Zuschlagskalkulation (differenzierende Zuschlagskalkulation)
Fach: Internes Rechnungswesen / Kosten- und Leistungsrechnung (KOLE) — Prof. Rohleder, TH Bingen Thema: Angebots- und Nachkalkulation im Industriebetrieb (Vorwärts-, Rückwärts- und Nachkalkulation)
Konventionen (Pflicht): Skonto/Rabatt „im Hundert“ (÷ (1 − Satz)), VwGK und VtGK auf die Herstellkosten, Gewinn und USt „auf Hundert“.
Lern- und Abschreib-Kapitel. Alle Rechenwege sind Zeile für Zeile nachvollziehbar. Rundung durchgehend auf 2 Nachkommastellen (Beträge
0,00 €, Prozente0,00 %). Formelzeichen als Text.
1. Das Kalkulationsschema
Verwendete Symbole
| Kürzel | Bedeutung | Bezugsbasis des Zuschlags |
|---|---|---|
| MEK | Materialeinzelkosten | — (Einzelkosten) |
| MGK | Materialgemeinkosten | % auf MEK |
| MK | Materialkosten | Summe MEK + MGK |
| FEK | Fertigungseinzelkosten | — (Einzelkosten) |
| FGK | Fertigungsgemeinkosten | % auf FEK |
| SEK-F | Sondereinzelkosten der Fertigung | — (Einzelkosten, direkt) |
| FK | Fertigungskosten | Summe FEK + FGK + SEK-F |
| HK | Herstellkosten (des Umsatzes) | Summe MK + FK |
| VwGK | Verwaltungsgemeinkosten | % auf HK |
| VtGK | Vertriebsgemeinkosten | % auf HK |
| SEK-V | Sondereinzelkosten des Vertriebs | — (Einzelkosten, direkt) |
| SK | Selbstkosten (des Umsatzes) | HK + VwGK + VtGK + SEK-V |
| Gewinn | Gewinnzuschlag | % auf SK |
| BVP | Barverkaufspreis | SK + Gewinn |
| Skonto | Kundenskonto | % „im Hundert“ (Basis = ZVP) |
| ZVP | Zielverkaufspreis | BVP + Skonto |
| Rabatt | Kundenrabatt / Vertriebsprovision | % „im Hundert“ (Basis = LVP) |
| LVP | Listenverkaufspreis (= Nettoangebotspreis, wenn keine Verpackung) | ZVP + Rabatt |
| USt | Umsatzsteuer | % auf Nettoangebotspreis |
| Brutto | Bruttoangebotspreis | Netto + USt |
Vollständiges Schema (Zeile für Zeile)
| Position | Kürzel | Zuschlagsbasis |
|---|---|---|
| Materialeinzelkosten | MEK | — |
| + Materialgemeinkosten | MGK | …% auf MEK |
| = Materialkosten | MK | |
| Fertigungseinzelkosten | FEK | — |
| + Fertigungsgemeinkosten | FGK | …% auf FEK |
| + Sondereinzelkosten Fertigung | SEK-F | — |
| = Fertigungskosten | FK | |
| = Herstellkosten | HK | = MK + FK |
| + Verwaltungsgemeinkosten | VwGK | …% auf HK |
| + Vertriebsgemeinkosten | VtGK | …% auf HK |
| + Sondereinzelkosten Vertrieb | SEK-V | — |
| = Selbstkosten | SK | |
| + Gewinn | …% auf SK | |
| = Barverkaufspreis | BVP | |
| + Kundenskonto | …% „im Hundert“, Basis ZVP | |
| = Zielverkaufspreis | ZVP | |
| + Kundenrabatt / Provision | …% „im Hundert“, Basis LVP | |
| = Listenverkaufspreis | LVP | (+ Verpackung/Versand, nur wenn angegeben) |
| = Nettoangebotspreis | ||
| + Umsatzsteuer | …% auf Netto | |
| = Bruttoangebotspreis |
Merksatz zur Reihenfolge: „MEK–MGK, FEK–FGK, dann Herstellkosten. Verwaltung + Vertrieb → Selbstkosten. Gewinn → Bar. Skonto → Ziel. Rabatt → Liste. Steuer → Brutto.“
Rohleder-Besonderheiten (aus den Altklausuren belegt)
Diese Konventionen sind in allen fünf Klausuren identisch — an den vorgegebenen Werten der Rückwärts-Klausur K2 nachgerechnet und in K4/K5 durch glatte Endergebnisse bestätigt:
- VwGK und VtGK werden BEIDE auf die Herstellkosten (HK) bezogen — nicht VtGK auf „HK + VwGK“. (Beleg K2: 14 % · HK = VwGK und 9 % · HK = VtGK stimmen exakt.)
- Skonto und Rabatt werden „im Hundert“ gerechnet (siehe Abschnitt 1.4). Das ist der häufigste Fehler.
- Gewinn wird auf die Selbstkosten (auf Hundert) gerechnet.
- SEK-F steht in den Fertigungskosten, SEK-V direkt vor den Selbstkosten. Sondereinzelkosten bekommen nie einen Gemeinkostenzuschlag.
- Privatkunde ⇒ Rechnungs-/Bruttopreis enthält USt; Gewerbekunde ⇒ oft nur bis Nettoangebotspreis gefragt.
Vorkalkulation vs. Nachkalkulation vs. Rückwärtskalkulation
- Vorkalkulation (vorwärts): Von den Kosten (MEK/FEK …) nach unten bis zum Angebotspreis rechnen. Man sucht den Preis. → K4, K5.
- Nachkalkulation: Der Preis/Erlös steht bereits fest (Kunde hat gezahlt). Man rechnet die Selbstkosten hoch und vergleicht mit dem Netto-Erlös → Gewinn oder Verlust. → K1, K3.
- Rückwärtskalkulation: Aus einem fertigen Kalkulationsblatt fehlende Zuschlagssätze rekonstruieren (Betrag ÷ Basis). → K2.
„Im Hundert“ vs. „auf Hundert“ — der Kern der Sache
| „auf Hundert“ (vom Hundert) | „im Hundert“ | |
|---|---|---|
| 100 %-Basis ist … | der kleinere Wert (der Ausgangswert) | der größere Wert (das Ergebnis) |
| Vorwärts-Rechnung | Ergebnis = Basis × (1 + p) | Ergebnis = Basis ÷ (1 − p) |
| Typische Anwendung | MGK, FGK, VwGK, VtGK, Gewinn, USt | Skonto, Rabatt/Provision |
Warum Skonto/Rabatt „im Hundert“? Der Kunde zieht Skonto vom Zielverkaufspreis und Rabatt vom Listenverkaufspreis ab — diese größeren Werte sind seine 100 %. Der Barverkaufspreis ist also (100 − Skonto%) des ZVP, der ZVP ist (100 − Rabatt%) des LVP.
FALSCH wäre BVP × 1,02 bzw. ZVP × 1,17 (das wäre „auf Hundert“ und ergibt zu wenig). Genau dieser Fehler steckt in der Musterlösung von K2 beim Rabatt (siehe Abschnitt 2.2).
✅ Gegen Rohleders offizielle Lösungsvorschläge verifiziert (U10 Aufgabe 1 · U12 Aufgabe 3). Beide Konventionen sind dort belegt: Skonto und Rabatt „im Hundert“ (U10 A1: Zielverkaufspreis = Barverkaufspreis ÷ (1 − 0,02), Listenverkaufspreis = Zielverkaufspreis ÷ (1 − 0,15); U12 A3: Zielverkaufspreis = 755.920 ÷ (1 − 0,03) = 779.298,97, Listenverkaufspreis = ÷ (1 − 0,05) = 820.314,70). VwGK und VtGK beide auf die Herstellkosten (U10 A1: VwGK = HK 500.000 × 0,05, VtGK = HK 500.000 × 0,056 — nicht auf HK + VwGK). Gewinn „auf Hundert“ auf die Selbstkosten und USt „auf Hundert“ auf den Nettoangebotspreis (U10 A1, U12 A3).
2. Gelöste Klausur-Aufgaben
Gemeinsame [Annahme] für K1 und K3: Umsatzsteuersatz 19 %. Der Satz ist im Aufgabentext nicht genannt, aber es handelt sich um einen Privatkunden und der überwiesene Rechnungsbetrag ist damit ein Bruttobetrag. Die Annahme wird bestätigt, weil sie zu glatten Kennzahlen führt (K1: Umsatzrendite exakt 18,00 %; K3: Gewinnzuschlag exakt 4,00 %). Bei anderem Satz stünden diese runden Werte nicht.
Nachkalkulation, Gewinn/Verlust + Umsatzrendite
Gegeben: FEK 524,00 €; MEK 138,00 €; FGK 450 %; MGK 140 %; VwGK 8 %; VtGK 7 %; Reisekosten (Kulanz, nicht abgerechnet) 1.251,50 €; Rechnungsbetrag (überwiesen 01.08.2024) 7.178,44 €.
Gefragt: a) Ermitteln Sie, ob ein Gewinn oder Verlust vorliegt, und berechnen Sie die Umsatzrendite. · b) Beurteilen Sie, ob es ein gutes Geschäft war.
a) Gewinn/Verlust und Umsatzrendite
Schritt 1 — Selbstkosten hochrechnen:
| Position | Rechnung | Betrag |
|---|---|---|
| MEK | — | 138,00 € |
| + MGK 140 % (auf MEK) | 138,00 × 1,40 | 193,20 € |
| = MK | 138,00 + 193,20 | 331,20 € |
| FEK | — | 524,00 € |
| + FGK 450 % (auf FEK) | 524,00 × 4,50 | 2.358,00 € |
| = FK | 524,00 + 2.358,00 | 2.882,00 € |
| = HK | 331,20 + 2.882,00 | 3.213,20 € |
| + VwGK 8 % (auf HK) | 3.213,20 × 0,08 | 257,06 € |
| + VtGK 7 % (auf HK) | 3.213,20 × 0,07 | 224,92 € |
| + SEK-V: Reisekosten Kulanz | — | 1.251,50 € |
| = Selbstkosten (SK) | 3.213,20 + 257,06 + 224,92 + 1.251,50 | 4.946,68 € |
Schritt 2 — Netto-Erlös aus dem Rechnungsbetrag (Brutto ÷ 1,19; kein Rabatt/Skonto genannt ⇒ Netto = Barverkaufspreis):
Schritt 3 — Ergebnis:
Ergebnis K1: ACME erzielt einen Gewinn von 1.085,62 € bei einer Umsatzrendite von 18,00 %.
b) War es ein gutes Geschäft? Ja. Trotz der 1.251,50 € Kulanz-Reisekosten (die den Gewinn direkt schmälern) bleibt eine Umsatzrendite von 18,00 % — das liegt deutlich über einer üblichen Industrie-Umsatzrendite. Ohne die Kulanzkosten wäre der Gewinn 1.085,62 € + 1.251,50 € = 2.337,12 € gewesen; die Kulanz war also der Preis der Kundenbindung, das Geschäft trägt sie problemlos.
Rückwärtskalkulation: fehlende Prozentsätze
Gegeben (vorgegebenes Kalkulationsblatt): MEK 250,00 € · MGK 125 % → 312,50 € · MK 562,50 € · FEK 1.310,00 € · FGK ? → 8.646,00 € · SEK-F 0,00 € · FK 9.956,00 € · HK 10.518,50 € · VwGK 14 % → 1.472,59 € · VtGK 9 % → 946,67 € · SEK-V 123,33 € · SK 13.061,09 € · Gewinn 15 % → 1.959,16 € · BVP 15.020,25 € · Skonto ? → 228,73 € · ZVP 15.248,98 € · Rabatt/Provision ? → 5.082,99 € · LVP 20.331,97 € · Verpackung/Versand 49,00 € · Nettoangebotspreis 20.380,97 € · USt ? → 2.853,34 € · Bruttoangebotspreis 23.234,31 €.
Gesucht: FGK, Skonto, Rabatt, USt (jeweils Betrag ÷ passende Basis).
FGK — Zuschlag „auf Hundert“ auf FEK:
Skonto — „im Hundert“, Basis = Zielverkaufspreis (der größere Wert):
Rabatt/Provision — „im Hundert“, Basis = Listenverkaufspreis (der größere Wert):
USt — „auf Hundert“ auf den Nettoangebotspreis:
Ergebnis K2: FGK = 660,00 % · Skonto = 1,50 % · Rabatt = 25,00 % · USt = 14,00 %.
⚠️ Abweichung zur handschriftlichen Lösung im Bild: Handschriftlich sind eingetragen FGK 660 % (✓), Skonto 1,5 % (✓), Rabatt 33,3 % und USt 14 % (✓). Die 33,3 % beim Rabatt sind falsch. 33,3 % entstehen, wenn man den Rabattbetrag „auf Hundert“ auf den Zielverkaufspreis bezieht (5.082,99 € ÷ 15.248,98 € = 33,33 %). Rabatt ist aber „im Hundert“ (Basis = Listenverkaufspreis) → 25,00 %. Nur mit 25,00 % reproduziert man das vorgegebene Blatt exakt (15.248,98 ÷ 0,75 = 20.331,97 €); mit 33,3 % käme 22.861,29 € heraus, was nicht zum Blatt passt. Die Randnotiz „(1 − 0,333) im Hundert“ ist entsprechend ein Rechenfehler. Für die Klausur gilt: Rabatt = 25,00 %.
Nachkalkulation, Gewinn/Verlust prozentual + absolut
Gegeben: FEK 638,00 €; MEK 249,00 €; FGK 550 %; MGK 140 %; VwGK 8 %; VtGK 7 %; Reisekosten (Kulanz) 344,00 €; Rechnungsbetrag 7.178,44 € (überwiesen 01.08.2023).
Gefragt: a) Ermitteln Sie den Gewinn oder Verlust prozentual und absolut. · b) Beurteilen Sie, ob es ein gutes Geschäft war.
a) Gewinn/Verlust prozentual und absolut
| Position | Rechnung | Betrag |
|---|---|---|
| MEK | — | 249,00 € |
| + MGK 140 % | 249,00 × 1,40 | 348,60 € |
| = MK | 249,00 + 348,60 | 597,60 € |
| FEK | — | 638,00 € |
| + FGK 550 % | 638,00 × 5,50 | 3.509,00 € |
| = FK | 638,00 + 3.509,00 | 4.147,00 € |
| = HK | 597,60 + 4.147,00 | 4.744,60 € |
| + VwGK 8 % (auf HK) | 4.744,60 × 0,08 | 379,57 € |
| + VtGK 7 % (auf HK) | 4.744,60 × 0,07 | 332,12 € |
| + SEK-V: Reisekosten Kulanz | — | 344,00 € |
| = Selbstkosten (SK) | 4.744,60 + 379,57 + 332,12 + 344,00 | 5.800,29 € |
Netto-Erlös:
Ergebnis: (zum Vergleich Umsatzrendite: 232,01 € ÷ 6.032,30 € = 3,85 %)
Ergebnis K3: Gewinn 232,01 € absolut, das entspricht einem Gewinnzuschlag von 4,00 % auf die Selbstkosten (bzw. 3,85 % Umsatzrendite).
b) War es ein gutes Geschäft? Grenzwertig. Mit nur 4,00 % Gewinnzuschlag / 3,85 % Umsatzrendite ist die Marge dünn. Die Kulanz-Reisekosten von 344,00 € haben den Gewinn spürbar gedrückt (ohne sie: 576,01 € Gewinn ≈ 10,56 % auf die dann um 344 € niedrigeren Selbstkosten). Es war knapp profitabel, aber kein starkes Geschäft — bei geringfügig höheren Kulanzkosten wäre es in den Verlust gekippt.
Vorkalkulation: Bruttoangebotspreis
Gegeben: FEK 2.200,00 €; MEK 650,00 €; SEK-F 1.243,95 €; FGK 653 %; MGK 125 %; VwGK 14 %; VtGK 12 %; Rabatt 17 %; Skonto 2 %; Gewinn 14 %. Privatkunde ⇒ USt 19 % [Annahme].
Gefragt: Ermitteln Sie den Bruttoangebotspreis (Vorkalkulation über das vollständige Zuschlagsschema).
| Position | Rechnung | Betrag |
|---|---|---|
| MEK | — | 650,00 € |
| + MGK 125 % | 650,00 × 1,25 | 812,50 € |
| = MK | 1.462,50 € | |
| FEK | — | 2.200,00 € |
| + FGK 653 % | 2.200,00 × 6,53 | 14.366,00 € |
| + SEK-F | — | 1.243,95 € |
| = FK | 2.200,00 + 14.366,00 + 1.243,95 | 17.809,95 € |
| = HK | 1.462,50 + 17.809,95 | 19.272,45 € |
| + VwGK 14 % (auf HK) | 19.272,45 × 0,14 | 2.698,14 € |
| + VtGK 12 % (auf HK) | 19.272,45 × 0,12 | 2.312,69 € |
| = SK | 19.272,45 + 2.698,14 + 2.312,69 | 24.283,28 € |
| + Gewinn 14 % (auf SK) | 24.283,28 × 0,14 | 3.399,66 € |
| = Barverkaufspreis (BVP) | 24.283,28 + 3.399,66 | 27.682,94 € |
| + Skonto 2 % (im Hundert) | ZVP = 27.682,94 ÷ 0,98 → Skonto = 564,96 € | 564,96 € |
| = Zielverkaufspreis (ZVP) | 27.682,94 ÷ 0,98 | 28.247,90 € |
| + Rabatt 17 % (im Hundert) | LVP = 28.247,90 ÷ 0,83 → Rabatt = 5.785,71 € | 5.785,71 € |
| = Listenverkaufspreis = Nettoangebotspreis | 28.247,90 ÷ 0,83 | 34.033,61 € |
| + USt 19 % (auf Netto) | 34.033,61 × 0,19 | 6.466,39 € |
| = Bruttoangebotspreis | 34.033,61 + 6.466,39 | 40.500,00 € |
Ergebnis K4: Der Bruttoangebotspreis beträgt 40.500,00 € (das glatte Ergebnis bestätigt Schema, Skonto/Rabatt „im Hundert“ und USt 19 %).
Vorkalkulation: Nettoangebotspreis
Gegeben: MEK 750,00 €; FEK 2.500,00 €; SEK-V 847,43 €; MGK 120 %; FGK 700 %; VwGK 14 %; VtGK 12 %; Rabatt 15 %; Skonto 2 %; Gewinn 15 %. Gewerbekunde ⇒ nur bis Nettoangebotspreis (keine USt).
Gefragt: Ermitteln Sie den Nettoangebotspreis (Vorkalkulation; Gewerbekunde ⇒ kein Bruttopreis gefragt).
| Position | Rechnung | Betrag |
|---|---|---|
| MEK | — | 750,00 € |
| + MGK 120 % | 750,00 × 1,20 | 900,00 € |
| = MK | 1.650,00 € | |
| FEK | — | 2.500,00 € |
| + FGK 700 % | 2.500,00 × 7,00 | 17.500,00 € |
| = FK | 2.500,00 + 17.500,00 | 20.000,00 € |
| = HK | 1.650,00 + 20.000,00 | 21.650,00 € |
| + VwGK 14 % (auf HK) | 21.650,00 × 0,14 | 3.031,00 € |
| + VtGK 12 % (auf HK) | 21.650,00 × 0,12 | 2.598,00 € |
| + SEK-V | — | 847,43 € |
| = SK | 21.650,00 + 3.031,00 + 2.598,00 + 847,43 | 28.126,43 € |
| + Gewinn 15 % (auf SK) | 28.126,43 × 0,15 | 4.218,96 € |
| = Barverkaufspreis (BVP) | 28.126,43 + 4.218,96 | 32.345,39 € |
| + Skonto 2 % (im Hundert) | ZVP = 32.345,39 ÷ 0,98 → Skonto = 660,11 € | 660,11 € |
| = Zielverkaufspreis (ZVP) | 32.345,39 ÷ 0,98 | 33.005,50 € |
| + Rabatt 15 % (im Hundert) | LVP = 33.005,50 ÷ 0,85 → Rabatt = 5.824,50 € | 5.824,50 € |
| = Listenverkaufspreis = Nettoangebotspreis | 33.005,50 ÷ 0,85 | 38.830,00 € |
Ergebnis K5: Der Nettoangebotspreis beträgt 38.830,00 € (glattes Ergebnis bestätigt die Rechnung). Ein Bruttopreis wird nicht gefragt (Gewerbekunde).
3. Typische Fallen (Prüfungs-Checkliste)
- Skonto/Rabatt „im Hundert“ statt „auf Hundert“. Vorwärts ÷ (1 − p), nicht × (1 + p). Rabatt-Basis ist der Listenverkaufspreis, Skonto-Basis der Zielverkaufspreis (jeweils der größere Wert). → Genau dieser Fehler steckt in der Musterlösung von K2 (33,3 % statt korrekt 25,00 %).
- VwGK und VtGK beide auf die Herstellkosten — VtGK nicht auf „HK + VwGK“. (Rohleder-Konvention, in K2 nachgewiesen.)
- Sondereinzelkosten (SEK-F, SEK-V) bekommen keinen Zuschlag. SEK-F in die Fertigungskosten, SEK-V direkt vor die Selbstkosten. Nie mit % belegen.
- Umsatzrendite = Gewinn ÷ Netto-Umsatz — nicht ÷ Selbstkosten (das wäre der Gewinnzuschlag) und nicht ÷ Bruttoumsatz. Sauber unterscheiden: Gewinnzuschlagssatz (auf SK, „auf Hundert“) vs. Umsatzrendite (auf Netto-Erlös).
- Privatkunde ⇒ Rechnungsbetrag ist brutto. Für die Nachkalkulation erst ÷ 1,19 rechnen, um den Netto-Erlös (= Barverkaufspreis, wenn kein Rabatt/Skonto) zu erhalten, dann mit den Selbstkosten vergleichen.
- Kulanz-/Reisekosten, die „nicht abgerechnet“ wurden, sind Kosten (mindern den Gewinn), aber kein Erlös. Als SEK-V in die Selbstkosten aufnehmen — nicht auf den Rechnungsbetrag addieren.
- Rundung erst am Ende jeder Zwischensumme auf 2 Nachkommastellen. Prozentsätze ebenfalls auf 0,00 %.
- Gemeinkostenzuschlag = Gemeinkostenbetrag ÷ Einzelkostenbasis (Rückwärtskalkulation): FGK ÷ FEK, MGK ÷ MEK, VwGK bzw. VtGK ÷ HK.
5. Exkurs: Skontogewinn bei Fremdfinanzierung (Skontoausnutzung beim Einkauf)
Einordnung: Keine der fünf oben durchgerechneten Altklausuren prüft dieses Thema — es ist kein Bestandteil des Kern-Kalkulationsschemas (Abschnitt 1) und in keinem der GEPRÜFT-Belege K1–K5 enthalten. Es taucht aber als eigenes Tabellenblatt („Skonto debitorisch") direkt neben dem Kalkulationsschema im offiziellen Excel-Anhang zu U11 auf (identisch auch im Foliensatz-Text
KOLE 26SS U11 Zuschlagskalkulation V2.6) und wird deshalb hier als Exkurs ergänzt, nicht als Teil des geprüften Kalkulationsschemas.
Frage dahinter: Ein Lieferant gewährt Skonto bei schneller Zahlung (z. B. 3 % bei Zahlung innerhalb 10 statt 30 Tagen). Lohnt es sich, den Rechnungsbetrag kurzfristig über einen Kontokorrentkredit vorzufinanzieren, um früh zu zahlen und den Skonto zu ziehen?
Rechenweg (vereinfachter/linearer effektiver Jahreszins des Skontoverzichts):
Zahlenbeispiel aus dem Excel-Anhang:
| Position | Rechnung | Wert |
|---|---|---|
| Bruttobetrag | — | 5.000,00 € |
| Skonto (3 %) | 5.000,00 × 0,03 | 150,00 € |
| Zahlbetrag bei Skontoausnutzung | 5.000,00 − 150,00 | 4.850,00 € |
| Zahlungsziel ohne Abzug | — | 30 Tage |
| Zahlungsziel mit Skonto | — | 10 Tage |
| Laufzeit der Zwischenfinanzierung | 30 − 10 | 20 Tage |
| Effektivzins Skonto | 3 % × 360 / 20 | 54,00 % |
| Zinssatz Kontokorrentkredit | — | 14,00 % |
| Finanzierungskosten | 4.850,00 × 0,14 × 20/360 | 37,72 € |
| Skontogewinn bei Fremdfinanzierung | 150,00 − 37,72 | 112,28 € |
Entscheidungslogik: Der effektive Jahreszins des Skontos (54,00 %) liegt weit über dem Kontokorrentzinssatz (14,00 %). Es lohnt sich daher, die Rechnung kurzfristig über den Kontokorrentkredit zu finanzieren, früh zu zahlen und den Skonto zu ziehen — Nettovorteil 112,28 € gegenüber dem Verzicht auf den Skonto.
[Hinweis]Dies ist die vereinfachte/lineare Formel (360-Tage-Jahr, keine Zinseszins rechnung) — nicht zu verwechseln mit exakteren Effektivzins-Methoden (z. B. Interner-Zinsfuß- Iteration), wie sie im FINA-Kurs (Dossier U18) für denselben Skonto-Sachverhalt zusätzlich gegengerechnet werden. Für die KOLE-Klausur reicht die lineare Formel oben.
Quelle (Primärtext): Rohleder-Blog, "Zuschlagskalkulation" V2.6 (Excel).