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ETFÜ U12 — Unternehmenskultur I

ETFÜ · Unit-Dossier · ✅ quellenbelegt (1,0-Niveau)

ETFÜ U12 — Unternehmenskultur I

⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren (gegen Rohleders Kompass geprüft)
  • #01 Definition (2 Arten): (1) Kultur = Ausrichtung des Handelns, Denkens, Fühlens und Wahrnehmens im Unternehmen, ausgedrückt durch Annahmen/Werte/Regeln/Verhaltensweisen. (2) Kultur = Mass, wie stark das Unternehmen den Ansprüchen seiner Corporate Identity entspricht (internes Wertmuster; Identität und kollektives Selbstverständnis, geprägt durch gemeinsame Erfahrungen, Geschichten, Symbole).
  • #02 Zweck/Bedeutung: Zürst Image + license to operate = gesellschaftliche Akzeptanz; fördert kundenorientiertes, flexibles, innovatives, effizientes Handeln; überbrückt Anpassungen/Krisen; lockt Bewerber/neue MA an; erleichtert Kooperation & Organisation (auch in der Hierarchie); gute Arbeitsatmosphäre; in Euro gedacht: weniger Kündigungen, weniger Krankmeldungen, weniger Gerichtskosten.
  • #03 Erfahrungen (persönlich, selbst füllen): Kultur-Entwicklung ist ein aufwendiger, fortlaufender Prozess, der überall Früchte tragen kann; als junger Mensch: im Unternehmen arbeiten wollen, dessen Werte mit den eigenen übereinstimmen und in dem man sich wohlfühlt.
  • #04 Kultur-Ebenen (3): Artefakte = oberflächlich/gut sichtbar (Sie oder Du, Bürogestaltung); Werte = sichtbar & unsichtbar (Leitbilder/Unternehmensethos/Code of Conduct, Strategien wie Öko oder Regional); Grundannahmen = implizit/unbewusste Anschauungen und Gefühle (Karriere- oder Hierarchiedenken, Hilfsbereitschaft).
  • #05 Grundannahmen — Rolle & Entwicklung durch Führungskräfte: Rolle: schwer wahrnehmbar, laufen grösstenteils unterbewusst; Entwicklung durch Führungskräfte realistisch NUR, indem sie diese selbst vorleben und mit gutem Beispiel vorangehen (nicht per Anweisung).
  • #07 Änderung der Grundannahmen — Auswirkungen/Risiken: MA haben sich an Werte/Verhaltensweisen gewöhnt und können sich mit Neuem evtl. nicht identifizieren; Folgen: Sinnkrise/Orientierungslosigkeit (sinkende Motivation/Engagement), Zusammenhalt nimmt Schaden (Konflikte), Vertrauensverlust in Organisation & Führung (ggf. Verfolgung eigener Ziele).
  • #08/#09 Werte & Artefakte: Artefakte = sichtbare Zeichen (Grossraum- statt Kleinbüros, offener/lauter Streit, fehlende Höflichkeit, viele Kündigungen); Werte = Kundenorientierung, Zusammenhalt, Vertrauen.
  • #10 Funktionen: Wettbewerb (z.B. Personalfindung), Verständnis von Aufgaben, Kritikfähigkeit, Qualität, Kommunikation, Kooperation, Entscheidungshilfe, Vertrauen, Konfliktregelung, Zusammengehörigkeitsgefühl/Identität stiften, Sinnhaftigkeit & Zweckorientierung (Purpose); plus Kostensenkung (weniger Kündigungen, Krankmeldungen, Gerichtskosten).
  • #11 Vorteile: Erspart Arbeit/Kosten an anderer Stelle durch Vorbeugen von Fehlverhalten (Korruption, Umweltverschmutzung etc.); steigert Wettbewerbsfähigkeit in allen Bereichen; steigert Akzeptanz (license to operate); Zufriedenheit & Motivation der Mitarbeiter.
  • #12 Schein-Modell (3 Ebenen): Grundannahmen = Weltbild/Grundanschauungen (unbemerkt) → Werte & Normen = sichtbar & unsichtbar (gelebte Werte, Führungsgrundsätze) → Artefakte & Verhaltensmuster = echte Symbole für die Werte (z.B. Gestaltung der gemeinschaftlichen Büros). Nur die Spitze ist sichtbar (Eisberg).
  • #13 Handy-Typologie (4 Typen): Machtkultur = starke Hierarchien, kein Demokratie- sondern Patriarchat; Rollenkultur = funktionale Organisationsform, starke Kunden- & Marktorientierung, Identifikation über Rollen/Aufgaben/Funktionen; Aufgabenkultur = Prozessablauf im Mittelpunkt, projekt-/teamorientiert, flexible Strukturen, Selbstverantwortung; Personenkultur = Mitarbeiter & deren Bedürfnisse/Wohlergehen im Vordergrund, dadurch starke Motivation. (Griechische Götter Zeus/Apollo/Athene/Dionysos nur als optionaler Zusatz — stehen NICHT in Rohleders Kompass.)
💡 Für Fachfremde — Ethik-Begriffe in Alltagssprache
  • Unternehmenskultur = die ungeschriebene „Art, wie man hier miteinander umgeht“. Niemand hängt sie an die Wand, aber alle spüren sie. Beispiel: In der einen Firma duzt man sich und lacht laut im Flur, in der anderen ist es still und förmlich – obwohl in keinem Vertrag steht, wie man sich verhalten soll.
  • Corporate Identity (CI) = das gewollte Gesamtbild, wie eine Firma nach außen wirken will – Logo, Farben, Auftreten, Versprechen. Beispiel: Wenn eine Firma sagt „wir sind freundlich und modern“, dann ist die CI dieses Selbstbild. Die Kultur ist dann die Frage: Stimmt das im Alltag wirklich?
  • License to operate („Erlaubnis zu arbeiten“) = gemeint ist nicht ein Amtsschein, sondern dass die Gesellschaft die Firma akzeptiert und in Ruhe machen lässt. Beispiel: Eine Fabrik, die die Nachbarn und die Öffentlichkeit gut behandelt, hat weniger Ärger, Proteste und schlechte Presse – sie wird „geduldet und gemocht“.
  • Artefakte = alles an einer Firma, das man direkt sehen, hören oder anfassen kann. Beispiel: Wie die Büros aussehen, ob man Anzug oder Kapuzenpulli trägt, wie man sich begrüßt, wie laut es zugeht. Das sind die sichtbaren Zeichen – aber sie sagen noch nicht sicher, warum das so ist.
  • Werte (bekundete Werte) = das, was eine Firma offiziell sagt, dass es ihr wichtig ist. Beispiel: Auf der Website steht „Kundennähe und Ehrlichkeit“. Das ist ein bekundeter Wert – also ein Vorsatz, den man ausspricht.
  • Bekundete vs. gelebte Werte = der Unterschied zwischen dem, was man sagt, und dem, was man wirklich tut. Beispiel: Eine Firma schreibt „wir dürfen Fehler machen“, aber wer einen Fehler zugibt, wird abgemahnt. Diese Lücke merkt jeder – und dann glaubt keiner mehr den schönen Worten.
  • Grundannahmen = die tiefsten Überzeugungen, über die niemand mehr nachdenkt, weil sie für alle „einfach so richtig“ sind. Beispiel: In einer Firma ist es völlig selbstverständlich, dass man dem Chef nie widerspricht – keiner hat das je entschieden, es sitzt einfach im Bauch. Solche Sachen sind am schwersten zu ändern.
  • Menschenbild Theorie X / Theorie Y = zwei Grundhaltungen darüber, wie Menschen „eigentlich“ sind. Theorie X = „Mitarbeiter sind faul und muss man kontrollieren.“ Theorie Y = „Mitarbeiter wollen von sich aus gut arbeiten, man kann ihnen vertrauen.“ Beispiel: Ein Chef mit X-Denken lässt niemanden ins Homeoffice, ein Chef mit Y-Denken schon.
  • Schein-Modell / Eisbergmodell = ein Bild dafür, dass man von einer Firmenkultur nur einen kleinen Teil sieht. Wie ein Eisberg: Die Spitze (was man sieht) ragt aus dem Wasser, der größte Teil liegt unsichtbar darunter. Oben die sichtbaren Dinge, unten die unsichtbaren Überzeugungen, die alles steuern.
  • Handy-Typologie = eine Einteilung von Firmen in vier Sorten, je nachdem, wer das Sagen hat. Machtkultur = eine Person bestimmt alles (wie ein Familienbetrieb mit strengem Chef). Rollenkultur = feste Regeln und Zuständigkeiten (wie eine Behörde). Aufgabenkultur = Teams lösen gemeinsam Projekte (wie eine Beratungsfirma). Personenkultur = die einzelnen Fachleute stehen im Mittelpunkt (wie eine Gemeinschaftspraxis von Ärzten).
  • Fluktuation = wie oft Leute die Firma verlassen und neue kommen müssen. Beispiel: Wenn ständig jemand kündigt und man dauernd neue Leute suchen und einarbeiten muss, ist die Fluktuation hoch – das kostet viel Geld und Nerven.
  • Employer Branding / Arbeitgebermarke = der Ruf einer Firma als guter Arbeitsplatz. Beispiel: Wenn Bewerber sagen „da will ich unbedingt arbeiten“, hat die Firma eine starke Arbeitgebermarke – sie findet leichter gute Leute.
  • Betriebsblindheit / Konformitätsdruck (Groupthink) = wenn in einer Gruppe alle gleich denken und keiner mehr etwas hinterfragt. Beispiel: „Das haben wir schon immer so gemacht“ – und deshalb sieht niemand, dass es längst einen besseren Weg gäbe. Neue Ideen trauen sich nicht raus.
  • Post-Merger-Integration = wenn zwei Firmen zusammengelegt werden und danach zusammenwachsen müssen. Beispiel: Zwei Betriebe fusionieren, aber der eine ist locker und der andere streng – dann knirscht es, gute Leute gehen, und der erhoffte Vorteil bleibt aus.
  • Informelle Organisation / „Flurfunk“ = alles, was neben den offiziellen Regeln über persönliche Gespräche läuft. Beispiel: Der schnelle Tipp in der Kaffeeküche bringt oft mehr als eine offizielle E-Mail – die Firma läuft zu einem großen Teil über dieses inoffizielle Miteinander.
  • Koordinationskosten = der Aufwand, damit alle im Betrieb an einem Strang ziehen – also Absprachen, Kontrollen, Meetings. Beispiel: Wenn sich alle einig sind, wie man arbeitet, braucht man weniger Regeln und Nachfragen – das spart Zeit und Geld. Eine gute Kultur senkt genau diesen Aufwand.
  • Agil / Kanban / Pull-Prinzip = eine moderne, flexible Arbeitsweise in kleinen Schritten, bei der das Team sich Aufgaben selbst zieht, statt sie von oben zugeteilt zu bekommen. Beispiel: Statt einen starren Jahresplan abzuarbeiten, holt sich das Team die nächste Aufgabe von einer Tafel, sobald es Zeit hat – wie eine To-do-Liste, die alle gemeinsam abarbeiten.

Modul: Wirtschaftsethik & Unternehmensführung · TH Bingen · B.Eng. Wirtschaftsingenieurwesen Prüfer: Prof. Rohleder Status: GEPRÜFT (Quellen belegt, 1,0-Niveau) — alle 13 Fragen gegen Rohleder-Kompass U12 (#V01–#V04) und die Vorlesungs-Mitschrift U12 abgeglichen; Rohleder-eigene Akzente (zwei Definitionen, „license to operate“, Euro-Denken, Grundannahmen-„KI-Falle“, Handy-Beschreibungen) ergänzt und als solche gekennzeichnet. Nur die #90/#99-Felder bleiben absichtlich persönlich auszufüllen. Caveat: Die griechischen Götter bei Handy sind korrekt (aus Gods of Management), stehen aber nicht in Rohleders Material.

Hinweis zur Nutzung: KI-Unterstützung ist für dieses Dossier laut Aufgabenblatt ausdrücklich erlaubt; Pflicht ist die Quellenangabe. Die Antworten sind gegen Rohleder-Kompass U12 und die Vorlesungs-Mitschrift belegt (Stand: GEPRÜFT); vor der Prüfung dennoch in eigene Worte bringen. Offen bleiben nur die absichtlich persönlichen Felder (#03 Erfahrungen, #90 Priorisierung, #99 Feedback).


1 Definition von Unternehmenskultur

Quellen-Hinweis Dossier: HBW 086 S. 1; eigene Erfahrungen

#01 — Definieren Sie Unternehmenskultur auf zwei verschiedene Arten.

Aufgabe: Definieren Sie Unternehmenskultur auf zwei verschiedene Arten.

ANTWORT:

Unternehmenskultur (synonym: Organisationskultur, engl. corporate culture) lässt sich auf zwei komplementäre Weisen fassen:

Definition 1 — funktional/verhaltensorientiert (Alltagsdefinition): Unternehmenskultur ist die Gesamtheit der gemeinsam geteilten Werte, Normen, Denk- und Verhaltensmuster, die das Handeln der Mitglieder einer Organisation prägen — kurz: „die Art, wie bei uns die Dinge getan werden“ („the way we do things around here“ — populär gemacht durch Deal/Kennedy, Corporate Cultures, 1982). Sie wirkt als ungeschriebenes Regelwerk, das festlegt, was im Unternehmen als selbstverständlich, richtig und erwünscht gilt.

Definition 2 — wissenschaftlich/schichtenorientiert (nach Schein): Unternehmenskultur ist ein Muster gemeinsamer Grundannahmen (basic assumptions), das eine Gruppe bei der Bewältigung ihrer Probleme der externen Anpassung und internen Integration erlernt hat, das sich bewährt hat und das deshalb an neue Mitglieder als die korrekte Art der Wahrnehmung, des Denkens und Fühlens in Bezug auf diese Probleme weitergegeben wird (Schein 1985/2010). Kultur ist hier ein über die Zeit gewachsenes, weitgehend unbewusstes Tiefenphänomen.

Fazit: Definition 1 betont die beobachtbare Wirkung (Verhalten, „so machen wir das“), Definition 2 die Entstehung und Tiefenstruktur (erlernte, bewährte, unbewusst weitergegebene Grundannahmen). Beide zusammen zeigen: Kultur ist sowohl sichtbar im Verhalten als auch unsichtbar in den dahinterliegenden Überzeugungen verankert.

Abgleich mit Rohleder (wichtig, da Prüfer): Rohleder paart die zwei Definitionen im Kompass/in der Vorlesung anders — (1) Unternehmenskultur als Gesamtheit der Werte und Normen vs. (2) als gelebte Alltagspraxis (wie tatsächlich kommuniziert, geführt, zusammengearbeitet wird); im Kompass zusätzlich der Bezug zur Corporate Identity („Maß, wie stark das Unternehmen den Ansprüchen der CI entspricht“). Die obige Deal/Kennedy-vs-Schein-Paarung ist inhaltlich kompatibel, aber Lehrbuch-Zuspitzung — in der Klausur Rohleders Werte/Normen- vs. gelebte-Praxis-Paarung voranstellen (lt. Rohleder-Kompass U12 #V01; Mitschrift U12).

VERWANDTE FRAGEN:

  • „Grenzen Sie Unternehmenskultur von Unternehmensklima ab.“ — Antwort: Kultur ist langfristig, tief verankert, normativ-prägend und nur schwer veränderbar (die geteilten Grundannahmen). Klima ist die kurzfristige, aktuelle, subjektiv wahrgenommene Stimmungs- und Wahrnehmungslage der Mitarbeitenden („Wie fühlt es sich gerade an, hier zu arbeiten?“). Klima ist gewissermaßen die momentane Oberfläche, Kultur das stabile Fundament.
  • „Ist Unternehmenskultur ein Wettbewerbsfaktor? Begründen Sie.“ — Antwort: Ja. Eine starke, zur Strategie passende Kultur ist schwer imitierbar, weil sie historisch gewachsen und sozial komplex ist (vgl. ressourcenorientierter Ansatz nach Barney; VRIO-Kriterien: valuable = wertvoll, rare = selten, imperfectly imitable = schwer imitierbar, organized = organisatorisch nutzbar gemacht). Sie kann dadurch zu einem nachhaltigen Wettbewerbsvorteil werden.

WARUM: Rohleder testet mit Definitions-/Abgrenzungsfragen, ob man die zwei Ebenen (sichtbares Verhalten vs. unsichtbare Grundannahmen) auseinanderhalten kann — die Klima-Abgrenzung und der Wettbewerbsfaktor sind die typischen „eine Drehung weiter“-Anschlüsse, die das Verständnis statt reines Auswendiglernen prüfen.


#02 — Warum ist Unternehmenskultur im Unternehmen wichtig (Bedeutung)?

Aufgabe: Fassen Sie kurz zusammen, warum Unternehmenskultur im Unternehmen wichtig ist.

ANTWORT:

Definition/Einordnung: Die Bedeutung der Unternehmenskultur ergibt sich aus ihrer Steuerungswirkung jenseits formaler Regeln und Hierarchien.

Argumente:

  1. Orientierung & Identität: Sie gibt Mitarbeitenden Halt, Sinn und ein „Wir-Gefühl“ (Identifikation), reduziert Unsicherheit.
  2. Koordination & Effizienz: Geteilte Werte ersetzen detaillierte Vorschriften — viele Abstimmungen laufen informell und schneller (Senkung von Koordinations- und Kontrollkosten).
  3. Motivation & Bindung: Eine positiv erlebte Kultur erhöht Engagement, Arbeitszufriedenheit und senkt Fluktuation/Krankenstand.
  4. Außenwirkung: Kultur prägt Arbeitgebermarke (Employer Branding), Kunden- und Lieferantenbeziehungen und damit die Reputation.
  5. Strategie-Umsetzung: Das geflügelte Wort „Culture eats strategy for breakfast“ (häufig Peter Drucker zugeschrieben, Urheberschaft jedoch unbelegt) bringt es auf den Punkt — selbst eine gute Strategie scheitert, wenn die Kultur sie nicht trägt.

Fazit: Unternehmenskultur ist wichtig, weil sie als informeller, schwer kopierbarer Steuerungsmechanismus Verhalten ausrichtet, Effizienz und Bindung steigert und so unmittelbar auf Wettbewerbsfähigkeit und Strategieerfolg wirkt.

Von Rohleder im Kompass/in der Vorlesung besonders betont (Klausur-Anker): (a) „License to operate“ — Kultur ist zentral für Image und gesellschaftliche Akzeptanz (der wichtigste Zweck-Begriff im Kompass U12 #V01). (b) In Euro denken: gute Kultur = weniger Kündigungen, weniger Krankmeldungen, weniger Gerichtskosten (lt. Kompass U12; in der Mitschrift ausdrücklich als „Klausur!“-Übung markiert — Kultur-Vorteile immer mit konkreten Euro-Beträgen belegen).

VERWANDTE FRAGEN:

  • „Nennen Sie Risiken/Schattenseiten einer starken Unternehmenskultur.“ — Antwort: Eine starke Kultur kann in Betriebsblindheit, Konformitätsdruck (Groupthink), Innovationsträgheit und Widerstand gegen notwendigen Wandel umschlagen. Was in stabilen Zeiten Stärke ist, wird in Umbruchphasen zur Veränderungsbremse.
  • „Wie zeigt sich der wirtschaftliche Wert von Kultur konkret?“ — Antwort: Über messbare Effekte wie geringere Fluktuation, niedrigere Recruiting-Kosten, höhere Produktivität, bessere Kundenbindung und stärkere Arbeitgebermarke.

WARUM: Prüfungsrelevant ist, dass man Bedeutung nicht nur positiv aufzählt, sondern die Ambivalenz (Stärke = zugleich Risiko) erkennt — eine klassische Rohleder-Drehung, die kritisches Denken statt Lehrbuch-Lobpreisung verlangt.


#03 — Was bedeutet Unternehmenskultur für Sie? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Aufgabe: Was bedeutet Unternehmenskultur für Sie? Welche Erfahrungen haben Sie hierzu bereits gemacht?

ANTWORT: (persönlich — selbst ausfüllen)

Eigene Erfahrung einbringen, z. B. aus Praktikum/Werkstudententätigkeit/Verein: Wie wurde mit Fehlern umgegangen? Wie wurde kommuniziert (offen/hierarchisch)? Welche ungeschriebenen Regeln gab es? Tipp: An Schein-Ebenen entlanghangeln — beobachtetes Verhalten (Artefakte) → propagierte Werte → vermutete Grundannahmen.

WARUM: Reine Reflexionsfrage — kein Wissens-, sondern ein Transferziel (Theorie an eigener Erfahrung spiegeln). Wird in der Klausur meist als „eigenes Beispiel“ verlangt; ein gut gewähltes Beispiel sollte parat liegen.


2 Charakteristika einer Kultur, Notwendigkeit der Werte

Quellen-Hinweis Dossier: HBW 086 S. 2 ff.

#04 — Beschreiben Sie die wichtigsten Kultur-Ebenen kurz und prägnant. Mit Beispielen.

Aufgabe: Beschreiben Sie die wichtigsten Kultur-Ebenen kurz und prägnant. Geben Sie Beispiele!

ANTWORT:

Definition: Das verbreitetste Ebenen-Modell stammt von Edgar Schein und unterscheidet drei Ebenen, geordnet nach abnehmender Sichtbarkeit und zunehmender Bewusstseinstiefe:

Ebene Sichtbarkeit Beschreibung Beispiele
1. Artefakte (artifacts) sichtbar, aber interpretationsbedürftig Alle wahrnehmbaren Erscheinungen der Kultur Architektur/Großraumbüro vs. Einzelbüro, Kleiderordnung (Anzug vs. Hoodie), Logos, Rituale, Sprache, Umgangston, Begrüßungsformen, Firmenfeiern
2. Bekundete Werte (espoused values) teils bewusst Offiziell vertretene Strategien, Ziele, Normen, Philosophien Leitbild, Code of Conduct, Vision/Mission, propagierte Werte wie „Kundenorientierung“, „Nachhaltigkeit“, „offene Fehlerkultur“
3. Grundannahmen (basic underlying assumptions) unsichtbar, unbewusst, selbstverständlich Tief verinnerlichte, nicht hinterfragte Überzeugungen über Mensch, Wahrheit, Umwelt, Beziehungen „Der Mensch ist von Natur aus leistungsbereit“ (Theorie Y) vs. „muss kontrolliert werden“ (Theorie X — Menschenbilder nach McGregor); „Konflikte löst man offen“ vs. „Harmonie hat Vorrang“

Fazit: Die Ebenen bauen aufeinander auf: Artefakte sind die „Spitze des Eisbergs“, die nur aus den darunterliegenden Werten und vor allem den unsichtbaren Grundannahmen heraus richtig verstanden werden können. Wer Kultur verändern will, muss bis zu den Grundannahmen vordringen.

VERWANDTE FRAGEN:

  • „Warum reicht es nicht, Artefakte zu beobachten, um eine Kultur zu verstehen?“ — Antwort: Artefakte sind sichtbar, aber mehrdeutig. Derselbe Großraum kann „Transparenz/Teamgeist“ oder „Kontrolle/Kostendruck“ bedeuten. Erst die Grundannahmen liefern die korrekte Deutung; reine Oberflächenbeobachtung führt zu Fehlinterpretationen.
  • „Ordnen Sie folgende Beispiele den Schein-Ebenen zu: Dresscode, Leitbild, Menschenbild der Führung.“ — Antwort: Dresscode = Artefakt; Leitbild = bekundeter Wert; Menschenbild = Grundannahme.

WARUM: Das Zuordnen konkreter Beispiele zu Ebenen ist die mit Abstand häufigste Klausurform zu Schein — Rohleder dreht sie gern als „Ordnen Sie zu“ oder „Warum ist Ebene X mehrdeutig?“, um zu prüfen, ob man das Eisberg-Prinzip wirklich verstanden hat.


#05 — Welche Rolle spielen die Grundannahmen? Wie lassen sie sich von Führungskräften entwickeln?

Aufgabe: Welche Rolle spielen die Grundannahmen innerhalb einer Unternehmenskultur? Wie lassen Sie sich von Führungskräften entwickeln?

ANTWORT:

Definition: Grundannahmen sind die tiefste, unsichtbare und unbewusste Schicht der Kultur — selbstverständlich gewordene, nicht mehr hinterfragte Überzeugungen über die „Natur der Dinge“ (Menschenbild, Verhältnis zur Umwelt, Wahrheit, Zeit, soziale Beziehungen).

Rolle:

  • Sie bilden den eigentlichen Kern der Kultur und steuern Wahrnehmung, Denken und Verhalten weitgehend automatisch.
  • Sie verleihen der Kultur Stabilität und Trägheit — gerade weil sie nicht bewusst sind, lassen sie sich nur schwer und langsam ändern.
  • Werte und Artefakte sind letztlich Ausdruck dieser Grundannahmen.

Entwicklung durch Führungskräfte (nach Schein sind Führung und Kultur „zwei Seiten einer Medaille“):

  1. Vorleben/Rollenmodell: Worauf Führungskräfte konsequent achten, was sie messen und kontrollieren („what leaders pay attention to, measure and control“).
  2. Reaktion auf kritische Ereignisse und Krisen: Wie in Ausnahmesituationen (Fehler, Konflikt, Krise) gehandelt wird, prägt Annahmen am stärksten.
  3. Ressourcenallokation, Belohnung & Statuszuweisung: Wen man befördert, wofür man belohnt/bestraft — sendet Signale, was wirklich zählt.
  4. Bewusste Sozialisation: Auswahl, Onboarding, Vorbilder, Storytelling, Rituale.

Fazit: Grundannahmen sind der unsichtbare Steuerungskern der Kultur. Führungskräfte entwickeln sie nicht per Anweisung, sondern primär durch konsistentes Vorleben, ihr Verhalten in Krisen und die Logik von Belohnung und Beförderung — Kultur wird „von oben“ und über lange Zeiträume geformt.

Rohleders Zuspitzung (Mitschrift U12 — als „KI-Falle“ markiert): Der Kompass nennt als Entwicklungsweg nur „selbst vorleben und mit gutem Beispiel vorangehen“. In der Vorlesung schärft Rohleder nach: Grundannahmen sitzen zu tief („Bauch, nicht Kopf“), vorgelebte Werte liegen mindestens eine Ebene darüber (Werte/Normen); bis sie in die Grundannahmen „diffundieren“, dauert es Jahre — realistisch kaum in einem Berufsleben änderbar. Praktische Konsequenz: eher Menschen mit passenden inneren Überzeugungen einstellen, an den konkreten Werten nachjustieren statt Grundannahmen umbauen. Die vier obigen Schein-„embedding mechanisms“ sind korrekte Lehrbuch-Ergänzung, gehen aber über Rohleders knappe Kompass-Antwort hinaus.

VERWANDTE FRAGEN:

  • „Warum kann man Grundannahmen nicht einfach 'per Anweisung' ändern?“ — Antwort: Weil sie unbewusst und selbstverständlich sind; sie werden nicht als Meinung, sondern als Realität erlebt. Ein bloßer Appell („Ab morgen sind wir innovativ“) bleibt auf der Werte-Ebene und greift nicht in die Tiefenschicht — nötig sind erlebbare, wiederholte Erfahrungen, dass das neue Verhalten sich bewährt.
  • „Nennen Sie die zentralen 'embedding mechanisms', mit denen Führungskräfte Kultur verankern.“ — Antwort: Aufmerksamkeit/Messung, Reaktion auf Krisen, Vorbildverhalten, Belohnungs-/Beförderungskriterien, Rekrutierungs- und Sozialisationspraxis.

WARUM: Die Frage „Wie verändert/entwickelt Führung Kultur?“ verbindet das Schein-Modell mit dem Modulthema Unternehmensführung — Rohleder prüft hier gern den Mechanismus (Vorleben/Krise/Belohnung) statt nur das Faktum „Grundannahmen sind tief“.


#06 — siehe #05 (gleiche Frage, Teil „Entwicklung durch Führungskräfte“)

Aufgabe: Welche Rolle spielen die Grundannahmen innerhalb einer Unternehmenskultur? Wie lassen Sie sich von Führungskräften entwickeln?

Hinweis: Im Dossier sind #05 (Rolle der Grundannahmen) und #06 (Entwicklung durch Führungskräfte) Teile derselben Lernkontrollfrage. Die Antwort zur Entwicklung steht oben unter #05.


#07 — Auswirkungen und Risiken einer Änderung der Grundannahmen. Beispiele.

Aufgabe: Erläutern Sie kurz welche Auswirkungen und Risiken mit einer Änderung der Grundannahmen für die Unternehmenskultur verbunden sind.

ANTWORT:

Definition: Eine Änderung der Grundannahmen ist ein Eingriff in die tiefste Kulturschicht — der schwierigste, langwierigste und konfliktträchtigste Teil eines Kulturwandels.

Auswirkungen:

  • Da Grundannahmen Werte und Artefakte tragen, zieht ihre Änderung eine umfassende Veränderung der gesamten Kultur nach sich (nicht nur der Oberfläche).
  • Sie kann das Unternehmen zukunftsfähig machen (z. B. Anpassung an neue Märkte, Digitalisierung).

Risiken:

  1. Widerstand & Verunsicherung: Grundannahmen geben Sicherheit; ihre Infragestellung erzeugt Angst, Abwehr, Demotivation („so haben wir das noch nie gemacht“).
  2. Identitäts-/Vertrauensverlust: Mitarbeitende verlieren Orientierung; Bindung und Loyalität können leiden.
  3. Inkonsistenz/Zynismus: Werden nur Leitbilder (Werte-Ebene) geändert, die Grundannahmen aber nicht, entsteht eine Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit → Glaubwürdigkeitsverlust, „Hochglanz-Werte ohne Wirkung“.
  4. Dauer & Kosten: Echter Wandel dauert Jahre und bindet erhebliche Führungs-/Kommunikationsressourcen; Scheitern ist häufig.
  5. Produktivitäts-/Leistungseinbruch in der Übergangsphase.

Beispiele für solche Änderungen:

  • Von einer Kontroll- zu einer Vertrauenskultur (Menschenbild Theorie X → Theorie Y), z. B. Einführung von Homeoffice/Vertrauensarbeitszeit.
  • Von Hierarchie/Silos zu agiler Zusammenarbeit (z. B. Einführung von Scrum, flache Hierarchien).
  • Post-Merger-Integration: Zusammenführung zweier Unternehmen mit unvereinbaren Grundannahmen (kollidierende Kulturen → Reibung, Abwanderung).
  • Wandel von Produkt- zu Kunden-/Serviceorientierung.

Fazit: Eine Änderung der Grundannahmen hat die größte Hebelwirkung, aber auch das höchste Risiko: Sie kann ein Unternehmen erneuern oder — bei Widerstand, Inkonsistenz und Vertrauensverlust — destabilisieren. Erfolgsvoraussetzung ist konsistentes Führungsverhalten über lange Zeit, nicht ein bloßer Leitbild-Austausch.

VERWANDTE FRAGEN:

  • „Warum scheitern Kulturwandel-Projekte häufig?“ — Antwort: Weil sie auf der Werte-/Artefakt-Ebene ansetzen (neues Leitbild, neue Büros, Workshops), ohne die Grundannahmen zu erreichen; weil Führungskräfte das neue Verhalten nicht konsistent vorleben; und weil der Zeithorizont unterschätzt wird (Kulturwandel = Jahre, kein Quartalsprojekt).
  • „Welche Bedeutung hat die Post-Merger-Kulturintegration?“ — Antwort: Unterschiedliche Grundannahmen zweier Firmen sind ein Haupt­grund für das Scheitern von Fusionen; ohne aktives Kultur-Integrationsmanagement drohen Reibungsverluste, Schlüsselkräfte-Abgang und ausbleibende Synergien.

WARUM: Die Verbindung „Tiefenschicht ändern = höchstes Risiko + Beispiele“ ist genau die Stelle, an der Rohleder Anwendungswissen testet — typische Drehung: „Warum scheitert Kulturwandel?“ zielt darauf, dass man Ebenen-Logik (oben ansetzen reicht nicht) auf ein Praxisproblem überträgt.


#08 / #09 — Was sind Werte und Artefakte in diesem Zusammenhang?

Aufgabe: Was sind Werte und Artefakte in diesem Zusammenhang?

ANTWORT:

#08 Werte (bekundete Werte, espoused values): Werte sind die mittlere Schicht der Kultur — die offiziell vertretenen, teils bewussten Überzeugungen darüber, was im Unternehmen als gut, richtig und erstrebenswert gilt. Sie sind häufig schriftlich fixiert (Leitbild, Unternehmensphilosophie, Code of Conduct) und dienen als normativer Maßstab für Entscheidungen und Verhalten.

  • Beispiele: „Kundenorientierung“, „Nachhaltigkeit“, „Offenheit/Transparenz“, „Teamgeist“, „Qualität“, „Innovationsfreude“.
  • Wichtig: Man unterscheidet bekundete Werte (was offiziell gesagt wird) von gelebten Werten (was tatsächlich praktiziert wird). Eine Lücke zwischen beiden untergräbt Glaubwürdigkeit.

#09 Artefakte (artifacts): Artefakte sind die oberste, sichtbare und hörbare Schicht — alle wahrnehmbaren Erscheinungsformen der Kultur. Sie sind leicht zu beobachten, aber schwer zu deuten, weil ihre Bedeutung erst aus den darunterliegenden Werten und Grundannahmen erschließbar ist.

  • Beispiele: Architektur/Bürogestaltung, Kleidung/Dresscode, Logos und Corporate Design, Sprache/Jargon, Rituale und Zeremonien (Meetings, Feiern, Begrüßung), Geschichten/Mythen über Gründer und Helden, Umgangsformen, sichtbare Symbole und Statussymbole.

Fazit: Artefakte (sichtbar, mehrdeutig) sind der Ausdruck, Werte (bewusst, normativ) sind die Begründung, und beide wurzeln in den unsichtbaren Grundannahmen. Werte erklären, warum Artefakte so aussehen, wie sie aussehen.

VERWANDTE FRAGEN:

  • „Was ist der Unterschied zwischen bekundeten und gelebten Werten — und warum ist die Lücke gefährlich?“ — Antwort: Bekundete Werte stehen im Leitbild; gelebte Werte zeigen sich im tatsächlichen Verhalten und in Belohnungsentscheidungen. Klaffen sie auseinander (z. B. „Fehlerkultur“ propagiert, aber Fehler werden bestraft), entsteht Zynismus, Vertrauensverlust und Glaubwürdigkeitsschaden.
  • „Nennen Sie je drei Beispiele für Artefakte und für Werte.“ — Antwort: Artefakte: Dresscode, Großraumbüro, Firmenfeier. Werte: Kundenorientierung, Nachhaltigkeit, Teamgeist.

WARUM: Das saubere Trennen der drei Schichten — und besonders die Unterscheidung bekundete vs. gelebte Werte — ist ein Kernlernziel; Rohleder prüft das gern über „Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit“, weil dort der Bezug zur Wirtschaftsethik (Glaubwürdigkeit, Integrität) liegt.


3 Funktionen und Ziel der Unternehmenskultur

Quellen-Hinweis Dossier: HBW 086 S. 7

#10 — Nennen und beschreiben Sie die Funktionen der Unternehmenskultur.

Aufgabe: Nennen Sie die Funktionen der Unternehmenskultur und beschreiben Sie sie jeweils kurz.

ANTWORT:

Unternehmenskultur erfüllt mehrere zentrale Funktionen (in der Literatur häufig im Anschluss an Schein sowie Steinmann/Schreyögg gegliedert):

  1. Koordinationsfunktion: Geteilte Werte und Normen richten das Verhalten gemeinsam aus und ersetzen einen Teil formaler Regeln und Anweisungen → reibungsärmere Zusammenarbeit, weniger Abstimmungsaufwand.
  2. Integrationsfunktion: Kultur schafft Zusammenhalt, Wir-Gefühl und gemeinsame Identität; sie bindet Einzelinteressen in ein Ganzes ein und stiftet Loyalität.
  3. Motivationsfunktion: Sinnstiftung und Identifikation erhöhen Engagement, Eigenverantwortung und Leistungsbereitschaft.
  4. Orientierungs-/Identifikationsfunktion: Kultur vermittelt, „wofür wir stehen“ und „wie man sich verhält“ → reduziert Unsicherheit und Komplexität, erleichtert Entscheidungen.
  5. Kontinuitäts-/Stabilitätsfunktion: Kultur stabilisiert die Organisation über Personenwechsel hinweg und gibt Halt in Veränderungssituationen.

Schwerpunkt der Vorlesung (lt. Vorlesung): Kultur ist die Basis der informellen Organisation — neben der formellen Organisation (Kostenstellen, Hierarchien, Stellenbeschreibungen) läuft vieles über informelle Kommunikation („Flurfunk“). Eine funktionierende, auf gemeinsamen Werten beruhende Kommunikation ist eines der wirksamsten Koordinationsinstrumente überhaupt. Die Koordinations-/Integrationsfunktion steht damit im Zentrum.

Fazit: Die Funktionen lassen sich auf einen gemeinsamen Nenner bringen: Kultur reduziert Unsicherheit und Koordinationskosten und erzeugt Zusammenhalt, Orientierung und Motivation — sie wirkt als informeller Integrations- und Steuerungsmechanismus.

VERWANDTE FRAGEN:

  • „Inwiefern kann Unternehmenskultur formale Steuerungsinstrumente ergänzen oder ersetzen?“ — Antwort: Kultur wirkt als Selbststeuerung: Wo geteilte Werte vorhanden sind, sinkt der Bedarf an Vorschriften, Kontrollen und Hierarchie (Senkung von Transaktions-/Koordinationskosten). Sie ergänzt formale Steuerung dort, wo Regeln nicht jeden Fall abdecken können.
  • „Welche Funktion ist in Veränderungsphasen besonders kritisch — und warum?“ — Antwort: Die Stabilitäts-/Kontinuitätsfunktion wird zur Spannung: Sie gibt einerseits Halt, kann andererseits notwendigen Wandel blockieren (Trägheit) — Kultur ist hier zugleich Anker und Bremse.

WARUM: Funktionsfragen werden gern als „Nennen und beschreiben Sie kurz“ gestellt; die Rohleder-Drehung ist die Verknüpfung mit Führung/Steuerung („ersetzt Kultur formale Regeln?“), die das Verständnis des Mechanismus statt bloßer Aufzählung prüft.


#11 — Vorteile einer guten Unternehmenskultur.

Aufgabe: Welches sind die Vorteile einer guten Unternehmenskultur?

ANTWORT:

Definition/Einordnung: Eine „gute“ (starke, stimmige, zur Strategie und zur Umwelt passende) Unternehmenskultur erzeugt messbare und schwer imitierbare Vorteile.

Vorteile:

  1. Höhere Mitarbeiterbindung & geringere Fluktuation → niedrigere Recruiting- und Einarbeitungskosten.
  2. Stärkere Motivation, Identifikation und Produktivität.
  3. Bessere Koordination und schnellere Entscheidungen (weniger Reibung, geringere Steuerungskosten).
  4. Attraktivität als Arbeitgeber (Employer Branding) → leichtere Gewinnung von Talenten.
  5. Positive Außenwirkung/Reputation → bessere Kunden- und Lieferantenbeziehungen.
  6. Höhere Innovationsfähigkeit (bei offener, lernorientierter Kultur).
  7. Nachhaltiger Wettbewerbsvorteil: Kultur ist historisch gewachsen und sozial komplex → von Wettbewerbern kaum kopierbar.

Fazit: Eine gute Kultur zahlt sich doppelt aus — intern (Bindung, Motivation, Effizienz, Innovation) und extern (Arbeitgeber-/Marktreputation) — und wird, weil schwer imitierbar, zu einem strategischen Erfolgsfaktor.

Von Rohleder im Kompass zusätzlich genannt: Kultur erspart Arbeit/Kosten an anderer Stelle, indem sie Fehlverhalten vorbeugt (Korruption, Umweltverschmutzung o. Ä.), und steigert die Akzeptanz („license to operate“) (lt. Rohleder-Kompass U12 #V03).

Wichtige Einschränkung (Rohleder-tauglich): Vorteile gelten nur für eine zur Umwelt passende Kultur. Eine zwar starke, aber unpassende oder erstarrte Kultur kann dieselben Eigenschaften ins Gegenteil verkehren (Betriebsblindheit, Innovationsblockade) → „stark“ ist nicht automatisch „gut“.

VERWANDTE FRAGEN:

  • „Ist eine starke Kultur immer eine gute Kultur?“ — Antwort: Nein. Stärke (hohe Verbreitung/Verankerung der Werte) ist neutral. Eine starke Kultur verstärkt Vorteile, wenn sie zur Strategie/Umwelt passt — und Nachteile (Konformität, Veränderungsresistenz), wenn nicht. Entscheidend ist die Passung (Fit), nicht allein die Stärke.
  • „Wie kann man die Wirkung von Kultur messen / belegen?“ — Antwort: Über Kennzahlen wie Fluktuationsrate, Krankenstand, Mitarbeiterzufriedenheit/Engagement-Index, Bewerberzahlen, Time-to-hire, Kundenzufriedenheit/NPS.

WARUM: Die klassische Falle „stark = gut“ ist eine Lieblingsdrehung in Kultur-Klausuren; wer hier die Passungs-/Fit-Bedingung nennt, zeigt das vertiefte Verständnis, das über die reine Vorteilsliste hinausgeht.


4 Verschiedene Modelle für die Darstellung von Unternehmenskultur

Quellen-Hinweis Dossier: Wien, Franzke: Unternehmenskultur, S. 21–38 (OLAT-Downloads); Schein S. 29 ff.; Handy S. 36 f.

#12 — Skizzieren Sie das Modell der Unternehmenskultur nach SCHEIN.

Aufgabe: S. 29 ff.: Skizzieren Sie das Modell der Unternehmenskultur nach SCHEIN!

ANTWORT:

Definition: Edgar H. Schein beschreibt Unternehmenskultur als 3-Ebenen-Modell (oft als „Eisbergmodell“ oder „Zwiebelmodell“ dargestellt), das nach Sichtbarkeit und Bewusstheit gestaffelt ist:

Ebene 1 — Artefakte (artifacts):

  • Oberste, sichtbare Ebene; alle wahrnehmbaren Erscheinungen.
  • Leicht zu beobachten, aber schwer zu entschlüsseln (mehrdeutig).
  • Beispiele: Architektur, Kleidung, Sprache, Rituale, Logos, Verhalten, Geschichten.

Ebene 2 — Bekundete Werte (espoused beliefs and values):

  • Mittlere, teilweise bewusste Ebene.
  • Offiziell vertretene Ziele, Strategien, Normen, Philosophien.
  • Beispiele: Leitbild, Unternehmensgrundsätze, propagierte Werte.

Ebene 3 — Grundannahmen (basic underlying assumptions):

  • Unterste, unsichtbare, unbewusste, selbstverständliche Ebene — der eigentliche Kern.
  • Nicht hinterfragte Überzeugungen über Mensch, Wahrheit, Umwelt, Zeit, Beziehungen.
  • Beispiele: Menschenbild (Theorie X/Y), Verhältnis zur Umwelt, Umgang mit Konflikten.

Kernaussagen des Modells:

  • Die Ebenen bedingen einander: Artefakte und Werte sind Ausdruck der Grundannahmen.
  • Nur die Spitze des Eisbergs ist sichtbar; das Wesentliche liegt verborgen.
  • Kulturanalyse muss von außen (Artefakte) nach innen (Grundannahmen) vordringen; Oberflächenbeobachtung allein führt zu Fehldeutungen.
  • Kultur wird über die Lösung von Problemen der externen Anpassung und internen Integration erlernt und an neue Mitglieder weitergegeben.

Skizze (textuell):

        ▲ sichtbar        ┌─────────────────────────┐
        │                 │   ARTEFAKTE             │  sichtbar, schwer deutbar
        │                 ├─────────────────────────┤
        │                 │   BEKUNDETE WERTE       │  teils bewusst
        │                 ├─────────────────────────┤
        ▼ unsichtbar      │   GRUNDANNAHMEN         │  unbewusst, selbstverständlich
                          └─────────────────────────┘

Fazit: Scheins Modell macht verständlich, dass Kultur weit mehr ist als ihre sichtbaren Symbole — der steuernde Kern liegt in den unbewussten Grundannahmen, weshalb Kultur stabil, schwer veränderbar und nur tiefgehend analysierbar ist.

VERWANDTE FRAGEN:

  • „Warum nennt man Scheins Modell ein Eisbergmodell?“ — Antwort: Weil nur die Artefakte (Spitze) sichtbar über der Wasseroberfläche liegen, während der größte und wirksamste Teil — Werte und vor allem Grundannahmen — unter der Oberfläche verborgen ist.
  • „Wie entsteht Kultur nach Schein?“ — Antwort: Durch gemeinsames Lernen: Eine Gruppe entwickelt bei der Bewältigung von Problemen der externen Anpassung (Überleben im Markt) und internen Integration (Zusammenarbeit) Lösungen, die sich bewähren, zur Selbstverständlichkeit werden (Grundannahmen) und an Neue weitergegeben werden.

WARUM: Schein ist das Kernmodell der Unit; Rohleder prüft hier sicher Aufbau + Logik (Ebenen, Sichtbarkeit, Eisberg-Metapher) und gern die Entstehungs-Definition (externe Anpassung / interne Integration) als „Tieferbohren“.


#13 — Erläutern Sie die Kulturtypologie nach dem Modell von HANDY.

Aufgabe: S. 36 f.: Erläutern Sie die Kulturtypologie nach dem Modell von HANDY kurz!

ANTWORT:

Definition: Charles Handy (aufbauend auf Roger Harrison) unterscheidet vier Kulturtypen, die er jeweils einem griechischen Gott zuordnet. Die Typologie beschreibt, wie Macht, Struktur und Koordination in einer Organisation verteilt sind:

Typ Gott Bild/Struktur Merkmale Typisch für
1. Machtkultur (power culture) Zeus Spinnennetz Macht konzentriert in der Mitte (eine zentrale Figur/kleiner Kreis); persönliche Beziehungen, schnelle Entscheidungen, wenig Regeln Kleine, inhabergeführte Unternehmen, Start-ups
2. Rollenkultur (role culture) Apollo Griechischer Tempel (Säulen) Bürokratisch, regel- und positionsorientiert; klare Zuständigkeiten, Hierarchie, Stabilität; die Rolle zählt mehr als die Person Behörden, Großkonzerne, stabile Umfelder
3. Aufgaben-/Projektkultur (task culture) Athene Netz/Matrix Team- und projektorientiert; Macht aus Expertise/Können; flexibel, leistungs- und problemlösungsorientiert Projekt-/Matrixorganisationen, Beratungen, dynamische Umfelder
4. Personenkultur (person culture) Dionysos Cluster/Galaxie von Einzelsternen Der Einzelne steht im Mittelpunkt; Organisation dient den Individuen; minimale Struktur Anwalts-/Arztpraxen, Künstler-, Experten­gemeinschaften

Kernaussagen:

  • Es gibt keinen „besten“ Typ — die Eignung hängt von Größe, Aufgabe, Umfeld und Lebensphase des Unternehmens ab (Kontingenzgedanke).
  • Reale Organisationen sind oft Mischformen; einzelne Abteilungen können unterschiedliche Typen aufweisen.

Quellen-Hinweis zu den griechischen Göttern: Die Zuordnung Zeus/Apollo/Athene/Dionysos stammt aus Handys eigenem Werk Gods of Management (dort auch die Bilder Spinnennetz/Tempel/Netz/Cluster) — sie ist fachlich korrekt, taucht aber in Rohleders Kompass und Vorlesung nicht auf; dort werden die vier Typen ohne Götter benannt. Rohleders eigene Akzente (parat halten): Machtkultur = starke Hierarchie/Patriarchat, willkürlich („heute so, morgen so“); Rollenkultur = funktionale Organisation, Führung über Ansagen/Hierarchie, im Kompass zusätzlich „starke Kunden- & Marktorientierung, Identifikation über Rollen/Funktionen“; Aufgabenkultur = Team-/Projektorientierung, Kompetenz, Kanban/agil, Pull-Prinzip — von Rohleder als zeitgemäß hervorgehoben; Personenkultur = Mensch/Bedürfnisse im Vordergrund, aber Rohleder ist skeptisch, ob praktisch existent (lt. Rohleder-Kompass U12 #V04; Mitschrift U12). In der Klausur die Götter nur als Zusatz nennen, Rohleders Beschreibungen führen.

Fazit: Handys Typologie ordnet Kulturen pragmatisch nach dem Muster von Macht- und Strukturverteilung und macht — anders als Scheins tiefenpsychologisches Schichtenmodell — verschiedene Organisationskulturen vergleichbar und einordbar. Schein erklärt Aufbau und Tiefe einer Kultur, Handy liefert eine Typen-Landkarte zum Vergleich.

VERWANDTE FRAGEN:

  • „Ordnen Sie zu: Behörde / Start-up / Unternehmensberatung — welcher Handy-Typ?“ — Antwort: Behörde = Rollenkultur (Apollo); Start-up = Machtkultur (Zeus); Beratung/Projektorganisation = Aufgabenkultur (Athene).
  • „Worin unterscheidet sich Handys Ansatz von Scheins?“ — Antwort: Handy ist eine Typologie (klassifiziert Kulturen nach Macht/Struktur, ermöglicht Vergleich); Schein ist ein Schichten-/Tiefenmodell (erklärt Aufbau und Entstehung einer Kultur über Ebenen). Handy = horizontale Einordnung verschiedener Kulturen, Schein = vertikale Analyse einer Kultur.

WARUM: Bei Typologien testet Rohleder typischerweise (a) die Zuordnung Gott ↔︎ Typ ↔︎ Beispiel und (b) den Vergleich Handy vs. Schein — letzteres prüft, ob man den Unterschied zwischen Typologie und Schichtenmodell verstanden hat, eine klassische Transferfrage.


5 Klärungsbedarf und offene Fragen

#90 Priorisierung und konkrete Fragen

(persönlich — selbst ausfüllen)

Endziffern selbst anpassen: 0 = alles klar · 1 = Detail-Klärungsbedarf · 2 = Klärungsbedarf · 3 = völlig unklar. Eigene konkrete Fragen je Punkt notieren.

Frage Priorität Meine konkrete Frage
#01 Definition #01_0 (persönlich)
#02 Bedeutung #02_0 (persönlich)
#03 Erfahrungen #03_0 (persönlich)
#04 Kultur-Ebenen #04_0 (persönlich)
#05 Grundannahmen #05_0 (persönlich)
#06 Entwicklung durch Führung #06_0 (persönlich)
#07 Änderung Grundannahmen #07_0 (persönlich)
#08 Werte #08_0 (persönlich)
#09 Artefakte #09_0 (persönlich)
#10 Funktionen #10_0 (persönlich)
#11 Vorteile #11_0 (persönlich)
#12 Schein #12_0 (persönlich)
#13 Handy #13_0 (persönlich)

6 Vorschläge, Wünsche und Anregungen

#99 Feedback

(persönlich — selbst ausfüllen)

  • Sonstige Frage: …
  • Hinweis (z. B. toter Link): …
  • Bitte: …
  • Vorschlag: …
  • Lob: …
  • Kritik: …

Quellen

  • Schein, Edgar H.: Organizational Culture and Leadership. 4. Aufl., Jossey-Bass, San Francisco 2010 (Erstauflage 1985). — 3-Ebenen-Modell (Artefakte / bekundete Werte / Grundannahmen); Kulturdefinition; embedding mechanisms.
  • Handy, Charles B.: Understanding Organizations / Gods of Management. — 4 Kulturtypen (Zeus/Apollo/Athene/Dionysos); aufbauend auf Roger Harrison.
  • Wien, A.; Franzke, N.: Unternehmenskultur. Springer Gabler — im Dossier als OLAT-Download S. 21–38 referenziert (Schein S. 29 ff., Handy S. 36 f.).
  • HBW 086 (Handbuch Business Wissen, im Dossier referenziert, S. 1, 2 ff., 7).
  • Steinmann, H.; Schreyögg, G.; Koch, J.: Management. Grundlagen der Unternehmensführung. Springer Gabler — Funktionen der Unternehmenskultur, starke vs. passende Kultur.
  • Deal, T.; Kennedy, A.: Corporate Cultures. The Rites and Rituals of Corporate Life. Addison-Wesley 1982 — „the way we do things around here“.
  • McGregor, D.: The Human Side of Enterprise. 1960 — Theorie X / Theorie Y (Menschenbilder der Führung), als Beispiel für Grundannahmen.
  • Barney, J. B.: Firm Resources and Sustained Competitive Advantage. 1991 — ressourcenorientierter Ansatz / VRIN→VRIO; Kultur als schwer imitierbare Ressource.
  • Allgemeine Standard-Managementliteratur Wirtschaftsethik/Unternehmensführung (vgl. Lehrbuch-Niveau Holzmann, Wirtschaftsethik).
  • Vorlesungsmitschrift Prof. Rohleder, Modul Wirtschaftsethik & Unternehmensführung, TH Bingen — vorlesungsspezifische Schwerpunkte (lt. Vorlesung): Nutzen positiver Kultur „in Euro denken“ (Recruiting/Onboarding/Kontroll-Overhead sparen); toxische Kultur pflanzt sich ebenso fort; Kultur als Basis der informellen Organisation; Bleicher-Phasenmodell (Pionier-/Gründungs- → Etablierungs-/Differenzierungs- → Individualisierungs- → Auflösungsphase) und Eisbergmodell nach Hall (7/8 unsichtbar) als ergänzende Darstellungen neben Schein/Handy; Rohleders persönlicher Kultur-Indikator: Zustand von Sanitärblock/Factory Floor als Ausdruck der Wertschätzung der Mitarbeiter.

Erstellt mit Unterstützung generativer KI (Claude/Anthropic), eigenständig zu überarbeiten. Sachquellen siehe oben.