ETFÜ U19 — Zielsetzung und Entscheidungsfindung
- SMART (#01): Specific, Measurable, Attainable, Relevant, Timed — laut Rohleder NICHT eindeutig definierbar; Konzept, um Ziele so zu formulieren, dass Potenziale/Kompetenzen der Mitarbeiter optimal genutzt werden und Motivation entsteht.
- Ziele beschreiben/messen (#02): unmissverständlich klar + messbar; quantitativ (Preis/Stück/Zahl), relativ (Noten) oder über einen Zustand (erreicht/nicht erreicht) kontrollierbar.
- Baselines (#03): aus übergeordneten Zielen/Vorgaben (z.B. Umsatzvorgabe der GL), aus der Vergangenheit (Vorjahreswerte), aus begründeten Schätzungen/Prognosen (z.B. Marktwachstum).
- Drei Handlungsfelder (#04): funktionale Ziele für den Verantwortungsbereich (aus Unternehmenszielen strat./oper. abgeleitet), Entwicklungsziele für den Verantwortungsbereich, Entwicklungsziele für Mitarbeiter.
- Zeitbezug (#05): Zeitraum (innerhalb x Monaten) ODER Zeitpunkt/Deadline (bis Datum XY).
- Wertschöpfung SMART (#06): Produktivität im Formulierungsprozess (Problem begreifen + messbar machen); Messbarkeit beschreibt Ergebnis genau (Messaufwand gegen Ergebnisbeitrag abwägen); höhere Zugkraft klarer Ziele → Motivation; Basis für erfolgsabhängigen Gehaltsbestandteil/Bonus.
- Delegation/Führung/variables Entgelt (#07-#09): Wichtigstes = Mitarbeiter verstehen, was erwartet wird; Delegation von Ergebnisverantwortung braucht KPIs + Kontrolle; zielorientierte Führung leitet Einzelziele aus Bereichszielen ab und macht Aufgabenerfüller zu Beteiligten; variable Entgeltbestandteile nur mit klar messbaren SMART-Zielen.
- Entscheidung + Einflussfaktoren + rationale (#11): Entscheidung = Urteil auf Basis einer Datenlage, MEIST Wahl aus mehreren Möglichkeiten; Einflussfaktoren = Ist-Stand (qual./quant., ZDF), Erwartungen zur Zukunft, Präferenzen (Werte/Ziele/Interessen als Bewertungskriterien); rationale Entscheidung = Einflussfaktoren transparent machen + mit Entscheidungstechniken zusammenführen (Gegenteil: intuitiv).
- Zweck Entscheidungstechniken (#12): Transparenz über Hintergrund + Bewertungskriterien; bekämpfen Unsicherheit des Entscheiders; ohne sie drohen bei intuitiven Entscheidungen fehlende Rechtfertigung/Transparenz → Meinungsverschiedenheiten/Konflikte.
- Nachvollziehbarkeit + Prozess (#13): begründen/dokumentieren + Transparenz schaffen; Entscheidungssicherheit gewinnen → 1. schneller entscheiden & Aufschiebung vermeiden, 2. Entscheidung rechtfertigen/nachvollziehbar machen.
- Klärung der Entscheidungssituation, 4 Aspekte (#14): Anlass (Grund/Problem), Rahmenbedingungen (Situation/Ziele/Vorgaben/Merkmale sammeln + evaluieren), Entscheider & Zielgruppen (wer entscheidet/beeinflusst/ist betroffen), Bewertungskriterien (aus Zielen+Erwartungen abgeleitet, Liste + Gewichtung z.B. per Nutzwertanalyse).
- Zwei Entscheidungsfälle + Probleme (#15): (a) Unternehmenskauf (Konkurrent/Zulieferer → Marktkapitalisierung sichern bzw. Liefersicherheit; Probleme: hohe Investition/wirtschaftl. Risiko, fragliche Sinnhaftigkeit, Sanierungsaufwand); (b) Einstieg in fremden Markt (Chance: enorme Wertschöpfung; Probleme: hohes Risiko, fehlendes Know-how); beide: hohe Komplexität → fehlende Entscheidungssicherheit → Fehlentscheidung oder (schlimmer) Aufschiebung.
- Gestaltungsspielraum + Grundlage (#16): je nach Entscheidung unterschiedlich gross — drängt sich EINE Lösung auf, schnell entscheiden (weitere schlechtere Alternativen sammeln ist unsinnig); bei vielen ähnlich guten Alternativen (z.B. Maschinenkauf) Zeit + Budget zum Vergleich einräumen; entschieden wird über den Spielraum anhand von Zielen & Erwartungen, (gewünschten/ungewünschten) Ergebnissen und Bewertungskriterien.
- Intuition/Bauchgefühl (#17): bei vorhandenen Erfahrungswerten sinnvoll (einfache/klare Heuristiken, unterbewusste Wertung wichtiger Faktoren); bei sehr wichtigen Entscheidungen und fehlender Erfahrung eher rational als subjektiv, da Bauchgefühl schnell in die Irre führt.
- Entscheidungsfehler + Gegenmassnahmen (#18): Vorbereitungsfehler (Alternativen nicht klar, Infos missachtet, Kosten/Nutzen falsch gewichtet) → sorgfältige Vorbereitung; zu hoch gewichtete Infos → neu evaluieren mit anderen Quellen/Mitarbeitern; Angst vor Veränderung → Fakten/Aufklärung + Rückhalt der Leitung; alte Fehler kaschieren → gesunde Fehlerkultur, Entscheidungen revidieren; Confirmation Bias (passende Infos bevorzugt) → eigene Meinung hinterfragen, Gegenargumente/Kritiker einholen.
- Umsetzung von Entscheidungen (#19): am leichtesten, wenn man selbst überzeugt ist; Entscheidung muss von mehreren getragen/implementiert werden (allein umsetzbar ist nichts); Massnahmenplan erstellen; Vorteile betonen; Widerstand durch Beteiligung + Unterstützung der Betroffenen abbauen.
- Entscheidungsvorlage + Aufgaben (#20): Dokument mit allen Infos, auf deren Basis ein Befugter/Gremium entscheiden kann; Aufgaben: Transparenz über Konsequenzen (Vor-/Nachteile), Entscheidung dokumentieren, absichern und nachvollziehbar machen.
- Thema der Vorlage (Kompass V05): Was/Wie/Warum — Kontext + exakte Formulierung von Situation und Thema der Entscheidung; ergibt sich aus der Auftragsklärung.
- Lösungsalternativen + Bewertungskriterien + Darstellung (#21): wesentlich, da unmittelbare Entscheidungsgrundlage → gute Recherche, exakte Formulierung, schlüssige Bewertung nötig; Alternativen anhand von Bewertungskriterien gegenübergestellt (ggf. Scoring-Modelle); Darstellung in Tabellen oder Symbolen.
- Bewertungsmethoden (#22): Konsequenzen transparent machen, Kostenvergleichsrechnung, Rentabilitätsrechnung, Kapitalwertmethode, Nutzwertanalyse (frei festlegbare Skalen/Gewichte — subjektiv!), Scoring-Modelle (Punkte/Noten z.B. Preis/Zuverlässigkeit/Service).
- Entscheidungsvorschlag (#23): einen Favoriten auswählen und die Empfehlung schlüssig/unmissverständlich in wenigen Sätzen begründen — mit Bezug auf die in der Vorlage enthaltenen Daten und Kriterien.
- Drei Formen + Gliederung/Präsentation (#24): Dokumentation, Präsentation, Formblatt; Gliederung: Aufgabe (Ist-Stand/Anlass) → Ziele & Rahmenbedingungen (inkl. K.O.-Kriterien) → Lösungen → Bewertungskriterien (Bedeutung/Gewicht/Messung) → Bewertung & Lösungsvergleich → Vorschlag (Pro/Contra) → Umsetzung; wenig Text, mehr Grafiken/Tabellen.
- SMART (Akronym) = ein Merkwort, bei dem jeder einzelne Buchstabe für eine Regel steht, wie man ein Ziel gut aufschreibt. Wie eine Checkliste für Ziele. Statt 'Ich will fitter werden' sagt SMART: 'Ich laufe bis 30. Juni jeden Montag 3 km.' (Akronym heisst einfach: ein Wort aus lauter Anfangsbuchstaben.)
- Operationalisierung von Zielen = aus einem schwammigen Wunsch etwas machen, das man später mit einer Zahl nachprüfen kann. Beispiel: 'Wir wollen netter zu Kunden sein' wird zu 'Wir gehen ans Telefon in unter 2 Minuten'. Erst dann kann man kontrollieren, ob es geklappt hat.
- Soll-Zustand / Soll-Ist-Vergleich = 'Soll' ist der Zustand, den du erreichen willst; 'Ist' ist der Zustand von jetzt. Der Vergleich zeigt, ob du am Ziel bist. Beispiel: Du willst 75 kg (Soll), wiegst gerade 80 kg (Ist) - die Lücke sind 5 kg.
- Baseline / Ausgangswert = die Startzahl, mit der du später vergleichst, ob es besser wurde. Ohne Startzahl weisst du nicht, ob du dich verbessert hast. Beispiel: Letztes Jahr 100 verkaufte Kuchen - das ist der Wert, an dem du misst, ob es dieses Jahr mehr werden. (Benchmark = das Gleiche, aber der Vergleichswert kommt von anderen, z.B. vom Konkurrenzladen nebenan.)
- Kennzahl / KPI / Indikator = eine Zahl, an der man ablesen kann, ob etwas gut läuft. Alles drei meint fast dasselbe. Beispiel: Die Zahl der verkauften Brötchen am Tag zeigt, ob der Bäcker gut läuft.
- Zielvereinbarung vs. Zielvorgabe = Vorgabe: der Chef legt das Ziel allein fest (von oben herab). Vereinbarung: Chef und Mitarbeiter reden und einigen sich gemeinsam. Wie: Eltern befehlen die Uhrzeit - oder Eltern und Kind handeln sie zusammen aus. Selbst mitgestaltete Ziele hält man eher ein.
- Management by Objectives (MbO) = eine Art zu führen, bei der man Leuten ein Ziel gibt, aber nicht vorschreibt, wie sie es genau erreichen. Beispiel: 'Das Zimmer soll bis heute Abend aufgeräumt sein' - wie du das machst, ist deine Sache. ('by Objectives' ist Englisch für 'über Ziele'.)
- Delegation von Ergebnisverantwortung = jemandem eine Aufgabe komplett übergeben, sodass er für das fertige Ergebnis geradesteht - den Weg dahin aber selbst wählen darf. Beispiel: Du sagst dem Maler 'die Wand soll weiss werden'; welchen Pinsel er nimmt, ist ihm überlassen. Er ist aber schuld, wenn sie fleckig ist.
- Variable Entgeltbestandteile (Bonus, Prämie, Tantieme) = der Teil vom Lohn, der nicht fest ist, sondern von der Leistung abhängt. Beispiel: Der Kellner bekommt einen festen Grundlohn plus Extra-Geld, wenn er viel verkauft. Das geht nur mit klar messbaren Zielen, sonst gäbe es Streit über die Auszahlung.
- Homo öconomicus = ein ausgedachter 'perfekter' Mensch, der immer alles weiss und immer die klügste Wahl trifft. So jemanden gibt es in echt nicht - es ist nur ein Denkmodell. Wie ein gefühlloser Rechner, der nie einen Fehler macht.
- Begrenzte Rationalität / satisficing (Bounded Rationality) = weil kein Mensch alles wissen kann, sucht man nicht die perfekte, sondern eine 'gut-genug'-Lösung. Beispiel: Du nimmst die erste Wohnung, die wirklich passt, statt jede Wohnung der ganzen Stadt anzuschauen. ('satisficing' = sich mit dem Zufriedenstellenden begnügen.)
- Rationale vs. intuitive Entscheidung (System 1 / System 2) = rational: Schritt für Schritt mit Gründen abwägen (das langsame, denkende System 2). Intuitiv: aus dem Bauch heraus, blitzschnell (das schnelle System 1). Beispiel: rational = Preise und Bewertungen vergleichen; intuitiv = 'das Auto fühlt sich einfach richtig an'.
- Stakeholder = alle, die von einer Entscheidung betroffen sind oder ein Interesse daran haben. Beispiel: Bei einer neuen Fabrik sind das die Mitarbeiter, die Nachbarn, die Kunden und die Chefs - alle, die es angeht. (Wörtlich 'Anteilhabende'.)
- Kognitive Verzerrung / Bias = ein Denkfehler, den unser Kopf ganz automatisch macht, ohne dass wir es merken. Typische Beispiele aus dem Dossier: 'Bestätigungsfehler' - du liest nur die guten Bewertungen für das Auto, das du eh willst; 'Ankereffekt' - eine durchgestrichene 100-Euro-Zahl lässt 70 Euro günstig wirken, auch wenn es teuer ist; 'Sunk-Cost-Fehler' - du schaust den langweiligen Film zu Ende, 'weil ich schon die Hälfte gesehen habe'.
- Advocatus Diaboli / Devil's Advocate & Groupthink = 'Groupthink' (Gruppendenken): in einer Gruppe traut sich keiner zu widersprechen, alle nicken das Gleiche ab. Gegenmittel 'Advocatus Diaboli' (Anwalt des Teufels): jemand spielt absichtlich den Gegner und sucht Argumente dagegen, damit nicht alle blind zustimmen. Beispiel: Ein Kollege sagt bewusst 'und was, wenn der Plan schiefgeht?', obwohl alle dafür sind.
- Gestaltungsspielraum = wie viel Freiheit man überhaupt hat, zwischen verschiedenen Möglichkeiten zu wählen. Viel Spielraum = viele Wege offen; wenig Spielraum = fast alles ist schon vorgeschrieben (dann entscheidet man kaum noch, man führt nur aus). Beispiel: freie Farbwahl fürs Zimmer - oder der Vermieter erlaubt nur Weiss.
- Programmierte vs. nicht-programmierte Entscheidung & Sicherheit/Risiko/Unsicherheit = 'programmiert' = Routine nach fester Regel (z.B. Nachbestellen, wenn das Lager leer wird); 'nicht-programmiert' = neu und schwierig (z.B. in ein fremdes Land expandieren). Dazu drei Wissensstufen: 'Sicherheit' (du weisst genau, was passiert), 'Risiko' (du kennst nur die Wahrscheinlichkeiten, z.B. 70 % Chance), 'Unsicherheit' (du weisst gar nicht, wie wahrscheinlich was ist). Beispiel: Regenschirm bei klarem Himmel (Sicherheit) vs. bei '70 % Regen' (Risiko) vs. in einem fremden Klima ohne Wetterbericht (Unsicherheit).
- Nutzwertanalyse / Scoring-Modell = eine Methode, um mehrere Möglichkeiten fair zu vergleichen: du legst Kriterien fest (z.B. Preis, Zuverlässigkeit), gibst Punkte und rechnest zusammen - die höchste Punktzahl gewinnt. Beispiel: Beim Handykauf gibst du jedem Handy Noten für Preis, Akku und Kamera und addierst; das mit den meisten Punkten kaufst du.
- Entscheidungsvorlage / Beschlussvorschlag = ein fertig aufbereitetes Dokument, das einem Chef oder Gremium alles Wichtige vorlegt, damit er nur noch Ja oder Nein sagen muss. Der 'Beschlussvorschlag' ist die klare Empfehlung darin ('Wir empfehlen Angebot B, weil...'). Beispiel: Wie wenn du deinen Eltern schon drei Urlaubsangebote mit Preisen sauber gegenüberstellst und dazu sagst, welches du am besten findest.
Modul: Wirtschaftsethik & Unternehmensführung · TH Bingen · B.Eng. Wirtschaftsingenieurwesen · Prüfer Prof. Rohleder Status: GEPRÜFT (Quellen belegt, 1,0-Niveau)
Quellennotiz: Für U19 existiert kein Vorlesungs-Transkript — Belege stützen sich daher auf die Original-Handouts (ETFÜ-Kompass zu HBW 152 / 026 / 147) und Standard-Literatur. Die zuvor offenen handout-spezifischen Listen („drei Handlungsfelder“ #04, „zwei Entscheidungsfälle“ #15, „drei Formen der Entscheidungsvorlage“ #24) sind aus dem ETFÜ-Kompass (Prüfungsfragen-Bank zu den HBW-Handouts) aufgelöst und unten eingearbeitet.
1 · Ziele SMART formulieren (HBW 152 S. 1 f.)
#01 — Was bedeutet SMART?
Aufgabe: Was bedeutet SMART?
ANTWORT: SMART ist ein Akronym für die Kriterien, die eine gut formulierte Zielvereinbarung erfüllen sollte. Die heute gängigste Auflösung (nach Doran 1981, mit späteren Varianten):
- S — Specific (spezifisch): Das Ziel benennt konkret, was erreicht werden soll — eindeutig, nicht schwammig.
- M — Measurable (messbar): Es gibt ein quantitatives oder qualitatives Kriterium, an dem Zielerreichung überprüfbar ist.
- A — Assignable/Achievable (zuweisbar bzw. erreichbar/attraktiv): In Dorans Original assignable = es ist klar, wer zuständig ist. In der heute verbreiteten Lesart achievable = realistisch erreichbar (und akzeptiert/attraktiv).
- R — Realistic/Relevant (realistisch bzw. relevant): Das Ziel ist mit den verfügbaren Mitteln machbar und für übergeordnete Ziele bedeutsam.
- T — Time-related/Time-bound (terminiert): Es gibt einen klaren Zeitpunkt/Zeitrahmen.
Wichtig (siehe Abschnitt 2): Die Buchstaben sind historisch nicht einheitlich belegt — Doran selbst nutzte u. a. Assignable und Realistic. Die populäre Auflösung „Achievable/Relevant“ ist eine spätere Umdeutung.
⚠️ Klausur-Falle — R schwankt sogar innerhalb von Rohleders eigenem Foliensatz: Auf der Folie „SMARTe Ziele?“ führt Rohleder R zunächst selbst als Relevant ein („Ziele müssen gut erkennbar zur Unternehmensstrategie und –mission passen“). Auf der unmittelbar folgenden Folie („Alle wollen SMART sein, aber keiner weiß wie…“, dort ausdrücklich als Wikipedia-Tabelle ausgewiesen) wird R dagegen als Reasonable / Angemessen gefasst („Das gesteckte Ziel muss möglich und realisierbar sein“; englische Alternativen dort: Relevant, Realistic, Resourced, Resonant). Doran selbst nutzte ursprünglich Assignable. Merke für die Klausur: Je nachdem, welche Folie/Quelle gefragt ist, kann R für Relevant, Reasonable/Angemessen, Realistic oder Assignable stehen — im Zweifel die in der Frage zitierte Quelle exakt benennen statt sich auf „die eine“ Auflösung festzulegen.
Quelle (Primärtext): Rohleder-Blog, "Kennzahlen, Kennzahlensysteme und die Balanced Scorecard" V2.6, Folien "SMARTe Ziele".
Fachbegriff-Anker: Operationalisierung von Zielen, Zielvereinbarung, Soll-Vorgabe.
#02 — Wie sollten Ziele beschrieben sein und wie gemessen werden?
Aufgabe: Wie sollten Ziele beschrieben sein und wie können sie gemessen werden?
ANTWORT: Ziele beschreiben einen angestrebten Soll-Zustand (Ergebnis), nicht eine Aktivität. Beschreibung über: (1) Inhalt (was), (2) Ausmaß/Kennzahl (wie viel), (3) Zeitbezug (bis wann), ggf. (4) Bezugsobjekt/Geltungsbereich. Messung erfolgt über Indikatoren / Kennzahlen (KPIs) — z. B. Stückzahl, Umsatz, Durchlaufzeit, Fehlerquote, Termintreue. Eine Messung braucht stets einen Ausgangswert (Baseline) und ein Soll sowie eine definierte Mess-/Erhebungsmethode, damit Zielerreichung objektiv (statt nach Bauchgefühl) festgestellt werden kann.
#03 — Welche Ausgangswerte (Baselines) für Soll-Vorgaben?
Aufgabe: Welche Ausgangswerte (Baselines) können bei der Erarbeitung von Soll-Vorgaben genutzt werden?
ANTWORT: Soll-Vorgaben werden plausibel, wenn sie an einen Bezugspunkt geknüpft sind. Übliche Baselines:
- Ist-Wert / Historie (Vorperiode, Vorjahr, gleitender Durchschnitt) → relative Verbesserung.
- Benchmark (Branchen-/Wettbewerbsvergleich, Best Practice).
- Plan-/Budgetwert aus der übergeordneten Planung.
- Theoretisches Optimum / technische Norm (z. B. Taktzeit, Kapazitätsgrenze).
- Erwartungswert / Prognose (Forecast).
#04 — Drei Handlungsfelder, um den „Sinn“ der Ziele zu vermitteln
Aufgabe: Nennen Sie die drei Handlungsfelder auf denen eine Führungskraft Ziele einsetzen kann, um den „Sinn" der Ziele zu vermitteln. Wie können Ziele für diese Handlungsfelder am besten erarbeitet werden?
ANTWORT: Das Handout (HBW 152, ETFÜ-Kompass) nennt drei Handlungsfelder, auf denen eine Führungskraft Ziele einsetzt, um den „Sinn“ zu vermitteln:
- Funktionale Ziele für den Verantwortungsbereich — abgeleitet aus den Unternehmenszielen (strategisch oder operativ); sie verankern den Beitrag des Bereichs zum Gesamtziel.
- Entwicklungsziele für den Verantwortungsbereich — angezielte Veränderungen (an Strukturen/Prozessen), die das Erreichen der funktionalen Ziele erleichtern sollen.
- Entwicklungsziele für die Mitarbeiter — Unterstützung der persönlichen Weiterentwicklung, damit Aufgaben aktuell und künftig besser gelöst werden können.
Erarbeitung „am besten“ gemeinsam/partizipativ im Dialog (Zielvereinbarung statt Zielvorgabe), weil mitgestaltete Ziele höhere Akzeptanz/Commitment erzeugen.
#05 — Welchen Zeitbezug haben Ziele?
Aufgabe: Welchen Zeitbezug haben Ziele?
ANTWORT: Ziele sind grundsätzlich zukunftsgerichtet und terminiert (das „T“ in SMART). Man unterscheidet nach Fristigkeit: operativ/kurzfristig (Tage–Monate), taktisch/mittelfristig (bis ~1–3 Jahre) und strategisch/langfristig (mehrjährig). Jedes Ziel braucht einen definierten Stichtag oder Zeitraum (Start, Meilensteine, Endtermin), sonst ist Zielerreichung nicht überprüfbar.
#06 — Wertschöpfung SMART formulierter Ziele
Aufgabe: Worin liegt die Wertschöpfung von SMART formulierten Zielen?
ANTWORT: Definition: Die „Wertschöpfung“ liegt im Nutzen, den ein präzise formuliertes Ziel gegenüber einem vagen Wunsch stiftet. Argumente: SMARTe Ziele (1) schaffen Klarheit & Orientierung, (2) machen Erfolg überprüfbar (Soll-Ist-Vergleich), (3) ermöglichen Delegation mit Ergebnisverantwortung, (4) sind Grundlage für leistungsorientierte Vergütung und (5) reduzieren Konflikte, weil Erwartungen vorab eindeutig sind. Fazit: SMART-Formulierung übersetzt Absicht in steuerbare, kontrollierbare Führungsgröße — sie ist Voraussetzung für zielorientierte Führung.
- #07 Delegation von Ergebnisverantwortung: Nur wenn das Ergebnis (nicht der Weg) klar und messbar definiert ist, kann eine Führungskraft Verantwortung delegieren, ohne den Lösungsweg vorzuschreiben. SMART liefert das prüfbare Ergebniskriterium — die Mitarbeiterin verantwortet das Was/Wieviel/Bis wann, gestaltet das Wie selbst.
- #08 zielorientierte Führung (Management by Objectives, MbO): Führungskonzept (geprägt v. a. durch Peter Drucker, The Practice of Management, 1954): Führung erfolgt über vereinbarte Ziele statt über Anweisungen. Voraussetzung ist Ziel-Klarheit → SMART ist die operative Technik, mit der MbO-Ziele formuliert werden. Wesentlich bei Drucker: Selbstkontrolle der Mitarbeiter und Ableitung der Ziele aus den Unternehmenszielen.
- #09 variable Entgeltbestandteile: Leistungsabhängige Vergütung (Bonus, Prämie, Tantieme) setzt messbare Ziele voraus, weil sonst die Auszahlungsbasis angreifbar/willkürlich wäre. Das „M“ in SMART ist damit Bedingung für faire, justiziable variable Vergütung. Risiko: Fehlanreize / „Teaching to the metric“, wenn Kennzahl das eigentliche Ziel verdrängt.
QUELLEN Abschnitt 1: HBW 152 S. 1 f. (Handout); Doran, G. T. (1981): There's a S.M.A.R.T. way to write management's goals and objectives, Management Review 70(11), S. 35–36 — https://community.mis.temple.edu/mis0855002fall2015/files/2015/10/S.M.A.R.T-Way-Management-Review.pdf ; Drucker, P. F. (1954): The Practice of Management.
VERWANDTE FRAGEN:
- „Worin unterscheidet sich eine Zielvereinbarung von einer Zielvorgabe?“ — Zielvorgabe = einseitig top-down gesetzt; Zielvereinbarung = im Dialog ausgehandelt, daher höhere Akzeptanz/Commitment und Selbstverpflichtung. MbO basiert auf der Zielvereinbarung.
- „Nennen Sie ein Beispiel für ein nicht-SMARTes und das daraus abgeleitete SMARTe Ziel.“ — Nicht-SMART: „Wir wollen den Kundenservice verbessern.“ SMART: „Die durchschnittliche Reaktionszeit auf Support-Tickets wird bis 31.12. von 24 h (Baseline) auf max. 8 h gesenkt; verantwortlich Teamleitung Support.“
- Prüfungsrelevanz: SMART nicht nur aufzählen, sondern anwenden (Beispiel formulieren) und gegen verwandte Konzepte abgrenzen — MbO, variable Vergütung, Zielvorgabe vs. Zielvereinbarung.
2 · Really SMART? (Doran 1981, Drucker, kritische Würdigung)
Klarstellung 1 — Herkunft des Akronyms
ANTWORT: Das Akronym geht auf George T. Doran (1981, Management Review) zurück. In seinem Original stehen die Buchstaben für Specific, Measurable, Assignable, Realistic, Time-related. Doran wies selbst darauf hin, dass nicht jedes Ziel alle fünf Kriterien gleichzeitig erfüllen muss. Die heute populäre Auflösung („Achievable“, „Relevant“) ist eine spätere Umdeutung, nicht Dorans Original — ein häufiger Fehler in Sekundärquellen. QUELLE: Doran 1981 (Link s. o.).
Klarstellung 2 — Rolle von Peter Drucker
ANTWORT: SMART wird populär oft Drucker zugeschrieben — das ist falsch. Drucker prägte Management by Objectives (MbO) (1954), also das Konzept der Führung über Ziele, aber nicht das SMART-Akronym (1981, Doran). SMART ist eine Operationalisierungstechnik, die zu MbO passt; die Urheberschaft ist davon zu trennen. QUELLE: Doran 1981 (SMART-Akronym) vs. Drucker 1954 (MbO) — Links s. Quellenübersicht.
#10 — Zusätzliche Anforderungen an Ziele (über SMART hinaus)
ANTWORT: Definition/These: In der Forschung gilt SMART allein als unzureichend, weil es nur formale Qualität prüft, nicht aber Inhalt, Wirkung und Nebenwirkungen. Zusätzlich zu fordern sind u. a.:
- Widerspruchsfreiheit / Zielkonsistenz — Ziele dürfen sich nicht gegenseitig blockieren (Zielkonflikte erkennen; Über-/Unterordnung in einer Zielhierarchie).
- Akzeptanz / Commitment — das Ziel muss vom Mitarbeiter angenommen sein (sonst keine Verhaltenswirkung; vgl. Locke & Latham, Goal-Setting-Theory).
- Herausforderungsgrad (Anspruch) — anspruchsvolle, aber erreichbare Ziele motivieren stärker als triviale (Goal-Setting-Theory).
- Relevanz/Strategiebezug — Ableitung aus übergeordneten Unternehmenszielen (vertikale Konsistenz).
- Steuerbarkeit / Beeinflussbarkeit — der Verantwortliche muss das Ergebnis tatsächlich beeinflussen können.
- Ethische Vertretbarkeit / Vermeidung von Fehlanreizen — kein „Gaming the metric“, keine Verdrängung nicht gemessener, aber wichtiger Aspekte.
- Vollständigkeit — die Zielmenge bildet das Wesentliche ab (keine blinden Flecken durch reine Kennzahlenfokussierung).
Fazit: SMART ist notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung. Erst zusammen mit Konsistenz, Akzeptanz, Anspruchsniveau und ethischer Reflexion entsteht ein wirksames, faires Zielsystem.
Rohleders eigene 10-Punkte-Liste („Beyond SMART: Effektive Ziele brauchen mehr als Phrasen!“, Foliensatz, ausdrücklich mit „Quelle: Rohleder“ belegt): Ergänzend zu den oben genannten, eher literaturbasierten Kriterien nennt Rohleder in seinem eigenen Foliensatz zehn konkrete, praxisnahe Zusatz-Anforderungen an Ziele:
- Die Ziele gehören in den Projektauftrag oder anderweitig verschriftlicht.
- Jedes Ziel braucht eine natürliche Person als Verantwortliche*n.
- Die Ziele müssen verbindlich sein, also von beiden Seiten unterschrieben.
- Ziele dürfen sich kurzfristig nicht ändern (lassen): moving targets verhindern!
- Nicht-Ziele sollten ebenfalls verschriftlicht werden.
- Unabdingbare Risiken und ihre Wirkung auf die Ziele müssen dokumentiert werden.
- Keine „Erblasten“ als Ziele akzeptieren („Affe auf der Schulter“; Rückdelegation).
- Der Beitrag des Ziels zu den Unternehmenszielen und der Unternehmensstrategie muss klar sein.
- Das Ziel muss von allen Teammitgliedern getragen werden.
- Sind bestimmte Kennzahl-Werte als Ziele vereinbart, ist deren Erhebung exakt zu definieren und der Ausgangswert (die sog. Baseline) zu sichern.
Quelle (Primärtext): Rohleder-Blog, "Kennzahlen, Kennzahlensysteme und die Balanced Scorecard" V2.6, Folien "SMARTe Ziele".
QUELLEN: de.wikipedia.org — SMART (Projektmanagement) (als im Dossier genannte Quelle/„Nonsens“-Hinweis) — https://de.wikipedia.org/wiki/SMART_(Projektmanagement) ; Goal-Setting-Theory: Locke, E. A. / Latham, G. P. (1990 ff.).
VERWANDTE FRAGEN:
- „Warum wird Drucker SMART fälschlich zugeschrieben, und was ist tatsächlich sein Beitrag?“ — Drucker = MbO-Konzept (1954); SMART = Doran (1981). Verwechslung entsteht, weil SMART als Werkzeug innerhalb von MbO genutzt wird.
- „Geben Sie zwei Schwächen von SMART an.“ — (1) prüft nur Form, nicht Inhalt/Relevanz; (2) verleitet zu Fehlanreizen, weil nur Messbares zählt (Verdrängung des Nicht-Messbaren).
- Prüfungsrelevanz: Gefordert ist kritische Distanz statt Akronym-Auswendiglernen — Urheberschaft sauber trennen (Doran ≠ Drucker) und mindestens zwei Schwächen von SMART benennen können.
3 · Entscheidungsfindung I (HBW 026 S. 1 f.)
#11 — Was ist eine Entscheidung? Einflussfaktoren? Besonderheit der rationalen Entscheidung
Aufgabe: Was ist eine Entscheidung und welche Einflussfaktoren sind dabei maßgeblich? Welche Besonderheit gilt für rationale Entscheidungen?
ANTWORT: Definition: Eine Entscheidung ist die bewusste Auswahl einer Handlungsalternative aus mindestens zwei Optionen zur Erreichung eines Ziels. Kein Wahlspielraum → keine Entscheidung. Einflussfaktoren: Ziele/Präferenzen des Entscheiders, verfügbare Information, Zeit- und Ressourcendruck, Risiko/Unsicherheit, Rahmenbedingungen/Restriktionen, persönliche Erfahrung & Intuition, soziale/organisationale Einflüsse (Stakeholder, Macht), kognitive Verzerrungen (Biases). Besonderheit der rationalen Entscheidung: Sie folgt einem systematischen, nachvollziehbaren Prozess — klare Ziele → Alternativen → bewertete Konsequenzen → Wahl der nutzenmaximalen Option. Voraussetzung wäre vollständige Information und konsistente Präferenzen (Homo oeconomicus). Real ist diese Vollständigkeit nie gegeben → begrenzte Rationalität (bounded rationality) (Herbert A. Simon): Entscheider satisficen — sie suchen befriedigende, nicht optimale Lösungen.
#12 — Zweck von Entscheidungstechniken, was bewirken sie?
Aufgabe: Worin liegt der Zweck von Entscheidungstechniken und was können sie bewirken?
ANTWORT: Entscheidungstechniken (z. B. Entscheidungsmatrix, Nutzwertanalyse, Entscheidungsbaum, paarweiser Vergleich, Pro-/Contra-Liste) strukturieren den Entscheidungsprozess. Sie bewirken: höhere Objektivität & Nachvollziehbarkeit, Reduktion von Bias, Vergleichbarkeit von Alternativen über definierte Kriterien, Dokumentation/Begründbarkeit und bessere Akzeptanz der Entscheidung. Sie ersetzen nicht das Urteil, sondern disziplinieren es.
#13 — Warum Nachvollziehbarkeit? Worum geht es im Prozess?
Aufgabe: Warum ist es wichtig die Entscheidungsfindung nachvollziehbar zu machen und worum geht es im Prozess der Entscheidungsfindung?
ANTWORT: Nachvollziehbarkeit ist wichtig, weil sie (1) Verantwortung & Rechenschaft (Accountability, Compliance/Governance) sichert, (2) Akzeptanz bei Betroffenen schafft, (3) Lernen ermöglicht (Entscheidung später bewertbar), (4) vor Willkürvorwurf schützt und (5) Konsistenz über vergleichbare Fälle herstellt. Im Prozess der Entscheidungsfindung geht es um die strukturierte Abfolge: Entscheidungssituation klären → Ziele/Kriterien festlegen → Alternativen entwickeln → bewerten → entscheiden → umsetzen → kontrollieren.
#14 — Klärung der Entscheidungssituation
Aufgabe: Erläutern sie die Vorgehensweise für die Klärung der Entscheidungssituation.
ANTWORT: Vorgehen: Bevor entschieden wird, ist die Situation zu klären — die vier im Dossier genannten Aspekte:
- Anlass der Entscheidung: Warum überhaupt entscheiden? Auslöser/Problem, Dringlichkeit, Bedeutung/Tragweite, Reversibilität. Klärt den Entscheidungsbedarf und verhindert vorschnelles Lösen des falschen Problems.
- Identifikation von Rahmenbedingungen: Restriktionen und Freiheitsgrade — rechtliche/regulatorische Vorgaben, Budget, Zeit, Technik, Strategie, ethische Grenzen. Sie definieren den zulässigen Lösungsraum (Gestaltungsspielraum, vgl. #16).
- Entscheider und Zielgruppen: Wer entscheidet (Kompetenz/Befugnis), wer ist betroffen (Stakeholder), wer setzt um? Klärung von Verantwortung und Einbindung.
- Entscheidungs-/Bewertungskriterien: Woran wird die beste Alternative gemessen? Ableitung aus den Zielen; Gewichtung der Kriterien; möglichst messbar (vgl. SMART). Kriterien müssen vor der Alternativenbewertung feststehen, um Rationalisierung im Nachhinein zu vermeiden.
Fazit: Erst eine sauber geklärte Entscheidungssituation macht die folgenden Schritte (Alternativen, Bewertung) belastbar.
QUELLEN Abschnitt 3: HBW 026 S. 1 f.; Simon, H. A. (1947): Administrative Behavior (bounded rationality / satisficing); Standard-Managementliteratur zur Entscheidungslehre.
VERWANDTE FRAGEN:
- „Was unterscheidet eine Entscheidung unter Sicherheit, Risiko und Unsicherheit?“ — Sicherheit: Konsequenzen bekannt. Risiko: Konsequenzen mit Eintrittswahrscheinlichkeiten bekannt (→ Erwartungswert). Unsicherheit: Wahrscheinlichkeiten unbekannt (→ Maximin/Maximax/Laplace-Regeln).
- „Erklären Sie ‚bounded rationality' nach Simon.“ — Begrenzte Informationsverarbeitung des Menschen → keine Optimierung, sondern Satisficing: erste Alternative, die ein Anspruchsniveau erfüllt, wird gewählt.
- Prüfungsrelevanz: Die vier Klärungsaspekte (#14) sind eine 1:1-abfragbare Liste — vollständig und in eigenen Worten beherrschen. Die Variante Sicherheit/Risiko/Unsicherheit knüpft an den Rationalitätsbegriff (#11) an.
4 · Entscheidungsfindung II (HBW 026 S. 3 ff.)
#15 — Die zwei Entscheidungsfälle und mögliche Probleme
Aufgabe: Erläutern Sie die zwei Entscheidungsfälle und gehen Sie auf mögliche Probleme ein.
ANTWORT: Das Handout (HBW 026 S. 3 ff., ETFÜ-Kompass) illustriert die Entscheidungsfindung an zwei (strategischen) Entscheidungsfällen:
- (a) Kauf eines Unternehmens (ein Konkurrent oder Zulieferer steht zum Verkauf) — strategische Entscheidung, die z. B. die Marktposition/Marktkapitalisierung stärken oder (bei einem Zulieferer) die Liefersicherheit verbessern kann. Probleme: hohe Ausgaben/Investition → wirtschaftliches Risiko; fragliche Sinnhaftigkeit der Übernahme (schlechte Lage, suboptimale Ausstattung/Besetzung, hoher Sanierungsaufwand).
- (b) Einstieg in einen fremden Markt (Markteintritt) — Chance: teils enorme Wertschöpfungspotenziale bei Erfolg. Probleme: hohes Risiko, fehlendes Know-how.
Probleme bei beiden Fällen: hohe Komplexität des Sachverhalts, Abhängigkeit von zahlreichen Faktoren → fehlende Entscheidungssicherheit → Gefahr von Fehlentscheidungen oder (noch schädlicher) dem Aufschieben der Entscheidung.
(Systematisch lassen sich beide Fälle den nicht-programmierten Entscheidungen mit hohem Gestaltungsspielraum zuordnen — vgl. #16 und die Verwandten Fragen unten.)
#16 — Rolle des Gestaltungsspielraums; Grundlage
Aufgabe: Welche Rolle spielt der Gestaltungsspielraum für Entscheidungen und auf welcher Grundlage basiert er?
ANTWORT: Der Gestaltungsspielraum (auch Entscheidungs-/Handlungsspielraum) beschreibt, wie frei der Entscheider zwischen Alternativen wählen kann. Er ist hoch, wenn wenige Restriktionen bestehen, und gering, wenn Vorgaben die Wahl weitgehend determinieren (dann eher „Anwendung“ als „Entscheidung“). Grundlage: Er ergibt sich aus den Rahmenbedingungen und Restriktionen (vgl. #14) — rechtliche/regulatorische Vorgaben, Budget, Zeit, Strategie/Politik des Unternehmens, technische Möglichkeiten, übertragene Kompetenz/Befugnis des Entscheiders und Verfügbarkeit von Information. Je enger Restriktionen, desto kleiner der Spielraum; bewusste Klärung des Spielraums verhindert Über- wie Unterschreitung der eigenen Befugnis.
QUELLEN Abschnitt 4: HBW 026 S. 3 ff.; Simon (programmiert/nicht-programmiert); Managementliteratur Entscheidungslehre.
VERWANDTE FRAGEN:
- „Wovon hängt der Gestaltungsspielraum einer Führungskraft konkret ab?“ — Von übertragener Befugnis/Delegation, geltenden Vorgaben (Recht, Budget, Strategie), Informationsstand und Reversibilität der Entscheidung.
- „Was ist der Unterschied zwischen einer programmierten und einer nicht-programmierten Entscheidung?“ — Programmiert: wiederkehrend, regelbasiert, geringer Spielraum (z. B. Bestellpunkt). Nicht-programmiert: neuartig, komplex, hoher Analyse-/Gestaltungsbedarf (z. B. Markteintritt).
- Prüfungsrelevanz: „Gestaltungsspielraum“ verknüpft Abschnitt 4 mit den Rahmenbedingungen (#14) und der Delegation von Ergebnisverantwortung (#07) — die Querverbindung Zielsetzung ↔︎ Entscheidung sollte man ziehen können.
5 · Entscheidungsfindung III (HBW 026 S. 5 ff.)
#17 — Rolle von Intuition und Bauchgefühl (Wdh.)
Aufgabe: Erläutern Sie kurz und prägnant die Rolle der Intuition und des Bauchgefühls bei der Entscheidungsfindung.
ANTWORT: Intuition ist schnelles, unbewusstes, erfahrungsbasiertes Urteilen ohne explizite analytische Herleitung (Kahnemans „System 1“). Sie ist wertvoll bei Zeitdruck, hoher Komplexität und großer eigener Erfahrung im Feld (Experten-Intuition, „Recognition-Primed Decision“, Klein). Sie ist riskant, weil sie systematisch durch kognitive Verzerrungen verfälscht wird und in neuartigen, unvertrauten Situationen trügt. Fazit: Intuition und analytische Verfahren („System 2“) schließen sich nicht aus — Best Practice ist die Kombination: Bauchgefühl als Hypothese/Frühwarnung, analytische Technik zur Prüfung und Absicherung.
#18 — Entscheidungsfehler und Gegenmaßnahmen
Aufgabe: Gehen Sie auf die möglichen Entscheidungsfehler bei der Entscheidungsfindung ein und geben Sie passende Gegenmaßnahmen an.
ANTWORT: Definition: Entscheidungsfehler sind systematische, oft kognitiv bedingte Abweichungen von einer rationalen Wahl (Biases). Typische Fehler mit Gegenmaßnahmen:
| Entscheidungsfehler | Beschreibung | Gegenmaßnahme |
|---|---|---|
| Bestätigungsfehler (Confirmation Bias) | Nur Infos gesucht, die eigene Meinung stützen | Bewusst Gegenargumente/Devil's Advocate, Falsifikation suchen |
| Ankereffekt (Anchoring) | Erste Zahl/Info dominiert Bewertung | Kriterien & Maßstäbe vor der ersten Zahl festlegen, mehrere Referenzpunkte |
| Verfügbarkeitsheuristik | Leicht erinnerbare Fälle überschätzt | Datenbasis/Statistik statt Anekdoten heranziehen |
| Sunk-Cost-Fehler | Festhalten wegen versunkener Kosten | Nur künftige Kosten/Nutzen bewerten, „Würde ich heute neu so entscheiden?“ |
| Overconfidence | Selbstüberschätzung der eigenen Treffsicherheit | Szenarien, Sensitivitätsanalyse, externe Sicht/Outside View, Premortem |
| Gruppendenken (Groupthink) | Konformitätsdruck unterdrückt Widerspruch | Anonyme Voten, Advocatus Diaboli, heterogene Besetzung, getrennte Meinungsbildung |
| Status-quo-/Verlust-Aversion | Veränderung gescheut, Verluste überbewertet | Status quo als eine Alternative explizit mitbewerten, Reframing |
| Halo-Effekt | Ein Merkmal überstrahlt Gesamturteil | Kriterien einzeln und getrennt bewerten (Nutzwertanalyse) |
Übergreifende Gegenmaßnahmen: strukturierte Techniken (Checklisten, Nutzwertanalyse), Vier-Augen-Prinzip, Dokumentation, „Premortem“, Trennung von Optionsfindung und Bewertung.
#19 — Was ist bei der Umsetzung von Entscheidungen zu beachten?
Aufgabe: Was muss bei der Umsetzung von Entscheidungen beachtet werden?
ANTWORT: Eine Entscheidung wirkt erst durch konsequente Umsetzung. Zu beachten:
- Klare Verantwortlichkeiten & Maßnahmenplan (Wer macht was bis wann — Aktionsplan, Meilensteine).
- Kommunikation an Betroffene/Stakeholder, inkl. Begründung (fördert Akzeptanz, vgl. Nachvollziehbarkeit #13).
- Ressourcen bereitstellen (Budget, Personal, Zeit).
- Commitment & Change-Management — Widerstände adressieren.
- Erfolgskontrolle / Monitoring (Soll-Ist-Vergleich, KPIs) und Rückkopplung — ggf. Korrektur/Nachsteuern.
- Dokumentation für Lernschleife und Verantwortung. Fazit: Umsetzung = Planung + Kommunikation + Ressourcen + Kontrolle; ohne Controlling-Schleife bleibt die beste Entscheidung folgenlos.
QUELLEN Abschnitt 5: HBW 026 S. 5 ff.; Kahneman, D. (2011): Thinking, Fast and Slow (System 1/2, Biases); Klein, G. (1998): Sources of Power (Experten-Intuition); Standard-Literatur zu Decision Biases.
VERWANDTE FRAGEN:
- „Nennen Sie drei Entscheidungsfehler und je eine Gegenmaßnahme.“ — z. B. Confirmation Bias → Devil's Advocate; Anchoring → Kriterien vorab; Sunk-Cost → nur Zukunftskosten betrachten.
- „Wann ist intuitives, wann analytisches Entscheiden überlegen?“ — Intuitiv: hohe eigene Erfahrung + Zeitdruck + wiederkehrendes Muster. Analytisch: neuartig, komplex, hohe Tragweite, Begründungspflicht.
- Prüfungsrelevanz: Biases + Gegenmaßnahmen sind ein Standard-Klausurthema („Nennen Sie X und je eine Gegenmaßnahme“). Die Abwägung Intuition vs. Analytik knüpft an #11 (rationale vs. reale Entscheidung) an.
6 · Entscheidungsvorlagen (HBW 147 S. 1 ff.)
#20 — Definition Entscheidungsvorlage und ihre Aufgaben
Aufgabe: Definieren Sie den Begriff Entscheidungsvorlage und erklären Sie, was ihre Aufgaben sind.
ANTWORT: Definition: Eine Entscheidungsvorlage ist ein strukturiertes Dokument, das einem Entscheidungsträger (bzw. Gremium) alle für eine Entscheidung nötigen Informationen aufbereitet vorlegt: Anlass/Problem, Rahmenbedingungen, Lösungsalternativen, deren Bewertung anhand definierter Kriterien und einen begründeten Entscheidungsvorschlag. Aufgaben: (1) Entscheidung vorbereiten und beschleunigen, (2) Transparenz & Nachvollziehbarkeit schaffen, (3) Alternativen vergleichbar machen, (4) den Entscheider entlasten (Vorarbeit/Empfehlung), (5) die Entscheidung dokumentieren (Rechenschaft/Compliance).
#21 — Rolle von Lösungsalternativen und Bewertungskriterien; Darstellung
Aufgabe: Welche Rolle spielen Lösungsalternativen und Bewertungskriterien bei der Entscheidungsvorlage?
ANTWORT: Lösungsalternativen: Es werden i. d. R. mehrere echte Alternativen (oft inkl. „Status quo / nichts tun“) dargestellt — Scheinalternativen sind zu vermeiden. Bewertungskriterien: aus den Zielen abgeleitet, gewichtet, möglichst messbar (vgl. SMART). Darstellung: typischerweise in einer Bewertungs-/Entscheidungsmatrix (Alternativen in Spalten, Kriterien in Zeilen, Bewertungen + Gewichtung in den Zellen, Ergebniszeile mit Gesamtwert) — so wird der Vergleich auf einen Blick nachvollziehbar.
#22 — Häufige Bewertungsmethoden
Aufgabe: Wie werden diese in der Entscheidungsvorlage dargestellt? Erläutern Sie die Bewertungsmethoden, die bei der Entscheidungsvorlage häufig zum Einsatz kommen.
ANTWORT:
- Nutzwertanalyse / Scoring-Modell: Kriterien gewichten, Alternativen je Kriterium bepunkten, gewichtete Summe → Rangfolge. Stärke: macht qualitative Kriterien vergleichbar. Schwäche: Scheingenauigkeit, subjektive Gewichte.
- Paarweiser Vergleich: Alternativen/Kriterien paarweise gegeneinander → Gewichtung/Rangfolge.
- Kosten-Nutzen- / Wirtschaftlichkeitsrechnung: monetäre Bewertung (z. B. Kapitalwert, Amortisation) bei quantifizierbaren Effekten.
- SWOT / Pro-Contra-Liste: qualitativ, für Übersicht.
- Entscheidungsmatrix als Darstellungsrahmen (s. #21).
#23 — Wie sieht ein Entscheidungsvorschlag aus?
Aufgabe: Wie sieht ein Entscheidungsvorschlag bei der Entscheidungsvorlage aus?
ANTWORT: Der Entscheidungsvorschlag ist die klare, begründete Empfehlung der Vorlage für eine Alternative. Er ist eindeutig formuliert (welche Alternative wird empfohlen), begründet (warum — Bezug auf die Bewertungsergebnisse/Kriterien), nennt ggf. Konsequenzen/Risiken und ist oft so formuliert, dass der Entscheider nur noch zustimmen/ablehnen/modifizieren muss (Beschlussvorschlag). Wichtig: Vorschlag ≠ Entscheidung — die Entscheidungsbefugnis bleibt beim Entscheidungsträger.
#24 — Drei Formen der Entscheidungsvorlage; Gliederung/Präsentation
Aufgabe: Nennen Sie die drei Formen der Entscheidungsvorlage. Wie könnte eine mögliche Gliederung und Präsentation einer Entscheidungsvorlage aussehen?
ANTWORT: Das Handout (HBW 147, ETFÜ-Kompass) unterscheidet drei Formen nach Medium/Format: (a) Dokumentation (schriftliche Vorlage / Memo / Beschlussvorlage), (b) Präsentation (Foliensatz fürs Gremium) und (c) Formblatt (standardisiertes Template / tabellarische Kurzvorlage, One-Pager mit Matrix).
Mögliche Gliederung (Standard-Template, vgl. gängige Internet-Vorlagen):
- Titel / Betreff & Datum, Adressat (Entscheidungsträger)
- Anlass / Ausgangslage / Problemstellung
- Ziele & Rahmenbedingungen / Restriktionen
- Bewertungskriterien (gewichtet)
- Lösungsalternativen (inkl. Status quo)
- Bewertung der Alternativen (Entscheidungsmatrix / Nutzwertanalyse)
- Risiken & Konsequenzen
- Entscheidungsvorschlag / Beschlussvorschlag
- Nächste Schritte / Umsetzung & Termine
- Anlagen
Präsentation: klar, entscheidungsorientiert, Empfehlung zuerst oder prominent; Matrix visuell; keine Informationsüberladung — der Entscheider soll schnell zustimmen können.
QUELLEN Abschnitt 6: HBW 147 S. 1 ff.; Standard-Managementliteratur zu Entscheidungsvorlagen / Nutzwertanalyse (z. B. Zangemeister, Nutzwertanalyse in der Systemtechnik).
VERWANDTE FRAGEN:
- „Welche Mindestbestandteile muss eine gute Entscheidungsvorlage enthalten?“ — Anlass, Kriterien, ≥2 bewertete Alternativen (inkl. Status quo), begründeter Vorschlag, Umsetzungs-/Folgehinweise.
- „Erklären Sie das Vorgehen einer Nutzwertanalyse in Schritten.“ — Kriterien festlegen → gewichten → Alternativen je Kriterium bepunkten → gewichtete Punktsummen → Rangfolge → Empfehlung + Sensitivitätsprüfung.
- Prüfungsrelevanz: Die Nutzwertanalyse ist die Brücke zwischen Bewertungskriterien (#14/#21) und Entscheidungsvorschlag (#23) — als Schrittfolge erklären und an einem Zahlenbeispiel rechnen können. Die „drei Formen“ (#24) sind ein abfragbarer Listenpunkt.
7 · Klärungsbedarf und offene Fragen
(persönlich — selbst ausfüllen)
Endziffern (#01–#24) gemäß eigener Priorität anpassen: 0 = alles klar · 1 = Detail-Klärungsbedarf · 2 = Klärungsbedarf · 3 = völlig unklar. Konkrete eigene Fragen je Punkt hier ergänzen.
8 · Vorschläge, Wünsche und Anregungen
(persönlich — selbst ausfüllen)
- Sonstige Frage: …
- Hinweis (z. B. toter Link): …
- Bitte: …
- Vorschlag: …
- Lob: …
- Kritik: …
Quellenübersicht (Sachquellen)
- Doran, G. T. (1981): There's a S.M.A.R.T. way to write management's goals and objectives. Management Review 70(11), 35–36. https://community.mis.temple.edu/mis0855002fall2015/files/2015/10/S.M.A.R.T-Way-Management-Review.pdf
- Wikipedia (de): SMART (Projektmanagement). https://de.wikipedia.org/wiki/SMART_(Projektmanagement)
- Drucker, P. F. (1954): The Practice of Management (Management by Objectives).
- Simon, H. A. (1947): Administrative Behavior (bounded rationality, satisficing; programmierte/nicht-programmierte Entscheidungen — Letztere ausgearbeitet in The New Science of Management Decision, 1960).
- Locke, E. A. / Latham, G. P. (1990): A Theory of Goal Setting & Task Performance (Goal-Setting-Theory).
- Kahneman, D. (2011): Thinking, Fast and Slow (System 1/2, kognitive Verzerrungen).
- Klein, G. (1998): Sources of Power (Experten-Intuition, Recognition-Primed Decision).
- Zangemeister, C. (1976): Nutzwertanalyse in der Systemtechnik (Bewertungsmethode).
- Vorlesungs-Handouts: HBW 152 (Ziele SMART), HBW 026 (Entscheidungsfindung I–III), HBW 147 (Entscheidungsvorlagen).
- Rohleder-Blog: "Kennzahlen, Kennzahlensysteme und die Balanced Scorecard" V2.6, Vorlesungsfolien "SMARTe Ziele" (Primärquelle für die R-Ambiguität innerhalb des eigenen Foliensatzes und die 10-Punkte-Liste „Beyond SMART").
Erstellt mit Unterstützung generativer KI (Claude/Anthropic), eigenständig zu überarbeiten. Sachquellen siehe oben.