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ETFÜ U11 – Ethik im Unternehmen

ETFÜ · Unit-Dossier · ✅ quellenbelegt (1,0-Niveau)

ETFÜ U11 – Ethik im Unternehmen

⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren (gegen Rohleders Kompass geprüft)
  • CSR definieren & abgrenzen: CSR = gesellschaftliche (NICHT nur soziale!) Verantwortung von Unternehmen für die Auswirkungen ihres Handelns auf Gesellschaft und Umwelt. EU-Grünbuch KOM(2001) 366: freiwillige Integration sozialer und ökologischer Belange ins Kerngeschäft und in die Stakeholder-Beziehungen, über gesetzliche Pflichten hinaus (KOM 2011 681 rückt vom Freiwilligkeits-Wortlaut ab). Lin-Hi: CSR = Investition in Vertrauenswürdigkeit, also Voraussetzung langfristiger Gewinne, kein Gegensatz dazu. Drei Säulen / Triple Bottom Line (Elkington 1997): ökonomisch, ökologisch, sozial = People-Planet-Profit. Carroll-Pyramide 1991: ökonomisch -> rechtlich -> ethisch -> philanthropisch. Merke Abgrenzung: CSR betrifft das KERNGESCHAEFT, Corporate Citizenship/Philanthropie/Spenden nur die Mittelverwendung -> CSR ist NICHT gleich Wohltätigkeit.
  • Stakeholder vs. Shareholder: Stakeholder (Freeman 1984) = jede Gruppe/Person, die die Zielerreichung des Unternehmens beeinflussen kann ODER von ihr betroffen ist (Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten, Kapitalgeber, Staat, Gesellschaft, Umwelt). Shareholder = Teilmenge davon (nur Eigenkapitalgeber). Rohleders Doppel-Definition: traditionell = alle Betroffenen, modern = alle Interessierten (per Selbstermächtigung Stakeholder ohne Kunde zu sein). Shareholder-Ansatz (Friedman 1970: 'the social responsibility of business is to increase its profits' - aber innerhalb der Spielregeln; Rappaport 1986: Shareholder Valü). Stakeholder-Ansatz (Freeman): berechtigte Ansprüche ALLER ausbalancieren. Vermittelnd (ökonomische Ethik): kein echter Gegensatz - langfristiger Shareholder Valü nur über stabile Stakeholder-Beziehungen ('enlightened shareholder valü'). Konflikte per Stakeholder-Mapping Macht x Interesse abwägen, transparent kommunizieren.
  • Compliance, Governance & Ebenen (Legalität vs. Legitimität): Compliance = Einhaltung von Gesetzen/Regeln/internen Richtlinien (das Müssen); Corporate Governance = Ordnungsrahmen für Leitung und Überwachung (DCGK, Vorstand/Aufsichtsrat, Transparenz, Kontrolle); Wirtschaftsethik = normative Reflexion darüber hinaus (das Sollen). Drei Ebenen: Makro (Rahmenordnung/Ordnungspolitik) - Meso (Unternehmen: Leitbilder, Codes of Conduct, CSR) - Mikro (Individuum/Manager: Tugenden). Homann/Lütge: die RAHMENORDNUNG ist der systematische Ort der Moral, weil im Wettbewerb (Gefangenendilemma) der einzelne moralische Vorleister sonst Nachteile erleidet -> Moral muss über für alle geltende Regeln anreizkompatibel verankert werden, nicht nur an Spielzüge appelliert. Legalität (rechtskonform) ist nicht gleich Legitimität (gesellschaftlich anerkennungswürdig): legal aber unethisch möglich (z.B. Steuerschlupfloch) -> darum reicht Compliance allein nicht.
  • Concept-Map-Systematik (Aufgabe U11): Die 40 CSR-Begriffe in vier Cluster ordnen um das gleichgesetzte Zentrum Nachhaltigkeit = Gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen = CSR: ZIELE (warum: Triple Bottom Line -> soziale/ökonomische/ökologische Nachhaltigkeit -> Corporate Social Performance; Oberziel License to operate + Zukunftsfähigkeit STATT Vertrauensverlust + hohe Transaktionskosten) - ADRESSATEN (für wen: Gläubiger, Eigentümer, Staat, Mitarbeitende, Kundinnen, Öffentlichkeit, Umwelt, Nachwelt) - STRATEGIEN (womit, die drei Kompetenzen: Gestaltungs-, Problemlösungs-, Argumentationskompetenz) - MASSNAHMEN (wie konkret, zentrale Rohleder-Trennung: Kerngeschäft = Ehrbarer Kaufmann, Branchenstandards, Governance, Code of Conduct, Compliance, Audits VS. Corporate Citizenship/Wohltaten = Corporate Volunteering, Mäzenatentum, Spenden, Sponsoring, Stiftungen).
💡 Für Fachfremde — Ethik-Begriffe in Alltagssprache
  • CSR (Corporate Social Responsibility) = die Verantwortung einer Firma nicht nur Geld zu verdienen, sondern auch darauf zu achten, dass ihr Tun Menschen und Natur nicht schadet. Beispiel: Eine Schokoladenfirma sorgt dafür, dass die Kakaobauern fair bezahlt werden und der Wald nicht abgeholzt wird.
  • 'gesellschaftlich' statt 'sozial' = Aufpassen: 'social' im Englischen heißt hier 'die ganze Gesellschaft betreffend', nicht nur 'sozial' im Sinne von nett/helfend. Es geht um ALLE Auswirkungen auf alle Menschen und die Umwelt, nicht nur um Gutes-Tun. Beispiel: Wie eine Firma produziert, betrifft die ganze Gesellschaft, nicht nur ein paar Bedürftige.
  • Stakeholder = alle, die von einer Firma betroffen sind oder etwas von ihr wollen: Mitarbeiter, Kunden, Nachbarn, der Staat, die Umwelt. Beispiel: Wenn eine Fabrik laut ist, sind die Anwohner Stakeholder, auch wenn sie dort nichts kaufen.
  • Shareholder = nur die Leute, denen ein Stück der Firma gehört (die Anteilseigner/Eigentümer). Beispiel: Wer Aktien einer Firma besitzt, ist Shareholder. Das ist eine kleine Untergruppe der Stakeholder.
  • Shareholder Valü = der Grundgedanke, dass eine Firma vor allem den Besitzern möglichst viel Geld/Gewinn bringen soll. Beispiel: Der Chef trifft jede Entscheidung so, dass am Ende der Aktienkurs steigt.
  • Triple Bottom Line (Drei Säulen) = eine Firma soll auf drei Dinge gleichzeitig achten: Geld (ökonomisch), Umwelt (ökologisch) und Menschen (sozial). Merkspruch: People-Planet-Profit (Menschen-Planet-Gewinn). Beispiel: Eine gute Firma macht Gewinn, verschmutzt nicht die Natur UND behandelt ihre Leute fair.
  • Nachhaltigkeit = so wirtschaften, dass auch morgen und für die nächsten Generationen noch genug da ist; nichts kaputtmachen, was man später braucht. Beispiel: Nur so viele Fische fangen, wie nachwachsen können, damit auch die Enkel noch fischen können.
  • Compliance = das Einhalten von Regeln und Gesetzen. Das 'Müssen'. Beispiel: Wie in der Schule die Hausordnung befolgen - man MUSS sich dran halten, sonst gibt es Ärger.
  • Corporate Governance = die Spielregeln, wie eine Firma geleitet und kontrolliert wird, damit niemand Mist baut. Beispiel: Wie in einem Verein: Es gibt einen Vorstand und jemanden, der ihn überwacht, damit alles sauber läuft.
  • Legalität vs. Legitimität = Legalität heißt 'erlaubt/nicht verboten'. Legitimität heißt 'wird von den Menschen als anständig empfunden'. Etwas kann erlaubt, aber trotzdem unanständig sein. Beispiel: Ein Steuertrick kann legal sein, aber viele finden ihn trotzdem unfair.
  • Rahmenordnung / 'Ort der Moral' = die allgemeinen Regeln (Gesetze), die für ALLE gleich gelten. Der Gedanke: Anständig sein klappt nur, wenn es für alle Pflicht ist. Beispiel: Wenn nur eine Firma freiwillig teuren Umweltschutz macht, verliert sie gegen die billigen anderen - erst ein Gesetz für alle löst das Problem.
  • Gefangenendilemma = eine Situation, in der jeder für sich klug handelt, aber am Ende alle schlechter dastehen, weil keiner dem anderen traut. Beispiel: Zwei Konkurrenten senken die Preise, um Kunden zu gewinnen - am Ende verdienen beide fast nichts.
  • anreizkompatibel = so gemacht, dass sich Gut-Sein auch lohnt und nicht bestraft wird. Beispiel: Wenn Mülltrennung Geld spart, machen es alle gern mit - der Anreiz passt zum gewünschten Verhalten.
  • Transaktionskosten = der ganze Extra-Aufwand (Zeit, Kontrolle, Absicherung) drumherum, wenn man Geschäfte macht und dem anderen nicht vertraut. Beispiel: Wer dem Handwerker nicht traut, muss alles per Vertrag absichern und ständig kontrollieren - das kostet Nerven und Geld.
  • License to operate ('Lizenz zu wirtschaften') = die stille Erlaubnis der Gesellschaft, dass eine Firma überhaupt arbeiten darf, weil die Leute ihr vertrauen. Beispiel: Eine Firma, die die Umwelt verpestet, bekommt Proteste und Ärger - ihr wird die 'Erlaubnis' der Öffentlichkeit entzogen.
  • Corporate Citizenship / Philanthropie / Wohltaten = wenn eine Firma nebenbei Gutes tut, z.B. Geld spendet, ohne dass es direkt mit ihrem Geschäft zu tun hat. Wichtig: Das ist NICHT dasselbe wie CSR. Beispiel: Eine Bank spendet an ein Kinderheim - nett, aber es sagt nichts darüber aus, wie fair die Bank ihre eigenen Geschäfte macht.
  • Kerngeschäft = das eigentliche Hauptgeschäft einer Firma, das womit sie ihr Geld verdient. Beispiel: Beim Bäcker ist das Kerngeschäft das Brotbacken und -verkaufen, nicht das Spenden an den Sportverein.
  • Code of Conduct = ein aufgeschriebenes Regelwerk mit Benimm- und Verhaltensregeln für die Firma und ihre Mitarbeiter. Beispiel: Wie eine Klassenregeln-Liste: 'Wir bestechen niemanden, wir behandeln alle fair'.
  • Audit = eine Prüfung/Kontrolle, ob wirklich alles so gemacht wird, wie man es versprochen hat. Beispiel: Wie der TÜV beim Auto - jemand schaut genau nach, ob alles in Ordnung ist.
  • Ehrbarer Kaufmann = ein altes Leitbild für den anständigen Geschäftsmann, der ehrlich ist und sein Wort hält, auch wenn ihn niemand kontrolliert. Beispiel: Ein Händler, auf dessen Handschlag man sich verlassen kann.
  • normativ vs. deskriptiv = deskriptiv = beschreibt, wie etwas IST. Normativ = sagt, wie etwas SEIN SOLLTE. Beispiel: 'Viele fahren zu schnell' ist beschreibend; 'Man sollte nicht rasen' ist wertend/sollend.
  • Corporate Social Performance = das tatsächlich messbare Ergebnis davon, wie gut eine Firma ihre Verantwortung wirklich umsetzt (nicht nur Gerede). Beispiel: Nicht nur sagen 'wir sind umweltfreundlich', sondern zeigen: 'wir haben den CO2-Ausstoß um 30% gesenkt'.
  • Greenwashing = wenn eine Firma so tut, als sei sie umweltfreundlich/gut, es aber gar nicht wirklich ist - reine Schönfärberei. Beispiel: Eine Ölfirma macht viel grüne Werbung, ändert aber nichts an ihrem schmutzigen Geschäft.

Status: GEPRÜFT (Quellen belegt, 1,0-Niveau) — Belegt über die OLAT-Originale (Rohleders CSR-Aufgabe + Concept-Map-Musterlösung, Abschnitt D), das CSR-Glossar (Lin-Hi et al.) sowie die Vorlesungs-Mitschriften U10-U11 und U11-U12 und belegte Standardliteratur (Carroll 1991, Elkington 1997, Freeman 1984, Rappaport 1986, Friedman 1970, EU-Grünbuch KOM(2001) 366). ⚠️ Für U11 existiert KEIN Rohleder-Kompass (der Kompass springt von Unit 10 auf Unit 12) — Belege stützen sich daher auf Mitschrift + OLAT + Standardliteratur, nie auf einen Kompass. Persönliche Ausfüllfelder (Feedback/Klärungsbedarf) bleiben offen.

Modul: Wirtschaftsethik & Unternehmensführung · TH Bingen · B.Eng. Wirtschaftsingenieurwesen · Prüfer: Prof. Rohleder

Quellenlage geklärt (OLAT-Originale eingesehen, 04.06.2026): U11 ist keine Frage-Antwort-Übung, sondern eine Concept-Map-Gruppenarbeit. Original-Aufgabe (Prof. Rohleder, 23.05.2025): „Stellen Sie den Sinnzusammenhang der folgenden Begriffe grafisch dar!“ — 40 Min Gruppenarbeit, Ergebnis als Bilddatei per Mail an a.rohleder@th-bingen.de, 4-Min-Präsentation pro Gruppe. Begleit-Reading: CSR-Glossar (Lin-Hi/Lötzsch/Doeblin, OLAT-Download) zum Nachschlagen der Begriffe. Abschnitt D enthält jetzt die vollständige Begriffsliste + Rohleders eigene Musterlösungs-Struktur (aus dem OLAT-Lösungsvorschlag). Abschnitte A–C liefern die fachliche Tiefe zu den drei Begriffs-Clustern (CSR, Stakeholder, Compliance/Governance).


0. Aufgabe — Concept-Map CSR

Auftrag (Original): Sinnzusammenhang von 40 CSR-Begriffen grafisch darstellen (Mind-Map / Concept-Map). Gruppenarbeit 40 Min, Abgabe als Bild, 4-Min-Präsentation. Begleitquelle: Lin-Hi, N. / Lötzsch, F. / Doeblin, S.: CSR-Glossar, OLAT-Downloads — Nachschlagewerk für die Begriffsdefinitionen. Prüfungsrelevanz: Die Begriffe + ihre Zuordnung zu den vier Clustern Ziele / Adressaten / Strategien / Maßnahmen (siehe D) sind klausurrelevant — Rohleder prüft das Verständnis der CSR-Systematik, nicht das Auswendiglernen einer Grafik.


1. Fragen zum Lehrinhalt

Die Original-Fragen 1–3 sind im Dossier leer (). Unten zuerst die Kernbegriffe des CSR-Glossars / der Wirtschaftsethik, die dieses Reading abdeckt, danach drei rekonstruierte Klausurfragen für die Platzhalter.


A) Kernbegriff: Corporate Social Responsibility (CSR)

(a) ANTWORT

Definition. CSR bezeichnet die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen für die Auswirkungen ihres Handelns auf Gesellschaft und Umwelt. Das Grünbuch der EU-Kommission (KOM(2001) 366 endg.) definiert CSR als freiwillige Integration sozialer und ökologischer Belange in die Geschäftstätigkeit und in die Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern, über die gesetzlichen Anforderungen hinaus. Die jüngere EU-Definition (Mitteilung KOM(2011) 681 endg.) fasst CSR knapper als „Verantwortung von Unternehmen für ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft“ und rückt damit vom expliziten Freiwilligkeits-Wortlaut ab. Lin-Hi fasst CSR funktional als Investition in die Vertrauenswürdigkeit des Unternehmens und damit als Voraussetzung langfristiger Gewinnerzielung, nicht als deren Gegensatz.

⚠️ Rohleders zentraler Übersetzungs-Hinweis (lt. Mitschrift U10-U11 / U11-U12) — häufige Klausurfalle: „Corporate Social Responsibility“ heißt gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen, nicht „soziale“. Rohleder betont, dass „social“ hier mit gesellschaftlich zu übersetzen ist; die wortgleiche Übertragung „sozial“ ist keine sinngemäße Übersetzung. Die „soziale“ Dimension ist nur eine der drei Säulen (s. u.), das „S“ in CSR meint aber das übergeordnete Gesellschaftliche.

Argumente / Einordnung.

  • Drei-Säulen-Logik / Triple Bottom Line: ökonomische, ökologische und soziale Verantwortung (People–Planet–Profit, Elkington 1997). Rohleder verortet die ökologische Säule ab den 1980er Jahren (durch die anfangs verspotteten Grünen auf die Agenda gesetzt); Messbarkeit über Corporate Social Performance (lt. Mitschrift U10-U11).
  • Abgrenzung: CSR ist keine reine Wohltätigkeit (≠ Corporate Giving/Philanthropie), sondern die verantwortliche Ausgestaltung des Kerngeschäfts selbst.
  • Carroll'sche CSR-Pyramide: ökonomische → rechtliche → ethische → philanthropische Verantwortung (Carroll 1991).
  • Internationaler Bezugsrahmen: ISO 26000 (Leitfaden gesellschaftliche Verantwortung) sowie die CSR-Berichtspflicht (CSR-RUG / CSRD).
  • Business Case: CSR kann Reputation, Mitarbeiterbindung, Risikoreduktion und die „licence to operate“ stützen; Moral und Gewinn sind nicht zwingend Gegensätze (Kernthese der ökonomischen Ethik, Homann/Lin-Hi). Verwandt: Creating Shared Value (Porter/Kramer 2011).

Fazit. CSR ist die unternehmerische Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung im und durch das Kerngeschäft; sie zielt auf den Aufbau von Vertrauen und Legitimität und ist damit langfristig im aufgeklärten Eigeninteresse des Unternehmens.

(b) VERWANDTE FRAGEN

  1. „Grenzen Sie CSR von Corporate Citizenship und Philanthropie ab.“Antwort: Corporate Citizenship = das bürgerschaftliche Engagement des Unternehmens im lokalen/gesellschaftlichen Umfeld (Spenden, Sponsoring, Stiftungen, „guter Bürger“); Philanthropie = freiwillige Wohltätigkeit ohne direkten Geschäftsbezug. CSR ist breiter und tiefer: Sie betrifft das Kerngeschäft (wie wird produziert, eingekauft, mit Mitarbeitern/Umwelt umgegangen), während Citizenship/Philanthropie nur einen Teilbereich („Mittelverwendung“) abdecken.
  2. „Was meint Lin-Hi mit ‚CSR als Investition in Vertrauenswürdigkeit'?“Antwort: Vertrauen senkt Transaktions- und Kontrollkosten und sichert die Kooperationsbereitschaft der Stakeholder. Verantwortliches Verhalten signalisiert Verlässlichkeit; CSR ist damit eine Vorleistung, die sich über stabilere Kooperationsbeziehungen ökonomisch auszahlt — Moral wird so anreizkompatibel.

(c) WARUM Prüft das Lernziel „CSR korrekt definieren und gegen Nachbarbegriffe (Citizenship, Philanthropie, Nachhaltigkeit) abgrenzen können“ — Rohleders typische Drehung ist die Abgrenzungsfrage, bei der Verwechslung mit Spenden/Wohltätigkeit der häufigste Fehler ist.


B) Kernbegriff: Stakeholder vs. Shareholder

(a) ANTWORT

Definition. Ein Stakeholder (Anspruchsgruppe) ist jede Gruppe oder Person, die die Zielerreichung eines Unternehmens beeinflussen kann oder von ihr betroffen ist (Freeman 1984): u. a. Eigentümer, Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten, Kapitalgeber, Staat, Gesellschaft, Umwelt. Ein Shareholder (Anteilseigner) ist die Teilmenge der Eigenkapitalgeber.

Rohleders Doppel-Definition (lt. Mitschrift U10-U11) — traditionell vs. modern: traditioneller Stakeholder-Begriff = alle Betroffenen (von den Entscheidungen des Unternehmens betroffen); moderner Begriff = alle Interessierten — durch Selbstermächtigung kann man Stakeholder sein, ohne Kunde zu sein (Beispiel: Öffentlichkeit, die einem Konzern „auf die Finger schaut“, ohne dessen Produkte zu kaufen). Rohleders klassische Stakeholder mit ihren rechtlich-historischen Ankern: Gläubiger (Gläubigerschutz, HGB 1897), Eigentümer (Shareholder Value, Rappaport 1986 — von Rappaport später selbst als Irrweg widerrufen, weil er zu nicht nachhaltigen, kursgetriebenen Entscheidungen führte), Staat/Fiskus, Mitarbeitende (Betriebsverfassungsgesetz), Kund*innen, Öffentlichkeit, Umwelt und — mit Bezug zur Diskursethik — die Nachwelt.

Argumente.

  • Shareholder-Ansatz (Friedman 1970) / Shareholder-Value-Konzept (Rappaport 1986): Primärziel der Unternehmensführung ist die Maximierung des Eigentümerwerts; nach Friedman gilt „the social responsibility of business is to increase its profits“ — allerdings ausdrücklich innerhalb der Spielregeln (Recht und ethische Gepflogenheiten).
  • Stakeholder-Ansatz (Freeman): Unternehmen müssen die berechtigten Ansprüche aller relevanten Anspruchsgruppen ausbalancieren; nachhaltiger Erfolg setzt Kooperation aller Bezugsgruppen voraus.
  • Vermittelnde Position (ökonomische Ethik): Kein echter Gegensatz — langfristige Shareholder-Value-Steigerung gelingt nur über stabile Stakeholder-Beziehungen („enlightened shareholder value“).

Fazit. Die Begriffe markieren zwei Bezugsrahmen unternehmerischer Verantwortung. Die moderne Wirtschaftsethik löst den scheinbaren Gegensatz auf: Stakeholder-Orientierung ist Mittel zur langfristigen Wertsicherung, nicht ihr Gegner.

(b) VERWANDTE FRAGEN

  1. „Nennen Sie je drei interne und externe Stakeholder eines Industriebetriebs.“Antwort: Intern: Mitarbeiter, Management/Führung, Eigentümer/Gesellschafter. Extern: Kunden, Lieferanten, Kapitalgeber/Banken, Staat/Kommune, Anwohner, NGOs, Wettbewerber, Medien.
  2. „Wie kann ein Stakeholder-Konflikt aussehen, und wie geht verantwortliche Unternehmensführung damit um?“Antwort: Beispiel Kostensenkung (Shareholder-Interesse Rendite) vs. Arbeitsplatzsicherheit (Mitarbeiter) vs. Umweltschutz (Anwohner). Verantwortliche Führung gewichtet Ansprüche transparent (Stakeholder-Analyse/-Mapping nach Macht × Interesse), sucht Interessenausgleich, dokumentiert die Abwägung und kommuniziert offen statt einseitig zu optimieren.

(c) WARUM Testet das zentrale Lernziel „Bezugsgruppen unternehmerischer Verantwortung identifizieren und den Shareholder-/Stakeholder-Konflikt einordnen“ — Rohleder variiert das gern als Anwendungsfall (konkrete Stakeholder eines gegebenen Betriebs nennen / Konflikt auflösen).


C) Kernbegriff: Compliance, Corporate Governance & Wirtschaftsethik-Ebenen

(a) ANTWORT

Definition.

  • Compliance = Einhaltung von Gesetzen, Regeln und internen Richtlinien; organisatorische Sicherstellung regelkonformen Verhaltens (Compliance-Management-System).
  • Corporate Governance = Ordnungsrahmen für die Leitung und Überwachung von Unternehmen (z. B. Deutscher Corporate Governance Kodex), inkl. Verantwortlichkeit, Transparenz, Kontrolle (Vorstand/Aufsichtsrat).
  • Drei Ebenen der Wirtschaftsethik: Makro (Rahmenordnung/Ordnungspolitik — Wettbewerbs-, Umwelt-, Sozialrecht), Meso (Unternehmen/Organisation — Leitbilder, Codes of Conduct, CSR), Mikro (Individuum/Manager — persönliche Verantwortung, Tugenden).

Argumente.

  • Ort der Moral (Homann/Lütge): In der Marktwirtschaft ist die Rahmenordnung der systematische Ort der Moral — sie setzt die Spielregeln, damit moralisches Verhalten nicht zum Wettbewerbsnachteil wird. Einzelne Tugend („Spielzug“) reicht nicht; Moral muss über die für alle geltenden Regeln anreizkompatibel verankert werden (Verhinderung des „Sich-Ausbeutens-Lassens“ im Gefangenendilemma).
  • Compliance ist Pflicht (das Müssen), Ethik geht darüber hinaus (das Sollen): Legalität ≠ Legitimität; ein Verhalten kann legal, aber unethisch sein.
  • Governance operationalisiert Verantwortung: klare Zuständigkeit, Anreizsysteme, Kontroll- und Sanktionsmechanismen verhindern, dass Moral bloßer Appell bleibt.

Fazit. Compliance sichert das gesetzliche Minimum, Governance den Kontroll- und Verantwortungsrahmen, Wirtschaftsethik die normative Reflexion darüber hinaus. Erst das Zusammenspiel über alle drei Ebenen macht verantwortliche Unternehmensführung wirksam.

(b) VERWANDTE FRAGEN

  1. „Worin unterscheiden sich Legalität und Legitimität?“Antwort: Legalität = Übereinstimmung mit dem geltenden Recht (Gesetz erfüllt). Legitimität = gesellschaftliche/ethische Anerkennungswürdigkeit des Handelns. Handeln kann legal, aber illegitim sein (z. B. Ausnutzen von Steuerschlupflöchern) — Wirtschaftsethik zielt auf Legitimität über die Legalität hinaus.
  2. „Warum ist nach Homann die Rahmenordnung der ‚systematische Ort der Moral'?“Antwort: Weil im Wettbewerb der einzelne Akteur, der moralisch vorleistet, sonst Nachteile erleidet (Gefangenendilemma-Logik). Erst Regeln, die für alle gleichermaßen gelten, machen moralisches Verhalten anreizkompatibel und dauerhaft durchsetzbar — die Moral wird in die Spielregeln verlagert, nicht nur an die Spielzüge appelliert.

(c) WARUM Prüft das Verständnis der Ebenen-Systematik und der Homann'schen Grundthese (Rahmenordnung/Anreizkompatibilität) — eine Lieblingsdrehung in Wirtschaftsethik-Klausuren ist die Unterscheidung Legalität/Legitimität bzw. „warum reicht Compliance allein nicht?“.


D) Die Concept-Map: Begriffsliste + Rohleders Musterlösungs-Struktur

Alle 40 Begriffe (Original-Aufgabenblatt): Adressaten · Argumentationskompetenz · Audits · Branchenstandards · Code of Conduct · Compliance · Corporate Citizenship · Corporate Governance · Corporate Social Performance · Corporate Social Responsibility · Corporate Volunteering · Ehrbarer Kaufmann · Gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen · Gestaltungskompetenz · hohe Transaktionskosten · Kerngeschäft · Kommunikation mit den Stakeholdern · Kooperationsfähigkeit · License to operate · Management von Konfliktfeldern · Maßnahmen · Mäzenatentum · Mindestlohn · Nachhaltigkeit · Ökologische Nachhaltigkeit · Ökonomische Nachhaltigkeit · Problemlösungskompetenz · Soziale Nachhaltigkeit · Spenden · Sponsoring · Stakeholder · Stiftungen · Strategien · Triple Bottom Line · Vertrauensverlust · Wertschöpfung · Wohltaten · Ziele · Zukunftsfähigkeit.

Rohleders Musterlösung (Sinnzusammenhang — aus dem OLAT-Lösungsvorschlag rekonstruiert):

Zentrum: Nachhaltigkeit = Gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen = Corporate Social Responsibility — die drei Begriffe sind gleichgesetzt. Vom Zentrum gehen vier Hauptäste ab:

1. ZIELE

  • Triple Bottom Line → Soziale / Ökonomische / Ökologische Nachhaltigkeit → mündet in Corporate Social Performance (statt Greenwashing).
  • Oberziel: License to operate und Zukunftsfähigkeitstatt Vertrauensverlust und hohe Transaktionskosten (das ist die ökonomische Pointe: Verantwortung senkt Transaktionskosten und sichert die gesellschaftliche „Lizenz zu wirtschaften“).

2. ADRESSATEN (Stakeholder) — mit den jeweiligen rechtlich-historischen Ankern:

  • Gläubiger (HGB, 1897) · Eigentümer*innen (Shareholder Value, 1986) · Staat (Fiskus/Finanzamt) · Mitarbeitende (Betriebsverfassungsgesetz) · Kund*innen · Öffentlichkeit · Umwelt · Nachwelt.

3. STRATEGIEN (Grundlage: Problembewusstsein) — die drei Kompetenzen:

  • Gestaltungskompetenz (→ Wertschöpfung)
  • Problemlösungskompetenz (→ Management von Konfliktfeldern)
  • Argumentationskompetenz (→ Kommunikation mit den Stakeholdern, Kooperationsfähigkeit)

4. MASSNAHMEN — zwei Zweige:

  • Im Kerngeschäft: Ehrbarer Kaufmann (als persönliches Ethos) · Branchenstandards · Corporate Governance · Mindestlohn → operationalisiert über Code of Conduct, Compliance (z. B. Lieferkettengesetz), Audits.
  • Corporate Citizenship (Wohltaten): Corporate Volunteering · Mäzenatentum → konkret als Spenden, Sponsoring, Stiftungen.

Merksatz für die Klausur: CSR-Begriffe ordnen sich in Ziele (warum)Adressaten (für wen)Strategien (womit/Kompetenzen)Maßnahmen (wie konkret: Kerngeschäft vs. Citizenship). Die Maßnahmen-Trennung Kerngeschäft ↔︎ Corporate Citizenship/Wohltaten ist Rohleders zentrale Unterscheidung (vgl. Abgrenzung CSR ≠ Philanthropie in Abschnitt A).


2. Vorschläge, Wünsche, Anregungen (Feedback)

(persönlich — selbst ausfüllen)

  • Hinweis (z. B. toter Link): (persönlich — selbst ausfüllen)
  • Bitte: (persönlich — selbst ausfüllen)
  • Vorschlag: (persönlich — selbst ausfüllen)
  • Lob: (persönlich — selbst ausfüllen)
  • Kritik: (persönlich — selbst ausfüllen)

Klärungsbedarf / Priorisierung: (persönlich — selbst ausfüllen)


Quellen

  • Rohleder, A.: ETFÜ-Übung Unit 11 — CSR-Aufgabe (Begriffsliste, 23.05.2025) + Lösungsvorschlag „Ethik im Unternehmen“ (Concept-Map-Struktur), OLAT-Downloads. ← primäre Quelle für Abschnitt D.
  • Lin-Hi, N. / Lötzsch, F. / Doeblin, S.: CSR-Glossar (Corporate Social Responsibility Glossar), OLAT-Downloads — Begleit-Nachschlagewerk zu den 40 Begriffen.
  • Europäische Kommission: Grünbuch „Europäische Rahmenbedingungen für die soziale Verantwortung der Unternehmen“, KOM(2001) 366.
  • Carroll, A. B. (1991): The Pyramid of Corporate Social Responsibility, Business Horizons 34(4).
  • Elkington, J. (1997): Cannibals with Forks: The Triple Bottom Line of 21st Century Business.
  • Freeman, R. E. (1984): Strategic Management: A Stakeholder Approach.
  • Friedman, M. (1970): The Social Responsibility of Business is to Increase its Profits, The New York Times Magazine, 13.09.1970.
  • Rappaport, A. (1986): Creating Shareholder Value, Free Press, New York.
  • Homann, K. / Lütge, C. (2013): Einführung in die Wirtschaftsethik, 3. Aufl., LIT Verlag (Rahmenordnung als „Ort der Moral“, Anreizkompatibilität).
  • Deutscher Corporate Governance Kodex (DCGK), aktuelle Fassung.

Erstellt mit Unterstützung generativer KI (Claude/Anthropic), eigenständig zu überarbeiten. Sachquellen siehe oben.