ETFÜ U14 — Organisationspsychologie, Kommunikation, Konflikt
- OrgPsych-Aspekte (V01/#01): Organisationspsychologie = Erleben und Verhalten von Menschen in Organisationen. Vier Aspekte der Abbildung: (1) Aufgaben = Zweck, Ziele und Strategien der Organisation; (2) Individuum = Mitarbeiter mit seinen Mitteln/Technik, Einstellung, Kompetenzen; (3) Interaktion mit anderen = Miteinander im Unternehmen (Wertschätzung, Verlässlichkeit, Respekt); (4) Verhältnis zur Organisation = Engagement, Identifikation, Kundenorientierung, Bindung.
- Kommunikation (V01/#02): essentiell für die Koordination des Unternehmens. Damit sie funktioniert, muss sie analysiert und organisiert werden; das hilft, Störungen zu erkennen und zu beheben. (Merksatz: Kommunikation ist das Koordinationsmedium, kein Nebenprodukt.)
- Konflikt (V01/#03): Def = Spannungssituation, in der die Parteien unvereinbare Handlungen ausführen wollen; unmittelbare Gegnerschaft und wechselseitige Abhängigkeit. Zwei Arten: innerhalb einer Person (Interessen-/Wertkonflikte, kognitive Dissonanz) und zwischen Gruppen. Konfliktfelder: Bewertungs- (Gewichtung von Sachverhalten), Beurteilungs- (Streit über die Mittel zur Zielerreichung), Verteilungs- (knappes Gut, z.B. Beförderung), Beziehungskonflikte (fehlende Anerkennung, Mobbing). Anzeichen: eigene Ziele überbetont, Mauern, Drohen/Bluffen, Wir-gegen-die, schlechtere Kommunikation, Entscheidungen auf mangelhafter Info, Sticheleien, Suche nach Schuldigen statt Lösungen.
- Anreize + Maslow + Motivationsverbesserung (V02/#04): Anreize/Arbeitsmotive: Geld, Beitrag leisten, Energien abführen, Anerkennung, Kontakt, Abwechslung, Innovationslust, Sinngebung, Selbstverwirklichung, Sicherheit, Harmonie, Arbeit als soziale Norm. Bezug Maslow = Bedürfnishierarchie. Achten: Motivationsfaktoren sollen externe Anreize (Geld) UND persönliches Streben/Freiheit enthalten. Kernaussage: gerät die Maslow-Pyramide in ein (zu) starkes Ungleichgewicht, sinkt die Motivation (z.B. sehr gute Bezahlung, aber fehlende Anerkennung/soziale Motive führt zu starken Motivationseinbrüchen).
- Arbeitszufriedenheit (V02/#05): Def = Einstellung des Mitarbeiters zur Arbeit und Arbeitssituation; Ausdruck der Bedürfnisbefriedigung (z.B. Betriebsklima, Identifikation). Faktoren: Kollegen, Arbeitsinhalte, Führungskräfte, Bezahlung, Arbeitsbedingungen/-zeiten, Beförderung, Weiterbildung, Anerkennung, Status, Verantwortung, Sicherheit, Entfaltung. Methoden: Fragebogen (z.B. Arbeits-Beschreibungs-Bogen), Kennzahlen (Krankenstand, Fluktuation), offene Dialoge -> Feedback und Massnahmen -> Leadership.
- Mehr Geld (V02/#06): Beim Grossteil der Menschen geht steigendes Einkommen (teils linear) mit höherer mittlerer Zufriedenheit einher. Anders als bisher geglaubt besteht ein signifikanter Zusammenhang, der auch jenseits einer Grenze (z.B. 75.000 oder 100.000 Euro) bei vielen weiter zu beobachten ist. Aber: ideal ist ein Mix, um glücklich zu werden (Geld allein genügt nicht ohne z.B. Work-Life-Balance/Anerkennung).
- Stakeholder-Definition + Modell (V03/#07): Stakeholder = alle Akteure, die Einfluss auf ein Unternehmen ausüben bzw. Ansprüche/Erwartungen an es haben (Beispiele: Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten, Politik, Verbände, Banken). Modell: Unternehmen wird vom Umfeld beeinflusst; diese Einflussfaktoren müssen identifiziert und bewertet werden. Werkzeug: PEST-/PESTEL-Analyse (Political, Economic, Social, Technological, Environmental, Legal).
- Stakeholder-Risiken/Unterteilung/Beurteilung (V03/#08): Risiken: fehlende Kundenorientierung, schlechte Produktbewertungen, schlechte Behandlung von Beschäftigten (Rufschädigung), Zusammenarbeit mit unmoralischen Lieferanten (Ausbeutung/Kinderarbeit/Umweltschäden -> Imageverlust); Folgen: Einbruch Umsatz und Cashflow, Abwanderung von Mitarbeitern/Know-how, Rechtsverstösse. Unterteilung (Abb. 1): direktes Umfeld (unmittelbarer Kontakt, z.B. Lieferanten) vs. indirektes (mittelbar, z.B. Bewertungen/Studien); Bereiche: Wissenschaft, Technologie, Natur, Klima, Recht, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft. Beurteilung nach drei Kriterien: Einfluss und Beeinflussbarkeit; Chancen und Risiken fürs Unternehmen; Einstellung des Stakeholders gegenüber dem Unternehmen.
- Stakeholder-Ziele/Auswirkungen/Issüs (V04/#09): Ziele je Gruppe: Mitarbeiter (Einkommen, Sicherheit, Status, Sinn, Sozialbeziehungen, Macht), Kunden (Qualität, Service, Preiswürdigkeit, Liefersicherheit, Image), Kapitalgeber (Bonität, Kapitaldienstfähigkeit, Risikokalkulierbarkeit), Staat (Steuern/Gebühren, Mitwirken an gesellschaftlichen Aufgaben). Auswirkungen: positiv (Unterstützung, Lobbyismus, Empfehlung) vs. negativ (Konkurrenz stärken, Abraten, Fehlverhalten aufdecken, nachteilige Gesetzgebung). Kommunikation essentiell (Pressemeldungen, Veranstaltungen, Internet, Nachhaltigkeitsbericht). Issüs = Themen; Issü-Management = gezielt Themen in Presse/Öffentlichkeit setzen oder verhindern.
- Stakeholder-Portfolio + Planung + Probleme (V04/#10): Portfolio (Achsen Einfluss x Beeinflussbarkeit): Kunden/Mitarbeiter (hohe Beeinflussbarkeit) individuell betreuen (z.B. Key-Account-Management, R&D-Einbindung, persönliche Gespräche), Presse/Politik über längeren Dialog und Beziehungsaufbau. 5 Planungsschritte: 1. Ausgangssituation (Analyse), 2. Ziele (Chancen und Risiken), 3. Strategie (Ebene und Richtung der Einflussnahme), 4. Massnahmen (Durchführung), 5. Evaluation (Wirkung/Chancen-Risiken/Beeinflussbarkeit erneut prüfen -> Zyklus). Probleme: Massnahme kann nach hinten losgehen (Einstellung verschlechtert sich), Zeitverschwendung bei nicht beeinflussbaren Gruppen, verzerrte/subjektive Wahrnehmung, Nicht-Erkennen aller Stakeholder oder falsche Einstufung.
- Organisationspsychologie = die Lehre davon, wie sich Menschen bei der Arbeit fühlen und benehmen. Beispiel: Warum ein Kollege montags gut gelaunt zur Arbeit kommt und ein anderer keine Lust hat.
- Individuum = einfach eine einzelne Person, ein einzelner Mensch. Hier: der einzelne Mitarbeiter mit seinen Fähigkeiten und Wünschen.
- Interaktion = das Miteinander, wenn Menschen zusammen etwas tun oder miteinander reden. Beispiel: Zwei Kollegen sprechen sich ab, wer den Kunden anruft.
- Identifikation (mit der Firma) = wenn jemand die Firma als 'seine' Firma empfindet und stolz dabei ist. Beispiel: 'Wir bauen die besten Wohnmobile' sagt jemand, der sich zugehörig fühlt.
- Koordination = das Abstimmen, damit alle am gleichen Strang ziehen und nichts durcheinandergeht. Beispiel: Im Restaurant wissen Küche und Bedienung, wer welchen Teller wohin bringt.
- Sachebene und Beziehungsebene = zwei Ebenen beim Reden. Sachebene = die reinen Fakten ('Der Bericht fehlt'). Beziehungsebene = das Gefühl dahinter ('Du lässt mich hängen'). Oft streitet man scheinbar um die Sache, meint aber das Gefühl.
- Konflikt = eine Spannungs-Situation, in der zwei Seiten Dinge wollen, die nicht zusammenpassen, und trotzdem aufeinander angewiesen sind. Beispiel: Zwei Kollegen wollen beide dasselbe Büro, müssen aber weiter zusammenarbeiten.
- Intrapersonal (Konflikt in einer Person) = ein Zwiespalt im eigenen Kopf, wenn man zwei Dinge gleichzeitig will, die sich widersprechen. Beispiel: Man will befördert werden, aber nicht mehr arbeiten.
- Kognitive Dissonanz = das unangenehme Gefühl, wenn das eigene Tun nicht zur eigenen Überzeugung passt. Beispiel: Man findet Rauchen schädlich und raucht trotzdem – das nagt.
- Verteilungskonflikt = Streit, weil es von etwas nur wenig gibt und nicht alle es bekommen können. Beispiel: Nur eine Beförderung ist frei, aber drei wollen sie.
- Anreiz / Arbeitsmotiv = ein Grund, warum jemand gern arbeitet. Beispiel: Geld, Lob vom Chef, nette Kollegen oder eine spannende Aufgabe.
- Extrinsisch und intrinsisch = zwei Arten von Antrieb. Extrinsisch = von außen (Geld, Lob). Intrinsisch = von innen (die Arbeit macht einfach Spaß). Beispiel: Der eine malt für Geld, der andere weil Malen ihm Freude macht.
- Maslow-Pyramide (Bedürfnishierarchie) = eine Ordnung menschlicher Wünsche, gestapelt wie eine Pyramide. Unten das Nötigste (Essen, Sicherheit), oben die feineren Wünsche (Anerkennung, sich selbst verwirklichen). Idee: erst das Untere muss stimmen, dann zählt das Obere.
- Selbstverwirklichung = das eigene Potenzial ausleben, das werden, was man sein möchte. Beispiel: Endlich die Aufgaben machen, die einem wirklich am Herzen liegen.
- Ordnungsheuristik = eine grobe Faustregel zum Sortieren, kein festes Naturgesetz. Beispiel: 'Erst das Wichtige, dann der Rest' hilft beim Aufräumen, stimmt aber nicht immer haargenau.
- Hygienefaktoren und Motivatoren (Herzberg) = zwei Sorten von Dingen im Job. Hygienefaktoren (Gehalt, Arbeitsplatz) verhindern nur Unzufriedenheit, machen aber nicht glücklich. Motivatoren (Lob, Verantwortung) machen echt zufrieden. Beispiel: Eine warme Heizung nervt nicht, begeistert aber auch niemanden.
- Arbeitszufriedenheit = wie zufrieden jemand mit seiner Arbeit und dem Drumherum ist. Beispiel: Gute Stimmung im Team und faire Bezahlung = zufrieden.
- Fluktuation = wie viele Mitarbeiter die Firma verlassen und wechseln. Hohe Fluktuation = viele gehen weg, oft ein Zeichen für Unzufriedenheit.
- Kennzahl = eine Zahl, an der man etwas ablesen kann, ohne direkt zu fragen. Beispiel: Viele Krankmeldungen als Hinweis, dass etwas nicht stimmt.
- Signifikanter Zusammenhang = ein Zusammenhang, der echt und nicht nur Zufall ist. Beispiel: Mehr Gehalt und mehr Zufriedenheit gehen bei den meisten wirklich Hand in Hand.
- Work-Life-Balance = das gesunde Gleichgewicht zwischen Arbeit und Privatleben. Beispiel: Genug Feierabend und freie Wochenenden neben dem Job.
- Substitut = ein Ersatz für etwas anderes. Hier: Geld ist KEIN Ersatz für Anerkennung oder Sinn – man kann das eine nicht durch das andere aufwiegen.
- Stakeholder = alle, die mit einer Firma zu tun haben, sie beeinflussen oder etwas von ihr erwarten. Beispiel: Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten, Nachbarn, der Staat.
- Anspruchsgruppen / Bezugsgruppen = deutsche Wörter für Stakeholder – Gruppen, die einen Anspruch oder ein Interesse an der Firma haben.
- PEST- / PESTEL-Analyse = eine Checkliste, um das Umfeld einer Firma abzuklopfen. Man schaut auf Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Technik, Umwelt und Gesetze. Beispiel: 'Welche neuen Gesetze könnten uns treffen?'
- Direktes und indirektes Umfeld = wer nah dran ist und wer weiter weg. Direkt = man hat direkten Kontakt (der Lieferant). Indirekt = wirkt aus der Ferne (eine schlechte Online-Bewertung).
- License to Operate = die stille 'Erlaubnis der Gesellschaft', dass eine Firma überhaupt existieren und arbeiten darf. Beispiel: Die Öffentlichkeit akzeptiert (oder lehnt ab), dass es eine bestimmte Fabrik im Ort gibt.
- Reputation / Rufschädigung / Imageverlust = der gute Ruf einer Firma und was passiert, wenn er kaputtgeht. Beispiel: Nach einem Skandal wollen viele nicht mehr dort kaufen.
- Cashflow = das Geld, das tatsächlich in die Firma rein- und rausfließt. Einfach: was am Ende in der Kasse ankommt. Bricht der Cashflow ein, fehlt Geld zum Bezahlen.
- Bonität = die Kreditwürdigkeit, also wie sicher jemand seine Schulden zurückzahlen kann. Beispiel: Wer zuverlässig zahlt, bekommt leichter einen Kredit.
- Kapitaldienstfähigkeit = die Fähigkeit, Kredite samt Zinsen pünktlich zu bedienen. Einfach: 'Kann die Firma ihre Raten zahlen?'
- Lobbyismus = wenn jemand versucht, Politik und Entscheider zugunsten bestimmter Interessen zu beeinflussen. Beispiel: Ein Verband redet Politikern ein neues Gesetz ein oder aus.
- Issüs / Issü-Management = 'Themen' und der gezielte Umgang damit in der Öffentlichkeit. Man bringt gute Themen in die Presse oder hält schlechte fern. Beispiel: Eine Firma erzählt aktiv von ihrem Umweltprojekt, um positiv aufzufallen.
- Nachhaltigkeitsbericht = ein Bericht, in dem eine Firma zeigt, was sie für Umwelt und Gesellschaft tut. Beispiel: 'So viel CO2 haben wir eingespart.'
- Stakeholder-Portfolio = eine Übersicht (wie ein Vier-Felder-Raster), die Gruppen nach Macht und Beeinflussbarkeit einsortiert. So sieht man, wen man wie behandeln sollte.
- Einfluss × Beeinflussbarkeit = zwei Fragen zu jeder Gruppe. Einfluss = 'Wie viel Macht hat sie über uns?' Beeinflussbarkeit = 'Wie gut können wir sie überzeugen?' Beispiel: Ein Großkunde hat viel Einfluss und ist gut ansprechbar.
- Key-Account-Management = besonders sorgfältige Betreuung der wichtigsten Kunden, oft mit einem eigenen festen Ansprechpartner. Beispiel: Der Top-Kunde hat 'seinen' Betreuer, der sich um alles kümmert.
- R&D / Forschung und Entwicklung = die Abteilung, die neue Produkte erforscht und entwickelt. Beispiel: Hier wird das nächste Modell getüftelt.
- Evaluation = das Nachprüfen, ob etwas gewirkt hat. Beispiel: Nach einer Aktion schauen, ob die Kunden jetzt zufriedener sind.
- Iterativ / Zyklus = in Runden, die sich immer wiederholen. Man macht etwas, prüft das Ergebnis, verbessert und beginnt von vorn. Beispiel: Ein Kreislauf aus Machen, Kontrollieren, Nachbessern.
- Kraftfeldanalyse = ein Werkzeug, das zeigt, welche Kräfte für ein Ziel arbeiten und welche dagegen. Beispiel: Wer unterstützt die Neuerung, wer bremst sie?
- Betriebsrat = die gewählte Vertretung der Mitarbeiter, die per Gesetz mitreden darf. Beispiel: Bei Kündigungen oder Arbeitszeiten muss er gefragt werden.
- Public Relations (PR) = Öffentlichkeitsarbeit, also gezielt für ein gutes Bild in der Öffentlichkeit sorgen. Beispiel: schöne Pressemitteilungen und Firmenfeste.
- Kant: pflichtgemäß vs. aus Pflicht = zwei Arten von gutem Handeln. Pflichtgemäß = man tut das Richtige nur, weil es Vorteile bringt. Aus Pflicht = man tut es aus echter Überzeugung. Beispiel: Ehrlich sein, um nicht erwischt zu werden – oder ehrlich sein, weil man Lügen falsch findet.
Modul: Wirtschaftsethik & Unternehmensführung · TH Bingen · B.Eng. Wirtschaftsingenieurwesen Prüfer: Prof. Dr. Andreas Rohleder Status: GEPRÜFT (quellenbelegt)
Quellenlage geklärt (Kompass U14 eingesehen): U14 ist eine reguläre Dossier-Unit mit Aufgabenblatt. Quellen laut Kompass: HBW 085 (Organisationspsychologie/Motivation) und HBW 051 (Stakeholder), Begleit-Fundstelle business-wissen.de („Arbeits- und Organisationspsychologie“) sowie n-tv.de/23976240 (neue Einkommens-Zufriedenheits-Forschung). Die Antworten unten folgen der Kompass-Struktur (V01–V04) und sind mit den Kompass-Musterlösungen abgeglichen. Der Stakeholder-Teil (V03/V04) wird zusätzlich durch die Vorlesungs-Mitschrift (Screencast 26.05.2026, dort als „U14 Stakeholder Management“ geführt) gestützt.
0. Aufgabe
Vier Aufgabenblöcke: V01 Organisationspsychologie / Kommunikation / Konflikt (HBW 085 S. 1, 6 f.), V02 Motivation, Anreize, Maslow, Arbeitszufriedenheit, „mehr Geld“ (HBW 085 S. 8 f.), V03 Stakeholder-Ansatz (HBW 051 S. 1 f.), V04 Stakeholder-Analyse & -Management (HBW 051 S. 3 f.).
V01 — Organisationspsychologie, Kommunikation, Konflikt
#01 — Erläutern Sie die verschiedenen Aspekte der Organisationspsychologie (anhand der Abbildung).
Aufgabe: Erläutern Sie kurz die verschiedenen Aspekte der Organisationspsychologie anhand der Abbildung.
(a) ANTWORT
Definition. Organisationspsychologie (Teil der Arbeits- und Organisationspsychologie) untersucht das Erleben und Verhalten von Menschen in Organisationen — das Zusammenspiel von Aufgabe, Individuum, Interaktion und Organisationsbindung. Sie liefert die verhaltenswissenschaftliche Grundlage für Führung, Motivation und Konfliktbehandlung.
Die vier Aspekte (nach der Kompass-Abbildung, HBW 085):
- Aufgaben: Zweck, Ziele & Strategien der Organisation — der sachliche Rahmen, in dem gehandelt wird.
- Individuum: der Mitarbeiter mit seinen Mitteln (Technik), seiner Einstellung, seinen Kompetenzen und Bedürfnissen.
- Interaktion mit anderen: das Miteinander im Unternehmen — Wertschätzung, Verlässlichkeit, Respekt, Kommunikation.
- Verhältnis zur Organisation: Engagement der Mitarbeiter, Identifikation, Kundenorientierung, Bindung ans Unternehmen.
Fazit. Organisationspsychologie betrachtet den Menschen nie isoliert, sondern im Vierklang aus Aufgabe – Person – Interaktion – Organisationsbindung; Führung setzt an allen vier Aspekten an.
(c) WARUM Rohleder prüft, ob man den Menschen im Unternehmen mehrdimensional denkt (nicht nur als „Ressource“ auf Schicht 7 des 7-Schichten-Modells). Die vier Aspekte sind die Bezugspunkte für Motivation (V02) und Konfliktbehandlung.
#02 — Erläutern Sie die Rolle der Kommunikation im Unternehmen / in der Organisationspsychologie.
Aufgabe: Erläutern Sie die Rolle der Kommunikation im Unternehmen und der Organisationspsychologie.
(a) ANTWORT
Definition/Rolle. Kommunikation ist essentiell für die Koordination eines Unternehmens. Um ihre Funktionalität sicherzustellen, muss sie analysiert und organisiert werden — das hilft, Störungen zu erkennen und zu beheben.
Argumente / Einordnung.
- Kultur beruht auf funktionierender, wertebasierter Kommunikation — sie ist eines der wirksamsten Koordinationsinstrumente (Brücke zur Unternehmenskultur, U12/U13).
- Kommunikation wirkt auf beiden Ebenen: Sachebene (Zahlen-Daten-Fakten) und Beziehungsebene (Motive, Emotionen). Störungen entstehen häufig auf der Beziehungsebene, obwohl sie sich als Sachkonflikt tarnen.
- Vertiefung (aus späteren Units): das Vier-Ohren-/Vier-Seiten-Modell (Schulz von Thun) — jede Nachricht hat Sachinhalt, Selbstoffenbarung, Beziehung, Appell — erklärt, warum Botschaften unterschiedlich „ankommen“.
Fazit. Kommunikation ist kein Nebenprodukt, sondern das Koordinationsmedium der Organisation; sie ist gestaltbar und muss aktiv organisiert werden.
(c) WARUM Kommunikation ist Querschnittsthema (Kultur, Führung, Stakeholder-Management). Rohleder verknüpft sie gern mit dem 4-Ohren-Modell (war Altklausur-Aufgabe 5, Selbstoffenbarungs-Seite).
#03 — Definieren Sie „Konflikt“. Welche Arten und Konfliktfelder gibt es? Woran erkennt man einen drohenden Konflikt?
Aufgabe: Definieren Sie den Begriff Konflikt. Welche zwei Arten von Konflikten werden genannt? Welche Konfliktfelder lassen sich unterscheiden? Nennen Sie Anzeichen für einen drohenden Konflikt!
(a) ANTWORT
Definition. Ein Konflikt ist eine Spannungssituation, in der die Parteien Handlungen ausführen wollen, die miteinander unvereinbar sind; es besteht eine unmittelbare Gegnerschaft, und die Parteien sind voneinander abhängig.
Zwei Arten von Konflikten (HBW 085):
- Innerhalb einer Person (intrapersonal): Interessen- oder Wertkonflikte, unvereinbare Handlungstendenzen, psychische Spannungen, kognitive Dissonanz.
- Zwischen Gruppen (interpersonal/intergruppal).
Konfliktfelder:
- Bewertungskonflikte — unterschiedliche Gewichtung von Sachverhalten.
- Beurteilungskonflikte — Streit über die Mittel zur Zielerreichung.
- Verteilungskonflikte — Konkurrenz um ein knappes Gut (z. B. Beförderung, höherer Posten).
- Beziehungskonflikte — fehlende Akzeptanz/Anerkennung, z. B. Mobbing.
Anzeichen für einen drohenden Konflikt: eigene Ziele werden überbetont · gegenüber anderen Parteien wird „gemauert“ · Drohungen/Bluffen, sachliche und unsachliche Argumente vermischt · Zusammenhalt in der eigenen Gruppe wächst (Wir-gegen-die) · Kommunikation mit den anderen wird schlechter · Entscheidungen auf Basis mangelhafter Informationen · Abnahme persönlicher Interaktion · Sticheleien · Suche nach Schuldigen statt nach Lösungen.
Fazit. Konflikt = unvereinbare Handlungsabsichten bei wechselseitiger Abhängigkeit. Früherkennung (Anzeichen) ist entscheidend, weil eskalierte Konflikte teuer und lösungsfern werden.
(b) VERWANDTE FRAGEN
- „Was ist kognitive Dissonanz?“ — Der als unangenehm erlebte Spannungszustand, wenn Einstellungen/Handlungen einer Person nicht zusammenpassen; typischer intrapersonaler Konflikt.
- „Ordnen Sie ein Beispiel einem Konfliktfeld zu.“ — Streit um die knappe Beförderung = Verteilungskonflikt; Streit über den richtigen Weg zum Ziel = Beurteilungskonflikt.
(c) WARUM Definitions- + Systematik-Frage. Rohleder belohnt die saubere Vier-Felder-Unterscheidung und die Fähigkeit, ein konkretes Beispiel korrekt einzuordnen — statt Konflikte pauschal als „Streit“ zu behandeln.
V02 — Motivation und Zufriedenheit
#04 — Welche Anreize/Arbeitsmotive gibt es? Nehmen Sie Bezug auf die Maslow-Pyramide. Worauf ist bei der Verbesserung der Motivation zu achten?
Aufgabe: Welche Anreize und Arbeitsmotive gibt es für Motivation? Nehmen Sie Bezug auf die Maslow-Pyramide. Worauf sollte bei der Verbesserung der Motivation im Unternehmen geachtet werden?
(a) ANTWORT
Anreize / Arbeitsmotive (HBW 085): Geld · seinen Beitrag leisten · geistige & körperliche Energien abführen · Anerkennung · Kontaktbedürfnis · Abwechslung · Abenteuerlust / Lust auf Innovation & Veränderung · Bedürfnis nach Sinngebung · Selbstverwirklichung · Sicherheit · Harmoniebedürfnis · Arbeit als soziale Norm.
Bezug zur Maslow-Pyramide (Bedürfnishierarchie, Maslow 1943): fünf Ebenen von unten nach oben — (1) Physiologische Bedürfnisse (Existenzsicherung/Geld) · (2) Sicherheit (Arbeitsplatzsicherheit) · (3) Soziale Bedürfnisse (Kontakt, Zugehörigkeit) · (4) Wertschätzung/Anerkennung (Status, Anerkennung) · (5) Selbstverwirklichung (Sinn, persönliches Wachstum). Klassische Annahme: untere („Defizit-„)Bedürfnisse wirken vorrangig, bis sie gedeckt sind; Selbstverwirklichung als „Wachstumsbedürfnis“.
Worauf bei der Motivationsverbesserung achten (Kompass-Musterlösung): Motivationsfaktoren sollten externe Anreize (Geld o. Ä.) enthalten, aber auch das persönliche Streben berücksichtigen und Freiheit geben, individuelle Präferenzen auszuleben. Gerät die Maslow-Pyramide in ein (zu) starkes Ungleichgewicht, sinkt die Motivation — z. B. sehr gute Bezahlung, aber fehlende Anerkennung / fehlende soziale Motive führt zu starken Motivationseinbrüchen.
Fazit. Motivation ist ein Mix aus extrinsischen und intrinsischen Motiven; einseitige Bedienung (nur Geld) verpufft, sobald höhere Bedürfnisebenen vernachlässigt werden.
Kritische Einordnung (wichtig). Maslows strikte Hierarchie/Reihenfolge gilt empirisch als nicht belegt (Bedürfnisse wirken parallel, kulturabhängig). In der Klausur die Pyramide als Ordnungsheuristik nutzen, nicht als Naturgesetz. Verwandtes Modell: Herzbergs Zwei-Faktoren-Theorie — Hygienefaktoren (Gehalt, Arbeitsbedingungen: verhindern Unzufriedenheit, motivieren aber nicht) vs. Motivatoren (Anerkennung, Verantwortung, Wachstum: erzeugen echte Zufriedenheit). [prüfen] — Herzberg im Kompass nicht explizit genannt, nur ergänzend, falls in der Vorlesung behandelt.
(c) WARUM Kernfrage der Unit. Rohleder verbindet sie mit seiner Hebel-These (7-Schichten): „mehr Geld allein“ ist forschungswidrig und „kauft sich aus den vorgelagerten Schichten frei“. Wer nur monetäre Anreize nennt, verfehlt den Punkt.
#05 — Was ist Arbeitszufriedenheit? Welche Faktoren beeinflussen sie? Welche Methoden gibt es, sie zu ermitteln?
Aufgabe: Was versteht man unter Arbeitszufriedenheit? Nennen Sie Faktoren auf die sie Einfluss nimmt. Welche Methoden gibt es, um die Arbeitszufriedenheit zu ermitteln?
(a) ANTWORT
Definition. Arbeitszufriedenheit = die Einstellung des Mitarbeiters zur Arbeit und zur Arbeitssituation; Ausdruck der Bedürfnisbefriedigung des Mitarbeiters (z. B. über Betriebsklima, Identifikation).
Einflussfaktoren: Kolleginnen/Kollegen · Arbeitsinhalte · Führungskräfte · Bezahlung · Arbeitsbedingungen · Arbeitszeiten · Beförderung · Weiterbildung · Anerkennung · Status · Leistungserfolg · Verantwortung · Sicherheit · Entfaltungsmöglichkeiten.
Ermittlungsmethoden:
- Fragebögen (z. B. Arbeits-Beschreibungs-Bogen/ABB),
- Kennzahlen (Krankenstand, Fluktuation),
- offene Dialoge / Feedback → daraus Maßnahmen ableiten → Leadership.
Fazit. Arbeitszufriedenheit ist eine messbare Einstellung mit vielen Treibern; wer sie über Kennzahlen + Feedback erhebt und daraus Maßnahmen ableitet, betreibt Führung statt bloßer Verwaltung.
(b) VERWANDTE FRAGEN
- „Warum sind Krankenstand und Fluktuation Indikatoren für Arbeitszufriedenheit?“ — Als Verhaltensspuren: hohe Fluktuation/hoher Krankenstand signalisieren Unzufriedenheit, ohne dass direkt danach gefragt werden muss (Ergänzung zu Befragungen).
- „Was folgt aus der Messung?“ — Feedback → konkrete Maßnahmen; ohne Maßnahmen ist die Messung wertlos (analog zum Stakeholder-Management, V04).
(c) WARUM Prüft, ob man Zufriedenheit als steuerbare Größe mit Messmethoden versteht — und die Verbindung Messung → Maßnahme → Leadership zieht.
#06 — Wie ist die Motivationswirkung von „mehr Geld“ einzuschätzen?
Aufgabe: Wie ist die Motivationswirkung von mehr Geld einzuschätzen? (Neue Forschung beachten: https://www.n-tv.de/23976240)
(a) ANTWORT
Kompass-Kernaussage (mit Bezug auf n-tv-Forschung, n-tv.de/23976240): Beim Großteil der Menschen geht steigendes Einkommen (teils linear) mit höherer mittlerer Zufriedenheit einher. Anders als früher geglaubt (angebliche „Sättigungsgrenze“ bei ~75.000–100.000 €) ist der Zusammenhang zwischen Einkommen und Zufriedenheit auch jenseits dieser Grenze bei vielen Menschen weiter zu beobachten — also durchaus signifikant.
Aber (die entscheidende Differenzierung): Ideal ist ein Mix, um glücklich zu werden — Geld allein genügt nicht, wenn z. B. Work-Life-Balance, Anerkennung oder soziale Motive fehlen (Rückbezug Maslow: Ungleichgewicht senkt die Motivation trotz hohen Gehalts).
Fazit. „Mehr Geld“ wirkt durchaus positiv auf die Zufriedenheit — aber es ist kein Substitut für die höheren Bedürfnisebenen. Die Führungslehre bleibt: Geld ist notwendig, aber allein nicht hinreichend.
Rohleders Erwartung (Vorlesung): Sich mit „mehr Geld“ aus den vorgelagerten Schichten (Sinn, Werte, Rahmenbedingungen) freizukaufen, ist forschungswidrig und drückt eine gewisse Verachtung für die Menschen aus. Beispiel Fachkräftemangel: Wer zeitgemäße Rahmenbedingungen/Sinn bietet, hat keinen — nicht, wer am meisten zahlt.
(c) WARUM Rohleders Lieblingsdrehung: die naive KI-Antwort „Geld motiviert nicht / nur bis 75k“ ist durch die neue Forschung überholt. Punkte gibt es für die differenzierte Antwort (Geld wirkt, aber nur im Mix), nicht für das alte Klischee.
V03 — Stakeholder und der Stakeholder-Ansatz
#07 — Definieren Sie „Stakeholder“ (mit Beispielen) und erläutern Sie die Funktionsweise des Stakeholder-Modells.
Aufgabe: Definieren Sie den Begriff Stakeholder und nennen Sie Beispiele. Erläutern Sie die Funktionsweise des Stakeholder-Modells.
(a) ANTWORT
Definition. Stakeholder sind alle Akteure, die Einfluss auf ein Unternehmen ausüben bzw. Ansprüche/Erwartungen an es haben (Anspruchs-/Interessen-/Bezugsgruppen; Freeman 1984). Beispiele: Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten, Politik, Verbände, Banken, Staat, Eigen-/Fremdkapitalgeber, Management, Gesellschaft.
Funktionsweise des Stakeholder-Modells. Ein Unternehmen wird von seinem Umfeld beeinflusst; diese Einflussfaktoren müssen identifiziert und bewertet werden. Dabei helfen Werkzeuge wie die PEST- / PESTEL-Analyse (Political, Economic, Social, Technological, Environmental, Legal) zur systematischen Herkunftsbestimmung der Stakeholder. Nähe zum Unternehmen (Abbildung): Einteilung in direktes Umfeld (unmittelbarer Kontakt, z. B. Lieferanten) und indirektes Umfeld (mittelbarer Einfluss, z. B. über Produktbewertungen/Studien).
Klassische vs. moderne Sicht (Vorlesung/Mitschrift):
- Klassik: Stakeholder mit überwiegend vertraglicher Bindung — Kunden (Kaufvertrag), Mitarbeitende (Arbeitsvertrag), Kapitalgeber (Darlehensvertrag), Staat (Steuern ≈ einseitiger „Vertrag“/Gesetz), Management, Zulieferer (Lieferverträge).
- Modern erweitert: zusätzlich die Gesellschaft (alle ohne direkten Vertrag). Kernbegriff License to Operate — die Gesellschaft erteilt implizit die Daseinsberechtigung (Beispiel Rüstungsindustrie/Rheinmetall: lange gefährdete, heute erhöhte gesellschaftliche Akzeptanz). Relevant ohne Vertrag: Umweltverbände (BUND, NABU), Akteure mit Social-Media-Reichweite.
Fazit. Das Stakeholder-Modell weitet den Blick vom vertraglichen Kern auf die gesamte gesellschaftliche Einbettung — die License to Operate ist der moderne Kern.
(b) VERWANDTE FRAGEN
- „Nennen Sie zwei deutsche Begriffe für Stakeholder.“ — Anspruchsgruppen · Interessen-/Bezugsgruppen.
- „Wie unterscheiden sich direktes und indirektes Umfeld?“ — Direkt = unmittelbarer Kontakt (Lieferant); indirekt = mittelbarer Einfluss über Öffentlichkeit/Bewertungen/Studien.
(c) WARUM Definitions- + Modellfrage. Rohleder achtet auf den Übergang Klassik (vertraglich) → modern (License to Operate/Gesellschaft) — die KI-Antwort bleibt oft in der Klassik stecken.
#08 — Welche Risiken können beim Stakeholder-Management auftreten? Welche systematische Unterteilung / welche Bereiche gibt es, und wie werden Stakeholder beurteilt?
Aufgabe: Welche Risiken können beim Stakeholder-Management auftreten? Zeigen Sie anhand der Abbildung 1 welche systematische Unterteilung der Stakeholder vorgenommen werden kann. Nennen Sie Bereiche aus denen Stakeholder stammen können. Wie kann eine frühzeitige Identifikation der Stakeholder stattfinden und welchen Einfluss können diese nehmen? Erklären Sie, wie eine Beurteilung der Stakeholder erfolgen kann.
(a) ANTWORT
Risiken (bei vernachlässigtem/schlechtem Stakeholder-Management): fehlende Kundenorientierung · schlechte Produktbewertungen durch Verbraucherschutzorganisationen · schlechte Behandlung von Beschäftigten → Rufschädigung · Zusammenarbeit mit unmoralisch handelnden Lieferanten (Ausbeutung, Kinderarbeit, Umweltschäden) → Imageverlust. Folgen: Einbruch von Umsatz & Cashflow · Abwanderung von Mitarbeitern & Know-how · Rechtsverstöße · Imageverlust.
Bereiche, aus denen Stakeholder stammen können: Wissenschaft, Technologie, Natur, Klima, Recht, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft (als Orientierung dient die PESTEL-Systematik). Frühzeitige Identifikation: zu jedem Zeitpunkt eine Stakeholder-Analyse (z. B. nach PESTEL) durchführen. Einflussarten: unterstützen, schaden, limitieren, kritisieren, am Erfolg teilhaben — direkt oder indirekt, in sehr unterschiedlichem Maß.
Beurteilung der Stakeholder (drei Kriterien):
- Einfluss & Beeinflussbarkeit des Stakeholders,
- Chancen & Risiken für das Unternehmen,
- Einstellung des Stakeholders gegenüber dem Unternehmen (unterstützend/neutral/ablehnend).
Fazit. Stakeholder-Risiken sind primär Reputations- und Cashflow-Risiken; systematisch beherrschbar über Herkunftsanalyse (PESTEL) + Beurteilung nach Einfluss/Chancen-Risiken/Einstellung.
(c) WARUM Rohleder prüft, ob man Stakeholder nicht nur auflistet, sondern bewertet (Einfluss × Einstellung) und die ökonomische Konsequenz (Umsatz/Cashflow/Image) benennt.
V04 — Stakeholder-Analyse und Stakeholder-Management
#09 — Welche Ziele verfolgen Stakeholder und welche Auswirkungen haben sie? Wie sind sie ansprechbar/beeinflussbar (Rolle der Kommunikation, Issues)?
Aufgabe: Beantworten Sie die folgenden beiden Fragen aussagekräftig: Welche Ziele verfolgen die Stakeholder? Welche Auswirkungen haben Stakeholder auf das Unternehmen? Wie sind Stakeholder ansprechbar und beeinflussbar? Zeigen Sie welche Rolle die Kommunikation im Stakeholder-Management spielt? Was sind Issues?
(a) ANTWORT
Ziele der Stakeholder (Beispiele, HBW 051):
- Mitarbeiter: Einkommen, Arbeitsplatzsicherheit, Status, Sinn, Sozialbeziehungen, Identität, Machtverwirklichung, Kontrolle.
- Kunden: Produktqualität, Service, Flexibilität, Preiswürdigkeit, Liefersicherheit, Image.
- Kapitalgeber: Bonität, Kapitaldienstfähigkeit, Risikokalkulierbarkeit.
- Staat: Steuern & Gebühren, Mitwirken an gesellschaftlichen Aufgaben.
Auswirkungen: positiv (Unterstützung, Beschaffung, Verknüpfung, Lobbyismus, Empfehlung) · negativ (Unterstützung der Konkurrenz, Abraten von Produkten, Aufdecken von Fehlverhalten, nachteilige Gesetzgebung).
Ansprechbarkeit/Beeinflussbarkeit & Kommunikation: über Pressemeldungen, Veranstaltungen, Internet-Auftritt, Zeitschriften, Schulungen, Betriebsbesichtigungen, Nachhaltigkeitsberichte. Kommunikation ist essentiell, um Stakeholder zufrieden zu informieren, zufriedenzustellen und Imageverlust vorzubeugen.
Issues. Issues = (öffentlich relevante) Themen. Issue-Management = gezielt Themen in Presse & Öffentlichkeit setzen oder verhindern (z. B. unangenehme Berichterstattung rechtlich verhindern, Plattformen Dritter nutzen, neue Themen gezielt platzieren).
Fazit. Effektives Stakeholder-Management heißt: Ziele der Gruppen kennen, ihre Wirkung (positiv/negativ) einschätzen und über passgenaue Kommunikation/Issue-Management steuern.
(c) WARUM Prüft die Kommunikations-/Issue-Dimension — Stakeholder-Management ist wesentlich Kommunikationsmanagement.
#10 — Erklären Sie das Stakeholder-Portfolio und die Schritte der Stakeholder-Management-Planung (mit möglichen Problemen).
Aufgabe: Nennen Sie Beispiele für die individuelle Betreuung von Stakeholdern. Erklären Sie den Begriff Stakeholder-Portfolio anhand der Abbildung 4. Welche Schritte müssen bei der Planung des Stakeholder-Managements durchlaufen werden? Welche Probleme können dabei auftreten?
(a) ANTWORT
Stakeholder-Portfolio (Abbildung 4). Je nach Einfluss und Beeinflussbarkeit eines Stakeholders sind unterschiedliche Kommunikationsarten/Beziehungen angemessen. Ein Portfolio (Achsen Einfluss × Beeinflussbarkeit) verschafft Überblick: Kunden und Mitarbeiter (hohe Beeinflussbarkeit) → am besten individuell betreuen; Presse & Politik (schwerer beeinflussbar) → über längeren Dialog & Beziehungsaufbau. Individuelle Betreuung z. B. über Key-Account-Management, Kundeneinbindung in R&D, Lieferanten-Arbeitskreise, persönliche Gespräche der Leitung mit Banken.
Schritte der Planung (Zyklus):
- Ausgangssituation (Analyse: wer hat Einfluss/Interesse?),
- Ziele (Chancen & Risiken bestimmen),
- Strategie (Ebene & Richtung der Einflussnahme),
- Maßnahmen (Durchführung),
- Evaluation (Wirkung analysieren, erneut Chancen/Risiken & Beeinflussbarkeit prüfen) → Zyklus dreht sich erneut.
Mögliche Probleme. Eine Maßnahme kann nach hinten losgehen, wenn der Stakeholder sie negativ empfindet → Einstellung verschlechtert sich weiter (manche Stakeholder/Situationen bergen großes Risiko). Weiter: Zeitverschwendung bei schwer/nicht beeinflussbaren Gruppen · verzerrte/subjektive Wahrnehmung einzelner Stakeholder · Nicht-Erkennen aller Stakeholder oder falsche Einstufung.
Praxis (Vorlesung/Mitschrift): Tool = Kraftfeldanalyse (nach Handler, Tools für die Unternehmensführung). Klassisches Beispiel = Betriebsrat (großer Einfluss kraft Betriebsverfassungsgesetz → Vertrauensbeziehung aufbauen). Output genügt als „drei DIN-A4-Seiten quer, Tabelle“ mit Maßnahmen + Verantwortlichen; danach Review alle 3–6 Monate. Ohne hinterlegte Maßnahmen ist Stakeholder-Management Zeitverschwendung — hoher Nutzen bei geringem Aufwand, scheitert praktisch oft am „Absaufen“ neben dem Tagesgeschäft.
Ethische Einordnung (Kant-Bezug, Vorlesung): Stakeholder-Management rein nach „wer kann mir schaden“ ist pflichtgemäßes Handeln, nicht Handeln aus Pflicht — es fehlt die Einsicht. Rein funktionales Stakeholder-Management = „aufgemotzte Public Relations“ (Beispiel Imageschaden Mondelēz/Milka bei Preiserhöhung über Verpackungsgrößen).
Fazit. Stakeholder-Management ist ein iterativer Querschnittsprozess (Analyse → Ziele → Strategie → Maßnahmen → Evaluation), dessen Wert an den hinterlegten Maßnahmen hängt — und der ethisch mehr sein sollte als PR.
(b) VERWANDTE FRAGEN
- „Welche Achsen hat das Stakeholder-Portfolio?“ — Einfluss (Macht) × Beeinflussbarkeit; daraus folgt die angemessene Behandlungsstrategie.
- „Warum ist Stakeholder-Management eine Querschnittsfunktion?“ — Es greift in Kommunikations-, Risiko- und Produktentwicklungsmanagement.
- „Wann ist Stakeholder-Management ‚Handeln aus Pflicht'?“ — Wenn es aus Einsicht/Verantwortung erfolgt, nicht nur aus Schadensabwehr — sonst bleibt es PR (Kant).
(c) WARUM Rohleder verbindet die betriebswirtschaftliche Methode (Portfolio, 5-Schritte-Zyklus) mit der ethischen Bewertung (Kant: pflichtgemäß vs. aus Pflicht). Wer beide Ebenen bringt, hebt sich ab.
Anhang: 2. Klärungsbedarf (#90) · 3. Feedback (#99)
(persönlich — selbst ausfüllen; 0 = alles klar … 3 = völlig unklar)
| # | Priorität | Konkrete Frage |
|---|---|---|
| #01 Aspekte OrgPsych | _0 | (HBW 085 S. 1 Abbildung selbst gegenprüfen) |
| #03 Konflikt | _0 | (selbst) |
| #04 Maslow/Anreize | _0 | (Herzberg in der Vorlesung? [prüfen]) |
| #06 mehr Geld | _0 | (n-tv-Artikel selbst lesen — Forschungsstand) |
| #07–#10 Stakeholder | _0 | (Abbildungen 1 & 4 HBW 051 selbst gegenprüfen) |
- Sonstige Frage: … · Hinweis (toter Link): … · Bitte: … · Vorschlag: … · Lob: … · Kritik: …
Quellen
- Rohleder, A.: ETFÜ Kompass U14 (Aufgabenblatt V01–V04, HBW 085 / HBW 051) — primäre Quelle; Musterlösungen im Kompass abgeglichen.
- HBW 085 (Handbuch der Betriebswirtschaft, Abschnitt Organisationspsychologie, S. 1, 6 ff., 8 f.) — Organisationspsychologie, Konflikt, Motivation, Maslow, Arbeitszufriedenheit.
- HBW 051 (Handbuch der Betriebswirtschaft, Abschnitt Stakeholder, S. 1 ff., 3 f.) — Stakeholder-Ansatz, -Analyse, -Portfolio.
- business-wissen.de, „Arbeits- und Organisationspsychologie“ (Kompass-Fundstellen-Hinweis).
- n-tv.de/23976240 — neuere Forschung zum Zusammenhang Einkommen ↔︎ Zufriedenheit (#06); selbst lesen und mit Stand abgleichen.
- Vorlesungs-Mitschrift Screencast 26.05.2026 (
ETFUE-U14-U15-Mitschrift.md) — Stakeholder-Management (License to Operate, Kant-Einordnung, Kraftfeldanalyse/Handler, Betriebsrat-Beispiel, Mondelēz/Milka). - Maslow, A. H. (1943): A Theory of Human Motivation, Psychological Review; ergänzend Herzberg, F. (1959): The Motivation to Work (Zwei-Faktoren-Theorie) —
[prüfen], nur ergänzend. - Freeman, R. E. (1984): Strategic Management: A Stakeholder Approach.
Erstellt mit Unterstützung generativer KI (Claude/Anthropic), eigenständig zu überarbeiten. Sachquellen siehe oben.