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📉 Kostenauflösung · Plankostenrechnung

KOLE — Kosten- & Leistungsrechnung · Prof. Rohleder · 80 P / 80 min / 7 Aufgaben

Farb-Legende (gilt überall gleich): Material · Fertigung · Verwaltung/Vertrieb · Sondereinzelkosten · Herstell-/Selbstkosten · Einzelkosten · Gemeinkosten · Fixkosten · variable Kosten · Deckungsbeitrag

Kostenauflösung · Beschäftigungsgrade · Flexible Plankostenrechnung (KOLE / INRE, Prof. Rohleder)

Themen (die drei anspruchsvollsten Rechenblöcke):

  • (A) Kostenauflösung / Kostenspaltung von Mischkosten + Kostenprognose (K4 A1)
  • (B) Rechnen mit Beschäftigungsgraden — lineare Kostenverläufe (K5 A3)
  • (C) Flexible Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis — Abweichungsanalyse (K5 A6)

Kontrollwerte zum Selbst-Check: Kostenauflösung Zweipunkt kv 0,0383, Kf 24.328,33. Abweichungsanalyse: Verbrauchsabw. = Ki − Sollkosten, Beschäftigungsabw. = Sollkosten − verrechnete Plankosten. Hinweis: ein Altklausur-Datenwert P4 (8.750,50 € vs. glatt 8.740,50 €) ist ohne offiziellen Schlüssel nicht eindeutig auflösbar — als solcher markiert.


Teil A — Kostenauflösung / Kostenspaltung + Prognose

Kostenauflösung / Kostenspaltung — Worum geht es?

Mischkosten enthalten einen fixen und einen variablen Anteil (z. B. Stromkosten: Grundgebühr + verbrauchsabhängiger Teil). Die Kostenauflösung (= Kostenspaltung) zerlegt die beobachteten Gesamtkosten in beide Anteile, damit man die lineare Kostenfunktion aufstellen kann:

K=Kf+kvxK = K_f + k_v \cdot x

Symbol Bedeutung Einheit
K Gesamtkosten (Mischkosten) einer Periode
Kf Fixkosten (beschäftigungsunabhängig, Achsenabschnitt)
kv variable Stückkosten (Steigung der Kostengerade) €/Stück
x Ausbringungs-/Beschäftigungsmenge Stück

Drei Verfahren der Kostenauflösung:

  1. Buchtechnische Methode — Kostenarten werden per Erfahrung/Konto als fix bzw. variabel eingeordnet. (Nicht in dieser Aufgabe.)
  2. Mathematische Methode = Zwei-Punkte-Verfahren — aus zwei Wertepaaren wird die Gerade bestimmt:

kv=K2K1x2x1(Steigung=ΔK/Δx)k_v = \frac{K_2 - K_1}{x_2 - x_1} \quad (\text{Steigung} = \Delta K / \Delta x) Kf=K1kvx1(=K2kvx2)(Achsenabschnitt)K_f = K_1 - k_v \cdot x_1 \;(= K_2 - k_v \cdot x_2) \quad (\text{Achsenabschnitt})

Sonderfall Hoch-Tief-Methode (High-Low): man nimmt gezielt den Punkt mit der kleinsten und der größten Menge. Steht in der Aufgabe, welche Perioden zu nehmen sind, gilt diese Vorgabe (hier: Periode 1 und Periode 4).

  1. Statistische Methode = lineare Regression (Methode der kleinsten Quadrate) — nutzt alle Wertepaare und legt die Gerade so, dass die Summe der quadrierten Abstände minimal wird. In Excel über STEIGUNG (kv) und ACHSENABSCHNITT (Kf).

Kostenprognose: Ist die Funktion K = Kf + kv · x bekannt, setzt man die geplante Menge ein → Prognosekosten. Interpolation (Menge liegt innerhalb des beobachteten Bereichs) ist relativ verlässlich, Extrapolation (außerhalb) riskant.

Gegen Rohleders offiziellen Lösungsvorschlag verifiziert (U06 Aufgabe 2 „Mischkosten“). Rohleders Rechenweg deckt sich exakt mit dem obigen Verfahrensbild: Zweipunktverfahren kv = ΔK/Δx mit den beiden aktuellsten Datensätzen (U06: kv = (25.210 − 24.980)/(23.000 − 17.000) = 0,0383 €/Stück, Kf = 24.980 − 0,0383·17.000 = 24.328,33 €), Regression über =STEIGUNG (kv) und =ACHSENABSCHNITT (Kf), sowie die reine Kostenprognose per =PROGNOSE.LINEAR ohne vorherige Kostenspaltung. Die drei Prognosen für die Folgemenge liegen bei Interpolation eng beieinander (U06 x = 22.000: Zweipunkt 25.171,67 · Regression 25.279,27 · PROGNOSE.LINEAR 25.191,67). Rohleder mahnt ausdrücklich, die per Regression je Kostenart berechneten variablen Stückkosten nicht stumpf zu übernehmen (negative/unplausible kv → Kopf einschalten, ggf. Mittelwert) — genau die Warnung aus Teil e).


Aufgabe K4 A1 — voll durchgerechnet

Gegeben (Mischkosten, letzte 4 Perioden):

Periode Menge x [Stück] Gesamtkosten K [€]
1 14.300 7.902,00
2 18.500 9.708,00
3 19.750 10.245,50
4 16.250 8.750,50

Gefragt: a) Variable Stückkosten kv und Fixkosten Kf per Zwei-Punkte-Verfahren aus den Perioden 1 und 4 ermitteln (4 P.) · b) Gesamtkosten für Periode 5 (x = 19.000 Stück) prognostizieren (2 P.) · c) Excel-Funktion für die variablen Stückkosten nennen (1 P.) · d) Excel-Funktion für die Fixkosten nennen (1 P.) · e) Zwei Gründe nennen, warum eine mathematische/statistische Kostenprognose zu Fehlentscheidungen führen kann (4 P.)


a) Variable Stückkosten & Fixkosten — mathematische Methode (Perioden 1 und 4) — 4 P.

Vorgabe: von Periode 1 und Periode 4 ausgehen → Zwei-Punkte-Verfahren mit P1 = (14.300 Stück; 7.902,00 €) und P4 = (16.250 Stück; 8.750,50 €).

Schritt 1 — variable Stückkosten (Steigung):

kv=K4K1x4x1=8.750,507.902,0016.25014.300=848,501.950=0,4351€/Stück0,44€/Stückk_v = \frac{K_4 - K_1}{x_4 - x_1} = \frac{8.750{,}50 - 7.902{,}00}{16.250 - 14.300} = \frac{848{,}50}{1.950} = 0{,}4351\ \text{€/Stück} \approx 0{,}44\ \text{€/Stück}

Schritt 2 — Fixkosten (Achsenabschnitt), Einsetzen in P1:

Kf=K1kvx1=7.902,000,43512814.300=7.902,006.222,33=1.679,67K_f = K_1 - k_v \cdot x_1 = 7.902{,}00 - 0{,}435128 \cdot 14.300 = 7.902{,}00 - 6.222{,}33 = 1.679{,}67\ \text{€}

(kv hier ungerundet mit 0,435128 einsetzen — der gerundete Anzeigewert 0,4351 würde 6.221,93 ergeben und das Folgeergebnis leicht verschieben.)

Kontrolle mit P4: Kf = 8.750,50 − 0,435128 · 16.250 = 8.750,50 − 7.070,83 = 1.679,67 €

Ergebnis a): kv0,44 €/Stück (exakt 0,4351 €/Stück) · Kf1.679,67 € Kostenfunktion: K = 1.679,67 € + 0,4351 €/Stück · x

⚠️ Rechenhinweis (Rundung): kv fällt hier nicht glatt aus. Rechne mit dem ungerundeten kv (0,4351…) weiter und runde erst das Endergebnis — sonst weicht Kf um bis zu ~70 € ab (mit hart gerundetem kv = 0,44 käme Kf = 1.610,00 € heraus). In der Klausur den ungerundeten Zwischenwert stehenlassen.


b) Prognose Gesamtkosten Periode 5, x = 19.000 Stück — 2 P.

19.000 Stück liegt innerhalb des beobachteten Bereichs [14.300; 19.750] → Interpolation (vergleichsweise verlässlich).

K5=Kf+kvx5=1.679,67+0,435119.000=1.679,67+8.267,44=9.947,11K_5 = K_f + k_v \cdot x_5 = 1.679{,}67 + 0{,}4351 \cdot 19.000 = 1.679{,}67 + 8.267{,}44 = 9.947{,}11\ \text{€}

Ergebnis b): Prognose K₅ ≈ 9.947,11 € (Mit der glatten Alternativ-Funktion K = 1.753 + 0,43·x: K₅ = 1.753 + 8.170 = 9.923,00 € — falls P4 = 8.740,50 zutrifft. Mit der Regressionsfunktion aus c)/d): ≈ 9.924,53 €. Alle drei liegen eng beieinander, weil interpoliert wird.)


c) Excel-Funktion für die variablen Stückkosten — 1 P.

=STEIGUNG(Y-Werte; X-Werte) (englisch SLOPE) → liefert die Steigung der Regressionsgeraden = variable Stückkosten kv. Konkret: =STEIGUNG(K-Spalte; x-Spalte). Über alle 4 Perioden: kv ≈ 0,43 €/Stück (exakt 0,4295 €/Stück).

d) Excel-Funktion für die Fixkosten — 1 P.

=ACHSENABSCHNITT(Y-Werte; X-Werte) (englisch INTERCEPT) → liefert den y-Achsenabschnitt der Regressionsgeraden = Fixkosten Kf. Konkret: =ACHSENABSCHNITT(K-Spalte; x-Spalte). Über alle 4 Perioden: Kf ≈ 1.764,84 €.

(Merkhilfe: Steigung = Stückkosten variabel; Achsenabschnitt = fixer Anteil. Beide Funktionen nutzen — anders als das Zwei-Punkte-Verfahren — alle Datenpunkte, daher leicht andere Werte als in a).)


e) Zwei Gründe, warum eine Kostenprognose mit math./statistischen Verfahren zu Fehlentscheidungen führen kann — 4 P.

  1. Vergangenheitsorientierung / Strukturbrüche. Die Verfahren schreiben historische Kostenverläufe in die Zukunft fort. Bei Strukturbrüchen — Energiepreis- und Rohstoffschocks, Inflation, Lohnsteigerungen, Lieferkettenstörungen, Technologie-/Prozesswechsel — gilt der alte Zusammenhang nicht mehr. Die Prognose ist dann systematisch verzerrt, obwohl sie rechnerisch „exakt“ wirkt.

  2. Linearitätsannahme. Unterstellt wird ein linearer Verlauf (K = Kf + kv·x). Real sind Kosten oft nicht-linear: Mengenrabatte, Sprungfixkosten bei Kapazitätserweiterung, Überstunden-/Nachtzuschläge, Lernkurveneffekte. Gerade bei Mengen außerhalb des Beobachtungsbereichs (Extrapolation) liegt die Gerade daneben.

(Weitere zulässige Gründe, falls einer der oberen nicht zieht: sehr kleine Datenbasis (nur 4 Perioden) → Zufallsschwankungen/Ausreißer verzerren stark; nur ein Kosteneinflussfaktor (Menge) berücksichtigt, andere Treiber (Produktmix, Losgröße) ignoriert; Scheinkorrelation ohne Ursache-Wirkungs-Prüfung.)


Teil B — Rechnen mit Beschäftigungsgraden

Beschäftigungsgrade — Worum geht es?

Der Beschäftigungsgrad (BG) misst die Kapazitätsauslastung:

BG=Ist-BeschäftigungPlan-Beschäftigung100%BG = \frac{\text{Ist-Beschäftigung}}{\text{Plan-Beschäftigung}} \cdot 100\,\%

Bei linearem Kostenverlauf verhalten sich die Größen bei BG-Änderung so:

Größe Verhalten bei sinkendem BG Grund
variable Stückkosten kv konstant pro Stück gleich, egal wie viele Stück
Preis p, Stückdeckungsbeitrag db konstant Marktpreis / db = p − kv unverändert
gesamte variable Kosten Kv sinken proportional Kv = kv · x
gesamte Fixkosten Kf konstant beschäftigungsunabhängig
fixe Stückkosten kf steigen Kf / x — Fixkosten auf weniger Stück verteilt
Gesamt-Stückkosten k steigen k = kv + kf

Fixkostendegression: Je höher die Menge, desto kleiner die fixen Stückkosten (Fixkosten „verdünnen“ sich). Umgekehrt: fällt die Beschäftigung, steigen die fixen Stückkosten — der gefährliche Effekt bei Unterauslastung.

Kostenremanenz (Praxis-Caveat): Die Modellannahme „Fixkosten bleiben bei sinkender Beschäftigung exakt konstant“ ist idealisiert. Real reagieren Fixkosten nach unten träge (Kündigungsfristen, Abschreibungen, langfristige Verträge): Bei Beschäftigungsrückgang bleiben sie zunächst „kleben“ (remanent) und sinken erst verzögert. In der Klausur wird linear/konstant gerechnet — die Remanenz ist ein Beurteilungspunkt.

Symbole:

Symbol Größe Formel
x Menge BG · x(Plan)
U Umsatzerlöse p · x
p Preis pro Stück U / x
Kv gesamte variable Kosten kv · x
kv variable Stückkosten Kv / x
kf fixe Stückkosten Kf / x
Kf gesamte Fixkosten konstant
K Gesamtkosten Kv + Kf
k Kosten pro Stück K / x = kv + kf
DB Deckungsbeitrag gesamt U − Kv = db · x
db Deckungsbeitrag pro Stück p − kv = DB / x
BE Betriebsergebnis U − K = DBKf

Aufgabe K5 A3 — voll durchgerechnet

Gegeben — Szenario 2 = 100 % (weitgehend vorgegeben), Szenario 1 = 65 % (BG). Gegebene (gedruckte) Anker: x=500.000, U=5.500.000, Kv=2.500.000, kv=5,00 (alle Szenario 2) sowie BE(Sz2)=400.000. Rest ist zu berechnen.

Gefragt: Ermitteln Sie alle fehlenden Kostengrößen (U, p, Kv, kv, Kf, kf, K, k, DB, db, BE) für Szenario 1 (65 %) ausgehend von den Szenario-2-Daten (100 %) und interpretieren Sie das Ergebnis, u. a. die Break-Even-Menge (10 P.).

Schritt 0 — Struktur aus Szenario 2 (100 %) ableiten:

p=Ux=5.500.000500.000=11,00€/Stückp = \frac{U}{x} = \frac{5.500.000}{500.000} = 11{,}00\ \text{€/Stück} kv=Kvx=2.500.000500.000=5,00€/Stückk_v = \frac{K_v}{x} = \frac{2.500.000}{500.000} = 5{,}00\ \text{€/Stück} Kf=UKvBE=5.500.0002.500.000400.000=2.600.000K_f = U - K_v - BE = 5.500.000 - 2.500.000 - 400.000 = 2.600.000\ \text{€} db=pkv=11,005,00=6,00€/Stückdb = p - k_v = 11{,}00 - 5{,}00 = 6{,}00\ \text{€/Stück}

Schritt 1 — Szenario 1 (65 %) über den Beschäftigungsgrad:

x1=0,65500.000=325.000Stückx_1 = 0{,}65 \cdot 500.000 = 325.000\ \text{Stück} kv=5,00€/Stück(konstant)Kv1=5,00325.000=1.625.000k_v = 5{,}00\ \text{€/Stück}\ (\text{konstant}) \;\Rightarrow\; K_{v1} = 5{,}00 \cdot 325.000 = 1.625.000\ \text{€} p=11,00€/Stück(konstant)U1=11,00325.000=3.575.000p = 11{,}00\ \text{€/Stück}\ (\text{konstant}) \;\Rightarrow\; U_1 = 11{,}00 \cdot 325.000 = 3.575.000\ \text{€} Kf=2.600.000(konstant)K_f = 2.600.000\ \text{€}\ (\text{konstant}) kf1=Kfx1=2.600.000325.000=8,00€/Stückk_{f1} = \frac{K_f}{x_1} = \frac{2.600.000}{325.000} = 8{,}00\ \text{€/Stück} K1=Kv1+Kf=1.625.000+2.600.000=4.225.000K_1 = K_{v1} + K_f = 1.625.000 + 2.600.000 = 4.225.000\ \text{€} k1=K1x1=4.225.000325.000=13,00€/Stückk_1 = \frac{K_1}{x_1} = \frac{4.225.000}{325.000} = 13{,}00\ \text{€/Stück} DB1=U1Kv1=3.575.0001.625.000=1.950.000DB_1 = U_1 - K_{v1} = 3.575.000 - 1.625.000 = 1.950.000\ \text{€} db1=pkv=6,00€/Stück(konstant)db_1 = p - k_v = 6{,}00\ \text{€/Stück}\ (\text{konstant}) BE1=U1K1=3.575.0004.225.000=650.000BE_1 = U_1 - K_1 = 3.575.000 - 4.225.000 = -650.000\ \text{€}

Vollständige Tabelle:

Position Abk. Einh. Szenario 1 (65 %) Szenario 2 (100 %)
Beschäftigungsgrad BG % 65,00 % 100,00 %
Menge x Stück 325.000 500.000
Umsatzerlöse U 3.575.000,00 5.500.000,00
Preis pro Stück p €/Stück 11,00 11,00
gesamte variable Kosten Kv 1.625.000,00 2.500.000,00
variable Stückkosten kv €/Stück 5,00 5,00
fixe Stückkosten kf €/Stück 8,00 5,20
gesamte Fixkosten Kf 2.600.000,00 2.600.000,00
Gesamtkosten K 4.225.000,00 5.100.000,00
Kosten pro Stück k €/Stück 13,00 10,20
Deckungsbeitrag gesamt DB 1.950.000,00 3.000.000,00
Deckungsbeitrag pro Stück db €/Stück 6,00 6,00
Betriebsergebnis BE −650.000,00 400.000,00

⚠️ Korrektur zur handschriftlichen Lösung: Bei Szenario 2 muss kf = Kf / x = 2.600.000 / 500.000 = 5,20 €/Stück sein (die Handschrift „3,20“ ist ein Zahlendreher/Ausrutscher). Kontrolle: k = kv + kf = 5,00 + 5,20 = 10,20 €/Stück ✓ — passt zum ebenfalls notierten k = 10,20. Alle anderen handschriftlichen Werte sind korrekt.

Interpretation:

  • Bei 100 % Auslastung positives Betriebsergebnis (+400.000,00 €), bei 65 % Verlust (−650.000,00 €).
  • Ursache ist allein die Fixkostenbelastung: kf springt von 5,20 auf 8,00 €/Stück — die 2.600.000 € Fixkosten verteilen sich auf weniger Stück. Der db bleibt konstant bei 6,00 €/Stück, deckt aber bei 325.000 Stück die Fixkosten nicht mehr (DB₁ = 1.950.000 < Kf = 2.600.000).
  • Break-Even: xBE = Kf / db = 2.600.000 / 6,00 = 433.333,33 Stück → entspricht BG von 433.333 / 500.000 = 86,67 %. Unter ~87 % Auslastung rutscht der Betrieb in die Verlustzone.

Teil C — Flexible Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis

Flexible Plankostenrechnung — Worum geht es?

Die flexible Plankostenrechnung vergleicht die Istkosten mit den Sollkosten (= an die Ist-Beschäftigung angepasste Plankosten) und spaltet die Gesamtabweichung in einen beeinflussbaren (Verbrauch) und einen nicht-beeinflussbaren (Beschäftigung) Teil.

Symbole:

Symbol Größe Einheit
Bp Planbeschäftigung Stück
Bi Istbeschäftigung Stück
Ki Istkosten (gesamt)
Kpv variable Plankosten (bei Bp)
Kpf fixe Plankosten
Kp Plankosten gesamt (bei Bp)

Die Formeln (exakt, Reihenfolge wie in der Aufgabe):

kpv=KpvBp(variabler Plankostenverrechnungssatz)k_{pv} = \frac{K_{pv}}{B_p} \quad \text{(variabler Plankostenverrechnungssatz)} kpf=KpfBp(fixer Plankostenverrechnungssatz)k_{pf} = \frac{K_{pf}}{B_p} \quad \text{(fixer Plankostenverrechnungssatz)} kp=KpBp=kpv+kpf(gesamter Plankostenverrechnungssatz)k_p = \frac{K_p}{B_p} = k_{pv} + k_{pf} \quad \text{(gesamter Plankostenverrechnungssatz)} Kp=Kpv+Kpf(Plankosten bei Planbeschäftigung)K_p = K_{pv} + K_{pf} \quad \text{(Plankosten bei Planbeschäftigung)} Kverr=kpBi(verrechnete Plankosten — Fixkosten „proportionalisiert“)K_{verr} = k_p \cdot B_i \quad \text{(verrechnete Plankosten — Fixkosten „proportionalisiert“)} Ksoll=Kpf+kpvBi(Sollkosten — Fix bleibt fix, nur var. angepasst)K_{soll} = K_{pf} + k_{pv} \cdot B_i \quad \text{(Sollkosten — Fix bleibt fix, nur var. angepasst)} Gesamtabweichung=KiKverr\text{Gesamtabweichung} = K_i - K_{verr} Budgetabweichung=KiKsoll(=Verbrauchsabweichung, identisch)\text{Budgetabweichung} = K_i - K_{soll} \quad (= \text{Verbrauchsabweichung, identisch}) Verbrauchsabweichung=KiKsoll\text{Verbrauchsabweichung} = K_i - K_{soll} Beschäftigungsabweichung=KsollKverr(=KpfkpfBi)\text{Beschäftigungsabweichung} = K_{soll} - K_{verr} \;(= K_{pf} - k_{pf} \cdot B_i)

Kernidee (unbedingt merken):

  • Verrechnete Plankosten behandeln die Fixkosten so, als wären sie variabel (kp enthält den fixen Satz kpf). Deshalb entstehen sie „linear ab Null“ mit der Menge.
  • Sollkosten dagegen halten die Fixkosten konstant (volle Kpf) und passen nur den variablen Teil an Bi an — das ist der realistische Kostenmaßstab.
  • Die Differenz beider (Beschäftigungsabweichung) ist deshalb reine Fixkosten-Über-/Unterdeckung — kein echter Mehr-/Minderverbrauch.

Zerlegung (Kontrollgleichung): Gesamtabweichung=Budgetabweichung+Beschäftigungsabweichung\text{Gesamtabweichung} = \text{Budgetabweichung} + \text{Beschäftigungsabweichung}

Gegen Rohleders offizielle Lösungsvorschläge verifiziert (U13 Aufgaben 1 und 3). Rohleders Rechenweg deckt sich exakt mit den obigen Formeln:

  • U13 A1 (Bp 20.000, Bi 17.000, Kpf 60.000, Kpv 40.000, Ki 90.000): PKVS starr = (Kpf+Kpv)/Bp = 5,00 €/kg · verrechnete Plankosten = PKVS·Bi = 85.000 · variabler PKVS = 2,00 · fixer PKVS = 3,00 · Sollkosten = Kpf + kpv·Bi = 94.000 · Verbrauchsabweichung = Ki − Sollkosten = −4.000 (Kostenersparnis) · Beschäftigungsabweichung = Sollkosten − verrechnete = 9.000 (Unterbeschäftigung → nicht verrechnete Fixkosten).
  • U13 A3 (Bp 2.000 h, Bi 1.600 h, Kpf 2.000, Kpv 13.000, Ki 14.500): PKVS = 7,50 €/h · verrechnete = 12.000 · variabler PKVS = 6,50 · Sollkosten = 12.400 · Verbrauchsabweichung = Ki − Sollkosten = 2.100 · Beschäftigungsabweichung = Sollkosten − verrechnete = 400.

Damit sind die Vorzeichen- und Bezugskonventionen (Verbrauchsabw. = Istkosten − Sollkosten, Beschäftigungsabw. = Sollkosten − verrechnete Plankosten) offiziell bestätigt.


Aufgabe K5 A6 — voll durchgerechnet

Gegeben:

Größe Symbol Wert
Planbeschäftigung Bp 30.000 Stück
Istbeschäftigung Bi 35.000 Stück
Istkosten (gesamt) Ki 200.000,00 €
variable Plankosten Kpv 45.000,00 €
fixe Plankosten Kpf 120.000,00 €

Beachte: Bi (35.000) > Bp (30.000)Überbeschäftigung (Auslastung 116,67 %). Das dreht später das Vorzeichen der Beschäftigungsabweichung um (nicht der „Standardfall“).

Gefragt: a) Verrechnungssätze (kpv, kpf, kp), Plankosten, verrechnete Plankosten, Sollkosten sowie Gesamt-, Budget-/Verbrauchs- und Beschäftigungsabweichung ermitteln (15 P.) · b) Bedeutung einer negativen Beschäftigungsabweichung erläutern (3 P.)


a) Ermittlung aller Werte — 15 P.

Verrechnungssätze:

kpv=KpvBp=45.00030.000=1,50€/Stückk_{pv} = \frac{K_{pv}}{B_p} = \frac{45.000}{30.000} = 1{,}50\ \text{€/Stück} kpf=KpfBp=120.00030.000=4,00€/Stückk_{pf} = \frac{K_{pf}}{B_p} = \frac{120.000}{30.000} = 4{,}00\ \text{€/Stück} kp=kpv+kpf=1,50+4,00=5,50€/Stück(Kontrolle: KpBp=165.00030.000=5,50€/Stück)k_p = k_{pv} + k_{pf} = 1{,}50 + 4{,}00 = 5{,}50\ \text{€/Stück} \quad \left(\text{Kontrolle: } \tfrac{K_p}{B_p} = \tfrac{165.000}{30.000} = 5{,}50\ \text{€/Stück}\ \checkmark\right)

Plankosten (bei Planbeschäftigung Bp):

Kp=Kpv+Kpf=45.000+120.000=165.000,00K_p = K_{pv} + K_{pf} = 45.000 + 120.000 = 165.000{,}00\ \text{€}

Verrechnete Plankosten (Fixkosten proportionalisiert, kp · Bi):

Kverr=kpBi=5,5035.000=192.500,00K_{verr} = k_p \cdot B_i = 5{,}50 \cdot 35.000 = 192.500{,}00\ \text{€}

Sollkosten (Fix konstant, nur variabel angepasst):

Ksoll=Kpf+kpvBi=120.000+1,5035.000=120.000+52.500=172.500,00K_{soll} = K_{pf} + k_{pv} \cdot B_i = 120.000 + 1{,}50 \cdot 35.000 = 120.000 + 52.500 = 172.500{,}00\ \text{€}

Abweichungen (Vorzeichenkonvention: positiv = Kostenüberschreitung = ungünstig; negativ = günstig):

Gesamtabweichung=KiKverr=200.000192.500=7.500,00ungünstig\text{Gesamtabweichung} = K_i - K_{verr} = 200.000 - 192.500 = 7.500{,}00\ \text{€} \;\Rightarrow\; \text{ungünstig} Budgetabweichung=KiKsoll=200.000172.500=27.500,00ungünstig\text{Budgetabweichung} = K_i - K_{soll} = 200.000 - 172.500 = 27.500{,}00\ \text{€} \;\Rightarrow\; \text{ungünstig} Verbrauchsabweichung=KiKsoll=200.000172.500=27.500,00ungünstig(=Budgetabw.)\text{Verbrauchsabweichung} = K_i - K_{soll} = 200.000 - 172.500 = 27.500{,}00\ \text{€} \;\Rightarrow\; \text{ungünstig}\ (= \text{Budgetabw.}) Beschäftigungsabweichung=KsollKverr=172.500192.500=20.000,00günstig\text{Beschäftigungsabweichung} = K_{soll} - K_{verr} = 172.500 - 192.500 = -20.000{,}00\ \text{€} \;\Rightarrow\; \text{günstig}

Kontrolle: Budgetabw. + Beschäftigungsabw. = 27.500 + (−20.000) = 7.500 = Gesamtabweichung

Ergebnis-Übersicht:

Größe Formel Wert Bewertung
variabler Verrechnungssatz kpv = Kpv/Bp 1,50 €/Stück
fixer Verrechnungssatz kpf = Kpf/Bp 4,00 €/Stück
gesamter Verrechnungssatz kp = Kp/Bp 5,50 €/Stück
Plankosten Kp = Kpv+Kpf 165.000,00 €
verrechnete Plankosten kp·Bi 192.500,00 €
Sollkosten Kpf + kpv·Bi 172.500,00 €
Gesamtabweichung Ki − Kverr 7.500,00 € ungünstig
Budgetabweichung Ki − Ksoll 27.500,00 € ungünstig
Verbrauchsabweichung Ki − Ksoll 27.500,00 € ungünstig
Beschäftigungsabweichung Ksoll − Kverr −20.000,00 € günstig

Interpretation:

  • Verbrauch/Budget (27.500 € ungünstig): Selbst am realistischen Sollkosten-Maßstab (172.500 €) wurden 200.000 € verbraucht — echter Mehrverbrauch (Materialverschwendung, höhere Preise, Ineffizienz). Das ist der Teil, den die Kostenstellenleitung verantwortet und beeinflussen kann.
  • Beschäftigung (−20.000 € günstig): Weil mehr produziert wurde als geplant (Bi > Bp), werden die Fixkosten auf mehr Stück verteilt → Fixkostenüberdeckung. Rein rechnerischer Effekt, nicht beeinflussbar durch die Kostenstelle.
  • Netto (Gesamt 7.500 € ungünstig): Der echte Mehrverbrauch überwiegt die günstige Fixkostenüberdeckung.

b) Was bedeutet eine negative Beschäftigungsabweichung? — 3 P.

Bedeutung: Eine negative Beschäftigungsabweichung bedeutet eine Fixkostenüberdeckung: Es wurden über den Verrechnungssatz mehr Fixkosten „verrechnet“, als tatsächlich geplant/angefallen sind.

Wie sie zustande kommt: Sie entsteht durch Überbeschäftigung — die Istbeschäftigung liegt über der Planbeschäftigung (hier Bi = 35.000 > Bp = 30.000). Da der Verrechnungssatz kp den fixen Anteil kpf = 4,00 €/Stück enthält, werden bei 35.000 Stück Fixkosten in Höhe von 4,00 · 35.000 = 140.000 € verrechnet, obwohl nur 120.000 € fixe Plankosten existieren → 20.000 € „zu viel“ absorbiert.

Beschäftigungsabweichung=KpfkpfBi=120.000140.000=20.000,00\text{Beschäftigungsabweichung} = K_{pf} - k_{pf} \cdot B_i = 120.000 - 140.000 = -20.000{,}00\ \text{€}

Positiv oder negativ fürs Unternehmen?Positiv / günstig. Die vorhandene Kapazität wird besser ausgelastet als geplant; es gibt keine Leerkosten, sondern eine Überdeckung der Fixkosten. (Achtung: „negatives Vorzeichen“ ≠ „schlecht“ — bei dieser Kennzahl bedeutet negativ = günstig.)


Typische Fallen (klausurentscheidend)

Teil A — Kostenauflösung:

  • Punktwahl ist nicht neutral: Zwei-Punkte-Verfahren mit P1&P4 ≠ mit P1&P3 (Hoch-Tief) ≠ Regression. Immer die in der Aufgabe genannten Perioden nehmen.
  • Zwischenwert nicht zu früh runden: kv ungerundet weiterrechnen (sonst driftet Kf/Prognose weg).
  • Excel-Funktionen nicht vertauschen: STEIGUNG = variable Stückkosten, ACHSENABSCHNITT = Fixkosten.
  • Extrapolation ≠ Interpolation: außerhalb des Datenbereichs wird die Prognose unsicher.

Teil B — Beschäftigungsgrade:

  • kv, p, db sind konstant bei jedem BG — nur die gesamten variablen Kosten und Umsätze skalieren mit x.
  • Fixe Stückkosten kf steigen bei sinkender Beschäftigung (Fixkostendegression), die gesamten Fixkosten Kf bleiben gleich.
  • kf = Kf / x, nicht mit kv verwechseln (der Ausrutscher „3,20 statt 5,20“ oben).
  • Kostenremanenz als Beurteilungspunkt: real sinken Fixkosten nicht sofort mit.

Teil C — Flexible Plankostenrechnung:

  • Sollkosten ≠ Plankosten! Plankosten Kp gelten bei Bp; Sollkosten Ksoll gelten bei Bi (Fix konstant, var. angepasst). Nur wenn Bi = Bp sind beide gleich.
  • Verrechnete Plankosten ≠ Sollkosten: verrechnete Kosten proportionalisieren die Fixkosten (kp·Bi), Sollkosten halten sie konstant (Kpf + kpv·Bi). Ihre Differenz IST die Beschäftigungsabweichung.
  • Beschäftigungsabweichung = Leerkosten / Fixkostenüber- bzw. -unterdeckung — reine Rechengröße, nicht beeinflussbar. Nur die Budget-/Verbrauchsabweichung ist echter Mehr-/Minderverbrauch.
  • Unterbeschäftigung (Bi < Bp) → Beschäftigungsabweichung positiv = Leerkosten = ungünstig.
  • Überbeschäftigung (Bi > Bp) → Beschäftigungsabweichung negativ = Fixkostenüberdeckung = günstig (dieser Aufgabenfall).
  • Nutzkosten vs. Leerkosten: Nutzkosten = kpf · Bi (Fixkosten der genutzten Kapazität), Leerkosten = Kpf − Nutzkosten (Fixkosten der ungenutzten Kapazität). Bei Überbeschäftigung gibt es keine Leerkosten (Nutzkosten > Kpf).
  • Vorzeichen richtig lesen: positiv = Kostenüberschreitung = ungünstig; negativ = günstig. Immer dazuschreiben, ob günstig/ungünstig.
  • Budgetabweichung = Verbrauchsabweichung — in dieser Systematik synonym; nicht als zwei verschiedene Zahlen suchen.