und 16.250 liegt).
Statistische Methode (lineare Regression, nur ĂŒber Excel):
=STEIGUNG(Y-Werte; X-Werte)liefert kv (nutzt alle Datenpunkte, nicht nur zwei â Y = Kosten, X = Mengen).=ACHSENABSCHNITT(Y-Werte; X-Werte)liefert Kf.- BestimmtheitsmaĂ
=BESTIMMTHEITSMASS(...)prĂŒfen: unter ca. 66â67 % (RÂČ < 2/3) ist die lineare Kostenspaltung nicht verlĂ€sslich â dann stattdessen einen Mittelwert der letzten Perioden ansetzen. - FĂŒr reine Kostenprognosen (ohne Kostenspaltung) direkt
=PROGNOSE.LINEAR(...)verwenden.
đą Das ganze Schema als Block (mathematische Methode, komplett durchgerechnet):
| Schritt | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| gewĂ€hlte Perioden | P1 und P4 (laut Aufgabe) | (14.300; 7.902,00 âŹ) / (16.250; 8.750,50 âŹ) |
| Kostenzuwachs ÎK | 8.750,50 â 7.902,00 | 848,50 ⏠|
| Mengenzuwachs Îx | 16.250 â 14.300 | 1.950 StĂŒck |
| kv (Steigung) | 848,50 Ă· 1.950 | 0,4351 âŹ/StĂŒck |
| variabler Anteil in P1 | 0,435128⊠à 14.300 | 6.222,33 ⏠|
| Kf (Achsenabschnitt) | 7.902,00 â 6.222,33 | 1.679,67 ⏠|
| Kontrolle ĂŒber P4 | 8.750,50 â 0,435128⊠à 16.250 | 1.679,67 ⏠â |
| Kostenfunktion | K = 1.679,67 + 0,4351 · x | |
| Prognose 15.000 StĂŒck | 1.679,67 + 0,435128 Ă 15.000 | 8.206,59 ⏠|
- Das Problem: kv wird in Schritt 3 mit einer **groĂen** Menge multipliziert (Ă 14.300). Ein winziger Rundungsfehler in kv wird dadurch vertausendfacht und schlĂ€gt voll auf Kf durch.
- Mechanisch, warum es weh tut: Rundest du kv grob auf 0,44, ergibt Schritt 3: Kf = 7.902,00 â 0,44 Ă 14.300 = 7.902,00 â 6.292,00 = 1.610,00 ⏠â statt korrekt 1.679,67 âŹ, also ~70 ⏠daneben. Selbst 0,4351 statt des vollen 0,435128⊠bringt Kf auf 1.680,07 ⏠(0,40 ⏠Drift). Der Fehler wandert von da in jede Prognose weiter.
- Gegenprobe (immer machen): Kf aus beiden Perioden berechnen. Kommt zweimal exakt 1.679,67 ⏠heraus â du hast ungerundet gerechnet. Weichen die zwei Kf-Werte ab â du hast zu frĂŒh gerundet. So enttarnst du den Fehler noch in der Klausur.
- Merksatz: kv im Rechner stehen lassen, erst das Endergebnis (Kf, Prognose) auf 2 Nachkommastellen runden.
- Weitere Fallen: Punktwahl ist nicht neutral â Zwei-Punkte mit P1&P4 â mit P1&P3 â Regression ĂŒber alle Punkte; immer die in der Aufgabe genannten Perioden nehmen. STEIGUNG = variable StĂŒckkosten, ACHSENABSCHNITT = Fixkosten â die zwei Excel-Funktionen nicht vertauschen. Kein Regressionsrechnen von Hand â nur ĂŒber die Excel-Funktionen. Zwei GrĂŒnde fĂŒr Fehlprognosen im Kopf behalten: StrukturbrĂŒche (Energiepreisschock, Technologiewechsel machen die Vergangenheit ungĂŒltig) und die LinearitĂ€tsannahme (reale Kosten sind oft nicht-linear â Mengenrabatte, Sprungfixkosten).
9. Flexible Plankostenrechnung (VollÂkostenbasis) â Abweichungsanalyse
- Erkennungszeichen: PlanbeschĂ€ftigung (Bp), IstbeschĂ€ftigung (Bi), fixe und variable Plankosten gegeben, Istkosten gegeben â gesucht sind VerrechnungssĂ€tze, Sollkosten und die Abweichungen.
- Kernfrage der ganzen Rechnung: âDie Kostenstelle hat mehr gekostet als geplant â liegt das daran, dass sie unwirtschaftlich war (ihr Fehler), oder nur daran, dass sich die Menge verschoben hat (nicht ihr Fehler)?â Genau das trennt die flexible Plankostenrechnung sauber auf.
đ Die Grundidee in einem Satz: Man plant Kosten fĂŒr eine erwartete Menge (Bp), am Ende ist eine andere Menge herausgekommen (Bi) und es sind andere Kosten angefallen (Ki) â die flexible Plankostenrechnung baut zwischen Plan und Ist eine faire Vergleichslatte ein (die Sollkosten: âwas hĂ€tte die Ist-Menge kosten dĂŒrfen?â) und spaltet die Gesamtabweichung damit in zwei saubere Teile: den Teil, den die Kostenstelle selbst verantwortet (Verbrauch) und den reinen Mengeneffekt (BeschĂ€ftigung), fĂŒr den sie nichts kann.
đ§± Die Bausteine (jede AbkĂŒrzung im Klartext â hier besonders wichtig, weil sich vieles Ă€hnlich sieht):
| KĂŒrzel | Bedeutung Alltagsdeutsch | Woher |
|---|---|---|
| Bp | PlanbeschĂ€ftigung â die Menge, mit der geplant wurde | gegeben |
| Bi | IstbeschĂ€ftigung â die Menge, die tatsĂ€chlich produziert wurde | gegeben |
| Kpv | variable Plankosten (Gesamtbetrag) bei Bp â Kosten, die mit der Menge mitwachsen | gegeben |
| Kpf | fixe Plankosten (Gesamtbetrag) â Sockel, Ă€ndert sich mengenmĂ€Ăig nicht | gegeben |
| Kp | Plankosten gesamt bei Bp = Kpv + Kpf | berechnet |
| Ki | Istkosten â was am Ende wirklich angefallen ist | gegeben |
| kpv | variabler Verrechnungssatz = Kpv Ă· Bp (⏠je StĂŒck) | berechnet |
| kpf | fixer Verrechnungssatz = Kpf Ă· Bp (⏠je StĂŒck) | berechnet |
| kp | gesamter Verrechnungssatz = kpv + kpf | berechnet |
| Kverr | verrechnete Plankosten = kp · Bi â Fixkosten werden hier so getan, als wĂ€ren sie variabel (auf Bi hochgerechnet) | berechnet |
| Ksoll | Sollkosten = Kpf + kpv · Bi â Fixkosten bleiben voll fix, nur der variable Teil wird an Bi angepasst | berechnet |
| Verbrauchsabw. | (= Budgetabweichung) = Ki â Ksoll â die selbst verantwortete (Un-)Wirtschaftlichkeit | berechnet |
| BeschĂ€ftigungsabw. | = Ksoll â Kverr â reiner Mengen-/Fixkosteneffekt, NICHT beeinflussbar | berechnet |
| Gesamtabw. | = Ki â Kverr â die volle Differenz, teilt sich in die zwei oberen auf | berechnet |
Schritte. Beispielzahlen laufen durch alle Schritte durch:
Ausgangsdaten des Beispiels: Bp = 30.000 StĂŒck, Bi = 35.000 StĂŒck, Kpv = 45.000 âŹ, Kpf = 120.000 âŹ, Ki = 200.000 âŹ. (Hier ist Bi > Bp, also ĂberbeschĂ€ftigung â mehr produziert als geplant.)
- Variabler Verrechnungssatz: WARUM: die geplanten variablen Gesamtkosten auf ein einzelnes StĂŒck herunterbrechen. Beispiel: kpv = 45.000 Ă· 30.000 = 1,50 âŹ/StĂŒck.
- Fixer Verrechnungssatz: WARUM: rein rechnerisch die Fixkosten auf ein StĂŒck verteilen â das ist ein kĂŒnstlicher Wert (Fixkosten fallen ja nicht pro StĂŒck an), man braucht ihn nur fĂŒr die âverrechnetenâ Plankosten. Beispiel: kpf = 120.000 Ă· 30.000 = 4,00 âŹ/StĂŒck.
- Gesamter Verrechnungssatz: Beispiel: kp = 1,50 + 4,00 = 5,50 âŹ/StĂŒck.
- Plankosten bei PlanbeschĂ€ftigung: WARUM: der ursprĂŒngliche Kostenplan fĂŒr die geplante Menge Bp â Referenzpunkt. Beispiel: Kp = 45.000 + 120.000 = 165.000 ⏠(gilt fĂŒr 30.000 StĂŒck).
- Verrechnete Plankosten (Fixkosten werden hier so behandelt, als wĂ€ren sie variabel): WARUM: Das ist der âVollkostenâ-Blick der KostentrĂ€gerrechnung â jedes Ist-StĂŒck bekommt den vollen Satz kp aufgedrĂŒckt, inklusive Fixanteil. Beispiel: Kverr = 5,50 Ă 35.000 = 192.500 âŹ.
- Sollkosten (Fixkosten bleiben komplett fix, nur der variable Teil wird an Bi angepasst): WARUM: Das ist die faire Vergleichslatte: âWenn wir wirklich 35.000 StĂŒck machen, dĂŒrfen die variablen Kosten mitwachsen (1,50 Ă 35.000), aber die Fixkosten bleiben die geplanten 120.000 ⏠â nicht mehr, nicht weniger.â Beispiel: Ksoll = 120.000 + 1,50 Ă 35.000 = 120.000 + 52.500 = 172.500 âŹ.
- Gesamtabweichung = Ki â Kverr. Beispiel: 200.000 â 192.500 = +7.500 âŹ.
- Verbrauchsabweichung (= Budgetabweichung) = Ki â Ksoll. WARUM: Ist gegen die faire Latte. Alles, was ĂŒber den Sollkosten liegt, hat die Kostenstelle wirklich zu viel verbraucht â das ist ihre Verantwortung. Beispiel: 200.000 â 172.500 = +27.500 ⏠â ungĂŒnstig.
- BeschĂ€ftigungsabweichung = Ksoll â Kverr. WARUM: reiner Rechen-/Mengeneffekt aus der Fixkosten-âProportionalisierungâ â die Kostenstelle kann nichts dafĂŒr. Beispiel: 172.500 â 192.500 = â20.000 ⏠â gĂŒnstig.
- Kontrolle: Verbrauchsabweichung + BeschĂ€ftigungsabweichung = Gesamtabweichung. Beispiel: 27.500 + (â20.000) = +7.500 ⏠= Gesamtabweichung â.
- Vorzeichen deuten: positiv = KostenĂŒberschreitung = ungĂŒnstig; negativ = gĂŒnstig. Immer die Richtung dazuschreiben.
Das kniffligste StĂŒck mechanisch â WARUM Sollkosten â verrechnete Plankosten: Beide werden auf die gleiche Ist-Menge Bi bezogen, der einzige Unterschied ist die Behandlung der Fixkosten. Kverr rechnet den Fix-Satz kpf pro StĂŒck auf Bi hoch (tut also so, als wĂŒrden die Fixkosten mit der Menge mitwachsen). Ksoll lĂ€sst Kpf in voller, konstanter Höhe stehen. Ihre Differenz ist deshalb nur ein Fixkosten-Effekt: Ksoll â Kverr = (Kpf + kpv·Bi) â (kpv+kpf)·Bi = Kpf â kpf·Bi = kpf·(Bp â Bi). Beispiel: 4,00 Ă (30.000 â 35.000) = 4,00 Ă (â5.000) = â20.000 ⏠â exakt die BeschĂ€ftigungsabweichung. Bei ĂberbeschĂ€ftigung (Bi > Bp) ist die Klammer negativ â negativ â gĂŒnstig: die vielen Ist-StĂŒcke tragen mehr Fixkosten, als geplant war â die Fixkosten sind ĂŒberdeckt. Bei UnterbeschĂ€ftigung (Bi < Bp) wĂ€re sie positiv â ungĂŒnstig â Leerkosten (nicht ausgelastete Fixkosten).
Und WARUM ein Minus hier âgĂŒnstigâ heiĂt: Es geht um Kosten, nicht um einen Kontostand. Der Referenzwert (Sollkosten bzw. verrechnete Plankosten) ist die Latte; das Ist bzw. der Vergleichswert liegt darunter â weniger Kosten als erlaubt/erwartet â gut. Ein positives Vorzeichen bedeutet âmehr Kosten als die Latteâ = schlecht. Merke: bei Kostenabweichungen ist Minus (weniger Kosten) immer die gute Nachricht.
đą Das ganze Schema als Block (komplett durchgerechnet):
| Zeile | Rechnung | Betrag |
|---|---|---|
| kpv | 45.000 Ă· 30.000 | 1,50 âŹ/StĂŒck |
| kpf | 120.000 Ă· 30.000 | 4,00 âŹ/StĂŒck |
| kp | 1,50 + 4,00 | 5,50 âŹ/StĂŒck |
| Kp (Plankosten bei Bp) | 45.000 + 120.000 | 165.000 ⏠|
| Kverr (verrechnet, Bi) | 5,50 à 35.000 | 192.500 ⏠|
| Ksoll (Sollkosten, Bi) | 120.000 + 1,50 à 35.000 | 172.500 ⏠|
| Ki (Istkosten) | gegeben | 200.000 ⏠|
| Verbrauchsabweichung | 200.000 â 172.500 | +27.500 ⏠ungĂŒnstig |
| BeschĂ€ftigungsabweichung | 172.500 â 192.500 | â20.000 ⏠gĂŒnstig |
| Gesamtabweichung | 200.000 â 192.500 | +7.500 ⏠|
| Kontrolle | 27.500 + (â20.000) | +7.500 ⏠â |
- Das Problem: Beide Werte gehören zur Ist-Menge Bi und sehen fast gleich aus â wer sie vertauscht, spaltet die Abweichung falsch auf und verliert den ganzen Sinn der Ăbung.
- Mechanisch, warum es kippt: Nimmst du versehentlich Kverr, wo Ksoll hingehört, rechnest du Verbrauchsabweichung = Ki â Kverr = 200.000 â 192.500 = 7.500 ⏠â das ist aber die Gesamtabweichung, nicht die Verbrauchsabweichung. Die BeschĂ€ftigungsabweichung fĂ€llt dann auf 0, und der Kern-Nachweis âwas ist Eigenverschulden, was ist Mengeneffektâ ist zerstört. Der einzige Unterschied der beiden GröĂen ist die Fixkostenbehandlung: Ksoll = Kpf voll fix, Kverr = kpf pro StĂŒck auf Bi hochgerechnet.
- Gegenprobe (immer machen): Verbrauchs- + BeschĂ€ftigungsabweichung muss die Gesamtabweichung (Ki â Kverr) ergeben. 27.500 + (â20.000) = 7.500 â. Kommt das nicht auf, hast du Soll- und verrechnete Kosten vertauscht.
- Merksatz: âSoll = Fix bleibt stehen. Verrechnet = Fix wird verteilt.â Sollkosten liegen bei ĂberbeschĂ€ftigung deshalb unter den verrechneten, bei UnterbeschĂ€ftigung darĂŒber.
- Weitere Fallen: Sollkosten â Plankosten â verrechnete Plankosten â drei verschiedene GröĂen (Plankosten gelten bei Bp, Sollkosten bei Bi mit Fix konstant, verrechnete bei Bi mit Fix proportionalisiert); nur wenn Bi = Bp sind alle drei gleich. Ein Minus ist hier gut, nicht schlecht â immer âgĂŒnstig/ungĂŒnstigâ dazuschreiben. UnterbeschĂ€ftigung (Bi < Bp) â BeschĂ€ftigungsabweichung positiv = Leerkosten = ungĂŒnstig; ĂberbeschĂ€ftigung (Bi > Bp) â negativ = FixkostenĂŒberdeckung = gĂŒnstig. Die starre Plankostenrechnung (keine Fix/Variabel-Trennung) lĂ€sst GAR KEINE wirtschaftliche Aussage zu â nur die flexible Rechnung trennt Verbrauchs- von BeschĂ€ftigungseffekt.
10. UKV vs. GKV (kurzfristige Erfolgsrechnung)
- Erkennungszeichen: Produktionsmenge â Absatzmenge (BestandsverĂ€nderung), Betriebsergebnis soll auf beiden Wegen nachgewiesen werden. Rohleder verlangt laut eigener Aussage KEIN eigenstĂ€ndiges Vorrechnen von Hand in der Klausur â nur das Konzept muss sitzen. Trotzdem zur Sicherheit hier das volle Rezept.
đ Die Grundidee in einem Satz: Wenn du mehr produzierst als du verkaufst, wandert ein Teil der Produktionskosten ins Lager statt in die Gewinn-und-Verlust-Rechnung â GKV und UKV sind zwei verschiedene Wege, dieses âKosten-im-Lagerâ-Problem sauber zu behandeln, und mĂŒssen zwangslĂ€ufig dasselbe Betriebsergebnis liefern (weil nur die Darstellung, nicht die RealitĂ€t, sich unterscheidet).
đ§± Die Bausteine (jede AbkĂŒrzung im Klartext):
| KĂŒrzel | Bedeutung Alltagsdeutsch | Woher |
|---|---|---|
| AB | Anfangsbestand â was zu Periodenbeginn schon im Lager lag (StĂŒck) | gegeben (oft 0) |
| EB | Endbestand â was am Periodenende im Lager liegt | = AB + Produktion â Absatz |
| BestandsverĂ€nderung | Lageraufbau (+) oder -abbau (â), in StĂŒck | = EB â AB |
| HK der Produktion | Herstellkosten aller produzierten StĂŒcke â nur bestandsfĂ€hige Kosten (Material + Löhne + Fertigungsgemeinkosten) | gegeben / berechnet |
| hk | Herstellkosten je StĂŒck â BewertungsmaĂstab fĂŒrs Lager | = HK Produktion Ă· Produktionsmenge |
| HK des Umsatzes | Herstellkosten nur der verkauften StĂŒcke | = Absatzmenge Ă hk |
| Umsatzerlöse | Verkaufserlös â nur die abgesetzte Menge zĂ€hlt | = Absatzmenge Ă Preis |
| VwK / VtK | Verwaltungs- / Vertriebskosten â immer volle Periodenkosten, nie bestandsfĂ€hig | gegeben |
| GKV | Gesamtkostenverfahren â zieht alle Periodenkosten ab und korrigiert ĂŒbers Lager | Rechenweg 1 |
| UKV | Umsatzkostenverfahren â zieht nur die Kosten der verkauften StĂŒcke ab | Rechenweg 2 |
Schritte. Beispielzahlen laufen durch alle Schritte durch:
Ausgangsdaten des Beispiels: Produktion 10.000 StĂŒck, Absatz 8.000 StĂŒck, Verkaufspreis 120,00 âŹ/StĂŒck, Herstellkosten der Produktion 700.000 âŹ, Verwaltungskosten 90.000 âŹ, Vertriebskosten 70.000 âŹ, Anfangsbestand 0.
- BestandsverĂ€nderung ermitteln. WAS: EB = AB + Produktion â Absatz, dann BestandsverĂ€nderung = EB â AB. WARUM: Du musst wissen, wie viele StĂŒck ins Lager gewandert sind â genau die verursachen die ganze Verfahrens-Diskussion. Beispiel: EB = 0 + 10.000 â 8.000 = 2.000 StĂŒck; BestandsverĂ€nderung = 2.000 â 0 = +2.000 StĂŒck (Bestandserhöhung).
- Herstellkosten je StĂŒck (hk) berechnen. WAS: HK der Produktion Ă· Produktionsmenge. WARUM: nur bestandsfĂ€hige Kosten (Material, Löhne, FGK) dĂŒrfen aufs Lager â dieser StĂŒckwert bewertet die eingelagerten Teile. Beispiel: hk = 700.000 Ă· 10.000 = 70,00 âŹ/StĂŒck.
- Umsatzerlöse berechnen. WAS: Absatzmenge Ă Verkaufspreis â in beiden Verfahren zĂ€hlt nur die tatsĂ€chlich verkaufte Menge. WARUM: Verkauft sind 8.000 StĂŒck, nicht 10.000; die 2.000 im Lager haben noch keinen Erlös gebracht. Beispiel: Umsatz = 8.000 Ă 120,00 = 960.000 âŹ.
- Wert der BestandsverĂ€nderung. WAS: BestandsverĂ€nderung (StĂŒck) Ă hk. WARUM: Das ist der Geldwert der eingelagerten Kosten â die Zahl, die das GKV gleich als Korrektur braucht. Beispiel: 2.000 Ă 70,00 = 140.000 âŹ.
- GKV-Weg: Betriebsergebnis = Umsatzerlöse + Bestandserhöhung (bzw. â Bestandsminderung) â Gesamtkosten der Periode (alle Kostenarten in voller Höhe). WARUM: Das GKV zieht sĂ€mtliche angefallenen Kosten ab â auch die fĂŒr die 2.000 Lager-StĂŒcke. Weil diese StĂŒcke aber noch nicht verkauft sind, wĂ€re das zu viel Kostenabzug â die Bestandserhöhung rechnet den Lager-Wert wieder hinzu und gleicht das aus. Beispiel: Gesamtkosten = 700.000 + 90.000 + 70.000 = 860.000 âŹ. BE = 960.000 + 140.000 â 860.000 = 240.000 âŹ.
- UKV-Weg: Herstellkosten des Umsatzes = Absatzmenge Ă hk. Betriebsergebnis = Umsatzerlöse â HK des Umsatzes â Verwaltungskosten â Vertriebskosten. WARUM: Das UKV stellt den Erlösen von vornherein nur die Kosten der verkauften StĂŒcke gegenĂŒber â die Lager-StĂŒcke tauchen gar nicht erst auf, deshalb braucht es keine Bestandskorrektur. Beispiel: HK des Umsatzes = 8.000 Ă 70,00 = 560.000 âŹ. BE = 960.000 â 560.000 â 90.000 â 70.000 = 240.000 âŹ.
- Kontrolle: beide Betriebsergebnisse mĂŒssen identisch sein. Beispiel: 240.000 ⏠= 240.000 ⏠â.
Warum beide Wege zwangslĂ€ufig gleich herauskommen (mechanisch): Der einzige Unterschied ist die Behandlung der Lager-Kosten. Das GKV zieht die HK der Produktion (700.000 âŹ) ab und legt die Bestandserhöhung (+140.000 âŹ) obendrauf â netto belastet es 700.000 â 140.000 = 560.000 âŹ. Das UKV zieht direkt die HK des Umsatzes (560.000 âŹ) ab. Beide belasten also exakt dieselben 560.000 ⏠â die Differenz zwischen HK der Produktion und HK des Umsatzes (700.000 â 560.000 = 140.000 âŹ) ist genau der Bestandswert, den das GKV wieder hinzurechnet. Verwaltung (90.000 âŹ) und Vertrieb (70.000 âŹ) sind in beiden Verfahren identische volle Periodenkosten. Gleiche Erlöse â gleiche Kostenbelastung = gleiches Ergebnis.
đą Das ganze Schema als Block (beide Verfahren nebeneinander, komplett durchgerechnet):
| GKV (Gesamtkostenverfahren) | Betrag | UKV (Umsatzkostenverfahren) | Betrag | |
|---|---|---|---|---|
| Umsatzerlöse (8.000 à 120) | 960.000 ⏠| Umsatzerlöse (8.000 à 120) | 960.000 ⏠| |
| + Bestandserhöhung (2.000 Ă 70) | 140.000 ⏠| â HK des Umsatzes (8.000 Ă 70) | â 560.000 ⏠| |
| â Herstellkosten der Produktion | â 700.000 ⏠| â Verwaltungskosten | â 90.000 ⏠| |
| â Verwaltungskosten | â 90.000 ⏠| â Vertriebskosten | â 70.000 ⏠| |
| â Vertriebskosten | â 70.000 ⏠| |||
| = Betriebsergebnis | 240.000 ⏠| = Betriebsergebnis | 240.000 ⏠|
- Das Problem: Zwei verwandte Verwechslungen killen das Ergebnis â (a) Verwaltungs-/Vertriebskosten teilweise aufs Lager legen, und (b) im UKV die Produktionsmenge statt der Absatzmenge mit hk multiplizieren.
- Mechanisch, warum es falsch ist: Nur bestandsfĂ€hige Kosten (Material, Löhne, FGK) dĂŒrfen ins Lager â Verwaltung und Vertrieb sind immer volle Periodenkosten. Bewertetest du die 2.000 Lager-StĂŒcke mit einem höheren Satz (inkl. Vw/Vt), stĂŒnde im GKV eine zu hohe Bestandserhöhung â Betriebsergebnis zu hoch, und der Gleichlauf mit dem UKV bricht. Und im UKV: nimmst du 10.000 Ă 70 = 700.000 ⏠statt 8.000 Ă 70 = 560.000 âŹ, ziehst du die Kosten der noch gar nicht verkauften 2.000 StĂŒcke ab â BE = 960.000 â 700.000 â 90.000 â 70.000 = 100.000 ⏠statt 240.000 âŹ, also 140.000 ⏠zu niedrig.
- Gegenprobe (immer machen): GKV und UKV nebeneinander rechnen â kommt nicht zweimal dasselbe heraus, steckt einer dieser Fehler drin. ZusĂ€tzlich prĂŒfen: HK Produktion â HK Umsatz muss exakt der Bestandserhöhung entsprechen (700.000 â 560.000 = 140.000 â).
- Merksatz: âIns Lager kommt nur, was in der Werkstatt entsteht.â Verwaltung und Vertrieb bleiben drauĂen. Und: HK der Produktion bewertet das Lager, HK des Umsatzes bewertet den Verkauf.
- Weitere Fallen: Bei Bestandserhöhung wird im GKV addiert, bei Bestandsminderung subtrahiert â Vorzeichen nicht drehen. Die Differenz zwischen HK der Produktion und HK des Umsatzes ist genau der Bestandswert, den das GKV oben als Bestandserhöhung wieder hinzurechnet â deshalb sind beide Verfahren immer identisch.
11. Kalkulatorische Zinsen
- Erkennungszeichen: Anschaffungswert (AW), Nutzungsdauer (ND), Restwert (RW) und ein Zinssatz (i) einer Anlage sind gegeben, gesucht sind die âkalkulatorischen Zinsen" â entweder als konstanter Jahresbetrag (Durchschnittsverzinsung) oder Jahr fĂŒr Jahr fallend (Restwertverzinsung).
- Zwei Varianten: Durchschnittsverzinsung (Standard, ein glatter Betrag fĂŒr jedes Jahr) und Restwertverzinsung (feiner, Zinsen sinken jedes Jahr mit dem Buchwert).
đ Die Grundidee in einem Satz: Wenn du 240.000 ⏠in eine Maschine steckst, ist dieses Geld gebunden â du könntest es sonst anlegen und Zinsen kassieren; diese entgangene Rendite verrechnest du als Kostenposition, damit deine Preise das gebundene Kapital mitverdienen. Weil sich das Kapital ĂŒber die Nutzungsdauer nach und nach âabnutzt" (von AW herunter bis zum RW), verzinst du nicht den vollen Wert, sondern das im Schnitt gebundene Kapital.
đ§± Die Bausteine (jede AbkĂŒrzung im Klartext):
| KĂŒrzel | Bedeutung in Alltagsdeutsch | Woher |
|---|---|---|
| AW | Anschaffungswert â was die Anlage neu gekostet hat | gegeben |
| RW | Restwert â was die Anlage am Ende der Nutzung noch wert ist (Schrott-/Verkaufswert) | gegeben |
| ND | Nutzungsdauer â wie viele Jahre die Anlage lĂ€uft | gegeben |
| i | Zinssatz â die kalkulatorische Verzinsung in % (die Rendite, die du woanders bekĂ€mst) | gegeben |
| Ă-Kapital | durchschnittlich gebundenes Kapital â der âmittlere" Wert, der ĂŒber die Jahre in der Anlage steckt | = (AW + RW) Ă· 2 |
| kalk. Zinsen/Jahr | die Zins-Kostenposition eines Jahres | = Ă-Kapital Ă i |
| Buchwert | (nur Restwertmethode) der aktuelle Wert der Anlage zu Jahresbeginn, sinkt jedes Jahr | AW â bisherige Abschreibungen |
| Abschreibung/Jahr | (nur Restwertmethode) der jĂ€hrliche Wertverlust | = (AW â RW) Ă· ND |
Schritte (Durchschnittsverzinsung â die Standardmethode). Beispielzahlen laufen durch: AW = 240.000 âŹ, RW = 40.000 âŹ, ND = 5 Jahre, i = 8 %.
- Durchschnittlich gebundenes Kapital = (AW + RW) Ă· 2. Warum genau (AW + RW)/2 und nicht einfach AW? Am ersten Tag stecken volle 240.000 ⏠in der Maschine, am letzten Tag nur noch 40.000 ⏠(der Restwert). Ăber die Jahre sinkt das gebundene Kapital gleichmĂ€Ăig von 240.000 auf 40.000 â der Durchschnitt einer geraden Rutsche vom Anfangs- zum Endpunkt ist genau der Mittelwert der beiden Enden: (240.000 + 40.000) Ă· 2 = 140.000 âŹ. Du verzinst also den mittleren Kapitalstand, nicht den Höchststand.
- Kalkulatorische Zinsen pro Jahr = Ă-Kapital Ă i. 140.000 Ă 0,08 = 11.200,00 âŹ/Jahr. Dieser Betrag ist in jedem der 5 Jahre identisch â das ist der ganze Reiz der Methode: eine glatte, konstante Kostenbelastung.
- Zinsen ĂŒber die gesamte Nutzungsdauer = Zinsen/Jahr Ă ND. 11.200 Ă 5 = 56.000,00 ⏠gesamt. Der Jahresbetrag bleibt ĂŒber alle Jahre konstant.
Schritte (Restwertverzinsung â die Alternative, Zinsen fallen jĂ€hrlich). Gleiche Beispielzahlen:
- JĂ€hrliche Abschreibung = (AW â RW) Ă· ND. (240.000 â 40.000) Ă· 5 = 40.000 âŹ/Jahr. So viel Wert verliert die Anlage jedes Jahr.
- Buchwert zu jedem Jahresbeginn aufstellen â startet bei AW, sinkt jedes Jahr um die Abschreibung.
- Zinsen je Jahr = Buchwert zu Jahresbeginn Ă i â weil zu Beginn viel Kapital gebunden ist und immer weniger, fallen die Zinsen von Jahr zu Jahr.
- Alle Jahreszinsen aufaddieren = Zinsen gesamt.
- Rechenprobe: Buchwert am Ende des letzten Jahres muss dem vorgegebenen RW entsprechen (hier 40.000 ⏠â).
đą Vollbeispiel Durchschnittsmethode (so sauber in die Klausur):
| Zeile | Rechnung | Betrag |
|---|---|---|
| à gebundenes Kapital | (240.000 + 40.000) ÷ 2 | 140.000,00 ⏠|
| Zinsen pro Jahr | 140.000 à 8 % | 11.200,00 ⏠|
| Zinsen gesamt (5 Jahre) | 11.200 à 5 | 56.000,00 ⏠|
đą Vollbeispiel Restwertmethode (Buchwert-Tabelle, zum Vergleich):
| Jahr | Buchwert zu Jahresbeginn | Zinsen = Buchwert Ă 8 % |
|---|---|---|
| 1 | 240.000,00 ⏠| 19.200,00 ⏠|
| 2 | 200.000,00 ⏠| 16.000,00 ⏠|
| 3 | 160.000,00 ⏠| 12.800,00 ⏠|
| 4 | 120.000,00 ⏠| 9.600,00 ⏠|
| 5 | 80.000,00 ⏠| 6.400,00 ⏠|
| Summe | 64.000,00 ⏠|
Rechenprobe: Buchwert Ende Jahr 5 = 80.000 â 40.000 (Abschreibung) = 40.000 ⏠= RW â. Beachte: Die Restwertmethode kommt hier auf 64.000 âŹ, die Durchschnittsmethode auf 56.000 ⏠â das ist kein Fehler, sondern genau der Unterschied der beiden Verfahren (die Restwertmethode belastet die frĂŒhen Jahre stĂ€rker). Welches Verfahren gefragt ist, steht in der Aufgabe.
- Der gefĂ€hrlichste Fehler: die Zinsen auf den vollen Anschaffungswert rechnen (240.000 Ă 0,08 = 19.200) statt auf das durchschnittlich gebundene Kapital. Warum ist das falsch? Das volle Kapital steckt nur am allerersten Tag in der Anlage â schon im Jahr 2 ist ein Teil abgeschrieben, das Geld ist âfrei". Ăber die gesamte Laufzeit war im Schnitt nur die HĂ€lfte des abschreibbaren Betrags gebunden. Wer den vollen AW verzinst, tut so, als lĂ€ge das ganze Geld die vollen 5 Jahre unberĂŒhrt in der Maschine â das ĂŒberzeichnet die Kosten fast ums Doppelte.
- Gegenprobe: Durchschnittsmethode 11.200 âŹ/Jahr vs. falsche Vollwert-Rechnung 19.200 âŹ/Jahr â die 19.200 sind exakt der Zins des allerersten Jahres der *Restwertmethode*, also der teuerste Einzelwert, nie der Durchschnitt. Wenn dein Jahresbetrag so hoch ist wie das erste Jahr der Buchwert-Tabelle, hast du den vollen AW verzinst.
- Merksatz: âKapital nutzt sich ab â verzinse den Mittelwert (AW + RW)/2, nicht den Neupreis."
- Nur wenn RW = 0,00 ⏠ist, vereinfacht sich Ă-Kapital zu AW Ă· 2. Mit RW > 0 immer die volle Formel (AW + RW)/2 nehmen.
- Restwertmethode nimmt den Buchwert zu Jahres-BEGINN, nicht zu Jahresende.
- Kalkulatorische Zinsen sind OpportunitĂ€tskosten des Eigenkapitals (entgangene risikoĂ€quivalente Anlagerendite), NICHT der Fremdkapitalzins/Sparbuchzins â diese Verwechslung kostet den vollen Punkt.
- Praxis nutzt meist die Durchschnittsmethode (konstante, âglatte" Kostenbelastung); die Restwertmethode ist theoretisch prĂ€ziser, aber verzerrt gleiche Produkte ĂŒber die Jahre.
12. Kalkulatorische Wagnisse
- Erkennungszeichen: mehrjĂ€hrige, schwankende Ist-Verlustwerte (GewĂ€hrleistung, Ausschuss, ForderungsausfĂ€lle) sind gegeben, gesucht ist ein Wagniskostensatz (WKS) und/oder ein geglĂ€tteter Planwert fĂŒr die Zukunft.
đ Die Grundidee in einem Satz: SchĂ€den wie Ausschuss oder geplatzte Forderungen treffen dich in echten Jahren völlig ungleich â mal 20.000 âŹ, mal 90.000 ⏠â aber deine Preise sollen jedes Jahr gleich kalkuliert sein; also mittelst du die Verluste ĂŒber mehrere Jahre zu einem stabilen Prozentsatz vom Umsatz und legst diesen geglĂ€tteten Satz jedes Jahr auf den Preis um. Du tauschst die zackige RealitĂ€t gegen eine ruhige Durchschnittsbelastung.
đ§± Die Bausteine (jede AbkĂŒrzung im Klartext):
| KĂŒrzel | Bedeutung in Alltagsdeutsch | Woher |
|---|---|---|
| Ist-Verlust | der tatsĂ€chlich eingetretene Schaden eines Jahres (Ausschuss, Ausfall âŠ) | gegeben je Jahr |
| BezugsgröĂe | die GröĂe, auf die du den Verlust beziehst â fast immer der Umsatz des Jahres | gegeben je Jahr |
| ÎŁ Verluste | Summe aller Ist-Verluste ĂŒber alle Jahre | selbst aufaddieren |
| ÎŁ BezugsgröĂe | Summe aller UmsĂ€tze ĂŒber alle Jahre | selbst aufaddieren |
| WKS | Wagniskostensatz â der geglĂ€ttete Verlust-Prozentsatz vom Umsatz | = (ÎŁ Verluste Ă· ÎŁ BezugsgröĂe) Ă 100 |
| kalk. Wagniskosten | der Planbetrag fĂŒrs kommende Jahr, den du in die Kalkulation einbaust | = PlanbezugsgröĂe Ă WKS |
Schritte. Beispielzahlen laufen durch: 5 Jahre, ÎŁ Ist-Verluste = 300.000 âŹ, ÎŁ UmsĂ€tze = 25.000.000 âŹ, Planumsatz = 6.500.000 âŹ.
- FĂŒr jedes Jahr die BezugsgröĂe (Umsatz) und den Ist-Verlust notieren â sauber in eine Tabelle, ein Jahr pro Zeile.
- Summe aller Ist-Verluste bilden. ÎŁ Verluste = 300.000 ⏠(ĂŒber 5 Jahre).
- Summe aller BezugsgröĂen (UmsĂ€tze) bilden. ÎŁ UmsĂ€tze = 25.000.000 âŹ.
- Wagniskostensatz WKS = (ÎŁ Verluste Ă· ÎŁ BezugsgröĂe) Ă 100. 300.000 Ă· 25.000.000 = 0,012 â Ă 100 = 1,20 %. Wichtig: gepoolt (Summe durch Summe), nicht der ungewichtete Mittelwert der fĂŒnf Einzeljahres-Quoten.
- Kalkulatorische Wagniskosten der Planperiode = PlanbezugsgröĂe Ă WKS. 6.500.000 Ă 1,20 % = 6.500.000 Ă 0,012 = 78.000,00 âŹ/Jahr.
- Falls verlangt: Jahresbetrag Ă· 12 = Monatsbetrag. 78.000 Ă· 12 = 6.500,00 âŹ/Monat.
- Rechenprobe: Monatsbetrag Ă 12 muss wieder den Jahresbetrag ergeben (6.500 Ă 12 = 78.000 â).
đą Vollbeispiel als Schema:
| Zeile | Rechnung | Betrag |
|---|---|---|
| Σ Ist-Verluste (5 Jahre) | gegeben/aufaddiert | 300.000,00 ⏠|
| Σ UmsÀtze (5 Jahre) | gegeben/aufaddiert | 25.000.000,00 ⏠|
| Wagniskostensatz WKS | 300.000 Ă· 25.000.000 Ă 100 | 1,20 % |
| kalk. Wagniskosten/Jahr | 6.500.000 à 1,20 % | 78.000,00 ⏠|
| kalk. Wagniskosten/Monat | 78.000 ÷ 12 | 6.500,00 ⏠|
- Der gefĂ€hrlichste Fehler: pro Jahr die Quote âVerlust Ă· Umsatz" ausrechnen und dann diese fĂŒnf Prozentzahlen einfach mitteln. Warum ist das falsch? Ein ungewichteter Mittelwert behandelt ein umsatzschwaches Jahr genauso stark wie ein umsatzstarkes. Ein einziger AusreiĂer in einem kleinen Jahr (viel Ausschuss bei wenig Umsatz) reiĂt den Schnitt hoch, obwohl er am GesamtgeschĂ€ft kaum Gewicht hat. Der korrekte umsatzgewichtete Satz (ÎŁ Verluste Ă· ÎŁ UmsĂ€tze) gibt jedem Euro Umsatz dasselbe Gewicht â er sagt: âVon jedem umgesetzten Euro gingen im Schnitt 1,2 Cent durch SchĂ€den verloren."
- Gegenprobe: Multipliziere deinen WKS mit dem ÎŁ-Umsatz zurĂŒck â es mĂŒssen die ÎŁ-Verluste herauskommen: 25.000.000 Ă 1,20 % = 300.000 ⏠= ÎŁ Verluste â. Beim ungewichteten Mittel scheitert diese RĂŒckrechnung, sobald die JahresumsĂ€tze unterschiedlich groĂ sind.
- Merksatz: âErst summieren, dann teilen â nie erst teilen, dann mitteln."
- Drei Wagnis-Arten sauber trennen: Einzelwagnis (kalkulierbar, genau diese Rechnung) · versichertes Wagnis (NICHT zusĂ€tzlich kalkulieren, stattdessen die VersicherungsprĂ€mie als Grundkosten ansetzen â sonst Doppelerfassung) · allgemeines Unternehmerwagnis (NICHT kalkulierbar, wird ĂŒber den kalkulatorischen Gewinn abgegolten).
- Kalkulatorische Wagnisse sind Zusatzkosten â ihnen steht in der Periode kein gleich hoher Aufwand gegenĂŒber; die echten Verluste laufen als neutraler/auĂerordentlicher Aufwand.
13. Break-Even & ErfolgsgröĂen (Wirtschaftlichkeit, RentabilitĂ€t, Zielerreichung)
- Erkennungszeichen: StĂŒckpreis p, variable StĂŒckkosten kv, Fixkosten Kf, Menge x und ein Gewinnziel Gziel sind gegeben â gesucht sind ca. 8 Kennzahlen plus eine kurze Beurteilung.
- Symbole variieren je Klausur: db = ds, gs = g, ks = k, W = EZ, Z = EF â immer die in der Aufgabe verwendeten Buchstaben nehmen.
đ Die Grundidee in einem Satz: Aus fĂŒnf simplen Angaben (Preis, variable StĂŒckkosten, Fixkosten, Menge, Gewinnziel) baust du eine ganze Kennzahlen-Familie auf, die drei Fragen beantwortet: Wie viel bleibt ĂŒbrig? (Deckungsbeitrag, Gewinn), Wie effizient arbeite ich? (Wirtschaftlichkeit, RentabilitĂ€t) und Ab welcher Menge lohnt es sich / erreiche ich mein Ziel? (Break-Even, Zielmenge). Der Trick: fast alles baut auf einer einzigen GröĂe auf â dem StĂŒck-Deckungsbeitrag db = p â kv.
đ§± Die Bausteine (jede AbkĂŒrzung im Klartext):
| KĂŒrzel | Bedeutung in Alltagsdeutsch | Woher |
|---|---|---|
| p | Preis pro StĂŒck | gegeben |
| kv | variable StĂŒckkosten â Kosten, die pro zusĂ€tzlich produziertem StĂŒck anfallen (Material, Akkordlohn) | gegeben |
| Kf | Fixkosten â Kosten, die unabhĂ€ngig von der Menge anfallen (Miete, GehĂ€lter) | gegeben |
| x | (Plan-)Menge â wie viele StĂŒck produziert/verkauft werden | gegeben |
| Gziel | Gewinnziel â der angestrebte Gewinn | gegeben |
| E | Erlös (Umsatz) â alles, was reinkommt | = p Ă x |
| K | Gesamtkosten â Fixkosten plus alle variablen Kosten | = Kf + kv Ă x |
| db | StĂŒck-Deckungsbeitrag (= Deckungsspanne) â was ein StĂŒck nach Abzug seiner variablen Kosten zur Fixkostendeckung beitrĂ€gt | = p â kv |
| DB | Deckungsbeitrag gesamt â alle StĂŒck-db zusammen | = db Ă x (= E â Kv) |
| G | Gewinn â was nach ALLEN Kosten ĂŒbrig bleibt | = DB â Kf (= E â K) |
| gs | StĂŒckgewinn â Gewinn pro StĂŒck | = G Ă· x |
| ks | StĂŒckkosten â Gesamtkosten pro StĂŒck | = K Ă· x |
| W | Wirtschaftlichkeit (Effizienz) â wie viel Erlös je Euro Kosten | = E Ă· K (VerhĂ€ltniszahl!) |
| R | RentabilitĂ€t â Gewinn je Euro Kosten | = G Ă· K (in %) |
| Z | Zielerreichungsgrad (EffektivitĂ€t) â wie weit das Gewinnziel erreicht ist | = G Ă· Gziel (in %) |
| xBE | Break-Even-Menge â StĂŒckzahl, ab der die Fixkosten gedeckt sind (Gewinn = 0) | = Kf Ă· db |
| xZiel | Erfolgsziel-Menge â StĂŒckzahl, die das Gewinnziel bringt | = (Kf + Gziel) Ă· db |
Schritte. Beispielzahlen laufen durch: p = 38,00 âŹ, kv = 22,00 âŹ, Kf = 45.000,00 âŹ, x = 3.300 Stk, Gziel = 12.500,00 âŹ.
- Erlös 38 Ă 3.300 = 125.400,00 âŹ.
- Gesamtkosten 45.000 + 22 Ă 3.300 = 45.000 + 72.600 = 117.600,00 âŹ.
- StĂŒck-Deckungsbeitrag db = p â kv. 38 â 22 = 16,00 âŹ/Stk. Das ist der Hebel fĂŒr fast alles Folgende: jedes verkaufte StĂŒck wirft 16 ⏠ab, um die Fixkosten zu stemmen.
- Deckungsbeitrag gesamt DB = db Ă x (= E â Kv). 16 Ă 3.300 = 52.800,00 âŹ. Gegenprobe ĂŒber E â Kv: 125.400 â 72.600 = 52.800 â.
- Gewinn G = DB â Kf (= E â K). 52.800 â 45.000 = 7.800,00 âŹ. Gegenprobe ĂŒber E â K: 125.400 â 117.600 = 7.800 â.
- StĂŒckgewinn gs = G Ă· x und StĂŒckkosten ks = K Ă· x. gs = 7.800 Ă· 3.300 = 2,36 âŹ/Stk; ks = 117.600 Ă· 3.300 = 35,64 âŹ/Stk.
- Wirtschaftlichkeit W = E Ă· K â als VerhĂ€ltniszahl angeben, NICHT in Prozent. 125.400 Ă· 117.600 = 1,07. Lesart: je 1 ⏠Kosten kommen 1,07 ⏠Erlös rein.
- RentabilitĂ€t R = G Ă· K (Gewinn Ă· Kosten, NICHT Ă· Erlös!) â in Prozent. 7.800 Ă· 117.600 = 0,0663 = 6,63 %.
- Zielerreichungsgrad Z = G Ă· Gziel (tatsĂ€chlicher Gewinn Ă· Gewinnziel, NICHT DB Ă· Ziel) â in Prozent. 7.800 Ă· 12.500 = 0,624 = 62,40 %. Also: nur 62 % des Ziels erreicht.
- Kontrolle W = 1 + R (in Dezimalform). 1 + 0,0663 = 1,0663 â 1,07 = W â. Warum gilt das? W = E Ă· K und R = G Ă· K = (E â K) Ă· K = E/K â 1 = W â 1. Stellt man um, ist W = 1 + R â eine zwingende IdentitĂ€t. Kommt sie nicht raus, steckt ein Rechenfehler in E, K oder G. Achtung: R muss dafĂŒr in Dezimalform (0,0663), nicht in Prozent (6,63) eingesetzt werden.
- Break-Even-Menge xBE = Kf Ă· db. 45.000 Ă· 16 = 2.812,5 Stk â aufgerundet 2.813 Stk (kein halbes StĂŒck verkaufbar; unter dieser Menge Verlust, darĂŒber Gewinn).
- Erfolgsziel-Menge xZiel = (Kf + Gziel) Ă· db. (45.000 + 12.500) Ă· 16 = 57.500 Ă· 16 = 3.593,75 â 3.594 Stk. Diese Menge liegt ĂŒber der Planmenge 3.300 â das Gewinnziel ist mit der Planmenge nicht erreichbar (passt zu Z = 62,40 % < 100 %).
- Sicherheitsstrecke = x â xBE. 3.300 â 2.812,5 = 487,5 Stk. Sicherheitskoeffizient = Sicherheitsstrecke Ă· x = 487,5 Ă· 3.300 = 14,77 % â so weit darf die Menge fallen, bevor Verlust entsteht.
đą Vollbeispiel als Kennzahlen-Block:
| Kennzahl | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Erlös E | 38 à 3.300 | 125.400,00 ⏠|
| Gesamtkosten K | 45.000 + 22 à 3.300 | 117.600,00 ⏠|
| StĂŒck-DB db | 38 â 22 | 16,00 âŹ/Stk |
| DB gesamt | 16 à 3.300 | 52.800,00 ⏠|
| Gewinn G | 52.800 â 45.000 | 7.800,00 ⏠|
| StĂŒckgewinn gs | 7.800 Ă· 3.300 | 2,36 âŹ/Stk |
| StĂŒckkosten ks | 117.600 Ă· 3.300 | 35,64 âŹ/Stk |
| Wirtschaftlichkeit W | 125.400 Ă· 117.600 | 1,07 |
| RentabilitÀt R | 7.800 ÷ 117.600 | 6,63 % |
| Zielerreichung Z | 7.800 Ă· 12.500 | 62,40 % |
| Kontrolle W = 1 + R | 1 + 0,0663 | 1,07 â |
| Break-Even xBE | 45.000 Ă· 16 | 2.812,5 â 2.813 Stk |
| Zielmenge xZiel | 57.500 Ă· 16 | 3.593,75 â 3.594 Stk |
| Sicherheitsstrecke | 3.300 â 2.812,5 | 487,5 Stk |
| Sicherheitskoeffizient | 487,5 Ă· 3.300 | 14,77 % |
- Der gefĂ€hrlichste Fehler: R = Gewinn Ă· Erlös rechnen statt Gewinn Ă· Kosten. Warum ist das falsch? Gewinn Ă· Erlös ist die Umsatzrendite (wie viel vom Umsatz als Gewinn hĂ€ngen bleibt) â eine völlig andere Kennzahl. Die hier gemeinte RentabilitĂ€t misst, wie viel Gewinn du je eingesetztem Euro Kosten herausholst, also G Ă· K. Beide Werte sehen Ă€hnlich aus, sind aber unterschiedlich: 7.800 Ă· 117.600 = 6,63 % (richtig) gegenĂŒber 7.800 Ă· 125.400 = 6,22 % (falsch, das wĂ€re die Umsatzrendite).
- Gegenprobe (unschlagbar): die Kontrolle W = 1 + R muss aufgehen. Mit richtigem R: 1 + 0,0663 = 1,0663 = W â. Mit falschem R (Ă· Erlös): 1 + 0,0622 = 1,0622 â 1,0663 â die Kontrolle scheitert und verrĂ€t den Fehler sofort. Deshalb IMMER W = 1 + R rechnen.
- Merksatz: âRentabilitĂ€t fragt: was bringt mir mein Kosten-Einsatz? â durch die Kosten teilen, nicht durch den Umsatz."
- W nicht in Prozent angeben â reine VerhĂ€ltniszahl (1,07), Rohleder streicht die %-Schreibweise ausdrĂŒcklich an.
- Z = tatsĂ€chlicher Gewinn Ă· Gewinnziel â erst G = DB â Kf bilden, dann durch Gziel teilen, nicht DB direkt verwenden.
- Effizienz (Wirtschaftlichkeit W = E/K) â EffektivitĂ€t (Zielerreichung Z = G/Gziel): Effizienz = âdie Dinge richtig tun", EffektivitĂ€t = âdie richtigen Dinge tun" â Duden-Definitionen sind laut Rohleder hier falsch.
- Break-Even = Kf Ă· db, nicht Ă· StĂŒckpreis p. (Nur der db deckt Fixkosten, nicht der ganze Preis â ein Teil des Preises geht ja fĂŒr die variablen Kosten drauf.)
- ProfitabilitĂ€t (Gewinn > 0) â RentabilitĂ€t (Gewinn ausreichend im VerhĂ€ltnis zum Einsatz) â beide nicht gleichsetzen.
14. Kuppelkalkulation (nur Konzept â laut Rohleder NICHT gerechnet)
- Erkennungszeichen: âKuppelprodukte" â aus einem einzigen, technisch untrennbaren Prozess entstehen zwangslĂ€ufig mehrere Produkte gleichzeitig (z. B. Kokerei: Koks + Gas + Teer; Erdölraffinerie: Benzin + Diesel + Bitumen).
- Wichtig: Rohleder hat ausdrĂŒcklich gesagt, dass Kuppelkalkulation NIE als Rechenaufgabe drankommt (âIch habe das noch nie abgeprĂŒft. Ich werde das auch in Zukunft nicht abprĂŒfen."). Nur das Konzeptwissen â dass es diese Verfahren gibt und warum â kann gefragt sein, keine eigene Rechnung nötig.
đ Die Grundidee in einem Satz: Wenn ein Prozess zwangslĂ€ufig mehrere Produkte auf einmal ausspuckt, kannst du die gemeinsamen Kosten nicht sauber âdiesem" oder âjenem" Produkt zuordnen â du musst sie nach einer gewĂ€hlten Regel aufteilen, und weil es keine technisch richtige Aufteilung gibt, ist jede Methode nur eine Bewertungs-Konvention, keine âWahrheit".
đ§± Die Bausteine (jede AbkĂŒrzung im Klartext):
| KĂŒrzel | Bedeutung in Alltagsdeutsch | Woher |
|---|---|---|
| Kuppelkosten | die gemeinsamen Kosten des untrennbaren Prozesses, die auf alle Produkte zusammen anfallen | gegeben |
| Hauptprodukt | das wirtschaftlich dominierende Produkt (z. B. Koks) | aus Aufgabe erkennbar |
| Nebenprodukt(e) | die ânebenbei" anfallenden Produkte (z. B. Gas, Teer) | aus Aufgabe erkennbar |
| Nettoerlös | Marktpreis eines Nebenprodukts minus seine Weiterverarbeitungskosten | Marktpreis â Weiterverarbeitung |
| Marktwert | Menge Ă Marktpreis eines Produkts â MaĂstab fĂŒr die Verteilung | Menge Ă Preis |
Konzept in KĂŒrze (zum Verstehen, nicht zum Nachrechnen):
- Restwert-/Subtraktionsmethode: Ein Hauptprodukt trĂ€gt alle gemeinsamen Kuppelkosten, abzĂŒglich der Nettoerlöse (Marktpreis â Weiterverarbeitungskosten) der Nebenprodukte. Denkbild: âDie Nebenprodukte bringen ja auch etwas ein â das ziehe ich von den Kosten des Hauptprodukts ab." Passt, wenn ein Produkt klar dominiert und die anderen bloĂ Beiwerk sind.
- Verteilungs-/Marktwertmethode: Kein Produkt dominiert; die Kuppelkosten werden nach dem VerhĂ€ltnis der Marktwerte (Menge Ă Preis) auf alle Produkte verteilt. Denkbild: âWer am Markt mehr wert ist, trĂ€gt mehr von den gemeinsamen Kosten."
- Beide Verfahren sind reine Bewertungsentscheidungen, keine ârichtige" Lösung â sie verschieben nur, welches Produkt wie viel Kostenlast trĂ€gt. Am gesamten Kostenblock Ă€ndert sich nichts, nur an der Aufteilung.
- Der teuerste âFehler" ist hier Zeitverschwendung, kein Rechenfehler: Investiere in der Klausur KEINE Minute in eine Kuppelkalkulations-Rechnung â sie kommt laut Rohleder nachweislich nicht dran. Wer hier anfĂ€ngt zu rechnen, verliert Zeit, die bei den echten Rechenrezepten (1â13) fehlt.
- Was du stattdessen können musst: nur wissen, dass es die zwei Verfahren gibt und der grobe Unterschied â Restwertmethode = ein Hauptprodukt trĂ€gt die Last (Nebenerlöse abgezogen); Marktwertmethode = alle Produkte gleichrangig nach Marktwert. Und: es ist eine Bewertungswahl, keine objektiv ârichtige" Zuordnung.