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ETFÜ U25 – Ausgewählte Kennzahlen II

ETFÜ · Unit-Dossier · ✅ quellenbelegt (1,0-Niveau)

ETFÜ U25 – Ausgewählte Kennzahlen II

⚡ Kurzform — zum Selbst-Formulieren (gegen Rohleders Kompass geprüft)
  • Profitabilität definieren: Fähigkeit eines Unternehmens, Gewinne zu erwirtschaften; laut Rohleder Mass für die Umwandlung von Umsatz in Gewinn, hohe Profitabilität zeigt effiziente Arbeit und gutes Ressourcenmanagement. Abgrenzung: Profitabilität = ob/wieviel Gewinn, Rentabilität = Gewinn im Verhältnis zu einer Bezugsgrösse (relativ, vergleichbar).
  • Kennzahlenkritik: Vereinfachung komplexer Realität, Manipulationsmöglichkeiten (Bilanzpolitik), begrenzte Vorhersagekraft (Vergangenheits-/Stichtagsbezug), einseitige Perspektiven, Nichtberücksichtigung von Branchen- und Unternehmensspezifika; ergänzend Buchwertverzerrung und fehlende Kapitalkosten. Fazit: Indikatoren, keine Beweise.
  • Opportunitätskosten: entgangener Nutzen bzw. Gewinn aus der besten nicht gewählten Alternative; kalkulatorisch, nicht pagatorisch (kein Geldfluss, nicht in der Finanzbuchhaltung).
  • Kalkulatorische Kosten: in der Kostenrechnung zusätzlich angesetzte Kosten zur Analyse der internen Kostenstruktur und des Gewinns; Zusatzkosten (kalk. Unternehmerlohn, EK-Zins, Miete) ohne Aufwand, Anderskosten (kalk. Abschreibung, Wagnis) mit anders hohem Aufwand.
  • Zusammenhang beider Begriffe: kalkulatorische Zusatzkosten machen Opportunitätskosten rechnerisch greifbar; dienen der Bewertung von Entscheidungen und zeigen Alternativen auf. Nicht jede kalk. Kostenart ist Opportunitätskosten (Anderskosten nicht).
  • Opportunitätskosten in der Investitionsrechnung: über den Kalkulationszinssatz bzw. Diskontierungszins = geforderte Mindestverzinsung der besten Alternative; kein separater Zahlungsstrom, sondern in der Abzinsung enthalten. Hilft, die rentabelste Investitionsoption zu identifizieren.
  • Kapitalwert-Interpretation: NPV zeigt, ob die Investition den Wert des Kapitals über die Alternative hinaus erhöht; NPV = 0 ist kein Verlust, sondern genau so gut wie die beste Alternative (Mindestrendite erreicht), NPV grösser 0 = echter Übergewinn über die Opportunitätskosten.
  • Überlegung zu Rentabilitäten: absoluter Gewinn sagt nichts über die Effizienz des Mitteleinsatzes; Relativierung an Kapital/Umsatz macht den Erfolg vergleichbar und lässt mit den eingesetzten Ressourcen die bestmögliche Kapitalrendite beurteilen.
  • Produktivität vs. Rentabilität: Produktivität = mengenmässiges Output/Input-Verhältnis (wertfrei), Rentabilität = wertmässig; aus höherer Produktivität folgt meist, aber nicht zwingend höhere Rentabilität (Preise/Kosten entscheiden mit).
  • GKR interpretieren: misst die Effizienz bzw. Verzinsung des gesamten eingesetzten Kapitals (EK+FK), finanzierungsneutral, weil die FK-Zinsen im Zähler zugerechnet werden; Vergleichsgrösse zum FK-Zins beim Leverage.
  • GKR ermitteln: (Gewinn + Fremdkapitalzinsen) / Gesamtkapital (Bilanzsumme) mal 100; Zähler in der Praxis oft als EBIT.
  • GKR-Probleme: Definition/Abgrenzung des eingesetzten Kapitals, Steuern, Vergleichbarkeit; dazu Stichtags- vs. Zeitraumproblem, Buchwertverzerrung und nicht betriebsnotwendiges Vermögen.
  • GKR-Nenner verbessern: klare Definition des eingesetzten Kapitals, steuerliche Auswirkungen einbeziehen, Probleme identifizieren und beseitigen; konkret durchschnittliches statt Stichtagskapital und Ansatz des betriebsnotwendigen Kapitals.
  • Leverage Aufgabe 1: U1 (100% EK): GKR 100/1000 = 10%, EKR 10%; U2 (25% EK, 5% FK-Zins auf 750): GKR 10%, EKR = (100 minus 37,5)/250 = 25%. Weil GKR grösser FK-Zins, hebelt das FK die EKR (Formel EKR = GKR + FK/EK mal (GKR minus i)).
  • Leverage-Bedingung: positiver Effekt nur wenn GKR grösser FK-Zins; bei GKR = i kein Effekt, bei GKR kleiner i Leverage-Risiko (EKR sinkt); der Verschuldungsgrad FK/EK verstärkt Chance und Risiko.
  • ROI-Nutzung und Definitionen: genutzt für Investitions-, Kostenmanagement-, Marketing- und Technologieentscheidungen; Kennzahl der Rentabilität einer Investition (Gewinn/Kapital, in Prozent). Mehrere Definitionen (DuPont: Umsatzrendite mal Kapitalumschlag, ROCE, RoA-nah) - Quelle stets angeben.
  • ROI-Zähler: alle Erträge/Gewinne der Investition einbeziehen und die Kosten der Investition sauber zuordnen; Gewinnbegriff klar definieren und zum Nenner passend (Matching: bei Gesamtkapital finanzierungsneutral inkl. FK-Zins).
  • ROI-Nenner: die gesamten Investitionskosten bzw. die Kapitalbasis betrachten, Kostenarten unterscheiden, gleiche Währung; zweckadäquat abgrenzen (betriebsnotwendig), Durchschnitt statt Stichtag, Brutto/Netto beachten.
  • Abschreibung und ROI: wirkt auf den Nenner (Restbuchwert); Gefahr der Überbewertung/Fehleinschätzung, weil bei alten, abgeschriebenen Anlagen der ROI rein rechnerisch steigt und Neuinvestitionen ihn kurzfristig senken, sodass notwendige Ersatzinvestitionen unterbleiben (Investitionsstau).
  • ROI-Vorteile: eindeutige, gut vergleichbare Kennzahl; dient Entscheidungsfindung, Bewertung und Messung von Erfolg/Rentabilität/Performance; DuPont-Aufspaltung (Umsatzrendite mal Kapitalumschlag) erlaubt Ursachenanalyse.
  • ROI-Nachteile: uneinheitliche Zähler-/Nennerdefinition, vereinfachte statt tiefe Bewertung, eher kurzfristig, abhängig von der Kosten-/Gewinndefinition; zusätzlich Abschreibungsfalle und fehlende Kapitalkosten.
  • ROI vs. GKR (Tabelle): GKR = klar definierte, finanzierungsneutrale Bilanzkennzahl fürs Gesamtunternehmen; ROI = flexibler, vielfach definierter Steuerungsbegriff (auch Projekt-/Bereichsebene, DuPont). Bei finanzierungsneutralem Zähler und Gesamtkapital als Nenner sind beide faktisch identisch; für den Leverage-Vergleich die GKR nutzen.
💡 Für Fachfremde — Ethik-Begriffe in Alltagssprache
  • Profitabilität = ob überhaupt Gewinn übrig bleibt, als nackte Euro-Zahl. Beispiel: Ein Limostand nimmt 100 Euro ein und hat 70 Euro Kosten -> 30 Euro bleiben über. Dass da eine 30 steht und nicht eine 0 oder ein Minus, das ist Profitabilität.
  • Rentabilität = der Gewinn im Vergleich dazu, wie viel man reingesteckt hat. Beispiel: 30 Euro Gewinn sind super, wenn du nur 100 Euro eingesetzt hast, aber mickrig, wenn du 10.000 Euro eingesetzt hast. Rentabilität beantwortet: hat sich der Einsatz gelohnt?
  • absolut vs. relativ = absolut ist die nackte Zahl (30 Euro). relativ heisst im Verhältnis zu etwas (30 Euro von 100 = 30 Prozent). Nur relative Zahlen kann man gut vergleichen, nackte Beträge nicht.
  • Kennzahl = eine einzelne Zahl, die etwas Kompliziertes auf einen Blick zusammenfasst. Wie die Zeugnisnote 2,0: sie presst viele Prüfungen in eine Zahl. Praktisch, aber die Details verschwinden dahinter (das meint Kennzahlenkritik: eine Zahl kann täuschen).
  • Erträge und Aufwendungen = Erträge ist das, was reinkommt (Einnahmen). Aufwendungen ist das, was rausgeht (Kosten). Bleibt mehr übrig als weggeht, nennt man das einen Überschuss, also Gewinn.
  • Opportunitätskosten = der Gewinn, auf den du verzichtest, weil du dich für etwas anderes entschieden hast. Beispiel: Du hilfst samstags gratis einem Freund. Die Opportunitätskosten sind der Lohn, den du in der Zeit woanders verdient hättest. Es fliesst kein Geld, aber dir entgeht trotzdem etwas.
  • pagatorisch vs. kalkulatorisch = pagatorisch heisst, es fliesst echtes Geld und es gibt eine echte Rechnung (z.B. die Stromrechnung). kalkulatorisch heisst, es wird nur im Kopf mitgerechnet, ohne dass Geld fliesst (z.B. der entgangene Lohn von oben).
  • kalkulatorische Kosten = Kosten, die man zusätzlich mitrechnet, obwohl keine echte Rechnung dafür kommt, damit das Bild ehrlich wird. Beispiel: Du benutzt dein eigenes Auto für den Job. Es kommt keine Miet-Rechnung, aber du tust so, als würdest du Miete zahlen, damit die Rechnung nicht schöngefärbt ist.
  • kalkulatorischer Unternehmerlohn = der Lohn, den sich ein selbstständiger Chef gedanklich selbst gutschreibt, obwohl er sich kein Gehalt auszahlt. Grund: Wäre er woanders angestellt, bekäme er ja auch Geld. Diese hätte-ich-verdient-Summe rechnet man mit rein.
  • Eigenkapital und Fremdkapital = Eigenkapital ist das eigene Geld, das im Unternehmen steckt. Fremdkapital ist geliehenes Geld (z.B. ein Bankkredit), für das man Zinsen zahlen muss. Beides zusammen ist das Gesamtkapital.
  • Zinsen / FK-Zins = die Leihgebühr für geliehenes Geld. Wer sich 750 Euro leiht und 5 Prozent Zins zahlt, gibt 37,50 Euro im Jahr nur dafür ab, dass er das Geld benutzen darf.
  • Abschreibung = eine Maschine oder ein Auto verliert mit den Jahren an Wert. Diesen jährlichen Wertverlust nennt man Abschreibung. Beispiel: Ein neuer Laptop für 1000 Euro ist nach 5 Jahren kaum noch etwas wert. Jedes Jahr verbraucht man rechnerisch ein Stück seines Werts.
  • Anschaffungswert vs. Wiederbeschaffungswert = Anschaffungswert ist, was das Ding damals beim Kauf gekostet hat. Wiederbeschaffungswert ist, was es heute kosten würde, dasselbe neu zu kaufen (meist mehr, weil die Preise gestiegen sind).
  • Kalkulationszinssatz (in der Investitionsrechnung) = die Mindest-Verzinsung, die man von einem Projekt verlangt. Wie eine Latte, die das Projekt überspringen muss. Schafft es sie nicht, legt man das Geld lieber woanders an.
  • Abzinsen / Barwert = Geld in der Zukunft ist weniger wert als Geld heute, weil man heutiges Geld ja anlegen könnte. Abzinsen rechnet künftige Beträge auf ihren heutigen Wert um. Beispiel: 100 Euro erst in 10 Jahren sind gefühlt weniger wert als 100 Euro sofort in der Hand.
  • Kapitalwert / NPV = das Endergebnis so einer Rechnung: der Extra-Gewinn, der übrig bleibt, nachdem die verlangte Mindest-Verzinsung schon abgezogen ist. Wichtig: NPV = 0 heisst nicht Verlust, sondern genau so gut wie die beste Alternative. NPV über 0 heisst echter Zusatzgewinn obendrauf.
  • EBIT / Betriebsergebnis = der Gewinn aus dem eigentlichen Geschäft, bevor Zinsen und Steuern abgezogen werden. So kann man zwei Firmen fair vergleichen, egal ob die eine Schulden hat und die andere nicht.
  • finanzierungsneutral = eine Zahl, der es egal ist, ob eine Firma mit eigenem oder mit geliehenem Geld arbeitet. Man rechnet die Zins-Wirkung heraus, damit der Vergleich fair ist. Wie zwei Läufer ohne Rückenwind zu vergleichen.
  • Gesamtkapitalrentabilität / GKR = wie gut das gesamte eingesetzte Geld (eigenes plus geliehenes) arbeitet, in Prozent. Sagt: pro 100 Euro Kapital, wie viel Ertrag kommt raus?
  • Eigenkapitalrentabilität / EKR = wie gut sich nur das eigene Geld verzinst, in Prozent. Das interessiert vor allem die Eigentümer: was bringt mir das Geld, das ich selbst reingesteckt habe?
  • Financial Leverage / Hebel-Effekt = geliehenes Geld kann die eigene Rendite hochhebeln, wenn das Geliehene im Unternehmen mehr einbringt, als es an Zinsen kostet. Beispiel: Du leihst zu 5 Prozent und machst damit 10 Prozent. Die 5 Prozent Differenz sind dein Extra-Gewinn, obwohl es gar nicht dein Geld war. Achtung: Es kippt ins Minus, wenn die Zinsen höher werden als der Ertrag.
  • Verschuldungsgrad = das Verhältnis von geliehenem zu eigenem Geld. Je mehr Schulden im Verhältnis, desto stärker wirkt der Hebel, und zwar in beide Richtungen: grössere Chance, aber auch grösseres Risiko.
  • ROI (Return on Investment) = einfach gefragt: was bringt das eingesetzte Geld zurück, in Prozent? Wie bei einer Geldanlage: 100 Euro rein, 110 Euro raus, das sind 10 Prozent ROI. Es gibt mehrere Rechenarten dafür, deshalb muss man immer dazusagen, wie man gerechnet hat.
  • DuPont / Umsatzrendite mal Kapitalumschlag = ein Trick, den ROI in zwei Teile zu zerlegen, um zu sehen, woran es liegt. Umsatzrendite = wie viel Gewinn pro Euro Umsatz. Kapitalumschlag = wie oft das Geld durch das Geschäft rollt. Wie ein Arzt, der nicht nur krank sagt, sondern die Ursache sucht.
  • betriebsnotwendiges Kapital = nur das Geld und Vermögen, das man wirklich fürs Tagesgeschäft braucht. Ungenutztes (z.B. eine leere Immobilie, die nur als Geldanlage rumsteht) rechnet man heraus, damit die Kennzahl nicht verfälscht wird.
  • Stichtag vs. Zeitraum = ein Stichtag ist ein einzelner Tag, wie ein Foto. Ein Zeitraum ist eine ganze Periode, z.B. ein Jahr, wie ein Film. Einen Jahres-Gewinn (Film) auf einen einzigen Tag (Foto) zu beziehen passt nicht ganz, deshalb nimmt man lieber einen Durchschnitt.
  • Buchwert vs. Marktwert = der Buchwert ist der Wert, der in den Firmen-Büchern steht (Kaufpreis minus Wertverlust). Der Marktwert ist, was man heute tatsächlich dafür bekäme. Die können weit auseinanderliegen: eine längst abgeschriebene Maschine steht mit fast 0 im Buch, ist real aber noch etwas wert.
  • Investitionsstau / Substanzverzehr = wenn nötige neue Anschaffungen immer weiter aufgeschoben werden. Hier passiert das, weil eine neue Maschine die schöne Prozent-Zahl des Managers kurzfristig verschlechtern würde, obwohl die alte Maschine dringend ersetzt gehört.
  • Residualgewinn / EVA = der Gewinn, der übrig bleibt, nachdem man auch die gedachten Kosten fürs eingesetzte Kapital abgezogen hat. Beispiel: Du machst 5000 Euro Gewinn, aber dein Geld hätte auf der Bank 3000 gebracht. Der echte Mehrwert sind dann nur 2000 Euro. Diese Denkweise vermeidet den Investitionsstau von oben.
  • GE (Geldeinheiten) = einfach ein Platzhalter für Euro in Rechenbeispielen. Man schreibt GE statt Euro, um zu zeigen: es geht ums Rechenprinzip, nicht um echte Beträge.
  • c.p. (ceteris paribus) = heisst wenn alles andere gleich bleibt. Eine Annahme, um einen einzelnen Effekt sauber zu zeigen. Beispiel: mehr Werbung bringt mehr Kunden, c.p., also vorausgesetzt, sonst ändert sich nichts.

Modul: Wirtschaftsethik & Unternehmensführung · TH Bingen · B.Eng. Wirtschaftsingenieurwesen Prüfer: Prof. Rohleder Status: GEPRÜFT (Quellen belegt, 1,0-Niveau)

Hinweis zur Bearbeitung: KI-Nutzung ist bei diesem Dossier laut Aufgabenblatt ausdrücklich erlaubt, Pflicht ist die Quellenangabe. Die Fachaussagen (Formeln, Leverage-Rechnungen, ROI/GKR-Abgrenzung) wurden gegen die Vorlesungsaufzeichnung vom 23.06.2026 (Unit 24/25) sowie die Modul-Zusammenfassung und die Kompass-Fragenbank abgeglichen; der Dozent geht das Dossier im Screencast durch und bestätigt die Kernaussagen. Dennoch vor Abgabe in eigene Worte bringen und gegen die im Dossier genannten Blog-PDFs (BLOG Profitabilität, Rentabilität und der ROI.pdf, BLOG Kaufmännische Erfolgsgrößen.pdf) sowie die eigene Mitschrift gegenlesen. Offen bleiben allein die persönlichen Reflexionsfelder (#90, #99).

Hinweis zu den Quellenangaben: Maßgeblich zum Modul gehören die beiden Blog-PDFs und die Vorlesungsaufzeichnung; die eigene Mitschrift ergänzt. Alle darüber hinaus genannten Lehrbücher sind Orientierungsvorschläge der Standardliteratur – Autor, Titel, Auflage und die konkrete Fundstelle vor Abgabe selbst prüfen und nur zitieren, was tatsächlich nachgeschlagen wurde. Keine dieser Sekundärquellen ungeprüft in die Lösung übernehmen.


1 Profitabilität

#01 Definieren Sie Profitabilität!

Aufgabe: Definieren Sie Profitabilität!

(a) ANTWORT

Definition: Profitabilität bezeichnet die grundsätzliche Eigenschaft eines Unternehmens, einer Geschäftseinheit oder eines Produkts, Gewinn zu erwirtschaften – also einen positiven Überschuss der Erträge über die Aufwendungen. Im Kern ist Profitabilität eine Absolutbetrachtung: „Wird überhaupt Gewinn erzielt?“ bzw. „Wie hoch ist der absolute Gewinn?“.

Abgrenzung (für Rohleder zentral):

  • Profitabilität = absolute Ertragsfähigkeit (Gewinn als Betrag, z. B. in €).
  • Rentabilität = relative Größe, die den Gewinn ins Verhältnis zu einer Bezugsgröße (eingesetztes Kapital, Umsatz) setzt → erst dadurch wird der Erfolg vergleichbar.
  • Profitabilität ist damit notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung für gute Rentabilität: Ein hoher absoluter Gewinn bei sehr hohem Kapitaleinsatz kann eine schlechte Rentabilität bedeuten.

Fazit: Profitabilität beantwortet das „Ob/Wieviel absolut“, Rentabilität das „Wie effizient bezogen auf den Einsatz“.

VERWANDTE FRAGEN

  • Worin unterscheiden sich Profitabilität und Rentabilität? → Profitabilität = absolute Gewinngröße; Rentabilität = Verhältniszahl (Gewinn / Bezugsgröße). Nur die Rentabilität erlaubt den Vergleich unterschiedlich großer Einheiten.
  • Kann ein profitables Unternehmen unrentabel sein? → Ja: Wenn der absolute Gewinn positiv, aber gemessen am eingesetzten (sehr hohen) Kapital niedrig ist, ist die Rentabilität schwach – z. B. 1 Mio. € Gewinn auf 1 Mrd. € Kapital = 0,1 %.

WARUM: Rohleder prüft typischerweise die saubere Trennung absolut vs. relativ – die Verwechslung von Profitabilität und Rentabilität ist der klassische Fehler, den er mit einer Umkehrfrage („kann profitabel ≠ rentabel sein?“) aufdeckt.

Quellen: BLOG Profitabilität, Rentabilität und der ROI.pdf (im Dossier vorgegeben).


#02 Fassen Sie die umfangreiche Kennzahlenkritik treffend zusammen!

Aufgabe: Fassen Sie die umfangreiche Kennzahlenkritik treffend zusammen!

(a) ANTWORT

Kennzahlen verdichten komplexe Sachverhalte auf eine Zahl – das schafft Vergleichbarkeit, birgt aber systematische Schwächen.

Rohleders eigene 10-Punkte-Kritik am Profitabilitätsbegriff (Primärquelle, Blog Abschnitt 1.1):

  1. Extrem niedrige Hürde: Ein Unternehmen gilt bereits als profitabel, sobald irgendein Gewinn – und sei es nur 1 € – erwirtschaftet wird. Das ist eine sehr niedrige Messlatte für eine Kennzahl.
  2. Kapitalbindung und Risiko irrelevant: Wie viel Kapital zur Erzielung dieses Gewinns gebunden war und welches Risiko dafür eingegangen wurde, spielt für die reine Profitabilitätsaussage keine Rolle.
  3. Gewinn (EBT) vs. Jahresüberschuss (EAT) – klassische Verwechslung: In Deutschland meint „Gewinn" üblicherweise das Vorsteuerergebnis (EBT / Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit). In der Praxis wird das aber regelmäßig fälschlich mit dem Jahresüberschuss (EAT, nach Steuern) gleichgesetzt.
  4. Offene Steuerlast: Selbst wenn tatsächlich das EBT gemeint ist, bleibt unklar, ob und in welcher Höhe darauf noch Steuern zu zahlen sind bzw. ob Verlustvorträge bestehen, die die Steuerlast mindern.
  5. Unklare Herkunft des Gewinns: Es wird häufig nicht klargestellt, ob der Gewinn im Kerngeschäft (ordentliches Betriebsergebnis, EBIT) erzielt wurde – oder ob er aus Einmaleffekten (z. B. Hebung stiller Reserven durch Anlagenverkauf) oder spekulativen Finanzgeschäften stammt.
  6. Blick in den Rückspiegel: Der Gewinn wird im Wege des Jahresabschlusses ermittelt, der bei vielen Firmen erst mit erheblicher Zeitverzögerung vorliegt – die ausgewiesene Profitabilität ist damit historisch, nicht aktuell.
  7. Keine Zukunftsaussage / Nachhaltigkeit ungeklärt: Selbst bei nachgewiesenem Kerngeschäftsgewinn bleibt offen, ob dieses Geschäft auch künftig profitabel bleibt und welche Innovationen bzw. alternativen Geschäftsmodelle dem Unternehmen zur Verfügung stehen.
  8. Fehlende Vergleichbarkeit: Aus all diesen Gründen ergibt der Vergleich der (absoluten) Profite verschiedener Unternehmen wenig Sinn.
  9. Hohe Manipulationsanfälligkeit: Es existiert eine sehr lange Liste an Maßnahmen, mit denen sich die Profitabilität kurzfristig „aufhübschen" lässt.
  10. Ungeeignet für Steuerung und Boni: In der Summe ist Profitabilität für Steuerungszwecke und für die Bemessung von Boni bzw. Incentivierung weitgehend ungeeignet.

Fazit (Rohleder, wörtlich sinngemäß): Aussagen zur Profitabilität müssen daher immer kritisch hinterfragt werden.

Quelle (Primärtext): Rohleder-Blog, „Profitabilität, Rentabilität und der ROI" V1.2, Abschnitt 1.1.

Eigene Verdichtung / Cluster (ergänzend, für die Prüfung als Kurzfassung nutzbar):

  1. Verdichtungsverlust / Aggregationsproblem: Eine einzelne Zahl unterschlägt die dahinterliegende Struktur (gleicher ROI kann aus ganz verschiedenen Konstellationen entstehen).
  2. Vergangenheitsbezug: Bilanz-/GuV-basierte Kennzahlen sind stichtags- und periodenbezogen und damit rückwärtsgewandt – sie sagen wenig über die Zukunft.
  3. Buchwert- vs. Marktwert-Problem: Nenner-Größen (Kapital, Vermögen) beruhen auf Buchwerten (Anschaffungskosten minus Abschreibung), nicht auf aktuellen Markt-/Wiederbeschaffungswerten → Verzerrung (siehe Abschreibungs-/Altersstruktur-Gefahr beim ROI, #21).
  4. Manipulierbarkeit / Bilanzpolitik: Wahlrechte bei Abschreibung, Bewertung, Rückstellungen verändern Zähler und Nenner → Kennzahlen sind gestaltbar.
  5. Fehlende Kapitalkosten: Klassische buchhalterische Kennzahlen berücksichtigen keine Opportunitätskosten des Eigenkapitals → ein „Gewinn“ kann ökonomisch ein Verlust sein (Überleitung zu #03–#08, Residualgewinn/EVA-Gedanke).
  6. Scheingenauigkeit & Fehlanreize: Punktgenaue Zahlen suggerieren Präzision; einseitige Steuerung über eine Kennzahl erzeugt dysfunktionales Verhalten (z. B. Investitionsstau, um den ROI kurzfristig zu schönen).
  7. Vergleichbarkeitsgrenzen: Branchen-, Größen- und Bilanzierungsunterschiede (HGB vs. IFRS) erschweren Quervergleiche.

Fazit: Kennzahlen sind Indikatoren, keine Beweise. Sie sind nur im Verbund (Kennzahlensystem), mit Kenntnis der Berechnungslogik und im Zeit-/Branchenvergleich aussagekräftig.

VERWANDTE FRAGEN

  • Warum reicht eine einzelne Kennzahl zur Unternehmenssteuerung nicht aus? → Verdichtungsverlust + Fehlanreiz; deshalb Kennzahlensysteme (z. B. DuPont/ROI-Baum).
  • Welche Kennzahlenkritik trifft speziell buchwertbasierte Renditen? → Buchwert-Verzerrung durch Abschreibung, fehlende Kapitalkosten, Manipulierbarkeit.

WARUM: Die Kennzahlenkritik ist Rohleders roter Faden durch die ganze Unit – er knüpft Folgefragen (ROI-Gefahr #21, Aussagekraft des GKR-Nenners #14) direkt daran an. Wer die Kritikpunkte parat hat, kann sie überall anwenden.

Quellen: BLOG Profitabilität, Rentabilität und der ROI.pdf · ergänzend Standard-Controllinglehre (Orientierung, vor Abgabe verifizieren).


2 Opportunitätskosten

#03 Was versteht man unter Opportunitätskosten?

Aufgabe: Was versteht man unter Opportunitätskosten?

(a) ANTWORT

Definition: Opportunitätskosten sind der entgangene Nutzen (Nutzenentgang) der besten nicht gewählten Alternative. Sie entstehen, weil knappe Ressourcen (Kapital, Zeit, Kapazität) nur einmal eingesetzt werden können – die Entscheidung für A bedeutet den Verzicht auf den Ertrag von B.

  • Es sind keine pagatorischen Kosten (kein Geldfluss, keine Rechnung), sondern kalkulatorische Kosten des Verzichts.
  • Beispiel: Wer 1 Mio. € Eigenkapital ins eigene Unternehmen steckt, verzichtet auf die Rendite einer alternativen (gleich riskanten) Anlage → diese entgangene Rendite ist die Opportunitätskosten des Eigenkapitals.

Fazit: Opportunitätskosten machen den Vergleichsmaßstab sichtbar: Ein Projekt „lohnt“ erst, wenn es mehr bringt als die beste Alternative.

Rohleders Handwerker-Beispiel (Primärquelle, Blog Abschnitt 1.2 – konkrete Illustration):

Fragt man einen Handwerker nach der Profitabilität seines Unternehmens, antwortet er typischerweise: „Ich kann davon leben." Er könnte aber ggf. besser leben, wenn er stattdessen:

  1. das in Werkzeugen und Fahrzeugen gebundene Kapital in einen MSCI-World-(SRI-)ETF investiert hätte → die ihm dadurch entgangene Rendite sind die kalkulatorischen Zinsen.
  2. seine leere Werkstatt an ein anderes Unternehmen fremdvermietet oder zu Wohnungen umgebaut und vermietet hätte → die entgangenen Mieteinnahmen sind die kalkulatorische Miete.
  3. sich bei einem größeren Wettbewerber oder in der Industrie abhängig beschäftigen ließe → sein dort erzielbarer branchenüblicher Lohn bildet den kalkulatorischen Unternehmerlohn.

Erst wenn nach Abzug dieser drei kalkulatorischen Kostenarten noch ein Profit übrig bleibt, ist das Unternehmen „wirklich" profitabel. Rohleders Pointe: Zum Glück für die Verbraucher stellen die wenigsten Handwerker diese Rechnung tatsächlich an.

Verbindung zur Investitionsrechnung: Den Profit, der über die Opportunitätskosten hinausgeht, kennt man in der Investitionsrechnung als Kapitalwert. Der kalkulatorische Zins (in der Praxis häufig als WACC angesetzt) bringt bei der Kapitalwertmethode genau diese Opportunitätskosten in Anrechnung – das Besondere an diesem Zins ist, dass er gleichzeitig auch das eingegangene Risiko zum Ausdruck bringt. Opportunitätskosten erlauben damit eine Einschätzung, ob eine Profitabilität in ihrer Höhe wettbewerbsfähig ist – lösen aber nicht alle Probleme; weitere Betrachtungen (z. B. zum Risiko) bleiben erforderlich.

Quelle (Primärtext): Rohleder-Blog, „Profitabilität, Rentabilität und der ROI" V1.2, Abschnitt 1.2.

VERWANDTE FRAGEN

  • Sind Opportunitätskosten in der Finanzbuchhaltung erfasst? → Nein, sie sind nicht pagatorisch; sie erscheinen nur in der Kosten-/Investitionsrechnung als kalkulatorische Größe.
  • Nennen Sie ein Beispiel für Opportunitätskosten des Eigenkapitals. → entgangener Kapitalmarktzins / Rendite einer alternativen Anlage gleichen Risikos (kalkulatorischer Eigenkapitalzins).
  • Nennen Sie die drei kalkulatorischen Kostenarten aus Rohleders Handwerker-Beispiel. → kalkulatorische Zinsen (entgangene ETF-Rendite), kalkulatorische Miete (entgangene Mieteinnahmen der Werkstatt), kalkulatorischer Unternehmerlohn (entgangener Lohn einer abhängigen Beschäftigung).

WARUM: Opportunitätskosten sind der Brückenbegriff zur Kennzahlenkritik (#02, „fehlende Kapitalkosten“) und zur Kapitalwert-Interpretation (#08) – Rohleder testet, ob du den Nutzenentgang als ökonomische (nicht buchhalterische) Kosten erkennst. Das Handwerker-Beispiel ist sein bevorzugter Merksatz-Anker für alle drei kalkulatorischen Zusatzkostenarten gleichzeitig.

Quellen: BLOG Profitabilität, Rentabilität und der ROI.pdf · allg. VWL/BWL-Lehrbuch (Opportunitätskostenprinzip, z. B. Wöhe, Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre).


#04 Was sind kalkulatorische Kosten?

Aufgabe: Was sind kalkulatorische Kosten?

(a) ANTWORT

Definition: Kalkulatorische Kosten sind Kosten, denen kein (oder kein gleich hoher) Aufwand in der Finanzbuchhaltung gegenübersteht. Sie werden in der Kosten- und Leistungsrechnung zusätzlich angesetzt, um den tatsächlichen Werteverzehr verursachungsgerecht abzubilden.

Zwei Typen:

  • Zusatzkosten: Kosten ohne jeden Aufwand in der FiBu – z. B. kalkulatorischer Unternehmerlohn, kalkulatorische Eigenkapitalzinsen, kalkulatorische Miete (eigene Immobilie).
  • Anderskosten: Kosten, denen ein Aufwand gegenübersteht, der aber in anderer Höhe verrechnet wird – z. B. kalkulatorische Abschreibung (Basis Wiederbeschaffungswert statt Anschaffungswert), kalkulatorische Wagnisse.

Bezug: Die kalkulatorischen Zinsen und der kalk. Unternehmerlohn sind genau die Opportunitätskosten des eingesetzten Eigenkapitals bzw. der eigenen Arbeitsleistung (→ #05).

VERWANDTE FRAGEN

  • Unterscheiden Sie Zusatz- und Anderskosten. → Zusatzkosten: kein Aufwand gegenüber (kalk. EK-Zins, Unternehmerlohn); Anderskosten: Aufwand in anderer Höhe (kalk. AfA auf Wiederbeschaffungswert, kalk. Wagnis).
  • Warum sind kalkulatorische Zinsen wichtig für die Preiskalkulation? → Sie sichern, dass der Verkaufspreis auch die Kapitalkosten (Opportunitätskosten) deckt, nicht nur die pagatorischen Kosten.

WARUM: Rohleder verknüpft kalkulatorische Kosten gern direkt mit Opportunitätskosten (#05) und der Kalkulation (#06) – die Zusatz-/Anderskosten-Systematik ist ein typischer „Definieren-und-abgrenzen“-Prüfungsbaustein.

Quellen: Standard-KLR-Lehrbuch (Coenenberg/Fischer/Günther; Wöhe) · BLOG Profitabilität, Rentabilität und der ROI.pdf.


#05 Erläutern Sie den Zusammenhang zwischen beiden Begriffen!

Aufgabe: Erläutern Sie den Zusammenhang zwischen beiden Begriffen!

(a) ANTWORT

Opportunitätskosten und kalkulatorische Kosten überschneiden sich, sind aber nicht deckungsgleich:

  • Kalkulatorische Zusatzkosten sind operationalisierte Opportunitätskosten: Der kalkulatorische Eigenkapitalzins und der kalkulatorische Unternehmerlohn machen den Nutzenentgang (= Opportunitätskosten) der besten Alternative rechnerisch greifbar und buchen ihn in die Kostenrechnung ein. Konkret an Rohleders Handwerker-Beispiel (#03): die entgangene ETF-Rendite wird zum kalk. Zins, die entgangene Miete zur kalk. Miete, der entgangene Industrie-Lohn zum kalk. Unternehmerlohn – alle drei sind Opportunitätskosten, verpackt als kalkulatorische Zusatzkosten.
  • Mechanismus: Opportunitätskosten = ökonomisches Prinzip (entgangener Nutzen). Kalkulatorische Kosten = das Instrument, mit dem dieses Prinzip in der KLR umgesetzt wird.
  • Nicht jede kalkulatorische Kostenart ist Opportunitätskosten: Kalkulatorische Abschreibungen oder Wagnisse beruhen primär auf korrigierter Werterfassung, nicht auf Alternativverzicht. Umgekehrt sind aber die Schlüssel-Opportunitätskosten (EK-Verzinsung, Unternehmerlohn) typische kalkulatorische Zusatzkosten.

Fazit: Kalkulatorische Zusatzkosten sind das Vehikel, mit dem Opportunitätskosten in Kalkulation und Erfolgsrechnung sichtbar gemacht werden.

VERWANDTE FRAGEN

  • Sind alle kalkulatorischen Kosten Opportunitätskosten? → Nein – nur die Zusatzkosten (kalk. EK-Zins, Unternehmerlohn) bilden Opportunitätskosten ab; Anderskosten (kalk. AfA) tun das nicht.
  • Ist jede Opportunitätskostengröße eine kalkulatorische Kostenart? → In der KLR werden die relevanten Opportunitätskosten als kalk. Zusatzkosten erfasst; konzeptionell ist „Opportunitätskosten“ aber der weitere, ökonomische Begriff.

WARUM: Die Frage testet, ob du Prinzip (Opportunitätskosten) und Instrument (kalk. Kosten) sauber zuordnen kannst – ein klassischer Rohleder-Verständnistest gegen reines Auswendiglernen.

Quellen: wie #03/#04.


#06 Wo genau können Opportunitätskosten bei der Kalkulation berücksichtigt werden?

(a) ANTWORT

In der Kosten- und Leistungsrechnung / Kalkulation werden Opportunitätskosten über die kalkulatorischen Zusatzkosten angesetzt, konkret:

  1. Kalkulatorische Zinsen auf das betriebsnotwendige (Eigen-)Kapital → in der Kostenartenrechnung als Kostenart, in der Kostenstellen-/Kostenträgerrechnung als Gemeinkosten weiterverrechnet.
  2. Kalkulatorischer Unternehmerlohn (bei Einzelunternehmen/Personengesellschaften, wo kein Geschäftsführergehalt als Aufwand gebucht wird).
  3. Kalkulatorische Miete für selbstgenutzte eigene Räume/Anlagen.
  4. In der Kostenträgerstück­rechnung (Angebotskalkulation) fließen diese als Bestandteil der Selbstkosten ein → der Mindest-/Angebotspreis deckt damit auch die Kapitalkosten.

Fazit: Opportunitätskosten gehen über die kalkulatorischen Zusatzkosten in die Selbstkosten ein und damit in die Preisuntergrenze bzw. den kalkulierten Angebotspreis.

VERWANDTE FRAGEN

  • An welcher Stelle der Kalkulation sichern Opportunitätskosten die Preisuntergrenze ab? → Auf der Vollkostenebene (langfristige Preisuntergrenze) müssen auch kalk. Zinsen/Unternehmerlohn gedeckt sein.
  • Welche Kostenart bildet die Opportunitätskosten des Kapitals in der Kalkulation ab? → Kalkulatorische Zinsen auf das betriebsnotwendige Kapital.

WARUM: Rohleder prüft den Transfer „Konzept → Ort in der Rechnung“.

Quellen: Standard-KLR-Lehrbuch · BLOG Profitabilität, Rentabilität und der ROI.pdf.


#07 Wie werden Opportunitätskosten in der Investitionsrechnung berücksichtigt?

Aufgabe: Wie werden Opportunitätskosten in der Investitionsrechnung berücksichtigt?

(a) ANTWORT

In der dynamischen Investitionsrechnung werden Opportunitätskosten über den Kalkulationszinssatz (Diskontierungszins) i berücksichtigt:

  • Der Kalkulationszins repräsentiert die geforderte Mindestverzinsung = die Rendite der besten alternativen Kapitalverwendung gleichen Risikos → er ist die Opportunitätskostengröße des Kapitals.
  • Bei der Kapitalwertmethode (NPV) werden alle Zahlungsüberschüsse mit i auf den Barwert abgezinst. Dadurch wird der Alternativertrag implizit „abgezogen“: Ein positiver Kapitalwert bedeutet, dass die Investition mehr erwirtschaftet als die Alternativanlage zu i.
  • Auch der interne Zinsfuß wird gegen i als Hürde (Hurdle Rate) gemessen.

Fazit: Die Opportunitätskosten stecken nicht als separate Zahlungsreihe im Modell, sondern im Diskontierungszinssatz – sie sind die Hürde, die das Projekt überspringen muss.

VERWANDTE FRAGEN

  • Was repräsentiert der Kalkulationszinssatz ökonomisch? → Die Opportunitätskosten des Kapitals / die geforderte Mindestrendite der besten Alternative.
  • Warum werden Opportunitätskosten in der dynamischen Rechnung nicht als Zahlung erfasst? → Weil sie über den Diskontierungseffekt (Abzinsung) implizit eingerechnet sind.

WARUM: Direkte Vorbereitung auf #08 (Kapitalwert-Interpretation). Rohleder hängt die Opportunitätskosten-Logik gern an den Diskontierungszins.

Quellen: Standard-Investitionsrechnungs-Lehrbuch (z. B. Götze, Investitionsrechnung; Wöhe) · BLOG Profitabilität, Rentabilität und der ROI.pdf.


#08 Was ist das Besondere an der Interpretation des Kapitalwerts in diesem Zusammenhang?

Aufgabe: Was ist das Besondere an der Interpretation des Kapitalwerts in diesem Zusammenhang?

(a) ANTWORT

Das Besondere: Der Kapitalwert (NPV) ist ein „Übergewinn“ über die Opportunitätskosten hinaus.

  • Weil im Kalkulationszins bereits die Verzinsung der besten Alternative (Opportunitätskosten) enthalten ist, gilt:
    • NPV = 0 → Die Investition verzinst das eingesetzte Kapital genau zum Kalkulationszins, d. h. exakt so gut wie die beste Alternative. Sie ist also nicht schlecht – die Mindestrendite ist erreicht (Indifferenz).
    • NPV > 0 → Die Investition erwirtschaftet einen Vorteil über die Opportunitätskosten hinaus (zusätzlicher Vermögenszuwachs in heutigen €).
    • NPV < 0 → Die Alternative wäre besser; die Mindestverzinsung wird verfehlt.
  • Der Kapitalwert ist damit ein ökonomischer Gewinn (Residualgewinn-Logik), nicht ein buchhalterischer – er misst Wertschaffung nach Abzug der Kapitalkosten. Das ist genau der Punkt, an dem buchhalterische Kennzahlen (Kennzahlenkritik #02) versagen.

Fazit: Ein Kapitalwert von Null ist kein Misserfolg, sondern bedeutet „so gut wie die Alternative“. Jeder positive Kapitalwert ist echte Wertschaffung über die Opportunitätskosten hinaus.

VERWANDTE FRAGEN

  • Ist ein Kapitalwert von 0 ein Verlust? → Nein, Indifferenz: Das Kapital verzinst sich genau zum geforderten Satz (= zur besten Alternative).
  • Inwiefern ist der Kapitalwert ein „besserer“ Erfolgsmaßstab als der Bilanzgewinn? → Er berücksichtigt explizit die Opportunitätskosten des Kapitals und den Zeitwert des Geldes – anders als der buchhalterische Gewinn.

WARUM: Das „NPV = 0 ist trotzdem ok“-Argument ist ein Lieblings-Stolperstein. Rohleder testet, ob du die Opportunitätskosten-Verankerung im Diskontierungszins wirklich verstanden hast.

Quellen: Standard-Investitionsrechnungs-Lehrbuch · BLOG Profitabilität, Rentabilität und der ROI.pdf.


3 Rentabilität

#09 Welche Überlegung führt zur Ermittlung von Rentabilitäten?

Aufgabe: Welche Überlegung führt zur Ermittlung von Rentabilitäten?

(a) ANTWORT

Die Grundüberlegung: Ein absoluter Gewinn allein ist nicht aussagekräftig, weil er nichts über die Effizienz des Mitteleinsatzes sagt. Erst die Relativierung des Erfolgs an einer Bezugsgröße macht ihn beurteilbar und vergleichbar.

  • Gewinn von 1 Mio. € ist sehr gut bei 5 Mio. € Kapitaleinsatz (20 %), aber schwach bei 100 Mio. € (1 %).
  • Rentabilität = Erfolg / eingesetzte Bezugsgröße (Kapital, Umsatz). Sie beantwortet: „Wie viel Ertrag pro eingesetzter Einheit?“
  • Damit ermöglicht Rentabilität (a) den Vergleich unterschiedlich großer Einheiten/Perioden, (b) den Abgleich mit Alternativen (Kapitalmarktzins, Opportunitätskosten) und (c) die Wirtschaftlichkeitsbeurteilung.

Fazit: Der Wunsch nach Vergleichbarkeit und Effizienzmessung des Kapital-/Mitteleinsatzes führt von der absoluten Profitabilität zur relativen Rentabilität.

Wichtige Einschränkung (Primärquelle, Rohleders eigene Pointe, Blog Abschnitt 2): Die Rentabilität heilt nur die ersten beiden Kritikpunkte der Profitabilitätskritik (#02) – niedrige Hürde und ignorierte Kapitalbindung/Risiko – weil der Gewinn jetzt ins Verhältnis zum eingesetzten Kapital gesetzt wird. Die übrigen Kritikpunkte (EBT/EAT-Verwechslung, offene Steuerlast, Kerngeschäftsfrage, Rückspiegel-Charakter, fehlende Zukunftsaussage, Manipulationsanfälligkeit, Ungeeignetheit für Boni) bleiben unverändert bestehen. Zusätzlich entsteht durch den neuen Nenner (das „eingesetzte Kapital") eine weitere, elfte Fehlerquelle: Für die Ermittlung des gebundenen Kapitals gibt es viele Möglichkeiten, aber wenige Standards – ein Vergleich von Rentabilitäten ist deshalb oft ebenso problematisch wie der von Profiten.

Terminologische Präzisierung (Primärquelle): Rentabilitäten mit explizitem Bezug auf ein bestimmtes (i. d. R. abgelaufenes) Jahr werden als Renditen bezeichnet.

Quelle (Primärtext): Rohleder-Blog, „Profitabilität, Rentabilität und der ROI" V1.2, Abschnitt 2.

VERWANDTE FRAGEN

  • Warum genügt der absolute Gewinn zur Erfolgsbeurteilung nicht? → Er ignoriert den Mitteleinsatz; erst die Relativierung erlaubt Effizienz- und Alternativvergleich.
  • Welche Bezugsgrößen sind für Rentabilitäten üblich? → Eigenkapital (EKR), Gesamtkapital (GKR), Umsatz (Umsatzrentabilität).
  • Löst die Rentabilität alle Kritikpunkte der Profitabilität? → Nein – nur „niedrige Hürde" und „Kapitalbindung/Risiko irrelevant" werden geheilt; die übrigen acht Kritikpunkte (#02) bleiben, plus eine neue Fehlerquelle durch die uneinheitliche Ermittlung des Nenner-Kapitals.
  • Wie nennt man eine Rentabilität mit Jahresbezug? → Rendite.

WARUM: Schließt den Bogen zu #01 (absolut vs. relativ) – Rohleder fragt das Motiv hinter der Kennzahl, nicht nur die Formel. Die „was wird geheilt, was bleibt" - Unterscheidung ist ein beliebter Anschlusstest an die Kennzahlenkritik (#02).

Quellen: BLOG Kaufmännische Erfolgsgrößen.pdf (im Dossier vorgegeben) · Wöhe, Einführung in die ABWL.


#10 Welcher Zusammenhang besteht zwischen Produktivitäten und Rentabilitäten?

Aufgabe: Welcher Zusammenhang besteht zwischen Produktivitäten und Rentabilitäten?

(a) ANTWORT

  • Produktivität = mengenmäßiges (technisches) Verhältnis von Output zu Input (z. B. Stück/Arbeitsstunde, Tonnen/Maschinenstunde). Sie ist wertfrei – sie kennt keine Preise.
  • Rentabilität = wertmäßiges (monetäres) Verhältnis von Erfolg zu eingesetztem Kapital. Sie bewertet Mengen mit Preisen und Kosten.

Zusammenhang:

  • Produktivität ist eine wesentliche Determinante der Rentabilität: Höhere Produktivität senkt c. p. die Stückkosten → höhere Gewinnmarge → höhere Rentabilität.
  • Aber: Produktivität schlägt nicht zwingend in Rentabilität durch. Entscheidend sind zusätzlich Preise, Kostenstruktur und Marktbedingungen. Ein hochproduktiver Betrieb kann unrentabel sein, wenn Verkaufspreise verfallen oder Faktorkosten zu hoch sind (und umgekehrt).
  • Über die Wirtschaftlichkeit (wertmäßiges Verhältnis Ertrag/Aufwand) lassen sich beide verbinden: Produktivität (Mengen) → Wirtschaftlichkeit (Werte) → Rentabilität (Kapitalbezug).

Fazit: Produktivität ist die technische Effizienz, Rentabilität die finanzielle Effizienz. Produktivität ist Voraussetzung, aber keine Garantie für Rentabilität.

VERWANDTE FRAGEN

  • Kann ein produktives Unternehmen unrentabel sein? → Ja, wenn Preise/Kosten ungünstig sind – Produktivität ist mengen-, Rentabilität wertbezogen.
  • Über welche Größe sind Produktivität und Rentabilität verknüpft? → Über die Wirtschaftlichkeit bzw. die Stückkosten/Marge (Bewertung der Mengen mit Preisen).

WARUM: Die Mengen-vs.-Wert-Unterscheidung ist ein typischer Rohleder-Abgrenzungstest; die Umkehrfrage „produktiv ≠ rentabel“ deckt Halbverständnis auf.

Quellen: BLOG Kaufmännische Erfolgsgrößen.pdf · Wöhe, Einführung in die ABWL (Produktivität/Wirtschaftlichkeit/Rentabilität als die drei Erfolgsmaßstäbe).


4 Gesamtkapitalrentabilität (GKR)

#11 Wie ist die GKR zu interpretieren?

Aufgabe: Wie ist die GKR zu interpretieren?

(a) ANTWORT

Die Gesamtkapitalrentabilität (GKR / Return on Assets) misst die Verzinsung des gesamten im Unternehmen eingesetzten Kapitals (Eigen- + Fremdkapital)unabhängig von der Finanzierungsstruktur.

  • Weil der Fremdkapitalzins im Zähler wieder hinzugerechnet wird, ist die GKR finanzierungsneutral: Sie zeigt, wie ertragreich das Kapital im operativen Einsatz arbeitet, egal ob es von Eigen- oder Fremdkapitalgebern stammt.
  • Interpretation: „Wie viel Ergebnis (vor Finanzierungswirkung) erwirtschaftet jede eingesetzte Kapitaleinheit?“
  • Maßstab für den Leverage-Effekt: Die GKR ist die entscheidende Vergleichsgröße zum Fremdkapitalzins (GKR > FK-Zins ⇒ Leverage-Chance, siehe #15–#17).

Scharfe Abgrenzung zum ROI (Primärquelle, Blog Abschnitt 4.1 – Rohleder-Kernaussage):

  • Die (deutsche) GKR ist im Zähler eine Betrachtung nach Steuern (Basis: Jahresüberschuss, JÜ/EAT, + FK-Zinsen) auf Ebene der Gesamtunternehmung – also nicht nur des Kerngeschäfts.
  • Der (amerikanische) ROI ist im Zähler dagegen eine Betrachtung vor Steuern (Basis: EBIT, ordentliches Betriebsergebnis) auf Ebene des Betriebs/Kerngeschäfts.
  • WARNUNG (Rohleder wörtlich): Vielen Darstellungen in vorgeblichen Fachbüchern und im Internet – insbesondere auf YouTube – sind diese elementaren Unterschiede nicht zu entnehmen. GKR und ROI werden dort oft unreflektiert gleichgesetzt oder mit vertauschten Zähler-Definitionen dargestellt.

Quelle (Primärtext): Rohleder-Blog, „Profitabilität, Rentabilität und der ROI" V1.2, Abschnitt 4.1.

VERWANDTE FRAGEN

  • Warum ist die GKR finanzierungsneutral? → Weil die Fremdkapitalzinsen dem Gewinn wieder zugerechnet werden – der Kapitalkostenanteil der Finanzierung wird neutralisiert.
  • Wozu dient die GKR im Leverage-Kontext? → Als Vergleichsgröße zum FK-Zins; nur wenn GKR > FK-Zins, hebelt zusätzliches FK die EK-Rendite.
  • Was unterscheidet GKR und ROI in Zähler und Bezugsebene grundsätzlich? → GKR = nach Steuern (JÜ), Gesamtunternehmung; ROI = vor Steuern (EBIT), Kerngeschäft. Viele Internet-/Lehrbuch-Darstellungen verwischen diesen Unterschied.

WARUM: Die Finanzierungsneutralität (Zinszurechnung im Zähler) ist der Kernpunkt, den Rohleder über die Leverage-Aufgaben (#15–#17) prüft. Die deutsch/amerikanisch- bzw. nach-/vor-Steuern-Abgrenzung zum ROI ist sein zweiter Lieblings-Stolperstein (vgl. #24) – explizit mit der Warnung vor falschen Internet-Darstellungen verbunden.

Quellen: BLOG Kaufmännische Erfolgsgrößen.pdf · Coenenberg/Haller/Schultze, Jahresabschluss und Jahresabschlussanalyse.


#12 Wie genau wird sie ermittelt (Ermittlung)?

Aufgabe: Wie genau wird sie ermittelt?

(a) ANTWORT

Formel (exakt nach Primärquelle):

GKR=+FK-ZinsenBilanzsumme×100\text{GKR} = \frac{\text{JÜ} + \text{FK-Zinsen}}{\text{Bilanzsumme}} \times 100

  • Zähler: Nach Rohleders eigener Definition (Blog Abschnitt 3) steht hier ganz konkret der Jahresüberschuss (JÜ, EAT) – also eine Nachsteuer-Betrachtung auf Ebene der Gesamtunternehmung+ Fremdkapitalzinsen. Die FK-Zinsen entsprechen dabei der GuV-Position „Zinsen und ähnliche Aufwendungen". In der Praxis wird der Zähler häufig vereinfachend über das EBIT angenähert – das ist aber genau genommen bereits die ROI-Logik (vor Steuern, Kerngeschäft, siehe #11/#24) und keine exakte GKR-Definition.
  • Nenner: Gesamtkapital = Bilanzsumme (Summe aller Passiva). Sinnvoll als Durchschnitt aus Anfangs- und Endbestand der Periode (siehe #14).

Warum müssen die Fremdkapitalzinsen zum JÜ addiert werden? (ausführliche Herleitung, Primärquelle Abschnitt 4.2.3):

Zinsen sind Aufwand der Gesellschaft – sie mindern den Vorsteuergewinn und damit auch die Steuerlast. Ein Unternehmen, das viel Fremdkapital aufnimmt, hat entsprechend hohen Zinsaufwand und damit einen kleinen JÜ – ohne Korrektur würde es eine niedrige GKR ausweisen. Ein Unternehmen ohne Fremdkapital hat dagegen einen hohen JÜ und würde eine hohe GKR ausweisen – obwohl beide Unternehmen operativ genau gleich erfolgreich sein können. Die GKR soll aber nicht von der Finanzierungsstruktur abhängen, sondern ausschließlich die Profitabilität nach Steuern und den Kapitaleinsatz widerspiegeln. Der Finanzierungseffekt muss also neutralisiert werden – deshalb werden die FK-Zinsen zum JÜ zurückaddiert. Aus diesem Grund heißt der Zähler des Bruchs auch „Return" (Ertrag) und nicht JÜ: Es gilt JÜ = Ertrag (nach Steuern) minus FK-Zinsen. Kurz: Die FK-Zinsen müssen im Zähler ergänzt werden, damit bei gleichem JÜ und gleichem Kapitaleinsatz unabhängig von der Finanzierung dieselbe GKR herauskommt. Im Zähler stehen dann alle Vergütungen, die die Kapitalgeber erhalten: der JÜ für die EK-Geber und die Zinsen für die FK-Geber.

Plausibilität (vgl. Aufgabe 1): EBIT 100 GE / Bilanzsumme 1.000 GE → GKR = 10 % (vereinfachte Rechnung ohne Steuerdifferenzierung).

Quelle (Primärtext): Rohleder-Blog, „Profitabilität, Rentabilität und der ROI" V1.2, Abschnitt 3 und 4.2.3.

VERWANDTE FRAGEN

  • Warum wird im Zähler der FK-Zins addiert? → Um die Finanzierungswirkung herauszurechnen → GKR wird vergleichbar über unterschiedliche Kapitalstrukturen; ohne diese Korrektur würde ein stärker fremdfinanziertes Unternehmen automatisch eine niedrigere GKR ausweisen, obwohl es operativ gleich erfolgreich sein kann.
  • Welche Größe wird in der Praxis oft als GKR-Zähler verwendet? → Vereinfachend das EBIT – das ist streng genommen aber schon die ROI-Definition (vor Steuern, Kerngeschäft), nicht die exakte GKR (nach Steuern, JÜ-Basis).
  • Was bedeutet „Return" im Zähler-Namen? → Es ist die Summe aller Vergütungen an sämtliche Kapitalgeber (JÜ für EK-Geber + Zinsen für FK-Geber), nicht nur der JÜ allein.

WARUM: Die korrekte Zählerbildung (JÜ + FK-Zins) und vor allem die Begründung dafür (Neutralisierung der Finanzierungswirkung) ist ein typischer Rohleder-Verständnistest – nicht nur die Formel auswendig, sondern das „Warum" erklären können. Sie ist zugleich Voraussetzung, die Leverage-Aufgaben richtig zu lösen.

Quellen: BLOG Kaufmännische Erfolgsgrößen.pdf · BLOG Profitabilität, Rentabilität und der ROI.pdf · Coenenberg/Haller/Schultze, Jahresabschlussanalyse.


#13 Welche praktischen Probleme sind mit ihrer Ermittlung verbunden?

Aufgabe: Welche praktischen Probleme sind mit ihrer Ermittlung verbunden?

(a) ANTWORT

  1. Stichtagsproblem im Nenner: Die Bilanzsumme ist ein Zeitpunktwert zum Bilanzstichtag, der Zähler eine Zeitraumgröße (Periode) → systematische Inkonsistenz (Lösung: Durchschnittsbildung, #14).
  2. Buchwertproblem: Die Bilanzsumme beruht auf Buchwerten (fortgeführte Anschaffungskosten) – stille Reserven, abgeschriebenes Anlagevermögen und Marktwertabweichungen verzerren den Nenner (vgl. Kennzahlenkritik #02, Abschreibungsgefahr #21).
  3. Abgrenzung der Zählergröße: Was zählt zum „Gewinn“? Vor/nach Steuern, mit/ohne außerordentliche Posten, EBIT vs. Jahresüberschuss – unterschiedliche Konventionen erschweren Vergleiche.
  4. Welche Zinsen werden zugerechnet? Saubere Erfassung aller FK-Zinsen (inkl. impliziter Finanzierungskosten) ist nicht trivial.
  5. Nicht betriebsnotwendiges Vermögen: Liquiditätsreserven, Beteiligungen etc. blähen den Nenner auf, ohne zum operativen Erfolg beizutragen → GKR wird „verwässert“.
  6. Bilanzpolitik / Bilanzierungsstandard: Wahlrechte und HGB-vs.-IFRS-Unterschiede beeinflussen Zähler und Nenner.

Fazit: Die GKR ist nur so gut wie die Vergleichbarkeit und Sauberkeit von Zähler und Nenner – die meisten Probleme wurzeln im Buchwert- und Stichtagscharakter der Bilanz.

VERWANDTE FRAGEN

  • Warum ist die Kombination Zeitpunkt-/Zeitraumgröße problematisch? → Periodengewinn wird auf einen Stichtagsbestand bezogen → Durchschnitt nötig.
  • Wie verzerrt nicht betriebsnotwendiges Vermögen die GKR? → Es erhöht den Nenner ohne operativen Ertragsbeitrag → GKR sinkt scheinbar.

WARUM: Diese Probleme sind die direkte Vorlage für #14 (Verbesserung des Nenners) – Rohleder fragt erst die Schwächen, dann die Heilung.

Quellen: BLOG Kaufmännische Erfolgsgrößen.pdf · Coenenberg/Haller/Schultze · Weber/Schäffer, Controlling.


#14 Wie lässt sich die Aussagekraft des Nenners der GKR verbessern?

Aufgabe: Wie lässt sich die Aussagekraft des Nenners der GKR verbessern?

(a) ANTWORT

Verbesserungsansätze für den Nenner:

  1. Durchschnittliches Kapital statt Stichtagswert: Mittel aus Anfangs- und Endbestand (oder unterjährige Durchschnitte) → behebt die Zeitpunkt-/Zeitraum-Inkonsistenz (#13).
  2. Betriebsnotwendiges Kapital ansetzen: Nicht betriebsnotwendiges Vermögen (z. B. nicht betriebsnotwendige Liquidität, betriebsfremde Beteiligungen) herausrechnen → die GKR misst dann nur die Verzinsung des operativ eingesetzten Kapitals.
  3. Bewertungskorrektur Richtung Markt-/Wiederbeschaffungswerte: Buchwertverzerrungen (stille Reserven, voll abgeschriebene Anlagen) durch realistischere Wertansätze mildern → ökonomisch aussagekräftigerer Nenner.
  4. Konsistente, periodengerechte Abgrenzung und Bereinigung um einmalige/außerordentliche Posten.

Präzisierung zur Durchschnittsbildung (Primärquelle, Blog Abschnitt 3): Der einfache Durchschnitt „(Anfangsbestand + Endbestand) / 2" ist eigentlich unglücklich, weil beide Werte aus Jahresabschlüssen stammen und damit Gegenstand intensiver bilanzpolitischer Gestaltung gewesen sein können (vgl. Manipulierbarkeit, Kennzahlenkritik #02). Zur Abbildung unterjähriger Schwankungen sollten daher bei der Durchschnittsbildung mindestens Quartalswerte berücksichtigt werden statt nur der beiden Stichtage 1.1. und 31.12.

Quelle (Primärtext): Rohleder-Blog, „Profitabilität, Rentabilität und der ROI" V1.2, Abschnitt 3.

Fazit: Aussagekräftiger wird der Nenner v. a. durch (1) Durchschnittsbildung – idealerweise auf Quartalsbasis, nicht nur Jahresanfang/-ende – und (2) Beschränkung auf das betriebsnotwendige Kapital – beides bringt Zähler und Nenner inhaltlich und zeitlich in Deckung.

VERWANDTE FRAGEN

  • Wie behebt man das Stichtagsproblem im GKR-Nenner? → Durchschnittliches Gesamtkapital verwenden – idealerweise aus mehreren unterjährigen (mind. Quartals-)Werten, nicht nur aus Jahresanfang und -ende.
  • Warum betriebsnotwendiges statt bilanzielles Kapital? → Damit nur das Kapital im Nenner steht, das tatsächlich zum operativen Erfolg im Zähler beiträgt.
  • Warum ist der einfache Anfang/Ende-Durchschnitt problematisch? → Beide Werte stammen aus Jahresabschlüssen und können bilanzpolitisch gestaltet sein; unterjährige Schwankungen werden zudem nicht erfasst.

WARUM: Klassische „Schwäche → Heilung“-Paarung; Rohleder erwartet die Begriffe durchschnittliches Kapital und betriebsnotwendiges Kapital explizit – und im Detail auch, dass der einfache Zwei-Stichtage-Durchschnitt selbst noch verbesserungsfähig ist (Quartalswerte).

Quellen: BLOG Kaufmännische Erfolgsgrößen.pdf · BLOG Profitabilität, Rentabilität und der ROI.pdf · Coenenberg/Haller/Schultze · KLR-Lehrbuch (betriebsnotwendiges Kapital).


5 Financial Leverage – Aufgabe 1

#15 Leverage-Chance am Zahlenbeispiel (GKR und EKR für U1 und U2)

Gegeben

  • U1: Bilanzsumme 1.000 GE · 100 % EK · EBIT 100 GE
  • U2: Bilanzsumme 1.000 GE · EK-Quote 25 % · FK-Zins 5 % · EBIT 100 GE

(a) ANTWORT / RECHENWEG

Kapitalstruktur:

EK FK
U1 1.000 GE (100 %) 0 GE
U2 250 GE (25 %) 750 GE (75 %)

Gesamtkapitalrendite (GKR = EBIT / Gesamtkapital):

  • U1: 100 / 1.000 = 10 %
  • U2: 100 / 1.000 = 10 % → Die GKR ist bei beiden gleich (finanzierungsneutral, #11).

Eigenkapitalrendite (EKR = (EBIT − FK-Zinsen) / EK):

  • U1: keine FK-Zinsen → Gewinn = 100 GE → EKR = 100 / 1.000 = 10 %
  • U2: FK-Zinsen = 5 % × 750 = 37,5 GE → Gewinn = 100 − 37,5 = 62,5 GE → EKR = 62,5 / 250 = 25 %

Ergebnis / Interpretation: Beide Unternehmen erwirtschaften dieselbe GKR (10 %), aber U2 erreicht eine EKR von 25 % gegenüber 10 % bei U1. Weil die GKR (10 %) > FK-Zins (5 %) ist, hebelt das Fremdkapital die Eigenkapitalrendite nach oben: Das FK „verdient“ im Unternehmen 10 %, kostet aber nur 5 % – die Differenz von 5 %-Punkten auf 750 GE FK (= 37,5 GE Mehrgewinn) fließt vollständig den Eigenkapitalgebern auf ihre nur 250 GE EK zu. Das ist die Leverage-Chance.

Probe über die Leverage-Formel: EKR=GKR+FKEK×(GKRiFK)=10%+750250×(10%5%)=10%+3×5%=25%\text{EKR} = \text{GKR} + \frac{FK}{EK}\times(\text{GKR} - i_{FK}) = 10\% + \frac{750}{250}\times(10\% - 5\%) = 10\% + 3\times 5\% = 25\% \checkmark

VERWANDTE FRAGEN

  • Was passiert mit U2, wenn der FK-Zins auf 12 % steigt (über die GKR)? → Leverage kehrt sich um (Leverage-Risiko): EKR = 10 % + 3 × (10 % − 12 %) = 10 % − 6 % = 4 % → unter U1. FK > GKR drückt die EKR.
  • Wie ändert sich die EKR von U2 bei EK-Quote 50 % (statt 25 %)? → EK = 500, FK = 500, Zins = 25 GE, Gewinn = 75 GE → EKR = 75/500 = 15 %. Weniger Hebel → geringere, aber auch risikoärmere EKR-Steigerung.

WARUM: Rohleder variiert dieses Schema gern über (a) FK-Zins über GKR (Umkehr in Leverage-Risiko) und (b) andere EK-Quoten – wer die Leverage-Formel beherrscht, löst jede Variante in Sekunden.

Quellen: BLOG Kaufmännische Erfolgsgrößen.pdf · Leverage-Formel: Standard-Finanzierungslehre (z. B. Perridon/Steiner/Rathgeber, Finanzwirtschaft der Unternehmung).


6 Financial Leverage – Aufgabe 2

Gegeben: Gesamtkapital 5.000.000 € · EK-Quote 25 % → EK = 1.250.000 €, FK (alt) = 3.750.000 € · zusätzlich 10 % FK aufgenommen (Zins 3 %) · GKR vor Aufnahme = 15 %.

#16 (6 P.) Lohnt sich die Aufnahme des Fremdkapitals für die Kapitaleigner?

(a) ANTWORT / RECHENWEG

Schritt 1 – Leverage-Bedingung prüfen: GKR = 15 % > FK-Zins = 3 % → Leverage-Chance gegeben, das zusätzliche FK hebelt die EK-Rendite nach oben. Die Aufnahme lohnt sich für die Kapitaleigner. (Annahme: GKR bleibt bei 15 %, d. h. das zusätzliche Kapital wird zur gleichen Gesamtkapitalrendite investiert.)

Schritt 2 – EKR vor der Aufnahme (nur zur Einordnung; rechnet man den angegebenen Zins von 3 % auf das gesamte FK): EKRvor=GKR+FKEK×(GKRi)=15%+3.750.0001.250.000×(15%3%)=15%+3×12%=51%\text{EKR}_{vor} = \text{GKR} + \frac{FK}{EK}\times(\text{GKR}-i) = 15\% + \frac{3.750.000}{1.250.000}\times(15\%-3\%) = 15\% + 3 \times 12\% = 51\% Vorbehalt: Ob für das Alt-FK ebenfalls 3 % gelten oder ein höherer Mischzins, geht aus der Aufgabe nicht hervor. Der EKR-Vorher-Wert ist daher nur indikativ; für die Punktewertung trägt allein die isolierte Wirkung des Zusatz-FK (Schritt 4).

Schritt 3 – Kapital nach Aufnahme (zusätzlich 10 % FK): „Zusätzlich 10 % FK“ wird hier als 10 % des bisherigen Gesamtkapitals interpretiert: 10 % × 5.000.000 = 500.000 € neues FK zu 3 %.

  • EK unverändert = 1.250.000 €
  • FK neu gesamt = 3.750.000 + 500.000 = 4.250.000 €
  • Gesamtkapital neu = 5.500.000 €

Schritt 4 – Wirkung des Zusatz-FK isoliert (klarstes Argument für die 6 Punkte):

  • Das neue Kapital (500.000 €) erwirtschaftet zur GKR 15 % → 75.000 € Ertrag.
  • Es kostet 3 % Zins → 15.000 € Zinsaufwand.
  • Netto-Mehrgewinn für die EK-Geber = 75.000 − 15.000 = 60.000 €, ohne dass zusätzliches Eigenkapital eingesetzt wurde.
  • Dieser Mehrgewinn von 60.000 € auf unverändert 1.250.000 € EK steigert die EKR um +4,8 %-Punkte (60.000 / 1.250.000).

Ergebnis: Ja, die Aufnahme lohnt sich. Da die Gesamtkapitalrendite (15 %) deutlich über dem Fremdkapitalzins (3 %) liegt, erzeugt jedes zusätzlich aufgenommene FK einen positiven Hebel: 60.000 € zusätzlicher Gewinn fließen allein den Eigenkapitalgebern zu und erhöhen deren Rendite.

Auslegungshinweis: Die Formulierung „zusätzlich 10 % Fremdkapital“ ist mehrdeutig (10 % des Gesamtkapitals = 500.000 € vs. 10 % des bestehenden FK = 375.000 € vs. EK-Quote sinkt auf 15 %); ebenso offen, ob das Alt-FK mit 3 % oder einem höheren Mischzins zu rechnen ist. Das qualitative Ergebnis (lohnt sich, weil GKR > FK-Zins) bleibt unabhängig von der Lesart bestehen.

VERWANDTE FRAGEN

  • Bis zu welchem FK-Zins lohnt sich die Aufnahme noch? → Bis zum Punkt FK-Zins = GKR (= 15 %). Darüber kehrt sich der Hebel um (Leverage-Risiko).
  • Wie hoch ist der zusätzliche Gewinn, wenn 1.000.000 € statt 500.000 € FK aufgenommen werden? → 1.000.000 × (15 % − 3 %) = 120.000 € Netto-Mehrgewinn für die EK-Geber.

WARUM: Rohleder belohnt hier den sauberen Dreischritt Bedingung prüfen → Zusatz-FK-Wirkung isolieren → EKR-Effekt beziffern. Die Punkteverteilung (6 P.) verlangt Rechenweg, nicht nur „ja“.

Quellen: BLOG Kaufmännische Erfolgsgrößen.pdf · Leverage-Formel: Perridon/Steiner/Rathgeber, Finanzwirtschaft der Unternehmung.


#17 (2 P.) Welche Bedingung muss gegeben sein, damit der Leverage-Effekt eintritt?

(a) ANTWORT

Positiver (chancenreicher) Leverage-Effekt tritt ein, wenn:

Gesamtkapitalrentabilität (GKR)>Fremdkapitalzinssatz iFK\boxed{\text{Gesamtkapitalrentabilität (GKR)} > \text{Fremdkapitalzinssatz } i_{FK}}

Nur dann erhöht zusätzliches Fremdkapital die Eigenkapitalrendite (das FK „verdient“ im Unternehmen mehr, als es an Zins kostet; die Differenz fließt dem EK zu).

Ergänzung (Vollständigkeit für die 2 Punkte):

  • GKR = i_FK → kein Effekt, die EKR bleibt unverändert (= GKR).
  • GKR < i_FKLeverage-Risiko: zusätzliches FK senkt die EKR (negativer Hebel).
  • Je größer der Verschuldungsgrad (FK/EK), desto stärker wirkt der Hebel – in beide Richtungen (höhere Chance, aber auch höheres Risiko).

VERWANDTE FRAGEN

  • Was passiert bei GKR < FK-Zins? → Leverage-Risiko: Die EKR fällt unter die GKR; höhere Verschuldung verschlechtert die EK-Rendite.
  • Welche Rolle spielt der Verschuldungsgrad? → Er ist der Hebelfaktor (FK/EK) in der Leverage-Formel – er verstärkt sowohl Chance als auch Risiko.

WARUM: Die Bedingung GKR > FK-Zins ist die Kernaussage der gesamten Leverage-Theorie; Rohleder testet, ob du sie als Ungleichung plus die Umkehrung (Risiko) benennen kannst.

Quellen: BLOG Kaufmännische Erfolgsgrößen.pdf · Perridon/Steiner/Rathgeber, Finanzwirtschaft der Unternehmung.


7 ROI (Return on Investment)

#18 Recherche: Für welche Entscheidungen werden ROIs genutzt, welche Definitionen existieren?

Aufgabe: Recherchieren Sie, für welche Entscheidungen ROIs genutzt werden und welche Definitionen existieren. Geben Sie bitte die Quellen an!

(a) ANTWORT

Verwendungszwecke (Entscheidungen):

  • Investitionsbeurteilung: Vergleich der Vorteilhaftigkeit einzelner Investitionsprojekte (Soll-ROI als Hürde).
  • Steuerung von Geschäftsbereichen / Profit-Centern: ROI als zentrale Spitzenkennzahl der dezentralen Performance-Messung (Divisional Performance).
  • Unternehmenssteuerung über Kennzahlensysteme: ROI als Spitze des DuPont-Kennzahlensystems (DuPont, 1919 — ältestes und bekanntestes Kennzahlensystem; ROI = Umsatzrendite × Kapitalumschlag) → Aufspaltung in Treiberkennzahlen (ROI-Baum: Umsatzrendite → Kosteneinflussfaktoren, Kapitalumschlag → Anlage-/Umlaufvermögen).
  • Soll-Ist- und Benchmark-Vergleiche, Zielvorgaben, Anreiz-/Bonussysteme, Marketing-/Kampagnen-Erfolgsmessung.

Definitionen (mehrere existieren – Rohleder will die Vielfalt sehen):

  1. Klassisch (DuPont): ROI=Gewinninvestiertes Kapital=GewinnUmsatz×UmsatzKapital\text{ROI} = \dfrac{\text{Gewinn}}{\text{investiertes Kapital}} = \dfrac{\text{Gewinn}}{\text{Umsatz}} \times \dfrac{\text{Umsatz}}{\text{Kapital}} = Umsatzrendite × Kapitalumschlag.
  2. Return on Assets-nahe Lesart: Gewinn (ggf. + FK-Zins) / Gesamtkapital – dann faktisch ≈ GKR.
  3. Return on Capital Employed (ROCE): Betriebsergebnis / eingesetztes (betriebsnotwendiges) Kapital.
  4. Marketing-/Projekt-ROI: (Ertrag der Maßnahme − Kosten) / Kosten der Maßnahme.

Kernpunkt:Der ROI“ existiert nicht – Zähler (welcher Gewinn?) und Nenner (welches Kapital?) sind nicht einheitlich definiert → bei jedem ROI-Vergleich muss die Berechnungslogik offengelegt werden (vgl. #19/#20 und Kennzahlenkritik #02).

Rohleders 5 ROI-Definitionsvarianten mit Kritik (Primärquelle, Blog Abschnitt 4.5, am Beispiel Perridon/Steiner/Rathgeber):

Perridon/Steiner/Rathgeber definieren den ROI zunächst allgemein als Kennzahl, die „den Gewinn/Jahresüberschuss/Cashflow pro Einheit investierten Kapitals" erfasst – anwendbar auf die ganze Unternehmung, aber auch auf Teilbetriebe, Abteilungen, Produktbereiche, Produkte oder einzelne Investitionsprojekte. Konkretisiert ergeben sich daraus vier Rechenvarianten:

  1. ROI=Jahresüberschuss+Steuern+FK-ZinsenGesamtkapital\text{ROI} = \dfrac{\text{Jahresüberschuss} + \text{Steuern} + \text{FK-Zinsen}}{\text{Gesamtkapital}}
  2. ROI=Gewinn+FK-ZinsenGesamtkapital\text{ROI} = \dfrac{\text{Gewinn} + \text{FK-Zinsen}}{\text{Gesamtkapital}}
  3. ROI=EBITGesamtkapital\text{ROI} = \dfrac{\text{EBIT}}{\text{Gesamtkapital}}
  4. ROI=EBITDAAbschreibungenGesamtkapital\text{ROI} = \dfrac{\text{EBITDA} - \text{Abschreibungen}}{\text{Gesamtkapital}}

Rohleders Kritik an diesen vier Definitionen:

  • (a) Den Definitionen 1. und 2. fehlt der eigentlich ROI-typische Bezug auf das ordentliche Betriebsergebnis (EBIT) – sie sind eher GKR-artig.
  • (b) Das „Gesamtkapital" enthält in allen vier Definitionen wahrscheinlich auch nicht-betriebsnotwendige Anteile.
  • (c) Die FK-Zinsen aus 1. und 2. dienen wahrscheinlich teilweise der Finanzierung genau dieser nicht betriebsnotwendigen Vermögensteile – sie verzerren den Zähler.

Rohleders eigene, „sauber definierte" ROI-Formel (Würdigung, Blog Abschnitt 4.6):

5.ROI=EBITdurchschnittlich gebundenes, betriebsnotwendiges Kapital5.\quad \text{ROI} = \frac{\text{EBIT}}{\text{durchschnittlich gebundenes, betriebsnotwendiges Kapital}}

Diese fünfte, konzeptionell saubere Definition ist laut Rohleder schnell hingeschrieben, aber bizarrerweise völlig ungebräuchlich. Seine Würdigung im Detail:

  • Der Fokus auf das Kerngeschäft ist absolut sinnvoll – der ROI ist deshalb eine interessante Kennzahl. Er ist zudem „amerikanisch" und damit „sexy" für die Stakeholder-Kommunikation, insbesondere die Investor Relations.
  • Trotzdem wirft der ROI aus Lehrbüchern und aktueller Praxis mehr Probleme bei Ermittlung und Interpretation auf, als er löst.
  • Wird der ROI auf Unternehmensebene ermittelt, ergibt das wenig Sinn: Im Zähler steht explizit nur der Betriebsgewinn plus FK-Zinsen, der Nenner enthält aber praktisch immer das gesamte Kapital einschließlich der nicht betriebsnotwendigen Anteile – die z. T. mit Fremdkapital finanziert wurden, dessen anteilige Zinsen dann wiederum den Zähler verzerren.
  • Wird der ROI für Unternehmensbereiche, Abteilungen, Produkte oder Einzelinvestitionen ermittelt, müssen zum Teil „hanebüchene" Zurechnungen von anteiligem EBIT, Zinsen und notwendigem Kapital vorgenommen werden – hier ist der Willkür Tür und Tor geöffnet.
  • Ein so definierter ROI (Formel 5) zeigt die Kerngeschäftsrentabilität und ist eine wertvolle Ergänzung zur Gesamtkapitalrentabilität (GKR) – nicht deren Ersatz.

Quelle (Primärtext): Rohleder-Blog, „Profitabilität, Rentabilität und der ROI" V1.2, Abschnitte 4.5 und 4.6.

VERWANDTE FRAGEN

  • Wie hängt der ROI mit dem DuPont-Schema zusammen? → ROI = Umsatzrendite × Kapitalumschlag; das Schema spaltet ihn in Ergebnis- und Umschlagstreiber auf.
  • Warum ist „der“ ROI mehrdeutig? → Weil Zähler- und Nennerdefinition variieren (Gewinnbegriff, Kapitalbasis) → keine Vergleichbarkeit ohne Definitionsangabe.
  • Welche ROI-Formel bevorzugt Rohleder selbst, und warum ist sie kaum gebräuchlich? → EBIT / durchschnittlich gebundenes, betriebsnotwendiges Kapital – konzeptionell sauber (Kerngeschäft, keine betriebsfremden Anteile), aber in der Praxis unüblich, weil die Ermittlung der genauen betriebsnotwendigen Kapitalbasis aufwendig ist.
  • Welche drei Kritikpunkte nennt Rohleder an den vier klassischen ROI-Definitionen? → (a) fehlender EBIT-Bezug bei 1./2., (b) nicht-betriebsnotwendige Anteile im Gesamtkapital, (c) FK-Zinsen, die betriebsfremde Vermögensteile mitfinanzieren.

WARUM: Rohleder verlangt hier ausdrücklich eigene Recherche mit Quellenangabe. Die Pointe „mehrere Definitionen → immer Definition angeben“ ist genau der Lernzweck – seine eigene fünfte Formel (EBIT / betriebsnotwendiges Kapital) ist zugleich die Brücke zu #24 (ROI vs. GKR) und sein bevorzugter Prüfungsanker für „was ist ein sauberer ROI wirklich".

Quellen (mit Hyperlinks, vor Abgabe selbst öffnen/prüfen):

Hinweis: Bei eigener KI-Nutzung den eigenen Share-Link des geführten Dialogs als Quelle ergänzen (Rohleders Muster „Quelle = geführter KI-Dialog“).


#19 Was ist bei der Ermittlung des ROI-Zählers zu beachten?

Aufgabe: Erläutern Sie, was bei der Ermittlung des ROI-Zählers zu beachten ist!

(a) ANTWORT

Beim Zähler (Gewinn/Erfolg) ist zu klären und konsistent zu halten:

  1. Welcher Gewinnbegriff? Jahresüberschuss vs. Betriebsergebnis/EBIT vs. Ergebnis vor/nach Steuern. Für eine kapitalbezogene, finanzierungsneutrale Aussage ist ein operatives Ergebnis (EBIT, ggf. + FK-Zins) sinnvoll.
  2. Vorsteuer- oder Nachsteuer-Betrachtung? (Primärquelle, Blog Abschnitt 4.2.1): Sollen körperschaftsteuerpflichtige Kapitalgesellschaften mit Personengesellschaften verglichen werden, ist stets der Gewinn vor Steuern (EBT) heranzuziehen, um zu vergleichbaren Rentabilitätsaussagen zu gelangen – Personengesellschaften unterliegen ja nicht der Körperschaftsteuer, ein Nachsteuervergleich wäre daher verzerrt. Diese Neutralisierung der Besteuerung ist einer der Gründe, warum der ROI-Zähler auf EBIT (Earnings Before Interest and Taxes) abstellt statt auf den Jahresüberschuss.
  3. Konsistenz mit dem Nenner (Matching!): Der Zähler muss zum Kapital im Nenner passen. Bezieht sich der Nenner auf das Gesamtkapital, muss der Zähler finanzierungsneutral sein (Gewinn + FK-Zinsen); bezieht er sich nur auf EK, gehört der Gewinn nach Zinsen hinein.
  4. Bereinigung um Einmal-/außerordentliche Effekte und nicht betriebliche Erträge → nur nachhaltiger, betrieblicher Erfolg.
  5. Periodenabgrenzung: Zähler ist eine Zeitraumgröße (Periode) – das muss zum (durchschnittlichen) Nenner passen.

Fazit: Entscheidend ist die Konsistenz zwischen Zähler und Nenner (gleiche Bezugsebene EK/GK), die Neutralisierung von Steuer- und Finanzierungseffekten (EBT bzw. EBIT statt JÜ) und ein klar definierter, bereinigter Gewinnbegriff.

Quelle (Primärtext): Rohleder-Blog, „Profitabilität, Rentabilität und der ROI" V1.2, Abschnitt 4.2.1 f.

VERWANDTE FRAGEN

  • Wann gehört der FK-Zins in den Zähler? → Wenn der Nenner das Gesamtkapital ist (finanzierungsneutrale Sicht, ≈ GKR-Logik).
  • Warum Bereinigung um Einmaleffekte? → Damit der ROI die nachhaltige operative Ertragskraft zeigt, nicht zufällige Sondereffekte.
  • Warum sollte beim Vergleich von Kapital- und Personengesellschaften der Gewinn vor Steuern verwendet werden? → Weil nur Kapitalgesellschaften körperschaftsteuerpflichtig sind – ein Nachsteuervergleich würde die unterschiedliche Rechtsform-Besteuerung statt der eigentlichen Rentabilität abbilden.

WARUM: Der „Matching von Zähler und Nenner„-Punkt ist die häufigste Fehlerquelle und Rohleders bevorzugter Prüfhebel – derselbe Gedanke trägt auch #20 und #24. Die Vorsteuer-Betrachtung ist zugleich der Grund, warum der ROI (anders als die GKR, #11) grundsätzlich vor Steuern rechnet.

Quellen: BLOG Kaufmännische Erfolgsgrößen.pdf · BLOG Profitabilität, Rentabilität und der ROI.pdf · Weber/Schäffer, Controlling · Coenenberg/Haller/Schultze, Jahresabschlussanalyse.


#20 Was ist bei der Ermittlung des ROI-Nenners zu beachten?

Aufgabe: Erläutern Sie, was bei der Ermittlung des ROI-Nenners zu beachten ist!

(a) ANTWORT

Beim Nenner (investiertes Kapital) ist zu beachten:

  1. Welche Kapitalbasis? Gesamtkapital (Bilanzsumme), betriebsnotwendiges Kapital, Capital Employed (EK + verzinsliches FK) oder nur EK – je nach Steuerungszweck. Nicht betriebsnotwendiges Vermögen sollte herausgerechnet werden.
  2. Durchschnitt statt Stichtag: Der Nenner ist ein Zeitpunktwert; passend zum Zeitraumzähler ist das durchschnittlich gebundene Kapital (Anfang/Ende, idealerweise unterjährig verfeinert) anzusetzen (#13/#14).
  3. Buchwert- vs. Marktwertproblem: Buchwerte sind durch Abschreibungen gealtert → Altersstruktur-Verzerrung (zentrale ROI-Gefahr, siehe #21).
  4. Brutto- vs. Nettoansatz des Anlagevermögens – mit klarer Zweck-Trennung (Primärquelle, Blog Abschnitt 4.4.2):
    • Für die Ermittlung der Rendite der gesamten Unternehmung (externe Sicht) sind Nettoanlagenwerte (Anschaffungsausgaben abzüglich Abschreibungen) anzusetzen.
    • Für den ROI von Unternehmensbereichen und Abteilungen – insbesondere wenn der ROI zur Personalbeurteilung herangezogen wird – sind dagegen Bruttoanlagenwerte (Anschaffungsausgaben ohne Abschreibungsabzug) vorteilhafter. Würde man hier Nettowerte verwenden, wären Abteilungen mit bereits voll abgeschriebenen Anlagen gegenüber Abteilungen mit neuen Maschinen im Vorteil, weil sie wegen des minimalen (buchhalterischen) Kapitaleinsatzes einen ungerechtfertigt hohen ROI ausweisen – unabhängig von der tatsächlichen Leistung des verantwortlichen Managers.
    • Zusatzproblem bei abteilungsbezogenem ROI: Neben der Aufteilung des investierten Kapitals ist auch eine Aufteilung des Erfolgs auf die Abteilung nötig. Das kann oft nur durch Schlüsselung erfolgen – eine mehr oder weniger grobe Annäherung an das Verursachungsprinzip, keine exakte Zurechnung.
    • Eine weitere, theoretisch mögliche Stärkung der Aussagekraft wäre der Ansatz von Wiederbeschaffungswerten statt historischer Anschaffungsausgaben bei den Bruttowerten. Allerdings sind „alte Maschinen" und „neue Maschinen" hinsichtlich Betriebsausgaben und Produktivität häufig ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen – die Wiederbeschaffungswert-Korrektur löst dieses Grundproblem nicht vollständig.
  5. Konsistenz mit dem Zähler (siehe #19).

Quelle (Primärtext): Rohleder-Blog, „Profitabilität, Rentabilität und der ROI" V1.2, Abschnitt 4.4.

Fazit: Der Nenner muss zweckadäquat abgegrenzt (betriebsnotwendig), durchschnittlich ermittelt und in der Bewertung transparent (brutto/netto, passend zum Verwendungszweck extern vs. intern/Personalbeurteilung) sein.

VERWANDTE FRAGEN

  • Warum kann der Nettoansatz des Anlagevermögens den ROI verzerren? → Mit fortschreitender Abschreibung sinkt der Restbuchwert (Nenner) → ROI steigt ohne reale Leistungsverbesserung (Alterungsfalle, #21).
  • Welche Kapitalbasis ist für die Bereichssteuerung sinnvoll? → Das betriebsnotwendige / dem Bereich zurechenbare (Capital Employed) Kapital, nicht die gesamte Bilanzsumme.
  • Brutto oder netto – welcher Ansatz für die Personalbeurteilung von Abteilungsleitern? → Bruttoanlagenwerte, sonst werden Abteilungen mit alten, abgeschriebenen Anlagen ungerechtfertigt bevorzugt.
  • Wie wird bei abteilungsbezogenem ROI der Erfolg zugeordnet, wenn keine exakte Zurechnung möglich ist? → Durch Schlüsselung – eine grobe Annäherung an das Verursachungsprinzip.

WARUM: Brutto/Netto- und Buchwertproblem im Nenner sind die direkte Brücke zur Abschreibungsgefahr (#21) – ein Rohleder-Klassiker. Die extern/intern-Unterscheidung (Unternehmensrendite vs. Personalbeurteilung von Abteilungen) ist der Feinschliff, den viele Darstellungen auslassen.

Quellen: BLOG Kaufmännische Erfolgsgrößen.pdf · BLOG Profitabilität, Rentabilität und der ROI.pdf · Coenenberg/Haller/Schultze · Weber/Schäffer.


#21 Was hat die Abschreibung mit dem ROI zu tun? Welche Gefahr besteht?

Aufgabe: Was hat die Abschreibung mit dem ROI zu tun? Welche Gefahr besteht?

(a) ANTWORT

Zusammenhang: Abschreibungen wirken doppelt auf den ROI:

  • Sie mindern den Gewinn (Zähler) als Aufwand.
  • Sie mindern den Restbuchwert des Anlagevermögens (Nenner), wenn das Kapital netto (zu Restbuchwerten) angesetzt wird.

Die Gefahr („Alterungs-/Abschreibungsfalle“): Bei Ansatz zu Restbuchwerten sinkt der Nenner mit zunehmendem Anlagenalter schneller/stärker als der Zähler → der ROI steigt rein rechnerisch, je älter und abgeschriebener die Anlagen sind, ohne dass sich die reale Ertragskraft verbessert.

Fehlanreiz (der eigentliche Kern):

  • Ein Bereich mit alten, abgeschriebenen Anlagen weist einen scheinbar hohen ROI aus.
  • Neuinvestitionen erhöhen kurzfristig den Nenner (hoher Buchwert) und senken den ROI → Manager mit ROI-Zielvorgabe vermeiden notwendige Ersatzinvestitionen (Investitionsstau / Substanzverzehr), um ihren ROI nicht zu „verwässern“.
  • Das ist ein klassisches Beispiel für dysfunktionale Steuerungswirkung einer Kennzahl (Kennzahlenkritik #02) → Begründung u. a. für ergänzende Größen wie den Residualgewinn / EVA, die diesen Fehlanreiz vermeiden.

VERWANDTE FRAGEN

  • Warum kann der ROI gegen Ersatzinvestitionen wirken? → Neuinvestition erhöht den Buchwert-Nenner und senkt kurzfristig den ROI → ROI-getriebene Manager scheuen sie.
  • Welche Kennzahl mildert die Abschreibungsfalle des ROI? → Der Residualgewinn / EVA (absolute Übergewinngröße über die Kapitalkosten), der keinen Anreiz zum Investitionsstau setzt.

WARUM: Die Abschreibungs-/Alterungsfalle ist die Standard-ROI-Gefahr und ein Rohleder-Lieblingsthema – sie verbindet ROI-Mechanik, Kennzahlenkritik (#02) und Opportunitätskosten-/Residualgewinn-Denken (#08).

Quellen: BLOG Kaufmännische Erfolgsgrößen.pdf · Weber/Schäffer, Controlling (ROI-Fehlanreize, EVA) · Coenenberg/Fischer/Günther.


#22 Welche Vorteile hat der ROI?

Aufgabe: Welche Vorteile hat der ROI?

(a) ANTWORT

  1. Verdichtung & Übersichtlichkeit: Eine einzige Spitzenkennzahl, die Erfolg und Kapitaleinsatz verknüpft → schnelle Gesamtbeurteilung.
  2. Vergleichbarkeit: Relativgröße (%) → Vergleich unterschiedlich großer Bereiche, Unternehmen und Perioden möglich.
  3. Analytische Aufspaltbarkeit (DuPont): ROI = Umsatzrendite × Kapitalumschlag → Ursachenanalyse über Treiberkennzahlen; gezielte Identifikation von Stellhebeln.
  4. Steuerungs- und Zielvorgabe-Tauglichkeit: Gut als Zielgröße für dezentrale Bereiche/Profit-Center und in Anreizsystemen einsetzbar.
  5. Hohe Verbreitung & intuitive Verständlichkeit: etabliert, kommunizierbar, branchenübergreifend bekannt.

VERWANDTE FRAGEN

  • Worin liegt der analytische Vorteil des ROI gegenüber dem absoluten Gewinn? → Relativierung + DuPont-Aufspaltung in Umsatzrendite und Kapitalumschlag → Ursachenanalyse.
  • Warum eignet sich der ROI zur Bereichssteuerung? → Vergleichbarkeit unterschiedlich großer Bereiche durch die Relativgröße.

WARUM: Rohleder fragt Vor- und Nachteile fast immer als Paar (#22/#23). Der DuPont-Aufspaltungsvorteil ist der „starke“ Punkt, den er sehen will.

Quellen: BLOG Kaufmännische Erfolgsgrößen.pdf · Weber/Schäffer, Controlling.


#23 Welche Nachteile hat das Konzept?

Aufgabe: Welche Nachteile hat das Konzept?

(a) ANTWORT

  1. Abschreibungs-/Alterungsfalle & Investitionsstau (#21): ROI steigt mit abgeschriebenen Anlagen; Fehlanreiz gegen Ersatzinvestitionen.
  2. Relativgröße ohne Größenbezug: Ein hoher ROI auf kleiner Kapitalbasis kann absolut wenig Wert schaffen → Vorzug kapitalkleiner Projekte, Vernachlässigung absolut lohnender Großprojekte (deshalb Ergänzung durch Residualgewinn).
  3. Vergangenheits- und Buchwertbezug: rückwärtsgewandt, abhängig von Bilanzierung/Bewertung (Buchwertproblem, Kennzahlenkritik #02).
  4. Keine Kapitalkosten/Opportunitätskosten: ROI sagt nicht, ob die geforderte Mindestverzinsung übertroffen wird → nur im Vergleich zur Hurdle Rate aussagekräftig (#08).
  5. Definitionsvielfalt: uneinheitliche Zähler-/Nennerdefinition → eingeschränkte Vergleichbarkeit (#18–#20).
  6. Kurzfrist-/Fehlanreize: einseitige ROI-Steuerung fördert kurzfristiges, suboptimales Verhalten (Manipulierbarkeit).

VERWANDTE FRAGEN

  • Warum kann ROI-Steuerung Großinvestitionen benachteiligen? → Sie senken den Durchschnitts-ROI, obwohl sie absolut viel Wert schaffen → Residualgewinn als Korrektiv.
  • Welcher ROI-Nachteil folgt direkt aus der Kennzahlenkritik? → Vergangenheits-/Buchwertbezug + fehlende Kapitalkosten + Manipulierbarkeit.

WARUM: Die Nachteile sind die angewandte Kennzahlenkritik (#02) auf den ROI – Rohleder prüft, ob du das Allgemeine auf den konkreten Fall überträgst.

Quellen: BLOG Kaufmännische Erfolgsgrößen.pdf · Weber/Schäffer, Controlling (ROI-Schwächen, EVA als Ergänzung).


8 ROI vs. GKR

#24 Stellen Sie ROI und GKR tabellarisch gegenüber!

Aufgabe: Stellen Sie ROI und GKR tabellarisch anhand geeigneter Kriterien gegenüber!

(a) ANTWORT

Kriterium ROI (Return on Investment) GKR (Gesamtkapitalrentabilität)
Grundidee Verzinsung des investierten Kapitals; flexible Spitzen-/Steuerungskennzahl Verzinsung des gesamten eingesetzten Kapitals (EK+FK), finanzierungsneutral
Herkunft Amerikanisch (anglo-amerikanische Literatur) Deutsch
Steuerbezug Vor Steuern (Basis EBIT/EBT) Nach Steuern (Basis Jahresüberschuss/EAT)
Bezugsebene Kerngeschäft (ordentliches Betriebsergebnis) Gesamtunternehmung
Zähler Gewinn-/Ergebnisgröße (definitionsabhängig; korrekt: EBIT) Jahresüberschuss (JÜ) + Fremdkapitalzinsen → finanzierungsneutral
Nenner Investiertes / betriebsnotwendiges Kapital, Capital Employed (zweckabhängig) Gesamtkapital = Bilanzsumme
Definition Uneinheitlich, mehrere Definitionen (DuPont, ROCE, RoA-nah …) Klar/standardisiert definiert
Finanzierungsneutralität Nicht zwingend; je nach Zähler/Nenner Ja, durch Zinszurechnung im Zähler konstruiert
Bezugsobjekt Auch einzelne Investitionen, Projekte, Bereiche/Profit-Center Primär Gesamtunternehmen (Bilanzebene)
Aufspaltbarkeit DuPont-Zerlegung (Umsatzrendite × Kapitalumschlag) → Treiberanalyse Üblicherweise als Gesamtkennzahl betrachtet (analoge Zerlegung möglich)
Hauptzweck Steuerung & Investitionsbeurteilung, Zielvorgabe, Anreizsysteme Externe/interne Erfolgs-/Rentabilitätsanalyse, Leverage-Vergleich
Leverage-Bezug Indirekt Direkter Maßstab zum FK-Zins (GKR > i ⇒ Leverage-Chance)
Typische Schwächen Abschreibungsfalle, Definitionsvielfalt, Größenblindheit, Investitionsstau Buchwert-/Stichtagsproblem, nicht betriebsnotwendiges Vermögen verwässert

Kerngedanke: Bei finanzierungsneutralem Zähler (Gewinn + FK-Zins) und Gesamtkapital als Nenner ist der ROI inhaltlich faktisch identisch mit der GKR. Der wesentliche Unterschied liegt in Definitionsbreite und Einsatzzweck: Die GKR ist eine klar definierte, finanzierungsneutrale Bilanzkennzahl für die Gesamtunternehmensanalyse, der ROI ein flexibler, vielfältig definierter Steuerungsbegriff, der auch auf Projekt-/Bereichsebene und in DuPont-Systemen genutzt wird.

WARNUNG (Rohleder wörtlich, Primärquelle Blog Abschnitt 4.1): Die (deutsche) GKR ist im Zähler eine Betrachtung nach Steuern auf Ebene der Gesamtunternehmung. Der (amerikanische) ROI ist im Zähler eine Betrachtung vor Steuern auf Ebene des Betriebs/Kerngeschäfts. Vielen Darstellungen in vorgeblichen Fachbüchern und im Internet, insbesondere auf YouTube, sind diese elementaren Unterschiede nicht zu entnehmen – dort werden ROI und GKR häufig unreflektiert vermengt oder mit vertauschten Zähler-Definitionen erklärt. Vor jeder Prüfungsantwort deshalb immer explizit klären: Vor oder nach Steuern? Kerngeschäft oder Gesamtunternehmen?

Vorlesungs-Empfehlung (23.06.2026): Prof. Rohleder empfiehlt ausdrücklich, ROI und GKR bewusst zu unterscheiden (analog zur Trennung Soll-/Plangröße). In der amerikanischen Original-Idee ist der ROI die Kerngeschäfts-Rentabilität: Betriebsergebnis ins Verhältnis zum durchschnittlich gebundenen, betriebsnotwendigen Kapital. Das erlaubt getrennte ROIs je Geschäftsfeld (Bsp. Autohaus: Neuwagen, Gebrauchtwagen, Werkstatt, Ersatzteile, Verleih — unterschiedlich kapitalintensiv) und damit Rentabilitätsvergleiche über verschieden kapitalintensive Bereiche. Deckt sich mit Rohleders eigener Formel im Blog (#18, Formel 5): EBIT / durchschnittlich gebundenes, betriebsnotwendiges Kapital.

Quelle (Primärtext): Rohleder-Blog, „Profitabilität, Rentabilität und der ROI" V1.2, Abschnitt 4.1.

VERWANDTE FRAGEN

  • Unter welcher Bedingung sind ROI und GKR rechnerisch identisch? → Wenn der ROI mit finanzierungsneutralem Zähler (Gewinn + FK-Zinsen / EBIT) und dem Gesamtkapital als Nenner gerechnet wird.
  • Welche Kennzahl ist für den Leverage-Vergleich heranzuziehen, ROI oder GKR? → Die GKR, weil sie finanzierungsneutral direkt mit dem FK-Zins verglichen werden kann.
  • Was ist an vielen Internet-/YouTube-Darstellungen von ROI und GKR falsch? → Sie unterschlagen die elementaren Unterschiede (Steuerbezug vor/nach, Bezugsebene Kerngeschäft/Gesamtunternehmen) und vermengen beide Kennzahlen unreflektiert.

WARUM: Die Pointe „ROI ≈ GKR bei passender Definition, aber breiter/steuerungsorientierter“ ist genau das integrierende Lernziel der Unit – Rohleder prüft, ob du beide Kennzahlen abgrenzen UND verbinden kannst. Die explizite Warnung vor falschen Internet-Darstellungen zeigt, dass er hier besonders wachsam gegenüber unreflektiertem Auswendiglernen aus Sekundärquellen ist.

Quellen: BLOG Kaufmännische Erfolgsgrößen.pdf · BLOG Profitabilität, Rentabilität und der ROI.pdf · Vorlesungsaufzeichnung ETFÜ U24/25, Prof. Rohleder, 23.06.2026 (Screencast-Transkript, ROI = Kerngeschäfts-Rentabilität) · Coenenberg/Haller/Schultze, Jahresabschlussanalyse · Weber/Schäffer, Controlling.


9 Klärungsbedarf und offene Fragen

#90 Priorisierung und konkrete Fragen

(persönlich — selbst ausfüllen)

Bitte die Endziffern selbst anpassen (0 = alles klar, 1 = Detail-Klärungsbedarf, 2 = Klärungsbedarf, 3 = völlig unklar) und eigene konkrete Fragen ergänzen. Aus KI-Sicht prüfungskritisch / am ehesten klärungsbedürftig:

  • #16 – Lesart von „zusätzlich 10 % Fremdkapital“ und Mischzins auf Alt-FK → Musterlösung/Mitschrift abgleichen.
  • #02 / #14 – Welche konkreten Kritikpunkte bzw. Nenner-Verbesserungen das Blog-PDF nennt. Erledigt: volle 10-Punkte-Kritik (#02) und Quartals-Durchschnitts-Hinweis (#14) direkt aus dem Primärtext BLOG Profitabilität, Rentabilität und der ROI V1.2.txt ergänzt.
  • #18 – Welche ROI-Definitionen Rohleder als „die“ relevanten ansieht. Erledigt: die 5 Formeln inkl. Kritik (a/b/c) und Rohleders eigene Formel (EBIT/betriebsnotwendiges Kapital) sind jetzt aus der Primärquelle ergänzt.
  • Neu (nach Primärquellen-Abgleich): #11/#12 – Sitzt die Präzisierung „GKR-Zähler = Jahresüberschuss (JÜ), nicht EBIT" so auch in der Vorlesungsmitschrift? Die Praxis-Vereinfachung über EBIT bleibt gebräuchlich, ist aber laut Blog genau genommen näher an der ROI- als an der GKR-Definition.

10 Vorschläge, Wünsche und Anregungen

#99 Feedback

(persönlich — selbst ausfüllen)

  • Sonstige Frage: …
  • Hinweis (z. B. toter Link): …
  • Bitte: …
  • Vorschlag: …
  • Lob: …
  • Kritik: …

Erstellt mit Unterstützung generativer KI (Claude/Anthropic), eigenständig zu überarbeiten. Sachquellen siehe oben.