Kostenauflösung · Beschäftigungsgrade · Flexible Plankostenrechnung (KOLE / INRE, Prof. Rohleder)
Themen (die drei anspruchsvollsten Rechenblöcke):
- (A) Kostenauflösung / Kostenspaltung von Mischkosten + Kostenprognose (K4 A1)
- (B) Rechnen mit Beschäftigungsgraden — lineare Kostenverläufe (K5 A3)
- (C) Flexible Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis — Abweichungsanalyse (K5 A6)
Kontrollwerte zum Selbst-Check: Kostenauflösung Zweipunkt kv 0,0383, Kf 24.328,33. Abweichungsanalyse: Verbrauchsabw. = Ki − Sollkosten, Beschäftigungsabw. = Sollkosten − verrechnete Plankosten. Hinweis: ein Altklausur-Datenwert P4 (8.750,50 € vs. glatt 8.740,50 €) ist ohne offiziellen Schlüssel nicht eindeutig auflösbar — als solcher markiert.
Teil A — Kostenauflösung / Kostenspaltung + Prognose
Kostenauflösung / Kostenspaltung — Worum geht es?
Mischkosten enthalten einen fixen und einen variablen Anteil (z. B. Stromkosten: Grundgebühr + verbrauchsabhängiger Teil). Die Kostenauflösung (= Kostenspaltung) zerlegt die beobachteten Gesamtkosten in beide Anteile, damit man die lineare Kostenfunktion aufstellen kann:
| Symbol | Bedeutung | Einheit |
|---|---|---|
| K | Gesamtkosten (Mischkosten) einer Periode | € |
| Kf | Fixkosten (beschäftigungsunabhängig, Achsenabschnitt) | € |
| kv | variable Stückkosten (Steigung der Kostengerade) | €/Stück |
| x | Ausbringungs-/Beschäftigungsmenge | Stück |
Drei Verfahren der Kostenauflösung:
- Buchtechnische Methode — Kostenarten werden per Erfahrung/Konto als fix bzw. variabel eingeordnet. (Nicht in dieser Aufgabe.)
- Mathematische Methode = Zwei-Punkte-Verfahren — aus zwei Wertepaaren wird die Gerade bestimmt:
Sonderfall Hoch-Tief-Methode (High-Low): man nimmt gezielt den Punkt mit der kleinsten und der größten Menge. Steht in der Aufgabe, welche Perioden zu nehmen sind, gilt diese Vorgabe (hier: Periode 1 und Periode 4).
- Statistische Methode = lineare Regression (Methode der kleinsten Quadrate) — nutzt alle Wertepaare und legt die Gerade so, dass die Summe der quadrierten Abstände minimal wird. In Excel über
STEIGUNG(kv) undACHSENABSCHNITT(Kf).
Kostenprognose: Ist die Funktion K = Kf + kv · x bekannt, setzt man die geplante Menge ein → Prognosekosten. Interpolation (Menge liegt innerhalb des beobachteten Bereichs) ist relativ verlässlich, Extrapolation (außerhalb) riskant.
✅ Gegen Rohleders offiziellen Lösungsvorschlag verifiziert (U06 Aufgabe 2 „Mischkosten“). Rohleders Rechenweg deckt sich exakt mit dem obigen Verfahrensbild: Zweipunktverfahren
kv = ΔK/Δxmit den beiden aktuellsten Datensätzen (U06: kv = (25.210 − 24.980)/(23.000 − 17.000) = 0,0383 €/Stück, Kf = 24.980 − 0,0383·17.000 = 24.328,33 €), Regression über=STEIGUNG(kv) und=ACHSENABSCHNITT(Kf), sowie die reine Kostenprognose per=PROGNOSE.LINEARohne vorherige Kostenspaltung. Die drei Prognosen für die Folgemenge liegen bei Interpolation eng beieinander (U06 x = 22.000: Zweipunkt 25.171,67 · Regression 25.279,27 · PROGNOSE.LINEAR 25.191,67). Rohleder mahnt ausdrücklich, die per Regression je Kostenart berechneten variablen Stückkosten nicht stumpf zu übernehmen (negative/unplausible kv → Kopf einschalten, ggf. Mittelwert) — genau die Warnung aus Teil e).
Aufgabe K4 A1 — voll durchgerechnet
Gegeben (Mischkosten, letzte 4 Perioden):
| Periode | Menge x [Stück] | Gesamtkosten K [€] |
|---|---|---|
| 1 | 14.300 | 7.902,00 |
| 2 | 18.500 | 9.708,00 |
| 3 | 19.750 | 10.245,50 |
| 4 | 16.250 | 8.750,50 |
Gefragt: a) Variable Stückkosten kv und Fixkosten Kf per Zwei-Punkte-Verfahren aus den Perioden 1 und 4 ermitteln (4 P.) · b) Gesamtkosten für Periode 5 (x = 19.000 Stück) prognostizieren (2 P.) · c) Excel-Funktion für die variablen Stückkosten nennen (1 P.) · d) Excel-Funktion für die Fixkosten nennen (1 P.) · e) Zwei Gründe nennen, warum eine mathematische/statistische Kostenprognose zu Fehlentscheidungen führen kann (4 P.)
a) Variable Stückkosten & Fixkosten — mathematische Methode (Perioden 1 und 4) — 4 P.
Vorgabe: von Periode 1 und Periode 4 ausgehen → Zwei-Punkte-Verfahren mit P1 = (14.300 Stück; 7.902,00 €) und P4 = (16.250 Stück; 8.750,50 €).
Schritt 1 — variable Stückkosten (Steigung):
Schritt 2 — Fixkosten (Achsenabschnitt), Einsetzen in P1:
(kv hier ungerundet mit 0,435128 einsetzen — der gerundete Anzeigewert 0,4351 würde 6.221,93 ergeben und das Folgeergebnis leicht verschieben.)
Kontrolle mit P4: Kf = 8.750,50 − 0,435128 · 16.250 = 8.750,50 − 7.070,83 = 1.679,67 € ✓
Ergebnis a): kv ≈ 0,44 €/Stück (exakt 0,4351 €/Stück) · Kf ≈ 1.679,67 € Kostenfunktion:
K = 1.679,67 € + 0,4351 €/Stück · x
⚠️ Rechenhinweis (Rundung): kv fällt hier nicht glatt aus. Rechne mit dem ungerundeten kv (0,4351…) weiter und runde erst das Endergebnis — sonst weicht Kf um bis zu ~70 € ab (mit hart gerundetem kv = 0,44 käme Kf = 1.610,00 € heraus). In der Klausur den ungerundeten Zwischenwert stehenlassen.
b) Prognose Gesamtkosten Periode 5, x = 19.000 Stück — 2 P.
19.000 Stück liegt innerhalb des beobachteten Bereichs [14.300; 19.750] → Interpolation (vergleichsweise verlässlich).
Ergebnis b): Prognose K₅ ≈ 9.947,11 € (Mit der glatten Alternativ-Funktion
K = 1.753 + 0,43·x: K₅ = 1.753 + 8.170 = 9.923,00 € — falls P4 = 8.740,50 zutrifft. Mit der Regressionsfunktion aus c)/d): ≈ 9.924,53 €. Alle drei liegen eng beieinander, weil interpoliert wird.)
c) Excel-Funktion für die variablen Stückkosten — 1 P.
=STEIGUNG(Y-Werte; X-Werte)(englischSLOPE) → liefert die Steigung der Regressionsgeraden = variable Stückkosten kv. Konkret:=STEIGUNG(K-Spalte; x-Spalte). Über alle 4 Perioden: kv ≈ 0,43 €/Stück (exakt 0,4295 €/Stück).
d) Excel-Funktion für die Fixkosten — 1 P.
=ACHSENABSCHNITT(Y-Werte; X-Werte)(englischINTERCEPT) → liefert den y-Achsenabschnitt der Regressionsgeraden = Fixkosten Kf. Konkret:=ACHSENABSCHNITT(K-Spalte; x-Spalte). Über alle 4 Perioden: Kf ≈ 1.764,84 €.
(Merkhilfe: Steigung = Stückkosten variabel; Achsenabschnitt = fixer Anteil. Beide Funktionen nutzen — anders als das Zwei-Punkte-Verfahren — alle Datenpunkte, daher leicht andere Werte als in a).)
e) Zwei Gründe, warum eine Kostenprognose mit math./statistischen Verfahren zu Fehlentscheidungen führen kann — 4 P.
Vergangenheitsorientierung / Strukturbrüche. Die Verfahren schreiben historische Kostenverläufe in die Zukunft fort. Bei Strukturbrüchen — Energiepreis- und Rohstoffschocks, Inflation, Lohnsteigerungen, Lieferkettenstörungen, Technologie-/Prozesswechsel — gilt der alte Zusammenhang nicht mehr. Die Prognose ist dann systematisch verzerrt, obwohl sie rechnerisch „exakt“ wirkt.
Linearitätsannahme. Unterstellt wird ein linearer Verlauf (
K = Kf + kv·x). Real sind Kosten oft nicht-linear: Mengenrabatte, Sprungfixkosten bei Kapazitätserweiterung, Überstunden-/Nachtzuschläge, Lernkurveneffekte. Gerade bei Mengen außerhalb des Beobachtungsbereichs (Extrapolation) liegt die Gerade daneben.
(Weitere zulässige Gründe, falls einer der oberen nicht zieht: sehr kleine Datenbasis (nur 4 Perioden) → Zufallsschwankungen/Ausreißer verzerren stark; nur ein Kosteneinflussfaktor (Menge) berücksichtigt, andere Treiber (Produktmix, Losgröße) ignoriert; Scheinkorrelation ohne Ursache-Wirkungs-Prüfung.)
Teil B — Rechnen mit Beschäftigungsgraden
Beschäftigungsgrade — Worum geht es?
Der Beschäftigungsgrad (BG) misst die Kapazitätsauslastung:
Bei linearem Kostenverlauf verhalten sich die Größen bei BG-Änderung so:
| Größe | Verhalten bei sinkendem BG | Grund |
|---|---|---|
| variable Stückkosten kv | konstant | pro Stück gleich, egal wie viele Stück |
| Preis p, Stückdeckungsbeitrag db | konstant | Marktpreis / db = p − kv unverändert |
| gesamte variable Kosten Kv | sinken proportional | Kv = kv · x |
| gesamte Fixkosten Kf | konstant | beschäftigungsunabhängig |
| fixe Stückkosten kf | steigen | Kf / x — Fixkosten auf weniger Stück verteilt |
| Gesamt-Stückkosten k | steigen | k = kv + kf |
Fixkostendegression: Je höher die Menge, desto kleiner die fixen Stückkosten (Fixkosten „verdünnen“ sich). Umgekehrt: fällt die Beschäftigung, steigen die fixen Stückkosten — der gefährliche Effekt bei Unterauslastung.
Kostenremanenz (Praxis-Caveat): Die Modellannahme „Fixkosten bleiben bei sinkender Beschäftigung exakt konstant“ ist idealisiert. Real reagieren Fixkosten nach unten träge (Kündigungsfristen, Abschreibungen, langfristige Verträge): Bei Beschäftigungsrückgang bleiben sie zunächst „kleben“ (remanent) und sinken erst verzögert. In der Klausur wird linear/konstant gerechnet — die Remanenz ist ein Beurteilungspunkt.
Symbole:
| Symbol | Größe | Formel |
|---|---|---|
| x | Menge | BG · x(Plan) |
| U | Umsatzerlöse | p · x |
| p | Preis pro Stück | U / x |
| Kv | gesamte variable Kosten | kv · x |
| kv | variable Stückkosten | Kv / x |
| kf | fixe Stückkosten | Kf / x |
| Kf | gesamte Fixkosten | konstant |
| K | Gesamtkosten | Kv + Kf |
| k | Kosten pro Stück | K / x = kv + kf |
| DB | Deckungsbeitrag gesamt | U − Kv = db · x |
| db | Deckungsbeitrag pro Stück | p − kv = DB / x |
| BE | Betriebsergebnis | U − K = DB − Kf |
Aufgabe K5 A3 — voll durchgerechnet
Gegeben — Szenario 2 = 100 % (weitgehend vorgegeben), Szenario 1 = 65 % (BG). Gegebene (gedruckte) Anker: x=500.000, U=5.500.000, Kv=2.500.000, kv=5,00 (alle Szenario 2) sowie BE(Sz2)=400.000. Rest ist zu berechnen.
Gefragt: Ermitteln Sie alle fehlenden Kostengrößen (U, p, Kv, kv, Kf, kf, K, k, DB, db, BE) für Szenario 1 (65 %) ausgehend von den Szenario-2-Daten (100 %) und interpretieren Sie das Ergebnis, u. a. die Break-Even-Menge (10 P.).
Schritt 0 — Struktur aus Szenario 2 (100 %) ableiten:
Schritt 1 — Szenario 1 (65 %) über den Beschäftigungsgrad:
Vollständige Tabelle:
| Position | Abk. | Einh. | Szenario 1 (65 %) | Szenario 2 (100 %) |
|---|---|---|---|---|
| Beschäftigungsgrad | BG | % | 65,00 % | 100,00 % |
| Menge | x | Stück | 325.000 | 500.000 |
| Umsatzerlöse | U | € | 3.575.000,00 | 5.500.000,00 |
| Preis pro Stück | p | €/Stück | 11,00 | 11,00 |
| gesamte variable Kosten | Kv | € | 1.625.000,00 | 2.500.000,00 |
| variable Stückkosten | kv | €/Stück | 5,00 | 5,00 |
| fixe Stückkosten | kf | €/Stück | 8,00 | 5,20 |
| gesamte Fixkosten | Kf | € | 2.600.000,00 | 2.600.000,00 |
| Gesamtkosten | K | € | 4.225.000,00 | 5.100.000,00 |
| Kosten pro Stück | k | €/Stück | 13,00 | 10,20 |
| Deckungsbeitrag gesamt | DB | € | 1.950.000,00 | 3.000.000,00 |
| Deckungsbeitrag pro Stück | db | €/Stück | 6,00 | 6,00 |
| Betriebsergebnis | BE | € | −650.000,00 | 400.000,00 |
⚠️ Korrektur zur handschriftlichen Lösung: Bei Szenario 2 muss kf = Kf / x = 2.600.000 / 500.000 = 5,20 €/Stück sein (die Handschrift „3,20“ ist ein Zahlendreher/Ausrutscher). Kontrolle:
k = kv + kf = 5,00 + 5,20 = 10,20 €/Stück✓ — passt zum ebenfalls notierten k = 10,20. Alle anderen handschriftlichen Werte sind korrekt.
Interpretation:
- Bei 100 % Auslastung positives Betriebsergebnis (+400.000,00 €), bei 65 % Verlust (−650.000,00 €).
- Ursache ist allein die Fixkostenbelastung: kf springt von 5,20 auf 8,00 €/Stück — die 2.600.000 € Fixkosten verteilen sich auf weniger Stück. Der db bleibt konstant bei 6,00 €/Stück, deckt aber bei 325.000 Stück die Fixkosten nicht mehr (
DB₁ = 1.950.000 < Kf = 2.600.000). - Break-Even:
xBE = Kf / db = 2.600.000 / 6,00 = 433.333,33 Stück→ entspricht BG von433.333 / 500.000 = 86,67 %. Unter ~87 % Auslastung rutscht der Betrieb in die Verlustzone.
Teil C — Flexible Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis
Flexible Plankostenrechnung — Worum geht es?
Die flexible Plankostenrechnung vergleicht die Istkosten mit den Sollkosten (= an die Ist-Beschäftigung angepasste Plankosten) und spaltet die Gesamtabweichung in einen beeinflussbaren (Verbrauch) und einen nicht-beeinflussbaren (Beschäftigung) Teil.
Symbole:
| Symbol | Größe | Einheit |
|---|---|---|
| Bp | Planbeschäftigung | Stück |
| Bi | Istbeschäftigung | Stück |
| Ki | Istkosten (gesamt) | € |
| Kpv | variable Plankosten (bei Bp) | € |
| Kpf | fixe Plankosten | € |
| Kp | Plankosten gesamt (bei Bp) | € |
Die Formeln (exakt, Reihenfolge wie in der Aufgabe):
Kernidee (unbedingt merken):
- Verrechnete Plankosten behandeln die Fixkosten so, als wären sie variabel (
kpenthält den fixen Satzkpf). Deshalb entstehen sie „linear ab Null“ mit der Menge. - Sollkosten dagegen halten die Fixkosten konstant (volle Kpf) und passen nur den variablen Teil an Bi an — das ist der realistische Kostenmaßstab.
- Die Differenz beider (Beschäftigungsabweichung) ist deshalb reine Fixkosten-Über-/Unterdeckung — kein echter Mehr-/Minderverbrauch.
Zerlegung (Kontrollgleichung):
✅ Gegen Rohleders offizielle Lösungsvorschläge verifiziert (U13 Aufgaben 1 und 3). Rohleders Rechenweg deckt sich exakt mit den obigen Formeln:
- U13 A1 (Bp 20.000, Bi 17.000, Kpf 60.000, Kpv 40.000, Ki 90.000): PKVS starr = (Kpf+Kpv)/Bp = 5,00 €/kg · verrechnete Plankosten = PKVS·Bi = 85.000 · variabler PKVS = 2,00 · fixer PKVS = 3,00 · Sollkosten = Kpf + kpv·Bi = 94.000 · Verbrauchsabweichung = Ki − Sollkosten = −4.000 (Kostenersparnis) · Beschäftigungsabweichung = Sollkosten − verrechnete = 9.000 (Unterbeschäftigung → nicht verrechnete Fixkosten).
- U13 A3 (Bp 2.000 h, Bi 1.600 h, Kpf 2.000, Kpv 13.000, Ki 14.500): PKVS = 7,50 €/h · verrechnete = 12.000 · variabler PKVS = 6,50 · Sollkosten = 12.400 · Verbrauchsabweichung = Ki − Sollkosten = 2.100 · Beschäftigungsabweichung = Sollkosten − verrechnete = 400.
Damit sind die Vorzeichen- und Bezugskonventionen (Verbrauchsabw. = Istkosten − Sollkosten, Beschäftigungsabw. = Sollkosten − verrechnete Plankosten) offiziell bestätigt.
Aufgabe K5 A6 — voll durchgerechnet
Gegeben:
| Größe | Symbol | Wert |
|---|---|---|
| Planbeschäftigung | Bp | 30.000 Stück |
| Istbeschäftigung | Bi | 35.000 Stück |
| Istkosten (gesamt) | Ki | 200.000,00 € |
| variable Plankosten | Kpv | 45.000,00 € |
| fixe Plankosten | Kpf | 120.000,00 € |
Beachte: Bi (35.000) > Bp (30.000) → Überbeschäftigung (Auslastung 116,67 %). Das dreht später das Vorzeichen der Beschäftigungsabweichung um (nicht der „Standardfall“).
Gefragt: a) Verrechnungssätze (kpv, kpf, kp), Plankosten, verrechnete Plankosten, Sollkosten sowie Gesamt-, Budget-/Verbrauchs- und Beschäftigungsabweichung ermitteln (15 P.) · b) Bedeutung einer negativen Beschäftigungsabweichung erläutern (3 P.)
a) Ermittlung aller Werte — 15 P.
Verrechnungssätze:
Plankosten (bei Planbeschäftigung Bp):
Verrechnete Plankosten (Fixkosten proportionalisiert, kp · Bi):
Sollkosten (Fix konstant, nur variabel angepasst):
Abweichungen (Vorzeichenkonvention: positiv = Kostenüberschreitung = ungünstig; negativ = günstig):
Kontrolle: Budgetabw. + Beschäftigungsabw. = 27.500 + (−20.000) = 7.500 = Gesamtabweichung ✓
Ergebnis-Übersicht:
| Größe | Formel | Wert | Bewertung |
|---|---|---|---|
| variabler Verrechnungssatz | kpv = Kpv/Bp | 1,50 €/Stück | — |
| fixer Verrechnungssatz | kpf = Kpf/Bp | 4,00 €/Stück | — |
| gesamter Verrechnungssatz | kp = Kp/Bp | 5,50 €/Stück | — |
| Plankosten | Kp = Kpv+Kpf | 165.000,00 € | — |
| verrechnete Plankosten | kp·Bi | 192.500,00 € | — |
| Sollkosten | Kpf + kpv·Bi | 172.500,00 € | — |
| Gesamtabweichung | Ki − Kverr | 7.500,00 € | ungünstig |
| Budgetabweichung | Ki − Ksoll | 27.500,00 € | ungünstig |
| Verbrauchsabweichung | Ki − Ksoll | 27.500,00 € | ungünstig |
| Beschäftigungsabweichung | Ksoll − Kverr | −20.000,00 € | günstig |
Interpretation:
- Verbrauch/Budget (27.500 € ungünstig): Selbst am realistischen Sollkosten-Maßstab (172.500 €) wurden 200.000 € verbraucht — echter Mehrverbrauch (Materialverschwendung, höhere Preise, Ineffizienz). Das ist der Teil, den die Kostenstellenleitung verantwortet und beeinflussen kann.
- Beschäftigung (−20.000 € günstig): Weil mehr produziert wurde als geplant (Bi > Bp), werden die Fixkosten auf mehr Stück verteilt → Fixkostenüberdeckung. Rein rechnerischer Effekt, nicht beeinflussbar durch die Kostenstelle.
- Netto (Gesamt 7.500 € ungünstig): Der echte Mehrverbrauch überwiegt die günstige Fixkostenüberdeckung.
b) Was bedeutet eine negative Beschäftigungsabweichung? — 3 P.
Bedeutung: Eine negative Beschäftigungsabweichung bedeutet eine Fixkostenüberdeckung: Es wurden über den Verrechnungssatz mehr Fixkosten „verrechnet“, als tatsächlich geplant/angefallen sind.
Wie sie zustande kommt: Sie entsteht durch Überbeschäftigung — die Istbeschäftigung liegt über der Planbeschäftigung (hier Bi = 35.000 > Bp = 30.000). Da der Verrechnungssatz kp den fixen Anteil kpf = 4,00 €/Stück enthält, werden bei 35.000 Stück Fixkosten in Höhe von 4,00 · 35.000 = 140.000 € verrechnet, obwohl nur 120.000 € fixe Plankosten existieren → 20.000 € „zu viel“ absorbiert.
Positiv oder negativ fürs Unternehmen? → Positiv / günstig. Die vorhandene Kapazität wird besser ausgelastet als geplant; es gibt keine Leerkosten, sondern eine Überdeckung der Fixkosten. (Achtung: „negatives Vorzeichen“ ≠ „schlecht“ — bei dieser Kennzahl bedeutet negativ = günstig.)
Typische Fallen (klausurentscheidend)
Teil A — Kostenauflösung:
- Punktwahl ist nicht neutral: Zwei-Punkte-Verfahren mit P1&P4 ≠ mit P1&P3 (Hoch-Tief) ≠ Regression. Immer die in der Aufgabe genannten Perioden nehmen.
- Zwischenwert nicht zu früh runden: kv ungerundet weiterrechnen (sonst driftet Kf/Prognose weg).
- Excel-Funktionen nicht vertauschen:
STEIGUNG= variable Stückkosten,ACHSENABSCHNITT= Fixkosten. - Extrapolation ≠ Interpolation: außerhalb des Datenbereichs wird die Prognose unsicher.
Teil B — Beschäftigungsgrade:
- kv, p, db sind konstant bei jedem BG — nur die gesamten variablen Kosten und Umsätze skalieren mit x.
- Fixe Stückkosten kf steigen bei sinkender Beschäftigung (Fixkostendegression), die gesamten Fixkosten Kf bleiben gleich.
- kf = Kf / x, nicht mit kv verwechseln (der Ausrutscher „3,20 statt 5,20“ oben).
- Kostenremanenz als Beurteilungspunkt: real sinken Fixkosten nicht sofort mit.
Teil C — Flexible Plankostenrechnung:
- Sollkosten ≠ Plankosten! Plankosten Kp gelten bei Bp; Sollkosten Ksoll gelten bei Bi (Fix konstant, var. angepasst). Nur wenn Bi = Bp sind beide gleich.
- Verrechnete Plankosten ≠ Sollkosten: verrechnete Kosten proportionalisieren die Fixkosten (
kp·Bi), Sollkosten halten sie konstant (Kpf + kpv·Bi). Ihre Differenz IST die Beschäftigungsabweichung. - Beschäftigungsabweichung = Leerkosten / Fixkostenüber- bzw. -unterdeckung — reine Rechengröße, nicht beeinflussbar. Nur die Budget-/Verbrauchsabweichung ist echter Mehr-/Minderverbrauch.
- Unterbeschäftigung (Bi < Bp) → Beschäftigungsabweichung positiv = Leerkosten = ungünstig.
- Überbeschäftigung (Bi > Bp) → Beschäftigungsabweichung negativ = Fixkostenüberdeckung = günstig (dieser Aufgabenfall).
- Nutzkosten vs. Leerkosten:
Nutzkosten = kpf · Bi(Fixkosten der genutzten Kapazität),Leerkosten = Kpf − Nutzkosten(Fixkosten der ungenutzten Kapazität). Bei Überbeschäftigung gibt es keine Leerkosten (Nutzkosten > Kpf). - Vorzeichen richtig lesen: positiv = Kostenüberschreitung = ungünstig; negativ = günstig. Immer dazuschreiben, ob günstig/ungünstig.
- Budgetabweichung = Verbrauchsabweichung — in dieser Systematik synonym; nicht als zwei verschiedene Zahlen suchen.